Linkschleuder

Linktipps der Redaktion

  • : Ein Selbstversuch: Instagram-Influencer in vier Wochen
    Kostenlose Stockfotos von Essen gibt es viele - sie helfen bei der Instagram-Karriere
    Ein Selbstversuch: Instagram-Influencer in vier Wochen

    In einem Selbstversuch haben ein 1Live-Reporter und eine WDR-Autorin herausgefunden, wie schnell man auf Instagram zum Influencer werden kann. Von 700 auf 23.000 Follower in vier Wochen – mit ein paar Bots zum Beschleunigen und einem Großteil frei verfügbarer Stockfotos.

    Das Experiment bescherte den frischgebackenen Influencern nicht nur Follower, sondern auch Geschäftsangebote:

    40 Unternehmen hatte ich angeschrieben, es gab 20 Rückmeldungen und 15 Zusagen. Also 15 Unternehmen, die wirklich gesagt haben: „Ja, wir machen den Geldbeutel auf. Wir hätten gerne eine Kooperation mit dir.“

    Gekostet hat das alles 200 Euro, die Angebote der Unternehmen innerhalb der vier Wochen hatten eine Gesamtsumme von 2.900 Euro. Durchschaut habe die Masche nur eine der Firmen.

    19. Januar 2018 1
  • : Playboy verklagt Boing Boing – wegen Links
    Bunny-Ohren: das Markenzeichen des Playboy.
    Playboy verklagt Boing Boing – wegen Links

    Das Erotikmedien-Unternehmen Playboy verklagt das bekannte US-Blog Boing Boing, weil dieses in einem Artikel ein Youtube-Video eingebettet und einen Link auf den Bildhoster Imgur gesetzt hat. Die verlinkten Inhalte enthielten Bilder aller 746 Playmates, die der Playboy bis dahin veröffentlicht hatte.

    Boing Boing schreibt nun:

    Die Klage von Playboy basiert auf einer imaginären (und gefährlichen) Version des US-amerikanischen Urheberrechtsgesetzes, es gibt noch keinen Präzedenzfall. Der Playboy – einst legendärer Vorreiter für die Presse- und Meinungsfreiheit – führt jetzt eine abwegige Copyright-Theorie ein: Nach dieser ist es illegal, auf Dinge zu verlinken, die andere Leute im Internet gepostet haben. Und das unter der Androhung von Millionen Dollar Schadenersatz – eine Summe, die uns (und jedem anderen kleinen Verlag in Amerika) das Genick brechen würde.

    Auch die Electronic Frontier Foundation (EFF) hat für das Blog Stellung bezogen. Boing Boing habe keine Bilder des Playboys hochgeladen, veröffentlicht, gehostet oder gespeichert. Das Blog habe weder die Kontrolle über die Bilder noch habe es zur Verletzung der Urheberrechte beigetragen. EFF-Anwalt Daniel Nazer sagt:

    Wir fordern das Gericht auf, diese äußerst fehlerhafte Klage abzuweisen. Journalisten, Wissenschaftler, Forscher und gewöhnliche Menschen im Internet haben das Recht, auf Material, auch urheberrechtlich geschütztes Material, zu verweisen, ohne davor Angst haben zu müssen, verklagt zu werden.

    19. Januar 2018 1
  • : Zweifel an Zuverlässigkeit der Verhütungs-App „Natural Cycle“
    Ein schwedisches Krankenhaus zweifelt die Zuverlässigkeit der Verhütungs-App Natural Cycles an.
    Zweifel an Zuverlässigkeit der Verhütungs-App „Natural Cycle“

    Als „die einzig zertifizierte Verhütungs-App“ bewirbt Natural Cycle sich selbst. Anhand von Daten sollen Menschen mit der Anwendung ihre Periode und fruchtbaren Tage vorhersagen können. Allerdings regen sich Zweifel an der Zuverlässigkeit der Methode: Unter den 668 Frauen, die in einem Stockholmer Krankenhaus zwischen September und Dezember 2017 Abtreibungen haben vornehmen lassen, befanden sich 37 Nutzerinnen der Anwendung, schreibt der Guardian. Dem Bericht zufolge alamierte das Krankenhaus deshalb die schwedische Aufsicht für Medizinprodukte.

