Linkschleuder

Linktipps der Redaktion

  • : Wirtschaften ohne Konkurrenz: Ist Amazon auf dem Weg zur Planwirtschaft?
    Amazon-Gründer Jeff Bezos
    Wirtschaften ohne Konkurrenz: Ist Amazon auf dem Weg zur Planwirtschaft?

    Amazon verhält sich nicht wie eine normale Firma. Der 700-Milliarden-Dollar-Konzern schreibt kaum Profite, bietet seinen Aktionären keine Dividenden und hortet auch wenig an Barvermögen. Stattdessen investiert der Onlineshopping-Gigant und Cloud-Dienstleister in immer neue Ankäufe und immer weiteres, spektakuläres Wachstum. Das mag zwar ein wenig megalomanisch erscheinen, hat aber System, schreibt der Autor Malcolm Harris in einem Medium-Post – denn Amazon schafft sich so eigene Realitäten fernab der klassischen Marktlogik:

    Amazon ist berühmt dafür, nach Wachstum und großen Effizienzsteigerungen zu streben, auch wenn seine Mitarbeiter diese Experimente qualvoll finden und sie auch für die Kunden wenig Sinn ergeben. Wenn Sie eine winzige Bestellung in einem riesigen Amazon-Paket erhalten, keine Sorge: Ihre Bestellung ist nur ein kleines Stück in einem Effizienz-Puzzle, das für den einzelnen Menschen zu groß und schnell ist, um verstanden zu werden. Wenn wir Amazon als Planwirtschaft statt als Marktteilnehmer betrachten, ergibt das alles schon mehr Sinn: Wir werden Jeff [Bezos, Amazon-Gründer] später danken, wenn der Plan funktioniert hat. Und tatsächlich, mit unseren Dollars haben wir das schon. [Eigene Übersetzung]

    19. Februar 2018 3
  • : Bundeswehr bereitet sich auf den Kampf gegen Killer-Roboter vor
    Putzig, aber tödlich: Autonome Waffensysteme stehen nicht unter direkter menschlicher Kontrolle.
    Bundeswehr bereitet sich auf den Kampf gegen Killer-Roboter vor

    Wissenschafter und Aktivisten warnen seit längerem vor dem Einsatz autonomer Waffensysteme. Die deutsche Bundeswehr hat nun offiziell ausgeschlossen, solche Systeme ankaufen zu wollen. „Wir haben eine sehr klare Position. Wir haben keine Absicht, autonome Systeme zu erwerben“, sagte Generalleutnant Ludwig Leinhos, dem das „Kommando Cyber- und Informationsraum“ untersteht, gestern im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz. Er betonte aber, dass Deutschland sich darauf vorbereiten müsse, sich gegen den Einsatz von Killer-Robotern durch andere Staaten zu verteidigen.

    Einer internationale Kampagne zur Ächtung von Roboter-Kampfsystemen haben sich inzwischen 22 Staaten angeschlossen, berichtet die Nachrichtenseite Politico. Dennoch arbeiten einige Staaten, allen voran der Rüstungsweltmeister USA, an solchen Systemen. Politico schildert in seiner Geschichte die Möglichkeiten der Technologie:

    Im Oktober 2016 lud das US-Verteidigungsministerium eine TV-Crew in die Wüste Kaliforniens ein und entließ dort aus einem Flugzeug einen Schwarm von 103 Drohnen in Vogelgröße in den blauen Himmel. Wie Schwalben flog der Schwarm in Formation, änderte akkordiert seine Richtung, positionierte sich laufend neu und reagierte auf seine Umgebung – die dafür nötigen Entscheidungen traf der Schwarm kollektiv, ohne menschliche Hilfe. Nichts illustriert die revolutionäre Natur von vollständig autonomen Waffensystemen besser als die Neuentwicklung solcher „Schwarm-Drohnen“ – kleiner, unbemannter Flugobjekte, die in Gruppen operieren und schon bald die existierende Militärtechnologie in der Leistung überholen könnten, zu einem Bruchteil der Kosten. [Eigene Übersetzung]

    16. Februar 2018 8
  • : Neuer Chrome-Adblocker: Googles Marketingkampagne für Online-Werbung
    Diese Formen von Werbung am Handy setzt Google auf die schwarze Liste
    Neuer Chrome-Adblocker: Googles Marketingkampagne für Online-Werbung

    Der Chrome-Browser von Google soll ab heute allzu nervige Online-Werbung mit Hilfe eines integrierten Adblockers unterbinden, etwa Popup-Werbung oder Autoplay-Videos mit Ton. Die Maßnahme ist der sichtbarste Schritt der „Coalition for Better Ads“, die Google mit Facebook und anderen initiiert hatte. Kernanliegen des Zusammenschlusses, dem auch Axel Springer und der Bundesverband der Digitalwirtschaft angehören, ist es, die Akzeptanz von Reklame im Netz zu erhöhen und den immer weiter verbreiteten Adblockern das Wasser abzugraben. Das Bündnis hat hierfür eine Liste von 12 Werbeformen erstellt, die Werbeanbieter im Internet künftig vermeiden sollen. Bei Webseiten, die sich nicht daran halten, wird die Werbung im Chrome-Browser automatisch geblockt.

