Netzpolitik

Netzpolitik hauptsächlich in Deutschland, aber auch international. Kernthema dieses Blogs.

  • : Piraten – Am Rande der Spaltung
    Neuer Bundesvorstand der Piraten. Fotoquelle: <a href="https://www.piratenpartei.de/2014/06/30/mit-neuem-vorstand-in-die-zukunft/">Piratenpartei</a>
    Piraten – Am Rande der Spaltung

    Der neue Chef der Piraten hat die richtige Parole ausgegeben: Weniger twittern. Es ist die Ironie der Geschichte, dass für die so genannte Internet-Partei das größte Problem die ungehemmte Nutzung eines Sozialen Netzwerk-Dienstes darstellt. So manche Piraten verwenden den Kurznachrichtendienst als Gedankenschleuder, als Ort für lautes Denken und scheinen dabei nicht gewahr, dass alles öffentlich stattfindet. Archivierbar, verlinkbar, einbettbar. Innehalten und Reflektion bleiben Fehlanzeige: Es schaukeln sich Missverständnisse, Beleidigungen, Unterstellungen und unausgegorene Bemerkungen schön nachvollziehbar durch Hasthags hoch; ein Fest für den politischen Gegner, eine köstliche Quelle für die Presse und ein kurioser Ort des Fremdschämens für Aussenstehende.

    Der jüngst zu Ende gegangene Sonderbundesparteitag der Piraten in Halle hat das Pendel zum “sozial-liberalen” Flügel der Partei zurückschwingen lassen. Zumindest interpretieren das Piraten, die anderen Lagern angehören, so. Klaus Peukert etwa meint: ”Die Piratenpartei will einfach nur der netzpolitische Arm des Heiseforums sein”. Der Konflikt war in den letzten Monaten zwischen zwei Strömungen hochgekocht – Stichworte #keinhandschlag & #bombergate. Markus Kompa, wohl eher dem sozial-liberalen Lager zu zuschlagen, bezeichnete vor dem Parteitag die Situation unter den als “linksextremistisch” verschrienen “Berlinern” als “ideologisch aufgeladenes Narrenschiff”.

    Der Höhepunkt der Lagerauseinandersetzung auf dem Parteitag war bei den Vorgängen rund um den Berliner Landesvorsitzenden Christopher Lauer zu beobachten. Der wurde seinem Ruf gerecht und legte einen Auftritt zwischen Clowneskerie und “political animal” hin; man mag zu ihm stehen, wie man will: Die von ihm bemängelte fehlende Aussprache zu den Wahlniederlagen bei Bundestag- und Europawahl in der Post Snowden-Ära, ist nicht von der Hand zu weisen. Wegen eines (kaum überraschend umstrittenen) Formfehlers wurde von der Versammlungsleitung dann sein Antritt zur Wahl als politischer Geschäftsführer nicht zugelassen.

    30. Juni 2014 60
  • : Grimme Online Award für netzpolitik.org
    Grimme Online Award für netzpolitik.org

    grimmeWir freuen uns über den Grimme Online Award in der Kategorie SPEZIAL. Aus der Begründung der Jury:

    „Aufklären, aufdecken, informieren und dafür sorgen, dass das Internet eine Stimme bekommt. Als Markus Beckedahl vor zehn Jahren das Blog „netzpolitik.org“ gründete, war es wie der Kampf von Don Quijote gegen die Windmühlen. Geradezu übermächtig waren die Gegner aus Industrie, Politik und Vereinen, die über die Köpfe der Internetnutzer hinweg entschieden.

    „netzpolitik.org“ ist es gelungen, ein Sammelbecken für jene Opposition zu sein, die nicht hinnehmen will, dass das freie Netz zerstört oder zumindest eingeschränkt wird. Zusammen mit einer stetig wachsenden Community schafft es das mittlerweile auf 30 Autoren angewachsene Team, digitale Themenfelder zu besetzen, um so auch eine Anlaufstelle für die klassischen Medien zu werden. „netzpolitik.org“ gehörte zu den ersten deutschsprachigen Publikationen, die davor warnten, dass die Ereignisse im Netz auch eine Auswirkung auf das reale Leben haben würden. Überwachung, Datenschutz und Netzneutralität sind bis heute die Themen, die die Website und ihre Community antreiben – nach den Snowden-Enthüllungen mit noch größerer Resonanz in der breiten Bevölkerung. Der Umfang und die Aktualität der Berichterstattung sind bemerkenswert, ebenso die Tatsache, dass die Arbeit des Teams nicht an den Grenzen Deutschlands zu Ende ist.

    Zusammen mit anderen Vereinen und Organisationen, die sich für ein freies, gleiches und unabhängiges Internet einsetzen, hat sich „netzpolitik.org“ an die Schaltzentralen der Macht herangearbeitet und präsentiert Einschätzungen und Gegenargumente auch in Ausschusssitzungen des Bundestages und der EU.“

    Und hier ist ein Video dazu:

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten Endgerät Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

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    28. Juni 2014 25
  • : Internetausdrucker vs. Privacy Handbuch: Verfassungsschutz beargwöhnt Verschlüsselungstechniken
    Garfik aus dem im Mai 2013 aktualisierten "Privacy Handbuch".
    Garfik aus dem im Mai 2013 aktualisierten "Privacy Handbuch".
    Internetausdrucker vs. Privacy Handbuch: Verfassungsschutz beargwöhnt Verschlüsselungstechniken

    Nicht nur die Veröffentlichung der „deutschen NSA-Akte“ sorgte gestern für Furore, auch der Verfassungsschutz hatte einen großen Auftritt: Dessen Präsident Hans-Georg Maaßen stellte gestern mit Innenminister Thomas de Maizière (CDU) den Verfassungsschutzbericht für das vergangene Jahr vor.

