Digital Rights
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: Kurzer internationaler Jahresrückblick
: Kurzer internationaler Jahresrückblick Für DRadio Wissen hab ich einen kurzen internatonalen Jahresrückblick auf 2010 eingesprochen, der heute gesendet wurde. Hier ist das Transcript.
Das internationale Top-Thema in diesem Jahr war Wikileaks. Die Transparenz-Plattform existierte zwar schon einige Jahre, aber erst in diesem Jahr hat das Projekt weltweit für Aufsehen erregt. Durch Wikileaks wurde Whistleblowing, das Geheimnisverraten, um Missstände aufzudecken, popularisiert. Auch Wikileaks wurde zu einem Popkultur-Phänomen, was längst über Nerd-Kreise hinausreicht. Die Popularisierung und der Starkult rund um den Gründer Julian Assange führte auch mit dazu, dass sich einige Mitstreiter im Sommer aus dem Projekt zurückzogen. Für Anfang des kommenden Jahres haben sie mit Openleaks eine neue Plattform angekündigt. Mehr Wettbewerb der Transparenzplattformen wird der Idee gut tun.
Die Diskussion um Wikileaks führte aber auch dazu, dass über Grenzen der Meinungs- Presse- und Informationsfreiheit diskutiert wurde. Gerade in den USA als eines der Kernländer dieser Grundrechte entbrannte eine Debatte, die für unsere Grundrechte im Netz eine Bedrohung werden kann. Insofern ist es eher erschreckend, wie viele Journalisten die Bedeutung von Whistleblowing für ihre eigene Arbeit und die Pressefreiheit nicht erkannt haben und gegen Wikileaks argumentierten.
Aber es gab in diesem Jah diesem Jahr auch weitere wichtige Themen im internationalen netzpolitischen Diskurs. Die vieldiskutierte Netzneutralität, das unzeitgemäße Urheberrecht und der Internetentzug als Strafe in Frankreich. Vor allem aber gab es das fragwürdige hinter verschlossenen Türen verhandelte Anti-Pirateriabkommen ACTA und eine gefährliche Idee der EU-Komission: In Deutschland gerade vom Tisch will die EU mit einer Richtlinie gegen Kindesmißbrauch die gefährliche Idee der Netzsperren wiederbeleben. In zehn Ländern der EU gibt es mittlerweile Netzsperren und in immer mehr dieser Staaten kann man sehen, wie schnell diese Infrastruktur auf andere Themen ausgeweitet wird.
Die Debatten zeigen: 2011 wird nicht nur das Jahr der neuen Whistleblowingplattformen – es wird auch das Jahr der Netzsperren. Wurde vor kurzem noch der Eingriff in Informations- und Meinungsfreiheit durch Netzzensur in repressiven Staaten kritisiert, scheint die Idee in demokratischen Staaten immer mehr Befürworter zu finden. Sowohl über ACTA als auch die europäischen Netzsperren wird Anfang kommenden Jahres im Europaparlament abgestimmt werden. Noch ist die Zeit da, um Abgeordnete zu kontaktieren und sie über die Grundrechtseingriffe aufzuklären. Es liegt an uns, für unsere Grundrechte, Freiheit und ein offenes Netz in einer digitalen Gesellschaft einzusetzen. Bevor es zu spät ist.
(Ich weiß, dass es noch zahlreiche andere Themen gegeben hat, aber versucht mal alles in unter 2:30 Minuten zu besprechen)
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: Deutsche Netzpolitik im Jahresrückblick
: Deutsche Netzpolitik im Jahresrückblick Für DRadioWissen hab ich einen Kommentar zu „Deutsche Netzpolitik im Jahresrückblick“ geschrieben und eingesprochen, der heute gesendet wurde. Sobald ich die MP3 gefunden habe, binde ich die noch ein. Dafür ist hier das Transcript dazu. Wer Themen vermisst: Es gab eine Zeitbegrenzung und eine internationale Version kommt noch nächste Woche.
Das Jahr begann mit einem kleinen Knaller: Die Vorratsdatenspeicherung wurde vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt. Leider nicht die Maßnahme an sich, sondern lediglich das Gesetz. Seitdem streiten sich Parteien und Datenschützer über eine Wiedereinführung bzw. Alternativen wie Quick-Freeze oder eine Light-Version.
