BND
-
: Spiegel: BND spionierte am Auftragsprofil der Bundesregierung vorbei
: Spiegel: BND spionierte am Auftragsprofil der Bundesregierung vorbei Spiegel Online berichtet heute, am Vorabend der nächsten Sitzung des NSA-Untersuchungsausschusses, dass der BND bis letztes Jahr andere EU-Länder und befreundete Staaten – deren Botschaften und Behörden – ausspioniert hat, am Auftragsprofil der Bundesregierung vorbei. Die Erkenntnis, die laut Spiegel-Angaben heute dem Parlamentarischen Kontrollgremium (PKGr) mitgeteilt wurde, soll mit der Selektorenliste zusammenhängen. Auf Basis der Selektorenliste half der BND der NSA, auch europäische Unternehmen wie EADS und Eurocopter auszuspähen.
Die Abgeordneten wollen nun umgehend eine Task Force in die BND-Zentrale nach Pullach entsenden, um die Selektorenliste des BND einzusehen und Mitarbeiter zu befragen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wer von der womöglich rechtswidrigen Praxis wusste und wer sie angeordnet hat.
Eigentlich sollte der Selektoren-Sonderbeauftrage Kurt Graulich in der nächsten Untersuchungsausschusssitzung von der Selektorenliste berichten, die den Abgeordneten bisher von der Bundesregierung unter fadenscheinigen Ausreden vorenthalten wird. Ob es nun doch dazu kommen wird, dass Abgeordnete des PKGr die Liste einsehen dürfen, wird sich noch zeigen müssen.
-
: Massenüberwachung: EU-Abgeordnete fordern Kommission zum Handeln auf
Der LIBE-Ausschussvorsitzende Claude Moraes drängt die EU-Kommission, sich mit den Forderungen des Parlaments zu beschäftigen. <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/">CC BY-NC-ND 2.0</a>, via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/european_parliament/10723482033/">European Union 2013 - European Parliament</a> : Massenüberwachung: EU-Abgeordnete fordern Kommission zum Handeln auf Der Innenausschuss des EU-Parlaments (LIBE) droht der Kommission mit Konsequenzen, sollte diese weiterhin keine konkreten Schritte gegen Massenüberwachung setzen. Die Kommission habe bislang „höchst inadäquat“ auf die Empfehlungen des Parlaments reagiert, die Teil des Untersuchungsberichts zu den Snowden-Enthüllungen waren und seit März 2014 vorliegen.
„Der Bericht hat nicht nur dazu aufgerufen, die wahllose Massenüberwachung durch europäische und US-amerikanische Geheimdienste sofort zu beenden, sondern auch einen Fahrplan für die weitere Vorgehensweise auf diesem Feld aufgestellt,“ bekräftigte der britische Ausschussvorsitzende Claude Moraes (S&D) die Forderungen der Abgeordneten. Eine heute verabschiedete Resolution des LIBE setzt nun eine Frist bis spätestens Dezember 2015. Sollte die Kommission bis dahin nicht handeln, könne man „gewisse budgetäre Ressourcen der Kommission“ einfrieren oder andere, nicht näher ausgeführte Maßnahmen ergreifen.
Ausbau der Massenüberwachung
Anstatt die massenhafte Überwachung zurückzufahren, hätten einzelne Mitgliedsstaaten wie Frankreich, Großbritannien oder die Niederlande die Befugnisse ihrer Geheimdienste ausgeweitet, was Anlass zur Sorge gebe. Ebenfalls besorgniserregend seien die Enthüllungen über die enge Zusammenarbeit des BND mit der NSA, die gemeinsam europäische Daten- und Telekommunikationsleitungen angezapft und überwacht hatten. US-amerikanische Gesetzesvorstöße wie der USA Freedom Act, der die Massenüberwachung zumindest ein wenig zurückfahren soll, seien zu begrüßen. Allerdings würden solche Gesetze in erster Linie US-Bürger schützen, wohingegen sich die Lage in der EU nicht verändert habe.
Ohne Antwort der Kommission sei auch der Vorschlag geblieben, eine umfassende Studie zum Schutz von Whistleblowern durchzuführen. Generell benötige man eine europäische Strategie, die zu mehr Unabhängigkeit im IT-Sektor führen und damit Sicherheit sowie Datenschutz verbessern soll. Zudem müsse die demokratische Kontrolle von Geheimdiensten sichergestellt werden.
Alternativen zum Safe-Harbor-Abkommen
Erfreulich sei die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), das Safe-Harbor-Abkommen mit den USA für ungültig zu erklären. Das bestätige die jahrelang gehegten Bedenken des EU-Parlaments, dass der Schutz personenbezogener Daten europäischer Bürger nicht ausreichend gewesen sei, wenn solche Daten in die USA transferiert wurden. Die Kommission müsse nun unverzüglich handeln, für einen „effektiven Schutz“ sorgen und dabei die Empfehlungen des Parlaments berücksichtigen. Bis zum Ende des Jahres sollen Alternativen zum Safe-Harbor-Abkommen vorliegen und Überlegungen angestellt werden, welche Konsequenzen das EuGH-Urteil auf andere Abkommen zum Transfer personenbezogener Daten hat. Gelegenheit, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, könnten die Abgeordneten schon bald erhalten: Demnächst wird sich das EU-Parlament etwa mit dem „Umbrella Agreement“ befassen, das den Austausch von Daten zwischen Ermittlungsbehörden regelt.
-
: Ganz großes Kino – nur live: Warum es sich lohnt, den NSA-Untersuchungsausschuss vor Ort mitzuerleben
Leider auf der Besuchertribüne nicht erlaubt: Popcorn - <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/">CC BY-ND 2.0</a> via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/mythoto/15319229095/in/photolist-pkH46z-68BBFw-4osyxN-dfXvap-yAzMDi-7VDBHr-i87bMA-2ECq-5cqDiD-4zD8hd-5jWuRm-7z46J7-8Xuqy-6UgrwM-6RMxYL-8Ga3J9-qUHHYG-bXojbW-bDKsjW-5SXzQF-77VqPP-5VNXb7-damNXr-ZhiQX-7rtu84-zXzR4-61LWEY-6Ec7Xb-9KMGv9-dnBy4P-sk9aAv-4fAxX1-4xvZuJ-2uxn3K-5GXCNz-3KAecF-nnWK37-6Ln66V-5VNWAj-nJsr8x-cKRHbL-pUEqBC-9dr5rv-4QNwD4-m83Nd8-q3LuKe-4QNwci-22KZr1-9TvWWx-3czpc9">mythoto</a> : Ganz großes Kino – nur live: Warum es sich lohnt, den NSA-Untersuchungsausschuss vor Ort mitzuerleben tl;dr: Dabeisein lohnt sich. Jetzt für die Sitzung am Donnerstag anmelden!
NSA-Untersuchungsausschuss. Das heißt zum Teil 13-Stunden-Sitzungen, Rückenschmerzen, Zeugen mit Gedächtnisschwund und Aussagen, bei denen es schonmal schwerfallen kann, ruhig zu bleiben. Das heißt auch, mal an einem Tag fast 90 „Normseiten“ Live-Blog produzieren und danach die letzte Bahn verpassen, weil man noch bis um halb zwei mit den großartigen Kollegen von Technische Aufklärung podcastet. Und so kam es nach einem der Podcasts, dass mir in grenzerschöpftem Affekt der Satz entrutschte: „Warum tun wir uns das eigentlich an?“
In leicht erholterem Zustand ließ ich mir genau das noch einmal durch den Kopf gehen. Denn es gibt viele gute Gründe, den NSA-Untersuchungsausschuss zu besuchen. Auf der Besuchertribüne ist man nie allein. Neben den üblichen Verdächtigen aus der Presse trifft man stets auf andere Besucher, mal mehr, mal – vor allem zu später Stunde – weniger. Die meisten kommen öfters, man kennt sich, hat seine Stammplätze auf der Besuchertribüne. Doch was treibt die Einzelnen dazu, sich immer wieder donnerstags (und manchmal auch freitags) in den Bundestag zu setzen? Und warum solltet ihr das vielleicht auch mal miterleben?
Öffentlichkeit ins Dunkel der Geheimdienste bringen
Ein wichtiger Grund für einen Großteil der Beteiligten ist es, überhaupt einmal einen Einblick in die Arbeit der Geheimdienste und die Haltung der dahinterstehenden politischen Vertreter in Kanzleramt und Co. zu bekommen. Demokratische Kontrolle und Transparenz – das wurde uns in den letzten Jahren zuhauf vor Augen geführt – kann es beim Demokratie-Fremdkörper Geheimdienst schwerlich geben und der NSA-Untersuchungsausschuss ist beinahe der einzige Ort, an dem es Einblicke in die Praktiken der Spione gibt. Jonas Schönfelder vom Podcast Technische Aufklärung berichtet, dass ihm im Lauf der Veröffentlichungen über immer neue Geheimdienstprogramme bewusst geworden ist, „wie sehr unser Leben erfasst und analysiert wird.“
Ich möchte, dass Grundrechte in diesem Land von allen respektiert werden und ich darüber bestimmen kann, welche Informationen ich von mir preisgebe.
Der Untersuchungsausschuss kann hoffentlich mehr Klarheit in die nebelige Welt der Geheimdienste bringen. Schon jetzt hat er gezeigt, dass auch deutsche Dienste eine wichtige Rolle in der internationalen Kooperation spielen und dabei die Einhaltung des Grundgesetzes nachrangig ist. Die stundenlangen Sitzungen sind teilweise spannend, teilweise ermüdend und können auch Fremdschämen bei mir auslösen. So wie die Befragung des Ex-Kanzleramtsministers Pofalla, der sich gegenüber den Abgeordneten äußerst provokativ und meiner Meinung nach unpassend geäußert hat. Das Interesse der Bevölkerung an dem Ausschuss ist größer, als ich vor dem ersten Besuch gedacht hätte. Die Tribüne ist regelmäßig gefüllt – mit wechselnden Gesichtern.
Ganz ähnlich sieht es auch Simon Rebiger:
Ich gehe zum NSAUA, weil ich es für wichtig halte, dass dessen Sitzungen von einer kritischen Öffentlichkeit beobachtet und dokumentiert werden. Es ist interessant zu sehen, wie ein U‑Ausschuss organisiert ist, dass die wirklich wichtigen Fragen von den beiden Oppositionsparteien gestellt werden und wie stark die vermeintlichen Erinnerungslücken (ehemaliger) Beamter sind. Wie wenig Bewusstsein für demokratische Kontrolle, Transparenz und Rechenschaftspflicht bei den Verantwortlichen für die Kooperationen mit der NSA bzw. den deutschen Überwachungsprogramme vorhanden ist, erschüttert mich immer wieder. Die Arroganz mancher Befragter gegenüber den Abgeordneten und ihren Fragen lässt tief blicken in das Demokratieverständnis dieser Personen. Umso wichtiger, dass dank des NSAUA immer wieder neue Fakten und Programme ans Licht kommen.
Nicht nur die faktischen Erkenntnisse des NSAUA sind Gold wert. Gerade die Verweigerungshaltung macht immer wieder donnerstags klar, wie wenig der Geheimdienstapparat in das Selbstverständnis einer Demokratie passt. Und nicht allein die Zeugen tragen zu diesem Eindruck bei: Allen voran Hr. Wolff vom Kanzleramt hilft dabei, die Aussagen möglichst knapp zu halten, indem er immer wieder interveniert, Aussagen unterbricht. Der Anwalt Johannes Eisenberg, der viele der BND-Zeugen vertritt, hilft fleißig und die Problematik, dass er den Zeugen Informationen aus vorigen Sitzungen vermitteln könnte, steht weiterhin im Raum. Ganz abgesehen von seiner überheblichen Art, die schonmal Abgeordnete an den Rand ihrer Geduld bringen kann.
„Das ist nicht Untersuchungsgegenstand!“ – Dieser Satz ist allen, die den Ausschuss verfolgen, wohlbekannt. Auch andere als der BND haben hier etwas zu verbergen: Auch diejenigen, die Überwachungsprojekte und Kooperationen mit ausländischen Diensten genehmigt haben, würden einiges am liebsten unter den Teppich gekehrt wissen und verlassen schonmal nervös den Raum, um sich zu besprechen, wenn kritische Themen aufs Tablett gehoben werden.
Sich nicht mit den üblichen Presseberichten zufrieden geben
Jonas produziert zusammen mit Felix Betzin den Podcast Technische Aufklärung. Zu jeder öffentlichen Sitzung gibt es eine Folge, mittlerweile auch mal zwischendurch, um bestimmte Themen, die „für den Untersuchungsgegenstand relevant“ sind, zu beleuchten. Zu einer typischen Folge gehören O‑Töne von Bundestagsabgeordneten und die obligatorische Auswertungsrunde nach dem Ausschuss, bei der auch wir meist dabei sind und bei der man noch einmal Revue passieren lässt, was an der Sitzung besonders spannend und erkenntnisreich war. Das Podcasten kann auch mal bis spät in die Nacht dauern, wenn die Sitzung wieder bis um Mitternacht ging.
Doch wie kamen Jonas und Felix dazu, so ein Langzeitprojekt zu starten und sich regelmäßig für Stunden im Bundestag den Hintern platt zu sitzen? Eigentlich war das gar nicht so geplant, erzählt uns Felix:
Als Podcaster interessiere ich mich immer für Themen, die auch anderen Menschen einen Mehrwert bieten. So habe ich im November 2014 zum ersten Mal den NSAUA besucht und die Arbeit von Andre Meister porträtiert. Spannend als Podcaster war dabei, zum ersten Mal in den „heiligen Hallen der Demokratie“ in Deutschland zu sein. Mir war bis dahin gar nicht bewusst, dass der Bundestag im Rahmen von öffentlichen Sitzungen überhaupt zugänglich ist. Die Folge mit Andre sollte eigentlich eine einmalige Sache werden, wie alle Themen, die ich mit Am Mikrofon bearbeite.
Das Thema hat mich jedoch nicht losgelassen. Unzufrieden mit der stark verkürzten und oft sehr abstrakt distanzierten Medienberichterstattung, hatten Jonas Schönfelder und ich die Idee mit dem Podcast Technische Aufklärung. In den Pressestatements und Interviews kommen die Abgeordneten länger zu Wort als in den Sendekonstrukten von Radio und Fernsehen. Und gleichzeitig schaffen wir mit der Auswertungsrunde zusammen mit netzpolitik.org und anderen Beobachtern der öffentlichen Sitzung einen Raum für das, was zwischen den Zeilen geschieht: Die emotionale Ebene, die Blicke im Raum, den Eindruck der Zeugen und Abgeordneten auf uns.
Auch Daniel Lücking geht es um Berichterstattung, er kam durch einen anderen Umweg dazu:
Mehr durch Zufall hab ich im September 2013 entdeckt, dass das von Snowden kritisierte Unternehmen „VERIZON“ teil der Bundes-IT ist. Ich fand das zunächst so abwegig, dass ich nur einen „HaHa-Tweet“ darüber losließ und es auch schon fast wieder vergessen hatte.
Als dann der erste Stream der Expertenanhörung kam ging mir langsam auf, dass es wohl im Bundestag gar nicht so ein Problembewusstsein gibt. Ende Juni 2014 zündete die Information Dank Andre & netzpolitik.org dann voll durch. Er griff meine Recherche auf und das Bundesinnenministerium reagierte binnen weniger Tage mit der Bekanntgabe, das die Verträge mit Verizon nicht verlängert werden.
Seither bin ich im Thema NSAUA via Twitter und mit Artikeln dran – seit Kurzem auch via Podcast.
Daniel gehört zu den fleißigsten Twitterern, er und andere versuchen auch die Details am Rande mit einzufangen, die es leichter machen, ein lebendiges Bild vom Sitzungssaal zu bekommen, selbst wenn man nicht mit drinsitzt. Verfolgt man an Sitzungstagen den Hashtag #NSAUA bekommt man eine Fülle von Eindrücken – sowohl von Abgeordneten, ihren Mitarbeitern, der anwesenden Presse und den Besuchern. Schön ist, dass manche auch versuchen, die aktuellen Ereignisse einem englischsprachigen Publikum zugänglich zu machen, denn das kommt oftmals noch zu kurz.
Das ist wichtig und mehr als das, was uns ein normaler Nachrichtenbeitrag bieten kann, doch es ersetzt nicht die direkte Teilnahme am Untersuchungsausschuss-Theaterspektakel. Viele der häufigen Besucher waren sich einig, dass es unerlässlich ist, sich den Ausschuss einmal selbst anzusehen. So sagt wetterfrosch:
Als Bürger sind wir auf Zusammenfassungen und Einordnungen angewiesen. Aber jedem, der mehr als ein Liveblog oder Protokoll des NSAUA liest und die Gelegenheit hat, eine Sitzung zu besuchen, sei dies wärmstens empfohlen. Denn das gesprochene Wort und das geschriebene sind einfach nicht dasselbe.
Bei der Schmallippigkeit vieler Antworten lohnt es sich genau zuzuhören: Kann sich der Zeuge wirklich nicht erinnern? Wie klang es, als eingestanden wurde, dass Selektoren „aus Versehen“ gelöscht wurden?
Und die kleinen Details sind es auch, die die Atmosphäre des Ausschusses so spannend machen. Denn neben den Aussagen der Zeuginnen und Zeugen gibt es einiges an enttarnender Körpersprache, aufgeregten Tuscheleien in den hinteren Reihen und auffälligen Pausen, die wir kaum in einem Live-Blog wiedergeben können, auch wenn wir so gut es geht Anmerkungen machen, wenn bei den Regierungsvertretern aufgeregt die Smartphones gezückt werden oder die Pause zwischen Frage und Antwort auffällig lange dauert.
Die Aufruhr in den hinteren Reihen, als die Selektorenaffäre durch eine Veröffentlichung des Spiegels ins Rollen gebracht und die restliche Sitzung abgesagt wurde, war unbeschreiblich. Und man wünscht sich mehr solcher Momente, in denen den Verantwortlichen die Gesichtszüge entgleisen, weil sie ihr Gerüst an Geheimhaltung nicht aufrecht erhalten können.
Überwachung hat viele Gesichter
Die Details helfen, sich selbst ein Bild von der (Un-)Glaubwürdigkeit der erzählten Geschichten zu machen, aber sie bewirken vor allem eines: Sie geben der Überwachung ein Gesicht. Denn hinter den Kürzeln wie D.B., Dr. T. und Frau K. verbergen sich mehr als Dienstpositionen, die mechanisch zur massenhaften Überwachung aller beitragen, sondern Menschen. Nikolai Schnarrenberger, der uns im Rahmen seines Praktikums zum ersten Mal im NSAUA begleitet hat, beschreibt seine Eindrücke davon sehr bildhaft:
Im NSAUA gibt es die beinah einmalige Gelegenheit, live und in Farbe Geheimdiensten und Bundesregierung auf die Finger zuschauen. Manchmal sind das die zitternden Finger von BND-Zeugen, die wissen, dass sie jahrelang Grundrechte missachtet und Massenüberwachung voran getrieben haben. In aller Regel lässt sich aber beobachten, wie das Bundeskanzleramt und alle Regierungsparteien mit Händen und Füßen auf jeden Zentimeter Aufklärung einprügeln, der ihnen gefährlich werden könnte. Die Selbstgefälligkeit und der geheimdienstliche Aberwitz werden erst in den Mienen und Gesten der Oberschurken wirklich begreiflich.
Schon allein dafür lohne es sich, das Spektakel anzusehen, auch wenn er sonst nicht besonders optimistisch sei:
Wenngleich ich mich davon verabschiedet habe, dass der NSAUA grundlegend etwas am Treiben der Geheimdienste ändern wird, ist er ein erschütternder Blockbuster der jede Primetime sprengt.
Auch für wetterfrosch ist die persönliche Komponente eine Motivation, sich die Sitzungen anzusehen und sich ein Bild davon zu machen, wer für die Geheimdienste arbeitet:
Ich gehe zum NSAUA, weil ich wissen will um was für Charaktere von Menschen es geht, wenn die Rede von Geheimdiensten ist. Welches Auftreten haben diese Leute? Wie ernst nehmen sie etwa das Gremium? Sind es für die einzelnen Zeugen Stunden der Wahrheit – oder bringen sie zum Ausdruck, dass sie sich keiner Rechenschaft verpflichtet fühlen?
Die von wetterfrosch angesprochenen Charaktere könnten teils unterschiedlicher nicht sein. Auf der einen Seite gibt es Zeugen wie den Ex-BND-Präsidenten August Hanning, der jahrelang im Umgang mit Medienvertretern und Politikern geübt ist und an dem jegliche Kritik abperlt wie an einer brandneuen Teflonpfanne. Der sich mit überheblicher Selbstverständlichkeit aus jeder Verantwortung zieht und die im Raum stehenden Vorwürfe zurückwirft. Selbst dran schuld, dass man überwacht wird, wenn man unverschlüsselt kommuniziert. Für ihn ist das klar. Auch, dass jeder jeden überwacht. Das ist die Realität, findet euch damit ab und kümmert euch um eure Sicherheit – so seine Botschaft. Schuldbewusstsein: Nicht vorhanden.
Andere verlangen einem erhebliche Mengen Selbstbeherrschung ab. So etwa Alois Nöbauer, Leiter der Abhöranlage Gablingen. Mit selten gesehener Hybris und Starrköpfigkeit ließ er sich bitten und maßte sich dabei an, zu beurteilen, was zum Untersuchungsgegenstand gehöre oder nicht. Es wurde klar, Nöbauer ist es wohl nicht gewohnt, Rechenschaft abzulegen und mit seinem Verhalten hat er es geschafft, die Aufmerksamkeit eher auf Gablingen, denn von Gablingen weg zu lenken.
Bei manch anderen fragt man sich jedoch, wie sie es jemals in eine leitende Position geschafft haben. Frau K. zum Beispiel, langjährige Leiterin der BND-Tarnbehörde „Hauptstelle für Befragungswesen“. Sie glänzte durch vermittelte Inkompetenz, sei sie gespielt oder nicht. Als Volljuristin war sie nicht in der Lage, die Paragraphen zusammenzufassen, die ihren eigenen Angaben zu Folge Grundlage ihrer täglichen Arbeit waren und ihren Schilderungen nach zu urteilen interessierte sie sich außergewöhnlich wenig dafür, für welche Operationen sie jahrelang verantwortlich war. Menschen wie sie sind uns im Ausschuss viele begegnet. Sie sind unauffällig, grau, das Stereotyp eines Menschen, der nicht den Mund aufmacht, wenn etwas falsch läuft, sondern sich lieber hinter den Aktenbergen zurücklehnt und die Augen verschließt.
Wenn es darum geht, Überwachung ein Gesicht zu geben, sollte vor allem Stella Schiffczyk erwähnt werden. Sie begleitet uns seit einigen Monaten und war seitdem bei beinahe jeder Sitzung dabei, um mit Farbe und Geduld ein Bild von den Zeugen zu zeichnen, von denen es sonst nichts außer kryptischen Kürzeln gibt.
Neben den Zeugen zeigt der Ausschuss aber auch die Abgeordneten von einer Seite, die wir nicht aus Presseberichten kennen. Mateflaschen und Gummibärchen zirkulieren und so manchesmal fallen Sätze wie „Können Sie jetzt nicht endlich mal die Klappe halten?“. Die Atmosphäre ist mitunter Popcorn-würdig und die Erschöpfung hat, so scheint es manchmal, System. Auch Felix kann dem Ganzen etwas abgewinnen:
Ich finde es immer noch schräg mit welcher Selbstverständlichkeit der Ausschuss regelmäßig bis zum Zwangsabbruch um Mitternacht tagt. Das irritiert auch regelmäßig den ein oder anderen Zeugen. Zu Recht. Aber es lohnt sich für die Tribüne: Die Abendstunden fördern eine von Müdigkeit, Unterzuckerung und Unzufriedenheit gereizte Dynamik, die schon den ein oder anderen Showdown befördert hat!
Und dann wird es manchmal wirklich spannender als ein guter Tatort. Besucht man den Ausschuss zum ersten Mal, mag es einem seltsam vorkommen, dass die scheinbar gleichen Fragen wieder und wieder gestellt werden. Doch die vergangenen Sitzungen haben gezeigt, manchmal entrutscht den Zeugen beim zehnten Nachbohren doch eine Antwort oder ein entscheidendes Wort in der Frageformulierung trifft ins Blaue. Irgendwo zwischen juristischen Spitzfindigkeiten und Erschöpfung kommen immer wieder mal Wahrheiten ans Licht.
Und was erhoffen wir uns vom Untersuchungsausschuss?
Natürlich soll der NSA-Untersuchungsausschuss kein Selbstzweck bleiben. Doch was erhoffen wir uns von ihm außerhalb von mehr Öffentlichkeit für die zahlreichen Grundrechtsverletzungen durch Massenüberwachung? Jonas wünscht sich, „dass der Untersuchungsausschuss weiter zur Aufklärung beitragen kann und am Ende sinnvolle Empfehlungen für die Politik gibt.“ Das erhoffen wir uns auch, aber gleichzeitig ist auch zu befürchten, dass die Vorgehensweisen und das Rechtsverständnis der Dienste am Ende eher legitimiert und in Gesetz gegossen werden als dass ihnen Einhalt geboten werden wird.
Derartige Tendenzen haben wir beispielsweise bei der Weltraumtheorie gesehen, also der Rechtsauffassung des BND, dass Satellitenüberwachung im Weltraum stattfindet und dort keine Grundrechte gelten würden. Während die Opposition über eine derartige Einstellung schockiert war, schienen Bundeskanzleramt und Regierungsparteien keine größeren Probleme damit zu haben und eher daran interessiert zu sein, die Praxis schnellstmöglich in ein Gesetz zu überführen. Aber Pessimismus hin oder her: Wenn es den Ausschuss nicht gäbe, hätten wir keine andere Möglichkeit außer Whistleblowern, so viel über das Treiben von BND und Co. zu erfahren und öffentlich zu machen.
Also: Kommt vorbei und schaut euch mal eine Sitzung an. Dafür müsst ihr euch nur bis zum Vortrag des betreffenden Tages um 13.00 Uhr mit einer Mail an 1.untersuchungsausschuss@bundestag.de anmelden, in der das Datum der öffentlichen Sitzung, euer Name und Vorname sowie Geburtsdatum und Geburtsort stehen. Wir hoffen auf neue, interessierte Gesichter!
Und dann ein ganz eigenes Wort zum Schluss: Ohne die üblichen Verdächtigen, die teilweise hier zu Wort gekommen sind, wären die Sitzungen nicht halb so gut durchzustehen. Danke fürs Mitberichten, Podcasten und den Kaffee!
-
: Mascolo: Heimliche Kungelrunden zur Zukunft des BND
Der BND-Neubau in Berlin. (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC-BY-2.0</a> via : Mascolo: Heimliche Kungelrunden zur Zukunft des BND Georg Mascolo schreibt in der Süddeutschen Zeitung über die Bemühungen, den Bundesnachrichtendienst zu „revolutionieren“ und damit angeblich „internationale Signalwirkung“ zu erzeugen. Der Zugriff auf internationale Kommunikationsdaten, zum Beispiel am DE-CIX-Knotenpunkt in Frankfurt/Main, soll legalisiert und von der parlamentarischen Kontrolle besser überwacht werden.
Während sich der NSA-BND-Ausschuss noch um Aufklärung bemüht und gemäß seines Auftrags Empfehlungen für die Schlussfolgerungen aus den Untersuchungen erarbeiten wird, trifft sich offenbar eine klandestine politische Kungelrunde, die jenseits der öffentlichen Diskussion Weichenstellungen für die künftigen Regeln vornimmt, nach denen der BND arbeiten soll. Mascolo schreibt:
Mindestens vier Verhandlungsrunden hat es inzwischen gegeben.
Die SPD-Bundestagsfraktion mache Druck, denn:
Man dürfe nicht mehr bis zum Ende des NSA-Ausschusses warten.
Uneinigkeit zwischen den beteiligten Regierungsvertretern herrscht wohl nur noch über das Ausmaß der Überwachung, die legalisiert werden soll. Ob und wie ein Teil oder die gesamte internationale Kommunikation, die über deutschen Boden geht, kontrolliert werden soll, scheint strittig zu sein. Auch ob diese Kontrolle im Vor- oder Nachhinein passiert, wird noch verhandelt.
Mascolo sieht darin die bislang „deutlichste Reaktion auf die Snowden-Enthüllungen, ein echter Bruch mit dem bisher regellosen Geschäft des weltweiten Abhörens“ und fügt hinzu, dass das Kanzleramt nicht wirklich begeistert sei. Gegen eine gesetzliche Regelung hätten sich „Kanzleramt, BND und Innenminister Thomas de Maizière“ gemeinschaftlich vehement gewehrt.
Nach Mascolo hätte der angedrohte „Boykott“ durch „die mächtige G‑10-Kommission des Bundestags“, deren Genehmigungen der BND braucht, ein Umdenken befördert. In Zukunft soll für den BND nun ein „Mindestmaß an Menschenrechtsschutz“ Maßgabe werden. Das nun bald legalisierte Abhören von ausländischen Kommunikationen seitens des BND ist damit anscheinend vereinbar.
-
: Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „USA sind der Elefant, wir sind das Pony.“
Europasaal vor der Sitzung. : Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „USA sind der Elefant, wir sind das Pony.“ Heute tagt wieder der Geheimdienst-Untersuchungsausschuss im Bundestag. Diesmal ist August Hanning als Zeuge vorgeladen.
Seit 1986 ist Hanning in die Sicherheits- und Geheimdienstwelt involviert. Damals war er bis 1990 Geheimschutzbeauftragter in der Ständigen Vertretung der BRD in Ost-Berlin. Danach arbeitete er im Bundeskanzleramt mit Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer zusammen und wurde 1996 zum Abteilungsleiter ernannt.
1998 wurde er nach Hansjörg Geiger Präsident des BND. Er prägte während seiner Amtszeit das Selbstverständnis des BNDs als Dienstleister der Bundesregierung und trug zur Entscheidung bei, die BND-Zentrale von Pullach nach Berlin umzuziehen. Nach seiner Zeit als BND-Präsident war er 2005 bis zu seinem Ruhestand 2009 zum Staatssekretär im Bundesinnenministerium, unter anderem zuständig für die Innere Sicherheit.
Hanning war also während der vielen Jahre in zahlreiche Prozesse und Entscheidungen involviert, auch das Auftreten vor Untersuchungsausschüssen kennt er bereits, auch beim NSU-Untersuchungsausschuss trat er als Zeuge auf – fiel aber primär dadurch auf, dass er den Verfassungsschutz lobte.
Wir sitzen wie immer drin und bloggen live, heute leider ohne zeichnerische Begleitung von Stella Schiffczyk.
Gliederung
- Gliederung
- Vorbemerkungen
- Einleitung: Vorsitzender
- Zeuge 1: August Hanning, ehemaliger BND-Präsident
Vorbemerkungen
Disclaimer: Dieses Protokoll ist nach bestem Wissen und Können erstellt, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder umfassende Korrektheit.
Dargestellte: Abgeordnete und Zeugen, gerne korrigieren und vervollständigen wir Ihre Aussagen. Kontaktieren Sie uns!
Todo: Links und Zusammenfassung
Den Podcast zum Untersuchungsausschuss könnt ihr bei Technische Aufklärung nachhören, in der 16. Folge.
Wer uns unterstützen möchte, darf gerne spenden.
Update: Das offizielle stenografische Protokoll gibt es auf bundestag.de als PDF (Mirror bei uns).
Einleitung: Vorsitzender (09:08)
$Begrüßung
Zeuge: August Hanning, ehemaliger BND-Präsident
August Hanning, 69, Invalidenstraße 16, Berlin.
Eingangsstatement
War zwischen November 1989 und November 2005 BND-Präsident, dann Staatssekretär im BMI. Untersuchungsgegenstand Zusammenarbeit mit US-Diensten.
Gab gravierende Ereignisse in Amtszeit. Kosovo, Anschläge auf World Trade Center, Terror in EU und Türkei, Afghanistan. Knappe Ressourcen, alle Möglichkeiten mussten genutzt werden.
Neben interner Organisation war Kooperation mit AND wichtig. Sowohl EU (F, GB) als auch USA. USA verfügten über mehr Ressourcen als BND. Beispiel:
BND ist auch militärischer ND, für militärische Lagebeurteilung zuständig. Zusammenarbeit mit NATO/USA nötig.
Nach 9/11 gab Schröder Regierungserklärung: „uneingeschränkte Solidarität“ mit USA, jede erdenkliche Hilfe.
Enge Kooperation half, wichtige Informationen zu Attentätern zu ermitteln. Standort in Hamburg war wichtig, besonders für deutsche NDs.
Nach 9/11 viele Kontakte von Bundesregierung zu US-Regierung und NDs. War selbst regelmäßig in USA, habe Erkenntnisse und Bewertungen ausgetauscht.
Terroristische Bedrohung präsent, zum Beispiel Al-Quaeda, Anschläge in Madrid, London, Istanbul. Große Gefahr weiterer Terroranschläge.
Zusammenarbeit mit US-NDs war während Amtszeit und später wichtig, um weitere geplante Anschläge in und außerhalb Deutschlands zu verhindern.
In NATO eng mit US-NDs kooperiert, Vielzahl von Anschlägen verhindert. Zum Schutz der Soldaten von Bedeutung.
Deutschland und USA haben unterschiedliche Auffassung über Opportunität des Krieges, aber BND war in der Lage, Bundesregierung optimal zu unterrichten.
Verhältnis BND/NSA: Habe mich über Probleme unterrichten lassen. Probleme in Abteilung 2 [Technische Beschaffung] kritisch. Technische Entwicklung rasch vorangeschritten und BND hatte nicht notwendige Ressourcen.
Prüfung von Verbesserungen, wäre nur mit erheblichem Aufwand gegangen. Reformbedarf wurde dringender. 2002 verschiedene Diskussionen, Ergebnis: Dringend zusätzliche Anstrengungen zur Ertüchtigung des BND.
Habe Breitfelder (ehem. Abteilung 6) als Leiter Abteilung 2 vorgeschlagen. Wesentlich: Enge technische Zusammenarbeit mit NSA. Sowohl bei Vorbereitung als auch Umsetzung sichergestellt, dass deutsches Recht beachtet.
Ohne Kooperation mit AND wäre BND nicht in Lage gewesen, Aufgaben erfolgreich zu erfüllen. Kein Vorgang, aus dem sich ergeben hätte, dass vereinbarte Koopereration von USA gegen Deutschlands Interessen genutzt wurde. Viele Einzelheiten nach zehn Jahren nicht mehr in Erinnerung. An vielen Besprechungen teilgenommen.
Fragerunde 1: Vorsitzender (09:23)
Sensburg: An Aussagen in früherem BND-UA gehalten. Damals SIGINT wenig Untersuchungsgegenstand. Hier stärker im Fokus.
Möchte nicht großartig Rahmen einordnen, aber nochmal wissen: Wie war vor 9/11 Schwerpunktsetzung SIGINT? HUMINT in Ländern, SIGINT Randerscheinung? Oder weltweit vorne, State of the Art?
Hanning: SIGINT war immer von Bedeutung. Dank ziviler Aufklärung wichtige Ergebnisse erzielt. Problem: Kommunikationstechnik raschem Wandel unterworfen, mehr Internetverkehr, Glasfaser, neue Technologien.
BND hatte Schwiergkeiten, zu folgen. BND einordnen fällt mir schwer, habe auf überragende Fähigkeiten US-NDs hingewiesen. BND in EU ganz gut aufgestellt, verglichen insbesondere mit USA-Fähigkeiten verbesserungsfähig.
Sensburg: Breitfelder u.a. haben Eindruck vermittelt, dass BND Anfang 2000er nicht auf Höhe der Zeit war. USA, GB, F waren deutlich kompetenter bei SIGINT. Will aufhellen, wie Motivation der Kooperationen war, Interessenslagen. Kann mir vorstellen, dass hohe Motivation, Wissensvorsprung aufzuholen.
Hanning: Ja, bei Amtsantritt war die Frage: Wie können wir verbessern? Bei Diensten war neue Technik große Herausforderung. Man muss Vorkehrungen treffen, dass man überwachen kann. BND hatte Defizite, hatte mit Internetverkehren zu tun. BND hat sich schwer getan, haben wir nicht als gottgegeben hingenommen.
Wollten uns verbessern. Brauchte Ressourcen, Vertrauen, Zustimmung des Parlaments.
Sensburg: Grundsätzlich erkannt: Da müssen wir uns verbessern. Welchen Einfluss hatte 9/11 für SIGINT?
Hanning: Hat sich rausgestellt, dass bei Vorbereitung der Anschläge sehr vernetzt vorgegangen wurde, Hamburg, Kuala Lumpur, Pakistan. Viel Kommunikation, Möglichkeit für NDs, das zu untersuchen und Anschläge zu verhindern. War wichtiger Aspekt. Funkaufklärung bei Terrorismus von Bedeutung. Arbeitsteilig vorgehen, mit Polizei.
Sensburg: Insgesamt, auch SIGINT: Hatte man Sorge, dass uns Dinge durchgehen. War in Zusammenarbeit wichtig?
Hanning: Ja, andere waren weiter, mit erheblichen Investitionen. Frage: Was tun wir? Klar und deutlich benannt, dann Programm zur Verbesserung entworfen.
Sensburg: MoA 2002, Memorandum zu Kooperation mit NSA in Bad Aibling von ihnen unterzeichnet?
Hanning: Ja.
Sensburg: Wie damit beschäftigt?
Hanning: Bad Aibling von US-Armee errichtet, war wichtig für die, zur Auswertung und Erfassung von Krisenkommunikation. Nicht von NSA betrieben, sondern von US-Armee. Relikt aus Besatzungszeit. Unterschiedliche Auffassungen, USA sagten: „Wollen das weiterbetreiben“. Habe dann gesagt: Verletzt deutsche Souveränität.
Schwierige Diskussionen, auch in US-Kongress. Wollten nicht so wichtige Station abgeben. Mit Michael Hayden gesprochen: Wir müssen eine Lösung finden.
Sensburg: Wann war das?
Hanning: Ca. 2001, Monat KA.
Sensburg: Vor September?
Hanning: War völlig unabhängig von 9/11. Auf meinen Vorschlag hin Dreiergespräch in Berlin mit General Alexander. Vereinbart, dass Status verändert wird. Bad Aibling unter deutscher Hoheit, USA bekommen über BND die wichtigen Infos. Beachtung deutscher Interessen. Absprachen für MoA, MoA nur juristische Form.
Bad Aibling dann unter BND-Hoheit gestellt.
Sensburg: Ausgestaltung MoA: Einhaltung deutschen Rechts wesentlich. Ging um Einhaltung deutscher Interessen…
Hanning: Interessen hat jeder.
Sensburg: War nicht die Frage. Hatte man gemeinsames Interesse in MoA fixiert? Oder jeder jeweils eigene Interessen formuliert?
Hanning: Immer unterschiedliche Interessen, nicht nur Bad Aibling, auch bei Kooperation mit anderen NDs. Geschäftsgrundlage in ND-Bereich. Aber große Schnittmengen: Kommunikation in Krisenregionen, aber beide auch eigene Aufklärungsinteressen. Interessen des anderen sollten nicht beeinflusst werden.
Sensburg: Gemeinsames Ziel im MoA definiert oder jeder sein Ding?
Hanning: Kannten nicht Auftragsprofil der NSA, NSA kannte nicht APB. APB ist geheim, das wurde nicht ausgetauscht. Aber war klar, wofür man sich interessierte. Viele gemeinsame Interessen in NATO, sehr breite Schnittmenge. Klar, dass wir andere Sichtweisen haben wie USA.
Sensburg: Einordnung: Damals Steinmeier festgestellt, dass die Kooperation voll Transparenz unter Achtung deutschen Rechts durchzuführen. Kann das eingehalten werden, wenn jeder sein Ding macht?
Hanning: War Massengeschäft. Sensibilität in Abteilung war hoch. Bad Aibling wurde deutscher Hoheit unterstellt, weil wir das kontrollieren wollten.
Sensburg: Das ist Knackpunkt – Massengeschäft. Geht um Vielzahl von Daten, wobei für den Einzelnen sein jeweiliges Datum relevant ist. Vor Hintergrund Feststellung Steinmeier: War das gewährleistet?
Hanning: Meiner Meinung nach ja. Glaube, Steinmeier war einverstanden, wurde ja auch Bundeskanzleramt vorgelegt. Alle Vorkehrungen getroffen, war auch Meinung von Bundeskanzleramt-Chef.
Sensburg: Chef Bundeskanzleramt darauf angesprochen, was ihm gemeldet wird. Wenn Mitteilung „Massengeschäft“, dann wirkt Kontrolle und Transparenz unwahrscheinlich, weil individuelle Interessen.
Hanning: Widerspreche, Großteil der Interessen identisch. Krisenregionen. Intensiver Austausch. Keine großen Gegensätze. 95% Aufklärung keine Gegensätze, nur andere Prioritäten, große Schnittmengen. Hatte keine Bedenken.
Sensburg: Kommt mir auf die anderen 5% an. Betreffen die Interessen im Negativen deutsche Interessen, weil europäische Belange? Zum Beispiel um politische Entscheidungen der US-Regierung vorzubereiten. Wie hat man das Gewollte denn tatsächlich gewährleisten können, dass nicht EADS und Eurocopter eingesteuert werden?
Hanning: Mag so sein, fragen sie nicht nach technischen Einzelheiten. Abteilung hat mir das vorgestellt, beraten, erörtert mit Bundeskanzleramt. Bin so unterrichtet worden, gab Mechanismen, die mir von Abteilung vorgestellt wurden.
Sensburg: Welche Abteilung hat technische Expertise vorgestellt?
Hanning: Abteilung 2, vermutlich Abteilung 6 mitgewirkt. Verantwortlich für die Umsetzung.
Sensburg: Kann mir vorstellen, dass Abteilung 2 in positivem Hype war, weil man neues Baby hatte.
Hanning: Nein. Breitfelder hat seine Bedenken zur Sprache gebracht. War juristisch bestens ausgestattet. Wusste genau, dass USA eigene Interessen hatten und Interessensabgrenzung hohe Bedeutung hat. Euphorie haben wir nicht empfunden. Große Aufgabe, schwierig. Musste erörtert werden, gab Entscheidungen. Dachte, Abteilung schafft das, kann das leisten.
Sensburg: Zweiter Aspekt: Transparenz durch BND. Wie machte sich das in Kooperation bemerkbar?
Hanning: KA, in bestimmten Bereichen Transparenz notwendig für Kooperation mit Partner. Muss Mindestmaß gewährleistet sein gegenüber Partner. Wie genau das in Bad Aibling war, KA. Habe von Schwierigkeiten gehört, Abstimmungen, Mechanismen. Führte auch dazu, dass Präsident eingeschaltet wurde.
Sensburg: Also nicht alles nur entspannt, immer wieder Diskussionen. Kann das mit Machtgefälle zusammenhängen?
Hanning: Sicher: USA sind der Elefant, wir sind das Pony. Muss man sich wappnen. Ponys sind schneller, haben sehr qualifizierte Mitarbeiter.
Hatten zum Teil technische Defizite, aber engagierte Mitarbeiter. Auch das Pony hat Qualitäten, manchmal haben USA sich gewundert.
Sensburg: Unterschiede der NDs: USA legt viel Wert auf SIGINT, Anhäufen von Daten. BND auf HUMINT und Kombination, relevante Dinge finden?
Hanning: USA sehr unterschiedlich organisiert. Unterschiedliche Tendenzen, SIGINT fördern, HUMINT war mit Risiken verbunden.
BND großen Vorteil: Alles unter einem Dach. SIGINT/HUMINT, konnte komplex auswerten. Synergieeffekte. Deshalb Neubau in Chausseestraße.
USA in vielen Teilen technisch sehr gut, aber Probleme, sich zu koordinieren. BND kann verschiedene Aufklärungsansätze verbinden, ist ziviler und militärischer Dienst.
Sensburg: Seit halber Stunde MoA-Überlegungen. Hat es so eine Diskussion im Vorfeld auch zum MoA gegeben?
Hanning: Ja.
Sensburg: Wer hat das formuliert?
Hanning: Soweit ich mich erinnere BND. Weiß nicht genau.
Sensburg: War das Alltagsgeschäft?
Hanning: Nein, haben das genau erläutert, mit Bundeskanzleramt abgestimmt.
Sensburg: Mündlich?
Hanning: Enger Kontakt zu Bundeskanzleramt. Wie genau, KA. MoA wiederholt mit Bundeskanzleramt beraten, schriftlicher Abstimmungsprozess.
Sensburg: Wieviele Treffen?
Hanning: KA.
Sensburg: Aber gab welche?
Hanning: Ja.
Sensburg: Wer teilgenommen?
Hanning: Uhrlau, Abteilungsleiter, Fachebene. Chef Bundeskanzleramt, jeden Dienstag getroffen.
Sensburg: Wie lange ging der Prozess bis zum Abschluss MoA?
Hanning: Keine Ahnung, längerer Prozess.
Sensburg: Hatte Bundeskanzleramt mehr Bedenken als BND?
Hanning: Ist Aufgabe der Aufsicht, skeptisch zu sein. Wie genau das war, KA. Vermutlich Text wegen Bundeskanzleramt verändert, Details KA.
Fragerunde 1: Linke (09:58)
Renner: Sagen, haben Aufklärungsprofil NSA nicht gekannt. Aber NSA hat Suchbegriffe/Selektoren übergegeben. Mind. seit 2005 angesehen und Rückschlüsse auf Aufklärungsziele ziehen können. Kennen sie den Vorgang?
Hanning: Nein. Nicht im Einzelnen mit den Anforderungen befasst worden.
Renner: Hieß es: wir haben unter den Suchbegriffen Ziele mit EU-/Deutschland-Bezug gefunden?
Hanning: Soweit ich mich erinnere nein.
Renner: Können sie sich vorstellen, warum NSA EADS ausspionieren wollte?
Hanning: KA, Proliferation hat immer große Rolle gespielt. NSA hat auch deutsche Firmen im Visier, zum Beispiel mit Standorten in Iran. Nicht ungewöhnlich, BND macht das ja auch. Keine Überraschung.
Renner: Steht in Raum: NSA hört seit vielen Jahren Regierung, Bundeskanzleramt, … ab. Handynummern, Dienstanschlüsse. Spiegel sagt, selbst BND war Aufklärungsziel. Weiß ja, BND war an illegalen Waffengeschäften beteiligt…
Hanning: War er nie. Dienste können abhören, jeder, der offen kommuniziert, muss damit rechnen, abgehört zu werden.
Renner: Haben sie das mal der Bundesregierung kommuniziert?
Hanning: Bin nicht dafür verantwortlich. In Deutschland schlechte Sicherheitskultur, viel über offene Leitungen kommuniziert. Kompensieren das mit Empörung über Dritte.
Gute Möglichkeit für AND.
Renner: Das ist vollkommen normal? Sollen wir Straftat „Geheimdienstliche Agententätigkeit“ streichen? Opfer ist schuld?
Hanning: Verstehe Argumentation nicht. NSA ist nicht deutschen Gesetzen unterstellt. Natürlich verletzen wir nationales Gesetz, wenn wir chinesische Unternehmen ausspähen.
Renner: NSA in Deutschland agiert auf welcher Grundlage? Rechtsfreier Raum? Ihre Rechtsauffassung, dass sich NSA in Deutschland nicht an deutsche Gesetze halten muss?
Hanning: Andere Dienste doch auch.
Renner: Sie sagen, das ist vollkommen ok?
Hanning: Überhaupt nicht.
Renner: Also hat sich NSA an deutsche Gesetze zu halten?
Hanning: NSA hält sich an US-Gesetze, BND an deutsche Gesetze.
Renner: Eikonal: Abgriff ohne Wissen PKGr, Telekom, Bundeskanzleramt. Wussten sie von Anfang an, dass Operation für NSA gemacht wurde?
Hanning: War gemeinsame Operation unter Wahrung deutscher Interessen.
Renner: PKGr war nicht unterrichtet.
Hanning: Weiß ich nicht.
Renner: Kennen sie Transit-Vertrag?
Hanning: KA.
Renner: Irgendeinen Vertrag?
Hanning: Vermutlich gelesen.
Fragerunde 1: SPD (10:08)
Flisek: Situation vor Memorandum: War nicht auf Grundlage deutschen Rechts, Sonderrecht der Alliierten?
Hanning: Mit Rechtslage nicht beschäftigt. Mir war klar, dass Relikt aus Besatzungszeit. Haben in Deutschland ja einige Relikte aus der Zeit: Ramstein, Stuttgart.
Muss anerkennen, dass USA eigenes Interesse am Schutz ihrer Institutionen haben.
Flisek: Neben Ertüchtigung BND-SIGINT war eine Motivation auch, Bad Aibling in Zustand zu überführen, der deutschem Recht angenähert wird?
Hanning: Ja, habe gesagt: Wir können das nicht akzeptieren, weil Souveränität.
Flisek: MoA geistert seit Anfang in UA rum. Sehr komplexes Werk, haben mehrfach Zeugen gehabt, die operativ tätig waren, mit Selektoren, Datenbanken, etc.
Haben die gefragt, ob ihnen MoA bekannt. Antwort immer: Nein. Gefragt, ob es Richtlinien/Anweisungen über Inhalt MoA gab, zum Beispiel, wie deutsche Interessen definiert sind. Auch durchweg: Nein, nicht bekannt.
Habe mir immer Frage gestellt: Wie kann man so etwas Komplexes operabel machen, runterbrechen auf Mitarbeiter? Dass sich jeder daran hält. Wie wurde das sichergestellt?
Hanning: Glaube nicht besonders an Dienstvorschriften. Habe vier bis fünf Ordner gesehen und sie dann eingedampft. Kann unterschiedliche Zwecke haben, Vorgesetzten entlasten.
Wichtig, dass Leute sich daran halten. Entscheidend ist, dass die am Arbeitsplatz genau wussten, was sie zu tun hatten. Ob durch Belehrung von Vorgesetzten oder Vorschrift, egal. Müssen Vorgesetze dafür sorgen.
Gab in Bad Aibling sicher Leiter, der das wusste.
Flisek: Haben Eindruck vermittelt bekommen, 100%-ige Sicherheit kann es nie geben, aber annähernd. Hat sich bei letzten Zeugen geändert, weil viel Wert auf G‑10-Fragen gelegt. Durch Paketvermittlung greift das nicht mehr so, dann Frage gestellt: Wie gut hat das nach Automatisierung funktioniert?
Wie wurde das sichergestellt, dass deutche und europäische Interessen nicht verletzt wurden? Das ist alles in MoA geregelt, aber Umsetzung … Woran lag das? Habe Eindruck, Dinge wurden nicht so bearbeitet, wie wir uns das vorgestellt haben. Stelle mir die Frage: Wenn sie zurückschauen, sehen sie Defizite?
Hanning: Kann nur über meine Amtszeit reden. Da war vieles neu. Wie selektiert man? Händisch?
Sie kommen aus Retrospetive. Schwer, das alles zu bewerten. Filtertechnik geht voran, muss weiterentwickelt werden. KA, ob das immer zuverlässig geschehen ist.
Aufklärungsschwerpunkt in Bad Aibling waren Krisenregionen: Da stellen sich viele Fragen anders. Nur kleine Teile der relevanten Kommunikationen.
Zu meiner Amtszeit begonnen, Vorkehrungen zu treffen.
Flisek: Bis zu welcher Stelle durfte man Text des MoA kennen?
Hanning: Abteilungsleiter sicher, eventuell auch Sachgebietsleiter. Mussten sich neu einfinden in Kooperation, da spielen die kritischste Dinge wichtige Rolle. Problemlage war allen Beteiligten sehr klar. War schon immer Thema für alle, hinreichend problembewusst.
Flisek: Kein leichtes Spielfeld. Operative Mitarbeiter haben gesagt: Sie haben gemacht, was Vorgänger gemacht hat, Business as usual. Keine klaren Vorgaben.
Sie sind kein Techniker, aber als Jurist: Müsste man mal zu Papier bringen, wäre Mehrwert?
Hanning: Glaube ich nicht. Grenzen der Zusammenarbeit müssen ja immer eingehalten werden. Beteiligten haben das im Hinterkopf. Gab immer unterschiedliche Ansichten. Hatte nicht Eindruck, dass BND-Mitarbeiter konfliktscheu waren. Schon sehr selbstbewusst.
Alle wussten um Sensibilität.
Flisek: Zusammengefasst: Von Beginn Kooperation bis Snowden war Schwerpunkt G‑10, was ist G‑10-relevant, Rest eher untergeordnet. Eindruck bei Zeugenvernahme: Bei G‑10-Prüfung auf altbekannte Mittel zurückgegriffen, einfache Filter.
Richtig?
Hanning: Wie genauer Vorgang, KA. Bekannt, dass solche Techniken exisitieren. Eindruck: Ausfilterung großzügig, auch Dinge, die nicht G‑10 unterlagen. Wie in anderen Bereichen: Unterschiedliche Kategorien.
Bad Aibling nicht ganz so kritisch, kein hartes Widersprechen von Interessen.
Flisek: Haben eingangs politische Lage während Amtszeit geschildert. In der Situation: Gab es von politischer Leitung einen „Freibrief“? Nach dem Motto: „Gehen sie an die Grenzen des Rechts und darüber hinaus – für die Sicherheit“?
Hanning: Nein, deutsche Behörden halten sich streng an Recht und Gesetz. Auch BND. Dehnung von Recht und Gesetz: Nein.
Gab immer Rechtsabteilung mit Rechtsbedenken, BND ist da gut organisiert. Gab natürlich politische Weisung, mit USA-NDs zusammenzuarbeiten.
Flisek: SIGINT: In ihre Zeit fiel enorme technische Entwicklung und immer mehr Bedeutung von Internet. Diese Verkehre um den Globus gehen nach ganz anderen Regularien als leitungsvermittelter Verkehr. Hatten hier Frage: Wie sieht das mit Routineverkehren aus.
Offensichtlich mit G‑10-Anordnungen tätig gewesen, um Kabelzugriff im Frankfurt am Main zu bekommen (Eikonal). Gibt kein spezielles Anordnungsinstrument für Regelverkehr in Deutschland. Man spricht in Akten von „Türöffner“, um Regelverkehr zu überwachen? Bewertung?
Hanning: Regelverkehre in Deutschland unterliegen nicht G‑10-Gesetz. Anders bei Verkehren, die deutsche Grundrechtsträger betreffen. Soweit so, dass von Systematik des Gesetzes so, dass G‑10-Kommission den Eingriff in deutsche Grundrechtsträger überwacht. G‑10 aber auf deutsche Grundrechte begrenzt. Und auf deutsche Grenzen.
Warum Anordnung getroffen wurde: KA. Kann vorsorglich sein. Wie im Einzelnen Diskussion war: KA.
Fragerunde 1: Grüne (10:32)
Notz: Erinnerung an Bedenken der Telekom?
Hanning: Ja, gab Diskussion mit Bundeskanzleramt. Dann Brief geschrieben worden.
Notz: Von wem?
Hanning: Soweit ich weiß Bundeskanzleramt.
Notz: Bitte einordnen, dass von Bundeskanzleramt ein Brief kommt, wo drin steht: Das passt schon.
Hanning: Rechtliche Auswertung Sache von Bundeskanzleramt.
Notz: Haben sie darum gebeten, Unterlagen des Vorgangs an BND zurückzuschicken?
Hanning: KA.
Notz: Wie erklärt sich so eine Praxis?
Hanning: KA.
Notz: Freibrief wurde geschrieben, Unterschied G‑10 und Regelverkehr nicht mehr möglich, brauchte also doch G‑10-Genehmigungen.
Sind 2005 von BND-Chef zu Innen-Staatssekretär geworden. Da wurde diese merkwürdige G‑10-Genehmigung gestrickt. Warum?
Hanning: Von einzelnen Sicherheitsbehörden beantragt. Mir vorgelegt worden als Staatssekretär. Auf Schlüssigkeit geprüft, nicht im Einzelnen eingestiegen. Kann Einzelheiten nicht sagen.
Notz: Wurde G‑10-Kommission informiert, dass es BND primär um Regelverkehr ging, um mit AND zu teilen?
Hanning: KA.
Notz: Telekom hat gesagt: Wir lassen sie nur ran mit G‑10-Anordnung. Wenn man Kontrollgremium wie G‑10-Kommission nicht über vollständigen Sachverhalt informiert, was ist das dann?
Hanning: KA, ob das zutrifft.
Notz: Wurde G‑10-Kommission informiert, dass Daten mit AND geteilt wurden?
Hanning: KA.
Notz: Wissen sie, dass in anderen Ländern strafbar ist, wenn man parlamentarische Kontrollgremien nicht vollständig informiert?
Hanning: KA. Bin davon ausgegangen, dass vollständig informiert.
Notz: Ausgeschlossen in MoA, dass NSA noch eigene Erfassungen in Deutschland macht?
Hanning: KA.
Notz: Nicht gesagt: So ein bisschen Erfassung dürft ihr noch machen?
Hanning: Soweit ich weiß, war BND verantwortlich für Betrieb.
Notz: Ja, aber durfte eigene Erfassung gemacht werden?
Hanning: Soweit ich weiß nicht, denke, das wurde umgesetzt wie in MoA.
Notz: Europäische und deutsche Interessen: Wurden die in MoA geschützt?
Hanning: Was sind denn europäische Interessen? Mir sind europäische Interessen unklar, alle haben andere Interessen.
Notz: Das ist Problem bei Kooperationen. Satz von Merkel: Abhören unter Freunden…
Ist das aus ihrer Sicht naiv?
Hanning: Will ich nicht kommentieren.
Notz: Können sie damit etwas anfangen?
Hanning: Nein.
Notz: Wissen sie was zu Snowden-Papieren, dass Selektoren eingesteuert werden?
Hanning: Nicht im Einzelnen gelesen, Herr Ströbele weiß da mehr.
Notz: Selektorenproblematik: Die liegen im Safe bei BND und Bundeskanzleramt, gibt es wirklich.
Überrascht sie das, dass viele 10.000 drin sind, die deutsche Interessen verletzen?
Hanning: KA. Wird immer gleich Spionage unterstellt, kann nur spekulieren. NSA verfügt über große Fähigkeiten, auch, dass deutsche Ziele ausgespäht wurden. Auch in Terrorismusbereich.
Fragerunde 1: Union (10:43)
Warken: Eikonal, Transit. Wissen bisher, dass Telekom Bedenken hatte, dann gab es Abendessen zwischen ihnen und Herr Ricke. Näheres dazu? Was besprochen?
Hanning: Habe gehört, Herr Ricke hat keine angenehme Erinnerung an Abendessen. Ich habe nur angenehme Erinnerungen. Ging nicht um Operationen.
Warken: Im El Punto in Bonn. Da die Weichen zu Eikonal gestellt?
Hanning: Nicht im Detail an Gespräch erinnern, ging aber nicht über operative Dinge.
Warken: Wann von Bedenken der Telekom erfahren?
Hanning: Von Abteilung aus. Haben das angeschaut, gesagt, Dienststelle muss entscheiden, wie wir agieren, wie wir Telekom überzeugen.
Warken: Unterschiedliche Ansichten dazu in BND und Bundeskanzleramt?
Hanning: KA. Entscheidend, was Uhrlau gesagt hat.
Warken: Ende 2003, als es Überzeugungsbrief gab, der zu Transit-Vertrag geführt hat: Persönlichen Kontakt zu anderen Telekom-Mitarbeitern gehabt?
Hanning: Soweit ich weiß nein.
Warken: Wunsch nach was Schriftlichem? Wer geäußert?
Hanning: Vermute, Telekom war Brief Bundeskanzleramt lieber als Brief von BND.
Warken: Waren sie beteiligt an Abstimmung?
Hanning: KA über Details, Brief war ja erfolgreich.
Warken: Innerhalb Bundeskanzleramt, nur Thema in Abteilung 6 oder auch Spitze Bundeskanzleramt?
Hanning: KA, in G‑10-Bereich immer enge Kontakte zwischen Abteilung 2 und Bundeskanzleramt. War nicht direkt beteiligt.
Warken: Kam so ein Überzeugungsbrief öfter vor?
Hanning: Nein, solche Operationen nicht so oft gestartet. Soweit ich mich erinnere, der einzige in meiner Amtszeit.
Warken: Wann wurde Vertrag geschlossen?
Hanning: KA.
Warken: Wer hat für BND unterzeichnet?
Hanning: KA, bin bestimmt unterrichtet worden.
Warken: Was war Inhalt?
Hanning: Vermute, ging um Genehmigung zum Abgriff.
Warken: Paket- oder leitungsvermittelt?
Hanning: KA.
Warken: Telekom wurde nicht informiert, dass das ein Kooperationsprojekt BND-NSA war?
Hanning: Anzunehmen, dass nur mitgeteilt, was erforderlich war. Geht um „Need to Know“.
Warken: Keine Verpflichtung, das zu sagen?
Hanning: Wie BND mit Verkehren umgeht, ist Sache des BND.
Warken: Wie denken sie, hätte die Telekom reagiert?
Hanning: Vor Snowden: Aufregung wäre mäßig gewesen.
Warken: Paketvermittelte Verkehre: War Telekom zu riskant, das allein auf Grundlage von Transit auszuleiten. Wann sie erstes Mal mit den Bedenken konfrontiert?
Hanning: KA, wenn, dann bestimmt durch Abteilung 2.
Warken: Wissen auch nicht genaue Bedenken, Rücksprache mit Bundeskanzleramt?
Hanning: Kam drauf an, ob man Problem alleine lösen konnte. Wenn es schwierig wird, unterrichtet man den Präsidenten.
Warken: Besprechung Bundeskanzleramt mit Uhrlau etc. Warum sie da nicht dabei?
Hanning: BND-Präsident hat Arbeitszeit von 60–70 Stunden und viele Aufgaben. Priorisierung. Rechtsfragen immer gut von Bundeskanzleramt mitbeantwortet. Uhrlau war da. Präsident in der Regel nicht eingebunden.
Warken: Keine Vorgaben gegeben?
Hanning: KA.
Warken: Vermerk zu Ergebnis: Kein Handlungsbedarf, Gutachten und Unterrichtung G‑10-Kommission ausgeschlossen, „nicht vermittelbar“.
An sie herangetragen worden?
Hanning: KA.
Warken: Wie haben sie beurteilt, ob man die Verkehre ausleiten darf?
Hanning: Bin Zeuge, keine Rechtseinschätzung.
Warken: Wie haben sie damals darüber gedacht, wie ist Diskussion verlaufen?
Hanning: KA.
Warken: Aber Vorgang bekannt, dass kein förmlicher Beschluss von G‑10-Kommission herbeigeführt?
Hanning: Kommunikation mit G‑10-Kommission lief in der Regel innerhalb der Kommission ab. BND-Präsident in der Regel nicht dabei, nur einmal im Jahr dabei.
Warken: Pragmatische Begründung dann einfach so gefunden?
Hanning: KA.
Ostermann: Glotaic, Spiegelbericht über „Legende von Hilden“. Können sie was in öffentlicher Sitzung dazu sagen?
Hanning: Fand den Spiegelbericht interessant, habe selbst keine großartigen Erkenntnisse. Soweit ich mich erinnere, Idee der US-Seite, ging nicht um Erfassung deutscher Verkehre. Muss aufpassen – was hab ich gelesen und was weiß ich. Eine Operation unter mehreren und vielen. US-Seite initiativ geworden.
Wolff: Inhalte der Operation NÖ.
Ostermann: Was erhoffte sich BND davon?
Hanning: Terrorismus, natürlich haben wir Interesse daran. USA hatten da besonderes Interesse. US-Dienststellen dahingehend besonders exponiert. Auf deutscher Seite schwer, so einen Vorschlag der USA abzulehnen. Operation wurde dann ja wohl auch durchgeführt.
Ostermann: Wer hat Grundsatzentscheidung getroffen, die Operation durchzuführen?
Hanning: Präsident, dafür hält man sich den doch? [lacht]
Ostermann: Rolle Bundeskanzleramt?
Hanning: KA, muss nicht immer unterrichtet sein.
Ostermann: Also bei Glotaic nicht informiert?
Hanning: Wenn, dann informell.
Ostermann: Rechtliche Bedenken bei Zusammenarbeit?
Hanning: Mich erkundigt, ob rechtliche Bedenken vorhanden. Dann Expertise bekommen: Geht so.
Ostermann: Was ist da zitiert worden?
Hanning: G‑10-Gesetz, ist ja eventuell Eingriff in deutsche Grundrechtsträger.
Ostermann: Berichtet, dass Operation abgeschirmt war. Wer kann das veranlassen?