    Den 53 NSA-Folien des Spiegel ist zu entnehmen, wie sich der deutsche Inlandsgeheimdienst um neue Möglichkeiten zum Ausspähen der elektronischen Kommunikation bemüht. Bestätigt wird, dass die NSA sogar über ein eigenes Büro beim Verfassungsschutz verfügen darf und dort jede Woche präsent ist. Veröffentlichungen wie der gestrige Verfassungsschutzbericht dienen dazu, diese Zusammenarbeit gegenüber den Enthüllungen in Schutz zu nehmen und Begründungen für die Spionage nachzureichen. So nimmt es nicht wunder, dass sich der Verfassungsschutz vor allem an digitalem Aktivismus stört, insbesondere wenn er von links kommt: Die Behörde diskreditiert Linke und behauptet, diese würden Berichte über die deutsch-amerikanische Spionage für eigene Zwecke instrumentalisieren.

    Als Beleg dient unter anderem die Veröffentlichung des „Privacy-Handbuchs“, das vor mehr als einem Jahr aktualisiert und erneut veröffentlicht wurde und auf eine tiefe Sachkenntnis schließen lässt. Unter dem Nutzernamen „cyberterrorism“ wurde das Werk auch bei Indymedia gepostet und gespiegelt. Der Verfassungsschutz schlussfolgert frech, die AutorInnen des Beitrags würden sich durch ihr Pseudonym „selbst dem ‚cyberterrorism’ zuordnen“.

    19. Juni 2014 21
  • : EuroDIG: Copyright ist nicht Urheberrecht
    EuroDIG: Copyright ist nicht Urheberrecht

    Bereits gestern berichteten wir über den EuroDIG, den European Dialogue on Internet Governance, der vergangenen Donnerstag und Freitag im Auswärtigen Amt in Berlin stattfand. Parallel zu meinem Workshop über die Private-Public-Problematik besuchte Markus einen Flash (Komprimierte Kurzveranstaltung) zum Thema der Entwicklung des Politikfelds Netzpolitik in Deutschland, und lernte:

    Man konnte ja nicht immer alles gleichzeitig besuchen, macht mir jetzt nicht so viel aus, aber an dieser Stelle findet sich noch ein informativer Bericht über den Netzneutralitätsworkshop, den ich ebenfalls verpasst habe.

    Rechtliche Unsicherheit und Hindernisse für offene Verwerter wie Wikimedia und Bibliotheken

    Jetzt aber weiter im Text. Der zweite Tag der EurDIG-Konferenz begann für mich, da will ich ganz ehrlich sein, mit Kaffee und Plätzchen. Anschließend begab ich mich in den Workshop zum Thema: „European copyright for the digital age“. Diskussionsteilnehmer waren unter anderem zwei Bibliotheksvereinvertreter, Ellen Broad von der International Federation of Library Associations and Institutions und Guido Jansen vom Deutschen Bibliotheksverband. Diese unterhielten sich mit Matthias Schindler von Wikimedia, moderiert wurde das ganze von Konstantinos Komaitis von ISOC (Internet Society’s Elections Committee). Ziel des Workshops: Konzepte und Initiativen für einen Europäischen Urheberrechtsansatz im digitalen Zeitalter zusammentragen. „Konzepte“, „Ansatz“, „digitales Zeitalter“, diese Zielstellung könnte man als ‚offen’ beschreiben.

    Fancy: Im Gegensatz zu dem anderen Workshop, wo jeder selbst auf sein Smartphone schauen musste um dem Geschehen auf Twitter zu folgen, gab es diesmal eine eigene kleine Workshop-Twitterwall, um den für diese Veranstaltung festgelegten #eurodig_ws6 zu verfolgen. Das war aber kein twitterwally, wie man es von den großen Plenen gewöhnt war, sondern eine Art Effekt-Slideshow, die die beliebtesten Beiträge (anfangs waren das genau drei) nahm, einzeln die Buchstaben zusammenschwurbeln ließ, um dann drei Viertel derselben wieder verschwinden zu lassen, damit sich die restlichen Buchstaben neu anordnen konnten, um dann dabei zuzusehen, wie sich ein neuer Tweet um die Reste des alten herum aufbaute… es war faszinierend mit anzusehen und wurde nicht langweilig, da sich parallel die Hintergrundfarbe permanent nicht zwischen neongrün, neonpink, neongelb entscheiden konnte… Da der Workshop nicht zu den Trending Topics auf Twitter gehörte, wiederholten sich dieselben Tweets relativ häufig.

    Moderator Komaitis begann die Debatte unter den Prämissen, dass wir uns alle einig seien können, dass 1) Das Urheberrecht gebraucht werde und 2) es in dieser Form unaktuell ist und dringender Reformen bedürfe. Durch die Europäische Kommission ist Ende 2013 ein öffentlicher Konsultationsprozess gestartet worden, zu dem auch einige der Anwesenden Beiträge geliefert haben. Diesen Dialog in Europa galt es im Workshop aufzugreifen und zu präzisieren. Zunächst brachte Guido Jansen die Bibliothekenperspektive ein und betonte, dass entgegen anderer Annahmen Bibliotheken zu den ‚early adopters’ im digitalen Zeitalter zählen, und beispielsweise Internetzugang bieten, Internet- und Fachdatenbankenrecherche ermöglichen und E‑Books zur Verfügung stellen. Besonders bei E‑Books stehen Bibliotheken in Europa immer mehr vor einem Problem, weshalb sie sich mit der EBLIDA-Kampagne „The right to e‑read“ für bessere Bedingungen einsetzen um weiterhin freies Wissen unter die Bevölkerung zu bringen.

