Digital Rights

  • : Die Internetzensur dämmert in Deutschlands Morgengrauen
    Die Internetzensur dämmert in Deutschlands Morgengrauen

    Lustig ist, wenn man einen Artikel über die Zensursula-Debatte auf englisch veröffentlicht, jemand ihn nach französisch übersetzt und eine dritte Übersetzung dann auf deutsch erscheint. Aber das Global Voices LIngua Projekt machts möglich. Danke an Paul Lanon. Hier ist jetzt „Die Internetzensur dämmert in Deutschlands Morgengrauen“.

    Deutschland steht am Rande der Zensur seines Internets. Die Regierung der Großen Koalition – bestehend aus Sozialdemokraten (SPD) und Konservativen (CDU/CSU) – scheinen sich einig in ihrer Entscheidung: Am Donnerstag stimmt der Bundestag ab über die Errichtung einer Zensurinfrastruktur.

    Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen stieß eine Diskussion innerhalb der Bundesregierung an, die sie auch anführt, in der es darum geht, zur Bekämpfung von Kinderpornografie, Internetseiten zu blockieren. Die Grundidee: Aufbau einer Zensurinfrastruktur, die kinderpornografische Inhalte blockt. Das Bundeskriminalamt (BKA) verwaltet dabei eine Liste gesperrter Seiten, während die Internetprovider für die Regierung die Zensurinfrastruktur bereitstellen sollen.

    18. Juni 2009 8
  • : Gleich: Zensursula-Debatte im Bundestag
    Gleich: Zensursula-Debatte im Bundestag

    Vermutlich zwischen 18 – 19 Uhr (Update: Kann auch 19:15 Uhr werden!) beginnt im Bundestag der Tagesordnungspunkt 9: „Zweite und dritte Beratung CDU/CSU, SPD – Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen. Drs 16/12850 „. Geplant war der Punkt 9 eigentlich für 17:30 Uhr, aber es gibt schon knapp 40 Minuten Verspätung im Plenum.

    Ihr könnt wieder live dabei sein und spannenden Zensursula – Argumentationen im Bundestags-TV lauschen. Alternativen sind der Phoenix-Stream und derselbe Phoenix-Stream über die ZDF-Mediathek (Falls die nach 19:15 Uhr auch noch aus dem Bundestag senden).

    Die besten Statements von Politikern könnt Ihr gerne auch in Echtzeit twittern und/oder hier in den Kommentaren posten. Mal schauen, ob der Stream hält.

    18. Juni 2009 101
  • : Keine Angst! Wir beißen nur ein bisschen.
    Keine Angst! Wir beißen nur ein bisschen.

    Wenn man nur oft genug schreckliche Gefahren heraufbeschwört, fängt man vielleicht irgendwann an, an sie zu Glauben. Die Politik der Angst – vor Terroristen, Gasversorgungsunterbrechungen und Kinderfickern hat auch die politische Klasse zu Hosenscheißern werden lassen. Im Wahljahr pervertiert diese Angst jedoch vollends: die Politiker bekommen Angst vor den Bürgern, die ihnen als Schreckgespenst „Wähler“ auflauern. Und wie nehmen Politiker dieses potenziell gefährliche Wesen wahr? Durch persönliche Kontakt zum einen. Und zum anderen vor allem durch „die Medien“. Bild, BamS, Glotze regieren nach wie vor in den Köpfen der meisten Abgeordneten. Was anderes haben sie auch nicht gelernt. Davor haben sie Angst: dass in den Massenmedien etwas böses stehen könnte.

    Und wer hat Angst vorm Internet? Die SPD offensichtlich nicht. Die CDU sowieso nicht. Aber das macht nichts. Mag die große konservative Koalition dem Fortschritt auch abschwören, sterben werden sie trotzdem. Wenn sie sich nicht bald anfangen zu ändern. Etwas nervig ist es natürlich, dass wir so lange mit ihnen und ihrem gemeingefährlichen Unfug leben und die Folgen tragen müssen. Aber wir werden sie schon irgendwie überleben. Und ihnen dann zeigen: es geht auch anders. Ganz ohne Euch.