    Das Problem der mangelnden Zuverlässigkeit in der Vorhersage fruchtbarer Tage bestehe bei den meisten Apps für Zyklus-Tracking, erklärte die Soziologin und Entwicklerin Marie Kochsiek neulich bei uns im Interview:

    Viele Apps gehen einzig und allein von Mittelwerten aus und sagen dann Blutungen oder fruchtbare Tage voraus, obwohl sie sich auf keine der anerkannten Methoden zur Bestimmung von Zyklen berufen können. Das ist höchst fragwürdig und kann zu großer Verunsicherung bei den Nutzenden führen. Wenn Apps die entsprechenden Informationen wie zum Beispiel Körpertemperatur nicht abfragen, dann sind sie schlicht nicht in der Lage, genaue Vorhersagen zu treffen. Das müssten einige Apps ihren User*innen deutlicher machen oder die Vorhersagen rausnehmen.

    Natural Cycle geht hier einen Mittelweg: Im Kern der Berechnung stehen Angaben über vorherige Zyklen, ergänzend soll man aber auch Körpertemperaturen angeben. Allerdings arbeitet die Anwendung nicht nach anerkannten Methoden wie der Natürlichen Familienplanung, bei der noch weitere Körpermerkmale zur Vorhersage mit einbezogen werden. Bei der Stiftung Warentest fiel Natural Cycles mit einer glatten 5,0 deshalb kürzlich durch.

    19. Januar 2018
  • : Vorgeschlagener AfD-Kandidat darf nicht ins Parlamentarische Kontrollgremium
    Kein grünes Licht für den PKGr-Kandidaten der AfD.
    Vorgeschlagener AfD-Kandidat darf nicht ins Parlamentarische Kontrollgremium

    Eigentlich ist die Wahl der Mitglieder des Parlamentarischen Kontrollgremiums durch den Bundestag nur eine Formsache. Die Fraktionen bestimmen Kandidaten aus den Reihen ihrer Mitglieder, die in der Legislatur die Arbeit der bundesdeutschen Geheimdienste kontrollieren sollen. Und das Plenum wählt sie dann – wenn mindestens die Hälfte aller Abgeordneten dafür ist.

    Der umstrittene AfD-Kandidat fiel bei der heutigen Wahl durch. Er bekam nur 210 Stimmen, 355 hätte er gebraucht. Der Grund für die Kontroverse um den Berliner Oberstaatsanwalt Roman Johannes Reusch: Wie wir gestern in unserer Vorstellung aller PKGr-Kandidaten bereits beschrieben haben, geriet der Rechtspopulist in die Schlagzeilen, da er zum Leiter der Abteilung „Einlieferung und Auslieferung ausländischer Straftäter“ der Generalstaatsanwaltschaft Berlin ernannt wurde. Zuvor, bereits im Jahr 2007, gab er dem Spiegel ein Interview, in dem er mit fremdenfeindlichen Äußerungen auffiel. Die taz hat weitere Informationen über Reusch gesammelt und zusammengetragen.

    18. Januar 2018 3
  • : Schweiz: 50.000 Unterschriften für Abstimmung gegen Netzsperren gesammelt
    Das Netzsperrengesetz soll sich gegen Glücksspiel richten.
    Schweiz: 50.000 Unterschriften für Abstimmung gegen Netzsperren gesammelt

    In der Schweiz wird es eine Volksabstimmung gegen die im letzten Jahr beschlossenen Netzsperren geben. Seit Oktober hatten mehrere Bündnisse aus Partei- und Nichtregierungsorganisationen Unterschriften für die Volksabstimmung gesammelt. Nun sind die notwendigen 50.000 Stimmen beisammen.