    Für Ellen Broad liegt ein zentrales Problem in der Debatte darin, dass die tatsächlichen Schöpfer immer mehr aus der „copyright“-Gleichung herausfallen würden und sich immer viel mehr auf die Verwerter oder Verteiler (distributors) konzentriert würde. Als wichtiges Konzept sollten Lizensierungsmodelle verfolgt und optimiert werden. Vor allem für die Urheber werde es immer schwerer, ihre Rechte im Internet auch durchzusetzen. Gleichzeitig liegt ihr ‚Fair use’, also die angemessene Weiterverwendung von Material am Herzen, sowie die Möglichkeit, innovativ zu sein ohne dafür eine rechtliche Erlaubnis zu benötigen (‚permissionless innovation’). Matthias Schindler von Wikimedia meint, dass seine Organisation von der freien Verbreitung offen lizensierten Inhaltes profitiert, es aber ein großes Hindernis sei, immer mit Urheberrechtsvorgaben übereinzustimmen. Daraus folgt, dass die meisten Inhalte, die Wikimedia verbreitet, v.a. auf Wikipedia, mit rechtlicher Unsicherheit behaftet sind. Eine Reform des Urheberrechts sollte dies ändern und verbessern.

    Schützt ‚Copyright’ Urheber oder Verwerter?

    Auf Twitter wurde unterdessen die Frage gestellt, was denn nun eigentlich mit den Urhebern an sich sei, eine Künstlerin fühlte sich von der Frage nach Verwertern und Verbreitern etwas übergangen. Es ist dem Moderator anzurechnen, dass er auf den parallel laufenden Twitter Stream einging und diese Frage zurück an die Workshopteilnehmer stellte. Gleichzeitig wurde so ein weiterer Tweet angestoßen, der betonte, dass das „copyright“ aus England stamme und ursprünglich ein Recht des Verwerters, nämlich das Recht auf Kopieren sei. Dieser Standpunkt wurde dann noch einmal persönlich vertreten und schien allgemeine Zustimmung zu finden. Ich muss zugeben, dass mir noch niemals vorher aufgefallen war, was sich in diesem Moment klar abzeichnete: Der deutsche Begriff „Urheberrecht“ bezieht sich eindeutig auf den Schöpfer, währenddessen das „copyright“ offenbar ein Verwerterrecht ist. Wenn alle in Europa denken, sie sprächen über dasselbe Konzept, dabei aber komplett unterschiedliche Ansätze im Kopf haben, ja, dann ist es kein Wunder, dass sie sich diese bei jeder Gelegenheit gegenseitig einschlagen. Wieso ist mir das nicht früher aufgefallen? Wieso gibt es nicht zwei voneinander getrennte Begriffe? Wieso gibt es kein eigenes Recht für Urheber und Verwerter?

    Auf Twitter wurde ich darauf hingewiesen, dass das heute Urheberrechtssystem vielmehr eine Mischung ist aus kontinentalem Urheberrecht und anglo-/amerikanischem Kopierrecht. Womit wir beim Problem wären. Wieder war eine aktive Beteiligung der Workshopteilnehmer zu verzeichnen, beispielsweise wurde gefordert, die Debatte sollte verständlicher für Jugendliche geführt werden, näher an deren Realität. Problematisiert wurden auch nationale bzw. regionale Schranken des Urheberrechts, die es beispielsweise deutschen Youtube-Nutzern aufgrund von GEMA-Bestimmungen unmöglich machen, bestimmte Inhalte aufzurufen, die woanders legal erreichbar sind. Ellen Broad wünschte sich auch, dass man sich noch einmal Gedanken darüber machen sollte, was ‚kopieren’ eigentlich im digitalen Zeitalter bedeutet und ob man dafür nicht vielleicht auch einen neuen Begriff bräuchte.

    Aus dem Publikum meldete sich ein Mitglied der Piratenpartei, dass der Instinkt zu Teilen doch schon immer ein Teil des menschlichen Charakters war, Menschen das schon immer gemacht hätten, und es endlich Zeit wäre, grenzenloses Teilen im Netz zu legalisieren. Ein Vertreter der MPAA (Motion Picture Association America) warf ein, dass in seinen Augen das Urheberrecht keiner Reform bedürfe, es sei doch gar nicht ‚broken’, wie die Debatte suggerierte, sondern müsse einfach nur in seiner Form besser durchgesetzt werden. Ellen Broad zeigte sich in ihrem Abschlussstatement dankbar für diesen Kommentar (und auch ich freue mich immer, wenn mal jemand etwas Konträres sagt was sich leicht widerlegen lässt). Er führe vor Augen, woran es eigentlich scheitert, und das sei eben nicht der Konsens auf der Multistakeholderdialog-Ebene, wo alle in etwa dasselbe denken würden, sondern der fehlende Einfluss auf den entscheidenden Ebenen. Die Argumente müsste man aus der Unterhaltung heraus in Ebenen übertragen, wo Entscheidungen getroffen werden. Guido Jansen stellte eine generelle Sympathie gegenüber der Rolle von Bibliotheken fest und dass diese ein Recht auf Lizensierung von E‑Books haben sollten. Matthias Schindler schließlich fasste zusammen, dass eine solche Unterhaltung nie ohne Prämissen geführt würde. Von Anfang an war die Debatte darauf ausgerichtet, dass aktuelle Urheberrecht, was wir brauchen, zu verbessern. Niemand (außer dem Piraten) stellte die Frage, ob es das Urheberrecht überhaupt braucht, und warum. Stimmt. Aber vermutlich lässt sich eine solche Diskussion nicht (noch) offen(er) führen.