Hanning: KA, mit Sicherheit der Präsident. Wird Votum von Fachabteilung bekommen. Administrativer Vorgang, kann nicht innere Abläufe sagen. Im Ergebnis wohl der Präsident.
Ostermann: Haben sie die Abstimmung am 15.08.2003 veranlasst?
Hanning: KA, wahrscheinlich. Bestimmte Regularien, dass diejenigen, die Einsicht nehmen können, eingegrenzt sind.
Ostermann: Wie wird Abgeschirmtheit verfügt?
Hanning: Im Einzelfall.
Ostermann: Wie in Verhältnis zu Unterrichtung Bundeskanzleramt?
Hanning: KA. Gibt formelle und informelle Schiene. Wie genau abgelaufen, KA.
Ostermann: Bei Eikonal?
Hanning: Bundeskanzleramt involviert.
Ostermann: Gab es Abstimmung?
Hanning: Natürlich.
Ostermann: Presse sagt: Glotaic wurde in Kooperation mit US-Konzernmutter realisiert. Wurde entschieden, deutsche Mitarbeiter im Unklaren zu lassen. Bekannt?
Hanning: Nein, aber spricht für Erfindungsreichtum der Leute. Hatten wahrscheinlich Gründe dafür, ist Sache der US-Seite.
Ostermann: Haben Zeuge von Provider gehört. Erzählte, dass deutsche Mitarbeiter ahnten, dass Daten ausgeleitet wurden. Können sie nicht mehr dazu sagen?
Hanning: Nein, primär US-Entscheidung.
Ostermann: Finden sie das rechtlich problematisch?
Hanning: KA, richtet sich nach Statuten der US-Firma.
Ostermann: Also sie nicht beteiligt an dieser Entscheidung?
Hanning: Nein, hat US-Seite abgedeckt. Willensbildung etc., kann mich nicht konkret erinnern.
Ostermann: Spiegel: Sie haben Letter of Authorization an Chef des AND geschickt am 25. Juli 2013.
Hanning: KA.
Ostermann: Spekuliere, dass Verschicken des Briefs ohne Beteiligung Bundeskanzleramt unwahrscheinlich.
Hanning: KA.
Ostermann: Nicht jeden Brief von Präsident an AND musste Bundeskanzleramt kennen?
Hanning: Nein, Kreis der Wissenden klein halten.
Sensburg: Transparenz, Kontrolle. Breitfelder hat gesagt, es gab KO-Kriterien für Eikonal. Darauf eingegangen, dass sehr schwer war, diese Ziele zu erreichen?
Hanning: Was meinen sie mit KO-Kriterien?
Sensburg: Bezogen darauf, die gemeinsamen Ziele auch wirklich kontrollieren zu können.
Hanning: Einhalt G‑10-Regularien schwierig.
Sensburg: Technisch oder rechtlich?
Hanning: Primär technisch. USA haben nicht verstanden, wie unser G‑10-Gesetz funktioniert.
Sensburg: Umkehrschluss: Dinge nicht herausfilterbar, die für uns relevant.
Hanning: Hatte Gefühl, haben mehr gefiltert wurde als erforderlich.
Sensburg: Stelle man sich vor, Eindruck täuscht und ausreichende Filterung wäre nicht gelungen. Und: Bei Türöffner wären auch andere Dinge, als von G‑10 beabsichtigt, von statten gegangen. Wer würde da politische Konsequenzen tragen?
Hanning: Operation ist ja eingestellt worden, weil Deutschland sehr restriktiv war.
Sensburg: Noch in ihrer Amtszeit. 2005?
Hanning: Wann eingestellt? 2008?
Sensburg: Kollege von Notz hat die richtigen Daten. Später.
Hanning: Zu meiner Amtszeit keine entsprechenden Kenntnisse.
Sensburg: Und die politische Verantwortung?
Hanning: Präsident hat immer politische Verantwortung, für ihn trägt Bundeskanzleramt Verantwortung.
Fragerunde 2: Linke (11:13)
Renner: Vor Start Eikonal Begehren der USA nach direktem Zugang?
Hanning: KA.
Renner: Könnte es sein, dass man gesagt hat, das geht nicht so einfach und man deshalb Türöffner gespielt hat?
Hanning: Eikonal Türöffner für BND für Technik Kabelerfassung. BND war wichtig, Kabel zu erfassen, für technische Fähigkeiten.
Renner: Hatte NSA eigenes Begehren, an die Kabel zu gehen und der BND hat das dann für NSA gemacht, weil sonst nicht möglich?
Hanning: KA.
Renner: Wie Einsatz von US-Technik bei Erfassung?
Hanning: Sicher, soweit ich mich erinnere: Technische Möglichkeiten standen BND damals nicht zur Verfügung. USA haben BND ertüchtigt.
Renner: Hardware/Software zertifiziert?
Hanning: KA, aber unwahrscheinlich, dass BSI involviert.
Renner: Zum einen gesagt: Bundeskanzleramt für Rechtsfragen zuständig. Zum anderen: Bundeskanzleramt muss nicht alles zu operativem Geschäft wissen. Wie soll es rechtlich beurteilen, wenn es gar nicht alles weiß?
Hanning: Gehe davon aus, dass Bundeskanzleramt unterrichtet wurde. In welchem Umfang, KA. Hätte bestimmt keinen G‑10-Antrag gestellt, ohne dass es Bescheid gewusst hat.
Renner: Erinnern, ob mal Tacheles geredet wurde?
Hanning: Nein. Gab enge Verbindung zwischen den Juristen, den Technikern.
Renner: Gestern Mewes hier. Sagt, Schwierigkeiten in Abteilung 2, gewisse Autonomie. Wie soll Bundeskanzleramt dann Fragen beurteilen, wenn man sich so abschirmt?
Hanning: Hatte selbst Schwierigkeiten mit technischen Details. Aber alles keine Hexerei, kann man ja nachvollziehen. Natürlich technisch, aber halte das nicht für unmöglich.
Renner: Bundeskanzleramt sagt, hatte nicht die technische Kompetenz so Bescheid zu wissen, um das vollständig beurteilen zu können.
Hanning: Der deutsche Jurist kann alles. Gehe davon aus, dass die Leute das auch konnten.
Renner: Ping-Pong-Spiel Rechts- und Fachaufsicht – wird immer hin- und hergeworfen.
Bad Aibling, Daten aus Eikonal sind auch da verarbeitet worden.
Hanning: War später, ursprünglich Krisenkommunikation.
Renner: Ja, uns geht es aber um Erfassung von Routineverkehren. Frage, welche Risiken hat man gesehen, wenn überhaupt?
Hanning: Im Einzelnen KA. Natürlich welche gesehen.
Renner: Kennen sie Begriff G‑10-Moratorium?
Hanning: Kann ich nichts mit anfangen. War in Gremien nicht dabei.
Renner: Kennen sie Diskussion, dass, wenn Zusammenhänge Provider bekannt werden, dass der rechtlich gegenüber dem BND aktiv werden könnte?
Hanning: KA, Zweifel, ob das überhaupt geht. ND-Operationen leben von Geheimhaltung. Wenn wir das jedem auf Postkarte mitteilen, kostet das Effizienz.
Renner: Jemals politische, rechtliche Risiken diskutiert worden?
Hanning: Ständig.
Renner: Welche Argumente setzt man den Bedenken gegenüber?
Hanning: Aufgabe BND ist nicht Neugier, sondern wichtige Interessen der BRD, Bundesregierung. Sicherheit zum Beispiel. Sie bezahlen dafür, das durchzusetzen. Gibt Abwägung. Damals enschieden: Es ist richtig, die Risiken einzugehen.
Renner: Spielt auch der Glaube eine Rolle, dass das sowieso nie an die Öffentlichkeit geht?
Hanning: Nein.
Fragerunde 2: Union (11:24)
Warken: Inhalt Letter of Authorization?
Hanning: KA.
Wolff: NÖ.
Warken: Zitiere Spiegel: „Hanning hat in Brief versichert, Bundesregierung stimme zu und unterstützt das“.
Hanning: KA, keine Erinnerung an Brief.
Warken: Wenn tatsächlich so war, sowas können sie doch als BND-Präsident gar nicht versichern – ohne Rückkopplung Bundesregierung, Bundeskanzleramt?
Hanning: Kann das nicht beantworten. Vermute, habe informell mit Bundeskanzleramt gesprochen.
Warken: Wenn stimmt, was Spiegel schreibt, dass sie so etwas versichern: Müssten sie das grundsätzlich rückkoppeln?
Hanning: Macht keinen Unterschied, ob BND-Präsident oder Minister das sagt. Vermute, habe mit Bundeskanzleramt darüber gesprochen.
Warken: Wir untersuchen auch, ob sich deutsche Behörden korrekt verhalten haben.
BND hat auch für die Bundesregierung gesprochen?
Hanning: Im Außendienst ja, machen andere auch.
Warken: Brief im Nachhinein an Bundeskanzleramt gegeben?
Hanning: KA.
Warken: Wann Operation begonnen?
Hanning: KA.
Warken: Erfolgreich?
Hanning: KA.
Warken: Gesagt, keine genaue Erinnerung. In meiner Vorstellung: Glaube nicht, dass BND jede Menge solcher Operationen hatte. Intensivere Befassung? Tagesgeschäft? Muss sich doch in täglichem Geschäft abgehoben haben?
Hanning: Habe heikle Operationen genehmigt, gravierende Dinge. Diese Operation war eigentlich von den Risiken überschaubar, ging nicht wirklich um Deutschlands Interessen, sondern Hilfe in US-Thema.
Warken: Auch nicht mit Konstrukt, dass deutsche Filiale das nicht weiß?
Hanning: Kommt vor, dass man das der Filiale nicht zutraut.
Warken: Wie wurde sichergestellt, dass G‑10-Filterung erfolgt?
Hanning: Ist ja Methode, darf ich nicht sagen.
Warken: Herr Wolff ist noch ganz entspannt.
Hanning: Ich weiß es nicht.
Warken: Sie schließen, dass es kein G‑10-Problem gab. Weil Technik?
Hanning: Wenn Gefühl gehabt, dass es Problem gegeben hätte, hätten wir G‑10-Antrag gestellt.
Warken: Beginn der intensiven NSA-Zusammenarbeit. 9/11. Zustand von Abteilung 2, Reformbedarf geschildert. Einordnen: Schon vor 9/11 entschieden, Zusammenarbeit auszubauen? Überlegungen schildern, wie war der Stand, was hat sich 9/11 verändert, inhaltlich, zeitlich?
Hanning: Gab Probleme in der Abteilung Techische Entwicklung, Abteilung konnte nicht schritthalten. Frage, wie die Lücke schließen? Ressourcen, Geld. Problem in Deutschland, in anderen Ländern Basis für NDs besser.
Auf Erfahrungen anderer stützen, nicht nur NSA. Haben versucht, das mit gutem Kosten-Nutzen-Faktor zu machen mit Erfahrungen der anderen Dienste. Das waren Überlegungen nach meinem Amtseintritt. Vor 9/11. Nach 9/11 intensiviert.
Warken: Gesagt, „wir“ haben überlegt. Wie war Austausch mit Bundeskanzleramt? Politische Grundsatzentscheidung, Zusammenarbeit zu intensivieren: Wer, wann, wie konkret?
Hanning: Mit Abteilungsleiter gesprochen, in ständigem Dialog. Wenn Defizite festgestellt, überlegen und kommunizieren. Habe wahrscheinlich regelmäßig Stand der Überlegungen dem Bundeskanzleramt mitgeteilt.
Warken: Wer hat Entscheidung getroffen?
Hanning: Ich in Zusammenarbeit mit Bundeskanzleramt, wahrscheinlich.
Warken: Chef des Bundeskanzleramt Startschuss gegeben?
Hanning: Bundeskanzler hat sich selbst sehr deutlich geäußert, hat über enge Zusammenarbeit der NDs geredet.
Warken: Gab es Vorgaben von politischer Seite? Wie Zusammenarbeit aussehen soll. Konkret?
Hanning: Ständiger Dialog.
Warken: Konkrete Vorgaben?
Hanning: Dialog. Vorschläge, Anregungen, im Ergebnis Entscheidungen gefällt.
Warken: Reformbedarf Abteilung 2, Auftrag war, Programm umzusetzen. Was wurde noch umgesetzt?
Hanning: Im Einzelnen nein. Außenstellen, Beschaffung, Zusammenarbeit mit AND. Haushältern vorgetragen als Konzept, dann konnte es umgesetzt werden.
Warken: 9/11 inhaltlich den Prozess geändert? Ausgedehnt? Technisch? Beschleunigt?
Hanning: War Wegscheide für den Dienst. Auswirkungen auf Informationen, die sind exponentiell angestiegen. IT-Infrastruktur auf neue Gleise stellen. Verstärkt um Terrorismus kümmern.
Warken: Vereinbarungen im MoAs, dass Zusammenarbeit so verläuft, dass keine deutschen Interessen verletzt werden. Gab Diskussion, zum Beispiel Wirtschaftsspionage. Immer wieder Vorwürfe, auch schon vorher. Hayden mal zu Besuch im Bad Aibling, wo über die Vorwürfe gesprochen wurde und USA gesagt haben, dass Erkenntnisse in der Behörde bleiben.
Erinnern sie den Besuch und das Gespräch? 2001 schonmal darüber nachgedacht?
Hanning: Wirtschaftsspionage, was heißt das überhaupt? Bekannt, dass USA bei Proliferation aktiv Aufklärung betreiben. Hatten Vermutung, dass Erkenntnisse zu Waffenstandorten etc. aus Quellen der NSA kommen. US-Dienste haben das diskret behandelt. Ist ja auch Wirtschaftsspionage.
Sonst Konkurrenzspionage: Erkenntnisse, um Vorteile im Wettbewerb zu verschaffen. USA haben mit überzeugender Begründung widersprochen. Problematisch ist Compliance. Mischen sich edle und unedle Motive.
Warken: Waren davon überzeugt, dass Thema Konkurrenzspionage keine Rolle spielt. Als 2001 Entscheidung zu Zusammenarbeit, wurde nochmal darüber gesprochen? Interne Bedenken, Abwägungen? Oder durch Lage erforderlich?
Hanning: Naja, lax sind wir nicht gewesen. Unterschiedliche Interessen gesehen. Viele Gründe, besonders intensiv mit USA zu arbeiten. Vermuteten, weitere Anschläge wurden vorbereitet, war auch richtig.
Immer kritisches Auge, weil gesehen, dass US- und Deutschland-Interessen nicht immer identisch.
Warken: Gab es Annexe zum MoA?
Hanning: KA, hat Fachebene gemacht.
Warken: Also nicht in konkrete Ausarbeitung eingebunden?
Hanning: Ja, habe irgendwann unterzeichnet.
Warken: Bundeskanzleramt eingebunden?
Hanning: KA.
Warken: Mussten Annexe von ihnen gebilligt werden oder kann das Fachabteilung entscheiden?
Hanning: KA.
Warken: Grundsätzlich nichts, wo sie Billigung vornehmen müssten?
Hanning: Vermute, ich habe das gebilligt. Ob Präsident da viel Einfluss hat, ist die Frage. Wahrscheinlich wurde Bundeskanzleramt unterrichtet.
Warken: Inhalte? Warum wichtig, das MoA zu konkretisieren?
Hanning: Teufel steckt im Detail. Vermute, ich wurde begleitend angesprochen. War ein Verhandlungsprozess.
Warken: Mich beschäftigt Frage, wie sichergestellt wurde, dass keine Daten Deutscher an NSA gelangten. Behauptung, DAFIS habe nicht 100%-ig funktioniert. Zeugen sagen, wurde notfalls nochmal händisch durchsucht.
Dazu etwas bekannt? Zu Filter, Funktionieren des Filters?
Hanning: Vermute, Präsident wurde nicht über jedes Problem unterrichtet. Nehme an, ist innerhalb der Abteilung gelaufen. Kann mich nicht an gravierende Probleme erinnern.
Warken: Davon ausgegangen, dass alles funktioniert?
Hanning: Ja.
Fragerunde 2: Grüne
Ströbele: Davon ausgegangen, dass auch BND von US-NDs ausspioniert wird, gebraucht, missbraucht wird?
Hanning: Grundsätzlich immer für andere interessant, aber keine konkreten Erkenntnisse. Hätte keinen Bedarf für US-Dienste gesehen, BND aufzuklären, weil so gutes Verhältnis, da sowieso Austausch.
Ströbele: Meldung in Presse, dass BND-Mitarbeiter gegen Geld Infos an US-Dienst gegeben hat. Überrascht?
Hanning: Gnade der frühen Amtszeit. Als Person überrascht, aber zur Kenntnis genommen.
Ströbele: Nachträglich erfahren, dass NSA Suchbegriffe eingestellt hat, die nach BND-Auffassung nicht hätten eingestellt werden dürfen. Eurocopter, EADS und andere Selektoren. Zwischen 10.000 und 30.000.
Hanning: Zeigt erstmal die Sensibilität des BND.
Ströbele: 2013.
Hanning: Auch schon vorher. Auch zu meiner Zeit war man vorsichtig. Hat mich zu meiner Zeit gar nicht erreicht. Natürlich haben USA andere Interessen, das ist sehr deutlich und klar, deshalb bei Kooperation sehr vorsichtig sein.
Ströbele: Nach unserer Auffassung damit [Selektoren] gegen MoA verstoßen?
Hanning: Kommt vor, dass sich der ein oder andere nicht buchstabengetreu verhält. Im Grundsatz relativ problemlos abgelaufen. BND hat stärker profitiert als US-Seite.
Ströbele: NDs leben von Geheimhaltung, gilt das auch gegenüber parlamentarischen Kontrollgremien?
Hanning: Will mich da zurückhalten. Je mehr Abgeordnete und Mitarbeiter das wissen, desto größer Gefahr von Verletzung von Geheimhaltung. Risiko steigt sehr stark an, je mehr Leute Kenntnis haben. Grundsatz „Need to Know“.
Ströbele: Kann das dazu führen, dass sie ihrer Pflicht nicht nachkommen mussten, vollständig zu informieren, wenn es um Anträge an G‑10-Kommission oder PKGr geht?
Hanning: Glaube, ich habe zu meiner Zeit Gremien gut informiert. Hätte mir auch gewünscht, Interesse der Abgeordneten am Dienst wäre größer gewesen.
Haben PKGr so unterrichtet, wie Gesetz es vorschreibt.
Ströbele: Konkreter: Beantragung der Zustimmung G‑10-Kommission Eikonal in Frankfurt am Main. Genehmigung beantragt worden. Antrag völlig willkürlich. Mewes hat erklärt, wir haben Antrag gestellt und mit Proliferation begründet. Weil das der häufigste Fall ist, wo Treffer erzielt werden. Nicht weil Realität.
Sehe das als völlig willkürlich an. Sie hatten konkreten Anlass, Kommunikation zu prüfen und holen sich dann Genehmigung. Ist das nicht völliger Missbrauch?
Hanning: War gestern nicht dabei. Glaube, es ist richtig, dass man Gremien ordentlich unterrichten muss.
Fragerunde 2: SPD (12:03)
Flisek: Haben Schindler gehört, er sieht sich mit Orga-Mängeln in seinem Haus konfrontiert. Sehr grundlegend angegangen, Eindruck erweckt, dass in Abteilung TA Klima geherrscht hätte, Probleme im operativen Betrieb nicht zu melden. Weil: Spitzen hätten das nicht hören wollen. Hat mit Finger klar auf seinen Vorgänger verwiesen. Bewertung?
Hanning: Habe dafür gesorgt, dass kritische Stimmen Möglichkeit hatten, mich zu erreichen. Entscheidungen getroffen mit allen Aspekten. War selbst in der Abteilung, von meiner Seite hat es dieses Klima nicht gegeben. Probleme offen angesprochen, nur dann kann man sie lösen.
Flisek: Mal jemanden aus Unterabteilung direkt bei ihnen gemeldet? Abteilungsleiter übersprungen?
Hanning: Ja, kam vor. Immer informelle Kanäle.
Flisek: Gab es klare Weisung, wie mit Vorgängen von besonderer Bedeutung umzugehen ist?
Hanning: Was sind Fälle von besonderer Bedeutung? Entsteht in Retrospektive, durch Snowden. Viele Dinge erscheinen im laufenden Betrieb nicht bedeutsam. Nach bestem Wissen und Gewissen. Hängt vom Vertrauensverhältnis Bundeskanzleramt/BND ab. Abstrakt nie genau formulierbar, immer wertender Aspekt, der stark von Wahrnehmung abhängt.
Flisek: Punkt auch: Wenn schon in Anberaumungsphase von Projekten gesagt wird, dass die riskant sind, kann das dann nicht existenziell sein, zu politischen Verwerfungen führen? Würden sie zustimmen, wenn ich sage, das sind per se besondere Vorkommisse, die ins PKGr müssen?
Hanning: Kritik muss man aushalten, habe nie auf Geheimhaltung vertraut, um Sachen unter den Teppich zu kehren. Fehlerkultur entwickeln, Fehler melden. Nur wenn Fehler erkannt, dann in Zukunft abstellbar. Auch PKGr soll Probleme des Dienstes mitbekommen. Wertung hängt stark von Retrospektive ab. PKGr ist ja auch Unterstützung für die Dienste.
Flisek: Würden sie sagen, „Need to Know“ ist kompatibel mit rechtsstaatlicher Aufsicht und parlamentarischer Kontrolle?
Hanning: Ohne Weiteres. Sehe kein Problem, muss man Vorkehrungen treffen. BND unterliegt der selben Kontrolle wie jede andere Behörde.
Flisek: Kann man so deuten, dass nicht mal sie alles wissen, was vorgeht?
Hanning: Haben 6000 Mitarbeiter, natürlich erfahren sie nicht alles. Immer nur Auswahl der Vorfälle, dann Entscheidung, was geht an Bundeskanzleramt und Parlament.
Flisek: Ja, Frage der Kapazitäten, nicht alles muss auf Präsidententisch. Würden sie ausschließen, dass Grundsatz des „Need to Know“ ausschließt, dass selbst BND-Präsident nicht informiert wird, auch wenn es auf seinen Tisch gehören würde?
Hanning: Ja. Mit Einschränkung sensibler Quellenschutz, v.a. in Abteilung 1, Arabischer Raum. Sonst muss sichergestellt werden, dass Präsident zu allem Zugang hat.
Flisek: Aktuelle Konstruktion in Bundeskanzleramt: Gibt eigenen Staatssekretär für NDs. Hat der mehr Funktion einer Firewall oder auch prakt. Nutzen, der Defizite abstellt?
Hanning: [lacht] In meiner Zeit gab es keine Defizite.
Flisek: Themenwechsel: Michael Hayden kennen Sie persönlich?
Hanning: Ja.
Flisek: „We kill people based on metadata“ – Geheimer Krieg. Beurteilung Zitat?
Hanning: Frage Stecknadel – Heuhaufen. Braucht großen Heuschober, ob da Erkenntnisse zu bekommen. BND hier nicht vergleichbar, hat sich stärker auf relevante Verkehre fokussiert.
Flisek: Hat BND jemals über Daten verfügt, die für gezielte Drohneneinsätze herangezogen hätten werden können?
Hanning: Natürlich.
Flisek: Wie damit umgegangen, bzgl. Kooperation?
Hanning: Informationen geteilt, v.a. Pakistan, Afghanistan.
Flisek: Vorfälle bekannt, wo es durch dieses Teilen zu gezielten Tötungen kam?
Hanning: Gab natürlich Spezialinformationen über geplante Angriffe, dann haben USA und teils Bundeswehr reagiert.
Flisek: Drohneneinsätze?
Hanning: Anderes Thema, geht hier um Force Protection. Drohnenthema hat sich bei mir nicht gestellt.
Flisek: Fragestellung selbst über rechtliche Zulässigkeit hat sie nie erreicht?
Hanning: Nein.
Flisek: Aber über Daten verfügt, die dafür qualifiziert gewesen wären und geteilt wurden?
Hanning: Ja, selbstverständlich weitergegeben, um Bedrohungen zu begegnen.
Flisek: Unterstellt, es hätte Austausch gegeben, der zu Tötungen geführt hätte: Bewertung?
Hanning: Sehr hypothetisch. In konkreter Situation viele Fragen: Umstände, Gefahr, gerechtfertigt? Ganz komplex, will ich nicht hypothetisch beantworten. Grundlegend überlegen, hat mit politischer Vorgabe zu tun.
Flisek: Bei Beratung zu Tötung Bünyamin Erdoğan befasst?
Hanning: Nein.
Fragerunde 3: Linke (12:23)
Renner: Bekannt geworden, dass andere Telekommunikationsanbieter Nachfragen zu bestimmten Kooperationen hatten, außer Telekom?
Hanning: KA, kann ich nicht ausschließen.
Renner: Bezüglich Glotaic Bedenken von Mitarbeiter bekannt geworden, dass Daten ungefiltert ausgeleitet werden?
Hanning: Kann nicht an Einzelheiten erinnern.
Renner: Sagten, haben sich bemüht, Überblick zu bekommen…
Hanning: Habe ich. Entscheidend war erstmal Rechtslage.
Renner: Thema „Audiodateien werden direkt an CIA geroutet“: Bekannt?
Hanning: KA.
Renner: Wenn jemand sich in BND beschwert, auf welcher Ebene wird das verhandelt?
Hanning: Jeder durfte sich an Präsident wenden. Bei Bedenken sollte Abteilungsleiter das an Präsidenten geben. Dann Entscheidungsprozess: Kann man die Bedenken ausräumen? Immer sehr offen damit umgegangen.
Renner: Schriftl. Bedenken bzgl. Eikonal und Glotaic?
Hanning: Vermutlich, war ja nicht ganz einfach.
Renner: Mehr bei Glotaic oder Eikonal?
Hanning: Erinnere mich nicht richtig an Glotaic.
Renner: Bei Glotaic Besonderheit, dass Ausleitung über Tarnfirma ging. War das üblich?
Hanning: Üblich glaube ich eher nicht.
Wolff: Gehe davon aus, dass sie nur aus der Zeitung zitieren.
Renner: Zeitungsartikel haben sie gelesen?
Hanning: Spiegel hat mich vorher angesprochen, ich musste sagen, kann mich nicht erinnern.
Renner: Schriftliche Beschwerden immer festgehalten?
Hanning: Nicht immer. Besteht Raum, alle Aspekte mit einzubeziehen.
Renner: Für umgekehrten Fall: Wenn Meldungen steckenbleiben, was passiert dann?
Hanning: Passiert überall. Muss man fragen: Stimmt was nicht mit Betriebsklima, Führungsverhalten? Kann man nicht verhindern, aber Strukturen schaffen, um das zu reduzieren. Und aus Fehlern lernen. Habe versucht, das Mitarbeitern klarzumachen.
Renner: Hatten Sie Fälle von Vertuschen in Amtszeit?
Hanning: Ja.
Renner: Bezogen auf Abteilung TA?
Hanning: Nein, eher operativ.
Renner: Gab es bestimmte technische Vorkehrungen, wenn man eine Operation besonders abschirmen wollte? Schwarze Kassen, etc.?
Hanning: Schwarze Kassen? Nicht bekannt.
Renner: Gerätschaften besorgen und einsetzen an offiziellen Wegen vorbei? Gibt es dafür eingeschliffene Wege?
Hanning: Unterschätzen die Bürokratie im BND. Genau Buch geführt, etc. Compliance-Problem bei langjährigen Beschaffern, weil persönliche Beziehungen zu Lieferanten.
Renner: Zusammenarbeit mit GCHQ? SIGINT?
Hanning: Einzelne Projekte, aber immer angebunden an NSA.
Renner: Standen die in Konkurrenzverhältnis?
Hanning: GCHQ und NSA? Nein.
Sensburg: Unterbrechung wegen namentlicher Abstimmung (12:34)
Fragerunde 3: Union (13:26)
Sensburg: Wie wurde überprüft, ob MoAs eingehalten werden, ob Ziele eingehalten werden? Nur im Wege Dienst-/Fachaufsicht, oder gibt es Controlling?
Hanning: In erster Linie Dienst-/Fachaufsicht. Gab soweit ich mich erinnere auch Controlling. Anlassbezogen Diskussionen geführt, anhand Katalog APB. Welche zusätzlichen Anstrengungen müssen übernommen werden?
Sensburg: APB hat sich ja verändert. Gabs da eine Art Überprüfung, damit Referate Änderungen auf dem Schirm hatten?
Hanning: Praxisproblem: Konnten nicht 100%-ig APB abarbeiten. Habe als Staatssekretär BMI britisches System eingeführt: Kuchendiagramm, welche Mittel für welchen Zweck, Priorisierung.
In Praxis gibt es nur Top-Prioritäten. Das geht nicht, man muss zwangsläufig Entscheidungen fällen. Habe gelernt vom britischen Beispiel. Hatten dann in Prioritätenskala materielle Ressourcen festgelegt, auch Subprioritäten. Habe das später bei BfV gemacht und auch Länder gebeten, das einzuführen. Änderungen leichter durchsetzbar.
Sensburg: Welche Ressourcen fehlten?
Hanning: Erfahrung mit Kabelerfassung, Verarbeitung von Massendaten. Dienste müssen heute in IT-Bereich auf neuestem Stand sein, dort Defizite. Hängt auch mit industrieller Balance in BRD zu tun, viele IT-Firmen in den USA.
Sensburg: Zu ihrer Zeit verändert?
Hanning: Ja, haben Programm ausgestaltet. Geben in Deutschland für ND nicht sehr viel Geld aus. Sehr begrenzt, muss man optimieren. War ständiges Thema, Schritthalten mit sich verändernder Kommunikationswelt. In vielen Bereichen fehlt industrielle Basis.
Sensburg: Erweckt Eindruck: Weil nicht genug Haushaltsmittel, deshalb brauchen wir Kooperationen mit Partnern, die uns übern Tisch ziehen?
Hanning: Nein, ziehen uns nicht über den Tisch. Kooperation als solche immer erforderlich.
Sensburg: Gilt mit Blick durch unsere Brille? Sieht das NSA genauso?
Hanning: Unterschied: NSA ist Supermacht. Drückt sich in Ressourcen aus. Exponentiell angestiegen. Deshalb Deutschland stärker auf Kooperation angewiesen.
Sensburg: NSA-Supermacht. Dann auch Superkontrolle, weil gleichrangig. Meinen sie, Kontrolle bei USA erfolgt adäquat?
Hanning: Muss besonders auf USA aufpassen, nicht einfach in Zusammenarbeit. Großer Bruder falscher Begriff, aber verfügt über besondere Fähigkeiten. Wichtig ist Einhaltung der Rechtsvorschriften.
Haben alle gelernt. War ja Neuland, hatte den Eindruck, Leute wie Breitfelder sahen Probleme. Habe von USA Beschwerden über meine Abteilung gehört, da war mir klar: „Ja, wir passen schon auf“.
Sensburg: Wenn man unterschiedliche Zeugenaussagen anschaut: Eindruck, dass nicht immer alles rund gelaufen. Warum gab es Fehler? Weil man Erfahrungen in HUMINT hatte, auch in Zusammenarbeit mit AND, aber bei SIGINT erstmal den Anschluss wieder bekommen wollte und möglicherweise nicht erkannte, welches Pferd man ritt?
Scheint bis Snowden nicht die Kompetenz vorhanden gewesen zu sein, um das zu erkennen.
Hanning: Im Rahmen des UA ist das Retrospektive, ohne Zeitdruck. Im Nachhinein kann man vieles kritisieren. Kann mich nicht besonders beeindrucken.
Fehler passieren, aber wichtig: Mit welchem Geist wurde an Sache rangegangen? In Bereich Grundrechtseingriffe immer sehr sensibel gewesen, Kooperation mit AND immer schwierig, war Lernprozess.
Sensburg: Macht Unterschied ob punktuelle Fehler oder strukturelle Probleme, kann viele verschiedene Gründe haben. Frage mich, gibt es strukturelle Defizite, wo wir etwas tun können?
Wie sensibel war man? Kommen Versäumnisse daher, dass man mit Supermacht zu tun hatte, die IT-Herrschaft wollte?
Hanning: Bringen mich in Rolle des Sachverständigen. Geben in Deutschland wenig Geld für ND aus. War der Meinung, wir brauchen bessere Ausstattung und technische Ressourcen.
Glaube, wenn russischer Snowden: UA mit ganz anderer Zielsetzung. Sind verwundbar, das ist Frage der Sicherheitskultur. Die müssen wir verbessern. Zur Kenntnis nehmen, dieses Land wird ausgespäht und dem Rechnung tragen. Rede nicht nur über Ausspähung durch NSA.
Sensburg: Andere Dienste, die nicht weniger aktiv unterwegs sind?
Hanning: Russische Freunde sind gut unterwegs. Und ein Staat in Nah- und Fernost.
Sensburg: Kann man auch als Supermacht bezeichnen?
Hanning: Bei NSA ahnen wir, was sie können.
Dieses Land ist so wichtig, dass es ausgespäht wird.
Sensburg: Haben von Budget geredet. Soweit ich weiß, haben wir Budget knapp über 6 Mio. Euro, USA viel mehr. Direkte Verbindung von Budget zu Effizienz?
Hanning: Nicht direkt, aber Verbindung.
Sensburg: Wo fehlts denn?
Hanning: Vermute, dass NSA 30.000–40.000 Contractors haben, Personalausstattung BND ganz anders. Mit entsprechenden Ressourcen kann man besser kooperieren. Mit IT-Industrie in Silicon Valley auch mehr Möglichkeiten.
Sensburg: China und Russland genauso?
Hanning: Nein, aber habe Respekt davor, was andere tun.
Warken: Was heißt, ganz gut unterwegs?
Notz: Ist das Untersuchungsgegenstand?
Warken: Gibt Unterlagen BMI von 2003. Bedenken gegenüber Zuverlässigkeit von Provider, der an Glotaic beteiligt war – MCI. War auch Betreiber des Bundesverwaltungsnetzes [aus Dokument von 6.11.2003 MAT A BMI-7–1g Blatt 230–234]. Bedenken, dass Fernverkehre, die über MCI gehen möglicherweise in USA mitgelesen werden. BND hat das zurückgewiesen.
Unterrichtung BMI-intern: Gegen MCI lagen konkrete Erkenntnisse vor, Verträge können auf keinen Fall verlängert werden. [Dokument MAT A BMI‑7–1g 2 Blatt 76f]
Waren damals schon im BMI. Haben sie vielleicht die Erkenntnisse mitgebracht?
Hanning: KA, schließe das aber fast aus.
Warken: War Option auf Vertragsverlängerung bekannt?
Hanning: KA, war anderer Bereich.
Warken: Denkbar, dass Bedenken aus Erfahrungen bei Glotaic stammen?
Hanning: War immer vorsichtig.
Warken: V.a. wenn man bedenkt, wie der US-Mutterkonzern auf deutsche Tochter Einfluss genommen hat…
Hanning: Als Staatssekretär hatte ich meine Vergangenheit, daher war ich chronisch misstrauisch, wenn es darum ging, ob jemand mit anderen Diensten zusammenarbeitet.
Warken: Aber im konkreten Fall waren sie nicht derjenige, der Bedenken geäußert hat?
Hanning: Soweit ich mich erinnere, nein.
Fragerunde 3: Grüne (13:53)
Notz: Wie kann man Überwachungssupermacht, die nicht die Caritas ist, in Deutschland an die Glasfaser lassen? In ihrer Verantwortung? Was hätten Kollegen in USA gesagt, wenn sie das gefragt haben, ob sie in Washington an Glasfaser dürfen?
Hanning: KA. Im Ergebnis war Zusammenarbeit mit NSA von großem Nutzen.
Notz: Haben sie mehrfach gesagt. Aber die Risiken.
Hanning: Waren überschaubar.
Notz: Was hat BND gesagt, was die Risiken sind?
Hanning: NSA hat andere Interessen.
Notz: Wenn ich sage: BND hat gesagt, es gebe erheblichen politischen Schaden, wenn das bekannt wird. Angst, dass man nie wieder G‑10-Überwachung machen kann?
Hanning: Ist bei jeder ND-Operation unangenehm, wenn etwas bekannt wird.
Notz: Würden Entscheidung heute wieder so treffen?
Hanning: Ja.
Notz: Trotz der übergriffigen Selektoren?
Hanning: Was hat sich heute geändert?
Notz: Nach Snowden…
Hanning: Ich glaube, wenn ich damals anders entschieden hätte, dann wäre Aufklärungsfähigkeit des BND eingeschränkt.
Notz: Wollen meine Frage nicht beantwortet…
Was ist informeller Weg, das Bundeskanzleramt zu informieren?
Hanning: Abteilungsleiter-Treffen, dienstags zur ND-Lage getroffen.
Notz: Außerhalb des Protokolls.
Hanning: Nein, Protokolle werden nie geführt. (!)
Notz: Warum muss man informelle Wege gehen?
Hanning: Geheimhaltung ist wichtiger Produktivitätsfaktor für ND.
Notz: Warum informell?
Hanning: Muss immer informelle Wege geben. Über wichtige Dinge auf dem Laufenden halten. Auch für Steinmeier wichtig.
Notz: In Situation des MdB versetzen: Informelle Wege sind schwierig. Alles heute schwierig verantwortlich festzustellen, weil wichtige Informationen nicht in Akten festgehalten.
Hanning: Konnte mir nicht vorstellen, dass ich heute vor UA zu Zusammenarbeit mit den USA befragt werde.
Notz: Aber vielleicht haben sie sie gerade deswegen so gestaltet. Haben ja gesagt: Muss man so auf dem Zettel halten, dass man damit leben kann, wenns rauskommt.
Frage, wer ist für das Desaster verantwortlich? Für Persönlichkeiten wie sie bedaure ich, dass sie nicht sagen können, da gab es die und die Bedenken.
Hanning: Völlig andere Wertung. Glaube USA waren und sind wichtigster Verbündeter, auch in NATO. Halte das nach wie vor für richtige Entscheidung. Würde die Zusammenarbeit nicht in Frage stellen.
Notz: Fange gar nicht von NATO an. Steile These: Zwischen Rechtsstaaten muss man auch rechtsstaatlich kooperieren. Scheint von ihrer Hauskultur aus schwierig zu sein. Sich an Recht und Gesetz halten, etc.
Bedaure, dass sie mir nicht beantworten wollen, ob sie das heute wieder machen würden. Ob sie lernfähig sind.
Hanning: Schutz deutscher Interessen in G‑10-Bereich gut gelungen. Habe Probleme mit Behauptung, dass USA kein Rechtsstaat sind.
Notz: Falsch verstanden!
Hanning: USA haben andere Rechtsform.
Notz: Korrigiere: Habe nicht gesagt, dass USA kein Rechtsstaat. Genau weil sie das sind, müssen sie sich auch NDs rechtsstaatlich verhalten. Snowden hat in USA mehr Reformen gebracht als hier in Deutschland.
Fragerunde 3: SPD (14:06)
Flisek: BILD-Artikel, Zitat Hanning: „Sämtliche ANDs haben in der Hauptstadt aufgestockt“
Meinen sie das immer noch?
Hanning: War damals so.
Flisek: Bezieht sich das nur auf Personal oder auch auf Gebäude o.ä.?
Hanning: Auf Personal gemünzt. Bei Spionage von Gebäuden ist BfV zuständig. Aber habe vermutet, dass das möglich wäre.
Flisek: Unterstelle Mal, wenn BND Erkenntnisse hat, dass die mit BfV ausgetauscht werden. Bekannt, dass Botschaften in Berlin 2000–2004 Gegenstand einer intensiven Prüfung waren?
Hanning: Ja, nicht genau, wie abgelaufen.
Flisek: Welches Ergebnis?
Hanning: KA.
Flisek: Ist doch auch für Sie interessant. Ist doch nett, zu wissen, was machen die anderen Dienste.
Hanning: Schätzen sie richtig ein, aber wir brauchen Erkenntnisse. Diplomatische Missionen haben besonderen Schutz, gibt Misstrauen, Skepsis.
Flisek: Man hat damals nie über Spekulationen hinaus Beweise gehabt, dass von Botschaftsgebäuden anderer in Berlin SIGINT ausgeführt wurde?
Hanning: Beweise, KA. Immer Spekulationen und Vermutungen.
Flisek: Im Rahmen von Gesprächen je Thema gewesen?
Hanning: KA, wäre auch sinnlos gewesen. Andere Dienste hätten keine Auskunft gegeben.
Flisek: Basierend auf dem Umstand, dass völkerrechtliche Spionage nicht verboten ist?
Hanning: Nach Wiener Konvention gilt das für Botschaften nicht.
Flisek: Trotzdem nimmt man das im Zweifel hin.
Hanning: Das ist Praxis.
Flisek: Wenn man sowas auf Botschaft vermutet, warum spricht man das nicht an?
Hanning: Politische Opportunität.
Flisek: Haben feste Verbindungen zu vielen Ländern, ist das Denken „Alle spionieren gegen Alle“ noch zeitgemäß?
Hanning: Geht um nationale Interessen. Ist Deutschland- und EU-Interesse das gleiche? Interessen kann man auf unterschiedliche Wege verfolgen. Auch über SIGINT, bekommt da Informationen aus erster Hand. Ist auch in Zukunft verführerisch.
Bei unterschiedlichen Interessen sinnvoll, zu wissen, was der Verhandlungspartner macht.
Flisek: Das ist das Wort der Kanzlerin?
Hanning: Kommentiere ich nicht.
Flisek: Sie hat ja sehr wenig gesagt, aber Richtlinienkompetenz qua Verfassung.
Hanning: Will mich zu Kanzlerin nicht äußern. Empörung durch Änderung der Sicherheitskultur ersetzen.
Flisek: Sagen, wir müssen uns um Sicherheitskultur kümmern, das ist Teil des UA. Aber Frage, auch im Rahmen der technischen Möglichkeiten: Inwieweit ist eine Philosophie „Inland ist Freund, Ausland ist Feind“ zeitgemäß? Müssen wir uns nicht einmal über Standards unterhalten? Geht nicht um ob, sondern wie?
Hanning: Sehr deutsche Diskussion, wird außerhalb Deutschlands nicht stattfinden. Briten haben Interessen und vertreten die einfach. Gibt auch innerhalb EU unterschiedliche Interessen. Muss man versuchen, innerhalb EU Konsens zu finden. Gibt Schnittmengen, aber immer unterschiedliche Interessen. Deutschland ist gut beraten, das in seine Überlegungen einzubeziehen.
Flisek: Sehe auch unterschiedliche Interessen. Frage mich, ob das dazu führt, dass alle Gespräche Merkels mit französischem Präsidenten ausgehorcht werden sollen? Ob das Kern einer vertrauensvollen Beziehung ist?
Hanning: Müssen wir nicht spekulieren. Es ist so, rate der Realität in die Augen zu schauen und nicht Wunschdenken zu folgen. Kann nur raten, uns selbst besser zu schützen und realistisches Vorgehen zu analysieren.
Flisek: Glotaic: Von wem kam Initiative?
Hanning: Erinnere ich nicht, aber für mich relativ klar, dass von US-Seite. Die verfügten über Infos und Zugang zu den Betreibern.
Flisek: Uns hat irritiert, dass das ein Projekt war, wo NSA keine Rolle gespielt hat.
Wolff: Habe keine Wahl: NÖ, selbst wenn Infos in Zeitung veröffentlicht.
Hanning: Habe ja auch keine Ahnung, nur Vermutungen.
Flisek: Kennen sie UAL Dr. M.?
Hanning: Ja.
Flisek: Einer der Motoren des Projekts?
Hanning: Für viele Dinge.
Flisek: Hauptstelle für Befragungswesen: Traditionelle Einrichtung, 2008 50-Jähriges Jubiläum, ursprünglich multilateral. Richtig?
Hanning: Soweit ich weiß ja.
Flisek: In ihrer Zeit Franzosen ausgestiegen?
Hanning: KA.
Flisek: Briten noch an Bord?
Hanning: Soweit ich weiß ja.
Flisek: Gestern Dr. K hier. Problem, dass einzelne Befrager mit Befragern von ANDs befragt haben, manchmal aber auch AND alleine. Wahrnehmungen?
Hanning: KA. Glaube, gab gute Kooperation. Im Einzelnen, KA.
Flisek: Thema bei ihnen nicht gelandet?
Hanning: Schon ein Thema. Habe selbst gefragt: Warum machen wir das eigentlich?
Flisek: Antwort?
Hanning: Wichtig, können auf Erkenntnisse nicht verzichten. Kann man unterschiedlicher Meinung sein, Relikt aus Besatzungszeit, aber später wichtige Erkenntnisse zu Irak etc.
Flisek: Wer hat das gesagt?
Hanning: Abteilungsleiter.
Fragerunde 4: Linke (14:24)
Renner: Idee Austausch Daten gegen Daten?
Hanning: Kann ich mir nicht plastisch vorstellen.
Renner: Hat man auch Daten bekommen?
Hanning: KA, vermute nicht, da BND für Erfassung zuständig. Soweit ich weiß, hatte NSA keine eigene Erfassungskapazität.
Renner: In Deutschland.
Hanning: Ja, natürlich hat man andere Daten getauscht.
Renner: Sagen die: Jeder hat eine bestimmte Strecke und jeder hört ein Teil ab?
Hanning: KA.
Renner: Solche Überlegungen gab es nicht?
Hanning: Wurden ja keine ungefilterten Rohdaten ausgetauscht, nur klar definierte Daten zu bestimmten Zielen.
Renner: Sind tatsächlich Roh- und Metadaten ausgeleitet worden!
Hanning: Ja, aber nur von BND an NSA.
Renner: War das mal nur eine Phase, wollte man später unabhängig sein?
Hanning: Alles weitere muss man sehen, aber Kooperation war erstmal sehr positiv für uns.
Renner: Sie wussten viel, dass NSA bei US-Telkos exklusive Zugänge hatte. Wurde das mal diskutiert, dass NSA sich möglicherweise über Mitarbeiter Zutritt zu Telkos in Deutschland verschafft?
Hanning: Nein.
Renner: In USA?
Hanning: Glaube es gibt da Kooperation, man hat sich ja über Dinge beschwert.
Renner: Kam daher die Idee für Glotaic-Legende?
Hanning: KA, kann ich nicht ausschließen.
Renner: Rechtliche Grundlage: Haben gesagt, man will wissen, was andere europäische Länder vorhaben, zum Beispiel in Griechenlandkrise. Inwieweit sehen sie das durch BND-Gesetz gedeckt?
Hanning: Fragen nach aktuellem APB, weiß ich nicht.
Renner: Haben ja die Beispiele, dass europäische Interessen möglicherweise verletzt wurden…
Hanning: Five Eyes definieren eindeutiges Interessensspektrum, ist doch klar.
Renner: Hat BRD Interesse daran, Élysée-Palast vor NSA-Ausspähung zu schützen?
Hanning: Glaube nicht, dass die Franzosen da Wert drauf legen.
Renner: Haben wir politisches Interesse, der NSA bei Ausspähen des Élysée-Palasts zu helfen?
Hanning: Nein.
Renner: Wenn festgestellt würde, dass NSA das tut, was tut BND?
Hanning: Ich persönlich: Würde zu den französischen Kollegen gehen, hatten enges Verhältnis.
Renner: Welche Konsequenzen im BND, wenn in Élysée-Palast mit SIGINT abgehört wird?
Hanning: Ich hätte es vermutlich abgestellt.
Renner: Konnten das die Mitarbeiter wissen? Dass soetwas passiert, dass informiert und abgestellt wird?
Hanning: Spekulative Frage. Glaube, hätte Sensibilität gegeben.
Renner: Wenn man als Mitarbeiter feststellt, dass das passiert und nicht fragt?
Hanning: Kann passieren. Hätte erwartet, dass Vorgesetzter gefragt wird.
Renner: Hätte man melden müssen?
Hanning: Wäre meine Erwartung gewesen. Hängt von Einzelfall ab.
Fragerunde 4: Union (14:36)
Warken: Haben gesagt, sind von HBW überzeugt worden. Dachten sie, das war eine sinnvolle Einrichtung?
Hanning: Sonst hätte ich sie nicht aufrecht erhalten. Natürlich war meine Frage: Kalter Krieg vorbei, brauchen wir das noch? Aber wurde gesagt, Erkenntnisse aus Nahost etc.
Hat mich veranlasst zu sagen, na gut, dann machen wir das halt.
Warken: Inwieweit später noch mit HBW betraut? In Entscheidung eingebunden, das zurückzufahren?
Hanning: Auf Grundstück in Zehlendorf auch HBW untergebracht. War mir klar, dass Entscheidungen anstanden. Hängt davon ab, wie wichtig Aufklärungsinteresse. Wurde geringer. Damals gesagt, wird tendenziell abgebaut.
Warken: Operativ nicht in Entscheidungen eingebunden?
Hanning: Nein.
Warken: In Zehlendorf viele Befragungen?
Hanning: Ja, aber auch außerhalb. Verantwortlich für Entscheidung war operative Abteilung.
Warken: HBW 2014 aufgelöst, würden sie heute HBW nicht mehr als notwendig erachten?
Hanning: Mir wurde als Präsident erläutert, dass das wichtig ist, will ich mich über Votum nicht hinwegsetzen. War skeptisch, aber wurden Argumente vorgetragen.
Warken: Einschätzung heute: Wäre das immer noch wichtig?
Hanning: Hängt vom Aufkommen ab, Zusammenarbeit mit Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, … Auch Frage des Vertrauens, weiteres Problem.
Wie ich heute entscheiden würde, weiß ich nicht.
Warken: Waren 2005 Staatssekretär BMI, als BND-Präsident Uhrlau nachgefolgt. Hat da förmliche Übergabe der Dienstgeschäfte stattgefunden, Besprechungen? War Wirtschaftsspionage auf der Tagesordnung?
Hanning: War fliegender Wechsel, keine Zeit zur Vorbereitung. Uhrlau war in wesentliche Themen eingearbeitet. Kurz gesprochen, aber keine förmliche Übergabe.
Warken: Erfahrungswerte zu Zusammenarbeit mit USA?
Hanning: Ab und zu Thema, aber wollte Nachfolger nicht in Handwerk reinreden.
Warken: Als sie BND verlassen haben, welche Erkenntnisse hatten sie da operativ über Probleme?
Hanning: Vieles war erst am Anfang, gab Probleme, verschiedene Diskussionsebenen. Im Ergebnis war wichtig, dass wir die Technik bekommen. War große Leistung. Umsetzung der Vereinbarungen war nicht ganz einfach. Insoweit habe ich BND zu Zeitpunkt verlassen, als Zusammenarbeit erst richtig begonnen hat.
Warken: Keine Veranlassung, zum Beispiel mit Bundeskanzleramt über Erfahrungen zu sprechen?
Hanning: Nein, konnte davon ausgehen, dass es in vollem Umfang über Informationen verfügte.
Warken: Als Staatssekretär für Sicherheit zuständig: Da etwas über Five-Eyes-Aktivitäten erfahren?
Hanning: Weit weg von Funkaufklärung. Spielten bei Terroraufklärung wichtige Rolle, betraf mehr Zulieferung als Gewinnung.
Warken: Hätten sie die Informationen schon als BND-Präsident haben müssen?
Hanning: Unterschiedliche Schwerpunkte. BND Ausland, BfV Inland.
Warken: Konkurrenzspionage, neue Erkenntnisse?
Hanning: Überbewertetes Thema. Neue Arbeitsgruppe eingerichtet. Fallen mir auch noch andere als NSA ein.
Warken: Was war Anlass für Einrichtung einer Arbeitsgruppe?
Hanning: Argumentation Wirtschaftsspionage kommt immer sehr schnell. Da war BfV gefordert.
Warken: Was hat Abteilung gemacht?
Hanning: Cybersecurity, wie bei Besuchen von kritischen Staaten vorgehen, Vorsichtsmaßnahmen, Erfahrungsaustausch für erkannte Angriffe und Spähversuche.
Warken: Arbeitsgruppe auf ihre Veranlassung? Kenntnisse aus BND-Zeit mitgebracht?
Hanning: Ja, war misstrauischer.
Sensburg: Unklarheit Begriffe. Europäische Interessen schwierig, aber deutsche Interessen? Gehören da eventuell europäische Suchbegriffe dazu?
Klärung, ob gegen deutsche Interessen verstoßen wird, wenn gegen europäische Ziele ermittelt wird.
Hanning: Bin geschädigt, habe auch Verkehre anderer Staaten in Europa gesehen, wo ich nicht glaube, dass das alles freundschaftlich gemeint ist.
Sensburg: Können europäische Suchbegriffe in deutschem Interesse sein, zum Beispiel europäischer Konzern EADS.
Hanning: Zulieferung Dual-Use-Güter, Compliance, … Natürlich wussten wir, dass europäische Firmen im NSA-Aufklärungsinteresse standen.
Sensburg: Wie haben sie reagiert?
Hanning: Meinen sie, wir hätten das ändern können?
Sensburg: Wie sind sie damit umgegangen?
Hanning: Kritisch damit umgehen, akzeptieren, kann man ja nicht ändern.
Sensburg: Wie hat sich BND konkret verhalten? Hat man gesagt, man lässt USA nicht partizipieren?
Hanning: Deutsche Politik hat zugeschaut, als Daimler/Siemens durch US-Aufsichtsbehörden eingeschränkt wurden. Das ist die Situation. Wäre vorsichtig, dem BND anzudienen, er soll das Aufklärungsprofil der NSA ändern.
Sensburg: Darum gehts nicht. Prüfen, ob man Beihilfe leistet zu so etwas?
Hanning: Wenn sich mich provozieren wollen: Brauchen sie nicht. USA haben ganz andere Zugriffspunkte, da spielen Bad Aibling und Co. nur untergeordnete Rolle.
Sensburg: Was hat man denn als ND getan?
Hanning: BND kann Aufklärung der NSA nicht behindern. Aber aufpassen.
Sensburg: Wie hat sich das Aufpassen gezeigt? Hat man gesagt, schaffen wir eh nicht?
Hanning: Haben wichtigen Punkt gemacht: Deutsche Interessen, G‑10. Ganz deutlich gemacht. Ganz strikt.
Dann Problem mit Interessensprofilen. Erstmal mühsam in Gang kommen. Verhandelt, über Suchbegriffe gesprochen. Da war klar, dass wir sensibel sein müssen, wenn wir kooperieren.
Wenn Zusammenarbeit mit einem Dienst, dann ist klar, dass das nicht zu Lasten von dem Dienst in Herkunftsland sein darf. War auch in MoU.
Sensburg: Kam immer wieder zur Sprache, dass von Kooperationen, Maßnahmen parlamentarische Gremien nicht unterrichtet wurden. Ist PKGr zu gemeinsamen Erfassungen an Glasfasern nicht unterrichtet wurde?
Hanning: KA.
Sensburg: Waren sie mal im PKGr?
Hanning: Als Gruppenleiter Abteilung 6 und Staatssekretär.
Sensburg: Hatten sie mal das Gefühl, wir wissen etwas, was die im PKGr nicht wissen?
Hanning: Denke schon, wir hatten ein Vertrauensverhältnis.
Sensburg: Ist gesagt worden, PKGr wurde nicht unterrichtet?
Hanning: PKGr muss ja nicht immer unterrichtet werden, im Einzelfall abwiegen. Soweit ich mich erinnere auch über Abteilung 2 berichtet.
Fragerunde 4: Grüne (15:00)
Ströbele: Vorgekommen, dass NSA Sachen gemacht hat, die mit deutschen Interessen unvereinbar waren. Haben sie konkret was getan? Sind sie zu Hayden oder Alexander gegangen? Wie haben sie reagiert?
Hanning: Weiß nicht, worauf sie anspielen.
Ströbele: Z.B. Selektoren.
Hanning: Nicht in meiner Amtszeit.
Ströbele: Doch.
Hanning: Nicht zu meiner Kenntnis gelangt. Haben natürlich gerungen. USA haben sich beschwert, wir wären zu restriktiv. Das war Gesprächsthema. Aber NSA und wir haben nicht über wechselseitige Aufklärung gesprochen.
Ströbele: Mir zu allgemein. Ganz konkret: Wir haben gehört, Ablehnungen von Selektoren wurden USA mitgeteilt. Was darüber hinaus geschehen?
Hanning: KA, weitgehend auf Abteilungsebene.
Ströbele: „Need to Know“: Sagen, das kann nicht gegenüber Präsidenten gelten, weil er Verantwortung trägt. Trägt er auch Verantwortung, wenn ers nicht weiß?
Hanning: Ja, Organisationsverantwortung.
Ströbele: Wie auf sowas mal reagiert, wenn so was passiert ist?
Hanning: Ärgerlich. Kam natürlich vor bei 6000 Leuten. Dann muss man den Ursachen nachgehen.
Ströbele: Haben die nichts gesagt, um sie zu schonen?
Hanning: Müssen sie Dritte fragen, wollte immer unterrichtet werden. Wollte guten Umgang mit Fehlern. Meiner Meinung nach hatten wir relativ offene Diskussionskultur.
Ströbele: 2013 haben Mitarbeiter mal gedacht, wir nehmen Snowdendokumente ernst und haben 30.000 Selektoren gefunden. Und angeblich nicht nach oben gemeldet. Wir wissen nicht, warum. Hätten sie das wissen wollen?
Hanning: Klar, das war besonderes Vorkommnis. Warum nicht passiert, weiß ich nicht. Vielleicht Schlamperei. Müsste man mit Mitarbeiter sprechen.
Ströbele: Zurückdenken an Eikonal: War das Vorgang von besonderer Bedeutung? Hätte man PKGr berichten müssen?
Hanning: Sie haben möglicherweise besseres Gedächtnis, kann mich nicht genau erinnern. Meine, dass wir auch berichtet haben.
Ströbele: Kann das auch umgekehrt gewesen sein? Dass Auffassung war: Auf gar keinen Fall PKGr und G‑10-Kommission mitteilen?
Hanning: Glaube ich nicht, Vertrauensbeziehung, offen erörtert.
Ströbele: Nein, deshalb haben die doch ein Moratorium eingerichtet.
Hanning: Gab keine generelle Scheu, Abgeordnete zu unterrichten. Haben immer erörtert, dass es Defizite gab.
Ströbele: Zu HBW: Ist ihnen Behauptung bekannt, dass Befragungsinformationen für Drohneneinsatz genutzt wurden?
Hanning: Zu meiner Amtszeit nicht.
Ströbele: Sonst?
Hanning: Habe viel gelesen.
Ströbele: Zeugin hat ausgesagt, AND hätten auch alleine Flüchtlinge befragt oder in Sprachen, die BND-Mitarbeiter nicht kannten. War das erlaubt? Konnten US-Amerikaner da einfach Informationen erheben?
Hanning: Kann ich mir nicht vorstellen.
Ströbele: Fall Curveball auch darüber?
Hanning: Ja.
Ströbele: Auch über eine solche Befragung?
Hanning: Ja, ging an die USA. Mit bekannten Ergebnissen.
Ströbele: Traurigen Ergebnissen…
Fragerunde 5: Linke (15:33)
Hahn: Viele Zeugen sagen, Grundlage für Arbeit ist APB. Parl. Kontrolle so ausgerichtet, dass wir die NDs kontrollieren. Wissen sie, ob APB dem PKGr jemals vorlag?
Hanning: Glaube nicht.
Hahn: Sie waren Präsident und dann im BMI. Wie kann Kontrolle funktionieren, wenn man den Auftrag nicht genau kennt? Wie soll man prüfen, ob sich BND daran hält?
Hanning: Z.T. außerhalb Untersuchungsgegenstand. Parl. Kontrolle soll nicht kontrollieren, ob APB abgearbeitet wird. Ist anderes Thema. Da muss man fragen: Sind Mittel und Methoden angemessen? Das sind unterschiedliche Kontrollgegenstände. Bundesregierungsaufsicht betrifft weniger die Kontrolle: Arbeitet BND mit Methoden, die angemessen sind?
Hahn: Sie haben doch auch mal mit Bundesregierung gearbeitet. Wir wollen Vorschläge erarbeiten, wie parlm. Kontrolle besser funktionieren kann. Wir haben das APB nur zu Gesicht bekommen,
weil Snowden das hatte. [Anmerkung: Ist unklar, ob hier nicht statt Snowden der BND-Spion Markus R. stehen müsste, ich versuche gerade, das bei Herrn Hahn nachzufragen, nicht dass mein Gehirn etwas falsch geparst hat.Richtigstellung: Nicht Snowden war gemeint, sondern tatsächlich Markus R., denn im Zusammenhang mit dem Fall konnte das PKGr Einsicht in die Akten des Generalbundesanwalts und damit das APB nehmen.]
Hanning: Muss man mit der Bundesregierung erörtern. Frage der Geheimhaltung, APB mit hoher Geheimhaltungsstufe versehen, das erklärt den Umgang damit. Letztlich Kanzleramt für Umgang mit APB verantwortlich.
Fragerunde 5: Grüne (15:19)
Notz: Was sind Abwägungsgüter bei Kooperation?
Hanning: APB ist klar, Deutschland definiert klar nationale Interessen. BND ist Instrument zur Wahrnehmung der nationalen Interessen. Unterschiedlich gewichten. Glaube, dass der BND wesentlichen Teil für Wohlergehen von Deutschland trägt. Man muss dazu beitragen, Dienst gut auszustatten.
Notz: Grundrechte kamen nicht vor.
Hanning: NDs greifen von deutschen Sicherheitsbehörden am wenigsten in Grundrechte ein.
Notz: Obwohl man an die Glasfaser geht?
Hanning: Da sind doch gar keine Deutschen betroffen.
Notz: Stimmt nicht, klappt nicht. Sie brauchen nämlich G‑10-Genehmigung.
Geheimdienste haben Grenzen, wenn das Stichwort Grundrechte nichtmal fällt, stimmt etwas nicht.
Hanning: Doch, viele verdanken BND ihren Schutz. Eingriffe im Vergleich sehr gering.
Kann sagen, G‑10-Gesetz schützt das. Eingriffe von anderen Sicherheitsbehörden wesentlich gravierender.
Notz: Würden uns raten, beim BfV nachzuschauen?
Hanning: Haben gefragt, habe Vergleich gezogen.
War vier Jahre in der Ständigen Vertretung in der DDR, habe besonderes Verständnis der Grundrechte.
Notz: Sehe ich auch, deshalb haben wir Kontrollgremien und Untersuchungsausschüsse. Das macht wehrhafte Demokratie aus.
Begriff „Kronjuwelen“. War das gängiges Wording?
Hanning: Aus Cybersecurity bekannt. Wenn man Dinge schützen will, erstmal rausfinden, was besonders schützenswert ist.
Notz: Was sind Kronjuwelen des BND?
Hanning: Da gibt es viele hoffentlich. [lacht]
Ströbele: Wenn man PCs, etc. von der NSA benutzt, muss man klären, was das macht. Haben sie mal Fachleute hinzugezogen, unabhängige, zum Beispiel BSI? Ehemaliger Mitarbeiter hat gesagt, sie hätten sich die Prospekte angeguckt. Das kann ja nicht besonders in die Tiefe gehen?
Hanning: Wer ist kompetent für die Beurteilung? Meiner Meinung nach hatte BND die besten Kompetenzen.
Ströbele: Private wollten sie nicht ranlassen?
Hanning: Dürfen fachliche Expertise BND nicht unterschätzen.
Ströbele: Vor Erscheinen als Zeuge, Unterlagen gelesen?
Hanning: Ja, vor zwei Tagen angeschaut und habe festgestellt, kann mich an vieles nicht mehr erinnern. Dann Akteneinsicht abgebrochen. Nach ca. 1,5 Stunden.
Ströbele: Nur Sachen angeschaut, die sie gezeichnet haben?
Hanning: Ja.