    18. Juni 2009 15
  • : Selbstverständlich kann das BKA Mails an Provider schicken und um Löschung bitten
    Selbstverständlich kann das BKA Mails an Provider schicken und um Löschung bitten

    Politiker von CDU/CSU und SPD argumentieren ja gerne damit, dass wir die Netzzensur brauchen, weild as BKA ja leider nicht schneller Kinderpornographie aus dem Netz entfernen kann. Der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags widerlegt diese Aussage mit einem Kurzgutachten. Selbstverständlich kann das BKA Mails an Provider schicken und um Löschung bitten. Heise berichtet: Gutachten: BKA könnte mehr zum Löschen von Kinderpornos beitragen.

    Das Bundeskriminalamt (BKA) könnte kürzere Wege im Kampf gegen die Verbreitung kinderpornographischer Inhalte im Web gehen. Laut einem heise online vorliegenden Kurzgutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags könnte das Wiesbadener Polizeiamt in seiner Funktion als „Zentralstelle Kinderpornographie“ Provider im außereuropäischen Ausland direkt über solche Angebote auf ihren Servern informieren und sich so Umwege über nationale Behörden ersparen. Wenn Ermittler beim Bundeskriminalamt kinderpornographische Bilder auf Servern im außereuropäischen Ausland finden, informieren sie derzeit zuerst die dortigen Polizeiämter oder Interpol. Damit soll vermieden werden, dass die nationale Strafverfolgung der jeweiligen Länder umgangen wird. Dieses Verfahren gilt als eine Begründung für die Notwendigkeit des geplanten Gesetzes für Web-Sperren, das in wenigen Stunden im Bundestag verabschiedet werden soll. Die Gutachter meinen aber, wenn das BKA den Host-Provider nur auf inkriminierte Inhalte auf seinem Server hinweise, würde das BKA nicht hoheitlich tätig. Solche rein informativen „Abuse-Mails“ seien zulässig.

    Ein weiterer Mosaikbaustein in der Aufklärung der Desinformationskampagne der Großen Koalition zur Einführung einer Netzzensur-Infrastruktur in Deutschland.

    18. Juni 2009 16
  • : Bericht von der Sperrwache in Berlin
    Wir so damals gegen Zensursula: "Löschen statt Sperren!"
    Bericht von der Sperrwache in Berlin

    Heute Morgen haben wir prominent vor dem Brandeburger Tor mit einer Sperrwache gegen die Zensursula-Gesetzgebung demonstriert. Rund 200–300 Menschen waren da und haben bunt und mit vielen Plakaten und Transparenten ihr Meinung geäussert. Erfreulicherweise waren auch viele Medien unserer Einladung gefolgt und haben Fotos und Videos gemacht. Einige finden sich schon im Netz. Da fast jeder Teilnehmer eigene Kameras dabei hatte, wird es im Laufe des Tages viele Bilder-Galerien zu bewundern geben. Danke an Julia Seeliger für die Anmeldung der Demo.

    Das ist vom Wetterfrosch (Hier in groß):

    Panorama-Foto von Donald… auf Flickr (Hier in Groß):

    Hier sind schon mal einige Links:

    Julian hat Fotos auf den selten benutzten Netzpolitik-Account hochgeladen.

    Franz Patzig hat vom Transparente malen Fotos gemacht.

    Schöne Aufnahmen von Donald… bei Flickr.

    Wetterfroschs Bildergalerie.

    Antischokke auf Ipernity.

    Euphoriefetzen hat viele Bilder bei Flickr.

    n24 war mit einem mobilen Reporter vor Ort und hat Fotos und Videos gemacht.

    Hellercom auf Flickr.

    Readers Edition: Mahnwache gegen Internetsperrungen. (Bilder-Galerie.)

    Selbstportraits der anwesenden FDP-ler finden sich in ihrer Facebook-Gruppe. (Manche hatten das Gefühl, sie hätten die Demonstration verwechselt, da prominente Abgeordnete Slogans wie „Nase raus aus meiner Gesundheit“ auf Hochglanz-Plakaten hoch hielten.)

    Auch die Grünen haben jetzt eine Foto-Galerie mit Selbstportraits auf ihrem Flickr-Profil.

    Gerne könnt Ihr Eure Bilder und Berichte in den Kommentaren verlinken und ich nehme sie in die Liste auf.

    18. Juni 2009 36
  • : ZDF-Morgenmagazin: Nutzt Internetzensur?
    ZDF-Morgenmagazin: Nutzt Internetzensur?

    Das ZDF-Morgenmagazin hat heute Morgen über die Zensursula-Debatte berichtet und neben anderen mich dazu befragt: Kinderpornografie: Nutzt Internetzensur?

