Digital Rights
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: Heise schlägt Musikindustrie vor BGH
: Heise schlägt Musikindustrie vor BGH Herzlichen Glückwunsch: Der Heise-Verlag hat sich vor dem Bundesgerichtshof gegen eine Klage der Muuikindustrie durchgesetzt, die zur Dokumentation im Rahmen der Berichterstattung Verlinkungen auf eine Firmen-Webseite verhindern wollte, wo auf den Unterseiten Kopierschutzknacker angeboten werden: Heise vs. Musikindustrie: Bundesgerichtshof verwirft Link-Verbot.
Dem Heise Zeitschriften Verlag war in mehreren Instanzen untersagt worden, im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung über Kopierschutzsoftware einen Link auf die Webpräsenz des Unternehmens Slysoft zu setzen. Ausgelöst wurde der Rechtsstreit durch einen Bericht auf heise online über Kopierschutzmaßnahmen, in welchem der Leser über einen Link auf die Startseite eines Softwareherstellers gelangen konnte. Dieser bot auf einer Unterseite seinen Kopierschutzknacker zum Download an. Die Richter des I. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs hoben nun unter anderem das Urteil des OLG München vom 23. Oktober 2008 auf; die Klage der Musikindustrie wurde abgewiesen. Die Kosten des Verfahrens haben die klagenden Firmen der Musikbranche zu tragen.
Eine schriftliche Begründung gibt es erst in wenigen Monaten. Bei Heise findet sich auch eine Dokumentation des Verfahrens, was sich seit 2005 hinzog: Dokumentation: Heise versus Musikindustrie.
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: Überflüssige Gesetze: Wie Politiker Sicherheit vorgaukeln
: Überflüssige Gesetze: Wie Politiker Sicherheit vorgaukeln Die Sendung Panorama in der ARD hat gestern Abend einen 8‑Minuten Bericht über „Überflüssige Gesetze: Wie Politiker Sicherheit vorgaukeln“ gesendet. Mit dabei war auch die Zensursula-Debatte featuring das Zugangserschwerungsgesetz, Online-Durchsuchung sowie die aktuelle Vorratsdatenspeicherungs-Debatte. Ein sehr guter Bericht, den man gesehen haben sollte. Aber seht selbst:
Der Kampf gegen Terror oder Kinderpornografie gehört zu den Lieblingsthemen unserer Sicherheitspolitiker. Hiermit können sie sich profilieren, durchgreifen, Reden schwingen. Eilig werden dabei neue Gesetze verfasst oder bestehende verschärft – ob sie wirksam sind oder nicht. Panorama zeigt, welche Blüten es treiben kann, wenn Politiker beim Thema Innere Sicherheit dem Populismus erliegen und der Sachverstand dabei auf der Strecke bleibt.
Das Video gibt es in der ARD-Mediathek oder auf Youtube:
Man kann auch noch was Neues lernen. „Schaufenstergesetz“ kannte ich bisher noch nicht als passendes Wort für aktionistische Politiker, die schnell einfache Lösung für meist vermeintliche Probleme präsentieren. Aber schade, dass die Rolle der Medien in dem Beitrag so wenig hinterfragt wurde.
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: Wie die amerikanische Regierung soziale Netzwerke überwacht
: Wie die amerikanische Regierung soziale Netzwerke überwacht Als im letzten Jahr die Anzahl der Zuschauer im Internet bei Obamas Amtseinführung in Rekordhöhe stiegen, wurde der US-Regierung klar, dass sich hier eine Tür öffnete, um das Netz nach Gefahren für die nationale Sicherheit zu durchforsten. Es wurde daraufhin zum Amtsantritt Obamas im Department of Homeland Security’s (Heimatschutzministerium der Vereinigten Staaten, kurz DHS) die Abteilung „Social Networking Monitoring Center“ ins Leben gerufen, um Daten aus der öffentlichen Online-Kommunikation zu erheben und auszuwerten.
