Netzpolitik

Netzpolitik hauptsächlich in Deutschland, aber auch international. Kernthema dieses Blogs.

  • : Bericht über Geschlechterstereotypen: Europaparlament stimmt gegen Porno-Verbot
    Bericht über Geschlechterstereotypen: Europaparlament stimmt gegen Porno-Verbot

    eu-porn-banEin „Verbot aller Arten von Pornographie in den Medien“ auf europäischer Ebene ist vom Tisch. Das Europäische Parlament hat soeben den Bericht über den Abbau von Geschlechterstereotypen angenommen, aber die beiden von uns kritisierten Absätze abgelehnt.

    Können wir jetzt bitte die ganze Aufmerksamkeit auf die wichtigen Themen lenken, wie die Europäische Datenschutz-Reform?

    12. März 2013 1
  • : Thomas de Maiziere trauert um die Vorratsdatenspeicherung und plädiert für Netzneutralität
    Thomas de Maiziere trauert um die Vorratsdatenspeicherung und plädiert für Netzneutralität

    Morgen erscheint bei Random House ein Interviewbuch mit unserem Verteidigungsminister Thomas de Maiziere, das auf Gesprächen mit dem Journalisten Stefan Braun basiert: „Damit der Staat den Menschen dient. Über Macht und Regieren.“ Aus netzpolitischer Sicht sind nur rund zehn der 384 Seiten interessant (321ff). Die zeigen dann auch den thematischen Abstand zu unserem jetzigen Innenminister, ich möchte gar nicht wissen, was dieser auf zehn Seiten auf die Fragen antworten würde. Das heißt jetzt nicht, dass ich mit allem einverstanden bin, was de Maiziere zu sagen hat, ganz im Gegenteil, aber er kann zumindest argumentieren und hat Punkte.

    Es fängt an mit der Vorratsdatenspeicherung, die ein „Riesenthema“ zu seiner Innenminister-Zeit war. Er ist etwas traurig darüber, dass es ihm und anderen nicht gelungen ist, den Begriff zu ändern:

    Dabei freilich kann man mal wieder lernen, welche Wirkung Begrifflichkeiten haben können. Beim Wort »Vorratsdatenspeicherung« wird bei vielen der Eindruck erweckt, der Staat wolle auf Vorrat alles speichern. Und weil es um Daten gehe, meinen alle, es gehe auch darum, Inhalte zu speichern. Wir haben deswegen versucht, andere Begriffe zu finden, das war aber alles vergeblich. Der Begriff war eingeschliffen, den kann man nicht mehr ändern. So ist das halt. Dabei geht es eigentlich nur darum, dass wir die Rückverfolgungsmöglichkeiten von Verbindungen bei anderen, nämlich bei privaten Anbietern, sicherstellen wollen.

    Achso, ich dachte immer, die Speicherung wäre früher notwendig gewesen, falls die Rechnung angezweifelt wird.

    10. März 2013 18
  • : Morgen: Digiges-Abend mit LobbyPlag, Förderung netzpolitischer Projekte, Government Generated Content und Bowden-Report
    Morgen: Digiges-Abend mit LobbyPlag, Förderung netzpolitischer Projekte, Government Generated Content und Bowden-Report

    Morgen findet der Netzpolitische Abend des Digitale Gesellschaft e.V. in der c‑base in Berlin und im Stream auf c‑base.org statt. Dies sind die Sprecher und ihre Themen:

    • Yetzt (Sebastian Vollnhals), OpenDataCity: Awsome LobbyPlag: Geschichte – Stand der Dinge – Ausblick
    • Matthias Fiedler, Bewegungsstiftung: Möglichkeiten der Förderung von netzpolitischen Projekten
    • Mathias Schindler, Wikimedia Deutschland & fukami: Kreative Regierungen und unkreatives Urheberrecht: Government Generated Content
    • Jan Schallaböck, Jurist, Wissenschaftler und Berater: “Handelskrieg” im Datenschutz? Mögliche Konsequenzen aus dem Bowden-Report
    • und ein Update nach der Leistungsschutzrechts-Abstimmung und unserer Abmahnwache

    Der Eintritt ist frei. Die c‑base findet sich in der Rungestr. 20 nahe S-/U‑Bahnhof Jannowitzbrücke. Die Türen sind ab 19 Uhr geöffnet. Der Beginn der Veranstaltung und des Streams ist für 20.00 Uhr, spätestens aber um 20:15 Uhr, geplant. Die Videos gibt es anschließend im Netz.