    Neben den Jungen Grünen und einem Komitee aus Jungfreisinnigen, Jungen Grünliberalen und der Jungen SVP hat auch ein Bündnis aus netzpolitischen Organisationen für das Referendum gekämpft: die Digitale Gesellschaft, die Internet Society Schweiz, die Piratenpartei Schweiz und der CCC Schweiz.

    In einer Pressemitteilung des netzpolitischen Bündnisses heißt es, Eingriffe in die grundlegende Kommunikationsinfrastruktur seien das falsche Mittel, um komplexe gesellschaftliche, wirtschaftliche und rechtliche Probleme zu lösen. Die Aufgabe der Kommunikationsinfrastruktur bestünde darin, zuverlässig, nicht-diskriminierend und kostengünstig Daten zu transportieren. Eine Regulierung des Glücksspiels müsse möglich sein, ohne diese kritische Infrastruktur durch Netzsperren grundlegend zu beeinträchtigen.

    18. Januar 2018
  • : Facebook verspricht Ausweitung der Untersuchung von russischer Einflussnahme vor Brexit-Referendum
    Hat russische Propaganda dabei geholfen, die Briten aus der EU zu führen?
    Facebook verspricht Ausweitung der Untersuchung von russischer Einflussnahme vor Brexit-Referendum

    Der US-Internetkonzern verspricht Aufklärung über mögliche geheime Kampagnen rund um das EU-Austrittreferendum in Großbritannien. Vor wenigen Wochen hatte Facebook die Geldflüsse aus Russland noch kleingeredet.

    18. Januar 2018
  • : Sie tritt an: Chelsea Manning will in den US-Senat
    Chelsea Manning
    Sie tritt an: Chelsea Manning will in den US-Senat

    Sie brachte brisante Informationen an die Öffentlichkeit, zwang die verantwortlichen Politiker dadurch, Stellung zu beziehen, und bezahlte mit ihrer Freiheit: Chelsea Manning war ab Mai 2010 in Militärgewahrsam und nach ihrer Verurteilung unter Armeeaufsicht inhaftiert, bis ihr am Ende der Amtszeit von US-Präsident Barack Obama die restliche Zeit im Militärgefängnis erlassen wurde. Die weltweit bekannte Whistleblowerin gab am Sonntag bekannt, im Bundesstaat Maryland für den US-Senat zu kandidieren.

    Manning tritt als Demokratin an und wäre bei erfolgreicher Wahl die erste transsexuelle Frau, die einen Sitz im Senat erhalten würde, falls sie im Juni die Wahl gewinnt. In ihrem Wahlwerbe-Spot betont sie, sich für einen politischen Wandel einsetzen zu wollen:

    We need to stop expecting that our systems will somehow fix themselves, we need to actually take the reins of power from them.

    (Wir müssen aufhören zu erwarten, dass sich unser System irgendwie von selbst repariert, wir müssen ihnen die Zügel der Macht wegnehmen.)

    Sie kandidiert gegen Amtsinhaber Ben Cardin, ein Demokrat und langjähriger Senator, der im Auswärtigen Ausschuss (Senate Foreign Relations Committee) sitzt. Denn im US-amerikanischen Wahlsystem muss Manning zuerst die Vorwahlen (Primaries) unter den Demokraten gewinnen. Die Mitglieder der Partei, für die sie antritt, haben jedoch nicht alle begeistert reagiert. Viele einflussreiche Demokraten unterstützen sie nicht und werfen ihr vor, unter russischem Einfluss zu stehen.

    16. Januar 2018 7
  • : Philippinen: Lizenzentzug für regierungskritische Nachrichtenseite
    Rodrigo Duterte steht wegen Menschenrechtsverletzungen und außergerichtlichen Tötungen in der Kritik.
    Philippinen: Lizenzentzug für regierungskritische Nachrichtenseite

    Die philippinische Regierung hat am Montag „Rappler“, eine der größten Nachrichtenseiten des Landes, die Lizenz entzogen. Das Nachrichtenportal hatte in der Vergangenheit immer wieder über Menschenrechtsverletzungen der Regierung von Rodrigo Duterte berichtet.

