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: Algorithmische Kriegsführung: Google hilft dem Pentagon bei der Verbesserung seiner Kampfdrohnen
Eine Karte der Organisation Airwars.org zeigt Orte häufiger US-Luftangriffe im Irak und in Syrien seit 2014 : Algorithmische Kriegsführung: Google hilft dem Pentagon bei der Verbesserung seiner Kampfdrohnen Das Motto von Google lautet „Sei nicht böse“. Wohl ganz in diesem Sinne hilft der Internetkonzern nun dem US-Verteidigungsministerium bei der Verbesserung seiner Drohnentechnologie, die die USA in Konfliktgebieten völkerrechtswidrig für gezielte Tötungen einsetzt. Wie die Webseite Gizmodo berichtet, ging Google kürzlich eine Partnerschaft mit dem Maven-Projekt des Pentagon ein, das auch als „Algorithmic Warfare Team“ bekannt ist und seit 2017 die Nutzung von Big Data und Machine Learning für die Kriegsführung voranbringen soll. Google hat in den letzten Jahren enorme Expertise im Bereich der Künstlichen Intelligenz entwickelt und soll dabei helfen, die Zielsteuerungsmechanismen von Kampfdrohnen im Feld zu verbessern. Der Schritt wurde dem Bericht zufolge von Google-Mitarbeitern hitzig diskutiert und kritisiert.
The Intercept schildert, woran Google und das Pentagon genau arbeiten:
Google machte bisher große Fortschritte damit, seine eigenen Deep-Learning-Werkzeuge bei der Übersetzung von Fremdsprachen und der Bilderkennung einzusetzen. Ein Team aus allen Teilen der Firma arbeitet nun an dem KI-Drohnenprojekt. Wie The Intercept erfuhr, arbeitet dieses Team an Deep-Learning-Technologie, die Drohnen-Analysten bei der Auswertung der riesigen Datenmengen aus der Flotte von 1.100 Drohnen des US-Militärs hilft, und künftig präzisere Bombenangriffe gegen den Islamischen Staat möglich machen soll. [Eigene Übersetzung]
Präzisere Attacken sind wohl auch bitter nötig: Denn in Syrien töten US-Luftschläge gegen Islamisten so häufig unbeteiligte Zivilisten, dass das Zentralkomitee der US-Armee monatliche Berichte darüber herausgibt. Einige der Attacken werden von ferngesteuerten Drohnen ausgeführt. In der Vergangenheit gab es immer wieder harte Kritik daran, denn die Drohnenattacken sind nach Datenanalysen nicht allzu präzise. Und das unabhängig von der ethischen Frage, ob die US-Armee wirklich eigene und fremde Staatsbürger überall auf der Welt, ohne Gerichtsbeschluss und mit bestenfalls vager Rechtfertigung durch ferngesteuerte Waffen töten sollen dürfte.
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: Steve Bannon lobt Kryptowährungen als Werkzeug gegen das Establishment
Trumps früherer Chefideologe Steve Bannon bei einer Rede 2017 : Steve Bannon lobt Kryptowährungen als Werkzeug gegen das Establishment Der frühere Chefstratege von US-Präsident Donald Trump, Steve Bannon, ist ein großer Fan von Kryptowährungen. Das ließ Bannon eine gebannt lauschende Menge in der Schweiz wissen, dem Heimatland der geheimen Geldflüsse. Der führende Kopf der US-amerikanischen Alt-Right-Bewegung besuchte die Schweiz auf Einladung der rechten Wochenzeitung „Weltwoche“, die immer wieder mit hetzerischen Covergeschichten von sich reden macht.
Bannon nutzte seine Rede für ein Lob der finanziellen Diskretion seines Gastlandes, wie der Wiener Standard berichtet:
Kryptowährungen sind nach Ansicht von Steve Bannon ein wichtiges Werkzeug für die europäische Bewegung gegen das „Establishment“. „Wir nehmen den Zentralbanken die Kontrolle weg“, sagte [Bannon]. „Das wird uns wieder die Macht geben.“ […] Er habe die Schweiz als wichtigen Standort für Kryptowährungen für seine erste Rede in Europa ausgewählt. Im Kanton Zug sind dutzende Firmen aus diesem Sektor beheimatet. In der Schweiz sei „das Herz“ der Krypto-Bewegung zu Hause, sagte der 65-jährige.
