Generell

Allgemeine Berichte aus der Welt, in der wir leben, der Politik und der Kultur Deutschlands und des Internets.

  • : Interview mit Cory Doctorow (Video): „The NSA is not the Stasi“
    Cory Doctorow
    Interview mit Cory Doctorow (Video): „The NSA is not the Stasi“

    WĂ€hrend der re:publica ’15 haben wir einige Videointerviews gefĂŒhrt, die wir in der nĂ€chsten Zeit veröffentlichen werden. Den Anfang macht ein kurzes GesprĂ€ch mit Cory Doctorow, Science-Fiction-Autor, Blogger und umtriebiger Netzaktivist. Er greift darin den hĂ€ufiger mal angestellten Vergleich der derzeitigen NSA-Praktiken mit denen der Stasi auf und erklĂ€rt, warum diese Argumentation ziemlich ins Leere lĂ€uft: Im Vergleich zu den technischen Dimensionen, die das Instrumentarium der NSA inzwischen umfasst, habe die Stasi nur Überwachung betreiben können, die man heutzutage eher als „handgemachtes Hipster-Kunsthandwerk“ bezeichnen könne. Zum englischen OriginalgesprĂ€ch mit vielen weiteren zitierwĂŒrdigen Slogans haben wir außerdem deutsche Untertitel gepackt. Viel Spaß!

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten EndgerĂ€t Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

    Zur DatenschutzerklÀrung von YouTube/Google

    Zur DatenschutzerklÀrung von netzpolitik.org

    Den gleichnamigen re:publica-Talk gibt’s in voller LĂ€nge hier zu sehen.

    26. Mai 2015 20
  • : Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Wir wollten aus Snowden-Dokumenten lernen, ob wir das auch können“
    Heute mit großem Andrang: Ausschuss-Saal vor der Anhörung.
    Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Wir wollten aus Snowden-Dokumenten lernen, ob wir das auch können“

    ï»żHeute tagt wieder der Geheimdienst-Untersuchungsausschuss im Bundestag. Die Zeugen diesmal sind die BND-Mitarbeiter Hartmut Pauland, ehemaliger Abteilungsleiter Technische AufklĂ€rung und Gerhard Schindler, PrĂ€sident. Wir sitzen wie immer drin und bloggen live.

    Gliederung

    Vorbemerkungen

    Disclaimer: Dieses Protokoll ist nach bestem Wissen und Können erstellt, erhebt jedoch keinen Anspruch auf VollstÀndigkeit oder umfassende Korrektheit.

    Dargestellte: Abgeordnete und Zeugen, gerne korrigieren und vervollstÀndigen wir ihre Aussagen. Kontaktieren sie uns!

    Wer uns unterstĂŒtzen möchte, darf gerne spenden.

    Copyright: Die Aquarelle der Zeugen stehen nicht unter einer Freien Lizenz. Wer die Bilder verwenden möchte, stimmt das bitte mit Stella direkt ab.

    To-Do: Zusammenfassung. Bis dahin einfach nach „(!)“ suchen.

    Update: Das offizielle stenografische Protokoll gibt es auf bundestag.de als PDF (Mirror bei uns).

    [80 Minuten VerspÀtung.]

    Presse-Statements (12:50)

    Renner: Heute Zeugen Schindler und Pauland. Haben wesentliche Unterlagen nicht, Selektoren-Liste. Sind gescheitert, eine Frist bis 1. Juni zu beantragen. Wurde auf nĂ€chste Sitzung vertagt. Werden wochenlang hingehalten. Wollen Unterlagen vor Sommerpause. Sonderermittler als Ersatz fĂŒr NSAUA lehnen wir ab. UnabhĂ€ngiger darf gucken, aber NSAUA auch, ist unsere Aufgabe. Gestern Selektoren-Frage diskutiert. Ab wann war BND bekannt, dass deutsche und europĂ€ische Unternehmen und Regierungen ausgespĂ€ht wurden? Was wurde unternommen, diese illegale Praxis zu beenden? FunktionstrĂ€gertheorie. G‑10-Anordnungen fĂŒr Routineverkehre.

    Notz: Massive Probleme im BND 2008. Sondermittler: Es gibt schon einen, diesen NSAUA. Ablenkung durch andere machen wir nicht mit. OriginÀre Rechte des Parlaments nicht verhandelbar. Listen werden immer mehr. Wollen sie sehen. Beweisantrag gestellt. Wird uns seit Wochen vorenthalten. Nicht hinnehmbar. Konsultation ja, muss ein Ende haben.

    Flisek: Gemeinsames Zeugenprogramm bis zur Sommerpause beschlossen. BewĂ€hrte Strategie. Erst operative Mitarbeiter, dann politische Verantwortliche. Haben uns heute darauf geeinigt. Erhebliche Probleme bei Umgang mit US-Selektoren in BND. Wir brauchen Einsicht. Unabdingbar fĂŒr AufklĂ€rung. Bundeskanzleramt muss entscheiden. Jeder Tag zĂ€hlt. Abgestufte Verfahren, prĂ€feriere Treptow-Verfahren. GĂ€be aber auch Ermittlungsbeauftragten. Erster Schritt. Je nach Ergebnis Einsichtnahme nicht abgeschlossen. Wenn das Ergebnis ĂŒber bisheriges hinausgeht, brauchen Parlamentarier alle. Schnelle Lösung. VorwĂŒrfe wie Wirtschaftsspionage mĂŒssen geklĂ€rt, bestenfalls ausgerĂ€umt werden. Gibt keine klaren Rechtsgrundlagen fĂŒr AuslandsĂŒberwachung. Dringender Handlungsbedarf. Aus Graubereich herausholen. Wesentliche TĂ€tigkeitsbereiche können nicht weitestgehend kontrollfrei sein. SPD-Fraktion wird in den nĂ€chsten Wochen aktiv dazu.

    Warken: Selektoren-Vorlage nicht schwarz oder weiß. Treptow-Verfahren oder Sonderermittler, zĂŒgig. Heute einvernehmlich Zeugenprogramm bis Sommerpause beschlossen.

    Einleitung: Vorsitzender (13:16)

    $BegrĂŒĂŸung

    $FormalitÀten

    Pause von 14:30 bis 15:30. Aktuelle Stunde zur Vorlage der Selektoren-Listen im Plenum.

    Zeuge 1: Hartmut Pauland, BND (13:16)

    Rechtsbeistand ist Dr. Stefanie Schork.

    Brigadegeneral Hartmut Pauland, seit 1973 Soldat. Anschrift ist Dienstherr BND.

    Eingangsstatement: Ich bin Soldat im 42. Dienstjahr. Begonnen in Fernmelde-Truppe, elektronische KampffĂŒhrung. 16 [Stationen?] durchlaufen. Vielzahl meiner Verwendungen. War FĂŒhrer von Bataillon und Regiment. Beim BND 1992 bis 1994 in Stab der Abteilung 2: Technische AufklĂ€rung (TA). Brigadehauptquartier in BrĂŒssel sowie NATO Defense College in Rom. Vor BND sechs Jahre im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) in Bonn und Berlin als Referatsleiter und Stabsabteilungsleiter und Unterabteilungsleiter (UAL) MilitĂ€risches Nachrichtendienstwesen der StreitkrĂ€fte.

    Im Januar 2013 zum BND gewechselt, als Abteilungsleiter (AL) TA. Fachliche Ausbildung FernmeldeaufklĂ€rer, MenschenfĂŒhrer. Bin kein Techniker und kein Jurist. Habe die Leitung gerne ĂŒbernommen. Erstes Halbjahr 2013 war Einarbeitung und Prozessoptimierung. Von Beginn an war die Aufstellung und Eingliederung einer weiteren UA in die Abteilung TA ein wichtiges Thema. Dann Snowden. Ich wurde im Juni und August 2013 in die Ad-Hoc-Kommission von BSI/Bundeskanzleramt zu GesprĂ€chen mit NSA/GCHQ berufen. Ergebnis daraus wurde in PKGr-Sitzungen vorgetragen.

    Seit Dezember 2014 bin ich auch Beauftragter des BND-PrĂ€sidenten fĂŒr die Strategische Initiative Technik (SIT).

    Sowohl damals als auch heute tiefgreifender Umbruch im BND. 1993 grundlegende Neuausrichtung des AufklÀrungsauftrags. Heute Geschwindigkeit der technologischen Neuerung. Analog zu digital und Internet.

    Rahmenbedingungen meiner TĂ€tigkeit:

    1. Allgemein: Gesetzlicher Auftrag und Auftragsprofil der Bundesregierung (APB). Auftragssteuerung der Ressorts. TA wird durch A2 gesteuert. Erkenntnisse werden von uns angefordert.
    2. Organisatorisch: BND-PrĂ€sident hat im Januar 2013 entscheiden, Cyber-Defense zu restrukturieren und zusammenzufassen. Vierte Abteilung im Februar 2013 uns zugeordnet. Ich fĂŒhre damit die grĂ¶ĂŸte Abteilung des BND: Vier UA, drei Standorte. TA hat als einzige Abteilung UA.
    3. Technisch: Sind weit davon entfernt, up-to-date zu sein im Internet. Hochkomplex. Noch lange nicht vollzogen. Völlig neuartiger Informationsraum, Bedeutung der internationalen nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit. Zu viele wurden nicht auf Weg von analog zu digital mitgenommen. Nutzern ist das nicht klar und bewusst. Kritische Infrastruktur, neue Gefahren und Risiken. Auch da will und kann TA Schutzbeitrag leisten. UnterstĂŒtze Transparenzoffensive. Kollektive Nutzung des Internets. FrĂŒher Telefonie, Fax und Funk. Heute nutzen fast alle die selbe Infrastruktur: Internet. Zivil, MilitĂ€r, Nachrichten, Wirtschaft, Privat, Terroristen, Extremisten, Kriminelle, Bombenbau, Aufruf zu Straftaten. Wir mĂŒssen aus FĂŒlle der Information nachrichtendienstlich Relevante herausfiltern. Das ist unser Auftrag.

    Ich wurde gut aufgenommen und vorbereitet. TA ist bestrebt, auf gesetzlicher Grundlage APB bestmöglich zu erfĂŒllen. (!) Internationale ND-Zusammenarbeit ist unverzichtbar. Partner auf Augenhöhe. Nicht QuantitĂ€t, sondern QualitĂ€t. Eigene Technik und gute Mitarbeiter. BND kann nur weiter zusammenarbeiten, wenn er Anschluss an Technik nicht verliert. Derzeit sind wir manchmal nicht technisch auf Augenhöhe. Wir haben eine Vielzahl an Partnern aus allen Kontinenten. Kein ND der Welt kann das heute allein.

    BND bearbeitet derzeit mehrere Krisen weltweit: Ukraine, Islamischer Staat, Boko Haram, Bundeswehr-EinsĂ€tze, EntfĂŒhrungen, Ebola. (!) Das sind unsere Themen, nicht die Überwachung unserer BĂŒrger. Deutsche Beamte, deutsche Behörde, handeln im Sinne der Freiheitlich demokratischen Grundordnung. Als Soldat: Force Protection benötigt unsere Arbeit und internationale UnterstĂŒtzung. Rettet Leben im Einsatz.

    Fragerunde 1: Vorsitzender

    Sensburg: Werdegang? Nach Abitur 1973 Bundeswehr?

    Pauland: Ja.

    Sensburg: Wehrdienst?

    Pauland: Als Z2 [Zeitsoldat, 2 Jahre Verpflichtungszeit] angefangen, dann Öffnung der UniversitĂ€t der Bundeswehr.

    Sensburg: Was studiert?

    Pauland: WOW. [Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an der UniversitĂ€t der Bundeswehr MĂŒnchen]

    Sensburg: Bataillon in Frankenberg?

    Pauland: Ja.

    Sensburg: Nach Bundeswehr Zeit bei MAD?

    Pauland: Nein, BND, 1992 bis 1994.

    Sensburg: Abgeordnet?

    Pauland: Ja.

    Sensburg: Welche Funktion?

    Pauland: War Grundsatzreferent im Abteilungsstab der Abteilung 2: TA.

    Sensburg: Nicht SIGINT wie heute? Zu frĂŒh?

    Pauland: Wahrscheinlich.

    Sensburg: Ist das Teil unseres Untersuchungsgegenstands?

    Pauland: Kommt drauf an, was sie meinen. Gab ja TĂŒrme an innerdeutscher Grenze. Seit 40 Jahren mein Gebiet.

    Sensburg: Werdegang in Bundeswehr? UAL SE1?

    Pauland: Ja, bis 31. Dezember 2012. Sechs Jahre BMVg, vier Jahre Leiter 2007 bis 2010.

    Sensburg: Ab 1. Januar 2013 AL TA?

    Pauland: Ja.

    Sensburg: Was waren ihre Aufgaben im BMVg?

    Pauland: UAL C1: Verantwortlich gegenĂŒber Generalinspekteur bzw. Minister zu Nachrichtendiensten (ND) der StreitkrĂ€fte.

    Sensburg: Nicht operativ?

    Pauland: Nein, Konzepte fĂŒr KrĂ€fte im Einsatz.

    Sensburg: Am 1. Januar 2013 sind sie vom BMVg zum BND und wurden AL der TA. Ihre EindrĂŒcke im ersten halben Jahr?

    Pauland: Gut. Sehr engagierte Truppe vorgefunden. Sollte erweitert werden. SIGINT. Schindler entschied, auch Cyber-Elemente zusammenzufassen, als dritte UA der TA zugewiesen. (!) Habe versucht, aus zwei Welten eine zu machen, Synergieeffekte gewinnen. (!) SSCD: „SIGINT Support for Cyber Defense“. Beide Bereiche zusammenfassen. Schadsoftware erkennen und BSI warnen. (!) War Aufgabe, aber Technik noch nicht soweit. Aufgabe ergab sich aus digitaler Agenda. (!!) 220 Millionen Euro fĂŒr BND als ErtĂŒchtigung. Braucht man dafĂŒr.

    Sensburg: Was noch im ersten Halbjahr?

    Pauland: Lange und viele Einweisungen, an Standorten. Außenstellen besucht.

    Sensburg: Ende erstes Halbjahr?

    Pauland: Snowden. Dann war Leben anders als gedacht.

    Sensburg: Anfang Juni 2013. Wie war Reaktion? ZurĂŒck ins BMVg?

    Pauland: Weglaufen tut man nicht. Wurde ja sofort reagiert. „Kann das bei uns auch passieren, Abgriff?“ Jeder Zeitungsbericht dokumentiert. Ging los, bis heute nicht beendet.

    Sensburg: Handling? Sondergruppe?

    Pauland: Einer war fĂŒr Abgeordneten-Anfragen zustĂ€ndig. War zwischendurch getötet, hab das wieder eingefĂŒhrt. Richtige Umstellung erst mit NSAUA: Sondergruppe mit viel Personal. Bis Bundeskanzleramt, Leitungsstab. 35 Mann.

    Sensburg: Juni 2013. Sachverhalt wurde offenbar. Rollte etwas auf sie zu? Fragen zu stellen? Sonderorganisation? Anweisungen? Wie organisatorisch auf die Sache zugegangen?

    Pauland: Intern ein Bereich dafĂŒr im Leitungsstab. Erst in normaler Gliederung.

    Sensburg: Wann nicht mehr?

    Pauland: Mit Einrichtung ihres Ausschusses. Vorher ging gerade noch so, war heftig. Ich selbst in Ad-Hoc-Gruppe.

    Sensburg: Wann?

    Pauland: Juni 2013. Waren ja unterwegs?

    Sensburg: Wo?

    Pauland: NSA und GCHQ. Morgen ins Bundeskanzleramt. Immer sofort eingebaut.

    Sensburg: Wie Sitzungen vorbereitet? UAL zu ihnen gebeten? Zeitdruck?

    Pauland: Normale Stabsarbeit, Thema egal. Heute noch so. UAL-Runden. Per E‑Mail beauftragt. Je nach Zeit zwei bis drei RĂŒcksprachen. Viel auch Videokonferenzen. Wöchentlich AL-Konferenz. Business as usual.

    Sensburg: E‑Mail, GesprĂ€ch, Videokonferenz. Wie sicherstellen, dass alle AuftrĂ€ge abgearbeitet werden? Nachhalten? Geht mir durch.

    Pauland: Nach 40 Jahren Stabsarbeit business as usual.

    Sensburg: Das macht das Vorzimmer?

    Pauland: Ja, und Chef des Stabes. Ich fĂŒhre meine eigene To-Do-Liste.

    Sensburg: In Lotus Notes oder Microsoft Outlook?

    Pauland: Lotus Notes und Outlook. (!)

    Sensburg: Juli, August 2013: Was war erste markante Maßnahme, die sie angeordnet haben? Nur Reaktion auf Presse? Oder aktiv irgendwas geklĂ€rt?

    Pauland: Bei der Masse kommen Anfragen automatisch, muss man sich keine Gedanken machen. Interne Auswertung, aus Snowden-Dokumenten lernen, ob wir das können. (!)

    Sensburg: Was danach auf den Weg gebracht?

    Pauland: Thema Recht. Habe bei Übernahme immer gehört „bin nicht zustĂ€ndig, bin nur fĂŒr G‑10 zustĂ€ndig.“ Das wollte mir ĂŒberhaupt nicht in den Sinn. Hatte auch andere Jura-Fragen als G‑10. Habe Antrag gestellt, wurde von Leitung und Bundeskanzleramt zugestimmt. Jura-Referat machte nicht mehr nur G‑10, sondern alle Rechtsfragen. (!) Auch im Zusammenhang mit SSCD. Da waren auch rechtliche Fragen. Brauchen Gefahrenbereich Cyber, neben Terror. Wenn sie Malware finden wollen, brauchen sie Gefahrenbereich Cyber. Ist inzwischen im Gesetzgebungsverfahren. (!)

    Sensburg: Erstmal organisatorische Klarheit. Rechtsreferat ihnen VollumfĂ€nglich, nicht nur G‑10?

    Pauland: Ja.

    Sensburg: Und grundsÀtzliche Aufgabenbeschreibung. Das tut Rechtsreferat?

    Pauland: Ja. SIT mit viel Geld ist bekannt. Wollte ich von Anfang an rechtlich begleitet haben, nicht erst im Verfahren.

    Sensburg: Haben sie ihren UAL AuftrĂ€ge gegeben, was zu tun? Review ĂŒber ihren Bereich?

    Pauland: Waren technisch nicht up-to-date. Diskussionen schon 2012. Kam mit Metadatenzentrierten Ansatz nicht zurecht. (!)

    Sensburg: Metadatenzentrierter Ansatz?

    Pauland: Am Anfang klassische Telefonie, Fax und Fernschreiben. Sie empfangen Fax, lesen das, geben das zu Auswerter A oder B. Das ist in Zukunft mit anderen Techniken nicht mehr möglich. Inhaltsauswertung wird zurĂŒckgehen durch Metadatenzentrierten Ansatz. Braucht immer noch Inhalt, sucht aber in Vielzahl der Pakete nur noch die wichtigen und richtigen aus. (!) Sehr guter Weg. Nur noch die Kommunikation der Bösen nĂ€her unter die Lupe nehmen. Sehr teurer Ansatz. Waren die ersten GesprĂ€che in dieser Richtung. Hatte das auch in PKGr vorgestellt.

    Sensburg: Anhand von Metadaten nur bestimmte Inhaltsdaten aus Masse auswÀhlen?

    Pauland: Ja. Beispiel Nadel im Heuhaufen. (!) Beispiel ist richtig, aber falsch in heutiger Welt. Heute ist Nadel zerbrochen und muss sie erst zusammensuchen. Da kann man anhand einzelner Pakete gucken, ob sich Zusammensetzung lohnt. Das ist Metadatenzentrierter Ansatz, die Zukunft. (!)

    Sensburg: Was ist Begriff Metadaten?

    Pauland: So ein Wort mit vielen unterschiedlichen Definitionen. Auch in unterschiedlichen LĂ€ndern, auch rechtlich. Alles nicht einheitlich. Wir verstehen darunter Sach- und Inhaltsdaten. (!) Alle Daten, die das Umfeld einer Kommunikation beschreiben, die technisch anfallen. Können auch Inhaltsdaten dabei sein: E‑Mail-Adresse, Telefonnummer, Browser-Einstellung wie Sprache, jeder hat ein Profil auf seinem Rechner, weil jeder sich selbst alles einstellen kann. Vielzahl an Metadaten. Habe das in PKGr anhand eines Zeitungsartikels berichtet. Die ersten 31 Seiten waren nur Metadaten von dem Inhalt des Artikels. (!) Dieser Ansatz wird derzeit angegangen, bald in Betrieb.

    Sensburg: Wie viele Projekt in ihrem Bereich liefen basierend auf Metadaten im Juni 2013?

    Wolff: Nicht-öffentlich (NÖ).

    Sensburg: Haben sie Sommer 2013 die als interessant bewertet, wo man draufgucken muss, nach Snowden?

    Pauland: Hatten diese Projekte ja leider noch nicht, waren noch nicht soweit.

    Sensburg: Habe schon von welchen in Zeitung gelesen. Dann halt NÖ. In Bad Aibling wurden Satelliten erfasst, von bestimmten Regionen. Welche?

    Pauland: Allgemeine Krisenregionen.

    Sensburg: Beispiel?

    Pauland: Afghanistan.

    Sensburg: Weitere?

    Pauland: [Guckt zu Wolff.]

    Wolff: NÖ.

    Sensburg: Wenn ich Satellit von Afghanistan abgreife, nehme ich ja nicht alles. Wie nur fĂŒr Force Protection? Nehmen ja nicht alles?

    Pauland: [Guckt zu Wolff.] Sie wollen das, was ihre Soldaten schĂŒtzt.

    Sensburg: Wie gewÀhrleisten sie, dass sie nicht gesamte Kommunikation nehmen, sondern nur bestimmte?

    Pauland: Wir werden gesteuert vom GeschÀftsbereich 2. Die haben Hinweise. Oder AND-Partner. Wir haben Hinweise, nach denen suchen wir.

    Sensburg: Bestimmte Auswahlkriterien? Inhaltsdaten nur bei Treffer auswerten?

    Pauland: Ja.

    Sensburg: Suchkriterien aus BND selbst und von Partnern. Gibt es ein Matching, gegen Doppelarbeit? Abgleich?

    Pauland: Nicht parallel, besonders im Einsatz. NÖ.

    Sensburg: Wie kommen Informationen wie Handynummern von Partnern zu ihnen?

    Pauland: Nicht zu mir, lÀuft auf Arbeitsebene, sitzen ja teilweise zusammen.

    Sensburg: USB-Stick?

    Pauland: Über Telekommunikations-Systeme ausgetauscht. Oder vor Ort, wenn man zusammen sitzt.

    Sensburg: Von Server in BND-Systeme. Eins oder mehrere Selektoren-Systeme von AND?

    Pauland: Unterschiedliche. (!)

    Sensburg: Wie viele?

    Pauland: MĂŒssen Techniker fragen. Wir versuchen mehr zu vereinheitlichen. Historisch gewachsen durch einzelne AnsĂ€tze. Einzelheiten NÖ.

    Sensburg: Nach AND aufgeteilt? System fĂŒr AND X und AND Y, nur Five Eyes? Oder alle in eins?

    Pauland: Letztlich alle in eins. DAFIS. !!)

    Sensburg: Filter. Selektoren kommen rein und werden gefiltert. Wie funktioniert Filter-Kaskade?

    Pauland: DĂŒrfen wir das, Herr Wolff?

    Wolff: Abstrakt ja, Details NÖ.

    Sensburg: DAFIS. Was ist das? Wann filtert der?

    Pauland: ZunĂ€chst Separator, erste Filterstufe, wird vieles raus. Dann DAFIS mit drei Stufen: Landesvorwahl +49, Handykennnummer, 2: G‑10-Positivliste. (!)

    Sensburg: Wo sie wissen, das ist G‑10-relevant, aber nicht direkt erkennbar?

    Pauland: Kann man so formulieren. Dritte Stufe. Deutsche und europÀische Interessen rausnehmen. (!)

    Sensburg: HĂ€ndisch?

    Pauland: Inzwischen automatisch. (!)

    Sensburg: Wo passiert Selektoren-Auswahl?

    Pauland: T2 in Pullach.

    Sensburg: Seit Snowden mal das GefĂŒhl, das könnte ein sensibler Bereich sein?

    Pauland: Thema Selektoren war nicht ein einziges Mal Thema, weder Vorlage noch GesprÀch.

    Hahn: Unproblematisch?

    Pauland: Ja.

    Sensburg: Sie hinterfragten ZustĂ€ndigkeiten bei Rechtsbereich. Gestufte SelektorenprĂŒfung. Braucht man ja nicht, wenn die sauber sind und man AND vertrauen kann, was man ja nicht kann. (!) Dann VorwĂŒrfe, dass einander ausgespĂ€ht wurde. Haben sie nichts angeordnet zur Untersuchung?

    Pauland: Nein. Thema Selektoren war kein Thema. (!) War mit BfDI da und Besuchergruppen. War keine Baustelle. Seit Jahren offensichtlich problemlos. (!)

    Sensburg: Nie von anderer ÜberprĂŒfung gehört? Selektoren, die nicht eingestellt werden sollten?

    Pauland: Hatten wir schon mit unserer Datenschutzbeauftragten. Aber deswegen haben wir ja auch das Projekt Datenlandschaft in Bad Aibling unterstĂŒzt. LĂ€uft ja immer noch. Aber keine besondere PrĂŒfung.

    Sensburg: Wurden immer wieder Selektoren gegen G‑10, gegen deutsche Interessen oder gegen europĂ€ische Interessen waren? Verstoß gegen MoA?

    Pauland: Nein, erst jetzt Ende MĂ€rz. War vorher bei mir nicht einmal auf dem Tisch.

    Sensburg: Ist ihnen Ablehnungsliste bekannt?

    Pauland: Im Zuge der Aufarbeitung, ja.

    Sensburg: Vorher nicht? Über Jahre?

    Pauland: Nein. (!)

    Sensburg: Dann hĂ€tte man sich ja G‑10-Filter sparen können, wenn alles so toll klappt. Warum dann Aufwand der Selektoren in Pullach und Verschickung nach Bad Aibling, wenn die tipptopp waren?

    Pauland: Waren ja nicht tipptopp. Welche Listen entstanden sind, muss man mit denen besprechen, die das gemacht haben.

    Sensburg: „Sind nicht zustĂ€ndig“?

    Pauland: Im Ergebnis schon.

    Sensburg: 2013 nichts problematisch? Wann von Problematik gehört?

    Pauland: 13. MĂ€rz 2015 22:45. (!)

    Sensburg: Wussten sie von Selektoren-PrĂŒfung in ihrer Abteilung 2013?

    Pauland: Bekannt, dass BfDI da war, da war ich dabei. PrĂŒfung von D.B., nein.

    Sensburg: Wenn bei PrĂŒfung von D.B. aktive Sachen im Gesamtpool gewesen wĂ€ren, hĂ€tten sie das wissen wollen?

    Pauland: Ja, besonderes Vorkommnis, melden, reagieren.

    Sensburg: Hat aber weder D.B. noch jemand anderes gesagt?

    Pauland: Nein, haben darĂŒber nicht gesprochen.

    Sensburg: Erst im Rahmen des NSAUA davon erfahren?

    Pauland: Ja.

    Sensburg: Blöde Frage: Wie sehen solche Ablehnungslisten aus? Gab es Dateianordnung? Oder Laufwerk C: auf irgendeinem Rechner?

    Pauland: Wenn Personenbezogene Daten drin sind, braucht es eine Dateianordnung. Inzwischen fehlt uns ja auch nur noch eine. (!)

    Sensburg: Und Datei mit Ablehnungs-Selektoren?

    Pauland: Nein.

    Sensburg: War nie Thema?

    Pauland: Nein.

    Sensburg: Thema Selektoren Gegenstand von UAL-Besprechung?

    Pauland: Nein. Thema Selektoren war kein Thema.

    Sensburg: In Bad Aibling nur Satelliten oder auch Selektoren gegen Kabelerfassung?

    Pauland: Kann ich nicht sagen.

    Sensburg: Warum?

    Pauland: Weiß ich nicht. (Keine Ahnung, KA.)

    Sensburg: Kabel war nicht Gegenstand?

    Pauland: Ja.

    Sensburg: Welche ihrer UA ist die Zukunft?

    Pauland: Alle.

    Sensburg: WĂ€re es Nachteilig, wenn BND die neue Technologie nicht hinbekommt? Ist ja komplex.

    Pauland: Warum nur Bad Aibling? Neue Technik ist ja nicht darauf begrenzt.

    Sensburg: War das der Kernbereich?

    Pauland: Der neue Ansatz ist der Kernbereich. (!) Wollen das mehr mit deutschen Anbietern und deutscher Industrie machen, aber Preisschild war zwei bis vier Jahre lÀnger.

    Sensburg: Neu?

    Pauland: Kompanie aufmachen ist besser als schließen. Wenn eine Behörde 200 Millionen bekommt, sind sie begeistert. (!)

    Sensburg: Wenn es dann nicht klappt, ist es schlecht?

    Pauland: Jeder bekommt den Dienst, den man verdient.

    Sensburg: Jetzt Unterbrechung fĂŒr aktuelle Stunde.

    [Pause. (14:21)]

    [Geht weiter. (15:58)]

    Sensburg: Zeuge jetzt ohne Rechtsbeistand, danke fĂŒr trotzdem. Bei ihnen waren Selektoren kein Thema, bei ihren UAL schon. Mitbekommen?

    Pauland: Nein, erst am 13. MĂ€rz 2015.

    Sensburg: Irgendwas mitbekommen vorher zu Selektorenliste?

    Pauland: Nein.

    Sensburg: Einmal PrĂŒfung durch Dr. T., bekannt?

    Pauland: Ja.

    Sensburg: Andere PrĂŒfungen bekannt? Herbst 2013?

    Pauland: Damaliger Zeitraum nicht bekannt.

    Sensburg: Und AL vor ihnen?

    Pauland: SelektorenprĂŒfung kommt nicht bei ihnen vorbei, sind nicht eingebunden.

    Sensburg: G‑10-PrĂŒfung aber immer hohes Ziel bei allen. Warum nicht die hinterfragt, ob Technik klappt?

    Pauland: Man hat sich konzentriert auf eigene Steuerung. Auf das, was wir machen.

    Sensburg: Hinterher ist man immer klĂŒger. Bei Satelliten-Kommunikation Streckenauswahl, Beispiel Afghanistan. Kann darin auch Kommunikation mit einem EU-Selektor abgegriffen werden?

    Pauland: Bin kein Techniker. Chance ist relativ gering.

    Sensburg: Wie könnte das passieren?

    Pauland: Dass von da jemand anruft.

    Sensburg: Jemand von hier, mit Handy dort?

    Pauland: Ja.

    Fragerunde 1: Linke (16:03)

    Renner: November 2013: Erlass vom PrĂ€sident, dass europĂ€ische Interessen geschĂŒtzt werden sollen. Bekannt?

    Pauland: Hatte Schlaganfall August 2013. Hatte von Oktober bis Ende Februar angefangen, stundenweise zu Arbeiten. Ich weiß davon. Wurde mit UAL T1 [Nachrichtengewinnung] und T2 [Nachrichtenbearbeitung] gesprochen. Aber keine schriftliche Weisung.

    Renner: Gilt bis heute?

    Pauland: Ja.

    Renner: WorĂŒber mit UAL gesprochen? Was sollte geschĂŒtzt werden?

    Pauland: NATO und EU-Regierungseinrichtungen.

    Renner: Anlass?

    Pauland: Folge von Snowden.

    Renner: Keine Anhaltspunkte, dass man sich dem verstĂ€rkt zuwenden mĂŒsste?

    Pauland: War aus unserer Sicht eine andere politische Bewertung.

    Renner: Telefonnummern von EADS und Eurocopter, bekannt?

    Pauland: Erst vom 13. MĂ€rz 2015.

    Renner: Vor MÀrz 2015 nicht gehört? (!)

    Pauland: Nein.

    Renner: Heute Interesse stark auf Metadaten gerichtet. Aufteilung in Sach- und Inhaltsdaten. Welche haben Personenbezug?

    Pauland: Metadaten gab es schon immer. Das neue heute ist die Paketvermittlung, dass Nachrichten zerlegt werden. Telefonnummer, E‑Mail-Adresse, klassisch.

    Renner: Wo ist Personenbezug bei Metadaten?

    Pauland: Wenn die zur Identifizierung einer Person beitragen.

    Renner: Welche Anteile von Metadaten lassen RĂŒckschlĂŒsse auf Personen zu? Sach- oder Inhaltsdaten?

    Pauland: Sachdaten beschreiben UmstÀnde der Telekommunikation, bei Inhaltsdaten können auch welche dabei sein.

    Renner: Gibt es dann dafĂŒr bestimmte Vorschriften?

    Pauland: NatĂŒrlich. Besonders, wenn G‑10-Bezug.

    Renner: Wie werden Metadaten G‑10-sanitarisiert?

    Pauland: [Pause]

    Renner: Sie wissen, was ich meine?

    Pauland: Nein.

    Renner: Methodenwechsel: StĂ€rker auf Metadaten abgestellt. Wie G‑10-gefiltert?

    Pauland: Wenn Metadaten in personenbezogene Datenbank kommen, gibt es eine Dateianordnung.

    Renner: Datenschutz beginnt bei Erhebung. Wie wird bei Erhebung Grundrechtsschutz organisiert?

    Pauland: [Pause.] Wollen sie Gesetzesgrundlage?

    Renner: Wie es praktisch umgesetzt wird.

    Pauland: Durch Filterung. Daten laufen durch Datenfilter.

    Renner: Alle Metadaten, die an Kabeln erfasst werden, laufen durch Filter?

    Pauland: Ja.

    Renner: Wo?

    Pauland: In Pullach.

    Renner: In Pullach landen alle Metadaten?

    Pauland: Nein. Aber ich dachte, wir reden nur um Five Eyes.

    Renner: Metadaten, die mit Five Eyes erhoben werden. Wo G‑10-Filter?

    Pauland: Pullach.

    Renner: Wo noch?

    Pauland: Kann am Erfassungspunkt sein.

    Renner: Wann ist das?

    Wolff: NÖ.

    Fragerunde 1: SPD (16:12)

    Flisek: Thema Selektoren immer unproblematisch bis MĂ€rz 2015?

    Pauland: Richtig.

    Flisek: Dann mit ziemlicher Wucht aufgeschlagen?

    Pauland: Ja.

    Flisek: Jetzt Bewertung „unproblematisch“ revidieren?

    Pauland: Klar.

    Flisek: Haben sie als AL mit UAL D.B. geredet?

    Pauland: Nein.

    Flisek: Seit MĂ€rz 2015 nicht mit ihm geredet?

    Pauland: Doch, aber nicht darĂŒber. (!)

    Flisek: Seit MĂ€rz 2015 mehrfach geredet?

    Pauland: Ja.

    Flisek: Aber nicht ĂŒber Selektorenproblem?

    Pauland: Entschuldigung. Vorher nicht. Seit MĂ€rz 2015 schon. War noch bei 2013. (!)

    Flisek: Hat ihnen PrĂ€sident mal VorwĂŒrfe gemacht?

    Pauland: NatĂŒrlich nicht begeistert, wie wir selbst.

    Flisek: Was hat er gesagt? UnverzĂŒgliche Maßnahmen? Warum nicht durch die Hierarchie gekommen? Bewusst unterdrĂŒckt? Inhalt der GesprĂ€che ab MĂ€rz 2015 von ihnen und PrĂ€sidenten zu Selektoren?

    Pauland: Themenfeld aufbereiten. Wie konnte es dazu kommen, was ist der Inhalt der Liste, was tun wir dazu.

    Flisek: Wie konnte es dazu kommen?

    Pauland: Klar. KA, ob die richtig ist.

    Flisek: Welche?

    Pauland: MoU/MoA hĂ€tte umgesetzt werden mĂŒssen in einer Handlungsanweisung. Die wurde nicht gefunden, ist nicht da. (!) G‑10 wurde ordentlich gemacht. Ist nichts aufgefallen.

    Flisek: MĂ€rz 2015, PrĂ€sident, PrĂŒftruppe, Aufarbeitung. NatĂŒrlich aufgefallen. Gab im August 2013 zwei SonderprĂŒfungen von Dr. T. und in ihrer Abteilung.

    Pauland: Richtig, aber ich wusste nichts davon.

    Flisek: Haben sie W.K., R.U. oder D.B. mal einen Vorwurf gemacht, warum sie keine Information bekommen haben?

    Pauland: Nein. (!)

    Flisek: Haben sie nach Motivation gefragt, das nicht zu tun?

    Pauland: Nein. (!)

    Flisek: Warum nicht?

    Pauland: Habe im Gesetz nachgeguckt, er beruft sich auf Zeugnisverweigerungsrecht.

    Flisek: Eh er sich darauf beruft, muss man ihm etwas vorwerfen. Haben sie das?

    Pauland: Ich nicht. Er hat davon Gebrauch gemacht.

    Flisek: Was er hier macht, wissen wir. Ich will ĂŒber ihre GesprĂ€che mit ihm informiert werden. Er hat sich nicht ihnen gegenĂŒber Zeugnis verweigert?

    Pauland: Nein.

    Flisek: Sie haben seit MĂ€rz 2015 mit D.B. nicht mit ihm darĂŒber gesprochen?

    Pauland: Doch, jede Woche.

    Flisek: Was sagte er?

    Pauland: Haben PrĂŒfbericht geschrieben und verfasst. Noch nicht fertig. Er ist Teil des Verfahrens. (!)

    Flisek: Warum hat er sie nicht informiert?

    Pauland: Das hat er nicht gemacht.

    Flisek: PrĂŒfbericht prĂŒft Vorgang kritisch. Und sie können nicht sagen, wie sich ihr UAL D.B. dazu geĂ€ußert hat?

    Pauland: Korrekt. (!)

    Flisek: HĂ€tte MoA mal runtergebrochen werden mĂŒssen in Dienstanweisung. Haben sie MoA gesehen?

    Pauland: Ja.

    Flisek: Wann?

    Pauland: Erst jetzt, bei Aufarbeitung. (!)

    Flisek: Warum nicht vorher, wenn sie auch mit PrĂŒfung von Selektoren beauftragt sind?

    Pauland: War seit zehn Jahren eingespielter Zustand. Haben keinen Handlungsbedarf gesehen. (!) Haben viele MoAs, haben viele MoUs. (!)

    Flisek: Als sie angefangen habe, wurden sie dazu eingewiesen?

    Pauland: Prozesse sind vorgestellt wurden, mit DAFIS-Profil und unseren Datenbanken und komplexer Vernetzung. Wenn wir kritische Vorlage bekommen haben, haben wir das gelöst.

    Flisek: Kritische Vorlage auch Selektoren?

    Pauland: Nein, keine Selektoren.

    Flisek: Haben Defizit identifiziert. Gibt es seit MĂ€rz 2015 eine Handlungsanweisung oder Vorgabe?

    Pauland: SelbstverstÀndlich.

    Flisek: Wie sieht die aus?

    Pauland: Können sie sich vorlegen lassen. Haben genau vorgeschrieben, wo Selektoren hingehen, zu prĂŒfen sind und wie die verwendet werden.

    Flisek: Wenn ich bei ihnen anheuere in PrĂŒftruppe, könnten sie mir erklĂ€ren, was ich zu beachten haben?

    Pauland: Macht Referatsleiter oder UAL, nicht AL.

    Flisek: Sie haben eine Weisung erlassen.

    Pauland: Sie ist umzusetzen durch UAL und Referatsleiter.

    Flisek: Was sind deutsche Interessen in der Liste?

    Pauland: Firmen und Namen von Politikern.

    Wolff: Außerhalb Untersuchungszeitraum.

    Sensburg: MissverstÀndnis der Bundesregierung. Es steht kein Endzeitpunkt im Untersuchungsauftrag. (!)

    Flisek: Geht um Runterbrechen des MoA. Nach welchen Kriterien wĂŒrde ein Mitarbeiter heute kritische Selektoren nach deutschen Interessen prĂŒfen wĂŒrde?

    Pauland: Eingestuft.

    Wolff: NÖ.

    Sensburg: Operativ ist eingestuft, abstrakt geht.

    Flisek: Abstrakte Kriterien nach neuer Anweisung, die sie erlassen haben?

    Pauland: NÖ.

    Wolff: Ich bleibe dabei. Dienst- und Fachaufsicht gleichzeitig zu NSAUA, kein Untersuchungsgegenstand.

    Pauland: Wir haben LĂ€nderkennungen reingenommen, Firmennamen.

    Flisek: Weiter?

    Pauland: Unternehmensnamen, LĂ€nder.

    Flisek: Top-Level-Domains?

    Pauland: Ja. Vorwahlen, LĂ€nderkennungen Mobilfunk. (!)

    Flisek: Erheblich ausgeweitet?

    Pauland: Ja.

    Flisek: Nach MĂ€rz 2015? (!)

    Pauland: Ja.

    Flisek: Kennen sie Erlass vom PrÀsidenten November 2013?

    Pauland: Nein. War mĂŒndlich an UAL T2.

    Flisek: Ist das ĂŒblich, dass PrĂ€sident mĂŒndlich an UAL Weisungen erteilt, ĂŒber AL hinweg.

    Pauland: Ich war zeitlich eingeschrĂ€nkt. NatĂŒrlich kann der PrĂ€sident einen UAL und Referatsleiter anrufen. Aber RĂŒckweg ist am AL vorbei.

    Flisek: MĂŒssen informiert werden?

    Pauland: Ja, auf RĂŒckweg.

    Flisek: BND-PrĂ€sident Schindler nahm „AusspĂ€hen unter Freunden – das geht gar nicht“ ernst und wies dazu direkt UAL an. Warum dann nochmal MĂ€rz 2015 ihr Richtlinienerlass? War doch schon alles tipptopp.

    Pauland: [SchĂŒttelt Kopf.] Die Weisung haben wir umgesetzt in unsere Steuerungen. Todsicher.

    Fragerunde 1: GrĂŒne (16:33)

    Notz: Wurde ihnen bei ihrem Anfang etwas zu Problemen mit Selektoren gesagt?

    Pauland: Nein.

    Notz: Gab Ablehnungslisten von 2005 und 2008. Nicht gehört?

    Pauland: Nein. (!)

    Notz: Snowden 2013. Veröffentlichungen verfolgt?

    Pauland: NatĂŒrlich.

    Notz: Interessant zu lesen, oder?

    Pauland: Ja.

    Notz: Schlussfolgerungen daraus?

    Pauland: Zu Masse der Sachen wÀren wir nicht in der Lage gewesen. (!) Da war die NSA uns weit voraus.

    Notz: Snowden: Kooperation NSA und DrittlĂ€nder wie Deutschland. Massive Übergriffe, massives Abfischen auch gegen Partner. BezĂŒge zu ihrem Arbeitsleben?

    Pauland: Nein. Ist nichts aufgefallen.

    Notz: Sagen andere Zeugen anders. Tausende Selektoren gefunden.

    Pauland: Wurde mir nicht gesagt.

    Notz: Sie leiten die Abteilung, haben FĂŒhrungsverantwortung. Dann lesen die das. BND war mit NSA auf Glasfaser in Frankfurt am Main. Keine RĂŒckschlĂŒsse fĂŒr ihre Arbeit?

    Pauland: Doch. Aber nicht diese.

    Notz: Haben sie Zeitung gelesen?

    Pauland: Dort EADS und Eurocopter begegnet.

    Notz: BND schrieb das in Vermerke an Bundeskanzleramt, wie gefÀhrlich die Kooperation mit NSA ist. (!)

    Pauland: Weiß ich. Hatte andere PrioritĂ€ten durch meinen Schlaganfall.

    Notz: Bist August 2013 waren sie voll an Bord. Da waren EADS und Eurocopter Thema. Sie sagen, erst im MÀrz 2015 damit anzufangen. Was haben sie im August 2013 gemacht? Hat ihr PrÀsident nichts zu ihnen gesagt?

    Pauland: In dem Punkt nicht. Im Juli/August war ich in der Gruppe mit BMI/Bundeskanzleramt, nach Washington und England. Mehrere Nachwirkungen. Dem PKGr gemeldet.

    Notz: Aussichtslose No-Spy-Abkommen verhandelt? Statt Probleme zu fixen? (!)

    Pauland: War auch Thema. Haben dazu beigetragen. Es gab das Angebot. Das ist eine Frage. Wir waren auch schon relativ weit. (!)

    Wolff: NÖ.

    Notz: Bis Snowden 2013: War ihnen als zustÀndiger AL bekannt, dass BND unter Freunden abhört?

    Pauland: Ja. Aus Veröffentlichungen. (!)

    Notz: Vorher?

    Pauland: Das MoA lÀsst Ausnahmen zu. (!)

    Notz: Sie wussten das?

    Pauland: Ja.

    Notz: Haben sie sich ĂŒber Merkel gewundert „AusspĂ€hen unter Freunden – das geht gar nicht“?

    Pauland: In dem Umfang war das nicht bekannt.

    Notz: Haben sie in Ergebnisse der SelektorenprĂŒfung geguckt?

    Pauland: Ist nichts aufgefallen, was hÀtte Grund zur Sorge geben können.

    Notz: Bis August 2013?

    Pauland: Ja.

    Notz: In Bad Aibling werden ausschließlich Satelliten gefiltert?

    Pauland: Nein. Auch Richtfunk. Von Kabel ist mir nichts bekannt.

    Notz: Heute keine Kabelerfassung in Bad Aibling erfasst und selektiert?

    Pauland: Heute in Bad Aibling Satellit und Richtfunk. (!)

    Fragerunde 1: CDU/CSU (16:43)

    Warken: Im Juni 2014 nach Spiegel-Berichten nochmal neu angeguckt?

    Pauland: Haben fĂŒr NSAUA Beweisbeschluss fĂŒr Beweisbeschluss abgearbeitet. Über 175.000 Seiten Papier zusammengestellt. (!) Alles andere bleibt liegen. Außer, dass wir das SIT Programm beschreiben konnten. (!)

    Warken: Nach Berichterstattung zu Selektorenlisten 2014 nochmal Sachen ĂŒberprĂŒft?

    Pauland: Kann mich nicht erinnern.

    Warken: Sie haben 2015 Dienstanweisung erlassen. Wann?

    Pauland: 31 April 2015. (!)

    Warken: Und andere?

    Pauland: 4. April 2014. (!)

    Warken: Sagten vorhin, dass D.B. sie hĂ€tte informieren mĂŒssen. Was wĂ€re dann passiert? Bundeskanzleramt? PrĂ€sident?

    Pauland: MeldewĂŒrdiger Vorgang. Geht an PrĂ€sident. Dann Maßnahmen ergreifen: Analysieren und Gegenmaßnahmen.

    Warken: Dann Bundeskanzleramt?

    Pauland: Ist Sache des PrÀsidenten. Gehe ich davon aus,.

    Warken: Haben sie regelmĂ€ĂŸige Treffen mit Fachabteilung in Bundeskanzleramt?

    Pauland: Ja. Besonders am Anfang meiner Dienstzeit. Jetzt treffen wir uns aus anderen GrĂŒnden.

    Warken: Bei welchen Daten werden Selektoren eingesetzt? Nur Inhaltsdaten, keine Metadaten?

    Pauland: Ich bin kein Spezialist fĂŒr Selektoren. Da geht’s mehr um Inhalte.

    Warken: Welche ErfassungsansÀtze? Woher kommen die Daten?

    Pauland: Von USA.

    Wolff: ErfassungsansĂ€tze NÖ.

    Warken: Auch bei Eikonal und Glo
? Eigene ErfassungsansÀtze?

    Wolff: NÖ.

    Warken: Verwertet BND Ergebnisse aus Selektoren auch selbst?

    Pauland: Ja, wir bringen Selektoren in geringem Umfang ein.

    Warken: 2005 erstmals unzulÀssige Selektoren entdeckt. Damals Konsequenzen?

    Pauland: Kann nur das sagen, was ich im Blog gelesen habe, was der Urmann hier gesagt hat. War bei uns kein Thema.

    Warken: Am 23. April 2015 schrieb die SĂŒddeutsche: Wenn die Kontrolle verloren geht.