Die Electronic Frontier Foundation erhielt während eines Gerichtsverfahrens über die Kontrolle sozialer Netzwerke dank des Freedom of Information Acts (Informationsfreiheitsgesetz, kurz FOIA) bisher geheim gehaltene Dokumente, die zwei Arten der Online-Überwachung durch die amerikanische Regierung aufdecken:
Einerseits geschieht dies im Bereich der Staatsbürgerschaft und Einwanderung durch die Durchsuchung sozialer Netzwerke aller Anträge zum Erwerb von Staatsbürgerschaften. Andererseits werden soziale Netzwerke von dem speziell hierfür geschaffenen „Social Networking Monitoring Center“ überwacht. Das Center durchkämmte angeblich bereits eine Woche vor Obama’s Amtsantritt soziale Netzwerke nach Inhalten, die besondere Aufmerksamkeit erhalten. Populäre Inhalte wurden identifiziert und archiviert. Es wurde nach Trends gesucht, die eventuell eine Bedrohung für die nationale Sicherheit darstellen könnten.Zu den Dokumenten, die gestern von der EFF hierzu veröffentlicht wurden, gehört ein Papier zur Überwachung der sozialen Netzwerke zum Amtsantritt Obamas:
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: Über Whistleblowing und die dazu notwendigen Plattformen
: Über Whistleblowing und die dazu notwendigen Plattformen Daniel Domscheit-Berg hat für den Freitag einen Kommentar über Whistleblowing und die dazu notwendigen Plattformen geschrieben: Der gute Verrat.
Die effiziente Nutzung der von Whistleblowern zur Verfügung gestellten Materialien muss dabei im Vordergrund stehen. Eine Plattform für Whistleblower ist eine neutrale Instanz und muss sich selbst als reine Dienstleistung begreifen. Dies betrifft vor allem die verlässliche Entgegennahme, Verarbeitung und Auswertung von Dokumenten. Diese Funktion darf sie nicht aus dem Auge verlieren und sie muss sicherstellen, dass sie selbst bei großem Zuspruch die Einsendungen diskriminierungsfrei abarbeitet. Auch funktionale Schnittstellen mit den klassischen Medien werden benötigt. Eine Whistleblowing-Plattform ist Zuarbeiter für Medien. Deren Aufgabe ist die Analyse, Aufbereitung, Kontextualisierung und Präsentation der Informationen gegenüber der Gesellschaft.
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: Apple patentiert Inhaltsfilter
: Apple patentiert Inhaltsfilter Apple hat ein 2008 beantragtes Patent zugeteilt bekommen, das die Inhaltsfilterung von Textnachrichten vorsieht. Mit Hilfe von einstellbaren Werten für notwendigen Text, verbotene Inhalte, autorisierte Wörter, und vorgesehene Sprache können zum Beispiel Eltern verhindern, dass ihr Kind Wörter schreibt, die nicht mit den angestrebten Erziehungsrichtlinien kompatibel sind. Genau so können sie verhindern, dass ihr Kind derartige Nachrichten erhält. Je nach Schwere des Verstoßes soll die Software die Nachricht entweder zensieren oder komplett blocken. Natürlich kann auch der „Administrator“ benachrichtigt werden: „Ihr Sohn wollte gerade ‚Pimmel’ schreiben.“
Im Patent wird insbesondere der bildungsfördernde Aspekt der Spracheinstellung beworben: Man könne zum Beispiel einen gewissen Prozentsatz an Fremdsprachenwörtern verlangen um die Lernfortschritte des Sprösslings zu unterstützen. So lehrt man den Kindern früh die hohe Kunst des Jailbreaking.
Interessant ist, wie in der amerikanischen Blogosphäre mehr oder weniger applaudiert wird. ‚Sexting’ scheint dort die Gesellschaft irgendwie in ihren Grundfesten zu bedrohen. Kritisch wird immerhin angemerkt: Es mag sein, dass verhindert wird, dass unsere Kinder ’sowas’ schreiben – aber nicht, dass sie es denken. Dort wird dann als nächstes angesetzt.
Schön stelle ich mir aber die Apple-UI dazu vor… Ich tippe ‚por’ und pötzlich verschwindet die N‑Taste von der Tastatur? Mit Sicherheit wird die Funktion zu mehr Kreativität in der Sprachnutzung führen.