    Damit setzt Google, dessen Chrome weltweit den halben Browsermarkt kontrolliert, nicht ganz uneigennützig neue Standards für Werbung im Internet, fasst die Nachrichtenseite Gizmodo lesenswert zusammen:

    Es gibt auch Gründe, die altruistischen Ziele von Google in Zweifel zu ziehen. Natürlich, [Google] schreibt Werbeanbietern vor, nichts Böses zu machen, aber es hofft auch darauf, dass ein besseres Erlebnis dazu führt, dass weniger Leute Adblocker von Drittanbietern herunterladen. Das ist gut fürs Internet, das sich wesentlich aus Werbung finanziert. Aber es ist besonders gut für Google, das 42 Prozent des digitalen Anzeigenmarktes in den USA und 75,8 Prozent des Anzeigenmarkts bei der Internet-Suche kontrolliert, laut Zahlen von eMarketer. Es wäre nicht so toll, wenn Google sich mit all seiner Macht nun dafür entscheidet, in die Fußstapfen von Diensten wie Adblock Plus zu treten, die Firmen die Möglichkeit bieten, sich einen Platz auf der Liste der akzeptablen Werbekunden zu erkaufen. [Eigene Übersetzung]

    Überschaubare Effekte

    In einer Analyse auf heise.de weist Torsten Kleinz darauf hin, dass Googles Haupteinnahmequellen – Suchmaschinenwerbung oder Preroll-Werbung auf Youtube – von den Standards nicht betroffen sind. Abgesehen davon wird die öffentlichkeitswirksame Maßnahme zunächst kaum einen echten Effekt haben. Lediglich auf unter einem Prozent der untersuchten Webseiten habe Google unzulässige Werbung entdeckt, die Chromes Adblocker künftig unterbinden werde, so Kleinz. Google hat seinen Partnern im Better-Ad-Netzwerk viel Vorlauf und Spielraum gegeben, sich auf die Maßnahme einzustellen. So darf auf Springers Welt.de auch weiterhin Autoplay-Werbung mit Ton laufen:

    Am Mittwoch verkündete Google im Chromium-Blog einen ersten Erfolg: 42 Prozent der Betreiber von Websites, bei denen vorab unzulässige Werbeformen bemängelt wurden, haben ihre Angebote inzwischen an den Standard angepasst. Kein Wunder: Google hat ihnen genug Spielraum gelassen, die neuen Verbote ohne allzu große Verluste zu umgehen. So kann Axel Springer als einziger deutscher Verlag in der Coalition for Better Ads auf seinem Portal Welt.de weiterhin Autoplay-Werbung in seinen Artikeln deponieren.

    Grund: Der Verlag hat unter diesen Videos einen Abschaltknopf eingebaut. „Wird diese Funktion genutzt, merkt Welt.de sich das und Autoplay bleibt bei zukünftigen Besuchen der Seite deaktiviert“, erklärt Carsten Schwecke von der Springer-Vermarktungstochter Media Impact. „Damit entsprechen wir den Anforderungen der Coalition for Better Ads“, betont Schwecke. Auch Autoplay-Werbung ohne Ton ist weiter erlaubt oder Pre-Roll-Werbung, die vor redaktionellen Videos eingespielt wird. Die Hürden, um auf Googles Sperrliste zu landen, sind zum Start sehr hoch.

    Mit seinem Adblocker macht Google einen Schritt hin zum obersten Weltwerbepolizisten, der zunehmend bestimmt, wie Anzeigen im Internet funktionieren.

    15. Februar 2018 4
  • : Netzpolitik in Schrankenhusen-Borstel? Bundesweite Aktionstage im Juni!
    Netzpolitik in Schrankenhusen-Borstel? Bundesweite Aktionstage im Juni!