    Der Input war in jedem Fall interessant und regte mich auch im Anschluss an den Workshop zum Nachdenken an. Etwas, was das folgende Panel über „Security, Internet principles and human rights“ nicht schaffte (Worum geht es? Um alles und nichts?), weshalb ich mich kurzerhand noch einmal in eine Flash-Session setzte. Jan Kleijssen vom Europarat sprach über eine „Magna Carta“ für das Internet. Er wünschte sich die Kodifizierung kollektiver Standards, an die sich dann sowohl staatliche als auch nicht-staatliche Akteure halten. Solche Standards wären Zugang, Regulierung, Offene Standards, ‚Permissionless Innovation’, Urheberrecht, Multistakeholder-Dialoge, das ganze Programm. Sowie ich die Reaktionen der Zuhörer in dieser kurzen Session verstand, wollte eigentlich niemand noch ein weiteres Dokument schaffen. Der rough consensus der NETmundial und die weitere Arbeit an diesem Dokument schien ihnen schon Aufgabe genug.

    Ein Feuerzeug im Wind

    Auf Twitter kam es übrigens zur Kritik an der (mangelnden) Teilnahme der netzpolitischen Szene:

    Was kann man darauf antworten? In der Form, in der der EuroDIG stattgefunden hat, ist verständlich, weshalb das Interesse daran nur glimmte wie ein Feuerzeug im Wind. Oder weshalb seine Wirkung auch nicht größer sein wird als ein solches (eventuell gäbe es auch noch eine bessere Metapher). Für mich als relativer Neuling in der netzpolitischen Szene war diese Veranstaltung an sich interessant, ich wollte einfach gerne wissen, wie so ein Multistakeholderdialog wohl ablaufen soll. Ich kann nun verstehen, wieso jemand, der schon seit zehn Jahren dabei ist und sich vermutlich immer wieder dieselben Argumente anhört irgendwann davon entmutigt und frustriert wird. Aber es stimmt auch: Wenn niemand mehr hingeht, um sich kritisch zu äußern, dann wird es erst recht eine wirtschaftsüberladene Selbstbeweihräucherung.

    Im Übrigen, Herr Haselbeck, wollte ich auch gern zum IGFD, aber auf meine E‑Mail, ob ich mich statt für ein Wartelistenticket zu optieren auch als Presse für netzpolitik.org akkreditieren lassen könne erhielt ich leider keine Antwort mehr.

    18. Juni 2014
  • : EuroDIG: Internet Governance und Multi-Multi-Multistakeholderism-ism-ism
    EuroDIG: Internet Governance und Multi-Multi-Multistakeholderism-ism-ism

    Was ist eigentlich Internet Governance, und wieso müssen wir darüber reden? Wikipedia zitiert aus einem Bericht der Arbeitsgruppe Internet Governance von 2005:

    Internet Governance „ist die Entwicklung und Anwendung durch Regierungen, den Privatsektor und die Zivilgesellschaft, in ihren jeweiligen Rollen, von gemeinsamen Prinzipien, Normen, Regeln, Vorgehensweisen zur Entscheidungsfindung und Programmen, die die Weiterentwicklung und die Nutzung des Internets beeinflussen.“

    In jedem Fall eine Definition, die auch nach mehrmaligem Lesen nicht langweilig wird. Vielleicht liegt es ja an dieser aus Not geschaffenen Definition, die die Welt braucht, um weiter darüber zu streiten, wie Internet Governance ausgestaltet sein sollte, dass keiner so richtig weiß, was man wie lösen soll. Das an sich präsentiert einen guten Grund, einen weltweiten Multistakeholder-Dialog auszuloben, bei dem Vertreter aus Regierung, Zivilgesellschaft, von Unternehmen und der technischen und wissenschaftlichen Community ihre Meinung über die Zukunft der IG äußern können. Ende April fand die NETmundial in Sao Paolo statt (netzpolitik berichtete ausführlich), bei der sich am Schluss auf einen „rough consensus“ geeinigt wurde, also eine Art herrschende Meinung der Gruppe mit Enddokument.

    17. Juni 2014
  • : Französisches Parlament schafft Internet-Enquete
    Französisches Parlament schafft Internet-Enquete

    Ein Jahr nach dem Ende der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft im Deutschen Bundestag schafft das französische Parlament die „Commission du numérique“ (Kommission für digitale Fragen). Die Kommission soll sich ab dem 11. Juni zweimal im Monat treffen und bis Anfang 2015 Handlungsempfehlungen für netzpolitische Themen vorschlagen. 13 Abgeordnete aus fünf Fraktionen und 13 externe Sachverständige sollen zusammen diskutieren. Policyreview hat einen kurzen Überblick: French parliament forms a committee on digital affairs

    Auf französisch finden sich mehr Infos bei Le Monde (Google-Translate): L’Assemblée se dote d’une commission sur le numérique. Demnach gab es bereits um 1990 herum eine andere Enquete, der Bundestag hatte eine zweite zwischen 1995–1998.

    In Deutschland gab es die letzte Enquete-Kommission zwischen 2010–2013. Ursprünglich für die Hälfte der Zeit geplant, wuchs die Arbeit mit jedem Thema und letztendlich führte der nahende Bundestagswahlkampf dazu, schneller zu Ergebnissen zu kommen und weniger zu diskutieren. Die Arbeit der französoschen Enquete-Kommisison wird ebenso als transparent und interaktiv angekündigt, wie es bei der Deutschen zumindest am Anfang der Fall war. Auch hier wird es spannend werden, ob darnuter lediglich Livestreams oder auch innovativere Herangehensweisen ausprobiert werden. Ich bin gespannt, wie schnell und intensiv die Franzosen das Thema angehen und was dabei herauskommt.