— und das ganze nochmal in l3375P33k —
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: Toll: Canon-Drucker mit Zensurmodus
: Toll: Canon-Drucker mit Zensurmodus Der Druckerhersteller Canon hat die letzte Version seines Dokumentenmanagement-Systems Uniflow 5 mit tollen neuen Features präsentiert: Canon blocks copy jobs by keyword. Neu dabei ist der Zensurmodus. Zentral kann ein Administrator bestimmte Schlüsselwörter vergeben und wenn der Drucker diese dann ausdrucken oder der Kopierer diese kopieren soll, gibt es eine Alarmmeldung beim Administrator und der Vorgang wird blockiert.
Man kann sich gar nicht die vielen Möglichkeiten ausmalen, die man mit einer solchen Technik erreichen kann: Regierungen könnten auf die Idee kommen, zentrale Sperrlisten für bestimmte Keywörter anzulegen, die Drucker und Kopierer dann vorher kontaktieren müssen. Das würde sicher einige gesellschaftliche Probleme mit
MeinungsfreiheitJugendschutz lösen. Oder Whistleblower freuen sich darüber, dass sie zukünftig mehr und früher Aufmerksamkeit für ihre Arbeit erhalten.Hoffnung: Das Feature wird eh nicht so funktionieren, wie in der Werbung beschrieben.
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: Facebook löscht wohl immer noch keine Fotos komplett
: Facebook löscht wohl immer noch keine Fotos komplett Das endgültige Löschen von auf Facebook hochgeladenen Fotos und sonstigen Dateien ist ein Running-Gag. Drückt man auf Löschen, sind diese oft nicht gelöscht, wie man sich das als Nutzer so vorstellt, sondern verstecken sich im Content-Delivery-Network von Facebook. Das Problem ist seit langem bekannt und die Verbraucherschützer sind not amused darüber. Es ändert sich aber nichts. Insofern muss man immer wieder darüber berichten, bis Facebook mal endlich dafür sorgt, dass gelöschte Bilder auch wirklich von den eigenen Servern verschwinden.
arstechnica berichtet mal wieder darüber: „Deleted“ Facebook photos still not deleted: a followup.
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: Bundesregierung votiert in Brüssel für „Löschen statt Sperren“.
: Bundesregierung votiert in Brüssel für „Löschen statt Sperren“. Unsere Bundesregierung wird wohl im Rahmen der Censilia-Richtlinie nicht für Netzsperren stimmen, sondern hat einen Änderungsvorschlag eingereicht, wonach das Prinzip „Löschen statt Sperren“ praktiziert werden soll. Heise berichtet, dass sich Justiz- und Innenministerium darauf geeinigt haben: Kinderpornographie: Bundesregierung votiert in Brüssel für „Löschen statt Sperren“.
Die Mitgliedstaaten sollen stattdessen im Rahmen der geplanten Richtlinie Maßnahmen treffen, damit Websites mit Abbildungen sexuellen Missbrauchs aus dem Internet entfernt werden. Darüber hinaus gehende Ansätze sollen zwar weiterhin möglich sein, von Brüssel aus aber nicht mehr vorgegeben werden. Dies geht aus einem Änderungsvorschlag Deutschlands für den besonders umkämpften Artikel 21 des Direktivenentwurfs der EU-Kommission hervor, der heise online vorliegt. Laut dem Papier müssten EU-Länder bei Zugangssperren auch „angemessene Schutzvorschriften“ vorsehen, dass die Blockade „unter Berücksichtigung der technischen Gegebenheiten auf kinderpornografische Inhalte beschränkt wird“. Nutzer müssten über die Gründe der Sperrung und Inhalteanbieter soweit möglich über bestehende Rechtsschutzmöglichkeiten informiert werden.
Mal schauen, ob die Bundesregierung auch genug Motivation beweist, die notwendige Sperrminorität gegen die Netzsperren, bzw. eine Mehrheit für ihren Ändernugsantrag im EU-Rat zu organisieren.
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: Domain verschwunden: Aus depub.org wird erstmal depub.info
: Domain verschwunden: Aus depub.org wird erstmal depub.info Depub.org, das öffentliche Backup des Tagesschau.de-Archives, hat seit einigen Tagen Probleme mit der eigenen Domain. Diese ist verschwunden. Zuerst hieß es, es handele sich um ein DNS-Problem. Dann wurde eine Sperrung vermutet, und heute twitterte das Projekt, dass der Provider versprochen habe, dass depub.org „im Laufe der nächsten Woche“ wieder funktioniere. Bis dahin findet sich das Archiv auch unter http://200.74.245.87 , sowie unter der Ersatz-Domain depub.info.