    Begründet wird der Lizenzentzug laut Guardian damit, dass Rappler nicht zu 100 Prozent philippinischen Bürgern gehören würde, es handle sich nicht um einen Angriff auf die Pressefreiheit. Im letzten Jahr hatte Präsident Duterte Rappler in einer Rede auf die „amerikanischen Eigner“ hingewiesen.

    Die Nachrichtenseite Rappler selbst schreibt in einem Statement:

    Das ist pure Schikane […] Wir werden Ihnen weiterhin Nachrichten bringen, die Mächtigen für ihre Taten und Entscheidungen zur Verantwortung und auf weitere Regierungsfehler aufmerksam machen, welche die Benachteiligten weiter entmachten.

    16. Januar 2018
  • : Gegenmodell zu Uber & Co: Genossenschaftliche Taxi-App in London gestartet
    Die Londoner Taxiapp gehört den Fahrern, die sie gemeinschaftlich betreiben.
    Gegenmodell zu Uber & Co: Genossenschaftliche Taxi-App in London gestartet

    In London gibt es mit Taxiapp jetzt eine App, die von den Fahrern genossenschaftlich getragen wird. Im Gegensatz zur Vermittlung von Taxis über kommerzielle Apps müssen die Fahrer keine Kommission an ein Unternehmen abtreten, sondern zahlen nur eine Monatsgebühr von 20 £ für den Betrieb der Anwendung und werden dadurch Teil der Kooperative.

    Der Gründer von Taxiapp, Sean Paul Day, sagt gegenüber dem Independent:

    An einem Samstagabend ist es den Leuten egal, wie sie nach Hause kommen und ich verstehe das. Aber Taxiapp trägt zur Selbstermächtigung bei. Die Energie dafür ist gut – man tut tatsächlich etwas, das positiv für die Branche ist.

    Die App hat vorerst nur eine Lizenz für die bekannten schwarzen Londoner Taxis. Laut Co-operative News ist es das Ziel, die Branche zu modernisieren, wobei Fahrer und Fahrgäste im Mittelpunkt stehen sollen und nicht ein Unternehmen, das aus beiden Seiten die meisten Gewinne herausschlagen will.

    16. Januar 2018 1
  • : Die Geschichte des ersten viralen Videos
    Die Geschichte des ersten viralen Videos

    Ein Mann in einem Großraumbüro schlägt wutentbrannt erst auf seine Tastatur und dann mit dieser auf einen Monitor ein. Das Video „Bad Day“ war 1997 einer der ersten kurzen Filme, die sich im Internet millionenfach verbreiteten. Und das gänzlich ohne Videoportale, denn die entstanden erst Jahre später.

    Wired hat der Geschichte des Videos jetzt nachgespürt. Der Film wurde damals für Werbezwecke von der Firma Loronix aufgenommen und in einer „hohen Auflösung“ von 352x240 über Promo-CDs verteilt. Von dort aus fand er den Weg ins Internet und in die E‑Mailfächer derer, die dann länger als 20 Minuten auf den Download warten mussten.

    Als dann 1998 der Webentwickler Benoit Rigaut die Server seines ehemaligen Arbeitsgebers CERN nutzte, um das Video hochzuladen, stand der weltweiten Verbreitung nichts mehr im Wege…

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    15. Januar 2018 2
  • : Doku über Vorhersage-Software: Das Ende des Zufalls
    Digitaler Speicher mit Bandlaufwerken, je 8,5 Terabyte.
    Doku über Vorhersage-Software: Das Ende des Zufalls

    In einer Wissenschaftsdoku hat sich 3sat mit Software beschäftigt, die mit Hilfe von Verarbeitung großer Datenmengen versucht, Ereignisse vorausschauend zu berechnen: „Das Ende des Zufalls – Die Macht der Algorithmen“. Weltweit kommen immer mehr Formen solcher Vorhersage-Software („Predictive Analytics Algorithms“) zum Einsatz, ob für polizeiliche Zwecke oder bei den großen Tech-Konzernen für Werbevermarktung und die Berechnung von Kredit- und Gesundheitsrisiken.

