Kurzmeldungen
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: 54. Netzpolitischer Abend am 1. November in Berlin
Jeden ersten Dienstag im Monat: Der Netzpolitische Abend der DigiGes in Berlin : 54. Netzpolitischer Abend am 1. November in Berlin Wie an jedem ersten Dienstag im Monat findet kommende Woche am 1. November der Netzpolitische Abend des Vereins Digitale Gesellschaft in der c‑base Berlin statt.
Diesmal mit folgenden Beiträgen:
- Anna Biselli: Wer kontrolliert wen? – Ein Archiv zum NSA-BND-Untersuchungsausschuss
- Claudio Agosti: Facebook Tracking Exposed
- Chu Eben and Imma Chienku: Moving Forward with Refugees Emancipation Concept
- Cathleen Berger: Why we need to get active on copyright and how you can help
Die c‑base befindet sich in der Rungestraße 20, 10179 Berlin. Der Einlass ist ab 19:15 Uhr, los geht’s um 20:00 Uhr. Für alle, die nicht vor Ort dabei sein können, gibt es einen Live-Stream auf c‑base.org. Der Eintritt ist frei. Der Hashtag für die Veranstaltung lautet #npa054.
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: EU-Projekt zur Prüfung freier Software soll fortgesetzt werden
<a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/">CC0</a> via pixabay / <a href="https://pixabay.com/en/programming-computer-language-942487/">geralt</a> : EU-Projekt zur Prüfung freier Software soll fortgesetzt werden Das Projekt Free and Open Source Software Audit (FOSSA) der EU wird vermutlich fortgesetzt. Dies berichtet die Europaabgeordnete Julia Reda (Piratenpartei), die FOSSA vor einem Jahr gemeinsam mit dem schwedischen Grünen-Abgeordneten Max Andersson initiiert hatte. Mit dem Programm zur „Kontrolle über und Qualität von Software-Code“ soll die Sicherheit von freier und quelloffener Software gestärkt werden. Die Pilotförderung von einer Million Euro läuft Mitte November aus. Reda und Andersson haben vorgeschlagen, FOSSA als sogenannte „Vorbereitende Maßnahme“, eine spezifische Förderform der Europäischen Union, fortzuführen. Demnach könnte das Projekt für bis zu drei weitere Jahre gefördert werden. Für 2017 sind knapp 500 000 Euro vorgesehen.
Das EU-Parlament hat mit seiner Zustimmung zum Haushaltentwurf für 2017 in dieser Woche auch dem Vorschlag für eine Fortführung des Audit-Projekts zugestimmt. In den kommenden drei Wochen werden Parlament und Rat nun den finalen Haushaltsplan aushandeln. Für den Fall, dass die FOSSA-Förderung nicht noch rausfliegt, hat Reda angekündigt, die Open-Source-Community stärker einzubinden [eigene Übersetzung]:
In der nächsten Phase des FOSSA-Projekts als Vorbereitende Maßnahme wollen wir die EU-Institutionen und die Open-Source-Community näher zusammenbringen. Das Pilotprojekt war ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung, aber es gibt noch viele Dinge zu verbessern.
Eine der Ideen, die angegangen werden sollen, ist Reda zufolge ein Bug-Bounty-Programm, mit dem Nutzer in das Aufdecken potenzieller Probleme eingebunden werden sollen.
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: Günther Oettinger: „Früher hatten alle eine Zeitung in der Hand, heute bin ich der einzige.“
: Günther Oettinger: „Früher hatten alle eine Zeitung in der Hand, heute bin ich der einzige.“ Unser EU-Digitalkommissar Günther Oettinger beschwert sich über den Medienwandel:
„Früher hatten alle eine Zeitung in der Hand, heute bin ich der einzige. Die anderen Köpfe gesenkt, Display an, online unterwegs.
Viele sind dabei ja offline, weil es zu viele Funklöcher bei uns gibt. Aber das ist eine andere Geschichte.
Das alles und noch viel mehr, inklusive Ansichten zur derzeitigen Großen Koalition und der „Pflicht-Homo-Ehe“, bietet dieses Video:
Nach derzeitigem Erkenntnisstand ist das keine Büttenrede aus dem Karneval, sondern alles real.