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: Kein Facebook für „Gegen Nazis“? (UPDATE)
: Kein Facebook für „Gegen Nazis“? (UPDATE) Die Facebook-Seite des NPD-Blog ist gelöscht worden. Auf Nachfrage erhielten die Betreiber nur den Hinweis dass hasserfüllte, bedrohliche oder obszöne Seiten nicht gestattet seien. Die Facebook-Seite der NPD ist indes weiterhin erreichbar.
Natürlich klingt es ziemlich unglaubwürdig, dass Facebook gezielt die Seite desProjekts herausgesucht, eingehend geprüft und dann gesperrt hat.
Viel wahrscheinlicher ist es doch, dass eine ausreichende Anzahl von Anti-Gegen-Nazis-Aktivisten (um sie nicht Nazis zu nennen) auf den „diese Seite melden“-Link geklickt hat, bis bei Facebook dann automatisch die Sperrung ausgelöst wurde.
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Update: Die Seite ist wieder online, allerdings (vorerst?) ohne Admin-Rechte und ohne Freunde. Der Betreiber erhielt als Begründung die Seite sei „aus Versehen gesperrt und wurde inzwischen reaktiviert.“ Unsere Anfrage wurde beantwortet mit „[die] Seite wurde wegen einem technischen Problem deaktiviert und ist mittlerweile wieder online.“
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: Irreführend: Freier Internetzugang mit unbegrenzter Datenflatrate
: Irreführend: Freier Internetzugang mit unbegrenzter Datenflatrate T‑Mobile darf nicht mehr ihre iPhone-Tarife mit mit „Freier Internetzugang mit unbegrenzter Datenflatrate“ bewerben. Das hat das Oberlandesgericht Hamburg (OLG) entschieden (Az.: 5 U 185/08). Das berichtet Heise: Gericht: T‑Mobile muss Werbung ändern. Geklagt hatte der VoIP-Anbieter Sipgate, der seine Klage damit begründete, dass der eigene Service dort nicht verfügbar ist und das mit der unbegrenzten Datenflatrate auch sehr missverständlich sei, wenn irgendwann der Zugang extrem gedrosselt wird.
Sipgate-Geschäftsführer Thilo Salmon begrüßte die Entscheidung gegenüber heise online. Er bedauerte aber zugleich, dass die Richter nicht geklärt hätten, ob ein Tarifangebot ohne VoIP-Funktionalität generell als Internetzugang bezeichnet werden dürfe. Der Firmenchef setzte sich in der Auseinandersetzung über eine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität daher zumindest für eine klare Kennzeichnungspflicht ein, was bei einem Anbieter konkret unter „Internet“ verstanden wird und welche Einschränkungen der Nutzer gegebenenfalls zu erwarten habe.
Erfreulich und ein erster Schritt in die Richtung, dass nur noch als Internet verkauft werden dürfte, wo auch wirklich ein neutrales Netz enthalten ist.
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: Geschlossene Gesellschaft: BKA-PK zur Vorratsdatenspeicherung
: Geschlossene Gesellschaft: BKA-PK zur Vorratsdatenspeicherung Update: Wie mir Zeit.de mitteilte, war mit dem Tweet keine Ausladung gemeint, sondern lediglich, dass man erst gar nicht eingeladen wurde und auch keine Infos bekommt.
Das Bundeskriminalamt möchte heute ausgewählte Zahlen zur Vorratsdatenspeicherung der Presse präsentieren. Anscheinend darf da aber nicht jeder dabei sein, es könnten ja kritische Fragen kommen. Das Digitalressort von Zeit-Online, bisher eher kritisch in der Berichterstattung zur Vorratsdatenspeicherung aufgefallen, darf z.B. nicht dabei sein, wie man auf Twitter lesen konnte:
#BKA will heut „ausgewählten Journalisten“ (uns nicht) Bsp. vorlegen, bei denen Ermittlungen scheiterten, weil man keine #VDS hatte (kb)
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: Fahrplan der Datenspuren 2010
: Fahrplan der Datenspuren 2010 Am 16. und 17. Oktober finden in Dresden wieder die Datenspuren statt. Der Fahrplan dazu wurde heute veröffentlicht. Ich würde gerne daran teilnehmen, kann aber leider zeitlich nicht. Falls Ihr in der Nähe seid: Geh hin, der Eintritt ist frei.