    Schlechte Mittel für guten Zweck? Bundesfamilienministerin von der Leyen will Kinderpornografie mit Internetsperren bekämpfen. Experten bezweifeln jedoch, dass ihr technisches Konzept greift.

    Gibts auch im Youtube-Netzpolitik-Kanal:

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

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    18. Juni 2009 14
  • : L’ aube de la censure Internet en Allemagne
    L’ aube de la censure Internet en Allemagne

    Freut mich: Global Voices Online hat meinen englischsprachigen Text über die Zensursula-Proteste in einer französischen Übersetzung veröffentlicht: L’ aube de la censure Internet en Allemagne.

    L’Allemagne est à la veille de censurer son Internet : le gouvernement – une grande coalition entre le parti social-démocrate (SPD) et les conservateurs (CDU-CSU) – paraît uni dans la décision : Le parlement doit voter jeudi sur l’édification d’une architecture de censure de l’internet.

    La Ministre des Affaires Familiales Ursula von der Leyen a donné le coup d’envoi et mené les discussions à l’intérieur du gouvernement fédéral allemand pour bloquer les sites Internet en vue de combattre la pédo-pornographie. L’idée générale est de construire une architecture de censure permettant aux autorités de bloquer les contenus comportant de la pédo-pornographie. C’est l’Office fédéral d’enquêtes criminelles qui gérera les listes de sites à bloquer et les fournisseurs d’accès internet contraints à édifier l’architecture secrète de censure pour les autorités.

    18. Juni 2009 2
  • : SZ: Das Netz schlägt zurück
    SZ: Das Netz schlägt zurück

    Johannes Boie hat einen schönen Kommentar in der Süddeutschen Zeitung auf Seite 5 geschrieben: Das Netz schlägt zurück.

    Wiefelspütz dürfte damit eine Lektion gelernt haben, die derzeit auch Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) erfahren muss. Sie lautet: Das Netz ist mächtig, es hat die Kraft für gewaltige politische Kampagnen.[…] Beim Kampf gegen die Internetsperren stellen Blogger, Twitter-Benutzer und Forenbetreiber ihr Können als Gegenöffentlichkeit erstmals in Deutschland erfolgreich unter Beweis.[…] Die digitale Protest-Kampagne wird nicht zentral gesteuert, vielmehr verbreitet sie sich unkontrolliert – eine virale Internetkampagne, von deren Schlagkraft werbetreibende Unternehmen nur träumen können. […]

    18. Juni 2009 6
  • : Samstag: Löschen statt Sperren Kundgebungen
    Samstag: Löschen statt Sperren Kundgebungen

    Während wir noch Transparente und Banner für die Mahnwache gegen die Zensursula-Pläne in Berlin am morgigen Donnerstag Vormittag malen, sei hier auf Samstag verwiesen: Unter dem Motto „Löschen statt sperren“ organisiert die Piratenpartei am 20. Juni dezentrale Kundgebungen.

    Bisher stehen im Wiki Aschaffenburg, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, München, Potsdam und Stuttgart als Austragungsorte. Aber hey, das ist ein Wiki und Demokratie lebt vom mitmachen. Jeder kann seine eigene Demo machen. Oder zu den oben genannten Orten gehen.

    Startzeit soll 12 Uhr sein.

    17. Juni 2009 12
  • : Herfried Münkler kämpft gegen das Internet
    Herfried Münkler kämpft gegen das Internet

    Ich dachte ja gestern schon, der Leitartikel von Markus Decker im Kölner Stadt Anzeiger wäre der Tiefpunkt in der Kommentierung die Zensursula-Kritik. Ich hab mich getäuscht.

    Herfried Münkler, Politikprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin, hat einen Kommentar in der Frankfurter Rundschau geschrieben: Netz-Anarchos und trojanische Pferde (Update: Link aktualisiert). Es fängt gut an:

    Das Gesetzesvorhaben sollte bloß sicherstellen, dass das, was für Printmedien gilt, auch im Internet gelten soll: dass der Erwerb von Kinderpornografie unter Strafe steht.

    Alleine mit der Einführung zeigt Politik-Professor Herfried Münkler, dass er gar keine Ahnung hat, worum es überhaupt geht. Der Erwerb von Kinderpornographie ist schon lange in Deutschland verboten! Mit dem Zensursula-Gesetz soll (offiziell) der Zugang dazu vermeintlich erschwert werden. Aber das spielt keine Rolle. Als Politik-Professor darf man auch ohne jegliche Sachkenntnis in Qualitätsmedien einen Kommentar abdrucken lassen.

