Kultur

Kopieren erwünscht: Musikpiraten veröffentlichen gemeinfreie Notenblätter für Advents- und Weihnachtslieder

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Der Musikpiraten e.V., der sich der Förderung freier Musik verschrieben hat und z.B. den „Free Music Contest“ organisiert sowie aktuell einen Creative-Commons-Adventskalender anbietet, startete zu Beginn der Adventszeit ein Projekt zum Neusetzen gemeinfreier Weihnachtslieder, damit diese frei und kostenlos kopiert, verbreitet und natürlich gesungen werden können ohne dass dies der GEMA gemeldet werden und dafür bezahlt werden muss.

Schon nach wenigen Tagen war aufgrund der großen Resonanz und der tatkräftigen Mitarbeit vieler fleißiger Helfer ein ganzes Liedbuch mit gemeinfreien Notenblättern für Advents- und Weihnachtslieder entstanden, das die Noten zahlreicher traditioneller Stücke enthält. Ein Teil davon stammt dabei aus dem Projekt „Kinder wollen singen“, bei dem freie Notenblätter für Kinderlieder für alle Jahreszeiten erarbeitet werden. Da Kopieren ausdrücklich erwünscht ist, steht das Liedbuch auch in verschiedenen Formaten zum Download bereit, was nicht nur Kindergärten und Schulen freuen dürfte. Auch die Notationen für das freie Notensatzprogramm LilyPond stehen zur Verfügung und via scribd.com ist das Liedbuch einbindbar und kann so weiter Verbreitung finden:

Übrigens: In der Wikipedia ist war der Artikel zum Musikpiraten-Verein leider wie so viele andere interessante und durchaus relevante Informationen aktuell Gegenstand einer Löschdiskussion

Update: Seit heute sind Artikel bzw. Verein offenbar ausreichend relevant und nun unter Musikpiraten (ohne „e.V.“) zu finden.

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26 Kommentare
  1. Ich finde man hätte sich vermutlich auf Adventslieder konzentrieren können und die Weihnachtslieder (ja da gibt es einen Unterschied) noch mal woanders sammeln, oder wenigstens innerhalb der Veröffentlichung sortieren.
    Was ist eigentlich bei den ganzen „Kirchenliedern“ das Problem, die sind doch fast alle älter als 100 Jahre? Ist das die Digitalisierung?

    1. Ein Großteil der Advents- und Weihnachtslieder sind ja Kirchenlieder, die können frei verwendet werden. Was die Sortierung der Lieder selber angeht: Du kannst sie ja so umsortieren, wie du es gerne hättest. :)

  2. Gute Idee und guter Bericht. Am Ende dann noch ein interessanter Hinweis über eine Spezialität der deutschen Wikipedia, die Relevanzdebatte. Es lohnt, dem Link zu folgen, um sich einmal mehr zu Fragen, ob man plant die deutsche Wikipedia eines fernen Tages auszudrucken – warum sonst sollte Relevanz relevant sein?

  3. @Pirad:
    Das „Problem“* ist, dass der Abdruck geschützt ist, nicht unbedingt der Inhalt. Daher ist das abzeichnen ja auch okay. Abpausen könnte ich mir wieder vorstellen dass es problematisch ist… aber ich bin auch kein Jurist :) (Der YT-Link geht im Moment nicht bei mir, aber ich vermute mal dass das der Bericht ist).

    Ansonsten: Klasse Aktion! Helfen kann man nicht mehr oder?

    *Das eigentliche Problem ist natürlich dass es verfolgt wird, aber das oben ist eben der Grund oder die Ursache oder wie auch immer man es nennen will.

  4. Sehr gute Alternative gegen Abzocke d. GEZ (Geldpiraterie + weiter Verarmung der Bürger), Förderung der Kreativität von Jung und Alt, Ausgrenzung der armen Vereine…ect. hat ein Ende. Man kann stolz sein am eigenen Mitwirken der Werke die man vorträgt.

  5. Der Hinweis auf die Löschdiskussion ist nicht relevant, da bei der deutschen Wikipedia inzwischen jeder zweite Artikel eine eigene Löschdiskussion hat. löschen

  6. @3: die ur-formen der meisten lieder sind frei. die noten, die man heute kaufen kann (zB lichterbaum) sind aber meistens bearbeitungen oder spezielle arrangements. dabei entstehen beim bearbeiter/arrangeur neue rechte und die neufassungen sind somit geschützt. aber nur die bearbeitungen, nicht das ursprüngliche lied, das bleibt frei.
    aus diesem grund findet man in der GEMA-datenbank auch unter einem eintrag tausende bearbeitungen.