Die Netzsperren blieben auch 2010 im Gespräch. Bis auf Teile der Union wollte niemand mehr das umstrittene und auf Eis gelegte Zugangserschwerungsgesetz zurück haben. Eine Evaluierung wurde begonnen, ob die Alternative Löschen statt Sperren auch funktioniert. Die große Frage bleibt dabei: Darf eine Organisation wie das BKA, die heftigst für die Netzsperren lobbyiert hat, auch gleichzeitig die Evaluation übernehmen?
In diesem Jahr fing die Politik dann auch mal an, in der Netzpolitik zuhören zu wollen. Das Kompetenzgerangel im Bundeskabinett rund um das neue Trendthema glich streckenweise einem Wettbewerb: Deutschland sucht den Internetminister. Netzaktivisten konnten sich teilweise vor Einladungen zu Dialogrunden nicht mehr retten. Die groß für den Herbst angekündigte nationale Netzpolitik-Strategie der Bundesregierung wurde aber nicht präsentiert. Dafür rief der Deutsche Bundestag eine Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ ins Leben. Die soll jetzt bis 2012 Handlungsempfehlnugen für eine bessere Netzpolitik diskutieren und beschließen.
Das Sommerloch-Thema war eindeutig die Einführung von Google-Streetview. Anhand der Vorstellung, die Fassade des eigenen Hauses im Internet sehen zu können, entfachte sich eine Debatte über Kontrollverlust, Ängsten vor großen US-Datenkraken und ein diffuses Gefühl, dass unsere Privatsphäre in Gefahr ist. Der Hysterie machte auch vor Politikern nicht halt. Überwachungsbefürworter argumentierten auf einmal für mehr Datenschutz, andere offenbarten grandios ihre Unkenntnis von der Materie und hatten wohl die Vorstellung, dass Google ein neues funktionierendes 24 Stunden Überwachungssystem geplant hatte. Zu besseren Datenschutzgesetzen führte das leider nicht.
Das Jahr endete mit einer Überraschung: Die jahrelang ausgehandelte und im Sommer von den Ministerpräsidenten beschlossene Novellierung des Jugendmedienschutzstaatsvertrages scheiterte an den Parlamenten in NRW und Schleswig-Holstein. Vorausgegangen waren lautstarke Proteste in der Blogosphäre über schädliche Auswirkungen des schlecht geschriebenen Gesetzes und große Zweifel, ob das angestrebte Ziel eines Jugendmedienschutz mit den Maßnahmen auch sinnvoll erreicht werden kann.
2010 war eine Zeit der Konsolidierung. Auch in der Politik ist angekommen: Das Internet geht nicht mehr weg und dringt immer tiefer in die Gesellschaft ein. 2011 werden wir dieselben Debatten wieder erleben: Kommt mit der Vorratsdatenspeicherung wieder die flächendeckende Überwachung unseres Kommunikationsverhaltens, was passiert mit der gestoppten Einführung einer Netzzensurinfrastruktur durch das Zugangserschwerungsgesetz, wie bekommen wir einen zeitgemäßen Jugendmedienschutz und wie kann unsere Privatsphäre in Zeiten zunehmender Digitalisierung besser geschützt werden?
Aber auch neue Debatten entstehen: Mit der Netzneutralität entscheidet sich die Zukunft eines offenen Netzes und damit die Möglichkeit zur Meinungsfreiheit und Innovation. Und die Open Data Bewegung fordert mehr Transparenz, Informationsfreiheit und Beteiligungsmöglichkeiten. Es bleibt spannend: In der Netzpolitik entscheidet sich die Zukunft der Demokratie in der digitalen Gesellschaft.
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: Cablegate: USA schrieben fleißig an Netzpolitik-Gesetzen in EU mit (Update)
: Cablegate: USA schrieben fleißig an Netzpolitik-Gesetzen in EU mit (Update) Bei den Wikileaks zugespielten US-Depeschen kommen immer mehr Details rund um die Netzpolitik einzelner Staaten zum Vorschein. In Schweden hat man jetzt Depeschen gefunden, die aufzeigen, dass eine Menge Grundrechtseingriffe in den letzten Jahren der schwedischen Regierung von der der US-Botschaft diktiert worden sind. Rick Falkvinge von der schwedischen Piratenpartei bloggt darüber, dass es u.a. für ein Gesetz zur Durchsetzung von geistigen Monopolrechten und die (geplante?) schwedische Vorratsdatenspeicherung massiv Druck von den USA gegeben hat.