    Im vergangenen Jahr soll im BND deshalb eine geheime Arbeitsgruppe eingerichtet worden sein, die sich die Selektoren noch einmal genau angesehen hat. Tausende problematische sollen dabei identifiziert worden sein, die schon frĂŒher aufgefallen waren und zu großen Teilen nicht zum Einsatz gekommen waren. Angeblich ist die Liste dann auf unerklĂ€rliche Weise verschwunden. Sie musste mĂŒhsam rekonstruiert werden. Dabei seien weitere 2000 problematische, aktive Selektoren gefunden worden. Über die Funde sind angeblich weder das Bundeskanzleramt noch der Ausschuss informiert worden.

    Warken: Ist das zutreffend?

    Pauland: Ich wunderte mich darĂŒber genauso. Kenne keine geheime Arbeitsgruppe. Kann nur der Vorgang sein, ĂŒber den sie schon lĂ€nger sprechen.

    Schipanski: Wir hatten gestern ihre UAL D.B. und W.K. hier. Kein sonderlich professioneller Eindruck. Sie haben sich mit denen nicht ĂŒber SonderprĂŒfung ausgetauscht?

    Pauland: Seit 15. MĂ€rz 2015 mache ich nichts anderes. Aber nicht vorher.

    Schipanski: [
]

    Pauland: Ich habe nicht hinterfragt, warum D.B. mir das nicht gesagt hat.

    Schipanski: Gestern großer Mangel, beide keine Meldung nach oben. Sie als Vorgesetzter, warum?

    Pauland: [Pause.] Die werden schon ihre GrĂŒnde haben. (!)

    Schipanski: Schweres VersĂ€umnis. Disziplinarmaßnahmen ergriffen?

    Pauland: Nein. Sind noch am AufklÀren. Weit weg davon. (!)

    Wolff: Nicht Untersuchungsgegenstand.

    Schipanski: UAL tauschen sich durchaus auch direkt mit PrÀsidenten aus. Meldungen nach oben an ihnen vorbei vorstellbar, oder hier?

    Pauland: Sehr schwierig zu beantworten. Ich habe mir schon auf Kompanieebene abgewöhnt, auf meiner Ebene alles mitzubekommen. Sie können bei 150.000 Seiten nicht mehr selbst alles lesen. Es ist zu viel, das schaffen sie nicht. Lassen sich Dinge von besonderer Bedeutung geben. PrĂ€sident hat das Recht dazu. Auf dem RĂŒckweg werde ich informiert. Hatte nie das GefĂŒhl, das etwas an mir vorbei lĂ€uft.

    Fragerunde 2: Linke (16:58)

    Renner: Welche Politiker-Namen sind im Filtersystem? Deutsche oder europÀische?

    Pauland: Bisher nur deutsche. (!)

    Renner: Fliegen die nicht schon bei G‑10 raus?

    Pauland: KA.

    Renner: Regierung, Parlament, Landesparlamente?

    Pauland: [
]

    Renner: Wie viele?

    Pauland: Sehr wenige.

    Renner: Nur wenige schĂŒtzenswerte Politiker?

    Pauland: [Pause.] (!)

    Renner: Wie kommt man in Stufe drei? Ich will auch aufgenommen werden.

    Pauland: [Pause.] (!)

    Renner: Und Unternehmen?

    Pauland: KA. Ist zu weit weg im Moment. (!)

    Renner: Zu weit weg fĂŒr AL?

    Pauland: Sind da noch dran.

    Renner: Wie kommt man in Stufe drei?

    Pauland: [Pause.]

    Renner: Gibt es Operationen, wo man Bundeskanzleramt lieber nicht informiert?

    Pauland: Habe ich noch nicht erlebt. Sind dort regelmĂ€ĂŸig.

    Renner: Stellen dort alle Operationen vor?

    Pauland: Wenn wir sie brauchen, geht es ins Bundeskanzleramt. Manche können sie auf der eigenen Ebene machen. PrÀsident informiert Bundeskanzleramt in der Regel.

    Renner: Metadatenerfassung. GCHQ hat KapazitÀten, die BND nicht hat?

    Pauland: Ja.

    Renner: Können sie sich an Operation mit GCHQ erinnern, wo Bundeskanzleramt nicht eingeweiht wurde?

    Wolff: Keine Aussagegenehmigung. (!)

    Renner: G‑10-Schutz bei SIT und Sozialen Netzwerken?

    Pauland: Ich mache nur TA-Teil der SIT, Netzwerke haben mit TA nichts zu tun. (!)

    Renner: Sie haben zwei mal Arbeitsgruppen als „Zelle“ bezeichnet. GĂ€ngig?

    Pauland: Nein, wahrscheinlich, weil ich Soldat bin.

    Renner: Gibt es abgeschottete Gruppen, von denen andere nicht wissen?

    Pauland: Ich hoffe es, sonst brÀuchte man Einstufung nicht. Bei einem Geheimdienst gibt es mehr, als einem manchmal lieb ist.

    Renner: Sagt ihnen Begriff „Kontrollsystem“ etwas?

    Pauland: [Pause.]

    Renner: Als kleine Einheit?

    Pauland: Nein.

    Renner: Kollegen mit Selektoren als Zelle bezeichnen?

    Pauland: Nein, Sachgebiet oder Referat.

    Renner: Haben sie Mitarbeiter von Dienstanweisung zu besonderen Vorkommnissen informiert?

    Pauland: Nein. Sollte jeder Soldat kennen.

    Renner: Die Bedarf ErlÀuterung, was ein besonderes Vorkommnis ist.

    Pauland: Nein.

    Renner: Was ist ein besonderes Vorkommnis?

    Pauland: Ist klar definiert.

    Renner: Wenn TA Meldungen zu G‑10-GrundrechtstrĂ€gern generiert, ist das ein besonderes Vorkommnis?

    Pauland: Dann wird G‑10-Prozess ausgelöst.

    Renner: Ist das ein besonderes Vorkommnis?

    Pauland: KA. (!)

    Renner: Gibt es Regeln dazu im MoU?

    Wolff: NÖ. MoU ist streng geheim.

    Renner: Wenn G‑10-Verkehr auffĂ€llt, ist das ein besonderes Vorkommnis?

    Pauland: NatĂŒrlich.

    Fragerunde 2: CDU/CSU (17:10)

    Warken: Welche Abteilung ist fĂŒr Untersuchung Sozialer Netzwerke zustĂ€ndig?

    Wolff: Kein Untersuchungsgegenstand.

    Pauland: Kann nur um SIT gehen. Hat nichts mit Five Eyes zu tun. NÖ.

    Warken: Welche Abteilung zustÀndig?

    Wolff: NÖ.

    Warken: Verhandlung zu No-Spy-Abkommen?

    Wolff: NÖ.

    Marschall: G‑10-Meldung wĂ€re besonderes Vorkommnis, also Voraussetzung fĂŒr Meldung. EuropĂ€ische Firmen auch?

    Pauland: MĂŒsste man prĂŒfen. MoA hat Ausnahmen. (!)

    Marschall: Gibt Bereiche, in denen das zulÀssig ist und andere nicht? Einzelfall?

    Pauland: Ja.

    Marschall: Gab aber keine Meldung.

    Pauland: Kenne Einzelfall nicht.

    Marschall: Keine Meldung an die von betroffenen europÀischen Firmen?

    Pauland: [Pause.] (!)

    Marschall: Wurde ihnen gemeldet?

    Pauland: Bei unzulĂ€ssiger G‑10-Meldung hĂ€tten wir reagieren mĂŒssen. Hypothetisch, dass eine Firma in Europa gemĂ€ĂŸ MoA aufgeklĂ€rt werden kann. Dazu gibt es Ausnahmen. (!)

    Marschall: Und Firmen außerhalb der Ausnahme?

    Pauland: Zu meiner Zeit nicht.

    Fragerunde 2: GrĂŒne (17:14)

    Ströbele: Gibt seit 13. MÀrz 2015 Liste. Hatten sie danach hohen Besuch? Chef Bundeskanzleramt, Fritsche?

    Pauland: Ja, 20. MĂ€rz. (!)

    Ströbele: HÀufig?

    Pauland: Altmaier war zum zweiten Mal da in meiner Zeit. Fritsche zum dritten oder vierten Mal. (!)

    Ströbele: Wer hat ihn informiert?

    Pauland: BND-PrÀsident.

    Ströbele: Lief an ihnen vorbei. So wichtig, dass Fritsche und Altmaier kamen. War da Kessel nicht am dampfen?

    Pauland: Ja.

    Ströbele: Immer noch kein Grund, bei D.B. anzuklopfen?

    Pauland: Nein. (!)

    Ströbele: Interessiert sie nicht, wie D.B. sie als zustÀndigen Vorgesetzten nicht unterrichtet?

    Pauland: Interessiert schon.

    Ströbele: Gibt es eine Anweisung, dass sie nicht nachfragen sollen?

    Pauland: Nein. Ist schon schwer genug, aus Akten von 2004 bis 2008 Dinge herauszufinden. Geht nicht um offizielle Meldungen, geht um Arbeitsverkehr. Reden ĂŒber Organisationseinheiten, die es schon lange nicht mehr gibt.

    Ströbele: Genau das sollen wir aufklĂ€ren. Wir können nicht nachvollziehen, dass D.B. und sie nicht darĂŒber reden, was Großteil der Republik und Politik bewegt. 38.000 Selektoren zwischen 2008 und 2013 ausgesondert, in besondere Ablehnungsdatei. Wissen sie nichts davon, als Chef der Abteilung?

    Pauland: Ja.

    Ströbele: Haben sie nie nachgefragt?

    Pauland: AufklÀrung machen wir seit MÀrz 2015.

    Ströbele: Ja, wir auch. FĂŒnf Jahre lang hat ihnen ihr Mitarbeiter die Ablehnungsdatei verschwiegen? Was ist das fĂŒr ein Laden? Völlig unvorstellbar bei mir im BĂŒro.

    Pauland: [Pause.]

    Ströbele: Wir alle suchen eine ErklÀrung. Was steckt dahinter?

    Pauland: KA.

    Ströbele: Interessiert sie nicht?

    Pauland: Doch.

    Ströbele: Haben aber nicht gefragt?

    Pauland: Mehr als AufklÀren kann man nicht.

    Ströbele: Durch Fragen klÀrt man auf. Zumindest wir.

    Pauland: [Pause.]

    Fragerunde 2: SPD (17:22)

    Flisek: Wie kommunizieren sie mit ihren UAL? Wöchentliche Sitzungen?

    Pauland: Ja, UAL-Sitzungen, Telefonate, Vorlagen.

    Flisek: Wie lÀuft so eine wöchentliche UAL-Sitzung? Wann?

    Pauland: Unterschiedliche Zeitpunkte. I.d.R. nach AL-Sitzung. Punkte von dort vorgeben. Dann eigene Punkte.

    Flisek: Gibt es eine Tagesordnung? Oder Kaffeerunde?

    Pauland: Ist offiziell, wird eingeladen. Keine Tagesordnung. Besondere Punkte werden vorher eingegeben.

    Flisek: Dort bis MĂ€rz 2015 nie besprochen?

    Pauland: Ja. (!)

    Flisek: Keiner ihrer UAL jemals was gesagt?

    Pauland: Ja. (!)

    Flisek: Reden sie jetzt darĂŒber?

    Pauland: SelbstverstÀndlich.

    Flisek: WorĂŒber?

    Pauland: Sachstand.

    Flisek: Konkret? Inhalt der GesprÀche?

    Pauland: Wie wir verhindern, dass das was mit einem AND passiert ist mit anderen AND passieren kann?

    Flisek: Gibt es Ursachen-Besprechung?

    Pauland: Ja.

    Flisek: Besprechung, warum ihnen das nicht gemeldet wurde?

    Pauland: Nein.

    Flisek: Warum nicht?

    Pauland: Habe ich gesagt.

    Flisek: Nochmal, warum nicht? Fragen sie nicht: „Warum ist das nicht zu mir gekommen?“ Halte ich fĂŒr lebensfremd.

    Pauland: Kann niemanden zwingen.

    Flisek: Haben sie die Frage gestellt?

    Pauland: Nein. (!)

    Flisek: Lebensfremd.

    Pauland: [Pause.]

    Flisek: Ich ermahne sie: Wahrheitspflicht. Bleiben sie dabei, das sie das nie gefragt haben, warum ihre UAL das nie an sie gemeldet haben?

    Pauland: Ja. Danke fĂŒr den Hinweis. Ich bleibe dabei. (!)

    Flisek: Mit PrĂ€sidenten darĂŒber gesprochen?

    Pauland: Nein.

    Flisek: Hat PrÀsident sie dazu befragt?

    Pauland: Nein. (!)

    Flisek: Mit Herrn Sperl [Leitungsstab BND] gesprochen?

    Pauland: Nein, mit niemandem. (!)

    Flisek: Gibt es eine Dienstanweisung im BND die klÀrt, was besondere Vorkommnisse sind?

    Pauland: NatĂŒrlich will ich das auch wissen. Ich habe gelesen, dass man nicht insistieren darf und nicht insistieren soll bei Aussageverweigerung. Ich werde ihn nicht dazu zwingen.

    Flisek: Ist das FahrlÀssigkeit oder Absicht? Gibt es da Weisungen von ganz, ganz oben? (!)

    Pauland: [Pause.] (!)

    Flisek: Damit entsteht ein fataler Eindruck. (!) Was war der konkrete Namen der Anweisung MĂ€rz 2015?

    Pauland: Weisung an alle UA zur Verhinderung zur Steuerung der 
 EU und 


    Flisek: Können wir kriegen?

    Wolff: Werden wir prĂŒfen. (!)

    Flisek: Wie wichtig ist SIGINT von Routineverkehren fĂŒr BND?

    Pauland: Sehr wichtig.

    Flisek: Konkreter?

    Pauland: TrÀgt mit nahezu 50 % zu Meldungen bei. (!)

    Flisek: Futter fĂŒr USA? Oder ureigenste Meldungen fĂŒr sich selbst?

    Pauland: Nur U1 im BND.

    Flisek: Bewertung rechtlicher Rahmen dafĂŒr?

    Pauland: Haben wir mehrfach diskutiert in G‑10-Kommission. Bundesregierung kam ja schon zu Ergebnis, dass es einer Klarstellung bedarf. WĂŒrde mich wehren, wenn man sagt, dass wir keine Rechtsgrundlagen haben. (!) Sonst könnten wir ja nicht arbeiten.

    Flisek: Wie sehen sie Kontrolle davon an? Graubereich?

    Pauland: Nicht so exzessiv wie G‑10.

    Flisek: Wie findet parlamentarische Kontrolle von Routineverkehren statt?

    Pauland: Gar nicht. (!)

    Flisek: Sonst eine rechtliche Kontrolle?

    Pauland: [Pause.] (!)

    Flisek: Interne Kontrolle?

    Pauland: Das fließt ja alles in die Datenbank. Die Datenbanken unterliegen einer Kontrolle. Dateianordungen, BfDI war ja zwei mal da.

    Flisek: Wer genehmigt solche Maßnahmen zum Zugriff auf Routineverkehre?

    Pauland: Derzeit G‑10-Anordnung. (!)

    Flisek: G‑10-Kommission sagt, sie wurde getĂ€uscht. G‑10-Anordnung wurde genutzt, um an Routineverkehre zu kommen. G‑10-Legende? Gibt es dafĂŒr kein geltendes Instrumentarium im deutschen Recht?

    Pauland: Bin kein Jurist. Das wird derzeit diskutiert, ja.

    [Zehn Minuten Pause. (17:40)]

    [Geht weiter. (17:57)]

    Fragerunde 3: Linke (17:57)

    Renner: Verschiedene Selektorentypen. Welche kann man einem Land zuordnen?

    Pauland: Klassisch Landesvorwahl, Endung bei E‑Mail, Cell-IDs im Mobilfunk.

    Renner: Und Messenger?

    Pauland: Gewisse, ĂŒber IP-Adressen.

    Renner: Wie hoch ist Anteil der Selektoren, denen man ein Land zuordnen kann?

    Pauland: KA.

    Renner: Wer weiß das?

    Pauland: Techniker.

    Renner: Behördliche Datenschutzbeauftragte in Bad Aibling?

    Pauland: Herbst 2013.

    Renner: Haben mitbekommen, was verschriftlicht wurde?

    Pauland: Ja.

    Renner: Welches Ausmaß an Metadaten?

    Pauland: Kann ich nicht sagen. Zeit war begrenzt, ihr wurden bestimmte Sachen vorgetragen und nicht alles. (!)

    Renner: MAT A BND‑1/6a, Blatt 239: „Seiner Kenntnis nach finde eine entsprechende Datenweitergabe an US-SUSLAG in großem Umfang (bis zu 1,3 Milliarden Daten pro Monat) statt.“

    Wolff: Eingestuft?

    Renner: Nein. Welche Datengrundlage fĂŒr Übermittlung?

    Pauland: BND-Gesetz.

    Renner: Wie wird Schutz von deutschen und europÀischen Interessen gewÀhrleistet?

    Pauland: Wie ĂŒberall.

    Renner: „Eine inhaltliche Sichtung bzw. eine Eingrenzung der erhobenen Daten anhand von wie auch immer gearteten Kriterien finde nicht statt. Stattdessen wĂŒrden alle auf den betreffenden Strecken erhobenen Daten – bereinigt um Daten mit Deutschlandbezug – an [die NSA] weitergegeben. Auf meine Frage nach dem Inhalt der weitergegebenen Daten teilt er mit, dass es sich bei einem Teil der Daten um personenbezogene Daten handele.“

    Pauland: [Bekommt Dokument vorgelegt und liest.]

    Renner: Wie ging die Debatte mir ihr weiter?

    Pauland: Ich nehme an, das war die Debatte zur Weltraumtheorie.

    Renner: Bleiben sie weiterhin bei der Aussage, dass in Bad Aibling nur Satellitendaten erfasst werden?

    Pauland: Ja, in meiner Zeit.

    Fragerunde 3: GrĂŒne (18:07)

    Notz: Diskrepanz 2013 und 2015. 2013 passierte etwas im BND bezĂŒglich Selektoren. Aber mit D.B. haben sie nicht geredet, weil der sich vor Disziplinarverfahren fĂŒrchtet. Aber W.O. ist auch ihr Mitarbeiter, korrekt?

    Pauland: Ja.

    Notz: W.O. hat wochenlang gelöscht. Warum reden sie mir dem nicht darĂŒber?

    Pauland: Rede mit ihm genauso wie mit allen anderen. Machen derzeit eine SachverhaltsaufklÀrung.

    Notz: Und 2013?

    Pauland: Das war mir nicht bekannt. (!)

    Notz: Weil ihre Mitarbeiter ihnen das nicht erzÀhlt haben?

    Pauland: Ja.

    Notz: Hatten die einen Grund, sie nicht zu informieren?

    Pauland: Mir ist keiner bekannt.

    Notz: Könnte es einen geben?

    Pauland: Wenn er nicht sprechen will, wird er einen legitimen Grund haben.

    Notz: Kann es sein, dass das eine abgeschirmte Operation war?

    Pauland: Ist subjektiv.

    Notz: Kann es sein?

    Pauland: Kann ich mir nicht vorstellen.

    Notz: Schließen sie das aus?

    Pauland: Ja.

    Notz: Was könnte ein Grund sein, warum ihre Mitarbeiter sie als Vorgesetzten nicht informiert haben?

    Pauland: Habe mich das auch mehrfach gefragt.

    Notz: Warum haben sie W.O. nicht gefragt?

    Pauland: [Pause.]

    Notz: Warum haben sie W.O. nicht gefragt?

    Pauland: Weil wir im Moment aufklÀren.

    Notz: 2013.

    Pauland: Ich wusste es nicht.

    Notz: Ja. Warum hat er es ihnen nicht gemeldet, wozu er verpflichtet gewesen wÀre?

    Pauland: Ich habe es nicht gewusst, also konnte ich ihn nicht fragen. (!)

    Notz: Wahnsinn. Mit ihrer Laufbahn ĂŒber 40 Jahre. Vollkommen unverstĂ€ndlich. Auch soldatisch, wenn ich das als Zivildienstleistender sagen darf. Kam irgendwas vom Bundeskanzleramt zu Selektoren seit 2013?

    Pauland: Nein.

    Notz: Fach- und Rechtsaufsicht hat ihnen nach Snowden keine Fragen gestellt?

    Pauland: Nach Selektoren.

    Notz: EADS und Eurocopter?

    Pauland: Kann mich nicht erinnern.

    Notz: Hat das Bundeskanzleramt nach Snowden nachgehakt?

    Pauland: Ist mir nicht erinnerlich. (!)

    Notz: Ist das nicht erstaunlich, dass die nicht mal nachfragen?

    Pauland: Tun sie ja jetzt.

    Notz: Warum arbeiten sie das seit MĂ€rz 2015 auf?

    Pauland: War eine Anfrage des Bundeskanzleramtes.

    Notz: Was?

    Pauland: Grundlage Beweisbeschluss des NSAUA.

    Notz: Vor NSAUA kam das nie auf?

    Pauland: Ist mir nicht bewusst.

    Notz: Gab es Runden, wo sie dabei waren, wo das Thema war, vor MĂ€rz 2015?

    Pauland: Nein. (!)

    Notz: Dritte Stufe der SelektorenprĂŒfung. Auch Politiker herausgefiltert. Auch deutsche oder nur europĂ€ische?

    Wolff: NÖ.

    Notz: Wird die Kanzlerin herausgefiltert?

    Pauland: Nein. (!)

    Notz: Vizekanzler?

    Wolff: NÖ.

    Pauland: [Pause.]

    Notz: EU-Komissare, Mitglieder des Deutschen Bundestages, BĂŒrgermeister? Können sie das erklĂ€ren?

    Pauland: Nein.

    Notz: Sie sagten, in Bad Aibling wird nur Richtfunk und Satelliten gemacht. Geheime Übersicht 2014 mit Aufgabenbeschreibung Bad Aibling. [MAT B BND‑1?] (!)

    Pauland: [Bekommt Akte.]

    Notz: WĂŒrden sie die Antwort auf meine Frage nach dieser Vorlage nochmal anders formulieren? Oder ist falsch, was dort steht? (!)

    Pauland: Ich bleibe dabei. Kabel, Satellit oder Richtfunk? Satellit und Richtfunk. (!)

    Notz: Seit wann ist es anders, als es da steht? Hat sich das in den letzten Monaten geÀndert?

    Pauland: Eikonal war vorher.

    Notz: Bis 2008. Und kamen Daten aus Nachfolgeprojekten zu Kabelerfassungen nach Bad Aibling? (!)

    Wolff: Untersuchungsgegenstand. NÖ.

    Notz: Zeuge sagt, dass in Bad Aibling keine Kabelerfassung verarbeitet wird. Entweder ist Akte falsch oder Aussage. Oder definieren sie VorgĂ€nge außerhalb des Untersuchungsgegenstands einfach heraus? (!)

    Pauland: [Stottert.] Ich hatte das anders aufgefasst. (!) Bearbeitung aus KabelansÀtzen kann da stattfinden. Aber es findet dort kein Kabelansatz statt. (!)

    Notz: Das hatte ich nicht gefragt. (!)

    Fragerunde 3: SPD (18:22)

    Lischka: Kennen sie „Melden macht frei?“

    Pauland: Ja, finde ich schlecht. Damit will man Verantwortung loswerden.

    Lischka: Gibt es den in Abteilung TA?

    Pauland: Wenn er den Grundsatz hat, Verantwortung loszuwerden, ist er schlecht. Wenn ich Hilfe brauche, melde ich das natĂŒrlich.

    Lischka: Sommer 2013 bis MĂ€rz 2015. Sie sprachen von „abschotten“. Könnte es sein, dass man im BND sagt, wenn es richtig stinkt, dann melde ich das nicht, zum Schutz? Ungeschriebenes Gesetz? Oder total absurd?

    Pauland: Erstens Abschotten: ich komme von Bundeswehr. Ist klassisches Prinzip im BND. Bundeswehr auf Prozessoptimierung umgestellt. WĂ€re manchmal hilfreich, aber bei Geheimdienstarbeit nicht. Keine eigene Theorie.

    Lischka: Ist es absurd?

    Pauland: Ich habe es in meinen zweieinhalb Jahren nicht erlebt. Haben Probleme gemeinsam gelöst.

    Lischka: WĂ€re das Motivation fĂŒr Mitarbeiter, das so zu handeln?

    Pauland: Möglich.

    Fragerunde 4: Linke (18:27)

    Hahn: Wenn sie informiert geworden wÀren, hÀtten sie den PrÀsidenten informiert?

    Pauland: SelbstverstÀndlich.

    Hahn: Ist es da nicht praktisch, dass er die Aussage verweigert? Wenn sie es wissen, weiß es der PrĂ€sident?

    Pauland: Er hat mich nicht informiert.

    Hahn: Kann es sein, dass sie nicht fragen, weil die antworten könnten, dass sie es gewusst haben könnten?

    Pauland: Schließe ich aus.

    Notz: Wenn sie W.O. fragen wĂŒrden, warum er sie ĂŒber wochenlange Löschaktionen in ihrer Abteilung nicht informiert hatte, wĂŒrden sie einen Rechtsbruch begehen?

    Pauland: Ja.

    Notz: Sie verwechseln W.O. und D.B. Sie könnten W.O. fragen. Wo ist die Liste von Dr. T.?

    Pauland: Wir machen die Aufarbeitung, wir klÀren die Fragen.

    Notz: August 2013 großangelegte Aktion in ihrer Abteilung


    Pauland: 
von der ich nichts weiß.

    FormalitÀten: Vorsitzender (18:31)

    Beschluss: Ausschuss der Öffentlichkeit.

    $FormalitÀten.

    Zeuge 2: Gerhard Schindler, BND-PrÀsident (18:37)

    Name Gerhard Schindler, seit 1. Januar 2012 PrĂ€sident des BND. Bin 62 Jahre, verheiratet, eine Tochter. Anschrift GardeschĂŒtzenweg 71–101, 12203 Berlin.

    Eingangsstatement: Danke. Sieben Punkte.

    1. Danke fĂŒr alle im Raum, Politiker und Journalisten, die Diskussion zu versachlichen.

    2. BND arbeitet fĂŒr deutsche Interessen, fĂŒr Deutschland, fĂŒr niemand anderes. Sind kein europĂ€ischer Dienst. Alle ND in Europa arbeiten ausschließlich fĂŒr nationale Interessen. Deutsches Recht (BND-Gesetz, G‑10-Gesetz) schĂŒtzt nur Deutsche und AuslĂ€nder in Deutschland und nur diese. Die AufklĂ€rung EuropĂ€ischer Ziele wĂ€re kein Gesetzesverstoß, sondern eine Frage der politischen Bewertung.

    3. BND ist leistungsfĂ€hig wie lange nicht. Haben in Afghanistan 19 AnschlĂ€ge auf deutsche Soldaten verhindert. Beweisen es in Ukraine und Islamistischen Terror. Beruht auf internationaler Zusammenarbeit, unverzichtbar. Aktuelles Beispiel im Nordirak vor Ort auf US-Technik angewiesen. Die Zusammenarbeit droht nachhaltig Schaden zu nehmen. In Europa finden erste Besprechungen ohne BND statt. Nicht BND hat Internet-Erfassung und Bad Aibling gestoppt, sondern umgekehrt. Dienste weltweit ĂŒberprĂŒfen Kooperation mit BND, Signale alles andere als positiv. Große Sorge. ZukunftsfĂ€higkeit des Dienstes auf dem Spiel.

    4. Brauchen internationale Zusammenarbeit, auch mit NSA. War politisch ausdrĂŒcklich gewollt, mit Memorandum of Agreement (MoA) sogar Vertrag. NSA hat uns jahrelang großzĂŒgig unterstĂŒtzt und geholfen. Summe: Wir profitieren am meisten davon, nicht umgekehrt. Wir sind abhĂ€ngig von NSA, nicht umgekehrt. NSA ist Partner, nicht Gegner. Gegner haben wir reichlich, gegen Sicherheit und WettbewerbsfĂ€higkeit. NSA gefĂ€hrdet Sicherheit Deutschlands nicht.

    5. LeistungsfÀhigkeit beruht auch auf Mitarbeitern, die trotz wenig Personal und Technik jeden Tag dienen. Möchte meinen Kollegen danken.

    6. Als PrĂ€sident trage ich Verantwortung fĂŒr den Dienst, fĂŒr alles und alle 6.500 Mitarbeiter, wĂ€hrend meiner Amtszeit. Egal ob ich Sachverhalt kannte oder nicht. Will Beitrag zur KlĂ€rung der Sachverhalte liefern, mich nicht wegducken. Sehr wichtig. August 2013 erste systematische ÜberprĂŒfung des US-Profils seit 2005 ĂŒberhaupt, seit erstem Austausch von Selektoren im April 2005. Gab bis 2013 keine solche PrĂŒfung.

    7. Danke fĂŒr NSAUA. Sie haben wichtiges Ergebnis erreicht: lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llige Diskussion ĂŒber Stellenwert und Aufgaben eines Auslands-ND, Rechtsgrundlagen und internationale Zusammenarbeit. Hatte mir das 2012 nicht vorstellen können bei Antritt, dass das noch nicht ausformuliert ist. Wir haben Recht auf klare Vorgaben, was gewollt ist und was nicht. Auch unsere Pflicht, das zu fordern. Diskussion grundlegend fĂŒr Verantwortung eines ND in demokratischer Gesellschaft. Ihr Verdienst.

    Sachverhalt: BND arbeitet in Bad Aibling seit 2004 mit NSA auf Basis MoA 2002 zusammen. Rahmenbedingungen in Annexen 1–5 geregelt. Streng geheim eingestuft. 2013 dem Parlamentarischen Kontrollgremium (PKGr) gegeben. Geografischer Schwerpunkt außerhalb Europas. Satelliten in Bad Aibling. Seit April, 2005 erhĂ€lt BND Telekommunikationsmerkmale (TKM) – Telefonnummern, E‑Mail-Adressen – fĂŒr Satellitenerfassung in Bad Aibling, die BND vor Einspeisung prĂŒft. TKM bei Mails weisen bis zu 20 Permutationen auf. Jede ist eigener Selektor. Beispiel: gerhardschindler, gerhard.schindler, g.s. Hohe Zahl der Permutationen erklĂ€rt hohe Zahlen im Raum.

    Danach wird in Satellitenstrecken gesucht. Anzahl der Treffer ist unabhĂ€ngig. Steuerung ist nicht gleich Erfassung. Wurden vorher G‑10-geprĂŒft. Mit DAFIS. Erste Stufe 0049 und .de. Zweite Stufe G‑10-Positivliste mit Telefonnummern und E‑Mail-Adressen, die eigentlich auslĂ€ndisch anmuten aber GrundrechtstrĂ€ger dahinter haben. Dritte Stufe deutsche Interessen wie Namen deutscher Unternehmen. Erfassung im Ausland, nicht Inland. System habe ich im Juli 2013 zweimal im PKGr vorgetragen.

    G‑10-Selektoren werden abgelehnt. Auch Erfassungsergebnisse basierend darauf vor Weitergabe automatisch kontrolliert, nach formalen Kriterien (0049, .de und G‑10-Positivliste). Selektor geprĂŒft, aber eventuell zweiter Kommunikationspartner GrundrechtstrĂ€ger. Erfassungsergebnis nochmal gefiltert. DarĂŒber hinaus Treffer stichprobenartig gesichtet, keine AuffĂ€lligkeiten.

    Bad Aibling blickt auf Ausland. Erfassung von deutschen unwahrscheinlich. PrĂŒfung 2005–2008 manuell in Bad Aibling, seit Juni 2008 elektronisch. Seitdem abgelehnte in Datenbank des BND aufgenommen. Damit die nicht erneut eingespeist werden. Ablehnungsdatei. August 2013 veranlasste UAL T2 PrĂŒfung des Profile fĂŒr IP. Erste systematische ÜberprĂŒfung seit 2005. Deswegen August 2013 Selektoren abgelehnt, Aufnahme in Ablehnungsdatei. Darin also Ablehnungen vor August 2013, aus August 2013 und nach August 2013. Beweisbeschluss BND-26 hat meine Projektgruppe Unterlagen angefordert. Am 6. MĂ€rz Datei erstmalig ausgedruckt und von Fachabteilung an Projektgruppe und von dort an Bundeskanzleramt gegeben.

    Keine Zahlen öffentlich. Aussagegenehmigung. Derzeit umfassende AufklĂ€rung im BND. ÜberprĂŒfung Selektoren war von Beginn an unvollstĂ€ndig. Erfolgte seit 2015 ausschließlich nach G‑10-Kriterien, also von Start an unvollstĂ€ndig. Weisungen zur Umsetzung des MoU gab es nicht. SpĂ€tere ÜberprĂŒfungen eher zufĂ€llig. Systematisch erst August 2013. Unzureichendes verfahren verfestigt mit Umstellung auf elektronische PrĂŒfung 2008, obwohl man vorher suspekte Selektoren feststellte. Ich kann mir das nicht erklĂ€ren.

    Erfassung: Welche Folgen? TatsÀchliche Erfassung eher Ausnahmsweise. Erfassung erfolgt in Krisenregionen, nicht in Europa. Schwierig, europÀischen Selektor in Afghanistan zu haben.

    RĂŒckschau: Sollbruchstellen? Vier:

    1. April 2005 unvollstĂ€ndige PrĂŒfung ohne BerĂŒcksichtigung MoA – kein Gesetzesverstoß.
    2. Umstellung elektronisch 2003, die Verfahren maschinell verfestigte.
    3. 2010–2011, als Abteilung TA ihr ungutes GefĂŒhl unter Hinweis auf Zufallsfunde der BND-Leitung kundtat, ohne Reaktion. (!)
    4. August 2013, als ich ĂŒber erste systematische PrĂŒfung leider nicht unterrichtet wurde. (!)

    Vieles im Nachhinein kaum oder nicht erklÀrbar. Aber wir alle tun unseren Auftrag bestmöglich.

    Sofortmaßnahmen:

    1. Einrichtung einer Projektgruppe zur begleitenden PrĂŒfung. Leiterin ist Frau Dr. F.. Aufarbeitung wird kontrollierend begleitet durch Kontrollgruppe, mir direkt unterstellt.
    2. DAFIS wurde erheblich erweitert, um Interessen stark zu berĂŒcksichtigen.
    3. ZukĂŒnftig Selektoren nur nach vorheriger PrĂŒfung eingestellt Umkehr zu frĂŒher.

    Beabsichtigte Maßnahmen:

    1. PrĂŒfung der Außenstellenstruktur des BND fĂŒr bessere Aufsicht.
    2. Durchbrechung des Abschottungsprinzips durch angepasste Prozesskette.
    3. StĂ€rkeres Controlling durch zusĂ€tzliche PrĂŒfinstanzen, auch juristisch und statistisch.
    4. Bessere Technik, um unabhÀngiger zu werden.
    5. StÀrkere Qualifizierung des Personals.

    Hatte schon am 3. MĂ€rz 2015 die BfDI angeschrieben, und um jĂ€hrliche Kontrollbesuche bei Abteilung TA gebeten. Habe um UnterstĂŒtzung gebeten. Externe Kontrolle richtig.

    Danke.

    Fragerunde 1: Vorsitzender (19:02)

    Sensburg: Selektoren und Permutationen. Gestern auf gleiche Frage andere Antwort. Habe eingestuftes Testat vor mir. Will es ihnen vorlegen. Seite 2: Beispiele Permutationen. Anderes System dargestellt.

    Schindler: Gibt beides. Haben bis zu 20 Permutationen. Verstehe aber als Jurist „%2e“ nicht.

    Sensburg: 2004 Satelliten in Bad Aibling. Wie bekam man Treffer, ab dem ersten Tag?

    Schindler: Bin erst seit 1. Januar 2012 da. Hörensagen. 2004 begann man mit Zusammenarbeit. Erste Selektoren kamen im April 2005 und wurden in Steuerungssystem eingestellt. PrĂŒfung NÖ. Haben wahrscheinlich auch zu Treffern, also Erfassung gefĂŒhrt.

    Sensburg: Initial load. Zeitnah festgestellt, dass Selektoren gegen MoA dabei waren, richtig?

    Schindler: Ja. PrĂŒfung war damals unzureichend. Das Starterkit wurde unzureichend geprĂŒft, weil ausschließlich G‑10. (!)

    Sensburg: DAFIS kannte man ja schon aus anderen Bereichen. Kein neues System?

    Schindler: KA, wann Filterkaskade entwickelt wurde. HĂ€ndische PrĂŒfung 2005 bis Juni 2008 nach selbem Prinzip. Wurde dann maschinell ĂŒbernommen.

    Sensburg: MoA 2002. Starterkit 2005. RegelmĂ€ĂŸige Treffen mit AL und UAL und Berichtspflichten. Pflichtenheft. Wie wurde Verlauf begleitet? Controlling? Dokumentation?

    Schindler: Kann ich nicht sagen. Haben bisher weder Weisung noch Dienstvorschrift gefunden, die MoA von 2002 irgendwie umsetzt. WĂ€re heute undenkbar, wĂŒrde Bundeskanzleramt rĂŒgen. Fehlt, hĂ€tten wir sonst gefunden. PrĂŒfung war unzureichend.

    Sensburg: MoA ist umfangreich, nicht nur halbe Seite. Auch zu erfassende und nicht zu erfassende RĂ€ume waren nicht einsilbig aufgefĂŒhrt. Die, die das Umsetzen, hĂ€tten doch die eine Seite an den Bildschirm geklebt werden sollen? Wie kann man arbeiten ohne das?

    Schindler: Keine Ahnung (KA). (!)

    Sensburg: Wurde das im Amt breit diskutiert? War allen Mitarbeitern klar?

    Schindler: Ist streng geheim eingestuft. Also nicht breit verteilt. Eher nein. Wie Kommunikation zur Umsetzung erfolgte: KA.

    Sensburg: War das Bad Aibling bekannt, Pullach nicht?

    Schindler: KA.

    Sensburg: Wurde gemeldet, das etwas nicht lÀuft?

    Schindler: Nicht-öffentlich (NÖ). ÜberprĂŒfung nach 2005 eher zufĂ€llig europĂ€ischen Bezug gesucht. Meldung nach oben ist von 2010 und 2011, laut Aktenlage. Interpretiere ich als ungutes GefĂŒhl der betroffenen Personen. Drei konkrete Dinge aus dem Jahr 2005, 2006 und 2007/08 angesprochen.

    Sensburg: Wie erklĂ€ren sie sich Zeitabstand 2005 bis 2010? Mitarbeiter hat fĂŒnf Jahre ungutes GefĂŒhl?

    Schindler: Ungewöhnlich. Ich hÀtte gefragt: warum jetzt?

    Sensburg: Wurde nicht gefragt?

    Schindler: Nach Aktenlage gab es keine Reaktion.

    Sensburg: 2007/2008: Nur punktuelle AuffĂ€lligkeiten? Oder auch grĂ¶ĂŸer?

    Schindler: ZufĂ€llig. NÖ. Man kann anhand Bearbeitung der Datei erkennen, was disapproved eingestuft wurde. Im Nachhinein stellt sich die Frage, wieso ausgerechnet zu zwei EU-LĂ€ndern und zu anderen nicht? (!) Zu denen prĂ€zise Selektoren enthalten waren.

    Sensburg: Disapproved schon 2007/08 oder erst 2011?

    Schindler: Zwei Datenbanken: Einmal Telefonie, einmal IP-Verkehr. IP-Verkehr von 2008. Telefonie schon spÀter, VorlÀufer-Systeme. Dort beginnt Einstellen in Steuerung schon 2005. 2007 kritischer Selektor schon disapproved? Techniker fragen.

    Sensburg: Keine RĂŒckmeldung 2010/11. Weiter gearbeitet. Sommer 2013 Snowden und Presseberichte. Veröffentlichungen zu Deutschland. Nie geschaut, welche Selektoren eingesetzt sind?

    Schindler: Mit Beginn Snowden haben wir hinderte ÜberprĂŒfungen gemacht. Haben alles, was veröffentlicht wurde, geprĂŒft. Eigene Projektgruppen, jedes Chart angucken. Ob BND betroffen ist. Auch Sachverstand aus TA in die Gruppe bei mir im Leitungsstab genommen. Alle ÜberprĂŒfungen gaben keinen Anlass, diese Frage hier als Bingo zu nehmen. Hatten geprĂŒft, ob 500 Millionen Metadaten von Deutschen stimmen. Konnten erklĂ€ren, dass das falsch ist. War zwar Bad Aibling, aber Krisengebiete, nicht Deutschland. Im PKGr jede Woche Sondersitzungen. Dort auch kein Anlass fĂŒr diese Frage gesehen. Idee, dass ich in Krisengebiete Selektoren mit EU-Bezug steuere, diese Fantasie hat mir gefehlt. (!)

    Sensburg: Wie viele Datenbanken mit Selektoren gibt es im BND? FĂŒr jede Kooperation eine? IP und Telefon? Eine? Viele?

    Schindler: Es gibt kein einheitliches System. Ein herrschendes System, wo auch unsere eigene Steuerung erfasst ist. Das ist das Hauptsystem. System in Bad Aibling ist SingulÀr und hat mit Hauptsystem des BND nichts zu tun.

    [Unterbrechung fĂŒr namentliche Abstimmung. (19:23)]

    [Geht weiter. (19:51)]

    Sensburg: 2013 PrĂŒfungen veranlasst, europĂ€ische Selektoren entdeckt. Sind europĂ€ische Selektoren im deutschen Interesse?

    Schindler: Deutsches Interesse hat man versucht, in dritter Stufe des Filterprofils zu etablieren. Entstanden, nachdem man Namen von Unternehmen gefunden hat. Namen NÖ. Juristisch kein deutsches Unternehmen, aber niederlĂ€ndisches Unternehmen in Asien. Diese Firmennamen in Stufe drei aufgenommen, wenn es deutsche Beteiligung gab. (!)

    Sensburg: Nur Unternehmen oder auch Personen?

    Schindler: Bin ĂŒberfragt. Ich ging bis zu ihrer Frage nur zu Unternehmen aus. Bin mir nicht hundert Prozent sicher.

    Sensburg: Woran orientiert sich prĂŒfender Mitarbeiter? Dienstvorschrift? Schulung? Wie bestimmen die in Pullach Deutsches Interesse?

    Schindler: Anfang mit Zufallsfund zwei Unternehmen 2005. Dann immer mehr befĂŒllt. Nicht systematische Google-Suche, sondern zufĂ€lliges hineinfĂŒttern.

    Sensburg: Keine Bauchentscheidung eines Sachbearbeiters. Juristisches mĂŒssen oder wollen. Gab es eine Definition, Handreichung, Dienstvorschrift oder Bewertung? Das wir bekommen könnten?

    Schindler: Es gibt keine Dienstanweisung fĂŒr das Verfahren oder die BefĂŒllung der dritten Stufe. (!)

    Sensburg: Aufgabenprofil. Alles, was G‑10 ist, aber nicht APB, ist deutsches Interesse?

    Schindler: G‑10 ist ja schon Stufen 1 und 2. Dritte Stufe kann nur Ausland sein. Nicht systematisch erfolgt. Gab ZustĂ€ndige, aber nicht ausschließlich dafĂŒr.

    Sensburg: Als sie 2015 Kenntnis von erster PrĂŒfung August 2013 erhielten, was war da ihr Kenntnisstand?

    Schindler: Kann mich gut erinnern. Fahrt von Pullach zum Flughafen, Anruf: Abteilung hat Liste ausgedruckt mit vielen TKM und Selektoren, die kritischer ÜberprĂŒfung bedĂŒrfen, weil man skeptisch war. Habe Kollegen gebeten, umgehend Bundeskanzleramt zu unterrichten.

    Sensburg: Wer?

    Schindler: Dr. P. Ich kenne ihn als Dr. [Pfer?]

    Sensburg: Wie stellte sich ihnen das da?

    Schindler: Das, was ausgedruckt wurde, wir nennen es Ablehnungsdatei.

    Sensburg: War die im Ordner?

    Schindler: Ja, 2015.

    Sensburg: Datei oder Papier?

    Schindler: Papier. Ist am 6. MĂ€rz erstmalig in Papierform ausgedruckt, bis dahin elektronisch. Dieser Ausdruck kam in den Ordner.

    Sensburg: Die kleinste von drei Listen. (!) Warum direkt in Kanzleramt? War doch disapproved?

    Schindler: Ja. Trotzdem GrĂ¶ĂŸenordnung. War mir nicht bekannt. Schon verwunderlich, dass eine solche Datei existiert.

    Sensburg: War das Problem nicht eher, dass viele Teile der Datei erst im August 2013 entstanden?

    Schindler: Im MĂ€rz 2015 kannte ich nur die Datei. KA, wie die zustande kam.

    Sensburg: WĂ€re sie ab 2005 fehlerfrei gefĂŒttert worden, hĂ€tten wir das heute nicht als Thema. Aber es wurden ja auch Live-Selektoren erst im August 2013 in die Datei eingespeist?

    Schindler: Struktur der Datei wurde mir erst spÀter mitgeteilt. Fand es kritisch, weil es US-Selektoren waren. War die Frage, ob wir die weiterreichen können, bis heute. Also richtig, Bundeskanzleramt zu unterrichten.

    Sensburg: Selektoreneinsatz ist wesentliche Frage fĂŒr Gelingen dieser Erfassung. Im BND nur stiefmĂŒtterlich und partiell behandelt. Es hĂ€ngt also nicht unabhĂ€ngig von kluger Selektorenauswahl ab. War vorher nie Thema im BND, was da lĂ€uft? Wie erklĂ€ren sie das?

    Schindler: Sie haben Recht. Wir als BND haben das Problem, dass wir nicht viel erfassen wollen, sondern die richtigen. Viel Erfassung ist viel Arbeit. Übersetzung und so. Das machen wir bei eigener Erfassung, indem wir Selektoren ĂŒberprĂŒfen. ÜberprĂŒfung in DAFIS-System. QualitĂ€t der Selektoren wurde nie geprĂŒft. GeprĂŒft wurde ĂŒber DAFIS-Stufen 1, 2 und 3.

    Sensburg: Und bei Kabelerfassung? Gab es die, wo man die Selektoren genutzt hat?

    Schindler: Es gibt ein solches Altprojekt, weit vor meiner Amtszeit. Hörensagen. Kooperationsprojekt mit AND. Also NÖ.

    Fragerunde 1: Linke (20:12)

    Renner: Erste PrĂŒfung 2013. Wurden damals alle Selektoren von der NSA ĂŒberprĂŒft, die im BND-System liefen?

    Schindler: Mir wurde berichtet, es gab verschiedene Stufen der PrĂŒfung. Dann blockweise.

    Renner: Ging gesamte Liste von Pullach nach Bad Aibling?

    Schindler: Soweit ich weiß, ja.

    Renner: Alle Selektorentypen geprĂŒft?

    Schindler: IP-System, keine Rufnummern.

    Renner: Alle Selektorentypen im IP-System ĂŒberprĂŒft?

    Schindler: KA. (!)

    Renner: Sprachen von systematischer PrĂŒfung. Bejahen sie das?

    Schindler: Ob hundert Prozent jedes Selektors geprĂŒft wurden: nein, glaube ich nicht. (!)

    Renner: Wie viele nicht ĂŒberprĂŒft?

    Schindler: KA. (!)

    Renner: Spannende Frage?

    Schindler: Ja. Spannender, dass der Kollege geprĂŒft und bereinigt hat.

    Renner: Wie viele Sekektorentypen kann ich keinem Land zuordnen?

    Schindler: KA. (!)

    Renner: Wenn ich sie keinem Land zuordnen kann, kann ich auch keine G‑10-PrĂŒfung machen?

    Schindler: Doch, IP-Adressen.

    Renner: Gibt aber auch Messenger und Chats, es ist 2015.

    Schindler: FĂ€llt mir schwer zu folgen.

    Renner: Systematische PrĂŒfung also nur E‑Mails?

    Schindler: IP-Adressen ja, Rufnummern nein.

    Renner: Andere Selektoren können keinem Land zugeordnet werden. Diese wurden eventuell nicht ĂŒberprĂŒft. Wenn man nicht alles prĂŒft, kann man auch nicht sagen, das alle kritischen Selektoren aussortiert werden.

    Schindler: Bei Erfassung können sie Deutschland aussondern. Jede andere Behauptung rein hypothetisch. (!) Erfassung von Deutschen allenfalls ausnahmsweise. (!)