[Ende der Sitzung, 15:28]
Menschen in der zweiten & dritten Reihe
Zweite Reihe:
- Neist, Bundeskanzleramt
- Wolff, Bundeskanzleramt
- Herr Akmann, Bundesministerium des Innern
- Herr Dr. Brandt, Bundesministerium des Innern
- Herr Berkemeier, Auswärtiges Amt
- Frau Lehmann, Auswärtiges Amt
- Herr Theis, Bundesministerium der Verteidigung
- Herr Voigt, Bundesministerium der Verteidigung
- Herr Krüger, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
- Herr Dr. Kremer, Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit
Chronisch unterbesucht ist die Reihe der Vertreter der Bundesländer – in dieser wurde nur selten mal einer in freier Wildbahn beobachtet. Es fehlen heute:
- Kalus, LV Berlin
- Luderschmid, LV Bayern
- Dr. Wolf, LV Rheinland-Pfalz
- Rohlfing, LV Nordrhein-Westfahlen
- Brosius-Linke, LV Hessen
- Steinbach, LV Hessen
- Schmitt, LV Hessen
- Delmotte, LV Baden-Württemberg
- Stuhr, LV Saarland
- Rauth, LV Rheinland-Pfalz
- Pietsch, LV Niedersachsen
- Dr. Unterlöhner, Generalbundesanwalt (unklar warum das Schild an diesem Ende liegt)
U.a. in der dritte Reihe:
- Herr Bildschun, Bundesministerium des Innern
- Herr Grätsch, Generalbundesanwalt
- Oberstleutnant Elmar Henschen, Kommandant der Elektronischen Kampfführung (EloKa) der Bundeswehr [kein Namensschild]
Folgende Personen sind offenbar angemeldet, weil ein Namensschild für sie bereit steht, was aber nicht genutzt wird:
- Weiss, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
- Hodouschek, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
- Brennecke, Bundeskanzleramt
- Kämmerer, Bundeskanzleramt
- Bernard, Bundeskanzleramt
- Dr. Brunst, Bundeskanzleramt
- Riecken-Daerr, Auswärtiges Amt
- Dr. Neuhaus, GBA [Generalbundesanwalt]
- Dr. Kirchner, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
- Kraft, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
- Dr. Milke, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
- Speicher, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
- Löwnau, Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die
Informationsfreiheit - Köning-Laforet, Bundesministerium des Innern
- Geirth, Bundesministerium des Innern
-
: Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: BND interessiert sich für Brotpreis in Aleppo
Europasaal vor der Anhörung. : Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: BND interessiert sich für Brotpreis in Aleppo Heute tagt wieder der Geheimdienst-Untersuchungsausschuss im Bundestag. Diesmal sind Frau K., ehemalige Leiterin der Hauptstelle für Befragungswesen (HBW) des BND, und Joachim Mewes, ehemals Bundeskanzleramt, als Zeugen vorgeladen.
Frau K. war die letzte Leiterin der HBW, die im Juni 2014 aufgelöst wurde. Die HBW befragte bis dahin Geflüchtete und Asylbewerber über ihre Herkunftsländer und warb Spitzel an, sowohl offen als auch verdeckt. Ziel war es, an Informationen über politische und organisatorische Strukturen in den jeweiligen Ländern zu gelangen und damit auch an Namen und Daten von jeweiligen Akteuren. Dabei sollten islamistische Gruppierungen entdeckt und ausgeforscht werden.
Im November 2013 berichteten die Süddeutsche Zeitung und der NDR, dass Informationen aus diesen Befragungen eventuell auch von britischen und US-amerikanischen Geheimdiensten genutzt worden seien, um Ziele beim Einsatz von Kampf-Drohnen für Tötungen zu definieren. Frau K.s Vernehmung stellt somit den Anfang der Beschäftigung mit dem Themenkomplex „Geheimer Krieg“ dar, der den Ausschuss eine Weile begleiten wird.
Joachim Mewes Befragung soll weiteren Einblick in G‑10-Fragen und ‑Praktiken geben. Er war von 2002 bis 2008 Leiter des Referates 603 des Bundeskanzleramtes, das Referat für:
Koordinierung der Nachrichtendienste des Bundes: Staatssekretärausschuss für das geheime Nachrichtenwesen; parlamentarische Kontrollgremien; Bundesamt für Verfassungsschutz; Militärischer Abschirmdienst
Später wurde das Referat in Referat 612 überführt:
Parlamentarische Kontrollgremien; Kontakte zum Parlament; Grundsätze der Koordinierung; G‑10-Angelegenheiten; BND-Informationsgewinnung und Verwertung auf den Gebieten Proliferation und internationaler Waffenhandel
Er wird sich also in die Zeugen der letzten Monate einreihen, bei denen es um die Zusammenarbeit des BND mit der NSA und die eventuelle Weiterleitung von Daten G‑10-geschützter Personen ging.
Wir sitzen wie immer drin und bloggen live, heute leider ohne zeichnerische Begleitung von Stella Schiffczyk.
Gliederung
- Gliederung
- Vorbemerkungen
- Einleitung: Vorsitzender
- Zeuge 1: Frau K., BND, ehemalige Leiterin der Hauptstelle für Befragungswesen
- Zeuge 2: Joachim Mewes, ehemals Bundeskanzleramt, Referatsleiter 603, später 612
Vorbemerkungen
Disclaimer: Dieses Protokoll ist nach bestem Wissen und Können erstellt, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder umfassende Korrektheit.
Dargestellte: Abgeordnete und Zeugen, gerne korrigieren und vervollständigen wir Ihre Aussagen. Kontaktieren Sie uns!
Einen regelmäßigen Podcast zum Untersuchungsausschuss gibt es bei Technische Aufklärung, auch zur heutigen Sitzung. Danke!
Wer uns unterstützen möchte, darf gerne spenden.
Update: Das offizielle stenografische Protokoll gibt es auf bundestag.de als PDF (Mirror bei uns).
Einleitung: Vorsitzender (12:04)
$Begrüßung
Zeugin 1: Frau K., BND, ehemalige Leiterin der Hauptstelle für Befragungswesen (HBW)
Rechtsbeistand ist Johannes Eisenberg. Weist darauf hin, dass Zeugin in „massiv angegriffener gesundheitlicher Verfassung“ ist und evtl. Pausen notwendig werden.
Frau K., Bundesnachrichtendienst seit 86, Anschrift BND Pullach.
Kein Eingangsstatement gewünscht.Sensburg: Falls Sie Heiß- oder Kaltgetränke benötigen, sagen Sie einfach Bescheid. Wir tun alles Mögliche.
Fragerunde 1: Vorsitzender
Sensburg: Ausbildung? Studium? Werdegang? Techn./Jur. Expertise?
Frau K.: Volljuristin, Jura studiert, direkt zum BND, 86.
Sensburg: Welche BND-Stationen?
Frau K.: Seit 2001 verschiedene Referatsleitungen. Vergaberecht angefangen, dann Organisation, Leitung Referat Partnerbeziehungen, danach HBW.
Sensburg: Wann HBW?
Frau K.: 2008.
Sensburg: Was macht HBW.
Frau K.: Referat, Steuerung im Bereich Befragung Asylbewerber. Ehemals.
Sensburg: Nur Asylbewerber? Sonstige Personen?
Frau K.: Auch andere Personen.
Sensburg: Menschen, die hier neuen Aufenthaltsort finden wollen?
Frau K.: Kann man so formulieren.
Sensburg: Welches Referat in Organigramm?
Frau K.: EAC.
Sensburg: Seit 2008?
Frau K.: Ja.
Sensburg: Referat gibts schon länger?
Frau K.: Ja.
Sensburg: Schon seit 80er?
Frau K.: Ja.
Sensburg: Gab es während 86–01, Funktionen, die für NSAUA relevant? Kooperationen mit FVEYs? Hauptperson für NSA?
Frau K.: Nein.
Sensburg: Sonst Kooperation mit Five Eyes?
Frau K.: Nein.
Sensburg: Ab 08 Referat EAC, was genaue Funktion?
Frau K.: Steuerung und Koordinierung Sachgebiete und Außenstellen. Regelmäßige Gespräche, Arbeitsergebnisse besprechen, Vorgehensweisen.
Sensburg: Prozeduren und Vorgehensweisen, Dinge von Vorgängern übernommen?
Frau K.: Ja.
Sensburg: Ziel der Befragungen?
Frau K.: Informationsgewinnung nach APB.
Sensburg: In einem Satz ausführen. Kernaufgabe?
Frau K.: Informationsgewinnung zu zentralen Fragen aus Politik, Wirtschaft, Versorgungslage.
Sensburg: Erkenntnisse sie zusammengefasst, oder wer anders?
Frau K.: Verstehe ich nicht.
Sensburg: Haben sie Bericht gemacht? In jedem Haus IS-Kämpfer z.B.? Nur Beispiel. Aus Informationen aus Befragungen Berichte gemacht oder weitergesteuert?
Frau K.: Nein.
Sensburg: Weder selber gemacht noch weitergeleitet?
Frau K.: Nein. Funktionen im Referat.
Sensburg: Was mit Erkenntnissen gemacht?
Frau K.: Weitergeleitet an Analyse.
Sensburg: Welches Referat ist das?
Frau K.: Ist kein Referat, sondern Geschäftsbereich.
Sensburg: Welcher Geschäftsbereich?
Frau K.: Geschäftsbereich 2. Mehrere Andockstationen.
Sensburg: Wer entscheidet, wer Information erhält?
Frau K.: Kommt auf Information an.
Sensburg: Für uns vieles Neuland, nicht über Fragen wundern.
Erkenntnisse in kleinen Berichten zusammengefasst?Frau K.: Ja.
Sensburg: Herr X wird befragt, dann kleines Protokoll erstellt?
Frau K.: Ja.
Sensburg: Noch weiteren Institutionen zur Verfügung gestellt? BAMF, Verfassungsschutz? Auch für interne Sicherheit interessant?
Frau K.: KA.
Sensburg: Nur sicherstellen, dass Weiterleitung an Abt. 2?
Frau K.: Ja.
Sensburg: Mal Rückkopplung von Abt. 2 bekommen, was besonders wichtig?
Frau K.: Ja.
Sensburg: Regelmäßige Absprachen?
Frau K.: Ja.
Sensburg: Wer führt die Gespräche mit Abt. 2? Länderspezifische Gespräche?
Frau K.: Ja, Funktionalität beschäftigt sich mit Ein-/Ausgang.
Sensburg: Wenn in Abt. 2 Gespräche führen, wer führt die denn? Sachgebiete?
Frau K.: Auftrags- und Meldungskontrolle.
Sensburg: Wie sieht das aus?
Frau K.: Als Verarbeiter bekannt, bekommt Feedback und Steuerung, trägt die in Arbeitsbereich.
Sensburg: Beispiel? Schwer vorstellbar.
Frau K.: Wenn Nachfrage, dann werden Einzelheiten nachgefragt, wird dann verucht, Einzelheiten nachzuliefern.
Sensburg: Wenns um ein Land geht, wer sagt, auf was Wert legen? Feinsteuerung, kommunikativer Prozess? Meetings, Email, Hinweise, was beonders sensibel?
Frau K.: Nicht festgeschrieben, ist den Personen klar, wo Interesse besteht. APB. In Feintuning das, was an Steuerung vorgegeben.
Sensburg: Niemand kann APB der Bundesregierung aufsagen. Klar, dass das Basis von Befragungen ist. Kann aber nicht alles sein. Vermute, dass es Rückkopplung gibt, z.B. zu Syrien?
Frau K.: Über Jahre hinweg etabliert, schon Routine in Arbeit gebildet. Nichts Neues schaffen, Arbeitswege schon da. Eingespielte Routine.
Sensburg: Sagen, war klar. Habe das nie erlebt. Beschreiben? War nie bei ihnen.
Frau K.: Einzelne Nachfragen, die einfließen in Rückläufe auf Informationen, die gegeben werden. Zu Details.
Sensburg: Zu Einzelheiten einer konkreten Befragung? Oder Land?
Frau K.: Je nach Gegenstand. Bei Versorgungslage: „Wie war Brotpreis? Medizinische Versorgung. Wasserversorgung“.
Sensburg: Sowas käme auch an ihr Referat?
Frau K.: Ja.
Sensburg: Gehen Berichte auch an Dritte? Nicht nur BND?
Frau K.: KA.
Sensburg: Bekannt, dass ihre Arbeit nicht nur für BND interessant, sondern auch AND?
Frau K.: Gehe davon aus.
Sensburg: Sagt ihnen „integriertes Befragungswesen“ was?
Frau K.: Ja.
Sensburg: Alt oder neu?
Frau K.: Alt.
Sensburg: Kein Knaller? Nicht besonders?
Frau K.: Ja.
Sensburg: Wie viele Befragungen durchgeführt pro Jahr?
Frau K.: Keine Konstante. Hing von Zulauf von Personen ab. Zeiten mit vielen Befragungen, die fruchtbar waren. Zeiten, wo nicht.
Sensburg: Unterschiedlich zwischen Ländern?
Frau K.: Ja.
Sensburg: Wie viele Befrager? Fallzahlen?
Frau K.: Abnehmende Zahl Befrager. Habe übernommen mit vier Außenstellen, im Lauf der Zeit zurückgebaut, weil Informationsgewinn immer geringer. Standorte/Dienststellen aufgegeben.
Sensburg: Wieviel Personen?
Frau K.: Referat übernommen mit ca. 100 Personen, davon nur [überlegt]. Auch Regiepersonal, Verwaltungspersonal.
Sensburg: So an die 50?
Frau K.: Ja.
Sensburg: Wieviel Befragungen pro Jahr?
Frau K.: Fluktuiert.
Sensburg: In welchen Grenzen?
Frau K.: ~300 pro Jahr.
Sensburg: 50 Befrager: Alle BND-Mitarbeiter?
Frau K.: Nein.
Sensburg: Wieviel andere auch mit Befragungen beschäftigt?
Frau K.: Bis zu zehn, auch Unterschiede. Versetzungen, Personalkörper angepasst.
Sensburg: Die zehn, wo kamen die her?
Frau K.: AND.
Sensburg: Von Five Eyes?
Frau K.: Ja.
Sensburg: USA?
Frau K.: Ja.
Entschuldigen Sie bitte [berät sich mit Eisenberg, Wolff meldet sich: Untersuchungsgegenstand (Untersuchungsgegenstand) nur USA.]Sensburg: Zehn nur USA?
Frau K.: In Zeitraum, als ich Leiterin, ja.
Sensburg: War das für Befragte ersichtlich?
Frau K.: NÖ.
Sensburg: USA, alleine Befragungen gemacht? Oder immer BND dabei?
Frau K.: Grundsätzlich Regel: Im Team mit BND. Aus personeller Hinsicht nicht 100% durchzuhalten.
Sensburg: Erkenntnisse dann BND zugeflossen?
Frau K.: BND bekommen.
Sensburg: USA Erkenntnisse auch selber genutzt?
Frau K.: Nein, nicht, dass ich wüsste.
Sensburg: Warum haben die das dann gemacht, wenn kein eigener Vorteil?
Frau K.: Haben sie doch, schließt sich nicht aus.
Sensburg: Worin Mehrwert?
Frau K.: [schaut zu Wolff, er nickt.] Haben dann andere Quellen zur Verfügung.
Sensburg: Haben die sich dann Kopie gemacht?
Frau K.: KA, weiß nur, was an Infos gekommen.
Sensburg: Mal Gedanken gemacht, was USA da machen? Was deren Intention ist? Wie die Infos nutzen?
Frau K.: [schaut zu Wolff, er nickt.] [?]
Sensburg: Gab es Berichte, die von BND genutzt und von US-Befrager zu seinem Dienst weitergeleitet wurden? Oder haben die auch eigenes Ding gebacken? Oder einheitl. Informationsgewinn?
Frau K.: Soweit ich weiß letzteres.
Sensburg: Nachvollziehbar, gleiche Erkenntnisse?
Frau K.: Ja.
Sensburg: Auch wenn Befragung ohne BND?
Frau K.: Wenn im nat. Interesse, nicht unbedingt mit USA geteilt.
Sensburg: Kriterien?
Frau K.: Absprache mit Auswertung. Wenn nat. Interesse, dann nicht.
Sensburg: Details Erkenntnisgewinnung. Aus ND-Sicht tolle Erkenntnisse? Highlights?
Frau K.: Kann ich nicht beurteilen.
Sensburg: Was wäre denn relevant von bes. Wert? Handynummer von Terrorist?
Frau K.: Kein zentraler Punkt.
Sensburg: Was dann? Aktueller Brotpreis?
Frau K.: Nein, Brotversorgungslage.
Sensburg: Nach Netzwerken, Terrorzellen, Kontakten nicht prinzipiell gesucht?
Frau K.: Nein.
Sensburg: Vllt. für USA relevant? Andere Fragen gestellt?
Frau K.: Nein, medical intelligence, keine Handynummern.
Sensburg: Wundert mich. Was ist medical intelligence?
Frau K.: Krankenhäuser in Gebieten, Versorgung, Ausstattung.
Sensburg: Häufigkeit von Verletzungen, genug Chirurgen?
Frau K.: Ja.
Fragerunde 1: Linke (12:47)
Renner: An Auswahl von Befragten, USA beteiligt?
Frau K.: Zunächst nicht.
Renner: Was heißt das?
Frau K.: Selektion durch BND erfolgt.
Renner: Und dann?
Frau K.: Festgestellt, ob Person rein nat. Interesse ist oder zusammen mit USA.
Renner: Wenn man von Menschen in Zusammenhang mit Selektion spricht, bekommt man in diesem Land Gänsehaut. Keine Bitten von USA zu Herkunftsländern, bestimmten Personen?
Frau K.: Daran erinnere ich mich nicht.
Renner: USA nie gesagt, uns interessiert irgendetwas verstärkt?
Frau K.: Keine Erinnerung.
Renner: Erinnerungen an andern Stellen zu Details, jetzt nicht. Schwierig. Wie BND in den Befragungen vorgestellt?
Frau K.: NÖ.
Renner: Warum?
Eisenberg: Geht um Methoden.
Renner: Was ist darunter zu verstehen?
Frau K.: Methodenschutz.
Renner: Legendiert vorgestellt?
Frau K.: NÖ.
Renner: Will keine Details, nur ob?
[Wolff berät sich, Eisenberg redet, Wolff geht zu Eisenberg und Zeugin, Besprechung.]
Frau K.: Legendierung erfolgt unter HBW.
Renner: US-Partner, auch Legende HBW?
Frau K.: Gehe davon aus.
Renner: Tja. In welcher Form Befragungen von USA schriftl. nachgereicht, wenn Einzelbefragungen?
Frau K.: Ja, gewiss.
Renner: Jede Befragung?
Frau K.: Gehe davon aus.
Renner: Wenn Befragung durchgeführt, welchen Zweck geäußert gegenüber Befragten?
Frau K.: Nie selber teilgenommen, KA.
Renner: Waren Teil Nachrichtengewinnung. Wenn Legende, dann sicherlich besprochen, wie Quelle zum Reden bringen. Referatsbesprechungen, Austausch? Kann ja sein, dass Befragter nicht antworten will.
Frau K.: [Wolff berät sich weiter.] Behörde als solche dargestellt, Freiwilligkeit klargemacht.
Renner: Was gesagt, das Ziel der Behörde?
Frau K.: Schwierig, fließt über in Methodik.
Renner: Hat mit Methodik nichts zu tun. Was gesagt, muss doch irgendwas sein?
Habe mehrfach Gefühl, dass Eisenberg auch inhaltl. Hinweise gibt. Das nicht zulässig. Nur ob Aussage oder nicht. Bitte, das auf solches zu beschränken. Erweckt den Eindruck, dass auch inhalt. Hinweise.
Eisenberg: Wollen sie, dass ich etwas dazu sage?
Sensburg: Nein, wollen wir nicht.
Renner: Wie der befragten Person vorgestellt?
[Eisenberg flüstert.]
Notz: Will sich Vorsitzender das gefallen lassen?
Sensburg: Rechtl. zulässig.
Frau K.: Gesagt, HBW sammelt Informationen. Keinen Einfluss auf Asylverfahren, frewillig.
Renner: Wie ist Erklärung? Jedem Befragten so gesagt?
[Eisenberg redet dazwischen.]
Frau K.: War Weisungslage.
Eisenberg: Sie war doch nicht dabei.
Renner: So durchgesetzt?
Frau K.: Gehe davon aus.
Fragerunde 1: SPD (12:58)
Flisek: Freiwillige Befragung. Also braucht es keine Rechtsgrundlage. Es werden sensible Daten gesammelt, brauchen Rechtsgrundlage. Sie wissen auch, dass es nach Datenschutz-Recht entweder gesetzl. Grundlage oder Einverständnis des Betroffenen braucht.
Frau K.: Verstehe nicht ganz.
Flisek: Rechtsgrundlage?
Frau K.: BND-Gesetz.
Flisek: Wo genau?
Frau K.: Verstehe nicht.
Flisek: Was Rechtsgrundlage für Tätigkeit in Abteilung? Konkreter als ein Gesetz.
Frau K.: Sprechen sie §8 und §9 BND-Gesetz an?
Flisek: Was steht da drin?
Frau K.: Kann ich nicht auswendig. Tut mir leid.
Flisek: Reicht für Übermittlung an AND aus?
Frau K.: [berät sich mit Eisenberg.] Gehe davon aus, dass Rechtsgrundlage §8 BND-Gesetz war.
Flisek: [zitiert §8] Lasse das bei Informatikern durchgehen, aber nicht bei Volljuristin. Sage auf ersten Blick, §8 passt nicht.
Frau K.: Kann Frage nicht beantworten.
Flisek: Freiwilligkeit. Komme aus Passau, habe viel Kontakt mit Flüchtlingen, weiß, wie der Prozess abläuft, wie Menschen eingeschüchtert sind. Dann fragt man die: „Wollen sie uns Angaben machen über pol. Verhältnisse oder Personen?“ Sollen ja nicht über Wetter in Hindukusch berichten. Wie macht man das, dass das freiwillig ist?
Frau K.: Worin besteht Frage?
Flisek: Rede doch verständlich. Wie macht man das, dass jemand in so einer Situation freiwillig redet?
Sie müssen ganz schön lange nachdenken. Wie lange das geleitet? 6 Jahre, nicht lange her. Sind in einem UA, bitte wahrheitsgemäß und umfassend Angaben machen, wie bei Gericht.
Eisenberg: Zeugin braucht Pause.
Flisek: 5 Minuten Unterbrechung. (13:07)
Frau K.: Umstände sind anders als bei Grenzübergang. Gehe nicht von belastender Situation aus.
Flisek: Wie stellen sie das sicher? Finde das ja positiv, will nur wissen.
Frau K.: Befragten waren in Asylverfahren, Anhörung des BAMF schon erfolgt. Hat mit Registrierung nichts zu tun.
Flisek: Schon klar, also schon länger hier und entspannter?
Frau K.: Richtig.
Flisek: Nicht gesagt, wenn Informationen, dann Einfluss auf Asylverfahren?
Frau K.: Im Gegenteil, gesagt, dass kein Einfluss. War Vorgabe.
Flisek: Wenn jemand nicht so gute Chancen auf Bleiberecht hatte und Probleme im Herkunftsland, dann Konstruktion, dass er nachträglich anerkannt wird? Haben doch beim BAMF interveniert.
Frau K.: Das war doch Praxis, wusste der Befragte nicht.
Flisek: Spricht sich das nicht rum?
Frau K.: KA.
Flisek: Halte das für lebensfremd, dass Befragte Eindruck haben, das hätte keine Konsequenz für Verfahren. Will nur Bild von der Situation bekommen.
Frau K.: Hm.
Flisek: Vllt. dann NÖ. Sicherstellung: 100 Mitarbeiter, 50 Befrager, 10 USA. 300 Befragungen pro Jahr.
Frau K.: Etwa.
Flisek: Kommt mir rel. überschaubar vor, hatten Befrager noch andere Aufgaben?
Frau K.: Während der Zeit hat sich Informationsaufkommen geändert, deshalb auch Dienststellen geschlossen.
Flisek: Befrager nichts anderes gemacht?
Frau K.: Nein.
Flisek: Also im Durchschnitt 5–6 Befragungen pro Jahr?
Frau K.: Ja.
Flisek: Nicht schlecht. Wie Befragungen zusammen mit USA? Aber 50 unterbeschäftigte Befrager, drehen die 40 Wochen Deutschlandäumchen? Sie erzählen, aus Kapazitätsgründen USA alleine? Daraus wird kein Schuh.
Frau K.: Fluktuierte, manchmal nur sechs Befragungen, manchmal mehr.
Flisek: USA nur aus Kapazitätsgründen alleine? Bleiben dabei?
Frau K.: Ja.
Flisek: Wann war das z.B.?
Frau K.: In letzten Jahren, hing mit Rotation der deutsch. Mitarbeiter zusammen. Was auch personalgebunden, die neuen, jungen Leute einzuarbeiten.
Flisek: War das Ausnahme oder Regelfall, dass USA alleine?
Frau K.: Grundsätzlich Ausnahme.
Flisek: Aha, grundsätzlich. Wie sichergestellt, dass USA sich an Standards für deutsche Befrager gehalten?
Frau K.: Mit USA Richtlinien aufgestellt. Sicherheit, Arbeit, Berichte, usw.
Flisek: Jemals Beschwerden über Befragungen?
Frau K.: Nicht angekommen.
Flisek: Nichts zu Ohren gekommen? Ihre Wahrnehmung?
Frau K.: Hörensagen, nicht unmittelbar.
Flisek: Was gehört?
Frau K.: Aus der Zeitung.
Flisek: Nicht Dienstbereich?
Frau K.: Nein.
Flisek: Problematisiert, auf welcher Rechtgrundlage USA da rein gehen?
Frau K.: KA.
Flisek: 2013 Weisung durch Bundeskanzleramt. Geändert, ob USA alleine befragen dürfen?
Frau K.: War die Weisung, dass nicht alleine.
Flisek: Haben gesehen, dass viele Dinge angeordnet werden. Warum ihrer Meinung nach diese Weisung?
Frau K.: KA.
Flisek: Gab es Vorbereitung, Besprechung, Stellungnahme, aus dem blauen Himmel?
Frau K.: KA.
Flisek: Schade, schade.
Fragerunde 1: Grüne (13:21)
Notz: Abt. nichts anderes gemacht, als Asylbewerber zu befragen?
Frau K.: Keine Abt., war Referat.
Notz: Also Referat nichts anderes gemacht?
Frau K.: [berät mit Eisenberg.] Im nat. Interesse andere Befragungen, weil Orga-Frage nach Kosten-Nutzen. Andere Felder ausprobiert, Flughafenbefragungen.
Notz: Menschen, die mal in Deutschland einen Stop gemacht haben? Stelle Frage, weil 50 legendierte Befrager, kommt mir spanisch vor. Gab es Tarnabteilung einer Tarnabteilung? Also Befragungen an Flughäfen?
Frau K.: NÖ.
Notz: Anzahl? 1200? 30?
Frau K.: KA.
Notz: Ungefähr?
Frau K.: Zweistellig.
Notz: Finde es erstaunlich, dass nie an Befragung teilgenommen.
Frau K.: Ja.
Notz: Nicht mal zugehört oder geschaut?
Frau K.: Nein.
Notz: Nie?
Frau K.: Nein.
Notz: Wie Referat leiten, wenn sie an wesentl. Aufgabe nie teilnehmen? Wie beurteilen? Wie Effizienzprüfung?
Frau K.: Zwischenvorgesetzte, Sachgebietsleiter, Außenstellenleiter. Regelmäßige Tagungen, da nachgefasst.
Notz: Was haben sie ganzen Tag gemacht?
Frau K.: Gesteuert, wie Arbeit abzulaufen hat. Habe ja Akten gelesen.
Notz: Wie wurde bei Befragungen aufgezeichnet? Tonband? Stift und Zettel?
Frau K.: Stift und Zettel. Regelarbeitsgerät.
Notz: USA auch, hatten die Computer?
Frau K.: Hatten auch Computer.
Notz: Auch die Deutschen?
Frau K.: Ja.
Notz: Also Regel Stift und Zettel, aber auch Computer.
Frau K.: Ja, Notizen machen, abgleichen.
Notz: Was hat Befrager mit in Gesprächsraum genommen? Scheint Problem zu sein.
Frau K.: Einige Laptops im Einsatz, auch Schreibblöcke und Stifte.
Notz: In welches Programm/Datenbank Ergebnisse eingegeben?
Frau K.: Kann ich im Detail nicht sagen.
Notz: Kaufe ich ihnen nicht ab, dass sie nicht sagen können, was mit Ergebnissen passiert. In welche Datenbank haben Deutsche eingegeben, in welche USA?
Frau K.: Informationsweg. Informationsoberflächen, Datenströme.
Notz: Aber nicht auf Stift und Zettel.
Frau K.: Ja.
Notz: Also Fragebögen in Computer?
Frau K.: Im Nachgang.
Notz: Was war denn im Nachgang, was ist mit Infos passiert?
Frau K.: An Auswertung geliefert.
Notz: Wo?
Frau K.: An zuständige Stellen.
Notz: Wer ist das? Ist sehr zäh hier.
Frau K.: Hm.
Notz: Wir dürfen das fragen, sind der Bundestag.
Frau K.: Zuständiger Bericht aus Geschäftsbereich 2, der damit befasst ist.
Notz: Arbeite nicht bei BND, habe KA. [Richtung Bundesregierung: Solche verunsicherte Zeugen zu schicken, nicht in Ordnung.
Sensburg: Müssen auf die Uhr gucken.
Notz: Müssen meine Fragezeit ja mindestens verdoppeln, so wie das hier läuft.
Sensburg: Nein, eher verkürzen.
Eisenberg: 5 Minuten Pause, Zeugin ist entkräftet. (13:31)
[Wolff redet mit Frau K. und Eisenberg.]
Fragerunde 1: Union (13:36)
Warken: Wer Vorgesetzter?
Frau K.: Unterabteilungsleiter und Abteilungsleiter.
Warken: Welche Abt.?
Frau K.: Hat Bezeichnung gewechselt, ursprüngl. Abt. 1, dann EA.
Warken: HBW 2014 aufgelöst, Aufgaben jetzt in anderem Referat?
Frau K.: Nicht verfolgt.
Warken: Was machen sie jetzt? Nichts mit Untersuchungsgegenstand?
Frau K.: Gar nichts damit zu tun.
Warken: HBW über 50 Jahre alt. Wie hat sich die Befragungszahl entwickelt? Waren 300 Befragungen nur alleinige Befragungen?
Frau K.: Beides, soweit ich mich erinnere. Aufkommen in letzten Jahren weniger. 90er Jahre waren gute Jahre. Aber ich kam relativ spät, bis zum bitteren Ende.
Warken: Woran machen sie fest, dass bessere Jahre? Woran machen sie das fest?
Frau K.: Hängt an Zulauf von Asylbewerbern.
Warken: Aber Auftrag gleich geblieben?
Frau K.: Ja.
Warken: Gründe für Auflösungen?
Frau K.: Gab org. Nachfragen, in welchem Zuschnitt aufrecht erhalten. Sachgebiete organisatorisch aufgelöst, Außenstellen geschlossen, Personal zurückgebaut.
Warken: Legt Vermutung nah, dass Tätigkeiten endgültig aufgegeben, jetzt andere Abt., anderes Referat, komplett aufgegeben?
Frau K.: Nur verfolgt bis 2014, ging ja auch durch Presse.
Warken: Also wirklich beendet?
Frau K.: Mein Auftrag endete.
Warken: HBW auf Asylbewerber und Aussiedler konzentriert. Wo waren Befragungen?
Frau K.: Unterschiedlich. Sowohl in Aufnahmestellen, auch in Cafes, was sich angeboten hat.
Warken: Auch bei Menschen zu Hause?
Frau K.: Was heißt zu Hause? Das war ja ihr Zuhause.
Warken: Also nur am Anfang?
Frau K.: Ja.
Warken: In Aufnahmestellen: Hatten sie da Räumlichkeiten, organisatorisch getrennt?
Frau K.: Passierte, ohne dass Heimleitung Bescheid wusste, keine eigenen Räume.
Warken: Welche Regionen waren im Fokus, thematische Schwerpunkte?
Frau K.: Hängt mit pol. Entwicklung weltweit zusammen, Krisengebiete. Balkan, Mittlerer, Naher Osten.
Warken: Nicht alle Asylbewerber gefragt. Woher wussten sie, wann sich Kontaktaufnahme lohnt?
Frau K.: Anhörungsprotokolle gelesen, ausgewählt, wenn befragungsrelevant.
Warken: Von wem Protokolle bekommen?
Frau K.: BAMF.
Warken: Vorabbesprechung?
Frau K.: Ja, ob Person aussagerelevant.
Warken: Wer hat das entschieden, mit AND?
Frau K.: Grundsätzlich BND.
Warken: Aber auch AND?
Frau K.: Ja.
Warken: Wie war Anteil von Vorgesprächen zu tatsächlicher Befragung?
Frau K.: KA.
Warken: Mitarbeiter haben sich als HBW ausgegeben, kam auch anderes vor?
Frau K.: Weiß nichts anderes.
Warken: Zusammenarbeit mit AND, wer genau? CIA?
Frau K.: [Eisenberg berät sich.] Ausschließlich mit DIA.
Warken: DIA?
Frau K.: Defense Intelligence Agency.
Warken: Welche Voraussetzungen brauchten Befrager? Gab es auch Ablehnungen?
Frau K.: Ja, wollten Sprachkenntnisse. Deutsch, auch andere Sprachen.
Warken: Wenn Ablehnung, konnten sie dann darauf einwirken?
Frau K.: Ja.
Warken: Wer hat Ablauf und Inhalte der Befragung festgelegt? AND und BND gleichberechtigt?
Frau K.: BND hatte Rolle des Hauptbefragers. AND-Befrager hat sich dazugesellt.
Warken: Konnte aber frei fragen?
Frau K.: Joa…
Warken: Fragen vorher besprochen, vorher genehmigt?
Frau K.: Ja, mit Einsatzleiter besprochen.
Warken: Hielt man sich daran? Frei in Rahmen eines Themas?
Frau K.: Ja, vorher geschaut, was könnte Zeuge wissen.
Warken: Gab es Konflikte?
Frau K.: Wüsste ich nicht.
Warken: Wie Ergebnisse festgehalten? Laptops von beiden Seiten?
Frau K.: Zur Illustration: Als Hilfsmittel auch Computer herangezogen, nach dem Motto Google Earth. Gefragt: Region zutreffend, Standort Krankenhaus?
Warken: Also örtliche Gegebenheiten erläutern lassen? Bei Google Earth?
Frau K.: Ja.
Warken: Dafür PCs ausschließlich gebraucht? Auch darauf mitgeschrieben? Spezielles Programm? Archiviert, direkt in Befragung?
Frau K.: Danach, Stichworte gefunden, Meldungen zusammengefasst.
Warken: Stichworte mitgeschrieben und archiviert?
Frau K.: Ja, wurde zu Bericht.
Warken: AND auch so gemacht?
Frau K.: Ja. Hat sich geeinigt, wer Bericht verfasst.
Warken: Heißt, AND hat ggf. auf seinem PC mitgeschrieben und am Ende konnte er selbstständig damit umgehen. Kein Einfluss, was mit den Informationen passiert? Wurde ja auch Wert gelegt darauf, dass Meldung angeschaut wird? Wie sicherstellen, dass alles, was zu Tage getreten ist, vorher nochmal überprüft wird, bevor es an AND geht?
Frau K.: Haben über Jahre vertrauensvoll zusammengearbeitet. Hätte dann zu Vertrauensverlust geführt, war ja nicht im Sinne des AND.
Warken: Sicher sagen können sie das nicht?
Frau K.: Kann nur davon ausgehen.
Warken: Welche Software hat USA verwendet?
Frau K.: Bearbeitungssoftware sehr spezifisch und technisch. Hatte Einheit, die sich damit beschäftigt hat. Systeme waren getrennt, haben nicht USA und Deutschen nebeneinandergesetzt, haben sich nicht über die Schulter geguckt. Inneramerikanisches und deutsches Informationsbearbeitungssystem. Bin kein Techniker.
Warken: Also beide mit Laptops, jeder mitgetippt, dann geeinigt, wer Bericht tippt? War das spezielles Programm?
Frau K.: Kann mit speziellem Programm nicht viel anfangen. Gibt Meldungssystem, das wird befüllt.
Warken: US-System war eigenes, sie hatten keinen Zugriff?
Frau K.: Waren integrierte Befragungswesensmeldungen. Waren als amerikanisch erkennbar.
Warken: Aber nun beide zugänglich. USA hatte schon eigene Datenbank, darauf hatten sie auch keinen Zugriff?
Frau K.: Sie fragen nach Link, gab das Informationslink.
Warken: Geht mir nur darum: Wusste deutscher Kollege, mit was Amerikaner mitschreibt?
Frau K.: Doch, hat sich gemeinsam über Ergebnis drübergebeugt.
Warken: Aber USA konnten speichern ohne ihren Einfluss?
Frau K.: War die Verarbeitungsoberfläche.
Warken: Die getrennt war?
Frau K.: Ja.
Warken: Dann gemeinsames Ergebnisprotokoll in integriertem System? Hat man gesehen, von wem der Bericht war?
Frau K.: Genau, Befrager sowieso, notiert: Hat soundsolange gedauert, daundda, Ergebnis.
Warken: Amerikaner hat reinen Mitschrieb behalten? Auf Laptop, Block?
Frau K.: Ja.
Warken: Zahl der Meldungen der HBW? Jährlich, monatlich?
Frau K.: KA.
Warken: Mehrwert für BND bei gemeinsamer Befragung? Hätte Deutschland nicht die selben Ergebnisse erzielen können? Gab es Spezialwissen der Amerikaner?
Frau K.: Hatten Sprachkapazitäten, kein kostspieliger Dolmetscher nötig gewesen.
Warken: Also USA mit Befragtem in Landessprache unterhalten? (!)
Frau K.: Ja.
Warken: Welche Legende US-Mitarbeiter?
Frau K.: HBW.
Warken: Befrager haben auch deutsche Tarnpapiere bekommen?
Frau K.: Ja.
Warken: Warum erforderlich?
Frau K.: Gehört zu Methodik. NÖ.
Warken: Welche Rechtsgrundlage?
Frau K.: BND-Gesetz.
Warken: Jemals Missbrauch der Dokumente?
Frau K.: Nein.
Warken: Wie lange hat AND-Mitarbeiter deutsche Papiere behalten?
Frau K.: Bei Versetzung eingezogen und vernichtet.
Warken: [legt Protokoll 2. Quartalsbericht vor; MAT A BND 2–3‑10, Order 375, Blatt 350ff] „Leider wirkt sich Vorschrift gemischter Teams negativ aus. Mangel an Deutschlands Befragerkapazität führt zu Untätigkeit. Frau K. stimmte Vorschlag zu, dass auch Anwesenheit eines deutschen Praktikanten und Bürosachbearbeiters die Vorgaben der gemischten Teams erfüllt.“
Frau K.: Ja.
Warken: Warum?
Frau K.: Personalverknappung, Mutterhaus erwartet gewisse Leistung. Haben versucht, Ausweg zu finden. Haben langjährige Mitarbeiter, die nicht Befrager waren, mitgeschickt. Oder gestandenen Praktikant.
Warken: BND-Hoheit bei Befragung noch gewährleistet?
Frau K.: Gab Vorbesprechung. Vorgaben waren klar, abgestimmt.
Fragerunde 2: Linke (14:07)
Renner: Noch weitere Unterlagen vom BAMF bekommen?
Frau K.: KA.
Renner: Herr Eisenberg weiß es auch nicht. Waren bei Anhörungen Mitarbeiter von BAMF dabei?
Frau K.: Nein.
Renner: Waren sie bei Anhörungen des BAMF dabei?
Frau K.: Nein.
Renner: Auf welcher Grundlage Dokumente von BAMF bekommen?
Frau K.: BND-Gesetz.
Renner: Aber Asylverfahrensgesetz §8 einschlägig. [zitiert] Von BND nicht die Rede. Nun, auf welcher Rechtsgrundlage von BAMF Anhörungsprotokolle erhalten?
Frau K.: Soweit ich mich erinnere aus BND-Gesetz, §8 oder §9. Geht ja grundsätzlich um Informationen an den BND.
Eisenberg: Können sie mal vorlegen, was sie vorgelesen haben?
Renner: Möchte keine Antwort aus BND-Gesetz, sondern Erinnerung der Zeugin. Ich gehe davon aus, dass für Übermittlung von Daten Asylverfahrensgesetz einschlägig.
Sagten, gebe auch Verfahren an Flughäfen? Auch Fluglisten vorgelegt bekommen?
[Wolff meldet sich: Flughafenverfahren nicht Untersuchungsgegenstand.]
Renner: Hat was damit zu tun. Wurden an Flughäfen Asylbewerber und Spätaussiedler befragt?
Frau K.: Nein.
Renner: Normale Transitreisende, Touristen?
Frau K.: Ja.
Eisenberg: Nicht Untersuchungsgegenstand.
Frau K.: USA waren daran nicht beteiligt.
Renner: USA haben auch nicht die Daten aus Flughafenbefragung bekommen?
Frau K.: Nein.
Renner: Frage zu Organisatorischem und Inhaltlichem. Am 28.11.2013 gab es mündliche Frage in Plenum, Antwort: „Immer organisatorische und inhaltliche Aufsicht durch BND.“ Jetzt: Vorzug, dass USA Landessprache der Flüchtlinge konnten. Wenn deutscher Praktikant danebensaß, wie konnte der kontrollieren, was gefragt wird?
Frau K.: Haben im Nachhinein Bericht gesehen.
Renner: Da kann man ja sonstwas reinschreiben. Z.B. „Habe nach dem Brotpreis gefragt“. Aufsicht nicht gewährleistet, USA konnten fragen, was sie wollten.
Frau K.: Das was niedergelegt war, war ja auch deutsch.
Renner: Kann ja auch falsch sein. Kennen sie Begriff „hidden agenda“ oder „Segeln unter falscher Flagge“. Kann noch mehr Begriffe aufzählen. Jemals gefragt, ob USA 100% ehrlich?
Frau K.: Kein Anlass zu Zweifel.
Renner: Welche Sprache Berichte?
Frau K.: Deutsch.
Renner: Auch US-Amerikaner?
Frau K.: Ja.
Renner: Gab es auf US-Seite Pendant zu Ihnen?
Frau K.: Nein, nur Teamleiter.
Renner: Saß auch bei ihnen?
Frau K.: In Außenstelle.
Renner: Wo?
Frau K.: Veränderung über Jahre.
Renner: Beispiel?
Frau K.: In Berlin.
Renner: Wo saß wann Teamleiter?
Frau K.: Nicht mehr genau einordnen. Solange ich an Stelle, in Berlin.
Renner: Wo saß der? BND, US-Botschaft?
Frau K.: BND-Liegenschaft.
Renner: Was stand an seiner Tür?
Frau K.: NÖ.
Fragerunde 2: Union (14:21)
Warken: Von Seiten AND, anderes Personal als Normalbefrager?
Frau K.: Gelegentlich.
Warken: Welches genau?
Frau K.: Soweit ich mich erinnere, Auswerter.
Warken: Direkt teilgenommen?
Frau K.: Ja, erinnere nicht genau.
Warken: Warum? Wurde bestimmt vorher besprochen?
Frau K.: In Zusammenhang mit Auswertung. Entschied ja, ob nat. Interesse vorlag oder AND dabei sein kann. Im Fall des Falles auch Befragung mit AND-Auswerter.
Warken: Welche Gründe, Besonderheiten bei Befragtem?
Frau K.: Besondere Sachgruppen.
Warken: Nochmal Anfragen/Antwort Staatssektretär Dr. Schröder auf Frage von MdB Korte: „Meldungen werden bei Bedarf bereinigt. Rund 60% der Meldungen gingen an AND.“ Betont, dass Fachaufsicht des BND und Ergebnisse vorher überprüft. Ist dann schon ein bisschen weltfremd, zu sagen, dass Fachaufsicht des BND bestanden hat, weil Befrager seine Mitschriften direkt weitergeben konnte?
Frau K.: Muss sich vertrauensvolle Zusammenarbeit vorstellen. Kein Anlass zu Zweifeln.
Warken: Bundesregierung hat gesagt, keine Weitergabe von milit. Daten. [Dokument MAT A BND 2–5‑10, Ordner 413, VS-Nfd., Email von 5.11.2013] „EAC wird vor Hintergrund akt. Presse gebeten, bis auf weiteres keine Daten mit Relevanz für mögliche Angriffsziele weiterzugeben.“ Erläutern, bis zu diesem Zeitpunkt Weitergabe?
Frau K.: Bezieht sich auf Sensibilisierung auf bestimmte Vorgänge, Geodaten.
Warken: Hat vorher sein können, dass einer ein Kreuzchen für mögl. Angriffsziel genannt hat und AND das verwerten konnte? Also ab Zeitpunkt der Mail hat man sowas nicht mehr gemacht?
Frau K.: Soweit ich mich erinnere damals Presseberichte, die auf Drohnenszenario eingegangen sind. Insgesamte Sensibilisierung bei Informationsbeschaffung. Aufpassen, mögliche Relevanz für Angriffsziele.
Warken: Also vorher mögl. Angriffsziele?
Frau K.: Nein, war vorsorglich.
Warken: [Dokument Tagungsprotokoll 24./25.10.2007: MAT A BND 2–1‑d, Ordner 346, Seiten 34ff, VS Nfd.] „Sperrung von Quellen aus Palästina, Syrien, Libanon: Keine Veränderung derzeitige Regelung. Aber Ortsangaben, Beschreibungen, milit. taktische Informationen. Vermeiden, dass Partner von gesperrter Meldung Kenntnis erlangen. Vorprüfung ausschließlich durch P1-Befrager vorzunehmen.“ Seit wann Regelung?
Frau K.: Zeit vor meiner Referatsleitung.
Warken: Was Auslöser der Regelung?
Frau K.: KA.
Warken: Hatte noch während ihrer Zeit bestanden?
Frau K.: Müsste.
Warken: Infos, dass sie AND dennoch zur Kenntnis gelangten?
Frau K.: KA.
Warken: 19.12.2008: „Gemäß Weisung 12c, 2006 soll bei Befragungen Palästina, Jordanien,Libanon, Syrien, … kein Kontakt nur durch AND-Befrager erfolgen … Keine Informationen ohne Genehmigung weitergeben.“ Klingt, als ob bis 2006 milit. nutzbare Ergebnisse weitergegeben, danach in Einzelfällen möglich. Richtig?
Frau K.: Vor Amtsantritt, KA.
Warken: Aber wäre möglich gewesen. Nach welchen Kriterien Weitergabe?
Frau K.: Entscheidung pol. Ebene.
Warken: Sie nicht damit befasst?
Frau K.: Anfrage.
Warken: Haben sie gemacht?
Frau K.: Ja.
Warken: Kam das öfter vor? Eher zugestimmt/abgelehnt? Begründungen?
Frau K.: Pol. Abwägungsprozess, kein Massenvorgang.
Warken: [Dokument MAT A BND 2–3‑2b, Ordner 274, 12.1.2006] „Bei Recherchen haben sich in Zeitraum ? 170 Meldungen ergeben, die an AND verteilt wurden. Mehrzahl Lokalisierung von Objekten. Nur 27 der Meldungen durch AND-Befragungen. Aussage, ob Quellen in Beisein BND befragt, nicht möglich. Weisung, dass bis Ende Irakkrieg keine alleinige AND-Befragung, nicht zu beurteilen.“ Wie bewerten sie Aussagen?
Frau K.: Vor meiner Zeit.
Warken: Also vorher Befragungen nur von AND-Mitarbeiter, bei denen Weiterleitung von milit. nutzbaren Infos kam?
Frau K.: KA, 2006. Gabs 2006 schon Google Maps?
Warken: [Dokument, 2005] „Partnersystem zu Befragung mit Satellitenbildern brauchte zwei leistungsfähige Notebooks. Also gab es Satellitenbilder.“ Also milit. Infos abgefragt?
Frau K.: Milit. und milit. nutzbar unterscheiden.
Warken: Sachinformation vs. taktische Information.
Weil milit. Information nicht gleichzeitig nutzbar? Also milit. Info weitergegeben und dann gezeigt, ob auch nutzbar? Wurde von ihnen geprüft?
Frau K.: Z.B. wenn auf Satellitenbild Gebäude zu sehen: Dann Frage, wird milit. genutzt oder nicht? Ist milit. interessant, muss aber nicht taktisch nutzbar sein.
Warken: Information an sich wäre an AND weitergegeben worden?
Frau K.: KA zu Zeitraum vor meiner Leitung. Rest NÖ.
Warken: Jahresbericht 2005: Partner 3, System für Satellitenbilder, 2 Notebooks nötig. Wenn System von AND, sicherstellen, dass Information nicht direkt zu AND gegangen?
Frau K.: Kein Anlass, das zu glauben.
Warken: Über Vor- und Nachbesprechung hinaus keine bes. Sicherstellung?
Frau K.: Ja.
Warken: Anderer Bereich. Zusammenarbeit HBW mit BAMF: Welche Arten von Informationen ausgetauscht? Eigene Worte?
Frau K.: Beamten im BAMF gehabt, der Kontakte gepflegt hat, Scharnierstelle.
Warken: Regelmäßger Austausch oder regelmäßiger Mitarbeiter?
Frau K.: Regelmäßiger Mitarbeiter.
Warken: Gab es Schulungen zu Asylrecht z.B.?
Frau K.: Nein.
Warken: In Entscheidungsvorlage an BND-Präsident steht: BAMF gab zentrale Tips für Befragungen. Gibt Tips zu Asylbewerber über EAC an BND. Informationsgesuch BND auch pauschale Übermittlung zu pers. Daten von Asylbewerber. EAC verteilt Hinweise in Außenstelle des Befragungswesens. EAC in Nürnberg, war das der Mitarbeiter, von dem sie sprachen?
Frau K.: Ja.
Warken: Wie eng Zusammenarbeit?
Frau K.: Regelmäßige Fachkontakte.
Warken: Gab Mail an sie am 6.11.2012: Interne Abstimmung um parl. Anfrage. [MAT A BND 2–1e, Ordner 347, Blatt 111,112] „Bei Beantwortung der Frage tue ich mir schwer, Rechtsgrundlage zu finden bzw. zu kreieren. (!) Kann auf 4/4a BDSG nicht zurückgreifen. Sonstige Übermittlungsbestimmungen gibt es nicht. Übertragung an HBW sonst nicht vorgesehen. §8 BND-Gesetz geht nicht, weil Übermittlung an HBW, weil eigenständige Behörde.“ Erläutern!
Frau K.: Doppelcharakter der Befragungsstelle. BND-Stelle und nach außen eigene Behörde. 2012 war noch nicht HBW enttarnt als BND. Deshalb BND-Gesetz nicht unmittelbar anwendbar.
Warken: Rechtsgrundlage aufgeworfen und verworfen, was war für sie Grundlage?
Frau K.: §8 BND, war ja BND-Beamtin.
Fragerunde 2: Grüne (14:48)
Ströbele: Hängt nicht davon ab, für wen sie arbeiten, sondern ob sie enttarnt sind. Meinen sie das ernst?
Frau K.: Habe grade Gegenteil gesagt.
Ströbele: Haben gesagt, auch damals BND-Gesetz angewendet. Waren Zwitterbehörde.
Frau K.: Schon schlüssig, Unterschied ob Argumentation aus HBW oder BND.
Ströbele: Was denn?
Frau K.: Kein Bruch für BND, kann unmittelbar auf BND-Gesetz zurückkommen.
Ströbele: Sie sind doch Teil des BND, werden darüber bezahlt. Richten sich nach BND-Gesetz, aber sind keiner. Einschränkungen für BND gelten nicht. Wo gesetzl. Grundlage für Informationen von BAMF über Flüchtlinge?
Frau K.: Bin immer BND, also BND-Gesetz. Wenn gefragt als HBW, dann steht BND-Gesetz nicht zur Verfügung.
Ströbele: Wie gegenüber BAMF aufgetreten. BND?
Frau K.: Ja.
Ströbele: Also waren sie das auch, dann hätten sie doch keine Daten kriegen dürfen. Sie sind Juristin.
Frau K.: Aus BND heraus konnte ich mich darauf berufen. [Erheiterung bei Wolff.]
War BAMF bekannt, dass HBW BND war.
Ströbele: Von Anfang an?
Frau K.: Ja.
Ströbele: Warum geben die ihnen dann Informationen ohne gesetzl. Grundlage?
Frau K.: Dürfen sie doch.
Ströbele: Wo in BND-Gesetz, dass sie Infos von BAMF kriegen dürfen?
Frau K.: Spezialfall, der nicht im BND-Gesetz steht. Ist Regelung, die für den BND gilt.
Ströbele: Haben ohne Rechtsgrundlage gearbeitet…
Haben gesagt, milit. Infos müssen nicht nutzbar sein. Waren Panzerstellungen u.ä., sagen sie das waren milit. Infos, die nicht nutzbar sind? Erst wenn die Bombe drauffällt? Abenteuerliche Begründung. Waren milit. Infos von ihnen nicht auch milit. nutzbar?
Frau K.: KA.
Ströbele: Wenn sie bei Befragung mit/ohne AND bei Informanten waren, auch nach Wilmersdorf eingeladen?
Frau K.: Ausnahmefall.
Ströbele: Stand da BND dran?
Frau K.: Nein.
Ströbele: Wussten die, wo sie hinkommen?
Frau K.: HBW.
Ströbele: Haben sie gesagt, dass sie ein ND sind?
Frau K.: War nie an Befragung beteiligt.
Ströbele: Sollten Mitarbeiter reinen Wein einschenken?
Frau K.: Nein, waren von HBW.
Ströbele: Flüchtling aus Somalia kann sich darunter nichts vorstellen. Wurde das erklärt?
Frau K.: Nein.
Ströbele: Bewusste Irreführung, Karten nicht auf Tisch gelegt. War deren Risiko. Wenn sie bei Befragung rausbekommen haben, dass dieser im Irak in Labor beschäftigt war mit Giftgas. Oder aus Somalia hat Onkel bei Islamisten beschäftigt. In solchen Fällen diese Person selber weiterbefragt, oder gab es Stelle im BND, wo bei gravierenden Fällen weitergegeben wurde für mehr Befragung?
Frau K.: Schließe ich nicht aus.
Ströbele: Somalia-Fall in ihrer Zeit. Haben sie selber mal für Flüchtlinge interveniert, Ausländeramt, BAMF, zügigere Bearbeitung. Wissen sie von solchen Gesprächen, selbst teilgenommen?
Frau K.: Selbst nicht teilgenommen, Rest NÖ.
[Sitzung unterbrechen, weil namentliche Abstimmung (14:59)]
Fragerunde 2: SPD (15:23)
Sensburg: Zeugenbeistand fehlt.
Zwischenruf: Das ist ja gar nicht so schlecht.
Flisek: Haben fast alle wesentlichen Bereiche berührt. Frage: Waren bei Befragung nie beteiligt? Waren sie mal anwesend?
Frau K.: Nein.
Flisek: 6 Jahre Leitung HBW, nie gedacht, ich gucke mir das einmal an? Warum?
Frau K.: Arbeitsverteilung, Sachgebiete, Außenstellen, Frageführer, Beamter für Sicherheitsfragen. Mit USA Richtlinien festgelegt, konnte davon ausgehen, dass diesen auch entsprochen wurde.
Flisek: Wenn ich mir vorstelle, man hat Leitungsfunktion, dann will ich wissen, wie der Kernprozess läuft, aus dem sie Produkte liefern. Nicht im Sinne von Kontrolle, sondern Interesse.
Frau K.: Bild ergab sich aus Berichten. Habe alle Personen gekannt, hatte Persönlichkeits- und Leistungsbild.
Flisek: Gibt Bericht der SZ vom 3.12.2013.
Frau K.: Könnte ich den auch sehen?
[Renner sucht, Zeugin wird Zeitungsmeldung gebracht.]
Flisek: „Von BND weitergegebene Meldungen werden bei Bedarf bereiningt, wegen Datenschutz und milit. nutzbaren Zielen.“ Wie erfolgte das?
Frau K.: Z.B. Geologisches Datum verallgemeinert.
Hahn: Haben einzelne Informationen bewusst verändert?
Flisek: [wiederholt Frage.]
Frau K.: Geht ja um die Weitergabe.
Ströbele: Dann werfen sie die Bombe eben daneben!
Flisek: Also wurden geografische Koordinaten verändert?
Frau K.: Z.B.
Flisek: Das ist ja irre. Das ist auch für vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht förderlich. Wer hat entschieden, wie manipulieren?
Frau K.: Fachleute.
Flisek: Nach welchen Kriterien?
Frau K.: KA.
Flisek: Würde denken, manche Informationen werden dann gar nicht weitergegeben, geschwärzt…
Frau K.: Das geht genauso. Wurde auch gemacht.
Flisek: Haben Interessantes geschildert, was Probleme erzeugt, wenn Geoinformationen geändert.
Wolff: Will nicht, dass falscher Eindruck entsteht. Wenn Zeugin etwas weiß, dann NÖ.
Flisek: Haben ja Leute von Führungsebenen. Frage mich, was BND-Leute in führenden Stellen überhaupt wissen, oder wissen sollen. Wenn ich angucke, was man meint, nicht zu wissen, in so einer Führungsposition… Frage mich, wie man eine Einheit führen kann ohne zu wissen, wie sowas vor Ort konkret abläuft. Entweder weiß man es nicht oder das ist eine Schutzbehauptung.
Frau K.: Geht um Weitergabe von Infos an Partner. Gibt Palette an Optionen, wie man Infos bereinigt.
Flisek: Das wäre der Oberbegriff. Uns interessiert, inwieweit Informationen an AND weitergegeben wurden, z.B. als Anlass für Drohnenschläge.
Frau K.: KA.
Flisek: Also gab keine Hinweise, bekommen bei Meldungen nicht mit, was da passiert. Das was da 6 Jahre in ihrer Verantwortlichkeit produziert wurde, können sie ausschließen, dass dabei Infos waren, die geeignet waren, tödl. Drohnenangriffen zu dienen?
Frau K.: [redet mit Eisenberg] Zu Einzelheiten zu nicht-weitergegebenen Infos: NÖ.
Grundsätzlich kann ich das nicht ausschließen.
Flisek: Ok, werden NÖ an dem Punkt weitermachen. Es ist die Rede davon, dass integriertes Befragungswesen weltweit einzigartig. Kennen sie die Bewertung? Sehen sie das auch so?
Frau K.: Konnte man in den Festschriften immer lesen.
Flisek: Was für Festschriften?
Frau K.: Jahrestag, Jubiläum.
Flisek: Was zeichnet Einzigartigkeit aus?
Frau K.: Vor allem Langlebigkeit.
Flisek: Also, dass man das über 50 Jahre gemacht hat?
Frau K.: Ja.
Flisek: Gibt es das irgendwo anders auch?
Frau K.: [redet mit Eisenberg.] Kann ich nicht beurteilen.
Flisek: Waren USA mit Ergebnissen zufrieden?
Frau K.: So waren die Rückäußerungen.
Flisek: Was für Äußerungen, wer war ihr Counterpart?
Frau K.: Z.B. US-Teamleiter.
Flisek: Wie oft getroffen?
Frau K.: 1–2 Mal im Jahr.
Flisek: Was besprochen?
Frau K.: Arbeitsergebnisse, Zielvorstellungen.
Flisek: Statistiken, Erfolgsbilanz, Zufriedenheit? Durch die Bank positiv?
Frau K.: Ja, war mein Eindruck.
Flisek: USA hat nie gesagt, etwas Bestimmtes zu intensivieren?
Frau K.: Soweit ich mich erinnere nein.
Flisek: Wenn 50 Befrager, Befragung kann sehr kurz sein, wie Vorstellung?
Frau K.: Interview.
Flisek: EIN Interview?
Frau K.: In der Regel, können auch mehrere Interviews sein.
Flisek: Wie lange durchschnittliche Befragung der Befragungsquelle?
Frau K.: Können wenige Informationen sein, oder mühsam.
Flisek: Man befragt ja nicht lange, wenn man weiß, da kommt nix. Befragungen über Wochen, Monate? Immer wieder?
Frau K.: Gab solche Fälle.
Flisek: Einzelfälle?
Frau K.: Ja.
Flisek: Sonst schnelle Einzelinterviews?
Frau K.: Richtig.
Flisek: Befrager haben sonst nichts gemacht?
Frau K.: Was hätten sie machen sollen?
Flisek: Selektorenprüfer haben auch noch anderes gemacht.
Wenn USA alleine gefragt haben, was bis zu Weisung der Fall…
Frau K.: Nur im Ausnahmefall.
Flisek: Was heißt das?
Frau K.: Die Weisung war vor meiner Amtszeit.
Flisek: Ne, 2013.
Frau K.: 2006 war doch das, was besprochen wurde.
Flisek: Warten sie mal kurz.
Gab Aussage von Referat 603, dass Befragungen auch ohne BND erfolgen, hat angemerkt, dass das nicht so sein soll. Das war November 2013.
Frau K.: War Neuauflage, dass Befragung nicht ohne BND sein soll.
Flisek: Sollen? Macht Unterschied dazu, das sicherstellen zu müssen.
Frau K.: Das war die Konsequenz. Keine Soll-Vorschrift, Weisung wurde erlassen, Referat hatte sich fortentwickelt.
Flisek: Nochmal: Sollvorschrift oder bindend?
Frau K.: Nochmal Wortlaut 2006-Weisung zeigen, bitte.
Flisek: Hätte gedacht, dass sie das präsent haben. Das sind die elementaren Grundbedingungen ihrer Arbeit. Mir fehlt das Verständnis.
Fragerunde 3: Linke (15:47)
Hahn: AND eigenständig Befragungen durchgeführt, ja?
Frau K.: Ja
Hahn: Wussten nicht, was USA mit Notizen machen?
Frau K.: Ja.
Hahn: Teilweise BND keine Ahnung, was besprochen wurde, weil Sprache?
Frau K.: Teilweise.
Hahn: Können nicht ausschließen, dass Ziele für Drohnenangriffe genutzt werden?
Frau K.: Kann nicht ausschließen, aber keine Hinweise darauf.
Hahn: Wenn bereinigte, verfälschte Daten an USA, haben die evtl. falsche Ziele bekämpft?
Frau K.: Keine Hinweise.
Hahn: Hat Mitarbeiter im BAMF selbst ausgewählt, welche Infos weitergegeben wurden?
Frau K.: APB.
Hahn: Welchen Status hatte der BND-Mitarbieter beim BAMF, was konkret gemacht? Alle Unterlagen eingesehen?
Frau K.: Nur die, die Kriterien entsprochen haben?
Hahn: Gelost? Wie macht er das?
Frau K.: BAMF kannte Kriterien.
Hahn: BAMF-Mitarbeiter wussten, dass es ein BND-Mitarbeiter war? Wofür haben sie die Infos dann rausgesucht?
Frau K.: Für die Behörde.
Hahn: Welche Behörde, HBW?
Frau K.: Ja.
Hahn: Was war Ziel der Befragungen?
Frau K.: Informationsbeschaffung.
Hahn: Auch um V‑Leute zu bekommen?
Frau K.: Nein.
Hahn: Für BND selbst, nach Status der Einbürgerung?
Frau K.: [berät mit Eisenberg] Ist das Untersuchungsgegenstand?
Hahn: Natürlich.
Frau K.: Warum?
Hahn: Habe Frage gestellt, will, dass sie die beantworten.
Wolff: Untersuchungsgegenstand ist, wie Bundesregierung AND ermöglicht hat, an Befragungen teilzunehmen.
[Zwischengerede.]
Eisenberg: Frage, ob USA …
Hahn: [unterbricht] Galt die Befragung der Werbung von Quellen?
Frau K.: Nein.
Eisenberg: Wer jetzt? Ist nicht Untersuchungsgegenstand.
Frau K.: Wüsste ich nicht.
Hahn: Wenn BAMF wusste, dass Mitarbeiter vom BND sind, wer wusste das? Behördenleiter, Mitarbeiter, …?
Frau K.: Eingeschränkter Personenkreis.
Hahn: Welcher?
Frau K.: Leiter der Behörde und mein Counterpart im BAMF.
Hahn: Also alle anderen Mitarbeiter dachten, wäre staatliche Stelle, die nichts mit ND zu tun hat?
Frau K.: Mitarbeiter des BAMF war klar, dass Behörde mit sicherheitlichem Bezug.
Hahn: Habe ein Buch: „Geheimer Krieg“. Da fragen die Befrager nach Wegen von Präsidenten im Ausland, … Was hat das mit der Sicherheit von Deutschland zu tun?
Eisenberg: Was ist denn das für ein Buch?
Hahn: Ein sehr gutes Buch.
[Unterbrechung für namentl. Abstimmung (15:57)
Geht weiter, Eisenberg fehlt (16:22)]
Sensburg: Geht ohne Rechtsbeistand weiter. Zeiten sind klar.
Fragerunde 3: Union
Warken: Besprochen, wie Ablauf der Befragung und Ergebnisse verarbeitet. Sagen, es werden Berichte erstellt. Was passiert dann?
Frau K.: Ǵing an Referat Stelle Auftragssteuerung/Koordinierung.
Warken: Direkt von Befrager an die Stelle, oder nochmal drübergeguckt?
Frau K.: Nochmal drübergeguckt, Rechtschreibfehler.
Warken: Nur redaktionell?