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: Angela Merkel: Urheberrechtsverletzungen zur Rettung des Abendlandes sind ok
: Angela Merkel: Urheberrechtsverletzungen zur Rettung des Abendlandes sind ok Auf einem Sonderparteitag der CDU in Mecklenburg-Vorpommern gab Bundeskanzlerin Angela Merkel praktische Tipps zur Förderung unserer Weihnachtskultur. Als es um die Themen AfD und Sorge vor dem Islam ging, erinnerte die Parteivorsitzende ihre Mitglieder an das „C“ im Namen der Partei. Diesen Sorgen sollte man mit christlichen Werten begegnen. Als Beispiel kam sie auf Weihnachtslieder zu sprechen:
Wie viel christliche Weihnachtslieder kennen wir denn noch und wie viel bringen wir denn unseren Kindern und Enkeln bei? Dann muss man eben mal ein paar Liederzettel kopieren und einen, der noch Blockflöte spielen kann […], mal bitten.
Auf das Geraune im Publikum hin bekräftigt sie ihre Aussage. Ohne Weihnachtslieder würde uns ein Stück Heimat verloren gehen. Allerdings ist die Kopie eines Liederzettels, der unter das Urheberrecht fällt, in der Regel eine Urheberrechtsverletzung. Das sagt zumindest die CDU/CSU, deren Kanzlerin Angela Merkel ist. Und die sich vehement dafür einsetzt, dass das auch so bleibt. Aber wie zeitgemäß ist eine solche Regelung, wenn schon die Bundeskanzlerin der Meinung ist, dass man gegen diese Norm verstoßen sollte?
Da es in der Vergangenheit auch Abmahnungen gegen Kitas gab, die genau das getan hatten, bietet der Verein Musikpiraten eine Zusammenstellung von gemeinfreien Weihnachtsliedern an – für ein rechtssicheres Musizieren in der Adventszeit.
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: Bitkom-Umfrage: Kunden wollen Sprachassistenten nicht nutzen, weil sie Unternehmen nicht vertrauen
ohr-cc-by-20-ky_olsen : Bitkom-Umfrage: Kunden wollen Sprachassistenten nicht nutzen, weil sie Unternehmen nicht vertrauen Unter dem Titel „Digitale Sprachassistenten als intelligente Haushaltshelfer“ hat der IT-Branchenverband Bitkom Ergebnisse einer Umfrage zur Akzeptanz von Systemen wie Google Home oder Amazon Echo veröffentlicht. Auch wenn der Verband versucht, sie anders zu vermarkten – die gewonnenen Erkenntnisse dürften kaum im Sinne der Internetwirtschaft sein.
Nur 27 Prozent der Befragten gaben an, sich vorstellen zu können, Sprachsteuerung außerhalb des Smartphones einzusetzen. Lediglich jede*r Zehnte plant demnach konkret, solche stationären Sprachassistenten einzusetzen. Etwa ein Drittel gab an, sie auf keinen Fall nutzen wollen, und 23,6 Prozent sagten, dass sie es sich eher nicht vorstellen können. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aber lautet, dass fast dreiviertel (73 Prozent) derjenigen, die die Technologie eher oder gar nicht nutzen wollen, dies damit begründen, dass sie Unternehmen ihre Daten nicht anvertrauen wollen.
Auch wenn Bundeskanzlerin Merkel jüngst beim Tag der Deutschen Industrie wieder mal in bester neoliberaler Manier proklamierte, „dass Daten der Rohstoff der Zukunft sind und dass das uns einst vom Bundesverfassungsgericht vorgegebene Prinzip der Datensparsamkeit nicht mehr zur heutigen Wertschöpfung passt“: Die Menschen sehen das offenbar ganz anders. Gerade weil sie das Gefühl haben, dass Unternehmen ihre Privatsphäre nicht respektieren und sie politisch nicht wirksam vor der kommerziellen Verwertung ihrer Daten geschützt werden, vertrauen sie vermeintlicher Zukunftstechnologie nicht und wollen von deren Nutzung absehen. Ganz unabhängig davon, dass sie nicht an Grundrechten oder sozialer Gerechtigkeit orientiert ist, stellt sich die kurzsichtige Datenschutzpolitik der Bundesregierung also auch als echtes Wirtschaftshemmnis heraus.
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: Donnerstag, 13 Uhr: Start des Vorverkaufs für die re:publica´17
: Donnerstag, 13 Uhr: Start des Vorverkaufs für die re:publica´17 Am morgigen Donnerstag, den 27.10.16, startet um 13 Uhr der Vorverkauf für die kommende re:publica´17 mit dem Motto „LOL – Love out loud“. Earlybird-Tickets gibt es zum Preis von 135 Euro, ermäßigt kosten sie 65 Euro. Die Earlybird-Tickets sind in der Regel innerhalb kurzer Zeit ausverkauft.