    16. Juni 2014 1
  • : Richard Stallman über Überwachung, die Zukunft des Internets, Leben, Universum und den ganzen Rest
    Richard Stallman über Überwachung, die Zukunft des Internets, Leben, Universum und den ganzen Rest

    Unsere Freunde von La Quadrature du Net haben ein Video-Interview mit Richard Stallman gemacht. Eine Stunde lang spricht Jérémie Zimmermann mit dem Freie Software-Aktivist und Programmierer:

    Hier klicken, um den Inhalt von mediakit.laquadrature.net anzuzeigen.

    Interviewed by Jérémie Zimmermann when he was still a full-time employee of La Quadrature du Net, Richard speaks in great length about surveillance and how to take back control of our communications, as well as about the future of the Internet and computing. Through the philosophy of Free/libre software he delivers his vision for better democratic processes and for a better society. He also brushes topics related to life, the Universe, and Everything ;)

    27. Mai 2014 3
  • : Unsere Wahlempfehlung für die EU-Wahl: Wählt digitale Grundrechte
    Unsere Wahlempfehlung für die EU-Wahl: Wählt digitale Grundrechte

    3_freiheit-im-netzAm kommenden Sonntag wird in Deutschland das EU-Parlament gewählt. Wie am Anfang der Woche angekündigt, geben wir erstmals eine Wahlempfehlung ab. Mit wepromise.eu gibt es erstmals eine EU-weite Wahlentscheidungshilfe für digitale Grundrechte. Ein großes Netzwerk an digitalen Bürgerrechtsorganisationen aus ganz Europa hat eine Charta mit zehn Punkten vorgelegt, die EU-Kandidaten als Versprechen unterzeichnen können. Unsere Wahlempfehlung basiert auf den Versprechen deutscher Kandidaten, ein kleiner Zusatzfaktor sind die Wahlprogramme.

    Das werden die Themen der kommenden EU-Legislaturperiode:

    • Die Debatte um Netzneutralität ist noch nicht vorbei. Das EU-Parlament hat erst in erster Lesung entschieden, nun ist der EU-Rat dran und danach womöglich nochmal das Parlament in zweiter Lesung.
    • Auch ACTA ist nicht tot. Die Ideen werden über das US-EU-Handelsabkommen TTIP neu aufgelegt. Mit dabei sind viele andere strittige Punkte, die wir erstmal gesellschaftlich diskutieren sollten, bevor die EU-Kommission im Geheimen das Abkommen verhandelt und die Abgeordneten nur noch zustimmend abnicken sollen.
    • Seit Jahren traut sich die Politik nicht an eine dringend notwendige Reform des Urheberrechtes. Die wird sicherlich kommen und die Frage wird sein, ob diese im Interesse der Allgemeinheit oder im Interesse mächtiger Rechteinhaber und ihrer Lobbys beschlossen wird. Kommt Netzzensur im Rahmen der Urheberrechtsdurchsetzung oder bekommen wir endlich ein Recht auf Remix, damit legitime Nutzungspraktiken nicht weiter kriminalisiert werden? Schaffen wir die Abmahnindustrie ab oder vergrößern wir sie?
    • Aber auch Antworten auf die Snowden-Enthüllungen und damit gegen massive anlasslose Überwachung unserer digitalen Kommunikation sind gefragt. Die EU-Datenschutzreform hängt im EU-Rat fest, auch weil Deutschland diese bremst. Alle Datenaustauschprogramme mit den USA müssen sofort gestoppt und neu verhandelt werden, denn offensichtlich werden unsere Grundrechte nicht ausreichend geschützt, wie uns versprochen wurde. Dazu gehört vor allem: Keine Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung.

    And the winner are:

    23. Mai 2014 30
  • : Liebe Spender: Wir sagen Danke!
    Liebe Spender: Wir sagen Danke!

    Nach fünf Stunden Tippen im Bundestag erwartete uns heute im Büro eine besondere Überraschung. Ein Brief von einem Spender, der so schön ist, dass wir ihn mit euch teilen wollen (Name wurde entfernt):

    Spende-10-Euro-590

    Anbei lag ein 10-Euro-Schein. Lieber Spender: Du bist toll! Vielen Dank!

    Das gilt natürlich auch für alle andern Spender, ob vor Sascha Lobo oder danach, ob Überweisung, PayPal, Flattr, Bitcoin, Bargeld per Brief oder Besuch im Büro: Danke!

    22. Mai 2014 21
  • : Die digitale Zivilgesellschaft ist auf Twitter. Alle anderen sind bei Facebook.
    Abbildung 1: Die Zahl der Twitter-Follower und Facebook-Fans ausgewählter Akteure der digitalen Zivilgesellschaft in Deutschland
    Die digitale Zivilgesellschaft ist auf Twitter. Alle anderen sind bei Facebook.

    Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2014 zum Thema „Digitale Gesellschaft“ wurde ich eingeladen, einen Beitrag zum dortigen „Experten-Blog“ beizusteuern. Im folgenden eine leicht adaptierte Fassung.