    Renner: Sie sagten, in Bad Aibling wurden nur TK-Verkehre aus Satellitenerfassung verarbeitet, nicht erfasst. Ist das richtig, zu ihrer Zeit?

    Schindler: Ja.

    Renner: Seit 1. Januar 2012 nur Satelliten?

    Schindler: Vorher fĂŒr bestimmte Zeit Erfassung an Kabel in Frankfurt am Main.

    Renner: Sie sagten: Erfassung erfolgte im Ausland, nicht Europa. Trifft das fĂŒr Frankfurt am Main auch zu?

    Schindler: FĂŒr Satelliten trifft das zu.

    Renner: FĂŒr Kabel trifft das nicht zu?

    Schindler: Habe ich auch nicht gesagt.

    Renner: Genau. Wurden nach dem Ende von Eikonal Kabelerfassungen in Bad Aibling verarbeitet?

    Schindler: Nein. Eikonal war einziges Kabelerfassungs-Projekt in Bad Aibling.

    [Hinter uns sitzen wieder zwei Polizisten.]

    Hahn: Zeuge sagte, dass im August 2013 PrĂŒfung stattfand. Was war Grund fĂŒr Änderung der Anweisung fĂŒr europĂ€ische Interessen?

    Schindler: Ist unsere eigene Erfassung.

    Hahn: Sie haben doch mit USA zusammen erfasst.

    Schindler: Es gibt eigene. Dazu nutzen wir auch Bad Aibling und andere Stellen. Daneben gibt es Steuerung von US-Selektoren, die mit unserer Eigenerfassung nichts zu tun haben. Meine Weisung erfolgte auf unsere eigene Erfassung.

    Notz: Reden sie nur von deutschen Selektoren? Nicht von US-Selektoren?

    Schindler: Seit der ersten Frage von Herr Hahn [?] rede ich von der Eigenerfassung.

    [Wieder Unterbrechung fĂŒr namentliche Abstimmung. (20:24)]

    [Geht weiter.]

    Fragerunde 1: SPD (20:53)

    Flisek: Als sie BND-PrĂ€sident wurden, wie geht Übergabe? Einige Tage mit VorgĂ€nger verbracht? Themen besprochen?

    Schindler: Gesprochen und Hinweise. Zur Kooperation mit AND hat er mir nichts gesagt. (!)

    Flisek: Bestimmt Antrittsreise zu Abteilungen. Überblick ĂŒber AND-Kooperationen verschafft?

    Schindler: Ja. Abteilungen und Referate. Nicht nur OberflĂ€che. Bisher noch nicht alle geschafft, aber Überblick.

    Flisek: Wann ĂŒber MoA gestoßen?

    Schindler: Zweite HĂ€lfte 2013 im PKGr. (!)

    Flisek: Vorher nicht?

    Schindler: Erinnere mich nicht.

    Flisek: Im PKGr aber in den HĂ€nden?

    Schindler: Ja.

    Flisek: Fragen aufgetaucht, wie das operabel praktiziert wird?

    Schindler: Erstmal durchgelesen. Mussten ja regelmĂ€ĂŸig im PKGr vortragen. Zu Metadaten und Inhaltsdaten und US-Selektoren. Laufender Prozess.

    Flisek: Keine Dienstanweisung dazu. Ist das aufgefallen?

    Schindler: Mir nicht. Man hat mir DAFIS erklĂ€rt. Ich fand das ĂŒberzeugend. Gab keinen Anlass, die funktionierende Zusammenarbeit zu hinterfragen.

    Flisek: Zeuge Pauland bemÀngelte das Fehlen einer Dienstanweisung vorhin. Dokument ist voll mit klaren Kriterien, hat aber in operativer Arbeit keine Rolle gespielt. AL nicht, sie nicht, Referenten bestimmt auch nicht. Nach welchen Kriterien sollen da Mitarbeiter arbeiten?

    Schindler: Ist unĂŒblich im BND, es bestehen viele Dienstanweisungen. Dass es keine gab, wusste ich nicht. Nehme Hinweis des Zeugen erstaunt zur Kenntnis. HĂ€tte mir jemand sagen können. (!)

    Flisek: Ja, das zieht sich durch alle Zeugen. Kritischer Vorfall nicht nach oben gemeldet. Fataler Eindruck: Schwarzer Peter-Spiel. Niemand ĂŒbernimmt Verantwortung. Niemand sagt, dass es sei Fehler war. Niemand hat mir irgendwem geredet. (!) Selbst im MĂ€rz 2015 immer noch keine Antwort, wer mit wem geredet hat. Drei-Affen-Prinzip. Fatal. Warum ist das so? Wir haben mittlerweile alle Mitarbeiter befragt. Jetzt sie. Keine Antwort. Ihre?

    Schindler: Niemand hat gefragt oder gesprochen? Seit Snowden gab es hunderte Besprechungen im BND. Habe immer gesagt, klar und deutlich aufzuklÀren, vorbehaltlos, keine Verschleierung. (!)

    Flisek: Wann sagen sie das?

    Schindler: Seit Snowden. (!)

    Flisek: Das haben sie im Dienst kommuniziert?

    Schindler: Genau. GesprĂ€che gefĂŒhrt, Weisungen erteilt. Hatte nicht den Eindruck, dass das irgendwo gestoppt wird. Dass UAL August 2013 initiative ergriffen hat, passt in das Bild. Frage mich auch, warum er nicht gemeldet hat. Es war ja eine Positivmeldung. Drei Punkte verantwortlich: 1. Außenstellenstruktur: „Das machen wir schon.“ Muss geprĂŒft werden: Berlin, Pullach, Bad Aibling. (!)

    Flisek: D.B. sitzt in Pullach. Herr Pauland auch. Habe ihn gefragt, warum die darĂŒber nicht miteinander gesprochen haben? Bin auch Granit gestoßen. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Im August 2013 und MĂ€rz 2015 wussten aber alle: das ist ein Problem. Selbst da fragt AL Pauland seinen UAL nicht. Fataler Eindruck. Hat das was mit der Kultur im Dienst zu tun? Sie sagten bei Dienstantriff zu AuslandsaufklĂ€rung: „No risk, no fun.“ Haben das Mitarbeiter falsch verstanden?

    Schindler: ZurĂŒck zu drei Punkten. 1. Außenstellenstruktur. 2. 2010 und 2011 wurde ja gemeldet, aber TA dachte vielleicht, dass da nichts passiert ist und das selbst regeln wollte. Nach oben braucht man sowieso nicht melden.

    Flisek: Warum?

    Schindler: Weil es 2010/2011 zu genau diesem Thema keine Reaktion gab.

    Flisek: Im BND meldet man keine Probleme nach oben, weil sich eh nichts Àndert? (!) Und zu ihrer Amtszeit hat sich das fortgesetzt?

    Schindler: Nicht generell, aber in diesem Fall ja. (!)

    Flisek: Die oberen waren taub?

    Schindler: 2010 und 2011 ja. 1. Außenstellen. 2. Meldungskultur. 3. Waren technisch abhĂ€ngig von NSA. EskalationsfĂ€higkeit bei enger Zusammenarbeit nach unten gegangen. Nicht eskalieren, weil abhĂ€ngig. (!)

    Flisek: Sie mĂŒssen laut PKGr-Gesetz VorgĂ€nge von besonderer Bedeutung ans PKGr melden. Ist das einer?

    Schindler: Ja, haben ja gemeldet.

    Flisek: Wie stellen sie sicher, dass VorgĂ€nge besonderer Bedeutung ĂŒber sie gemeldet werden können, wenn sie die nicht gemeldet bekommen? (!)

    Schindler: Ich bin guter Dinge, dass ein solcher Vorfall dazu fĂŒhrt, dass inzwischen alles gemeldet wird. FĂŒr die nĂ€chsten fĂŒnd Jahre garantiereich, dass so etwas gemeldet werden wĂŒrde.

    Fragerunde 1: GrĂŒne (21:15)

    Notz: Deutsche Interessen erst ab 2013 bei Selektoren geprĂŒft?

    Schindler: Nein.

    Notz: Ab wann?

    Schindler: Soweit ich weiß, von Anfang an, April 2005. Vielleicht nicht immer hinreichend.

    Notz: Nicht G‑10, sondern deutsche Interessen seit 2005 geprĂŒft, aber erst 2013 haben 4 oder 5 Leute tausende Begriffe gefunden, die vorher niemand fand?

    Schindler: Deutsche Interessen hatte ich als Begriff fĂŒr die dritte DAFIS-Stufe.

    Notz: IrrefĂŒhrend. Ihre These 2: BND arbeitet nur fĂŒr Deutschland. MĂŒndliche Anweisung von ihnen nach „AusspĂ€hen unter Freunden – das geht gar nicht“ von Merkel, Anweisung von ihnen, nicht mehr Europa auszuforschen?

    Schindler: Stimmt nicht.

    Notz: Wie dann?

    Schindler: Kein Beweisgegenstand.

    Notz: Warum?

    Schindler: Betrifft Eigenerfassung.

    Notz: Hatte BND selbst [
]?

    Schindler: Das betraf nicht die US-Selektoren, sondern die eigene BND-Steuerung.

    Notz: Schriftlich oder mĂŒndlich?

    Schindler: NÖ. Unsere eigene AufklĂ€rung.

    Notz: Die Millionen US-Selektoren, seit wann werden deutsche Interessen systematisch geprĂŒft?

    Schindler: Habe das PrĂŒfsystem geschildert.

    Notz: Jahr?

    Schindler: Wir verstehen etwas anderes darunter. Ich meine Stufe drei von DAFIS. Die war von Beginn an, weil gleich am Anfang zwei deutsche Unternehmen aufgetaucht sind.

    Notz: Positivliste?

    Schindler: Das ist Stufe zwei.

    Notz: Verstehen sie Begriff „europĂ€ische Interessen“? Sollbruchstellen: 2005, 2008, 2013. 2013 erstmals systematische PrĂŒfung der Selektoren. Auf was? Was war erstmalig?

    Schindler: Erstmal systematisch dem Thema genĂ€hert, wie wir MoA in Ausgestaltung berĂŒcksichtigen können.

    Notz: Bis 2013 hat sich niemand um Umsetzung des MoA-Annex zu europĂ€ischen Interessen gekĂŒmmert?

    Schindler: [
]

    Notz: „AusspĂ€hen unter Freunden – das geht gar nicht“ war nur fĂŒr eigene Selektoren, nicht fĂŒr US-Selektoren?

    Schindler: Seit Beginn Snowden haben wir etliche Fragen gestellt. Außer 500 Millionen Metadaten in Deutschland gab es keinen Hinweis auf AusspĂ€hung.

    Notz: FĂŒr deutsche Selektoren schon?

    Schindler: NÖ.

    Notz: In ihrer Behörde gab es aber Hinweise. Mitarbeiter haben ja geprĂŒft.

    Schindler: Davon weiß ich nichts, dass es Hinweise auf massive Probleme gab. UAL hat PrĂŒfung veranlasst. Kein Fall zu Veranlassung bekannt.

    Notz: Die systematische PrĂŒfung war zufĂ€llig?

    Schindler: Der UAL hat doch hier gesagt, warum.

    Notz: Wie ist die Adresse aufgetaucht, die den Anlass fĂŒr die Untersuchung gegeben hat? EuropĂ€ische Ministerien ausgegoogelt? (!) Zufallsfund von Dr. T. war Zufall, weil er untersucht werden, wie Selektoren regional zugeordnet werden können. (!) Das wusste niemand. All ihre AusfĂŒhren zu DAFIS und Positivlisten ist fĂŒr Großteil der Selektoren irrelevant. Selbst nach PrĂŒfung von Dr. T. blieben 40 % der Selektoren keinem Land zuordenbar. (!) Im Zweifel trotzdem eingesetzt, weil wir auf NSA angewiesen sind (alternativlos)?

    Schindler: Habe Entwicklung dargelegt. Von April 2005 bis MĂ€rz 2015 (abgesehen von August 2013) nur unzureichende PrĂŒfung, weil nahezu ausschließlich nur G‑10-Filter, keine europĂ€ischen Interessen.

    Fragerunde 1: CDU/CSU (21:27)

    Warken: 40 % der Selektoren von Dr. T. nicht zuordenbar. Erster Schritt, spÀter bis auf 1 % herunter?

    Schindler: Einzelschritte kenne ich nicht. Zahl 40 % ist mir nicht klar. Soweit ich weiß war es systematisch. Dass das nicht 100 % war, ist klar. Aber Ansatz erstmalig systematisch.

    Renner: Dr. T sagte 40 % konnten keinem Land zugeordnet werden. Das eine Prozent war der TK-Weg. Habe hier das Protokoll. (!)

    Warken: WĂŒrde ich nicht stehen lassen.

    Sensburg: Protokoll ist eingestuft. Zeugen zum Lesen geben.

    Schindler: [Liest Protokoll.] Meine Antwort gilt.

    Warken: Jetzt Selektor-Einstellung erst nach PrĂŒfung. Nach Umstellung des Verfahrens. Wie war es vorher?

    Schindler: NÖ.

    Warken: Zusammenarbeit mit NSA und AND wichtig. Sensible Fragen. Bedeutende Projekte. Wie stellen sie sicher, dass Vereinbarungen umgesetzt und kontrolliert werden? FrĂŒher nicht ausreichend? Änderungen?

    Schindler: Wenn eine Kooperation oder Operation begonnen wird, wird ein Plan oder eine Projektskizze vorgelegt. Genehmigung unterschiedlich, je nach Bedeutung. Es gibt Projekte, die mir vorgelegt werden und welche, die Bundeskanzleramt vorgelegt werden. Wichtiger Punkt ist Rechtsgrundlage. MoA ist eher außergewöhnlich. Normale Zugsamenarbeit ohne so etwas. Habe mir 2012 nicht alle AltfĂ€lle wie von 2005 angeguckt. Ging davon aus, dass das MoA-konform gemacht wurde. Heute: von Beginn an unvollstĂ€ndig. (!)

    Warken: Haben sie festgestellt?

    Schindler: Ja. ÜberprĂŒfungen zufĂ€llig. Dann August 2013. NÖ.

    Warken: Nach Abstimmung MoA mit Bundeskanzleramt: Haben sie Bundeskanzleramt regelmĂ€ĂŸig berichtet, wie es lĂ€uft?

    Schindler: Ist mir nach Aktenlage nicht bekannt. Erster Sachstandsbericht April 2005.

    Warken: Keine weiteren Berichte?

    Schindler: Das, was ich gesagt habe. 2010 und 2011.

    Warken: Wie regelmĂ€ĂŸig berichten sie oder Mitarbeiter an Bundeskanzleramt? WorĂŒber?

    Schindler: Enge Zusammenarbeit. Manchmal mehrmals die Woche Treffen mit Fritsche und Abteilung 6. Insbesondere bei Problemen. Mehr oder weniger regelmĂ€ĂŸig.

    Warken: Nicht nur Probleme?

    Schindler: Auch Erfolge.

    Warken: No-Spy-Abkommen. Bericht SĂŒddeutsche mit Mailverkehr: Wie Berlin vergeblich um ein No-Spy-Abkommen rang. Bundesregierung hat frĂŒhzeitig erkannt, dass es dazu nicht kommen wird. Nur Beruhigung der Öffentlichkeit. Habe in Akten anderen Eindruck gewonnen. Wie liefen Verhandlungen?

    Schindler: Muss vorsichtig sein, weil Verhandlung mit Partner. Es gab ein konkretes Angebot des AND, das ich auch so verstanden habe. (!) Habe geschrieben, dass das ein guter Schritt ist.

    Warken: Wann?

    Schindler: August 2013.

    Sensburg: Bundeskanzleramt, eingestuft? Gesamten Komplex herabstufen oder diesen Teil einstufen.

    Wolff: Frage ist, wie Zeuge antwortet. Angaben gehen, Details und Kommunikation NÖ.

    Warken: Wir haben zig Aktenseiten vom AuswÀrtigen Amt.

    Schindler: Es gab ein konkretes Angebot. Ich habe konkret verhandelt.

    Warken: Mit welchem Ziel haben sie mit USA verhandelt?

    Schindler: No-Spy-Abkommen. Details NÖ.

    Warken: Völkerrecht zwischen LÀndern? Oder Dienste?

    Schindler: Dienste.

    Warken: SĂŒddeutsche Februar 2014: Steinmeier hatte No-Spy-Abkommen bei USA-Reise auf Agenda. Da noch Verhandlungen?

    Schindler: Kann zu Außenminister nichts sagen. Öffentlich: Gab Angebot zwischen Diensten. Haben konkret gehandelt. No-Spy-Abkommen Inhalte NÖ. War kein Stohfeuer. Waren konkrete, lĂ€ngere Verhandlungen.

    Warken: Von wem wurden die Verhandlungen abgebrochen?

    Schindler: LĂ€nger als 2013 gedauert. Warum kein Ergebnis: NÖ.

    Warken: Verhandlungen zwischenzeitlich wieder aufgenommen?

    Schindler: AuswÀrtiges Amt: KA. Dienste: immer mal wieder.

    Wendt: Sie sind kein Angeklagter, wir kooperieren hier. Hat der BND eine Liste mit allen E‑Mail-Adress-Endungen der LĂ€nder wie bund.de und diplo.de?

    Schindler: Ist mir nicht bekannt. WĂŒrde ich bezweifeln. Ab 2008 hat ja Maschine geprĂŒft.

    Wendt: August 2013 Selektoren-PrĂŒfung durch W.O. und Dr. T. Einer sagte gestern, es gibt eine Liste. Der andere hat in der Datenbank mit Strg+F gesucht. Welcher von ihren drei Punkten wurde schon umgesetzt?

    Schindler: Das sind keine Zehn-Jahres-Thesen. Ich habe Organisationsreferat den Auftrag gegeben, das umsetzen zu lassen. Mit externer Beratung. Keine leeren Gedanken, werden das umsetzen.

    Wendt: Wer ist externer Partner?

    Schindler: Wir machen eine Marktsichtung. (!)

    Fragerunde 2: Linke (21:49)

    Renner: Laufen deutsche und US-Selektoren auf unterschiedlichen Datenverarbeitungs-Systemen?

    Schindler: Sind ja Steuerungsdatenbanken. Da wird ja nichts verarbeitet.

    Renner: Was ist Datenverarbeitung? Ein Selektor in eine Datenbank einspeisen ist eine Datenverarbeitung nach Bundesdatenschutzgesetz. Laufen deutsche und US-Selektoren in unterschiedlichen Datenbanken?

    Schindler: Eigensteuerung ist ein System. US-Selektoren auf anderem System.

    Renner: Andere sagten, die laufen zusammen mit Anteil eins zu vier. Gibt es zwei Selektoren-Datenbanken?

    Schindler: Unsere Steuerung ist in einer Datenbank. In Bad Aibling laufen beide Systeme, aber unsere Datenbank, wo Selektoren geprĂŒft werden, ist ein eigenes System.

    Renner: Da laufen keine US-Selektoren?

    Schindler: Können sie nicht. Ist unser System.

    Renner: In was laufen US-Selektoren?

    Schindler: In Datenbanken fĂŒr IP-Verkehr und Telefonnummern. (!)

    Renner: US-Selektoren kommen von US-Server, gehen in Datenbank, werden geprĂŒft, werden eingestellt oder nicht, richtig?

    Schindler: Ja.

    Renner: Werden bei US-Selektoren auch europÀische Interessen beachtet?

    Schindler: ?

    Renner: 2013 waren kritische Selektoren aktiv gegen europÀische Regierungen, wie schonmal 2008. Wie wird sicher gestellt, dass bei US-Selektoren europÀische Interessen beachtet werden? Oder ist das unproblematisch?

    Schindler: Mehrere Fragen. Ich habe nicht gesagt, dass europÀische Regierungen bei US-Selektoren betroffen waren.

    Renner: Ich aber.

    Schindler: Öffentlich kann ich das nicht bestĂ€tigen.

    Wolff: Zeuge hat nicht gesagt, dass US-Selektoren zur Steuerung eingestellt waren.

    Renner: Die waren 2013 live geschaltet. Was bedeutet dass, wenn USA in BND-Datenbank nach europÀischen Interessen suchen?

    Schindler: EntsprĂ€che nicht MoA, Nummer 1.3.2. WĂ€re aber keine Gesetzesverstoß. G‑10 gilt aber nicht fĂŒr AuslĂ€nder. (!)

    Renner: EU-Grundrechtecharta? Und wenn GCHQ in Frankreich BND ausspĂ€ht? Was bedeutet das diplomatisch, wenn wir ÉlysĂ©e-Palast ausspĂ€hen?

    Schindler: Ist kein Gesetzesverstoß. Ist nicht entsprechend MoA. Ist eine politische Bewertung, kein Gesetzesverstoß. Politische Bewertung obligt mir nicht. Menschenrechtscharta ist interessant. Aber Völkerrechtler sagte hier im NSAUA, dass diese Vereinbarung immer nur im jeweiligen Staatsgebiet gilt. Etwas anderes wĂ€re es, wenn man das in Deutschland mache. (!)

    Renner: War die AusspĂ€hung gegen ÉlysĂ©e-Palast in Bad Aibling im APB? (!)

    Schindler: Hypothetisch.

    Renner: Nein, das ist konkret. (!)

    Flisek: Politische Entscheidung ist konzentriert im APB. VerstĂ¶ĂŸt das nicht dagegen?

    Schindler: Das Profil ist geheim eingestuft. NatĂŒrlich ist der ÉlysĂ©e-Palast nicht im APB.

    Fragerunde 2: CDU/CSU (22:02)

    Warken: Am 23. April 2015 schrieb die SĂŒddeutsche: Wenn die Kontrolle verloren geht.

    Im vergangenen Jahr soll im BND deshalb eine geheime Arbeitsgruppe eingerichtet worden sein, die sich die Selektoren noch einmal genau angesehen hat. Tausende problematische sollen dabei identifiziert worden sein, die schon frĂŒher aufgefallen waren und zu großen Teilen nicht zum Einsatz gekommen waren. Angeblich ist die Liste dann auf unerklĂ€rliche Weise verschwunden. Sie musste mĂŒhsam rekonstruiert werden. Dabei seien weitere 2000 problematische, aktive Selektoren gefunden worden. Über die Funde sind angeblich weder das Bundeskanzleramt noch der Ausschuss informiert worden.

    Warken: Stimmt das?

    Schindler: Das ist wohl die Aktion im August 2013. WĂŒsste nicht, was gemeint ist.

    Warken: Kennen keine geheime Gruppe?

    Schindler: Muss so geheim gewesen sein.

    Warken: Kommunikation im Haus. Wie diskutiert man bei ihnen ĂŒber Snowden-Veröffentlichungen?

    Schindler: Seitdem bis heute viele GesprÀche, teilweise sehr intensiv. Versuchen, aufzuklÀren. Sprechen auch mit Partnern. Sind etliche Male nach Washington gefahren. Dauerthema im BND und Abteilung TA.

    Warken: D.B. sagte, dass er trotz Snowden und seiner PrĂŒfung 2013 nichts meldete. Pauland hatte VerstĂ€ndnis dafĂŒr und sprach nicht mit ihm. Wie lĂ€uft dass?

    Schindler: Mir kann jeder berichten. Ich kriege E‑Mails von Kollegen von einfachem und mittlerem Dienst. Bin erster PrĂ€sident mit Mail fĂŒr alle. Habe auch gefragt, warum das nicht gemeldet wurde. Ist ja Sollbruchstelle. Ist heute anders. Wurde damals falsch eingeschĂ€tzt. Drei Punkte: Außenstellenstruktur, mangelnde Leitungsreaktion. Heute wĂŒrde das nicht passieren.

    Warken: Haben sie Anweisungen geÀndert?

    Schindler: NatĂŒrlich haben wir Dienstvorschrift zur Meldung besonderer Vorkommnisse. Ohne definitive Liste. Kommt auf den Einzelnen an, wie er das bewertet.

    Warken: Kontrolle der Kooperation mangelhaft?

    Schindler: Faktor Mensch ausschlaggebend. Geht nicht mit Dienstvorschriften. Heute Selektor, morgen anderes Problem.

    Warken: Sollbruchstellen bei Zusammenarbeit mit USA jetzt erst festgestellt? Oder bei Dienstantritt?

    Schindler: Diese erst jetzt. Start April 2005 kannte ich nicht. Fortsetzung trotz unzureichender PrĂŒfung mit Umstieg auf Maschine verfestigt: zweite Sollbruchstelle. Kante das europĂ€ische Problem nicht. Meldungen 2010 und 2011 kannte ich auch nicht. Ich kannte nur August 2013.

    Warken: Sollbruchstelle durch Maschine 2008 verfestigt?

    Schindler: DAFIS-Stufen: G‑10, Positivliste, deutsche Interessen mit Unternehmensnamen. Filterprofil unzureichend. Der prĂŒft keine E‑Mail-Adresse in keinem Staat, weil er die nicht findet. Es kann ĂŒberhaupt keinen Treffer geben in diesem Fall. Ist mir ein RĂ€tsel, wie man im Juni 2008 auf die Maschine umsteigen kann, die das gar nicht leisten kann.

    Warken: Warum Umstellung?

    Schindler: Haben rĂŒckwĂ€rts geprĂŒft, warum das gemacht wurde. Vorher hĂ€ndisch. Mit zunehmender Anzahl Selektoren stieß man an eine Grenze. Also elektronisches System DAFIS, was man damals fĂŒr einsatzreif hielt. War frĂŒher System fĂŒr Erfassung, dann umentwickelt, um deutsche Interessen zu schĂŒtzen. (!) Entscheidung wurde in Abteilung getroffen. PrĂ€sident wurde nicht informiert, laut Akten.

    Warken: Keine Gedanken ĂŒber dritte Stufe gemacht, weil vorher schon unzureichend?

    Schindler: Ist mein Eindruck. (!)

    Warken: Verstoß gegen MoA, aber nicht gegen deutsches Recht?

    Schindler: Ja. Wobei Frage ist, ob wir oder andere gegen MoA verstoßen haben.

    Warken: Andere?

    Schindler: Ist der Verstoß die mangelhafte PrĂŒfung oder die Selektoren?

    Sensburg: In Bad Aibling auch Verkehre aus leitungsgebundenen Verkehren genutzt gegen Selektoren? Funktioniert DAFIS leitungsgebunden?

    Schindler: Soweit ich weiß wurde das bei Eikonal getestet und zur Einsatzreife gebracht. Auch bei Kabelerfassung von BND eingesetzt.

    Sensburg: Filtert DAFIS nur G‑10-Daten oder auch deutsche Interessen?

    Schindler: Dritte Stufe lĂ€uft ĂŒber.

    Sensburg: Über?

    Schindler: Überall.

    Wolff: Kein Untersuchungsgegenstand.

    Sensburg: Wenn europÀische Interessen bei Satellitenerfassung nicht gut lief, dann auch bei Leitungserfassung?

    Schindler: Kann ihnen zu Eikonal nichts sagen, wurde 2007/2008 beendet.

    Sensburg: Metadaten. Auch bei Satellitenerfassung erhoben?

    Schindler: Ja.

    Sensburg: Auch in GĂ€nze gegen Filterkaskade? Oder nicht?

    Schindler: Soweit ich weiß: Haben die ganze Zeit ĂŒber Inhaltserfassung geredet. Da gibt es zwei PrĂŒfungen: Selektoren und Erfassung. Sauberer Selektor spricht mit deutschem TK-Partner: drin. Also zweite Filterung. Bei Metadaten gibt es keine Selektor-PrĂŒfung. Bei Metadaten leitet man Strecken aus. (!) Erst nach Erfassung laufen die gegen DAFIS, aber nicht gegen Stufe drei. (!)

    Sensburg: Wurden Metadaten ungeprĂŒft ausgeleitet?

    Schindler: Korrektur: Wird auch Stufe drei durchlaufen. Kann nicht erklÀren, warum.

    Sensburg: Wurden Metadaten ohne DAFIS-Filter ausgeleitet an USA?

    Schindler: Ist mir nicht bekannt.

    Sensburg: Erfassung an Satellit ohne InhaltsprĂŒfung ausgeleitet in Bad Aibling?

    Schindler: Metadatenerfassung, Weiterleitung an US, nach Filterung durch DAFIS.

    Sensburg: Volumina? Kernbereich vieler Anfragen 2013.

    Schindler: NÖ. Haben vorher nicht gezĂ€hlt. Sind PKGr dankbar, Metadaten waren 2013 Hauptthema, haben da ZĂ€hlung begonnen. Könnte jetzt Zahl sagen, NÖ.

    Fragerunde 2: GrĂŒne (22:28)

    Ströbele: No-Spy-Abkommen. Keine Unterlagen, nur SĂŒddeutsche.

    Wolff: Stellen bleiben eingestuft.

    Ströbele: SĂŒddeutsche ist nicht eingestuft. 13. Mai 2015: Pofallas konstruierte Wahrheit.

    Man könne sich die „Bildung einer Arbeitsgruppe zur Erarbeitung eines Abkommens“ Ă€hnlich dem Abkommen ĂŒber den Horchposten Bad Aibling „mit GĂŒltigkeit fĂŒr ganz DEU vorstellen“.

    Ströbele: Das Abkommen zu Bad Aibling ist kein No-Spy-Abkommen. Verwechselt?

    Schindler: Was ich vorhin sagte, stimmt. Was sie vorlesen, kann ich einordnen. Aber NÖ.

    Ströbele: Am 8. Januar 2014 schrieb Karen Donfried [Barack Obamas damalige Chef-Strategin fĂŒr Europa]:

    Dies wird kein No Spy-Abkommen werden und ich glaube, jeder hier auf unserer Seite hat das auch fortwÀhrend klar zum Ausdruck gebracht.

    Schindler: Ich weiß nicht, wer jeder war.

    Ströbele: Ihr Konterpart. Jeder.

    Schindler: Wir haben verhandelt. Über 2013 hinaus.

    Ströbele: Obama sagte im Mai 2014 bei einem Treffen mit der Bundeskanzlerin:

    Es ist nicht ganz richtig zu sagen, dass die US-Regierung ein No- Spy-Abkommen angeboten und dann zurĂŒckgezogen hat.“

    Schindler: Wird viel verwechselt. Jeder meint etwas anderes. Ich beziehe mich auf etwas anderes.

    Ströbele: Mit wem verhandelt?

    Schindler: NÖ.

    Ströbele: Haben sie von Fund von Selektoren EADS/Eurocopter 2013 bekannt?

    Schindler: Nein.

    Ströbele: Ich lese dazu in den Akten.

    Schindler: Ich auch.

    Ströbele: Wussten sie 2013 davon?

    Schindler: Mir war bekannt, dass es in Stufe 3 deutsche Unternehmen gab. Die Namen sind mir bekannt. Was dahinter stand, nicht.

    Ströbele: Warum sie und Bundeskanzleramt im August 2013 nicht die Idee, die ein kleiner Mitarbeiter hatte, zur ÜberprĂŒfung?

    Schindler: Ihnen kam das ja ach nicht.

    Ströbele: War mir nicht so bekannt wie heute.

    Schindler: Es gab keinen Anhaltspunkt, diesen Punkt zu nehmen und aktiv zu werden. Hatte die Fantasie nicht, dass europÀische Interessen in Afghanistan sind. Hatte gedacht, USA halten sich an MoA.

    Ströbele: Denken sie das heute noch?

    Schindler: Muss mir ĂŒberlegen, was ich dazu sagen. (!)

    Ströbele: Tun sie das.

    Schindler: Kein öffentlichen Urteil. (!)

    Fragerunde 2: SPD (22:38)

    Flisek: No-Spy-Abkommen. Sie sagten, es gab ein Angebot. Wurde dafĂŒr der Begriff No-Spy-Abkommen verwendet

    Schindler: Ja.

    Flisek: Die USA haben dieses Wort verwendet?

    Schindler: Details NÖ.

    Flisek: Lieschen MĂŒller kannte den Begriff im Wahlkampf 2013. Ist das ein deutscher Begriff? Wie kam der zustande?

    Schindler: Nein, der kam von USA. Dieser Begriff No-Spy ist keine Erfindung der deutsche Seite. (!) Das Angebot kam von der US-Seite. Den habe ich erstmalig von USA bei Angebot gehört.

    Flisek: Ist ihnen bekannt, dass irgendwo auf der Welt zwei Geheimdienste ein No-Spy-Abkommen abgeschlossen haben?

    Schindler: Nein.

    Flisek: Weil es so etwas nicht gibt? Und weil das einmalig gewesen wÀre?

    Schindler: WĂ€re Pilotprojekt gewesen, wegweisend. (!)

    Flisek: Sie kennen US-ND. Glauben sie, dass NSA ernsthaft mit Deutschland ein No-Spy-Abkommen abschließen wĂŒrde? Ein 9–11-AttentĂ€ter kam von hier.

    Schindler: Weißes Haus kann ich nicht beurteilen. Aber wir haben ernsthaft verhandelt. Nicht zum Schein. Kann auch ein Beispiel nennen. Aber NÖ.

    Flisek: Bin gespannt, wie sie E‑Mail-Verkehr aus SĂŒddeutscher bewerten.

    Schindler: Der war ja nicht zwischen den Diensten. (!)

    Flisek: Sind sie USA-freundlicher als ihr VorgÀnger?

    Schindler: Ich bin BND-freundlich. Die Zusammenarbeit mit den USA ist wichtig.

    Flisek: Haben sie nach Dienstantritt BND-Organisationseinheiten aufgefordert, Kooperationen mit NSA einzugehen?

    Schindler: Ja. (!) Aber nicht nur NSA. International besser vernetzten. Herausragende Rolle der NSA. Aber auch andere Dienste.

    Flisek: Diese eher offene Kultur gegenĂŒber USA war eine ZĂ€sur gegenĂŒber ihrem VorgĂ€nger?

    Schindler: Kann meinen VorgĂ€nger nicht beurteilen. Ich war ja vorher im BMI AL fĂŒr öffentliche Sicherheit. Mir war klar, dass es ohne internationale Kooperation nicht geht.

    Flisek: Sie haben drei Punkte genannt, warum Informationen nicht zur Hausleitung gemeldet werden: Außenstellenstruktur und VorfĂ€lle in 2010/2011. Also Bewertung ĂŒber VorgĂ€nger. Und Angst der Mitarbeiter vor Streit mit NSA, weil man technisch abhĂ€ngig ist. Haben sie diese Angst verstĂ€rkt?

    Schindler: Ich beurteile meinen VorgĂ€nger nicht. Ich habe fĂŒr Bewertung eine Aktenlage, kein Bild meines VorgĂ€ngers. FĂŒr Zusammenarbeit mit AND habe ich keine Belege. Es geht immer noch besser, aber wir waren gut. Technik-AbhĂ€ngigkeit hat damit nichts zu tun.

    Flisek: Was haben sie mit D.B. ĂŒber dieses Problem besprochen? Warum wurde nicht berichtet?

    Schindler: Haben oft gesprochen. Ich heiße das nicht gut, aber er hat verstĂ€ndlich erklĂ€rt, dass er glaubte, dass der Auftrag nach seiner Weisung „bereinigen“ erledigt war. Heute fragwĂŒrdig, damals war das so. War kein Vorsatz. Er bereut das heute sicher.

    Flisek: Sehen sie sich dort persönlich in der Verantwortung? HĂ€tten sie etwas anders machen mĂŒssen? SpĂ€testens seit Snowden und dem NSAUA?

    Schindler: Nein. Frage ist berechtigt, warum ein UAL das untersucht und ich nicht. (!) Wo hÀtte ich das sehen können? Ich finde diese Stelle nicht. Das war doch kein Fehler, sondern es gab in allen Zeitungsberichten keinen Hinweis darauf.

    Flisek: Wie bewerten sie Aussage des Bundeskanzleramtes, das von organisatorischen Defiziten gesprochen hat?

    Schindler: Teile ich. PrĂŒfung war unzureichend. Maschinelle Vierfestigung 2008 war falsch.

    Flisek: Mein Eindruck ist nicht, dass D.B. das bereut. Er trat hier auf, dass er was gutes getan hat und fast einen Orden erwartet. Von Reue keine Spur. Verantwortung in der FĂŒhrungskultur? Ist das ein soldatischer Ehrenkodex, dass man Probleme selber löst, eh man das meldet? Nicht mehr zeitgemĂ€ĂŸ?

    Schindler: Bedauere den Eindruck. Glaube nicht, dass MilitĂ€rs in FĂŒhrungspositionen das Problem sind. Vorgang ist nicht typisch fĂŒr den BND.

    Flisek: Mir ist daran gelegen, die Legitimationsbasis des BND nicht ĂŒbermĂ€ĂŸig zu strapazieren. Dazu gehört aber auch eine Fehlerkultur. Aber niemand sagt, dass er einen Fehler gemacht hat. Auch nicht von ihnen.

    Schindler: Ich werfe mir vor, nicht auf die Idee gekommen zu sein. Fehler oder nicht, ich trage die Verantwortung. Ich sehe die FĂŒhrungskultur des BND nicht anfĂ€llig. Haben Probleme durch Disloziierung mit Außenstellen und anstehenden Umzug und NSAUA. Da haben Menschen Sorgen. (!) Bitte bewerten sie diesen Eindruck nicht ĂŒber. In Eingangsrede habe ich Fehlerkultur gefordert. Mir werden auch Fehler berichtet. Nur im August 2013 nicht.

    Fragerunde 3: Linke (22:59)

    Renner: Dritte Stufe mit deutschen Interessen: Unternehmen und Politiker. Nach welchen Kriterien wird man aufgenommen?

    Schindler: Einzelheiten NÖ. Versuch der Optimierung des gesamten Prozesses. Beweislastumkehr. Dritte Stufe war ja schon mal guter Ansatz. Hat man nicht verbessert. Politiker in der Liste wĂ€ren mir neu, höre ich zum ersten Mal.

    Renner: Hat Herr Pauland gesagt.

    Schindler: Da muss ich passen. (!)

    Renner: Bei Vorbereitung fĂŒr Kooperation auch mal Bundeskanzleramt nicht informiert?

    Schindler: Eingestufter Vorgang. NÖ.

    Wolff: Keine Aussagegenehmigung. (!)

    Renner: Herr Wolff entzieht BND-PrĂ€sident Schindler das Aussagerecht. (!) Ist Außenvorlassen von Bundeskanzleramt normal?

    Schindler: Dienst- und Fachaufsicht muss rechtzeitig und umfassend informiert werden. Aber rechtzeitig heißt nicht ungelegte Eier. Richtigen Zeitpunkt. (!)

    Renner: Im MĂ€rz war W.O. bei ihnen?

    Schindler: Wer?

    Wolff: Ich sage ihm Name. [Geht hin.]

    Renner: Mehrere Herren haben mit ihnen ĂŒber Selektoren geredet.

    Schindler: Wo?

    Renner: Bei ihnen.

    Schindler: Wir treffen uns die ganze Zeit. SachverhaltsaufklÀrung.

    Renner: Wurde auch mal ĂŒber disziplinarrechtliche VerstĂ¶ĂŸe geredet?

    Schindler: Nein.

    Renner: D.B. verweigerte die Aussage, weil er das befĂŒrchtet. Hat er das imaginiert?

    Schindler: Hat das ja auf Anraten seines Rechtsanwalts getan. Dienstrechtliche Konsequenzen sind kein Untersuchungsgegenstand.

    Renner: Wurde auch ĂŒber Zeugenaussagen vor dem NSAUA gesprochen?

    Schindler: NatĂŒrlich nicht, weil wir uns diese Frage vorstellen konnten.

    Renner: Gab es dort auch die Unterlage Selektorenliste?

    Schindler: NatĂŒrlich darĂŒber gesprochen. Überfordert, ob die im Raum waren. Immer wieder in Teilen. KA, ob in GĂ€nze.

    Renner: In Teilen schon?

    Schindler: Ja, aber nicht alle.

    Fragerunde 3: GrĂŒne (23:09)

    Notz: Bei ersten Vernehmungen von BND-Zeugen haben wir ĂŒber viele Begriffe gesprochen. Immer hin und her. Schwer greifbar. Ich habe das große BedĂŒrfnis, mit ihnen mehr Zeit zu verbringen. Können sie den Satz bestĂ€tigen von 12. August 2013 nach RĂŒckkehr aus USA. Pofalla: „Die US-Seite hat uns den Abschluss eines No-Spy-Abkommens angeboten.“ Hat sie das?

    Schindler: Ich habe ja eben


    Notz: Ja oder nein? Ich habe nur acht Minuten.

    Schindler: Soweit ich weiß


    Notz: Ja oder nein?

    Schindler: Ja, die USA haben das angeboten und ich habe das an Herrn Pofalla berichtet. (!)

    Notz: Interessant, er zitiert sie?

    Schindler: KA. Ich habe ihm das berichtet. (!)

    Notz: Sie konnten sich nicht vorstellen, das Selektoren in Afghanistan eine Rolle spielen. In Bad Aibling Schwerpunkt Krisengebiete oder nur Afghanistan?

    Schindler: Schwerpunkt Krisengebiete.

    Notz: Andere Schwerpunkte?

    Schindler: Einsatzgebiete der Bundeswehr und ein weiteres Land, das ich nicht nennen werde. (!) Auch im weiteren Sinne als Krise.

    Notz: AusspÀhen unter Freunden ist nicht illegal?

    Schindler: Ja.

    Notz: Europarecht, VertrÀge, Grundrechtecharta?

    Schindler: Wogegen wird denn verstoßen?

    Notz: Sie haben betont, der BND arbeitet nur fĂŒr Deutschland. Im Bundestag hĂ€ngt neben Deutschland-Fahne die Europa-Fahne. Der Österreicher ist wieder Afghane? Franzose ist Krisengebiet?

    Schindler: Ist völlig egal. Gesetz unterscheidet zwischen Inland und Ausland. (!)

    Notz: Drei Verfassungsrechtler haben das hier widerlegt.

    Schindler: Das ist falsch.

    Notz: Nein.

    Schindler: Doch.

    [netzpolitik.org: Oh!]

    Notz: Wie kam es zum Ende vom Austausch in IP-Daten?

    Schindler: NÖ.

    Notz: Relevanter Vorgang. Öffentlich entstehen hier schiefe Bilder. Sie sagen, dass sie es nicht beendet haben. Aber wollen nicht sagen, wie es war. uns wurde zugetragen, dass bei der Reinigungsaktion – mit eigenem Computer, der danach plattgemacht wurde – die Datei ausgedruckt und mit Boten nach Bad Aibling gebracht – mit der Postkutsche. Wir konnten nicht rausfinden, wo die geblieben ist. Wo ist diese Liste?

    Schindler: Konnten wir nicht feststellen. (!)

    Fragerunde 3: SPD (23:19)

    Flisek: Sie haben im MĂ€rz 2015 eine AufklĂ€rungsgruppe gegrĂŒndet. Wer von TA ist dabei, den wir befragt haben? Pauland?

    Schindler: Das ist keine Gruppe mit Bestellungsschreiben. Möglicherweise verwechseln wir PrĂŒfgruppe unter Frau Dr. F., die ich eingerichtet habe. Ihr habe ich gesagt, die soll die Mitarbeter nehmen, die sie braucht.

    Flisek: War davon jemand hier?

    Schindler: Nein.

    Flisek: Die anderen klÀren den Sachverhalt nicht auf?

    Schindler: Genau.

    Flisek: D.B. und W.K. haben keine Funktion bei der SachverhaltsaufklÀrung?

    Schindler: Doch, auch. Deswegen gibt es PrĂŒfgruppe mit Frau Dr. F., die das begleitend koordiniert.

    Flisek: November 2013 haben sie Weisung an UAL erteilt: Vorsicht bei EU. MĂŒndlich?

    Schindler: Genaues Datum: KA. Kann auch Oktober gewesen sein. Ging um unsere eigenen Selektoren.

    Flisek: Weisung: „Vorsicht bei befreundeten Staaten?“ Aufpassen, auch wenn rechtmĂ€ĂŸig?

    Schindler: So nicht richtig. NÖ.

    Flisek: Was war Motivation dafĂŒr? Ihre Idee? Oder Frau Merkel: „AusspĂ€hen unter Freunden – das geht gar nicht“? Anruf von Bundeskanzleramt?

    Schindler: Das, was ich zum Beweisgegenstand sagen kann: NÖ.

    Flisek: War Aussage von Merkel entscheidend?

    Schindler: Nicht Untersuchungsgegenstand.

    Flisek: Warum nicht?

    Schindler: Weil es die eigene BND-Erfassung betrifft.

    Flisek: AusspÀhen unter Freunden betrifft die eigene BND-Erfassung?

    Wolff: Eigene Erfassung nicht Untersuchungsgegenstand.

    Flisek: Kein Anlass, das auch in Bezug auf US-Selektoren zu tun?

    Schindler: Habe schon zweimal gesagt: Gab fĂŒr US-Selektoren keine Veranlassung. (!)

    Flisek: Keine Veranlassung?

    Schindler: Etliche Untersuchungen, regelmĂ€ĂŸige Berichterstattung, Treffen im PKGr, Snowden-Dokumente analysiert. Gab keinen Hinweis, dass uns das Thema hĂ€tte auffallen mĂŒssen. Gab den einen Punkt mit den 500 Millionen Metadaten in Deutschland.

    Flisek: Es gab Abgeordneten-Reisetourismus nach Afghanistan. Entwicklungshelfer, Botschaften, UN, EU, Delegationen. Warum dann US-Selektoren nicht relevant? (!)

    Schindler: Finde ich gut, dass ihnen die Fantasie nicht fehlt.

    Flisek: Also doch lohnendes Ziel?

    Schindler: Wir hatten keinen Anhaltspunkt dafĂŒr. Heute kann ich ihnen fĂŒr jedes Land Ausnahmen vornehmen.

    Flisek: Sie waren doch auch in Kabul?

    Schindler: Ja.

    Flisek: Also auch ihre Kollegen in AND?

    Schindler: Ja. Aber mĂŒssen erstmal unterstellen, dass sich USA nicht an MoA halten. Hatte keine Anzeichen.

    Flisek: G‑10-Kommission getĂ€uscht, weil mit G‑10-Anordnung Routineverkehre abgegriffen. Wenn man nur Routineverkehre machen wĂŒrde, gibt es kein Instrument der geltenden Rechtsordnung fĂŒr eine Anordnung?

    Schindler: Ja.

    Flisek: Einiges Instrument G‑10-Anordnung?

    Schindler: Unter Voraussetzungen des Gesetzes.

    Flisek: Teilen sie meine Überzeugung, dass man da etwas tun muss? G‑10-Anorndung wurde nicht fĂŒr Routineverkehre gemacht?

    Schindler: Verstehe die Diskussion. Diskussionsverhalten gegenĂŒber der G‑10-Kommission hĂ€tte verbessert werden mĂŒssen. Offener informieren. (!) Transparenz gegen Eindruck der Heimlichkeit. Frage der Rechtslage kann man so interpretieren. Wir brauchen klare gesetzliche Rahmenbedingungen. Dieser Vorgang ist wenig klar.

    Flisek: Da sind wir völlig beieinander. Bedeutung Routineverkehre im APB?

    Schindler: Wir messen Aufkommen in Meldungen. Alle Quellen zusammen: HUMINT, Partner, SIGINT. SIGINT fast 50 % der Meldungen. Beachtlicher Teil. Darf nicht nur Technik machen, braucht auch die anderen. Aber da wird deutlich, wie wichtig das ist.

    Flisek: Wesentlicher Teil von 50 % sind Routineverkehre?

    Schindler: Ja. (!)

    Flisek: Hans de With [ehemaliger Vorsitzender der G‑10-Kommission] meinte, dass das mit jedem Tag rechtswidriger wird. Nicht mehr viel Zeit.

    Fragerunde 4: Linke (23:28)

    Renner: Frau Dr. F: „Seiner Kenntnis nach finde eine entsprechende Datenweitergabe an US-SUSLAG in großem Umfang (bis zu 1,3 Milliarden Daten pro Monat) statt.“ Bekannt?

    Schindler: Ja, habe Vermerk gelesen. Damals nur geschÀtzt. Erst seit PKGr gezÀhlt, bin dankbar, Antrag von MdB Bockhahn. Jetzt zÀhlen, damals SchÀtzung.

    Renner: Auf welcher Rechtsgrundlage Daten ĂŒbermittelt?

    Schindler: Haben wir damals mehrmals diskutiert. § 2 Abs. 1 BND-Gesetz.