Im Anschluss gibt es Tickets zum Normalpreis. Die re:publica´17 findet vom 8.–10. Mai 2017 wieder in der Station in Berlin statt.
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: Mehr Videoüberwachung: Minister de Maizière plant Gesetzesänderung
: Mehr Videoüberwachung: Minister de Maizière plant Gesetzesänderung Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat erneut seinen Willen betont, die Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen mitsamt intelligenter Auswertungstechnik auszubauen. Dazu zählt die automatische Gesichtserkennung von Passanten an Flughäfen, Bahnhöfen oder Einkaufszentren. Der Minister setzt damit Vorhaben aus einem ganzen Paket an Überwachungsmaßnahmen in Gang, die im Sommer schon angedroht worden waren.
Wenn staatlicherseits mehr Videoüberwachung geplant wird, so greift das selbstverständlich in die Grundrechte der Bürger ein. Deswegen muss eine konkrete Eingriffsbefugnis her, also ein Gesetz. In diesem Fall ist das Bundesdatenschutzgesetz betroffen, das der Minister ändern möchte. Er plant darin aufzunehmen, dass die Sicherheit der Bevölkerung als wichtiges Ziel „besonders zu berücksichtigen“ sei. Laut Deutschlandfunk wird zur Begründung der Bezug zu den Straftaten in München und Ansbach im Sommer hergestellt:
Angesichts der Vorfälle in München und Ansbach im Sommer 2016 besteht die Notwendigkeit, Sicherheitsbelange stärker zu berücksichtigen und bei der Abwägungsentscheidung mit größerem Gewicht einzubeziehen.
Das Bundesinnenministerium hat gegenüber dem Deutschlandfunk angegeben, dass ein Gesetzesentwurf vorliege, der aber aktuell erst in der Ressortabstimmung sei.
Die Vorschläge de Maizières sind nicht neu und waren bereits im Sommer wegen ihrer fraglichen Verhältnismäßigkeit kritisiert worden. An der anlasslosen optischen Überwachung mit biometrischer Gesichtserkennung und nachfolgendem Datenbankabgleich wird dennoch bereits gearbeitet.
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: Gala in Berlin: Logbuch:Netzpolitik feiert mit „Methodisch inkorrekt“
: Gala in Berlin: Logbuch:Netzpolitik feiert mit „Methodisch inkorrekt“ Es gibt was zum Feiern: Der Podcast Logbuch:Netzpolitik wird fünf Jahre alt und zum Jubiläum und zur 200. Folge daher eine besondere Gala veranstalten.
Der Vorverkauf für die Karten hat bereits begonnen. Die Hälfte der Karten ist aber schon weg.
Linus und Tim laden am Samstag, den 5. November, nach Berlin in das ehemalige Stummfilmkino Delphi.
Der Einlass beginnt ab 18 Uhr, los geht es um 19 Uhr, im Anschluss lassen wir den Abend noch gemeinsam ausklingen und gegen Mitternacht ist der Zauber vorbei.
Ob es einen Live-Stream geben wird, ist zwar noch nicht offiziell angekündigt, allerdings:
Wir arbeiten dran.
Aus vertrauenswürdiger Quelle haben wir erfahren, dass es auf jeden Fall einen Stream geben wird, durchgeführt vom VOC des Chaos Computer Clubs. Aus derselben Quelle hörten wir, dass noch eine kleine zweistellige Anzahl Tickets zum Verkauf stehen.
Mit dabei sind als „Vorband“ (Pritlove) die Rockstars der Wissenschaftskommunikation „Methodisch inkorrekt“. Versprochen wird außerdem eine „angenehme Lounge-Atmosphäre“ und mehr als nur eine „ganz normale Sendung“.
Das Vorhaben wird von der audiophilen Zweier-Gang übrigens auch in drei Minuten (mp3) selbst erläutert.
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: Mashup: Alle „Cyber“ aus den US-Wahlkampf-TV-Duellen
: Mashup: Alle „Cyber“ aus den US-Wahlkampf-TV-Duellen In den USA gibt es noch mehr Cyber in der Politik als bei uns, aber die sind uns häufig auch ein bis zwei Jahre voraus. Der EFF-Mitarbeiter Parker Higgens hat ein Mashup aller Äußerungen von Trump und Clinton sowie ihrer potentiellen Vizepräsidenten aus den TV-Duellen erstellt, wo diese „Cyber“ sagen.