    Es wird noch besser. Da fehlt ein Thema, wenn ältere Professoren sich momentan zum Internet äussern: Genau, der Heidelberger Appell und das Urheberrecht. Kommt noch!

    Diese Position einer prinzipiellen Verbotsabwehr verbindet sich mit der Auffassung, in der virtuellen Welt des Internets hätten die Eigentumsansprüche, wie sie in der realen Welt erhoben werden, keine Geltung, sondern müssten einer kostenfreien Nutzung durch alle zugänglich sein. Davon ist vor allem der Anspruch auf geistiges Eigentum betroffen, weswegen diese Auseinandersetzung vor allem von Autoren und Verlagen geführt wird, da hier die Gemeingutpraxis existenzgefährdend ist.

    Auch wenn nicht explizit der Heidelberger Appell gemeint ist: Die Andeutung ist da. Hat zwar nichts mit der Verfolgung von Kinderpornographie zu tun. Aber hey, der ist Professor. Der wird schon wissen, worum es geht.

    Höhepunkt ist dann der nächste Absatz:

    Es ist eine eigentümliche Schar, die sich unter dem Banner der Netzfreiheit versammelt hat. Einerseits kriminelle Geschäftemacher, die das Internet benutzen, um verbotene Produkte an den Mann zu bringen, und andererseits ein Ensemble von Freiheitskämpfern, die ihre anarchistischen (kein Staat!) oder kommunistischen Ideen (kein Eigentum) in der virtuellen Welt des Internets realisieren wollen.

    Man möchte nur noch mit dem Kopf gegen den Tisch schlagen, wenn es denn was bringen würde. Der Protest an der Zensursula-Gesetzgebung wird von kriminellen Geschäftemachern zusammen mit Kommunisten und Anarchisten organisiert. Das ist mit Abstand der grösste Schwachsinn, den ich je zum Thema gelesen habe. Liest denn keiner in der Rundschau die Beiträge?

    Da kommt noch mehr Schwachsinn. Der Artikel schließt mit:

    Die Ideologie der Netzfreiheit ist durch den Vorstoß von Geschäftsinteressen desavouiert worden. Der regulierende Staat folgt bloß den Geschäftemachern. Es kommt darum nicht von ungefähr, dass sich die Debatte über die Freiheit des Internets genau an dieser Stelle entzündet hat.

    Hilfe. Sowas drucken Qualitätsmedien im Jahre 2009! Und da wundern sich Verlage, dass junge und gebildete Menschen sich keine Zeitungen mehr kaufen?

    17. Juni 2009 130
  • : Familienministerium kauft Allensbach-Umfrage
    Familienministerium kauft Allensbach-Umfrage

    Das Familienministerium hat sich eine Allensbach-Umfrage (PDF) geleistet. In der Pressemitteilung verkündet Ursula von der Leyen ganz erfreut:

    „Das Internet steht für Demokratie und Meinungsfreiheit, die wir alle schützen müssen. Aber eine Freiheit ohne Verantwortung kann es auch in diesem unverzichtbaren neuen Medium nicht geben. Ich freue mich sehr, dass nicht nur der Bevölkerungsschnitt, sondern eine fast ebenso große Mehrheit der Menschen, die das Internet täglich nutzen, die Sperrung von Kinderpornografie im Netz begrüßen“, sagt Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen.

    Kurzergebnis: Ältere und schlechter ausgebildete Menschen finden die Zensursula-Pläne gut. Junge und gut ausgebildete Menschen sind kritischer. Das deckt sich ja mit der CDU-Zielgruppe. Man könnte jetzt die Fragestellungen auseinander nehmen und auch die Verpackung der Ergebnisse. Aber ich bin froh:

    Torsten Kleinz hat sich schon die Mühe gemacht, passend darauf zu antworten: Gut, dass wir gefragt haben. Lest das.

    Aber ignorieren wir das. Ignorieren wir auch, dass bei der Umfrage natürlich wieder nur die Blockade von Internetseiten alternativlos vorgestellt wurde und die Gegner des Gesetzesvorstosses mal eben zu “Gegnern von Maßnahmen gegen Kinderpornographie” werden. Ignorieren wir ebenfalls, dass 43 Prozent der Befragten nicht einmal täglich seine E‑Mails abruft und alle anderen als “starke Internet-Nutzer” klassifiziert wurden.