Die Ausführungen Bannons machen die Vorliebe rechter Kreise für Kryptowährungen wie Bitcoin deutlich. Ähnliches war zuletzt auch schon von Alice Weidel von der AfD zu hören. Nirgendwo passt diese Denke besser hin als in die Schweiz: Dort trifft sich die Phantasie eines jeden Steuervermeiders, Geld ohne staatliche Kontrolle verschieben zu können, mit der radikalen Staatsfeindlichkeit des vermögenden Konservativen. Der Hype um Kryptowährungen findet hier logischerweise seine eifrigsten Abnehmer.
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: Internetverband meldet starken Anstieg von Rassismus im Netz
Die Internetwirtschaft verzeichnet einen Anstieg von Online-Beschwerden. : Internetverband meldet starken Anstieg von Rassismus im Netz Der Verband der Internetwirtschaft, eco, meldet einen Zuwachs von Beschwerden, die über sein Online-Formular im letzten Jahr eingereicht wurden. Insgesamt habe man 277.256 Hinweise erhalten, was einem Anstieg von 11,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Von all den Hinweisen seien 4.063 Fälle berechtigt gewesen, geht aus dem heute veröffentlichten Jahresbericht (PDF) hervor. Aus der Pressemitteilung:
Die Gesetzesinitiative rund um das umstrittene Netzwerkdurchsetzungsgesetz war 2017 ein zentrales Thema für die eco Beschwerdestelle. Dadurch gelangten Phänomene wie „Hate Speech & Co“ immer stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung: „Wir haben hohe Zuwachsraten bei Beschwerden aus dem Bereich Rassismus festgestellt – im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der erhaltenen Beschwerden um über 120 Prozent angestiegen“, sagt Alexandra Koch-Skiba, Leiterin der eco Beschwerdestelle. Gerade Beschwerden aus diesem Deliktsbereich beweisen aber immer wieder, wie wichtig eine sorgfältige rechtliche Prüfung ist. „76 Prozent der gemeldeten Inhalte waren letztlich nach deutschem Recht nicht zu beanstanden und zulässig. Nicht selten werden juristische Grenzfälle gemeldet. Es ist immer ein Balanceakt mit demokratischen Grundprinzipien“, so Koch-Skiba.
Die Meldestelle von eco ist Teil des Systems der „regulierten Selbstregulierung“ der Internetwirtschaft und geht seit rund 20 Jahren gegen illegale Inhalte im Internet vor. Dazu kooperiert die aus sechs Mitarbeitern bestehende Stelle mit Netzbetreibern, Partnerbeschwerdestellen und Strafverfolgungsbehörden.
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: Openpolitischer Abend am 7. März zu MyData und Dateneigentum
Aufnahme von der MyData-Konferenz in Helsinki, Finnland : Openpolitischer Abend am 7. März zu MyData und Dateneigentum Am 7. März um 19 Uhr sprechen Antti Jogi Poikola und Nicola Jentzsch beim zweiten openpolitischen Abend der Open Knowledge Foundation. Antti Poikola von Open Knowledge Finland und der Aalto University wird über “MyData” sprechen, ein auf den Menschen ausgerichteter Ansatz im Bereich der Verwaltung personenbezogener Daten, der den Bedarf der Industrie an Daten mit den digitalen Menschenrechten verbindet. Nicola Jentzsch wird das Projekt „Datenökonomie” von der Stiftung Neue Verantwortung und ihre neue Studie zum Thema Dateneigentum vorstellen.
Der Abend findet im Mozilla Office in der Schlesischen Str. 27 in Berlin-Kreuzberg statt. Anmelden kann man sich bei Meetup.
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: Gegen das Vergessen: Bürgerjournalisten bringen Arabischen Frühling ins Netz
Zivilisten filmen die Ereignisse um den Tahrir-Platz. Das Videomaterial kann zu einer objektiveren Darstellung der ägyptischen Revolution beitragen. : Gegen das Vergessen: Bürgerjournalisten bringen Arabischen Frühling ins Netz 858 Stunden Videomaterial zur ägyptischen Revolution hat das Mosireen-Kollektiv veröffentlicht. Erschreckende, teils bisher nicht veröffentlichte, Bilder aus den Jahren 2011 bis 2013 zeigen den Protest der Zivilbevölkerung und die dagegen gerichtete staatliche Gewalt. Der Zusammenschluss von Bürgerjournalisten aus Kairo bespielt seit 2011 einen der bekanntesten ägyptischen Youtube-Kanäle. In der neuen Online-Datenbank stecken jahrelange Arbeit und Selbstorganisation. Die Sammlung kann frei weiterverwendet werden und soll in Zukunft noch wachsen.