    Basis für die versuchten Vorhersage-Berechnungen ist die Datenflut, die wir alle bewusst und unbewusst erzeugen:

    Beinahe alles wird erfasst und gespeichert. Im Jahr 2013 wurden so viele Daten produziert wie in der gesamten Menschheitsgeschichte zuvor: knapp viereinhalb Milliarden Terabyte. Jeden Tag kommen seitdem weitere 2,5 Millionen Terabyte hinzu. Über unsere Smartphones erzeugen wir laufend Daten über uns und unsere Umwelt. Sensoren und Kameras messen in Smartphones, Fahrzeugen und Computern wo wir gerade sind und was wir machen.

    Neben den schier unendlichen Möglichkeiten, die von den Anbietern von Predictive-Policing-Software versprochen werden, macht die im Januar 2018 aktualisierte 3sat-Doku auch deutlich, wer sich noch alles in diesem Datenmarkt ein Stück vom Kuchen abschneiden will.

    15. Januar 2018 8
  • : „Wenn sie ethisch umgesetzt werden, kosten sie mehr“: danah boyd über algorithmische Entscheidungssysteme
    danah boyd hielt die Keynote auf der diesjährigen Ausgabe der re:publica.
    „Wenn sie ethisch umgesetzt werden, kosten sie mehr“: danah boyd über algorithmische Entscheidungssysteme

    Software, die registriert, auf welche weiterführende Schule jemand am Liebsten gehen würde und mithilfe eines Algorithmus darüber entscheidet, wer schließlich welchen Schulplatz bekommt, kann für klamme Städte und Regierungen verlockend klingen. Unternehmen versprechen mitunter, dass damit die Effizienz erhöht werde. In den USA werden solche und ähnliche algorithmische Entscheidungssysteme auch in anderen öffentlichen Bereichen implementiert, beispielsweise in der Erstellung von Profilen für die Polizei.

    Danah boyd leitet das Forschungsinstitut Data & Society in New York und forscht für Microsoft über soziale und kulturelle Aspekte von sozialen Medien und Big Data. In einem Blog-Post zum noch nicht erschienenen Buch „Automating Inequality“ (kurz: AI) von Virginia Eubanks schreibt sie über die Kosten von algorithmischen Entscheidungssystemen im öffentlichen Bereich:

    Wenn Sie jemals hören, dass die Implementierung von algorithmischen Entscheidungsfindungsinstrumenten in soziale Dienste oder andere hochrangige Regierungsentscheidungen ihre Effizienz erhöht oder die Kosten für die Steuerzahler reduziert, wissen Sie, dass Sie belogen werden. Wenn sie ethisch umgesetzt werden, kosten diese Systeme mehr. Und das sollten sie auch.

    Ob es um gerichtliche Entscheidungen geht (z. B. „Risk Assessment Scoring“) oder um ein Modell davon, wer für Obdachlosigkeit gefährdet ist – die Kosten von algorithmischen Systemen liegen nicht einfach in der Implementierung. Sie liegen in der Überprüfung. Es kostet Geld, sie in dem Bereich weiterzuentwickeln, für den sie gedacht waren. Es kostet Geld, ihre Nutzer zu trainieren, sodass sie die Daten verantwortungsvoll nutzen. […]

    Ansonsten […] helfen die Systeme, Steuergelder von herkömmlichen Diensten abzuzweigen und, unter der Illusion, Menschen zu helfen, die Taschen gewinnorientierter Unternehmen zu füllen. […]

    Was die Datenanalyse gut macht, ist Möglichkeiten für Experimente und tiefere Exploration zu eröffnen. Aber […] weil die Technologie Geld sparen soll, gibt es kein Budget dafür, diese Daten zu nutzen, um Menschen wirklich zu helfen. Stattdessen wird Technologie zur Illusion. Nicht weil die Technologie von Natur aus schlecht ist, sondern aufgrund der Art und Weise, wie sie eingesetzt und genutzt wird.