Und in Spanien ist ein sehr schädliches Netzzensur-Gesetz gegen Tauschbörsen und Urheberrechtsverletzungen in letzter Sekunden gescheitert, als die Parlamentarier mitbekommen haben, dass die US-Regierung daran mitgeschrieben hat. Mehr dazu auch bei Telepolis: Wikileaks kippt spanisches Gesetz zur Webseitenzensur.
Es ist ja auch seit vielen Jahren bekannt, dass die USA bei der europäischen Vorratsdatenspeicherung massiv Druck ausgeübt haben, u.a. mit dem Motiv, zuhause bei sich besser für eben diese Lobbying machen zu können mit Verweis, dass es sowas auch in der EU schon gibt.
Es bleibt weiter spannend, was noch alles durch die Depeschen herauskommt.
Update: Danke an @grmpyoldman für die Hinweise auf Frankreich und Italien.
Le Monde berichtete bereits Anfang Dezember, dass die USA die Hadopi-Gesetzgebung unterstützten und auch ein wenig interveniert haben.
Hier ist der französische Originaltext und hier die Google-Übersetzung.Der Guardian hat eine Depesche veröffentlicht, wonach die US-Regierung Italien im Rahmen der ACTA-Verhandlungen beraten hat. Simon Phipps hat das hier nochmal kommentiert.
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: WikiLeaks oder das Ende der Heimlichkeit
: WikiLeaks oder das Ende der Heimlichkeit Alle reden von den schönen neuen Möglichkeiten der Kommunikationstechnologien (ICT) und des Internets. Regierungen preisen Modelle moderner Regierungsführung (eGovernment) und den neuen Umgang mit der Bürgerschaft. Das soll Zugang, Transparenz und Rechenschaftspflicht in der Demokratie verbessern. In der Schweiz gibt es seit 1998 eine – inzwischen überarbeitete – bundesrätliche Strategie zur Informationsgesellschaft, die das Land aufs digitale Zeitalter vorbereiten soll (Bakom, 2006).
Auch andere Länder wetteifern inzwischen um die Spitzenplätze bei den technischen Infrastrukturen wie Breitband, neuen Zugangsmöglichkeiten und Konzepten für Open Government. Bereits 1991 wurden durch Initiativen wie die National Information Infrastructure (NII) oder den später von Al Gore gerühmten Information Superhighway die Grundlagen gelegt für neue Verheissungen von gouvermentaler Offenheit. Immerhin war es die Clinton-Gore-Regierung (1993–2001), die dem Weissen Haus erstmals eine Website verpasste und die US-Administration aufs Internet-Zeitalter einschwor. Im Juli 1996 erliess Präsident Clinton die regierungsamtliche Verordnung 13011 zur Federal Information Technology, die jedes Führungsorgan von Bundesstellen „zum vollen Gebrauch von Informationstechnologien für den einfachen Zugang zu Amts-Informationen für die Öffentlichkeit“ verpflichtete (US Government Info).
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: 2011: Jahr der Internetsperren
: 2011: Jahr der Internetsperren Es ist schön, dass der ehemalige Futurezone-Redakteur Erich Moechel jetzt eine neue Heimat bei FM4 gefunden hat und dort weiterhin gute und lesenswerte Artikel über Netzpolitik schreiben kann, wie diesen hier: 2011: Jahr der Internetsperren.
Ross Anderson kommentiert das so: „Es gibt genug sinistre Mächte, die solche Blockiermethoden einführen wollen, um ihre eigenen Agenden darüber huckepack zu spielen. Das US-Außenministerium kann so ausländische Provider zwingen, WikiLeaks zu blockieren. Die Copyright-Industrie bekommt eine eigene Zensurliste. Pharmakonzerne können Publikationen kritischer Forscher und Journalisten aus dem Netz verdrängen.“
Der Einschätzung von EU-Kommissarin Malmström, dass es sich bei den geplanten Internetsperren durchaus um kein „Einschleichmanöver“ handle, ist freilich zutreffend. Hier probiert der Rat der 27 nationalen Innen- und Justizminister/innen nämlich wieder einmal über die EU-Kommission den offenen Durchmarsch gegen eine bestehende Mehrheit im EU-Parlament.