    Viele netzpolitische Veranstaltungen finden in Berlin oder anderen größeren Städten statt. Das ist schade, denn viele können so nicht dabei sein. Die Bundeszentrale und 15 Landeszentralen für politische Bildung haben sich nun zusammengetan, um bundesweite Aktionstage zu Netzpolitik & Demokratie zu organisieren.

    Zwischen dem 7. und 9. Juni 2018 sollen an möglichst vielen Orten unterschiedliche Veranstaltungen stattfinden, seien es Ausstellungen, Vorträge, Filmvorführungen, Workshops oder Performances. Wer mitmachen will, ist herzlich eingeladen, das Programm so bunt und vielfältig wie möglich mitzugestalten:

    Egal, ob euer gewünschter Veranstaltungsort Aachen oder Zingst, Berlin oder Schrankenhusen-Borstel heißt: Wir freuen uns über jeden Programmvorschlag und unterstützen euch im Rahmen unserer Möglichkeiten finanziell bei der Veranstaltungsrealisierung.

    Die Einreichungsfrist läuft noch bis zum 14. April.

    15. Februar 2018
  • : „Im Raster“ – Journalistin reist in das unbekannte Land der Überwachung
    Nicht immer ist Überwachung so leicht zu erkennen wie hier.
    „Im Raster“ – Journalistin reist in das unbekannte Land der Überwachung

    Die Journalistin Laura Meschede hat für die FAZ zu Überwachung recherchiert. Sie macht sich auf eine Reise, die sie von der Volkszählung 1983 bis zu den großen Datenkonzernen unserer Zeit führt. Auch Social Scoring, Geheimdienste und Predicitive Policing thematisiert Meschede, der ausführliche Artikel ist mit Statistiken, Videosequenzen und Interviews aufgelockert.

    14.02.2018 · Wir werden überwacht, das ist klar. Aber: Was passiert eigentlich mit all den Informationen über uns, nachdem sie eingesammelt wurden? Wer überwacht uns – und wie? Eine Suche.

    Der Text verdeutlicht sehr schön, dass es die eine Überwachung nicht gibt, sondern sie uns in vielen Formen immer wieder im Alltag begegnet. So oft, dass die Autorin wohl selbst überrascht war:

    https://twitter.com/LauraMeschede/status/963706143859269632

    15. Februar 2018 6
  • : Wirtschaftsverbände werben mit Petition für Digitalministerium
    Digitalverbände wollen, dass ein Minister den Hut für die Digitalisierung auf hat. Dafür werben sie mit einer Petition.
    Wirtschaftsverbände werben mit Petition für Digitalministerium

    Ein Bündnis vornehmlich aus Startup- und Wirtschaftsverbänden fordert in einer Petition, dass Union und SPD für die mögliche zukünftige Regierungszeit einen Digitalminister ernennen.

    Im Petitionstext heißt es:

    Aufgrund der schlechten Erfahrung mit über zahlreiche Ministerien verteilten Zuständigkeiten ohne echte Koordinierung haben CDU und CSU in ihrem gemeinsamen Regierungsprogramm die Schaffung eines Digitalstaatsministers im Bundeskanzleramt versprochen. Auch in der SPD war dies Konsens, während sich führende Vertreter dieser Parteien sogar für ein eigenständiges  Digitalministerium ausgesprochen haben. Es ist unverständlich, wie die Koalitionsparteien hinter diesen Konsens zurückfallen konnten.

    Dem Bündnis gehören neben dem Bundesverband deutscher Startups, Bitkom und eco unter anderem auch die parteinahen Digitalvereine D64, cnetz und Load an.

    14. Februar 2018 1
  • : VPN-Dienst Onavo: Facebook drängt US-Nutzer dazu, sich noch mehr überwachen zu lassen
    Facebook will seinen Nutzern noch mehr über die Schulter schauen.
    VPN-Dienst Onavo: Facebook drängt US-Nutzer dazu, sich noch mehr überwachen zu lassen

    Der VPN-Dienst Onavo, den Facebook seinen Nutzern unter dem Versprechen von verbesserter Sicherheit schmackhaft machen will, dient unter anderem dazu, das Surf- und Nutzungsverhalten noch besser zu überwachen. Darüber hatten wir bereits im vergangenen Sommer berichtet. Nun integriert die kommerzielle Überwachungsplattform das hauseigene Angebot direkt in die Facebook-App von US-Nutzern, unter der irreführenden Bezeichnung „Schutz“. Das hat Techcrunch herausgefunden.

    Wenn Onavo innerhalb der Facebook-App vermarktet wird, dann könnte es zu mehr Nutzern des VPN-Dienstes führen. Dieser verspricht, die Nutzer vor Schad-Webseiten zu warnen und Informationen wie Bank- und Kreditkartendaten zu sichern, wenn man im Internet unterwegs ist. Aber Facebook hat Onavo nicht wegen der Sicherheitsversprechen gekauft.