Frau K.: Ja.
Warken: Und dann an Auftragssteuerung?
Frau K.: War ja in meinem Referat.
Warken: Was haben die mit Bericht gemacht?
Frau K.: Produkt bei Auswertung angeboten, geprüft ob zielgerichtet ja/nein.
Warken: Also ob APB?
Frau K.: Ja, also ob Fleisch dran.
Warken: Ggf. Auftrag gegeben, weiterzubefragen?
Frau K.: Hätte sein können, dass Info schon bekannt.
Warken: Dann Meldung erstellt und an Auswertung gegeben. Wo war dann Zuständigkeitsbereich? Innerhalb BND?
Frau K.: Ja.
Warken: Dort auch entschieden, was an AND geht?
Frau K.: Ja, Auswerter hat entschieden.
Warken: Welche Kriterien?
Frau K.: [zögert lange, redet mit Eisenberg] Rückfrage: Welches Prozessende interessiert sie?
Warken: Anhand welcher Kriterien hat Auswerter entschieden, was weitergegeben werden kann und was man selbst behält?
Frau K.: Ja, genau. Man hat geschaut: Was ist nat. Interesse, was ist dem AND abträglich, Quelle hat sich negativ zu USA geäußert?
Warken: Also Quellenschutz?
Frau K.: Ja.
Warken: Jede Meldung durchgeguckt und dann weitergeleitet?
Frau K.: Ja.
Warken: Keine Filter, Selektoren?
Frau K.: Inhaltlich angeguckt und weitergegeben.
Warken: Suchegriffe angewandt?
Frau K.: Nein.
Warken: An wen ging das bei AND?
Frau K.: Kann ich techn. nicht genau sagen. Haben Feedback bekommen, Referat ist mit Endergebnis betraut worden, haben wir USA weitergegeben. Nicht zielgerichtet auf USA zurückgesteuert.
Warken: Also Auswertung hat das ihnen gesagt?
Frau K.: Mein Referat.
Warken: Wie hatte Auftragssteuerung/Koordination damit zu tun, wer war ihr Gegenpart? Wohin haben die Meldung gegeben? An Stelle in Deutschland, USA, an Befragungsleute?
Frau K.: Kam als Feedback an USA, wurde US-Mutterhaus weitergeleitet.
Warken: Nicht ganz verstanden. Also gegeben an Person, die an Befragung teilgenommen hat? Keine Gegenstelle zu Sachgebiet Auftragssteuerung in USA, die das entgegengenommen haben? Befrager war der, der die fertige Meldung bekommen hat und weitergegeben hat? Gab es Austasch zu noch anderen Personen?
Frau K.: Gab bei USA auch auswertende Stelle, gab soweit ich mich erinnere kein Pendant zu Auftragssteuerung.
Warken: Wo war die Stelle, in ihren Räumlichkeiten?
Frau K.: Washington.
Warken: Zusammenarbeit mit denen fand statt?
Frau K.: Befrager geschickt. Ging an deutsche Auswertung, von deutscher Auswertung [überlegt] grundsätzlich auch an… Hm, müsste so sein.
Warken: In Antwort an parlm. Anfrage heißt es: 60% der Meldungen sind an AND weitergegeben worden. Wie das funktioniert hat, hätte ich gerne konkretere Vorstellung. Wie an USA gegangen? Über Befrager oder direkt?
Frau K.: KA.
Warken: [Dokument MAt A BND 2–1c, S. 13, VS-Nfd] Zu Zusammarbeit BND-USA: Für 12c nicht USA-MD, sondern USA-ND. Kann aber an allen übermittelnden Meldungen partizieren. Kann teilnehmen und Fragenkataloge einbringen. USA-ND wäre CIA, oder?
Frau K.: Ja. CIA tritt in Community als kräftiger Partner auf. Interessen aufgekommen, man musste reagieren. Schreiben war vor meiner Zeit.
Warken: CIA konnte Interessen über USA-MD einsteuern, nicht direkt?
Frau K.: Ja.
Warken: Rechtliche Grundlage für Zusammenarbeit, Kostenteilung, was hat BND bekommen? Know-How-Austausch? Schriftl. Vereinbarungen?
Frau K.: Gab Schriftliches, NÖ.
Warken: Was ist für BND rausgesprungen? Kostenbeteiligung?
Frau K.: Ja.
Warken: Zusammenarbeit HBW/BAMF: Clearingstelle erwähnt. Eine Person, mehrere? Warum eigentlich Clearing?
Frau K.: Ausdruck habe ich übernommen, ich habe Verbindungsstelle gesagt. Hat sich vor meiner Zeit eingebürgert.
Warken: Eine Person, mehrere?
Frau K.: Verbindungsbeamter eine Person. Funktion Verbindungshaltung zwei, also ein Vertreter.
Warken: Auf welcher Grundlage, Schriftliches? Besprechungen?
Frau K.: Besprechungen und Vereinbarungen. KA, wie tief die waren.
Warken: BAMF hat Vorauswahl getroffen, nach welchen Kriterien? Schriftliches, nach was zu schauen ist? Seltsam, wenn nur BAMF-Mitarbeiter entscheidet.
Frau K.: APB, Herkunftsländer, interessante Erkenntnisse aus Anhörungen.
Warken: Wie groß Menge an Akten vom BAMF? Jeder 2. Asylbewerber, jeder 5.? Akte in Papierform? Wie weitergegangen?
Frau K.: Aufkommen unterschiedlich, konnten nicht steuern, wieviele Leute kommen. Haben reagiert, nicht agiert.
Warken: Also Verbindungsbeamter hat Akten gekriegt und weitergegeben? Landeten Akten bei ihnen? Was war da drin?
Frau K.: Hatte Auszüge von Akten, an Außenstellen verteilt.
Warken: Inwiefern hat Mitwirkung Einfluss auf Asylverfahren [Dokument MAT A BND 2–3c, Ordner 375, S. 16 vom 17.12.12] „Intern sollten wir Bundeskanzleramt Realität schildern. Nehmen Einfluss auf Asylverfahren. Strenger Maßstab mit BAMF abgestimmt.“ Welcher Maßstab war das?
Frau K.: [liest] Wenn Nachfluchtgründe bestanden, das BAMF mitgeteilt.
Warken: Also gesagt, Nachfluchtgrund. Und dann BAMF gehandelt oder nicht?
Frau K.: Ja.
Warken: Wie „strenger Maßstab“ zu verstehen?
Frau K.: Soweit ich mich erinnere bezogen auf Anzahl.
Warken: Also bei wie vielen Einfluss genommen wird.
Frau K.: War meine spontane Idee, KA.
Warken: Warum Einfluss? Um Befragten zu schützen?
Frau K.: Ja.
Warken: Noch andere Gründe?
Frau K.: Fallen keine ein.
Warken: Erinnern sie sich, bei wie Vielen es wegen Einflussnahmen positive Entscheidung gab?
Frau K.: Minderzahl von Fällen.
Warken: Weil auf wenige Fälle reagiert oder weil wenig Hinweise gegeben?
Frau K.: KA, kann mich nur an Ergebnis erinnern. Wenig positive Entscheidungen. Überschaubar.
Warken: Können nicht sagen, ob BAMF immer ihrem Hinweis gefolgt oder nicht?
Frau K.: Tendenziell haben sie das gemacht.
Warken: Haben Befragte Aufwandsentschädigung bekommen?
Frau K.: Wenn überhaupt, dann Aufwandsentschädigung.
Warken: Für Anreise, Zeit?
Frau K.: Ja.
Warken: Größenordnung?
Frau K.: Fahrtkosten.
Warken: Darüber hinaus, Tagessätze, geldwerte Vorteile? Hatten sie Budget?
Frau K.: Nein, habe Wasser ausgegeben oder Kleinigkeit zum Essen.
Warken: Über Ersatz von Aufwendungen nichts erinnerlich?
Frau K.: Nein.
Schipanski: Rechtsgrundlagen: Haben zu BAMF §8 BND-Gesetz genannt. Behörde hatte Doppelcharakter, was war aus ihrer Sicht da Rechtsgrundlage?
Frau K.: Ist ND-Mittel, also BND-Gesetz.
Schipanski: Weitergabe der Infos zum AND: Schriftl. Vereinbarungen, die NÖ?
Frau K.: Ja.
Schipanski: Diese Vereinbarung ihnen bekannt?
Frau K.: Ja.
Schipanski: Hatten sie auch bei Arbeit in Partnerbeziehungen sowas schon gemacht?
Frau K.: Überhaupt nicht.
Schipanski: Unmittelbare Tätigkeit in Referat: Wenn sie Chefin waren, haben sie Kriterien festgelegt, was gefragt wird?
Frau K.: Ergab sich aus Besprechungen. Zielrichtung. Wenn Krisen, dann umgesteuert.
Schipanski: Kriterien gingen über ihren Tisch?
Frau K.: Ja.
Schipanski: Vorhin gesagt: Was weitergegeben wurde, war nicht ihre Entscheidung, sondern pol. Ebene?
Frau K.: Im Einzelfall. Routinefall: Habe in Abstimmung vorgegeben, bei spez. Infos Rückversicherungen.
Schipanski: Nur Einzelfälle, Routinemeldung haben sie entschieden?
Frau K.: Ja.
Fragerunde 3: Grüne
Notz: Mal gesagt bekommen, dass Infos Erfolge gebracht haben?
Frau K.: Kam uns auf Bewertungsergebnisse an.
Notz: Gesagt bekommen, ob weitergegebene Sachen Erfolge gebracht haben? Das mal begegnet? Mal ein Terrorist mit Infos ausgeschaltet worden?
Frau K.: KA.
Notz: Können sie nicht ausschließen? Sie arbeiten von 08 bis 14 als Leiterin und wissen nicht, ob eine Info mal einen Erfolg gebracht hat? Mal gesagt, dass damit etwas Konkretes passiert? Können wir sowas irgendwo in den Akten finden, dass jemand getötet wurde?
Frau K.: Erinnere ich nicht.
Notz: Können auch nicht ausschließen?
Frau K.: Erinnere mich an keinen Fall.
Eisenberg: Was ist das für eine Befragungstechnik?
Notz: Gilt aus ihrer Sicht die Grundrechtsbindung für Befragung von Ausländern?
Frau K.: Ja.
Notz: Rechtl. Unterschied ob legendiert befragt oder offen?
Frau K.: Rechtsgrundlage ist BND-Gesetz.
Notz: Sagen sie mal genau. Und Erläuterung. Wie nach Regeln der verdeckten Datenerhebung vorgegangen? Da greift BDSG §11.
Frau K.: Sehe in BND Grundlage.
Notz: Wissen sie, dass bei versteckter Erhebung anders vorgegangen werden muss?
Frau K.: Was verstehen Sie unter verdeckter Erhebung?
Notz: Ok…
Haben sie Leute gebeten, aus Handys, Computern Infos zu geben?
Frau K.: KA.
Notz: Wissen sie nicht?
Frau K.: War nicht unser Ziel.
Eisenberg: Können Zeugin nicht weiter bedrängen.
Notz: Erinnern sie sich nicht oder können sie das ausschließen?
Frau K.: Habe keine Anhaltspunkte.
Eisenberg: Hat sie nicht. [pöbelt weiter…]
Notz: In welche Datenbank Informationen eingespeist? Weiß sie das auch nicht, Herr Eisenberg?
Eisenberg: Wenn ich eine Standleitung zu ihnen hätte.…
Notz: Das wäre ein Albtraum. Hätte gerne Antwort auf meine Frage.
Nochmal anders, Frau K.: Auf welcher Rechtsgrundlage haben 10 AND-Mitarbeiter agiert?
Frau K.: Waren Erfüllungsgehilfen.
Notz: Hatten sie Weisungsrecht?
Frau K.: Ja.
Notz: Haben getan, was sie gemacht haben?
Frau K.: Ja.
Notz: Wenn sie gesagt haben, da gehen nur AND-Mitarbeiter und eine Praktikantin von uns hin: Haben sie das entschieden?
Frau K.: Ja, wenn sie Kompetenzen hatten.
Notz: Wenn AND alleine, lief das nach ihrer Anweisung?
Frau K.: Nein.
Notz: Wie dann?
Frau K.: Hat sich einfach ergeben. Stand kein deutscher Befrager zur Verfügung, dann hat Außenstelle entschieden. Habe nicht jede einzelne Befragung…
Notz: Mag sein. Haben gesagt, sie waren weisungsbefugt.
Frau K.: Ja.
Notz: Das ist hochgradig widersprüchlich.
Fragerunde 3: SPD (17:04)
Flisek: Stelle hat 2008 50. Geburtstag gefeiert?
Frau K.: Ja.
Flisek: Stelle historisch gesehen auch mit Briten und Franzosen zusammen gearbeitet. Als sie Leitung übernommen haben, waren auch britische Mitarbeiter da?
Wolff: Für Untersuchungsgegenstand zu HBW nur USA relevant.
Flisek: Interpretiere ich anders. Ziffer I, Untersuchungsgegenstand: In welchem Umfang gibt es nachrichtendienstliche Five Eyes-Erfassung von Daten über Kommunikationsvorgänge und Inhalte von/nach/in Deutschland?
Wolff: Sehe ich anders. Eindeutig, wenn sie Unterziffern vorlesen.
Flisek: Reden über Kommunikationsvorgänge in Deutschland. Keine Einschränkung auf SIGINT.
Wolff: Lesen sie weiter…
Flisek: Da steht das auch. Ich kenne mich mit Auslegung aus. Das mit Briten ist interessant.
Wolff: Dann wären Briten auch in APB aufgenommen.
Flisek: Ziffer I Generalklausel, sonst Lex Specialis. Lassen wir das mal so.
Wenn wir nochmal über USA reden, die hoffentlich eindeutig Untersuchungsgegenstand sind: Wie sind die aufgetreten? Hatten die deutsche Legende?
Frau K.: NÖ.
Flisek: Sie werden NÖ dazu was sagen?
Frau K.: Ja.
Flisek: In welcher Sprache mit Asylbewerberń unterhalten?
Frau K.: Im Zweifel über Dolmetscher.
Flisek: Befrager mussten keine Sprachen beherrschen?
Frau K.: Im Einzelfall, aber teils schwierige Sprachfamilien, dann hat man Dolmetscher mitgebracht.
Flisek: Frage, was NÖ oder nicht. Vllt. macht öffentliche Befragung keinen weiteren Sinn.
[Dokumentenvorhalt aus „Journal Intelligence Propaganda …“] Jack Dorson hat Bericht geschrieben: „BND, HBW and its British Partner“
Da wird genannt auf S. 141, 2. Absatz: „Merely told, that HBW subordinate to Bundeskanzleramt and responsible that responsible for natural desasters, … that could be of use for the German state“
Klingt, als hätte man sich als statistisches Bundesamt ausgegeben?
Frau K.: Kein Auftritt als Statistisches Bundesamt.
Flisek: War ja auch ironisch gemeint. Hat man Asylbewerbern gesagt, Befragung zu statistischen Zwecken?
Frau K.: Ist Behauptung aus dem Artikel.
Flisek: Deshalb frage ich ja, ob die zutrifft.
Frau K.: Auftritt als Statistisches Amt gab es nicht.
Flisek: Gab es Aussage, dass Befragung zu statistischen Zwecken?
Frau K.: Glaube ich nicht.
Flisek: Warum?
Frau K.: Anweisung, dass HBW.
Flisek: HBW klingt neutral, was haben sie gesagt, was HBW ist? Was haben sie erklärt? Haben sie gesagt, sie sammeln Daten im Auftrag von Bundeskanzleramt? Umwelt, …?
Frau K.: Wundere mich über Bezeichnung „im Auftrag Bundeskanzleramt“. Finde ich eigenartig.
Flisek: Ganz fernliegend ist das nicht. BND steht unter Aufsicht Bundeskanzleramt. Aus Sicht Asylbewerber kling Bundeskanzleramt anders als Geheimdienst.
Frau K.: Geheimdienst ist auch … Kann nur sagen, was ich weiß. Nur gesagt, wir sind HBW.
Flisek: Was wurde gesagt, wenn Asylbewerber gefragt hat, was ist HBW?
Frau K.: Hauptstelle für Befragungswesen.
Flisek: Wenn gefragt: Was machen sie da?
Frau K.: Gesagt, wir sammeln Informationen.
Flisek: Für wen?
Frau K.: Für die Regierung.
Flisek: Nicht für ND?
Frau K.: Nein.
Flisek: Karten den Asylbewerbern nicht auf den Tisch gelegt? Nicht gesagt, das ist Mr. Smith, der Freund von den anderen?
Frau K.: Nein.
Flisek: Wie oft fanden Befragungen durch die anderen alleine statt? Welches Ausmaß der Ausnahme? Wenn 300 Befragungen pro Jahr, dann so 10–20%?
Frau K.: KA. Zahlen nicht im Kopf.
Flisek: Pi mal Daumen?
Frau K.: KA.
Flisek: Nie Anfrage von Bundeskanzleramt dazu?
Frau K.: Wüsste ich nicht.
Flisek: Kennen Sie Hr. Dorson? Wissen sie, wer das ist?
Frau K.: Nein.
Flisek: Waren sie bei 50-Jahr-Feier dabei?
Frau K.: Nein.
Flisek: Denke, wir werden in NÖ Sitzung gehen. Auseinandersetzung wird weiter gehen.
Fragerunde 4: Linke (17:04)
Renner: Direkter Partner war DIA?
Frau K.: Ja.
Renner: Wodurch Entscheidung milit. Nachrichtendienst zu ND?
Frau K.: Milit. Fragen.
Renner: Aber nicht Brotpreise in Aleppo?
Frau K.: Gehört zum Bild.
Renner: Befragungen in welchen Länder zu ihrer Zeit?
Frau K.: Balkan, Russland, Nah- und Mittelost, usw…
Renner: Gab es Schwerpunkte?
Frau K.: Ja.
Renner: Wo Geodaten geändert?
Wolff: NÖ.
Renner: Kennen sie Datenbank VENNLIG und HAMAH?
Frau K.: Nein.
Renner: Spezielle Datenbank für spezielle Länder?
Frau K.: Nein.
Renner: Hatten USA das?
Frau K.: Nein, nur Sachen wie Google Earth verwendet.
Renner: Nur Satellitenaufnahmen?
Frau K.: Landkarten.
Renner: Satellitenaufnahmen auch?
Frau K.: Glaube schon.
Renner: Waren sie mal in USA?
Frau K.: Ja.
Renner: Wen besucht?
Frau K.: In Zusammenhang mit Tätigkeit nicht in USA gewesen.
Renner: AND in USA besucht in Untersuchungszeitraum?
Frau K.: Nein.
Renner: US-Militär besucht?
Frau K.: [zögert] Stelle in Stuttgart besucht.
Renner: Welche?
Frau K.: DIA war in Stuttgart.
Renner: Als was getarnt?
Frau K.: KA.
Renner: Kaserne?
Frau K.: Ja.
Renner: Stützpunkt US-Militär besucht, um DIA zu besuchen?
Frau K.: Ja.
Renner: Jmd. anderes als Teamleiter hier in Berlin? Vorgesetzter des Teamleiters?
Frau K.: NÖ.
Renner: Kriegen Gefühl, Befragung diente milit. Zwecken. Das hat etwas mit Krieg zu tun.
Frau K.: Was hat das mit Krieg zu tun?
Renner: Ist ihnen bekannt geworden, wie die DIA verhört? Wikipedia über DIA auf Englisch sagt: Rüde Verhörmethoden, Kritik in USA. Thematisiert worden, dass keine Leute mit Samthandschuhen angefasst werden?
Frau K.: Ich habe mit Vertetern zu tun gehabt…
Renner: Sie sind ja auch nicht verhört worden.
2012 gab es geleakte Dokumente, dass DIA an Islamischem Staat beteiligt. Spezielles Interesse an Flüchtlingen aus Syrien und Irak wegen IS?
Frau K.: NÖ.
Renner: Wurden Syrer und Iraker befragt zu ihrer Zeit?
Frau K.: Im Grundsatz ja.
Renner: Große Gruppe? Besondere Bedeutung?
Frau K.: NÖ
Fragerunde 4: Union (17:29)
Warken: Auf Bericht der Befragung hatte AND-Mitarbeiter Zugriff, richtig? Vor Weitergabe an Auftragssteuerung?
Frau K.: Ja.
Warken: Aber dann gings an Auftragssteuerung, Auswertung, da Meldung erstellt. Auf Meldung hätte AND keinen Zugriff, wenn er das nicht bekommen hätte? Nur auf Bericht? Andere Möglichkeiten zum Zugriff auf Datenbank?
Frau K.: Kann mich nicht genau erinnern.
Warken: Muss ja klar sein, ob nur BND-seitig Einsicht, …?
Frau K.: Eingeschränkter Zugriff, USA keinen Zugriff aufs deutsche System.
Warken: Haben gesagt, ihr Verbindungsbeamter beim BAMF bekommt ausgewählte Aktenauszüge, die er verteilt. Hatte AND-Mitarbeiter selben Aktensatz?
Frau K.: NÖ.
Warken: Rein theoretisch wusste man, mit wem man spricht. Wäre es denkbar, dass AND-Mitarbeiter nach Befragung selbstständig nochmal Kontakt zu Befragtem aufnimmt?
Frau K.: Wäre ungewöhnlich gewesen und aufgefallen.
Warken: Inwiefern?
Frau K.: Wenn Zweierteam unterwegs war, waren die ständig zusammen.
Warken: Aber ne Woche später?
Frau K.: Haben Aufsicht geführt, wer wann wo auf Dienstreise gegangen ist.
Warken: Ihnen nicht bekannt, aber denkbar?
Frau K.: Wäre ungewöhnlich und auffällig.
Schipanski: Mit milit. ND gearbeitet. Konnten sie das aussuchen?
Frau K.: Partner war DIA.
Schipanski: Haben sie nicht hinterfragt?
Frau K.: Nein.
Schipanski: Kriegsflüchtlinge, also nicht weiter hinterfragt, warum nicht NSA?
Frau K.: Richtig.
Sensburg: Am Anfang gesagt, ging um Hintergrundinfos wie Brotpreis. Ging aber auch schon um andere Daten, Satellitenbilder, etc.?
Frau K.: NÖ.
Sensburg: Am Anfang gesagt, geht um Brotpreis. Aber geht anscheinend ja auch um andere Sachen.
Frau K.: Uns interessiert Politik, Wirtschaft, Militär, Technik.
Sensburg: Wie wählt man Leute aus? Aus Afghanistan kamen 2012 4798 Menschen. Habe das so vertanden: BAMF soll scannen, was für sie interessant ist. Kann nicht sein. Wenn ich jetzt im BAMF anrufe, wissen die nix von der Geschichte. Kann es sein, dass im Vorfeld durch HUMINT Personen ausgewählt werden?
Frau K.: Nein. Verbindungsbeamter sucht BAMF-Außenstellen auf und vertritt Interessen des HBW und macht Kriterien bekannt.
Sensburg: Dann melden sich Mitarbeiter des BAMF bei ihnen? Der und der könnte interessant sein.
Frau K.: Läuft im Sicherheitsbereich des BAMF.
Sensburg: Also Sachbereiter wendet sich an Sicherheitsbereich und der wendet sich an HBW.
Frau K.: Ja.
Sensburg: Sitzen in Sicherheitsbereich des BAMF BND-Mitarbeiter? Unter Legende?
Frau K.: Nicht im Sicherheitsbereich.
Sensburg: Sonst?
Frau K.: Unser Mitarbeiter saß im BAMF, als HBW.
Sensburg: Im Sicherheitsbereich?
Frau K.: Im gleichen Gang, aber nicht im Referat.
Sensburg: Ausgeschlossen, dass BAMF-Mitarbeiter BND-Mitarbeiter war?
Frau K.: Ja.
Sensburg: Warum?
Frau K.: Habe ihn kennengelernt.
Sensburg: Haben USA gezielt Personen angesprochen?
Frau K.: Von Herkunftsregion, nicht von Person her.
Sensburg: Personengruppe, wen?
Sensburg: Was ist Personengruppe?
Frau K.: NÖ.
Sensburg: Rolling Stones sind eine Personengruppe, lokale Ethnie auch.
Frau K.: Ja, z.B.
Sensburg: Das wäre Wunsch, den USA gestellt hätte?
Frau K.: Gruppe wäre ja für uns alle relevant gewesen.
Sensburg: Wenn USA gesagt haben, Gruppe aus Nordsyrien ist interessant, haben sie da mitgemacht?
Frau K.: Innerbetrieblich abgestimmt.
Sensburg: Waren sie mal in Jordanien oder Türkei? Dienstlich?
Frau K.: [berät mit Eisenberg]
Sensburg: Frage, weil DIA in Jordanien und Türkei das gleiche macht, was sie mit ihnen machen.
Eisenberg: Kein Untersuchungsgegenstand.
Sensburg: DIA macht vergleichbare Befragungen in Jordanien. Erkenntnisgewinn bei drei Standorten, Deutschland als europäisches Land. Jordanien und Türkei nehmen intensivst Flüchtlinge auf. Ich würde versuchen, Kenntnisse zusammenzuziehen. Welche Rolle haben sie im Gesamtkontext gespielt?
Frau K.: Wüsste nichts.
Sensburg: Will nicht wissen, ob sie da im Urlaub waren. Können sie NÖ mehr sagen?
Frau K.: Gibt keinen Zusammenhang.
Sensburg: Kurz zu Karten. Hat HBW auch bei Befragung Karten dabei gehabt?
Frau K.: NÖ.
Fragerunde 4: Grüne (17:48)
Ströbele: Kontaktbeamter?
Frau K.: S.
Ströbele: War das ganze Zeit Herr S.?
Frau K.: Ja.
Ströbele: Stellvertreter?
Frau K.: R.
Ströbele: Haben gesagt, HBW wurde zugemacht, weil zu wenig Ergebnisse. Kann es auch sein, dass zugemacht, weil nicht mehr geheim?
Frau K.: Ich kenne die Entscheidungsgrundlage Ineffizienz.
Ströbele: Es war mal ein Fernsehteam bei ihnen. Hatten sie Scheu vor Öffentlichkeit, wenn das alle wissen, macht das keinen Sinn mehr? Vllt. wissen Asylbewerber ja dann, dass sie nicht im Auftrag der netten Kanzlerin kommen?
Frau K.: Kenne andere Begründung.
Ströbele: Haben milit. interessante Objekte abgefragt und mitgeteilt. Dann Koordinaten verschoben, damit Stellung dann woanders ist. Wer hatte diese grandiose Idee? Stand die in der Weisung für Befragung? Haben sie sich die ausgedacht?
Frau K.: Ergab sich aus dem Vorgang, um 2006 zum ersten Mal, soweit ich mich erinnere und nochmal zum Ende der HBW-Zeit.
Ströbele: Also ihnen überliefert?
Frau K.: Ja.
Ströbele: Mal die Idee gekommen, dass Annahme, dass US-Militär/DIA nichts Böses tun will, dass die Überlegung falsch ist? Dass die mal 20 km daneben schießen?
Frau K.: Keinerlei Hinweise oder Anzeichen.
Ströbele: Aber von selber… Teilen das mit und verlegen das. Sind sie dem mal nachgegangen, ob ihre Koordinaten mal in der Zeitung waren? Somalia z.B.
Frau K.: Soweit ich mich erinnere, gab es nie Vorfälle.
Ströbele: Stand in der Zeitung. Und im TV.
Haben sie mal von DIA oder anderer US-Stelle Preis bekommen?
Frau K.: Nein.
Ströbele: Verdienstmedaille?
Frau K.: Nein.
Ströbele: Nochmal zu Befragungen: Wurden da mal Videoaufnahmen gemacht?
Frau K.: Bei gemeinsamen?
Ströbele: Generell. Drei Varianten: BND macht, zusammen oder AND alleine?
Frau K.: Soweit ich weiß nein.
Ströbele: Tonband?
Frau K.: Soweit ich mich erinnere nein.
Ströbele: Mal Mitarbeiter der USA von Befragungen ausgeschlossen worden auf Weisung?
Frau K.: NÖ.
Fragerunde 5: Linke (17:58)
Renner: Clearingstelle BAMF. Auch BfV-Mitarbeiter vertreten?
Frau K.: Ja.
Renner: Auch in Clearingstelle?
Frau K.: Nein.
Renner: Nahe bei der Stelle?
Frau K.: Selbe Liegenschaft.
Renner: Gab es Zusammenarbeit?
Frau K.: NÖ.
Renner: Warum?
Frau K.: Methodik.
Renner: Will nur wissen, ob. Nicht wie.
Wolff: Von Aussagegenehmigung gedeckt.
Frau K.: Gab Fachkontakte.
Renner: Bzgl. Flüchtlingsbefragungen?
Frau K.: Weiß nicht mehr.
Renner: Auf was haben sich Fachkontakte erstreckt?
Frau K.: Behördliche Zusammenarbeit.
Renner: Wie soll ich mir das vorstellen? Thematik.
Frau K.: Erinnere ich nicht.
Renner: Hatte BfV-Mitarbeiter Kontakt zu DIA? Das ist Untersuchungsgegenstand, aber sowas von.
Frau K.: KA.
Renner: Kontakt zu AND von Five Eyes?
Frau K.: KA.
Renner: BfV-Mitarbeiter mal an Besprechungen teilgenommen? Versuche mir Zusammenarbeit vorzustellen.
Frau K.: Wüsste nicht, dass Vertreter bei uns aufgeschlagen wäre.
Renner: Nur mit BAMF gearbeitet?
Frau K.: Erinnere nicht.
Renner: Tipgeber außerhalb der Clearingstelle?
Frau K.: Soweit ich mich erinnere ja.
Renner: Was macht BAMF-Sicherheitsreferat? Für wessen Sicherheit zuständig?
Frau K.: Weiß ich nicht mehr.
Renner: Wie hieß Mitarbeiter?
Frau K.: Weiß nicht mehr.
Renner: Sicherheit des BAMF, Staates, Antragssteller? Für was zuständig?
Frau K.: [zögert] Für Fragestellungen aus dem Sicherheitsbereich.
Renner: Welche Sicherheitsfragen?
Frau K.: Sicherheitsfragestellungen des BAMF.
Renner: Selbe Liegenschaft wie Clearingstelle und BfV?
Frau K.: Ja.
Renner: Bezeichnung?
Frau K.: Kann ich nicht sagen.
Renner: Waren sie da mal? Mehrmals?
Frau K.: Ja.
Renner: Wie heißt diese Liegenschaft? Gesamtes Gebäude?
Frau K.: Gemietete Büroräume.
Renner: Wer sitzt da noch?
Frau K.: Verstehe ich nicht.
Renner: Sachbearbeiter?
Frau K.: Ja.
Renner: Spezielle Zugangssicherung?
Frau K.: Normales Büro.
Renner: Nicht gesondert gesichert?
Frau K.: Erinnere ich nicht.
Renner: Gab es Listen mit Mitarbeitern der HBW für BAMF? Oder immer neu anmelden?
Frau K.: Immer anmelden.
Renner: An der Pforte angemeldet?
Frau K.: Ich bei Verbindungsbeamten angemeldet.
Renner: War BfV auch legendiert im BAMF?
Frau K.: Nie auf Bezeichnungen an Bürotüren geachtet.
Renner: Hatten US-Mitarbeiter von NDs Zugang?
Frau K.: Nein.
Renner: Hatten AND-Mitarbeiter, die an Befragungen teilnahmen, hatten die Dienstausweis für HBW?
Frau K.: NÖ.
Renner: Sofern: Gab es Möglichkeit, sich damit Zugang zu deutschen Stellen zu verschaffen?
Frau K.: [berät mit Eisenberg] So nicht bekannt.
Renner: Waren Ausweise, die BND-Mitarbeiter hatten, identisch mit denen von AND-Mitarbeitern?
Frau K.: NÖ.
Renner: Hatten US-Mitarbeiter deutsche Legende?
Frau K.: NÖ.
Renner: Inwieweit können sie Zugang zu Gemeinschaftsunterkünften für AND-Mitarbeiter ausschließen? Oder für weitere Stellen des Bundes?
Frau K.: KA.
Sensburg: Brauchen 5 Minuten Pause (18:10)
Fragerunde 5: Union (18:21)
Sensburg: Am Anfang gesagt, wissen nicht viel. Nun habe ich Gefühl, sie wissen doch sehr viel, wie man erwarten würde.
Haben gesagt, sie waren in Stuttgart. Waren sie auch mal in den USA?
Frau K.: Nicht in meiner Funktion als Leiterin Befragungswesen.
Sensburg: Als Leiterin AND-Kooperation?
Frau K.: Nein.
Sensburg: Vor 2005?
Frau K.: Hatte nichts mit Amerikanern zu tun.
Sensburg: Zurück zu Befragungen: Glaube, dass die sehr konkret längere Zeiträume annehmen, intensiv, über milit. Hintergründe. Wie war die Führung der Befragten? Absprachen? HUMINT? Vertrauenspersonen? Mal Familien in Syrien angerufen?
Frau K.: Referat war zuständig für rezeptive Befragung, nicht operativ, fand nicht statt.
Sensburg: Mehrfachbefragungen?
Frau K.: Ja, wenn rezeptives Wissen zu groß für ein Treffen.
Sensburg: Bis zu 20–30?
Frau K.: Wäre extreme Ausnahme gewesen.
Sensburg: So jemand sehr wertvoll für ND.
Frau K.: Ja.
Sensburg: Vmtl. nicht abwegig, bestimmte Gefährder zu lokalisieren, Mobilnummern auszutauschen?
Frau K.: War nicht das Hochziel, Befragung zu ganz anderen Themen.
Sensburg: Braucht es ND-Kooperation, um die Brotpreise rauszukriegen? Mindestens genauso spannend, wer im Bereich der Führung oder in Milizen ist und wie die kommunizieren? Können sie mir da folgen? Würde man da Handynummern etc. ausschließen?
Frau K.: Nicht verstanden.
Sensburg: [wiederholt Frage] Wenn das anders wäre, würde mich das erschrecken. Hoffe, dafür werden sie bezahlt. Wenn nicht, dann fühle ich mich nicht sicher in diesem Land. Habe Unterlagen, wo anderes drinsteht. [Dokumentenvorlage: MAT A BND 2–3f 144 15 GEHEIM S. 383, unten links]
Würden sie nach Sichtung auch der Meinung sein, dass neben Daten für grundsätzliche Bewertung auch die von mir angesprochenen Erkenntnisse sehr wertvoll sind?
Frau K.: Geht ja um Sperr- und Freigabepraxis. Was wäre jetzt die Frage?
Sensburg: Na die, die ich gerade gefragt habe. [wiederholt nochmal]
Frau K.: Wo lesen sie das heraus?
Sensburg: Aus dem Dokument, das ihnen vorliegt. Kann leider nicht vorlesen, weil eingestuft. Kann anbieten, dass NÖ.
Frau K.: Das würde ich vorschlagen.
Sensburg: Könnte zu Falschaussage führen, die sie NÖ revidieren müssten. Deshalb dieses System eingeführt.
Eisenberg: Zeugin versteht die Frage nicht.
Sensburg: Wurde nach Handynummern oder E‑Mail-Adressen gefragt?
Frau K.: Soweit ich weiß nicht, höchstens Beifang.
Sensburg: Auch mit diesem Dokument.
Frau K.: Meiner Meinung nach ja.
Sensburg: Kein anderer Eindruck? Nie nach Handynr. von Al-Shabaab-Führer gefragt?
Liegt das daran, dass sie das nicht wissen, weil sie nie dabei waren? Wenn sie sich nicht erinnern können, ist ja auch gut.
Wird nach Handynummern gefragt oder nicht?
Frau K.: Soweit ich weiß, wurde nicht zielgerichtet nach Handynummern gefragt.
Sensburg: Was heißt zielgerichtet?
Frau K.: War nicht die Agenda.
Sensburg: Aber wenn jemand von Lager etc. erzählt, dann mal nachgefragt?
Frau K.: Sehe in Dokument keinen Bezug.
Sensburg: Wurde nach Handynummern gefragt?
Frau K.: Höchstens Beifang.
Sensburg: Bei jeder Befragung als Beifang?
Frau K.: Nein, selten.
Sensburg: Habe gefragt: Wenn einer gefragt hat, was macht HBW, dann sie gesagt: Für Bundesregierung. Ist das spekulativ oder war das tatsächlich so?
Frau K.: Müsste mal in die damaligen Unterlagen schauen.
Sensburg: Hatten sie so gesagt, als Kollege Flisek gefragt hat. Wurde das wirklich so gesagt?
Frau K.: Soweit ich mich erinnere, wurde gesagt: HBW ist Geschäftsbereich der Regierung.
Sensburg: Wenn sie jemand auf der Straße erzählen, wir sind von einem Geschäftsbereich. Der hält sie doch für verrückt, so sprechen doch keine normalen Menschen, nur wir hier. Das kauft ihnen doch keiner ab. „HBW? Ist das ein Energieversorger“, würden die fragen. Waren da Rechtsanwälte dabei?
Frau K.: Manchmal auch RA.
Sensburg: Aber Herr Eisenberg hätte dann nicht gesagt, dass ist schon ok. [Lachen]
Ich würde im Zweifel den Brotpreis als Beifang nehmen, aber auf Telefonnummer würd ich draufspringen. Das ist doch trivial.
Frau K.: Nein, Brotversorgungslage kann zu Aufstand führen.
Sensburg: Rinderpreis ist in Darfurgebiet total interessant…
Wenn da ein RA dabei ist, sagt man, das macht man für die Regierung. Wenn sie das sagen – ok.
Fragerunde 5: Grüne (18:39)
Notz: Rechtsgrundlage für Agieren des BND, welche Norm?
Frau K.: BND-Gesetz.
Notz: Sie brauchen eine Befugnisnorm. Ich versuche das klarzumachen. Offensichtliches rechtswidriges Agieren des BND wird hier deutlich.
Norm für AND, DIA? Befugnis für Grundrechtseingriffe?
Frau K.: BND-Gesetz §2, Befugnisse.
Notz: Steht nichts von AND.
Frau K.: Das beruht auf vertraglichen Vereinbarungen.
Notz: Höre keine Norm. Welche bilateralen Vereinbarungen?
Frau K.: NÖ.
Notz: [zu Wolff] Gibt es solche Vereinbarungen?
Wolff: Gibt ein Abkommen.
Notz: Ergebnisse, die zu bewerten sind: Haben Mitarbeiter ihres Referats mal eine Auszeichnung bekommen?
Frau K.: Nicht in der Form wie sie das darstellen.
Notz: In welcher Form?
Frau K.: Jemand zu Besuch gekommen und sich zufrieden geäußert.
Notz: Mal Rückmeldung bekommen für konkrete Aktion, bestimmte Infos?
Frau K.: War ja Frage von vorhin.
Notz: Haben gesagt, sie wissens nicht. Jetzt können sie Besuche erinnern, wo Rückmeldung kam. Welche Rückmeldung denn?
Frau K.: Dass es eine gute Zusammenarbeit war.
Notz: Ganz allgemein?
Frau K.: Ja.
Notz: APB: Nicht nur Terrorismus?
Frau K.: Ja.
Notz: Was noch?
Frau K.: Politik.
Notz: Proliferation? Was außer Terrorismus?
Frau K.: Militärisch, Wirtschaft.
Notz: Auch europ. Wirtschaft?
Frau K.: KA.
Notz: Haben gesagt, BfV war mit. Warum befragen sie Aussiedler, hat das auch was mit Spionageabwehr zu tun?
Frau K.: Nein.
Notz: Vorhin gesagt, Geodaten wurden manipuliert. Ab wann, während ihrer gesamten Zeit?
Frau K.: Ab bestimmtem Zeitpunkt.
Notz: Wann?
Frau K.: KA.
Notz: 2009? 2010?
Frau K.: KA.
Notz: Hat das was mit Snowden zu tun?
Frau K.: Nein.
Notz: Bitte konkreten Zeitpunkt benennen, finde das irreführend. Ab welchem Zeitpunkt Geodaten verändert?
Frau K.: KA.
Notz: Ungefähr? Haben sie da schon 2, 3, 5 Jahre das Referat geleitet?
Frau K.: KA.
Notz: Unglaubwürdig. Es stellt sich die Frage, ob auch sie für Tötungen verantwortlich sind. Wir werden andere Leute auf Referat vernehmen. Wenn die uns sagen, dass das großes Thema war, ist das ein Problem.
Ab wann war das Thema? Muss ja Diskussion gegeben haben? Weisung?
Frau K.: KA.
Notz: Was war Anlass dafür?
Frau K.: [zögert] KA.
Notz: Mal mit Hausjuristen gesprochen, was Daten für extralegale Tötungen mit ihnen rechtl. macht?
Frau K.: Kein Anlass.
Notz: Aber vllt. für Fach- und Rechtsaufsicht. Dass Menschen sterben, ohne Gerichtsverfahren. Sie leiten 100 Leute, viele Jahre. Dann sagen sie, wir können denen Geodaten nicht mehr geben, die töten damit Menschen.
An bestimmtem Zeitraum in den Akten sehr viel Wert darauf gelegt, dass keine richtigen Daten weitergegeben werden, aber erst ab gewissem Zeitpunkt. Was war Auslöser für die Diskussion?
Frau K.: KA.
Notz: Wie lange arbeiten sie beim BND? Seit 87?
Da feiert man mal 20-Jähriges, 25-Jähriges. Der wesentliche Einschnitt in das Vertrauen, das muss ja Einschnitt gewesen sein. War das vor 25-Jährigem Jubiläum, davor, danach?
Eisenberg: Sie versteht die Frage nicht.
Notz: Ab wann haben sie Geodaten verfälscht an Amerikaner weitergegeben?
Frau K.: Kann es ihnen nicht sagen.
Notz: Würde anraten, das zu beraten, weil unglaubwürdig.
Muss Zwischenfall gegeben haben, den Leiterin erinnern muss. Verdacht, dass nicht die Wahrheit gesagt wird.
Fragerunde 6: Linke (18:54)
Hahn: Wie war Bereitschaft der Asylbewerber, auszusagen? [zitiert aus Buch „Geheimer Krieg“] „Viele nur der Einladung gefolgt, weil Vorteile… Mündlich schnellere Bearbeitung des Antrags versprochen…“
Wenn das Dolmetscher sagen, wollen sie wirklich behaupten, es war nicht Methode, ein schnelleres Anerkennungsverfahren, Asyl zu versprechen?
Frau K.: Unser Anknüpfungspunkt war das vorhandene Wissen der Personen.
Hahn: Habe gefragt, ob Flüchtlinge deshalb ausgesagt haben, weil ihnen schneller Asyl verprochen wurde. Wollen sie dabei bleiben?
Frau K.: [berät mit Eisenberg] Bin bei Befragungen nicht dabei gewesen. Solche Vorfälle nicht bekannt.
Hahn: Müssen doch wissen, was die gesagt haben. Sowas tauscht man doch aus. Ansonsten hätte wahrscheinlich keiner irgendetwas gesagt.
Frau K.: Ich war bei Gesprächen nicht dabei.
Hahn: Da wird nie über Methodik gesprochen? Nie über Umgang mit Flüchtlingen?
Frau K.: Gab Abstimmungsgespräche, aber war nicht als Vorgehen besprochen.
Hahn: Zu manipulierten Geodaten: Sicher, dass zunächst mal Mitarbeiter des AND die entsprechenden Berichte mit angefertigt haben, in jedem Fall aber gekannt haben und dann werden daraus Meldungen gemacht, die manchmal weitergeleitet werden, mit Geodaten, die verfälscht waren. Brauchte der AND die Meldungen, wenn die Mitarbeiter Zugang zu den Originalberichten hatten? War das noch notwendig?
Frau K.: War jetzt aber eine lange Frage.
Hahn: [paraphrasiert Frage] AND-Mitarbeiter kennen richtige unverfälschte Daten aus Berichten. Die werden zu evtl. verfälschten Meldungen. Das ist USA dann doch egal. Die haben dann doch immer über Originaldaten verfügt.
Frau K.: Gedankenfehler.
Hahn: Erklären.
Frau K.: Ging um Weiterleitung an die USA.
Hahn: Aber Berichte wurden doch gemeinsam verfasst.
Frau K.: Aber nicht alle.
Hahn: Aber viele. Dann hatten sie doch die Originaldaten.
Frau K.: Ging um Befragungen, bei denen USA nicht dabei waren.
Hahn: Steht im Protokoll anders.
Sind sie auch nach Auflösung HBW noch im BAMF? Die legendierten Mitarbeiter? Mitabgeschafft und aufgelöst?
Sensburg: Nicht Untersuchungsgegenstand.
Hahn: Frage aus bestimmtem Grund. Jetzt Direktlieferung an den AND? Ohne, dass der BND noch Befragung vornimmt?
Eisenberg: Müssen sie Bundesregierung fragen.
Hahn: Wurden die Mitarbeiter mit abgewickelt?
Frau K.: Auftrag endete.
Hahn: Noch jemand beschäftigt?
Frau K.: Auftrag abgewickelt.
Hahn: BND-Mitarbeiter ist kein Referat.
Akmann: Gibt heute noch BND-Mitarbeiter beim BAMF.
Hahn: Gehen die Daten jetzt direkt zum AND?
Frage interessiert uns für Konsequenzen.
Renner: Haben sie in Stuttgart die Kelley-Baracks besucht?
Frau K.: Kann sein.
Renner: Was mit Africom zu tun?
Frau K.: Habe Africom nicht besucht.
Renner: Hatte Partner in Stuttgart etwas mit Africom zu tun?
Frau K.: Schließe ich nicht aus.
Renner: Wird immer unwahrscheinlicher, dass sie nicht wissen, warum/wann Geodaten manipuliert wurden.
Haben auch Vorhalte aus geheimen Akten. Wissen rel. genau, was der Anlass war. Wer ist gestorben?
Frau K.: KA.
Renner: Glaube ich nicht. Haben gefragt zu Afghanistan, Syrien, Irak, Somalia. Welcher Anlass hat dazu geführt, dass Geodaten nicht mehr zu Zielerfassung gegeben wurden?
Was war der Anlass?
Frau K.: Erinnere mich nicht.
Renner: Wir glauben ihnen nicht.
Fragerunde 6: Grüne (19:10)
Ströbele: Gab es eine Veröffentlichung, die zum gezielten Drohneneinsatz/Tötung geführt hat?
Frau K.: Meinen sie Zeitungsberichte?
Ströbele: Ja, auch.
Frau K.: Gab den einen oder anderen Zeitungsbericht.
Ströbele: Hat das bei ihnen zu Gesprächen geführt?
Frau K.: Sind dem vorsorglich nachgegangen und konnten keine Ursachen feststellen.
Ströbele: Wann, welcher Vorfall?
Das kommt doch nicht jeden Tag vor, daran erinnert man sich doch.
Frau K.: Wurde in einem Zeitungsbericht erwähnt, über angebl. Drohnenangriff.
Ströbele: Auf wen, welches Land?
Frau K.: Soweit ich mich erinnere, Somalia.
Ströbele: Zeitl. Einordnung?
Frau K.: Nach 2010.
Ströbele: Sie haben gesagt: Wir sind nicht schuld, von uns stammt Info nicht? Näher beschreiben, Mogadishu?
Frau K.: Haben damalige Namen hinterfragt. Gab überhaupt keine Spur.
Ströbele: Spielte auch Telefonnummer eine Rolle?
Frau K.: In Zeitung ja.
Ströbele: Auch bei ihnen, bei Infos, die sie erbracht haben?
Frau K.: Am Rande.
Ströbele: Sind die auch weitergegeben worden?
Frau K.: Nein.
Ströbele: In keinem einzigen Fall?
Frau K.: Kann ich nichts beitragen.
Ströbele: Wieso, sie wussten doch relativ viel?
Da war dieser Vorfall, der in Zeitung steht, wo genau geschildert wird, wie ein Angriff abgelaufen sein soll, der auch auf Infos Deutscher beruhen sollte. Da haben sie sich nicht darüber unterhalten, was haben wir überhaupt über Somalia an USA weitergegeben?
Frau K.: Haben geprüft, gab keinen Beleg für das Zutreffen.
Ströbele: Deshalb, weil sie behaupten, dass allein mit Handynummer Ziel nicht konkret genug erfasst werden kann?
Frau K.: Nein, war Zuordnung. War Prüfung des Vorgangs nach Plausibilität. Haben keinen Zusammenhang festgestellt.
Ströbele: Nur intern, war Leitung beteiligt?
Frau K.: Umfänglich geprüft.
Ströbele: In Referat?
Frau K.: Auch Abteilung 2.
Ströbele: Auch BND-Leitung?
Frau K.: Glaube, wir haben Bericht verfasst.
Ströbele: Wissen sie, wo der ist?
Frau K.: Vllt. liegt der ja auch ihnen vor.
Ströbele: Mir jedenfalls nicht.
War der umfangreich?
Frau K.: Umfangreich nicht.
Ströbele: Mit Karten, ein paar Seiten?
Frau K.: Nur Text.
Ströbele: Wo ist der geblieben?
Frau K.: In den Akten des Referates.
Ströbele: Da müssen wir nochmal nachgucken. Oder Hr. Wolff nachgucken lassen. Fällt ja in Untersuchungsgegenstand.
Wolff: Das müsste man ja erst nochmal prüfen.
Ströbele: Geht darum, ob BND-Infos Grundlage für gezielte Tötungen im Ausland sind.
Wolff: Genau das steht nicht im Auftrag-
Notz: Interessant, dass sie das finden. Können das jederzeit erweitern. Würde uns sehr freuen, die Akten zu bekommen.
Fragerunde 6: SPD (19:20)
Flisek: Was ist Geschäftsbereich 2?
Frau K.: Abt LA, LB, TW, …
Flisek: Da waren sie angegliedert?
Frau K.: Nein, Geschäftsbereich 1.
Flisek: Wer war unmittelbarer Vorgesetzter?
Frau K.: Unterabteilungsleiter, Abteilungsleiter, dann umorganisiert, nur noch Abteilungsleiter.
Flisek: Aber immer BND?
Frau K.: Ja.
Flisek: Zu Abteilungsleiter 6 Bundeskanzleramt nie Kontakt?
Frau K.: Nein.
Flisek: Waren sie Leiterin bis zu Auflösung?
Frau K.: Ja.
Flisek: Also Stelle noch mit liquidiert?
Frau K.: Ja.
Flisek: Mit Beanwortung parl. Anfragen betraut?
Frau K.: Ja.
Flisek: Wann zum ersten Mal?
Frau K.: KA.
Flisek: Sind parl. Anfragen im Zeitraum vor Auflösung so beantwortet, dass eingeräumt wurde, dass Stelle überhaupt existiert?
Frau K.: Ole Schröder hat Zusammenhang hergestellt.
Flisek: Verstehe ich nicht. Wurde Existenz geleugnet? Gesagt, HBW gibt es nicht?
Frau K.: Ole Schröder hat das in Parl. Fragestunde klargestellt. Daraufhin war klar, HBW war Teil des BND.
Flisek: Eingestuft oder offen? Wann war das?
Frau K.: 2013.
Flisek: Vor Auflösung?
Frau K.: Ja.
Flisek: Auch erstes Mal, dass sie an Beantwortung von parl. Anfragen beteiligt waren?
Frau K.: Nein, weit voraus.
Flisek: Was waren das für Anfragen? Existenz, was für Mitarbeiter?
Frau K.: Ja.
Flisek: Was hat man da geantwortet?
Frau K.: Soweit ich mich erinnere: Ist eine Behörde aus Geschäftsbereich Bundeskanzleramt.
Flisek: Was nicht stimmt.
Frau K.: Indirekt ja.
Flisek: Aber waren nie Bundeskanzleramt zugeordnet, immer BND.
Frau K.: Ja.
Flisek: Nur Fall Somalia geprüft worden?
Frau K.: War Unterrichtung?
Flisek: Von wem?
Frau K.: Von Referat an Leitung.
Flisek: Wurden von Leitung beauftragt, das zu prüfen?
Frau K.: Ja.
Flisek: Leitung des BND? Präsident?
Frau K.: Soweit ich mich erinnere.
Flisek: Als Reaktion auf Medienveröffentlichung?
Frau K.: Gehe davon aus.
Flisek: Also prüfen, ob BND-Infos mit Tötungen zusammenhängen?
Frau K.: Kann sein, dass auch vorsorglich gemacht.
Flisek: Gabs auch weitere Fälle, wo vorsorgliche Prüfung?
Frau K.: KA.
Flisek: Strengen sie sich mal an.
Frau K.: Kann nichts beitragen. Erinnere mich nicht.
Flisek: Kann also sein, dass es mehrere Fälle gab, können sie nicht ausschließen?
Frau K.: Ja.
Flisek: Vorwurf ist ja nicht ohne.
Frau K.: An andere Fälle erinnere ich mich nicht.
Flisek: Was war jetzt üblich?
Frau K.: Den Präsidenten möglichst schnell über Dinge informieren, was von Interesse war.
Flisek: Besondere Vorkommnisse?
Frau K.: Auch unterhalb der Schwelle.
Flisek: Das ist ja gut.
Was war ihre Aufgabe in der Leitung, was konkret? Aufgabenprofil?
Frau K.: Führungs- und Fachaufgaben.
Flisek: Auch Mitarbeiter beurteilt?
Frau K.: Ja.
Flisek: Müssen ja wissen, was die gemacht haben. Wie Infos beschafft?
Frau K.: Direkte Mitarbeiter habe ich ja gekannt.
Flisek: Sachgebietsleiter?
Frau K.: Z.B.
Flisek: Wie viele?
Frau K.: Am Anfang 2.
Flisek: Dann?
Frau K.: Am Ende keine mehr.
Flisek: Auch die unterhalb der Ebene?
Frau K.: Als Zweitbeurteilung.
Flisek: Wie da Infos verschafft?
Frau K.: Aussagen von direkten Vorgesetzten, Berichte, mit Mitarbeiter persönl. gesprochen.
Flisek: Gefragt, was die da machen?
Frau K.: Ja.
Flisek: Auch Befrager beurteilt?
Frau K.: Zweitbeurteilung.
Flisek: Was da beurteilt?
Frau K.: Ob zielgerichtet, gewissenhaft gearbeitet.
Flisek: Was heißt zielgerichtet?
Frau K.: An bestimmtem Ziel orientiert.
Flisek: Erkenntniszíel, Person?
Frau K.: Arbeitsziel.
Flisek: Wer hat Ziele definiert?
Eisenberg: Zeugin braucht Pause.
[5 Minuten Unterbrechung (19:33)
Geht weiter. (19:47)]
Flisek: Hatten über Beurteilung von Mitarbeitern gesprochen?
Frau K.: Was ist Zusammenhang Untersuchungsgegenstand?
Flisek: Das überlassen sie mal mir. Alle Mitarbeiter kommen als Zeugen in Betracht? Nennen sie mir mal die besten Mitarbeiter? Ganz einfach.
Frau K.: Ziemlich ausgewogenes Leistungsbild.
Flisek: 1–2 Gute mit ihren Kürzeln.
Frau K.: [schweigt lange] Ich bin vollkommen ausgebrannt, komme nicht mal mehr auf die Namen von den Kollegen.
Flisek: Ein paar werden ihnen NÖ doch noch einfallen.
Frau K.: Meine Aufmerksamkeit neigt sich dem Ende zu.
Flisek: Wir haben Verständnis, wenn sie sagen, sie können gesundheitl. nicht mehr. Wenn sie das sagen, können wir damit Schluss machen, da haben wir alle vollstes Verständnis für. Uns ist Zeugin lieber, die bei Kräften ist. Wenn sie das Signal geben wollen, besprechen sie das mit Hr. Eisenberg. Programm grundsätzlich ist da.
Bei Stellenprofil stehengeblieben: Mitarbeiter führen. Sonst?
Frau K.: Fachaufgaben.
Flisek: Beispiele?
Frau K.: Einsteuerung von Aufträgen.
Flisek: Konkret? Das ist für uns Fachchinesisch. Beispiel, wie läuft das?
Frau K.: Anleitung zu einem Arbeitsvorgang.
Flisek: Andere Kernaufgaben?
Frau K.: Alle, die damit zusammenhängen, das Personal einzustellen, den Auftrag bestmöglich zu erfüllen, mit welchem Maßstab.
Flisek: Auch Qualitätskontrolle?
Frau K.: Ja.
Flisek: Wie läuft das?
Frau K.: Berichte vorlegen lassen, Frageführer befragen.
Flisek: Hatten Befragergruppen alle die gleichen Aufgaben?
Frau K.: Regionale Zuständigkeiten in Außenstellen.
Fragerunde 7: Linke (19:54)
Sensburg: Schaffen sie noch eine Fragerunde?
Frau K.: Ich würde gern aufhören.
Renner: Können wir zwei kurze Fragen pro Fraktion stellen?
Notz: Zeugin hat gesagt, dass sie nicht mehr kann. Klar, dass nicht die Wahrheit gesagt wurde. Wird noch klarer, wenn wir noch andere Leute hören.
Sensburg: Würden gerne aus gesundheitl. Gründen die Befragung beenden, richtig?
Frau K.: Ja.
Sensburg: Befragung beendet. (19:57)
Zeuge 2: Joachim Mewes, ehemals Bundeskanzleramt, Referatsleiter 603, später 612
Begrüßung
Mewes: Habe keinen Rechtsbeistand, wüsste nicht, welcher Anwalt mir nützen könnte.
Sensburg: Wir achten darauf, dass es ihnen hier gut geht.
$Formalitäten
Joachim Mewes, 29.4.1949, im Allgäu geboren, Böllsche Straße 20, Berlin-Friedrichshagen, Ruhestandsbeamter, heute Geschäftsführer ortsteilbezogene Firma.
Eingangsstatement
Bundeskanzleramt-Tätigkeit. 1999 Referat 604 als Referent gekommen. „Sonderaufgaben“, i.W. Rückführung Deutscher aus Ausland.
August 01 Referatsleiter 603, PKGr-Angelegenheiten, Rosenholzdateien.
Juli 03 Referatsleiter 612, PKGr-/G‑10-Angelegenheiten.
Sep 07 PKGr-Angelegenheiten weiterhin, aber Proliferation und G‑10 abgegeben, dafür BND-Neubau.
Sep 08 in BMVg versetzt, Prüfgruppe milit. Nachrichtenwesen.
Mär 12 einstweiliger Ruhestand.
Schwerpunkte mit Relevanz für Untersuchungsgegenstand: Ab Jul 03 als Referatleiter 612, PKGr-Angelegenheiten, PKGr-Sitzungen vorbereiten, persönlich wahrgenommen. Referent war Politologe, Schwerpunkt Proliferation. Zunehmend „besondere“ Sitzungen PKGr (Irakkrieg), haben mich zu 75% ausgelastet, Rest G‑10-Angelegenheiten: Prüfung von G‑10-Anträgen, Eilergänzungsanträge.
Partnerbeziehung zu BND: Nicht bei mir angesiedelt. Im Vorfeld hat das Lagereferat 621 gemacht, wenn Absprachen niedergelegter Art gekommen (MoU), dann in Referat 611 behandelt. Ich nur am Rande mit G‑10-Erfassung befasst.
Fragerunde 1: Vorsitzender (20:14)
Sensburg: Wie funktioniert Dienst- und Fachaufsicht im Bundeskanzleramt in Verhältnis zu BND? Ist das echte, taugliche Aufsicht?
Mewes: Im Prinzip, stößt an Grenzen. 6000 Personen bei BND, in der Abt. ca. 30. Sonderproblem, dass unter Mitarbeiter in Abt. auch Mitarbeiter des BND sind. Daher gekommen und dahin zurückgegangen.
Weiß nicht, ob das Ideallösung ist. In Hinblick auf Personalverhältnis beider Einrichtungen kann man nur an Schwerpunkten Stellschrauben drehen. Allumfassende Aufsicht unter den Umständen kaum möglich.
BND ist Behörde der besonderen Art. (!)
Sensburg: Waren Referatleiter in Gruppe 61, zuständig für Rechtsaufsicht. Gab es ständig Situationen, wo man hätte korrigieren müssen? BND kontrollbedürftige Einrichtung?
Mewes: Nur dann gemerkt, wenn etwas Besonderes passiert ist. Insb. G‑10-Erfassung im Großteil Routine, von BND-Juristen betreut. In der Regel keine Beanstandungen, schon aus zeitl. Gründen. Konnte immer nur im Nachhinein Probleme aufgreifen.
Gibt in Komplex rechtliches Nirvana, Dunkelfeld. Routineaufklärung, die sich keiner richtig angesehen hat.
Sensburg: Anträge G‑10 kamen kurzfristig, was heißt das?
Mewes: Nicht so, dass man im Einzelfall Chance hätte, etwas zu ändern. Haben Verfahren gefunden, dass bevor Unterzeichnung durch Präsident gegeben, auch an uns gegangen ist. Präsident irritiert, aber Frist sehr kurz.
Solange Anträge fortgeschrieben, kein jur. Neuland. War eingespielt und zügig tragbar.
Sensburg: G‑10-Kommission, ist ja ne ganze Menge. Inwiefern kann die das leisten?
Zu Operationen mit AND: Wie detailliert hat BND über anstehende/laufende Operationen unterrichtet, Sie und Bundeskanzleramt?
Mewes: In meinem Bereich spielten Partnerbeziehungen prakt. keine Rolle. Wenn dann bei beiden anderen Referaten. Hatte schon gesagt: Partnerbeziehungen fielen unter Begriff Routine. Bereich, wo BND Handlungsfreiheit hatte.
Sensburg: Sie mal mit MoA zu tun?
Mewes: Erinnere nicht, von Zuständigkeit nicht bei mir, sondern Referat 611.
Sensburg: Nicht begegnet?
Mewes: Nicht ausschließen, nur nicht intensiver befasst. Nicht zuständig.
Sensburg: Thema Selektoren bekannt? Suchbegriffe?
Mewes: Suchbegriffe ja, Selektoren nur aus Zeitung. Begriff bis dato völlig fremd. Stammt aus Bereich Routineverkehre, wo BND eigenständig.
Sensburg: Wort Routine benutzt, was sind Routineverkehre?
Mewes: Ausland-Ausland, G‑10, wenn einer in Deutschland.
Sensburg: Thema Selektoren aus rechtl. Prüfung bekannt? Suchbegriffe, wurde ja auch generell genutzt.
Mewes: Suchbegriffe ja. Als Schlagwort bei Proliferation. Telefonnummern, Mailadressen.
Sensburg: Problematisch rechtl. Ansatzpunkt? Allgemeininteressen?
Mewes: G‑10-Kommission hat Anlässe für Begriffe stichprobenweise erklären lassen. Manchmal sehr viele. In G‑10-Sitzung hat BND zur Verwendung der Begriffe erklärt.
Sensburg: Also Suchbegriffe der G‑10-Kommission bewusst?
Mewes: Nur wenn in G‑10-Bereich benutzt. Was jetzt in Presse, habe ich vorher nicht gewusst. Was Weitergabe angeht keine eigene Entscheidung. G‑10-Kommission damit auch nicht befasst. Nur bei im G‑10-Bereich verwandten Suchbegriffen nach sachl. Hintergrund gefragt.
Fragerunde 1: Linke
Renner: Danke für Geduld. Jahr 2002: Überlegungen zur Übernahme Bad Aibling. Wann damit zum ersten Mal damit befasst?
Mewes: Originär nie damit befasst, habe aber von Bad Aibling gewusst, war nie da.
Renner: In dem Zusammenhang Vorlage für PKGr verfasst?
Mewes: KA. Denke, unwahrscheinlich.
Renner: Haben entsprechende Vorlage. [Dokumentenvorlage: 14.5.02 an Chef Bundeskanzleramt, Sitzung PKGr 15.5., NfD, Frage zu S. 3 MAT BK 2–10c, Blatt 110ff] „Danach soll u.a. künftige Tätigkeit der NSA in Bad Aibling unter Berücksichtigung deutschen Rechts erfolgen.“
Mewes: Vorlage 2002, kann mich nicht erinnern.
Renner: Davon ausgegangen, dass Tätigkeit NSA gegen deutsches Recht verstieß?
Mewes: Kann ich wirklich nicht beantworten. Sprechzettel stammt nicht von mir. Während USA Einrichtungen selbst genutzt haben, ohne Kontrolle von BRD, hat das unter besonderen Verhältnissen stattgefunden. Durch Kooperation versucht, Ausschließlichkeit von US-Rechtsverständnis zu begrenzen.
Renner: Unterschrift ist doch von ihnen?
Mewes: Das ist Vorlage, die ich aufgrund von Sprechzettel gemacht habe. Das Eigentliche ist Bericht BND. Stammt von BND, Präsident BND hat Vorlage in PKGr vorgetragen, stammt nicht aus Bundeskanzleramt.