Davon gibt es auch eine Version mit Mr. Robot-Soundtrack im Hintergrund:
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: ARD-Dokumentation: Schichtwechsel – Die Roboter übernehmen
Ein Roboter eines ähnlichen Typs wurde in Dallas mit dem Sprengsatz versehen. Foto: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC-BY 2.0</a> <a href="https://www.flickr.com/photos/jaytamboli/3788323509/sizes/l"> Jay Tamboli</a> : ARD-Dokumentation: Schichtwechsel – Die Roboter übernehmen Vor einer Woche lief in der ARD die Dokumentation „Schichtwechsel – Die Roboter übernehmen“, die immer noch in der Mediathek zu finden ist.
Die Gesellschaft steht vor einer radikalen Veränderung. Und sie trägt einen Namen: „Industrie 4.0“ ist nicht weniger als eine Revolution der bisherigen Arbeitsgesellschaft. Roboter und Maschinen mit künstlicher Intelligenz sind auf dem Vormarsch.
Passend dazu parallel bei ARTE in der Mediathek: Futuremag – Kollaborative Roboter.
Oft werden Roboter beschuldigt, den Menschen die Arbeit wegzunehmen. Doch eine neue Robotergeneration, sogenannte „Cobots“ („collaborative robots“) ist speziell für die Zusammenarbeit mit ihren menschlichen Kollegen konzipiert. „Futuremag“ stellt sie vor.
Update: In den Kommentaren wurde darauf hingewiesen, dass eine 90-Minuten-Version der „Schichtwechsel“-Doku bei ARTE zu finden ist.
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: Süddeutsche Zeitung führt Adblock-Verbot ein
Wer mit einem Adblocker surft, ist nicht überall willkommen. - <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/">CC BY-NC-ND 2.0</a> via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/pixothings/26120326531/">pixothings</a> : Süddeutsche Zeitung führt Adblock-Verbot ein Auf der Webseite der Süddeutschen Zeitung (SZ) kommt seit dieser Woche eine Anti-Adblock-Maßnahme zum Einsatz. Auf der Seite werden drei Möglichkeiten angeboten, um Artikel lesen zu können. Man kann entweder seinen Adblocker ausschalten, einen kostenlosen Account anlegen oder ein Abonnement abschließen. Mit der kostenlosen Registrierung lässt sich die Seite mit eingeschaltetem Adblocker benutzen.
Neben „Bild.de“ und diversen Angeboten des Verlags Gruner + Jahr ist die SZ eines der ersten großen Medienhäuser in Deutschland, das ein Adblock-Verbot eingeführt hat.
Fast ein Viertel der Nutzer fällt weg
Die amerikanische „Financial Times“ führte im Juli ein Experiment durch. 30 Tage lang wurden Adblock-Nutzern verschiedene Versionen der Webseite angezeigt. Bei einer Gruppe fehlten Wörter im Artikel, mit dem Hinweis, dass Adblocker die Einnahmen verringern. Anderen wiederum wurde der Zugriff auf die Artikel versperrt.
Das Ergebnis war, dass 69 Prozent der Nutzer, die keinen Zugriff auf die Inhalte hatten, ihren Adblocker deaktivierten. Allerdings variiert die Bereitschaft der Nutzer, Adblocker auszuschalten, je nach Medium. Die Ergebnisse von Financial Times sind daher nicht repräsentativ.
In einer früheren Version wurde behauptet, dass man der Nutzung der E‑Mail zu Werbezwecke zustimmen muss. Die Einwilligung ist allerdings freiwillig.
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: MediathekView am Ende, Projekt sucht neue Entwickler
: MediathekView am Ende, Projekt sucht neue Entwickler MediathekView ist ein praktisches Tool, um Inhalte der Mediatheken unserer öffentlich-rechtlichen Anstalten herunterladen und sie sich zeitsouverän anzuschauen zu können. Das Projekt gibt es seit acht Jahren als Open-Source-Projekt, aber demnächst könnte es am Ende sein. Xaver, der Entwickler von MediathekView, schreibt in seinem Forum, dass die Software mittlerweile 110 Prozent seiner Freizeit in Beschlag nimmt und er die Verantwortung abgeben will.
