Sieben Gründe für Smartphones im Unterricht – about:blank Folge 10

Florian Prokop hält Smartphones im Unterricht für eine gute Sache Gemeinfrei Screenshot

Viele Jugendliche in Deutschland besitzen ein Smartphone. Im Unterricht nutzen dürfen es die Wenigsten. Dabei gibt es einige Gründe, die für den Einsatz von Smartphones im Unterricht sprechen würden, findet Florian Prokop. In der neuen Folge unseres Webvideo-Formats about:blank stellt er sieben Gründe zusammen, die Eltern und LehrerInnen überzeugen sollen.


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Smartphone-SkeptikerInnen hält Florian entgegen, dass die Schule der ideale Ort sei, um einen sinnvollen Umgang mit Gefahren zu erlernen. Unter Anleitung der Lehrkräfte könnten SchülerInnen lernen, sensible Daten vertraulich zu behandeln und Cyber-Mobbing souverän zu begegnen.

Das Video findet ihr auch auf YouTube.

11 Kommentare
  1. Wenn der Florian die Schule für den geeigneten Ort hält, sollte er sich mal ein paar Schulen dazu ansehen.

    So, liebe Kinder, das ist der Bildschirm, das die Tatstatur und dort ist der Knopf zum Anschalten. Zuerst lernen wir eine Kraftpunktpräsentation zu öffnen.

  2. Schöne Idee, aber leider funktioniert es nicht. Wurde schon in unzähligen Studien nachgewiesen, dass das am Bildschirm gelesene (egal ob Smartphone oder Computer) sich nun mal nicht so gut einprägt. Und auch das Tippen nicht so gut wie das von Hand schreiben.

    Und alles im Internet nachschlagen können klingt auch Toll, ja. Aber wo soll ich lernen „wonach“ ich suchen muss, oder wie ich Ergebnisse Bewerte? Soll ich das auch im Internet nachschlagen? Mit dem Argument braucht man ja auch nie wieder Mathe lernen, denn es gibt ja Taschenrechner.

    Lieber mehr Informatik-Stunden, mit gezielten Programmier- und sonstigen Stunden, für den Umgang mit Computer und Internet – davon gibt es zu wenig. Alle anderen Fächer sollten die Finger von davon lassen.

  3. Ich kenne das so:
    Kinder sehen etwas auf dem Bildschirm, z. B. bei einem Computerspiel.
    Es wird erklärt, wie es funktioniert. Die Kinder sind in der Lage, zu lesen, das Tutorial enthält einige wenige kurze Sätze.
    Fazit:
    Das Tutorial wird weggeklickt, gelesen wird es nicht. Dann wird wild auf dem Pad herumgehämmert, um per Zufall auf das Ergebnis zu kommen. Wenn es nicht funktioniert, wird das Spiel für doof bewertet.

    Lesen, Verstehen und Anwenden? Das ist und bleibt in den meisten Fällen ein Wunschtraum. Computer sind für die Kids zum daddeln da, nur ein geringer Prozentsatz interessiert sich für mehr.

    Demnach tendiere ich dazu, dass Computer in Klassenräumen nichts zu suchen haben. Die Schule soll Grundlagen des Lebens vermitteln, dazu gehört Allgemeinwissen genauso, wie sich z. B. das mühsame Schreiben und Rechnen anzueignen. Es sind nun einmal grundlegende Dinge, die jeder Mensch können muss.

    Taschenrechner hatten wir erst ab der 9. Klasse, obwohl es ab der Siebten erlaubt war. Die Lehrer trafen eine Absprache mit den Eltern, die Aufgaben wurden so gestellt, dass sie auf dem Papier gelöst werden konnten. Was haben wir als Jugendliche geflucht. Heute, über 20 Jahre später, bin ich dafür sehr dankbar, denn ich kann Kopfrechnen, Flächen berechnen und Dreisatzrechnungen durchführen.

    Informatikunterricht hatten wir auch. Wir lernten mit Binärzahlen zu rechnen, was das Hexadezimalsystem ist, wie Computer aufgebaut sind. Dazu gehörte etwas Excel und Word. Internet gabs damals noch nicht wirklich. ab und zu ein wenig mit Paint herumkritzeln (das war genug Training für die Maushand für all jene, die damit noch nicht so gut klarkamen) und einfache Programme in Basic schreiben gab es in einem Nachmittagskurs für Interessierte.
    In der Ausbildung (!) später kam dann in der Berufsschule Datenschutz und Datensicherheit dazu, das Erstellen einfacher Webseiten (selsbt das halte ich für überflüssig, das der Allgemeinheit zu vermitteln) und fast ausschließlich Exceltabellen und Formeln.

    Alles andere fand ohne Computer statt. Und das war gut und richtig.
    Kinder lernen Grundlagen. So sollte das auch heute noch sein. Alles andere kann später vermittelt werden.