    4. März 2013
  • : Innenministerium entschuldigt sich: Postfächer sind doch nicht nur 9MByte groß
    Innenministerium entschuldigt sich: Postfächer sind doch nicht nur 9MByte groß

    Nachdem es aus dem Bundesministerium des Innern (BMI) vor einigen Tagen hieß, die Postfächer dort seien nur 9MByte groß und darum müssten Mails schnell gelöscht werden, entschuldigt sich nun der Friedrichs Staatssekretär Ole Schröder für diese Falschaussage. Man habe Postfachgröße mit Anhang-Limit verwechselt, und natürlich sei der Speicherplatz insgesamt erheblich höher. Wie groß der Speicherplatz aber nun ist, darf weiterhin, aus Sicherheitsgründen, nicht genannt werden. Und auch eine Erklärung für die Begriffsverwechslung gibt es nicht.

    Hintergrund ist eine Mail aus dem BMI an die Redaktion der BILD-Zeitung im März 2012 – sie enthielt eine Studie, die vor der offiziellen Veröffentlichung an die Redaktion der BILD gesendet wurde. Auf eine kleine Anfrage von Sevim Dagdelen (Die Linke), wer denn von der Vorab-Sendung der Studie per Mail wusste und wieso sich niemand daran erinnere, wann genau das geschah, hieß es dann aus dem BMI, dass die Mail aufgrund begrenzter Speicherkapazitäten gelöscht werden musste. Auf weitere Nachfragen hin hieß es schließlich, den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des BMI Pressereferats ständen nur auf 9 MByte beschränkte Postfächer zur Verfügung und daher müsste „immer wieder das Postfach leer ‚geräumt’ werden“.

    Nachdem es die Mail also erst gar nicht gegeben hat, sie dann aufgrund begrenzter Speicherkapazitäten schnell gelöscht werden musste und dies sich nun auch als Falschaussage herausgestellt hat: Wo ist sie nun, die ‚Beweis’-Mail?

    20. Februar 2013 4
  • : Gruppenfoto mit Vorratsdatenspeicherung
    Gruppenfoto mit Vorratsdatenspeicherung

    Was heute noch übrig blieb:

    Christoph Kappes schreibt bei der Berliner Gazette über „Code für alle? Software-Engineering als Muster für den Journalismus der Zukunft.“

    Bei Zeit.de hab ich das geplante Freihandelsabkommen zwischen EU und USA kommentiert: Tafta darf kein Acta werden.

    Unser Bundesdatenschutzbeauftragte kritisiert in „Das falsche Spiel mit der Vorratsdatenspeicherung“ propagandistische Medienberichterstattung.

    Gruppenfoto mit geballter netzpolitischer Kompetenz der Koalition an einem Tisch. Dazu gibt es auch eine Pressemitteilung.

    Wegen formalen Gründen: Richter winken biometrischen Reisepass durch.

    Camover wird zum globalen Trend: Guerrilla surveillance camera destruction hits the U.S.

    Wie funktioniert das mit der Depublikation bei ARD und ZDF? Das Prinzip der Willkür.

    Geocaching gefährdet die Gesundheit: Mann stürzt von Schornstein.

    18. Februar 2013
  • : Innenministerium musste kritische Mail löschen, weil ihre Postfächer nur 9 MByte groß sind
    Innenministerium musste kritische Mail löschen, weil ihre Postfächer nur 9 MByte groß sind

    Das Bundesministerium des Innern (BMI) hatte der BILD-Zeitung (und nur ihr) die Studie „Lebenswelten junger Muslime“ im März 2012 vor deren Veröffentlichung bereits zur Verfügung gestellt. Die BILD berichtete daraufhin üblich reißerisch einen Tag vor der offiziellen Vorstellung der Studie über ebendiese und hatte für diesen Tag die Deutungshoheit inne – schließlich konnte niemand die Zahlen und Thesen überprüfen. Friedrich bestritt vorerst, dass die BILD die Studie aus dem BMI erhalten habe, entschuldigte sich wenig später jedoch in einer nichtöffentlichen Sitzung für die Falschaussage. Aufgrund interner Kommunikationsprobleme sei die Übermittlung der Studie nicht bekannt gewesen. Sevim Dagdelen (Die Linke) hatte daraufhin eine kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, die im Oktober 2012 beantwortet wurde (PDF). Auf die Frage, wer von der Vorab-Sendung der Studie per Mail an die BILD-Zeitung wusste und wieso sich niemand daran erinnere, wann genau das geschah, heißt es:

    Der genaue Zeitpunkt der Übermittlung lässt sich nicht mehr ermitteln. Aufgrund begrenzter Speicherkapazitäten müssen versendete E‑Mails regelmäßig gelöscht werden. So wurde auch die E‑Mail, mit der die Studie an die Redaktion der „BILD-Zeitung“ übersandt wurde, gelöscht.