    Stattdessen erlaubt es der VPN-Dienst Onavo dem Eigentümer Facebook, die Aktivität der Nutzer über App-Grenzen hinweg zu verfolgen und verschafft so Facebook einen großen Wettbewerbsvorteil, weil man damit neue Trends im breiteren mobilen Ökosystem erkennen kann. Beispielsweise kann Facebook frühzeitig erkennen, wenn neue Apps sich zum Hit entwickeln; es kann Apps erkennen, die sich nur langsam entwickeln; es kann erkennen, welche spezifischen Features von Apps besonders gut bei Nutzern ankommen und vieles mehr. [Eigene Übersetzung]

    14. Februar 2018 1
  • : Das Internet weiß alles über dich – about:blank zeigt „Data Detox“ als Gegenstrategie
    Floria Prokop testet das "Data Detox"-Kit (Screenshot)
    Das Internet weiß alles über dich – about:blank zeigt „Data Detox“ als Gegenstrategie

    Unternehmen sammeln jede Menge Daten über ihre NutzerInnen. Doch die sind dem nicht einfach ausgeliefert. In der neuen Folge unseres Webvideo-Formats about:blank unternimmt Florian Prokop den Selbstversuch im „Data Detox“.

    13. Februar 2018 6
  • : EU-Kommission will Plattformen die Löschung von illegalen Inhalten ohne Netz und doppeltem Boden empfehlen
    Der Kommissionsentwurf zu den Empfehlungen für den Umgang mit illegalen Inhalten im Netz lässt den Plattformen freie Hand beim Zensieren
    EU-Kommission will Plattformen die Löschung von illegalen Inhalten ohne Netz und doppeltem Boden empfehlen

    In einem Entwurf für eine formelle Empfehlung an die Mitgliedstaaten spricht sich die EU-Kommission dafür aus, Internet-Plattformen wie Facebook und Youtube das Löschen aller möglicherweise rechtswidrigen Inhalte nahezulegen – ohne dabei aber zugleich auf Sicherheitsmaßnahmen gegen ausufernde Zensur durch die Plattformen zu drängen. Das schreibt die Bürgerrechtsorganisation European Digital Rights (EDRi) am Dienstag unter Berufung auf den geleakten Entwurf der auf Februar datierten Empfehlung auf ihrer Webseite:

    Auf der Basis keiner neuen Analysen, keiner neuen Daten und keiner dringender Probleme, die angesprochen werden müssen, spricht sich der geleakte Empfehlungsentwurf für die vollständige Privatisierung der Entscheidung darüber aus, was online akzeptabel ist und was nicht. Der einzige Schutz für Nutzerrechte wie das Recht auf freie Meinungsäußerung sind demnach solche undurchsetzbaren Hoffnungen wie gewisse „angemessene Schutzmaßnahmen“ auf freiwilliger Basis von den Firmen eingerichtet werden. Der Entwurf erinnert die Leser zweifach daran, dass Dienstleister die „vertragliche Freiheit“ besitzen – das bedeutet, dass jegliche Schutzmaßnahmen rein optional sind. (Eigene Übersetzung.)

    Im September 2017 hatte die EU-Kommission Leitlinien für Plattformbetreiber vorgestellt. Diese sollen illegale Inhalte automatisch erkennen, sie so schnell wie möglich entfernen und mit automatischen Upload-Filtern dafür sorgen, dass sie nicht erneut hochgeladen werden. Auf Drängen der EU betreiben die Online-Riesen Facebook, Microsoft, Twitter und YouTube bereits seit März 2017 eine gemeinsam befütterte Datenbank mit digitalen Fingerabdrücken, um einmal erkannte unerwünschte Inhalte automatisch und dauerhaft („take down and stay down“) von ihren Plattformen zu entfernen.