Ich bekomme täglich Mails (Wie geht das? Warum ist die Funktion nicht so gelöst? Sendung xy fehlt in der Filmliste!), die beantwortet werden wollen. Mitunter auch sehr unschöne Nachrichten. Immer mehr Nutzer und Projekte nutzen die Filmliste als Quelle. Mit dem Erstellen der Filmliste und dem Anpassen an die Mediatheken der Sender habe ich eine ständige Arbeit. Auch die immer weiter steigenden Hostingkosten müssen bezahlt werden. Mir wird das alles inzwischen zuviel und bevor die Qualität darunter leidet, ziehe ich die Notbremse.
Wir sagen großen Dank für die geleistete Arbeit, denn MediathekView hat uns schon oft die Arbeit erleichtert. Wir hoffen, dass sich Entwickler finden, die die Java-Software weiterpflegen wollen und werden. Der Bedarf ist da und der Sourcecode liegt offen.
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: Protest gegen BND-Gesetz: Menschenrechtsorganisationen überbringen Bundestag 20.000 Unterschriften
Protest gegen das BND-Gesetz . Foto: CC BY Ingo Dachwitz : Protest gegen BND-Gesetz: Menschenrechtsorganisationen überbringen Bundestag 20.000 Unterschriften Ein breites Bündnis von Bürger- und Menschenrechtsorganisationen hat am Tag vor der Bundestagsabstimmung über das BND-Gesetz gegen die geplante Legalisierung und Erweiterung der Überwachungspraxis des Bundesnachrichtendienstes protestiert. Etwa einhundert Menschen waren dem Aufruf von Amnesty International, Reporter ohne Grenzen, Digitale Gesellschaft e. V., dem Deutschen Journalisten-Verband, dem Deutschen Anwaltverein, dem netzwerk recherche und der Netzaktivistin Katharina Nocun vor das Brandenburger Tor gefolgt. In Anbetracht der als sicher geltenden Verabschiedung des Gesetzes durch die Große Koalition wurde die Demonstration auch als „Mahnwache“ kommuniziert.
Im Anschluss an kritische Redebeiträge, unter anderem vom ehemaligen technischen Direktor der NSA und späteren Whistleblower William Binney, zog ein Teil der Gruppe vor das Reichstagsgebäude. Dort tagte parallel immer noch der Geheimdienst-Untersuchungsausschuss [Liveblog], der passend zum Thema dieses Mal unter anderem die Erkenntnis brachte, dass die offiziellen Beanstandungen im geheimen Prüfbericht der Bundesdatenschutzbeauftragten beim BND praktisch ohne Konsequenzen blieben. 20.000 Unterschriften, die durch drei Petitionen gegen das Gesetz zustande kamen, wurden bei der Poststelle des Bundestages abgegeben, weil keine Abgeordneten von Union oder SPD sich bereit erklärten, diese entgegenzunehmen.
Den großen Unmut über die Ignoranz der Großen Koalition gegenüber sachlicher Kritik und zivilgesellschaftlichem Protest, die bei vielen auf der Demonstration deutlich zu spüren war, brachte Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, auf den Punkt:
Dass die Große Koalition ein so folgenschweres Gesetz ohne jeden Versuch einer Nachbesserung durchwinkt, zeugt von einer bemerkenswerten Geringschätzung, nicht nur für die Kritik der Zivilgesellschaft, sondern auch für Grundrechte wie die Pressefreiheit. Künftig wird sich jedes repressive Regime, das ausländische Journalisten bei Bedarf auf der Grundlage schwammiger Gesetze überwachen will, auf das Vorbild Deutschlands berufen können.
Vor der Abstimmung über das BND-Gesetz findet morgen früh um 8 Uhr vor dem Reichstagsgebäude eine weitere Protestaktion, organisiert vom Verein Digitalcourage, statt. Die Bundestagsdebatte zum Thema beginnt um 9 Uhr.
Breite Kritik
Die im Vorfeld geäußerte breite Kritik am BND-Gesetz, von Bundestagssachverständigen und renommierten Juristen über UNO-Sonderberichterstatter bis zu Journalistenverbänden und Wirtschaftsvertretern, lässt sich bei uns im Blog nachlesen. Ein Übersichtsartikel zeigt die drastischsten Konsequenzen des neuen Gesetzes auf.