    Renner: Datenschutzbeauftragte war nicht ĂŒberzeugt?

    Schindler: Ja, wir haben diskutiert. Ich habe sie benannt uns schĂ€tze sie. Gute, interne Datenschutzbeauftragte. Haben diskutiert. Völlig normal: zwei Juristen, drei Meinungen. HĂ€tte auch sagen können, dass die, die 2002 das MoU abgeschlossen haben, mir das sagen sollen. Habe lange PrĂŒfung im Dienst gemacht und Rechtspraxis vorgefunden. Bin der Auffassung, die BegrĂŒndung passt.

    Renner: Anderer Dissens mit Datenschutzbeauftragter neben Metadaten?

    Schindler: Konkreter? Schwer Dissens 1, 2, 3, 4.

    Renner: 2013 Diskussion zur Erfassung von US-BĂŒrgern in Bad Aibling? (!)

    Schindler: Ende 2013 Artikel in Washington Post oder so: 300 BĂŒrger ausgespĂ€ht. Sind jedem Bericht nachgegangen. Möglicherweise 2008 Steuerung vom BND angestoßen gegen Angehörige einer Stiftung, bei der man nicht erkennen konnte, dass das US-BĂŒrger sind, von USA abgelehnt als Selektoren. (!)

    Renner: Unterlagen sprechen von einer Datenbank in Bad Aibling, in der DE und US-Selektoren gleichzeitig laufen.

    Schindler: Wenn wir in Bad Aibling steuern, auch ĂŒber diese Systeme?

    Renner: Was ist Haupt- und Neben-System in Bad Aibling?

    Schindler: Sagt mir nichts.

    Fragerunde 4: CDU/CSU (23:47)

    Warken: Bericht der Washington Post zu deutschen Selektoren in US. Was haben sie geprĂŒft?

    Schindler: [BlĂ€ttert in Akten.] Versuche, das zu finden. Hatte damals Stellungnahme der Abteilung erhalten, war sehr allgemein. NÖ.

    Warken: [
]

    Schindler: Dass US-Selektoren gesteuert und DAFIS-geprĂŒft werden, wusste ich vorher.

    Warken: Ist ein Schaden entstanden? Welche Selektoren waren wir lange aktiv? Wie viel Treffer, also SchÀden?

    Schindler: Treffer besser. Wird ja nicht erfasst. Gibt keine Datei, die alle Treffer sammelt. Können nicht nachvollziehen, welcher Selektor einen Treffen verursacht hat. ÜberprĂŒfung geht bei uns, nicht bei US-Selektoren. Erfassung eher ausnahmsweise.

    Warken: Firmen?

    Schindler: AufklĂ€rung von Firmen bei RĂŒstungsexportkontrollen. Hatten keine Anhaltspunkte, dass es nicht um Wettbewerbsvorteile geht. USA haben uns versichert, dass es nicht um Wirtschaftsspionage geht. (!) Obama hat das zu Gesetzeskraft gemacht, war vorher schon interne Weisung. Haben keine Hinweise auf Wirtschaftsspionage. (!)

    Warken: Rechtliche Grundlage fĂŒr Routineverkehre aus G‑10-Maßnahmen. Warum sind Routineverkehre wichtig?

    Schindler: Die sind *das* Ziel des BND. Geht ja um Ausland. G‑10 – von uns nach Deutschland – ist quantitativ untergeordneter. Ganz ĂŒberwiegender Teil ist Ausland. Routine ist *das* Mittel zur Erkenntniserlangung. (!)

    FormalitÀten: Vorsitzender (24:00)

    Sensburg: Es ist 24 Uhr. Es gibt mehr Fragen, aber die Stenographen haben Dienstschluss. Damit Ende der Zeugenvernehmung am heutigen Tag. Sitzung geschlossen. Danke.

    [Anmerkung: Ende des Tages an der Zeugenvernehmung. Fertig und durch. Danke fĂŒr’s Lesen. (00:01)]

    Pressestatements (00:04)

    Notz: Danke fĂŒr’s Aushalten. Es besteht weiterhin ein Definitions- und Zuordnungs-Wirrwarr. Immerhin hat er Knackpunkte und Sollbruchstellen eingerĂ€umt. Interessant ist, dass deutsche und europĂ€ische Interessen bis 2015 nicht beachtet wurden. Das wirft Fragen auf. AusspĂ€hen unter Freunden: Nicht nur Beihilfe fĂŒr USA, sondern auch selbst getan. Schindler vertrat die steile These, dass das nicht rechtswidrig war. Ich kann verstehen, wenn USA auf No-Spy-Abkommen mit Schulterzucken reagierten.

    Steiner: No-Spy-Abkommen?

    Notz: Haarspalterei. Er sagt, es gab Angebot. Details leider geheim. Manipulation der Öffentlichkeit reloaded im Hinblick auf No-Spy-Abkommen.

    Steiner: GlaubwĂŒrdig, dass er keine Kenntnis von PrĂŒfungen im August 2013 hatte?

    Notz: Wirft schlechtes Licht auf BND. MerkwĂŒrdig. Positiv immerhin Wunsch nach rechtlicher Klarstellung. Die ist dringend. MoU 2002 passte nicht auf rechtlichen Rahmen. Alte Praxis. Grenzen der Spionage im Rechtsstaat diskutieren. Nicht einfach nur Praxis im Graubereich legalisieren. Aus Snowden lernen.

    Frage: Verantwortung Kanzleramt?

    Notz: Seit 2008, spĂ€testens seit Snowden wusste man von Übergriffigkeit der NSA. Bundeskanzleramt hat nichts veranlassen. VersĂ€umnis.

    Flisek: 1. BND hatte mit Einsatz von US-Selektoren ein erhebliches Problem. Konnten Einhaltung von deutschem Recht nicht sicherstellen. Brauchen Einblick in die Liste. 2. In BND und TA keine Fehlerkultur. Mitarbeiter aller Ebenen nicht in der Lage Fehler zu benennen und Verantwortung zu ĂŒbernehmen, Schwarzer Peter-Spiel. 3. Aussagen zu No-Spy-Abkommen: wĂ€re das erste in der Welt gewesen. Warum hĂ€tte USA das tun sollen? 4. FĂŒhle mich bestĂ€rkt in Fraktions-Position, RoutineaufklĂ€rung auf rechtsstaatliche Grundlage stellen zu wollen. Ist nicht einfach irgendeine Legalisierung. Sondern Voraussetzungen schaffen. Derzeit nicht der Fall. Mit effektiver parlamentarischer Kontrolle korrelieren. Klarer Rechtsrahmen, bestĂ€tigt.

    Steiner: GlaubwĂŒrdig, dass Schindler keine Kenntnis von PrĂŒfungen hatte?

    Flisek: Stellen sich viele Fragen. Stichprobenhafte SonderprĂŒfungen mit vielen Ergebnissen. Nicht gemeldet, nicht umfassender geprĂŒft. Keine Situation, wo der eine oder andere alleine schuldig wĂ€re. NÖ weiter diskutieren und auswerten.

    Ströbele: Wer ist Schuld an Riesenpanne, das Öffentlichkeit und Parlament falsch informiert wurden? Schuld ist streitbar, aber Verantwortung trĂ€gt Schindler. Wie groß die Verantwortung ist, können wir erst beurteilen, wenn wir die Selektoren kennen. Darin sind klare VerstĂ¶ĂŸe gegen MoA zwischen BND und NSA. Sonst hĂ€tten USA ja auch gegen Herausnahme protestiert. Ich brauche die Selektoren, um ermessen zu können, wie schwer die VerstĂ¶ĂŸe sind. Spekulation: europĂ€ische Firmen und Behörden, EU-Politiker. WĂŒnsche mit konkretisierbar.

    [Jetzt aber Schluss. (00:19)]

    21. Mai 2015 47
  • : Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Im MĂ€rz trafen sich Zeugen mit BND-PrĂ€sident und Altmaier“
    Sitzungssaal vor Beginn der Anhörung.
    Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Im MĂ€rz trafen sich Zeugen mit BND-PrĂ€sident und Altmaier“

    ï»żHeute tagt wieder der Geheimdienst-Untersuchungsausschuss im Bundestag. Die Zeugen diesmal sind die BND-Mitarbeiter „W. O.“ (Sachbearbeiter), Wilfried Karl („W. K.“) (Unterabteilungsleiter T1 – Nachrichtengewinnung) und „D. B.“ (Unterabteilungsleiter T2 – Nachrichtenbearbeitung). Wir sitzen wie immer drin und bloggen live.

    Gliederung

    Disclaimer

    Disclaimer: Dieses Protokoll ist nach bestem Wissen und Können erstellt, erhebt jedoch keinen Anspruch auf VollstÀndigkeit oder umfassende Korrektheit.

    Dargestellte: Abgeordnete und Zeugen, gerne korrigieren und vervollstÀndigen wir ihre Aussagen. Kontaktieren sie uns!

    Wer uns unterstĂŒtzen möchte, darf gerne spenden.

    Copyright: Die Aquarelle der Zeugen stehen nicht unter einer Freien Lizenz. Wer die Bilder verwenden möchte, stimmt das bitte mit Stella direkt ab.

    To-Do: Zusammenfassung. Bis dahin einfach nach „(!)“ suchen.

    Update: Das offizielle stenografische Protokoll gibt es auf bundestag.de als PDF (Mirror bei uns).

    [Anmerkung: Heute in einem anderen Raum, ohne Steckdosen. Kann sein, dass wir nicht vollstÀndig berichten können. :(]

    Einleitung: Vorsitzender (16:50)

    $BegrĂŒĂŸung

    $FormalitÀten

    Neuen Zeuge „W. O.“ beschließen. Beschlossen.

    Renner: „D. B.“ auch öffentlich?

    Sensburg: War nicht so geplant, aber okay.

    Zeuge 1: „W. O.“, BND, Sachbearbeiter

    Rechtsbeistand ist Johannes Eisenberg.

    Name W. O., Dienstsitz Bad Aibling.

    Eingangsstatement nicht gewĂŒnscht.

    Fragerunde 1: Vorsitzender (16:56)

    Sensburg: Werdegang?

    W.O.: Mittlere Reife, 1983 BND, Funktechnische Ausbildung, verschiedene Verwendungen in der TA durchlaufen.

    Sensburg: Verwendungen? Bundeswehr?

    W.O.: 1983 BND, 1985–86 Wehrdienst, Außenstelle BND. 1989 in die Zentrale Pullach.

    Sensburg: Kein Zeitsoldat?

    W.O.: Nur Wehrdienst. Dann Pullach, dort verschiedene TĂ€tigkeiten, 2005 nach Bad Aibling. Dort Selektoren.

    Sensburg: Selektoren-PrĂŒfung seit wann?

    W.O.: August 2005.

    Sensburg: Bis heute?

    W.O.: Ja.

    Sensburg: Was sind Selektoren?

    W.O.: Merkmal, das ein EndgerĂ€t oder Teilnehmer beschreibt. Handynummer, E‑Mail-Adresse.

    Sensburg: Teilnehmer, Messenger, irgendwas? Komplizierter als E‑Mail?

    W.O.: Ja.

    Sensburg: Geht aber auch?

    W.O.: Es gibt Parameter, wo man das erkennt.

    Sensburg: GerÀtekennungen, Mobiltelefone, andere?

    W.O.: Mobile EndgerÀte.

    Sensburg: Keine IP-Adressen vom Rechner?

    W.O.: Nein.

    Sensburg: Gar nicht? Bei Selektoren keine Rolle?

    W.O.: Nein.

    Sensburg: Ein Telekommunikationsmerkmal (TKM), ein GerÀt oder Person, ist höhere Zahl von Selektoren?

    W.O.: Ja.

    Sensburg: Weil es Permutationen gibt. Wie ist der Faktor? Ein TKM, wie viele verschiedene Selektoren oder Abwandlungen gibt es?

    W.O.: Man kann es nicht feststellen. Jedes TKM hat unterschiedliche Anzahl Permutationen.

    Sensburg: Handynummer eins zu eins?

    W.O.: Nein, können zwei sein. Wildcards


    Sensburg: Da hÀngt etwas runter.

    netzpolitik.org: Mein Stromkabel.

    Sensburg: Rufnummern?

    W.O.: In Telefonnummer: Plus am Anfang, Null, Leerzeichen.

    Sensburg: 00 statt +?

    W.O.: Genau.

    Sensburg: Also nicht 0170*?

    W.O.: Macht keinen Sinn.

    Sensburg: Doch. WÀre das möglich?

    W.O.: Keine Ahnung (KA). WĂ€re wohl zu viel.

    Sensburg: Ist ihnen nicht bekannt?

    W.O.: Nein.

    Sensburg: Und bei E‑Mails?

    W.O.: Kommt auf Sonderzeichen an: Bindestriche und Punkte. Kann durch Hexadezimal-Wert ersetzt werden.

    Sensburg: Jedes Zeichen?

    W.O.: Nur Sonderzeichen.

    Sensburg: peter.mustermann@musterstadt.xy. Permutation mit oder ohne Punkt?

    W.O.: Punkt durch „%2e“ ersetzt.

    Sensburg: Warum?

    W.O.: Manchmal auch in diesem Zustand ĂŒbertragen.

    Sensburg: Nicht grĂ¶ĂŸere Varianten, nur Übertragung der konkreten Adresse, manchmal unterschiedlich dargestellt? Eine Mail-Adresse?

    W.O.: Richtig.

    Sensburg: Gehen auch Joker?

    W.O.: Sind nur Ersetzungen von Sonderzeichen. Machen hier keinen Sinn, sonst zig andere als Beifang.

    Sensburg: Joker @mustermann.com?

    W.O.: So nie gesehen.

    Sensburg: Und www.mustermann.com?

    W.O.: URL?

    Sensburg: Ja.

    W.O.: Kann mich nicht erinnern.

    Sensburg: Gesamtzahl genutzter Selektoren. Sie haben das von Anfang an mitbekommen? 2005? Oder spÀter?

    W.O.: Als ich in Bad Aibling angefangen habe, gab es schon Datenbanken mit IP-Selektoren und Rufnummern.

    Sensburg: Was ist ein IP-Selektor, wenn nicht nach IP-Adressen geguckt wird?

    W.O.: E‑Mail-Adresse. Ein Merkmal, das im IP-Verkehr auftaucht.

    Sensburg: Gab schon vor 2005. Wie lange?

    W.O.: KA.

    Sensburg: Wer war vor ihnen dafĂŒr zustĂ€ndig?

    W.O.: Bin hingekommen, habe die Aufgabe von Kollegen ĂŒbernommen.

    Sensburg: Anzahl Selektoren 2005? Schon ungefÀhr der Stand von heute? Oder ganz wenig, dann gewachsen? Jetzt acht bis neun Millionen Selektoren in Presse.

    W.O.: [Redet mit Eisenberg.] Eine konkrete Zahl kann man nicht sagen. 2001 wurde die Datenbank neu aufgesetzt. Vorher kann ich keine Aussage machen. Dann wuchs der Datenbestand stetig ab. Aber keine aktiven Selektoren, sondern [
].

    Sensburg: Was heißt das?

    W.O.: Immer neue bekannt und eingetragen. Nicht aktiv in Steuerung, trotzdem in Datenbank vorhanden geblieben.

    Sensburg: InitialzĂŒndung. InitialbestĂŒckung. Dann Selektoren eingespeist, ĂŒberprĂŒft.

    W.O.: Frei gegeben oder nicht fĂŒr Erfassung. Neue Selektoren erstmal in Datenbank eingetragen, dann geprĂŒft, dann Zustand bekommen. Alte nie gelöscht.

    Sensburg: Terrorist in Afghanistan schmeißt Handynummer weg. Was dann?

    W.O.: Bleibt drin.

    Sensburg: Und wenn anderer die Nummer bekommt?

    W.O.: Wenn man weiß, dass der das nicht mehr hat, kann man das rausnehmen.

    Sensburg: 2009 neu aufgesetzt. Technisch oder strukturell?

    W.O.: Technisch. Vorher Equations geschickt.

    Sensburg: ErklÀren.

    W.O.: Teilnehmer E‑Mail und Telefonnummer, gemeinsam in Datenbank. 2012 Equations aufgetrennt.

    Sensburg: Warum rausnehmen?

    W.O.: Konnte das nur rausschicken in Erfassung oder nicht.

    Sensburg: Bis 2011 kein Flag „aktiv“ oder „nicht aktiv“?

    W.O.: Richtig.

    Sensburg: Ab 2011 direkt in System, dann Kontrolle, dann aktiv-Schaltung.

    W.O.: Richtig.

    Sensburg: Vorher, wen drin, dann aktiv?

    W.O.: Wenn man sich rausgeschickt hÀtte.

    Sensburg: Warum Partner?

    W.O.: System, wo wir gegenseitig unsere Suchbegriffe drin hatten.

    Sensburg: An welchem Standort erfolgte PrĂŒfung der Suchbegriffe?

    W.O.: Pullach.

    Sensburg: Gegenlaufen der Streckeninhalte und Selektoren, wo erfolgte das?

    W.O.: Bad Aibling.

    Sensburg: Warum USA bitten, irgendwo was rauszunehmen, wenn Selektor in Pullach geprĂŒft und freigegeben und dann nach Bad Aibling geschickt und ins System geht?

    W.O.: Selektor, den wir nicht weitergeben dĂŒrfen, mussten wir Partner bitten, den rauszunehmen, ehe wir das gesamte live geschaltet haben.

    Sensburg: Habe ich nicht verstanden.

    Andere: Nur Gesamtsystem ein oder aus.

    W.O.: Equation, Handynummer, geschĂŒtzt.

    Sensburg: Merkt Pullach, sagt: ist nicht.

    W.O.: Dann konnte ich das nicht rausschicken, sondern musste Partner bitten, das aus Equation zu nehmen. Erst dann konnten wir das in Erfassung schicken.

    Sensburg: Equation war doch leer? Muss doch USA gar nichts sagen?

    W.O.: So lief das System.

    Sensburg: Haben die USA auch Zugriff und sehen Ablehnung? Ja?

    W.O.: Ja, bis 2011.

    Sensburg: Wo haben die das rausgenommen?

    W.O.: Aus dem Gesamtprofil, aus dem sie den einen rausgenommen haben.

    Sensburg: Update ist immer gesamtes Selektoren-Profil?

    W.O.: Ja.

    Sensburg: Und sie wollten nicht immer die selben ablehnen, also neues System?

    W.O.: Ja.

    Sensburg: Aus Pullach wurden abgelehnte Selektoren nicht nach Bad Aibling geschickt, keine Erfassung?

    W.O.: Doch, schon. Mussten ja Partner informieren, den nicht einzustellen.

    Sensburg: Ab 2011 pfiffiger?

    W.O.: Equation aufgebrochen. Jeder Selektor in Datenbank eingespeist. Dann Freigabe oder Nicht-Freigabe. Bei Nicht-Freigabe keine Aktivierung.

    Sensburg: USA trotzdem weiter Gesamt-Selektoren-Liste rĂŒbergeschickt? Weiter RĂŒckmeldung?

    W.O.: Ja.

    Sensburg: Mitteilung an USA ĂŒber abgelehnte Selektoren weiter?

    W.O.: Ja


    Wolff: Kontakt zu USA nur nicht-öffentlich. (NÖ)

    Sensburg: Seit 2005 Phase, wo massiv Selektoren dazu kamen?

    W.O.: KA.

    Sensburg: Guckt da keiner drauf?

    W.O.: Nein. Gibt Datums-Flag in Datenbank, wird aber nicht ausgewertet.

    Sensburg: Datenbank statt Aktenordner. Inaktive Selektoren in Datenbank: plötzlich angewachsen?

    W.O.: 2013 gewaltig angewachsen, weil ich nach Europa suchen sollte. Anweisung von Dienststellen-Leiter.

    Sensburg: Vorher nicht?

    W.O.: Nein.

    Sensburg: 2013 Ablehnung deutlich angewachsen. Warum?

    W.O.: Habe von Dienstellen-Leiter Auftrag bekommen, Selektor-Profil nach europÀischen Regierungs-Merkmalen zu durchforsten.

    Sensburg: Wie? E‑Mails, Messenger, IP-basiert. Kompliziert?

    W.O.: [Guckt zu Wolff.]

    Wolff: Art der PrĂŒfung NÖ. Details NÖ.

    Sensburg: Einfaches Draufgucken?

    W.O.: [Guckt zu Wolff. Wolff nickt.] Geht nicht so einfach. PrĂŒfung ausschließlich bei E‑Mail-Adressen.

    Sensburg: Andere nicht, weil kompliziert?

    W.O.: Genau. (!)

    Sensburg: Bis heute.

    W.O.: Konnten wir nicht machen. (!)

    Sensburg: Dienststellen-Leiter 2013: „Check mal E‑Mail-Adressen, ob europĂ€ische Adressen, insbesondere Regierungen drin sind“?

    W.O.: Ja.

    Sensburg: Nur E‑Mails?

    W.O.: Was anderes ging nicht. (!)

    Sensburg: Hatte Eindruck von Equation, meine E‑Mail-Adresse und Telefonnummer hĂ€ngen zusammen. Nicht erkennen?

    W.O.: Nachdem das 2011 aufgebrochen wurde, nicht mehr.

    Sensburg: Warum Aufbrechung von Equation?

    W.O.: Egal, weil ganze Equation inaktiviert wird, wenn ein Datensatz inaktiviert wird.

    Sensburg: 2013 auch Mobilnummern rausgenommen?

    W.O.: Habe Equation nicht geprĂŒft. Nur geguckt, ob einzelne DatensĂ€tze [
] und die auf geschĂŒtzt gesetzt. Dann wĂ€re bei Zusammenbau der Equation inaktiviert geworden.

    Sensburg: Zusammenbau?

    W.O.: Macht System.

    Sensburg: 2013 war aktiv. Dann Mail mit EU-Bezug rausgenommen. Einzelne Selektoren inaktiviert, dann ganze Equation disapproved?

    W.O.: Nach wie vor approved, aber nicht rausgeschickt.

    Sensburg: Wo raus geschickt?

    W.O.: In Erfassung.

    Sensburg: Sind sie ja schon?

    W.O.: War, aber dann disapproved.

    Sensburg: Rausgenommen insgesamt disapproved?

    W.O.: Ein Selektor aus Equation disapproved, dann alle Selektoren der Equation nicht in Erfassung.

    Sensburg: Wenn Handynummer und Mail-Adresse drin ist. Mail disapproved. Handynummer approved?

    W.O.: Ja.

    Sensburg: Bleibt so?

    W.O.: Ja.

    Sensburg: Seit 2001 nicht in Equation, gab es nicht. Kam Handynummer auch raus?

    W.O.: Nein.

    Sensburg: Bleibt drin?

    W.O.: Ja. Aber geht in Erfassung.

    Sensburg: Warum, ist doch in Equation?

    W.O.: Equation wird ja hinten zusammengebaut.

    Sensburg: Ich rede von denen, die 2013 von ihnen angeschaut wurden. Stecken ja seit Jahren im System. Sie haben damals EU-Mails rausgehauen. Ist doch schon drin?

    W.O.: Holen mehrmals tĂ€glich Updates von USA. Wenn E‑Mail da drin ist und disapproved ist, wird Equation nicht mehr erstellt.

    Sensburg: Rausfallen der disapproveten Gesamt-Equation erfolgt bei Zusammensetzung der Updates?

    W.O.: Richtig.

    Sensburg: Mail und andere Teile raus: Gesamt-Equation raus. Andere ohne Mail noch drin, weil sie es nicht gemacht haben?

    W.O.: Ja.

    Sensburg: Meine Empfehlung: sollten sie mal tun. (!) Wie kann es sein, dass im VerhĂ€ltnis zu stark wachsender Gesamtliste die Negativliste kontinuierlich groß bleibt?

    W.O.: KA.

    Sensburg: 2013 Selektoren durchgeschaut. Hat jemand anders neben ihnen auch ÜberprĂŒfung gemacht?

    W.O.: Habe gehört, auch Dr. T.

    Sensburg: Jetzt gehört oder damals?

    W.O.: Damals, der war in in Bad Aibling.

    Sensburg: Irgendwie abgesprochen?

    W.O.: Nein.

    Sensburg: Normal?

    W.O.: Zwei verschiedene UA.

    Sensburg: [
]

    W.O.: Dr. T. hatte Auszug der Datenbank aus Bad Aibling nach Pullach mitgenommen.

    Sensburg: Ausdruck oder digital?

    W.O.: SelbstverstÀndlich digital. [Lachen]

    Sensburg: Besonderer Rechner?

    W.O.: Standard.

    Sensburg: Dr. T. sagte, er brauchte einen besonderen fĂŒr die große Datei?

    W.O.: KA.

    Sensburg: Und danach abgegeben? Sie haben ihren Rechner nicht abgegeben?

    W.O.: Ich hoffe, ich habe noch einen, wenn ich wiederkomme.

    Sensburg: 2013 gefundene Selektoren mit USA in Bad Aibling besprochen?

    W.O.: Nein.

    Sensburg: Wer hÀtte das getan?

    W.O.: FĂŒhrung.

    Sensburg: Gab es Konsequenzen?

    W.O.: Mir ist nichts aufgefallen.

    Sensburg: Hat USA die immer noch eingespeist?

    W.O.: Waren ja geflaggt, werden nicht nochmal eingespeist.

    Sensburg: Gleicher Selektor gleich abgelehnt im System?

    W.O.: Ja, war ja Vorteil.

    Sensburg: War ja gut, 2011. Anlass? Handling?

    W.O.: Mussten immer warten, bis USA abgelehnten Selektor rausgenommen hat. Jetzt nicht mehr.

    Sensburg: Ihr Bereich im BND: besonders zukunftsgewandt?

    W.O.: [Pause]

    Sensburg: Macht Kooperation Sinn? Zukunftsorientiert?

    W.O.: Sehr zukunftsorientiert.

    Sensburg: War schon klar im Amt, dass Erfassung ĂŒber Selektoren wichtig war und funktionieren musste?

    W.O.: Ja.

    Sensburg: Haben Sie was mit G‑10-Filter zu tun?

    W.O.: Ja, auch mein Bereich.

    Sensburg: War das wichtig? Gab es eine jÀhrliche Memo?

    W.O.: Immer sehr groß geschrieben, mein Posten dafĂŒr eingerichtet. JĂ€hrliche G‑10-Belehrung. War vorher in Zentrale dazu tĂ€tig.

    Sensburg: Wie viele hatten G‑10 so auf Schirm wie sie?

    W.O.: Gesamte FĂŒhrung.

    Sensburg: Warum dann französische E‑Mail-Adressen drin?

    W.O.: Hat mit G‑10 nichts zu tun.

    Sensburg: Genau. Nicht wichtig? Kooperation wichtiger als Filterung?

    W.O.: KA.

    Sensburg: Keine EU-PrĂŒfung?

    W.O.: Auf EU zu prĂŒfen war nie meine Aufgabe. Bis auf das eine Mal.

    Sensburg: Wenn EU-PrĂŒfung, wĂ€re das großer Einschnitt in Ausleitung oder Meldung?

    W.O.: KA.

    Sensburg: Können Sie Output sehen?

    W.O.: Nein.

    Sensburg: Was aus Erfassung fÀllt, sehen Sie nicht?

    W.O.: Nein.

    Sensburg: EU-Selektoren raus, Output runter?

    W.O.: KA.

    Fragerunde 1: Linke (17:42)

    Renner: Wie lange in Bad Aibling?

    W.O.: August 2005 bis heute.

    Renner: Sachbearbeiter?

    W.O.: Ja.

    Renner: Immer TA?

    W.O.: Ja.

    Renner: Warum keine Selektoren-PrĂŒfung jenseits E‑Mails?

    W.O.: Doch, auch Telefonnummer.

    Renner: Nach G‑10?

    W.O.: 2013 auch EU.

    Renner: Und andere? Clients, Messenger?

    W.O.: Kann ich nicht ĂŒberprĂŒfen.

    Renner: Nicht ĂŒberprĂŒft, weil geht nicht?

    W.O.: Haben nur zurĂŒck bekommen, was wir rauszunehmen haben.

    Renner: Wie ausschließen, dass in Satelliten G‑10-GrundrechtstrĂ€ger drin sind?

    W.O.: Zentrale fragen.

    Renner: In Bad Aibling nur E‑Mails geprĂŒft?

    W.O.: PrĂŒfen nichts. Nehmen welche raus, schicken sie zur PrĂŒfung, kriegen Ergebnis.

    Renner: Haben geprĂŒft.

    W.O.: 2013, auf Anleitung, nur E‑Mails.

    Renner: E‑Mails nur Person oder auch Institution?

    W.O.: Auch Institution.

    Renner: Mehrere Personen dahinter?

    W.O.: KA.

    Renner: Können Sie das ausschließen?

    W.O.: Nein.

    Renner: Beispiel bekannt?

    W.O.: Kann keins nennen.

    Renner: Selektoren Bad Aibling nur fĂŒr Satellit?

    W.O.: Derzeit ja.

    Renner: Auch mal anders?

    W.O.: Ja.

    Renner: Dieselben fĂŒr Eikonal verwendet?

    W.O.: Ja.

    Renner: Wie geprĂŒft?

    W.O.: Schicken an Pullach, kriegen Ablehnungen.

    Renner: Daten 2013 an Dr. T. ĂŒbergeben: alle oder Ausschnitt?

    W.O.: Denke, alle. KA.

    Renner: Wer hat die ihm gegeben?

    W.O.: KA. Weiß nicht, wer, weiß nicht Umfang.

    Renner: Sie haben ihm die Daten gegeben?

    W.O.: Ja, aber ich weiß nicht, was drin war. (!)

    Renner: Auszug oder alle?

    W.O.: KA. Auszug. Weiß nicht, was ich sagen soll.

    Renner: Alle Selektoren?

    W.O.: Denke, alle. Aber weiß ich nicht. Habe ich nicht ĂŒberprĂŒft.

    Renner: Dann plastisch. Dr. T. kommt und sagt, er will Selektoren, was dann?

    Wolff: Einzelheiten der PrĂŒfung NÖ.

    Renner: Selektoren in Bad Aibling ankommen: wie oft nach Pullach?

    W.O.: Einmal wöchentlich?

    Renner: Dabei nicht aktiv?

    W.O.: Ja,

    Renner: Warum? Ich denke, Terror?

    W.O.: Viel Aufwand.

    Renner: In welcher Form nach Pullach?

    Wolff: Einzelheiten NÖ.

    Renner: 2005 Bad Aibling: Warum EADS und Eurocopter aufgefallen?

    W.O.: KA. Bin vielleicht drĂŒber gestolpert. Damals schickte ich Mail an 20A dazu.

    Wolff: Eingestuft, NÖ.

    Renner: Mit wem kommuniziert?

    W.O.: Dr. K.

    Renner: Andere?

    W.O.: KA. Dr. K.

    Renner: Wer ist Dr. K.?

    [Wolff redet mit W.O.]

    Wolff: Eingestufte Unterlagen. NÖ.

    Sensburg: Wer ist Dr. K?

    Renner: Funktion?

    Wolff: Liegt eingestuften Akten zugrunde.

    Renner: Nein. Wer ist Dr. K.?

    W.O.: War Referent bei 20AB. [Abteilung Technische AufklÀrung, Unterabteilung Nachrichtenbearbeitung, Referat Beschaffungslage und Selektion, Sachgebiet Materialfluss und Selektion (alt, neu T2AB)]

    Sensburg: Vorname U.?

    W.O.: Ja.

    Renner: Mutig, Herr Sensburg.

    Fragerunde 1: SPD (17:52)

    Flisek: Wo saß U.K.?

    W.O.: Pullach, G‑10-Jurist.

    Flisek: WorĂŒber gesprochen?

    W.O.: G‑10.

    Flisek: Nicht EU?

    W.O.: Nein.

    Flisek: Auch nicht 2013 SonderprĂŒfung?

    W.O.: Nein.

    Flisek: War ihre Hotline?

    W.O.: Bei allen G‑10-Fragen.

    Flisek: Typisches Beispiel?

    W.O.: Wenn sich zwei AuslĂ€nder in E‑Mail ĂŒber deutsche Firma unterhalten.

    Flisek: Wöchentliche PrĂŒfung. Wöchentliches Ergebnis?

    W.O.: Ja.

    Flisek: Ihre einzige Aufgabe?

    W.O.: Nein, andere.

    Flisek: Wie viele Prozent ihrer Stelle dafĂŒr?

    W.O.: Zehn Prozent.

    Flisek: Andere neunzig Prozent haben nichts mit Untersuchungsauftrag zu tun?

    W.O.: Nein, gar nicht.

    Flisek: SonderprĂŒfung 2013. Vorher G‑10, U.K. Warum 2013?

    W.O.: KA. Habe die Anweisung bekommen und umgesetzt.

    Flisek: Wann?

    W.O.: August 2013.

    Flisek: Könnte es was mit Snowden zu tun gehabt haben?

    W.O.: KA, Mutmaßungen.

    Flisek: Was denken sie?

    W.O.: KA, hatte Auftrag bekommen und umgesetzt.

    Flisek: Telefonat, schriftliche Anweisung?

    W.O.: MĂŒndlich im BĂŒro.

    Flisek: Was gesagt?

    W.O.: Schau ins Profil vom Partner und guck nach Europa.

    Flisek: Wie lange Zeit dafĂŒr?

    W.O.: KA. „Suche EU-LĂ€nder und prĂŒfe mal.“

    Wolff: Einzelheiten NÖ.

    Flisek: Damals stressige Zeit.

    W.O.: KA.

    Flisek: Gab Snowden-Veröffentlichungen. Gedanken gemacht?

    W.O.: Ich bin nicht der BND.

    Flisek: Wichtiger Mitarbeiter. Nicht mit Kollegen gesprochen?

    W.O.: Hat Presse verfolgt, was wieder Neues rauskam.

    Flisek: Kann ich mir nicht vorstellen. Gehen Sie nicht gemeinsam Mittag essen und reden?

    Eisenberg: BefehlsempfÀnger gehen auch Mittag essen.

    Flisek: Nie besprochen?

    W.O.: Doch.

    Flisek: Welcher Eindruck: mehr Arbeit?

    W.O.: KA.

    Flisek: War dieser Auftrag in diesem Zusammenhang?

    W.O.: MĂŒsste mutmaßen.

    Flisek: Sollen Sie nicht. G‑10 ist rechtlich genau. BerĂŒhmte deutsche Interessen. Wie berĂŒcksichtigt?

    W.O.: Haben wir nicht geprĂŒft. Haben RĂŒckmeldung nie hinterfragt.

    Flisek: Sehen aber, was Pullach zurĂŒckweist und was nicht. Kein Muster? Deutsche Interessen jenseits G‑10?

    W.O.: Ja, Firmennamen mit deutschem Namen, die vielleicht gar nicht betroffen waren.

    Flisek: WĂ€re doch G‑10?

    W.O.: Nicht unbedingt. Firma X mit Siemens in irgendwo.

    Hahn: FunktionstÀger-Theorie.

    Flisek: Firma Siemens in irgendwo?

    W.O.: Merkmal in Verbindung mit Siemens. FĂŒr uns kein G‑10, aber ausgebucht.

    Flisek: Zwei AuslÀnder, die miteinander reden und Siemens sagen?

    W.O.: Ja.

    Flisek: Vorher nie ernsthaft aussortiert. Keine rechtliche Regelung, wie G‑10?

    W.O.: KA.

    Flisek: Vermute ich sehr stark. Auftrag von wem?

    W.O.: Dienststellenleiter R.U., mĂŒndlich in BĂŒro.

    Flisek: Zu Dr. T. wÀhrenddessen Kontakt?

    W.O.: Nur vorher, nicht nachher.

    Flisek: Hat ihnen R.U. Material gegeben?

    W.O.: Nein.

    [Strom kommt, Ablenkung.]

    Flisek: Ein Tag. Dann?

    W.O.: Mail mit Ergebnis geschickt.

    Flisek: Antwort „Löschen“?

    W.O.: Ja.

    Flisek: Damit erledigt? Gesamtes Profil durchgesehen?

    W.O.: Haben nach Endungen geguckt, mit Filter. Nicht gesamtes System.

    Flisek: Stichprobe. Wer hat die Endungen ausgewÀhlt?

    W.O.: Ich.

    Flisek: Keine Vorgabe?

    W.O.: Nein.

    Flisek: Nach einem Tag zu ihm hin und Sache war erledigt?

    W.O.: E‑Mail. Dann weiter gearbeitet und PrĂŒfung verfeinert.

    Flisek: Was damit?

    W.O.: Habe im Internet recherchiert, was


    Wolff: NÖ.

    Flisek: Dann MĂ€rz 2014. NSAUA. Medienberichte. Was gedacht?

    W.O.: Hatte das gemacht und das war abgeschlossen.

    Flisek: Nie gedacht, ihr Ergebnis wĂŒrde Rolle spielen?

    W.O.: Nein. (!)

    Flisek: Nie wieder darĂŒber mit R.U. gesprochen?

    W.O.: Soweit ich weiß, nein.

    Flisek: Wie oft reden Sie mit ihm?

    W.O.: Sporadisch.

    Flisek: Man sieht sich nicht?

    W.O.: Mal auf dem Hof, redet aber selten. (!)

    Fragerunde 1: GrĂŒne (18:07)

    Notz: Warum PrĂŒfung nicht in Bad Aibling?

    W.O.: Wurden dort automatisch geprĂŒft.

    Notz: Ist aber umstÀndlich, sie bekommen das und schicken das weiter. Hat Pullach vielleicht Bad Aibling misstraut?

    W.O.: KA.

    Notz: Nie diskutiert?

    W.O.: Nein.

    Notz: Kann es sein, dass Pullach mit Erschrecken festgestellt hat, dass Bad Aibling das prĂŒft?

    W.O.: Ich kenne Motivation meines Dienststellen-Leiters nicht.

    Notz: Dr. T.?

    W.O.: Ergebnis nie gesehen.

    Notz: Können nicht sagen, ob das alle waren?

    W.O.: Habe es nicht geprĂŒft.

    Notz: Aber haben es doch ĂŒbergeben?

    W.O.: Habe Auszug nicht ĂŒberprĂŒft.

    Notz: Kann sein, dass nicht alles drin war?

    W.O.: Ja.

    Notz: Warum?

    W.O.: Wenn Datenbank falsch abgegriffen wurde.

    Notz: War das so?

    W.O.: KA.

    Notz: Gibt Testate der Bundesregierung. Wenn herauskommt, dass Dr. T. nicht alles ĂŒberprĂŒft hat, wirft das krasse Fragen auf.

    W.O.: Kann es nicht sagen. (!)

    Notz: Vor 2013 keine EU-Interessen gefiltert?

    W.O.: Nein.

    Notz: HĂ€tte BND nicht gekĂŒmmert?

    W.O.: KA. Haben das entgegen genommen.

    Notz: Gebe ihnen Zettel mit Selektortypen: Aus Deutschland-Akte Snowden. Ist es vorstellbar, dass Name ein Selektor ist?

    W.O.: NÖ. (!)

    Notz: Staatswohl? (!)

    Wolff: Ja, ist von großer Bedeutung.

    Notz: Ja, auch fĂŒr uns und Öffentlichkeit.

    Wolff: Kann sehr ins Detail gehen. Vorhin technisch, Permutationen. Jetzt geht es darum, was abgefragt werden kann. Geht ins Detail. NÖ.

    Notz: Einwahlstationen, Wortketten, Schneemann.

    Eisenberg: Karotte.

    Notz: Und Eisenberg. Wenn ist das aneinanderreihe, kann man das G‑10-filtern?

    Wolff: Nachrichtendienstliche Methoden. NÖ.

    Notz: Diese Kenntnisse hat jeder, der eine Staffel Homeland geguckt hat.

    Wolff: In Homeland ist


    Notz: Ist sinnlos. Habe das von Snowden. Da sind Cookies drin: Hotmail, Google, Twitter, Facebook-ID. Sind das Selektoren?

    W.O.: Nein, sind Selektorentypen.

    Notz: Neu. Was ist das?

    W.O.: E‑Mail ist Selektortyp.

    Notz: Wie prĂŒfen sie Selektor des Typs Facebook-Maschine?

    W.O.: Ich gar nicht.

    Notz: Und Pullach?

    W.O.: KA.

    Notz: Kann es sein, dass man das nicht G‑10 prĂŒfen kann?

    W.O.: [Redet mit Eisenberg.]

    Notz: Wie viel Prozent der Selektoren Telefonnummern und E‑Mail-Adressen?

    W.O.: KA.

    Notz: FĂŒnf, zehn, 50 Prozent?

    W.O.: KA.

    Notz: Kann es 0,05 % gewesen sein und 99,95 % nicht G‑10-filterbar?

    W.O.: KA.

    Notz: Kann sein?

    W.O.: KA. (!)

    Notz: Von „Kontrollsystem“ gehört?

    W.O.: Nein. (!)

    Notz: 2007/2008?

    W.O.: KA.

    Fragerunde 2: CDU/CSU (18:18)

    Marschall: Haben von Messengern gesprochen. Können Sie Zuordnung erkennen?

    W.O.: Habe nichts dazu gesagt.

    Marschall: Doch. Kann man Kommunikation ĂŒber Messenger-Dienst ĂŒber E‑Mail-Adresse oder Telefonnummer zuordnen?

    W.O.: KA.

    Warken: Wer wusste noch von Ihrer ÜberprĂŒfung?

    W.O.: Habe mit niemandem intensiv gesprochen.

    Warken: Meldung nur an R.U.?

    W.O.: Ja.

    Warken: Wen hat er informiert?

    W.O.: KA.

    Warken: Danach VerĂ€nderungen, Maßnahmen?

    W.O.: Nichts festgestellt.

    Warken: Änderungen im Ablauf?

    W.O.: Nein.

    Warken: Wie genau Auftrag? Nur „such nach EU“? Oder Hinweise wie „diplo“ und „bundesamt“?

    W.O.: Nur „EU“.

    Warken: Wie vorgegangen?

    Wolff: NÖ.

    Warken: Kontakt zu Dr. T. Wann?

    W.O.: FrĂŒhjahr 2013.

    Warken: ÜberprĂŒfung Dr. T. mit Ihrer in Zusammenhang?

    W.O.: KA.

    Warken: Keine RĂŒcksprache?

    W.O.: Nein.

    Warken: ÜberprĂŒfung der Selektoren schon immer in Pullach. Andere Zeugen sagten, 2005 bis 2008 in Bad Aibling.

    W.O.: Nur PrĂŒfung auf G‑10. Bis August 2008 Bad Aibling, danach Pullach. Ab 2008 jede PrĂŒfung in Pullach.

    Warken: Im Moment Arbeitsgruppe im BND dazu. Sind Sie Teil davon?

    W.O.: [Guckt zu Wolff.]

    Wolff: Darf.

    W.O.: Welche Arbeitsgruppe wurde eingerichtet?

    Warken: Frage hat sich erledigt.

    W.O.: Waren bei mir, bin nicht Teil davon.

    Wendt: 2005–2008, wie viel BND-Mitarbeiter in Bad Aibling?

    W.O.: Circa einhundert.

    Wendt: Damals G‑10-PrĂŒfung dort. Ihr Dienstposten dazu. Waren Sie bei PrĂŒfung anwesend?

    W.O.: Habe die 2005 bis 2008 selbst gemacht.

    Wendt: Wie?

    W.O.: [
]

    Wendt: Warum nach Pullach?

    W.O.: Masse wurde zu viel, konnten wir nicht mehr leisten. (!)

    Wendt: Wie ÜberprĂŒfung? Google? HandbĂŒcher?

    Eisenberg: NÖ.

    Wendt: E‑Mail, Telefonnummer. Wo Unterschied zwischen Selektor und Selektorentyp? Ist Selektorentyp Merkmal?

    W.O.: Merkmaltyp.

    Wendt: Listen von Partner komplette DatensÀtze mit Namen von Zielpersonen?

    W.O.: NÖ.

    Wendt: Permutationen von Ihnen?

    W.O.: Mitgeliefert.

    Wendt: Umlaute ö, ĂŒ, Ă€ haben USA nicht?

    W.O.: Permutationen werden [
]

    Schipanski: Welche Arten von Daten nicht mit Selektoren gefiltert? Metadaten? Was lief durch?

    W.O.: E‑Mail, Voice, Sprache. (!)

    Schipanski: Welche Erfassungsarten?

    W.O.: Bad Aibling, Satelliten.

    Schipanski: Kenntnis, ob die in Eikonal eingesetzt wurden? Und bei Kabelerfassung?

    W.O.: Eikonal ja. Haben nur eine Datenbank. Da werden alle jemals in Bad Aibling aufgesetzten ErfassungsansÀtze geliefert. (!)

    Schipanski: Auch Kabel?

    W.O.: Ja.

    Sensburg: Permutationen mitgeliefert. Dann muss der Liefernde ja auch Strecken wissen?

    W.O.: Nein.

    Sensburg: Alle potentiellen Selektoren geliefert, unabhÀngig von Strecke.

    W.O.: Ja.

    Sensburg: Strecke entscheidet BND?

    W.O.: Ja.

    Sensburg: Deutsche Interessen gefiltert?

    W.O.: Ja.

    Sensburg: Was ist deutsches Interesse?

    W.O.: KA, prĂŒfe das nicht, kriege nur Ergebnisse aus Pullach.

    Sensburg: Wer prĂŒft das?

    W.O.: T2AB. [Abteilung Technische AufklÀrung, Unterabteilung Nachrichtenbearbeitung, Referat Beschaffungslage und Selektion, Sachgebiet Materialfluss und Selektion]

    Sensburg: Sie kennen Definition „deutsches Interesse“ nicht?

    W.O.: Nein.

    Sensburg: Spiegel Online vom 1. Mai 2015: BND-AffĂ€re: Generalbundesanwalt prĂŒft Verdacht einer Straftat: Begriff „Bundesamt“ aufgetaucht. Ihnen aufgefallen?

    W.O.: NÖ.

    Sensburg: Welche Art Filter wĂŒrde Ihnen da einfallen?

    W.O.: E‑Mail.

    Sensburg: Ich meinte eher: G‑10?

    W.O.: KA.

    Sensburg: Nicht G‑10? Ist doch deutsch.

    W.O.: Geht ja darum, ob Person geschĂŒtzt ist, nicht Amt.

    Sensburg: Behörden und Ämter nicht geschĂŒtzt, nur Personen, die dort arbeiten.

    W.O.: Ja. (!)

    Sensburg: Bundestag nicht geschĂŒtzt?

    W.O.: Juristen fragen. (!)

    Sensburg: Wer?

    W.O.: Jurist. Oder T2AB.

    Sensburg: Die auch zustĂ€ndig fĂŒr Rausnahme?

    W.O.: Ja, die machen PrĂŒfung.

    Sensburg: Abgrenzung Aufgaben von denen und ihnen?

    W.O.: Wir nehmen Selektoren entgegen, spielen in Datenbank ein, nach PrĂŒfung T2AB spielen wir’s in Erfassung ein.

    Schipanski: Einheitliche Selektoren fĂŒr alle ErfassungsansĂ€tze: Satellit und Kabel. Verschiedene Kommunikationsarten: Fax, Voice, Mail. DafĂŒr anders?

    W.O.: Haben verschiedene Datenbanken fĂŒr Telefonie und IP-Verkehr.

    Wolff: NÖ.

    Fragerunde 2: Linke (18:37)

    Renner: Haben sie Flags bei anderen Selektorentypen als E‑Mail und Telefon gesehen?

    W.O.: Ja.

    Renner: Gibt dort auch Ablehnungen?

    W.O.: Ja.

    Renner: Hat AND ErklÀrungen geliefert?

    Wolff: NÖ.

    Renner: Auch deutsche Selektoren in Datenbank?

    W.O.: IP nein, Mail ja.

    Renner: VerhÀltnis?

    W.O.: Eins zu vier.

    Renner: Zeitpunkt?

    W.O.: Aktuell.

    Renner: Hat JSA Zugang zu [
] Selektoren?

    Wolff: NÖ.

    Renner: Warum?

    Wolff: HĂ€tte nachteilige Auswirkungen auf Kooperation, wenn Details bekannt werden.

    Renner: Kooperation ist Untersuchungsgegenstand. Gab es innerhalb BeschrĂ€nkung fĂŒr US-Mitarbeiter zu Datenzugang?

    Eisenberg: Gleiche Frage.

    Renner: Nein.

    Wolff: NÖ.