    Hier hakte die Linke nach und erhielt am 30. Januar eine Antwort aus dem BMI, die heise online vorliegt:

    „Im Pressereferat des BMI stand den Referenten bis Dezember 2012 ein nur auf 9 MB beschränktes Postfach zur Verfügung. Dadurch bedingt musste immer wieder das Postfach leer ‚geräumt’ werden, d.h. Mails gelöscht werden. Insofern ist es in der Pressestelle ‚üblich’ die Postfächer regelmäßig zu leeren. Die Mails werden individuell je nach Arbeitsplatzkapazität des jeweiligen Computerarbeitsplatzes gelöscht.“

    Aber, es kommt noch besser:

    Eine Angabe zur tatsächlichen Kapazität des E‑Mail-Postfaches enthält die Hausanordnung nicht. Das BMI wollte die tatsächliche Größe auch auf Nachfrage von heise online nicht nennen. „Das BMI gibt aus Gründen der IKT-Sicherheit keine quantitativen Angaben zur Konfiguration seiner Mail- oder Dateisysteme heraus. Die Angaben könnten genutzt werden, um einen IT-Angriff auf das BMI passgenau zu justieren“, teilte Friedrichs Pressesprecher Jens Teschke heise online mit.“

    Und das ist unser Ministerium u.a. für IT und Netzpolitik.

    16. Februar 2013 40
  • : Niedersachsen: Mehr Open-Data, keine Vorratsdatenspeicherung
    Niedersachsen: Mehr Open-Data, keine Vorratsdatenspeicherung

    In Niedersachen haben SPD und Grüne ihren Koalitionsvertrag veröffentlicht. Darin finden sich auch viele netzpolitisch relevante Stellen. Insgesamt ist der Koalitionsvertrag recht solide, aber besser geht auch noch.

    Man möchte „den weitgehenden Einsatz von Freier Software und Open Source in allen Behörden und Bildungseinrichtungen fördern“ und „darüber hinaus prüfen, wie dort der Einsatz von Tablets und Laptops zu verstärken ist“.

    Die zuvor ausgeweitete Videoüberwachung soll eingeschränkt werden und „für die verbleibenden Überwachungsanlagen wird ein öffentlich einsehbares „Anlagenkataster“ geschaffen“.“ Anlasslose Überwachungen von Großveranstaltungen“ sollen eingeschränkt werden, der „Einsatz von Drohnen als technisches Mittel zur Anfertigung von Bild- und Tonaufnahmen bei Veranstaltungen oder Ansammlungen im Rahmen von polizeilichen Maßnahmen“ wird generell abgelehnt. Drohnen sollen „lediglich bei der Verfolgung von schweren Straftaten wie Geiselnahmen, Entführung mit erpresserischem Menschenraub oder Verfolgung nach Bankraub kann im Einzelfall ein Einsatz von Drohnen in Betracht kommen“. „Personenbezogene Daten und Abbildungen einer Person dürfen vorerst nicht in sozialen Netzwerken eingestellt werden. Die polizeiliche Fahndung und Ermittlung mit und in sozialen Netzwerken werden datenschutzrechtlich überprüft und dafür eine gesetzliche Grundlage geschaffen.“

    13. Februar 2013 8
  • : Cybersecurity bei der Münchener Sicherheitskonferenz: Relevanz ist unumstritten, inhaltlich will man sich aber nicht festlegen
    Cybersecurity bei der Münchener Sicherheitskonferenz: Relevanz ist unumstritten, inhaltlich will man sich aber nicht festlegen

    Am vergangenen Wochenende fand die Münchner Sicherheitskonferenz im Bayerischen Hof statt. Im Rahmen der Diskussionen über aktuelle und zukünftige sicherheitspolitische Herausforderungen weltweit fügte sich auch eine Thematisierung von Cybersecurity ein – man hinke hinterher, so Wolfgang Ischinger, der Vorsitzende der Konferenz. Wem eigentlich?

    NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte, die NATO sei auch dann gefordert, wo Mitglieder im Cyberspace attackiert würden:

    We must also improve our cyber-resilience. I see a critical role for NATO in defining a common approach among the Allies. In training. And in providing specialist assistance to Allies who come under cyber attack.