Für das Mosireen-Kollektiv ist ihre Arbeit ein Beitrag zur Erinnerung an die Proteste:
Während das Regime jede Ressource nutzt, um den öffentlichen Raum und die öffentliche Erinnerung zu zerschlagen, ist die Zeit gekommen, diese wieder auszugraben, uns zu erinnern und unsere Geschichte darzustellen. Die Proteste, die 2011 begannen, veränderten die Welt für immer und deren Bilder können einen noch ungeahnten Zweck in lokalen und internationalen Konflikten erfüllen. [Eigene Übersetzung]
Seitdem sich die internationale Aufmerksamkeit von Ägypten abgewandt hat, wurde es für die Oppositionellen zunehmend schwer, in der „Schlacht der Narrative“ mitzuwirken. Durch den Militärputsch 2013 und die Dominanz der Muslimbrüder verloren die Bürgerjournalisten ihre Präsenz in der Öffentlichkeit. Auch Präsident Abdel Fattah al-Sisi, der auf seine Wiederwahl Ende März hofft, arbeitet seit Langem an der Repression kritischer Stimmen. Der weiter wachsende Fundus an Videomaterial kämpft auch gegen das Vergessen an.
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: Adieu EU-Parlament: Jan Philipp Albrecht wird Minister in Schleswig-Holstein
Bisher EU-Abgeordneter, bald SH-Minister: Jan Philipp Albrecht (Archivbild) : Adieu EU-Parlament: Jan Philipp Albrecht wird Minister in Schleswig-Holstein Der grüne Europaparlamentarier Jan Philipp Albrecht wird nach eigenen Angaben im Herbst 2018 sein Abgeordnetenmandat niederlegen und in die Landesregierung von Schleswig-Holstein wechseln. Dort tritt er als Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung die Nachfolge von Robert Habeck an, der seit einigen Wochen Bundesvorsitzender der Grünen ist. Während Albrecht sich trotz der scherzhaften Bezeichnung als „Minister für Digitales und Draußen“ zwangsläufig neuen Themen wie Energie- und Agrarpolitik zuwenden wird, geht dem EU-Parlament ein profilierter Netzpolitiker verloren. Zu seinen Beweggründen erklärt der 35-Jährige:
Sicher wäre ein weiteres Engagement im Europäischen Parlament ebenso gewinnbringend und wichtig, auch weil noch viele wichtige Schritte bei der Gestaltung der großen digitalen Transformation und der weiteren europäischen Einigung zu gehen sind. Deshalb ist es mir wahrlich nicht leichtgefallen, diese Entscheidung zu treffen. Ich bin allerdings der festen Überzeugung, dass niemand unersetzlich ist und politische Mandate kein Verweilort sind. Bereits jetzt verzeichnen wir zahlreiche geeignete, engagierte und tolle Kandidat*innen, die für die nächste Europaliste von Bündnis 90/Die Grünen antreten wollen. Zudem wird für mich mit Romeo Franz jemand in das Europäische Parlament nachrücken, der sich seit über 20 Jahren in der Bürgerrechtsarbeit engagiert und als geschäftsführende Direktor der Hildegard Lagrenne Stiftung für die Rechte der Sinti und Roma in Deutschland und Europa streitet. Er stellt damit nicht nur eine passende Bereicherung der Grünen Europagruppe im Bereich Antidiskriminierung und Minderheitenrechte dar, sondern kann als mein Nachfolger den wichtigen Politikbereich der Bürgerrechte in Europa hervorragend übernehmen.
Tatsächlich hinterlässt Albrecht im EU-Parlament eine Lücke, die für die digitale Zivilgesellschaft schmerzhaft ist: Der auch unter dem Kürzel „JPA“ bekannte Albrecht war und ist nicht nur digitalaffin, sondern setzte sich nachhaltig für digitale Grund- und Bürgerrechte ein. So unterstützte er beispielsweise den Widerstand gegen das digitalkulturfeindliche Abkommen ACTA und verhandelte als Berichterstatter des EU-Parlaments federführend die EU-Datenschutzgrundverordnung mit. Die für die politische Gestaltung des digitalen Wandels inzwischen so wichtige EU wird damit um einen bewegungsnahen Akteur ärmer, der Netzpolitik nicht nur als Wirtschafts- oder Sicherheits‑, sondern als Gesellschaftspolitik versteht.