    13. Februar 2018
  • : Interview mit Gerd Gigerenzer: Das Leben dreht sich irgendwann nur noch um den Scorewert
    Die Folge "Nosedive" aus der dystopischen Serie Black Mirror zeigte eine Welt auf, in der es nur noch um den sozialen Score geht.
    Interview mit Gerd Gigerenzer: Das Leben dreht sich irgendwann nur noch um den Scorewert

    Wir sind längst auf dem Weg in den Überwachungsstaat, sagt der Psychologe Gerd Gigerenzer. Big Data und Scoring-Systeme würden so schnell voranschreiten, dass man dringend eine Wertediskussion führen müsse, damit wir nicht weiter von der Technik getrieben würden. Die gesellschaftliche und psychologische Dimension blieben in der Digitalisierungsdebatte außen vor: „Wir reden von Technik und nicht davon, was die Technik mit uns macht.“

    Im Interview mit dem Tagesspiegel warnt Gigerenzer vor den Auswirkungen der Datensammelei:

    Wenn wir nichts tun, wird eines Tages ein Unternehmen oder eine staatliche Institution die verschiedenen Datenbanken zu einem einzigen Sozialen-Kredit-Score zusammenführen, und am Ende haben wir chinesische Verhältnisse.

    13. Februar 2018
  • : Fake-News-Verbreiter verdienen Geld mit Facebook Instant Articles
    Wer auf Facebook sucht, findet dutzendfach Fake-News-Geschichten über die Obamas
    Fake-News-Verbreiter verdienen Geld mit Facebook Instant Articles

    Journalisten der Nachrichtenseite Buzzfeed News haben die Verbreitung von Falschnachrichten auf Facebook untersucht und dabei entdeckt, dass zahlreiche offenkundige Falschnachrichten über die Instant-Articles-Plattform verbreitet werden. Facebook schuf die Instant-Articles-Funktion im Jahr 2015. Sie erlaubt es Verlegern, ihre Inhalte direkt bei Facebook zu lagern, die Nachrichten sollen dadurch schneller bei den Lesern laden. Buzzfeed fand heraus, dass zahlreiche Fake-News-Geschichten den Weg auf Instant Articles fanden, obwohl Facebook den Zugang dazu angeblich streng kontrolliert:

    „Während einige Mainstream-Verleger sich inzwischen von den Instant Articles auf Facebook verabschieden, nützen zahlreiche ausländische Fake-News-Seiten das Format für ihre Zwecke – und in manchen der Fälle verdient auch Facebook am mit Falschmeldungen erwirtschafteten Umsatz mit. Buzzfeed News fand 29 Facebook-Seiten und damit verbundene Webseiten, die Instant Articles verwenden, damit ihre komplett erfundenen Geschichten schneller auf Facebook laden. Zumindest 24 dieser Seiten sind auch Teil von Facebooks Audience Network (einer Anzeigenplattform, Anm.). Das bedeutet, dass Facebook selbst einen Anteil der Einnahmen von den Fake News auf seiner Plattform bekommt.“ (Eigene Übersetzung)

    Zu den verbreiteten Falschnachrichten gehören krude Verschwörungstheorien über die Familie des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama. Der Titel einer der von Buzzfeed auf Instant Articles entdeckten Geschichten lautet etwa: „Update: Polizist, der Malia Obama verhaftete, unter verdächtigen Umständen tot aufgefunden“. Facebook hat die von Buzzfeed entdeckten Geschichten inzwischen aus seinem Instant-Articles-Dienst rausgenommen.

    8. Februar 2018 1
  • : China rüstet Polizei mit Gesichtserkennungsbrillen aus
    Ein chinesischer Polizist - mit Zigarette und ohne Überwachungsbrille.
    China rüstet Polizei mit Gesichtserkennungsbrillen aus

    Der neue Überwachungsweltmeister China rüstet derzeit Polizisten mit Brillen aus, die zur mobilen Videoüberwachung und Gesichtserkennung genutzt werden können.

    Unter Berufung auf einen Artikel des Wall Street Journals berichtet Standard.at:

    Pünktlich zum chinesischen Neujahrsfest [Anm.: am 16. Februar] hat die chinesische Polizei begonnen, Brillen zu nutzen, die kleine Kameras mit Gesichtserkennungsfunktion besitzen. Wie Wall Street Journal berichtet, sollen sie einerseits genutzt werden, um Ausweiskontrollen auf diese Weise effizienter und schneller durchzuführen, andererseits soll es so aber auch möglich sein, Orte zu überwachen, die eine stehende Kamera nicht aufnehmen kann.

    China rüstet derzeit seine Überwachungssysteme in rasender Geschwindigkeit aus: die DNA- und Biometriedaten ganzer Bevölkerungsgruppen werden erfasst, ein Social-Scoring-System ausgebaut, die Kommunikation über den Messenger WeChat kontrolliert sowie eine allgegenwärtige Videoüberwachung mit Gesichtserkennung bis zum Jahr 2020 aufgebaut.