    4. Februar 2013
  • : Verpasste Gelegenheit: Die andere Enquete-Kommission
    Verpasste Gelegenheit: Die andere Enquete-Kommission

    Der Wikipedia zu Folge sind Enquete-Kommissionen

    „vom Deutschen Bundestag oder von einem Landesparlament eingesetzte überfraktionelle Arbeitsgruppen, die langfristige Fragestellungen lösen sollen, in denen unterschiedliche juristische, ökonomische, soziale oder ethische Aspekte abgewogen werden müssen.“

    Wenn auf diesem Blog bislang von „der“ Enquete-Kommission die Rede war, dann drehte es sich ausschließlich um die im Mai 2010 gestartete „Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft“ (EIDG), deren letzte Sitzung diese Woche stattgefunden hat. Parallel zur EIDG tagte aber seit Januar 2011 eine weitere Enquete-Kommission zum Thema „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“.

    In der offiziellen Kurzbeschreibung heißt es zur Zielsetzung dieser zweiten Enquete-Kommission diese

     soll den Stellenwert von Wachstum in Wirtschaft und Gesellschaft ermitteln, einen ganzheitlichen Wohlstands- und Fortschrittsindikator entwickeln und die Möglichkeiten und Grenzen der Entkopplung von Wachstum, Ressourcenverbrauch und technischem Fortschritt ausloten.

    Zentrale Motivation für die Einrichtung war die Kritik an klassischen Wohlstandsindikatoren, allen voran dem Bruttoinlandsprodukt (BIP). Einer der Hauptkritikpunkte am BIP ist dabei nicht nur, dass es ökologische Nachhaltigkeitsfragen ignoriert, sondern dass im BIP ausschließlich monetäre Transaktionen erfasst werden. Der gesamt Bereich unbezahlter Arbeit – möge er auch noch so sehr zu gesellschaftlichem Wohlstand beitragen – scheint im BIP einfach nicht auf.

    Genau an diesem Punkt gibt es aber eine bedeutende Schnittstelle zur Schwester-Enquete „Internet und digitale Gesellschaft“. Klassische Beispiele für unbezahlte Arbeit sind Hausarbeit, Kinderbetreuung und ehrenamtliches Engagement. Durch das Internet und digitale Technologien lässt sich aber seit längerem in immer mehr Bereichen eine Zunahme produktiver, wohlstandserhöhender Aktivitäten beobachten, die ebenfalls vom BIP nur schlecht oder überhaupt nicht erfasst werden.

    31. Januar 2013 1
  • : Free Zone: Google und die Netzneutralität sind schon lange nicht mehr beste Freunde
    Free Zone: Google und die Netzneutralität sind schon lange nicht mehr beste Freunde

    google-free-zoneHat der Google-Konzern die Netzneutralität verraten? So klingt zumindest das Medienecho, nachdem bekannt wurde, dass der Internet-Riese einen französischen Provider für den Traffic seiner Tochterfirma YouTube Geld bezahlt. Tatsächlich fällt Google dem Kampf um ein echtes Netz gleich an mehreren Stellen in den Rücken.

    Vor einer Woche sagte Stephane Richard, Chef des Telekommunikations-Unternehmens Orange, Teil des französischen France-Télécom-Konzerns in einem Interview mit BFM Business TV:

    Der Leiter des französischen Unternehmens Orange sagte, dass sie ein Abkommen mit Google erreicht haben zur Erstattung der großen Datenmengen, die [Google] über [Oranges] Netze schickt.

    Mit anderen Worten: Google zahlt einem Provider Geld, damit dessen Kunden YouTube-Videos klicken können. Also die Abkehr eines neutralen, echten Netzes. Hintergrundinformationen, warum das schlecht für Internet-Nutzer/innen ist, hat der Digitale Gesellschaft e. V. in einem Handbuch Netzneutralität ausgearbeitet.

    Google selbst hat bisher keine Medienanfragen dazu beantwortet. Auch unsere Anfrage ging vom Unternehmenssprecher zum Leiter Unternehmenskommunikation und von dort ins Büro London. Das ist zwar zuständig, arbeitet aber selbst noch an der Kommunikationsstrategie.

    Obwohl der eigentliche Sachverhalt zumindest in Frankreich schon länger bekannt war, tauchen jetzt Schlagzeilen auf wie: Google gibt die Netzneutralität auf. Das impliziert, dass Google bis letzte Woche ein fester Vertreter der Netzneutralität war.