Vom Verein Digitale Gesellschaft gibt es hier noch einen sehr sehenswerten Zusammenschnitt der Sachverständigen-Anhörung zum BND-Gesetz:
Einen kurzen Bericht über die Demonstration gab es in der RBB-Abendschau:
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: Dieses Wochenende: „Datenspuren“ in Dresden
: Dieses Wochenende: „Datenspuren“ in Dresden Am 22. und 23. Oktober finden in Dresden wieder die vom C3D2 organisierten „Datenspuren“ statt:
Die „Datenspuren“ sind eine Konferenz, bei der gesellschaftliche Folgen der Informationstechnologie diskutiert werden. Seit 2004 wird die zweitägige Veranstaltung einmal im Jahr vom Chaos Computer Club Dresden organisiert. An einem Wochenende – meist Mitte Oktober – werden die gesellschaftlichen Folgen der Informationstechnologie diskutiert, alte und neue Trends analysiert, gebastelt und sich ausprobiert. Ziel der Vorträge und Workshops ist dabei stets, zu einem kritischen Gedankenaustausch zwischen Gesellschaft, Politik und Technikern anzuregen.
Mit im Programm sind klassische Themen wie Datenschutz und Open Data, aber auch zu Food Hacking und Digitalisierung in Bibliotheken wird es spannende Vorträge geben. Daneben gibt es für Jung-Hacker eine Lötstation und ein Detektivspiel zu Kryptographie.
Disclosure: Auch ich erzähle auf den Datenspuren etwas zu Geheimdiensten „außer Kontrolle“.
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: Wirtschaftsministerium will offenbar bei WLAN-Störerhaftung nachbessern [Update]
<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a> via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/nnova/">Nicolas Nova</a> : Wirtschaftsministerium will offenbar bei WLAN-Störerhaftung nachbessern [Update] Überraschung: In der gestrigen Sitzung [PDF] des Bundestagsausschusses für die Digitale Agenda
hatwollte die Bundesregierung über Konsequenzen aus dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) im Fall McFaddenberichtetberichten – der Tagesordnungspunkt wurde jedoch vertagt. Wie im Vorfeld bereits die Rheinische Post berichtet hatte, plant das Wirtschaftsministerium demnach offenbar eine Überarbeitung der im Juni beschlossenen Regeln zur WLAN-Störerhaftung.Nach jahrelangem Hin und Her konnte im Bundestag ein katastrophaler Gesetzesentwurf des Wirtschaftsministeriums zur Reform der WLAN-Störerhaftung um die ärgsten Punkte entschärft werden. Wie wir und andere damals kritisierten, ließ das Gesetz der Großen Koalition, mit dem eigentlich Rechtssicherheit für den Betrieb offener Netze geschaffen werden sollte, aber eine entscheidende Lücke für kostenpflichtige Abmahnungen offen: den Unterlassungsanspruch der Rechteinhaber gegenüber WLAN-Betreibern im Fall von Rechtsverletzungen, die durch Dritte im zur Verfügung gestellten Netz begangen wurden. Genau auf diesen Aspekt wies auch der EuGH hin – und stellte klar, dass die im Zuge gerichtlicher Unterlassungsanordnungen entstehenden Kosten WLAN-Betreibern aufgehalst werden können. Das erklärte Ziel der Großen Koalition, echte Rechtssicherheit für den Betrieb offener Netze durch den Ausschluss von kostenpflichtigen Abmahnungen zu schaffen, wurde also offenkundig verfehlt: Abmahnkanzleien kündigten an, nun verstärkt mit dem Mittel der gerichtlichen Unterlassungsanordnungen arbeiten zu wollen.
Offenbar sieht nach dem EuGH-Urteil nun vor allem die SPD Handlungsbedarf. In der Rheinischen Post wurde deren netzpolitischer Sprecher im Bundestag, Lars Klingbeil, mit der Aussage „Abmahnkosten und Verschlüsselungspflichten dürfen nicht entstehen. Alle Hürden für freies WLAN müssen weg“ zitiert.