Medienberichten zufolge war für den Job in Schleswig-Holstein auch ein anderer grüner Netzpolitiker im Gespräch, welcher Digitalisierung und Freiheitsrechte ebenfalls zusammendenkt. Der Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz soll seinem Landesverband jedoch eine Absage erteilt haben.
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: 70. Netzpolitischer Abend am 6. März in Berlin
Jeden ersten Dienstag im Monat: Der Netzpolitische Abend der DigiGes in Berlin : 70. Netzpolitischer Abend am 6. März in Berlin Wie an jedem ersten Dienstag im Monat findet morgen, am 6. März, der Netzpolitische Abend des Vereins Digitale Gesellschaft in der c‑base Berlin statt.
Auf dem Programm stehen diesmal:
- John Hendrik Weitzmann, Dimitar Dimitrov und Bernd Fiedler: Upload-Filter und kein Ende? Wie Herr Voss mehr als ein Jahr Diskussion einfach ignoriert und Bulgarien von der EU-Kommission ‚unterstützt‘ wird
- Arne Semsrott: Open Schufa
Die c‑base findet sich an der Rungestraße 20, 10179 Berlin. Einlass ist ab 19:15 Uhr, los geht’s gegen 20 Uhr. Für alle, die nicht vor Ort dabei sein können, gibt es einen Live-Stream auf c‑base.org. Der Eintritt ist frei.
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: Facebook beendet Experiment mit eigenem Newsfeed für Medieninhalte
Facebooks Newsfeed ist zu einem wichtigen Verteilerkreis für Nachrichten geworden. : Facebook beendet Experiment mit eigenem Newsfeed für Medieninhalte Facebook gibt seinen Versuch auf, einen zweiten Newsfeed für Medieninhalte zu schaffen. Der Internetkonzern ist zuletzt wegen der Verbreitung von Falschmeldungen und Hassbotschaften unter Druck geraten und bemüht sich darum, den Fokus des sozialen Netzwerkes weg vom Konsum von Nachrichten und hin zu „bedeutungsvollen Interaktionen“ mit anderen Menschen zu verlagern. Die Ankündigung dieser Umstellungen sorgte allerdings bei vielen Medienproduzenten für Panik. Im Facebook-Newsfeed finden Nachrichtenseiten und Unterhaltungsangebote viele ihrer Leser.
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet über Facebooks Experiment:
Im Testlauf gab es zwei verschiedene Ströme an Posts. Einer war fokussiert auf Bilder und andere Updates von Freunden und der Familie, ein zweiter nannte sich „Explore Feed“. Diese widmete sich den Inhalten von Facebook-Seiten, die der Nutzer likt, etwa Medienseiten und Sport-Teams. Das soziale Netzwerk hat sich dafür entschieden, den Test zu beenden und einen einzigen Feed beizubehalten. Nutzer hätten der Firma in Umfragen erzählt, dass ihnen die Änderungen nicht gefielen, sagte Adam Mosseri, der führende News-Feed-Entwickler bei Facbeook, in einer Stellungnahme. [Eigene Übersetzung]
Das Experiment mit den getrennten Feeds begann im Oktober und fand in Bolivien, Kambodscha, Guatemala, Serbien, der Slowakei und Sri Lanka statt. Facebook testet neue Produkte und Ideen häufiger in kleineren Märkten. In den Testländern sorgte das Experiment jedoch für harte Kritik von Journalisten. Denn durch die Änderungen verloren regierungskritische Medien, die Nachrichten vor allem über soziale Medien verbreiten, klar an Reichweite.
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: Ausbau der Videoüberwachung – about:blank spricht über die Gefahren
Florian Prokop und eine "Überwachungskamera" (Screenshot) : Ausbau der Videoüberwachung – about:blank spricht über die Gefahren Der Ausbau der Videoüberwachung in Deutschland zur Massenüberwachung wird von Befürworterinnen mit der dadurch angeblich höheren Sicherheit des öffentlichen Raums begründet. In der 11. Folge unseres Webvideo-Formats about:blank schaut sich Florian Prokop an, was Videoüberwachung für die Sicherheit der fälschlich Verdächtigten und den Datenschutz bedeutet.
Dazu interviewt er den Informatiker und Autor Benjamin Kees und fragt die Zuschauerinnen: Warum nicht einfach mehr Personal einstellen, das vor Ort ansprechbar wäre?