Renner: Was ist spezielles Rechtsverständnis der Amerikaner, das abgestellt werden sollte?
Mewes: Dass USA als frühere Besatzungsmacht in ihren Einrichtungen nach US-Recht vorgegangen sind. Dass das abgestellt werden sollte.
Renner: Welche Maßnahmen?
Mewes: Vertraglich festschreiben.
Renner: Gedanken gemacht, wer kontrollieren soll?
Mewes: War mit MoU nicht inhaltl. befasst, kann nichts dazu sagen. In der Regel Absichtserklärungen, wer kontrolliert betroffene Seite.
Renner: Gehörten zu 603/612 auch Fach- und Rechtsaufsicht zu Überwachung von Telekommunikationsverkehr?
Mewes: Im Rahmen von G‑10-Anordnungen.
Renner: Auch gegenüber Deutsche Telekom?
Mewes: War nicht Adressat von G‑10-Anordnungen, hat nur Übergabepunkte zur Verfügung gestellt. G‑10-Anordnungen haben BND zu Maßnahmen ermächtigt.
Renner: Kennen sie Transitvertrag zw. BND und Telekom?
Mewes: Nein.
Renner: Kennen sie Eikonal?
Mewes: Durch Presse. Im Anschluss erfahren, dass das Knoten in Frankfurt am Main ist.
Renner: Wann von Name Eikonal erfahren?
Mewes: Kürzl. aus Presse. Dienstl. einmal damit zu tun, aber in Bundeskanzleramt nicht üblich, BND-Namen zu übernehmen. Gab nur Namen des Standorts.
Renner: Was heißt, dienstl. mit dem Knoten zu tun?
Mewes: BND auf Bundeskanzleramt zugekommen, hat Problem aufgeworfen, dass bisherige G‑10-Abgriffe techn. nicht auf neuestem Stand. Fortschritte in TK-Technologie, paketvermittelte Kommunikation. Internationaler Knoten war in Frankfurt am Main.
Zusammen mit Bestreben BND gab es Informationsbesuch mit G‑10-Kommission. Dann an Ort in Frankfurt am Main hat uns BND gezeigt, was dort stattfindet. Außer Kabel, Leuchten und Dioden nichts gesehen. G‑10-Kommission war einmal da. Dann paketvermittelte Wege in Kommission aufgenommen. Begrifflichkeit Eikonal da unbekannt.
Fragerunde 1: SPD (20:40)
Flisek: Wann war G‑10-Kommission in Frankfurt am Main?
Mewes: Schätze 2005.
Flisek: Hat man bei Besuch Thema Routineverkehre problematisiert?
Mewes: Nein, Mitgliedern der Kommission musste klar sein, dass nicht dort gefiltert wird, sondern das, was durch Kabel ging, wurde ganz an BND weitergegeben und in BND-Zentrale aufgesplittert. War für alle klar, weil dort keine Beschränkung techn. stattgefunden.
Flisek: Spiegelung gemacht, ausgeleitet, woanders weiterbearbeitet. Bei Besuch angesprochen, dass vllt. auch um Überwachung von Routineverkehren geht?
Mewes: Anlass von BND war, G‑10-Verkehr techn. zu verbessern. Dass BND in dem Fall primär Routine im Auge hatte, davon war nie die Rede. Vllt hätte man sich das denken können. Ist von BND nie gesagt worden, dass es primär um Routine geht? Wäre ja auch Missbrauch der G‑10-Kommission.
Flisek: Sie waren bei Besuch anwesend?
Mewes: Ja.
Flisek: Ihnen war das auch nicht bewusst?
Mewes: Zumindest, dass es BND um Routineverkehre ging.
Flisek: Rechtl. Einschätzung: Unterstellt, das wäre so – BND hätte gesagt, brauche ne Anordnung. Einziges Instrument G‑10-Anordnung.
Wenn in der Ausgangslage sich G‑10-Anordnung bedient: Wie würden sie das rechtl. bewerten? Rechtsbruch?
Mewes: Würde vorsichtig sagen: Vertrauensmissbrauch.
Flisek: Wenn G‑10-Kommission informiert: Was dann?
Mewes: Solche Info nicht bekannt.
Flisek: Schließe aus ihrer Äußerung, dass das Kuddelmuddel daher kommt, dass es nichts gibt, aber man nicht auf Überwachung von Routineverkehr verzichten will. Da müsste man ja was regeln.
Mewes: Frage ist, wie? Im Ausland gleiches Problem. Unbefriedigend. Geschützt ist eigene Bevölkerung. Ungeschützt ist Rest der Welt.
Flisek: Alle gegen alle.
Mewes: Kenne kein Land, in dem das anders ist. Mag heute anders sein, denke, ist so geblieben.
Flisek: In Bundeskanzleramt, war nicht so, dass man wusste, hier geht es nicht um G‑10, sondern Routineverkehr?
Mewes: Mir nie bewusst geworden. Auch nicht von anderer Stelle problematisiert.
Flisek: Hat sich das geändert?
Mewes: Bis heute so geblieben.
Flisek: Erst im Zuge von Snowden Problembewusstsein entwickelt?
Mewes: Seit 08 nicht mehr da, im Gespräch mit Kollegen heute: Habe nicht Gefühl, dass dafür Lösung auf dem Tisch liegt.
Flisek: Seit 99 in Bundeskanzleramt.
Mewes: Ja.
Flisek: Zeit, wo Kooperation mit US-Diensten angelaufen. Was mitbekommen?
Mewes: Nie direkt damit befasst. KA, wie andere Referate mehr damit befasst waren. Hat BND Spielraum gelassen.
Flisek: Spielraum ging von Bundeskanzleramt aus? Zäsur 9/11, Situation mit hoher Solidarität gegenüber USA. Gabs in Bundeskanzleramt Stimmung „Lassen mal Fünfe grade sein“?
Mewes: Nein, aber uneingeschränkte Solidarität. Später wegen Einzelvorkomnissen Fragen ergeben. Ob uneingeschränkte Solidarität auf Dauer so weitergeht. Z.B. US-Maßnahmen gegen Einzelpersonen. Ganz allmählich wurde klar, dass keine Einzelfälle, sondern US-Konzept.
Flisek: Anlauf und Entwicklung der Kooperation nicht in ihrem Bereich?
Mewes: Nein, Kooperation schon vorher, immer wegen techn. Entwicklung angepasst.
Flisek: Kennen sie Weltraumtheorie?
Mewes: Nein.
Flisek: Auffassung, dass Infos vom Himmel fallen und weil sie von oben fallen, gelten keine territorialen Gesetze, kein Datenschutzgesetz, kein deutsches Territorium.
Mewes: Nicht bekannt, erschließt sich mir auch nicht.
Flisek: Uns auch nicht. Wird aber bei BND vertreten? Theorie von virtuellem Ausland sagt auch nichts?
Mewes: Nein.
Flisek: Vorhin Ausführung, dass Personal zwischen BND und Bundeskanzleramt regelm. hin- und herwechselt. Kritischer Unterton wg. Aufsichtsfunktion, richtig?
Mewes: Punkt, über den man nachdenken müsste. Ist auch in BMI und Bad Aiblingz.B. so. Völlig klar, dass jmd. der aus Bereich geht und zurück gehen muss, sich nicht mit Herkunftsbehörde anlegt.
Flisek: Mal Fall aufgefallen, wo Interessenskonflikt besteht.
Mewes: Konkret nein, ist ein Gedanke, der sich auftut.
Flisek: Bundeskanzleramt der richtige Ort, wo Stränge zu NDs zusammenlaufen? ND-Arbeit manchmal schmutziges Geschäft, manchmal besser, man weiß nicht alles. Führt vllt. dazu, dass Dinge nicht mitgeteilt werden, dass Bundeskanzleramt Dinge manchmal nicht weiß?
Mewes: Ist ein Grundproblem.
Fragerunde 1: Grüne (20:59)
Notz: Erinnern sie sich an Operation Eikonal?
Mewes: Erst als geneigter Zeitungsleser.
Notz: Granat? Eikanol?
Mewes: Auch nicht.
Notz: Mal eingeladen, sich das anzugucken? Kann das nachher konkreter vorhalten.
Mewes: Nein.
Notz: Zugriff in Frankfurt am Main Gesprächsthema für Routineverkehr?
Mewes: Angekommen als Vorschlag BND zu Erkenntnisverbesserung G‑10-Bereich. Damit verbunden auch, dass damit Routineverkehr miterfasst wird, weil in man Verkehre in Frankfurt am Main nicht aufsplittern konnte. Verkehr wurde insg. übermittelt.
Notz: Erinnern rechtl. Auseinandersetzung zwischen Hanning und Uhrlau? Selbst beteiligt?
Mewes: Liegt zehn Jahre zurück, KA. Kann sein, dass ich involviert war.
Notz: Ḱönnen sie sich an Treffen erinnern, wo am Ende gesagt wurde: „Allen ist bewusst, dass es um Abgreifen von Routineverkehr geht“?
Mewes: Soweit ich mich erinnere nein.
Notz: Sagt ihnen „Türöffner“ was?
Mewes: Ja, Maßnahme wird vorgeschoben, um etwas anderem die Tür zu öffnen.
Notz: Bezogen auf diese Phase?
Mewes: Allen Mitgliedern G‑10-Kommission war klar, dass mit der Ableitung alles zu BND geleitet wurde.
Notz: Klar, dass BND mit AND teilt?
Mewes: G‑10-Kommission nicht im Einzelnen, aber bei Besuchen in Pullach über Partnerverbindungen und deren Wert informiert worden. Kam nicht zur Sprache. Aber hat sich ergeben.
Notz: Zwei Gedanken verbinden: Wenn man G‑10-Kommission nicht informiert, dass Routineverkehr-Ausleitungen, die man mit AND teilt, dass das dann Türöffner ist?
Mewes: Nicht gedacht, dass man mit AND teilt, sondern im Einzelfall weitergibt.
Notz: Also würde man sich betrogen fühlen, wenn ich heute sage, dass man Metadaten komplett rübergeschoben hat und dann bestimmte Daten komplett mit AND geteilt hat?
Mewes: Nicht für Weitergabe an AND verhandelt, davon ausgegangen, dass Weitergabe praktisch angesehen wird.
Notz: 2007 wurde Eikonal eingestellt. Warum?
Mewes: KA, nur Inbetriebnahme zu G‑10-Zweck verfolgt, weil zuständig. Dass eingestellt wurde, KA.
Notz: Waren bis 08 da!
Mewes: War bis 09/07 mit G‑10 befasst.
Notz: Sie sagen, dass sie in Bundeskanzleramt von Eikonal-Einstellung nichts mitbekommen haben?
Mewes: Soweit ich mich erinnere nicht.
Notz: Wer war Pendant bei 611?
Mewes: Jansen und Bartodziej.
Notz: Können nicht ausschließen, dass nichts mitbekommen?
Mewes: Kann sein. Ob unter meiner Zuständigkeit oder nicht erinnere, KA. Denke schon, hätte Erinnerungswert gehabt.
Fragerunde 1: Union (21:10)
Warken: 2004 Besprechung in Bundeskanzleramt. [Dokumentenvorlage MAT A BND 17–3, Auszug Ordner 190, Blatt 11–13 und 17–21] Von Vertrauensbruch gesprochen, aber erinnern nicht wirklich. Haben Besprechung offen gemacht, vorher streng geheim. An Besprechung teilgenommen, da entschieden, dass BND G‑10-Anordnung beantragen soll, um Zugang zu bekommen. Geschah 2005, Rechtsfrage, ob BND Routineverkehr auch erheben und auswerten darf, wurde in Bundeskanzleramt bejaht. Beschlossen, G‑10-Kommission nicht zu informieren. Erinnern sie?
Mewes: Trägt meine Unterschrift.
Warken: Von ihnen verfasst?
Mewes: Die Vorlage.
Warken: Wie kam es zu Besprechung, welcher Vorlauf?
Mewes: Frage BND nach neuem Verfahren.
Warken: Wann rechtl. Problematik Beifang aufgetaucht?
Mewes: Routine als Beifang schon immer Thema. BND hatte Freiraum. Ob das richtig oder falsch ist, sei dahingestellt. Wir haben versucht, BND im Rahmen der G‑10 Dinge zu ermöglichen.
Warken: Wer hat entschieden?
Mewes: KA, diese Vorlage ist an Uhrlau adressiert.
Warken: Dann entschieden, dass kein Gutachten durch Bundeskanzleramt oder Beschluss durch G‑10-Kommission. Von Vertrauensbruch gesprochen, war das einer?
Mewes: Wenn primär Routineverkehr im Blick, dann aus heutiger Sicht kritisch sehen.
Warken: Damals nicht klar?
Mewes: Soweit ich mich erinnere nein.
Warken: Ergibt sich doch aus Gesprächsverlauf? War auch Riesenbesprechung. Gab auch Anlagen zu Besprechung, Vortragsunterlagen, dass G‑10-Erfassung stattfindet und es um Routineverkehr geht. S.19: Ableitung Routineverkehr, Übertragungswege.
Mewes: Erinnere nicht.
Warken: Wurde dann Frage der Zulässigkeit der Ableitung von Routineverkehr nochmal in Bundeskanzleramt diskutiert?
Mewes: Soweit ich mich erinnere gab es keine Diskussion mehr.
Warken: Was hat BND vorgetragen, warum das so wichtig ist?
Mewes: KA, ob in der Besprechung vorgetragen. Allg. gegenüber G‑10-Kommission darauf hingewiesen, dass Routineverkehr für BND große Bedeutung hat, weil BND damit Kooperationspartner bedienen kann und Gegenleistungen erbringen kann.
Warken: Ohne Routineverkehr Zusammenarbeit für AND nicht so interessant?
Mewes: Gab soweit ich weiß kein G‑10-Material, das an AND ging. Daher G‑10-Material von BND als Tauschobjekt beschränkt. Aber werden nicht nur Meldungen direkt getauscht, auch Erkenntnisse aus G‑10-Verḱehr. Nicht G‑10-gekennzeichnet, gibt aber Zulieferung. Hatte bestimmt Bedeutung.
Warken: Bundeskanzleramt überzeugt, dass Routineverkehr wichtig, daher Entscheidung, das so zu tun? Kann aus Vermerk entnehmen, dass BND „geeignete“ G‑10-Maßnahme beantragt hat. Stichwort: G‑10-Legende. Ihr Vermerk: Zeitnah zu techn. Realisierbarkeit.
Was heißt „geeigneter“ G‑10-Antrag?
Mewes: Drei Bereiche: Proliferation, Terrorismus, Rauschgift. Rauschgift fast keine Erkenntnisse, Ansatz völlig falsch. Bei Terrorismus nur einzelne Hinweise aus G‑10-Aufkommen, zahlenmäßig nicht so relevant. Deshalb Proliferation geeignet, weil G‑10-Aufkommen schon gewisses Maß erreicht hatte.
Warken: G‑10-Kommission wurde nicht mitgeteilt, dass es um Routineverkehr geht? Wurde getäuscht. Hat sich das BND überlegt?
Mewes: Muss bei BND Problemlage gegeben haben. Bei uns Einzelgegenstand der Aufsicht, nicht so präsent.
Warken: Dem Vermerk ist zu entnehmen, dass man G‑10-Kommission nichts sagen will, weil „nicht vermittelbar“. Warum so gedacht?
Mewes: [liest] Aus jetziger Sicht KA.
Warken: Warum kein Rechtsgutachten? Welche Meinung hatten Sie damals?
Mewes: KA, BND hatte große Spielräume.
Warken: Warum keine Änderung G‑10-Gesetz, wurde überlegt?
Mewes: KA.
Warken: Erinnerung an Position von Uhrlau, Abt. 6?
Mewes: Unter seiner Ägide ist G‑10-Antrag gestellt worden. Vmtl. damit einverstanden gewesen.
Schipanski: Angefangen: Routineverkehr befindet sich in Nirvana. Auf welcher Rechtsgrundlage ist Routineverkehr erhoben worden?
Mewes: BND-Gesetz, zu Routineverkehr explizit nichts ausgesagt.
Schipanski: Hat ihnen §1 Abs. 2 BND-Gesetz genügt?
Mewes: Glaube ja.
Schipanski: Haben sie G‑10-Maßnahmen geprüft?
Mewes: Ja.
Schipanski: Gingen davon aus, dass das passt? Was dachten sie, wollte man damit erreichen?
Mewes: Verbesserte G‑10-Erfassung.
Schipanski: Festgestellt, auch Routineverkehr dabei. Für sie als Rechts- und Fachaufsicht logisch?
Mewes: Ja.
Schipanski: Was dachte G‑10-Kommission? Vermitteln den Eindruck, G‑10-Kommission wusste von Maßnahmen Bescheid.
Mewes: War klar, dass Gesamtverkehr abgeleitet wurde. Also war klar, dass nicht nur G‑10-Verkehr.
Schipanski: Spekulation, nicht mit Mitgliedern ausgetauscht?
Mewes: Nein.
Schipanski: Ihnen klar, dass mit AND gearbeitet wurde. G‑10-Kommission nicht klar?
Mewes: Nein, nicht klar. Ist vor 10 Jahren entstanden, wenn vorher gesehen, auch anders vorbereitet. Hat mich überraschend getroffen.
Schipanski: Mich getroffen, dass sie sagen, Routineverkehr liegt im Nirvana.
Mewes: Habe gesagt, Zustand ist mehr oder weniger in allen Ländern so. Gibt Ratlosigkeit, wie man das regeln kann.
Schipanski: Zu Amtszeit war es ja zufriedenstellend?
Mewes: Insofern, man hat gesagt das reicht. Hat Risiken und Chancen gesehen, weil Kooperation mit AND eröffnet und Möglichkeit, dass BND an Erkenntnisse kommt, die er sonst nicht erhalten hat. War Erstadressat von Hinweis eines AND, da gab es Hinweis auf Sauerlandgruppe. Daher Zusammenarbeit mit AND hohen Stellenwert, auch wenn rechtl. unscharfe Zone.
Schipanski: Können sie sich vorstellen, dass man das rechtl. klarer fassen kann?
Mewes: Könnte keinen Vorschlag machen.
Schipanski: Sagen, gehen davon aus, dass bei Zusammenarbeit mit AND Prüfung stattfindet. Spekulation oder Wissen?
Mewes: Vermutung, Ausgangspunkt. War überrascht, dass das automatisierter Prozess. Kann an Fortschritt der Technik liegen.
Fragerunde 2: Linke
Renner: Sagen, BND hatte Freiraum. Warum? Hält er Dinge vor Bundeskanzleramt geheim oder will Bundeskanzleramt Dinge nicht genau wissen?
Mewes: Weder noch. Glaube nicht, dass BND Dinge vor Bundeskanzleramt geheimhält. Aber hat Freiräume durch rechtl. Situation, weitestgehend ungeregelt. Auch personelle Ausstattung. 5–6 gegen Tausende beim BND, schwieriges Unterfangen.
Renner: Gibt Instrumente für Aufsicht, auch BfDI, BNetzA. Hatte Bundeskanzleramt von Zertifizierung durch BNetzA, für Geräte, Software, etc. Wissen?
Mewes: Nicht bekannt. Kann sein, dass wg. mangelndem techn. Sachverstand.
Renner: Gab es Überlegung, dass man techn. Sachverstand braucht? Personelle Forderungen?
Mewes: KA. Weiß nicht, ob ein Abteilungsleiter das erwogen hat.
Renner: Was wusste man bzgl. Kooperation mit US- und britischen Diensten zu Gegenleistungen?
Mewes: War mit Partnerbeziehungen in Routinebereich nicht befasst, kann kein Beispiel nennen. Wusste, dass es sowas gab, aber keine Einzelheiten. Einmal Hinweis auf Sauerlandgruppe.
Renner: War bekannt, dass man neben NSA auch mit CIA kooperiert?
Mewes: Ja, war Kooperationspartner. Im Grundsatz klar.
Renner: Wussten sie, wie Kooperation aussieht?
Mewes: Ich nicht. Waren CIA-Vertreter in Botschaft, gab Station in München. Personell augestattet, wusste ich nicht genau. Was in Einzelnen hin- und herging, wusste man bei uns auch nicht.
Renner: Nie mit gemeinsamer Operation befasst worden? Glotaic?
Mewes: KA.
Renner: Kabel bei Düsseldorf, MCI Worldcom.
Mewes: Kann ich nicht ausschließen.
Renner: Hätten sie davon erfahren müssen?
Mewes: Wenn G‑10, …
Renner: War es nicht.
Mewes: Dann ich nicht. Ob BND-Präsident Abteilungsleiter unterrichtet hat, KA. Begrifflichkeit sagt mir nichts.
Renner: Haben noch niemanden im Bundeskanzleramt gefunden, der war wusste.
Begriff „Abgschirmte Operation“?
Mewes: Verbinde nichts Konkretes damit. Operation in ND-Sinne ist geläufig, was abgeschirmt ist, da muss ich passen.
Fragerunde 2: Union (21:44)
Warken: Eikonal, Transitvertrag. Telekom hatte Bedenken. Ende 2003 Überzeugungsbrief aus Bundeskanzleramt. Dann Transitvertrag abgeschlossen. Sie damit befasst?
Mewes: Erinnere mich dunkel an gewisses Problem seitens Telekom. Daraufhin gab es Brief aus Bundeskanzleramt. Erinnere nicht Inhalt. Meine, Schreiben an Vorstandschef Telekom stammte von Uhrlau.
Warken: Welche Bedenken waren das?
Mewes: Erinnere nicht bestimmte Schreiben. Mglw. Sicherheitsbeauftragte Telekom vorstellig geworden. Kann mir vorstellen, dass Telekom nicht ohne Bestätigung Leitung zur Verfügung stellen wollte.
Warken: Wie war Diskussion in Bundeskanzleramt? Hatten sie Bedenken?
Mewes: KA zu Einzelheiten. Weiß, dass es Diskussion gab, aber nicht, auf welcher Ebene. Entscheidung von Abteilungsleiter, wer Schreiben unterzeichnet.
Warken: Wer war in Bundeskanzleramt eingebunden? Spitze, nur Abt. 6?
Mewes: Denke, Uhrlau hat das mit Chefetage besprochen.
Warken: Dann aber Uhrlau unterzeichnet?
Mewes: Soweit ich mich erinnere ja.
Warken: Längeres Schreiben oder kurz?
Mewes: Soweit ich mich erinnere kurz. Habe Schreiben bestimmt gesehen, aber …
Warken: Waren nicht an Erstellung beteiligt?
Mewes: KA. Weiß nicht, ob aus meinem Referat oder 611.
Warken: Kam das häufiger vor? Überzeugungsbriefe?
Mewes: Kann keinen weiteren Fall erinnern.
Warken: Uns beschäftigt, wie bei Eikonal sichergestellt wurde, dass kein Grundrechtsträger erfasst. [Zitat aus SZ 4.10.14] DAFIS hat nicht 100% funktioniert. Kenntnis von Problemen in Bundeskanzleramt?
Mewes: Erinnere nicht Probleme bei G‑10-Filterung. Braucht erhebliches techn. Fachwissen. Als normaler Jurist relativ hilflos. Alles spezialisiert.
Notz: Wie kann man dann Aufsicht führen!
Warken: Aber dann muss man doch im Notfall anderen Sachverstand holen, mal Informatiker einstellen?
Mewes: Hätte mglw. nicht gleich jemanden eingestellt, sondern woanders nachgefragt. Z.B. BSI.
Warken: Aber versucht, Tätigkeit des BND zu durchdringen? Meiner Meinung nach falsche Herangehensweise. Ausführen, wie man Sachverstand geholt hat? Insgesamt.
Mewes: In Abt. 2 von fachl. Seite, wenn Spezialfragen, kaum beurteilbar. Wenn ich sehe, wer in Referat ist, das sind Juristen, VWLer, Politologen. Auf anderer Seite Informatiker. Hätte dann das BSI geholt, war Überlegung von mir. Überlegungen wurden vllt. gar nicht an Bundeskanzleramt rangetragen.
Warken: Andersrum auch nicht versucht, zu verstehen, was da techn. vor sich geht?
Mewes: Abt. TA hat außerhalb G‑10-Aufklärung wg. spezifischer Eigenart gewisses autonomes Leben geführt. Konnte von Bundeskanzleramt nicht kontrolliert werden, hätte Fachpersonal gebraucht. Und wie viele? Einer hätte nicht ausgereicht.
Warken: Autonomes Leben: Fachaufsicht hat nicht wirklich stattgefunden?
Mewes: Eher: Hat nicht funktioniert, aber Routineverkehr war gewisser Freiraum.
Warken: Etwas über Beendigung von Zusammenarbeit (Eikonal) bekannt? Wegen weniger Ergebnisse? Wusste Bundeskanzleramt das?
Mewes: KA, weiß nur, dass nachdem mit Erfassung begonnen wurde, hat sich bei BND Aufkommen nicht relevant erhöht. Habe das aus den Augen verloren. G‑10-Erfassungen wurden bei jedem neuen Antrag mitgeteilt.
Warken: Zahlen?
Mewes: Bereich Rauschgift: gegen 0.
Wolff: NÖ.
Sensburg: Grob? Die in BT-Drucksache?
Wolff: Meinte Wertigkeit.
Mewes: Erinnernd auf BT-Drucksache bezogen. Festgestellt, dass gegenwärtig Tendenz so geblieben.
Warken: Tatsache, dass für Partner unbefriedigend bekannt?
Mewes: Nein, weder Einstellung noch Unzufriedenheit.
Warken: Wann genau beendet?
Mewes: KA, Zuständigkeit 09/2007 nicht mehr gehabt. Weiß nicht, ob überhaupt ins Bundeskanzleramt gekommen.
Warken: Nicht bekannt, ob andere Zusammenarbeit als Kompensation?
Mewes: KA.
Warken: BND hat 2005 probl. Selektoren festgestellt. Info erreichte Bundeskanzleramt angebl. erst Jahre später, nicht vor 2010. Irgendwas bekannt?
Mewes: Nur Presse. Kenntnis von Bad Aibling ausschließlich aus Presse.
Warken: KA, ob Bundeskanzleramt vor 2010 unterrichtet?
Mewes: Nein.
Warken: Wann erstmalig davon erfahren?
Mewes: Seitdem veröffentlicht worden.
Schipanski: Nicht im zuständigen Referat?
Mewes: Seit 09/2007.
Schipanski: Sie hat das in Bundeskanzleramt 2005 nicht erreicht?
Mewes: Ja. Aber war für G‑10 zuständig.
Schipanski: Große Frage: Gesagt, BND führte autonomes Leben. Ist das Wissen oder Spekulation?
Mewes: Meiner Ansicht nach unter verschiedenen Abteilungsleitern Einverständnis, gemeinsame Beurteilung.
Schipanski: Sie haben Problematik nicht durchdringen können?
Mewes: War nicht zuständig. Wäre in der pers. Besetzung nicht möglich gewesen.
Schipanski: Mit Blick auf ihre Abteilung G‑10, PKGr: Das haben sie durchdrungen?
Mewes: Gleiche Technologie, Schwierigkeiten mit techn. Vorgängen. Im PKGr techn. Vorgänge kaum erörtet. Vmtl. auch, weil Hemmungen beim BND, Abgeordnete mit spezifischen Fragen zu konfrontieren. Nicht günstig für Klima.
Schipanski: Fühlten sie sich für DAFIS zuständig?
Mewes: An Anträgen orientiert, informiert, welche spez. Probleme im Vorfeld bestanden. Mit Einzelschritten der Verarbeitung nicht befasst. Von techn. Problemen hat man eigentlich auch nichts gehört.
Schipanski: Nur weil man das techn. nicht erfasst, kann man ja nicht sagen, man beschäftigt sich nicht damit. Nicht ganz genau geschaut.
Mewes: Mit Endprodukten befasst, nicht mit Weg dahin. Außer besonderer Anlass, aber keiner bekannt. Kann mit nicht erinnern, dass Filterproblem thematisiert wurde.
Sehe keine Notwendigkeit, dass BND interne techn. Probleme an Bundeskanzleramt berichtet. Nicht für Bundeskanzleramt geeignet.
Schipanski: Also sie meinen, ihr Referat hat Aufsicht gut wahrgenommen.
Mewes: Relativiert Aussage „autonomes Leben“.
Schipanski: Meine G‑10-Problematik.
Fragerunde 2: Grüne (22:11)
Ströbele: Verstehe nicht, dass sie uns erklären, Rechtsgrundlage für Routineerfassung steht nicht in BND-Gesetz.
Mewes: Steht nur allgemein im Paragraphen.
Ströbele: Muss ich dann nicht sagen, das dürft ihr nicht? Nehmt ihr das einfach so hin? Sinn war ja, Partner zu bedienen. Kann das Grund sein, Rechtsgrundlage zu ersetzen?
Mewes: Rechtsgrundlage ja nur global. Für Routineverkehr gilt Ermächtigung des BND.
Ströbele: Warum schreibt man das für andere Sachen ganz konkret da rein, wenn die eh alles dürfen?
Mewes: Dürfen nicht alles. Aber G‑10-Gesetz gilt nur in G‑10-Bereich, für Routineverkehr nur allgemeine Vorschrift. Kann man drüber streiten.
Ströbele: Aber dafür ist die Aufsicht ja da, und die Juristen. Haben sie Rechtsgrundlage für ausreichend angesehen?
Mewes: Politische Frage, ist nur globale Rechtsgrundlage. Frage, ob man die für sich gelten lässt oder nicht.
Ströbele: Anträge bei G‑10-Kommission für Bundesregierung gestellt. Sollte ein Türöffner geschaffen werden. Gehen in G‑10-Kommission und erklären nicht, dass der eigentliche Sinn des Antrags Kooperation mit der NSA ist. Und sagen nicht, wo die Gefahr ist. Sondern nur: Wo ist es am wahrscheinlichsten, nehmen wir die Proliferation.
Sagen der G‑10-Kommission nicht, dass es um Bedienung des Partners ging. Ist das Aufsicht und Leitung?
Mewes: Kann nicht erinnern, dass das Hauptgrund war. G‑10-Kommission hat Knoten gesehen. Weiß nicht, ob das Ausnutzen oder Türöffner ist.
Ströbele: Was wussten sie denn damals? Kam BND und hat gesagt, wir glauben, dass wir Proliferation mit G‑10-Maßnahme aufklären können? Können sie das vertreten, dass man G‑10-Kommission nicht davon unterrichtet, was eigentlich bezweckt ist?
Mewes: Kann mich an den Besuch erinnern, nicht an Vorlage, muss wirklich passen.
Ströbele: Merke ich. Dritter Punkt. Bekannt, dass im BND Probleme gesehen wurden, dass Filter nicht funktionieren? Dass er nichts mehr fürchtete, als dass das G‑10-Kommission oder PKGr bekannt werden könnte. Und dass sie mehrfach aufgeschrieben haben, dass das dringend verhindert werden muss?
Mewes: Kann mich nicht an Filterschwierigkeiten erinnern.
Ströbele: Mal an sie herangetragen worden?
Mewes: Nein. Wenn es Ansinnen gegeben hätte, würde ich mich wahrscheinlich erinnern.
Ströbele: Ist in den Medien seit ein paar Jahren viel veröffentlicht worden. Das mal nachverfolgt? Interesse?
Mewes: KA, ob ich Eikonal-Artikel kenne. Nur als Snowden kam, war ich über Tatsache, dass das stattgefunden hat, nicht überrascht. Eingreifen in Handyverkehr soweit ich weiß profan. Was überrascht: Umfang und Ausmaß der US-Maßnahmen.
Fragerunde 3: Linke (22:23)
Renner: Jemals an Gespräch mit Five Eyes-ND teilgenommen?
Mewes: Ja, USA, GB. Hat gelegentlich stattgefunden, aber nicht mein Hauptfeld. In beschränktem Maß vorgekommen.
Renner: Ging es auch um techn. Kooperationen?
Mewes: Nicht erinnerlich. Natürlich auch mit USA Kontakt, als Rosenholz-Unterlagen zurückgegeben wurden. Ziel- und zweckgerichteter Kontakt mit US-Personal.
Renner: Bzgl. Rechts- und Fachaufsicht: Diskussionen zu Problematik, dass USA auch Personen/Institutionen erfassen, bei denen es um feindliche oder Industriespionage geht?
Mewes: Nichts Konkretes. Dass techn. Möglichkeiten bestanden, war größerem Personenkreis bekannt. Neue US-Botschaft war noch nicht in Betrieb, da haben wir von BSI Hinweis auf merkwürdige Kuppel auf GB-Botschaft erhalten und auf Verkleidung auf russischer Botschaft.
Auch in Bereich Proliferation, ging meist um iranisches Atomprogramm, haben sich Vertreter geäußert.
Renner: SZ hat vor Kurzem auf geleakte Dokumente abgestellt, die nahelegen, dass auch Bundeskanzleramt Überwachungsgegenstand war. War das mal Thema?
Mewes: Mit Möglichkeit muss man überall rechnen, weil techn. profan. Jeder, der telefoniert, muss mit Möglichkeit rechen, dass er erfasst wird. Hinweise von BSI bekommen.
Hahn: Für PKGr in ganzer Zeit zuständig?
Mewes: 2001–2008.
Hahn: Was bei Eikonal gelaufen ist, das kannten sie? Waren sie auch zu Besuch?
Mewes: Ja.
Hahn: War doch nicht alltäglich?
Mewes: Nein, Dienstreisen aus Berlin selten.
Hahn: Nein, ich meine Kooperation.
Mewes: Nein, war aber nicht Teil meiner ureigensten Tätigkeit. Kann mich aber nicht an alles in PKGr erinnern.
Hahn: Wenn einmaliger Vorgang, dann Pflicht, PKGr zu informieren. Warum ist das nicht passiert?
Mewes: Weil Kabel in Frankfurt am Main praktisch unter den Augen der G‑10-Kommission genehmigt worden ist.
Hahn: Ich meine das PKGr. Gab in ihrer Amtszeit keinen anderen Brief an Telko, dass man eine Zusammenarbeit zulässt. Warum keine Information an PKGr?
Mewes: Wurde nicht als besonderes Ereignis angesehen.
Hahn: Denken sie heute immer noch?
Mewes: Nachher ist man immer klüger.
Hahn: Müsste also aus heutiger Sicht PKGr informieren?
Mewes: „Muss“ schwierig. Darf man nicht mit bestimmten Berichten überhäufen. Mehrere Dienste. Mehrere Faktoren.
Hahn: Werden mit allem Möglichem überhäuft. Aber nicht mit so etwas Gravierendem?
Mewes: Damaliger Abteilungsleiter hat das offensichtlich anders gesehen. KA, ob das mal diskutiert wurde. Ist nicht informiert worden.
Fragerunde 3: Grüne (22:32)
Notz: Wussten Sie, dass BND vor G‑10-Genehmigung an Glasfaser gegangen ist?
Mewes: Muss Probebetrieb gegeben haben. Ist bei Besuch ja gelaufen.
Notz: Man kann doch nicht Grundrechte auf Probe verletzen, jahrelang. Wie geht man damit um, damals?
Mewes: Soweit es sich um nicht G‑10-geschützte Daten handelt…
Notz: Frage, sind Routineverkehr nicht geschützt? Sagt ihnen Gusy noch was? War gar nicht schlecht. Wie können sie sich hier hinstellen und sowas sagen? Hier wird entschieden, ob sie Teil der Verschwörung sind oder kritisch nachgefragt haben.
Hatten sie Bedenken? Haben sie nachgefragt?
Mewes: Kann mich nicht an Vermerk erinnern, ist zehn Jahre her.
Notz: Gerne, Frage ob heute, gibt Akten ohne Ende. Zu Ausführungen zu G‑10-Kommission. Wir sind heute schockiert, wollen auf Herausgabe der Selektorenliste klagen, dramatisch.
Sie sagen: Haben ihnen das damals gezeigt. Wie meinen die das? Schaubildchen gezeigt, gehofft, das raffen die auch nicht?
Mewes: Keine Schaubilder. Nicht viel außer blinkenden Dioden.
Notz: Wo war jetzt erkennbar, dass Routineverkehr an AND ausgeleitet?
Mewes: Nicht erkennbar, weil Gesamtverkehr.
Notz: Das erstmal durchlaufen lassen?
Mewes: KA, ob ich oder Bundeskanzleramt in Genehmigung involviert war.
Notz: Waren ihnen Hintergründe Austausch mit AND oder Five Eyes bekannt?
Mewes: Dass Austausch gegeben, ja. Gab Briefings.
Notz: Meldungen oder Rohdaten?
Mewes: Weder noch. Hanning selber hat auf Austausch hingewiesen. Einzelne Daten bei Besuchen nicht gesehen.
Notz: BND wusste genau, was sie tun und dass das nicht legal war. Wollten keine Genehmigung einholen, aber die blöde Telekom wollte das. Man wollte G‑10-Kommission nicht einweihen. Wussten sie, dass das so läuft?
Mewes: Nicht erinnern. Wussten, dass es erweiterte Erfassung der Routineverkehre gab.
Notz: Kennen sie „Kronjuwelen des BND“, wissen sie, was das ist? Auch nicht bei Snowden gelesen?
Mewes: Nein.
Notz: Letter of authorization?
Mewes: Nein.
Notz: 2. Aktion, Freibrief?
Mewes: Nein.
Notz: Nie gehört?
Mewes: Erinnere nicht.
Notz: Üblich, dass Menschen im Bundeskanzleramt Briefe an Unternehmen geschrieben haben: „Geht so in Ordnung.“
Mewes: Soweit ich mich erinnere, ja.
Notz: War es nicht, deshalb frage ich nach Letter of Authorization. An Gesprächen mit Telekom teilgenommen?
Mewes: Sicherheitsbeauftragter war mal bei mir, Gespräch befasste sich nicht mit Knoten, ging um Einzelperson.
Notz: Schwachstellenbericht bekannt?
Mewes: Nein.
Notz: Bericht des BND, wo jmd. über viele Seiten aufgeschrieben hat, wie schlecht alles funktioniert.
Mewes: KA.
Notz: Wäre das bei ihnen gelandet?
Mewes: Wenn nur G‑10, dann hätte es bei mir auf Tisch kommen müssen. Wenn allgemeiner Bericht über Zustand des Filters, dann eigentlich Bartodziej.
Notz: Wenn darum gegangen, wie Routineverkehr von G‑10-Verkehr zu trennen? An niemanden gegangen?
Mewes: Wäre von gewissem Interesse gewesen.
Fragerunde 4: Linke (22:46)
Renner: Waren sie dabei, als beschlossen wurde, dass Uhrlau Brief an Telekom unterschreibt?
Mewes: KA. Kann mir vorstellen, dass Ergebnis bei Etage Abteilungsleiter besser aufgehoben war.
Renner: Weil politisch heikel?
Mewes: Erwägungen spielen immer eine Rolle. Auch protokollarische Fragen. Können mehrere Dinge eine Rolle spielen.
Renner: Kennen sie 20%-Regelung?
Mewes: Soweit ich mich erinnere, hat das irgendwas mit G‑10 zu tun.
Renner: Begrenzung der Erfassung auf 20% Verkehrsanteile?
Mewes: Kann sein.
Renner: Spielte das mal eine Rolle?
Mewes: KA.
Renner: Auch Kontakt zu britischem AND. Kenntnis zu Zusammenarbeit mit GCHQ?
Mewes: Nur, dass es Zusammenarbeit gibt. Konkret nicht involviert, soweit ich mich erinnere.
Renner: An ND-Lagen teilgenommen?
Mewes: Ja, seit Juli 2003 bis Umorganisation im Sept. 2007.
Renner: Da über Kooperation mit Five Eyes-AND gesprochen worden?
Wolff: NÖ.
Renner: Mal bei Präsidentenbesprechung zugegegen?
Mewes: Nein.
Renner: Erinnerung an Beratung, weil Anzeichen, dass G‑10-Schutz nicht 100% funktioniert?
Mewes: Erinnere nicht, nicht ausschließen.
Renner: Keine weiteren öffentlichen Fragen.
Fragerunde 4: Grüne (22:51)
Notz: Gab es häufiger Bitten von BND an Bundeskanzleramt, Akten zurückzuschicken?
Mewes: KA, in der Regel hat BND keine eigenen Akten vorgelegt, sondern berichtet. Passiert z.B. im Rahmen Sonderermittler PKGr, der im Rahmen der Dienste ermittelt, dann hat BND seine Akten dem Bundeskanzleramt geschickt. Geprüft worden, weitergegeben worden. An Sonderermittler gegeben worden.
Notz: Wurden Akten zur Bereinigung der Nachvollziehbarkeit wieder an den BND zurückgeschickt?
Mewes: Will das nicht ausschließen.
Notz: Können sich das vorstellen?
Mewes: Nein. Wenn BND berichtet hat, dann eigenen Bericht geschrieben. War Informationsgrundlage für Bundeskanzleramt.
Notz: Können sich nicht daran erinnern?
Mewes: Ja.
Notz: Wie war das bei Verkehrsdaten mit strategischen Beschränkungen §5 G‑10-Gesetz. Rufnummern, Standort, etc. Werden solche Daten von BND bei G‑10-Maßnahmen erfasst?
Mewes: Keine Rohdatenerfassung in G‑10-Maßnahmen gesehen. Im Rahmen der Anträge wurde über Erfassung berichtet, aber eher statistisch. Nicht im Einzelnen aufgeführt. Wäre vmtl. auch sehr kompliziert gewesen.
Notz: Könnte es sein, dass solche Verkehrsdaten erfasst und gespeichert werden? Auf Vorrat?
Mewes: Bin falscher Adressat. Würde sagen: Warum soll ich Sachen speichern, wenn ich keine Verwendung dafür habe?
Notz: Weil interessant, siehe VDS-Debatte.
Als Fach- und Rechtsaufsicht: Wenn man Verkehrsdaten erfasst, pauschal, wäre das aus ihrer Sicht legal?
Mewes: Wenn es G‑10-Genehmigung gegeben hat, dann denke ich mal, bezogen auf die entsprechenden Erfassungen, dass es richtig ist, die Daten für die etnsprechenden Erfassungen zu speichern. Muss ja beurteilen und klassifizieren können.
Notz: Muss doch drinstehen, nach was für Kriterien erfasst wird?
Mewes: Suchbegriffe stehen in G‑10-Anordnung. G‑10-Anordnung nie bezogen auf einzelne Strecken, immer bezogen auf Gebiete im Ausland.
Notz: Wäre es nicht illegitim, wenn ich dann andere Sachen mit erfasse? Einfache rechtl. Frage.
Mewes: Nein, das ist komplex. Daten wären ja dann wertlos.
Notz: Das sehen Sicherheitsbehörden anders. Man kann mit Verkehrsdaten viel Unfug machen. Kein gutes Argument.
Mewes: Sage nicht, dass irrelevant, mglw. Begleitdaten doch relevant.
Notz: Waren in Bundeskanzleramt für Rechts- und Fachaufsicht zuständig für ND. Frage nach schlichter Einschätzung: Wenn die alle Verkehrsdaten abschöpfen, dürfen die das oder nicht? Was sagen sie da?
Mewes: Technik ist schwierig, wenn Suchbegriffe genehmigt, …
Notz: Geht um nicht Genehmigte. Sondern Beifang.
Mewes: Wenn Routineverkehr, dann Globalermächtigung des BND-Gesetzes. Sogesehen Einschränkung mit Verhältnismäßigkeit.
Notz: Hat es sie beunruhigt, dass drei Verfassungsrichter gesagt haben, dass das rechtswidrig ist? Sie haben damals nichts gemacht? Hat ihr Vorgesetzer gesagt, sie dürfen nicht? Technik kompliziert? Hatten sie den richtigen Riecher? Wie können sie nach zehn Jahren so relativistisch unterwegs sein? Kritisches Gepräch?
Mewes: Kann mich nicht an Gespräch erinnern, wo ich zum Weglassen von kritischen Anmerkungen aufgefordert wurde.
Notz: Hatten sie Counterpart in Abt. oder Referat
Mewes: GL Wenkebach, Bartodziej.
Notz: Wie waren die unterwegs?
Mewes: Wenkebach etwas großzügiger, Bartodziej guter Jurist.
Notz: Würden sie noch jemanden für Ladung als Zeugen empfehlen?
Mewes: Ne. Könnten Hr. Jansen noch fragen. Sonst fällt mir spontan keiner ein auf Referatsleiter- oder Referentenebene. 2008 bin ich gegangen.
Sensburg: Sehe keine Fragen mehr in öffentlicher Sitzung. (23:07)
-
: Grüne und Linke verklagen Bundesregierung wegen vorenthaltener Selektorenliste
Auszug aus der Klageschrift der Opposition zur Herausgabe der 38.000 abgelehnten NSA-Selektoren. : Grüne und Linke verklagen Bundesregierung wegen vorenthaltener Selektorenliste Linke und Grüne im Bundestag erheben vor dem Bundesverfassungsgericht Klage gegen die Bundesregierung. Dabei geht es um die Weigerung der Regierung, dem NSA-Untersuchungsausschuss die Selektorenliste vorzulegen, mittels derer der Bundesnachrichtendienst Telekommunikationsdaten durchsucht und an die NSA weiterleitet. Das ist laut Linken und Grünen eine Missachtung des Rechts zur Aktenvorlage des Ausschusses.
Die Bundesregierung behauptete, die US-Regierung stimme der Übergabe nicht zu, was von dieser bestritten wird. Stattdessen wurde unter Einigung von Union und SPD ein Sonderbeauftragter eingesetzt, der ehemalige Bundesverwaltungsrichter Kurt Graulich. Er soll sich mit den Selektoren beschäftigen und danach dem Ausschuss Bericht erstatten. Dieser Vorschlag war von Beginn an unbefriedigend, da Graulich nicht erlaubt ist, den Abgeordneten „im Detail“ über seine Erkenntnisse zu berichten und zudem bekannt gab, sich vor allem „loyal gegenüber dem Auftraggeber“, der Bundesregierung, verhalten zu wollen, doch gerade diese steht mittlerweile für die größtmögliche Behinderung der Aufklärung. Desweiteren ist fraglich, ob Graulich die notwendige technische Expertise für eine derartige Aufgabe besitzt – dass ihm BND-Mitarbeiter dabei unterstützen sollen, macht das Vertrauen nicht größer.
USA haben nicht das Recht, die Herausgabe der Selektoren an den Bundestag zu verbieten
In der Klageschrift wird ausgeführt, dass es keinen Anspruch der Five-Eyes darauf gibt, dass Tatsachenfeststellungen über das Verhalten oder politische oder rechtliche Kritik unterlassen werden, auch eine Vereinbarung mit den USA in Form eines Notenwechsels würde das Aktenvorlagerecht nicht aufheben können, schon gar nicht, wenn die Vereinbarungen der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden.
Generell liege der Umgang mit Verschlusssachen in den Händen des Staates, der sie empfängt und nicht im Entscheidungsrecht der USA.
Argument „Gefährdung des Staatswohles von USA und Deutschland“ nicht plausibel
Auch das Argument, das „Staatswohl“ der USA sei gefährdet, erkennt die Opposition für den vorliegenden Fall nicht an. Zwar sei das Zurückhalten von Dokumenten ein geeignetes und legitimes – eventuell sogar erforderliches – Mittel zu diesem Schutzzweck, angemessen sei es hier jedoch nicht. Das liege daran, dass eine endgültige Ablehnung der vollständigen Aktenvorlage vorliege, die von der Bundesregierung zusätzlich verzögert worden sei. Sie habe wohl nie vorgehabt, die Akten vorzulegen, unabhängig von einer Genehmigung durch die USA. Es sei der Regierung nicht um eine vorübergehende Lösung gegangen, bis vollständige Aktenvorlage gewährt werden kann.
Öffentliches Bekanntwerden der Selektoren durch Übergabe an den Bundestag unwahrscheinlich
Zusätzlich hält die Opposition es für sehr unwahrscheinlich, dass das Staatswohl sowohl der USA als auch Deutschlands durch die Herausgabe der Liste an die Abgeordneten gefährdet sei, da ausreichende Geheimschutzvorkehrungen bestünden. So besagt auch ein früheres Urteil des Bundesverfassungsgerichtes:
Das Parlament und seine Organe können nicht als Außenstehende behandelt werden, die zum Kreis derer gehören, vor denen Informationen zum Schutz des Staatswohls geheim zu halten sind.
Außerdem sei der Kreis der Mitglieder des Ausschusses mit acht Abgeordneten und acht Stellvertretern sehr klein:
Vor diesem Hintergrund ist es in keiner Weise erkennbar, dass es infolge einer Aktenvorlage an den 1. Untersuchungsausschuss zu einer Indiskretion kommen könnte. Erst recht ist nicht erkennbar, dass ein solches Risiko in einem größeren Umfang besteht, als es bei der von der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika unzweifelhaft gewollten Kenntnisnahme von den Verschlusssachen im Bereich der deutschen Exekutive (des Bundesnachrichtendienstes und des vorgesetzten Bundeskanzleramts) der Fall wäre.
Angst vor Peinlichkeit ist kein Grund zur Geheimhaltung
Vielmehr sei zu befürchten, dass sich durch die Veröffentlichung von Information offene Kritik ergeben würde, die unangenehm und peinlich werden könne. Doch: Dieses Kind ist bereits durch vorige Erkenntnisse zur Arbeit von BND und NSA in den Brunnen gefallen. Es ist doch die Aufgabe des Parlaments, politisch unangenehme und peinliche Vorgänge aufzuklären.
Gefährdung der Zusammenarbeit von NSA und BND nicht ausreichend begründet
Ein weiteres Problem ist, dass die deutsche Regierung seit Beginn der NSA-Affäre immer wieder betont, dass durch Bekanntwerden von Informationen die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mit den USA beeinträchtigt und die Zusammenarbeit der NSA mit dem BND eventuell eingestellt werden könnten. Um das als Grund zu nutzen, muss dieser aber plausibel ausgeführt werden – das Sprechen in Konjunktiven und der ständige Gebrauch von Formulierungen wie „unter Umständen“ zeigt, dass die Regierung dazu nicht in der Lage ist. Presseberichte, die Informationen enthalten, dass die USA sich eben nicht eine Genehmigungspflicht vorbehalten hätte, scheinen da wesentlich konkreter und glaubwürdiger. Weiterhin:
In diesem Zusammenhang ist es auch von Bedeutung, dass die Zusammenarbeit von Nachrichtendiensten niemals einen Informationsfluss nur von der einen – hier etwa der amerikanischen – zu der anderen – hier der deutschen – Seite beinhaltet. Reduzierte die amerikanische Seite also die Zusammenarbeit mit den deutschen Diensten, so wäre dies nicht zuletzt ihr eigener Schaden.
Bundesregierung hält wichtige Beweismittel zurück und blockiert Arbeit des Untersuchungsausschusses
Die Opposition hat schon früh angekündigt, auf Herausgabe der Selektorenliste klagen zu wollen. Auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages kam zu dem Ergebnis, dass „der Zugang zu Material, das [einem] Ermittlungsbeauftragten zugänglich ist, nicht verweigert werden“ darf.
Durch die Verweigerung der Selektorenliste wird den Abgeordneten ein wichtiges Beweismittel vorenthalten, das sie zur Erfüllung ihres Untersuchungsauftrages benötigen. Die Beweismittel waren im Februar 2015 in den Beweismittelanträgen BND-26 und BK-14 beschlossen worden. Bis zum 15. April 2015 sollten unter anderem alle Akten, Dokumente und Daten an den Ausschuss übermittelt werden, die …
[…] Auskunft darüber geben, welche Erkenntnisse beim Bundesnachrichtendienst darüber vorlagen oder vorliegen, inwiefern die National Security Agency im Rahmen der Zusammenarbeit in der Joint SIGINT Activity Aufklärung gegen deutsche Ziele oder deutsche Interessen […] versucht oder tatsächlich betrieben hat und wie deutsche Behörden darauf reagierten
Wir sind gespannt, was sich aus der Klage ergeben wird. Zunächst ist zu hoffen, dass das Bundesverfassungsgericht sich des Falles schnell annimmt, da die Arbeit des Untersuchungsausschusses weitergehen muss und die Informationen maßgeblich für die Abgeordneten und damit für die Aufklärung sind.
Auszüge aus den Statements der Abgeordneten
In der heutigen Pressekonferenz von Linken und Grünen äußerten sich Abgeordnete und der Verfahrensbevollmächtigte über ihre Motivationen und Erwartungen:
Martina Renner, Obfrau der Linken im Untersuchungsausschuss:
Ich entschuldige mich für die Schwärzungen in der Antragsschrift, wir müssen Geheimschutzbestimmungen einhalten. […] Warum reichen wir die Klage ein? Es geht darum, dass die Kontrollrechte des gesamten Parlamentes verletzt wurden. Diese Verletzung soll durch Klage gerügt und behoben werden. Wir hoffen, dass am Ende die Selektorenliste als Beweismittel vorgelegt wird. Es kann keinen Bereich geben, der sich der Parlamentarischen Kontrolle entzieht. Dieses Recht lassen wir uns nicht nehmen. […]
Es ist unsere Aufgabe, Vorgänge, die der Bundesregierung unangenehm und vielleicht sogar peinlich sind, aufzuklären […]
Wir haben das Bundesverfassungsgericht gebeten, die Klage mit Dringlichkeit zu behandeln. Wir brauchen die Selektorenliste jetzt. Wenn die Beweisaufnahme erfolgreich sein soll, brauchen wir dieses Beweismittel ganz dringend für eine stringente Beweisaufnahme.
Konstantin von Notz, Obmann der Grünen:
Im Kern geht es um die Frage, wer wen kontrolliert. Kontrolliert das Parlament die Bundesregierung oder die Geheimdienste, kontrolliert sich die Bundesregierung selbst, kontrollieren sich die Geheimdienst selbst?
Man hat bewusst Dinge verschwiegen und falsche Tatsachen behauptet. Das Vorenthalten der Beweismittel ist eine Fortsetzung dessen. Das steht in harter Diskrepanz zu dem, was am Mikrofon gesagt wird – dass man an Aufklärung interessiert ist. […] Man ist auch bereit, verfassungsrechtliche Normen zu umschiffen […]
Wir haben kuriose Arbeitsbedingungen im Untersuchungsausschuss. Geschwärzte Listen, es gibt Akten, da fehlt der Großteil der Dokumente, wir haben Schwärzungswiesen. Die Einstufung auf GEHEIM und STRENG GEHEIM ist absurd und behindert unsere Arbeit. […] Die Geheimschutzstelle hat die Öffnungszeiten einer öffentlichen Bibliothek […] es ist schwer, der umfangreichen Arbeit während der normalen Arbeitszeiten nachzukommen.
Es geht hier um parlamentarische Rechte und das Selbstverständnis des deutschen Bundestages.
Petra Sitte, Parlamentarische Geschäftsführerin der Linken:
Man könnte fragen, warum ist uns das mit der Selektorenliste so wichtig? Weil dort der Kern des Untersuchungsgegenstandes berührt wird […] Es wird zu diskutieren sein, inwieweit das Geheimschutzabkommen mit den USA überhaupt verletzt worden wäre. Die Bundesregierung hat betont, dass sie eine eigene Entscheidung treffen wird […], hat das aber nicht gegenüber den USA getan. […]
Wenn die Regierung hier von Staatswohl gesprochen hatte, geht es wohl hier eher Regierungswohl.
Britta Haßelmann, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen:
Wir werden daran gehindert, diesem Untersuchungsauftrag, der verfassungsrechtlich verbrieft ist, nachzukommen. […] In der Verfassung ist vorgesehen, dass der Untersuchungsausschuss selbstverständlich Beweismittel bekommt, um seinem Auftrag nachkommen zu können. […] Ich bin mir nicht sicher, ob die Abgeordeten von SPD und Union wissen, was sie da tun. […] Ich finde es eine Hybris, wie die Große Koalition hier agiert. Daher haben wir uns entschlossen, vor das Verfassungsgericht zu gehen.
Prof. Dr. Wolfgang Ewer, Verfahrensbevollmächtigter:
Heute morgen war meine Laune nicht so gut wie vor anderen Pressekoferenzen. Mir war klar, dass ich heute hier hinkommen würde und ihre Erwartungen enttäuschen muss […] Das Problem des Geheimschutzes zieht sich bis in die heutige Pressekonferenz. Die entscheidenden Begründungen der Bundesregierung als auch die angeblich entscheidenen völkerrechtlichen Abkommen unterliegen dem Geheimschutz […]
Der Umfańg des Geheimschutzes erschweren die Darstellung des Antrags gegenüber der Öffentlichkeit und die Erstellung des Antrags […]
[erzählt Anekdoten aus der Arbeit:] Wir haben gefragt, ob wir gering eingestufte Schriftstücke in die Kanzlei bekommen dürfen. Dafür sei ein Tresor erforderlich,den haben wir. Dann wurde gesagt, der genügt nicht den Anforderung des BSI, da er nicht doppelt verschließbar sei […] Wir haben erwogen, einen den Anforderungen genügenden Tresor zu erwerben. Doch auch das reichte nicht, es sei auch eine 24h-Überwachung des Büros erforderlich. Das war nicht zu leisten […]
Es gibt ein Kryptofax bei BfV Schleswig-Holstein. Dort durfte ich unter Aufsicht Schriftstücke in Augenschein nehmen […] Es war wie in 60er Jahren, ein Gang ohne Namen an den Türen, ein diffuses Zimmer mit Hanteln, wo vielleicht mal ein Special Agent war. Dort durften wir die Schriftstücke angucken […]
Die Geschichte ging weiter, nach gewisser Zeit ist man zu Ergebnis gekommen, gering eingestufte Schriftstücke doch zur Verfügung zu stellen, wenn ich sie nicht aus den Augen lasse […] Wenn ich zur Toilette musste, musste ich die Schriftstücke mitnehmen […] Normalerweise arbeiten zusätzliche Kollegen zur Unterstützung mit, hier muss man alles allein machen, weil nur sicherheitsüberprüfte Personen das tun durften.
Es liegt auf der Hand, dass diese Schwierigkeiten nicht nur mich treffen. Auch das Bundesverfassungsgericht ist betroffen, denn nicht jeder ist dort sicherheitsüberprüft […] Die Richter am BVerfG sind „geborene Geheimnisträger“, da sie Mitglieder eines obersten Verfassungsgerichtes sind […]
Für alle Beteiligten bedeutet das eine deutliche Erschwerung […] Natürlich besteht ein Interesse daran, dass dieses Verfahren möglichst rasch entschieden werden muss. Das BVerfG wird mehrere Mitarbeiter sicherheitsüberprüfen müssen []
Man muss sich fragen, ist das eine unausweichliche Erschwerung oder ist sie auch durch die Bundesregierung politisch motiviert. Ich will das ihrer Einschätzung überlassen […]
Die Akten spielen eine wichtige Rolle, um sie Zeugen vorzuhalten. Es geht nicht um isolierte Erkenntnisse, sondern darum, effektiv den Auftrag wahrnehmen zu können […]
Die Bundesregierung meint, es gibt einen Notenwechsel, aufgrund dessen die USA der Aktenübergabe zustimmen müssten. Verschlussachen dürften nur von Regierung zu Regierung weitergegeben werden […] Aber das hat nichts mit der Frage zu tun, wer davon Kenntnis haben darf oder nicht […]
Solche Vereinbarungen sind immer zweisprachig. Im Englischen hat Regierung – government – eine Doppelbedeutung. Wenn wir voḿ Regierungssystem sprechen, meinen wir das gesamte Staatssystem […]
Welchen Rechtscharakter kann etwas haben, das nicht öffentlich zugänglich ist? Es hat seinen Grund, warum eines der Kernelemente ist, dass erlassene Gesetze verkündet werden. Eine nicht zugängliche Rechtsnorm würde unserem Staatsverständnis deutlich widersprechen […]
Es geht um die Frage, ob Europa und Deutschland im Internet quasi Freiwild sind.
-
: Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Illegale Migration ist ein Kernthema des BND.“
Günter Heiß vor seiner Anhörung. : Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Illegale Migration ist ein Kernthema des BND.“ Heute tagt wieder der Geheimdienst-Untersuchungsausschuss im Bundestag. Der Zeuge diesmal ist Ministerialdirektor Günter Heiß, Geheimdienst-Koordinator im Bundeskanzleramt und bereits zum zweiten Mal da. Wir sitzen wie immer drin und bloggen live.
Gliederung
- Gliederung
- Vorbemerkungen
- Einleitung: Vorsitzender
- Zeuge 1: Günter Heiß, Bundeskanzleramt, Ministerialdirektor
- Presse-Statements
Vorbemerkungen
Disclaimer: Dieses Protokoll ist nach bestem Wissen und Können erstellt, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder umfassende Korrektheit.
Dargestellte: Abgeordnete und Zeugen, gerne korrigieren und vervollständigen wir ihre Aussagen. Kontaktieren sie uns!
Wer uns unterstützen möchte, darf gerne spenden.
To-Do: Zusammenfassung. Bis dahin einfach nach „(!)“ suchen.
Update: Das offizielle stenografische Protokoll gibt es auf bundestag.de als PDF (Mirror bei uns).
Einleitung: Vorsitzender (09:06)
$Begrüßung
Zeuge 1: Günter Heiß, Bundeskanzleramt, Ministerialdirektor (09:11)
Kein Zeugenbeistand.
Name ist Günter Heiß, bin Ministerialdirektor im Bundeskanzleramt, geboren 30.03.1952. Anschrift Lange Reihe 15, 30938 Burgwedel.
Fragerunde 1: Vorsitzender (09:11)
Sensburg: Seit wann kennen sie Thema Selektoren? Begriff?
Heiß: März 2015, als BND einen Bericht zum NSAUA ans Bundeskanzleramt schickte.
Sensburg: Vorher Begriff Selektor nicht geläufig?
Heiß: Nicht im technischen Sinn.
Sensburg: Wie ging Recherche zur Überwachung von statten, ohne Begriff Selektor? Andere Begriffe verwendet? Suchbegriff? Rechercheprofil?
Heiß: BND trug im PKGr vor, verwendete Begriff „Suchbegriff“.
Sensburg: BND sprach immer von Suchbegriff?
Heiß: Ja, AFAIK.
Sensburg: Begriff Selektor im März 2015?
Heiß: Ja, IIRC. Bericht des BND zur Ablehnungsliste. Seitdem Aufklärung durch Dienst- und Fachaufsicht und Gremien.
Sensburg: Wie stellen sie sicher, dass Suchbegriffe dem APB entsprechen?
Heiß: Habe an Unterrichtungen in G‑10-Kommission und PKGr teilgenommen. Dort wurde erläutert, wie Suchbegriffe rechtlich gefiltert werden. G‑10-relevante und gegen MoU verstoßende Begriffe wurden herausgefiltert.
Sensburg: Welches MoU?
Heiß: Das von 2002.
Sensburg: Wie entstehen Suchbegriffe beim BND? Politischer Wille ist im APB ausgedrückt. Wie wird das zu Suchbegriffen? Deckt sich das mit APB?
Heiß: Bundeskanzleramt hat nicht jeden einzelnen Suchbegriff kontrolliert. Gehen davon aus, dass der BND das tut. BND hat nur äußerst geringe Kapazitäten in seinen Erfassungsmöglichkeiten, das haben die immer wieder gesagt.
Sensburg: Alle Zeugen sprachen immer von G‑10-Verkehren. Sehr wichtig. Auch im Bundeskanzleramt?
Heiß: Ja, laut PKGr, G‑10-Kommission und Berichten des BND.
Sensburg: War das Eigeninitiative des BND? Wusste das BND? Oder sagte das auch Bundeskanzleramt?
heiß: Ich kam Dezember 2009 ins Amt. Vorher: KA. Ich habe es so empfunden,d ass der BND von sich ausgesprochen sensibel für G‑10-Filterung ist.
Sensburg: Hat BND etwas zu europäischen Suchbegriffe gesagt?
Heiß: Nein.
Sensburg: Bundeskanzleramt?
Heiß: Wären ausgegangen, dass die zulässig sind.
Sensburg: Gefährder von Spanien, Frankreich, Irland nach Pakisten gereist. Handy mitgenommen. AND steuert das ein. Akzeptables Ziel.
Heiß: Genau, entspricht APB.
Sensburg: Europäische Suchbegriffe scheinen okay zu sein?
Heiß: Wir haben nicht nach EU/Nicht-EU geguckt. Immer zu Phänomenbereichen.
Sensburg: Und dass Partner gegen Vereinbarung andere Suchbegriffe einsteuert, nicht Terror, sondern EU-Außenpolitiker oder EU-Unternehmer?
Heiß: War nicht befürchtet worden.
Sensburg: ND vertraut?