    Renner: Hatten Sie nach SonderprĂŒfung nochmal mit Dr. K. gesprochen?

    W.O.: Ja, öfter?

    Renner: Zu diesem Thema?

    W.O.: KA. Haben öfters telefoniert. Zu diesem Thema: KA.

    Renner: Hatten Sie zu anderen Zeugen D.B., R.U., T.K., Dr. T. vor ihrer Aussage nochmal Kontakt?

    W.O.: Ja.

    Renner: Wie?

    W.O.: Dienstlich.

    Renner: Ging es auch um NSAUA?

    W.O.: Ja.

    Renner: Wo?

    W.O.: Bei PrÀsidenten und Zentrale?

    Renner: Sachbearbeiter bei PrÀsidenten? Wann?

    W.O.: Ende MĂ€rz 2014. (!)

    Wolff: Kein Untersuchungsgegenstand.

    Renner: Worum ging es da?

    W.O.: Sachstandsbericht fĂŒr Abteilung TA. (!)

    Renner: Einmaliges Treffen?

    W.O.: Ja, daneben Videokonferenzen.

    Renner: Daneben Mails und Telefonie?

    W.O.: Ja.

    Renner: Videokonferenzen aufgezeichnet?

    W.O.: KA.

    Renner: Außerhalb davon nochmal Treffen?

    W.O.: Zu Selektoren?

    Renner: Ja.

    W.O.: War nicht dafĂŒr, sondern allgemein.

    Renner: Ging nicht um Selektoren-PrĂŒfung?

    W.O.: Nein.

    Renner: Warum da Sachbearbeiter in PrÀsidentenrunde?

    W.O.: KA. PrÀsidenten fragen.

    Wolff: Gehört in Beratungssitzung, nicht hierher.

    Renner: Hatten Sie Dienstreisen in die USA?

    W.O.: Nein.

    Renner: Besprechungen in Bad Aibling mit US-Vertretern außerhalb JSA.

    W.O.: Möglicherweise.

    Renner: Waren Sie in JSA?

    W.O.: Ja.

    Renner: Ging um Datenweitergabe?

    Wolff: NÖ.

    Fragerunde 2: GrĂŒne (18:47)

    Notz: Warum wurde Eikonal eingestellt?

    W.O.: KA. Bin Sachbearbeiter.

    Notz: War ein Politikum?

    W.O.: Denke ich. KA.

    Notz: Auch nichts gehört?

    W.O.: Doch, aber alles Mutmaßungen.

    Notz: Ihre Theorie?

    W.O.: Weil zu wenig rauskam.

    Notz: FĂŒr wen?

    W.O.: USA.

    Notz: USA haben zu wenig bekommen?

    W.O.: Meiner Meinung nach ja.

    Notz: Nicht zu wenige Metadaten, sondern Meldungen?

    W.O.: Erfassungen.

    Notz: Und Metadaten?

    W.O.: Nicht meine Ebene.

    Notz: Kann Selektion ohne Metadaten stattfinden?

    W.O.: KA, wie das funktioniert. Haben nur etwas mit Selektoren zu tun.

    Notz: Haben Metadaten nichts mit Selektoren zu tun?

    W.O.: Denke ich.

    Notz: Sie sind verantwortlich. Haben Selektoren was mit Metadaten zu tun?

    W.O.: Weiß nicht, ob die bei Metadatenerfassung verwendet werden. (!)

    Notz: Wie heißt der Begriff, wenn man Selektor rausnimmt?

    W.O.: „Rausnehmen“.

    Notz: Etwas anderes als „löschen“?

    W.O.: Ja.

    Notz: Was bedeutet, wenn ihnen jemand sagt „löschen“?

    W.O.: Aus Erfassung nehmen.

    Notz: Warum sagt der dann „löschen“?

    W.O.: Ihn fragen.

    Notz: Wem Ergebnisse 2013 gemeldet?

    W.O.: Ich an meinen Dienstellenleiter. Wem er: KA.

    Notz: Niemand anders. KA, ob weitergegeben?

    W.O.: KA.

    Notz: Equation ist Selektoren-Paket?

    W.O.: Ja. (!)

    Notz: Wie groß?

    W.O.: Kommt auf Anzahl Permutationen an.

    Notz: 50? 1000?

    W.O.: Hundert. Fiktiv. (!)

    Notz: Paar tausend?

    W.O.: Nein.

    Notz: Okay, paar hundert. Gibt keine drÀngende Selektoren? Alle erstmal eine Woche rumgehangen?

    W.O.: Bis 2011 gab es einen Emergency Approve nach manueller PrĂŒfung vor Ort.

    Notz: Wie oft?

    W.O.: Selten.

    Notz: Was heißt das?

    W.O.: In meiner Zeit vier, fĂŒnf Mal.

    Notz: Kann man durch Permutation dasselbe Ziel wieder einspielen?

    W.O.: Nein, wir generieren Permutationen aus Selektoren technisch.

    Notz: Abschließendes System?

    W.O.: Ja.

    Notz: Beispiel Thomas MĂŒller. Gibt ja viele.

    W.O.: Unter UmstÀnden ja.

    Notz: Wie geht man damit um?

    W.O.: Wir geben die zur PrĂŒfung, die entscheidet.

    Notz: In dubio pro oder contra einstellen?

    W.O.: MĂŒssen sie PrĂŒfgruppe fragen.

    Notz: In Pullach?

    W.O.: Ja.

    Notz: Hatten Zeugen, der sagte, dass Bad Aibling zustÀndig war.

    W.O.: Bis 2008 vor Ort, danach nur Pullach.

    Notz: Warum?

    W.O.: Weil Masse an zu prĂŒfenden Selektoren zu groß war.

    Notz: Nichts passiert, deutsche Interessen berĂŒhrt?

    W.O.: Soweit ich weiß, nein.

    Fragerunde 2: SPD (18:56)

    Flisek: Sie prĂŒfen seit 2008 keine Selektoren, außer SonderprĂŒfung August 2013 auf Weisung von R.U.?

    W.O.: Ja.

    Flisek: KA, was mit Bericht passiert ist.

    W.O.: [
]

    Flisek: Kommt mir komisch vor. Die ganze Zeit haben Sie nichts damit zu tun. Auf einmal PrĂŒfauftrag aus Bad Aibling, nicht mit Pullach abgestimmt.

    W.O.: Sonderauftrag von Dienstellenleiter.

    Flisek: Das fĂŒhrt dazu, dass die rausgenommen werden?

    W.O.: Ja.

    Flisek: Bruch mit Verfahren vorher. (!) Immer prĂŒft Pullach, auf einmal Sie.

    W.O.: Habe nicht geprĂŒft, habe nachgeguckt.

    Flisek: Ja, ohne Abstimmung mit Pullach.

    W.O.: Ja.

    Flisek: Wollten Sie da nicht mit T2AB in Pullach sprechen?

    W.O.: Nein, war Auftrag.

    Flisek: Wurden Sie irgendwann von T2AB darauf angesprochen?

    W.O.: Nein.

    Flisek: Als Ergebnis kritische Selektoren ausgeschaltet?

    W.O.: Ja.

    Flisek: Liste von Dr. T. in Schwarzem Loch verschwunden?

    [GeplÀnkel mit Eisenberg.]

    Flisek: Erste Anweisung löschen bei ihnen. Gab es danach weitere Recherchen?

    W.O.: Ja, habe tiefergehend gesucht.

    Flisek: Selbe Suchkriterien oder erweitert?

    W.O.: Zum Teil erweitert.

    Flisek: Neue Treffer?

    W.O.: Ja.

    Flisek: Wie viele, mehr, weniger?

    W.O.: KA.

    Flisek: Waren MÀrz 2015 beim PrÀsidenten?

    W.O.: Ja.

    Flisek: Haben Sie ihm davon erzÀhlt?

    W.O.: Nein.

    Flisek: Was war Anlass?

    Eisenberg: Mein, nicht Untersuchungsgegenstand.

    Flisek: Rendezvous mit PrĂ€sidenten außergewöhnlich, vor allem, wenn man nicht mit Dienstellenleiter spricht. Nie mit ihm darĂŒber diskutiert?

    W.O.: Nein.

    Flisek: Wurden auch nicht befragt?

    W.O.: Nein.

    Flisek: Hat PrÀsident Sie zu Ihrer TÀtigkeit mit Selektoren befragt?

    W.O.: Ja.

    Flisek: War Thema?

    W.O.: Unter anderem.

    Flisek: War Grund des Treffens NSAUA?

    W.O.: Nein.

    Flisek: Mit PrĂ€sident ĂŒber Selektoren gesprochen?

    W.O.: Ja.

    Flisek: Hat er gefragt, was sie in Bad Aibling mit Selektoren machen?

    W.O.: War grundsÀtzlich.

    Flisek: Haben sie geredet?

    W.O.: Waren viele.

    Flisek: R.U., D.B. dabei?

    W.O.: Ja.

    Flisek: Dr. T. dabei?

    Wolff: Ich gehe davon aus, er geht davon aus, dass er das Treffen meint, bei dem ich war.

    Sensburg: Das muss Zeuge selbst sagen.

    Flisek: Anlass des Treffens war NSAUA?

    W.O.: [Eisenberg redet auf ihn ein. Wolff grinst.] Gibt Sachstandsbericht Abteilung TA. Dazu gab es Treffen mit PrÀsident.

    Flisek: Ein Treffen?

    W.O.: Eins bei PrÀsident in Berlin, eins am Folgetag in Pullach mit Altmaier. (!!)

    Flisek: Hat ein Vorgesetzter von Ihnen bei Treffen berichtet?

    Wolff: Außerhalb Untersuchungszeitraum.

    Sensburg: Welcher Zeitpunkt?

    Eisenberg: Will mit Zeugen reden.

    Sensburg: Zwei Minuten Pause. (19:11)

    [Eisenberg, W.O., Wolff und andere reden.]

    Eisenberg: Treffen war MÀrz 2015. BeschrÀnkung der Aussagegenehmigung.

    Sensburg: Ging es im MĂ€rz 2015 um Gegenstand des Untersuchungsauftrags?

    Wolff: Keine Aussagegenehmigung. Beratungssitzung morgen.

    Flisek: Ich will wissen, ob Zeugen bei Treffen Sachverhalte referieren, die wir noch nicht auf dem Bildschirm haben. Schonmal EADS/Eurocopter gehört?

    W.O.: Ja.

    Eisenberg: NÖ.

    Fragerunde 3: GrĂŒne (19:15)

    Notz: Kann eingestuft sein, wird breit diskutiert. Sind Sie auf diese Begriffe gestoßen?

    W.O.: NÖ.

    Notz: Warum?

    Wolff: Staatliches Interesse, aber auch potentielle Firmeninteressen. Zu dem Inhalt haben sich die Firmen nicht geĂ€ußert.

    Notz: Mehrere Zeugen haben das öffentlich gesagt, u.a. Urmann.

    Wolff: Nicht zu Einzelheiten. NÖ.

    Notz: Bis 2008 G‑10-PrĂŒfung in Bad Aibling. Richtig?

    W.O.: Ja.

    Notz: Wie?

    Wolff: Abstrakt war schon. Details NÖ.

    Notz: Ablauf August 2013. Wann haben sie ersten Suchauftrag erteilt bekommen?

    W.O.: Mitte August.

    Notz: Wie lange PrĂŒfung?

    W.O.: Ein Tag.

    Notz: Was stand in E‑Mail zu Rapport?

    W.O.: Informiert.

    Notz: Wann fangen sie an zu arbeiten?

    W.O.: Sechs Uhr.

    Notz: PrĂŒfung nur eine Stunde?

    W.O.: Nein.

    Notz: Folgeauftrag „löschen“?

    W.O.: Ja. Dann weiter gesucht.

    Notz: GesprÀch mit ihm?

    W.O.: Nein.

    Notz: Selbst weiter gesucht?

    W.O.: Ja.

    Notz: Warum?

    W.O.: Weil mehr drin sein wĂŒrde.

    Notz: Warum dann so schnell Ergebnis?

    W.O.: [
]

    Notz: Dann weiter gesucht?

    W.O.: Ja.

    Notz: Und nicht zurĂŒckgemeldet?

    W.O.: Genau.

    Notz: Warum?

    W.O.: Auftrag war, nach EU-Ministerien zu suchen, die habe ich dann auch weiter gelöscht.

    Notz: Wie lange noch gesucht?

    W.O.: Drei Wochen.

    Notz: Da Sie es nicht mal Ihrem Chef gemeldet haben, weiß niemand außer Ihnen, wie viele das waren?

    W.O.: Ja.

    Notz: Wie viele waren das?

    Wolff: NÖ.

    Notz: In mehreren Chargen nachgelöscht?

    W.O.: Ja.

    Notz: Wenn Bundeskanzleramt uns Ergebnisse sagt, könnte es sein, dass Ihre nicht dabei sind?

    W.O.: KA:

    Notz: Gehen abgelehnte in Ablehnungdatei?

    W.O.: Haben Status abgelehnt und gehen nicht in Erfassung.

    Notz: Wurde dadurch Gesamtzahl der Selektoren drastisch gesunden?

    W.O.: Ja.

    Notz: Von 8,2 auf 4,6 Millionen? (!)

    W.O.: Waren nicht mal ein paar hunderttausend. (!)

    Wolff: NÖ.

    Notz: SĂŒddeutsche vom 19. Mai. August 2013 bis 16. MĂ€rz 2015 Halbierung der Selektoren. Können Sie nicht erklĂ€ren?

    W.O.: Nein. (!)

    Notz: KA, wie viele von Dr. T. gelöscht wurden?

    W.O.: Nein.

    Notz: War ihre Nachforschung in Selektorenlisten, die Dr. T. gar nicht hatte?

    W.O.: KA.

    Notz: Können Sie ausschließen?

    W.O.: Nein. (!)

    Notz: Bis 2008 G‑10-PrĂŒfung in Bad Aibling, danach Pullach, weil zu viele.

    W.O.: Ja.

    Notz: Kurios. Eikonal 2008 zu Ende. Auf einmal so viele Selektoren, dass man Standort wechseln musste?

    W.O.: Wir haben nie zwischen Satellit- und Kabelerfassung getrennt.

    Notz: Immer beides erfolgt, auch 2008?

    W.O.: Ja.

    Notz: Schön. Bis heute?

    Wolff: NÖ.

    Notz: Nicht nur Satellit?

    W.O.: Genau.

    Fragerunde 3: Linke (19:25)

    Renner: Haben Sie Meldungen gesehen?

    W.O.: Kollegen haben auf dem Gang erzÀhlt.

    Renner: Gab es AuffÀlligkeiten?

    W.O.: Ja.

    Renner: Welche? G‑10-relevant, EU-relevant.

    Wolff: NÖ. Eingestuftes Material.

    Renner: Was dann?

    W.O.: Dann haben wir 20AD informiert und Ergebnis gelöscht.

    Renner: Inhaltsdaten?

    W.O.: Ja.

    Renner: Wie geht das in automatisiertem Verfahren.

    W.O.: Am Ausgang steht ja DAFIS.

    Renner: Disapproved wird dokumentiert?

    W.O.: Ja.

    Renner: Wie?

    W.O.: [Guckt zu Wolff.]

    Wolff: NÖ.

    Renner: Ab 2008 rĂŒckverfolgbar?

    Wolff: Datenbank NÖ.

    Renner: Frage, was disapproved wurde?

    Wolff: Genau.

    Renner: Will wissen, ob man rĂŒckverfolgen kann, was seit 2008 abgelehnt wurde.

    Wolff: Geht um FunktionalitÀt der Datenbank.

    Renner: Wie findet man herausgenommene Selektoren?

    W.O.: Suchfunktion.

    Renner: Information aus Pullach so eindeutig?

    Wolff: Datenbank NÖ.

    Renner: Mit US-Kollegen zusammengearbeitet?

    W.O.: Waren ein Fachgebiet?

    Renner: Getrennte Zimmer?

    W.O.: Ja.

    Renner: Dependance auf US-Seite?

    W.O.: Ja.

    Renner: Welche Aufgabe?

    W.O.: Deutsche Begriffe nach US-Recht zu prĂŒfen. (!)

    Renner: Deutsche Selektoren in Bad Aibling ĂŒbergeben. Dann?

    W.O.: Haben die gesagt, was wir nicht einstellen dĂŒrfen.

    Renner: Was sollte rausgenommen werden?

    Wolff: Einzelheiten der Zusammenarbeiten. Memorandum of Agreement (MoA). Ist eingestuft.

    Renner: Welche ZugÀnge zur Selektoren-Datenbank hatten beide Seiten?

    Wolff: NÖ.

    Renner: Vor FrĂŒhjahr 2015 nochmal zur Abgabe von Sachstandsbericht o.Ă€. zu Selektoren?

    W.O.: Nein.

    Renner: Selektoren von europÀischen Regierungen. Auch EU-Institutionen?

    Wolff: NÖ.

    Renner: Haben im Internet recherchiert.

    W.O.: Wenn AuffÀlligkeiten waren, haben wir die auch benutzt.

    Renner: Was?

    W.O.: Wenn bei Selektor noch was anderes dabei war. NÖ.

    Fragerunde 4: GrĂŒne (19:34)

    Notz: Deutsche Interessen vs. G‑10. Ab welchem Jahr berĂŒcksichtigt?

    W.O.: T2AB fragen.

    Notz: Wissen Sie nicht?

    W.O.: Nein.

    Notz: Spielt bis heute keine Rolle?

    W.O.: KA. T2AB fragen.

    Notz: Sie bekommen doch mit, welche Selektoren zurĂŒck kommen, nicht nicht gehen.

    W.O.: Ja.

    Notz: Dabei werden Sie das doch mitbekommen.

    W.O.: Manchmal sind Sachen, die ich mir nicht erklÀren kann. KA, ob deutsche Interessen.

    Notz: Listen in Snowden-Unterlagen. [sucht] JSA Restriction. Deutsche Übersetzung. Folgende Domains nicht zugelassen. VollstĂ€ndige Liste der LĂ€ndercodes hier verfĂŒgbar. Dokument MAT A Sek‑4–1m_DE, Blatt 2. Da stehen Endungen: .as, .at, .eu. ch. Zwölf. Warum die?

    W.O.: KA.

    Notz: Liste der Körperschaften: dhl.com, eads.net, eurocopter.com, siemens.com, klimawandel.com, neueeinheit.com, orgelbau.com. Tarnfirmen des BND?

    W.O.: NÖ.

    Notz: Können was sagen?

    W.O.: Ja.

    Notz: Renner besteht auf feuerwehr-ingolstadt.com.

    Sensburg: Ruhe im Saal.

    Notz: Können Sie NÖ sagen?

    W.O.: Ja. (!)

    Notz: Haben die USA US-Interessen ausgefiltert?

    W.O.: KA.

    Notz: War nie Thema?

    W.O.: Nein.

    FormalitÀten: Vorsitzender (19:40)

    Beschluss Ausschluss der Öffentlichkeit.

    Jetzt Zeuge „W. K.“ öffentlich.

    FormalitÀten: stellvertretende Vorsitzende (19:55)

    $FormalitÀten

    Zeuge 2: Wilfried Karl „W. K.“, BND, Unterabteilungsleiter T1

    Rechtsbeistand ist Johannes Eisenberg.

    Name ist W. K., bin UAL, Pullach.

    Fragerunde 1: CDU/CSU (19:57)

    Warken: Letztes Mal D.B., der Sie angewiesen hatte. Was hat D.B. Ihnen gesagt, warum er den Auftrag erteilt hat?

    W.K.: D.B. hatte im August 2013 telefonisch informiert, dass er eine Außer-der-Reihe-PrĂŒfung von US-Selektoren vorgenommen hat und abzulehnende gefunden hat, in grĂ¶ĂŸerer Zahl als ĂŒblich. GrĂŒnde: KA.

    Warken: Was war sein Auftrag, der an Dr. T. ging?

    W.K.: KA. Sommer 2013 war viel los. Nicht meine ZustĂ€ndigkeit. Er war verlĂ€sslicher UAL. Ich war damals meistens hier, ErklĂ€rungen und Stellungnahmen fĂŒr parlamentarische Anfragen.

    Warken: Mehr unzulĂ€ssige Selektoren als ĂŒblich gefunden. Was ist ĂŒblich?

    W.K.: Im November hatte ich hier ĂŒber SelektorenprĂŒfung berichtet. Nicht meine ZustĂ€ndigkeit. Hatte GrĂ¶ĂŸe des Suchprofils gesagt. Muss nach links gucken.

    Wolff: Zahlen NÖ.

    Warken: Vielzahl wie ĂŒblich? Vierfach? Hundertfach?

    W.K.: KA. Nicht meine ZustÀndigkeit.

    Warken: Wussten aber, dass Dr. T. damit befasst war?

    W.K.: Nein.

    Warken: Wussten Sie, was er gemacht hat?

    W.K.: Nach den ĂŒblichen Kriterien geguckt, G‑10.

    Warken: Auch nicht nachgefragt?

    W.K.: Nein, war mit anderer Arbeit mehr als ausgelastet. War nicht zustÀndig.

    Warken: Haben Sie ihn angewiesen?

    W.K.: Kann ich nicht.

    Warken: Was dann?

    W.K.: Er hat mich informiert.

    Warken: Und dann?

    W.K.: Selektoren nicht meine ZustÀndigkeit.

    Warken: Schlussfolgerungen?

    W.K.: ZustÀndigkeit in seinem Bereich.

    Warken: Warum dann mit Ihnen gesprochen?

    W.K.: KA. (!)

    Warken: Haben Sie AL berichtet?

    W.K.: Nein, nur in meiner ZustÀndigkeit.

    Warken: Höhere Anzahl als ĂŒblich unzulĂ€ssig. Gesamtzusammenhang. Zusammenarbeit mit USA in Schlagzeilen. Brisante Information. Nicht sensibilisiert?

    W.K.: War fĂŒr mich keine Brisanz erkennbar. Er war zustĂ€ndig.

    Warken: Was wÀre dann brisant, das Sie berichten?

    W.K.: Mein ZustÀndigkeitsbereich. Wenn eine Erfassung ausfÀllt. Aber Steuerung und Nachrichtenbearbeitung ist nicht meine ZustÀndigkeit.

    Warken: Gibt es Dienstanweisung, was man berichten muss?

    W.K.: KA.

    Warken: Sie entscheiden eigenstÀndig, was Sie berichten?

    W.K.: Es gibt Dienstanweiseung fĂŒr manche Dinge, wie besondere Vorkommnisse. Aber bin nicht der Vorgesetzte.

    Warken: Wurde das in letzter Zeit geÀndert?

    W.K.: KA.

    Warken: Selektoren verwendet?

    W.K.: Satelliten in Krisengebieten und Eikonal.

    Warken: Und andere Erfassungen?

    Wolff: Kein Untersuchungsgegenstand.

    Warken: SĂŒddeutsche am 23. April 2015: Kanzleramt erteilt BND scharfe RĂŒge

    Nach den Snwoden-EnthĂŒllungen im Jahr 2013 Jahr soll im BND deshalb eine geheime Arbeitsgruppe eingerichtet worden sein, die sich die Selektoren noch einmal genau angesehen hat. Bis zu 40 000 problematische Selektoren sollen in den Jahren davor vom BND hausgefiltert worden sein. Als sich die BND-Mitarbeiter dann die Selektoren noch einmal vornahmen, sollen 2000 weitere und vor allem aktive Selektoren gefunden worden sei. Über diese Funde sind jedoch angeblich weder das Bundeskanzleramt noch der Ausschuss informiert worden.

    Warken: Ist das zutreffend?

    W.K.: Kenne Artikel nicht, KA von geheimer Arbeitsgruppe.

    Warken: Wann ĂŒberprĂŒft?

    W.K.: Von Beginn an regelmĂ€ĂŸig.

    Warken: Bei Einstellung?

    W.K.: Ja.

    Warken: NachprĂŒfung?

    W.K.: [Redet mit Wolff.] Ich war nicht zustĂ€ndig. Bin erst seit MĂ€rz 2015 Teil der Projektgruppe zur Ausarbeitung dafĂŒr und weiß das daher. Aus meiner Zeit aber nicht.

    Warken: Keine Kenntnis von PrĂŒfung?

    W.K.: Weiß aus SĂŒddeutscher Zeitung. War nie Teil davon.

    Warken: Bei erster Anhörung haben Sie das nicht erwÀhnt.

    W.K.: Bedeutung wurde mir erst MĂ€rz 2015 mit Arbeitsgruppe klar.

    Warken: Mit D.B. gesprochen?

    W.K.: War nichts Besonderes.

    Warken: Abgelehnte Selektoren an USA gemeldet?

    W.K.: [
] War meine Kenntnis damals, ist heute anders.

    Warken: Also USA nur abgelehnt und fertig?

    W.K.: Soweit ich weiß.

    Warken: Soweit ich weiß oder so war’s?

    W.K.: Soweit ich weiß.

    Fragerunde 1: Linke (20:16)

    Renner: Haben Sie Protokolle gelesen?

    W.K.: Ja, habe die ja bekommen.

    Renner: Vor heute nochmal gelesen?

    W.K.: Nicht konkret.

    Renner: Wollen Sie irgendwas korrigieren?

    W.K.: Habe zu einigen Punkten mittlerweile eine andere Kenntnis, aber leider keine Aussagegenehmigung. (!)

    Renner: Waren nie Teil der SelektorenprĂŒfung?

    W.K.: Ja.

    Renner: Wie können Sie dann darĂŒber berichten?

    W.K.: Habe mich in Akten eingelesen.

    Renner: Das ist aber keine Zeugenaussage.

    W.K.: War oftmals fast schon SachverstÀndiger.

    Renner: Akten von anderen gelesen und vorgetragen. Sind aber Zeuge.

    W.K.: Hatte ich dazu gesagt.

    [Unruhe mit Eisenberg.]

    Renner: Kann Ihre Aussage besser einordnen. Ab wann wurden deutsche Interessen berĂŒcksichtigt?

    W.K.: Etwa 2005.

    Renner: Was sind deutsche Interessen?

    W.K.: Keine formalen G‑10, sondern trotzdem schutzwĂŒrdige deutsche Interessen.

    Renner: Wer legt das fest?

    W.K.: Andere Unterabteilung, die mit SelektorenprĂŒfung.

    Renner: Die legen das fest?

    W.K.: Ja.

    Renner: Nach welchen MaßstĂ€ben?

    W.K.: Weiß ich nur aus Projektgruppe und Akten.

    Renner: Seit wann deutsche Interessen berĂŒcksichtigt?

    W.K.: Seit zwei Jahren.

    Renner: Spielten europÀische Behörden bei Bericht von D.B. eine Rolle?

    W.K.: KA, habe Liste nie gesehen.

    Renner: Bei PrĂŒfung in Bad Aibling im August 2013 wurden europĂ€ische Behörden gefunden. HĂ€tte es da Meldepflicht gegeben?

    W.K.: KA.

    Renner: Besonderes Vorkommnis?

    W.K.: Nein.

    Renner: Wenn ÉlysĂ©e-Palast draufsteht, ist das ein besonderes Vorkommnis?

    W.K.: KA.

    Renner: AND-Partner will Regierung von befreundetem Land ausspÀhen. Nichts Besonderes?

    W.K.: Nicht meine ZustÀndigkeit.

    Eisenberg: GefĂŒhle gehören nicht dazu.

    Renner: [
]

    W.K.: Im Sommer 2013 war viel los. SelektorenprĂŒfung war nicht meine ZustĂ€ndigkeit.

    Renner: D.B. berichtet Ihnen?

    W.K.: Nein, muss er auch nicht. Hat mich informiert. Ich war nicht zustÀndig.

    Renner: Gab es Erlass zu besonderem Schutz europÀischer Interessen? (!)

    W.K.: Ja.

    Renner: Warum?

    W.K.: Kanzlerin: „AusspĂ€hen unter Freunden – das geht gar nicht.“

    Renner: Dann passierte was?

    W.K.: Wurde Folge geleistet.

    Fragerunde 1: SPD (20:26)

    Flisek: Sie sind ja hier Stammgast. Sommer 2013 viel Arbeit. Snowden. Gut ausgelastet.

    W.K.: Ja.

    Flisek: War ja zusÀtzliche Arbeit.

    W.K.: Ja.

    Flisek: Hatten Sensibilisierung fĂŒr Problematik, hatten parlamentarische Anfragen?

    W.K.: Nicht alle, nur fĂŒr Technik. Die Technik versteht kein NormalbĂŒrger.

    Flisek: Vorbereitende Arbeit fĂŒr Bundesregierung?

    W.K.: Ja.

    Flisek: SelektorenprĂŒfung in Pullach. Mehrmals tĂ€glich von USA abgeholt, wöchentlich geprĂŒft, zurĂŒck nach Bad Aibling, die haben es eingestellt.

    W.K.: Ja.

    Flisek: Jetzt findet in Bad Aibling, das sie verantworten, zum ersten Mal eine eigene ÜberprĂŒfung statt.

    W.K.: Nein, in Pullach.

    Flisek: D.B. war Pullach. W.O. war gerade da, der war in Bad Aibling. Kein D.B., kein Dr. T. Warum zum ersten Mal?

    W.K.: D.B. hatte das veranlasst.

    Flisek: D.B. hat mit Ihnen gesprochen.

    W.K.: Ja.

    Flisek: Ist ja schon mal was. Was haben sie besprochen?

    W.K.: Er hat mich informiert, dass er PrĂŒfung außer der Reihe vorgenommen hat. Viele schlechte Selektoren. Alles weitere macht er mit Bad Aibling. Alles weitere hat mich nicht interessiert.

    Flisek: Unerhebliche Anzahl Selektoren scharf gestellt, die sich nachtrÀglich als gegen deutsche Interessen herausgestellt haben, nur aufgrund von Stichprobe. Und Sie sagen, dann gibt der andere UAL T2 D.B. an ihren R.U. in ihrer Unterabteilung Weisungen.

    W.K.: Deswegen hat er mich ja informiert.

    Flisek: Hatten Sie die Liste?

    W.K.: Nein.

    Flisek: Und keinen Anlass, die vorlegen zu lassen?

    W.K.: Nein. Nicht meine ZustÀndigkeit.

    Flisek: Mein Eindruck: Eine Seite schiebt der andern die Verantwortung zu. Wir haben die Akten zur Zusammenarbeit gesehen. Da waren Warnungen drin. Dann Snowden. Dann 2.000 Selektoren gegen deutsche Interessen. Warum nicht zum PrÀsident gegangen? Es hat sich NSAUA abgezeichnet.

    W.K.: Ja.

    Flisek: D.B. gefunden. R.U. angewiesen. Ihre Abteilung.

    W.K.: Es gibt eine Verteilung der GeschÀfte.

    Flisek: MĂ€rz 2014 NSAUA konstituiert. Einsetzungsauftrag öffentlich, Bereich II: BND und NSA. Keine Glocken gelĂ€utet in Bad Aibling und TA? Jetzt sind Sie in der PrĂŒfgruppe. Irgendwann musste doch da mal aufgeschlagen sein.

    W.K.: Es ist leicht, das mit der heutigen Kenntnis zu sagen. Ich hatte keinen Anlass und keine ZustÀndigkeit.

    Flisek: Was hat ihnen D.B. damals gesagt?

    W.K.: PrĂŒfung US-Selektoren aus der Reihe, mehr Ablehnungen als ĂŒblich. Alles weitere mit Dienststelle Bad Aibling veranlassen. Glaubhaft oder nicht, so war es.

    Flisek: Sie haben nie gesagt, dass das gemeldet werden muss?

    W.K.: Der ist zuverlĂ€ssig genug und hĂ€tte es mir nicht sagen mĂŒssen.

    Flisek: Er kann auch ohne Ihr Wissen Ihren R.U. anweisen?

    W.K.: Nein, aber ich bin nicht sein Vorgesetzter.

    Flisek: Sie wissen, was das fĂŒr einen Eindruck hinterlĂ€sst. Befehle nicht hinterfragt, relevante VorgĂ€nge als nicht-relevant eingestuft. Das Bundeskanzleramt sagte am 23. Apil 2015: FernmeldeaufklĂ€rung des Bundesnachrichtendienstes: „Im Rahmen der Dienst- und Fachaufsicht hat das Bundeskanzleramt technische und organisatorische Defizite beim BND identifiziert.“ Sie erwecken den Eindruck, das sei ĂŒblich. Ich will weiterhin Geheimdienste in Deutschland, da mĂŒsste das Einzelfall bleiben. Ich habe den Eindruck, dass das wieder passieren kann. (!)

    W.K.: Sie setzen voraus, dass wir damals schon die Kenntnisse von heute gehabt haben.

    Flisek: Hat D.B. das offensichtlich nicht gemeldet und Sie haben sich nicht gekĂŒmmert?

    W.K.: KA. Hypothetische Frage.

    Flisek: HĂ€tten Sie es gemeldet?

    W.K.: KA. MĂŒsste ich mich mit Fall nĂ€her beschĂ€ftigen. Fragen Sie doch D.B. (!)

    Flisek: Was machen Sie in PrĂŒfgruppe?

    W.K.: Vorgang aufarbeiten.

    Flisek: DarĂŒber keine Gedanken? Komisch. Massives Fehlverhalten, kulminiert an Ihnen und D.B.

    W.K.: Welches Fehlverhalten?

    Flisek: Keine Sensibilisierung, nach Snowden nach StichprobenprĂŒfung das Ergebnis nicht zu melden.

    Fragerunde 1: GrĂŒne (20:24)

    Notz: Zwei Minuten Unterbrechung. Mit Wolff und Obleuten reden.

    [Unterbrechung.]

    Sensburg: Geht weiter. Weniger LĂ€rm, keine Kommentierungen.

    Notz: Sind zum dritten Mal hier. Ist das alles, was Sie zum Gesagten korrigieren wollen?

    W.K.: Sehe keinen Anlass fĂŒr weitere Korrekturen.

    Notz: Wann Auftrag?

    W.K.: Juli oder August 2013?

    Notz: Gemeldet nach oben oder unten?

    W.K.: Ja.

    Notz: Sind sie als AL T1 fĂŒr Außenstellen Bad Aibling, Schöningen, Rheinhausen 
 und Husingen zustĂ€ndig?

    W.K.: Ja.

    Notz: Die schlechten Selektoren liefen damals live?

    W.K.: War mich nicht bewusst.

    Notz: Interessant, wir fragen ihn gleich.

    W.K.: KA.

    Notz: Sie waren zustĂ€ndig fĂŒr FernmeldeaufklĂ€rung – strategisch und operativ. Zehntausende problematische Selektoren geschaltet sind nicht wesentlich?

    W.K.: Korrekt. Aber Selektoren nicht meine ZustÀndigkeit.

    Wolff: ZustÀndigkeit eingestuft.

    Notz: Er sagt ja alles, wofĂŒr er nicht zustĂ€ndig ist, sonst absurd. Warum wird er angerufen, im Need To Know, wenn er nicht zustĂ€ndig ist?

    W.K.: Hatte das November 2014 hier schon gesagt: Unterabteilung T2 ist zustÀndig.

    Notz: Können Sie nicht trennen.

    W.K.: Doch.

    Notz: Das Bundeskanzleramt sagte am 23. Apil 2015: FernmeldeaufklĂ€rung des Bundesnachrichtendienstes: „Im Rahmen der Dienst- und Fachaufsicht hat das Bundeskanzleramt technische und organisatorische Defizite beim BND identifiziert.“ Wen meinen die?

    W.K.: Bundeskanzleramt fragen.

    Notz: D.B. [
]

    W.K.: Hat mich telefonisch informiert.

    Notz: Deren eigene PrĂŒfung wurde Ihnen nicht mitgeteilt?

    W.K.: Nein.

    Notz: Weitere PrĂŒfung R.U. und W.O., haben Sie nie gehört?

    W.K.: Jetzt, in Aufarbeitung Projektgruppe.

    Notz: Vorher nicht?

    W.K.: Nein.

    Notz: D.B./Dr. T. und R.U./W.O. waren zustÀndig?

    W.K.: KA.

    Notz: D.B. hat Dr. T. beauftragt?

    W.K.: KA.

    Notz: Das hören Sie hier zum ersten Mal? Auch im Bundeskanzleramt nie gehört?

    Wolff: Keine Aussage.

    Notz: Davor nie gehört, dass R.U. und W.O. eigene PrĂŒfung gemacht haben?

    W.K.: Nein. (!)

    Notz: Von wann ist Dienststellenanweisung zum Schutz deutscher Interessen?

    W.K.: Herbst 2013. (!)

    Notz: Aussage der Kanzlerin: „AusspĂ€hen unter Freunden – das geht gar nicht“ fĂŒhrt dazu, dass Sie das Ă€ndern?

    W.K.: Nein, weil Dienststellenanweisung.

    Notz: Keine Korrelation?

    W.K.: KA.

    Notz: Was haben Sie als Schlussfolgerung von Snowden veranlasst?

    W.K.: Nichts.

    Notz: Was war Ihre Arbeit?

    W.K.: Anfragen, Technik erklÀren, Metadaten.

    Notz: Haben Sie gute Kontakte ins Bundeskanzleramt?

    W.K.: Nicht, dass ich wĂŒsste.

    Notz: Haben nicht direkt ins Bundeskanzleramt gemeldet?

    W.K.: Nein.

    Fragerunde 2: CDU/CSU (20:59)

    Wendt: Was haben Sie im August 2013 gedacht? Was wĂŒrden Sie anders entscheiden?

    W.K.: Viel Arbeit. Nachts, Wochenende. Arbeitsbelastung enorm.

    Wendt: Was?

    W.K.: Nach Veröffentlichungen ĂŒber Millionen Metadaten im Spiegel: Schock. Mussten herausfinden, was passiert und aufarbeiten. Technische ZusammenhĂ€nge erlĂ€utern. Wöchentliche Berichterstattung, nicht ganz wöchentliche Sondersitzungen im PKGr.

    Wendt: Normale Arbeit ging weiter? Neue Mitarbeiter fĂŒr neue Arbeit, zusĂ€tzlich zu normaler?

    W.K.: Hat versucht, das weiter laufen zu lassen. War ja nicht jeder direkt betroffen. Leute fĂŒr SonderauftrĂ€ge identifiziert.

    Wendt: VerhÀltnis Arbeitsbelastung?

    W.K.: Manchmal Luft. Betraf ja nicht alle.

    Wendt: Gibt es eine Liste mit allen E‑Mail-Adress-Endungen der Regierungen aller LĂ€nder? Gibt es ein Buch?

    W.K.: [Redet mit Wolff.] Ein Buch nicht. Aber es gibt ein PrĂŒfprofil, da ist das drin. Bin aber nicht zustĂ€ndig.

    Wendt: Das könnte man zur SelektorenprĂŒfung heranziehen?

    W.K.: Nein, SelektorenprĂŒfung nicht ĂŒberall, sondern dort. KA, wie die das handhaben. Habe das nie gemacht.

    Fragerunde 2: Linke (21:06)

    Renner: Haben letztes Mal ĂŒber Kontrollsystem gesprochen.

    W.K.: Ja. (!)

    Renner: Gehört dazu auch SelektorenprĂŒfung?

    W.K.: Nein. NÖ.

    Renner: Aber dazu muss man sie haben?

    W.K.: Sind ja im Erfassungssystem.

    Renner: Sie waren einer der wenigen, die sich mit dem Kontrollsystem beschÀftigt haben. (!)

    W.K.: [
]

    Wolff: NÖ.

    Renner: Er sagt immer nur, dass er nicht zustÀndig war, zwei Dutzend Mal. [Anmerkung netzpolitik.org: 29.]. Aber er hat sich mit Selektoren beschÀftigt. Widerspruch aufdröseln.

    W.K.: Finde ich komisch. Hatte damit nichts zu tun. Sage immer die Wahrheit. Auch letztes Mal.

    Renner: Dann nochmal: Was ist Aufgabe des Kontrollsystems zu Selektoren?

    Wolff: NÖ.

    Renner: Vorhin war „W.O.“ hier. Hat die Arbeit nochmal gemacht, die jemand anders auch schon getan hat. In der Stresssituation. Warum? Wollte Pullach Bad Aibling kontrollieren und Bad Aibling wollte Pullach zuvor kommen?

    W.K.: Unterstellung. Haben uns nicht zusammengesetzt.

    Renner: Kontrolle entglitten: Acht bis neun Millionen Selektoren waren live geschaltet.

    Wolff: Woher Zahlen?

    Renner: Zeit Online: Selbst der BND weiß nicht, was NSA-Selektoren suchen.

    Wolff: Von Ihnen auf Zeit Online?

    Renner: Ich bin keine Autorin, ich bin Abgeordnete.

    W.K.: Was war Frage?

    Renner: War darunter eine hohe Anzahl, zu denen man nicht weiß, welchen LĂ€ndern sie zugeordnet sind und man Sorgen hatte, dass das deutsche Interessen und deutschen Gesetzen widersprechen könnte?

    W.K.: DafĂŒr gab es SelektorenprĂŒfung.

    Renner: Wie viele Arten von Selektoren gibt es?

    W.K.: Hunderte. (!)

    Renner: Wie viele kann man einem Land zuordnen?

    W.K.: KA. Jetzt weiß ich das. Sind nicht so viele, wie Sie implizieren. Aber dazu kann ich nichts aussagen.

    Renner: [
]

    W.K.: Öffentlich schwer. Sie gehen davon aus, dass ein Selektor/TKM alleine steht. Aber zu Zielen gehören ja mehreren TKM. Wenn sie nur ein TKM zu Ziel zuordnen, sind ja alle zugeordnet. (!)

    Renner: Aber fĂŒr Equations kann ich das nicht?

    W.K.: Es gibt noch ein paar andere Selektoren, an denen man Land oder Nutzer festmachen kann. NÖ.

    Renner: Wurde das vor NSAUA schon mal angesprochen?

    W.K.: KA.

    Renner: Wurden sie ĂŒber deaktivierte Selektoren informiert?

    W.K.: Nein.

    Renner: Kannten sie Ablehnungsliste?

    W.K.: Liste nicht.

    Renner: Datei?

    W.K.: Nein. Habe im November hier berichtet, dass es so etwas nicht gibt. Jetzt ist das falsch. Ich wusste das nicht. (!)

    Fragerunde 2: SPD (21:17)

    Flisek: Letztes Mal haben wir EADS/Eurocopter besprochen.

    W.K.: Ja.

    Flisek: Damals sagten Sie, dass Sie das verhindert haben, bis zur manuellen PrĂŒfung.

    W.K.: KA.

    Flisek: Wie alle Zeugen bereiten Sie sich vor. Warum haben sie das in der Vorbereitung nicht bearbeitet? Haben uns ja lange ĂŒber zwei bis drei Begriffe unterhalten. Daran konnte man sehen, wie ernst das ist. Warum haben sie das damals nicht gesagt?

    W.K.: Weil ich es nicht wusste.

    Flisek: D.B. hat Liste gefunden. Sie haben sich mit ihm besprochen. Wir haben ĂŒber zwei kritische Begriffe geredet. Jetzt kommt das hoch, obwohl das lĂ€ngst hĂ€tte passieren mĂŒssen. Warum taucht das erst jetzt auf?

    W.K.: Haben dem damals nicht die Bedeutung beigemessen. Von Ablehnungsdatei habe ich erst MĂ€rz 2015 erfahren.

    Flisek: Weder W.O. noch R.U. haben sie jemals informiert, dass im August 2013 mehrere zehntausend unzulÀssige Selektoren gefunden und deaktiviert wurden?

    W.K.: Ja.

    Flisek: Bis jetzt?

    W.K.: Bis zur Projektgruppe, ja.

    Flisek: Auch Dr. T. hat sie nie informiert?

    W.K.: Er nicht.

    Flisek: UA?

    W.K.: Er hat mir gesagt, dass er PrĂŒfung veranlasst hat.

    Flisek: „Mehr als ĂŒblich“?

    W.K.: Ich erinnere mich nicht an eine Zahl.

    Flisek: Nicht nur QuantitĂ€t, sondern QualitĂ€t. Nicht prĂ€ventiv gefunden, sondern scharf gestellt. Hat er mit Ihnen darĂŒber gesprochen?

    W.K.: Nein. Schwankende Anzahl war normal.

    Flisek: Unterschied proaktive und retrospektive PrĂŒfung?

    W.K.: Kenne ich erst im Nachhinein.

    Flisek: War Ihnen damals nicht bekannt?

    W.K.: Nein.

    Flisek: Mit D.B. auch nicht darĂŒber gesprochen, wie man mit dem Vorgang weiter umgeht?

    W.K.: Nein. Er wusste genau so gut wie ich, wie damit umzugehen ist.

    Flisek: Was heißt das?

    W.K.: Besondere Vorkommnisse muss man an AL melden. Aber nicht an anderen UAL.

    Flisek: War es nicht?

    W.K.: Steuerung und nachrichtendienstliche Bearbeitung ist ZustÀndigkeit.

    Flisek: Hat unsere gesamte SelektorenprĂŒfung in den letzten Jahren erhebliche MĂ€ngel? Sehr relevant. (!)

    W.K.: Damals nicht.

    Fragerunde 2: GrĂŒne (21:29)

    Notz: Warum wurde Eikonal beendet?

    W.K.: Maschinelle G‑10-PrĂŒfung der Ergebnisse war so nicht durchfĂŒhrbar. (!)

    Notz: Was heißt das?

    W.K.: Hatten Vorgaben, dass das 100 % maschinell durchzufĂŒhren ist, nicht 99,99 %. Das war nicht machbar.

    Notz: War das Meldungen und Inhaltsdaten?

    W.K.: Ja.

    Notz: Nicht Metadaten? (!)

    W.K.: [Guckt zu Wolff.]

    Wolff: Details der Operation NÖ. (!)

    W.K.: NÖ. (!)

    Notz: Gab es AuffÀlligkeiten und Probleme bei Eikonal mit Selektoren 2007/2008?

    W.K.: EADS, Eurocopter.

    Notz: Wann?

    W.K.: 2005.

    Notz: Und drei Jahre spÀter? Viel Wasser die Spree und viele Daten am Knoten in Frankfurt am Main.

    W.K.: Nichts mit DE-CIX.

    Notz: Eikonal.

    Wolff: NÖ.

    Notz: Eikonal wurde 2008 beendet, drei Jahre nach EADS und Eurocopter. Weil G‑10-Filter nicht ging.

    W.K.: Ja.

    Notz: Am 13. November 2014 sagten sie hier:

    Christian Flisek (SPD): Gab es denn FĂ€lle, wo Selektoren – und wenn ja: Können Sie irgendwas zu der Zahl sagen? -, die die Amerikaner gebracht haben, wirklich zurĂŒckgewiesen worden sind?

    Zeuge W. K.: Ja, klar.

    Christian Flisek (SPD): Also es gab diese FĂ€lle?

    Zeuge W. K.: Ja.

    Christian Flisek (SPD): Können Sie das irgendwie quantifizieren: War das eher einmal in der Kooperation oder kam das regelmĂ€ĂŸig vor?

    Zeuge W. K.: Ich kenne eine Zahl – da verweise ich jetzt aber bitte auf eine geheime Sitzung -; die Zahl habe ich zufĂ€llig gelesen, die wĂŒrde ich Ihnen auch nennen.

    Christian Flisek (SPD): Okay.

    Zeuge W. K.: Die ist relativ gering, sage ich jetzt mal an dieser Stelle. Wir haben auch – das möchte ich gern noch mal wiederholen – diese ZurĂŒckweisung den Amerikanern nicht mitgeteilt; denn wir wollten keine Hinweise darauf geben, nach welchen Kriterien wir zurĂŒckweisen. Das ist auch so akzeptiert.

    Notz: WĂŒrden Sie heute wieder so sagen?

    W.K.: Nein. Habe ich vorhin gesagt. Weiß ich jetzt besser. (!)

    Notz: „Wir wollten keine Hinweise darauf geben, nach welchen Kriterien wir zurĂŒckweisen.“ Jetzt doch?

    W.K.: Ich war auch damals nicht zustÀndig.

    Notz: Warum meldet man das?

    W.K.: Damit das nicht wieder passiert.

    Notz: Aber man sortiert das doch intern selbst raus. Warum USA informieren?

    W.K.: KA.

    Notz: Wozu dient die Ablehnungsliste?

    W.K.: Damit das nicht wieder eingestellt wird.

    Notz: Aber wird doch eh alles geprĂŒft.