    Update: Höhepunkt ist übrigens das Schaubild 2 im Anhang: „Gegner von Maßnahmen gegen Kinderpornographie“. Damit wird suggeriert, Gegener der Zensursula-Pläne sind für Kinderpornographie. Sowas sollte ein Familienministerium nicht veröffentlichen.

    17. Juni 2009 44
  • : Zensursula-Sperrwache am Donnerstag in Berlin
    Zensursula-Sperrwache am Donnerstag in Berlin

    Am kommenden Donnerstag will die Große Koalition in Berlin das Zensursula-Gesetz beschließen. Wie bei der Verkündung der Pläne durch Ursula von der Leyen im April ist auch diesmal wieder eine Mahnwache geplant. Startpunkt ist 9:00 Uhr. Der genaue Ort entscheidet sich am Mittwoch und wir geben ihn noch bekannt. Wir hoffen, möglichst nah an den Reichstag heran zu kommen. Das Wetter soll wohl auch mitspielen. Die Organisation läuft über das Wiki des AK-Zensur.

    Am Mittwoch Abend gibt es um 19:00 Uhr ein gemeinsames Plakate und Transparente malen im newthinking store in der Tucholskystr. 48 in Berlin-Mitte. Wer schon immer mal ausprobieren wollte, wie man ohne Photoshop oder Gimp noch malerisch-kreativ werkeln kann, ist dazu eingeladen. Im Wiki können gerne noch Sprüche und Statements ergänzt werden, was auf die Transparente drauf soll. Und selbstverständlich können Decken und andere Utensilien zum bespühen und bemalen mitgebracht werden

    Die Hash-Tags bei Twitter sind #sperrwache und #zensursula.

    Update: Die Mahnwache findet nahe dem Brandenburger Tor steht (Platz des 18.März), wenn nicht sogar vor dem Reichstag. Letzteres könnte evtl noch klappen.

    17. Juni 2009 21
  • : Wolfgang Bosbach hat Gedächtnislücken
    Wolfgang Bosbach hat Gedächtnislücken

    Ein schöner Kommentar zu den Zensursula-Protesten steht in der Frankfurter-Rundschau: Tiefes Misstrauen.

    Die Internet-Sperren gegen Kinderpornografie werden kommen – und ihre Gegner dürfen feiern. Am Donnerstag wird das umstrittene Gesetz den Bundestag passieren, das können sie nicht verhindern. Aber was die Aktivisten mit ihrer Online-Petition, ihrer Medienpräsenz und ihrer unermüdlichen Lobbyarbeit geschafft haben, verdient Hochachtung.

    In die andere Richtung berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger, sozusagen das Hausblatt von Wolfgang Bosbach (CDU). Dieser hat seinen Wahlkreis im Rheinisch-Bergische Kreis, der an Köln angrenzt und im Einzugsgebiet des Kölner Stadt-Anzeiger liegt. Wolfgang Bosbach konnte sich auch heute wieder zu den Zensursula-Plänen mit einem (erneut) bemerkenswerten Zitat äussern: „Ich kenne niemanden, der ernsthaft das Ziel verfolgt, weitere Inhalte auf gleiche Art und Weise sperren zu wollen. Deshalb sollte man auch aufhören, den Befürwortern dieser Stoppseiten andere Motive zu unterstellen.“ Da fragt man sich doch, ob der stellvertretende Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion tatsächlich keine Ahnung von den Sperrungswünschen seiner Unions-Kollegen hat. Immerhin hörte man vieles in letzter Zeit:

    Da waren die Glücksspiele, die der hessische Innenminister haben möchte. Oder Thomas Strobl aus der eigenen Fraktion, der erst letzte Woche eine Ausweitung auf Killerspiele wünschte. Die Liste ist locker erweiterbar. Aber dank einer entlarvenden Äusserung von Wolfgang Bosbach vor zwei Wochen wissen wir ja, was hinter der Äusserung tatsächlich steckt: “Ich halte es für richtig, sich erstmal nur mit dem Thema Kinderpornografie zu befassen, damit die öffentliche Debatte nicht in eine Schieflage gerät”. Wir wollen ihm mal nicht ein Lüge unterstellen. Bei seiner schweren Arbeit sind ihm sicher nur Gedächtnislücken gekommen. Oder aber seine Kollegen machen keine ernsthafte Politik, sondern fordern solche Dinge nur aus einer „Bierlaune“ heraus?

