Am letzten Freitag war Twitter in der Türkei auf Anlass der Regierung gesperrt worden, nachdem der Dienst sich geweigert hatte, Inhalte auf Anweisung der Regierung aus dem Netz zu nehmen. Zunächst gab es „nur“ DNS-Sperren, die von der Bevölkerung mit relativ einfachen Mitteln umgangen werden konnten. Die Sperren schienen daher zunächst wirkungslos, der Widerstand war kreativ und es kam zu keinem nennenswerten Rückgang an Tweets.
Merklich wurden die Sperren aber in dem Moment, als die Regierung ihre Taktiken ausweitete: Geblockt wurden nun auch der Google-DNS-Dienst, VPN-Anbieter und der URL-Shortener t.co, IP-Sperren wurden in Kraft gesetzt. Die Anzahl an Tweets fiel von ungefähr 1,2 Millionen am Tag auf circa 600.000 und Erdogan drohte an, weitere Social-Media-Kanäle wie Facebook oder YouTube zu sperren.
Ein Gericht in Ankara hatte gestern die Sperren für unzulässig erklärt. Umgesetzt ist das Urteil jedoch noch lange nicht, denn es sind zum einen 30 Tage Zeit, um dem Gericht Folge zu leisten und die Telekommunikationsbehörde TİB hat darüber hinaus die Möglichkeit, das Urteil anzufechten. Hoffnung gab es aber trotzdem, denn der stellvertretende Ministerpräsident Bülent Arınç sagte, man werde das Urteil akzeptieren:
Wir werden die Entscheidung des Gerichts umsetzen. Wir mögen die Entscheidung des Gerichts zwar nicht gut finden, aber wir werden sie umsetzen.
Unterdessen begann Twitter, selbst einzuknicken und seine Weigerung gegenüber der Sperrung von Inhalten zu lockern. Betroffen ist ein Account und einige Tweets, deren Sperrung im Rahmen von drei Gerichtsanweisungen und einer staatsanwaltschaftlichen Verfügung gefordert worden war. Die Tweets hätten laut Twitter ihren eigenen Geschäftsbedingungen widersprochen, der nach Angaben von Hürriyet Daily News betroffene Account @oyyokhirsiza jedoch sei eine kritische Angelegenheit und man habe Einspruch gegen die Sperrung eingelegt.
Was aber gerade bekannt wurde und noch schlimmer ist: Seit neuestem steht auch die Tor-Website auf der Sperrliste des größten Internetproviders der Türkei.
CONFIRMED: The Tor Project website is blocked at the DNS-level in Turkey on the largest ISP, TTNet.
— Telecomix Turkey (@TelecomixTurkey) March 27, 2014
Tor war eine der verbleibenden Möglichkeiten, auf Twitter zuzugreifen, da die IP-Adresse, von der aus der Dienst aufgerufen wird, maskiert ist und dementsprechend nicht auf die Türkei zurückgeführt werden kann. Der Dienst hat in den letzten Tagen einen großen Ansturm türkischer Nutzer erlebt.
Mit dessen Sperrung verhindert man den Download von wichtiger Software zur Zensurumgehung. Aber die Netzgemeinde wird sich davon nicht unterkriegen lassen. Erste Mirrorwebseiten zum Download des Programms sind eingerichtet und weitere werden sicherlich folgen:
Tor website is now blocked in #Turkey. HTTPS mirror that should be working: https://t.co/O5BWNmN5Nb and https://t.co/wEQFjunNkN #Censorship
— Galou Cypherpunk (@GalouGentil) March 27, 2014