    W.K.: Haben wir uns auch gefragt. Kann heute keiner mehr sagen, wer das entscheiden hat. WĂ€re vielleicht auch besser, das nicht zu speichern.

    Notz: [Lacht.] Haben andere Institutionen die Liste bekommen?

    W.K.: Seit MĂ€rz 2015?

    Notz: Vorher?

    Sensburg: Wissen Sie oder spekulieren Sie?

    W.K.: KA.

    Notz: BND ist ja limitiert im Aufgabenprofil. Andere nicht. (!)

    W.K.: Ich weiß erst seit MĂ€rz 2015 von Liste.

    Notz: Wem war es bekannt?

    W.K.: Niemandem. (!) Es waren alle ĂŒberrascht.

    Notz: Weiter Protokoll 13. November 2014:

    Christian Flisek (SPD): Ah ja, okay. – Hat sich denn durch die Veröffentlichung der Snowden-Dokumente, also durch den Beginn der Veröffentlichung der Snowden-Dokumente letztes Jahr, in der Kooperation mit den Vereinigten Staaten und damit auch in dem Bereich, den Sie verantworten, irgendetwas geĂ€ndert?

    Zeuge W. K.: Durch die Snowden-Dokumente allein nicht, nein. Also da haben wir nichts gespĂŒrt.

    Christian Flisek (SPD): Ich gehe jetzt mal davon aus, dass der BND natĂŒrlich auch irgendwo in Szenarien denkt, auch wenn er jetzt vielleicht selber keine Anhaltspunkte oder Belege hat. Ist Ihnen irgendetwas bekannt darĂŒber, dass die NSA in Bezug auf Deutschland Dinge macht, die grundrechtsrelevant sind, also die eine Relevanz fĂŒr GrundrechtstrĂ€ger haben, in die Sie nicht unmittelbar einbezogen sind, wo Sie in den Prozessen selber keine Mitwirkung oder sonstige Teilnahmehandlung vollfĂŒhren?

    Zeuge W. K.: Nein, ist mir nichts bekannt. Ich habe das auch in der Zeitung gelesen, was da vermutet wird an der einen oder anderen Stelle. Mir persönlich bekannt aus den Kooperationen heraus ist das nicht.

    Christian Flisek (SPD): Und aus Ihrem GeschÀft irgendwo,

    Zeuge W. K.: Nein.

    Christian Flisek (SPD): – Wahrnehmungen, die Sie haben,

    Zeuge W. K.: Nein.

    Christian Flisek (SPD): – GesprĂ€che mit Kollegen/Kolleginnen?

    Zeuge W. K.: Nein.

    W.K.: Ja.

    Notz: Das korrigieren Sie nicht?

    W.K.: Nein.

    Fragerunde 3: CDU/CSU (21:41)

    Warken: Ich habe die Protokollaussage von D.B.: „Er hatte sie informiert, auch ĂŒber Maßnahmen, die haben dem beiden zugestimmt.“ D.B. sagt, er hat sie vorher und ĂŒber Folgemaßnahmen informiert und um UnterstĂŒtzung gebeten.

    W.K.: Sagte ich: Hat Vorfall mit Dienstelle Bad Aibling weiter behandelt.

    Warken: „Über Ergebnis und Folgemaßnahmen informiert.“ Sie klingen nach beilĂ€ufigem GesprĂ€ch. Konkreter?

    W.K.: KA, dass er mir gesagt hat, dass er auf Bad Aibling zugehen mĂŒsste. Ich war mit anderen Dingen beschĂ€ftigt.

    Warken: „Sie haben beidem zugestimmt“?

    W.K.: Mit Bad Aibling klÀren, Selektoren abzulehnen.

    Warken: Also doch besprochen. Aber Sie nichts in Bad Aibling veranlasst?

    W.K.: Ja. War damals auch hier.

    Fragerunde 3: SPD (21:45)

    Flisek: Wollen D.B. nicht beurteilen. Aber R.U. ist in Ihrem Bereich. HĂ€tte R.U. Ihnen das berichten mĂŒssen?

    W.K.: Aus heutiger Sicht ja.

    Flisek: HĂ€tten Sie das gemacht?

    W.K.: Wahrscheinlich.

    Flisek: War die Verantwortungskette in Ihrer Unterabteilung so?

    W.K.: Sie setzen ja voraus, dass er selbst die PrĂŒfung veranlasst hat.

    Flisek: Das wissen wir ja mittlerweile.

    W.K.: D.B. hat Liste gemacht von Dr. T. Wo die hin ist, ist ein Schwarzes Loch. Haben wir heute gehört.

    [Eisenberg interveniert.]

    Flisek: Wir haben heute gehört, dass es ausnahmsweise in Bad Aibling eine SonderprĂŒfung gegeben hat. (!)

    Wolff: W.O. kann ja nicht sagen, ob R.U. das von D.B. weiß.

    Eisenberg: Sie wissen, dass D.B. den W.O. angerufen hat.

    Sensburg: ZeugenbeistÀnde haben kein Rederecht.

    Flisek: HĂ€lt sich Eisenberg seit einem Jahr nicht dran. Ich habe W.O. so verstanden, dass er hier gesagt hat, dass in Bad Aibling auf Verlangen seines Leiters R.U. eine eigene PrĂŒfung – ohne Erkenntnisse der Unterabteilung D.B. – vorgenommen wurde. Mehrere tausende Selektoren unzulĂ€ssig. Dieses Ergebnis wurde R.U. bekannt gegeben. Er hatte daraufhin eine Weisung getroffen. Ist das ein irrelevanter Vorgang, dass R.U. das ausschließlich behandelt hatte? Oder hĂ€tte er sie informieren mĂŒssen?

    W.K.: Bezweifle, dass das so war. KA, was W.O. gesagt hat. R.U. sagte mir, dass er sich mit Bad Aibling in Verbindung gesetzt hat.

    Flisek: Es gab zwei PrĂŒfungen, eine in ihrer Unterabteilung. W.O. hat im Internet recherchiert, um eigene PrĂŒfung vorzunehmen. Sie sagen, das ist unglaubhaft. Wo?

    W.K.: Am Auslöser. Auslöser war D.B.

    Flisek: Unstreitig. Wo? W.O. investierte zehn Prozent seiner Zeit zur SelektorenprĂŒfung, SonderprĂŒfung, veranlasst von R.U., ohne Ergebnisse von D.B. Eigene PrĂŒfung, eigene Kriterien. Das wird an R.U. gemeldet. HĂ€tte er das nicht an Sie melden mĂŒssen?

    W.K.: Wenn es so war, hÀtte ich an seiner Stelle mit seinem Vorgesetzten geredet. (!)

    Fragerunde 3: GrĂŒne (21:55)

    Ströbele: Kontakte zu NSA in Bad Aibling. Dort kommen Selektoren.

    W.K.: Selektoren kommen elektronisch.

    Ströbele: PrĂŒfergebnis unzulĂ€ssiger Selektoren in Bad Aibling auch an USA gegeben?

    W.K.: Soweit ich weiß, nein.

    Ströbele: Woher Kenntnisstand?

    W.K.: Akten und GesprÀche.

    Ströbele: Auch mit D.B.?

    W.K.: Ja.

    Ströbele: [
]

    W.K.: Ablehnungsgrund USA nicht mitteilen.

    Ströbele: [
]

    W.K.: War nicht in dem Bereich, wo das eingefĂŒhrt wurde?

    Ströbele: Wo gelesen?

    W.K.: Akten.

    Ströbele: Jetzt?

    W.K.: Heute nicht.

    Ströbele: Damals?

    W.K.: Habe mich kundig gemacht, Leute gefragt. Kenntnisstand damals.

    Ströbele: Wann GesprÀch mit D.B., das nicht an USA zu geben? 2013?

    W.K.: November?

    Ströbele: Zu ihrer Aussage? Damals hatte D.B. Ihnen gesagt, dass Sie das nicht weitergeben?

    W.K.: KA. In Bad Aibling.

    Ströbele: Mit D.B. nicht darĂŒber geredet?

    W.K.: Nein.

    [Flisek und Zimmermann zeigen sich Kinderbilder auf dem Smartphone.]

    Ströbele: D.B. nochmal gesprochen vor heute?

    W.K.: Ist Kollege, wir sprechen fast tÀglich.

    Ströbele: Auch darĂŒber?

    W.K.: Habe es auch auf netzpolitik.org gelesen, was er hier ausgesagt hat.

    Ströbele: Haben darĂŒber gesprochen?

    W.K.: Ja, aber nicht abgesprochen.

    Ströbele: Und fĂŒr heute?

    W.K.: Nicht zu meiner Aussage.

    Ströbele: Überhaupt?

    W.K.: Ja.

    Fragerunde 3: Linke (22:03)

    Renner: Dokument MAT A Sek‑4–3. Besuch von Herr Dietmar B. in den USA am 20. April bis 1. Mai 2013: „Besucht NSA zum zweiten Mal. Begleitet von Winfried K. sowie FĂŒhrungsebene.“ UAL Dietmar B.?

    W.K.: Steht da.

    Renner: Begleitet von AL? MĂŒsste das nicht andersherum sein?

    W.K.: Keine Namen.

    Eisenberg: NÖ.

    Renner: Gebe Ihnen Dokument. Warum ist D.B. zentrale Figur? „Besuch Herr Dietmar B.“

    W.K.: NÖ.

    Renner: Warum?

    Eisenberg: Darf ich erklÀren?

    Renner: Nein.

    W.K.: Keine Aussagegenehmigung fĂŒr Namen.

    Wolff: Persönlichkeitsrechte des Angeklagten haben nichts mit Unterlagen zu tun.

    FormalitÀten: Vorsitzender (22:07)

    Beschluss Ausschuss der Öffentlichkeit.

    Jetzt Zeuge „D. B.“ öffentlich.

    [Pause]

    $FormalitÀten.

    Zeuge 3: „D. B.“, BND, Unterabteilungsleiter T2 (22:22)

    Rechtsbeistand ist Johannes Eisenberg.

    Fragerunde 1: CDU/CSU (22:24)

    Warken: GesprĂ€ch mit Zeugen W.K., in dem Sie ihn ĂŒber Ihren PrĂŒfauftrag informiert haben. Ich habe W.K. so verstanden, dass es sich dabei um normale PrĂŒfung der Selektoren vor der Einstellung handelte. Was genau haben Sie besprochen?

    D.B.: Soweit ich weiß habe ich gesagt, dass ich eine SonderprĂŒfung vornehmen will – keine Routine wie jede Woche. Sondern, dass man aktives Profil ĂŒberprĂŒft.

    Warken: Über Ergebnisse unterrichtet?

    D.B.: GrundsĂ€tzlich ĂŒber Ergebnis. Und dass ich Dienststellenleiter in Bad Aibling informiert und Dienststellen-Leiterin SUSLAG informiert werden sollte.

    Fragerunde 1: Linke (22:26)

    Renner: Dokument MAT A Sek‑4–1b. Snowden-Dokument zu ihrem Besuch in USA. Sie werden begleitet von W.K.?

    D.B.: Kenne Dokument nicht.

    Renner: Waren sie im MĂ€rz/April zu Besuch bei NSA in USA?

    D.B.: Kann sein.

    Renner: Ihr zweiter Besuch?

    D.B.: Möglich.

    [Eisenberg redet mit D.B.]

    D.B.: NÖ.

    Sensburg: Beantworten.

    Wolff: Zeuge Dokument vorlegen?

    D.B.: [Bekommt Dokument.]

    Renner: Waren sie damals UAL?

    D.B.: Ja.

    Renner: Was war W.K.?

    D.B.: UAL.

    Renner: Er hat sie begleitet?

    D.B.: Ja. Noch mehr Personen.

    Renner: Eng zusammengearbeitet?

    D.B.: Ja.

    Renner: Punkt 4: „NSA macht sich ĂŒber Special Source Operations (SSO) Wharpdrive Gedanken.“ Erinnerung?

    Wolff: Nicht Untersuchungsgegenstand.

    D.B.: Das ist ja Vorbereitung, nicht Protokoll. Hatte keine FederfĂŒhrung zu diesem Punkt. Dunkle Erinnerung.

    Renner: Überschrift Seite 1: „Besuch D.B.“

    D.B.: War DienstÀltester und damit Delegationsleiter.

    Wolff: Weise Zeugen darauf hin, dass Dokument eingestuft ist.

    Renner: Bei uns nicht. Ist das eine Operation, bei der NSA-Selektoren zum Einsatz kommen?

    D.B.: Ist geheim. NÖ.

    Renner: Kann es sein, dass das Nachfolge- oder Kompensationsprojekt fĂŒr Eikonal ist? (!)

    D.B.: Keine Aussagegenehmigung.

    Renner: War Eikonal auch eine SSO?

    Wolff: NÖ.

    Renner: Wir versuchen, Kooperationen von BND und Five Eyes zur MassenĂŒberwachung zu erkunden. Können sie ausschließen, dass das bei weiteren Kooperationen nach Ende Eikonal dazu gekommen ist und zu VerstĂ¶ĂŸen gegen deutsche Interessen und deutsche Gesetze kam?

    D.B.: Kann das nicht ausschließen. Details NÖ.

    Renner: Sagten „Große Anzahl Suchbegriffe.“ Haben sie W.K. Beispiele genannt?

    D.B.: Keine Begriffe, nur abstrakt.

    Renner: Verabredung, was zu geschehen ist.

    D.B.: Habe ihn informiert, was ich veranlasst habe. Hat nicht widersprochen.

    Fragerunde 1: SPD (22:37)

    Flisek: Nachdem sie Ergebnis von Dr. T. hatten, haben sie Weisungen an die Selektoren-PrĂŒfung erteilt, ĂŒber dieses Ergebnis?

    D.B.: Habe zustÀndigen Referatsleiter informiert.

    Flisek: T2AB?

    D.B.: T2A ist Referatsleiter [Beschaffungslage und Selektion], T2AB ist Sachgebiet [Materialfluss und Selektion].

    Flisek: Was heißt informiert?

    D.B.: Er hat das erfahren und hĂ€tte weitere Weisungen erteilen mĂŒssen.

    Flisek: Sie haben nicht gesagt, worauf zukĂŒnftig zu achten wĂ€re?

    D.B.: Nein.

    Flisek: Gab es nur Information? Oder auch Weisung?

    D.B.: KA. Aus meiner Sicht war klar, dass es Folgemaßnahmen hĂ€tte geben mĂŒssen.

    Flisek: Was er ergriffen hat, hat Sie nicht interessiert?

    D.B.: Habe nicht nachgehakt.

    Flisek: Gab es RĂŒckmeldung von T2A oder T2AB?

    D.B.: Zeugnisverweigerungsrecht.

    Flisek: Es gab eine eigenstĂ€ndige PrĂŒfung in Bad Aibling.

    D.B.: Keine Ahnung, was Sie meinen.

    Flisek: Sagten, dass Liste von Dr. T. eins zu eins umgesetzt wurde.

    D.B.: EigenstÀndig oder Dr. T.?

    Flisek: Gab es in Bad Aibling eine von Dr. T. unabhĂ€ngige PrĂŒfung des Suchprofils der USA?

    D.B.: Man wurde tÀtig und hat zu löschende Begriffe selbststÀndig erarbeitet.

    Flisek: Also selbststĂ€ndige PrĂŒfung?

    D.B.: Ja.

    Flisek: Weitere PrĂŒfungen in Bad Aibling? Weitere Löschungen?

    D.B.: Über Löschungen habe ich letztes Mal NÖ berichtet.

    Flisek: Weitere PrĂŒfungen und Löschungen nach der ersten?

    D.B.: Genaue AblÀufe in Bad Aibling nicht bekannt. Liste von Dr. T. vollstÀndig umgesetzt.

    Flisek: DarĂŒber hinaus nichts bekannt?

    D.B.: Zum Anfang wohl weitere Kriterien. Zum Schluss vollstÀndige Liste nach Dr. T. umgesetzt.

    Flisek: Was Bad Aibling gemacht hat ging quantitativ weit ĂŒber Dr. T. hinaus. Bekannt?

    D.B.: NÖ.

    Flisek: Relevanz? Hat Sie das interessiert?

    D.B.: Wurde bekannt, dass Löschungen durchgefĂŒhrt wurden.

    Flisek: Weitergehende Löschungen?

    D.B.: Erst 2015 bekannt geworden.

    Flisek: Sie sind verantwortlich fĂŒr proaktive, prĂ€ventive PrĂŒfung. Beim Ergebnis von Dr. T. wĂ€re ich auf halb acht gewesen. Ist ein Urteil ĂŒber die Arbeit in Ihrer PrĂŒftruppe. Mich hĂ€tte das interessiert.

    D.B.: Kriterien NÖ. Sachbearbeiter in Bad Aibling waren in stĂ€ndigem Kontakt.

    Flisek: Wer?

    D.B.: W.O. und der Mann, der bei T2AB wöchentliche PrĂŒfung gemacht hat. Haben sich immer ausgetauscht.

    Flisek: Wer ist das?

    D.B.: K.M. Die haben Dateien stÀndig ausgetauscht.

    Flisek: Wurde Ihnen bekannt, dass [
]

    D.B.: Zeugnisverweigerung.

    Fragerunde 1: GrĂŒne (22:47)

    Notz: War Verfahren drauf angelegt, wenige Spuren in Akten zu hinterlassen?

    D.B.: Keine Vertuschung.

    Notz: Warum nicht nach oben gemeldet?

    D.B.: Auskunftsverweigerung.

    Notz: Wer war Ihr Vorgesetzter?

    D.B.: Hartmut Pauland, AL.

    Notz: Bis wann war er vor Ort?

    D.B.: Ende August 2013 hatte er einen Schlaganfall. Bis dahin.

    Notz: Dann waren sie Chef der Abteilung?

    D.B.: FĂŒr mehrere Wochen vertreten. Wenn nicht, dann ein anderer.

    Notz: Wer ĂŒber AL?

    D.B.: PrÀsident.

    Notz: PrÀsident wusste davon nichts?

    D.B.: Nein.

    Notz: Haben Sie Kontakte ins Bundeskanzleramt?

    D.B.: Sicher auch.

    Notz: Haben Sie jemand in Bundeskanzleramt darĂŒber erzĂ€hlt?

    D.B.: Niemandem.

    Notz: Zu wem im Bundeskanzleramt haben Sie Kontakt?

    Sensburg: Kein Untersuchungsgegenstand. KlĂŒger formulieren. Ich habe keine Spuren an der Haribo-Dose hinterlassen.

    Notz: Wussten Sie vor Snowden, dass US-Selektoren deutsche Interessen verletzen?

    D.B.: Verstehe ich nicht.

    Notz: Haben Untersuchung ja veranlasst.

    D.B.: Habe ja Anlass letztes Mal erlÀutert. Ergebnis war Nebenprodukt.

    Notz: FĂŒr Fortgang des Nebenprodukts haben Sie sich nicht interessiert?

    D.B.: Habe gemeldet und Selektoren wurden gelöscht.

    Notz: W.O. hat gesagt, dass er wochenlang weiter recherchiert und gelöscht hat. Hat er niemandem erzÀhlt.

    D.B.: Kann ich nicht nachvollziehen.

    Notz: Hatten Sie den Eindruck, dass das eine Stichprobe war?

    D.B.: Im Ergebnis wurde komplette Liste von Dr. T. abgearbeitet.

    Notz: FĂŒr Sie war Vorgehen von W.O. und Dr. T. koordiniert? W.O. wusste nichts von Dr. T. und seiner Liste. Was mit Ergebnissen von Dr. T. gemacht?

    D.B.: Ergebnisse im August 2013 vollstÀndig umgesetzt.

    Notz: Wo sind die? In Ablehungsliste?

    D.B.: Nein, kann er ja nicht reinschreiben.

    Notz: Wo sind die Ergebnisse?

    D.B.: Wurden von Mitarbeiter in Bad Aibling eingearbeitet.

    Notz: Wer?

    D.B.: KA. W.O.?

    Notz: W.O. sagte, dass er nichts von Dr. T. bekommen hat.

    D.B.: Den Widerspruch kann ich nicht lösen.

    Notz: Wie lief der Monat?

    D.B.: Viele Details NÖ.

    Notz: Dann die Details öffentlich.

    D.B.: Regionale Verteilung und Kommunikationsdienste.

    Notz: Ich muss Sie fragen, haben leider keine Akten. Wann wurde was gemacht?

    D.B.: Am 09. August hat Dr. T. eine E‑Mail an mich geschrieben.

    Notz: Da steht nichts von besonderer E‑Mail-Adresse. FĂŒhren Sie mich durch den Monat August. Wann Dr. T.? Wann W.O.? Wann umgesetzt?

    D.B.: Anschließend hat mir Dr. T. kritische Selektoren vorgelegt?

    Notz: Wo sind die?

    D.B.: Was?

    Notz: Das, was er ĂŒbermittelt hat. Wo ist das?

    D.B.: Mir hat er einen Ausdruck vorgelegt.

    Notz: Wohin?

    D.B.: Ich hab den weitergegeben an Dienststellenleiter Bad Aibling.

    Notz: Wo ist das? Was hat er? Was hat er, was wir nicht haben? Oder wurde etwas geschreddert?

    D.B.: Dr. T. hat mir ausgedruckte Liste, ohne ZusĂ€tze und Anmerkungen ĂŒbergeben.

    Notz: Was stand da drauf? E‑Mail-Adressen, Telefonnummern?

    Wolff: Details NÖ.

    Notz: Gibt nicht nur Selektorenliste in Print. Gab auch etwas Geschriebenes, was Dr. T. erstellt hat. Das ist nicht da. Ich wĂŒsste gerne, was das ist. (!) Wem haben Sie das gegeben?

    D.B.: Dienstellenleiter Bad Aibling: R.U.

    Notz: Wie?

    D.B.: Kurier.

    Notz: Belegen haben Sie noch?

    D.B.: Nein.

    Notz: War das normale Datei? Oder seine Arbeitsleitung von mehreren Wochen?

    D.B.: Er hat verschiedene Aufgaben wahrgenommen. Telekommunikations-Dienste waren wohl herausfordernd. Selektoren sind eher zufÀllig als Nebenprodukt. Das hat er schnell gemacht und mir ausgedruckt vorgelegt.

    Notz: Das umfasste nur Selektoren, die Dr. T. verdÀchtig vorkamen?

    D.B.: Ja.

    Notz: Wie viele?

    D.B.: NÖ.

    Fragerunde 2: CDU/CSU (23:02)

    Schipanski: Sie haben W.K. informiert? Er sagte, er hat nichts erfahren. WorĂŒber informiert?

    D.B.: Ergebnis der PrĂŒfung von Dr. T.

    Schipanski: Von ÜberprĂŒfung W.O. hatten sie keine Kenntnis?

    D.B.: Nein.

    Schipanski: [
]?

    D.B.: W.O. und [
] haben sich mit wöchentlicher RoutineprĂŒfung beschĂ€ftigt. Frage war, wie Erkenntnisse von Dr. T. da einfließen. Hatte gesagt, dass die und eine Person von SonderprĂŒfung in engem Kontakt waren.

    Schipanski: W.O. und K.M. tauschen sich aus und arbeiten zusammen?

    D.B.: Ist von Liste des Dr. T. entstanden.

    Schipanski: [
]

    D.B.: Aufgrund des ersten Anrufs kam es zu selbststÀndigem Denken und Handeln.

    Schipanski: Also wissen Sie, dass W.O. auch eine PrĂŒfung machte?

    D.B.: Ist mir seit MĂ€rz 2015 bekannt.

    Schipanski: HĂ€tten sie als UAL [
] bei R.U. nachgehakt?

    D.B.: Hypothetisch.

    Schipanski: Wie sind Ihnen Löschungen bekannt geworden?

    D.B.: KA.

    Schipanski: W.O. hatte das gelöscht. Aber W.K. wusste davon nichts. Obwohl W.O. an W.K. berichten mĂŒsste.

    D.B.: HĂ€tte R.U. berichten mĂŒssen.

    Schipanski: Hat er aber nicht. Sie wussten aber davon.

    D.B.: War ja fachlich informiert. Ist also logisch, dass ich ĂŒber Ergebnis informiert werde.

    Fragerunde 2: Linke (23:08)

    Renner: Am 09. August berichtet Ihnen Dr. T. ĂŒber den Suchauftrag, per E‑Mail. AnhĂ€nge mit Ergebnissen?

    D.B.: Ja.

    Renner: Man kennt im BND Format „Datei versenden“. Dann weiteres Ergebnis mit beanstandeten Selektoren. Da kennt er das nicht mehr und druckt es aus. Richtig?

    D.B.: Richtig.

    Renner: Am 09. kennt er das, am 14./15. nicht mehr. Richtig?

    D.B.: Dr. T. ist wissenschaftlich ausgebildeter Mitarbeiter, der kennt das, auch E‑Mail.

    Renner: Was ist Unterschied von Datei und Ausdruck?

    D.B.: Was meinen Sie?

    Renner: In einer Behörde kennt man den Unterschied.

    D.B.: Beim MilitĂ€r heißt es, man kann melden mĂŒndlich, schriftlich oder anders. Ich lese auch lieber Papier als Bildschirm.

    Renner: Dann Bad Aibling mitteilen, dass man Selektoren löschen sollte. Was wÀre praktikabelste Variante? Datei oder Ausdruck?

    D.B.: Das schnellste und intelligenteste wÀre gewisse, allgemeine Kriterien zu schicken.

    Renner: Wird aber nicht. Sondern Ausdruck.

    D.B.: Richtig.

    Renner: Nicht am schnellsten.

    D.B.: Wenn man Mitarbeiter sensibilisieren will, kann Ausdruck besonders sein.

    Renner: Dazu braucht es noch Beipackzettel zu Kriterien. Liste nicht alleine schicken?

    D.B.: Ist fĂŒr jeden sehr schnell allein zu machen. Nicht erforderlich.

    Renner: Wie viele Seiten?

    D.B.: Zahlen NÖ.

    Renner: Waren letztes Mal weiter: großer Stapel Papier. Nicht so einfach, auszuwerten. Ohne Beipackzettel. Papier war immens viel Mehrarbeit als Datei. Warum?

    D.B.: Es gab keinen Beipackzettel. Es war nicht ineffektiv. Es war keine tagelange Arbeit, ging sehr schnell.

    Renner: War das sortiert?

    D.B.: SelbstverstÀndlich.

    Renner: Nur E‑Mails und Telefonnummern?

    D.B.: NÖ.

    Renner: In Gruppen sortiert?

    D.B.: Ja.

    Renner: In vergleichbaren FĂ€llen, hat man das nochmal mit Papier gemacht?

    D.B.: Sind keine vergleichbaren FĂ€lle bekannt.

    Renner: Wurde aber weiter geprĂŒft. Sagte W.O. vorhin.

    D.B.: Ich kann AblĂ€ufe im August 2013 NÖ erlĂ€utern.

    Renner: Kennen Sie andere Verfahren, wo solche Erkenntnisse als Papier statt Datei ĂŒbermittelt wurden?

    D.B.: Kenne keine. Aber fÀhrt ja tÀglich ein Kurier.

    Renner: Großer Stapel Papier statt Datei. Kennen Sie einen vergleichbaren Vorgang, im Jahr 2013?

    D.B.: Zahlen NÖ.

    Renner: Ein anderes Mal viele hundert Seiten Excel-Tabellen ausgedruckt ĂŒbermittelt?

    Sensburg: Vergleichbarer Fall bekannt?

    D.B.: KA.

    Fragerunde 2: SPD (23:18)

    Flisek: PrĂŒfung neu reinkommender Selektoren in TA2B. Sir gaben Vorgang dahin. Relevanz des Vorgangs war erkennbar?

    D.B.: Ja.

    Flisek: Auch, wie das mit zukĂŒnftigen Selektoren ist?

    D.B.: Ja.

    Flisek: Nach Meldung nach Bad Aibling: Sind W.K. und R.U davon ausgegangen, dass Abteilung von W.K. sich um die Bereinigung des aktiven kĂŒmmert?

    D.B.: [
]

    Flisek: Gesamtprofil untersuchen. HĂ€tte W.K. das mit seinem AL klĂ€ren mĂŒssen?

    D.B.: Verstehe nicht, warum große Inventur. Diese eine Aktion war ja abgeschlossen.

    Flisek: Warum keine weiteren Analysen?

    D.B.: Wurden ja kritische Kriterien vollstÀndig erkannt und gelöscht.

    Flisek: [
]?

    D.B.: [Mit Herrn Wolff beraten.] Kriterium NÖ konkretisieren.

    Flisek: Liste von Dr. T. vollstÀndig durch Bad Aibling abgearbeitet?

    D.B.: Ja.

    Flisek: Woher diese Information?

    D.B.: Wurde mir damals gesagt, habe ich vor kurzem kontrolliert.

    Flisek: Von wem?

    D.B.: Entweder R.U. oder Referatsleiter T2A.

    Flisek: Wissen sie nicht mehr genau?

    D.B.: Ja.

    Flisek: Dabei wurde ihnen nicht gesagt, dass noch mehr ĂŒber die Liste von Dr. T. hinaus abgearbeitet wurde?

    D.B.: Ja.

    Flisek: Sie haben Information bekommen: erledigt?

    D.B.: Ja.

    Flisek: Als Sie das in T2A gebracht haben, haben Sie erwartet, dass sie entsprechende Maßnahmen einleiten?

    D.B.: Habe Referatsleiter informiert.

    Flisek: WorĂŒber?

    D.B.: Das Kriterium, das ich aus meiner Sicht als kritisch erachtet habe.

    Flisek: Erkennung setzt voraus, dass er Relevanz erkennt.

    D.B.: Wöchentliche ÜberprĂŒfung war in seinem Sachgebiet. Dr. T. war auch in seinem Referat, er kannte Ergebnis.

    Flisek: Einmaliger Vorgang?

    D.B.: SonderprĂŒfung, ja.

    Flisek: Erwartungshaltung, dass ein Mitarbeiter das erkennt?

    D.B.: War der Referatsleiter.

    Flisek: Erwartung nach unten. Korrespondiert nicht mit Motivation, das auch nach oben zu melden?

    D.B.: Nein.

    Fragerunde 2: GrĂŒne (23:26)

    Ströbele: Ergebnis von Dr. T. wurde auch mit Bad Aibling diskutiert?

    D.B.: Ja.

    Ströbele: Kann es sein, dass EmpfÀnger in Bad Aibling schon mal angefangen hat, das aufzuarbeiten? Das Ergebnis schon in seiner Selektorendatei angefangen hat, herauszunehmen?

    D.B.: Möglich.

    Ströbele: Muss nicht zusÀtzlich gewesen sein zu Dr. T.?

    D.B.: Nein.

    Ströbele: Haben Sie gehört, dass das auch an NSA gemeldet wurde?

    D.B.: NÖ.

    Ströbele: Der andere Zeuge hat gesagt, dass ihm das nicht bekannt war.

    D.B.: Muss mich an Aussagegenehmigung halten.

    Ströbele: Zu NSA können Sie gar nichts sagen?

    D.B.: NÖ.

    Notz: War Liste fĂŒr andere deutsche Behörden interessant?

    D.B.: Relevanz habe ich nicht gesehen. Nicht dafĂŒr zustĂ€ndig.

    Notz: Interessant fĂŒr komplementĂ€re Erfassung?

    D.B.: Spekulativ.

    Notz: Keine Kenntnis?

    D.B.: Nein.

    Notz: Schließen es aus?

    D.B.: Nein.

    Notz: Wo ist Analyse von Dr. T. heute?

    D.B.: Ich habe sie nicht.

    Notz: Wer dann?

    D.B.: Alle beteiligten Personen.

    Notz: Sie sind ja beteiligt.

    D.B.: Habe mein Exemplar aus der Hand gegeben.

    Notz: Arbeitet man so im BND? Aktenklarheit?

    D.B.: [
]

    Notz: Wenn man Spuren verwischen will, hÀtte man dann nicht genau so gehandelt?

    D.B.: Spekulative Frage.

    Notz: Wie wÀren Sie vorgegangen zum Vertuschen?

    D.B.: Warum sollte ich das tun?

    Notz: Wir haben 100.000 Seiten BND-Material, aber davon ist nichts ĂŒbrig. (!) Davon wollen Sie als wichtiger AL nichts schriftlich haben? Wie soll ich das werten, außer Spurenverwischung?

    D.B.: Habe nichts vertuschen wollen.

    Notz: Wie kann man es dann erklÀren?

    D.B.: Gab keine Notwendigkeit, das zu behalten.

    Notz: Sie argumentieren ja mit Aussageverweigerungsrecht. Sie arbeiten Bundeskanzleramt zu.

    Eisenberg: Er muss Aussageverweigerung nicht begrĂŒnden.

    Sensburg: Können Sie dazu was sagen?

    D.B.: Nein.

    Notz: Kennen Sie aus Snowden-Unterlagen eine Positivliste mit deutschebank, eurocopter.com, dhl.com?

    D.B.: Habe das irgendwann mal gesehen.

    Notz: Irgendwann?

    D.B.: Ist ja öffentlich.

    Notz: Sie kennen das selbst nicht? Edward Snowden hat dem BND-AL geholfen?

    D.B.: Kenne ich nicht.

    Notz: Warum steht brandstifter.com und feuerwehr-ingolstadt drauf?

    D.B.: KA.

    Notz: Haben Sie nie gehört?

    D.B.: Habe ich im BND nie gesehen.

    Notz: Nach August 2013 ist Anzahl Selektoren dramatisch gesunken, von sehr hohem Millionenbereich auf um die HĂ€lfte reduzierten.

    D.B.: Unwahrscheinlich. NÖ.

    Notz: Zahlen erlÀutern?

    D.B.: Ja.

    Fragerunde 3: CDU/CSU (23:37)

    Schipanski: Zweifel von Notz sind begrĂŒndet, konnten Sie nicht ausrĂ€umen. Sehr verwunderlich. (!) Wer hĂ€tte W.K. anweisen sollen, wie er mit der Listen umgehen soll?

    D.B.: Warum sollte das jemand tun?

    Schipanski: Sie waren damals AL und sein Vorgesetzter.

    D.B.: Damals waren wir beide UAL und niemand dem anderen vorgesetzt.

    Schipanski: Weisungsbefugt wÀre Herr Pauland gewesen?

    D.B.: Wenn es einer Weisung bedurft hÀtte, ja. Aber war ja gelöscht.

    Schipanski: Sie haben es nicht nach oben gemeldet?

    D.B.: Wenn sich eine Uneinheitlichkeit zwischen zwei Referaten gibt, einigen sich die Referate. Nur im Dissens eine Ebene höher. Gab es aber nicht.

    Schipanski: Spannend. SonderprĂŒfung. Ich berichte in der Fraktion nicht nur bei Dissens nach oben.

    D.B.: Auskunftsverweigerungsrecht.

    Sensburg: War das, was Dr. T. Ihnen gegeben hat, als besonderes Vorkommnis gesehen?

    D.B.: Damals nicht.

    Sensburg: Jetzt?

    D.B.: Ja.

    Fragerunde 3: Linke (23:41)

    Renner: Haben Sie dem ZustÀndigen mitgeteilt, dass man disziplinarrechtlich gegen Sie vorgehen könnte?

    D.B.: Keine Angabe.

    Renner: Sie verweigern hier Aussage wegen disziplinarrechtlicher Schritte. Und das haben Sie damals nicht gesagt?

    D.B.: Aussageverweigerung.

    Renner: HĂ€tte man Sie in die PrĂŒfgruppe berufen, wenn Sie das nicht gesagt hĂ€tten?

    D.B.: Habe die PrĂŒfgruppe nicht einberufen.

    Renner: Der ist morgen da.

    FormalitÀten: Vorsitzender (23:43)

    Ausschluss der Öffentlichkeit. Jetzt NÖ.

    [Noch acht Leute auf der TribĂŒne.]

    Flisek: Macht das noch Sinn?

    Notz: Komm, wir machen W.O. noch.

    Sensburg: Alle fĂŒr W.O.? Okay. Danke, Öffentlichkeit und Presse. Schönen Abend.

    20. Mai 2015 12
  • : ZurĂŒck aus der Zukunft : Digital Rights News von 2025
    ZurĂŒck aus der Zukunft : Digital Rights News von 2025

    EDRi-gram300_coverpic_smallEuropean Digital Rights feiert heute die 300. Ausgabe des EDRi-grams mit einer Spezialausgabe und eBook-Veröffentlichung. Sechzehn Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft berichten zurĂŒck aus dem Jahr 2025. Netzpolitische Science Fiction vom Feinsten!

    Das Buch startet mit einem Vorwort von Dunja Mijatović, der Beauftragten der Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) fĂŒr die Freiheit der Medien, und enthĂ€lt BeitrĂ€ge von:
    Hans de Zwart, Simon Davies, Jillian C. York, Cory Doctorow, Katarzyna Szymielewicz, Joe McNamee, Jesper Lund, Kirsten Fiedler, Erich Moechel, Raegan MacDonald, Estelle Massé, Douwe Korff, Bogdan Manolea, Monica Horten and Annie Machon.

    Das Buch gibt es als eBook (.epub, DRM-frei bei epubli) und als pdf-Version (pdf).

    Das EDRi-gram ist der zweiwöchentliche Newsletter des europĂ€ischen Dachverbands, der in BrĂŒssel stellvertretend fĂŒr 33 Organisationen aus ganz Europa Grundrechte im digitalen Zeitalter verteidigt. Seit 2003 wird der Newsletter versandt, der ĂŒber positive wie auch negative netzpolitische Entwicklungen in ganz Europa berichtet. Zum EDRi-gram tragen regelmĂ€ĂŸig Aktivisten, EDRi’s Mitglieder und Gastautoren bei, um aus ihrem Heimatland zu berichten.

    20. Mai 2015 1
  • : CDU/CSU sind stolz: „Im Prostitutionsgewerbe wird es keine AnonymitĂ€t mehr geben.“
    Bild von <a href="http://www.emyfem.net/">Emy Fem</a>
    CDU/CSU sind stolz: „Im Prostitutionsgewerbe wird es keine AnonymitĂ€t mehr geben.“

    Überwachung in der Prostitution – was hat es damit auf sich? Neben den großen Überwachungsausweitungen und Grundrechtsunterwanderungen durch Vorratsdatenspeicherung und Co. ist es leicht, den Blick dafĂŒr zu verlieren, dass Überwachungsbefugnisse auch in anderen Bereichen ausgeweitet werden. In Bereichen, die nicht jede und jeden betreffen und die daher gern untergehen. Ein Beispiel ist das geplante Prostitutionsschutzgesetz, das derzeit in der Großen Koalition unter FederfĂŒhrung des Familienministeriums verhandelt wird. Es enthĂ€lt weitreichende Dehnungen von Überwachungsbefugnissen – man könnte es auch Prostituiertenkontrollgesetz nennen – und schafft ganz nebenbei das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung ab – ohne großes Medienecho.

    Wir verwenden hier das Gender-Sternchen. Um darauf aufmerksam zu machen, dass im Bereich der Prostitution oft pauschal von Frauen als Prostituierte ausgegangen wird, obwohl auch MÀnner, Transgender und andere GeschlechtsidentitÀten in der Sexarbeit tÀtig sind.

    Vom aktuellen nicht-öffentlichen Referentenentwurf des geplanten Gesetzes berichtete Der Spiegel am 11. April. BerufsverbĂ€nde der Sexarbeiter*innen kritisieren viele Punkte des Entwurfs, der auf Repression setzt. So verkĂŒndet die CDU/CSU-Fraktion stolz in einer Pressemitteilung:

    Im Prostitutionsgewerbe wird es keine AnonymitÀt mehr geben.

    Wir haben direkt mit Betroffenen geredet, die am besten wissen, welche Regelung sie zu ihrem Schutz brauchen.

    Zwangsregistrierungsbanner

    Registrierungspflicht

    In Zukunft soll sich jede*r Sexarbeiter*in registrieren. Das heißt, zu einer noch zu benennenden Stelle gehen, sich eintragen lassen und erst dann als Sexarbeiter*in arbeiten zu dĂŒrfen. Wer diese Aufgabe ĂŒbernimmt, wird von den BundeslĂ€ndern geregelt werden. In Bayern wird es wahrscheinlich die Polizei sein, in Berlin ist es wahrscheinlicher, dass beispielsweise das Ordnungsamt zustĂ€ndig wird. Die Registrierungsprozedur soll alle zwei Jahre erneut fĂ€llig werden, bei unter 21-JĂ€hrigen sogar jĂ€hrlich.

    Wichtig ist dabei, dass diese Registrierung nichts mit Steuerzahlungen und Co. zu tun hat. Denn klar, Steuern mĂŒssen sowieso gezahlt werden. Doch bisher war es fĂŒr viele eine Option, bei der SteuererklĂ€rung statt „Sexarbeit“ andere TĂ€tigkeiten wie „Escort“ oder „Massage“ anzugeben und so einem Zwangsouting und gesellschaftlicher Diskriminierung zu entgehen. Im Bericht zum Sexarbeitskongress 2014 werden verschiedene Szenarien aufgefĂŒhrt:

    Von der Mutter zweier Kinder, die um ihr Sorgerecht fĂŒrchtet, der Studentin mit Nebenjob, die nach einem Zwangsouting eine akademische Laufbahn vergessen könnte, oder der Mieterin einer Modellwohnung, die sich schon mitten im Orwell-Roman angekommen fĂŒhlt.

    Die Registrierung setzt voraus, dass ein*e Sexarbeiter*in sich vorher einer medizinischen Beratung unterzogen hat. UrsprĂŒnglich war eine verpflichtende medizinische Untersuchung geplant, die sich jedoch nicht durchsetzen konnte. Eine solche, den sogenannten „Bockschein“, gab es nĂ€mlich in manchen BundeslĂ€ndern bis 2001. Wirksam waren die Untersuchungen kaum und GesundheitsĂ€mter selbst beklagten, dass die eigentlich Betroffenen damit nicht erreicht wĂŒrden. Freiwillige, anonyme Angebote leisten einen viel wichtigeren Beitrag zur Gesundheitsvorsorge als ein regelmĂ€ĂŸig zu erneuernder Stempel, der am Ende nur zur Formsache wird.

    Aus einer Auswertung zu den „Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes“ (dasjenige von 2002) des Familienministeriums:

    Am 1. Januar 2001 trat das Infektionsschutzgesetz (IfSG) in Kraft. Die Überschrift des § 3 „PrĂ€vention durch AufklĂ€rung“ entspricht dem Leitgedanken des gesamten Gesetzes. Im Mittelpunkt steht nicht mehr die Kontrolle, sondern die Förderung des gesundheitsbewussten Verhaltens des Einzelnen. Die Angebote des Gesundheitsamtes sind freiwillig, anonym und kostenlos.

    Auch die Deutsche STI-Gesellschaft zur Förderung sexueller Gesundheit lehnt vor allem die VerknĂŒpfung von Beratung und Registrierung ab:

    Beratung im Zusammenhang mit SexualitÀt und Gesundheit sollte anonym möglich sein, um
    im gegenseitigen Vertrauen stattfinden zu können. Wenn eine namentliche Registrierung mit
    einer Beratung verknĂŒpft wird, sind das nötige Vertrauen und damit der Erfolg der Beratung
    gefÀhrdet
    .

    Die geplante Extra-Registrierung gibt es so fĂŒr keinen anderen Beruf in Deutschland. Vergleichbar wĂ€re sie höchstens mit den Lizenzen fĂŒr Berufe, die eine FremdgefĂ€hrdung beinhalten. Etwa in der Pyrotechnik oder dem Taxigewerbe, indem die FĂ€higkeiten jedoch nur alle fĂŒnf Jahre aufs Neue bewiesen werden mĂŒssen. Dass Sexarbeiter*innen eine FremdgefĂ€hrdung darstellen, ist zu bezweifeln. Denn im Gegensatz zu einer Taxifahrt kann der Kunde oder die Kundin bei einer Sexarbeiter*in selbst fĂŒr die eigene Sicherheit sorgen (muss er oder sie wohl in Zukunft auch, denn das geplante Gesetz beinhaltet ebenso eine Kondompflicht, deren Kontrollierbarkeit jedoch eher fraglich ist).

    „Hurenpass“

    Ist die oder der Sexarbeiter*in ordentlich angemeldet, soll womöglich ein Ausweis ausgestellt werden. Wie er aussehen könnte, ist noch unklar. Ebenso unklar wie die Frage, wem dieser Ausweis vorgezeigt werden muss. In der RealitÀt ist es oft so, dass nicht einmal ein*e Bordellbetreiber*in den Klarnamen derjenigen kennt, die im Bordell beschÀftigt sind. Das berichtete uns Fabienne Freymadl, die politische Sprecherin des Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen.

    In Österreich wiederum, wo es einen solchen Ausweis schon gibt, behielten Betreiber*innen die Ausweise ihrer Arbeiter*innen oftmals ein und nehmen ihnen so die Möglichkeit, sich legal selbststĂ€ndig zu machen. Freymadl Ă€ußert außerdem die Bedenken, dass mit den Ausweisen und den Namen der Prostituierten schlampig umgegangen werden könnte. Die EnthĂŒllung des Klarnamens wĂŒrde zu einem Problem werden. Denn a) arbeitet die Vielzahl der Sexarbeiter*innen unter einem Pseudonym und ist im „bĂŒrgerlichen Leben“ nicht geoutet und b) ergeben sich Probleme mit Kund*innen oder Prostitutionshasser*innen, die die Sexarbeiter*innen mit ihrem Klarnamen leichter auffinden und gefĂ€hrden können.

    Emy Fem ist eine Sexarbeiterin mit einem transgenderten Körper. Sie setzt sich fĂŒr die Rechte von Sexarbeiter*innen ein und beschreibt sich als „in dem Land arbeitend, in dem sie aufgewachsen ist, dessen Sprache sie halbwegs spricht, dessen Gesetze sie halbwegs versteht, mit ihrem Wunschgeschlecht und Ihrem Wunschnamen im Pass, mit festem gewĂ€hlten Wohnsitz, Steuernummer und Krankenversicherung. Geoutet als Sexarbeiterin in ihrem Umfeld und ihrer Familie. SelbststĂ€ndig mit zwei eigenen Webseiten und einer weiteren in Arbeit, sprich: einer Minderheit im Sexbusiness.“ Sie berichtete uns:

    Trotzdem ist es selbst fĂŒr mich undenkbar mit meinem Ausweisnamen als Sexarbeiterin geoutet zu werden. Zwangsregistrierung = Zwangsouting.

    Sie hat die Erfahrung gemacht, dass es normal ist, wenn Sexarbeiter*innen hin und wieder gestalkt werden. Kunden wĂŒrden dann versuchen herauszufinden, wo sie wohnen und wie sie heißen. Stalking kann in der Sexindustrie nur entgegengewirkt werden, indem mit einer ArbeitsidentitĂ€t gearbeitet wird. „Unser Arbeitsname ist unsere Sicherheit“, sagt sie.

    „Vorratsdatenspeicherung in der Sexarbeit“

    Emy sprach auch auf der letzten „Freiheit statt Angst“-Demonstration. In einer Rede fĂŒr den Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleitungen hieß es:

    Die Vorratsdatenspeicherung in der Sexarbeit, die Registrierung, ob unter Zwang oder freiwillig, bietet keinerlei Schutz. Die Eintragung in eine Kartei bewahrt keine Person zu keinem Zeitpunkt davor, ĂŒberfallen, ausgeraubt oder Opfer von Menschenhandel zu werden. DarĂŒber hinaus liefert die große Koalition damit Sexarbeiter_innen vorsĂ€tzlich vermeidbaren Gefahren aus. Wenn ein Klient von einer Sexarbeiter_in die Vorlage ihres Hurenausweises verlangen darf, werden Stalking und Nachstellung TĂŒr und Tor geöffnet.

    Eine datenschutzfreundlichere Möglichkeit wĂ€re es, den Sexarbeiter*innen die Untersuchungen und Registrierungen unter Pseudonymen zu gewĂ€hren. Hier stellt sich dann allerdings die Frage der Wirksamkeit, denn ein*e Arbeiter*in könnte sich dann fĂŒr mehrere registrieren, um diesen die medizinischen Beratungen zu ersparen.

    Die tatsĂ€chliche Motivation hinter den Beratungen liegt aber nicht bei der AufklĂ€rung, sondern dem Auffinden von Zwangsprostituierten. Es wird aber kaum zielfĂŒhrend sein, denn diese werden oft derart eingeschĂŒchtert – wenn sie ĂŒberhaupt registriert werden und nicht vollkommen illegal arbeiten –, dass sie sich kaum als Zwangsprostituierte zu erkennen geben werden.