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: Noch bis zum 31. Dezember Datenkraken für die BigBrotherAwards 2010 vorschlagen
: Noch bis zum 31. Dezember Datenkraken für die BigBrotherAwards 2010 vorschlagen
Am Freitag, den 1. April 2011, findet in Bielefeld die Verleihung der 11. BigBrotherAwards statt. Bis zum 31. Dezember können nun unter https://www.bigbrotherawards.de/nominate oder per Brief oder E‑Mail noch Datenkraken nominiert werden.Rena Tangens von den BigBrotherAwards fordert dazu auf, Datenschutzverstöße, die einem 2010 im Alltag begegnet sind, einzureichen:
„Ist Ihnen ein Datenschutzübergriff aufgefallen, egal ob am Arbeitsplatz, beim Einkaufen, beim Reisen oder im Kontakt mit Behörden? Sind Sie selbst betroffen? Werden Sie als IT-Experte zu Dingen verpflichtet, die sich mit Datenschutz und einem guten Gewissen nicht vereinbaren lassen? Haben Sie Kenntnis von geplanten Überwachungsmaßnahmen einer Behörde? Was passiert bei der Datenverarbeitung von Firmen im Ausland? Die BigBrotherAwards wollen es wissen! Helfen Sie, Datenschutzsünder ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen!
Für die Nominierung müssen Person, Institution oder Firma und natürlich eine aussagekräftige Begründung angeben werden. Die Information sollte konkret und belegbar sein. Die BigBrotherAwards sichern allen Informanten Vertraulichkeit zu. Jeder Vorschlag wird recherchiert und von einer Jury aus Vertretern von Menschen- und Bürgerrechtsorganisationen, Computerexperten, Verbraucher- und Datenschutzorganisationen werden die ärgsten Fälle ausgewählt.
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: De Maizière scheint für staatliche Regelung zu Netzneutralität zu sein
: De Maizière scheint für staatliche Regelung zu Netzneutralität zu sein Bundesinnenminister Thomas de Maizière spricht im Interview mit dem Spiegel davon, dass die Wichtigkeit des Internets als kritische Infrastruktur für die Zukunft der Staatlichkeit, Freiheit und Wirtschaft (nebenbei bemerkt: interessante Trias) auch eine Gewährleistungsfunktion des Staates begründen könnte. Interpretiert man den recht verklausulierten relevanten Absatz, kommt man auf die Idee, dass sich de Maizière dafür ausspricht, dass der Staat verstärkt regelnd eingreifen könnte. Beispielsweise auch, um Netzneutralität sicherzustellen oder um das Internet als Universaldienst festzuschreiben.
„Aus meiner Sicht muss der Staat eine Verantwortung für die Integrität der internationalen Kommunikation übernehmen.“
Das ist durchaus interessant. Was das Spezifikum der Kommunikationsintegrität im internationalen Raum ist, muss Thomas de Maizière bei Gelegenheit nochmal erläutern. Klar ist aber: wenn damit Netzneutralität gemeint ist, stellt sich de Maizière explizit gegen das Bundeswirtschaftsministerium des eventuellen neuen FDP-Vorsitzenden Rainer Brüderle. Denn dort hält man von einer gesetzlichen Festschreibung eher wenig und möchte das, ganz FDP, alles zumindest vorerst dem Markt überlassen und keine Regelwerke schaffen. Mehrere Telekommunikationsunternehmen haben im Laufe des Jahres 2010 bereits angekündigt, vom Prinzip der Netzneutralität abweichen zu wollen und mittelfristig dafür zu sorgen, dass Inhalte unterschiedlich tarifiert werden könnten.
Natürlich auch die Frage erlaubt sein, ob grundsätzlich der Staat der richtige ist, um Netzneutralität zu gewährleisten. Oder ob das nicht den allergrößten Bock zum Gärtner machen würde. In den USA hat diese Sichtweise unter anderem dazu geführt, dass die Electronic Frontier Foundation (EFF) jede mögliche Netzneutralitätsregulierung durch die Federal Communications Commission (FCC) eher kritisch betrachtet. Und ob de Maizière bzw. sein Ministerium unbedingt Garanten für Kommunikationsintegrität sind, darüber könnte man sicherlich auch noch etwas länger streiten.
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: Berkman-Report zu DDos-Angriffen auf unabhängige Medien
: Berkman-Report zu DDos-Angriffen auf unabhängige Medien Das Berkman Center hat einen neuen Report über DDos-Angriffe auf unabhängige Medien und Menschenrechts-Webseiten (in meist autoritären Regimen), an dem Ethan Zuckerman, Hal Roberts, Ryan McGrady, Jillian York und John Palfrey mitgearbeitet haben. Hier ist das PDF.