    23. Januar 2013 13
  • : Dienstag: Gastvorlesung an der Universität Potsdam
    Dienstag: Gastvorlesung an der Universität Potsdam

    Am Dienstag halte ich an der Universtität Potsdam eine Gastvorlesung über Netzpolitik bei den Informatikern. Dies findet im Rahmen der Ringvorlesung n_space im WS 2012/13 „Medienproduktion im Wandel“ statt und die Veranstaltung ist öffentlich und kostenlos. Beginn ist 17 Uhr und der Ort ist das Hauptgebäude der Uni Potsdam am Standort Griebnitzsee 3.06, Raum Hörsaal 02, Erdgeschoss rechts.
    (Direkt am S‑Bahnhof Griebnitzsee, Ausgang „Universität“)

    21. Januar 2013 1
  • : US-Aktivisten feiern mit #Internetfreedomday Erfolg über SOPA/PIPA
    US-Aktivisten feiern mit #Internetfreedomday Erfolg über SOPA/PIPA

    Heute ist Internetfreedomday. Zumindest in den USA feiert man damit die gelungenen Online-Proteste gegen SOPA und PIPA, die vor einem Jahr ihren Höhepunkt in der Schwärzung zahlreicher Seiten erreichte. Und die beiden Gesetzesvorhaben verhinderten.

    Der Juraprofessor und Aktivist Marvin Ammori hat diese Woche ein Kindle-Buch zum Thema veröffentlicht: On internet freedom. Das eBook kostet regulär 4,99 $ (Rund 3,85 Euro), ist heute aber zur Feier des Tages kostenlos zu erhalten. Ich habs mir schon die Tage runtergeladen, aber noch nicht gelesen. Insofern kann ich konkret zum Buch noch nichts sagen, aber in der Regel hat Marvin Ammori zum Thema Internetfreiheit eine Menge kluges zu sagen. Wir hatten ihn im Netzpolitik-Podcast Folge 88 zum Thema Netzneutralität zu Gast. Aus der Buchbeschreibung:

    Every few years, a new book comes out explaining that the future of the Internet is at risk. And every few years, it really is. This book explains why. In this important new work, On Internet Freedom, leading advocate and First Amendment scholar Marvin Ammori explores why the Internet is continually under threat, what’s at stake in the battle for Internet freedom, and how Internet users can rise up to protect their rights. Written for average Internet users, not just for lawyers and technologists, this accessible book explains these issues and their significance for anyone who has ever sent an email.

    Internet freedom has become as fundamental as the right to vote. As the Internet continues to evolve and take on a larger role in our democracy and economy, our freedoms come under ever greater threat. Although new technologies may increase our connectivity and make our communications more secure, technology alone is not enough. In the face of misguided efforts by governments and corporations to increase their control over the Internet by bending and shaping the laws, everyday users must be willing to work together and jump into the political process at key moments to protect their own rights. These struggles can help ensure a more inclusive democracy in which the few will not control the speech rights of the many.

    Dürfte vermutlich etwas US-zentriert sein.

    18. Januar 2013 6
  • : Netzpolitik und Frauen passen einfach nicht zusammen
    Netzpolitik und Frauen passen einfach nicht zusammen

    seriesoftubesDer Eindruck drängt sich jedenfalls ziemlich auf, nachdem hier im Blog zu lesen stand, dass nur 8% der LeserInnen von netzpolitik.org Frauen sind. Die Redaktion fragte sich dann:

    Wie kann der Anteil weiblicher Leserinnen gesteigert werden? Netzpolitik sollte keine Männersache sein und geht alle an.

    In den Kommentaren entspann sich ein buntes Treiben, um dessen Moderation ich niemanden beneide. Mein Verdacht war, dass die Frage hier das richtige Publikum gar nicht erreicht, denn erklärtermaßen lesen die Frauen, die nicht netzpolitik.org lesen, netzpolitik.org ja nicht. Über den Umweg einer Facebook-Gruppe, die leider das derzeit größte mir bekannte Forum von Bloggerinnen und sonst netzaffinen Frauen ist, das ich kenne, entstand ein Blogpost von Claudia Kilian: Netzpolitik ist weiblich. Auch dort wurde viel diskutiert.

    Für mich riecht das Blog Netzpolitik männlich. – Ich bin nicht gut im erklären, aber für mich ist der vorherige Satz, genau die Erklärung, die ich mir selbst geben würde. Das ganze Blog besitzt eine durch und durch männliche Ausstrahlung und wenn ich die Zahl der Mitschreiberinnen hätte schätzen sollen, dann hätte ich sie bei der Prozentzahl geschätzt, bei denen die Leserinnen liegen: jedenfalls eindeutig im einstelligen Bereich. (Claudia Kilian, Sammelmappe)

    Und ungefähr hier fangen dann die kulturellen Differenzen an, die vielleicht mit zu den Ursachen gehören, warum sowenig Frauen netzpolitik.org lesen. Im Text und in den Kommentaren ging es um:

    Bunter, kreativer, abwechslungsreicher, nicht immer zu ernst – muss ja nicht gleich in Klamauk ausarten – und ganz wichtig: einen Bezug zum Alltag herstellen.