Als Aufmacher nutzt Florian Prokop das umstrittene Pilotprojekt zum Einsatz von Gesichts- und Verhaltensscannern am Berliner Bahnhof Südkreuz. Das Projekt sah sich bereits zu Beginn Hohn ausgesetzt, da sich die Betreiber keine Erkennungsraten als Kriterien für den Erfolg geben wollten. Erwartungsgemäß wurde das Projekt von Innenminister Thomas de Mazière dann dennoch zum Erfolg erklärt und zuletzt um weitere sechs Monate bis Juni 2018 verlängert. Hier das Video:
Das Video findet ihr auch auf YouTube.
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: Gericht: WhatsApp darf Daten immer noch nicht mit Facebook teilen
WhatsApp gehört zu dem Mutterkonzern Facebook. (Symbolbild) : Gericht: WhatsApp darf Daten immer noch nicht mit Facebook teilen Der Messenger WhatsApp darf weiterhin keine personenbezogenen Daten mit dem Mutterkonzern Facebook teilen. Das Oberverwaltungsgericht Hamburg bestätigte damit die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Hamburg und wies die Beschwerde von Facebook zurück.
Der IT-Konzern war gegen eine Anordnung des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar vor Gericht gezogen, der die Verwendung personenbezogener Daten deutscher WhatsApp-NutzerInnen durch Facebook untersagt hatte. Das Gericht bestätigte die Sichtweise, dass der in Irland sitzende Facebook-Konzern die personenbezogenen Daten deutscher WhatsApp-NutzerInnen vorerst nicht auf der Grundlage der bisher abgeforderten Einwilligung erheben und speichern darf.
Zur Begründung hat das Hamburgische Oberverwaltungsgericht im Wesentlichen ausgeführt: Es sei offen, ob die beanstandete Untersagungsverfügung rechtmäßig sei. Offen sei insbesondere, ob deutsches Datenschutzrecht zur Anwendung gelange und – wenn ja – ob der Datenschutzbeauftragte gegen Facebook mit Sitz in Irland vorgehen dürfe.
Die Richter entschieden deshalb, dass in diesem Fall die Datenschutzinteressen der deutschen WhatsApp-NutzerInnen den Bedürfnissen des Konzerns übergeordnet sind.
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: US-Höchstgericht zeigt sich in Microsoft-Fall gespalten zu Datenzugriff im Ausland
Sind Daten in der Cloud für Behörden greifbar? Das oberste US-Gericht soll eine Grundsatz-Entscheidung treffen. : US-Höchstgericht zeigt sich in Microsoft-Fall gespalten zu Datenzugriff im Ausland Das oberste US-Gericht verhandelt derzeit die Frage, ob Microsoft auf Anweisung amerikanischer Staatsanwälte auch in Übersee gespeicherte Daten ausliefern muss. Der Fall gilt als wegweisend für den Umgang von Strafverfolgungsbehörden mit Fällen, in denen entscheidende Informationen auf Servern in anderen Jurisdiktionen liegen. Europäische Datenschützer und Parlamentsabgeordnete fürchten, dass eine Entscheidung weitreichende Folgen für die Rechte europäischer Nutzer haben könnte.
Unter den neun Richtern des Supreme Court zeichnete sich bei einer mündlichen Verhandlung heute die traditionelle Spaltung des Gerichtes zwischen links und rechts ab, berichtet Reuters:
Gerichtsvorsitzender John Roberts und Richter Samuel Alito, beide Konservative, deuteten ihre Unterstützung für das [US-]Justizministerium im Zuge der einstündigen Verhandlung an, in der sich die neun Richter mit den technologischen Komplexitäten der Email-Datenspeicherung plagten. Die liberalen Richterinnen Ruth Bader Ginsburg und Sonia Sotomayor hinterfragten, warum das Gericht in dem großen Privatsphäre-Fall entscheiden müsse, da der [US-]Kongress bereits an gemeinsamer Gesetzgebung beider Parteien arbeite, die das rechtliche Problem lösen werde. Eine Entscheidung wird für Ende Juni erwartet. [Eigene Übersetzung]
Tatsächlich liegt dem republikanisch geführten US-Kongress mit dem CLOUD Act ein Gesetzentwurf vor, der Aussicht auf Erfolg hat, beschlossen zu werden. Mit diesem ließe sich der Stored Communications Act umgehen, dessen Geltungsbereich der Supreme Court derzeit überprüft. Erst kürzlich erhielt der Vorschlag namhafte Unterstützung von hochrangigen Sicherheitsberatern aus den USA und Großbritannien. Kein gutes Haar an dem Vorschlag ließ wiederum die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation, die eine Abschwächung elementarer Grundrechte und mehr Überwachung befürchtet.