    Apropos CDU/CSU: Wie kommt es eigentlich, dass diese stolz in einer Pressemitteilung verkündet, man habe sich in fast allen Punkten gegenüber der SPD durchgesetzt?

    Insgesamt ist durch die massiven Nachbesserungen durch die Union ein ausgewogenes Gesetz entstanden, das energisches Vorgehen gegen die Kinderpornographie mit einem ausgeprägten Grundrechtsschutz verbindet. Ein großer Erfolg für Bundesministerin von der Leyen!

    Irgendwie habe ich das von Seiten der SPD anders verstanden. Aber das bestätigt meine These von Montag, das die Union die SPD über den Tisch gezogen hat.

    Eine gute Analyse findet sich übrigens bei Thomas Stadler: Die Schimäre vom Subsidiaritätsprinzip und andere Irrtümer.

    Die Pressemitteilung der SPD zum Sperrgesetz klingt beeindruckend. Wieder einmal hat man es der CDU und eigentlich allen gezeigt, sich auf voller Linie durchgesetzt und man höre und staune, das Subsidiaritätsprinzip im Gesetz verankert.

    17. Juni 2009 12
  • : The Dawning of Internet Censorship in Germany
    The Dawning of Internet Censorship in Germany

    Germany is on the verge of censoring its Internet: The government – a grand coalition between the German social democrats and conservative party – seems united in its decision: On Thursday the parliament is to vote on the erection of an internet censorship architecture.

    The Minister for Family Affairs Ursula von der Leyen kicked off and lead the discussions within the German Federal Government to block Internet sites in order to fight child pornography. The general idea is to build a censorship architecture enabling the government to block content containing child pornography. The Federal Office of Criminal Investigation (BKA) is to administer the lists of sites to be blocked and the internet providers obliged to erect the secret censorship architecture for the government.

    A strong and still growing network opposing these ideas quickly formed within the German internet community. The protest has not been limited to hackers and digital activist but rather a mainstreamed effort widely supported by bloggers and twitter-users. The HashTag used by the protesters is #zensursula – a German mesh up of the Ministers name and the word censorship equivalent to #censursula.

    As part of the public’s protest an official e‑Petition directed at the German parliament was launched. Within three days 50,000 persons signed the petition – – the number required for the petition titled „No indexing and blocking of Internet sites“ to be heard by the parliament. The running time of an e‑Petition in Germany is 6 weeks – within this time over 130,000 people signed making this e‑Petition the most signed and most successful ever.

    During the past weeks, protests became more and more creative – countless blogs and twitter-users followed and commented the discussions within governments and opposing arguments. Many mainstream media picked up on this and reported about the protest taking place on-line. A working group on censorship was founded and the protest coordinated with a wiki, mailing lists, chats and of course employing twitter and blogs. One website „Zeichnemit.de“ created a landing page explaining the complicated petitioning system and making signing the petition easier and more accessible for non net-experts.

    Over 500 people attended the governments official press conference on the planed internet censorship – a number of whom used this occasion to demonstrate and voice their concerns. In fact, demonstrators began attending some of the Minister von der Leyens public appearances, carrying banners and signs to raise attention to the stifling of information freedom in Germany.

    The net community did not only oppose the governments plans, but also made constructive suggestions how to deal with the problem of child pornography without introducing a censorship architecture and circumcising constitutional freedoms. The working group on censorship demonstrated the alternatives for instance by actually removing over 60 websites containing child pornographic content in 12 hours, simply by emailing the international providers who then removed this content from the net. The sites were identified through the black lists of other countries documented on Wikileaks. This demonstration underlines the protesters main arguments: instead of effectively investing time and efforts to have illegal content removed from the internet, the German government is choosing censorship and blocking – an easy and dangerous way out. The greatest fear of the protesters is that once in place, the infrastructure will be used to censor other forms of unwanted content, not only child pornography. German politicians already seem to be lining up with their wish-list of content to be censored in future – the suggestions ranging form gambling sites, islamist web pages, first person shooters, and the music industry cheering up with the thought of finally banning pirate bay and p2p.

    You can find a detailed linklist of the zensursula-debate here (in german).
    Thanks to Geraldine de Bastion for the translation.