    Zu viel Technik, Gesetz und Recht, Staatsmacht, zu wenig Reflektion über Beziehungen, Kultur, Was kann ich machen? Und auch zu viel klare Positionierung, mich interessiert eher das Diskutieren von offenen Fragestellungen.

    Ich kann das “Stallgeruch” Phänomen spontan gut nachempfinden. Die Erklärungen hinsichtlich mangelnder soz. Reflexion/ pers. Bezugs finde ich insofern plausibel, als sie sich schon darin zeigen, dass hier darüber diskutiert wird, statt auf Netzpolitik.org (die ja explizit Kommentare dazu wollten).

    Ich empfand die Diskussionskultur dort als wenig inspirierend, besserwisserisch, teilweise arg trollig. Die Netzpolitik-Diskussionen führe ich (bisher) fast ausschließlich offline unter Freund*innen und Kolleg*innen.

    Ich stehe meist mit einem Bein in der netzpolitisch-hacktivistischem Community mit den gefühlt 92% Männern und mit dem anderen in der feministischen Community, die manchmal, aber selten, netzpolitisch und häufig sehr netzaffin ist. Und das seit gut zehn Jahren. Beide leben unabhängig und in weitgehender Ignoranz voneinander. Etwas von der einen in die anderen zu übertragen hat große Ähnlichkeiten mit dem Übersetzen von Sprachen. Es ist nicht bloß das Vokabular, das unterschiedlich ist, sondern auch die Art und Weise, wie Phänomene wahrgenommen und beschrieben werden.

    15. Januar 2013 115
  • : Niedersachsen-Parteien beantworten Wikimedia-Wahlprüfsteine
    Niedersachsen-Parteien beantworten Wikimedia-Wahlprüfsteine

    Demnächst ist Landtagswahl in Niedersachen. Die beiden Lager CDU/FDP und SPD/Grüne liegen fast gleich auf, die FDP könnte reinkommen, die Piraten und Linken vielleicht auch. Der Wikimedia Deutschland e.V. hat umfangreiche Wahlprüfsteine an alle dort antretenden Parteien geschickt und jetzt die Antworten der sechs aussichtsreichsten Parteien veröffentlicht. Eine Zusammenfassung findet sich hier: Flachland der Einigkeit: Die Wahlprüfsteinantworten aus Niedersachsen.

    Und das war der Fokus:

    Unser inhaltlicher Schwerpunkt war diesmal einzig der Themenkomplex “Staatliche Werke”. Darunter fassen wir übrigens auch die gebührenfinanzierten Inhalte des faktisch (im Falle des ZDF nicht immer praktisch) staatsfernen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks.

    10. Januar 2013 5
  • : Gedruckt kaufen: Jahrbuch Netzpolitik 2012 – Von A wie ACTA bis Z wie Zensur
    Gedruckt kaufen: Jahrbuch Netzpolitik 2012 – Von A wie ACTA bis Z wie Zensur

    npjahresbuch_coverSeit kurz vor Weihnachten gibt es unser „Jahrbuch Netzpolitik 2012 – Von A wie ACTA bis Z wie Zensur“ in digitaler Form. Dank einer Kooperation mit epubli haben wir 1000 gedruckte Bücher erhalten und einen kleinen Teil schon auf dem 29c3 gegen eine Spende getauscht. Der Rest steht jetzt hier herum, eignet sich prima als Briefbeschwerer oder Türstopper, aber noch besser als Medium, um sich über Netzpolitik zu informieren.

    Wir wollen, dass die Bücher durch die Welt reisen und von Menschen gelesen werden. Hier kommt Ihr ins Spiel! Die gedruckten Bücher gibt es exklusiv bei uns und wir verschicken sie für 10 Euro inklusive Porto. Davon kommen 8,90 Euro direkt bei uns an. Den Rest gewinnt die Post.

    Der Weg dahin führt über ein Formular am Ende des Artikels, wo Du Deine Kontaktdaten eingibst. (Oder Mail an kontakt@netzpolitik) Wir schicken unsere Kontodaten und Du überweist uns 10 Euro mit dem Zweck „Netzpolitik-Jahrbuch“. Sobald das Geld auf unserem Konto ist, schicken wir Dir ein Buch. Oder auf Wunsch mehrere, wenn Du mehr überweist. Gerne auch mit netzpolitik.org-Aufkleber fürs Notebook oder Auto.

    Du hast das Buch bereits heruntergeladen und es hat Dir gefallen? Dann hilf uns, das gedruckte Buch zu bewerben!

    9. Januar 2013 14
  • : Unser Blog soll schöner werden (IV): Formate
    Unser Blog soll schöner werden (IV): Formate

    In einem Prozess wollen wir mit Euch unser kleines Blog weiterentwickeln. Nach Beiträgen darüber, wer uns liest, wer wir sind und wie wir aussehen könnten, geht es jetzt um alte und neue Formate.