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: Sieben Gründe für Smartphones im Unterricht – about:blank Folge 10
Florian Prokop hält Smartphones im Unterricht für eine gute Sache : Sieben Gründe für Smartphones im Unterricht – about:blank Folge 10 Viele Jugendliche in Deutschland besitzen ein Smartphone. Im Unterricht nutzen dürfen es die Wenigsten. Dabei gibt es einige Gründe, die für den Einsatz von Smartphones im Unterricht sprechen würden, findet Florian Prokop. In der neuen Folge unseres Webvideo-Formats about:blank stellt er sieben Gründe zusammen, die Eltern und LehrerInnen überzeugen sollen.
Smartphone-SkeptikerInnen hält Florian entgegen, dass die Schule der ideale Ort sei, um einen sinnvollen Umgang mit Gefahren zu erlernen. Unter Anleitung der Lehrkräfte könnten SchülerInnen lernen, sensible Daten vertraulich zu behandeln und Cyber-Mobbing souverän zu begegnen.
Das Video findet ihr auch auf YouTube.
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: Feinstaub selber messen: Workshop am 24. Februar in Berlin
Die Feinstaub-Sensoren sind leicht nachzubauen. : Feinstaub selber messen: Workshop am 24. Februar in Berlin Das Projekt luftdaten.info sammelt Daten zur Feinstaub-Belastung in der Luft von selbstgebauten Sensoren ein und bildet sie hübsch aufbereitet auf einer Karte ab. Mittlerweile sind weltweit fast 4000 Sensoren aktiv.
Am Samstag, den 24. Februar führt Frank Riedel (@riedelwerk) dazu einen Workshop in der Berliner c‑base durch. Von 19 bis 22 Uhr geht es um Möglichkeiten zum Mitmachen und die Technik hinter dem Projekt. Die c‑base findet sich an der Rungestraße 20, 10179 Berlin.
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: Plattformkapitalismus: Selbst die Financial Times ruft schon nach der Hand des Staates
Canary Wharf in London ist das Nervenzentrum des britischen Finanzsektors. Selbst dort hört man schon kritische Stimmen über die Marktmacht der Internetkonzerne. : Plattformkapitalismus: Selbst die Financial Times ruft schon nach der Hand des Staates Bereits seit einiger Zeit wird auch in wirtschaftsliberalen Kreisen Sorge über den Daten- und Plattformkapitalismus à la Google und Facebook geäußert. Die großen Vier (Google, Amazon, Facebook und Apple) können aufgrund ihrer Marktmacht zunehmend außerhalb der Regeln des Wettbewerbs spielen. Sogar in der Financial Times, dem Hausblatt der Londoner Bankerszene, wird nun schon laut über Alternativen zum kaum regulierten Oligopol der großen Plattformen nachgedacht. Kolumnist Tim Harford sprach sich zuletzt etwa aus, den eCommerce-Riesen Amazon in mehrere Teile aufzubrechen.
Sein Kollege Martin Sandbu bringt in seinem (leider hinter der Paywall versteckten) Text eine andere Möglichkeit ins Spiel:
Es gibt eine Alternative [zur Zerschlagung der Konzerne]: Ein Angebot direkt aus der Hand des Staates. Viele Online-Dienste, am offensichtlichsten Vermittlungsplattformen wie Uber, aber auch universelle soziale Netzwerke (im Gegensatz zu solchen für spezielle Gruppen), haben klar den Charakter einer grundlegenden öffentlichen Dienstleistung. Warum soll es dafür kein öffentliches Angebot geben? In anderen Worten, wo Regierungen erkennen, dass ein privater Anbieter das Bedürfnis nach einem digitalen Marktplatz identifiziert (oder geschaffen) hat, sollten sie darüber nachdenken, selbst die Verantwortung für diesen Marktplatz zu übernehmen. […] Wenn Konsumenten sich auf eine App verlassen, um Fahrten zu buchen, aber private Anbieter der App zu große Marktmacht besitzen, dann könnten die zuständigen Regierungsbehörden ihre eigene App anbieten [… oder …] eine Regierung kann ihre Regulierungsinstrumente nutzen, um die Schnittstelle der dominanten privaten App zu öffnen, damit zum Beispiel alle lizensierten Taxifahrer einer Stadt Zugang zu der App haben, nicht nur die einer privaten Firma. [eigene Übersetzung]
Die Kolumnisten der Financial Times schlagen sich damit auf die Seite von linken britischen Politikern wie dem Ex-Labour-Chef Ed Miliband, der sich zuletzt in einem Interview für die Zähmung der „Monopolmacht“ der Internetkonzerne aussprach. Auch das andere Leitmedium des britischen Wirtschaftsliberalismus, der Economist, rief im Vorjahr in einem Leitartikel zu mehr wettbewerbsrechtlichen Maßnahmen gegen große IT-Unternehmen auf. Ein Wermutstropfen für die neue Regulierungslust des britischen Establishment ist aber, dass Großbritannien gerade dabei ist, aus der Europäischen Union auszutreten, deren Wettbewerbshüter wohl am besten in der Lage sind, auf machtvolle Weise auch gegen große Internetkonzerne vorzugehen.
