Erdogans Versuche, Berichterstattung und Informationsverbreitung über den Skandal um Spenden, Korruption und vermeintliche Mitschnitte seiner Telefongespräche zu unterdrücken, wirken verzweifelt und dennoch fatal. Nachdem Teile von Telefonaten, die eine Korruptionsaffäre beweisen würden, auf Youtube aufgetaucht waren, hatte Erdogan zum einen behauptet, sie seien gefälscht und gleich danach damit gedroht, Youtube und Facebook in der Türkei zu verbieten.
Jetzt musste anscheinend der Kurznachrichtendienst Twitter dran glauben, berichtet die türkische Zeitung „Hürriyet“. Twitter ist seit kurz vor Mitternacht in der Türkei nicht mehr erreichbar, nachdem Erdogan nachmittags mit der Sperrung gedroht hatte. Twitter ist in der Türkei ein besonderer Meinungsverstärker, die Nutzung ist wesentlich verbreiteter als in Deutschland. Das geht aus einer Erhebung des GlobalWebIndex hervor. Die stammt zwar von 2012, die Größenordnungen dürften jedoch noch stimmen:
Die Türkei und ihr fragwürdiger Umgang mit sozialen Netzwerken und Medien sind nicht unbekannt. Youtube wurde bereits in der Vergangenheit schon einige Male blockiert und im Januar war auch die Videoplattform Vimeo für türkische Nutzer unerreichbar. Unterstützt wird die Zensur durch ein neues Gesetz, das der Regierung weitgehende Zensur‑, Kontroll- und Überwachungsrechte im Internet gewährt.
Aber der Widerstand aus der Bevölkerung ist nicht gebrochen. Auf Twitter haben sich unter dem Hashtag #twitterblockedinturkey Diskussion und Widerstand gebildet. Sogar Twitter hat den Nutzern offiziell nahegelegt, einfach per SMS weiterzutweeten:
Turkish users: you can send Tweets using SMS. Avea and Vodafone text START to 2444. Turkcell text START to 2555.
— Policy (@policy) March 20, 2014