Heiß: Sind nicht ND, sondern Fach- und Dienstaufsicht. EU-Komponente in Selektoren nicht hinreichend geprüft.
Sensburg: Betrifft das auch G‑10-Verkehre, die mit reingerutscht sein können?
Heiß: Will ich allgemein halten.
Sensburg: Ich auch.
Heiß: Noch mehr. Unabhängig von AND ist Fernmeldeaufklärung angewiesen, TKMs zu identifizieren. Wenn zwei Deutsche mit ausländischen Handys auf Urdu kommunizieren, werden wir das aufnehmen und nicht identifizieren. Ist aber winzig kleiner Bereich. (!)
Sensburg: Wenn afghanisches Handy aus Afghanistan nach Deutschland telefoniert: G‑10?
Heiß: Nach Deutschland ist immer G‑10.
Sensburg: Auch bei Gefährdern?
Heiß: Ja. Außer Schnellanweisung. Dann G‑10-Antrag.
Sensburg: Afghane, der CNN-Journalist anruft?
Heiß: CNN-Journalist ist nicht G‑10-geschützt. (!)
Sensburg: Überwachung legal?
Heiß: Ja.
Sensburg: Und deutscher Journalist?
Heiß: Abwägen. (!)
Sensburg: Gab es so etwas mal?
Heiß: Kann ich nicht sagen, weiß ich nicht, habe keine Kenntnis. (!)
Sensburg: Gab es mal Diskussionen über überwachte Journalisten?
Heiß: Keine konkreten Fälle. (!)
Sensburg: Wäre schon beachtlich, nicht alltäglich?
Heiß: Ja. Vielleicht der Fall in NÖ. [Anmerkung NP: Causa Vorbeck]
Sensburg: Und in dem Fall? Gab es da Überwachung?
Heiß: Dafür gab es keine Anhaltspunkte.
Sensburg: Hat sie der Fall mehr beschäftigt?
Heiß: Nach sorgfältiger Prüfung haben wir festgestellt, dass sich weitere Konsequenzen daraus nicht ziehen ließen.
Sensburg: Wann war sorgfältige Prüfung?
Heiß: Sommer 2011.
Sensburg: Was war Bestandteil der Prüfung?
Heiß: Disziplinarrechtliche Konsequenzen. Oder Anhaltspunkte für Strafverfolgung.
Sensburg: Prüfte Justiziariat?
Heiß: Haben keins.
Sensburg: Wer prüfte das?
Heiß: Meine Abteilung.
Sensburg: Kein Interesse an Disziplinarmaßnahmen? Auch nicht die andere Seite? [Anmerkung: Vorbeck.]
Heiß: Müssen Disziplinarverfahren einleiten, wenn hinreichende Anhaltspunkte vorliegen.
Sensburg: Keine Ansätze der anderen Seite?
Heiß: Nein.
Sensburg: Keine Konsequenzen?
Heiß: Nein.
Fragerunde 1: Linke (09:29)
Hahn: Wundere mich, dass sie neue Medienberichte nicht kommentieren oder korrigieren. Muss nachfragen. Spiegel Online 28.08.2015: „USA platzierten offenbar Abhörwanze im Kanzleramt“. Wenn sie das lesen, was unternehmen sie?
Heiß: Bin nicht für Kommunikationssicherheit im Bundeskanzleramt zuständig. Habe nichts unternommen.
Hahn: Nicht interessiert?
Heiß: Haben zuständige Bereiche gemacht. Abteilung 1 und möglicherweise BfV.
Hahn: Sie reden doch auch mit USA? Interveniert?
Heiß: Nein.
Hahn: Wanze im Bundeskanzleramt ist ihnen egal?
Heiß: Nicht egal. Bin nicht zuständig.
Hahn: Wer spricht auf politischer Ebene mit USA?
Heiß: KA.
Hahn: Auf welcher Ebene sprechen sie?
Heiß: Meine.
Hahn: Welche ist das?
Heiß: AL.
Hahn: Nicht mit ND-Chefs?
Heiß: Doch. Aber nicht politische Ebene.
Hahn: Dort so etwas nichts thematisiert?
Heiß: Nein. Behörden machen Aufklärung.
Hahn: 04.09. Spiegel Online: „CIA hatte direkten Zugriff auf TK“. Glotaic 2004–2006. Deutsche Tochter von MCI wurde in Hilden überwacht, Aktion von BND und CIA. Vermutlich abgehörte Gespräche direkt in die USA geroutet, damit Audio ohne Aussetzer funktioniert. Haben sie das geprüft?
Heiß: Nein. Operationen mit AND sind eingestuft.
Hahn: Ich frage nicht nach Operation, sondern ihrer Reaktion.
Heiß: Habe nichts hinzuzufügen.
Hahn: Doch, sie haben zu antworten.
Heiß: Habe geantwortet.
Hahn: Nein. Stimmt das, was da steht?
Heiß: Betrifft Operation Glotaic. Ob das stimmt oder nicht, sind eingestufte Tatsachen.
Hahn: Artikel ist öffentlich. Stimmt das?
Heiß: Ist einfach. Aber NÖ. (!)
Hahn: Öffentlichkeit hat kein Anspruch,zu wissen, ob das stimmt?
Heiß: Nicht meine Verantwortung.
Hahn: Ist normal, dass so etwas passiert? BND unter Legende Abhöranlage anbringen und Daten an CIA leiten? Normal?
Heiß: NÖ.
Hahn: Ist so etwas vorstellbar, ohne dass Bundeskanzleramt das weiß?
Heiß: War vor meiner Zeit.
Hahn: Ist so etwas dem Bundeskanzleramt vorher zur Kenntnis zu geben?
Heiß: Operationen muss Bundeskanzleramt vorher nicht genehmigen.
Hahn: BND kann auch heute in einen TK-Anbieter eindringen und ohne G‑10-Anordnung Abhörtechnik einbauen, ohne dass Bundeskanzleramt das erfährt?
Sensburg: Hat Zeuge nicht gesagt.
[Hahn uns Sensburg diskutieren.]
Hahn: Vorsitzender, zensieren sie meine Fragen nicht.
Sensburg: Doch, ich kann richtig stellen.
Hahn: Nein. Wo steht das? Müssen TK-Operationen vom Bundeskanzleramt genehmigt werden?
Heiß: Unterstellt, dass BND das nicht darf. Nicht richtig. Ist dem BND nach Gesetz erlaubt. Operationen muss Bundeskanzleramt nicht genehmigen.
Hahn: Was bekommen sie? Ergebnisse?
Heiß: Wöchentlich hunderte Berichte aus verschiedenen Quellen, auch Operationen. (!)
Hahn: Halten sie Eindringen in TK-Anbieter und Anbringung von Wanzen zulässig?
Heiß: BND darf TK abhören, laut Gesetze. Das tut er. Operative Bedingungen sind seine Entscheidung, um gesetzlichen Rahmen.
Hahn: BND ist Auslandsgeheimdienst!
Heiß: Ja.
Hahn: Was macht der dann bei deutschen Unternehmen in Deutschland?
Heiß: Hält sich an G‑10-Gesetz.
Hahn: Gab es dort eine G‑10-Anordnung?
Heiß: NÖ.
Hahn: Gab keine?
Heiß: Unterstellen sie.
Hahn: Gab eine?
Heiß: NÖ.
Fragerunde 1: SPD (09:40)
Flisek: Guten morgen.
Heiß: Morgen.
Flisek: BND-Gesetz: BND ist Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundeskanzleramts?
Heiß: Ja.
Flisek: Welche Auswirkungen hat das?
Heiß: Ich bin AL der Abteilung, die Fach- und Dienstaufsicht hat.
Flisek: Auch Rechtsaufsicht?
Heiß: Gehört zur Fachaufsicht.
Flisek: Wie funktioniert Rechtsaufsicht?
Heiß: Haben wir letztes mal erörtert. Gibt unterschiedliche Bereiche in Abteilung. Haushalt, Personal, Organisation. Und ND-Tätigkeit: Berichte und Besprechungen Inhalte der ND-Tätigkeit aufnehmen und steuern. Wenn wir denken, dass Tätigkeit verstärkt werden müssen – Stichwort illegale Migration ist ein Kernthema (!) – dann sagen wir das.
Flisek: Wie schreitet Fach- und Dienstaufsicht ein?
Heiß: Kann mich über breite Öffentlichkeit über ND nicht beklagen. Ja, wir bekommen auch Hinweise aus der Öffentlichkeit.
Flisek: Auch. Ansonsten Quellen die zu beaufsichtigen Behörden selbst?
Heiß: Gibt Berichtspflichten, zu besonderen Vorkommnissen. Nicht zu Operationen und Vorhaben.
Flisek: Ohne Medien können sie nur beaufsichtigen, was BND ihnen sagt?
Heiß: Ja.
Flisek: Und strukturelle Kontrolle, jährlich alle Abteilungen investigativ angucken?
Heiß: Passiert auch. Sehen aber nicht alles. Behörde ist eine Behörde. Auch verantwortlich.
Flisek: Welches Referat ihrer Abteilung hat Aufsicht über Kooperation von BND mit AND?
Heiß: Nicht ein Referat. Für SIGINT wäre das Referat 603, Terror 604. Alle übrige eher 605. Kommt auf Einzelfall an. (!)
Flisek: Querschnittsaufgabe? Geht ja ineinander über? Also bei ihnen?
Heiß: Nur, wenn wir jede Operation kennen. Tun wir aber nicht.
Flisek: Berichtspflichten für sensible Dinge.
Heiß: Ja.
Flisek: Beim BND sind Dinge immer sensibel. Also Kooperation mit AND immer sensibel? Also immer bei Ihnen?
Heiß: Nicht ND-sensibel, sondern politisch sensibel. Terror in Nordafrika muss uns nicht vorgelegt werden, business-as-usual. Hypothetische Kooperation mit Russland oder China würde Bundeskanzleramt vorher erfahren.
Flisek: Gestern waren zwei BND-Mitarbeiter zu Selektoren hier, zum zweiten Mal. Selektoren-Prüfung funktioniert schlecht. Gestern sagte Zeuge, dass guenter.oettinger@ec.europa.eu bis 2013 nicht G‑10-relevant ist und bis 2013 nicht erkannt worden wäre. Sie haben erst März 2015 von Selektoren erfahren, aus Zeitung.
Heiß: Nein, kurz vorher.
Flisek: Wir hatten das im NSAUA schon vorher. Auch BND und Bundeskanzleramt haben sich vorher damit beschäftigt. Wurde als politisch sensibel erkannt. Hat Bundeskanzleramt bis März 2015 Brisanz des Themas Selektoren-Prüfung völlig unterschätzt?
Heiß: Haben im März 2015 von Ablehnungsliste bei NSA-Selektoren erfahren, dass USA nicht immer nur MoA-konform gesteuert haben. März.
Flisek: Das ist Vorwurf an USA. Frage der Aufsicht: Wenn USA das tun, wie fehlerhaft war die eigene Prüfung dieser Selektoren durch BND? Bis 2013 wäre deutscher EU-Kommissar von BND überwacht worden. Und alle anderen NGOs. Politiktourismus in Afghanistan. Und wenn Oettinger auf Englisch kommuniziert…
Heiß: …kann er doch gar nicht. (!)
Flisek: Haben Sie gesagt. Bundeskanzleramt Brisanz völlig falsch beurteilt?
Heiß: Nein. Wussten schon immer, dass wir manche G‑10-relevante Verkehre nicht herausfiltern können, wenn Merkmal oder Sprache nicht darauf hindeutet. (!) Hier nicht nur Verstoß gegen G‑10, sondern auch gegen MoA.
Flisek: Bei Oettinger auch Rechtsverstoß!
Heiß: Ja. (!)
Flisek: Zeugen sagten zwar, keine hundertprozentige Sicherheit, aber 99 % oder 99,99 %. Sind aber keine Ausreißer, sondern Systematik. Sämtliche Deutsche, die mit Mail-Adressen ohne Top-Level-Domain .de nicht auf deutsch kommunizieren sind drin. Deutschland ist Exportnation! Diese ganze Kommunikation systematisch erfasst und eins-zu-eins an USA gegeben? Wie bewerte ich das?
Heiß: KA. Kann nicht feststellen, dass solche Merkmale gesteuert wurden. Muss man Bewertung des Sachverständigen [Graulich] abwarten.
Flisek: Andere Sache. Einmal Fehlverhalten der USA. Den würde ich nicht an BND oder Bundeskanzleramt richten. An Sie: Gab es nicht massive Defizite bei Struktur der Kontrolle der Selektoren? Prüfung deutscher Interessen hat bis vor kurzem überhaupt keine Rolle gespielt. Ganz großer Bereich von G‑10-relevanter Kommunikation wird nicht gefiltert! Filter – freundlich formuliert – sehr lückenhaft?
Heiß: Aufnahme von Zufall ist noch nicht Rechtsverstoß, sondern erst die Verwendung. (!)
Flisek: Hat Bundesregierung mal gesagt, aus Selbstschutz sollten die Selektoren mal geprüft werden? Oder G‑10-Positivliste erstellen? Nie unternommen?
Heiß: Kann mich nicht erinnern.
Fragerunde 1: Grüne (10:01)
Notz: Viele neue Presseberichte seit letztem Mal. Fall Markus R.: Spion im BND, der eine Liste mit 3.000 Klarnamen von BND-Mitarbeitern offensichtlich für USA abgreift, Merkelfon, Selektoren zu Ministerien, Wanze im Bundeskanzleramt. Wir sind Aufklärungsfeld der US-Dienste. War Ihnen das Problem bewusst?
Heiß: Bundesregierung und Regierungsviertel wird von verschiedenen Diensten aufgeklärt. Keine Hinweise zu USA.
Notz: Wenn Sie Eikonal oder Glotaic mit Russland gemacht hätten, würde ich Sie auch kritisch befragen. Aber Auftrag Five Eyes. Würden Sie diese Kooperation mit USA heute anders beurteilen als die letzten Jahre?
Heiß: Das unterstellt, dass das rechtswidrig war oder nicht gut gelaufen ist oder MoA nicht entsprochen hätte. Ich würde auch heute noch jede legale Kooperation zulassen.
Notz: IMHO war manches rechtswidrig. Wir haben 600.000 Seiten Akten, auf 500.000 Seiten steht, dass das nicht legal war. (!) Man hat „Routineverkehre“ abgegriffen, neue Systematik. Als BND im Land mit G‑10-Genehmigung von G‑10-Kommission. G‑10-Kommission und PKGr wussten von diesem Paradigmenwechsel nichts. Sie als Fach- und Dienstaufsicht: War das richtig? Hat man nicht Kontrollmechanismus übergangen? Nicht ihre Verantwortung als Bundeskanzleramt?
Heiß: Bin seit Dezember 2009 dort. Wir haben seitdem kein Gremium belogen. G‑10-Antrag war gerechtfertigt. Gibt keine formellen Genehmigungsvorbehalte. G‑10-Gremium ist nicht unmittelbar zu informieren. Wir haben ihr Feedback berücksichtigt. (!)
Notz: Sie würden das heute wieder tun? Routineverkehre mit G‑10-Anordnung abgreifen?
Heiß: War damals nicht so, ist heute nicht so. Jede G‑10-Anordnung muss G‑10…
Notz: Sie würden heute G‑10-Kommission unterrichten, wenn Routine mit erfasst wird?
Heiß: Ja.
Notz: Also anders als früher?
Heiß: War nicht dabei. War nicht erforderlich. Ohne Anerkennung einer Rechtspflicht.
Notz: War das ein Fehler, Gremium bei hochsensiblen Eingriff rechtlich zu täuschen?
Heiß: Würde voraussetzen, dass das Grundrechtseingriffe beinhaltet. War nicht der Fall.
Notz: Zehntausende Rechtswidrige Selektoren. Müsste G‑10-Gremium nicht jeden Selektor prüfen? Sie haben das ja diskutiert.
Heiß: Kein Kleinklein. Keine zehntausend rechtswidrige Selektoren.
Notz: August/September 2013 hat BND in Bad Aibling zehntausende Selektoren gelöscht. Was war Grund?
Heiß: Da verwechseln Sie zwei Operationen. G‑10-Antrag mit Routineverkehr war nicht Bad Aibling. Die wurden nicht gelöscht, sondern nicht mehr gesteuert.
Fragerunde 1: Union (10:11)
Warken: Beispiel Oettinger, freut uns. Abstrakt: Deutscher arbeitet für ausländische Firma im Ausland. Unterscheidung dienstlich (nicht geschützt) oder privat (geschützt). Richtig?
Heiß: Ja, Funktionsträgertheorie. Wird inhaltlich geprüft. Beispiel Deutscher Kapitän von entführtem Schiff, dann wird G‑10-Antrag gestellt.
Warken: Wenn Deutscher für EU-Institution arbeitet?
Heiß: Kann man diskutieren, haben wir noch nicht entschieden. (!)
Schipanski: Kollegen haben Sachen verzerrt dargestellt. Kein automatisiertes Filtersystem bei Erfassung. Aber dann händische Kontrolle. Ist großer Unterschied. guenter.oettinger@eu ist etwas anderes als mohammed.ali@eu.
[Opposition protestiert.]
Schipanski: G‑10-Filter in zwei Stufen: Erfassung und bei Weiterleitung der Meldung?
Heiß: Meldung ist die Zusammenfassung des Inhalts, schon Auswertung. Da nicht mehr Filter, sondern vorher.
Schipanski: Zweite Stufe bei Weiterleitung?
Heiß: Die Software kontrolliere ich nicht selbst, Wissen vom BND.
Schipanski: Weg von Technik, hin zu Recht. Operationen sind rechtlich zulässig. Eikonal: Erfassung von Routineverkehren bei G‑10-Anordnung. Rechtliche Grundlage?
Heiß: § 5 G‑10-Gesetz, strategische Fernmeldeaufklärung. Routineerfassung nicht darunter, sondern allgemeine Aufgabe des BND-Gesetzes.
Schipanski: Bei Eikonal gab es Diskussionen zur Rechtsauffassung.
Heiß: Selbstverständlich. Ergebnis: transparenter und klarer, bei G‑10-Anordnungen zu sagen, wenn man Routine will.
Schipanski: Keine Notwendigkeit für gesetzgeberische Konkretisierung aus Eikonal?
Heiß: Nicht aus Eikonal. Bundesregierung prüft aber gesetzgeberische Konkretisierung aus öffentlicher Diskussion. Klarstellende Regelung.
Schipanski: Sie sagen jetzt, wenn sie Routine wollen?
Heiß: Ja. Kann Diskussion zu rechtlichen Konsequenzen nicht vorgreifen.
Schipanski: Vorwurf Lüge und Täuschung. G‑10-Kommission war zwar nicht informiert, aber auch nur für G‑10 zuständig?
Heiß: Ja. Sehr formale Trennung.
Warken: Presseberichte, dass USA Zurückhaltung bei ND-Zusammenarbeit übt. Spiegel Online: „USA setzen Kooperation mit BND im Irak aus“. Welt: „US-Dienste verweigerten BND Hilfe bei Geiselrettung“. Staatssekretärs Klaus-Dieter Fritsche im Deutscher Bundestag:
Es gibt aber deutliche Anzeichen, dass wichtige Partner in der nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit Art und Umfang dieser Zusammenarbeit auf den Prüfstand stellen. Dies ist auch auf wiederholte Presse-veröffentlichungen zu Details nachrichtendienstlicher Zusammenarbeit zurückzuführen. Tatsächliche Einschränkungen in der Kooperation werden wir in ihren Auswirkungen möglicherweise erst später feststellen. Verloren gegangenes Vertrauen ist schon jetzt spürbar.
Warken: Nochmal in ihren Worten?
Heiß: Danke. Das empfangen wir in der Arbeitsebene. Wir können das nicht zu konkreten Fällen sagen, was Grund für mangelnde war. AND wird uns das nicht im Einzelfall konkret sagen.
Warken: Welche Anzeichen?
Heiß: ANDs haben sich ohne uns getroffen, wo wir früher dabei waren. Aber nicht monokausal. Wir haben den Verdacht.
Warken: Nicht nur US-ND, auch andere von EU?
Heiß: Abstrakt: US-ND sind gut aufgestellt. Wenn wir mit einem ganz kleinen ND kooperieren und er damit rechnen muss, durch die Medien geschleift zu werden, hat er ganz andere Schwierigkeiten als die USA, die das verkraften können. (!)
Warken: Mitte 2011 wurde Abteilung 6 im Bundeskanzleramt umstrukturiert. Organigramm 31.03.2011: zwei Gruppen: 61 Leiter Vorbeck und 62. 15.09.2011: UAL-Ebene aufgelöst. Keine Gruppen mehr, nur noch Referate. Neue Struktur bewährt?
Heiß: Habe keine Aussagegenehmigung über Fach- und Dienstaufsicht des BND hinaus. Aber bei Fach- und Dienstaufsicht hat sich das bewährt. Archivwesen des BND, unabhängige Historikerkommission. (!)
Warken: Konkretisieren? Warum verbessert?
Wolff: Diese Aussage ist ohne Anerkennung einer Rechtspflicht.
Sensburg: Aber unter Wahrheitspflicht.
Heiß: Nach bestem Wissen und Gewissen. Ist einfacher, mit Präsident und AL direkt zu reden. Einfacher als in irgendeinem Referat.
Warken: Wann und von wem wurde Entscheidung zu Umstrukturierung getroffen?
Heiß: Chef-BK, 2011.
Warken: Nichts mit Fall Vorbeck zu tun?
Heiß: War Beamter, der dann für Archiv zuständig war.
Warken: Kein Auslöser für Umstrukturierung?
Heiß: Nein.
Fragerunde 2: Linke (10:30)
Hahn: Wie bewerten sie, dass Ex-G-10-Kommissions-Vorsitzender hier erklärte, das er sich getäuscht fühlt?
Heiß: Ist seine Bewertung.
Hahn: Kein Anlass?
Heiß: Habe meine Bewertung abgegeben. Die ist offensichtlich anders. (!)
Hahn: BND spricht von „G‑10-Legende“. Bewertung?
Heiß: Eingestuft. Weder kommentieren noch bewerten. G‑10-Anträge sind gerechtfertigt.
Hahn: Begriff „Türöffner“? Nicht eingestuft, öffentliche Anhörung: „Wir haben eine G‑10-Anordnung als Türöffner benutzt“. Damit die G‑10-Kommission angeschwindelt.
Wolff: Falsch. „Beschwindeln“ fiel nicht öffentlich.
Hahn: Türöffner wurde gesagt,
Notz: Bundesregierung darf hier nicht Abgeordnete korrigieren. Sie sind hier zu Gast!
[Tumult.]
Notz: Ich beantrage Unterbrechung der Sitzung.
Mittag: Hilft nicht weiter. Keine Vorwürfe.
Notz: Ich beantrage Unterbrechung der Sitzung.
Mittag: Wer ist dafür? [Opposition.] Wenn wir uns so anmachen, ist die Sitzung unterbrochen.
[Unterbrechung, alle Besucher raus aus dem Saal. (10:30)]
[Habe Herrn Heiß vor dem Saal gefragt, ob ich ein Foto von ihm machen darf. Er will leider nicht.]
[Geht weiter. (10:57)]
Hahn: Bundesregierung darf Abgeordnete nicht unterbrechen. Zeuge sprach von „Türöffner“. Ich sprach von „schwindeln“ gegenüber G‑10-Kommission. Was sagen sie zu diesem Begriff? Wie wäre BND ohne Umweg an Kabel gekommen?
Heiß: Antrag war gerechtfertigt und wurde genehmigt. Solcher Ausdruck mag Gefallen sein, kann nicht nicht nachvollziehen, also auch nicht kommentieren.
Hahn: Ist gerechtfertigt und rechtmäßig, dass man einen Waffenhändler überwachen will, aber am Kabel millionenfach andere Gespräche abgreift?
Heiß: Ist zulässig. Routineverkehre sind Rechtsgrundlage BND-Gesetz.
Hahn: Und G‑10-Kommission verschweigen, dass USA mit an Leitung sind?
Heiß: G‑10-Antrag bezieht sich nicht auf Kooperation mit AND.
Hahn: Wie wäre BND ohne Antrag rangekomen?
Heiß: Bin kein Techniker.
Hahn: Rechtlich? Hätte er ja nicht stellen können.
Heiß: Richtig.
Hahn: Also G‑10-Antrag kein Türöffner?
Heiß: Nein.
Hahn: Warken fragte nach Umstrukturierung. Ich lese Bild am Sonntag vor, vom 09.08.2015: „Heiß reiste im Juni 2011 nach Washington. Treffen BND und CIA. USA wiesen Heiß auf Problem hin, dass auch Obama beschäftigen könnte. Mehrere Ausgaben aus dem Spiegel. Vorbeck hat dabei geholfen. Woher USA wissen, sagten sie nicht. Weitere Gespräche. Sogar Pofalla wurde informiert. Vorbeck kaltgestellt. Archiv.“ Waren Sie Juni 2011 in Washington?
Heiß: Ja, Besuchsreise des PKGr?
Hahn: Gab es ein vertrauliches Treffen mit CIA?
Heiß: NÖ.
Hahn: Gab es das Treffen?
Heiß: Ich hafte dafür. NÖ.
Hahn: Das geht nicht, Vorsitzende. Antworten.
Mittag: Herr Wolff?
Wolff: Bestätigung des Treffens kann nachteilige Auswirkungen haben. NÖ.
Hahn: Hat man ihnen Spiegel-Artikel vorgelegt und gesagt, dass Vorbeck dafür verantwortlich ist?
Heiß: NÖ.
Hahn: Haben sie über das Gespräch den Kanzleramtsminister informiert?
Heiß: NÖ. (!)
Hahn: Haben sie mit Chef-BK über Vorbeck geredet?
Heiß: NÖ.
Hahn: Haben sie mit Pofalla über Vorbeck geredet? klare Frage.
Heiß: Habe ich verstanden.
Hahn: Antworten.
Heiß: Ist geschehen.
Hahn: Nein. Vorsitzende?
Mittag: Beruft sich auf Grenzen seiner Aussagegenehmigung. Muss er wissen.
Hahn: Ob AL6 mit Chef-BK über Vorbeck geredet hat, muss er beantworten. Warken bekam vorhin eine gegenteilige Auskunft.
Heiß: Bereits veröffentlichte Sachverhalte verliere nicht ihren Verschlussachenstatus.
Hahn: Wo ist die Geheimhaltung zu ihrem Gespräch?
Heiß: In der Akte, Stempel drauf.
Hahn: Steht in der Zeitung.
Heiß: Schlimm genug. Bedauern wir sehr.
Hahn: Wenn Verschlusssache in Zeitung ist, ist Zeitung geheim?
Heiß: Nein.
Fragerunde 2: Union (11:07)
Warken: Interessiert uns auch, NÖ. Konsequenz aus NSAUA: Verbot der Wirtschaftsspionage. Bewertung?
Heiß: Kompetenzen des BND sind nicht Untersuchungsgegenstand. Wirtschaftsspionage steht nicht im APB. Gesetzliche Klarstellung nicht erforderlich.
Fragerunde 2: Grüne (11:08)
Ströbele: Wir haben noch Fragen.
Heiß: Hätte mir auch gefehlt.
Ströbele: Reiner Zufall, dass Vorbeck zu genau der Zeit mit CIA-Hinweis seinen Posten verliert und ins Archiv kommt. Wollen sie Zusammenhang abstreiten?
Heiß: Sachverhalt immer noch geheim. Habe nicht gesagt, ob Sachverhalt stimmt.
Ströbele: Antwort auf Frage?
Heiß: Nein.
Ströbele: Nichts miteinander zu tun?
Heiß: Ja.
Ströbele: Halten sie Aufrecht?
Heiß: Ja.
Ströbele: Reiner Zufall? Hatte ja dann neuen Posten.
Heiß: Ja.
Ströbele: BND hat nicht Aufgabe Wirtschaftsspionage. Wäre das Rechtsverstoß?
Heiß: APB ist innerdienstliche Weisung. Kein gesetztes Recht. Wahrscheinlich kein Rechtsverstoß. (!) Spionage ist aber immer Rechtsverstoß im Zielland.
Ströbele: BND darf nur tun, was im Gesetz erlaubt ist.
Heiß: Verstoß gegen APB ist nicht unmittelbar Rechtsverstoß.
Ströbele: Darf sich BND an Wirtschaftsspionage von AND beteiligen?
Heiß: Beteiligung ist wie eigenes Handeln.
Ströbele: Sehe ich auch so. Haben Sie USA geglaubt, dass sie keine Wirtschaftsspionage betreiben?
Heiß: Haben keine Anhaltspunkte, dass das nicht stimmt.
Ströbele: Wurden Selektorenlisten übergeben, nach denen NSA auch Selekoren gegen Wirtschaftsunternehmen hat. Bestätigen?
Heiß: Aufklären von Wirtschaftsunternehmen ist nicht automatisch Wirtschaftsspionage. Kann auch Proliferation oder Massenvernichtungswaffen sein.
Ströbele: Ist Ausspionieren von französischem Präsidenten Rechtsverstoß?
Heiß: IMHO Verstoß gegen MoA, ist aber rechtlich nicht bindend.
Ströbele: Wenn BND französischen Präsidenten oder Regierung abhört: Ist das Rechtsverstoß?
Heiß: Kann man nicht pauschal sagen. Kann aus Sicherheitsgesichtspunkten erforderlich sein, Beispiel Verhandlungen zu Nuklearmächten. (!)
Ströbele: Und wenn Merkel sagt „Ausspionieren unter Freunden – das geht gar nicht“?
Heiß: Französische Terroristen dürfen abgehört werden.
Ströbele: Und Präsident?
Heiß: Der dürfte nicht dazugehören.
Ströbele: Wäre das illegal?
Heiß: Bin nicht sicher. Wäre Verstoß gegen APB. Nicht gedeckt durch Generalklausel des BND-Gesetzes.
Ströbele: Sie sind öfters in USA. Reden auch mit AND und US-Regierung. Haben sie nach Bekanntwerden der Selektoren mal angesprochen und kritisiert?
Heiß: War das letzte Mal Ende Oktober 2013 in USA.
Ströbele: Keine Kontakte?
Heiß: Nicht auf Diensteebene. Nicht Präsident.
Fragerunde 2: SPD (11:19)
Flisek: Waren ja am 2. Juli schon mal hier. Haben sie danach nochmal mit zeuge Pofalla geredet?
Heiß: Kann mich nicht erinnern. Habe ihn zufällig bei Akteneinsicht getroffen.
Flisek: Kein Gespräch zu Aussage im NSAUA?
Heiß: Nein.
Flisek: Können sie definitiv ausschließen, Themen zu NSAUA besprochen zu haben?
Heiß: Kann definitiv ausschließen, mich daran zu erinnern. (!)
Flisek: Überwachung von Ausland-Ausland-Kommunikation. Wie sehen sie persönlich den rechtlichen Regelungsbedarf?
Heiß: Überlasse politische Einschätzung der Legislative. Wir tragen gerne dazu bei. Keine persönliche Meinung.
Flisek: Sie sind AL6. Sie werden doch im Bundeskanzleramt beteiligt.
Heiß: Fragten mich nach persönlicher Meinung.
Flisek: Dann Funktionsträgertheorie: Meinung als Funktionsträger AL6?
Heiß: Sehe Bedarf, Klarstellung zu entsprechen.
Flisek: Minimal invasive Klarstellung? Keine Eingriffsbefugnisnorm? Weltraumtheorie? Was würden sie ändern?
Heiß: Gibt generelle Aufgabennorm zu Befugnissen des BND. Sollte man klarstellen wollen, das damit auch Routineverkehre erlaubt sind, könnte man das machen.
Flisek: Umfassende Kontrollinstanz errichten?
Heiß: Haben nichts gegen Kontrolle. Selbstverständlich möglich. Kann ich mir vorstellen. Wird schwierig, millionenfache Dinge im Einzelnen anzugucken.
Flisek: G‑10-Kommission wird jetzt aber unterrichtet?
Heiß: Über Umstand der G‑10-Maßnahme, nicht Selektoren.
Flisek: Selbstschutz des BND. Wir haben den ganzen Schlamassel doch nur, weil die Rechtsordnung nichts zu Routineverkehren vorsieht. Jonglieren im luftleeren Raum. Untragbarer Zustand. Ordentlicher Rechtsrahmen mit Kontrollinstanz. Wäre doch sauber?
Heiß: Bundesregierung ist für saubere Regelungen. Teilt vielleicht nicht alles. Transparentere Kontrolle denkbar. Können und wollen wir nicht ablehnen. Wollen Schlamassel nicht so oft haben. Handeln nicht rechtswidrig, geht aber deutlicher.
Flisek: Weltraumtheorie. Theorie des virtuellen Auslands. Sehr weite Dehnung des deutschen Rechts. Geht auch anders. Kooperationsvereinbarung von BND mit AND erzeugen keine Selbstbindung des BND?
Heiß: Ist nicht einklagbar. (!)
Flisek: Nachvollziehbar, ist ja Vertrag. Ich stelle mir vor, ich bin Chef-BK. BND kommt, will etwas mit AND machen, Grundlage MoA. Da steht drin, was BND und AND dürfen und was nicht. Auf dieser Grundlage stimme ich dem zu. Dann sagen sie; BND ist daran nicht gebunden? Nur Absichtserklärung? Indianerehrenwort?
Heiß: Was sollte den BND binden?
Flisek: Ist doch im Rahmen des Kontrollsystems so, dass Bundeskanzleramt bei neuer Kooperation auf einer Grundlage eines solchen MoA entscheidet. Ich stimme dem einmal zu. Aber BND ist nicht daran gebunden? Chef-BK trägt doch Verantwortung dafür.
Heiß: MoA bindet BND nicht gegenüber AND. Sondern freiwillige Zusage. Damit gibt BND zum Ausdruck, wie er sich verhalten wird. Verstoß ist dienstrechtlich relevant.
Flisek: Oder bei Vorlage Finger kreuzen?
Heiß: Dann würden wir das vermutlich nicht abschließen. So ein Fall nicht erinnerlich. Spekulation. Aber ich würde so entscheiden.
Flisek: Passiert so etwas oft?
Heiß: Nicht jede alltägliche Kooperation wird mit einem MoA unterlegt. Wen eins abgeschlossen wird, wird uns das auch vorgelegt.
Flisek: Wir kämpfen mit Konsultationsverfahren, das Bundeskanzleramt nur Couterpart durchführt. Wie läuft das ab?
Heiß: Nur Hörensagen. Passiert durch Staatsekretär Fritsche und Projektgruppe Untersuchungsausschuss. Abstrakt wird Partner Material zugesandt und gefragt, ob und wie das dem NSAUA gegeben werden kann.
Wolff: Aussagen ohne Anerkennung einer Rechtspflicht. Beratungssitzung.
Flisek: Trotzdem interessant. Presseveröffentlichung: USA haben signalisiert, dass man Selektoren an Parlament geben kann, wenn die nicht öffentlich werden. Dennis McDonnal hat das am 10. Mai gesagt. Zeit Online 16.08., Spiegel 22.08. Ist Konsultationsverfahren so, dass selbst wenn USA ja sagen, Bundesregierung trotzdem sagt nein. Ist das denkbar?
Heiß: Habe abstrakt Stellung genommen. Meine Aussagegenehmigung geht dazu nicht. Es ist die Letztentscheidung der Bundesregierung, was vorgelegt wird und was nicht.
Fragerunde 3: Grüne (11:38)
Notz: NSAUA hat Folgen für Kooperation mit AND. Ist Kooperation wichtig für Sicherheit Deutschlands?
Heiß: Alle Kooperationen dienen der Sicherheit Deutschlands, sonst würden wir sie nicht eingehen.
Notz: Auch USA? Leib und Leben von Soldaten?
Heiß: Ja.
Notz: Ist es dann nicht zynisch und antiamerikanisch, wenn Sie sagen, dass NSAUA Leib und Leben gefährdet?
Heiß: Das habe ich nicht gesagt.
Notz: Was haben Sie gesagt? Wer zieht sich zurück, warum?
Heiß: Habe nur gesagt, dass Gefahr besteht, dass Partner weniger intensiv kooperieren, wenn Einzelheiten medial bekannt werden können.
Notz: Causa Vorbeck gefährdet Leib und eben Deutscher?
Heiß: Nein.
Notz: Sondern?
Heiß: Nicht jeder Kooperations-Rückzug gefährdet Leib und Leben.
Notz: Bundesregierung hat keine Erkenntnisse, dass sich irgendjemand zurückzieht. Keine konkreten Sicherheitsprobleme. Wir können von USA parlamentarische Kontrolle lernen. Meine These: eigenes Versagen kaschieren mit Begründung USA werden sauer.
Heiß: Darf ich darauf etwas sagen?
Notz: War keine Frage.
Heiß: Arbeit des NSAUA ist verdienstvoll. Einzelheiten der Kooperationen NÖ.
Notz: Was haben sie zu Causa Vorbeck intern unternommen? Landesverrats-Anzeigen gegen Journalisten macht man ja auch gerne mal.
Heiß: Habe Vorgang nicht kommentiert.
Notz: Stimmen sie zu, das eingestufte Informationen öffentlich wurden?
Heiß: Nein, damit würde ich es bestätigen.
Notz: Löschaktion August 2013. Sie haben erst im März 2015 erfahren, dass unmittelbar nach Snowden zehntausende Selektoren gelöscht wurden?
Heiß: Unterstellt, dass gelöscht wurde. Wurde Ablehnungsliste erstelt. Nicht mehr gesteuert.
Notz: Zehntausende Begriffe rausgenommen. BND sprach intern selbst von löschen. Hier: nicht mehr gesteuert. Zehntausende Selektoren aus Erfassung genommen.
Heiß: Kann ich nicht bestätigen. Erinnere mich an 2.000er Liste.
Notz: Können 38.000 gewesen sein.
Heiß: Kommt darauf an, wie man zählt.
Notz: Erst im März 2015 erfahren?
Heiß: Ja.
Notz: Hatten sie das gerne im August 2013 erfahren?
Heiß: Ja. (!)
Notz: Haben sie nicht?
Heiß: Nein.
Notz: Wer ist Schuld?
Heiß: KA. (!)
Notz: Haben sie das aufgeklärt?
Heiß: Macht doch NSAUA.
Notz: Ehrt unser Gremium. Ab er sie sind als Fach- und Dienstaufsicht zuständig. Warum wurden sie nicht informiert? Warum bis heute keine Konsequenzen? Warum Nichtmeldung nicht sanktioniert?
Heiß: Zu 2013 ist mir Motivlage für Nichtmeldung nicht bekannt. Ist Gegenstand von Untersuchungen. Was wir jetzt tun, ist nicht Untersuchungsgegenstand und nicht von Aussagegenehmigung gedeckt.
Notz: Haben sie darüber mit BND-Präsident Schindler geredet?
Heiß: Aufklärung läuft. Konsequenzen erst danach.
Notz: Eindruck: Jahrelang Probleme mit Übergriffigkeiten im BND. Nichtmeldung über zehntausende Selektoren erst durch NSAUA erfahren. Skandalös. Sie sind zuständig und verantwortlich. Klären aber nicht auf nach Snowden. Erst durch uns erfahren sie das. Aber keine Konsequenzen gegenüber Mitarbeitern. Entsteht der Eindruck, dass die Operation den Segen einer bestimmten Seite hatte.
Heiß: Über Motive für Nichtmeldung weiß ich nichts. Gilt es aufzuklären.
Notz: Haben sie mit denen gesprochen?
Heiß: Tätigkeit nach Einsetzung ist nicht Untersuchungsgegenstand.
[Besucherin Katja Hartwig unterbricht Sitzung und ruft von der Tribüne über ihre Überwachung und Strafanzeigen.]
Sensburg: Unterbrechung. Bitte Saal verlassen.
[Bundestagspolizei kommt und bittet sie zu gehen.]
Sensburg: Bitte Saal freiwillig verlassen. Sonst muss ich sie der Sitzung verweisen. Dann gilt das für den Rest des NSAUA.
[Diskussion von Sensburg und Hartwig. Hartwig verlässt Raum. Sitzung geht weiter. (11:57)]
Notz: Selektoren: Haben sie Ablehnungslisten gesehen?
Heiß: Gesehen ja, aber nicht gelesen.
Notz: Kennen sie einzelne Selektoren?
Heiß: Habe nicht gelesen, sondern nur Zahlen oder Namen gesehen.
Notz: Wann?
Heiß: Anlässlich eines Kontrollbesuchs eines Kollegen in Pullach.
Notz: Wann?
Heiß: Dieses Jahr.
Notz: Kennen sie Schwachstellenbericht aus dem Jahr 2007?
Heiß: Nein, habe mir berichten lassen. Hat einen anderen, technischen Namen. Name „Schwachstellenbericht“ ist Verallgemeinerung.
Notz: War der Thema vor März 2015 im Bundeskanzleramt?
Heiß: Nein, IIRC erst danach diskutiert. Bezieht sich aber auch nicht auf NSA-Selektoren aus März.
Notz: Nein, bezieht sich auf Eikonal. Erstellerin des Berichts war im Dezember 2014 hier. Als die im Bundeskanzleramt war, waren sie anwesend?
Heiß: Ja.
Notz: Zog Bundeskanzleramt Konsequenzen aus diesem Bericht?
Heiß: Kam im Dezember 2014 an Bundeskanzleramt. Weit nach Einsetzung des NSAUA. Nicht Untersuchungsgegenstand.
Wolff: Treffen im Bundeskanzleramt mit Zeugin war im Oktober 2014.
Notz: Vor Anhörung hier. Keine unmittelbaren Konsequenzen im Bundeskanzleramt? Erst März 2015?
Heiß: Kein Untersuchungsgegenstand.
Notz: Doch. Bericht ist Gegenstand. Bedauerlich, dass sie erst nach unserer Arbeit Konsequenzen ziehen.
Heiß: Berichten wir gerne dem PKGr. Laufender Vorgang. Eikonal wurde schon 2008 abgeschlossen.
Notz: Die dort beschriebenen Probleme wirken fort. Eindruck: Bundeskanzleramt zog keine Konsequenzen aus den Problemen. Immer wieder Übergriffe. Keine Konsequenzen? Kein günstiges Erscheinungsbild für Fach- und Dienstaufsicht.
Heiß: Kein Verfahrensgegenstand. Noch keine inhaltliche Aussage.
Ströbele: Nichtmelden der Löschaktion von Selektoren August 2013 besonderer Vorgang?
Heiß: Hätte gemeldet werden müssen.
Ströbele: Hätte man das damals PKGr mitteilen müssen?
Heiß: Haben wir im März 2015 getan, als es bekannt wurde.
Ströbele: Wissen sie, ob dieser Vorgang von besonderer Bedeutung sich mehrfach im BND angespielt hat? Oder nur einmalig?
Heiß: Habe die Frage nicht verstanden.
Ströbele: Haben andere Stellen im BND auch Selektoren geprüft 2013?
Heiß: KA. Bin nicht BND. (!)
Ströbele: Haben Sie sich den Vorgang genau berichten lassen?
Heiß: Ja.
Ströbele: Dabei so etwas nicht aufgestoßen?
Heiß: Mir nicht erinnerlich, mir nicht bekannt. Aufklärung im Einzelnen nach März 2015 nicht Untersuchungsgegenstand.
Ströbele: Aber interessant. Sie haben Liste gesehen, aber nicht gelesen. Ein Blatt oder mehr?
Heiß: Kommt darauf an, wie klein die Schrift ist. War lesbar, also mehrere Blätter.
Ströbele: Angesehen, gelesen, Stichprobe?
Heiß: Nein.
Ströbele: Stapel im BND gesehen?
Heiß: Wurde als Anschauungsmaterial hochgehalten. Sie waren dabei.
Ströbele: Ich war dabei?
Heiß: Sie hatten das sogar in der Hand. Und ich habe dafür gesorgt, dass das wieder eingesammelt wurde.
[Gelächter.]
Ströbele: Ich hatte das Paket mit den Selektoren in der Hand?
Heiß: War kein Paket.
Ströbele: Ich hatte die Selektoren?
Heiß: Ja. (!)
Wolff: War im PKGr, also eingestuft.
Ströbele: Kollegen Hahn und Lischka waren nicht dabei, aber andere, dutzende Personen. Sie wollen nicht sagen, was sie intern unternommen haben. Haben sie diesen Vorgang von besonderer Bedeutung mit USA angesprochen oder das veranlasst?
Heiß: Wir haben die Listen im März 2015 bekommen, Konsequenzen sind laufender Vorgang, nicht Untersuchungsgegenstand. Listen unterliegen der Konsultation. (!)
Ströbele: Haben wir schmerzhaft zur Kenntnis genommen. Deswegen bekommt NSAUA die ja nicht. Haben USA gegen Weitergabe widersprochen?
Heiß: Laufende Konsultation.
Ströbele: Für unsere Arbeit von erheblicher Bedeutung.
Heiß: Konsultation nicht Untersuchunsgegenstand.
Ströbele: Ungeheuer interessant.
Heiß: Habe keinen Zweifel daran.
Ströbele: Wurden nur durch unseren Antrag auch im Bundeskanzleramt bekannt.
Sensburg: Beratungssitzung.
Ströbele: Öffentlichkeit interessiert das auch.
Sensburg: Aber nicht Teil der Zeugenvernehmnung.
Ströbele: Gab es ein Veto?
Heiß: Werde zu Konsultationsverfahren nichts sagen.
Ströbele: Warum?
Heiß: Kein Untersuchungsgegenstand.
Ströbele: Uns werden deshalb die Akten, die uns zustehen, verwehrt. Danach müssen wir fragen.
Heiß: Begründung ging dem Ausschuss zu. Die hat der Ausschuss akzeptiert.
Wolff: Haben in Beratungssitzung dazu Stellung genommen. Vielfach beraten. Bei Bedarf gerne nochmal. Zeuge hat dazu keine Aussagegenehmigung.
Ströbele: Wollen Frage nicht beantworten?
Heiß: Darf ich nicht beantworten.
Ströbele: Haben sie vor, Selektoren gegenüber der NSA anzusprechen?
Heiß: Habe ich bereits gesagt.
Ströbele: Trifft es zu, das Bundesregierung/Bundeskanzleramt 2013 an US-Regierung und NSA Frageliste verschickt hat?
Heiß: BMI und BMJ haben damals Briefe geschrieben.
Ströbele: Kennen sie nicht?
Heiß: Habe ich nicht gegenwärtig. Gab Fragen zu Veröffentlichungen.
Ströbele: Wurden die beantwortet?
Heiß: KA. Mir nicht bekannt.
Ströbele: Wir haben US-Regierung und NSA reagiert?
Heiß: Mir ist keine Antwort bekannt.
Ströbele: Auch nicht aus verschiedenen Sitzungen?
Heiß: Welche?
Ströbele: An denen wir gemeinsam teilnehmen.
Heiß: Mit nicht bekannt.
Ströbele: Stimmt nicht. (!)
Heiß: Kann mich nicht erinnern.
Ströbele: Frageliste der Bundesregierung.
Heiß: Kann mich an keine Antwort erinnern.
Ströbele: Auch keine aufschiebende?
Heiß: Nein.
Ströbele: Ihre Aussage. Gut. Oder nicht gut.
Ausschuss der Öffentlichkeit. Beschluss.
$Danke.
Presse-Statements (12:25)
Steiner: Erkenntnisse gestern und heute?
Flisek: Gestern und heute BND-Mitarbeiter, die Selektoren geprüft haben. Sehr deutlich herausgearbeitet, dass es Defizite bei Filterung von US-Selektoren gab. G‑10-Filter von Deutschen defizitär, wenn E‑Mail-Adressen nicht auf .de enden. Ganz große Zahl deutscher Adressen, wie guenter.oettigner@ec.europa.eu. Die wäre bis 2013 nicht als G‑10-relevant erkannt worden wären. Sämtliche Deutsche bei internationalen Organisationen und Unternehmen wie .com und .org-Domain waren wohl in Fokus von Überwachung. Beweis für erhebliche Rechts- und Kontrolldefizite. SPD-Fraktion hat umfassende Reformvorschläge gemacht. NSU-Ausschuss hat BfV refomiert, NSAUA sollte BND reformieren. Bundeskanzleramt reagiert sehr verhalten.
Steier: Gesamteindruck Zeuge Heiß? Reform im Bundeskanzleramt?
Flisek: Bundeskanzleramt muss getragen werden. Hat als Aufsichtebehörde die Pflicht, die BND-Mitarbeiter zu schützen. Derzeit luftleerer Raum. G‑10-Kommission missbraucht. Schlamassel. BND braucht klare Grundlagen, aber keine kontrollfreien Bereiche.
Steiner: Neue Erkenntnisse gestern und heute?
Notz: neue Widersprüche. Abläuft August/September 2013 bei Selektorenprüfung in BND immer noch unklar und widersprüchlich. Wird etwas verdeckt? Heute wurde wieder deutlich, dass Bundeskanzleramt nie aktiv aufgeklärt hat. Weil Schmutzhaufen unter dem Teppich gigantomanisch groß ist. Aufklärung erst durch NSAUA. Kann nicht sein. Bedaure passive Rolle des Bundeskanzleramt.
Steier: Heiß identifiziert keinen Reformbedarf. Erst NSAUA oder jetzt schon Reform?
Notz: Bundeskanzleramt und BND berufen sich immer noch auf irre Theorien wie Funktionsträger- und Weltraumtheorie. Schon vor zehn Jahren falsch, heute erwiesen falsch. Vor zehn Jahren bewusst falsche Entscheidung getroffen: keine Reform, sondern Graubereich. Probleme schlagen heute voll auf. Reform und Debatte über Verhältnismäßigkeit dringend notwendig. Massendatenmarkt und täglich milliardenfacher Metadatenaustausch unverhältnismäßig.
Steier: Zusammenarbeit mit AND eingeschränkt?
Notz: Gibt darüber keinerlei Erkenntnisse. Bundesregierung hatte auch keine Erkenntnisse, Heiß auch nicht. Halte das für Schutzbehauptung. Wäre auch zynisch, wenn Partnerdienste Menschenleben in Kauf nehmen, weil Demokratien parlamentarisch aufklären. Ist schlichtweg nicht so. Internationale ND-Kooperation ist wichtig, muss aber rechtsstaatlich sein.
Lücking: Schutz von Firmen erst bei 50-prozentiger Beteiligung von Deutschen. Kommentar?
Notz: So abwegig wie Funktionsträgertheorie, dass Oettinger als EU-Kommissar abgehört werden darf. Hat sich BND selbst ausgedacht. Behörden müssen sich aber an Rechtsprechung orientieren.
Steiner: Kommentar zu gestern und heute?
Hahn: Bin entsetzt über Heiß, der nicht darlegen konnte, wie Fach- und Dienstaufsicht erfolgt. Habe kein Verständnis, dass er erklärt, dass Türöffner G‑10-Anordnung rechtmäßig ist. Hat nichts zu Causa Vorbeck gesagt.
Steiner: Gestern Zeuge von Verizon zu Glotaic. Sind sie schlauer geworden?
Hahn: Firma hat den Sicherheitsbeauftragten geschickt, der über wichtige Fragen des Zugangs nichts sagen könnte. Geschäftsführung hatte keine Ahnung, was passiert ist. Heiß findet das okay. Ich finde das abenteuerlich. Wir haben nach unseren Erkenntnissen keinen Zweifel, dass das so stattgefunden hat.
Steiner: Heiß muss über BND-Operationen nicht informiert werden. Ab wann muss Bundeskanzleramt informiert sein?
Hahn: Über AND-Kooperation mit Verträgen muss Bundeskanzleramt informiert werden. Wir haben im PKGr versucht, eine Definition zu bekommen, was Vorgänge von besonderer Bedeutung sind. Jetzt Konsequenzen: Gesetzesänderungen.
Steiner: Konkretisieren?
Hahn: Gesetzliche Grundlagen sind bekannt, an vielen Stellen unzureichend. PKGr darf weder Öffentlichkeit noch Fraktionsvorsitzenden informieren. Wir könnten wie Vorbild USA Dienste-Chefs im Plenum befragen. Aussagen der Minister sollten wir aufzeichnen. Grundsatzproblem: Wir bekommen nur, was Dienste uns sagen. Wir wollen mehr erreichen als bisher.
Steiner: Heiß sagte, dass Sie Selektorenliste in der Hand hatte und er sie Ihnen weggenommen hätte. Stimmt das?
Ströbele: Schön wär’s. Über Sachen im PKGr muss ich schweigen. Ich war zweimal beim BND und wollte die Liste.
Steiner: Gesamtfazit?
Ströbele: Habe Anlass davon auszugehen, dass Heiß nicht die Wahrheit gesagt hat. Mein Wissen über das, was Herr Heiß weiß, darf ich nicht sagen, weil PKGr. Wurde deutlich, dass Arbeit des NSAUA ungeheuer wichtig ist. Weder BND noch Bundeskanzleramt wüssten ohne NSAUA, dass 38.000 illegale Selektoren aktiv waren. Heiß verweigerte oft die Aussage. Resümee: kein guter Tag für die Wahrheitsfindung. Jetzt noch NÖ, richtigstellen.
Steiner: Unwahrheit in PKGr können Sie ihm nicht nachweisen, gibt kein Protokoll?
Ströbele: Versuche ich seit zehn Jahren zu ändern. Jetzt noch deutlicher. Auch ich weiß nicht mehr, was ich im Oktober 2001 im PKGr erfahren habe.
Steiner: Haben USA seit Abzug von Bad Aibling Selektoren selbst nicht mehr geprüft?
Ströbele: Haben ja auch schon vorher illegitime Selektoren festgestellt. Wir wissen ja bis heute nicht, welche scharf gestellt waren. Werden weiter daran arbeiten.
[Jetzt Ende. (12:47)]
-
: #11np Review Teil 2: Andre Meister über „Halbzeit im #NSAUA“
: #11np Review Teil 2: Andre Meister über „Halbzeit im #NSAUA“
Hier ist der zweite Teil der Vorträge von unserer #11np-Konferenz. Andre Meister fasst in seinem Vortrag die wichtigsten Fakten zur Halbzeit des Geheimdienst-Untersuchungsauschusses zusammen. Pünktlich zum heutigen Beginn der öffentlichen Ausschusssitzungen nach der Sommerpause gibt es einen kurzen Überblick zur bisherigen Arbeit und zu allen Sitzungen, die wir in unserem Live-Blog begleitet haben.In unserer Liveberichterstattung schaffen wir es immerhin auf zwei Millionen Zeichen. Dagegen sind bis jetzt 2.253 Aktenordner mit einer Gesamtzahl von hochgerechnet etwa einer Millionen Blatt Papier beim Untersuchungsausschuss eingetroffen. In den folgenden Sitzungen werden noch einige wichtige Zeugen im Ausschuss zu erwarten sein. Darunter der Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen, weitere Spitzenpolitiker und Vertreter der Wirtschaft. Dass der Untersuchungsausschuss längst nicht alle Bereiche der Zusammenarbeit der NSA beleuchtet hat, zeigt die Palette ungeklärter Themen: Aktuell dürfte besonders die Befragung von Flüchtlingen bei der Ankunft in ihren Zielländern brisant sein und die Weitergabe dieser Informationen an die Five-Eyes-Geheimdienste. Daneben wird über die Verstrickungen der Bundesrepublik in das US-amerikanische Drohnenprogramm zu reden sein, um nur einige der anstehenden Themenkomplexe zu nennen.
Bereits vor der eigentlichen Halbzeit des NSAU-Ausschusses am 11. November warnt Andre davor, dass aus diesem Skandal am Ende die Dienste gestärkt hervorgehen könnten. Die Konsequenzen aus früheren Geheimdienstskandalen in der Bundesrepublik bestanden in aller Regel in einer Ausweitung von deren Befugnissen. Die Öffentlichkeit muss sich in diese Debatte dringend einbringen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die bisher rechtswidrigen Praktiken der Geheimdienste schlichtweg legalisiert werden.
Der Vortrag kann auch direkt bei uns heruntergeladen werden und ist als Podcast verfügbar.
-
: Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Bis 2013 hätte der BND EU-Kommissare wie Oettinger überwacht“
Europasaal vor Beginn der Anhörung. : Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Bis 2013 hätte der BND EU-Kommissare wie Oettinger überwacht“ Die Sommerpause ist vorbei und heute tagt wieder der Geheimdienst-Untersuchungsausschuss im Bundestag. Die Zeugen diesmal sind die beiden BND-Mitarbeiter „W. O.“ (zum zweiten Mal) und „T. B.“ (zum dritten Mal), sowie Oliver Matt und Michael Capellas des Telekommunikationskonzerns Verizon. Wir sitzen wie immer drin und bloggen live.
Gliederung
- Gliederung
- Vorbemerkungen
- Einleitung: Vorsitzender
- Zeuge 1: „W. O.“, BND, Sachbearbeiter
- Zeuge 2: „T. B.“, BND, Sachgebietsleiter
- Zeuge 3: Oliver Matt, Verizon Deutschland
Vorbemerkungen
Disclaimer: Dieses Protokoll ist nach bestem Wissen und Können erstellt, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder umfassende Korrektheit.
Dargestellte: Abgeordnete und Zeugen, gerne korrigieren und vervollständigen wir ihre Aussagen. Kontaktieren sie uns!
Wer uns unterstützen möchte, darf gerne spenden.
To-Do: Zusammenfassung. Bis dahin einfach nach „(!)“ suchen.
Copyright: Die Zeichnungen der Zeugen stehen nicht unter einer Freien Lizenz. Wer die Bilder verwenden möchte, kontaktiert bitte Stella Schiffczyk.
Update: Das offizielle stenografische Protokoll gibt es auf bundestag.de als PDF (Mirror bei uns).
Einleitung: Vorsitzender (12:14)
$Begrüßung
Vom vierten Zeugen Michael Capellas gibt es keine Rückmeldung. Ich bin aber sicher, dass es ihn gibt.
Zeuge 1: „W. O.“, BND, Sachbearbeiter (12:17)
Rechtsbeistand ist Johannes Eisenberg, Berlin.
Name W.O., Anschrift Berlin, Gardeschützenweg 71–101. Beruf technischer Angestellter beim BND seit 1983, funktechnische Ausbildung. Eingangsstatement nicht gewünscht.
Fragerunde 1: Vorsitzender
Sensburg: Selektoren. Wie sind die vielen unterschiedlichen Zahlen zu Selektoren einzuordnen? Letztes Mal konnten sie keine konkreten Zahlen nennen. Wie groß war das Volumen? Wie hoch ist Gesamtzahl der von NSA gelieferten Selektoren je 2005, 2008, Frühjahr/Sommer 2013, Herbst 2013?
W.O.: [Redet mit Eisenberg]
Sensburg: Wenn’s Eisenberg wundert, wäre ich verwundert.
Wolff: Konkrete Zahlen sind eingestuft. NÖ.
W.O.: Kann dazu nichts sagen. Habe die nur bearbeitet, nicht Gesamtzahl zu sehen.
Sensburg: Nur grob: 20? 20.000? 20 Milliarden?
Wolff: Ganz grob.
W.O.: 14 Millionen steht im Raum. (!) KA, welcher Zeitraum.
Sensburg: Warum keine Gesamtzahl?
W.O.: Wäre im System abrufbar. Hat mich aber nicht interessiert. (!) Habe nur neue geprüft.
Sensburg: Viele Mitarbeiter prüften die?
W.O.: Der ein oder andere.
Sensburg: Viel Aufwand? Oder nebenbei?
W.O.: Nie großer Aufwand. Extraktion aus Datenbank. Zu löschende rausnehmen.
Sensburg: Händisch oder automatisiert?
W.O.: Rausnehmen war händisch.
Sensburg: Lieferung der Selektoren?
W.O.: Das ist kein Aufwand. Wir extrahieren die neuen aus der Datenbank, prüfen die und arbeiten die ein. Arbeitsaufwand je nach ankommenden Daten.
Sensburg: Ankommende Selektoren in Datenbank?
W.O.: Es ist eine Datenbank. Da gehen sie rein.
Sensburg: Täglich alle durchgucken?
W.O.: Nein.
Sensburg: Sondern?
Wolff: Nicht so konkrete Fragen.
Sensburg: Ich frage konkret, er antwortet offen.
W.O.: NÖ.
Sensburg: Wie handhaben sie diese große Zahl an Selektoren?
W.O.: Prüfung erfolgt nicht täglich. Werden abgeholt, in Datenbank eingestellt in nicht-definierten Zustand. Wir haben einmal pro Woche die Daten extrahiert und zur Prüfung geschickt.
Sensburg: War das so wenig, dass das mal eben geht? Waren ja nicht wenige.
W.O.: Ist nur eine Datenbank-Abfrage. Ob eine oder 70.000 ist kein Aufwand. Ich sage Datenbank: „Gib mir alle undefinierten“.
Sensburg: Wenn da 1.000 stehen, wird angezeigt, dass 200 ungeprüft sind?
W.O.: Haben in Datenbank undefinierten Zustand.
Sensburg: Wie viele 2015 abgelehnt und wie viele überführt?
Wolff: NÖ.
Sensburg: Abstrakt, nicht absolut.
Wolff: Doch, ist zu konkret.
Sensburg: Wurden immer welche abgelehnt oder auch manchmal nicht?
W.O.: Manchmal auch keine.
Sensburg: Also in manchen Wochen alle okay?
W.O.: Ja. (!)
Sensburg: 14 Millionen. Individuell? Oder inklusive Permutation?
W.O.: Ja, inklusive Permutationen. Sind ja Selektoren, keine Telekommunikationsmerkmale (TKM).
Sensburg: In ihrer Datenbank auch Permutationen?
W.O.: Ja.
Sensburg: 2005: Gab es da Änderungen?
W.O.: 2005 und 2008 kann ich nicht sagen. Datenbank wurde 2011 neu aufgebaut. Da auf 14 Millionen aufgewachsen. (!)
Sensburg: Waren ja damit beschäftigt. Erinnerung?
W.O.: Nein, war ein anderes System.
Sensburg: Auch Datenbank?
W.O.: Nein, sondern Zusammenfassung von Selektoren. Equations. Damals nicht einzelne Selektoren, sondern Equations: Masse an Selektoren.
Sensburg: Wie viele Equations?
W.O.: Keine Ahnung. (KA)
Sensburg: Extra Server?
W.O.: Eigenes Netz.
Sensburg: Server mit Festplatte. Wie groß?
W.O.: KA.
Sensburg: Wissen sie nicht?
W.O.: Egal, so lange sie speichert.
Sensburg: Kontinuierlich mehr geworden? Immer mehr?
W.O.: *nickt* Seit 2011 mit Sicherheit angewachsen. Da wurde nichts mehr gelöscht, kamen immer nur Selektoren dazu. (!)
Sensburg: Aber haben ja welche abgelehnt?
W.O.: Ja, waren aber weiterhin in Datenbank, nur geflaggt. (!)
Sensburg: Könnte man Flag wieder wegnehmen?
W.O.: Ist technisch möglich. (!)
Sensburg: Z.B. mit G‑10-Anordnung?
W.O.: Technisch möglich.
Sensburg: Gesamtdatenbank schließt abgelehnte ein?
W.O.: Ja.
Sensburg: Anteil?
Wolff: NÖ.
Sensburg: Nach 2011: 2013? Mehr oder weniger?
W.O.: In der Datenbank?
Sensburg: Ja.
W.O.: Mehr, wurde ja nichts gelöscht.
Sensburg: Und 2013?
W.O.: Ja.
Sensburg: Bis heute?
W.O.: Nein, Abholung von Selektoren wurde ja eingestellt.
Sensburg: Bis Einstellung kontinuierlich mehr, nie weniger?
W.O.: Ja.
Sensburg: Umfasst Gesamtdatenbank nur NSA-Selektoren oder auch von anderen Geheimdiensten?
W.O.: Gibt ja zwei Datenbanken: IP-Selektoren und Wählverkehre.
Sensburg: Nur NSA-Selektoren in IP-Datenbank?
W.O.: Ja.
Sensburg: Ist in Gesamtdatenbank von Wählverkehren klar, welcher AND die Selektoren geliefert hat?
W.O.: Nein.
Sensburg: Quelle kann man nicht sehen?
W.O.: Ja.
Sensburg: Hm?
W.O.: IP-Gesamtdatenbank hat nur NSA-Selektoren. Wählverkehr-Gesamtdatenbank hat nur Selektoren von NSA und BND.
Sensburg: Nicht von anderen AND?
W.O.: KA.
Sensburg: Andere AND der Five Eyes gibt ihnen nicht direkt Selektoren, die BND dann einpflegt?
W.O.: AFAIK nein.
Sensburg: Wo sind Selektoren, die andere AND dem BND geben? Weitere Datenbanken?