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: Gesperrter Nutzer in Kalifornien will Twitter als öffentlichen Raum definieren
Als Kunstwerke stehen soziale Netzwerke gelegentlich im öffentlichen Raum, aber sind sie auch selbst einer? : Gesperrter Nutzer in Kalifornien will Twitter als öffentlichen Raum definieren Der amerikanische Rassist Jared Taylor verklagt Twitter wegen der Sperrung seines Kontos und wirft dem Kurznachrichtendienst Zensur vor. Taylor ist Chef einer Organisation namens American Renaissance, die sich für die Anerkennung von „Rassenunterschieden“ einsetzt. Nach Angaben von Twitter wurde der Rassist gesperrt, da er zur Gewalt aufrief. Interessant ist das vor allem deshalb, weil Taylors Anwälte sich mit dem Argument durchsetzen wollen, es handle sich bei Twitter um öffentlichen Raum.
Der britische Sender BBC berichtet:
Taylor brachte seine Klage in Kalifornien ein, beim Obersten Gericht des US-Staates in San Francisco. Er argumentiert, dass Twitter kalifornische Gesetze zum Schutz der freien Rede in öffentlichen Orten verletzt hat – ein Gesetz, dass bisher nicht auf das Internet angewandt wurde. Sein Anwalt Noah Peters schrieb online, dass jeder „erschrocken“ über das sein sollte, was er als Zensur durch Twitter bezeichnet. „Bei unserer Klage geht es nicht darum, ob Taylor richtig oder falsch liegt. Es geht darum, ob Twitter und andere Technologiefirmen das Recht haben sollten, jemanden auf der Basis ihrer angeblichen Ansichten und Zugehörigkeiten von ihren Diensten auszusperren.
Die Sperre von Nutzern auf Twitter und anderen Diensten ist in Deutschland spätestens seit der Einführung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes (NetzDG) Thema. Denn gegen das Vorgehen der Internetplattformen ist der Einspruch meist schwierig. Twitter selbst sorgte erst vor ein paar Wochen für eine umstrittene Entscheidung, als es verkündete, US-Präsidenten Donald Trump trotz vieler problematischer Tweets nicht sperren zu wollen.
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: YouTube-Algorithmen halfen Verschwörungsvideo zu Florida-Amoklauf bei der Verbreitung
Seit dem Amoklauf am 14. Februar protestieren Schüler in mehreren Bundesstaaten für schärfere Waffengesetze. : YouTube-Algorithmen halfen Verschwörungsvideo zu Florida-Amoklauf bei der Verbreitung Nach dem Amoklauf in einer Schule in Florida, bei dem 17 Menschen erschossen wurden, wird in den Vereinigten Staaten erneut über die Waffengesetzgebung diskutiert. Im Zuge dessen sind auf YouTube zahlreiche Videos aufgetaucht, die einem der überlebenden Schüler unterstellen, ein bezahlter Schauspieler zu sein. Als Begründung gab es jedoch nur einen älteren Clip, auf dem der Schüler im Gespräch mit Journalisten zu sehen ist. Mindestens eines der Verschwörungsvideos tauchte als erster Vorschlag in den Nachrichten-Trends der Videoplattform auf. Das half dem Video dabei, sich viral zu verbreiten.
Die Nachrichtenseite Futurezone schreibt:
Durch seine Beliebtheit bei den Usern landete es in der „Trending“-Section von YouTube und erfuhr so noch einmal weitere Verbreitung. Auch auf Facebook wurde das Video von zahlreichen Nutzern geteilt und daher tauchte es auch dort in der „Trending News“-Section auf. Sowohl YouTube als auch Facebook haben es mittlerweile vollständig von ihren Plattformen entfernt.