    Heute haben wir bewegungsunfähige, untalentierte Computerklicker, die mit einfachsten Matheaufgaben nicht mehr klarkommen, denen Rechtschreibung ein Fremdwort zu sein scheint und die sich kaum noch vernünftig ausdrücken können. Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens fehlen. Dafür sind sie perfekt geschult darin, ihr Nichtwissen selbst zu präsentieren und zu verkaufen.

    Jeder will nur noch Mediendesigner oder Youtuber werden. Alles andere überfordert die Mausklick- und Touchpadwutsch- und Wedelgeneration.

    Mir war so, dass es inzwischen auch ganz gut belastbare Studien dazu gibt, dass Computer in der Schule keinerlei positiven Effekte erzielen. Wissen im Kopf lässt sich eben nicht durch Wikipediaeinträge ersetzen.

    1. „Computer sind für die Kids zum daddeln da“ – selbst auf die meisten Erwachsenen trifft das zu!

      Die Idee Smartphones dazu verwenden, ist auch aus rein praktischen Gründen total abwegig. Fast jede normale Webseite ist in der mobilen Ansicht nur eingeschränkt nutzbar, ein ernsthaftes Arbeiten auf den Minidisplays quasi unmöglich. Also wenn, dann PCs mit ausgewachsenen Tastaturen und Bildschirmen – Smartphones sind eine Industrie-Schnaps-Idee.

  4. Find‘ ich gut, ich denke es wäre eine echte Chance. Smartphones sind aus dem Alltag eh nicht mehr wegzudenken. Warum sie nicht in den Unterricht einbauen? Nur weil wir das vor 20 Jahren alles anders gelernt hab? Wir reden ja hier nicht vom Einsatz in Grundschulen oder davon alles per Smartphone zu machen.
    Das setzt allerdings voraus, dass sich Schule grundsätzlich reformiert und agiler wird. Wenn man erstmal ein Jahr lang ein Konzept entwickelt, dann eine Pilotschule üben lässt und dann flächendeckend einführt… dann gibt’s längst keine Smartphones mehr. Schüler oder solche die es vor kurzem noch waren brauchen viel mehr Mitspracherecht und Gestaltungsmöglichkeiten. Ambitionierte Lehrkräfte müssen neben den Materialien für die Kernlehrpläne auch Mittel und Unterstützung bekommen neue Methoden und Herangehensweisen auszuprobieren, Apps zu entwickeln usw. Innovation kann m.E. nur von innen kommen. Und wer sagt, dass es überall gleich sein muss? Eine Brennpunktschule braucht sicherlich ganz andere Methoden als das Elitegymnasium.

    1. „Smartphones sind aus dem Alltag eh nicht mehr wegzudenken.“
      Von wannen kömmt euch diese Wissenschaft?

      Ich sehe wohl gewisse Vorteile bei Smartphones, lebe meinen Alltag allerdings sehr gut ohne diese „Vorteile“, da aus meiner Sicht die Nachteile überwiegen. Allein das Spitzelpotential ist für mich als Ausschlußkriterium ausreichend.

      Fällt dir ein Grund ein, der „alternativlos“ für die Dinger spricht?
      Ich sehne den Tag herbei, an dem für mich das Handy verzichtbar wird.

      Bei der mangelnden Eignung der Schule sind wir uns einig.
      Bei meinem Sohn in der Schule ging zeitweise nix im Informatikunterricht, weil erst eine „Fachfirma“ kommen musste, um die Geräte und den Internetzugang zu richten.
      Was wollen solche Leerer denn bitte lehren, wenn sie sowas nicht gefixt bekommen?

      Wenn dann die Schule, als Hort des Mobbings, noch als geeignet für souveränen Umgang mit Cyber-Mobbing hingestellt werden möchte, kann ich nur noch mitleidig lächeln. Da kann auch der Eunuch das Vögeln lehren.

      Kürzlich fragte mein Sohn, wie denn eine CD funktioniert.
      Nach 1,5 Jahren „Informatikunterricht“ war mein Ansatz mit Nullen und Einsen, An oder Aus, Strom oder nicht Strom völliges Neuland. Nach binären Dingen hab ich dann nicht mehr gefragt und beim Urschleim angefangen.

      Der Unterricht, wie er real betrieben wird, ist reine Zeitverschwendung. Da können Smartföns nix dran ändern, den derzeitigen Zustand aber zementieren.

      Wenn Dinge schon im Ansatz nicht funktionieren, wird auch die technische Krücke nur selten hilfreich sein.

      Ich frage mich immer, was es da wohl für „Denkstrukturen“ oder Erfahrungen gibt, die so wunderbar über Ursachen hinweggehen, sie ausblenden oder ignorieren können.
      Meine wohlmeinende Vermutung wäre völlige Ahnungslosigkeit, da die Alternative ja Vorsatz implizieren würde.

      1. Fällt dir ein Grund ein, der „alternativlos“ für die Dinger spricht?

        Nein.

        Ich sehne den Tag herbei, an dem für mich das Handy verzichtbar wird.