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: Datenschutz-Plug-In für Firefox liest das Kleingedruckte
: Datenschutz-Plug-In für Firefox liest das Kleingedruckte
Von der Electronic Frontier Foundation, der Internet Society und dem Center for Democracy and Technology gibt es ein neues Datenschutz-Plug-In für den Firefox-Browser.Die freie Open-Source-Erweiterung für Firefox überprüft die allgemeinen Geschäftbedingungen und Datenschutzbestimmungen von rund einem Dutzend großer Webseiten und aktualisiert sie alle drei Stunden. Sobald es auf einer Seite Änderungen im Kleingedruckten gibt, werden sie dem Nutzer gemeldet wenn die wieder Seite besucht wird.
Im letzten Jahr gab es beispielsweise viel Wirbel um die Änderungen der AGB bei Facebook, als sich die die Plattform unbegrenzte Nutzung der Inhalte alle Facebook-Nutzer sichern weollte. Solche Änderungen kommen durch das Plug-In nicht mehr unbemerkt an den Nutzern vorbei.
Hier gibt es weitere Informationen und den Download. Und kann man sich bereits die Bibliothek mit den Änderungen der Nutzungsbestimmungen in den letzten sechs Monaten anschauen, die das Plug-In füttern wird.
(Crossposting von vasistas?)
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: Visualisierung: Parteispenden in Deutschland
: Visualisierung: Parteispenden in Deutschland Hier gibt es eine schöne Visualisierung der Parteispenden über 50.000 Euro seit 2002:
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: BKA lanciert Vorratsdatenspeicherungspapier
: BKA lanciert Vorratsdatenspeicherungspapier Samstag erst wurde im Spiegel auf eine CDU/CSU-Kampagen zur Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung featuring the BKA hingewiesen und gestern konnte man in der WELT dann den nächsten Kampagnenbaustein ansehen. Ein „streng geheimes“ Papier wurde offensichtlich von der BKA-PR-Abteilung an die Welt lanciert. Ist ja nicht das erste Mal, dass sich die WELT als BKA-Sprachrohr instrumentalisieren läßt. Der Artikel ließt sich dann auch so: Geheimpapier enthüllt die Machtlosigkeit des BKA.
Das Papier des Bundeskriminalamts (BKA) umfasst 16 Seiten und trägt den Stempel „VS – nur für den Dienstgebrauch“. Weil das Dokument unter keinen Umständen öffentlich werden soll, möchte es das BKA selbst für die interne Internetplattform „Extrapol.de“ der Polizei sperren. Angesichts der Brisanz ist die Geheimniskrämerei verständlich. Denn in dem Papier, das WELT ONLINE vorliegt, beklagt das BKA die eigene Ohnmacht. […] Schuld daran ist die Politik, die in dem Bericht allerdings mit keiner Silbe erwähnt wird.
Update: Patrick Breyer hat das Papier gegenüber Heise kommentiert:
Patrick Breyer vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung bezeichnete die Vorlage des BKA gegenüber heise online als „völlig irrelevant“, da der Vergleich etwa zum Vorjahr fehle. Laut Kriminalstatistik blieben mit einer Protokollierung von Nutzerspuren ebenso viele Straftaten unaufgeklärt wie ohne, nämlich jeweils rund 45 Prozent. Angesichts der jährlich hierzulande rund 6 Millionen registrierten kriminellen Vergehen habe die Polizeibehörde mit 701 Fällen zudem nur „eine winzige und verzerrte Stichprobe“ untersucht. Dies lege die Vermutung nahe, dass die aufgezeichneten Zahlen gezielt durch Anfragen „frisiert“ worden sei, von denen von vornherein feststand, dass sie nicht zu beantworten seien. Schließlich würden laut der polizeilichen Jahresstatistik 80 Prozent der Internetdelikte auch ohne Vorratsdatenspeicherung aufgeklärt. Insgesamt lebten die Bundesbürger sicherer als die Einwohner von Staaten mit Verpflichtungen zur verdachtsunabhängigen Aufbewahrung von Telekommunikationsdaten.