    @8: du meinstest GEMA, aber ist ja egal, schreibt sich mit auch großbuchstaben und ist genauso böse und gemein, also hauptsache stammtischmäßig raufhauen, auch wenn mans nicht versteht.

  7. Eine geniale Idee! Nebenbei gesagt: die Relevanzdiskussionen bei Wikipedia nerven dermaßen – teils ist es einfach überheblich, wie sich einzelne Admins dort aufführen.

  8. So gut wie alles, was mit freier Musik zu tun hat, ist auf Wikipedia nicht relevant.

    Was auch nicht wirklich verwundert, denn die Relevanzkriterien lassen ein Konstrukt wie freie Musik nicht zu. Freie Musik schafft keine „relevanten“ Chartsplatzierungen und wird auch in „relevanten“ Magazinen und Webseiten nicht besprochen, egal wie gut sie ist. Musikmagazine besprechen, was von den Agenturen bezahlt wird, und Radios spielen, wofür sie Payola kriegen.

    Ich hab mich hier
    http://trippintherift.com/en/archives/510
    im Interview schon ausführlich dazu geäussert; den Hieb auf Wikipedia hab ich mir da allerdings gespart, es nutzt ja eh nix.

    Es ist aber sehr schön, dass die Musikpiraten aufgrund der Weihnachtslieder jetzt wenigstens mal ein bisschen Presse bekommen. Wenn die Leute jetzt nur auch noch die restlichen Aspekte freier Musik entdecken würden… ach ja, man kann ja träumen…

    1. Nein, die Diskussion wurde schon über den eigentlichen Artikel geführt. Das, was du ansprichst, ist die Entscheidung, bei der aber gleichzeitig das lemma nach „Musikpiraten“ geändert wurde. Siehe oberste anmerkung in der Löschdiskussion.

  9. Davon ab, dass es sehr wohl eine Löschdiskussion über Musikpiraten gab:
    Warum sollte die Weiterleitung nicht relevant sein? Man sieht doch schon bereits an der Verwirrung hier, dass ein Fehlen dieser Weiterleitung relevante Wirkungen hat.

    Die Bibliothek von Alexandria ist damals noch abgebrannt, aber die deutsche Wikipedia wird wahrscheinlich irgend wann wegen Unbenutzbarkeit in Vergessenheit geraten.

  10. Was soll die Häme über die Wikipedia-Löschung? Da gibts eben genau solche Diskussionen wie zu jedem Thema – siehe Ja/Nein DDOS von neulich hier. Das kann doch gut mal intern ausdiskutiert werden bevors nach draussen geht – Wikipedia ist schließlich ein Lexikon und kein Nachrichtenticker. Besser so als die Müllhalde der englischen WP.
    So und nun fleddert diese Meinung …

    1. Danke, fackus.
      Ich hatte eigentlich von netzpolitik.org-Autoren erwartet, dass sie zumindest soviel Sachkenntnis mitbringen, um zu wissen, dass jeder ohne Vorbedingungen WP-Löschanträge stellen darf. Die Existenz einer Löschdiskussion sagt also erst einmal nichts aus.
      Und anscheinend aus Frust, dass diesmal seine „Wikipedia löscht eh alles“-Meinung nicht zutreffend war, schiebt der Autor dann noch so ein sarkastisches „Seit heute ist es offenbar relevant“ hinterher.

      Da bin ich aber Besseres gewohnt von euch.

      Wikipedia-Bashing kann jeder. Inhaltlich fundierte Auseinandersetzung mit den Realitäten beim Schreiben einer Mitmach-Enzyklopädie erfordert schon etwas mehr Nachdenken.

  11. zum youtube-video: Die GEMA verlangt aber nur Gebühren, wenn die Künstler explizit der GEMA beitreten. Dies geschieht freiwillig, weil die Künstler Geld wollen. Warum beschweren sich die Künstler dann, wenn die GEMA das Geld welches die Künstler haben wollen, und was auch der Grund war der GEMA beizutreten, auch einsammelt???

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