    16. Juni 2009 142
  • : Community sagt alle weiteren Gespräche mit SPD-Verhandlungsführer ab
    Community sagt alle weiteren Gespräche mit SPD-Verhandlungsführer ab

    Für Mittwoch hat der SPD-Verhandlungsführer Martin Dörmann nochmal zu einer Gesprächsrunde die „Internet-Community“ eingeladen. Nachdem wir schonmal zwei Stunden Zeit verschwendet haben, um uns mit einem beratungsresistenten Martin Dörmann zu treffen, haben wir aufgrund der aktuellen Kompromiss-Ereignisse dankend abgelehnt. Hier ist der Offene Brief des AK-Zensur dazu: Internet-Zensur beschlossen: Community sagt alle weiteren Gespräche mit SPD-Verhandlungsführer ab.

    Zu dem Beschluss der Koalition, eine Internet-Zensur-Infrastruktur zu errichten, schreibt der Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur) an den Verhandlungsführer der SPD, Martin Dörmann, und die SPD-Bundestagsfraktion in einem offenen Brief:

    Sehr geehrter Herr Dörmann,
    liebe SPD-Bundestagsfraktion,

    die Union hat sie Ihnen zugeworfen, Sie haben sie in der Hand – die Büchse der Pandora. Leider haben Sie nun doch beschlossen, sie allen Warnungen und Hinweisen zum Trotz zu öffnen. Aber: ist sie erst einmal geöffnet, ist es zu spät. Sie bauen zusammen mit Ihrem Koalitionspartner eine Internet-Zensur-Infrastruktur auf, die für beliebige Inhalte genutzt werden kann.

    Wir erinnern Sie daran, dass die CDU/CSU sich viel weitergehende Internet-Sperren wünscht. Erst gestern wurden in deren Pressemeldung Urheberrechtsverletzungen angesprochen, zuvor schon „Killerspiele“ und Glücksspiele – aber auch viele weitere unerwünschte Inhalte stehen auf der Agenda.

    Sie haben sich von der CDU/CSU an der Nase herumführen lassen. So wie es Wolfgang Bosbach gesagt hat: Erst einmal nur über Kinderpornografie reden, damit in der öffentlichen Diskussion nicht deutlich wird worauf es letztendlich hinaus läuft. Die Union missbraucht die Opfer ein zweites Mal um eine allgemeine Internet-Zensur-Infrastruktur einzurichten.

    Frau von der Leyen will es weiter dulden, dass sexuell missbrauchte Kinder im Internet zur Schau gestellt werden, sie hält nur einen Vorhang davor. Dabei ist längst klar und belegt, dass sich diese ekelhaften Bilder leichter löschen als verstecken lassen. Aber um Kinderpornografie geht es ja schon lange nicht mehr.

    Selbst wenn die aktuelle Regierung sich formal auf das Sperren von Kinderpornografie beschränkt – ist die Infrastruktur erst einmal eingerichtet, kann und wird sie für beliebige Inhalte genutzt werden.

    Sie planen, am Donnerstag die Büchse der Pandora zu öffnen. Daher sehen wir, die Internet-Community, keinen Grund mehr um weiter mit Ihnen zu reden. Alle weiteren Gespräche zu diesem Thema sagen wir hiermit ab. Dies gilt auch für Ihre Einladung für Mittwoch Nachmittag ins Paul-Löbe-Haus.

    Hochachtungsvoll

    Ihre im Arbeitskreis gegen Internet-Sperren zusammengeschlossene Internet-Community

    16. Juni 2009 62
  • : Proteste im Iran
    Proteste im Iran

    Die New York Times hat einen recht ausführlichen Artikel zur Rolle von Twitter und anderen sozialen Netzwerken wie Facebook in den Protesten gegen die Wahlen im Iran: Social Networks Spread Iranian Defiance Online. Daraus:

    On Twitter, reports and links to photos from a peaceful mass march through Tehran on Monday, along with accounts of street fighting and casualties around the country, have become the most popular topic on the service worldwide, according to Twitter’s published statistics.

    A couple of Twitter feeds have become virtual media offices for the supporters of the leading opposition candidate, Mir Hussein Moussavi. One feed, mousavi1388 (1388 is the year in the Persian calendar), is filled with news of protests and exhortations to keep up the fight, in Persian and in English. It has more than 7,000 followers.

    Mr. Moussavi’s fan group on Facebook has swelled to over 50,000 members, a significant increase since election day.

    Die Tweets kommen in Farsi und Englisch, das wichtigste Tag ist #IranElection.

    Der Artikel berichtet auch von privaten Initiativen, die Proxy-Server und Zensurumgehung betreiben.