    Am Anfang war alles ganz einfach. Da hab ich dieses Blog einfach nur dazu genutzt, jeden Tag alle für mich relevanten Artikel mit einem kurzen Ausschnitt (in der Regel das, was ich mir merken wollte) und dem Link hier reinzukippen und ab und zu auch Erlebnisberichte, z.B. über Ausschusssitzungen zu veröffentlichen. Mit der Zeit wurde alles mehr, mehr Leserinnen und Leser, mehr Artikel von unterschiedlichen Mitschreiberinnen und Mitschreibern, längere und teilweise aufwändig recherchierte Artikel sowie verschiedene journalistische Formate. Eigentlich läufts ja ganz gut, aber es könnte auch noch besser werden.

    07-Formate

    Formulieren wir mal unseren Anspruch: Wir würden am liebsten alles relevante rund um Netzpolitik in diesem Blog bündeln.

    9. Januar 2013 23
  • : Unser Blog soll schöner werden: Design (III)
    Unser Blog soll schöner werden: Design (III)

    Dies ist Teil 3 unserer Reihe „Unser Blog soll schöner werden“, mit der wir mit Euch, unseren Leserinnen und Lesern unser kleines Blog in einem Prozess weiter entwickeln wollen.

    Ich weiß gar nicht mehr, wie viele unterschiedliche Layouts dieses Blog im Laufe der letzten neun Jahre hatte. Es mögen vielleicht eine Handvoll gewesen sein. Keines davon fiel durch ein außergewöhnliches Design auf. Das liegt einerseits daran, dass wir uns immer an WordPress-Templates orientiert haben und nicht inhouse über Designer verfügen, die uns einfach mal was schönes bauen. Und überhaupt ging es uns ja immer um die Inhalte. Aber natürlich haben wir nichts gegen ein schöneres Aussehen.

    12-StrukturDesign

    Das aktuelle Design steht jetzt seit dem 1. April 2011 und hatte vor allem die Funktion, dass gängige Werbebanner reinpassen sollten. Als Nebeneffekt wurde es noch etwas suchmaschinenoptimierter als die Vorgänger. Neue Designs führen ja immer erstmal zu Ablehnung und recht spät ist uns aufgefallen, dass wir ja tatsächlich am 1. April damit online gegangen sind. Anderen ist spätestens am 2. April aufgefallen, dass das jetzige Design kein Aprilscherz war. Aber am Design scheiden sich die Geister, wie unsere Umfrage zeigte.

    8. Januar 2013 42
  • : Unser Blog soll schöner werden: Die Redaktion (II)
    Unser Blog soll schöner werden: Die Redaktion (II)

    In einer Artikelserie wollen wir mit unseren Leserinnen und Lesern die Weiterentwicklung dieses Blogs diskutieren. Dies ist Teil II.

    platform-berlin-office-openAm Freitag haben wir einige Einblicke gegeben, wer uns hier liest. Aber wer schreibt hier eigentlich? Das war am Anfang einfacher zu beantworten als heute. Ein Vorläufer dieses Blogs entstand 2002/2003 unter derselben Domain. Damals bloggte ich über die Kampagne gegen Softwarepatente auf EU-Ebene und den UN Weltgipfel zur Informationsgesellschaft. Ich wusste damals aber noch nicht, dass ich bloggte, ich dachte, ich CMSte. Mitte 2004 ging dann das jetzige Blog mit Hilfe von WordPress online. Das lief mehr oder weniger parallel zur Gründung meiner Firma newthinking, die damals noch aus dem newthinking store und newthinking communications bestand.

    Die erste Zeit trug ich hier alles an interessanten Links zusammen, was ich in den Vorjahren über Mailinglisten verteilt hatte. Meine Intention war, mein Wissen zu teilen und einen Ort für diese Informationen zu schaffen, den es so noch nicht gab. Mit der Zeit konnte ich einige Freunde motivieren, diesen Ort hier ebenfalls dafür zu nutzen, Wissen zu verteilen, Informationen zu aggregieren, Gesetzesprozesse zu analysieren und kritisch zu begleiten um damit einen Knotenpunkt für das Thema zu schaffen und diesen auszubauen. Die ganze Entwicklung läuft seitdem eher nach dem Learning-by-Doing-Prinzip ab. Einfach Knöpfe drücken und schauen, was passiert, wenn man mit neuen Medienformen experimentiert und sich dabei selbst Journalistische Praxis beibringt. Und zum Medium wird, um für eine bessere Netzpolitik und mehr Grundrechte zu werben.