„Business Insider“ hat bei YouTube nachgefragt und wollte wissen, wie dieses Video überhaupt im „News“-Bereich landen konnte. Laut einem YouTube-Vertreter lag das daran, dass das Video Teile eines offiziellen News-Clips beinhaltet hatte, das als „verlässliche Nachrichtenquelle“ abgespeichert war.
„Das Video hätte niemals in der Trending-Section landen dürfen, unser System hat es falsch eingeordnet. Als wir den Fehler bemerkt haben, wurde es entfernt, weil es gegen unsere Richtlinien verstößt. Wir arbeiten daran, unser System weiter zu verbessern“, heißt es zudem. YouTube will seine Algorithmen jetzt so einstellen, dass Videos, die offizielle News-Quellen beinhalten, nicht automatisch unter den beliebten Videos landen können.
Anfang Februar hatte der Guardian in Zusammenarbeit mit einem ehemaligen YouTube-Angestellten versucht, die Software, die Nutzerinnen und Nutzer der Plattform Video-Empfehlungen zuspielt, zu analysieren. Sie waren unter anderem zu dem Ergebnis gekommen, dass der Youtube-Algorithmus die Verbreitung von Verschwörungstheorie-Videos aktiv befördert.
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: Messenger Signal bekommt 50 Millionen Dollar und eine Stiftung
Die Desktop-App von Signal macht eine Nutzung auch auf dem Rechner möglich. : Messenger Signal bekommt 50 Millionen Dollar und eine Stiftung Der Instant Messenger Signal bekommt eine eigene Stiftung und eine Anschubfinanzierung von 50 Millionen Dollar. Das verkündete der Signal-Entwickler Moxie Marlinspike im Blog des Messengers. Es sei für Signal nie eine Option gewesen, Venture-Kapital anzunehmen und einen einen kommerziellen Dienst anzubieten, weswegen der Weg einer nicht-kommerziellen Stiftung gewählt worden sei.
Möglich wurde die Gründung der Stiftung durch eine Finanzierung des WhatsApp-Mitgründers Brian Acton in Höhe von 50 Millionen Dollar. Acton war im vergangenen Jahr bei WhatsApp und Facebook ausgestiegen. Mit der Stiftung will Signal die Anzahl der Entwickler steigern und den Dienst langfristig ermöglichen. Bisher seien durchschnittlich nur 2,3 Vollzeitstellen für den Messenger, der Millionen Nutzerinnen und Nutzer hat, eingeplant gewesen.
Moxie Marlinspike wird als Geschäftsführer der Stiftung, Brian Acton als Vorsitzender tätig sein. Die Stiftung will in Zukunft finanziell auf eigenen Beinen stehen. Genauere Angaben über Finanzierungsmodelle gibt es bislang nicht. Ziel der Stiftung sei die Entwicklung von sicherer Kommunikation zum Schutz der Meinungsfreiheit auf Basis von Open Source.
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: Wegen Premium-Modell: Bewertungsportal Jameda muss Ärzteprofil löschen
: Wegen Premium-Modell: Bewertungsportal Jameda muss Ärzteprofil löschen Das Bewertungsportal Jameda muss das Profil einer Hautärztin aus Köln löschen. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH). Das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung der Ärztin wiege höher als das Recht auf Medien- und Meinungsfreiheit heißt es in der Pressemitteilung des BGH. Dies sei aber nur der Fall, weil Jameda eine Premium-Funktion anbiete, mit der sich Ärzte, die sich bei kostenpflichtig registriert haben, erkaufen können, dass keine Konkurrenten auf deren Profil angezeigt werden. Mit dieser Praxis verlasse die Jameda seine Stellung als „neutraler“ Informationsmittler.
Grundsätzlich müssen Ärzte auch in Zukunft damit leben, dass sie gegen ihren Willen auf Bewertungsportalen gelistet werden. Das hatte der der BGH schon im Jahr 2014 entschieden. Jameda reagierte auf das aktuelle Urteil mit einer Änderung seiner Geschäftspraxis: In Zukunft wird auf den unfreiwilligen Ärzte-Profilen keine Werbung anderer Ärzte mehr angezeigt.
Das Urteil wird auch Auswirkungen auf andere Bewertungsportale haben, die Premium-Modelle anbieten und so gegen Geld eine nicht neutrale Darstellung ermöglichen.