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KW 38Die Woche, in der wir Artikel 150 zu Chatkontrolle geschrieben haben

Die 38. Kalenderwoche geht zu Ende. Wir haben 26 neue Texte mit insgesamt 164.243 Zeichen veröffentlicht. Willkommen zum netzpolitischen Wochenrückblick.

  • Markus Reuter

Liebe Leser:innen,

es gibt ausnahmsweise mal gute Nachrichten: Die Ratsabstimmung für die Chatkontrolle wurde verschoben, weil es keine Einigkeit für das anlasslose Durchsuchen von Smartphones gibt. Das ist ein gutes Zeichen, aber die Sache ist noch lange nicht vom Tisch. Es kommt jetzt auch darauf an, dass die Bundesregierung und andere Mitgliedstaaten nicht noch einen faulen Kompromiss im EU-Ministerrat eingehen.

Seit September 2021 haben wir exakt 150 Artikel, Analysen, Interviews, Fakten-Checks, Originaldokumente und Kommentare mit dem Schlagwort „Chatkontrolle“ veröffentlicht. Das sind im Schnitt fast 1,5 Artikel pro Woche – und die Schlagzahl geht gerade hoch, weil die Verhandlungen für die umstrittene EU-Verordnung in der Schlussphase sind. Wir sind vermutlich das Medium, das am dichtesten dran ist, am detailliertesten und am meisten zu den EU-Plänen berichtet. Wir haben extra ein Thementeam eingerichtet, damit wir alles rund um die Chatkontrolle abbilden können – vom x‑ten offenen Brief aus der Zivilgesellschaft bis zum Interview zu den Hintergründen sexualisierter Gewalt gegen Kinder.

Spannend war über die letzten zwei Jahre zu sehen wie das Thema, das wir erst in der absoluten Nische berichtet haben, nun medial wirklich groß geworden ist und mittlerweile auf eine unglaublich breite Ablehnung stößt.

Gleichzeitig hat das Thema im Gegensatz zu den EU-Urheberrechtsprotesten von 2019 kein Momentum gewonnen, so dass Leute dagegen in größeren Zahlen auf die Straßen gehen. Momentum ist ein scheues Reh, das manchmal auftaucht und ein anderes Mal nicht. Dennoch: Dieses Mal könnte die breite Ablehnung und die unermüdliche Arbeit von Bürgerrechtsorganisationen in ganz Europa auch ohne den Druck von der Straße ausreichen, um das Schlimmste zu verhindern.

Wir werden mit Journalismus unseren Teil dazu beitragen. Wir bleiben dran, geben Euch den Rundumblick, die Fakten und Hintergründe sowie alle Informationen, damit ihr Euch selbst ein Bild machen könnt. Damit ihr in den nächsten Wochen gut informiert selbst den Telefonhörer in die Hand nehmen könnt, wenn ihr in Brüssel anrufen wollt…

Viel Spaß beim Lesen aller Artikel, egal ob sie mit der Chatkontrolle zu tun haben, wünscht Euch

Markus Reuter

Unsere Artikel der Woche

#275 On The RecordWie bekommen wir ein digitales Curriculum, Linn Friedrichs?

Linn Friedrichs beschäftigt sich mit der Frage, welche digitalen Kompetenzen ein Bildungssystem vermitteln müsste, um Lernende auf die Zukunft vorzubereiten. Wir sprechen mit ihr darüber, wie ein digitales Curriculum aussehen müsste – und wie sich das System dafür verändern muss.

LinksklickEs brodelt in der Spielebranche

Die Schließung eines beliebten deutschen Studios offenbart Probleme einer kriselnden Branche, die von Spielerinnen und Spielern kaum bemerkt werden. Noch.

Millionenstrafe gegen TikTokIrische Datenschutzbehörde kann auch anders

TikTok verstößt gegen die Datenschutzgrundverordnung und schadet damit Kindern und Jugendlichen. Die irische Dastenschutzbehörde verhängt deswegen eine saftige Strafe von 345 Millionen Euro. TikTok weist die Anschuldigungen zurück und behauptet, die Verstöße längst behoben zu haben.

BundeswehrDigitale Großoffensive

Die Bundeswehr will durch aufwendig produzierte Web-Serien und eine starke Präsenz auf sozialen Medien neues Personal locken. Unterstützung gibt es von Influencer:innen auf Tiktok und Instagram. Nach der „Zeitenwende“ zeigt sich die Truppe im Netz selbstbewusst und ungewohnt martialisch.

Automatische SynchronisierungWenn die KI die Arbeit übernimmt

Das Start-up HeyGen bietet an, Videos in andere Sprachen zu übersetzen – samt synchroner Lippenbewegungen. Für Influencer*innen könnte das neue Reichweite bedeuten, Synchronsprecher*innen fürchten dagegen um ihre Jobs.