        Um Himmels Willen, ich auch. :-) Aber die Tatsache, dass wir das so sehen wird nichts an der Beliebtheit und Verbreitung unter unseren jüngeren Mitmenschen ändern. Und wenn es beim Lernen helfen kann, dann bin ich dafür. Das Smartphone steht da für mich auch eher stellvertretend für Neuerungen die da kommen mögen. Je vernetzter die Dinge um uns herum werden, umso unwichtiger wird hoffentlich das Smartphone an sich. Aber seisdrum, ich find’s enorm wichtig, dass Schule und Schüler da mitmachen und eigene Angebote für sich selber entwickeln. Ansonsten wird aus der Digitalisierung einfach ein riesiger Haufen Kommerzschrott, der tatsächlich nur für die Industrie oder zur seichten Berieselung taugt.

        Du hast natürlich Recht, bestehende Probleme löst man nicht einfach indem man auf einmal Smartphones im Unterricht zulässt. Es gibt 2018 noch Schulen, die kaufen vom Restbudget lieber 5 Videowagen mit TV und DVD Player als eine Smartboardlösung. Da brauchst Du nicht von Smartphones oder mobilen Applikationen anzufangen. Aber es könnte ja der Aufhänger zu ein paar tiefergehenden Änderungen werden.

        1. „Es gibt 2018 noch Schulen, die kaufen vom Restbudget lieber 5 Videowagen mit TV und DVD Player als eine Smartboardlösung.“ Wohl eher Beamer mit einem Laptop. Smartboards sind Mist. Ich habe 7 Jahre damit arbeiten müssen und finde, dass die Nachteile deutlich überwiegen:
          1. Rechnerleistung reicht nach einigen Updates nicht mehr. Einen neuen Rechner gibt es aber nicht.
          2. Die Wartung des Systems übernimmt wer noch gleich? Richtig: Ein Lehrer, dessen Hauptaufgabe eigentlich anderes sein sollte. Zumindest habe ich sie am Laufen halten können.
          3. Oh Schreck, die Beamerlampe ist kaputt. 2-3 Wochen ohne Tafel, da die neue erst bestellt werden muss. Lagerhaltung gibt es nicht. Man will ja nicht 2000 € „totes“ Material liegen lassen, denn die Beamer sind natürlich nicht baugleich in der Schule (Die Anschaffung geschieht ja in der Regel Stück für Stück, sodass immer ein „neuerer“ Beamer verbaut ist.
          4. Die Tafelfläche ist deutlich kleiner und man kann auf einem Smartboard schlechter schreiben. Die Reibung ist zu gering. Und Präsentationen abspulen widerspricht dem Konzept des Unterrichtens, bei dem man Gedanken der Schüler aufnimmt und etwas entwickelt.
          5. Gute Programme fehlen. Es gibt viel Spielereien, überzeugt hat mich noch kein Programm. Einzelne Hilfsmittel habe ich mir selber gebastelt. Das war dann eine Erleichterung, aber eine Folie und ein OHP hätte es genauso getan. Und zur Not ein Tablet mit Miracast o.Ä.
          6. Mit einem Smartboard wird maximal ein Raum fest ausgestattet. Mit 3-4 Beamer-Laptop-Kombinationen kann ich 3-4 Klassen ausstatten und bin nicht an Räume gebunden.

          1. Danke für den interessanten Einblick! Das Beispiel mit den Videowagen hatte übrigens einen realen Hintergrund, wenn es auch aus 2017 war… :-) Beamer und Laptop wären da wohl die bessere Variante gewesen.
            Wie stehst Du als Fachmensch denn zu den im Artikel angesprochenen Smartphones im Unterricht?

  5. Achtung! Opa erzählt von früher. ;-)

    Als ich zur Schule ging gabs auch ne Neuerung. Schulfernsehen.
    Am Ende war das so, daß am Sonnabend in den beiden ersten Stunden Russisch aus der schwarz-weiß-Glotze, die max. 70cm Bilddiagonale hatte und in der linken oberen Ecke des Raumes hing, rieselte.
    Das perfekte Schlafmittel. Irgendwann hab ichs mal verschlafen, was niemandem aufgefallen war. Darauf beschloß ich, sonnabends grundsätzlich zwei Stunden länger zu schlafen, was tatsächlich nie aufgefallen ist.

    Warum erzähl ich das?

    Nun, es gibt diverse durchaus nachvollziehbare Gründe, weshalb Telefone (egal ob smart oder nicht) in der Schule ausgeschaltet sein sollen.
    Was wird wohl passieren, wenn das aufgeweicht wird?

    Das gibt dann ganz tolle neue Betätigungsfelder fürs arme Lehrpersonal, den Wänstern hinterher sein zu müssen, was sie nun tatsächlich mit der Daddelkiste veranstalten.
    Allein das ständige Gepiepse, wenn dauernd irgendein Schüler benachrichtigt wird, daß irgendwo ein Sack Reis umgefallen ist…

    Hamwa jetzt eigentlich schon sieben Gründe zusammen, die gegen die These sprechen?

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