    12. Januar 2018 1
  • : LuxLeaks: Urteil gegen einen der beiden Whistleblower gekippt
    Der Kleinstaat Luxemburg gilt weiterhin als Steuervermeidungsparadies.
    LuxLeaks: Urteil gegen einen der beiden Whistleblower gekippt

    Das oberste luxemburgische Gericht hat ein Urteil gegen einen Informanten in der LuxLeaks-Affäre gekippt. Der Whistleblower Antoine Deltour war von einem Gericht wegen Diebstahls zu zwölf Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 1.500 Euro verurteilt worden. Die Strafe des Whistleblowers Raphaël Halet wird hingegen aufrechterhalten.

    Die Süddeutsche berichtet:

    Die Whistleblower und ehemaligen Mitarbeiter der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC) wurden in erster Instanz im Sommer 2016 verurteilt. Deltour bekam zwölf Monate Haft und 1500 Euro Geldstrafe. Die beiden hatten brisante Steuer-Dokumente an den Journalisten Edouard Perrin weitergegeben. Beide Whistleblower hatten stets betont, dass sie Missstände öffentlich machen wollten. Dies sei ihre Motivation gewesen. Um Geld sei es ihnen nicht gegangen.

    Deltour und Halet hatten etwa 300.000 Dokumente entwendet. Sie enthüllten damit, wie Luxemburg Großkonzernen dabei half, Steuerzahlungen in Milliardenhöhe zu vermeiden. Der Fall löste neben einer Debatte um Steuerschlupflöcher auch Diskussionen darüber aus, wie Whistleblower besser geschützt werden können.

    11. Januar 2018 4
  • : FBI klagt über verschlüsselte Handys – mal wieder
    FBI-Chef Wray will mehr Handys durchleuchten. Unser Foto zeigt ein Beleuchtungsgeschäft eines Namensvetters.
    FBI klagt über verschlüsselte Handys – mal wieder

    Auf der International Conference on Cyber Security (ICCS) in New York hat FBI-Chef Christopher Wray beklagt, dass seine Behörde im Jahr 2017 knapp 7.800 Geräte wegen Verschlüsselung nicht knacken konnte. Es handle sich dabei um etwa die Hälfte aller Geräte, für die dem FBI eine rechtliche Grundlage zur Durchsuchung vorlagen.

    In seiner Rede forderte Wray eine „verantwortungsvolle Lösung“: Verschlüsselung solle stark und sicher, aber so beschaffen sein, dass sie Ermittlungen nicht behindere. Wie das technisch ohne Hintertüren gehen soll, ließ der FBI-Chef allerdings offen.

    Im Kampf gegen Verschlüsselung sprechen Geheimdienste, Polizeien und Innenpolitiker immer wieder vom „Going Dark“. Die Ermittler tappten wegen Kryptografie im Dunkeln, so die These. Kritiker und Wissenschaftler widersprechen dem, weil die Polizei durch die Digitalisierung eine Vielzahl zusätzlicher Daten zur Verfügung habe.

    11. Januar 2018 3
  • : China plant allgegenwärtige Videoüberwachung mit Gesichtserkennung bis 2020
    Auf Schritt und Tritt überwacht. China führt den orwellschen Überbietungswettbewerb derzeit international an. (Symbolbild)
    China plant allgegenwärtige Videoüberwachung mit Gesichtserkennung bis 2020

    In China werden Systeme zur Gesichtserkennung im großen Maßstab ausgebaut. Von der Schließtechnik in Wohnhäusern bis zur vernetzten Überwachungskamera nutzen die Systeme nun auch Gesichtsbiometrie und Mustererkennung.