    16. Juni 2009 9
  • : Zensursula: Ruf im Bundestag an! (6. Akt)
    Zensursula: Ruf im Bundestag an! (6. Akt)

    Zum Abschluß unserer Aktionsreihe „Zensursula: Ruf im Bundestag an!“ präsentieren wir nochmal eine Politikerin des Tages: Monika Griefahn ist Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien und zudem Sprecherin der Arbeitsgruppe Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion. Sie gilt noch als skeptisch innerhalb der SPD-Fraktion. Ihre Telefonnummer ist 030 / 227–72425, Faxe erreicht sie unter 030 / 227–70125 und dann gibt es noch die Mailadresse monika.griefahn@bundestag.de.

    Monika Griefahn steht hier stellvertretend für alle SPD-Bundestagsabgeordnete, die wohl am Donnerstag die Zensursula-Gesetzgebung abstimmen werden. Ruft sie an!

    Immer dran denken: Höflich und freundlich sein. Hier ist ein kleines How-To: Kontaktiere einen Abgeordneten. Und hier unsere kommentierte Linkliste. Im Wiki des AK-Zensur gibt es eine FAQ mit Argumenten.

    Letzte Woche haben wir gemeinsam Fritz-Rudolf Körper (SPD), Peter Struck (SPD), Thomas Oppermann (SPD) , Ludwig Stiegler (SPD) und Martin Dörmann (SPD) angerufen.

    16. Juni 2009 9
  • : Der Entwurf des Zensursula-Spezialgesetzes
    Der Entwurf des Zensursula-Spezialgesetzes

    Hier ist der aktuelle Entwurf des gestern von der Großen Koalition verhandelten Kompromisses eines Zensursula-Spezialgesetzes: Änderungsantrag der Koalition zum Gesetz gegen Kinderpornographie.

    16. Juni 2009 32
  • : Große Koalition einigt sich bei Zensursula
    Große Koalition einigt sich bei Zensursula

    Heute Abend fand ein letztes Zensursula-Kompromissgespräch mit den Unterhändlern Martina Krogmann (CDU) und Martin Dörmann (SPD) statt. Was heute Nachmittag noch als Gerücht kursierte, ist jetzt bestätigt worden: Die Große Koalition hat sich auf einen Kompromiss geeinigt! Es wird ein Spezialgesetz geben (Was selbstverständlich ebenso wie das Telemediengesetz ausgeweitet werden kann), das Gesetz soll befristet werden (Die Otto-Katalöge waren das auch, sowas wird immer erweitert) und man will ein irgendwie unabhängiges Gremium schaffen, was ab und an auf die Listen kontrollierend drauf schauen kann. Was klar ist: Die Große Koalition öffnet damit die Büchse der Pandora und schafft den Einstieg in die Netzzensur in Deutschland!

    Bedanken darf man sich vor allem bei der SPD. Noch ist es unklar, was dazu führte. Denkbar sind zwei Varianten:

    Variante 1: Verhandlungsführer in der SPD (namentlich u.a. Martin Dörmann aus Köln) fühlten sich (mal wieder) als Oberstrategen und haben sich von der CDU über den Tisch ziehen lassen. Es war immer klar, dass die CDU/CSU mit Radikalforderungen in die Debatte einstieg, um Verhandlungsmasse zu haben. Statt deutlich Nein zu sagen hat die SPD geglaubt, verhandeln zu müssen. Dass dies keine gute, sondern nur eine dämliche Lösung produzieren konnte, war von vorne herein klar. Die SPD hat ihre netzpolitische Kompetenz also erneut unter Beweis gestellt, indem sie selbst den größten Unfug zu rechtstaatlichen Anschein verhilft.

    Variante 2: Die SPD wollte immer schon den Einstieg in die Netzzensur und suchte nur nach dem passenden Partner.

    Beide Varianten lassen die SPD nicht in einem guten Licht erscheinen. Diese Gesetzgebung ist gefährlich für eine digitale Gesellschaft. Wenn dieses Gesetz am Donnerstag beschlossen wird, ist jeder einzelne Abgeordnete verantwortlich für den Einstieg in die Abschaffung der Informationsfreiheit. Das wird nicht vergessen werden.

    15. Juni 2009 107
  • : Aktion: „Wakeup Call“
    Aktion: „Wakeup Call“

    Eine nette Aktion ist auch der „Wakeup Call“ von „Gib Deiner Stimme ein Gesicht“. Bei jedem Reload werden die Kontaktdaten von fünf SPD-Abgeordnete angezeigt. Die kann man anrufen.

    15. Juni 2009 2