    Knapp neun Jahre später ist daraus ein Blog mit rund 12.000 Beiträgen und 135.000 Kommentaren entstanden, was insgesamt von 71 Nutzer-Accounts befüllt wurde. So viele sind zumindest im System angelegt. Einige haben nur einen oder wenige Artikel geschrieben, wenige haben die meisten Artikel verfasst. Bei vielen liegt der letzte (und manchmal erste) Artikel lange zurück, knapp ein Dutzend schreiben momentan mehr oder weniger regelmäßig. Dabei besteht die „feste Redaktion“ eigentlich nur aus zwei Personen: Andre Meister ist der einzige Festangestellte Redakteur mit einer 30 Stunden Stelle und mich gibt’s immer noch. Der Rest schreibt, wann sie oder er Zeit und Lust haben.

    Wie wird man Redakteur?

    7. Januar 2013 7
  • : „Politisch Netzaktive“ und Politik in Deutschland: TNS Infratest findet heraus, dass die Netzgemeinde stark links ist
    „Politisch Netzaktive“ und Politik in Deutschland: TNS Infratest findet heraus, dass die Netzgemeinde stark links ist

    Menschen, die das Internet aktiv zur politischen Meinungsäußerung und Beteiligung in Deutschland benutzen, tendieren stark zur Wahl linker Parteien, das bürgerliche Lager kommt schlecht weg. Das ist das Ergebnis einer Studie von TNS Infratest im Auftrag des Bundespresseamts aus dem April 2012. Leider dürfen wir die komplette Studie nicht veröffentlichen, aber mit wenigen Klicks könnt ihr sie auch erhalten.

    Nach dem Wahlerfolg der Piraten in Berlin wollte die etablierte Politik wissen, wer denn diese „politisch Netzaktiven“ sind und wie diese ticken. Also beauftragte das Bundespresseamt bei dem Marktforschungs-Unternehmen TNS Infratest eine Studie mit dem Titel „Politisch Netzaktive und Politik in Deutschland“, die im April 2012 durchgeführt wurde.

    Im September berichtete Hans-Martin Tillack auf stern.de über die Studie:

    Bei den „Netzaktiven“, so Infratest, sei eine „starke Ausrichtung auf das linke Parteienspektrum feststellbar“. Das „bürgerliche Lager“ sei mit 19 Prozent hingegen deutlich unterrepräsentiert.

    Auf 12 bis 13 Prozent der Gesamtbevölkerung ab 18 Jahren schätzt Infratest die Zahl derjenigen, die sich an Online-Petitionen beteiligen, „bei Regierungs- oder Verwaltungsstellen online auf Missstände“ hinweisen oder schon mal im Netz „politische Beiträge oder Kommentare in Foren gepostet“ haben.

    Sie sind zu 65 Prozent männlich, überdurchschnittlich gebildet – und es sind nicht mehr die Jüngsten. Vor allem die mittleren Jahrgänge, und da besonders die Kohorte der 50 bis 59-Jährigen, – also die 68er Generation – seien „überrepräsentiert“, der „Anteil der 18 bis 29-Jährigen“ dagegen „deutlich unterrepräsentiert“. Grund: Junge Leute interessieren sich zwar für das Internet, aber kaum für Politik.

    4. Januar 2013 22
  • : Unser Blog soll schöner werden (I)
    Unser Blog soll schöner werden (I)

    Kranenburg_-_Bürgerhaus_04_iesBereits seit einiger Zeit denken wir intern und in vielen Gesprächen darüber nach, wie wir dieses Blog weiter entwickeln können. Die letzte Änderung fand im April 2011 statt, wo wir Werbung und das jetzige Design einführten. Es ist also mal Zeit, das Ganze mal weiter zu denken und auf eine neue Stufe zu heben. Und das wollen wir mit Euch zusammen machen.

    Wir haben eine ganze Artikelserie in Vorbereitung, wo wir verschiedene Aspekte einer Weiterentwicklung beleuchten und unsere Ideen zur Diskussion stellen und Euch in den Prozess einbeziehen wollen. Das geht vom Design über eine konzeptionelle Weiterentwicklung mit neuen Formaten bis zur Finanzierung. Starten wollen wir mit der Frage, wer uns eigentlich liest. Das wussten wir bis zum vergangenen Sommer immer nur durch persönliche Gespräche und das Feedback unserer Leserinnern und Leser. Aber wir wollten es genauer wissen und haben Euch gefragt. Die Antworten von rund 2300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer geben uns jetzt ein wenig mehr Einblick in unserer Leserschaft.

    Wer liest uns eigentlich?

    4. Januar 2013 112