Distributed Denial of Service (DDoS) is an increasingly common Internet phenomenon capable of silencing Internet speech, usually for a brief interval but occasionally for longer. In this paper, we explore the specific phenomenon of DDoS attacks on independent media and human rights organizations, seeking to understand the nature and frequency of these attacks, their efficacy, and the responses available to sites under attack. Our report offers advice to independent media and human rights sites likely to be targeted by DDoS but comes to the uncomfortable conclusion that there is no easy solution to these attacks for many of these sites, particularly for attacks that exhaust network bandwidth.
Hier gibt es eine Linkliste mit Medienquellen zum Thema als XLS.
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: Urheberrecht und die Kulturtechniken der digitalen Revolution
: Urheberrecht und die Kulturtechniken der digitalen Revolution Leonhard Dobusch hat für das SPD-Debattenmagazin Berliner Republik eine lesenswerte Zusammenfassung zur aktuellen Urheberrechtssituation geschrieben: Urheberrecht und die Kulturtechniken der digitalen Revolution.
Neben Kampagnen zur Ausdehnung des Urheberrechts bildet der Kampf gegen „Raubkopien“ die zweite gemeinsame Front von Verlagen und Kunstschaffenden. In einschüchternden Kinospots vergleichen sie das Herunterladen von urheberrechtlich geschützten Inhalten aus dem Internet mit Ladendiebstahl und propagieren ein absurdes Strafmaß in Höhe von fünf Jahren Haft – die Höchststrafe für den gewerbsmäßigen Vertrieb illegal angefertigter Kopien. Beklagt werden der Niedergang der Musik- und Filmindustrie sowie die Gefahren einer Kostenlos-Kultur für Kunst und Kultur im Allgemeinen. Aber wie schon auf dem Gebiet der Schutzfristverlängerung ist auch hier die empirische Basis der Schreckensszenarien brüchig. Die Harvard-Ökonomen Felix Oberholzer-Gee und Koleman Stumpf beispielsweise berichten über die von illegalen Downloads am stärksten betroffenen Industrien folgendes: „Zwischen 2002 und 2007 wuchs die Zahl neuer Bücher um 66 Prozent, die Zahl der jährlich veröffentlichten Musikalben hat sich seit 2000 mehr als verdoppelt und die weltweite Produktion von Spielfilmen ist seit 2003 um 30 Prozent gestiegen.“ Aus diesen Zahlen schlussfolgern sie, dass Internet-Filesharing und eine schwächere Urheberrechtsdurchsetzung keinen negativen Einfluss auf den Anreiz zu kreativem und künstlerischem Schaffen gehabt habe. Eher im Gegenteil.
Mal schauen, ob das in der SPD auch gelesen und verstanden wird.
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: JMStV auf britische Art: Netzsperren für Pornos
: JMStV auf britische Art: Netzsperren für Pornos Die a
ustralischeSunday Times berichtet, dass in Grossbritanien jetzt Netzsperren für alle Porno-Inhalte geplant sind. Vorbild sind die „gut funktionierenden“ Netzsperren für Kinderpornographie. Laut Sunday Times möchte die Regierung nun dieses System auf alle pornographischen Inhalte ausweiten. Praktisch stellt man sich dann vor, dass ein, wie auch immer das funktionieren soll, Altersverifikationssystem checken soll, ob jemand minderjährig ist, um dann nur noch eingeschränkt Zugang zu WWW-Inhalten zu gewähren.Torsten Kleinz hat das schon passend kommentiert: JMStV auf britische Art: Netzsperren für Pornos.
Deutsche Netzsperren-Gegner können sich erst Mal freuen. Ihr Argument, dass Netzsperren einer Art recht schnell zu Sperren anderer Art und damit zu einer umfassenden Internet-Zensur führen werden, wurde einmal mehr bestätigt. Nicht in Saudi-Arabien, China oder der Türkei, sondern in Mitteleuropa, in der Geburtsstätte der parlamentarischen Demokratie.