Update: Der entsprechende Tagesordnungspunkt des Ausschusses für die Digitale Agenda wurde verschoben. Wir haben den netzpolitischen Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion, Konstantin von Notz, der die Bundesregierung direkt nach dem EuGH-Urteil schriftlich nach Konsequenzen gefragt hatte, um ein Statement gebeten:
Das Vorgehen der Großen Koalition in Sachen Störerhaftung ist und bleibt hochnotpeinlich: Die GroKo hat sechs Jahre gebraucht, um ein Gesetz vorzulegen, das eben keine Rechtssicherheit hergestellt hat. In meiner Rede zur 2./3. Lesung des Gesetzes habe ich die Große Koalition vor der nun eingetretenen Entwicklung gewarnt. Mit Hinweis auf den in der Begründung des Gesetzes aufgenommenen Verweis auf den Generalanwalt des EuGH habe ich sie gefragt, was sie eigentlich macht, wenn das Gericht anders entscheidet? Genau dies ist nun eingetroffen. CDU/CSU haben es eben nicht vermocht, anders als jahrelang versprochen, selbst die dringend notwendige Rechtssicherheit herzustellen. Diese Frage hat man lieber erneut an Gerichte delegiert – und ist damit zweifellos gescheitert. Nun bleibt der Großen Koalition gar nichts anderes übrig, als eine Neuregelung vorzulegen. Obwohl man meine schriftliche Nachfrage hierzu in der letzten Sitzungswoche noch ausweichend beantwortete, kündigte man nun, einen Tag bevor das Thema im Unterausschuss auf unsere Initiative hin aufgerufen werden sollte, eine solche Neuregelung an. Das ist absolut schlechter Stil gegenüber dem Parlament. Wir werden jetzt umso genauer nachhaken und beispielsweise fragen, ob der jüngste Vorstoß bereits koalitionsintern abgestimmt ist. Da haben wir erhebliche Zweifel. Genauso, ob es gelingt, noch rechtzeitig vor Ende der Wahlperiode eine neue Regelung vorzulegen. Das Vorgehen in Sachen Störerhaftung steht leider insgesamt exemplarisch für die netzpolitische Unfähigkeit der Großen Koalition.
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: Großbritannien: Bald Ausweispflicht für Porno-Seiten?
Wer den Filter nicht deaktiviert hat, bekommt eine solche Fehlermeldung. : Großbritannien: Bald Ausweispflicht für Porno-Seiten? Wie die Open Rights Group berichtet, sieht ein vorgeschlagenes Gesetz zur digitalen Wirtschaft eine weitere Beschränkung des Internetverkehrs in Großbritannien vor. Zukünftig sollen Anbieter von pornografischen Inhalten das Alter eines Nutzers individuell feststellen, bevor sie Zugang zu Inhalten gewähren. Wer dem nicht nachkommt, soll finanziell bestraft werden.
Befürworter betonen, dass es nur um die Frage gehen soll, ob eine Person über oder unter 18 Jahre alt ist, und dass man so Kinder schützen wolle. Es gehe um keine weiteren Identitätsmerkmale. Die Open Rights Group warnt dennoch:
They will make sites verify age, or issue penalties, but they are given no duty to protect people’s privacy, security or defend against cyber security risks that may emerge from the Age Verification systems themselves.
Sie werden die Seiten dazu bringen, das Alter zu überprüfen, oder Strafen erteilen. Aber sie haben keinerlei Pflicht, die Privatsphäre und Sicherheit der Leute zu schützen oder diese gegen Sicherheitsrisiken zu verteidigen, die aus dem System selbst entstehen. [eigene Übersetzung]
Wie die genaue Überprüfung des Alters vonstattengehen soll, wurde nicht spezifiziert. Von der Verknüpfung mit einem Social-Media-Account bis zur Preisgabe von Kontoinformationen stehen mehrere Möglichkeiten im Raum, von denen sich die Betreiber wahrscheinlich das ihnen Genehmste aussuchen werden, sollte der jetzige Gesetzesentwurf in Kraft treten. Für den einzelnen Nutzer ergeben sich also immense Risiken.
Bereits heutzutage gibt es einen „Kinderfilter“, wenn man eine neue SIM-Karte oder einen Internetzugang bestellt. Um diesen auszuschalten, muss man sein Alter überprüfen lassen – beispielsweise durch Vorzeigen des Ausweises in einem Geschäft des Anbieters. Die Klassifikation, was gefiltert wird, ist und bleibt aber ein großes Problem. Kunden einiger Anbieter wurde zum Beispiel bereits der Zugang zur CCC-Webseite verwehrt.
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: #WeAreTwitter: Initiative für ein Twitter in Nutzer*innenhand gestartet
: #WeAreTwitter: Initiative für ein Twitter in Nutzer*innenhand gestartet In den vergangenen Wochen ist viel darüber spekuliert worden, ob die Social-Media-Plattform Twitter bald von einem anderen Konzern gekauft werden könnte. Immer wieder wurden zum Beispiel die Namen von Google, Disney oder Salesforce als potenzielle Kaufinteressenten genannt. Trotz über 300 Millionen Nutzer*innen schreibt das Unternehmen rote Zahlen, und seit langem ist zu hören, dass Großaktionär*innen die Geduld verlieren.