    Unverletzlichkeit der Wohnung

    Der wohl hĂ€rteste Einschnitt in die Grundrechte der Sexarbeiter*innen ist die geplante Legalisierung von verdachtsunabhĂ€ngigen, unangekĂŒndigten Kontrollen, zu denen Polizei und Behörden laut dem Spiegel befugt werden sollen.

    In Bayern sind diese „Hausbesuche“ schon jetzt Praxis und im bayerischen Polizeiaufgabengesetz geregelt:

    § 13 IdentitĂ€tsfeststellung und PrĂŒfung von Berechtigungsscheinen

    (1) Die Polizei kann die IdentitÀt einer Person feststellen [
]
    2. wenn die Person sich an einem Ort aufhÀlt, [
]
    b) an dem Personen der Prostitution nachgehen [
]

    § 23 Betreten und Durchsuchen von Wohnungen

    [
]

    (3) Wohnungen dĂŒrfen jedoch zur Abwehr dringender Gefahren jederzeit betreten werden, wenn [
]

    2. sie der Prostitution dienen.

    Abseits von Abschreckung und GeschĂ€ftsschĂ€digung, arbeiten viele Sexarbeiter*innen in Wohnungen, in denen sie auch leben. Von der Erlaubnispflicht und der Registrierung als Bordell sollen zwar Sexarbeiter*innen ausgenommen werden, die alleine in ihrer Wohnung der Prostitution nachgehen, oft aber teilen sie sich den Ort mit anderen zum Arbeiten. Damit wĂ€re der privateste Teil ihres Lebens willkĂŒrlichen Durchsuchungen ausgesetzt. Oder die Sexarbeiter*innen kehren zurĂŒck zur Einzelwohnungsprostitution. Emy Fem fĂŒrchtet dadurch eine massive Verschlechterung der Situation

    Wir mĂŒssen die Möglichkeit haben, uns mit Kolleg*innen zusammenzuschließen und in unserem gewĂŒnschten Umfeld zu arbeiten und dabei aufeinander Acht zu geben. [
] Wenn wir nur alleine in unserer Meldeadresse (= Hardcorezwangsouting!) arbeiten können, werden wir immer abhĂ€ngiger von Großbetreibern. [
] Diese Form der Regulierung unsere ArbeitsstĂ€tten treibt uns in die IllegalitĂ€t, in unsichere schlechte Arbeitsbedingungen und in AbhĂ€ngigkeiten von Großbetreibern mit schlechter Bezahlung und ZuhĂ€ltern.

    Fabienne Freymadl fĂŒrchtet, dass diese Praxis auch als Blaupause fĂŒr die Legitimierung von willkĂŒrlichen Durchsuchungen anderer gesellschaftlich diskriminierter Gruppen dienen könnte. Dass das keine unberechtigte Sorge ist, zeigt ein Fall, der vor kurzem in Frankfurt passierte. Am 4. Mai sind 200 Polizei-Beamte in Schutzmontur gegen „eine angebliche ‚China-Mafia’ vorgegangen, die sich ausgerechnet im gutbĂŒrgerlichen Frankfurter Viertel Dornbusch mit Wohnungsprostitution ein Zubrot verdienen wollte – in Etablissements, die jedem in der Nachbarschaft hinlĂ€nglich bekannt waren!“ Begleitet wurden die Beamten von Reportern der „Zeitung“ mit vier Buchstaben, berichtet Doña Carmen. Doña Carmen setzt sich seit 1998 im Rotlichmilieu in Frankfurt am Main „fĂŒr die sozialen und politischen Rechte von Frauen ein, die in der Prostitution arbeiten“. Die Mitglieder von Doña Carmen teilen Freymadls Sorge und fĂŒrchten, dass auch Frauen „mit hĂ€ufig wechselndem Herrenbesuch“ betroffen sein könnten:

    Die momentanen Repressionsmaßnahmen stĂ€dtischer und sonstiger Ordnungsbehörden in Frankfurt geben einen Vorgeschmack darauf, was auf Sexarbeiterinnen und Frauen mit hĂ€ufig wechselndem Herrenbesuch zukommt, wenn das neue Gesetz in Kraft tritt: Rechtsstaatliche MaßstĂ€be werden ausgehöhlt, Sexarbeiter/innen wie Freiwild behandelt und Frauen mit freizĂŒgigem Sexualverhalten unter Generalverdacht gestellt.

    Aidsmarch2014Melbourne

    Alternativen zum Gesetzesvorschlag

    Welche positiven Alternativen zum aktuellen Referentenentwurf kann es geben? Ein „Vorbild“ gibt es aus Neuseeland. Dort wurden die rechtlichen Bedingungen fĂŒr Prostitution 2003 deutlich liberalisiert, vor allem in Bezug auf die Registrierung von Sexarbeiter*innen, die vorher als „Masseur*in“ registriert sein mussten. Das New Zealand Prostitutes Collective fasst zusammen:

    You do not have to register with the police, or even contact the police, if you wish to be a sex worker in New Zealand. Under the old laws, Massage parlours were required to keep a register of names, with identifying details, which were to be given to the police for inspection “upon request”. In some areas, people working privately had to register with the police before they could advertise in their local newspaper. This is no longer the case.

    Nur Bordellbetreiber*innen mĂŒssen sich eine Genehmigung einholen, Gruppen von bis zu vier Sexarbeiter*innen sind davon ausgenommen:

    Up to four sex workers can work together and do not need an Operators Certificate, so long as no one is in charge of anyone else, or working as a boss.

    FĂŒr Durchsuchen von ArbeitsstĂ€tten sind DurchsuchungsbeschlĂŒsse notwendig, die – zumindest in der Theorie – nur aufgrund eines konkreten Verdachts ausgestellt werden dĂŒrfen.

    Auch der Verein Doña Carmen hat eine Vorstellung, wie ein neues Gesetz aussehen mĂŒsste, dass die Rechte von Sexarbeiter*innen stĂ€rkt.

    Was nun?

    Um ein Bewusstsein zu schaffen, dass Sexarbeitende nicht totalkontrolliert werden dĂŒrfen, ist es wichtig, klarzumachen, dass Sexarbeit eine Arbeit wie jede andere ist. Und nicht ein Quasi-Pseudonym fĂŒr Menschenhandel, Zwangsprostitution und Ausbeutung. Letztere sind keine Prostitution, sondern Straftaten. Und lassen sich mit den im ProSchG angedachten Mitteln kaum bekĂ€mpfen.

    Sexarbeiter*innen dĂŒrfen nicht aufgrund ihrer BerufsausĂŒbung kriminalisiert und einem Generalverdacht ausgesetzt werden, der fundamentale Rechte wie die Unverletzlichkeit der Wohnung aushebelt.

    Am 13. Juni soll es in Frankfurt eine große Demonstration gegen das Gesetz geben. Die Plattform Frankfurt 13. Juni ruft auf:

    Auf diskriminierende Sonderbehandlung und rechtliche Ausgrenzung legen wir keinen Wert! Auf „bessere Arbeitsbedingungen“ bei gleichzeitiger Fortsetzung rechtlicher Ungleichbehandlung können wir gut und gerne verzichten! Denn was nĂŒtzt es Galeerensklaven, wenn sie beim Rudern angenehmer sitzen? Wir wollen nicht unter Generalverdacht stehen, wir wollen Rechte statt Razzien! Wir fordern ein Ende jeglicher Sonderbehandlung – denn weder sind wir eine „Risiko“ fĂŒr den Rest der Gesellschaft, noch sind wir ‚Berufsverbrecher‘, von denen Gefahr ausgeht!

    17. Mai 2015 29
  • : Prof. Hoeren fĂŒr Konzept von Digiges, Linksfraktion und GrĂŒnen: Störerhaftung fĂŒr WLANs muss weg!
    Prof. Hoeren fĂŒr Konzept von Digiges, Linksfraktion und GrĂŒnen: Störerhaftung fĂŒr WLANs muss weg!

    Prof. Dr. Thomas Hoeren, Jura-Professor an der WestfĂ€lischen Wilhelms-UniversitĂ€t zu MĂŒnster und einer der wichtigsten deutschen Internet-Rechtler, fordert in einem furiosen Gastbeitrag in der SĂŒddeutschen Zeitung: „Schluss mit der Störerhaltung“!

    Der Beitrag gipfelt in der Forderung:

    Es bleibt der Diskussion nur zu wĂŒnschen, dass endlich NormalitĂ€t einkehrt und die Tatsache akzeptiert wird, dass es keinen Unterschied zwischen einem kommerziellen Access Provider (wie der Deutschen Telekom) und einem Freifunker gibt, wenn es um die Frage der Einordnung und Haftungsprivilegierungen geht.

    Zwar nennt Hoeren den Gesetzentwurf des Digitale Gesellschaft e.V. nicht ausdrĂŒcklich, den die Fraktionen der Linken und der GrĂŒnen in den Bundestag eingebracht haben. In der Sache schließt sich der Experte damit aber der Forderung der NGO und der beiden Oppositionsfraktionen an, die Störerhaftung dadurch abzuschaffen, dass im Telemediengesetz lediglich klargestellt wird, dass auch WLAN-Anbieter schlicht kleine Provider sind und ebenso wie die großen Zugangsanbieter natĂŒrlich nicht fĂŒr den Datenverkehr ihrer Nutzerinnen und Nutzer haften sollten. Könnte das nun noch jemand den EntscheidungstrĂ€gern in der Groko verklickern? Vielleicht sollten sie – wenn sie schon nicht auf die Forderungen der Zivilgesellschaft eingehen mögen – einfach auf jemanden hören, der sich mit diesem Internet auskennt: Prof. Dr. Thomas Hoeren.

    Mehr zum Thema Störerhaftung auf netzpolitik.org

    12. Mai 2015 2
  • : Dieses Jahr zum zweiten Mal: Unsere „Das ist Netzpolitik!“-Konferenz
    Dieses Jahr zum zweiten Mal: Unsere „Das ist Netzpolitik!“-Konferenz

    14971728024_d5c441d681_z(1)Vergangenes Jahr haben wir im Oktober zum ersten Mal die „Das ist Netzpolitik!“-Konferenz veranstaltet und gleichzeitig unseren zehnten Geburtstag gefeiert. Da uns die Veranstaltung und die vielen GĂ€ste gefallen haben, wiederholen wir beides dieses Jahr einfach wieder. Also Konferenz und Geburtstag, auch wenn letzteres dieses Mal kein runder ist. Aber es macht einfach Sinn, einen eigenen Ort zum Treffen fĂŒr alle zu haben, die sich fĂŒr Netzpolitik interessieren.

    Auf jeden Fall stehen das Datum und der Ort: 4. September 2015 wieder im Kesselhaus der Kulturbrauerei in Berlin. Wie im vergangenen Jahr rechnen wir mit rund 300–400 Besuchern. An ein Programm setzen wir uns in den kommenden Wochen, wenn wir uns von der re:publica ausreichend erholt haben. Wie auch im vergangenen Jahr versuchen wir durch Kooperationen und Sponsoren die Eintrittspreise fĂŒr alle möglichst niedrig und sozial zu halten. Potentielle Sponsoren oder Kooperationspartner können uns deswegen gerne schon kontaktieren.

    Videos und Bilder vom letzten Mal gibt es hier. Und auf der (alten) Konferenz-Webseite.

    12. Mai 2015
  • : In der 3sat-Mediathek: Reportage-Reihe zu Netzkultur
    Cory Doctorow. Quelle: Screenshot 3sat-Mediathek
    In der 3sat-Mediathek: Reportage-Reihe zu Netzkultur

    3sat hat eine vierteilige Reportage-Reihe zum Thema Netzkultur gemacht, die vom 5. bis 8. Mai ausgestrahlt wurde. Die einzelnen Folgen werden noch in dieser Woche depubliziert, daher schnell schauen!

    Die Folgen umfassen u.a. einen Selbstversuch mit dem Motto „Wieviel Netz braucht der Mensch?“ und bieten Einblicke hinter die Kulissen erfolgreicher YouTuber. Außerdem werden Netzaktivisten besucht und verschiedenste Experten zum Thema Urheberrecht befragt.

    Gerade, wenn man nicht jede der angerissenen Diskussionen detailliert verfolgt, bieten die einzelnen Folgen mit mehreren „Experten“-Interviews einen guten Überblick. In der dritten Folge geht es beispielsweise um kulturelle Inhalte im Internet, letzten Endes also um das, was mit Urheberrecht, Leistungsschutzgesetzen und Co. in zeitgemĂ€ĂŸe Rechtsformen ĂŒberfĂŒhrt werden soll.

    Dabei erzÀhlt der Beitrag u.a. das Verwertungsmodell von Spotify und auch Cory Doctorow wird befragt, der letzte Woche auf der re:publica einen Talk gehalten und vor kurzem bei uns einen Kommentar zum Urheberrecht veröffentlicht hat.

    Am Ende gib es bequemerweise eine Zusammenfassung nach dem Motto „too long; didn’t watch“:

    Keiner weiß mehr, was man darf und was nicht im Netz. Die GEMA will Geld, fĂŒr KĂŒnstler gibt’s VerstĂ€ndnis. In Sachen Musik entspannt sich die Lage. Das Urheberrecht muss ans digitale Zeitalter angepasst werden. Verschenken wĂ€re dafĂŒr eine Idee. Alles andere – braucht Jahrzehnte.

    Viel Spaß beim Schauen!

    11. Mai 2015 3
  • : Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Ich habe Weisung von oben empfangen und vollzogen“
    Saal vor der Sitzung.
    Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: „Ich habe Weisung von oben empfangen und vollzogen“

    Heute tagt wieder der Geheimdienst-Untersuchungsausschuss im Bundestag. Die Zeugen diesmal sind die BND-Mitarbeiter „R. U.“, seit 2010 Leiter des Standorts Bad Aibling, „D. B.“ Unterabteilungsleiter fĂŒr Technische AufklĂ€rung in Pullach sowie „M. T.“ (auch „Dr. T.“), dem 2013 fragwĂŒrdige Selektoren aufgefallen waren. Wir sitzen wie immer drin und bloggen live.

    Zusammenfassung

    In der 47. Sitzung des NSA-Untersuchungsausschusses drehte sich alles um eine Untersuchung der Selektorenliste, die die NSA regelmĂ€ĂŸig an den BND ĂŒbermittelte. Unter den NSA-Selektoren, die der BND in seine Systeme einspeiste, befanden sich auch solche, die sich gegen europĂ€ische und wohl auch deutsche Interessen richteten. Öffentlich bekannt sind nur wenige dieser Suchbegriffe. Neben „EADS“ oder „Eurocopter“ forschte der BND im Auftrag der Amerikaner auch nach „diplo“ oder „gov“, wie letzte Woche bekannt wurde.

    Im August 2013 trat Unterabteilungsleiter „D.B.“ an den BND-Mitarbeiter „Dr. T“ mit dem Auftrag heran, sich vom Lauschposten Bad Aibling die aktive Selektorenliste zu beschaffen und sie nach bestimmten Gesichtspunkten zu analysieren. Die genaue ursprĂŒngliche Aufgabenstellung blieb im Laufe der Vernehmung bis zuletzt unklar. D.B. wollte diesbezĂŒgliche Fragen nur nicht-öffentlich beantworten, betonte aber wiederholt, die Untersuchung „verdachtsunabhĂ€ngig“ angestoßen zu haben. Zeuge „M.T.“ ließ sich immerhin entlocken, zunĂ€chst nach „Kommunikationsmitteln“ und „regionalen AufklĂ€rungsschwerpunkten“ der NSA gesucht zu haben.

    Zu seiner Überraschung fand „M.T.“ jedoch etwa 2.000 Suchbegriffe, die er als „politisch sensibel“ einstufte. Das meldete er mĂŒndlich an „D.B.“ sowie an seinen direkten Vorgesetzten, Referatsleiter „H.K.“. Der Unterabteilungsleiter „D.B.“ informierte daraufhin, ebenfalls mĂŒndlich, den Bad-Aibling-Leiter „R.U.“, um die unzulĂ€ssigen Selektoren „löschen“ respektive „unscharf stellen“ zu lassen. Daten deutscher GrundrechtstrĂ€ger sollen nicht darunter gewesen sein, versicherte „D.B.“, das Verfahren sei zu 99,99% sicher. EuropĂ€ische Selektoren wĂŒrden seit spĂ€testens November 2013 aussortiert. Davor war das augenscheinlich nicht der Fall.

    Vorgesetzte habe er nicht informiert, so „D.B.“ Er habe „Handlungsbedarf“ gesehen, aber keine „Relevanz“, den Vorfall nach oben zu melden – um anschließend auf Anraten seines Anwalts vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch zu machen, um sich nicht selbst zu belasten. „R.U.“ wiederum sah die Sache als „Nebenvorgang“ an, der nur einen „Promillebereich“ seiner Arbeit ausgemacht habe. Weil die Weisung, die Selektoren zu löschen, aus der Pullach-Zentrale kam, sah er keine Veranlassung, dem weiter nachzugehen. Überhaupt hĂ€tten ihn die Selektoren im Detail nicht interessiert, er habe nur Weisungen erhalten und diese vollzogen. Man sei im Zuge der Snowden-EnthĂŒllungen ĂŒberarbeitet gewesen, so der Dienststellenleiter.

    Eine schriftliche Dokumentation dieser VorgĂ€nge existiert nicht, ebensowenig wie die Dateien, in die „M.T.“ fragwĂŒrdige Selektoren ausgelagert hat. Der eigens fĂŒr die Analyse abgestellte Rechner – aufgrund der Datenmenge soll der normale Dienstrechner nicht ausgereicht haben – war Anfang des Jahres zurĂŒckgegeben worden.

    Insgesamt habe die Untersuchung etwa vier Wochen gedauert, so „M.T.“. Es seien ihm aber schon nach kurzer Zeit dubiose Suchbegriffe aufgefallen, was er auch gemeldet hĂ€tte. Dass ebenfalls Mitte August 2013 ungefĂ€hr 12.000 unzulĂ€ssige Selektoren gelöscht wurden, habe er erst unlĂ€ngst aus den Medien erfahren. Das sei unabhĂ€ngig von seiner Untersuchung passiert und ihm nicht weiter bekannt. Wir können also gespannt sein, wie viele Parallel-Untersuchungen noch auftauchen werden.

    Gliederung

    Vorbemerkungen

    Disclaimer: Dieses Protokoll ist nach bestem Wissen und Können erstellt, erhebt jedoch keinen Anspruch auf VollstÀndigkeit oder umfassende Korrektheit.

    Dargestellte: Abgeordnete und Zeugen, gerne korrigieren und vervollstÀndigen wir ihre Aussagen. Kontaktieren sie uns!

    Wer uns unterstĂŒtzen möchte, darf gerne spenden.

    Copyright: Die Aquarelle der Zeugen stehen nicht unter einer Freien Lizenz. Wer die Bilder verwenden möchte, stimmt das bitte mit Stella direkt ab.

    Update: Das offizielle stenografische Protokoll gibt es auf bundestag.de als PDF (Mirror bei uns).

    [12:22 – Um 12 Uhr hĂ€tte es losgehen sollen, wir warten aber immer noch.]

    Pressestatements (12:34)

    Martina Renner (Linke): Es ist ein Ärgernis, dass sich die SPD der AufklĂ€rung verweigert. Wer wusste wann was? Warum ist es unterblieben, dass europĂ€ische Institutionen nicht ĂŒber Spionage informiert wurden? Es gibt kein Ergebnis bezĂŒglich einer Offenlegung der Selektorenliste. Wir lehnen ein Konsultationsverfahren mit den USA ab. Es ist immer noch unklar, welche Selektoren im Einsatz waren. Was ist genau seit 2002 passiert?

    Konstantin von Notz (GrĂŒne): Die Selektorenliste ist immer noch nicht da, das widerspricht der Aussage des Kanzleramtes, dass AufklĂ€rung passieren werde. Der Abbruch der Datenweitergabe an die NSA ist eine Notbremse. SpĂ€testens 2005 hĂ€tte man die Zusammenarbeit ĂŒberdenken mĂŒssen. Man hat sich nicht gekĂŒmmert, das ist ein Skandal. Wurde 2013 bewusst die Unwahrheit erzĂ€hlt? Was hat Pofalla gemacht? Die SPD als Teil der großen Koalition macht mit, Anhörung von de MaiziĂšre wird auf den St. Nimmerleinstag verschoben.

    Christian Flisek (SPD): Es gibt Organisationsdefizite im BND. Wir haben am Vormittag im Geheimen mit BND-Mitarbeitern beraten, das bildet die Grundlage fĂŒr die öffentliche Anhörung. Die heutige Zeugenvernahme stellt eine Schritt zur AufklĂ€rung dar. Intern im BND wurden die Listen nicht weitergegeben. In der Vergangenheit wurden schon mehrmals AntrĂ€ge gestellt, Listen wurden aber nicht herausgerĂŒckt. NSAUA ĂŒbt Druck auf die USA bezĂŒglich einer Offenlegung der Selektorenliste aus. Soll an den NSAUA gehen und ans PKGr. Ziel soll sein, bis zur Sommerpause aufzuklĂ€ren. Festhalten an bisheriger Strategie: Befragung von BND-Mitarbeitern, schrittweise bis ganz nach oben.

    Nina Warken (Union): Wir wollen Sachbearbeiter befragen. Der eingeschlagene Weg ist richtig, zuerst einfache Sachbearbeiter zu vernehmen, und erst dann weiter nach oben gehen. AufklÀrung soll durch NSAUA und PKGr vorgenommen werden. Sachbearbeiter sollen mithelfen, organisatorische Defizite aufzuklÀren.

    Zeuge 1: R. U., BND, Leiter des Standorts Bad Aibling

    Rechtsbeistand ist Johannes Eisenberg.

    Sensburg: Wurden bereits 2014 vernommen, danke fĂŒrs Kommen trotz Krankheit. Maximal zwei Stunden Vernehmung.

    R.U.: Personalien: $Name, Berufsausbildung Dipl-Ing.

    Fragerunde 1: Vorsitzender

    Sensburg: Haben Sie sich in der Vergangenheit mit Selektorenlisten beschÀftigt?

    R.U.: Jein. Habe Selektoren nicht in meiner BND-TĂ€tigkeit untersucht.

    Sensburg: Was sind Selektoren?

    R.U.: Mail-Adressen, IP-Adressen.

    Sensburg: Was noch?

    R.U.: Sage ich nur nicht-öffentlich (NÖ). Etwa Daten aus Chatprotokollen.

    Sensburg: Wer hat Selektoren eingestreut?

    R.U.: NSA.

    Sensburg: Neben Mailadressen, Telefonnummern haben sie Chatprotokolle erwĂ€hnt, könnten das auch KĂŒrzel/Nicknames sein?

    R.U.: Vermutlich, ja.

    Sensburg: Wie sind die Selektoren zum BND gekommen?

    R.U.: Kann ich nur NÖ beantworten.

    Sensburg: Ab wann wurden mit NSA Selektoren ausgetauscht?

    R.U.: Das weiß ich nicht genau, war erst seit 2010 dabei, das war vor meiner Zeit.

    Sensburg: 2010 wurden Selektoren ausgetauscht?

    R.U.: Wir haben nicht ausgetauscht, wir haben sie nur bekommen.

    Sensburg: Was haben Sie damit gemacht?

    R.U.: Vor meiner Zeit, Kollegen haben sich ÜberprĂŒfung nicht zugetraut. Das sollte in der Zentrale passieren. Wir schauen uns die Selektoren gar nicht an, sondern geben es gleich weiter, erst nach einem PrĂŒfvorgang [in der Zentrale in Pullach] werden sie eingesetzt.

    Sensburg: Wie geht der PrĂŒfvorgang vor sich?

    R.U.: Weiß ich nicht genau, auch nicht, wie viele genehmigt werden.

    Sensburg: Haben Sie sich die Listen angeschaut?

    R.U.: Nein.

    Sensburg: Genutzt aber schon.

    R.U.: Ja, aber nicht speziell angeguckt, sondern nach Freigabe durch Zentrale in Systeme eingespeist.

    Sensburg: Was haben sie genau gemacht?

    R.U.: (
)

    Sensburg: Und sie haben sich die Listen nie angesehen?

    R.U.: Ich wusste, dass die Zentrale prĂŒft, warum soll ich nochmal drĂŒberschauen?

    Sensburg: Wer hat sich Resultate angeschaut?

    R.U.: Das ist das andere Ende der Kette. Wenn Ergebnisse/Treffer gekommen sind, haben wir uns die angesehen.

    Sensburg: Haben Sie sich schon im Vorfeld einzelne Selektoren angesehen?

    R.U.: NÖ.

    Sensburg: Das ist der Kernbereich Ihrer TĂ€tigkeit, alles geht ja nur auf Basis der Selektoren. Wundere mich, dass Sie sich das nie angesehen haben. Wer hat sie sich angesehen?

    R.U.: BND hat eigene Selektoren, die steuern wir selbst. Wir haben immer KapazitÀtsprobleme, sowohl bei der Technik als auch bei der Bearbeitung. Sehr viele Treffer eigener Selektoren, die Mitarbeiter sind ausgelastet.

    Sensburg: Der andere Teil, also die NSA-Selektoren, der lÀuft automatisiert ab? Wird in Pullach gefiltert und kommt dann wieder zu Ihnen?

    R.U.: Von der Zentrale bereitgestellte Filter. Einfach so wird das nicht weitergeleitet, wird noch ĂŒberprĂŒft.

    Sensburg: Bei der Gewinnung sollten nachtrÀgliche Filter greifen und Deutsche ausfiltern?

    R.U.: Ja, wobei die Wahrscheinlichkeit, dass deutsche Daten darunter sind, sehr gering ist. Streckenauswahl in Bad Aibling beobachtet Satelliten in Krisengebieten. Wahrscheinlichkeit deutscher Daten gering.

    Sensburg: Die BND-Selektoren stehen auf einer Seite, auf der anderen, relativ fĂŒr sich, steht die Zuarbeit fĂŒr die NSA. GewĂ€hrleistet: am Anfang und Ende auf die Selektoren schauen. Hat das schon am Anfang, 2002, oder 2005, stattgefunden?

    R.U.: Kollegen haben berichtet, dass noch hĂ€ndisch ĂŒberprĂŒft wurde. War aber zu viel, PrĂŒfung ist in Zentrale gewandert.

    Sensburg: Was wurde geprĂŒft? Deutsche, z. B. Telefonvorwahlen mit +49. Gab es auch andere Ausschlusskriterien?

    R.U.: Kenne die Filter nicht genau, kann mir gut vorstellen, dass z. B. deutsche IP-Ranges rausfliegen. Aber welche Kriterien genau weiß ich nicht, das macht die Zentrale.

    Sensburg: Zusammenarbeit hat stattgefunden, hat verdÀchtige Selektoren rausgenommen. Genauerer Blick 2013, richtig?

    R.U.: Wir sind WeisungsempfĂ€nger. Zentrale sagt, was wir ĂŒberwachen sollen. 2013 hat es Weisung gegeben
 Kann ich nur NÖ beantworten.

    Sensburg: Im Sommer 2013 hat man sich in Bad Aibling den Gesamtpool angeschaut?

    R.U.: Nein, mĂŒndlich weitergegebenes Ergebnis angeguckt, Domains z. B., nach Weisung rausgenommen. Aber nie gesamte Liste angesehen. Hat Zentrale gemacht.

    Sensburg: Wenn das nicht in Pullach erfolgt ist, haben Sie weiter mit der Gesamtliste gearbeitet?

    R.U.: Ganz genau.

    Fragerunde 1: Linke

    Renner: In Bad Aibling, wenn es zu einem Selektor einen Treffer gab, wer hat sich das angesehen?

    Wolff: Kann nur NÖ beantwortet werden, wĂŒrde sonst die Sicherheit Deutschlands gefĂ€hrden.

    Renner: In welchen ZeitrÀumen wurde das angesehen?

    R.U.: Stichprobenartig, kein Turnus, kein Zuruf. Wenn wir mit eigenen Selektoren keine Ergebnisse erzielt haben, haben wir uns die Selektoren der anderen [NSA] angesehen. Haben aber sonst keine Veranlassung gesehen, aufgrund der Filter [aus Pullach], nÀher nachzusehen.

    Renner: Wenn Treffer weitergegeben wurde, wie lange konnte drauf zugegriffen werden?

    Wolff: NÖ.

    [Renner und Notz protestieren. „Haben keine Chance, den Zeugen zu relevanten Fragen zu vernehmen“. Aufregung im Saal.]

    Renner: Meldungen wurden automatisiert weitergegeben?

    R.U.: Ja.

    Renner: Wie wurden sie von der NSA abgerufen?

    R.U.: Wurden nicht abgerufen, sondern automatisch weitergegeben.

    Renner: Welche Datenbanken in Bad Aibling? Mailverkehre und Internetverkehre?

    Wolff: NÖ.

    Renner: Haben NSA-Mitarbeiter Zugriff auf Datenbanken?

    R.U.: Nein.

    Renner: Wer hat Zugriff, welche Abteilungen?

    R.U.: Nur Mitarbeiter von Bad Aibling.

    Renner: Wer genau?

    R.U.: Kann nur von deutschen Mitarbeitern genutzt werden.

    Renner: (
)

    R.U.: Zugriff nur aus Bad Aibling.

    Renner: Nicht aus Pullach?

    R.U.: Die kontrollieren nur.

    Renner: TĂ€glich werden von NSA Selektoren ĂŒbergeben und in Datenbanken eingespeist. PrĂŒfprozess: Vor einer PrĂŒfung eingespeist?

    R.U.: Nein. In meinem Zeitraum, seit 2010. MĂŒssen erst in Zentrale ĂŒberprĂŒft werden.

    Renner: Wie kam es zur ÜberprĂŒfung 2013?

    Wolff: NÖ.

    Renner: Die in Bad Aibling verarbeiteten Daten, kamen die vor 2010 auch vom Kabel?

    R.U.: Ist mir nicht bekannt.

    Renner: Derzeit werden nur Satellitenverkehre aus Krisengebieten verarbeitet?

    R.U.: Ja. Streckenauswahl obliegt nicht der NSA, sondern dem BND. In Bad Aibling keinen Zugriff, können nicht andere Strecken auswÀhlen.

    Fragerunde 1: SPD

    Flisek: Als Dienstellenleiter 2013 erfahren, dass grĂ¶ĂŸere Menge von Selektoren im „Feuer steht“?

    R.U.: Weiß nicht, war mir egal. Habe nur Weisung aus Zentrale bekommen, bestimmte Selektoren rauszunehmen.

    Wolff: NÖ.

    Flisek: Interessant, dass es ihnen als Dienststellenleiter egal ist. Es gibt ein Projekt mit der NSA, man kennt rechtliche Rahmenbedingungen, bemĂŒht sich, alles einzuhalten, und dann kommt plötzlich 2013 eine Weisung, dass eine grĂ¶ĂŸere Anzahl von Zugriffen „problematisch“ ist. Also wirklich große Anzahl. Wie geht man damit um? Konkret: Mit wem haben sie darĂŒber geredet? Ist ja im Kontext der Snowden-Veröffentlichungen passiert. Umfeld so, dass man elektrisiert sein hĂ€tte mĂŒssen. Reaktionen?

    R.U.: Gehe ein wenig zurĂŒck. Waren sogar sehr elektrisiert. Es gab viel Wochenendarbeit. Wir waren selber am Interpretieren, was Snowden-Veröffentlichungen zu bedeuten hatten. Seit Juni 2013 kein Regelbetrieb mehr in Bad Aibling. Zu dem Zeitpunkt waren wir damit beschĂ€ftigt, im Stundentakt diverse Anfragen zu bearbeiten, vom Kanzleramt, von Fraktionen usw. Wie entstehen Metadaten ĂŒberhaupt? Haben die bis dahin nicht gezĂ€hlt. Es herrschte große Hektik, Lage hat sich dramatisch verschĂ€rft, alle waren ĂŒberlastet. Es war mir nicht „egal“, sondern es war nicht mein ZustĂ€ndigkeitsbereich und wir waren ĂŒberarbeitet. Deshalb habe ich mir die Listen nicht angesehen.

    Flisek: Als Vorfall bekannt wurde mit grĂ¶ĂŸerer Anzahl der Selektoren, in welche Richtung haben Sie den Sachverhalt kommuniziert, nach unten oder auch nach oben?

    R.U.: Nur zu Kollegen, denn es kam ja von oben. Habe Kollegen gesagt, nimm das raus.

    Flisek: Kam also von Pullach?

    R.U.: Ja, mĂŒndliche Weisung aus Pullach.

    Flisek: Von wem?

    R.U.: Von einem Unterabteilungsleiter.

    Flisek: Es gibt mehrere.

    R.U.: Vom anderen heutigen Zeugen.

    Flisek: Also nur zum Kollegen und UAL?

    R.U.: Ja. War nur ein Promillebereich meiner Arbeit.

    Flisek: Sie haben Vollzug gemeldet, und dann war das erledigt?

    R.U.: Kann ich nicht mehr genau sagen, kann mich nicht erinnern. War ein Randbereich. Habe Weisung vollzogen, damit war das fĂŒr mich erledigt.

    Flisek: Bei der ersten Vernehmung haben Sie gesagt, dass Daten aus Bad Aibling direkt an die Amerikaner weitergegeben wurden.

    R.U.: Ja, aber mit Filtermechanismen.

    Flisek: Bevor es weitergegeben wurde, die „Ernte“, hat sich das jemand angeguckt oder nur an USA weitergegeben?

    R.U.: Nur stichprobenhaft draufgeguckt, und nur dann, wenn Not bestand. Waren mit deutschen Selektoren mehr als ausgelastet.

    Flisek: KapazitÀtsfrage und nicht des Interesses?

    R.U.: Waren ja ausgelastet mit deutsches Treffern. Zentrale wollte Ergebnisse sehen, zu wenige Mitarbeiter, um drĂŒberzuschauen.

    Flisek: Was sind deutsche Interessen? Bzw.: Was ist gegen deutsche Interessen gerichtet? Wie sind Filter eingestellt, wie arbeiten Sie, wie gehen Sie mit dem Begriff um?

    R.U.: Deutsche Interessen, wenn es um Selektoren geht, werden in der Zentrale bearbeitet. Keine Kenntnis ĂŒber genau Funktionsweise. MĂŒssen andere Zeugen machen.

    Fragerunde 1: GrĂŒne

    Notz: Über welchen Zeitraum können Sie Belastbares sagen?

    R.U.: Verstehe Frage nicht.

    Notz: Können Sie vor 2010 etwas sagen?

    R.U.: Nein.

    Notz: Nichts gehört?

    R.U.: Nicht konkret, war damals in Zentrale, habe mitgekriegt, dass es Projekte gibt, was da aber passiert, wusste ich nicht. War damit nicht betraut.

    Notz: Sie sind ja 2010 aus der Zentrale nach Bad Aibling gekommen. Haben Sie von Eikonal usw. etwas gehört?

    R.U.: Nein. Weder offiziell noch via Flurfunk.

    Notz: Als Verantwortlicher einer Abteilung nichts gehört?

    R.U.: Ist nicht meine Ebene, mit dem Bundeskanzleramt oder PrÀsident zu kommunizieren.

    Notz: Über welche Daten wurde ĂŒberhaupt zu Ihrer Zeit laufen gelassen? Rohdaten? Inhaltsdaten, Metadaten?

    R.U.: Aus der Satellitenerfassung. Aus Krisengebieten wird gegen Selektoren laufen gelassen, und wenn ein Selektor trifft, wird erfasst. Also Rohdaten.

    Notz: Der Bundesdatenschutzbeauftrage hat 2013 BND befragt zu Tempora, PRISM etc. Frau F. hat das beantwortet, Ihnen bekannt?

    R.U.: Nein.

    Fragerunde 1: Union

    Warken: Wurden die BND- und NSA-Selektoren in die gleichen Systeme eingespeist?

    R.U.: Ja.

    Wolff: NÖ.

    Warken: Hat man NSA-Treffer ausgewertet?

    R.U.: Nur, wenn unsere Selektoren nicht gegriffen haben. Die sind aber schon so zahlreich und genau, dass Überlastung eintritt.

    Warken: Zugriffsmöglichkeit auf Datenbank: Auch fĂŒr NSA?

    R.U.: Nein.

    Warken: Selektoren werden nicht zugespielt, sondern abgerufen?

    R.U.: Ja. BND holt ĂŒber sichere Verbindung Selektoren von NSA ab. Weiß nicht, ob unsere eigenen Selektoren geteilt wurden.

    Warken: Wie oft wurden die abgeholt?

    Wolff: NÖ.

    Warken: Bei der letzten Befragung sagten Sie, mehrmals am Tag.

    R.U.: Ja, wurden dann an Zentrale zur ÜberprĂŒfung weitergegeben.

    Warken: Anzahl?

    Wolff: NÖ.

    Warken: Kabelerfassung?

    R.U.: Nein. Was vor 2010 war, weiß ich nicht.

    Fragerunde 2: Linke

    Renner: Melden Sie Verfehlungen?

    R.U.: NatĂŒrlich.

    Renner: Kennen sie das „Memorandum of Agreement“ (MoA)?

    Wolff: NÖ.

    Renner: Gibt es fĂŒr Dienststellenleiter Vorschriften, in welchen FĂ€llen er Vorgesetzte informieren muss?

    R.U.: Geht es um Selektoren? Dazu kann ich nichts sagen, passiert in der Zentrale.

    Renner: Wann genau muss ein Vorgesetzter informiert werden?

    R.U.: Wenn z. B. einem Kollegen bei einer Stichprobe auffallen wĂŒrde, dass ein Deutscher durchgerutscht ist, dann wĂŒrden wir das weitergeben.

    Renner: Gab es sowas?

    R.U.: Nicht in meiner Zeit. Wegen der Streckenauswahl sehr geringe Wahrscheinlichkeit.

    Renner: Ist aufgefallen, dass europĂ€ische BĂŒrger ĂŒberwacht wurden?

    R.U.: Erst bei der ÜberprĂŒfung 2013.

    Renner: Gab es danach auch weitere ÜberprĂŒfungen?

    R.U.: Nicht ĂŒber meinen Tisch, mĂŒndliche Weisung habe ich kein zweites Mal erhalten.

    Renner: Sind Sie jetzt mit der hausinternen Revision des BND involviert gewesen?

    R.U.: Bin dann einbezogen, wenn die Gruppe zu uns kommt. Stelle sicher, dass Ansprechpartner da sind, Systeme im Zugriff sind usw. Ähnlich wie externe Kontrollen: Im Vorfeld fragen wir, was wollen Sie sich genau ansehen, bereiten uns dann drauf vor.

    Renner: Sind Sie informiert, dass Überwachung des Internetverkehrs eingestellt wurde?

    Wolff: Geheim.

    Renner: Lesen Sie doch Zeitung!

    Wolff: Hat nichts zu bedeuten.

    Renner: Sie als Dienststellenleiter, kann mir nicht vorstellen, dass Sie nicht wissen, ob GrundrechtstrĂ€ger einbezogen sind, ob Wirtschaftsspionage stattfindet. Erstaunlich, dass es keine Rahmenbedingungen geben soll, was passieren soll, wenn es zu VerstĂ¶ĂŸen kommt. Keine Vorschriften?

    R.U.: Es gibt kein Handbuch fĂŒr Dienststellenleiter. Aber fĂŒr G‑10 gibt es Vorschriften. Wenn ein deutscher Treffer auf den Tisch kommt, wird das an die Zentrale gegeben und gelöscht. NSA-Selektoren ĂŒberprĂŒfen wir nur stichprobenhaft.

    Fragerunde 2: Union

    Warken: Übermittelte Selektoren an NSA, wurden die dann fĂŒr eigene Aktionen benutzt?

    Wolff: NÖ.

    R.U.: WĂ€re mir sowieso nicht bekannt.

    Warken: Hatten ja Weisung, Selektoren rauszunehmen. Wie lange hat dann eine Erfassung bereits stattgefunden?

    R.U.: Selektoren waren aktiv, aber 


    Wolff: NÖ.

    Sensburg: NSA stellt Selektoren auf eigenem Server zur VerfĂŒgung. Wo wird abgeholt?

    R.U.: In Bad Aibling.

    Sensburg: ÜberprĂŒft wird in Pullach?

    R.U.: Korrekt. Bekommen Weisung, Selektoren einzustellen oder nicht.

    Sensburg: Wenn Treffer auftreten auf einer Satellitenstrecke: Wenn ich in Afghanistan mit meinem deutschen Handy herumfahre, werde ich erfasst?

    R.U.: Ja, aber ausgefiltert. Durch +49-Filter.

    Sensburg: Musste schon in Pullach rausgenommen worden sein?

    R.U.: Ja.

    Sensburg: WĂŒrde also nicht automatisch an USA weitergegeben werden?

    R.U.: Nein, noch ein zweiter Filtermechanismus, bevor Daten weitergegeben werden.

    Sensburg: Und mit afghanischer SIM-Karte? Wenn die auf der Selektorenliste ist? Wird vermutlich nicht in Pullach rausgenommen. Ich telefoniere dann auch Deutsch. Wird das erkannt?

    R.U.: Nein. Ist aber sehr fiktiv, denn viele Annahmen. MĂŒssten schon mit einem „bösen Buben“ telefonieren. Deutsche Sprache wird aber nicht automatisch erkannt.

    Sensburg: Unterschiedliche Ebenen der Herausfilterung, die sich nur auf G‑10 bezieht?

    R.U.: Nein. Also fĂŒr G‑10 mit Sicherheit, aber welche Filter noch laufen weiß ich nicht.

    Fragerunde 2: GrĂŒne

    Ströbele: Habe im Spiegel gelesen, dass am 14. August 2013 ein BND-Mitarbeiter den Mitarbeiter R.U. gefragt habe, was er mit seltsamen Daten machen soll. Die Antwort war löschen. Sind Sie R.U.? Was meinen Sie genau mit löschen?

    R.U.: Ja. Wenn man versucht, Mailverkehre zu interpretieren, die man nicht genau kennt, kann es zu MissverstĂ€ndnissen kommen. Löschen heißt, wir haben es aus den Erfassungssystemen gelöscht. Kein Vertuschen. Unscharf stellen.

    Ströbele: Bin bei „Löschen“ und „Schreddern“ misstrauisch. HĂ€tte das auch missverstanden werden können?

    R.U.: Nein. Der zustÀndige Mitarbeiter könnte da gar nichts manipulieren. Ganz klar, was er zu tun hat: Vorgang inaktiv stellen.

    Ströbele: Haben Sie ihn neben der E‑Mail noch angerufen oder Ă€hnlich?

    R.U.: War kein ungeheurer Fund. In August, September 2013 war es sehr hektisch bei uns. Wir sind nicht zustĂ€ndig fĂŒr Selektorenliste, da gab es nichts weiteres. Gab auch kein Telefonat, um nochmal explizit nachzuhaken.

    Ströbele: Seit Bekanntwerden der Liste brennt dem Kanzleramt der Hut. Snowden-EnthĂŒllungen sagen doch, dass Anschuldigungen stimmen.

    R.U.: Nein, bin nicht aufgeschreckt worden.

    Ströbele: Haben es also nicht weitergegeben nach oben?

    R.U.: Nein, es kam ja von oben. SpÀterer Zeuge. Anderer Unterabteilungsleiter auch. Bekam Anruf.

    Ströbele: Aber das war ja ein Mitarbeiter von Ihnen, der sie per Mail gefragt hat, was er damit zu tun hat.

    R.U.: Habe dem Mitarbeiter aufgrund der Weisung von oben gesagt, lösche diese Treffer. Er hat es gemacht und mich informiert.

    Fragerunde 2: SPD

    Flisek: Keine weitere Fragen, will Zeugen D.B. befragen.

    Fragerunde 3: GrĂŒne

    Notz: Was haben Sie den Mitarbeitern gesagt?

    R.U.: Folgende Adresse rausnehmen.

    Notz: Normale Adressen?

    R.U.: Nein, Domains, mehrere davon.

    Notz: Warum ist der BND ausgerechnet am 14. August auf die Idee gekommen, nachzuhaken?

    R.U.: Kein Kontakt mit Kanzleramt.

    Notz: Haben Sie sich die abgelehnten Selektoren angeguckt?

    R.U.: Nein.

    Notz: Verfassungsschutz hĂ€tte informiert werden mĂŒssen.

    R.U.: War dafĂŒr nie zustĂ€ndig. Wissen und Filter waren in der Zentrale. Wir haben nur aktiv und inaktiv gestellt.

    Notz: Inwieweit wurden Rohdaten oder Metadaten an NSA weitergegeben?

    R.U.: Metadaten ja, aber mit G‑10-Filtern.

    Notz: EuropÀische Selektoren schon?

    R.U.: Weiß nicht, kann zu den Filtern nichts sagen.

    Ströbele: KĂŒrzel, die uns zum Teil aus dem Spiegel etc. bekannt sind, z. B. diplo, gov usw., dass diese nicht vom BND ausgedacht wurden, sondern vom Abteilungsleiter vorgegeben wurden?

    R.U.: Kamen aus der Zentrale, war fĂŒr mich ein Nebenvorgang.

    Ströbele: Die KĂŒrzel kamen vom Unterabteilungsleiter?

    R.U.: Weiß ich nicht im Detail.

    Renner: Bei der Satellitenerfassung, handelt es sich dabei auch um europÀische Satelliten?

    Wolff: NÖ.

    Sensburg: Sie sind als Zeuge entlassen.

    Zeuge 2: D. B., BND, Unterabteilungsleiter T2

    Rechtsbeistand ist Johannes Eisenberg.

    Sensburg: Bitte stellen Sie sich vor.

    D.B.: D.B., Oberst und 55 Jahre.

    Sensburg: Berufssoldat?

    D.B.: Ja.

    Sensburg: ErklÀrung?

    D.B.: Seit 2000 beim BND, habe zuvor Nachrichtentechnik studiert und danach Referent im Verteidigungsministerium und fĂŒr nachrichtendienstlich (
) SatellitenaufklĂ€rung, danach Referatsleiter. 2008–2011 Nachrichtentechnik. Unterabteilungsleiter fĂŒr Technische AufklĂ€rung, Bindeglied zu den auswertenden Abteilungen, zustĂ€ndig fĂŒr FachgesprĂ€che zu AufklĂ€rungsergebnissen mit auslĂ€ndischen Partnern. BND ist wichtig, benötigt internationale Zusammenarbeit. Im BND gibt es pflichtbewusste Mitarbeiter, die mit ANDs zusammenarbeiten und dabei deutsche Interessen wahren.

    Fragerunde 1: Vorsitzender

    Sensburg: Sie sind Berufssoldat, auch dort studiert. Elektrotechnik, Nachrichtentechnik.

    D.B.: Ja.

    Sensburg: Waren Sie zwischen Berufssoldat und BND woanders?

    D.B.: Nein, direkt gewechselt.

    Sensburg: Ist BND auf dem technischen Stand der Dinge?

    D.B.: Habe Studium 1982 beendet. Seitdem hat sich so viel getan. Kann technische ZusammenhÀnge erkennen, aber Details sind mir nicht mehr so bekannt.

    Sensburg: Wissen Sie, was ein Selektor ist?

    D.B.: Ja.

    Sensburg: Was ist das?

    D.B.: Ist eine amerikanische Abart. In Deutschland haben wir Telekommunikationsmerkmale (TKM). In USA unterschiedliche Schreibweisen von z. B. Mailadressen, deswegen viel mehr Selektoren.

    Sensburg: FĂŒr ein Telekommunikationsmerkmal mehrere Selektoren, okay. Selektoren, von NSA zur VerfĂŒgung gestellt. Wie kommt der BND dran?

    D.B.: Ist im Grundsatz bekannt. Werden in Bad Aibling mehrmals tÀglich abgeholt. Unterscheidung leitungsvermittelte, also Telefonie, und paketvermittelte, also IP-Verkehr.

    Sensburg: USA haben keinen Zugriff auf deutsches System?

    D.B.: Nein.

    Sensburg: Bad Aibling holt die ab, und dann?

    D.B.: Die werden gesammelt, geben sie dann weiter an Zentrale, wo alles automatisiert geprĂŒft wird. Nachher zurĂŒckĂŒbermittelt, stellt sie dann in Überwachungssysteme oder Ablehnungsliste rein.