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: Telkos-Traum: Zukunftsszenario ohne Netzneutralität
: Telkos-Traum: Zukunftsszenario ohne Netzneutralität
Die Debatte um Netzneutralität spielt oft in der Zukunft. Debattiert wird, welche technischen Szenarien möglich sein werden, und wie man regulativ darauf reagiert. Die beiden Technikzulieferer Allot Communications und Openet, beide beliefern u.a. Verizon und AT&T in den USA (Keine Ahnung, ob die auch Technik für deutsche Telkos liefern?), haben in einem Web Seminar ein neues Produkt präsentiert, was ein technisches Szenario für die Zukunft sein kann. Wired wurde eine Powerpint-Päsentation mit dem Titel „Managing the unmanageable: monetizing and controlling OTT applications“ (PDF) zugeschickt. Hier ist der dazu gehörige Artikel: Mobile Carriers Dream of Charging per Page.Die Idee dahinter ist recht simple: Einfach mal mit Deep-Packet-Inspections den kompletten Datenverkehr abhören und für einzelne Services Geld verlangen. Ist doch viel „gerechter“, wenn jeder nur das zahlt, was man tatsächlich nutzt, ist wohl die Argumentation. In der Grafik sieht man ein mögliches Bezahlmodellszenario. Nach diesem Modell zahlt ein Nutzer 2 Cent für jedes MB Facebook-Traffic, Skype kostet 3 Euro / MOnat extra, ein bandbreitenlimitierter Zugang zu Youtube kostet 50 Cent, wer schneller Videos haben möchte, kann sicherlich noch mehr Geld bezahlen, damit die Videos nicht mehr ruckeln. Eine tolle Idee ist auch die Einführung einer Happy-Hour, die quasi im Produkt eingebaut ist. Damit könne man die Internetnutzung aus Peak-Zeiten in Nebenzeiten verteilen. Nachts kostet alles nur die Hälfte!
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: Mitmachen: Verfassungsbeschwerde gegen Netzsperren
: Mitmachen: Verfassungsbeschwerde gegen Netzsperren Man kann jetzt die geplante Verfassungsbeschwerde gegen das Zugangserschwerungsgesetz und die Netzsperren mitzeichnen. Dazu muss man sich registrieren, bekommt ein PDF zugeschickt, muss das ausdrucken und zum Foebud schicken. Steht alles nochmal genauer auf der Webseite, aber diese kleine Hürde sollte niemanden daran hindern, sich an dieser Verfassungsbeschwerde zu beteiligen. Mehr Kosten als die Briefmarke entstehen nicht.
Hier nochmal kurz zusammen gefasst, warum diese Verfassungsbeschwerde Sinn macht:
Am 23. Februar 2010 ist das sogenannte Zugangserschwerungsgesetz in Kraft getreten. Dieses Gesetz ist verfassungswidrig. Deshalb werden wir Mitte Februar 2011 Verfassungsbeschwerde dagegen einlegen und haben die Rechtsanwälte Dominik Boecker und Thomas Stadler mit der Ausarbeitung beauftragt. Dieser Verfassungsbeschwerde können Sie sich anschließen.
Die Kritikpunkte:
* Dieses Gesetz schafft die technische Grundlage für eine landesweite Zensurinfrastruktur im Internet.
* Das Risiko ist groß, dass Webseiten gesperrt werden, die gar kein strafbares Material beinhalten. Das zeigen die Erfahrungen aus anderen Ländern.
* Kriminelle Inhalte werden nicht gelöscht. Computerkundige können die Sperre leicht umgehen und die Seiten weiterhin aufrufen.
* Sperren können die Strafverfolgung vereiteln, da Kriminelle dadurch gewarnt werden.
* Das Gesetz ist verfassungswidrig. -
: Don’t Mess with that CSS (feat. B‑Rad)
: Don’t Mess with that CSS (feat. B‑Rad) Lustiges Nerdcore-Video mit Digital Rights Lyrics: Don’t Mess with that CSS (feat. B‑Rad).
Das Video hat Anleihen an „Don´t copy that floppy“, ein Aufklärungsvideo der US-Softwareindustrie von 1992, wo man die „Raubkopierer sind Verbrecher“-Schiene mit einem Rapper fuhr.
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: Wiesbaden: Creative-Commons-Party „CreativeChaos“ am 18.12.2010 in der Kreativfabrik
: Wiesbaden: Creative-Commons-Party „CreativeChaos“ am 18.12.2010 in der Kreativfabrik Am kommenden Samstag, den 18.12.2010 findet organisiert vom Chaos Computer Club Mainz in der Wiesbadener Kreativfabrik wieder die Creative-Commons-Party „Creative Chaos“ statt. Bei freiem Eintritt darf zu freier Musik, Videos und günstigen Getränken entspannt gefeiert werden. Der Sampler, den es vor Ort auch immer in schicker Ausführung zu erwerben gibt, steht schon bereit zum Download und zur Weiterverbreitung.