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: CDU/CSU plant öffentliche Kampagne für Vorratsdatenspeicherung?
: CDU/CSU plant öffentliche Kampagne für Vorratsdatenspeicherung? Finde den Fehler in der Spiegel-Meldung: Union will Speicherung von Verbindungsdaten durchpauken.
Die Union will die FDP mit einer „öffentlichen Kampagne“ schnell zu einem neuen Gesetz für die umstrittene Speicherung von Kommunikations-Verbindungsdaten bewegen. Das kündigten konservative Abgeordnete in einer internen Koalitionsrunde an.
Diese Kampagne müssen die konservativen Abgeordneten nicht ankündigen, die Kampagne läuft ja bereits seit dem Sommerloch, wie wir hier mehrfach schon erwähnt haben. Übrigens warten wir immer noch auf eine Korrektur der Lügenmärchen des CSU-Abgeordneten Stefan Müller in der Bildzeitung, wo dieser mal kurz das Bundesverfassungsgericht für einen Rückgang der Aufklärungsquote auf unter 1% verantwortlich machte.
Aber zurück zum Thema: Unser Bundesinnenminister Thomas de Maiziere hat nach Angaben des Spiegels angekündigt: „Das Gesetz wird kommen“. Und dazu darf BKA-Chef Ziercke mal wieder eine mediale Horrorshow zusammenstellen und die Wahrscheinlichkeit dürfte groß sein, dass diese nach einem kritischen Blick wieder in sich zusammenfallen dürfte (Wie so oft in der Vergangenenheit).
Ende dieser Woche will er Experten des Bundeskriminalamts (BKA) in Berlin anhand möglichst spektakulärer Fälle belegen lassen, dass es wegen der aktuell fehlenden Speicherpflicht tatsächlich blinde Flecken in der Verbrechensbekämpfung gibt. Am Mittwoch hatte bereits BKA-Chef Jörg Ziercke vor dem Innenausschuss Morde an Polizisten als Beispiel genannt. Im Justizministerium sieht man die Polizeiauftritte kritisch. Es könne nicht sein, dass nachgeordnete Bundesbehörden Öffentlichkeitsarbeit gegen die FDP machten.
Update: Ralf Bendrath ergänzt passend in den Kommentaren:
Die versuchen hier offenbar genau das, was mit SWIFT und anderen Überwachungsprojekten gemacht wurde: Man sucht ein paar krasse Fälle heraus, die ohne die Daten nicht oder nur schwer aufgeklärt worden wären. Damit beweist man aber nur, dass die Daten manchmal /nützlich/ sind für die Strafverfolger. Das Kriterium für einen flächendeckenden Eingriff in de Grundrechte der BürgerInnen ist aber, dass sie /”verhältnismäßig und notwendig in einer demokratischen Gesellschaft”/ sein müssen, so der EGMR und sogar der Text der VDS-Richtlinie der EU. Bei genau diesem Nachweis ist die EU-Kommission momentan sehr am Schwimmen, weil ihnen die Daten dafür fehlen. Ich bezweifle sehr, dass die Bundesregierung ihn hinbekommt.
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: Netzneutralität im Telekommunikationsgesetz
: Netzneutralität im Telekommunikationsgesetz Es gibt anscheinend einen Referentenentwurf zum Telekommunikationsgesetz (TKG), der schon in Lobbykreisen herumgereicht wird, aber noch nicht das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat (
Falls jemand diesen hat: Wir würden ihn gerne sehenHier ist er als PDF). Zumindest die Netzneutralität-relevanten Passagen gibt es hier zu sehen (PDF).Wer jetzt denkt, das klingt doch alles super, sollte sich ein Lexikon „Politik-Sprache – Deutsch“ beschaffen. Wenn da z.B. steht:
Zur Wahrung der Nutzerinteressen gehört es danach auch, den Endnutzern die grundsätzliche Möglichkeit zu gewähren, Informationen abzurufen und zu verbreiten sowie beliebige Anwendungen und Dienste zu benutzen. Nach der Erklärung der Kommission zur Netzneutralität in der Änderungsrichtlinie 2009/140/EG wird durch diese Vorgabe die Netzneutralität als politisches Ziel der Regulierung festgeschrieben.