    Simon Denyer hat sich in der Washington Post die ambitionierten Überwachungspläne angesehen, für die staatliche Stellen Hand in Hand mit der Sicherheitsindustrie arbeiten:

    Bis zum Jahr 2020 will Chinas Regierung laut offiziellen Dokumenten die Videoüberwachung „allgegenwärtig, vollständig vernetzt, immer funktionstüchtig und voll steuerbar“ machen und dabei Data Mining mit ausgefeilter Video- und Bildanalyse kombinieren.

    Hinzu kommen die Pläne für ein Social Scoring System, in dem Menschen von der Kreditwürdigkeit bis hin zur „politischen Zuverlässigkeit“ bewertet werden. China ist derzeit Vorreiter im orwellschen Überbietungswettbewerb.

    Doch auch in westlichen Demokratien werden diese tief in die Grundrechte eingegreifenden Technologien von Innenpolitikern vorangetrieben. Am Berliner Bahnhof Südkreuz testet das Innenministerium Gesichtserkennung, der amtierende Minister fordert den bundesweiten Einsatz der Technologie.

    10. Januar 2018 1
  • : „Which Phones sleep together“? Video über Facebooks Geschäftsmodell
    „Which Phones sleep together“? Video über Facebooks Geschäftsmodell

    Die polnische Panoptykon Foundation hat ein Video veröffentlicht, das auf Basis einer Untersuchung von Share Lab das Geschäftsmodell von Facebook erklärt. Das englischsprachige Video (polnische Version) erklärt mit anschaulichen Grafiken in fünf Minuten, welche Daten Facebook sammelt und wie es sie zu deuten weiß.

    Identifiziert und manipuliert Facebook unsere Gefühle? Kann es unsere Persönlichkeit, Gewohnheiten, Interessen, politischen Ansichten und Gehälter erkennen? Benutzt es alle diese Informationen, um uns mit personalisierter Werbung oder bezahlten Inhalten zu erreichen? Und ob! Mark Zuckerbergs Imperium basiert auf der Analyse der digitalen Schüppchen, die wir im Internet hinterlassen, sie in wertvolle Konsumentprofile zu verwandeln und diese an Werbetreibende zu verkaufen. In dieser Fabrik sind wir noch nicht mal das Produkt – wir sind bloß menschliche Biomasse, die erst Wert gewinnt, nachdem sie von Algorithmen geformt und bearbeitet wurde. Wie genau das funktioniert? Schau’s dir an. (eigene Übersetzung der Videobeschreibung)

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    9. Januar 2018 1
  • : Wie der Iran das Internet kontrolliert
    Wie der Iran das Internet kontrolliert

    Erich Möchel hat bei FM4 nachgezeichnet, wie strikt die iranische Regierung mittlerweile das Internet kontrolliert. Bei den Protesten der letzten Tage und Wochen konnten so innerhalb kürzester Zeit die letzten Kommunikationskanäle gekappt werden.

    Im Beitrag heißt es:

    Anders als bei den Großdemonstrationen 2009 hatte die iranische Führung diesmal die Kommunikation fest im Griff. Facebook, Twitter und Co sind seit Jahren im Iran gesperrt, deshalb hatte sich fast das gesamte Netzpublikum auf die verbliebenen Sozialen Netzwerke Telegram und Instagram aufgeteilt. Mit dem Zugriff der iranischen Behörden wurden diese beiden verschlüsselten Kommunikationswege für mindestens 40 Millionen iranische Benutzer auf einen Schlag gesperrt.

    8. Januar 2018 4
  • : Nacktbilder verschicken, aber sicher – about:blank Folge 2
    So geht's: Nacktbilder schicken, aber sicher
    Nacktbilder verschicken, aber sicher – about:blank Folge 2

    Kurz vor Weihnachten haben wir hier den Start einer neuen Videoreihe verkündet, bei der wir damit experimentieren, netzpolitische Inhalte jugendgerecht aufzubereiten. Sie heißt about:blank. In der ersten Folge ging es um Netzneutralität. In zweiten Teil geht es jetzt um Privatsphäre. Genauer gesagt um den Schutz der Privatsphäre beim Versenden von Nacktbildern: Safer Sexting.