    7. Februar 2018 4
  • : Unitymedia darf Router seiner Kunden ungefragt für öffentliche Hotspots nutzen
    Unitymedia darf Router seiner Kunden ungefragt für öffentliche Hotspots nutzen

    Das Oberlandesgericht Köln hat entschieden, dass der Kabelnetzbetreiber Unity Media auf den Routern seiner Kunden ungefragt einen zweiten, öffentlichen Hotspot einrichten darf. Es reicht demnach aus, wenn der Internetanbieter eine Möglichkeit zum Opt-Out anbietet und Kunden jederzeit widersprechen können. Das Gericht hob damit eine gegenteilige Entscheidung der Vorinstanz auf.

    Als Begründung führt das Gericht an, dass in Abwägung zwischen der Belästigung für den Kunden und dem Interesse des Unternehmens letzteres überwiege:

    Das Unternehmen habe ein berechtigtes Interesse, sein Dienstleistungsangebot durch Zusatzfunktionen auszuweiten. Außerdem gebe es ein Interesse der anderen Kunden, Wifi-Hotspots auch außerhalb der Privatwohnung zu nutzen. Demgegenüber sei die Belästigung der Kunden durch die Aufschaltung des zweiten Signals gering. Ihr Eigentumsrecht sei nicht betroffen, weil die Router unstreitig im Eigentum von Unitymedia stünden. Die Software könne ohne Mitwirkung oder Störungen der Kunden aufgespielt werden. Anhaltspunkte für eine Sicherheitsgefährdung seien ebenfalls nicht vorgetragen worden.

    Über die zusätzlichen Hotspots sollen andere Unitymedia-Kunden unterwegs kostenlos ins Internet gehen und so Mobilfunkdatenvolumen sparen können. Das Verfahren war von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen angestrengt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Weil die Frage grundsätzliche Bedeutung habe, inwieweit die Nutzung von im Eigentum des Unternehmers verbleibenden Ressourcen im Haushalt des Kunden zulässig ist“, ist eine Revision am Bundesgerichtshof zugelassen.

    2. Februar 2018 26
  • : Chinesischer Messenger WeChat wird zum elektronischen Identitätsausweis
    Mit WeChat kann man nicht nur kommunizieren, sondern unter anderem auch Spiele spielen und online bezahlen.
    Mit WeChat kann man nicht nur kommunizieren, sondern unter anderem auch Spiele spielen und online bezahlen. - <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/">CC BY-NC 2.0</a> via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/inmediahk/8265755699/">inmediahk</a>
    Chinesischer Messenger WeChat wird zum elektronischen Identitätsausweis

    Die chinesische Messenger-App WeChat, die auch als Bezahlsystem und Einkaufsplattform dient, ist bereits jetzt für viele Chinesen quasi mit dem Internet gleichzusetzen. Die App, deren Betreiber eng mit der chinesischen Regierung verbunden sind, ist zudem auch ein wichtiges Mittel zur staatlichen Kommunikationskontrolle und Zensur.

    In Zukunft soll das Programm auch gleich noch in vielen Situationen den Ausweis ersetzen können, wie The Verge berichtet. Das asiatische Land setzt damit einen weiteren Schritt in Richtung der Verschmelzung von Internet und Staatsmacht:

    Nun steht WeChat davor, Chinas elektronisches Identitätskarten-System zu werden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua im Dezember. WeChat will virtuelle ID-Karten verteilen, die die Bürger anstatt von physischen Personalausweisen verwenden können. Da WeChat wegen gesetzlicher Vorgaben bereits verlangt, mit richtigem Namen registriert zu sein, erfordert es keine besondere Phantasie, sich vorzustellen, dass WeChat eines Tages staatliche ID-Karten ganz ersetzt. (…) Ein Pilotprogramm ist im Dezember gestartet, und es expandiert im Januar über das ganze Land. Das Programm wurde von einer Forschungseinrichtung des Ministeriums für Öffentliche Sicherheit sowie dem WeChat-Team der Firma Tencent entwickelt und wird von Banken und weiteren Regierungsabteilungen unterstützt. [Eigene Übersetzung]

    2. Februar 2018 3
  • : Bundeskartellamt will Online-Werbemarkt untersuchen
    "Half an hour of web ads"
    Bundeskartellamt will Online-Werbemarkt untersuchen

    Zuverlässige Informationen über Umfang und Struktur des (deutschen) Online-Werbemarktes sind bislang Mangelware. Das Bundeskartellamt kündigte gestern an, eine Untersuchung des Online-Werbemarktes eingeleitet zu haben. Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärte dazu:

    In Deutschland schätzt man das Marktvolumen auf fünf bis neun Milliarden Euro. Aufgrund der großen wirtschaftlichen Bedeutung für Werbetreibende sowie für Inhalteanbieter im Netz und angesichts der Diskussionen um ein schwieriges wettbewerbliches Umfeld auf diesem Markt, haben wir entschieden, den Bereich zu untersuchen. Online-Werbung ist heute ein komplexes System von sehr unterschiedlichen Werbeformen, das hochgradig technisiert ist. Ein Beispiel ist der vollautomatisierte Handel mit Werbeflächen in Echtzeit. Gleichzeitig sind einzelne große Unternehmen wie Google oder Facebook mit erheblicher Marktbedeutung entstanden, die nach Auffassung einiger Marktteilnehmer geschlossene Systeme, sogenannte „walled gardens“ etablieren konnten. Wettbewerblich bedeutsam ist auch die Frage des Zugangs zu Daten und deren Verarbeitung.

    Dabei geht es zunächst nicht um die Kontrolle des Verhaltens einzelner Firmen, sondern um eine Prüfung, ob der Wettbewerb auf dem Markt „möglicherweise eingeschränkt oder verfälscht ist“. In einem ersten Schritt wird das Kartellamt hierfür mit relevanten Marktakteuren sprechen. In einer zweiten Phase sollen mithilfe eines standardisierten Fragebogens vergleichbare Informationen gesammelt werden. Im Zuge der Ankündigung hat das Kartellamt zudem ein kurzes Übersichtspapier [PDF] zu Geschichte und Formen der Online-Werbung veröffentlicht. Probleme wie Mal- und Scamvertising werden darin ebenso wenig thematisiert wie in der Prüfungsankündigung.

    2. Februar 2018
  • : Blockchain: Torsten Kleinz räumt mit ein paar Missverständnissen auf
    Es gibt sogar Boote, die Blockchain heißen.
    Blockchain: Torsten Kleinz räumt mit ein paar Missverständnissen auf

    Der Technikjournalist Torsten Kleinz macht in seinem Notizblog auf grundlegende Missverständnisse rund um das Thema Blockchain aufmerksam. Auslöser für den Rundumschlag war ein vor Fehlern strotzender Artikel im Online-Angebot der ARD.

    In dem Artikel entgegnet er den gängisten Missverständnissen:

    1. Es gibt nicht „die“ eine Blockchain.
    2. Bitcoin ist nicht anonym.
    3. Blockchains verhindern weder Überwachung noch Identitätsdiebstahl.
    4. Auf der Blockchain werden per se keine Nutzerdaten per Verschlüsselung versteckt — eher im Gegenteil. Die Kryptographie stellt lediglich sicher, dass die Transaktionen korrekt sind.
    5. Dezentralität ist nicht gleichbedeutend mit Datensicherheit.
    6. Blockchains sind keine egalitäre Technik.

    Auch gebe es gar nicht so viele Anwendungen, wo der Einsatz der Blockchain-Technologie Sinn ergebe. Kleinz warnt deshalb:

    Wo immer ihr einen Artikel seht, wo die Blockchain einen revolutionären Anspruch verliehen bekommt, ersetzt das Wort „Blockchain“ durch das Wort „Spezial-Datenbank“. Denn Blockchains sind nichts anderes. Man kann auch ganz zentrale Datenbanken einrichten, die anonym, pseudonym oder öffentlich sind. Bei Blockchain ist es im Prinzip nicht anders. Bis auf die Tendenz, dass ganz private Daten auf einer Blockchain eher nichts verloren haben. Glaubt ihr, dass eine Spezial-Datenbank Google und Facebook bezwingen wird? Eher nicht. Und damit seid ihr im Bereich des überaus Wahrscheinlichen.

    2. Februar 2018 1
  • : Mietpreise in New York sind laut einer Studie wegen AirBnb und Co. um 380 Dollar gestiegen
    In luftigen Höhen: Mietpreise in New York sind zunehmend unerschwinglich
    Mietpreise in New York sind laut einer Studie wegen AirBnb und Co. um 380 Dollar gestiegen

    Die Mietpreise sind nicht nur zu hoch, wie leidgeplagte Bewohner deutscher Großstädte wissen, sie sind auch eine politische Frage. Die staatlichen Regeln, unter denen der private Mietmarkt operiert, und wer daran teilnehmen kann, haben einen großen Einfluss auf die Lebenshaltungskosten. US-Gewerkschaften, Mieterverbände und die Hotelindustrie haben eine Studie der kanadischen McGill-Universität finanziert, die erstmals den genauen Preis benennt, den New Yorker dafür zahlen müssen, dass AirBnb und andere Vermietungsplattformen in der Stadt tätig sind: 380 Dollar steigt dadurch die Median-Miete.