Dann heißt das nicht, dass die Netzneutralität gesetzlich festgeschrieben wird. Sondern lediglich, dass das Regulierungsziel Netzneutralität gleichrangig mit dem Regulierungsziel Wirtschaftlichkeit gesetzt wird. Auch die „grundsätzlichen Möglichkeiten“ heißen nichts anderes als „im Regelfall, aber nicht immer und schon gar nicht unter allen Umständen“. Also keine positive Überraschung, sondern durchaus im Rahmen dessen, was man an Referentenentwurf erwarten konnte.
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: USA: Mit Netzzensur gegen Urheberrechtsverletzungen vorgehen
: USA: Mit Netzzensur gegen Urheberrechtsverletzungen vorgehen Auch die USA haben aktuell eine Netzzensur-Debatte. Allerdings geht es dort erstmal nicht um die Bekämpfung von Kinderpornographie, sondern um Urheberrecht. Die Urheberindustrie hat bekanntlich in die Karriere der meisten US-Politiker investiert und wünscht sich nun die Errichtung einer Netzzensur-Infrastruktur, damit man all die Seiten sperren kann, über die Nutzer Inhalte tauschen oder wo etwas gestreamt wird. Die „COICA Internet Censorship and Copyright Bill“ soll jetzt im Schnelldurchlauf durch den Senat gehen.
Die Electronic Frontier Foundation hat 87 Internet-Pioniere zusammen getrommelt, die gemeinsam einen offenen Brief an die Politik unterschrieben haben: An Open Letter From Internet Engineers to the Senate Judiciary Committee.
We are writing to oppose the Committee’s proposed new Internet censorship and copyright bill. If enacted, this legislation will risk fragmenting the Internet’s global domain name system (DNS), create an environment of tremendous fear and uncertainty for technological innovation, and seriously harm the credibility of the United States in its role as a steward of key Internet infrastructure. In exchange for this, the bill will introduce censorship that will simultaneously be circumvented by deliberate infringers while hampering innocent parties’ ability to communicate.
Die Futurezone berichtet darüber: Internetpioniere gegen US-Netzsperren.
Der Combating Online Infringement and Counterfeits Act (COICA) sieht laut Angaben der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) unter anderem eine vom Justizministerium kontrollierte Schwarze Liste von Websites vor, die „hauptsächlich“ dem Zweck der Urheberrechtsverletzung dienen sollen. Die Netzsperren greifen tief in die Infrastruktur des Internets ein, da es sich dabei um Manipulationen am Domain Name System (DNS) handelt.
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: Montag: Anhörung der Enquete-Kommission zu Netzneutralität
: Montag: Anhörung der Enquete-Kommission zu Netzneutralität Am kommenden Montag findet im Rahmen der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ eine Anhörung der Arbeitsgruppe Netzneutralität statt: “Netzneutralität” – Kapazitätsengpässe, Differenzierung, Netzwerkmanagement“. Das ist etwas bedauerlich, weil die Anhörung sehr kurzfristig anberaumt wurde und ich schon eine Reise nach Ägypten zugesagt und gebucht hatte. Aber Ihr könnt dafür live dabei sein und ich muss mir die Anhörung hinterher im Stream anschauen.
Eingeladen sind die folgenden zehn Sachverständigen:
Bogk, Andreas (CCC)
von Bomhard, Sebastian (Spacenet AG)
Curran, Thomas Aidan (Deutsche Telekom AG)
Donnerhacke, Lutz (IKS GmbH)
Lüke, Falk (Verbraucherzentrale Bundesverband)
Mois, Tim (SIPGate GmbH)
Schäfer, Udo (Alcatel-Lucent AG)
Schlauri, Dr. Simon (Privatdozent Universität Zürich, Rechtsanwalt)
Schmid, Dr. Tobias (Mediengruppe RTL Deutschland)
Summa, Harald A. (DE-CIX Management GmbH)Die Fragen an die Sachverständigen findet man hier als PDF.
Ich hab übrigens keine Ahnung, bis wann man sich anmelden muss, um live dabei zu sein. Auf der Seite findet sich auch kein Hinweis. Wer es genauer wissen will, muss also das Sekretariat direkt anfragen: enquete.internet@bundestag.de. Ansonsten gibts auch den Live-Stream.