CreativeChaos ist ein musikalisches und multimediales Event, welches vom CCCMZ für die Kreativfabrik als Veranstalter durchgeführt wird. CreativeChaos soll den Gedanken ‘Freie Musik für freie Menschen’ als Leitsatz haben und die legale und freie Verbreitung von Informationen, im besonderen der Musik, fördern.
Weitere Informationen zum CreativeChaos unter www.creative-chaos.org und bei Twitter unter cc_party
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: ePolitik über Netzneutralität
: ePolitik über Netzneutralität Der Elektrische Reporter berichtet heute in einer Laborausgabe von „ePolitik“ über Netzneutralität:
In der zweiten Folge von ePolitik haben wir uns mit dem Thema Netzneutralität beschäftigt. Dabei geht es um nicht weniger als um die Zukunft des Netzes: Bleibt es neutral und befördert alle Daten gleichermaßen, ohne auf Art und Inhalt zu achten oder werden zukünftig die Provider das Netz nach ihren Vorstellungen managen? Viele befürchten, dass sich die Struktur des Netzes grundlegend ändern könnte und es zu einer Art Kabelfernsehen degeneriert. Provider und die Bundesnetzagentur sehen dagegen kein Problem in einem intelligenten Mehrklassennetz. Was meinen Sie? Diesmal präsentiert ein Moderator das Thema – was halten Sie von dieser Form?
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: IGEL – Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht
: IGEL – Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht
Die Debatte um die Einführung eines Leistungschutzrechts ist neben der Netzneutralität und der Vorratsdatenspeicherung die nächste wichtige Auseinandersetzung rund um ein offenes Internet in Deutschland. Heute ist nach einiger Vorarbeitungszeit „IGEL – Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht“ gestartet. Die Initiative wude von Till Kreutzer ins Leben gerufen und bei der Umsetzung und in der Redaktion unterstützen ihn Philipp Otto und John Weitzmann. Ziel der Initiative ist es, die Einführung eines Leistungsschutzrechts für Presseverleger zu verhindern. Helfen soll dabei das Informationsportal auf leistungsschutzrecht.org, was ausführlich begründet, warum wir aus politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gründen kein Leistungsschutzrecht brauchen und eine Einführung zahlreiche Probleme für ein Publizieren im Netz schaffen würde.
IGEL wurde in erster Linie aufgrund der Erkenntnis initiiert, dass es für ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger weder eine Notwendigkeit noch eine Rechtfertigung gibt. Ein solches Recht wird einerseits nicht benötigt und hat andererseits – unabhängig von dessen Ausgestaltung – zwangsläufig sehr bedenkliche Auswirkungen auf die Interessen Dritter und das Gemeinwohl.
Mehr Hintergründe zum Leistungsschutzrecht bietet unser Podcast mit Till Kreutzer zum Thema.
Zu den Unterstützern von IGEL zählen Creative Commons Deutschland, WIkimedia Deutschand, Chaos Computer Club, netzpolitik.org und viele andere.
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: Kopieren erwünscht: Musikpiraten veröffentlichen gemeinfreie Notenblätter für Advents- und Weihnachtslieder
: Kopieren erwünscht: Musikpiraten veröffentlichen gemeinfreie Notenblätter für Advents- und Weihnachtslieder 
Der Musikpiraten e.V., der sich der Förderung freier Musik verschrieben hat und z.B. den „Free Music Contest“ organisiert sowie aktuell einen Creative-Commons-Adventskalender anbietet, startete zu Beginn der Adventszeit ein Projekt zum Neusetzen gemeinfreier Weihnachtslieder, damit diese frei und kostenlos kopiert, verbreitet und natürlich gesungen werden können ohne dass dies der GEMA gemeldet werden und dafür bezahlt werden muss.
Schon nach wenigen Tagen war aufgrund der großen Resonanz und der tatkräftigen Mitarbeit vieler fleißiger Helfer ein ganzes Liedbuch mit gemeinfreien Notenblättern für Advents- und Weihnachtslieder entstanden, das die Noten zahlreicher traditioneller Stücke enthält. Ein Teil davon stammt dabei aus dem Projekt „Kinder wollen singen“, bei dem freie Notenblätter für Kinderlieder für alle Jahreszeiten erarbeitet werden. Da Kopieren ausdrücklich erwünscht ist, steht das Liedbuch auch in verschiedenen Formaten zum Download bereit, was nicht nur Kindergärten und Schulen freuen dürfte. Auch die Notationen für das freie Notensatzprogramm LilyPond stehen zur Verfügung und via scribd.com ist das Liedbuch einbindbar und kann so weiter Verbreitung finden:
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: Wau Holland Stiftung geht gegen Paypal vor
: Wau Holland Stiftung geht gegen Paypal vor Die gemeinnützige Wau Holland Stiftung, die dem Chaos Computer Club nahe steht, hat in einer Pressemitteilung die unangekündigte Sperrung ihres PayPal-Accounts kritisiert. Gleichzeitig wurden anwaltliche Schritte gegen die Firma Paypal eingeleitet.