Wolff: NÖ. Selbst, wenn er es nicht weiß.
Sensburg: Warum?
Wolff: Zeuge gibt missverständliche Antworten, um nicht zu viel zu sagen.
Sensburg: Wenn sie etwas nicht wissen, sagen sie das. Können sie uns NÖ sagen, ob es weitere Datenbanken für andere AND gibt?
W.O.: Weiß ich nicht. 14 Millionen ist auch nur Hörensagen, habe kein eigenes Wissen.
Sensburg: Sie haben sich nie über Gesamthöhe Gedanken gemacht?
W.O.: Nein.
Sensburg: Auch nicht zu viel Arbeit gewesen?
W.O.: Ab 2008 zu viel, dann 2011 neues System, Arbeitsaufwand geringer.
Sensburg: Vor 2008 welcher Anteil ihrer Arbeit?
W.O.: Mehrere Stunden pro Woche, halber Tag. Vor 2008 25–30 % meiner Arbeit, danach zehn Prozent.
Sensburg: Kann man technisch herausfinden, wie viele Selektoren der Gesamtzahl aktiv sind?
W.O.: Ja, müsste gehen. (!)
Sensburg: Das ist doch mal etwas. (!) Gibt es noch eine zweite Liste? Die Ablehnungsliste genannt wird? Gibt es eine Ablehnungsdatenbank?
W.O.: Nein.
Sensburg: Das sind die geflaggten?
W.O.: Ja.
Sensburg: Geflaggte nicht aktiv, freigegebene aktiv. Ausgedruckt nie?
W.O.: Doch, zum Beweisbeschluss ausgedruckt.
Sensburg: Alles oder nur abgelehnte?
W.O.: AFAIK nur die abgelehnten extrahiert und ausgedruckt.
Sensburg: Wann war das?
W.O.: Zum Beweisbeschluss BND-26.
Sensburg: Davor nie?
W.O.: Nein. Nie.
Sensburg: Wie viele Leute können darauf zugreifen?
W.O.: Wer Zugang hat, kann lesen. Rechtemanagement zum Schreiben.
Sensburg: Ablehnungsliste ist eigene Datei?
W.O.: Ja, nur zum Beweisbeschluss erstellt.
Sensburg: Dann ausgedruckt statt gemailt?
W.O.: Ja.
Sensburg: Ausdruck in 2013 bekannt?
W.O.: Nein.
Sensburg: Würde das jemand machen?
W.O.: Glaube ich nicht. Kann ich mir nicht vorstellen.
Sensburg: Würde man ihnen zur Überprüfung einen Ausdruck zuschicken?
W.O.: KA.
Sensburg: Gab es eine Nachkorrektur in ihrer Zeit? Kam das vor?
W.O.: Ja, 2013 wurde ich von meinem Dienststellenleiter R.U. aufgefordert, nach Europäern zu suchen. (!)
Sensburg: Auftrag mündlich?
W.O.: Ja.
Sensburg: War das bekannt, dass die nicht gefiltert werden? Oder Schock?
W.O.: War bekannt. Haben wir ja gesehen.
Sensburg: Haben sie gefragt, warum?
W.O.: KA. Habe Auftrag einfach ausgeführt.
Sensburg: Haben sie dann auch Gesamtdatei geprüft? Oder nur neu reinkommende?
W.O.: Selbstverständlich Gesamtliste. Auftrag war, Gesamtdatenbestand nach Europäern durchsuchen. (!)
Sensburg: Recherche nach Endungen FR, IT: Ist das kompliziert?
W.O.: Ist eine einfache Filterfunktion in der Datenbank.
Sensburg: Strg+F?
W.O.: Ja, so ähnlich.
Sensburg: Auch Telefonnummern?
W.O.: KA.
Sensburg: Sie waren für E‑Mails zuständig?
W.O.: Ja.
Sensburg: Gibt aber noch mehr Selektoren? Wie ist das mit Messenger-Diensten?
Wolff: NÖ. (!)
Sensburg: War ihr Auftrag, auch nach europäischen Selektoren von Messenger-Diensten zu suchen?
W.O.: Auftrag bezog sich auf Europäer, soweit erkennbar. (!)
Sensburg: Gibt aber welche, die nicht erkennbar sind. Hat das ein anderer Kollege parallel gemacht?
W.O.: Könnte durchaus sein.
Sensburg: Könnte oder war so?
W.O.: Dr. T. hat sich mit Sicherheit damit beschäftigt. (!)
Sensburg: Er nicht *.fr, sondern andere, mehr tricky Sachen?
W.O.: KA.
Sensburg: Haben sie geredet?
W.O.: Nein.
Sensburg: Er hat länger gebraucht als sie?
W.O.: Ja.
Sensburg: Warum?
W.O.: KA. Ihn fragen.
Sensburg: Wie viel Prozent der Gesamtdatenbank fiel nach Prüfung nach Europäern raus?
Wolff: NÖ. (!)
Sensburg: Schade. Aber sie haben weitergemacht. War das dann noch attraktiv für den BND, was hinten rauskam?
W.O.: KA, das sehe ich nicht. Ich sehe nur die Selektoren.
Sensburg: Wer sieht das?
W.O.: Der Nachrichtenbearbeiter.
Sensburg: Nicht unterhalten?
W.O.: Doch, aber nicht darüber.
Sensburg: Welche E‑Mail-Endungen sind ihnen da aufgefallen? Neben .fr?
Wolff: NÖ. (!)
Sensburg: Nicht welche rausgefallen sind. Welche sind aufgefallen?
W.O.: Wir haben das nicht manuell auf aktiv gesetzt. Wir haben nur welche deaktiviert, der Rest war aktiv.
Sensburg: Es gab nie Prozess, eine bestimmte E‑Mail-Adresse rauszunehmen?
W.O.: Verstehe ich nicht.
Sensburg: patrick.sensburg@hotmail.com wäre bei ihnen aktiv gewesen. Sagte ihnen mal jemand, so eine rauszunehmen? Mal individuell deaktiviert?
W.O.: Doch.
Sensburg: Auch mit *.de. Bei G‑10-Anordnung?
W.O.: Nur in BND-Datenbank, die getrennt.
Sensburg: Bei NSA-Selektoren gab es nie unmittelbares Einstellen, die dann von G‑10-Anordnungen gedeckt waren?
W.O.: AFAIK nein.
Sensburg: September 2013, warum erteilte ihnen R.U. Auftrag, nach Europäern zu prüfen?
W.O.: KA, ihn fragen.
Sensburg: Kein Zusammenhang mit Snowden-Veröffentlichungen?
W.O.: KA, kann sein. Habe mich gewundert.
Sensburg: Warum?
W.O.: Weil wir bisher nur G‑10-geprüft haben.
Sensburg: Nur sie und Dr. T. haben Selektoren auf dissaproved geschaltet?
W.O.: Ja.
Sensburg: Noch andere?
W.O.: KA, ob R.U. noch anderen einen Auftrag gegeben hat.
Sensburg: Was sie disapproved haben, war das abschließend?
W.O.: KA.
Fragerunde 1: Linke (12:57)
Hahn: Wie haben sie sich für heute vorbereitet? Ihre Protokolle nochmal gelesen?
W.O.: Ja.
Hahn: Ist ihnen da etwas aufgefallen? Gab ja seitdem neue Veröffentlichungen. Möchten sie etwas ihrer Aussagen korrigieren?
W.O.: Nein. (!)
Hahn: Nichts gefunden?
W.O.: Nein.
Hahn: Medienberichte: Ungefilterte Weitergabe an NSA. Sie sagten etwas anderes.
W.O.: Ich habe das gesagt, was ich weiß.
Hahn: Sie wollen auf den Prüfungsabstand der Selektoren nicht korrigieren?
W.O.: Nein, hat sich nichts geändert. Einmal wöchentlich die neuen. Alle drei Monate das Gesamtprofil. (!)
Hahn: Sie sagten, sie haben Selektoren zur Prüfung geschickt. An wen?
W.O.: Ich habe 2005–2008 selbst geprüft. Danach zur Prüfung in die Zentrale.
Hahn: Wer?
W.O.: Sachgebiet T2AB. (!)
Hahn: Nachträglich kann man Dinge wieder scharf stellen?
W.O.: Ja.
Hahn: Liste nach Pullach, Selektoren geprüft und gesperrt, danach wieder entsperrt?
W.O.: Theoretisch möglich.
Hahn: Welchen Sinn macht dann Sperrung?
W.O.: KA.
Hahn: Muss doch eine Sicherung geben, dass eine abgelehnte Mail-Adresse nicht wieder eingestellt wird?
W.O.: Sicherung ist mir nicht bekannt. (!)
Hahn: Sie waren nur für Mails zuständig?
W.O.: Nein, für alle Selektoren zuständig. Habe nur die Mails überprüft.
Hahn: Haben aber neben Mails auch Telefonnummern geprüft?
W.O.: Ja.
Hahn: Wie prüfen sie Handynummer nach Nationalität?
Wolff: Nur grob.
W.O.: Bei Handynummer war auch Deutung des Teilnehmers dabei. Da kann drinstehen, dass das ein Europäer ist.
Hahn: Jede Handynummer hat eine Deutung?
W.O.: Ja. (!)
Hahn: Sie haben Mails nur nach Suchbegriff überprüft, nicht einzeln?
W.O.: Ja.
Hahn: Mail mit anderer Endung hätte drinbleiben können?
W.O.: Ja, meine Prüfung war nicht 100 %. (!)
Hahn: Sie haben ihren Auftrag nicht erfüllt?
W.O.: Doch, mein Auftrag war, nach Europäern zu suchen.
Hahn: Und sie haben das nur anhand der E‑Mail-Domains getan?
W.O.: Ja. (!)
Hahn: Was ist mit wechselnden Teilnehmern einer Telefonnummer?
W.O.: Wenn eine Nummer einem anderen Teilnehmer zugeordnet wird, fällt die raus?
Hahn: Wie merken sie das?
W.O.: Durch Reinhören ins Telefongespräch.
Hahn: Und Familienmitglieder? Wie werden die geschützt?
W.O.: Wenn ein Gespräch nicht relevant ist, wird es wieder gelöscht.
Fragerunde 1: SPD (13:08)
Flisek: Sie sollten 2013 nach Europäern suchen, danach nur G‑10. Vorher „deutsche Interessen“ keine Rolle?
W.O.: KA, welche Kriterien angelegt wurden.
Flisek: Sie sagten, „oberste Priorität G‑10“. Keine „deutschen Interessen“ nicht im Alltag?
W.O.: Ja.
Flisek: Erst 2013, mit Auftrag von R.U.
W.O.: Ja. (!)
Flisek: Sie waren ja auch überrascht. Für wie sicher halten sie eine G‑10-Prüfung nach Top-Level-Domains? (!)
W.O.: Ist nur grobes Raster. Aber USA gruppieren Selektoren in Equations. Wenn ein Selektor G‑10 ist, kommt ganze Equation raus. Relativ zuverlässig. (!)
Flisek: E‑Mail-Adresse guenther.oettinger@ec.europa.eu. Nur dies als Selektor. Wie gehen sie damit um?
W.O.: Wann?
Flisek: Vor Auftrag R.U.
W.O.: Vor Auftrag wäre die eingestellt gewesen. (!)
Flisek: Oettinger ist G‑10-relevant. EU-Kommission. Wäre scharf gestellt bis 2013?
W.O.: Ja. (!)
Flisek: Zäsur im Sommer 2013. Einmalige Aktion? Oder strukturelle Umstellung?
W.O.: Von meiner Seite einmalig. Was die Prüfgruppe umgestellt hat, weiß ich nicht.
Flisek: Scharfstellen eines Selektors ist das eine. Treffer-Erzielung das andere?
W.O.: Ja.
Flisek: Sie erstellten das für Bad Aibling?
W.O.: Ja.
Flisek: Dort Satelliten und Afghanistan. Warum ist Oettingers Mail relevant für Krisengebiete?
W.O.: Europäischen Institutionen sind ja auch manchmal vor Ort.
Flisek: Wenn Oettinger in Krisengebiete reist, landet seine Kommunikation in Pullach?
W.O.: Ja. (!)
Flisek: Sie waren der erste, denen die berühmten Selektoren EADS und Eurocopter aufgefallen sind?
W.O.: Ja. (!)
Flisek: Wann?
W.O.: 2005–2006.
Wolff: Konkrete Selektoren NÖ.
Flisek: Warum relevant?
W.O.: Könnte ja möglicherweise G‑10 betreffen.
Flisek: Zufallsfund damals?
W.O.: Ja. (!)
Flisek: Vorgesetzten gemeldet?
W.O.: Nein, G‑10-Juristen in Zentrale.
Flisek: Was passierte dann?
W.O.: Ich wurde aufgefordert, das rauszunehmen.
Flisek: Strukturelle Änderungen?
W.O.: KA. (!)
Flisek: Gab es Anweisungen für Selektorenprüfung?
W.O.: Nicht für Selektorenprüfung, nur G‑10-Anweisung.
Flisek: MoA ist ihnen nicht bekannt?
W.O.: Nein.
Flisek: hatten sie Kontakt zu Zeuge T.B.?
W.O.: War in Bad Aibling mein Vorgesetzter.
Flisek: Sprachen sie mit ihm über diese beiden Selektoren?
W.O.: KA. (!)
Flisek: Keine Erinnerung?
W.O.: Möglicherweise.
Flisek: BND holte Selektoren von NSA und prüfte einmal wöchentlich in Pullach. Warum?
W.O.: Für uns ist das einfach. Prüfprozess in Pullach vielleicht nicht.
Flisek: Warum wöchentlich, nicht täglich?
W.O.: KA.
Flisek: Es geht ja um Terror und Anschläge. Warum Prüfung erst nach einer Woche?
W.O.: Es betraf nur NSA-Selektoren. Unsere eigenen flossen sofort ein. (!)
Flisek: Eigene sofort, NSA war eher „Dienst nach Vorschrift“?
W.O.: Ja.
Flisek: Gab es Prüfinstanz in Pullach von Beginn der Kooperation? Oder wurden NSA-Selektoren auch mal ohne eingestellt?
W.O.: 2005–2008.
Flisek: Warum dann geändert?
W.O.: Menge wurde zu groß, sie manuell zu prüfen.
Fragerunde 1: Grüne (13:20)
Notz: Einziger Grund 2008, Menge Selektoren?
W.O.: Ja.
Notz: Warum dann Prüfung in zentrale?
W.O.: Vorher händisch, dann automatisiert.
Notz: Warum dann mehr als G‑10-geprüft?
W.O.: KA. Ich wusste nur, das es automatisiert ist, nicht warum.
Notz: Gab es einen Vorfall 2008?
W.O.: KA.
Notz: Gab es eine manuelle Prüfung in dem Zeitraum um 2008?
W.O.: KA. (!)
Notz: Generelle Prüfung 2011 bekannt?
W.O.: Nein. (!)
Notz: Anzahl eingestellte Selektoren: Wie viele kann man G‑10-prüfen? Welcher Anteil?
W.O.: Fragen sie jemand aus der Prüfung.
Notz: Wissen sie nicht?
W.O.: Nein.
Notz: Nur ein Prozent geprüft?
W.O.: Mutmaßung.
Notz: Kann sein?
W.O.: Ja. (!)
Notz: IP-Datenbank war nur US-Selektoren, BND hat ja eigene.
W.O.: Ja.
Notz: Hatte NSA Zugriff darauf?
W.O.: Ja, bis 2012. (!)
Notz: Konnten die USA aus Ferne eigene Häkchen setzen?
W.O.: Kann ich mir nicht vorstellen. Wäre ja aufgefallen.
Notz: Wieso?
W.O.: Weil gleicher Selektor wieder als abgelehnt kam.
Notz: Sie können ja aber nicht sagen, wie viele das waren.
W.O.: Abgelehnte Selektoren wieder freigeben, dann wieder abgelehnt. Wäre aufgefallen.
Notz: Aber USA hatte Zugriff auf dieses System bis 2012?
W.O.: Ja. (!)
Notz: Konnten die Häkchen setzen?
W.O.: KA. Aber sie konnten lesen. (!)
Notz: Hat man Equations geprüft? Dass die richtig sind?
W.O.: Nein. (!)
Notz: Ich frage mich, warum sie das gemacht haben. Hat man den USA nicht komplett vertraut? Wie kann man dann Zusammensetzung der Equations trauen?
W.O.: KA. (!)
Notz: Auftrag Spezialprüfung. War das eine abgeschirmte Operation? Haben sie etwas zu Akten gegeben?
W.O.: Ich habe geprüft.
Notz: Kein Abschlussbericht?
W.O.: Nein.
Notz: Sagte man ihnen das?
W.O.: Wurde nicht untersagt, aber war nicht explizit gefordert.
Notz: Haben sie darüber geredet?
W.O.: Auf dem Gang sicher.
Notz: Bundeskanzleramt will aber erst 2015 davon erfahren haben. Kollege K.M. erst XXX informiert?
W.O.: Bestand kein Bedarf, darüber mit Pullach zu reden.
Notz: Jede Woche schicken sie das nach Pullach und die entscheiden. Dann löschen sie in einer Nacht- und Nebelaktion zehntausende. Aber mit der Zentrale reden sie nicht? Nicht komisch?
W.O.: Nicht im Geringsten.
Fragerunde 1: Union (13:29)
Warken: Haben sie Berichtspflichten gegen Vorgesetzten T.B.?
W.O.: War Vorgesetzter in Bad Aibling, keine Berichtspflichten.
Warken: Im Mai sprachen sie hier über problematische Funde EADS und Eurocopter. Wann?
W.O.: EADS 2005, Eurocopter 2006. (!)
Warken: Wen in Bad Aibling haben sie darüber unterrichtet?
W.O.: KA.
Warken: T.B. unterrichtet?
W.O.: KA. U.K., G‑10-Jurist.
Warken: Öfters mit Pullach geredet?
W.O.: Bin auch Ansprechpartner für G‑10 in Bad Aibling. Da rede ich auch mit G‑10-Juristen in Pullach.
Warken: Beispiel?
W.O.: Zwei Ausländer unterhalten sich über deutsche Firma.
Warken: Wie hat Pullach auf EADS und Eurocopter reagiert?
W.O.: Rausnehmen.
Warken: Keine weiteren Folgen?
W.O.: Nein. Solche Funde gab es immer wieder. Ist ein normaler Vorgang. (!)
Warken: Sind über diese beiden Selektoren gestolpert. Wie prüfen sie?
W.O.: In Bad Aibling wurden täglich Veränderungen im Profil gesehen und manuell geprüft. Firmen sind wohl in diesem Zusammenhang aufgefallen.
Warken: Dass es überhaupt auffiel, war Zufall?
W.O.: Ja.
Warken: Wann Prüfung nach Pullach verlagert?
W.O.: Frühjahr/Sommer 2008c.
Warken: Begründung war starker Anstieg. Wie groß?
W.O.: KA. War einfach nicht mehr handhabbar.
Warken: Einmal wöchentlich geprüft. Wie lange dauert Prüfung, wann Rückmeldung?
W.O.: Meistens gleicher Tag.
Warken: Sie setzen Häkchen auf disapproved. Dann Begriffe schon in Erfassung?
W.O.: Nein, bei Einstellung undefiniert, ohne Erfassung. Erst nach Prüfung.
Warken: Welche Menge wird wöchentlich zur Prüfung nach Pullach geschickt?
W.O.: NÖ.
Warken: Welche Regionen und Interessen waren im Fokus der USA?
W.O.: Interessenprofil kann ich nicht sagen.
Warken: Wir haben eine „Kurzübersicht G‑10“ in Akten, VS-NfD. Handreichung Pullach für Bad Aibling. Zwei Tabellen. Kennen sie das?
W.O.: Kann ich das sehen?
Warken: MAT A BND 38a/BND 39a, Blatt 12 ff.
W.O.: [Liest.] Ist mir nicht bekannt.
Warken: Verwenden sie nicht?
W.O.: Nein.
Warken: Bezieht sich das auf Kontrolle von Treffern oder von Selektoren?
W.O.: AFAICT Treffer, behalten oder löschen. In Bad Aibling wurde jährlich gesamtes Personal G‑10-gebrieft.
Warken: Haben sich Vorgaben dazu geändert?
W.O.: Nein.
Warken: Bericht Besuch G‑10-Referat 20AB in Bad Aibling, 15.02.2008. Erinnern sie sich?
W.O.: Waren öfters da. Spezielles Datum: KA.
Warken: Was wurde generell besprochen?
W.O.: Probleme.
Warken: Danach Anweisungen oder Änderungen?
W.O.: War nie Thema bei uns, nur in Pullach.
Warken: Konkreter Bericht: Darstellung des Ist-Zustandes. „Über Einführung eines automatisierten Verfahrens zentral in Pullach nachdenken. Bisher wird die Einstellung der USA-Selektoren händisch geprüft, wir regen Stichproben an.“ Was bedeutet „Einstellung nach Rücksprache nach 20AA“?
W.O.: Lesen?
Warken: MAT A BND-38a/BND-39a, Blatt 17 ff.
W.O.: [Liest.] Dieses Protokoll war mir nicht bekannt.
Warken: Bei mir entsteht Eindruck, vorher noch nicht mal stichprobenartig überprüft.
W.O.: Ich habe das 2005–2008 selbst gemacht.
Warken: Wie erklären sie dann diese Empfehlung?
W.O.: KA. (!)
Warken: Ziffer 5, Blatt 19 der Akte: „Seit Herbst 2007 wurde durch LA60 in manueller Strichliste festgehalten, welche E‑Mails an JSA weitergegeben wurden. Bei 30.000 Verkehren gab es in drei Fällen eine nicht erkannte G‑10-Relevanz, zweimal reine Serverkommunikation. Also wurde Strichliste eingestellt.“ (!) Bericht leider nicht mehr in Akte, ebenso wenig Strichliste. Waren sie mit diesem Bericht befasst?
W.O.: Aus diesem Absatz würde ich deuten, dass es sich um Projekt Eikonal handelt. Dort wurde jede weitergegebene E‑Mail manuell geprüft. Da gab es eine Strichliste.
Warken: Die wurde eingestellt?
W.O.: Ja.
Warken: Haben sie die Strichlisten geführt?
W.O.: Ja. (!)
Warken: War G‑10-Referat einverstanden, die Strichliste einzustellen?
W.O.: Ja.
Warken: Ist die Strichliste noch vorhanden?
W.O.: Glaube ich nicht.
Warken: Bundesregierung?
Wolff: KA, können wir prüfen.
Sensburg: Zwei Datenbanken IP und Wählverkehre. Bis 2012 Datenbank von NSA und BND zusammen geführt?
W.O.: Wählverkehre immer gemeinsam, IP immer getrennt. (!)
Sensburg: Auch heute?
W.O.: Ja. (!)
Sensburg: Können bei gemeinsamer Datenbank Wählverkehre beide gleich zugreifen?
W.O.: Gibt unterschiedliche Rechte. NSA konnte nur BND-Selektoren ablehnen und freigeben, BND konnte nur NSA-Selektoren ablehnen und freigeben.
Sensburg: Auch nicht rückgängig?
W.O.: Ja.
Sensburg: Und wiedereinstellen?
W.O.: Nein, war drin als „disapproved“.
Sensburg: Und nochmal einstellen?
W.O.: Nein, geht technisch nicht.
Sensburg: Und Equations?
W.O.: Nein, keine bei Wählverkehren.
Sensburg: Aber bei IP?
W.O.: Ja.
Sensburg: Beide Datenbanken verlinkt?
W.O.: Nein.
Sensburg: Kann also unterschiedliche Handynummer in Wähldatenbank und in IP-Datenbank geben?
W.O.: Ja. (!)
Sensburg: Missbrauchsgefahr?
W.O.: KA.
Sensburg: Würde es auffallen, wenn in Equation deutsche Handynummer enthält?
W.O.: Ja, beim Einstellen.
Sensburg: NSA konnte das nicht ändern?
W.O.: Nein, nur lesen. Rechteverteilung.
Sensburg: Bei Wählverkehren können sie bis heute ändern?
W.O.: Heute kann kein Amerikaner mehr auf deutsche Systeme schauen.
Sensburg: Heute kann USA auch nicht lesen?
W.O.: Nein.
Sensburg: Seit wann?
W.O.: Seit Ende JSA.
Sensburg: Können sie Selektoren inhaltlich ändern? Also Rufnummer ändern?
W.O.: Nein, Neueinstellung.
Sensburg: Ganze Equation neu?
W.O.: KA.
Fragerunde 2: Linke (13:54)
Hahn: Welche BND-Selektoren hat NSA geprüft?
W.O.: Alle, die in Bad Aibling waren und gesteuert werden sollen.
Hahn: Wird ja Geheimnis um Auftragsprofil des BND (APB) gemacht. Aber USA können das ja aus BND-Selektoren ablesen?
W.O.: USA wissen, wonach BND in Bad Aibling sucht, ja.
Hahn: Aber es wird nicht alles eingespeist in Bad Aibling?
W.O.: Nein, gibt Sperrvermerke. Darf ich das sagen?
Wolff: Ja, grob.
W.O.: Es gibt Sperrvermerke für Selektoren gegenüber bestimmten AND. (!)
Hahn: Wie haben sie Telefonnummern überprüft? Was steht da an Deutung? Ist Deutung auf englisch?
W.O.: Ja.
Hahn: Wie dann Prüfung?
W.O.: Ist Frage an Prüfgruppe, nicht an mich.
Hahn: Als sie noch geprüft haben.
W.O.: Da war Europa nie Thema. G‑10 wäre rausgenommen worden.
Hahn: Händisch?
W.O.: Ja.
Hahn: Bei 15.000 Selektoren?
W.O.: Wurde ja nur Delta geprüft, also nur neue. Masse kleiner.
Hahn: Sie haben Teil der Selektoren gesperrt, aber Zentrale nicht informiert.
W.O.: Ja.
Hahn: Ist denen nicht aufgefallen, dass plötzlich mehrere tausend neue gesperrt sind?
W.O.: Wann?
Hahn: bei Komplettprüfung alle drei Monate.
W.O.: Glaube nicht, dass das auffällt. Aber da müssen sie Prüfgruppe in Pullach fragen.
Hahn: Wie viele Selektoren sind im Regelfall in einer Equation?
W.O.: Eine Telefonnummer mit Wildcards und Blanks.
Hahn: Warum Wildcard?
Wolff: NÖ.
Hahn: Warum?
Wolff: Details der Erfassung. Wie Permutationen funktionieren. NÖ.
Hahn: Werden Deutungen für Equations aktualisiert?
W.O.: Im IP-Bereich gibt es keine Deutungen.
Hahn: Wie ändern sich Bestandteile? E‑Mail-Adresse?
W.O.: Neueintrag innerhalb von Equation. Wird auch geprüft.
Hahn: Wird nur Neueintrag geprüft?
W.O.: Ja, aber bei Ablehnung ganze Equation disapproved.
Hahn: Lassen sich einzelne Selektoren zu Equation zuordnen?
W.O.: Ja.
Hahn: Wie?
W.O.: Es wird immer ganze Equation übermittelt. Aber nur neuer Teil wöchentlich geprüft.
Hahn: Wie?
W.O.: Ein bereits abgelehnter Selektor kann nicht neu eingestellt werden.
Hahn: Werden IP-Selektoren auch auf Satelliten gesteuert oder auch bei Kabel?
W.O.: Beides, auch Eikonal. (!)
Fragerunde 2: Union (14:03)
Sensburg: Treffer aus gemeinsamer Datenbank: Erstellen BND und NSA eigene Meldungen aus Treffern?
W.O.: Datenbank ist nur für Selektoren. Treffer sind unabhängig.
Sensburg: Wie?
W.O.: Treffer von NSA-Selektor geht an NSA, Kopie an BND. Treffer von BND-Selektor geht nur an uns, daran hatte NSA kein Interesse. (!)
Sensburg: Fall: NSA stellt EU-Selektoren ein, bis französischer Politiker in Afghanistan ist und Treffer produziert. Dieser Treffer geht auch zu BND. Was wird damit gemacht? Meldung? Oder löschen?
Notz: Oettinger ist Deutscher.
Sensburg: Oettinger ist guter Mann. Egal, EU-Politiker. Meldungen daraus produziert? Oder gelöscht? Oder Selektoren rausgenommen? Geistiger Gedankengang interessiert mich.
W.O.: Müssen sie jemand von Meldungserstellung fragen. Wäre nicht aufgefallen, weil Europa nicht im Fokus war, nur G‑10. Europa ist kein G‑10. (!)
Sensburg: Wie hat Meldungserstellung reagiert? „Schon wieder so ein Oettinger“? Oder „So what?“
W.O.: KA.
Fragerunde 2: Grüne (14:10)
Ströbele: Sie sagten, 2015 wurden Neueinstellungen eingestellt.
Wolff: Ist nicht Untersuchungsgegenstand.
Ströbele: Ging anderes Programm weiter, ohne Neuzugänge?
Wolff: Haben wir in Beratungssitzung gesagt.
Ströbele: EADS und Eurocopter waren scharf, eh sie die gefunden haben?
W.O.: KA.
Ströbele: Das haben sie weitergemeldet?
W.O.: Ja. Dann Anweisung von G‑10-Juristen 20AB bekommen: rausnehmen.
Ströbele: Keine weitere Anweisung?
W.O.: Nein.
Ströbele: Ihnen war aufgefallen, G‑10?
W.O.: Konsortium mit deutscher Beteiligung.
Ströbele: Sagten, dass sie auf NSAUA-Beweisantrag BND-26 Listen erstellt haben. Haben sie vorher Zeitung gelesen zu Snowden?
W.O.: Ja.
Ströbele: Und?
W.O.: War interessant, was öffentlich wird, und was bei uns im Einsatz ist.
Ströbele: Und Süddeutsche zu Eikonal 2014: EADS, Eurocopter, französische Behörden. Kein Zusammenhang zu ihrem Fund?
W.O.: Dieser Gedankengang hat sich mir nicht erschlossen. (!)
Ströbele: Auch nicht 2013, bei Selektoren-Prüfung in Pullach?
W.O.: Nein, Dr. T. war bei uns und bekam Auszug. Was er damit macht…
Ströbele: Nein, unabhängig davon. In Pullach auch abgelehnte Selektoren gefunden.
W.O.: Weiß ich jetzt, wurde mir erzählt. Damals nicht.
Ströbele: Sie haben ihre abgelehnten Selektoren auch nicht verschickt?
W.O.: Nein.
Ströbele: Und wusste ihr Vorgesetzter, ob Pullach auch prüft?
W.O.: KA. Er hat nur gesagt, wonach ich prüfen soll.
Ströbele: Wie haben sie Prüfung durchgeführt?
W.O.: [Guckt zu Wolff.] (!)
Ströbele: Stand ja in Zeitung.
Wolff: Konkrete Änderungen: NÖ. (!)
Ströbele: Ich war ja selber in Pullach. Ein Mitarbeiter, der sich gut auskennt, hatte die Idee und nach Kriterien gesucht. Davon ahnen sie nichts und machen das selbe nochmal?
W.O.: Ich kontrolliere nicht, was in Pullach passiert?
Ströbele: Wurden ihnen Suchmerkmale mitgeteilt?
W.O.: Nein, mein Auftrag war, in Profil nach Europäern zu suchen. Ich sollte aus dem Internet-Profile eine Liste an Europäern rausziehen.
Ströbele: Wie viele, dürfen sie nicht sagen?
W.O.: Ja. (!)
Ströbele: Im Februar 2015 wurden sie gebeten, das auszudrucken?
W.O.: Ja. (!)
Ströbele: Lag ihnen Beweisbeschluss BND-26 vor?
W.O.: Ja. (! (!))
Ströbele: Waren sie vorher schon mal an Beweisantrag zu NSAUA beteiligt?
W.O.: Ja. (!)
Ströbele: Und da kamen sie nicht auf die Idee, die Akten mit ihrem Ausdruck 2013 zu vervollständigen? Wir beantragten ja „alles, was relevant ist für NSAUA“.
W.O.: [Redet mit Eisenberg.] Ich soll die Frage nicht beantworten.
Ströbele: Warum?
Eisenberg: Hat mit Beweisgegenstand nichts zu tun.
Ströbele: Doch!
Sensburg: Welchen Beweisantrag haben sie bearbeitet?
W.O.: BND-26.
Ströbele: Ja, aber vorher schon andere.
[Eisenberg plappert.]
Wolff: Es gibt verschiedene Beweisanträge.
Notz: Beweisbeshcluss BND‑9. „Alle relevanten Unterlagen für den NSAUA.“ (!)
Wolff: Kann man darüber diskutieren.
Sensburg: Warum Ablehnungsliste nicht schon vorher vorgelegt?
W.O.: Ich weiß nicht, ob ich alle Beweisbeschlüsse gesehen habe und involviert war.
Fragerunde 3: Grüne (14:22)
Notz: Ihr Kollege K.M.: Wie konnten sie sicherstellen, wenn sie K.M. nichts von ihren zehntausend abgelehnten Selektoren erzählen, dass sie die nicht wieder einstellen?
W.O.: Sie konnten sie nicht wieder einstellen. Sie waren ja noch in Datenbank, aber auf abgelehnt gesetzt.
Notz: Dann nicht finnischer Verteidigungsminister, sondern neue finnische Verteidigungsministerin? Müssen fantasieren.
W.O.: Richtig.
Notz: Dr. T. macht etwas in Pullach, sie machen etwas. Zufällig synchron, aber niemand kommuniziert darüber. Zufall des Jahrhunderts?
W.O.: Auf unserer Sachbearbeiterebene wurde da nicht darüber gesprochen. Von anderen Ebenen weiß ich nichts.
Notz: Dr. T. war im Frühjahr 2013 in Bad Aibling?
W.O.: Ja.
Notz: Und ihre Prüfung?
W.O.: August/September 2013.
Notz: Genauer?
W.O.: Erste Prüfung war ein Tag, nach E‑Mails. Dann Mail: „Auftrag löschen.“ Habe nicht gelöscht, sondern auf inaktiv gestellt. Dann habe ich im Internet weiter recherchiert und weitere deaktiviert.
Notz: Circa drei Wochen?
W.O.: Ja.
Notz: Wusste ihr Chef davon?
W.O.: Ich habe Auftrag weiter ausgeführt.
Notz: Dass er mit „löschen“ etwas anderes meint als sie, kann nicht sein?
W.O.: Nein.
Notz: „Löschen!“ ist etwas anderes als „Inaktiv schalten!“
W.O.: Ihm war wohl bewusst, dass in der Datenbank nichts zu löschen ist.
Notz: Man kann da nicht löschen?
W.O.: Ich mit meiner Oberfläche nicht. Vielleicht auf Datenbankebene. Ich nicht.
Notz: Wer hat Ausdruck erstellt für Beweisbeschluss?
W.O.: Ich.
Notz: Im März 2015 sagten sie, dass soll an NSAUA gehen?
W.O.: Ja, ihm Rahmen von BND-26.
Notz: Wer?
W.O.: Ich, möglicherweise Sachgebietsleiter J.Z. (!)
Notz: Fallbeispiel Oettinger. Selektoren führen zu Treffern, die auch beim BND landen. Ist das Kollateralschaden? Sind halt Selektoren der USA? Oder gab es System zur Korrektur?
W.O.: Nein, keine Korrektur.
Notz: haben sie von einem Megaabgleich gehört? (!)
W.O.: Nein.
Notz: Frühjahr 2013?
W.O.: Nein.
Notz: Könnte es sein, das es einen Megaabgleich von Selektoren gegeben hat, von dem sie nichts mitbekommen?
W.O.: Kann sein.
Notz: Wenn Pullach das macht, bekommen sie nichts mit?
W.O.: Nicht unbedingt. Aber irgendjemand muss denen ja die Daten geben. Ich habe die nur Dr. T. gegeben.
Notz: Kann es sein, dass Dr. T. im Mai bei ihnen war?
W.O.: KA.
Notz: Frühjahr?
W.O.: März bis Mai.
Notz: Genauer?
W.O.: Nein.
Notz: Wie erinnern sie sich?
W.O.: KA. War im Frühjahr.
Notz: Kann es sein, dass es Interessenkonflikte zwischen Pullach und Bad Aibling gibt bei Löschaktion?
W.O.: KA.
Notz: Wie bewerten sie, dass heute keine IP-Selektoren von NSA gesteuert werden?
Wolff: Aktueller Sachstand ist kein Untersuchungsgegenstand. (!)
Ströbele: Wann haben sie zum ersten Mal erfahren, dass nicht nur sie im Oktober
20152013 Selektoren geprüft haben, sondern auch Pullach?W.O.: Erst im NSAUA.
Ströbele: Aha. Werden D.B. ja hören. Wenn das in Pullach gemacht, ausgedruckt und an Bad Aibling geschickt wurde: wo kommt das an?
W.O.: Dienststellenleiter.
Ströbele: Was macht der damit?
W.O.: KA.
Ströbele: Sie haben vorher nie davon gehört?
W.O.: Na bei BND-26 und Besuch von Altmaier. (!)
Ströbele: Wurden da die gleichen Selektoren ausgesondert wie bei ihnen?
W.O.: KA.
Ströbele: Haben sie nie abgeglichen?
W.O.: Nein.
Ströbele: Kennen auch nicht Pullachs Kriterien?
W.O.: Nein.
Ströbele: Hat Altmaier die Liste von Pullach mitgebracht?
W.O.: Ich saß bei Sitzung nur drin, habe nichts vorgelegt bekommen.
Ströbele: Telefonieren sie manchmal mit Herrn T.B.?
W.O.: Nein. Nicht mein Vorgesetzter.
Ströbele: Auch beim BND.
W.O.: Ganz anderes Aufgabengebiet. Wir haben nur telefoniert, um abzugleichen, in welchem Hotel wir beim Besuch schlafen.
Ströbele: Inhaltlich nicht geredet?
W.O.: Nein, ist für uns abgeschlossen.
Ströbele: Vor 2008 haben sie händisch geprüft. Waren ja nicht so viele Selektoren. Wie viele ungefähr?
Wolff: Nicht konkret.
Ströbele: 10.000, 100.000?
W.O.: Was ich täglich zu prüfen hatte?
Ströbele: Ja.
W.O.: Täglich unter hundert. (!)
Ströbele: Wie viele insgesamt geprüft 2005 bis 2008?
W.O.: KA. Habe keine Liste.
Ströbele: Nie mehr als hundert?
W.O.: Ja.
Ströbele: Könnte man hochrechnen?
W.O.: Ja, aber ich war ja nicht der Erste, gab ja vorher schon Bestand.
Ströbele: Wurden die auch angeguckt?
W.O.: Zur Quartalsprüfung 2008.
Ströbele: Vorher nicht?
W.O.: nein.
Ströbele: Dabei EADS aufgefallen?
W.O.: Ja.
Ströbele: Dann Anlass, alle anzugucken?
W.O.: Ja, habe in Gesamtbestand geguckt.
Ströbele: Wie viele?
Wolff: NÖ.
Ströbele: Ungefähr?
W.O.: Kann ich nicht sagen. Ich sehe bei Suche nur, wie viele Ergebnis sind, nicht wie viele durchsucht werden.
Ströbele: Wie geht das?
W.O.: Ich habe eine Oberfläche, in der ich Firma EADS in die Suche eingebe, dann bekomme ich nur die Ergebnisse damit zurück.
Ströbele: Sie haben nur die geprüft? Andere nicht?
W.O.: Kann mich nicht erinnern.
Fragerunde 4: Linke (14:40)
Hahn: Wechsel zu europäischen Interessen. Vorher aber schon deutsche Interessen. Wie?
W.O.: Wann? 2008?
Hahn: Und davor.
W.O.: Deutsche Interessen war für mich nicht Europa, nur Deutsche. (!)
[Fünf Minuten Pause. (14:41)]
Zeuge 2: „T. B.“, BND, Sachgebietsleiter (14:53)
Rechtsbeistand ist Johannes Eisenberg.
Name T.B., Anschrift BND, Gardeschützenweg 71–101, Berlin. Alter 54. Kein Eingangsstatement gewünscht.
Fragerunde 1: Vorsitzender
Sensburg: Chronologie Selektoren. Wann haben sie was gemacht?
T.B.: Im Grundsatz war ich offiziell 2003–2007 mit Selektoren in der JSA befasst. Erste kamen aber später. Anschließend hatte ich anderen Dienstposten, dann Selektoren insgesamt zuständig in Bereich TA.
Sensburg: Gesamt ist nicht nur Satellit, sondern Kabel?
T.B.: Ja. (!)
Sensburg: Wann kamen die ersten?
T.B.: 2004 oder 2005.
Sensburg: Vorher Testbetrieb?
T.B.: Natürlich.
Sensburg: 2005 nur Bad Aibling für Satelliten? Oder auch für Kabel?
T.B.: Welche Selektoren? Die von AND? Oder die Gesamtselektoren?
Sensburg: Erstmal die von der NSA.
T.B.: Ich bin nicht sicher. (!) Erstbefüllung von AND wurde nicht in Bad Aibling geprüft, sondern in Pullach. Ob die Teile herausgenommen und verteilt haben, weiß ich nicht.
Sensburg: Oktober 2007. Wo waren sie da?
T.B.: Zentrale in Pullach.
Sensburg: Wie lief es ab da?
T.B.: Informationen, die wir bekamen, standen Nachrichtenbeabeitung zur Verfügung und hätten eingesetzt werden können. Inhaltliche Prüfung machte Nachrichtenbearbeitung.
Sensburg: Wie haben sie mit Nachrichtenbeabeitung kommuniziert?
T.B.: Nachbarreferat.
Sensburg: Dürfen sie das wissen?
T.B.: Bearbeitung steuert.
Sensburg: War normal, dass sie das wissen?
T.B.: Ja.
Sensburg: Schön. Treffer von Selektoren: Was macht die Nachrichtenbeabeitung?
T.B.: Schaut Ergebnisse an und bewertet, ob die interessant sind.
Sensburg: Fiktiv: US-Selektor nicht G‑10-relevant, Beispiel E‑Mail mit @*.fr oder @*europa.eu. Bis Anfang 2013 war das approved, richtig?
T.B.: Theoretisch möglich, ja.
Sensburg: Wahrscheinlich auch praktisch. Wenn dieser Selektor Treffer erzielt, geht der an Nachrichtenauswertung?
T.B.: Ja. (!)
Sensburg: Wie viele Fälle dieser Art gab es?
T.B.: IIRC keine. (!)
Sensburg: Warum keine?
T.B.: Für mich als Mathematiker ist das schlüssig. Selektor ist für Ergebnis notwendig, aber nicht hinreichend. (!) Zu meiner Zeit in Bad Aibling hat ein Satellit 500 Träger, Bad Aibling sieht 200 Satelliten. Das sind 100.000 Träger. 50 Erfassungen sind 0,5 Promille. Sie wollen aber nur Ergebnisse zu ihrem Auftrag. Selektoren sind nur ganz keiner Teilbereich der gesamten Steuerung. Signalabklärung, Steuerung der Erfassung. Nicht jeder Selektor trifft auch.
Sensburg: Europäische Selektoren könnten Glück gehabt haben, weil sie nicht in diesem Zielbereich waren?
T.B.: Ja. Die waren einfach nicht dabei.
Sensburg: Kann man auch als Glück statt gezielt bewerten. Hatten eben das Beispiel von EU-Kommissar Oettinger, der nach Afghanistan fährt und dort per E‑Mail von @ec.europa.eu kommuniziert per Satellit. Theoretisch könnte das Treffer erzeugen?
T.B.: Ja. (!)
Sensburg: Dann müsste aber auch genau die Strecke abgegriffen werden?
T.B.: Ja.
Sensburg: Wenn das so war, hat die Nachrichtenbearbeitung das gehabt?
T.B.: Ja, die hätten das auf dem Tisch gehabt und das wäre aufgefallen.
Sensburg: Sie wissen aber nicht, ob das passiert ist?
T.B.: Ja.
Sensburg: Wie hat sich Zahl der Selektoren entwickelt 2005, 2008, 2013, 2015?
T.B.: Prinzipiell immer mehr geworden. Gab zwar Updates mit Löschungen, aber von Tendenz immer mehr. Kaum jemand schmeißt einen Selektor weg. Ein zusätzlicher Eintrag schadet nicht. Geht aber nicht an Datenschutzrecht vorbei.
Sensburg: Zu wie vielen Treffern haben die Selektoren 2008 geführt?
T.B.: Gibt keine direkte Statistik.
Sensburg: Wie viel circa?
T.B.: Prozentzahl kann ich ihnen nicht geben. Manche Strecken haben zweimal pro Woche eine wichtige Meldung, die den Aufwand lohnt. Andere haben täglich 500 Treffer. Andere haben täglich 5.000 Treffer, ich kann aber nur 20 verarbeiten, z.B. weil ich sie nicht übersetzen kann. (!) Keine pauschale Antwort möglich.
Sensburg: Wie groß war „initial load“ der Selektoren beim Befüllen? Wurde die G‑10-geprüft?
T.B.: Ja, 2005. Außerhalb G‑10 gab es keine Einschränkung. Also keine gesetzliche, aber halt durch APB und MoA. Nicht nur Frage der Selektoren, auch betriebswirtschaftlicher Einsatz der Mittel, sonst beschwert sich Rechnungshof.
Sensburg: Warum nicht nach Europa geprüft? Weil eh nur Afghanistan?
T.B.: Bin nicht ganz sicher, dass europäische Selektoren drin waren. Habe initial load nicht nochmal angeguckt.
Sensburg: EADS und Eurocopter sind aufgefallen.
T.B.: Bei einem Update. Und die sind aufgefallen,.
Sensburg: Spätestens dann muss man ja geahnt haben, dass auch kontraproduktive Selektoren drin sind.
T.B.: Diese Selektoren waren Ausnahmen. Auch danach ist in der Form nichts aufgefallen. Wir haben aber auch nicht explizit danach gesucht. Die initial load war angepasst auf Auftrag und MoA. Der AND hatte aus eigenem Interesse nicht alles eingestellt, was er weltweit einstellt. Diese Selektoren waren wohl Fehler in deren Prozess, die sie eher vermeiden wollten. (!)
Sensburg: ND darf doch AND nicht trauen, sondern muss prüfen. Oder?
T.B.: Ja. Als AND aus gemeinsamer Dienststelle abgezogen ist, hätten wir erkennen müssen, dass Vorfilterung wegfällt und wir genauer gucken müssen.
Sensburg: Wann?
T.B.: Herbst 2012.
Sensburg: Ein Jahr später Snowden. Dann Prüfung nach europäischen Selektoren. Auslöser? Warum europäische Selektoren? Warum Sensibilität?
T.B.: KA. Kann mir vorstellen: „Ausspähen unter Freunden – das geht gar nicht.“ (!) Kam von höherem Vorgesetzten. Aber Spekulation.
Sensburg: Wurden bestimmte Selektoren mal händisch rausgenommen? „Nimm mustermann@hotmail.com raus“?
T.B.: Ja. (!) Die ersten waren EADS und Eurocopter. Auch Nachfrage von Dienststelle an Zentrale, regelmäßigere Prüfung. Dann Mitte 2008 Verfahren umgestellt.
Fragerunde 1: Linke (15:20)
Hahn: Wie für heute vorbereitet? Unterlagen?
T.B.: War gestern in Dienststelle und habe Akten gelesen.
Hahn: Eigenen Protokolle nochmal durchgesehen?
T.B.: Unmittelbar vor dieser nicht, aber letztes Mal.
Hahn: Sie sagten letzte Mal, das alles in Ordnung war. Seitdem gab es aber neue Medien-Veröffentlichungen. Wollen sie Aussagen korrigieren? Wahrheitspflicht.
T.B.: Nein. (!) Habe die ja auch damals gelesen und korrigieren müssen. Habe nur einmal einen Teil der geheimen Sitzung ändern lassen.
Hahn: Sie waren doch bis 2014 mit Selektion befasst?
T.B.: Ja.
Hahn: In der Presse stand, dass Daten ungefiltert an CIA gingen. Und dass aus Bad Aibling Rohdaten an NSA gab? Medienberichte falsch?
T.B.: Ja.
Hahn: Alle Medienberichte sind falsch?
T.B.: Welche?
Hahn: Der Spiegel am 04.09.2015: Die Legende von Hilden. „Daten ohne jede Filterung direkt an CIA weitergeleitet“.
T.B.: Kann ich das lesen? [Bekommt Spiegel-Artikel und liest.] [Geht zu Wolff und bespricht Artikel mit ihm.] Zu diesem Artikel kann ich nichts sagen. Mit dieser Operation war ich nicht betraut. Damals war ich auch noch in Bad Aibling. Die beiden ANDs (NSA und CIA) hat man auch strikt getrennt. (!)
Hahn: Sie sind bei Materialfluss nur für einen AND zuständig?
T.B.: Damals war ich noch in Bad Aibling. Als ich zum Materialfluss kam, war diese Operation beendet.
Hahn: Bei laufenden Operationen ging nichts ungefiltert an AND?
T.B.: Ja. (!)
Hahn: Auch keine Metadaten?
T.B.: Genau. (!)
Hahn: Wofür sind sie zuständig?
T.B.: Als ich in Bad Aibling war, waren Selektoren Steuerungsinstrument. Die mussten nach Gesetzen beider Länder geprüft werden: G‑10 und MoA. Bei Steuerung waren Selektoren eher nachgeordnet. Gesamtprozess war sehr viel komplexer als Selektoren einzustellen oder nicht. Wir haben versucht, die Systeme zu verstehen: Wie tickt das System? Da nehmen sie auch mal die Arbeitsweise der anderen und sehen sich Input und Ergebnisse an. Haben wir auch mit unseren Methoden verglichen. Viel Aufwand. Haben sehr intensiv draufgeguckt, was wurde eingesteuert und was kam raus. Kann sehr sicher, dass nichts zu EU rauskam. Hätte auch interveniert. Ab 2007 bis 2014 als für Gesamtsystem zuständig war, ging es darum, wie man in der TA gesamt sieht, was G‑10 ist und was eingesteuert wird. Verantwortung für einen Selektor ist da in der Nachrichtenbearbeitung, weil die sagen können, was drinsteht. Terroristen in London durfte ich nicht in Bad Aibling einsteuern.
Fragerunde 1: SPD (15:31)
Flisek: Sie haben die Protokolle nochmal gelesen?
T.B.: Ja.
Flisek: Haben sie Aussagen ihrer Kollegen W.O., D.B., W.K., … verfolgt?
T.B.: Teilweise. (!)
Flisek: Haben sie etwas hinzuzufügen oder richtig zu stellen?
T.B.: Fragen sie konkret.
Flisek: Hatten sie mit Zeugen W.O. zu tun?
T.B.: Es gab einen Kontakt, als die Vertrauensperson der Bundesregierung beim BND war, war ich auch in der Außenstelle. (!)
Flisek: Sie hatten jetzt ganz aktuell erstmals Kontakt?
T.B.: Bis 2014 haben wir zusammen gearbeitet.
Flisek: Ich habe gefragt, ob sie damals mit W.O. Kontakt hatten.
T.B.: Ja. Wir arbeiteten zusammen?
Flisek: Wann?
T.B.: Spätestens seit seinem Wechsel nach Bad Aibling 2005 war er mein Mitarbeiter. Bis zu meiner Wegversetzung 2014.
Flisek: Ist ihnen bekannt, dass er bei W.O. mal etwas außergewöhnliches in den Selektoren gefunden hat?
T.B.: EADS und Eurocopter. (!)
Flisek: Und was sagte er?
T.B.: „Ist zwar nicht G‑10, aber hätte Bauchschmerzen, das freizugeben.“
Flisek: Und dann?
T.B.: Haben wir das nicht freigegeben.
Flisek: Wann?
T.B.: 2005.
Flisek: Sie haben laut Protokollen erklärt, dass EADS und Eurocopter nur fiktiv war und nie passiert ist! (!)
T.B.: Laut meiner Erinnerung. (!)
Flisek: „Nicht, dass es in dieser Form versucht worden wäre. Ist nicht passiert.“ „Das ist ein rein fiktives Beispiel. Das ist reine Theorie.“ (!)
T.B.: War es damals. (!) Mittlerweile weiß ich, dass es das nicht war. (!)
Flisek: Aber heute können sie sich ganz genau erinnern?
T.B.: Ja. Weil ich mich mit Unterlagen vorbereitet habe. (!) Mein Gedächtnis hatte mich betrogen. (!) Kam ja nicht jede Woche durch, ist durchgerutscht und war wieder weg.
Flisek: Wenn das so wäre, wie sie das schildern, hätten sie das ja sagen können. Aber diese Vorfälle waren damals schon Aktenkundig. Zeuge W.O. hatte uns gerade gesagt, dass unser fiktives Beispiel Mail-Adresse guenther.oettinger@ec.europa.eu von USA bis 2013 scharf gestellt wäre. Schließen sie sich dieser Bewertung an?
T.B.: [Pause.]
Flisek: Hat er sehr klar gesagt, nicht einschränkend.
T.B.: Ich vermute, dass er Recht hatte. (!)
Flisek: Worauf stützen sie diese Vermutung?
T.B.: Die Adresse fällt nicht unter G‑10. (!)
Flisek: Sobald eine G‑10-relevante Person in einer E‑Mail-Adresse mit einer Top-Level-Domain außer .de „versteckt“ wäre, wäre es sehr schwer, diese herauszufiltern?
T.B.: Ja. Hundertprozentige Sicherheit gibt es bei IP nicht.
Flisek: Ja. Aber sie suggerieren, dass sie nah dran sind. Nicht, dass ich Oettinger für besonders schützenswert halte. Aber es gibt viele Top-Level-Domains mit .com und .eu und so weiter. Da bezweifle ich, dass wir auch nur annähernd nah an 100 % sind, eher löchrig wie Schweizer Käse.
T.B.: Ist sehr juristisch. Sprechen sie mit Juristen.
Flisek: Tun wir. Jetzt sprechen wir mit ihnen.
T.B.: Technisch ist das sehr schwierig. Ist immer nur so gut, wie die Filter. Die verbessern wir kontinuierlich. Aber es ist klar, dass es die 100 % nicht gibt. (!)
Flisek: Sie sind Mathematiker. Wurde dieses Problem erkannt und methodisch behandelt? Oder weiter einfach *.de gefiltert?
T.B.: Natürlich. Nicht nur Top-Level-Domains, sondern auch weitere Filter. Details NÖ.
Flisek: War ihnen MoA bekannt?
T.B.: Natürlich.
Flisek: Welche Prüfkriterien waren daraus ableitbar?
Wolff: MoA NÖ.
Flisek: Anders: spielten deutsche Interessen eine Rolle?
T.B.: Wir haben gemeinsam mit AND besprochen was geht und kritische Dinge rausgenommen. Das entsprach deutschen Interessen.
Flisek: Konnte Satz nicht folgen. Was war Aussage?
T.B.: In MoA gibt es einen Teilbereich, der mit Tätigkeitsfeld/Arbeitsbereich der gemeinsamen Operation zu tun hatte. Von beiden Seiten haben sich Entscheidungsträger sehr genau überlegt, was man mit dem anderen machen darf. Man suchte die Dinge heraus, die im gemeinsamen Interesse sind und nicht gegen die eigenen Interessen verstoßen. Also waren Verstöße gegen deutsche Interessen ausgenommen.
Flisek: Nachgelagert nach G‑10 waren also deutsche Interessen als Prüfauftrag?
T.B.: War bei Formulierung des MoA.
Flisek: Was wurde dann an Erfassungsstellen weitergegeben?
T.B.: Aufträge. G‑10-Erfassungen durften nicht gemacht werden mit AND.
Flisek: Wurde zu ihrer Zeit jemals ein Selektor wegen Verstoß gegen deutschen Interesse ausgefiltert, außer EADS und Eurocopter?
T.B.: Kenne nur die Fälle. (!)
Flisek: War die Prüfung auf deutsche Interessen bis 2013 höchst fragwürdig?
T.B.: Nein, nur zwischen 2012 und 2013.
Flisek: Warum?
T.B.: 2012 sind Mitarbeiter des AND abgezogen. Da gab es einen Bruch in Vorabprüfung des AND, eh der Selektoren an uns gab. Details NÖ. Details über Arbeitsweise und Zusammenarbeit.
Flisek: Vor 2012 war es besser?
T.B.: Ja.
Flisek: Weil USA deutsche Interessen geprüft haben?
T.B.: Nein. Sie haben geprüft, welche Selektoren dem MoA entsprechen.
Fragerunde 1: Grüne (15:50)
Notz: War 2012 Paradigmenwechsel beim BND in Erfassung? Gab es andere Veränderungen?
T.B.: KA, worauf sie hinaus wollen.
Notz: Was fällt ihnen ein?
T.B.: [Pause.]
Notz: Hausanweisung? Neuinterpretation?
T.B.: Ich weiß, dass seit Ausspruch der Kanzlerin „Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht“ Dinge anders sind.
Notz: Ein Jahr vorher. Keine Hausanweisung?
T.B.: Ist mir nicht erinnerlich.
Notz: Schließen es auch nicht aus?
T.B.: Zu 90 %. Aber ich habe mich ja schon mal geirrt. (!)
Notz: Kennen sie MoA mit allen Annexen?
T.B.: Ja. (!)
Notz: Woher wissen sie das? Manche BND-ler kennen nicht alles?
T.B.: Kenne alles schriftliche.
Notz: Gibt es mündliche?
T.B.: Mir ist nicht bekannt, das es einen Teil gegeben hätte, den ich nicht kannte.
Notz: Nach „Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht“ wurde untersucht. W.O. hat untersucht. Haben sie etwas mitbekommen?
T.B.: nein.
Notz: Nichts?
T.B.: Nein. (!)
Notz: Auch nichts erzählt?
T.B.: Nein.
Notz: Nicht mitbekommen, dass zehntausende Selektoren überprüft und herausgenommen wurden?
T.B.: Nein.
Notz: Ist bekannt, das IP-Datenbank im Mai 2015 abgeschaltet wurde und nicht mehr von USA genutzt wird?
T.B.: [Redet mit Eisenberg.] Außerhalb des Untersuchungszeitraums.
Notz: Alles war in Ordnung, aber mittlerweile hat man seinen ganzen Tätigkeitsbereich abgeschaltet, weil es nicht in Ordnung ist. (!) Wie viele Prozent der Selektoren waren überhaupt G‑10-filterbar?
T.B.: Verstehe die Frage nicht. Darf nur einstellen, was überprüft wurde.
Notz: Wir bekommen nur Beispiele mit .de-Top-Level-Domain, wobei auch Taliban einfach @web.de nutzen können. Aber wie filtern sie einen IMEI? „G‑10 war oberstes Gebot.“ Wie filtern sie MAC-Adressen, IMEIs, WLAN-Standortdaten nach G‑10?
T.B.: NÖ. (!)
Notz: Alles ist in Ordnung, aber die können es nicht sagen, wie?
T.B.: NÖ. (!)
Notz: Prozentualer Anteil bei Selektoren von E‑Mail-Adressen zu schwierig filterbaren Selektoren?
T.B.: NÖ. (!)
Notz: Ist die G‑10-Filterung von Inhaltsdaten oder Metadaten?
T.B.: Anderes Thema.
Notz: Ja.
T.B.: Selektoren werden G‑10-geprüft. Und Erfassung wird nochmal G‑10-geprüft.
Notz: Kann es sein, dass Metadaten unkomplizierter gefiltert werden und straight an die USA gehen?
T.B.: Nein.
Notz: Warum?
T.B.: Müssen Metadaten anders filtern als Inhalte. Details NÖ. (!)
Notz: Wann haben sie das erste Mal von Löschung von W.O. im August 2013 gehört?
T.B.: Herbst 2013.
Notz: Von wem und wie?
T.B.: Im August war ich im Urlaub. Danach habe ich davon mitbekommen.
Notz: Ich empfinde das als Korrektur ihrer Aussage, dass sie davon nichts mitbekommen haben.
T.B.: Ich war im Urlaub. Sie fragten explizit nach Daten, die Herr Oppermann gelöscht hat.
Notz: Kann das ein Megaabgleich gewesen sein?
T.B.: Was verstehen sie darunter?
Notz: Ich weiß es nicht, es ist nicht meine Bezeichnung, ich bin ihr begegnet. (!)
Fragerunde 1: Union (16:01)
Warken: Sie waren Leiter der JSA. Worüber hat ihr Mitarbeiter W.O. sie informiert?
T.B.: Waren im regelmäßigen Austausch. Habe nicht wöchentlich Ablehnungen gesehen.
Warken: Über problematische Dinge berichtet?
T.B.: Ja.
Warken: Und dann Veränderungen? Qualitätsmanagement? Vorgaben?
T.B.: Problematische Dinge waren nur EADS und Eurocopter. Einzelfälle. War Routinevorgang. Eingefasste Prozesse ohne Probleme.
Warken: EADS und Eurocopter waren auf approved gestellt?
T.B.: Nein.
Warken: W.O. hatte das an G‑10-Referat gemeldet. War das ihr Auftrag?
T.B.: Er hatte sich am mich gewendet. Ich habe gesagt, dass es nicht G‑10, aber raus soll. Und an G‑10-Referat gemeldet. Hatten auch öfters Besuch von denen.
Warken: Wie hat G‑10-Referat reagiert?
T.B.: Keine Auswirkungen. War ja kein G‑10. EADS war damals 40 % deutsch. Regel war: mindestens 50 %. (!) Kein G‑10, aber gegen deutsche Interessen, als Konkurrent zu Boeing.
Warken: Andere Grenzfälle? System der USA?
T.B.: Nein. Haben nicht systematisch gesucht. Initial load war ja von Zentrale geprüft, viel bei Update auf. War dann aus unserer Sicht vom Tisch.
Warken: Er sei über die Begriffe „gestolpert“. Wie gestolpert? Update?
T.B.: Update bedeutet regelmäßige Lieferung neuer Selektoren. Normaler Prozess. Alles, was eingestellt wurde, musste approved werden damals.
Warken: Wie funktioniert nachgelagerte Prüfung nach deutschen Interessen?
T.B.: Wir gucken ein kleines bisschen stärker rauf.
Warken: Per Stichprobe?
T.B.: Ja. (!)
Warken: Warum Prüfung von Bad Aibling nach Pullach verlagert? Welchen Umfang hatte Selektorenliste?
T.B.: Wenn Menschen Dinge suchen, passieren Fehler. Wenn sie das automatisieren, können sie sicher sein, dass der Listenabgleich zu 100 % funktioniert. Das war der Hauptgrund. Technik nutzen, Menschen entlasten. Umbau dauerte eine Zeit, bis es funktionierte. Dann aber genutzt. Zweiter Aspekt auch Verbesserung von G‑10-Erkenntnissen. Wer vor einer Woche noch als Ausländer galt, kann doch Grundrechtsträger sein. Im Nachgang muss auch der raus. Das geht nicht händisch.
Warken: Warum Anstieg der zu prüfenden Selektoren? Ausweitung der Interessen?
T.B.: Nein, Technik. Details NÖ.
Marschall: Kann man nicht prophylaktisch Personen mit Grundrechtsschutz aktiv herausfiltern, wie Günther Oettinger, der ja Grundrechtsträger ist? Haben sie daran nicht gedacht?
T.B.: Es gab dazu auch Ansätze. Details NÖ. (!)
Schipanski: Bei Oettingers Mail-Adresse nicht nur Top-Level-Domain hinten, sondern Namen vorne. Günther Oettinger etwas anderes als Mohammed Abdullah. (!)
T.B.: Hat man probiert, aber nicht systematisch, sondern nur sporadisch. (!)
Schipanski: Automatisiert, nicht 100 Prozent. Aber nachgearbeitet. Da trifft man dann diese Entscheidung?
T.B.: Ja.
Warken: Hat NÖ-Antwort zu Marschall etwas mit G‑10-Positivliste zu tun?
T.B.: NÖ. (!)
Warken: Kennen sie Bericht Besuch G‑10-Referat 20AB in Bad Aibling, 15.02.2008?
T.B.: Nein. Vermutung: Wie sind Ergebnisse zu Test der G‑10-Filterung bei IP zu werten?
Warken: Bericht vorlegen: Ziffer 3. Darstellung des Ist-Zustandes. „Über Einführung eines automatisierten Verfahrens zentral in Pullach nachdenken. Bisher wird die Einstellung der USA-Selektoren händisch geprüft, wir regen Stichproben an.“ Was bedeutet „Einstellung nach Rücksprache nach 20AA“? MAT A BND-38a/BND-39a, Blatt 17 ff. Dazu etwas sagen?
T.B.: 20AA ist ja nicht nur Recht, sondern auch Policy-Aspekte.
Warken: Welche?