Verschiebung im RatZeitplan für Chatkontrolle ist vorerst geplatzt

Die EU-Staaten können nächste Woche ihre Position zur Chatkontrolle nicht beschließen. Bei einer wichtigen Sitzung flog die Verordnung von der Tagesordnung. Die Zivilgesellschaft ist erleichtert, jedenfalls für den Moment.

Kindersicherung fürs InternetBritisches Parlament beschließt Online Safety Bill

Alterskontrollen, scharf moderierte Inhalte und eine vorerst aufgeschobene Chatkontrolle: Britischen Nutzer:innen steht ein merklich anderes Internet bevor. Grundrechteorganisationen warnen vor erwünschten und unerwünschten Nebenwirkungen.

Halbzeit der Ampel-LegislaturNach dem Neuland kommt Ernüchterung

Die Hälfte der Regierungszeit von SPD, Grünen und FDP ist vorbei. Sie wollten vieles anders machen, doch digitale Grundrechte stehen vor den gleichen Hindernissen wie in der Unionsära und progressive Vorhaben werden vertagt. So darf es nicht weitergehen. Ein Kommentar.

Internes ProtokollEU-Rat verschiebt Abstimmung über Chatkontrolle

Eine kleine Gruppe EU-Staaten lehnt den aktuellen Gesetzestext zur Chatkontrolle ab. Damit würde die für diesen Monat geplante Abstimmung scheitern. Deshalb vertagt die spanische Ratspräsidentschaft das Thema – und verhandelt weiter. Wir veröffentlichen ein eingestuftes Verhandlungsprotokoll.

AI ActSchluss mit KI-Ausnahmen für Polizeibehörden

Vor allem wenn Polizei und Grenzbehörden so genannte Künstliche Intelligenz einsetzen, sind Grundrechte in Gefahr. Mehr als hundert zivilgesellschaftliche Organisationen fordern: Die EU muss bei ihrem KI-Regelwerk nachbessern – sonst droht Schaden für ihre Demokratien.

Advertising IntelligenceStaatstrojaner per Online-Werbung

Dass tausende Firmen unsere Daten für Online-Werbung sammeln, ist bekannt. Eine Recherche zeigt nun, dass auch Staatstrojaner-Hersteller das Werbesystem nutzen, um Zielpersonen zu tracken und zu hacken. Ob Deutschland über derartige Software verfügt, will die Bundesregierung nicht verraten.

Modemzwang in GlasfasernetzenSchützenhilfe für Routerfreiheit

Mit neuen Glasfasernetzen könnte der Modemzwang zurückkommen, sollte die Bundesnetzagentur den Wünschen mancher Netzbetreiber folgen. Dagegen laufen nun Verbraucherschützer:innen und die Free Software Foundation Europe Sturm.

Onlinezugangsgesetz 2.0Die Probleme bleiben

Einen Bauantrag stellen, den Familienhund anmelden oder eine Geburtsurkunde beantragen – das Onlinezugangsgesetz sollte dafür sorgen, dass Bürger:innen dies bis Ende 2022 online tun können. Doch die Frist ist längst abgelaufen, die Probleme der schleppenden Verwaltungsdigitalisierung bleiben. Daran kratzt auch die neue Fassung des Gesetzes nur oberflächlich.

Internet in Berliner HaftanstaltenTestperson Insasse

In Berlin stockt derzeit der Rollout sogenannter Haftraummediensysteme. Sie sollen den Gefangenen Internet in die Zellen bringen, doch funktionieren nur mangelhaft.

HaftraummediensystemeFalsche Versprechen

Die neuen Haftraummediensysteme halten nicht, was der Senat verspricht. Es gibt nur einen Gewinner und umso mehr Verlierer: die Gefangenen. Ein Kommentar

Deepfakes in SpanienGefälschte Nacktbilder von Mädchen sorgen für Aufschrei

In Spanien berichten zahlreiche Mädchen, dass KI-generierte Nacktfotos von ihnen in der Schule zirkulieren. Der Fall wird jetzt zum nationalen Skandal – weil die Mütter der Betroffenen sich organisiert haben, um gegen die verantwortlichen Mitschüler vorzugehen.

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


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3 Kommentare zu „Die Woche, in der wir Artikel 150 zu Chatkontrolle geschrieben haben“


  1. TODO Schlagworthygiene

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    > Seit September 2021 haben wir exakt 150 … mit dem Schlagwort „Chatkontrolle“ veröffentlicht.

    und da gibt es exakt noch 5 weitere mit dem Schlagwort „Chatkontrolle Stoppen“
    https://netzpolitik.org/tag/chatkontrolle-stoppen/


    1. Constanze

      ,

      Hm, ich würde die beiden Schlagwörter nicht miteinander vereinigen, weil das der Name einer Kampagne dagegen und zudem in allen fünf Fällen zusätzlich das Schlagwort Chatkontrolle verwendet ist.


      1. Markus Reuter

        ,

        Genau, das Schlagwort „Chatkontrolle stoppen“ wird genutzt, wenn die Kampagne „Chatkontrolle stoppen!“ (https://chat-kontrolle.eu) im Artikel vorkommt.

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