Durch diese willkürliche Entscheidung der Firma PayPal hat die Stiftung zur Zeit keinen Zugriff auf eingegangene Spenden der letzten Tage; dies betrifft insgesamt rund 10.000 Euro, die von Spendern weltweit vom vergangenen Freitag auf Samstag für das Projekt WikiLeaks gespendet wurden. Zudem stellt die von PayPal veröffentliche Behauptung, die Wau Holland Stiftung unterstütze und fördere „illegale Aktivitäten“, eine Verleumdung dar, gegen die sich die Stiftung in aller Form verwehrt. Die Stiftung hat deshalb mittlerweile anwaltliche Schritte gegen die Firma PayPal eingeleitet. Paypal wurde aufgefordert, diese Behauptung von ihrem Firmenblog zu entfernen sowie den berechtigen Zugriff auf das Spendenkonto wieder herzustellen.
Apropos Wau Holland Stiftung: Ein Bericht des Handelsblatt hatte den Anschein erweckt, dass (vermutlich aufgrund von politischen Drucks) das Regierungspräsidium Kassel prüfen wolle „ob angesichts der Verflechtungen zwischen der Wau Holland Stiftung und Wikileaks der Stiftungszweck überhaupt noch erfüllt“ sei. Dazu nimmt das Regierungspräsidium Kassel in einer Pressemitteilung Stellung und widerspricht dem Handelsblatt: Die Wau Holland Stiftung und die Arbeit der Stiftungsaufsicht beim Regierungspräsidium Kassel.
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: Chaos Computer Club fordert Informationsfreiheit im Netz
: Chaos Computer Club fordert Informationsfreiheit im Netz Der CCC hat eine Pressemitteilung zur aktuellen Diskussion rund um Wikileaks veröffentlicht: Chaos Computer Club fordert Informationsfreiheit im Netz.
[…] Anders als Menschen haben staatliche Stellen gerade keine Privatsphäre, die es zu schützen gilt, sondern lediglich Geheimnisse. Grundsätzlich betrachtet der CCC einen Anspruch des Bürgers auf die ihn betreffenden Informationen und die Transparenz der in seinem Namen erfolgenden staatlichen Aktivitäten als begründet. Die Doppelzüngigkeit der Regierenden wird nicht nur in den veröffentlichten Depeschen deutlich, sondern auch in ihrer Haltung zur Informationsfreiheit.
„Die westlichen Regierungen treten für die Informationsfreiheit immer nur dann ein, wenn es andere Länder betrifft. Sobald es jedoch um mehr als nur Lippenbekenntnisse geht, sobald Daten publiziert werden, die ihre eigenen Heimlichkeiten und Hinterzimmerdeals betreffen, handeln sie offenbar genauso undemokratisch, wie die Staaten, die sie sonst öffentlich lauthals verurteilen“, sagte CCC-Sprecher Andy Müller-Maguhn.
Der CCC verurteilt daher auf schärfste jegliche Eingriffe in die weltweite Informationsinfrastruktur zum Zwecke der Zensur und politischen Unterdrückung von Informationen. Regierungen, etwa in den USA und in Frankreich, haben ihre Exekutive angewiesen, „irgendeinen Weg“ zu finden, die Verbreitung der ungeliebten Inhalte im und vom eigenen Land aus zu verhindern. Offenbar nach politischem Druck haben US-amerikanische Dienstleister wie Amazon ihre technische Unterstützung für Wikileaks eingestellt.[…]
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: Bald Zwei-Klassen-Daten im Internet?
: Bald Zwei-Klassen-Daten im Internet? Das ZDF-Heute-Journal hat heute einen 3‑Minuten Beitrag des Elektrischen Reporters gesendet, wo die Netzneutralitäts-Debatte nicht nur unseren Eltern erklärt wird:
In der ZDF-Mediathek findet sich auch ein 7‑Minuten langes Interview mit Markus Kurth, dem Präsidenten der Bundesnetzagentur.