    Den Grund dafür fasst das New York Magazine zusammen:

    „AirBnb-Vermietung hat zwischen ungefähr 7.000 und 13.500 Wohnungseinheiten vom Markt genommen, vor allem in Midtown und im unteren Manhattan sowie in den teureren Gegenden von Brooklyn – und das zu einer Zeit, in der die Stadt einen ernsthaften Wohnungsmangel erlebt. Aber der für AirBnb schlimmere Teil der Studie befasst sich mit der Welt der „professionellen“ AirBnb-Vermieter – Menschen und Organisationen, die mehrere ganze Wohneinheiten anbieten (…) Während die meisten Vermieter auf AirBnb sind, wie man es sich vorstellt – jemand mit einer schönen Wohnung, der auf Reisen geht oder ein wenig extra Kohle machen will – so ist es die Wahrheit, dass die Hälfte aller Angebote in der Stadt New York auf AirBnb von nur 10 Prozent der Anbieter stammen.“

    2. Februar 2018
  • : Digitales Archiv der Sinti und Roma kündigt Start im Oktober an
    Die Projekt-Initiatorinnen Isabel Raabe und Franziska Sauerbrey.
    Digitales Archiv der Sinti und Roma kündigt Start im Oktober an

    RomArchive ist ein internationales Projekt über Künste und Kulturen von Sinti und Roma, das von der Kulturstiftung des Bundes gefördert wird. Das digitale Archiv soll ab Oktober online gehen und will mit von Sinti und Roma selbst erzählten Gegengeschichten eine im Internet international zugängliche, verlässliche Wissensquelle schaffen, die Stereotypen und Vorurteilen mit Fakten begegnet.

    Inhaltlich definieren 14 Kuratorinnen und Kuratoren die Darstellung und wählen künstlerische Beiträge für die Archivbereiche Bildende Kunst, Film, Literatur, Musik, Tanz, Theater und Drama und den interdisziplinären Bereich Flamenco aus. Darüber hinaus gibt es auch Material zur Bilderpolitik, Selbstzeugnisse im Zusammenhang mit der Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus sowie wissenschaftliches Material zur Bürgerrechtsbewegung.

    Am Projekt sind insgesamt etwa 150 Personen aus 15 Ländern beteiligt. Über den Stand informiert schon jetzt ein Blog. Zahlreiche Projektpartner unterstützen das Vorhaben, das langfristig angelegt ist.

    1. Februar 2018
  • : Privatsphäre in der eigenen Wohnung: Von Vermietern und Smart Homes
    Neugierig, wie du wohnst? Das kann auf Vermieter und vernetzte Geräte gleichzeitig zutreffen.
    Privatsphäre in der eigenen Wohnung: Von Vermietern und Smart Homes

    Smart-Home-Geräte wie intelligente Lüftungssysteme können zum Datenschutzproblem werden, etwa wenn die Anbieter Daten weiterverkaufen oder die Geräte gehackt werden. Doch Privatsphäre in der Wohnung kann auch ganz analog in Gefahr sein, zum Beispiel wenn der Vermieter zu neugierig ist.

    Der Berliner Mieterverein hat dem Thema ein ausführliches Feature (PDF) gewidmet und klärt über die digitalen und analogen Probleme auf:

    Fotos vom Zustand der Wohnung? Ein Zeugnis des Arbeitgebers? Die Frage, ob ich schwul bin oder schwanger? Es gibt Vermieterfragen, die übergriffig sind. Die Informationen, die aber über die Funkwellen „smarter“ Technik die Wohnung verlassen, sind oft wesentlich brisanter.

    Zwar macht Digitalisierung unseren Alltag sicherer, zuverlässiger und sparsamer. Aber sie bricht auch in geschützte Räume wie die Wohnung ein und ermöglicht einen immer umfangreicheren Zugriff.

    1. Februar 2018 1
  • : Browser-Erweiterung liefert mehr Kontext zu Politikern
    Die Browser-Erweiterung "Kontext" zeigt, was deutsche Politiker noch von sich geben.
    Browser-Erweiterung liefert mehr Kontext zu Politikern

    Die neue Browser-Erweiterung „Kontext“ fügt Zusatzinformationen zu deutschen Politikern in Webseiten hinzu. Sie ist für Chrome und Firefox verfügbar, die Entwickler Arne Semsrott und Moritz Klack freuen sich über Ergänzungen von Nutzern auf GitHub.

    Hier noch weitere Beispiele der Extension:

    1. Februar 2018 11