Es hatte sich angedeutet: In der Türkei ist YouTube gesperrt worden. Nachdem dort heute ein Leak eines Austauschs von Mitgliedern der Regierung und des Geheimdienstes über die Lage in Syrien veröffentlicht worden war, wurde die Sperre angeordnet. Von Twitter kennen wir die Reihenfolge ja schon: Begonnen wurde mit einer DNS-Sperre, was bedeutet dass dieselben Umgehungstechniken wie bereits bei Twitter angewendet werden können. Aber dabei wird es sicherlich nicht bleiben. Einige Möglichkeiten der Umgehung sind zudem in den letzten Tagen bereits ausgeschaltet worden. Und natürlich findet sich das Material mittlerweile auch auf anderen Seiten im Netz.
Sperren ohne Gerichtsbeschluss wurden vor kurzem durch die Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes erleichtert, die der Regierung das Vorgehen gegen unliebsame Dienste erleichtern.
We have an „INTERNET WATCHDOG“ now… „TIB“ has used its new authority for the first time, as #TurkeyBlockedYoutube:
http://t.co/WpdBSLSrBV
— Emre KIZILKAYA (@ekizilkaya) 27. März 2014
Dem Vernehmen nach wurde ausserdem ein Bann gegen die Berichterstattung zu den aktuellen Leaks ausgesprochen. In 3 Tagen finden im Land regionale Wahlen statt, was bei dieser Entscheidung eine Rolle gespielt haben könnte.
Turkey prime ministry imposes a broadcast ban (blackout) on news about today’s tape, according to CNN-Turk.
— Benjamin Harvey (@BenjaminHarvey) 27. März 2014
YouTube-Sperren hatten in der Türkei bereits zuvor eine gewisse Tradition. Die jahrelange Sperre des Diensts gilt als mitverantwortlich für das zum Zeitpunkt der Twitter-Sperre bereits vorhandene vergleichsweise tiefgehende Wissen weiter Teile der Bevölkerung über Zensur-Umgehungsmaßnahmen im Land. Damals ging es um Inhalte, die als beleidigend für den Gründervater der Republik Kemal Atatürk eingestuft worden waren.