    Ende 2013 zählte Facebook in Deutschland 25 Millionen monatliche Nutzer, von denen 19 Millionen sogar täglich aktiv sind. Für Twitter stammen die letzten Zahlen aus 2012 und belaufen sich auf gerade einmal 2,4 Millionen aktive Nutzer. Selbst bei einem (optimistisch geschätzten) Wachstum von 50 Prozent bei Twitter seit 2012 dürfte es damit in Deutschland heute immer noch knapp neun Mal mehr Facebook- als Twitter-Nutzer geben. Für die digitale Zivilgesellschaft in Deutschland sind diese Zahlen ein Problem: ihre wichtigsten Akteure sind nämlich auf Facebook gar nicht zu finden oder kaum präsent, sie tummeln sich stattdessen auf Twitter (siehe Abbildungen 1 und 2).

    Entscheidend für den Erfolg politischer Mobilisierungsprozesse im Allgemeinen und für soziale Bewegungen im Besonderen ist es, (vermeintlich) unbeteiligte Dritte für ein Anliegen zu interessieren und schließlich zu Engagement zu bewegen. Schafft es eine soziale Bewegung dauerhaft nicht, über den harten Kern an überzeugten Aktivisten hinauszuwirken, wird ihr Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklung eng begrenzt bleiben. Entscheidend dafür, zunächst noch Unbeteiligte für eine Sache zu gewinnen, ist diese dort abzuholen, wo sie stehen. Das bedeutet im übertragenen Sinn Themen so aufzubereiten – zu framen – dass sie auch für jene anschlussfähig sind, die sich zuvor kaum mit ihnen auseinandergesetzt haben. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dort hinzugehen, wo potentielle Unterstützerinnen und Unterstützer sich aufhalten.

    20. Mai 2014 48
  • : Call for Papers für Tagung „Politisches Handeln in Digitalen Öffentlichkeiten“
    Call for Papers für Tagung „Politisches Handeln in Digitalen Öffentlichkeiten“

    Fünf NachwuchswissenschaftlerInnen aus Göttingen, Hamburg und München organisieren am 28./29. November 2014 eine Tagung zum Thema „Politisches Handeln in digitalen Öffentlichkeiten: Grassroots zwischen Autonomie, Aufschrei und Überwachung.“ Bis 20. Juni können Beiträge in Form von Abstracts (5.000–8.000 Zeichen) eingereicht werden, die eine der folgenden Fragen adressieren:

    1. Netzbasierte Formen des politischen Handelns: Wie lassen sich die netzbasierten Formen des politischen Handelns, Räume des politischen Diskurses, Vernetzungs- und Organisationformen analytisch beschreiben und theoretisieren?
    2. Politische Konflikte und Akteure der digitalen Gesellschaft: In welcher Weise ist die Gestaltung des Internets und digitaler Technologien selbst umkämpft und wie reagieren Bewegungen auf Digitalisierungsprozesse in ihren jeweiligen Handlungsfeldern?
    3. Politische Subjekte und ihre Sozialisation in digitalen Öffentlichkeiten: In welcher Weise wirken sich digitale Öffentlichkeiten auf Subjektivierungs- und Sozialisationsprozesse aus? Welche Rolle spielen Strukturen sozialer Ungleichheit in Bezug auf das politische Handeln in digitalen Öffentlichkeiten?
    4. Methodologische und methodische Herausforderungen: Welche methodologischen und methodischen Herausforderungen ergeben sich für das Forschungsfeld, z.B. hinsichtlich umfangreich anfallender Datenmengen oder in Bezug auf Aspekte der Forschungsethik?

    Neben den wissenschaftlichen Vorträgen soll es auch Praxisworkshops geben. Weitere Details unter der digitale-oeffentlichkeiten.de.

    15. Mai 2014
  • : Thilo Weichert: Weshalb Deutschland Edward Snowden um Einreise bitten muss
    Thilo Weichert.
    Thilo Weichert: Weshalb Deutschland Edward Snowden um Einreise bitten muss

    Dieser Text von Thilo Weichert erschien zunächst am 23. April als rechtliche Begründung auf der Webseite des Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein. Aus aktuellem Anlass haben wir ihn mal aus dem PDF befreit und crossposten ihn hier.

    Zusammenfassung

    „Dass die Freiheitswahrnehmung der Bürger nicht total erfasst und registriert werden darf, gehört zur verfassungsrechtlichen Identität der Bundesrepublik Deutschland, für deren Wahrung sich die Bundesrepublik in europäischen und internationalen Zusammenhängen einsetzen muss“. Mit dieser Aussage des Bundesverfassungsgerichtes (BVerfG) ist die Richtung vorgegeben, wie angesichts der umfassenden Überwachung des Internetverkehrs auch von deutschen Nutzenden durch die Geheimdienste der USA und Großbritanniens, der National Security Agency (NSA) und des Government Communications Headquarters (GCHQ), die deutschen Stellen vorgehen müssen. Die folgenden Erwägungen kommen zu dem Ergebnis, dass die verantwortlichen Stellen in der Bundesrepublik, insbesondere die Bundesregierung, verpflichtet sind, den in Moskau vorläufig Asyl genießenden Edward Snowden zu bitten, nach Deutschland zu kommen und Auskunft über seine Erkenntnisse zur Internetüberwachung durch NSA und GCHQ zu geben.

    2. Mai 2014 4
  • : Marco Civil in Brasilien: Demokratie funktioniert, aber sie ist viel Arbeit!
    Marco Civil in Brasilien: Demokratie funktioniert, aber sie ist viel Arbeit!

    png;base641f9fe53842635a6aIn der vergangenen Woche wurde in Brasilien der Marco Civil da Internet, ein Grundrechtekatalog fürs Netz, beschlossen und unterzeichnet. Wir haben dazu Ronaldo Lemos interviewt, der Direktor des Rio Institute for Technology & Society (its) ist und den gesamten Prozess eng verfolgt hat. 2010 war Ronaldo Lemos auch als Gast auf der re:publica und hat den damaligen Zwischenstand und das Beteiligungsmodell hinter der Gesetzgebung vorgestellt.

    netzpolitik.org: Was ist gut an dem Text?