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    Und wie das so ist bei Experimenten: Am Anfang läuft auch mal was schief. In diese Folge hat sich zum Beispiel ein kleiner inhaltlicher Fehler eingeschlichen. Wer findet ihn?

    5. Januar 2018 48
  • : Bilanz 2017: Bundesnetzagentur nimmt 460.000 Elektrogeräte vom Markt
    Störst du beim Musikhören gerade den Polizeifunk?
    Bilanz 2017: Bundesnetzagentur nimmt 460.000 Elektrogeräte vom Markt

    Funkkopfhörer, die Frequenzen von Polizeifunk nutzen: Das ist in Deutschland verboten. Doch nicht alle halten sich daran. Fällt ein solcher Verstoß auf, verbannt die Bundesnetzagentur (BNetzA) das Produkt aus dem deutschen Markt. 388.000 solcher Kopfhörer betraf das allein im vergangenen Jahr. Zusammen mit anderen Produkten wie Drohnen und Smart-Home-Equipment, „die Funkstörungen bzw. elektromagnetische Unverträglichkeiten verursachen können“, beendete die BNetzA Internetangebote für insgesamt 460.000 Geräte, so eine Pressemitteilung der Behörde.

    Die Bundesnetzagentur wird nicht nur tätig, wenn Geräte zu stark oder auf unzulässigen Frequenzen funken. Im letzten Jahr stufte sie auch die Puppe Cayla als Spionagewerkzeug ein und verbot sie in Deutschland. Dem folgten im November Kinderuhren mit Abhörfunktion. Was noch zum Pool der verbotenen Geräte gehört, können sich Interessierte bei einer Wanderausstellung der BNetzA anschauen, die voraussichtlich Anfang Februar in Augsburg zu Gast sein wird.

    4. Januar 2018 2
  • : Portrait über eine NSA-Whistleblowerin: Wer ist Reality Winner?
    Reality Winner wollte die Öffentlichkeit über Hacker-Angriffe auf us-amerikanische Wahlbüros aufmerksam machen.
    Portrait über eine NSA-Whistleblowerin: Wer ist Reality Winner?

    Die Schriftstellerin Kerry Howley hat für das New York Magazine ein Portrait über Reality Winner geschrieben. Winner war als Übersetzerin und Sprachforscherin unter anderem für die NSA tätig. Im Juni 2017 hatte sie einen NSA-Bericht an The Intercept geschickt und war daraufhin schnell festgenommen worden. Winner wollte mit der Veröffentlichung des Dokuments über Versuche des russischen Militärgeheimdienstes, Wahlbüros zu hacken, eine Diskussionsgrundlage für die Öffentlichkeit schaffen. Howley berichtet über Winners Enttarnung, den noch laufenden Prozess und stattete ihr einen Besuch im Gefängnis ab (eigene Übersetzung):

    Reality und ich, zwischen uns Glas, sprachen über dicke schwarze Telefone, die mit silbernen Schnüren an der Wand befestigt waren. Sie lachte schüchtern und sprach in ganzen, geordneten und aphoristischen Sätzen. Sie war enttäuscht. Denn als sie am Freitag darum gebeten hatte, die bewilligten 30 Minuten draußen auf dem von Elektrozäunen umgebenen Betonplatz zu verbringen, wurde ihr mit Nein geantwortet. An Wochenenden gäbe es keine Hofgänge, also müsse sie bis Montag warten, um wieder nach dem Recht zu bitten, etwas natürliches Licht zu sehen. Alleine im Raum, über eine abgehörte Leitung, sprachen wir für einige kurze Minuten […]

    4. Januar 2018 2