Twitter in Google-Hand? Eine Idee, die vielen Twitterenthusiast*innen gar nicht gefällt. Aber wie könnte eine Alternative für Plattformen jenseits des kapitalistischen Modells aussehen? Darüber denken Ökonom*innen seit geraumer Zeit unter dem Stichwort „Plattform-Kooperativismus“ nach. Der Grundgedanke: Wenn sich genügend Nutzer*innen zusammentun und sich eine faire und effiziente Struktur findet, müsste es doch möglich sein, eine so wichtige soziale Infrastruktur nach einem anderen Maßstab als dem des finanziellen Erfolgs zu organisieren. Der New Yorker Medienprofessor Trebor Scholz hat dazu in diesem Jahr auf der re:publica einen hörenswerten Vortrag gehalten. Ende September begeisterte der Autor Nathan Schneider mit einem Guardian-Artikel ein breiteres Publikum für die Idee, sich auf die Suche nach einem genossenschaftsähnlichen Modell für Twitter zu machen.
Eine internationale Gruppe von Aktivist*innen, Journalist*innen und Vordenker*innen des Plattform-Kooperativismus hat sich nun mit einer Petition an die Öffentlichkeit und an das Plattformunternehmen selbst gewandt. In dem Text heißt es:
Wir haben gehört, dass Du verkauft werden sollst. Oder zumindest, dass Menschen aus deinem Umfeld es erwägen. Das betrifft uns auch. Irgendwie. Du bist ein echt nettes Tool, und deine Zukunft wird mitbestimmen, wie wir mit unseren Freunden in Kontakt bleiben, wie wir etwas von der Welt mitbekommen und wie wir mit Fremden kommunizieren können. Von deiner Zukunft hängt auch ab, was mit all unseren Daten geschieht, die wir Dir anvertraut haben. Wer auch immer Dich kauft, kauft in gewisser Weise uns.
Ihr Ziel beschreibt die Gruppe so:
Der Stand der Dinge ist: Einige von uns wollen eine Kooperative ins Leben rufen, die weitere Twitter-Nutzerinnen und ‑Nutzer gewinnen will, in der Hoffnung, einen Deal hinzubekommen. Einen fairen Deal, der diejenigen belohnt, die dabei geholfen haben, das Twitter, wie wir es lieben, zu kreieren. Wir hoffen, dass diese mit uns zusammenarbeiten werden. Twitter ist dabei nur ein Anfang, eine Chance, einfach mal über ein Werkzeug nachzudenken, mit dem man große Plattformen gemeinsam besitzen könnte; unsere Kooperative denkt bereits darüber nach, wie man gemeinschaftlich geteilte Inhaberschaften auch an anderen Stellen des Internet umsetzen könnte.
Jetzt geht es darum, Unterstützer*innen und Öffentlichkeit für die Idee zu gewinnen. Dabei hofft die Gruppe auch auf ein Entgegenkommen des Unternehmens selbst:
Wir, die Unterzeichner, fordern Twitter auf mit uns zusammenzuarbeiten, um die Zukunft des Unternehmens gemeinsam mit denjenigen zu gestalten, die am meisten an seinen Services hängen. Einige von uns sind TWTR-Aktionäre und haben bereits zugesagt, unser Anliegen durch die Übertragung ihrer Stimmrechte zu unterstützen, damit der Aufkauf durch ein Großunternehmen verhindert und eine bessere Lösung gefunden werden kann.
Wer über die Sache informiert bleiben und seine Unterstützung kundtun möchte, kann sich der Petition hier anschließen.
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: Digital Defenders vs. Data Intruders
: Digital Defenders vs. Data Intruders Wie kann man Kindern und Jugendlichen den Wert von Privatsphäre nahebringen? Mit Superhelden!
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: Die zentralen Punkte des BND-Gesetzes im Video erklärt
: Die zentralen Punkte des BND-Gesetzes im Video erklärt An diesem Freitag soll das BND-Gesetz im Bundestag beschlossen werden. Auf dem 52. Netzpolitischen Abend des Digitale Gesellschaft e. V. stellte netzpolitik.org-Autor Andre Meister die Kernaussagen des BND-Gesetzesentwurfs vor. Unter dem Titel „Das neue BND-Gesetz: Alles, was der BND macht, wird einfach legalisiert. Und sogar noch ausgeweitet.“ hielt er einen Vortrag über die vier zentralen Änderungen, mit denen bislang illegale Praktiken legalisiert werden sollen.
Übrigens: Diesen Donnerstag und Freitag sind Demonstrationen gegen das geplante Gesetz angekündigt.