    Ronaldo Lemos: Ziemlich viele Aspekte sind gut: Er beinhaltet starke Formulierungen zum Schutz der Netzneutralität, zur Wahrung der Privatsphäre, beispielsweise durch Verbote von Deep Packet Inspection und von Überwachung auf physischer Ebene, Garantien der Meinungsfreiheit wie ein sicherer Hafen für Provider was die Haftung für übermittelte Daten angeht und das ins Gesetz gegossene Multistakeholder-Prinzip für Internet Governance.

    2. Mai 2014
  • : Ich sehe was, was Du nicht siehst, und das ist – Netzpolitik!?”
    <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Iceberg.jpg">CC-BY-SA Uwe Kils</a>
    Ich sehe was, was Du nicht siehst, und das ist – Netzpolitik!?”

    Reflektionen zur Entstehung eines Politikfeldes – von Julia Krüger (WZB). Rückblick auf die Panels zur Entstehung des Politikfeldes Netzpolitik auf der DVPW-Sektionstagung Policy Analyse & Verwaltungswissenschaft: „Entstehung und Dynamik von Politikfeldern“, 17.–18.03.14 Bremen.

    Wir haben uns auf der Tagung gefragt, ob ein Politikfeld Internet entsteht und wenn ja: Warum? Wie? Und: Was genau ist das? Anders gefragt: Gibt es Netzpolitik? Warum ist Netzpolitik = Netzpolitik und nicht beispielsweise Verbraucherschutz‑, Wirtschafts- oder Medienpolitik?

    Tangiert sind damit Fragen wie: Welchen Vorteil hätte eine Zentralisierung von netzpolitischen Zuständigkeiten und Kompetenzen und braucht es das, damit die Themen vorankommen? Was bedeutet es für die unterschiedlichen Akteure, wenn ein Politikfeld Netzpolitik entsteht?

    Ich möchte hier eine kleine Zusammenfassung interessanter Aspekte der Beiträge vorstellen.

    Was ist ein Politikfeld?

    30. April 2014 1
  • : NetMundial – Was zum Schluss passierte
    Der vermeintlich ausgehandlete Zwischenstand zu Providerhaftung
    NetMundial – Was zum Schluss passierte

    Am vergangenen Donnerstag ging in Sao Paulo in Brasilien die NetMundial-Konferenz zur Zukunft der Internet Governance zu Ende. Über den ersten Tag und die Konfliktlinien, sowie den Unterschiedlichen Positionen zum Multistakeholder-Ansatz hatte ich vergangenen Donnerstag schon gebloggt. Ein erstes Statement zum Ausgang findet sich hier.

    Heute will ich nochmal den zweiten Tag beschreiben und wie das Abschlußdokument in diesem Multistakeholder-Ansatz zustande kam. Nach vielen Begrüssungsreden fanden am Mittwoch, den ersten Tag, drei Sessions im Plenum statt, wo die vier unterschiedlichen Stakeholder-Communities in zwei Minuten Beiträgen Verbesserungsvorschläge für die Principles und die Roadmap (Die beiden Teile des Abschlußdokuments) vortragen konnten. Im Anschluß fand Abends nach 21 Uhr die erste Drafting-Session in einer Hotelbar statt, die offen war und wo beide Teile an getrennten Tischen unabhängig voneinander diskutiert werden konnten.

    Das „High-Level Multistakeholder Committee“ entscheidet

    Im Vorfeld der Konferenz wurde dafür die Idee eines „High-Level Multistakeholder Committee“ geschaffen.

    29. April 2014 1
  • : #NetMundial: Eventuell historisch, Ausgang aber mau
    #NetMundial: Eventuell historisch, Ausgang aber mau

    20140424_200012Die Netmundial-Konferenz zur Zukunft der Internet-Governance ist heute in Sao Paulo zu Ende gegangen. Ob es ein historischer Event war, ist eine Frage der Perspektive. Kann sein, wird aber sicher die Zukunft zeigen. Der inhaltliche Text der Principles, das „NETmundial Multistakeholder Statement of Sao Paulo“ ist leider nicht historisch geworden. Bei der Roadmap bin ich mir nicht so sicher.

    Befürworter des Multistakeholder-Prozesses halten die Konferenz alleine schon vom Prozess für erfolgreich und daher historisch. Andere sprechen von chaotischen Zuständen, vor allem, wie der Text verhandelt wurde. Das Abschlusspapier ist aber bei den Principles, den eigentlichen netzpolitischen Inhalten, eher durchwachsen bis schwach. Auch hier zeigt sich wieder, aus welcher Perspektive man ihn liest.

    24. April 2014 3
  • : Marco Civil da Internet: Die erste Internet-Verfassung der Welt hat viele tolle Sachen, aber auch schlechte
    Dilma Rousseff unterzeichnet den Marco Civil. Bild: <a href="https://www.flickr.com/photos/netmundial2014/">Net Mundial</a>. Lizenz: Creative Commons <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/">BY-NC 2.0</a>.
    Marco Civil da Internet: Die erste Internet-Verfassung der Welt hat viele tolle Sachen, aber auch schlechte

    Redefreiheit und Kommunikationsfreiheit, Privatsphäre und Datenschutz, Netzneutralität und freier Zugang: der brasilianische Marco Civil verdient die Bezeichnung „erste Internet-Verfassung der Welt“. Doch das gestern unterzeichnete Gesetz hat auch einen dunklen Fleck: die Vorratsdatenspeicherung.

