Rassismus

Google-Belegschaft protestiert gegen Zusammenarbeit mit der Polizei

In US-Tech-Unternehmen wächst der Druck der Belegschaften, den Worten gegen Rassismus auch Taten folgen zu lassen. Bei Google fordern mehr als 1.600 Mitarbeiter:innen jetzt, den Verkauf von Produkten an die Polizei zu stoppen.

Polizisten in den USA auf der Strasse
Über die Polizei und ihre Ausstattung ist in den USA eine heftige Debatte entbrannt. (Archivbild) Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Sean Lee

Mehr als 1.600 Mitarbeiter:innen von Google haben einen offenen Brief an die Führung des Konzerns unterzeichnet, in dem sie fordern, Google solle seine Technologie nicht länger an Polizeibehörden verkaufen. Der Brief folgt auf Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt, die seit mehreren Wochen in den USA und weltweit stattfinden.

Ein Screenshot des Briefes kursiert auf Twitter, auch mehreren Medien liegt er vor. Die Unterzeichnenden fordern, dass Google seinen Worten gegen Rassismus auch konkrete Taten folgen lässt. Dort heißt es:

Wir sind enttäuscht, dass Google nach wie vor [Produkte] an die Polizei verkauft und dieses Verhältnis mit den Polizeikräften als irgendwie progressiv anpreist und nach noch größeren Verkäufen strebt, anstatt die Verbindung mit der Polizei abzubrechen und sich den Millionen anzuschließen, die diese Institutionen entschärfen und ihnen Budget entziehen wollen.

Als Beispiel für diese Zusammenarbeit wird unter anderem der Vertrag mit der Polizei in Clarkstown genannt. Die dortige Polizei hatte Black Lives Matter-Aktivist:innen ausgeforscht und wurde dafür verklagt. Im Brief wird auch kritisiert, dass Technologie und Investitionen von Google dabei helfen würden, Immigrant:innen mit Überwachungssystemen und Drohnen zu verfolgen. Google profitiere von einem rassistischen System und sei deshalb Teil des Problems.

„Google ist Teil des Problems“

Google könne nicht auf der einen Seite „Black Lives Matter“ beteuern und auf der anderen Geld mit der Kriminalisierung schwarzer Menschen verdienen, so die Gruppe, die sich „Googlers Against Racism“ nennt.

Als Konsequenz fordern die Mitarbeiter:innen: „Wir, die unterzeichnenden Googlers, fordern Sie auf, unsere Technologie nicht länger den Polizeikräften zur Verfügung zu stellen.“

Gegenüber The Verge sagte ein Google-Sprecher, dass man keine Pläne habe, die Zusammenarbeit mit Regierung, Strafverfolgungsbehörden oder der Polizei einzustellen. Google sei das erste große Unternehmen gewesen, das vor Jahren die Gesichtserkennung nicht kommerziell verfügbar gemacht habe, und man habe KI-Prinzipien, welche die Verwendung oder den Verkauf von Gesichtserkennung zur Überwachung verbieten, heißt es in der Erklärung. Produkte wie Gmail, GSuite und die Google Cloud Platform würden aber auch weiterhin für Regierungen und lokale Behörden, einschließlich der Polizei, zur Verfügung stehen.

Google will nichts ändern

Mit den Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt werden zunehmend auch die geschäftlichen Verbindungen von Digitalkonzernen thematisiert, die diesen Phänomenen Vorschub leisten. Unter diesem Eindruck hatten zuletzt die Unternehmen IBM, Amazon und Microsoft verkündet, dass sie die Zusammenarbeit mit der Polizei in Sachen Gesichtserkennung zumindest für einen bestimmten Zeitraum unterbrechen. IBM steigt ganz aus dem Geschäft aus.

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