T.B.: Was steuere ich wo ein? Welche Dienststelle innerhalb der TA hat welche Aufgaben?
Warken: Wie muss ich mir Rücksprache vorstellen?
T.B.: Dieser Bereich macht eigentlich keine G‑10-Fragen. Eher politisch: was ist heiß, wie muss ich das Ganze betrachten. Aber ich weiß es nicht.
Warken: Wäre das der Bereich, der bewertet, ob Günther Oettinger heiß ist und gesteuert werden darf?
T.B.: KA.
Warken: Dort steht „stichprobenartig prüfen“. Passierte vorher nicht?
T.B.: So lange ich in Bad Aibling war, wurden Telefonnummern insgesamt geprüft. Bei IP wurden auch Selektoren komplett geprüft. KA, was hier gemeint ist.
Warken: „Stichprobenartig“?
T.B.: Wir haben komplett geprüft.
Warken: Weiter: „Seit Herbst 2007 wurde durch LA60 in manueller Strichliste festgehalten, welche E‑Mails an JSA weitergegeben wurden. Bei 30.000 Verkehren gab es in drei Fällen eine nicht erkannte G‑10-Relevanz, zweimal reine Serverkommunikation. Also wurde Strichliste eingestellt.“ Als sie Bad Aibling 2007 verließen, gab es die Strichliste schon?
T.B.: Nein, gab damals noch keine Produktion, sondern nur Tests.
Warken: Aber sie kennen die Strichliste? Ab wann gab es die?
T.B.: Nachdem ich weg war.
Warken: Haben sie die gesehen?
T.B.: Nein.
Warken: Ist die noch vorhanden?
T.B.: KA.
Warken: Strichliste und Verfahren sagt ihnen nichts?
T.B.: [Liest.] Nein.
Warken: Ganzes Prozedere unbekannt?
T.B.: Da war ich schon weg. War im engen Zeitraum, in dem es da draußen eine Produktion im IP-Bereich gab. (!)
Warken: Wann?
T.B.: Nach Oktober 2007, bis Anfang 2008. Mir wurde damals eingetrichtert: „Ein einziger G‑10-Verstoß ist einer zu viel.“ Die Ziffer 5 hier hätte bedeutet, dass ich das einstellen muss, dass das nicht geht. (!)
Sensburg: Selektoren zu EADS und Eurocopter waren scharf gestellt?
T.B.: Nein, waren nicht approved. (!)
Sensburg: Was heißt das?
T.B.: Wurden eingestellt als „pending“, dann aber „disapproved“, also weggefallen, nicht in Erfassungssystem übertragen.
Sensburg: Ich lasse ihnen eine eingestufte Textpassage vorlegen. Ist das dann immer noch so? Aus Geheimschutzstelle.
T.B.: [Liest.] Ich kenne die Original-E-Mail.
Sensburg: Wollte ich gar nicht sagen.
T.B.: Ist etwas unglücklich formuliert.
Sensburg: Hier entsteht ein anderer Eindruck?
T.B.: Ja.
Fragerunde 2: SPD (16:31)
Flisek: G‑10-Positivliste?
T.B.: NÖ.
Flisek: Gibt es. Abstrakt. Kann ich davon ausgehen, dass diese Positivliste gefüttert wird nur durch Auftreten kritischer Selektoren?
T.B.: NÖ.
Flisek: Ist da fiktiverweise die aktuelle Bundesregierung drin?
Eisenberg: Kein Untersuchungsgegenstand.
Flisek: Doch.
T.B.: NÖ.
Flisek: Deutliche Aussage zu fiktivem Beispiel Oettinger. Deutschland hat ja nicht 100 Kommissare, sondern einen. Der war nicht drauf?
T.B.: Ich habe die Liste nicht im Kopf. (!)
Flisek: Ist das eine Mischung aus Klarnamen, Kennzeichen, Vorwahlen.
T.B.: 0049 brauchen sie da nicht. Details NÖ.
Flisek: Oettinger wäre bis 2013 wahrscheinlich scharf gestellt geworden?
T.B.: Kann ich nicht ausschließen.
Flisek: Weil die NSA 2012 aus der JSA abgezogen sind.
T.B.: Ja.
Flisek: Details NÖ?
T.B.: Ja.
Fragerunde 2: Grüne (16:35)
Ströbele: Ich werde ungern belogen. Ich wollte sie letztes Mal zur Wahrheit bewegen, es ist mir nicht gelungen. Wie kamen sie ausgerechnet auf das ganz fiktive Beispiel EADS?
T.B.: KA. Vielleicht war es irgendwo im Hinterkopf. Durch Unterlagen stellte ich fest, dass es leider doch kein fiktives Beispiel war.
Ströbele: Oder wussten sie schon damals, dass es real war, aber waren der Meinung, dass sie das nicht sagen dürfen?
T.B.: Nein. Entschuldigung. Ich wollte sie nicht anlügen. Habe es später erfahren.
Ströbele: Wann?
T.B.: Bei Beweisbeschlüssen.
Ströbele: In diesem Jahr?
T.B.: Ja.
Ströbele: Dass die nicht scharf gestellt waren, steht auch in Unterlagen?
T.B.: Ja.
Ströbele: Wo?
T.B.: Nicht in der Mail.
Ströbele: Nach Februar 2015?
T.B.: Ja, als das aufgearbeitet wurde.
Ströbele: Wann haben sie das Protokoll bekommen?
T.B.: Aussage war ja im November, innerhalb einer Woche. Eh ich davon erfahren habe.
Ströbele: Das war ja eine Falschaussage. Das wäre ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Warum haben sie das nicht korrigiert, als sie davon erfahren haben?
T.B.: Ich sollte nach meiner Erinnerung bestmöglich die Wahrheit sagen, das habe ich getan. (!)
Ströbele: Aber sie haben ja erfahren, dass das nicht stimmt.
T.B.: [Redet mit Eisenberg.]
Sensburg: Belehrung heißt nicht bestmögliche Wahrheit, sondern Wahrheit.
T.B.: Ich muss mich auf Sitzung vorbereiten. Das habe ich getan. Selektoren waren erst später Schwerpunkt. (!) Ich habe mich bestmöglich darauf vorbereitet, was ich für Schwerpunkt gehalten habe. Tut mit leid. Ich habe auch nicht alle Unterlagen des NSAUA nachgearbeitet, in vielen bin ich nicht unmittelbar betroffen. Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen nach meiner Erinnerung ausgesagt. Ich habe erst in diesem Jahr erfahren, dass das nicht fiktiv war. Dafür habe ich mich entschuldigt. Ich wusste nicht, dass ich das Protokoll später korrigieren muss, wenn mir das bekannt wird. Tut mir leid.
Ströbele: Ich habe auch noch Zweifel an anderen Aussagen. Sie sagten, dass sie dicht am Arbeitsplatz von W.O. saßen und viel mitbekommen haben. Der sagt vorhin, wir er 2013 die Selektoren geprüft hat und zehntausende Selektoren gefunden hat, die da nicht reingehört haben. Und die sagten, dass sie davon nichts wissen und mitbekommen haben.
T.B.: Unmittelbar habe ich es nicht mitbekommen.
Ströbele: Und mittelbar?
T.B.: Als ich mich vorbereitet habe.
Ströbele: Ganz gravierender Vorgang, der die halbe Republik umtreibt, die sich dafür interessiert. Chef-BK war bei ihnen, Vertrauensperson eingesetzt. Und sie wurden erst danach informiert?
T.B.: Ich bin seit Oktober 2014 nicht mehr in diesem Bereich. Habe die Aufregung nur am Rande mitbekommen.
Ströbele: Sie wussten nichts von Untersuchung neben ihrem Arbeitsplatz?
T.B.: Nein, nur in der Zentrale. Ich war im Urlaub, als Referent bei mir Selektoren durchsucht hat. Die Prüfung, die W.O. auf Anweisung seines Vorgesetzten gemacht hat, davon habe ich gestern gelesen.
Ströbele: Wussten sie von ausgesonderten Selektoren?
T.B.: Ist ganz normale Arbeitsweise, dass gefundene Selektoren gelöscht werden.
Ströbele: Haben sie sich darum bemüht?
T.B.: War schon passiert, als ich aus Urlaub zurück kam.
Ströbele: Wurde ihnen berichtet?
T.B.: Ja.
Ströbele: Wo wurden die gelöscht? Bei ihnen oder in Pullach?
T.B.: Ich war damals in Pullach, die wurden in Bad Aibling gelöscht.
Ströbele: Wie kam Außenstelle dazu, die zu löschen? Wurden die per Mail geschickt?
T.B.: Ich war im Urlaub.
Fragerunde 2: Union (16:47)
Warken: Schindler hat hier über die G‑10-Positivliste öffentlich gesprochen. Können sie auch.
Sensburg: Wurden abgelehnte Selektoren gelöscht oder disapproved?
T.B.: Nach 2008 wurden Verfahren und Technik in Bad Aibling umgestellt. Ich weiß nicht, ob die gelöscht oder disapproved wurden.
Sensburg: Wie war das ursprünglich? 2005 initial load. Wie von da bis 2008 mit Selektoren umgegangen, die nicht aktiv sein sollen?
T.B.: Bis zu automatisierter Überprüfung vor Ort von pending auf disapproved gestellt.
Sensburg: Dachte ich auch. Man kann aber auch löschen. Bleibt das ewig drin?
T.B.: In der Zeit vom Aufbau haben wir disapproved-Datensätze behalten. Wir wollten wissen, ob AND Schweinereien probiert, die zweimal abgelehnt werden, aber beim dritten mal durchrutschen.
Sensburg: Also nichts gelöscht?
T.B.: Nein.
Sensburg: Und nach ihrer Zeit?
T.B.: KA.
Sensburg: Ist ihnen bekannt, dass mal nicht disapproved, sondern gelöscht wurde?
T.B.: Andere Diskussion. In diesen Jahren zwischen 2005 und 2015 wurden auch datenschutzrechtliche Aspekte zunehmend bewusster geworden. Disapprovte Selektoren müssen aus datenschutzrechtlichen Aspekten nach gewisser Zeit gelöscht werden. (!)
Sensburg: Gelöscht oder geflaggt?
T.B.: Wie 2013 damit in Bad Aibling umgegangen wurde, weiß ich nicht.
Sensburg: Könnte auch sagen „löscht sie“ und dann sind sie weg?
T.B.: KA.
Sensburg: Wir sprechen immer von Listen. Was für Listen? Haben sie eine in der Hand gehabt?
T.B.: Ja.
Sensburg: Welche?
T.B.: Wenn sie Selektoren aus Datenbank ziehen, werden die in einem Format exportiert. Das ist ein Listenformat, das man weiter verarbeiten kann.
Sensburg: Export in anderes Dateiformat?
T.B.: Ja, beispielsweise als CSV.
Sensburg: Noch Datei. Datei oder Ausdruck?
T.B.: In der automatisierten Prüfung wurden Dateien übergeben, keine Ausdrucke. (!)
Sensburg: Wann wurde ausgedruckt?
T.B.: AFAIK nicht. Das macht keinen Sinn. (!) Wäre ja blödsinnig, die Auszudrucken.
Sensburg: Denken wir auch. Aber andere erzählen uns von Listen. Und von Papierlisten per Bote. Ist das unüblich? Geht das nicht per E‑Mail im internen Netz? Schonmal vorgekommen?
T.B.: Ausdruck und Bote nicht. Eher Datenträger und Bote. Aber eher wegen Dateigröße, aber schon elektronisch.
Sensburg: Selektoren-Datenbank sehr große Datei? Viele Gigabyte? Oder geht das auf einen USB-Stick?
T.B.: Gesamtliste verschicken sie nicht per E‑Mail,relativ umfangreich.
Sensburg: Wie verschicken sie die?
T.B.: Es gibt Möglichkeiten.
Sensburg: Warum macht man das?
T.B.: Dass man regelmäßig überprüft, was sich an G‑10-Erkenntnissen geändert hat.
Sensburg: Haben Pullach und Bad Aibling Zugriff auf die Gesamtdatenbank?
T.B.: Selektoren für Bad Aibling lagen in Bad Aibling, gerade die vom AND. Für eigene Selektoren gab es eine Entwicklung, um technisch nicht so prickelnde Lösungen zu einem Gesamtsystem zu vereinheitlichen. Zugriff auf Datenbanken mit regelmäßigen Updates war in Bad Aibling und hatte nur dort Zugriff. Die haben Pending-Fälle oder auch Gesamtdatei exportiert und an die Zentrale gegeben.
Sensburg: Meine Mutter sagt: „Ich geb dir eine E‑Mail.“ Wo wurden die hingegeben?
T.B.: Teile per E‑Mail. Andere Teile per gemeinsamen Verzeichnissen.
Sensburg: Ist mir ein Rätsel, warum man Listen ausdrucken muss.
T.B.: Kann sein, dass auch dieser Ausdruck unglücklich ist. Ein Techniker kann auch einen Datenbankausdruck als CSV als „Liste“ bezeichnen.
Sensburg: Konnte man nach 2008 auch von Pullach auf die Gesamtdatei der NSA-Selektoren in Bad Aibling zugreifen?
T.B.: Nein, ist mir nicht bekannt.
Fragerunde 3: Grüne (17:03)
Notz: Wann waren sie im Sommer 2013 im Urlaub?
T.B.: Worauf zieht ihre Frage ab?
Notz: Wohin die Reise ging. Ich will wissen, ob das eine schlüssige Entschuldigung ist, „Ich war da mal weg.“
T.B.: Ich war Anfang August im Sommerurlaub.
Notz: Wann wiedergekommen?
T.B.: [Eisenberg redet mit Zeugen.]
Notz: Herr Eisenberg, das ist extrem grenzwertig.
T.B.: Mitte August irgendwann.
Notz: Herr W.O. war gerade hier und sagte, dass er die Löschaktion von Mitte August bis Anfang September gemacht hat.
T.B.: Der sitzt ja in Bad Aibling, nicht in Pullach. Die Prüfung muss ja vor der Löschung passieren. Also während meines Urlaubs.
Notz: Kennen sie Dr. T.?
T.B.: Ja.
Notz: Hat der da etwas gemacht?
T.B.: Ja.
Notz: Was?
T.B.: Der hatte einen Auftrag…
Notz: Von wem?
T.B.: AL D.B.
Notz: Welcher Auftrag?
T.B.: Selektoren prüfen.
Notz: …
T.B.: Ich war Ende Juli bis Anfang August im Urlaub.
Notz: Welcher Auftrag?
T.B.: Im Nachhinein sagte er mir, dass er den Auftrag hatte, die Selektoren zu überprüfen. Aber nichts genaueres.
Notz: War Dr. T. mal in Bad Aibling, um darüber zu reden?
T.B.: KA.
Notz: Z.B. im Frühjahr 2013?
T.B.: KA.
Notz: Kann es sein, dass Dr. T. schon im März/April den Prüfauftrag hatte?
T.B.: KA.
Notz: Nach Snowden kamen viele Anfragen. Auch von BfDI. Haben sie davon etwas mitbekommen?
T.B.: Zum Teil.
Notz: Worüber?
T.B.: Gab viele parlamentarische Anfragen. Werden in Stab eingesteuert und dann im Haus verarbeitet. Ich habe bei einigen zugearbeitet.
Notz: Wurden ihnen anhand dieser Fragen Probleme bewusst, die man vorher nicht auf dem Zettel hatte?
T.B.: [Pause.]
Notz: Regionale Zuordenbarkeit von Selektoren, z.B.?
T.B.: Gab vorher schon Diskussionen dazu. Details NÖ.
Notz: Wann vorher?
T.B.: Irgendwann beginnend 2009/2010 ist es mir aufgefallen.
Notz: Fragen bei Zuordenbarkeit von Selektoren?
T.B.: Gab es immer. Aber da haben wir das diskutiert.
Notz: Und was?
T.B.: Details NÖ.
Notz: Warum?
T.B.: Geht darum, welche Anfragen gab es, welche Ideen hatte man und wie man entschieden hat. Zusammenarbeit mit AND.
Notz: Ging es auch um Arten der Kommunikation bei Selektoren?
T.B.: Hm?
Notz: Nicht nur E‑Mail und Web, sondern auch Chats und andere Dinge?
T.B.: NÖ. (!)
Notz: Sind diese Probleme nicht auch nach Snowden im Sommer 2013 begegnet? Dass sie bei 14 Millionen Selektoren das nicht sagen können?
T.B.: Nein. Waren andere Diskussionen. NÖ.
Notz: W.O. sagte gerade, dass es eine Löschung gab, August bis September 2013, zehntausende Selektoren gelöscht. Sie sagten, noch eine Löschung im November, nicht so viele gelöscht?
T.B.: Zu Zeitraum habe ich nichts gesagt. Ich habe gesagt, dass W.O. angewiesen wurde, das zu kontrollieren und dann zu löschen/disapproven. KA, ob vor oder nach dieser Aktion. Hatte den Eindruck, dass das unabhängig davon war, laut Schriftstücken,.
Notz: E‑Mails?
T.B.: Ja.
Notz: Gab es Löschungen in der Zentrale?
T.B.: Waren ja US-Selektoren, die wurden ja in der Zentrale nicht behalten.
Notz: Wurde in der Zentrale etwas veranlasst nach dem Gutachten von Dr. T.?
T.B.: Nicht bei eigenen Selektoren?
Notz: Was waren Konsequenzen?
T.B.: Die Selektoren aus Erfassung zu nehmen.
Notz: Wo traten die auf?
T.B.: Nur in Bad Aibling.
Notz: Haben sie Gutachten von Dr. T. gesehen?
T.B.: Nein.
Notz: Weder als Datei, noch aus Ausdruck?
T.B.: Ja.
Notz: Wo steuert man Selektoren ein? In Programm?
T.B.: Reden sie von Bad Aibling oder von Abläufen im BND?
Notz: Wurden die in XKeyscore eingestellt?
T.B.: Nein. (!)
Notz: Woher wissen sie das.
T.B.: XKeyscore wird nur bei der Erfassung genutzt. (!)
Notz: Da hört man unterschiedliches. Sie hatten mit XKeyscore nichts zu tun?
T.B.: Erste Version wurde 2007 installiert
Notz: Keyscore? Oder XKeyscore?
T.B.: Vorgängerversion.
Notz: Wann?
T.B.: Ich habe es im Einsatz nicht mehr gesehen. Herbst 2007.
Notz: XKeyscore wurde in Bad Aibling genutzt, als sie in der Zentrale gearbeitet waren?
T.B.: Ja. (!)
Notz: Wurden die Selektoren für XKeyscore genutzt?
T.B.: Nein, andere Systeme.
Notz: Wie wurde XKeyscore in Bad Aibling genutzt?
T.B.: KA. (!)
Notz: Wie wurde XKeyscore in Bad Aibling genutzt?
T.B.: Man hat Steuerung explizit entkoppelt von den Netzen, dass es zu keiner unbefugten Nutzung der Steuerung durch AND kommt. Eigene Steuerungsdatei, oder Datenbank, die war Steuerungsinstrument. Eingepflegt, approved/disapproved, Ergebnis davon ausgelesen und in die Erfassungssysteme eingelesen. XKeyscore hat nichts damit zu tun.
Notz: Lagen die trojanischen Pferde nicht in den zehntausenden Selektoren, die sie ausgefiltert haben nach Snowden? War das nicht das Einfallstor? oder wie hat man ihnen die zehntausend gelöschten Selektoren nach ihrem Urlaub erklärt?
T.B.: Gar nicht. War ein Auftrag von oben und damit erledigt.
Notz: Danach Anweisungen für die Zukunft? Hausanweisung oder so?
T.B.: Unmittelbar daraufhin nicht. Kurz darauf war auch Aussage „Ausspähen unter Freunden – das geht gar nicht.“ Das hat auch zu Konsequenzen in Eigenerfassung geführt.
Notz: Keine Konsequenzen nach Prüfung der US-Selektoren?
T.B.: Im Anschluss wurden auch Dinge wie EU-Selektoren rausgenommen.
Notz: Warum? Doch Übergriffe? Offensichtlich ab dann gesagt, EU rausnehmen, oder?
T.B.: Zeitlich zusammengefallen mit eigener Veränderung. Habe das nicht darauf bezogen.
Notz: Aussage der Kanzlerin in Brüssel in Fernsehkamera hat mehr Auswirkungen im BND als zehntausende abgelehnte Selektoren?
T.B.: Die Führung hat die Aussage diskutiert und Konsequenzen angeordnet.
Notz: Die Aussage von Merkel, nicht die von Dr. T.?
T.B.: Kann ich nicht genau sagen. Untersuchung von Dr. T. hatte ja auch keine konkreten Regeln.
Notz: Würden sie heute sagen, dass sie bis August 2013 alles richtig gemacht haben? Und dann politischer Stimmungswechsel durch Kanzlerin? Oder jahrelang nicht richtig hingeguckt bei Prüfung?
T.B.: Knackpunkt war Abzug von AND, das brachte Veränderung bei Übermittlung der Selektoren mit sich. Das hatte ich damals nicht richtig einschätzt. Da hätte man Prüfung ändern müssen.
Notz: Selektorenliste im Kanzleramt und im BND sind ja aus der Datei. Wurden auch Selektoren gelöscht aus Datenschutzgründen? Kann es sein, dass Selektoren gesteuert wurden, die jetzt gelöscht und auf gar keinen Listen mehr sind?
T.B.: Ich tu mich schwer mit der Antwort. Mit Einsetzung der NSAUA gibt es ein Löschmoratorium, dass entsprechende Unterlagen nicht gelöscht werden dürfen. Mit Einsetzung des NSAUA dürfte nichts gelöscht wurden sein. Ob es beim Übergang von einer Datenbank in die andere 2008 zu Löschungen kam, weiß ich nicht. Das dürfte der einzige Zeitpunkt ist. Der Geheimdienst ist Jäger und Sammler und löscht erst, wenn er vom Datenschutz dazu aufgefordert wird. (!) Aber ich möchte es nicht zu 100 Prozent ausschließen.
[Fünf Minuten Pause. (17:38)]
Zeuge 3: Oliver Matt, Verizon Deutschland (17:47)
Rechtsbeistand ist Prof. Dr. Rainer Hamm aus Frankfurt.
Hamm: [Steht auf.] Ich bin von Herrn Matt gebeten worden, als Zeugenbeistand zu fungieren. Bin langer Strafrechtsanwalt. Ich weiß, welche Rechte ich nicht habe, und verspreche, mich daran zu halten.
[Beifall.]
Matt: Name ist Oliver Matt. Ich bin 44 Jahre. Zuständig für Konzernsicherheit, Anschrift XX-Bäcker-Strasse 59, Frankfurt am Main.
Eingangsstatement: Bin Leiter der Abteilung Internationale Sicherheit der Verizon Deutschland GmbH. Vorher MCI Deutschland GmbH. Seit November 2006 Leiter Abteilung ISG. Abteilung macht auch TKÜ durch Behörden.
NSAUA hat mich als Zeuge geladen, um mich zu Untersuchungsgegenstand zu befragen. NSAUA soll klären, ob BND und Five Eyes Massenüberwachung durchführen. Insbesondere MCI 2004–2006 von Interesse. War schon am 7. Mai 2015 geladen, habe Einsetzungsbeschluss gelesen. Spiegel-Artikel diese Woche ist mir bekannt. Habe versucht, weitere Presseberichterstattung zu verfolgen.
MCI Deutschland war Tochter der MCI USA. Bis 2006 Anbieter von TK-Diensten für Groß- und Geschäftskunden. Auch Wholesale für andere TK-Anbieter, wie Terminierung von Telefonaten im Ausland. Daneben auch Internet-Einwahldienste und Call-By-Call für Endkunden. Im 2006 wurde MCI Deutschland von Verizon übernommen. Deutsches Geschäft von Verizon weitergeführt. Aber Geschäftsleistungen geändert. Keine Vorleistungen/Wholesale mehr.
Verizon Deutschland besteht sich uneingeschränkt als deutsches Unternehmen, dass hiesiges Recht einhält. US-Mutter hat keinen Einfluss. Wir arbeiten aus Prinzip nicht mit AND zusammen. Keine Führungskraft würde jemals Gesetzesverstoß dulden. Wir haben nicht mit AND kooperiert. Zu keinem Zeitpunkt ist auch nur ein solches Ansinnen zu Ohre gekommen. Auch Kooperation mit inländischen Diensten und BND ist mir nicht bekannt.
Ich war für TKÜ und G‑10 zuständig. Es oblag mir, nach Prüfung Maßnahmen umzusetzen oder abzulehnen. Damals rund 30 Anfragen pro Monat von Ermittlungsbehörden. Auskunftsersuchen und Überwachungsanordnungen. Überwiegender Teil Auskunft nach Inhaber von Telefonnummer, heute automatisierte Bestandsdatenauskunft nach § 112 TKG.
Damals drei Anfragen von Polizei, ob TKÜ durchgeführt werden könnte, aber MCI hatte nur Geschäftskunden mit mindestens 30 parallelen Sprachkanälen pro Leitung. Die Polizeibehörden haben daraufhin die Anfragen zurückgezogen.
Ich hatte zu keiner Zeit Kontakt zu Mitarbeitern von BND oder AND.
Wir haben ein Sicherheitskonzept, um Systeme gegen unerlaubte Zugriffe zu sichern. Einzelne Details zum Sicherheitskonzept bitte NÖ.
Frontal 21 31.03.2015 und Spiegel am Wochenende zu MCI. ZDF-Redaktion hat uns vorher nicht gefragt. 2004–2006 wurde der Standort durch MCI Deutschland betrieben. Von den Operationen habe ich noch nie gehört oder erfahren. Falls die Behauptungen zutreffen sollten, wären wir sehr an Tatsachen interessiert, um unsere Sicherheit nochmal zusätzlich überprüfen zu können. Nach dem Bericht bin ich unmittelbar unangekündigt zum Standort und inspizierte die Sicherheit und die Serverräume. Ich fand keine Anzeichen für die Behauptungen. Wir sind ISO-zertifiziert und werden durch Bundesnetzagentur geprüft.
Ich beantworte gerne ihre Fragen und erläutere Sicherheitsvorkehrungen. Ich habe mit Geschäftsführung gesprochen, die hatten auch nichts dazu zu sagen.
Fragerunde 1: Vorsitzender
Sensburg: Ausbildung technisch?
Matt: Geprüfte Werksfachkraft, unzählige Trainings und Fortbildungen. Bin kein Informatiker.
Sensburg: Beruflicher Werdegang bei Verizon. International Security Group ISG?
Matt: 1998 bei MCI Worldcom angefangen in Kundenbetreuung, seit 2001 in Konzernsicherheit.
Sensburg: Verschiedene Dinge?
Matt: Teilweise ja, teilweise nein.
Sensburg: Was gehört dazu? European Security Manager?
Matt: Seit 2001 Umsetzung der Beschlüsse. Gebäudesicherheit. Investigative Ansätze bei internen Ermittlungen. Leite Mitarbeiter in unserer Gruppe in anderen Ländern an.
Sensburg: Wo bekommt man die Fähigkeiten?
Matt: Durch Trainings.
Sensburg: Expertise im Bereich Datensicherheit? Können sie einen Einbau im Serverraum erkennen?
Matt: Es gibt Möglichkeiten, ja. NÖ.
Sensburg: Ich könnte das nicht.
Matt: Auditierung.
Sensburg: Sagt ihnen BND-CIA-Kooperation Glo… etwas?
Matt: Nein. (!)
Sensburg: Frontal21: Im Mai 2004 Besuch bei MCI-Standort Hilden. Technisch etwas installiert. Gab es Besuch im Standort damals?
Matt: Gab sicherlich Besuche. Durch Kunden oder Interessierte.
Sensburg: Was ist denn in Hilden genau?
Matt: Netzknotenpunkt.
Sensburg: Reger Besuch?
Matt: Rege definieren.
Sensburg: Wie bei McDonalds?
Matt: Nein.
Sensburg: Wie hier im NSAUA?
Matt: Nein.
Sensburg: Wie viele Leute besuchen das pro Woche außer Mitarbeitern?
Matt: Bin ich der Falsche.
Sensburg: Das war nicht ihre Kundenbetreuung?
Matt: Nein.
Sensburg: KA, ob 10 pro Woche oder im Jahr durchgehen?
Matt: Netzknoten ist ja nur ein Bereich des Gebäudes.
Sensburg: Bei ISO-Zertifizierung können sie ja nicht ihre Oma zur Mittagspause mitbringen?
Matt: Ja.
Sensburg: Gäste müssen sich anmelden?
Matt: Ja.
Sensburg: Anmeldelisten mal angeguckt?
Matt: Nein, wurden fristgerecht vernichtet. (!)
Sensburg: Mitarbeiter gefragt, die damals vor Ort waren?
Matt: KA.
Sensburg: Installieren dort Mitarbeiter vom Mutterkonzern technische Geräte?
Matt: Betriebs- und Geschäftsgeheimnis. NÖ. (!)
Sensburg: Gibt es Warngeräte gegen Internetkriminalität?
Matt: Kann mir nichts darunter vorstellen.
Sensburg: Ich auch nicht. Das sollte dort installiert wurden sein.
Matt: Sagt mir nichts.
Sensburg: Nein?
Matt: Vielleicht Fraud- oder Betrugssystem. Bin aber auch kein Technikexperte. (!)
Sensburg: Was leistet so etwas?
Matt: Fraud-System will Betrugsversuche identifizieren, um Kunden zu schützen.
Sensburg: Soft- oder Hardware?
Matt: Bin kein Experte.
Sensburg: Bericht spricht von „Gerätschaften“. Damit können sie nichts anfangen?
Matt: Nein.
Sensburg: Wie ist das Verhältnis von Mutterkonzern zu deutscher GmbH auf technischer Ebene?
Matt: Habe die Frage nicht verstanden.
Sensburg: Kommen regelmäßig Techniker vom Mutterkonzern, der der deutschen GmbH sagt, wo es langgeht? Oder machen sie das lieber selbst?
Matt: Hm?
Sensburg: Wie oft passiert so etwas?
Matt: Mir ist nicht bekannt, dass es solche Besuche gegeben hätte.
Sensburg: Werden solche Installationen nicht angemeldet? Wie geht so etwas?
Matt: Ich wollte nicht spekulieren. Ich kann nur Fakten wiedergeben.
Sensburg: Was haben sie abgeklopft?
Matt: Unser Unternehmen ist entsprechend gesichert. Wir haben Zugangskontrollsysteme. [Anwalt redet mit ihm.] Wir betrieben damals eine Zugriffskontrolle und Videoüberwachung. Zutritt war nur möglich mit Zutrittskarte oder in Begleitung des technisch Verantwortlichen.
Sensburg: Gibt es in Mutterkonzern in USA Pendant zu ihnen? Austausch oder autark?
Matt: [Redet mit Anwalt.] NÖ, Geschäftsgeheimnis. (!)
Sensburg: Haben sie dort mal nachgefragt zu den Berichten?
Matt: Ich habe mit deutscher Geschäftsleitung besprochen. Dort keine Hinweise bekannt. Kollegen in den USA haben Geheimhaltungspflichten, mit Antwort nicht zu rechnen. (!)
Sensburg: Auch innerhalb des Konzerns reden sie nicht?
Matt: Korrekt.
Anwalt: Her Matt hat mit Geschäftsleitung gesprochen, die haben mit USA gesprochen, aber die redeten von „Chinese Walls“.
Sensburg: Er beschäftigt sich mit Konzernsicherheit. Das ist doch unbefriedigend. Wie viele Standorte wie Hilden hat MCI Deutschland damals betrieben?
Matt: Im Detail kann ich das nicht. Grob an zwei Händen abzählen.
Sensburg: Gab es an anderen Standorten vergleichbare Sorgen?
Matt: Nein.
Sensburg: Gab es technische Prüfungen nach Snowden?
Matt: Dazu habe ich keine Information. (!)
Sensburg: Auch nicht nachgefragt?
Matt: Nein.
Sensburg: Nur drei Anfragen von Polizei in ihrer Zeit?
Matt: Ja.
Sensburg: Einzelanschluss-TKÜ?
Matt: Kunden waren an Primärmultiplexer mit 30 Kanälen pro Leitung. Dieser Aufwand war Behörden zu groß. Die drei Anfragen wurden zurückgenommen.
Sensburg: Polizei, nicht ND?
Matt: Korrekt, wir hatten keine ND-Anfragen.
Sensburg: Nie zu ihrer Zeit?
Matt: Ja.
Sensburg: Wissen sie, ob MCI Worldcom oder Verizon das in USA hatte?
Matt: Nein.
Fragerunde 1: Linke (18:24)
Hahn: Geschäftsleitung bekam keine Information dazu. Auch keine Dokumente oder Akten des Mutterkonzerns eingesehen?
Matt: Genau.
Hahn: Wir waren ihre damaligen Zugangsregeln? Konten US-Mitarbeiter mit ihren Ausweisen problemlos reingehen?
Matt: Nein, Access-Liste musste programmiert werden.
Hahn: Vorher anmelden?
Matt: Hätten eigene Zutrittskarte benötigt.
Hahn: In Deutschland ausgestellt?
Matt: Ja. Oder Besucher, mit hiesigem Personal.
Hahn: Aber die können keine Hardware mitbringen?
Matt: Glaube ich.
Hahn: Wenn neue Hardware eingebaut wird, gibt es vorher oder nachher eine Sicherheitsüberprüfung?
Matt: Nicht meine Zuständigkeit. (!)
Hahn: Wisse sie nicht?
Matt: Nein.
Hahn: Gab es rechtliche Bedenken bei polizeilichen Anfragen?
Matt: Was meinen sie?
Hahn: Wir kennen andere Verfahren, wo mit G‑10-Anordnungen und privaten Verträgen gearbeitet wurde. Kennen sie so etwas?
Matt: Nein, IIRC.
Hahn: Hätte man prüfen müssen?
Matt: Ja, Rechtsabteilung.
Hahn: Haben Spiegel-Artikel gelesen. Ist es möglich, dass es so gelaufen ist? Oder völlig unplausibel?
Matt: Müsste spekulieren, will ich nicht.
Hahn: Ist das völlig unplausibel? Spricht etwas dagegen?
Matt: Nein. Habe Bericht aber nicht auseinandergenommen und geprüft.
Hahn: Waren damals leitungs- oder paketvermittelte Verkehre oder beides?
Matt: KA. (!) [Redet mit Anwalt.] Bei uns gab es keine vorgetäuschte G‑10-Maßnahme.
Hahn: Ihnen nicht bekannt?
Matt: Ja.
Hahn: Gibt es Protokolle, welche Geräte installiert werden?
Matt: KA. Nicht mein Fachbereich.
Fragerunde 1: SPD (18:31)
Lischka: US-Mitarbeiter haben Zutritt mit Zutrittskarte?
Matt: Ja.
Lischka: Welche Voraussetzungen?
Matt: Verantwortliche Person muss das genehmigen und Zeitraum benennen.
Lischka: Wie häufig haben Mitarbeiter des Mutterkonzerns Zutritt?
Matt: KA.
Lischka: Auch nicht gefühlt?
Matt: Nein. (!)
Lischka: Ausnahme oder Regel?
Matt: KA.
Lischka: Identitätsprüfung. Wenn Mutterkonzern Sicherheitskarte für Mitarbeiter will: prüfen sie das?
Matt: Kommt vom zuständigen Manager.
Lischka: Reicht es, wen der Mutterkonzern das beantragt? Oder prüfen sie das selbst?
Matt: Anfrage, dass jemand in Raum rein muss, kommt vom Zuständigen für den Raum, der Zutritt erteilt. Raum, nicht Gebäude.
Lischka: Kann Mutterkonzern dort jemanden reinschicken, ohne das sie nochmal extra prüfen? Ist ja auch kompliziert. Oder verlassen sie sich darauf?
Matt: Können ja checken, ob der angestellt ist.
Lischka: Was haben sie neben Ortsbesuch nach Frontal-21-Bericht getan? Wie war ihre Aufklärung? Vorfall ist ja nicht ohne.
Matt: Ich habe mit Geschäftsleitung gesprochen. Weiteres ist mir nicht bekannt. (!)
Lischka: Kein Kontakt zu Mitarbeitern von BND und AND. Und unwissentlich?
Matt: Nicht spekulieren. Hatte keinen Kontakt.
Lischka: Wissentlich. Unwissentlich nicht ausschließen. Kann TK-Verkehr auch über Mutterkonzern geleitet werden, rein technisch?
Matt: Bin kein Experte, KA.
Lischka: Wissen sie, ob das passiert?
Matt: Mir nicht bekannt.
Fragerunde 1: Grüne (18:37)
Notz: Welche TK-Verkehre liefen in Hilden vor allem?
Matt: Sagte ich in Eingangsstatement. Suche das nochmal raus. [Liest vor.] „Groß- und Geschäftskunden. Wholesale-Dienste.“ Wickelten Verkehr unserer Kunden ab.
Notz: Welche Kommunikation? National, international? Strecken?
Matt: Maßgeblich Gesprächsverkehr. Andere Fragen: KA.
Notz: Techniker sprechen?
Matt: Ja.
Notz: Aus Sicherheitspunkten relevant?
Matt: National und international.
Notz: Beides?
Matt: Ja.
Notz: Waren die Strecken damals korrekt bezeichnet?
Matt: Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse. NÖ.
Notz: Können sie das sagen? Oder war das wilder Westen?
Matt: Ich bin nicht Technik-Experte.
Notz: Techniker einladen?
Matt: Kann Frage nicht beantworten.
Notz: Rechtliche Einordnung. Wenn es so wäre wie in Frontal 21, wäre das strafrechtlich relevant?
Matt: [Anwalt redet mit ihm.] Ja.
Notz: Was wäre das nach US-Strafrecht?
Matt: KA.
Notz: Haben sie Strafanzeige gestellt?
Matt: KA, nicht mein Bereich.
Notz: Und ihre Rechtsabteilung?
Matt: KA.
Notz: Kennen sie Michael Capellas?
Matt: Name sagt mir etwas.
Notz: Mal mit ihm zu tun gehabt?
Matt: Nein.
Notz: Haben sie schon mal eine G‑10-Genehmigung gesehen?
Matt: Nein.
Notz: Wenn das damals passiert wäre, wie wären sie umgegangen?
Matt: Hätte Rechtsabteilung prüfen lassen.
Notz: Wie viele Server stehen in den Räumen?
Matt: KA.
Notz: 2, 20, 200, 2.000?
Matt: Eher 200.
Notz: Wenn dann ein 201ster drin steht: wem fällt das auf? Durchnummeriert?
Matt: NÖ.
Notz: Wenn Mitarbeiter da reingehen, wird das geprüft und registriert?
Matt: NÖ. (!)
Notz: Wer war dafür zuständig?
Matt: Wofür?
Notz: Einlass im Alltagsgeschäft. Mit wem reden US-Mitarbeiter, um Technik bei ihnen aufzustellen?
Matt: Ist Mutmaßung. Kunden werden geprüft vom zuständigen Manager für den Bereich.
Notz: Wer war das 2004?
Matt: Weiß ich nicht mehr.
Notz: Könnte Unternehmen das klären?
Matt: Vermutlich. [Redet mit Anwalt.] Können auch unterschiedliche Personen sein.
Notz: Ich denke mir die Geschichte nicht aus. Wir lesen nicht nur Presse, auch Akten. Der Fall ist konkret. (!) Wie kommt Technik von Mutterkonzern nach Hilden? Wie ist das Prozedere?
Matt: Ich habe dazu keine Kenntnis.
Notz: Sie wurden nicht gefragt?
Matt: Korrekt.
Notz: Jemand anders?
Matt: KA.
Notz: Muss jemand gefragt werden?
Matt: KA.
Notz: Kann es sein, dass Mutterkonzern einfach etwas installiert?
Matt: Will nicht spekulieren.
Notz: Kam das vor?
Matt: Mir nicht bekannt.
Notz: Müssten die Sicherheitsverfahren durchlaufen?
Matt: Ja.
Notz: Von wem?
Matt: [Pause.]
Notz: Wenn ich heute als US-Mitarbeiter mit Technik zu Internetbetrug komme und die aufstellen will: wer prüft das?
Matt: KA. Nicht mein Bereich.
Notz: Wessen Bereich ist das?
Matt: Geschäftsleitung wird informiert. Mutmaßen.
Fragerunde 1: Union (18:48)
Warken: Alles hypothetisch, sie haben keine Kenntnis. Ist es möglich, dass ein Techniker klingelt und etwas einbauen will?
Matt: Der würde ja nicht bei mir klingeln.
Warken: In Außenstelle?
Matt: Nach Zutrittsregeln.
Warken: Könnte er mit Berechtigung des Mutterkonzerns reinlaufen?
Matt: Mutmaßen.
Warken: Bundesnetzagentur lud am 9. August 2014 zu Erörterungstermin in Bonn, Anlass war Süddeutsche-Bericht „Enthüllung der Kronjuwelen“. Waren sie oder jemand anders bei dieser Besprechung?
Matt: Ich weiß darüber nichts.
Warken: Bundesnetzagentur verschickte damals einen Fragenkatalog. Verizon Business hatte Codename „Dacron“. Kennen sie das?
Matt: Nein. (!)
Schipanski: Wer war Ansprechpartner für Bundesnetzagentur?
Matt: Ich.
Schipanski: Wer wäre damit vertraut?
Matt: Kommunikation zu Bundesnetzagentur-Besuchen mache ich.
Schipanski: Auch heute?
Matt: Ja. Jahresstatistiken und so.
Schipanski: Aber Bundesnetzagentur hat sich an Verizon gewandt?
Matt: Würde Rechtsabteilung machen.
Schipanski: Ich denke, sie?
Matt: Nein, nur Statistiken.
Schipanski: Wer in Rechtsabteilung?
Matt: NÖ. (!)
Schipanski: Warum?
Matt: NÖ.
Sensburg: Haben ihre Mitarbeiter Sicherheitsüberprüfung?
Matt: Zum Teil.
Sensburg: Auch SÜ3?
Matt: KA.
Sensburg: Sie veranlassen SÜ?
Matt: Nein.
Sensburg: Wer?
Matt: Rechtsabteilung.
Sensburg: Wie viele Mitarbeiter in ISG?
Matt: In Deutschland drei.
Sensburg: IT-Sicherheit größer oder kleiner?
Matt: Vergleichbar.
Sensburg: Sie haben die Gelegenheit, ihren Konzern in der Öffentlichkeit gut dastehen zu lassen. Arbeiten sie auch mit externen Firmen? Oder nur ihre Sicherheitsleute?
Matt: Kann nur die zuständige Technik beantworten.
Sensburg: Wir hatten bei der Geschäftsleitung genannt, wer darüber etwas weiß. Und die nannten sie. (!)
Matt: KA. (!)
Sensburg: Wir haben auch Fragen zur IT-Sicherheit. Aber gar nicht ihr Kernbereich. Sie können nicht sagen, ob sie in IT-Bereich auch mit externen Firmen arbeiten? Wer fährt Server hoch? Alle MCI/Verizon?
Matt: KA. Weiß das nicht für 2004–2006. (!)
Fragerunde 2: Linke (18:56)
Hahn: Enthalten Einlasskarten ein Foto?
Matt: Ja.
Hahn: Es geht nicht, dass der Mutterkonzern ein Herrn Anderson anmeldet, aber Herrn Wolff schickt?
Matt: KA.
Hahn: Wer prüft das?
Matt: Karte wird im Vorfeld von Unternehmen ausgestellt und Zugang wird darauf programmiert, wenn er benötigt wird.
Hahn: Welche Karte bekommt eine Person eines externen Mitarbeiters nicht von Mutterkonzern?
Matt: Besucherkarte, oder Begleitung durch unsere Mitarbeiter.
Hahn: Und eine Firma mit mehreren Mitarbeitern, die dort etwas machen soll?
Matt: Die würden begleitet werden von jemand der sicherstellt, dass die Person das auch ist.
Fragerunde 2: Union (18:59)
Sensburg: Wie viele Mitarbeiter hatte MCI WorldCom damals und Verizon heute?
Matt: Definitive Zahlen habe ich nicht. 2004 so um die 2.000 Leute.
Sensburg: Wie kann man da Sicherheit gewährleisten? Mit drei Personen?
Matt: IT-Sicherheit ist nicht nur in Deutschland.
Sensburg: Konzernsicherheit auch aus USA?
Matt: Nein, anderes europäisches Land.
Sensburg: Niederlande?
Matt: Z.B.
Sensburg: Kann über die Programmierung der Karte Sicherheit hergestellt werden?
Matt: KA, bin kein Techniker und nicht zuständig.
Sensburg: Wenn Mitarbeiter aus NL kommen und etwas machen wollen, wie kommen die rein?
Matt: Wenn sie zutrittsberechtigt sind, kommen sie rein. Wenn nicht, müssen sie sich an zuständigen Raummanager wenden.
Sensburg: Was prüft der?
Matt: Ob die rein müssen.
Sensburg: Auch NL-Mitarbeiter, der ihre drei Leute unterstützt? Oder ist Mitarbeiter, wo MCI draufsteht?
Matt: Der ist erst mal Mitarbeiter. Dann wird geprüft, ob der in den Raum muss.
Sensburg: Ausweisausstellung bei Einstellung?
Matt: Ja.
Sensburg: Dann bei Raumbesuch Freigabe von Raummanager?
Matt: Ja.
Sensburg: Ob Zutritt notwendig ist, entscheidet Raummanager?
Matt: Ihn fragen, aber ja.
Sensburg: Nicht ohne Anmeldung und Grund?
Matt: Ja.
Sensburg: Jemand mit US-MCI-Ausweis könnte rein, wenn er die lokale Freigabe bekommt?
Matt: Ist das die Frage?
Sensburg: Ja.
Matt: Mutmaßung.
Sensburg: Haben wir doch gerade rausgearbeitet.
Matt: So verstehe ich das. (!)
Sensburg: Wenn jemand in den Raum will, muss er auch den Bedarf anmelden, den der Raummanager anerkennt?
Matt: Er prüft, ob die Person zutrittsberechtigt ist und falls ja, lässt er ihn rein.
Sensburg: Wenn ich da mit gedrucktem Ausweis stehe, wen würde er rufen?
Matt: Frage ist spekulativ und ich habe sie nicht verstanden.
Sensburg: Wenn ich mir einen Verizon-Ausweis bastele und da rein will, wird das auffallen. Werde ich nur weggeschickt, oder wird das auch gemeldet?
Matt: Selbstverständlich, an die Konzernsicherheit.
Sensburg: Und gut gefälschte Karte?
Matt: Muss programmiert werden.
Sensburg: Wurden sie schon mal gerufen, als jemand mit einer Karte nicht rein kam?
Matt: Nein, wenn Karte nicht funktioniert, prüfen wir die Karte. Hat einen Magnetchip. (!)
Sensburg: Wie viele Mitarbeiter, die dort reingehen, kommen aus NL und USA?
Matt: KA.
Sensburg: Wie stark ist Verzahnung von deutscher Tochter und Muttergesellschaft?
Matt: Habe ich in Eingangsstatement gesagt. [Liest vor.] „Versteht sich als eigenständiges Unternehmen, das deutschem Recht komplett unterliegt.“
Schipanski: Wer schaltet Zutrittskarte frei?
Matt: Meine Abteilung.
Schipanski: Manager sagt das?
Matt: Ja, und wir programmieren die Karte.
Schipanski: Programmieren können nur sie?
Matt: Ja.
Sensburg: Haben sie Karten für ausländische Mitarbeiter freigegeben?
Matt: Wenn das notwendig ist, tun wir das.
Sensburg: Haben sie das getan?
Matt: KA. (!)
Sensburg: Haben sie ausländischen Mitarbeitern mal Zutritt erteilt?
Matt: Ja.
Sensburg: Sie können nicht ausschließen, dass sie 2004 US-Mitarbeitern Zutritt erteilt haben?
Matt: Genau. (!) Kann ich nicht ausschließen.
Fragerunde 2: Grüne (19:13)
Notz: Wenn MCI Worldcom eigenständig war, warum kann dann US-Mutter ein Anti-Fraud-System installieren? Sagen sie dann nicht nein? Sicherheit ist ja ihre Aufgabe.
Matt: Mir ist nicht bekannt, dass es diesen Fall gab.
Notz: Ähnliche Fälle?
Matt: Nicht mein Bereich.
Notz: Bekannt?
Matt: Nicht bekannt.
Notz: Wenn sie heute auf diese Geschichte gucken, ist das alles Spekulation. Im Serverraum steht nichts mehr, also kein Grund zu handeln?
Matt: Habe keine Fakten gefunden.
Notz: Sie tun so, als wäre das nicht passiert. Wir machen das hier zum Spaß?
Matt: Ich habe dazu keine Hinweise.
Notz: Nimmt der Konzern das Problem ernst?
Matt: Selbstverständlich.
Notz: Wie können sie dann nicht wissen, ob es eine Strafanzeige gibt? Rechtswidriger Zugriff auf ihre Leitungen, Milliarden von Daten abgegriffen!
Matt: Nicht mein Bereich.
Notz: Können nicht sagen, ob Bereich Strafanzeige gestellt hat.
Matt: Genau. Vielleicht ändert sich das ja mit ihren Ergebnissen.
Notz: Haben sie in den USA nachgefragt?
Matt: Sagte ich schon. Die deutsche Geschäftsleitung. Die Kollegen in den USA haben entsprechende Geheimhaltungspflichten, also ist mit einer Antwort nicht zu rechnen.
Notz: Ich verstehe es nicht. Massiver Eingriff in Grundrechten ohne jede Rechtsgrundlage. Konzern hat kein Interesse an Aufklärung?
Anwalt: Sie unterstellen, dass eine Nichtauskunft der USA ausreicht, eine Strafanzeige zu stellen.
Notz: Bin auch nicht mit allen Handlungen des GBA einverstanden. Herr Matt ist doch in die Räume gefahren, also hatte er einen Anfangsverdacht. Sie hatten nie Kontakt zu BND?
Matt: Nein.
Notz: Auch nicht ganz locker?
Matt: Nein.
Fragerunde 2: SPD (19:20)
Lischka: Haben temporäre Besuchskarten auch Fotos?
Matt: Nein.
Lischka: Werden Besucher immer begleitet?
Matt: Ja.
Lischka: Unbegleitete Besucher sind undenkbar?
Matt: Ja.
Lischka: Und externe, die regelmäßiger kommen? Immer wieder Besuchskarte ohne Foto? Oder auch mal eine andere?
Matt: Karten, die Türen öffnen können, bekommen nur Mitarbeiter oder Contractors. (!) Besucher bekommen Besucherkarten.
Lischka: Extern kann auch Putzunternehmen sein. Sind Mitarbeiter?
Matt: Externe Putzkarten bekommen persönliche Zutrittskarten, jeden Tag neu.
Lischka: Haben sie gedacht, was sie an Zugangskriterien ändern sollten? Ihr Job ist ja Sicherheit.
Matt: Selbstverständlich prüfen wir ständig unser Sicherheitskonzept. Ist auch von Bundesnetzagentur abgenommen.
Fragerunde 3: Linke (19:23)
Hahn: Contractors können Zugriffskarten bekommen?
Matt: Ja.
Hahn: Wenn er schon mit Karte im Gebäude ist, kommt er auch in Serverraum, wenn jemand von innen die Tür aufmacht?
Matt: Mitarbeiter sind angehalten, das nicht zu tun.
Hahn: Ist an diesem Raum eine Menschenvereinzelungsanlage?
Matt: Welcher Raum?
Hahn: Der, wo das passiert sein soll.
Matt: NÖ. (!)
Fragerunde 3: Union (19:25)
Sensburg: Konzernsicherheit: Was sind typische Gefahren?
Matt: Sicherheit von Gebäude und Netzwerk.
Sensburg: Gebäudesicherheit Kernpunkt, weil Großteil der Angriffe physisch ist?
Matt: Gebäude sind ISO-27001-zertifiziert.
Sensburg: Verizon-Webseite: „Hochspezialisierte Sicherheit.“ Wie?
Matt: Gebäude sind durch Zutrittskontrolle und Videoüberwachung gesichert.
Fragerunde 3: Grüne (19:27)
Ströbele: Verizon Deutschland ist eigenes Unternehmen, USA ein anderes. Trotzdem Abhängigkeitsverhältnis. Mehrheit der Anteile in den USA. Kann es sein, dass wenn Mutterfirma durch Nichtauskunft wegen Geheimhaltung signalisiert, dass das für Tochterunternehmen Hinweis genug ist,sich da herauszuhalten?
Matt: So habe ich das nicht verstanden. Aber da müsste ich spekulieren.
Ströbele: Gibt es ein solches Abhängigkeitsverhältnis zwischen den US- und DE-Firmen?
Matt: Da bin ich der falsche. Müsste Geschäftsleitung sagen.
[Ende der öffentlichen Sitzung. Jetzt nicht-öffentliche Beratungssitzung. (19:31)]
Hamm: Hier liegt noch ein Dokument, auf dem „Streng Vertraulich“ steht. Das muss ein früherer Zeuge hier liegen lassen haben. (!)
[Gelächter.]
[Heute keine Presse-Statements. Morgen 9 Uhr noch eine Anhörung.]
-
: Glotaic: BND half neben NSA auch CIA kräftig bei Überwachung
: Glotaic: BND half neben NSA auch CIA kräftig bei Überwachung In der neuen Spiegel-Ausgabe wird enthüllt, dass der BND neben der NSA auch dem US-Auslandsgeheimdienst CIA bei deren Überwachungsoperationen half. Diese seit 2002 bestehende Zusammenarbeit war Teil der Operation Glotaic, jene, die im NSA-Untersuchungsausschuss mit „Glo“ abgekürzt werden muss, da die volle Bezeichnung nicht ausgesprochen werden darf:
Von „Glo“ war nur die Rede, denn im zweiten Teil hätte man, rückwärts gelesen, den Kooperationspartner des BND entdecken können: die CIA, den Auslandsgeheimdienst der USA.
Der BND gab im Rahmen dessen Telekommunikationsdaten weiter. Das war bereits bekannt, neu ist jedoch, dass er dem US-Dienst wahrscheinlich direkten Zugriff darauf gab. Betroffen waren Telefonate und Faxe des eingeweihten US-Telekommunikationsanbieters MCI, der in Hilden einen deutschen Standort besitzt. Dass das rechtlich – um es beschönigt auszudrücken – problematisch ist, scheint dem BND selbst klar gewesen zu sein, man sprach von einem möglichen politischen Skandal bei Auffliegen.
Wie so oft bemüht man auch hier das Argument, es seien nur Auslandsverkehre weitergeleitet worden, nicht Kommunikationsdaten deutscher Kunden. Dass eine solche Filterung nie zu 100 Prozent funktionieren kann, haben wir im Laufe des NSA-Untersuchungsausschusses zur Genüge erfahren. Laut Spiegel sieht man das auch an einer internen E‑Mail, die eine Panne beschreibt, bei der auch Kabelstrecken mit „massiv deutschen Verkehren“ abgeschnorchelt worden seien. Eine G‑10-Anordnung hatte man dafür nicht, man erwog wohl jedoch, eine solche vorzutäuschen. In diesen Plan wurde auch der US-Vorsitz der Firma MCI eingeweiht, der den Plan dann ablehnte.
Massenweise Belege für strafbare Handlungen – wir dürfen davon ausgehen, dass Glotaic den NSA-Untersuchungsausschuss, dessen erste öffentliche Sitzung nach der Sommerpause diesen Donnerstag stattfinden wird, wohl noch einmal beschäftigen wird. Wer wusste davon, war das Kanzleramt eingeweiht? Und waren die Daten wirklich gefiltert, um deutsche Verkehre auszusortieren, oder wurden sie „direkt nach USA geroutet“, wie im Spiegel zitiert wird?
-
: Samstag, 5. September: Demo „BND an die Kette“
: Samstag, 5. September: Demo „BND an die Kette“ Um 12 Uhr diesen Samstag wäre doch ein guter Zeitpunkt, der BND-Zentrale in Berlin-Mitte einen Besuch abzustatten. Beginnend an der Südwestspitze des BND-Geländes (Habersaathstraße, Nähe U6 Schwartzkopffstraße) findet eine Demonstration unter dem Motto „BND an die Kette“ statt.
Mitzubringen sind Schilder, Plakate und Banner oder Ferngläser und große Brillen. Der Plan ist außerdem, eine Menschenkette zu bilden, es bietet sich also die angenehme Gelegenheit, politischen Protest mit Fraternisierung zu verbinden:
Mit einer mehrere hundert Meter langen Menschenkette setzen wir ein Zeichen für den Schutz der Privatsphäre und eine wirksame Kontrolle des BND. (Humanistische Union, BND an die Kette)
Der Ablauf ist wie folgt geplant:
- 12:00 Uhr: Start der Kundgebung an der Südwestspitze der BND-Zentrale, Habersaathstraße,
- 12:30 Uhr: Demozug zur Chausseestraße und Formieren der Menschenkette,
- 13:00 Uhr: Nach der Menschenkette: Demozug zurück zur Habersaathstraße, Reden und Musikprogramm,
- ca. 14:00 Uhr: Ende der Aktion.
Bitte gebt doch mal einen „educated guess“ in den Kommentaren ab, wieviele Menschen man wohl insgesamt bräuchte, um das gesamte BND-Gelände als Menschenkette zu umrunden.
Ein Grund mehr, nach Berlin zu reisen, denn das verbindet sich perfekt mit der „Das ist Netzpolitik!“-Konferenz am 4. September, nebst Party!
-
XKeyscore: Zeit Online veröffentlicht Vertrag, mit dem Verfassungsschutz und BND Spionagesoftware der NSA kaufen
Screenshot einer NSA-Präsentation zu XKeyscore. XKeyscore: Zeit Online veröffentlicht Vertrag, mit dem Verfassungsschutz und BND Spionagesoftware der NSA kaufen Kai Biermann und Yassin Musharbash berichten auf Zeit Online über das Bundesamt für Verfassungsschutz: Der Datendeal mit der NSA.
Interne Dokumente belegen: Der Verfassungsschutz bekam von der NSA die begehrte Spionagesoftware XKeyscore – und versprach als Gegenleistung dafür Daten aus Deutschland.
Gleichzeitig erscheint eine englische Übersetzung des Artikels: A Dubious Deal with the NSA.
Über die Spionagesoftware XKeyscore haben wir wiederholt berichtet, vor wenigen Wochen veröffentlichte The Intercept eine umfassende Analyse des Tools:
- XKEYSCORE: NSA’s Google for the World’s Private Communications
- A Look at the Inner Workings of NSA’s XKEYSCORE
Dazu packt Zeit Online erstmalig auch das Originaldokument: Die Übereinkunft zwischen Verfassungsschutz und NSA im Wortlaut
Das folgende Dokument ist die wörtliche Abschrift einer Übereinkunft, die zwischen National Security Agency, Bundesnachrichtendienst und Bundesamt für Verfassungsschutz geschlossen wurde. Die drei Dienste haben sie im April 2013 unterzeichnet und darin geregelt, unter welchen Bedingungen der Verfassungsschutz die Software XKeyscore von der NSA bekommt.
Das freut uns!
Auch an anderer Stelle nimmt Zeit Online bezug auf unsere Berichterstattung:
Wie wichtig XKeyscore für das BfV mittlerweile ist, lässt sich noch an einer anderen Stelle ablesen: Vor Kurzem veröffentlichte die Webseite Netzpolitik.org vertrauliche Haushaltsunterlagen aus dem Jahr 2013, aus denen hervorgeht, dass im BfV 75 neue Stellen geschaffen werden sollen, um die „Massendatenauswertung von Internetinhalten“ zu bewältigen. 75 Stellen, das ist für jede Behörde eine Menge Holz. Ein neues Referat namens 3C soll Bewegungsprofile und Beziehungsnetzwerke aufdecken und Rohdaten verarbeiten, die bei G‑10-Überwachungen anfallen. Der Name XKeyscore taucht in den von Netzpolitik.org publizierten Unterlagen nicht auf. Doch die Vermutung liegt nahe, dass diese Einheit mit dem Ziel geschaffen wurde, die neue Überwachungssoftware einzusetzen.
Ein Detail, das uns dazu noch einfällt, ist diese Notiz der NSA über einen Besuch von BND und BfV in den USA:
The Germans have previously approached NSA about using information derived from SIGINT in open court.
„Die Deutschen“ wollten also per Schleppnetz-Rasterfahndung abgehörte Kommunikation von Geheimdiensten auch in Gerichtsverfahren verwenden. Das nennt sich „Parallel construction“ – und dürfte illegal sein.
Wir sind gespannt auf die politischen Reaktionen auf diese Enthüllungen.
-
: Landesverrat an anderer Stelle: BND-Spion wegen Zusammenarbeit mit CIA angeklagt
: Landesverrat an anderer Stelle: BND-Spion wegen Zusammenarbeit mit CIA angeklagt Kaum sind die Ermittlungen gegen uns wegen Landesverrats eingestellt, taucht selbiger Tatvorwurf an anderer Stelle wieder auf. Der Generalbundesanwalt hat vor dem Oberlandesgericht München Anklage gegen den BND-Spion Markus R. erhoben.
Im Juli 2014 stellte sich heraus, dass er über einen Zeitraum von zwei Jahren sensible Informationen aus dem BND an den US-Geheimdienst CIA weitergegeben hat. Kurz darauf wurde er des Landes verwiesen, außer Empörungsblasen regte sich jedoch nicht viel, man verlangte einen „strukturierten Dialog“ und kehrte schnell wieder zum Kuschelkurs zurück, anstatt diesen eindeutigen Beleg US-amerikanischer Spionage auf deutschem Boden ernstzunehmen und Konsequenzen zu ziehen.
Jetzt liegt es am OLG München zu ermitteln, ob R. vorsätzlich gehandelt hat, um der Bundesrepublik zu schaden. Sollte sich das herausstellen, erwartet ihn eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr, in schweren Fällen kann es auch lebenslänglich werden.
-
: Behauptungen der Bundesregierung zur NSA-Selektorenliste: „Absolute Mär“
Heute mit großem Andrang: Ausschuss-Saal vor der Anhörung. : Behauptungen der Bundesregierung zur NSA-Selektorenliste: „Absolute Mär“ Die „Zeit“ meldet Neuigkeiten zur Selektorenliste und damit zur gemeinsamen Spionagetätigkeit von NSA und BND. Um die Offenlegung dieser Liste wurde und wird heftig gestritten.
Brigadegeneral und BND-Mann Dieter Urmann hatte im BND-NSA-Ausschuss zugegeben, dass mit den Suchbegriffen der Selektorenliste auf europäische Rüstungsunternehmen („EADS“, „Eurocopter“) und weitere Branchen gezielt wurde.
Ein sog. Sonderermittler sieht statt der Parlamentarier die Selektoren ein, da die Bundesregierung dem NSA-BND-Untersuchungsausschuss die Liste dieser Selektoren mit dem Hinweis auf die US-Administration verweigert hatte. Diese hätte nämlich keine Zustimmung gegeben und gar mit dem Ende der langjährigen vertrauensvollen Kooperation gedroht.
Dem widersprechen nun laut „Zeit“ Mitarbeiter von Barack Obama. Es sei außerdem
eine ‚absolute Mär‘, dass die US-Regierung mit einer Einschränkung der Geheimdienstkooperation gedroht habe, sollte die Liste öffentlich werden.
Es habe zwar seitens der US-Regierung Bedenken gegeben, aber es sei
der Bundesregierung nicht untersagt worden, den Geheimdienstausschüssen des Bundestags die Liste zur Einsicht vorzulegen. Die letzte Entscheidung über eine Freigabe sei der Bundesregierung überlassen worden.
Das ist insofern brisant, weil das Verweigern von Informationen durch die Bundesregierung gegenüber dem NSA-BND-Ausschuss stets zu rechtfertigen ist. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Jahr 2009 über den damaligen BND-Untersuchungsausschuss sind nämlich die Rechte der Parlamentarier gestärkt worden, so dass Akteneinsicht seitens der Bundesregierung nur in Ausnahmefällen verweigert werden kann und im Einzelfall zu begründen ist. Die Ausrede, die US-Regierung hätte die Einsichtnahme nicht gestattet, fällt nun wohl als Begründung weg.
Die Obama-Leute beklagten in der „Zeit“ außerdem, dass es mit der Geheimhaltung in Deutschland nicht weit her sei und „am nächsten Tag alles in der Zeitung“ stünde. Oder aber bei Wikileaks, denn man hatte dem NSA-BND-Ausschuss ja unterdessen angeboten, die Selektorenlisten ungeschwärzt zu übergeben. Wenn nun nicht mal mehr Gegenwehr aus der US-Regierung droht, könnte man auch die Annahme des Angebots erwägen.