    Als die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff gestern den Marco Civil da Internet unterzeichnet hat, war das Lob groß: endlich gibt es eine Internet-Verfassung. Aber was steht eigentlich drin in dem Dokument?

    Der offizielle Text (1, 2, 3) ist natürlich in der Amtssprache – Portugiesisch. Eine inoffizielle Übersetzung der Version vom 25. März findet sich auf Google Docs. Sie ist nicht perfekt, aber mit dem Gesetz vertraute Brasilianer/innen sagen uns, dass die Übersetzung gut und aktuell ist.

    Grundsätze und Prinzipien für Internet-Gesetzgebung

    Eine deutsche Übersetzung der Einleitung haben wir schon vor zwei jahren veröffentlicht. Darin werden unter anderem folgende Grundsätze definiert:

    24. April 2014 6
  • : Netmundial-Konferenz zwischen historischer Chance und Mißerfolg
    Netmundial-Konferenz zwischen historischer Chance und Mißerfolg

    In Sao Paulo in Brasilien läuft heute der zweite und letzte Tag der NetMundial-Konferenz zur Zukunft der Internet-Governance. Nach dem ersten Tag ist immer noch unklar, ob die Konferenz ein Erfolg und damit „irgendwie historisch“ oder eine reine Farce wird. Hier ist mein erster Bericht.

    Spannend ist, dass zumindest der Diskussionsprozess zu funktionieren scheint. Die Konferenz wendet das Multi-Stakeholder-Modell an, was manche von ICANN oder dem früheren World Summit on Information Society (WSIS) kennen, was aber immer noch umstritten ist. Multi-Stakelder bedeutet in diesem Fall, dass vier mehr oder weniger gleichberechtigte Stakeholder miteinander strukturiert diskutieren. In diesem Fall sind das Zivilgesellschaft (Civil Society), Regierungen (Governmants), Unternehmen samt Verbänden (Business) und technische und wissenschaftliche Community (Technical Community) wie IETF.

    Zum Multistakelhder-Prozess kann man viel zu sagen und das wird seit mehr als einem Jahrzehnt ausführlich, zumindest auf internationaler Ebene rund um ICANN und Co, diskutiert. Grob gesagt gibt es verschiedene Lager in der Debatte:

    24. April 2014 1
  • : Brasilianische Internetverfassung Marco Civil wird unterzeichnet
    Brasilianische Internetverfassung Marco Civil wird unterzeichnet

    Am Dienstag Abend hat der brasilianische Senat der Grundrechtekatalog fürs Netz mit den Namen „Marco Civil“ angenommen. Damit ist das Gesetz durch alle Kammern durch und soll am Mittwoch bei der Eröffnung der NetMundial-Konferenz zur Zukunft der Internet-Governance in Sao Paulo von der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff unterzeichnet werden. Die Unterzeichnung auf einer internationalen Konferenz ist zumindest nicht unumstritten, weil damit nationaler Wahlkampf gemacht wird.

    „Marco Civil“ gilt als wegweisend und wurde gegen viele Widerstände in den vergangenen Jahren vor allem von einer sehr engagierten Zivilgesellschaft durchgebracht. Genauso progressiv wie die Idee einer Internetverfassung 2009, als der Marco Civil initiiert wurde, war das damalige Verfahren. Der Anfangstext wurde unter offener Beteiligung der Bevölkerung erstellt. Das brasilianische Nachrichtenportal G1 spricht von 2,3 Millionen Beiträgen aus der Bevölkerung seit Beginn des Prozesses.

    Es gibt noch Kritikpunkte wie eine Vorratsdatenspeicherung, die in dem Grundrechtekatalog enthalten ist. Aber brasialianische NGO-Vertreter sind zuversichtlich, dass diese demnächst vor das Verfassungsgericht gebracht und dort nach Vorbild des EuGH-Urteils zu Fall gebracht wird.

    Wir gratulieren allen Beteiligten, wünschen bei der Verfassungsklage viel Erfolg.

    Weiterer Hintergrund zu „Marco Civil“:

    Marco Civil: Ein Stück näher an der Internet-Verfassung für Brasilien.
    “Marco Civil” in Brasilien soll bald kommen – Viel zu gewinnen, viel zu verlieren
    Marco Civil da Internet: Brasilien erarbeitet Grundrechtekatalog für das Internet

    23. April 2014 1
  • : Stakes are High: Essays on Brazil and the Future of the Global Internet
    Stakes are High: Essays on Brazil and the Future of the Global Internet

    Stakes are High: Essays on Brazil and the Future of the Global Internet“ sind eine Sammlung unterschiedlicher Debattenbeiträge zur Netmundial-Konferenz in Sao Paulo und den Themen der Konferenz. Dabei ist auch ein Essay von mir über die deutsche Debatte im Rahmen der Snowden-Enthüllungen. Das Essay ist freundlicherweise an wenigen Stellen schon veraltert, beim Redaktionsschluß war z.B. das EuGH-Urteil zur Vorratsdatenspeicherung noch nicht da.

    This is a collection of essays titled “Stakes are High: Brazil and the future of the Global Internet”. It has been organized in preparation to NETmundial, and includes essays by Wolfgang Schulz, Markus Kummer, Markus Beckedaal, Juliana Nolasco, Ronaldo Lemos and others.

    The collection was produced as a part of the Internet Policy Observatory, a program at the Center for Global Communication Studies, the Annenberg School for Communication at the University of Pennsylvania. […] These essays capture part of the state of play before NETmundial and should be useful to frame the discussions about Internet Governance coming forward.

    Hier ist das PDF.

    21. April 2014