    Sensburg: Ausschließlich automatische PrĂŒfung?

    D.B.: Im wesentlichen. Drei PrĂŒfstufen. False Positives können passieren. Am Anfang z. B. ÜberprĂŒfung, ob +49 vorne steht. Falls ja, wird das rausgeworfen. Bei Handys kann aber auch 49 in der IMEI stehen, muss dann nochmal ĂŒberprĂŒft werden, ob das wirklich deutsch ist oder nicht. Einziger manueller Schritt im Normalfall.

    Sensburg: Und umgekehrt, hat Strecke im Blick, ein Selektor, der dann ausgeleitet wird? Selektorenliste, automatisiert G‑10-Filter. Wird mein afghanisches Handy ohne +49 ausgefiltert?

    D.B.: Erste Stufe: Einfache Filter wie der 49-Filter. Zweite Stufe mit G‑10-Positivliste. Dort sind alle Deutschen drin, die ĂŒber auslĂ€ndische Kommunikationsmerkmale verfĂŒgen. Sind sie in der Liste drin, wird die Nummer nicht ĂŒberwacht. Relativ umfangreiche Liste, ein paar tausend Nummern. USA schickt zu einer Telefonnummer ErlĂ€uterungen dazu, wird mit ausgewertet.

    Sensburg: Wie oft passiert das?

    Wolff: NÖ.

    Sensburg: 2002 Kooperation begonnen, MoA. Wann hat Austausch von Selektoren begonnen?

    D.B.: Ich denke, 2005 erste Telefonnummer, 2007 erster IP-Verkehr. Grob gesagt, weiß nicht genau.

    Sensburg: Gabs damals Selektoren-ÜberprĂŒfung?

    D.B.: Ja, manuell, z. B. ĂŒber Excel-Listen. Anzahl der Selektoren ĂŒberschaubar, deswegen ging das noch (in Bad Aibling). Im Probebetrieb hat es ein Mitarbeiter allein gemacht, hat zu einem Zeitverzug von einem Werktag gefĂŒhrt. 2007 hat das die NSA gestört, die wollten Treffer in Echtzeit haben.

    Sensburg: Treffer oder Kommunikationsmerkmale?

    D.B.: Metadaten und Inhalte.

    Sensburg: Haben Sie nach deutschen Inhalten geschaut?

    D.B.: Persönlich nie, wurde in Bad Aibling gemacht. Wurde auf jeden Fall auf G‑10 geprĂŒft. Keine weiteren PrĂŒfungen. Aber damals ist schon Eurocopter aufgefallen. Mitarbeiter hat es festgestellt. Ist zwar nicht G‑10-geschĂŒtzt, aber man kann das nicht so einfach weitergeben.

    Sensburg: Wir reden ĂŒber 2008?

    D.B.: Ja, aber da war dann schon alles vorbei.

    Sensburg: Kabel oder Satellit?

    D.B.: Kabel.

    Sensburg: (
)

    D.B.: Habe 2007 Projektgruppe ĂŒbernommen, 2011 Nachrichtenbearbeiter.

    Sensburg: 2011: Bei Satellitenerfassung wurden Selektoren auf G‑10 geprĂŒft, in Pullach und dann nach Bad Aibling geschickt. Nur automatisiert?

    D.B.: Dritte Stufe: „deutsche Interessen“ 


    Wolff: Details NÖ.

    Sensburg: EuropÀische Selektoren wurden aber nicht rausfiltert?

    D.B.: Richtig.

    Sensburg: Selektoren mussten in Bad Aibling scharf gestellt werden. Haben Treffer auf Satelliten-Strecken erzeugt, z. B. Afghanistan. Wie oft kam es vor, dass da noch G‑10-Verkehr drin war?

    D.B.: Kann ich nicht sagen. Kann immer wieder passieren, wenn Deutsche im Ausland oder in einem Krisengebiet sind.

    Sensburg: Wenn ich in Afghanistan telefoniere, kann ich also ĂŒberwacht werden. Wenn ich Deutsch spreche, bin ich automatisiert raus?

    D.B.: Technisch gibts formelle Merkmale: Wenn Sie nach Deutschland telefonieren, wird es gefiltert. Wenn Sie in Afghanistan telefonieren, schwierig, denn keine automatische Spracherkennenung.

    Sensburg: Ich mĂŒsste aber von einem Selektor-Anschluss anrufen, richtig?

    D.B.: Ja.

    Sensburg: Bei den Selektoren wird z. B. eine deutsche Firma in Afghanistan rausgenommen, aber keine europÀischen Firmen. Die wÀren dann aktiv geschaltet und könnten ausgeleiteten Verkehr produzieren.

    D.B.: Ja. Wenn z. B. aus dem Irak nach Spanien ĂŒber die Strecke telefoniert wird, kommt das auf (
)

    Sensburg: Wird ausgeleitet?

    D.B.: Ja, Verbindung ĂŒber Satellit, Krisengebiet.

    Sensburg: Sind grundsÀtzlich europÀische Selektoren rausgenommen worden?

    D.B.: August 2013 ÜberprĂŒfung des Selektorprofils.

    Sensburg: Wann genau?

    D.B.: Anfang August.

    Sensburg: Gesamtes Selektorprofil, ganz große Summe. Geht das so schnell? Automatisiert? Wie geht das?

    D.B.: Habe technischen Referenten beauftragt, hat mehrere Wochen gebraucht. Musste sich erstmal Profil aus Bad Aibling holen. ZusĂ€tzlich zu den wöchentlichen ÜberprĂŒfungen


    Wolff: NÖ.

    Sensburg: Wieso wurde ĂŒberprĂŒft?

    D.B.: Weiß nicht mehr genau. Kann mir vorstellen, kurz zuvor war ja Veröffentlichung, dass 500 Millionen Metadaten weitergegeben werden. Was verbirgt sich dahinter? Aber kein konkreter Verdacht, da mĂŒsste ich hingucken.

    Sensburg: Sie hatten keine Sorge, dass in dem Pool G‑10-relevante Daten sind?

    D.B.: G‑10-Verfahren ausgereift, gab jĂ€hrliche Aufsichtsbesuche. Mitarbeiter, sowohl deutsche als auch US, wurden belehrt. Ist zu 99,99 % sicher.

    Sensburg: Waren Sie erschrocken, dass es nicht so sicher war?

    D.B.: Bei meinen ÜberprĂŒfungen fanden wir keine Deutschen.

    Sensburg: Im August 2013 gefundene Selektoren, danach noch etwas gefunden?

    D.B.: Keine Deutschen.

    Wolff: NÖ.

    Sensburg: Im deutschen Interesse liegende?

    D.B.: NÖ.

    Sensburg: Der Pool der Selektoren, die sie rausgenommen haben, wie ist das vonstatten gegangen? In der Gesamtmasse gibt es einen Bereich, da sagen wir, den wollen wir nicht erfasst haben. Beide Bereiche dynamisch, oder? Kommen und gehen von Selektoren?

    D.B.: Ja, Kommen und Gehen. Alte gelöscht, neue kamen dazu.

    Sensburg: In Pullach?

    D.B.: Ja, aber auch von US-Seite. Die SonderprĂŒfung im August 2013 war eine konkrete ÜberprĂŒfung mit einer konkreten Folge, kann ich aber nur NÖ beantworten.

    Sensburg: Sie haben sie beauftragt und das Ergebnis wurde Ihnen vorgelegt?

    D.B.: Ja, Habe dann mit dem Dienststellenleiter in Bad Aibling geredet. Habe ihm gesagt, was drin ist, dass es kritisch ist, habe ihm gesagt, was er sonst noch machen soll. Rest: NÖ.

    Sensburg: Wen sonst informiert?

    D.B.: Referatsleiter T2a, UAL T1, direkter Vorgesetzter in Bad Aibling.

    Sensburg: UAL T1 und Sie, waren Sie der Meinung, danach wÀre alles ok?

    D.B.: NÖ.

    Sensburg: Haben Sie AL6 gemeldet, dass hier Dinge nachtrÀglich nach Bad Aibling zum Nicht-Aktivsein gemeldet worden sind?

    D.B.: Nein, habe keinen Vorgesetzten informiert. (Lachen im Saal)

    Sensburg: Listen: Handelt es sich nicht vielmehr um Dateien oder eine Datei? Keine Papierliste, oder? Sind digital?

    D.B.: Die Dateien, die jede Woche zur PrĂŒfung kommen, sind digital. 2013 war allerdings ein Ausdruck. Habe ihn an die entsprechende Stelle geschickt.

    Sensburg: Wohin?

    D.B.: Nach Bad Aibling.

    Sensburg: Ist die Liste kopiert worden, Post, Fax?

    D.B.: Persönlich per Boten ĂŒbermittelt, sollte keine physische Kopie existieren, aber digital möglicherweise schon.

    Sensburg: Sie haben es ja nicht nach oben gemeldet.

    D.B.: Habe Handlungsbedarf gesehen, aber keine Relevanz, nach oben zu gehen.

    Sensburg: Warum?

    D.B.: NÖ.

    Eisenberg: Zeuge macht Gebrauch vom Zeugnisverweigerungsrecht entsprechend § 55 Strafprozessordnung. (Raunen im Saal)

    Sensburg: Seit wann bekannt, dass ĂŒbergeordnete Ebenen von diesem Sachverhalt Kenntnis erlangt haben?

    D.B.: 2015.

    Sensburg: Wie ist Ihnen das bekannt geworden?

    D.B.: Wurde zu einer Besprechung nach Berlin zur Leitung und Bundeskanzleramt bestellt.

    Sensburg: Wann genau? MĂ€rz?

    Eisenberg: Zeugnisverweigerungsrecht.

    Sensburg: Warum?

    D.B.: (
)

    Sensburg: Kontinuierliche ÜberprĂŒfung der Rohdaten (?): Alle drei Monate gescheckt, war das wie 2013?

    D.B.: Wurde mit den drei Stufen gemacht, das PrĂŒfverfahren konnte sich aber Ă€ndern, weil z. B. neue Telefonnummern dazugekommen sind.

    Sensburg: Was war anders 2013?

    D.B.: Anderer Ansatz: Welche Kommunikationsdienste sind umfasst und welche geografische Ausrichtung


    Wolff: NÖ.

    Fragerunde 1: Linke

    Renner: EADS und Eurocopter, Erkenntniszuwachs. 2008 aber Kabel-Ende. Zusammenhang?

    D.B.: Kein unmittelbarer. 2005 entdeckt worden. Selektoren sind fĂŒr Kabel und Satellit gewesen, kein Zusammenhang.

    Renner: Wenn fĂŒr beides, dann auch bei Eikonal eingesetzt?

    Wolff: NÖ.

    Renner: Unterschied in der Selektorenliste zwischen Kabel und Satellit?

    Wolff: NÖ.

    Renner: Sie haben nicht nach oben informiert. Haben Sie jemanden ĂŒber den Beginn der ÜberprĂŒfung informiert?

    D.B.: UAL1 und Dienststellenleiter in Bad Aibling.

    Renner: MĂŒndlich oder schriftlich?

    D.B.: MĂŒndlich.

    Renner: Wortlaut?

    D.B.: Kann mich nicht erinnern.

    Renner: Wie haben Sie das kommuniziert? Wie war der Auftrag?

    D.B.: NÖ.

    Renner: Was machen Sie heute?

    D.B.: Koordiniere Maßnahmen des BND, um zur Cyber-Defence beizutragen.

    Renner: Seit wann?

    D.B.: Oktober letzten Jahres.

    Renner: In Bezug auf Ihre Aussageverweigerung, gibt es dienstrechtliche Schritte gegen Sie?

    D.B.: Nichts eingeleitet.

    Renner: Haben Sie noch Aufzeichnungen zwischen 2008 und 2011?

    D.B.: Akten sind beim Dienstposten verblieben.

    Renner: Haben Sie sich vorbereitet fĂŒr heute, wie?

    D.B.: Aus Akten.

    Renner: Auch Selektorliste?

    D.B.: Nein.

    Renner: Welche Unterlagen hatten Sie zur VerfĂŒgung?

    D.B.: Muss mich beraten. (
) Bundeskanzleramt und Leitung hat mir Akten zur VerfĂŒgung gestellt, welche genau, keine Ahnung.

    Renner: Bei der Sachstandserhebung, hatten Sie Einblick in die Selektorenlisten? Welche Listen haben Sie eingesehen?

    D.B.: 2013 in Auftrag gegeben, ist in Dateiform vorhanden. Elektronisch in Ablehnungsliste geschaut.

    Renner: Generelles Problem: Als Zeuge haben Sie Zugang zu Unterlagen, die dem NSAUA nicht zur VerfĂŒgung stehen. Ist ein Hindernis fĂŒr uns.

    Wolff: Ist klar, deswegen ist er ja Zeuge.

    Renner: Kennen Sie Begriff Ablehnungsdatei?

    D.B.: Ja.

    Renner: Seit wann?

    D.B.: MĂ€rz 2015.

    Renner: Wie lautet der Name der Datei?

    D.B.: Wird in Bad Aibling gefĂŒhrt, exakten Namen kenne ich nicht.

    Renner: Datei von 2013, wie war der Name?

    D.B.: Hatte keinen speziellen Namen.

    Renner: Wer hatte die denn?

    D.B.: Der PrĂ€senzzeuge [„Dr. T“] und ich. Ersterer kannte den Dateinamen, ich habe es ja nur ausgedruckt zu Gesicht bekommen.

    Renner: Was ist mit der Datei passiert?

    D.B.: Die Datei ist weg.

    Renner: Seit wann?

    D.B.: Weiß ich nicht, der Rechner wurde ausgemustert.

    Fragerunde 1: SPD

    Flisek: Haben Sie Dienstherren informiert, dass Sie Zeugnisverweigerungsrecht in Anspruch nehmen werden?

    D.B.: Nein, habe gestern im GesprÀch mit Rechtsanwalt Entscheidung getroffen.

    Flisek: Disziplinarische Maßnahmen befĂŒrchtet?

    Eisenberg: Zeugnisverweigerungsrecht ergibt sich aus Pressemeldungen und Art der Fragestellung.

    Flisek: Stimmung im Haus Sommer 2013, nach den Snowden-EnthĂŒllungen? Was kam von der Spitze? Ging alles normal weiter?

    D.B.: Unter hohem Druck musste zu jeder Frage des Kanzleramtes und des Parlaments Stellung genommen werden. Sehr schnell. Reagieren auf Veröffentlichungen, musste sehr schnell komplexe Sachverhalte analysieren. Hoher Druck, viel am Wochenende gearbeitet.

    Flisek: Trotzdem ÜberprĂŒfung des Profils vorgenommen. Weisung von oben oder selbst in Angriff genommen?

    D.B.: Selbst gemacht. Habe nicht nach kritischen Selektoren gesucht. Warum kann ich nur NÖ beantworten. Mir kam die Idee, das und das muss ich ĂŒberprĂŒfen. Rest: NÖ.

    Flisek: Also keine Weisung, Sie selbst haben also eine Stichprobe veranlasst?

    D.B.: Hatte nie Anfangsverdacht, ist eine Unterstellung. Rest NÖ.

    Flisek: Einfach so gemacht?

    D.B.: Hatte mit Snowden zu tun und mit den 500 Millionen Metadaten. Den Rest beantworte ich NÖ.

    Flisek: Als Sie das Ergebnis hatten, gab es nicht den Anlass, eine Sonderuntersuchung in Gang zu setzen? Wenn ich mit Stichprobe fĂŒndig werde, dann mĂŒsste man ja gerade im Snowden-Kontext nochmal ran. Bei Personalknappheit könnte man ja mehr Personal anfordern.

    D.B.: Problem wurde aus meiner Sicht behoben. ErlĂ€utere ich gern NÖ. Habe das gesamte Profil untersucht, deshalb keine Stichprobe. Systematisches Ergebnis.

    Flisek: Sie haben z. B. eine Domain genommen und mit Profil abgeglichen?

    D.B.: Z. B. Habe Profil untersuchen lassen, ohne Anfangsverdacht, wÀre Routine gewesen.

    Flisek: Alles ist ja auf den Tisch im Bundeskanzleramt gekommen, aufgrund von BeweisbeschlĂŒssen. Warum ausgerechnet BND-26?

    D.B.: Was soll ich drauf sagen? Was ist die Frage?

    Flisek: Was ist der Grund, dass es gerade jetzt hochkommt?

    D.B.: Persönlich hatte ich keine Akten oder Dateien, die ich vorlegen hÀtte können.

    Flisek: Wer hat denn den Beweisbeschluss bedient, dass diese Listen existieren?

    D.B.: Es gibt ja Ablehnungslisten, die ich bis 2015 nicht kannte. Nur Bad Aibling verfĂŒgt darĂŒber. Die hat die Akte dann verfĂŒgbar gemacht.

    [Beratungen zwischen Rechtsanwalt, Wolff und BND(?)-Mitarbeiter]

    Flisek: Sie haben mit R.K. darĂŒber gesprochen, einem anderen Abteilungsleiter. Wie verlief das GesprĂ€ch? Einvernehmlich?

    D.B.: NatĂŒrlich.

    Flisek: Er hÀtte ja auch sagen können, das muss nach oben.

    D.B.: Wenn ich irgendwas mit dem Bundeskanzleramt machen will, muss ich ihn immer konsultieren. Wir haben es besprochen, und er war einverstanden.

    Flisek: Getroffen, telefoniert?

    D.B.: Beides.

    Flisek: Von wem kam die Weisung?

    D.B.: NÖ (
) Habe Dienst
 angerufen und Anweisung erteilt, die mit Bundeskanzleramt abgestimmt war.

    Flisek: Seit 2014 NSAUA, hat sich da bei Ihnen der Gedanke breitgemacht, dass daraus ein grĂ¶ĂŸerer Schuh wird? Und das, was wir mit dem Bundeskanzleramt vereinbart haben, das bei uns zu belassen, keine gute Idee war?

    D.B.: Neue Kenntnislage: Ich weiß jetzt, ĂŒber den Inhalt dieser Listen, jetzt sehr viel besser Bescheid als 2013. Heute wĂŒrde ich zu einer anderen Entscheidung kommen.

    Flisek: Haben Sie sich die Datei 2013 nicht genau angeguckt?

    D.B.: Aussageverweigerung.

    Fragerunde 1: GrĂŒne

    Notz: PrĂŒfungsaktion 2013, das war am 14. August?

    D.B.: Kann ich nicht genau sagen. Glaube, sie kamen in zwei Tranchen.

    Notz: Wir kennen ja nur die Akten, und das nennt dieses Datum. Andere Akten haben wir ja nicht, eventuell hat es danach andere Maßnahmen gegeben. Eventuell sind ja die 2.000 Selektoren eine Folge einer Nachfolgemaßnahme?

    D.B.: NÖ.

    Notz: Ist jemals eine Akte zusammengestellt worden? Schriftlich?

    D.B.: Nein.

    Notz: So eine drastische Maßnahme, und nichts schriftlich?

    D.B.: War verdachtsunabhĂ€ngig, keine drastische Maßnahme.

    Notz: Bei einer stichprobenartigen ÜberprĂŒfung, die vielleicht gar nicht die ihre war, ist man auf 2.000 Treffer gekommen. Ihre Maßnahme nicht schriftlich dokumentiert!

    D.B.: NÖ. Sie mĂŒssen die ZusammenhĂ€nge verstehen.

    Notz: Was war der Auslöser fĂŒr ihre Initiative?

    D.B.: Wollte verdachtsunabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

    Notz: Aber sie waren ja ĂŒberlastet und ĂŒberprĂŒfen einfach so das Gesamtsystem?

    D.B.: Zur Beantwortung von Fragen in der Zentrale des BND in Pullach einige wenige Personen, die Überblick hatten, aber zeitlich sehr beansprucht waren. Den Auftrag, eine PrĂŒfung zu machen, an einen Referenten weiterzugeben, war einfach. Nicht alle machten Wochenenddienst.

    Notz: Sie haben einen Ausdruck bekommen. Das sind aber nicht die gleichen Dateien, die im Bundeskanzleramt liegen, oder? Die sollen das erste Mal ausgedruckt worden sein.

    D.B.: Ist nicht so einfach, muss ich NÖ erklĂ€ren.

    Notz: Ist es unĂŒblich, dass im BND problematische Sachen nicht weitergegeben werden?

    D.B.: Nein.

    Notz: Man erwartet, dass Dinge, die relevant sind, weitergegeben werden.

    D.B.: Ja.

    Notz: 2005 hat man eine gezielte ÜberprĂŒfung veranlasst (Eurocopter etc), und da schlĂ€gt das Problem auf. Was hat man dann gemacht, 2005?

    D.B.: Ich weiß es nicht genau, war nicht an der Stelle, die diese PrĂŒfungen gemacht hat. Ich denke, man hat das gesamt Profil nach Ă€hnlichen Sachen durchsucht?

    Notz: Wurde nach oben gemeldet?

    D.B.: Nein, weil ich denke, dass nichts gefunden wurde.

    Notz: Wie kann es sein, dass es sich in den Akten findet (?)

    D.B.: EADS und Eurocopter war zumindest bis zum Abteilungsleiter bekannt. Weiß aber nicht im Detail, wie es zu Aktenvermerken kam.

    Notz: Es wĂ€re also nicht unĂŒblich, dass solche gravierenden FĂ€lle nicht nach oben gemeldet werden?

    D.B.: (
)

    Wolff: Spekulative Frage!

    Fragerunde 1: Union

    Warken: Haben Sie sich mit jemandem beraten, als Sie die ÜberprĂŒfung veranlasst haben?

    D.B.: Kann nicht mehr genau sagen. Kriterien kann ich NÖ sagen, wie gesagt verdachtsunabhĂ€ngig.

    Warken: Haben Sie nachjustiert?

    D.B.: Ja, Referent hat berichtet, haben ĂŒberlegt, ob man ausdehnt usw.

    Warken: Wie lange hat Gesamtvorgang gedauert?

    D.B.: Mehrere Wochen.

    Warken: Ging in der Zeit der Betrieb normal weiter?

    D.B.: Hatte keinen Verdacht, deshalb lief es weiter. Maßnahme gab es erst, als ein bestimmtes Ergebnis herauskam. In der Folge gab es Ergebnisse, Maßnahmen wurden zeitnah umgesetzt.

    Warken: Man hÀtte nach mehr suchen können, aber Sie sagten, dass es kein Restproblem gegeben hÀtte.

    D.B.: Hatte keinen konkreten Anhalt, der einer weiteren Analyse bedurft hÀtte.

    Warken: Sie haben dem UAL T1 einen Suchauftrag erteilt.

    D.B.: Habe ihn informiert, ĂŒber das Ergebnis informiert und ĂŒber die vorgeschlagene Maßnahme.

    Warken: Mit wem haben sie das besprochen?

    D.B.: (
.)

    Warken: Wo befinden sich Selektoren, wĂ€hrend sie ĂŒberprĂŒft werden?

    Wolff: NÖ.

    D.B.: Was ich sagen kann – bei zeitunkritischen Selektoren unproblematisch.

    Warken: Nach Änderung/Ablehnung eines Selektors, könnte man den hĂ€ndisch Ă€ndern?

    D.B.: Ergibt sich aus bestimmten Sachen. Wenn ein Dschihadist, ein auslĂ€ndischer, nach Deutschland reist, wird er nicht ĂŒberwacht, wenn er ausreist, dann wieder schon.

    Warken: Werden abgelehnte Selektoren an die USA gemeldet?

    D.B.: Ja, 


    Wolff: NÖ.

    Warken: Und innerhalb des BND, schaut da jemand drauf?

    D.B.: Verstehe Ihre Frage nicht.

    Warken: Bewertet jemand diese abgelehnten Selektoren? Könnte ja auch Interesse bestehen.

    D.B.: RoutinemĂ€ĂŸig meines Wissens nach nicht.

    Warken: Aber anlaßbezogen wurde schon draufgeschaut.

    D.B.: Datenbank bietet die Möglichkeit.

    Warken: Wird mit den USA darĂŒber gesprochen, wird Ablehnung akzeptiert?

    D.B.: Ja.

    Warken: Aus welchen ErfassungsansÀtzen stammen die Daten?

    Wolff: NÖ.

    Lindholz: VerstÀndnisfrage: Wenn Selektoren abgelehnt wurden, hat die NSA vielleicht leicht abgeÀnderte Selektoren geliefert, um das zu umgehen?

    D.B.: Spekulativ, NSA hat weltweit viele ErmittlungsansÀtze.

    Lindholz: Kann nicht nachvollziehen, dass beim BND nicht nachgehakt wurde bei abgelehnten Selektoren.

    D.B.: Ein Sachbearbeiter, wenn er stĂ€ndig die selben Ablehnungen bekommt, sollte das nach oben melden, aber ich weiß nicht, ob das so stattgefunden hat.

    Warken: Hat es eine Erfassung zunĂ€chst eingespeister, dann aber abgelehnter Selektoren gegeben? Z. B. nach Ihrer ÜberprĂŒfung?

    D.B.: Begrenzt nachvollziehbar. Datenbank darf keine große Historie fĂŒhren, Meldungen nach oben sind nicht erfolgt.

    Warken: Hat man an die USA Ergebnisse, die mit solchen illegalen Selektoren erzielt wurden, geliefert?

    D.B.: Kann ich nicht nachvollziehen.

    Fragerunde 2: Linke

    Renner: Kennen Sie das MoA?

    D.B.: Ja, gibt auch einen „Legal Annex“, der US- und deutsche StaatsbĂŒrger schĂŒtzt.

    Renner: Was passiert bei VerstĂ¶ĂŸen?

    Wolff: NÖ.

    Renner: FĂŒr den Bereich G‑10?

    D.B.: Es gibt ein eigenes Referat, die wissen das ganz genau, ich nicht.

    Renner: Gibt es Benachrichtigungspflichten bei Kenntnis von VerstĂ¶ĂŸen gegen G‑10?

    D.B.: Dienstvorschrift, steht drin, weiß nicht auswendig.

    Renner: Existiert eine Benachrichtigungspflicht?

    D.B.: Soweit ich weiß nicht, bin kein Experte. Illegal erfasste Daten mĂŒssen aber gelöscht werden. BND bekommt ein Auftragsprofil von der Regierung. Sucht dann nach relevanten Daten. Wenn die nicht mit Profil ĂŒbereinstimmen, wird es gelöscht. Grundrechtsschutz geht noch viel tiefer, wird sofort gelöscht.

    Renner: Bei Sichtung von Selektoren bzw. Ergebnissen, wenn europÀische Institution betroffen sind: Was dann?

    D.B.: NÖ.

    Renner: Gibt es dazu Regelungen? Was ist, wenn europÀische betroffen sind?

    D.B.: Ja, es gibt Regeln.

    Renner: Seit wann?

    D.B.: SpÀtestens seit Anfang November 2013

    Renner: Auswertung ab August 2013, wie lange lief die genau? Könnte einen Zusammenhang geben?

    D.B.: Nein.

    Renner: Ab wann sagt man, jetzt muss ich ganz nach oben klingeln?

    D.B.: Kommt drauf an, abhÀngig auch von Dienstvorschrift.

    Fragerunde 2: Union

    Sensburg: Sie waren ja beim MilitĂ€r, kennen Sie „Melden macht frei“?

    D.B.: Ja klar, dann wird man Verantwortung los.

    Sensburg: Wann wĂŒrden Sie entscheiden, das ist ein Sachverhalt, der zu melden ist und wann nicht? Abstrakte Definition?

    D.B.: AbwĂ€gungsprozess. Welche Ebene hat welche Kompetenz, mit den Jahren entwickelt man ein GefĂŒhl, was meldewĂŒrdig ist. Je höher die Position, desto weniger feste Regeln. In bestimmten FĂ€llen gibt es vorgeschriebene Vorschriften, bei bestimmten geht man ein Risiko ein.

    Sensburg: Das liegt aus Ihrer Sicht nicht vor?

    D.B.: Keine Ahnung.

    Lindholz: Wann fiel dem BND erstmals auf, dass Selektoren europÀischer Institutionen betroffen sind?

    D.B.: NÖ.

    Warken: Zeitungsbericht 2014: Gruppe soll gegrĂŒndet worden sein, die verdĂ€chtige Selektoren zusammengetragen hat. Stimmt das?

    D.B.: Weiß ich nicht, mĂŒsste ich mir nĂ€her ansehen.

    Warken: Seit 2005 innerhalb des BND bekannt, dass es kritische Suchbegriffe gibt. Kenntnis, was danach passiert ist?

    D.B.: Kenntnis hatte ich, aber ich weiß nicht, was danach passiert ist. 2005, 2006. Abteilungsleiter wusste Bescheid. Innerhalb der Abteilung wussten viele davon, war kein Geheimnis.

    Warken: 2008 erneut Selektoren aufgefallen.

    D.B.: Halte ich fĂŒr unwahrscheinlich, da hĂ€tten ja neue Firmen mit neuen Namen auftreten sollen.

    Warken: 2008: Wurde informiert, was 2005 bekannt wurde?

    D.B.: War 2008 nicht in Abteilung.

    Warken: Konsequenzen 2008?

    D.B.: Weiß ich nicht.

    Warken: 2010 gab es wieder eine Meldung

    D.B.: War damals nicht in der Abteilung.

    Fragerunde 2: GrĂŒne

    Ströbele: Haben Sie sich die 2013 von Snowden veröffentlichten Dokumente angesehen?

    D.B.: War erforderlich, auch aus InteressengrĂŒnden.

    Ströbele: Ist Ihnen der Name Dietmar B. in den Dokumenten aufgefallen?

    D.B.: Ja.

    Ströbele: Sind Sie das? Haben Sie das auf sich bezogen?

    Eisenberg: Zeugnisverweigerungsrecht.

    Ströbele: Waren Sie damals auf Dienstreise mit einem Kollegen in den USA?

    Eisenberg: Unterbrechung gewollt, um sich zu beraten.

    17:45: Beratungssitzung von Flisek beantragt. Sitzung unterbrochen.

    Ströbele: Wer hat sich die ÜberprĂŒfung der Selektoren wie diplo, gov usw. ausgedacht? Waren Sie das, oder jemand anderer?

    D.B.: NÖ. Außerdem hatte ich persönlich rein gar nichts damit zu tun.

    Ströbele: Sie haben doch den Auftrag erteilt, die Selektoren zu ĂŒberprĂŒfen. Wie kam es zur Entscheidung?

    D.B.: Hatte Kriterien, die aber anders sind als die, die Sie meinen.

    Fragerunde 3: Linke

    Hahn: Wer kann im BND VerfĂŒgungen, Dienstanweisungen usw. erlassen?

    D.B.: Das kann jeder Vorgesetzte, fĂŒr seinen Bereich. Je grĂ¶ĂŸer der Bereich – also z. B. Abteilungsleiter.

    Hahn: Seit November 2013 gab es eine VerfĂŒgung in Bezug auf europĂ€ische Ziele. Wenn es eine Neuregelung gab, wer hat sie erlassen? Hintergrund: BND-Spitze sagt ja, sie habe keine Ahnung gehabt. Wer wusste von der Panne?

    D.B.: Verstehe die Frage nicht.

    Hahn: Das hatte ja einen Grund, denn erst wenige Wochen zuvor kam die Selektorensache ans Licht. Da muss es einen Zusammenhang gegeben haben.

    D.B.: Muss mich beraten. (
) NÖ.

    Hahn: Wer hat diese Weisung erlassen?

    D.B.: [BerÀt sich mit Wolff.] PrÀsident hat sie erlassen.

    Hahn: BND-Spitze wusste also doch Bescheid, dass europÀische Ziele betroffen waren.

    Wolff: Zeuge sagt, dass kein Zusammenhang besteht. Mehr erklĂ€rt er NÖ.

    Hahn: Sie haben mit Kollegen gesprochen. Eine Liste sei wohl gelöscht worden. Mit wem haben Sie gesprochen, von wem stammt die Info?

    D.B.: Habe erfahren, dass Aktionen stattgefunden haben. Wurde gefragt, ob ich eine Vollzugsmeldung erhalten hÀtte. Referatsleiter T2a war GesprÀchspartner, möglicherweise noch Referenten.

    Hahn: Diplomatische Ziele waren inbegriffen. Allgemein: Gab es Selektoren, bei denen z. B. nur stand: @diplo.at, also Wildcard.

    Wolff: Zum Inhalt kann nur NÖ gesprochen werden. Kann auch nicht abstrakt beantwortet werden, wĂŒrde nachrichtendienstliche Methodik gefĂ€hrden.

    Fragerunde 3: GrĂŒne

    Notz: Ist eine wichtige Frage: 2.000 einzelne Ziele sind eine Sache, Wildcards erschlagen aber deutlich mehr.

    Wolff: NÖ.

    Notz: Es gibt das Drei-Stufen-Verfahren. Ab welchem Jahr ist es gelaufen?

    D.B.: Sicher kann ich sagen, dass es seit 2008 fĂŒr Bad Aibling angewandt wurde. Oder zumindest mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit.

    Notz: Zwei Stufen hundertprozentig, drei Stufen ziemlich sicher?

    D.B.: Ja.

    Notz: Erste Stufe: schlichte G‑10-Filter, also .de-Mailadressen, +49-Vorwahlen usw.?

    D.B.: Ja.

    Notz: Zweute Stufe: G‑10 Positivliste. Was versteht man darunter?

    D.B.: Auslandsvertretungen, § 3 G‑10-Gesetz [„BeschrĂ€nkungen in EinzelfĂ€llen“], Dschihadisten, etc.

    Notz: Dritte Stufe kann man nicht öffentlich sagen. Zwei Fragen: Bei Aussortierung gibt es falsch aussortierte. Sortiert man die falsch aussortierten wieder ein?

    D.B.: Möglich, wird geprĂŒft.

    Notz: Wie findet Nachsortierung statt?

    D.B.: Bin unsicher mit abgelehnten Deutschen, inwieweit die gespeichert werden oder nicht.

    Notz: Aber wenn die falsch aussortierten wieder eingeordnet werden, wie? Wird das hÀndisch gemacht? Wie funktioniert das genau? (z. B. MAC-Adresse mit 49 o.À.)

    D.B.: BezĂŒglich Speicherung von Fehltreffern kann ich keine Aussage treffen.

    Notz: Wie wÀre das logisch aufzulösen?

    D.B.: Unter FederfĂŒhrung von Juristen.

    Notz: Drei Stufen. Was macht die Negativliste? 2015 erstmals aufgeschlagen, 38.000 Selektoren.

    D.B.: SelektorenvorschlĂ€ge kommen nach Bad Aibling und werden in der Ablehnungsliste gefĂŒhrt.

    Notz: Wir fĂŒhren die Ablehnungsdatei aus dokumentatorischen GrĂŒnden, okay. Aber wenn nicht, was machen Sie damit? Und, wofĂŒr brauchen Sie die Liste eigentlich? Welchen konkreten Zweck hat sie?

    D.B.: Ist historisch gewachsen. Ein mögliches Argument: Die USA-Seite schickt bereits einmal abgelehnte Selektoren – kann dann abgeglichen werden. Überzeugend finde ich das aber auch nicht.

    Sensburg: Ist Selektorenliste Papier, Datei oder Datenbank?

    D.B.: Datenbank.

    Ströbele: 2005 EADS, Eurocopter bekannt.

    D.B.: Ja, Franzosen aber nicht.

    Ströbele: Wann ist das das erste Mal aufgetaucht?

    D.B.: Eine konkrete Erinnerung: Eine NĂ€he mit diesem Datum (wohl 2005).

    Ströbele: 2013, Selektoren wurden ĂŒberprĂŒft. Snowden-Debatte, wurden eventuell auch deutsche Unternehmen abgehört? Damals herrschte in Deutschland Wahlkampf. Haben Sie sich das Sommerinterview mit Merkel angesehen?

    D.B.: Weiß nicht.

    Ströbele: Dort hat sie gesagt: Es gibt keine Wirtschaftsspionage gegen deutsche Unternehmen. Erinnern Sie sich?

    D.B.: Nicht wirklich.

    Ströbele: Wer hat dann die Bundeskanzlerin falsch informiert?

    Wolff: Suggestive Frage, D.B. wusste doch nichts.

    Ströbele: Doch, Eurocopter.

    Wolff: Das ist doch keine Wirtschaftsspionage!

    [Unruhe im Saal, Sensburg schaltet alle Mikros aus.]

    Ströbele: Eurocopter und EADS war Ihnen ein Begriff. Und Merkel sagt, deutsche Unternehmen seien nicht ausspioniert worden. Warum wurde sie nicht informiert? Warum wurde sie nicht angerufen?

    D.B.: Auf die Idee bin ich nicht gekommen.

    Ströbele: Snowden-Dokumente haben damals SchlĂŒsse auf Wirtschaftsspionage nahegelegt.

    D.B.: Habe keine Kenntnis davon.

    Sensburg: Noch Fragen? Keine. Bevor NÖ Sitzung beginnt, noch ein Zeuge, Dr. T. Sitzung wird fĂŒr 15 Minuten unterbrochen.

    Zeuge 3: M. T., BND, Sachbearbeiter SelektorenprĂŒfung

    Rechtsbeistand ist Johannes Eisenberg.

    Sensburg: Bitte stellen Sie sich vor.

    M.T.: Name M.T. Oberregierungsrat, 44 Jahre alt, wohne in Pullach. Kein Eingangs-Statement.

    Fragerunde 1: Linke

    Renner: Vorheriger Zeuge sagte, dass sie möglicherweise der Sachbeamte waren, um Selektoren zu ĂŒberprĂŒfen. Korrekt?

    M.T.: Ja, das war ich.

    Renner: Wie kam es dazu?

    M.T.: Er kam auf mich zu, um zu schauen, welche Arten von Selektoren dort drin sind und ob AufklÀrungsschwerpunkte der NSA erkennbar sind.

    Renner: In Bezug auf Regionen?

    M.T.: Ja.

    Renner: Arbeitsmittel?

    M.T.: Eine Datei, die alle Selektoren enthielt.

    Renner: Auf einem Rechner angesehen, auf Ihrem Dienstrechner?

    M.T.: Auf separatem Rechner, außerhalb des Netzes angesehen, aufgrund der DateigrĂ¶ĂŸe.

    Renner: Sie haben Selektoren ĂŒberprĂŒft, wurden dabei Selektoren in eine andere Datei ausselektiert?

    M.T.: Habe versucht, sie zu trennen nach unterschiedlichen Typen und habe die dann in einzelne Dateien verpackt.

    Renner: Wie viele Dateien?

    M.T.: Kann ich nicht mehr sagen. Mehr als eine.

    Renner: Welche Kriterien noch?

    M.T.: ZunÀchst nach technischen Gesichtspunkten. Welche Arten von Kommunikationsmitteln u.À.

    Wolff: NÖ.

    Renner: Haben sie Selektoren entdeckt, die gegen G‑10-Gesetz verstoßen haben oder gegen europĂ€ische Interessen?

    M.T.: Ergab sich im Zuge der Untersuchung, war ĂŒberrascht. Habe separate Datei angelegt.

    Renner: Name der Datei? Wurde sie ausgedruckt?

    M.T.: Namen weiß ich nicht mehr. Ausgedruckt ja, einmal. Datei befand sich nur auf meinem Rechner.

    Renner: Existiert sie noch?

    M.T.: Habe sie nicht wiedergefunden.

    Renner: Wann haben sie gesucht?

    M.T.: Im MĂ€rz.

    Renner: Warum ist sie weg?

    M.T.: Nach Abschluss der Untersuchung habe ich sie gelöscht.

    Renner: Mit wem haben Sie darĂŒber gesprochen?

    M.T.: Nur mit UAL darĂŒber gesprochen.

    Renner: Hat noch jemand mit der Datei gearbeitet?

    M.T.: Nur ich alleine.

    Renner: D.B. meinte, es gab noch Helfer.

    M.T.: Nur ganz zu Beginn, zwei Helfer. Kamen aber mit den Datenmengen nicht zurecht, habe dann allein weitergemacht.

    Renner: Negativselektoren wurden wieder eingespeist, damit sie nicht mehr lÀnger ausgewertet werden. Wie?

    M.T.: Weiß ich nicht.

    Renner: Wurden die in Bad Aibling deaktiviert?

    M.T.: Habe gehört, dass das stattgefunden hat.

    Renner: Da hÀtte man aber eine Kopie der Datei gebraucht.

    M.T.: War auf Grundlage des Ausdrucks.

    Renner: 12.000 Selektoren von Papier? HĂ€ndisch?

    M.T.: Gehe nicht davon aus.

    Renner: Ergibt keinen Sinn.

    M.T.: Frage können nur Kollegen aus Bad Aibling beantworten.

    Renner: Kopie wurde nicht angelegt?

    M.T.: Hat meines Wissens nicht stattgefunden.

    Fragerunde 1: Union

    Warken: Was ist ihre normale Aufgabe?

    M.T.: Bereich der technische Lage (?). Aufgabengebiet hat mit SelektorenprĂŒfung nichts zu tun.

    Warken: Immer noch dort tÀtig?

    M.T.: Vom Dienstposten her ja, aber im Moment woanders eingesetzt.

    Warken: D.B. Vorgesetzter?

    M.T.: War vorher, jetzt nicht mehr.

    Warken: PrĂŒfauftrag von D.B.: Wollte Selektoren anhand bestimmter Kriterien ĂŒberprĂŒfen. Wie viele Kriterien? Waren das Oberbegriffe?

    M.T.: Kann ich schlecht sagen. ZunÀchst technische Kriterien, dann innerhalb weitere Sortierung.

    Warken: Technische Kriterien, was genau?

    M.T.: Art des Kommunikationsmittels


    Wolff: NÖ.

    Warken: Welche Kriterien spÀter, dynamischer Prozess?

    M.T.: Kriterien lagen anfangs nicht auf der Hand, wurden im Zuge der Untersuchung entwickelt.

    Warken: Weitere Kriterien hat wer entwickelt?

    M.T.: Ich selbststÀndig.

    Warken: Auf welcher Grundlage?

    M.T.: Bestimmte Kriterien lagen auf der Hand, dann habe ich nach Systematiken gesucht. Wenn ich weiteres Kriterium erkannt habe, habe ich entsprechende Selektoren aussortiert und weitergemacht.

    Warken: Wie lang?

    M.T.: Etwa vier Wochen.

    Warken: Sie haben aus Bad Aibling die Datei bekommen, die Selektoren waren dort aber noch weiter aktiv. Haben Sie Kopie erhalten?

    M.T.: So war’s, ja.

    Warken: Nach den ersten Ergebnissen, wurden dann Selektoren aussortiert?

    M.T.: Erste Ergebnisse waren noch unauffÀllig, deshalb keine Veranlassung, Konsequenzen zu ziehen. Erst spÀter auffÀllige Dinge.

    Warken: Wann wurde eingestellt?

    M.T.: Meines Wissens sofort, weiß aber nicht genau. Vorgesetzten informiert, der hat es an Bad Aibling weitergegeben. Zwei Schritte: Teilergebnis, das vervollstĂ€ndigt, und dann weitergemacht.

    Warken: Nach Abschluss der Untersuchung gab es einen Ausdruck und eine Datei. Was ist damit passiert? Wie ist das technisch passiert, wenn Sie keine Datei weitergeleitet haben?

    M.T.: Ergebnisse hatten gewisse Struktur, nach entsprechenden Kriterien automatisch zu durchsuchen, um die Selektoren zu entfernen.

    Warken: Wurde alles von ihnen Entdeckte rausgenommen?

    M.T.: Kann ich nicht mit Sicherheit sagen.

    Schipanski: Warum wurden gerade Sie ausgewÀhlt?

    M.T.: D.B. war mein Chef, er hielt mich fĂŒr geeignet.

    Schipanski: Hatten Sie das erste Mal mit Selektoren zu tun?

    M.T.: Ja.

    Fragerunde 1: GrĂŒne

    Notz: War das eine abgeschirmte Operation oder allgemein bekannt?

    M.T.: War nicht bekannt.

    Notz: Wer wusste davon?

    M.T.: Referatsleiter und mehrere Kollegen in der Umgebung.

    Notz: Warum eigener Rechner? Vertuschung?

    M.T.: Nein, das war, weil Arbeitsrechner zu schwach war.

    Notz: Wann genau wurde die PrĂŒfung durchgefĂŒhrt?

    M.T.: Weiß nicht genau, habe den Auftrag Anfang August bekommen.

    Notz: Ergebnisse wann geliefert?

    M.T.: Weiß nicht mehr.

    Notz: 14. August oder 29. August?

    M.T.: Eher 14 August.

    Notz: Sie sagten, es hÀtte vier Wochen gedauert.

    M.T.: Deutlich vor dem Ende der Gesamtanalyse sind mir verdÀchtige Selektoren aufgefallen.

    Notz: Drei Suchbegriffe und tausende gefundene Merkmale. Ist das die in den Medien besprochene PrĂŒfung?

    Wolff: NÖ.

    Notz: Der verwendete Rechner wurde abgezogen. Wann?

    M.T.: Habe die Formulierung nicht benutzt.

    Notz: War der Zeuge zuvor. Wann?

    M.T.: Weiß nicht, was das bedeuten soll.

    Notz: Haben Sie den Rechner noch?

    M.T.: Das GerĂ€t wurde mir leihweise gegeben, habe ihn zurĂŒckgegeben.

    Notz: Wann?

    M.T.: Zu Beginn dieses Jahres.

    Notz: Wann?

    M.T.: Vor MĂ€rz.

    Notz: Die Datei ist darauf nicht mehr vorhanden, wurde das noch von jemand anderem ĂŒberprĂŒft außer von Ihnen?

    M.T.: Nicht dass ich wĂŒsste.

    Notz: Sie wollen also nicht auflösen, ob das Ihre Untersuchung war, die in den Medien aufgetaucht ist, oder war es eine andere ÜberprĂŒfung?

    M.T.: 12.000 Suchbegriffe ist nicht meine PrĂŒfung.

    Notz: Diese PrĂŒfung ist vor, nach oder parallel zu Ihrer PrĂŒfung erfolgt?

    M.T.: Habe davon erst aus den Medien in den letzten Tagen erfahren, weiß sonst nichts.

    Notz: Ist irgendetwas von ihren Methoden verschriftlicht worden?

    M.T.: Außer den Ergebnissen nichts. Liste der beanstandeten Ergebnisse ja.

    Notz: Haben Sie einen Bericht geschrieben?

    M.T.: Nein.

    Notz: Wie kommt das?

    M.T.: Mein Vorgesetzter war mit mĂŒndlichem Bericht zufrieden.

    Notz: Wollte er so einen?

    M.T.: Kein ausdrĂŒcklicher Auftrag, deshalb nicht geschehen.

    Fragerunde 1: SPD

    Flisek: Mit 12.000er-Untersuchung haben Sie nichts zu tun?

    M.T.: Nein.

    Flisek: Mit 2.000er?

    M.T.: Ja, das war meine Untersuchung.

    Flisek: Ok, da ist der Zusammenhang. Der Auftrag kam von D.B. mĂŒndlich?

    M.T.: Ja, er kam auf mich zu.

    Flisek: Auftrag?

    M.T.: Er sagte, ich solle mir die Liste der Selektoren geben lassen und analysieren, z. B. Interessenschwerpunkte.

    Flisek: Das war der ursprĂŒngliche Auftrag?

    M.T.: Ja.

    Flisek: Wer hat Ihnen die Liste gegeben?

    M.T.: Bad Aibling hat das sofort gemacht. Datenvolumen war zu groß, deshalb der andere Rechner.

    Flisek: Die problematischen Selektoren, war das ein Zufallsfund?

    M.T.: Ja.

    Flisek: War ja viel Arbeit. Plötzlich tauchen erste problematische Selektoren auf. Was haben Sie sich dabei gedacht? War es Ihre eigene Entscheidung, dass es sich um sensible Selektoren handelt?

    M.T.: Schien mir politisch sensibel zu sein.

    Flisek: Also eigene Entscheidung?

    M.T.: Ja. Und (
)

    Flisek: Haben Sie erstmal weitergearbeitet oder Meldung an Vorgesetzten erstattet?

    M.T.: Erst mal weitergemacht, dann Meldung.

    Flisek: Welche Kriterien?

    M.T.: Anfangs Àhnliche Kriterien, dann ausgeweitet.

    Flisek: Wie hat Vorgesetzter reagiert, als Sie ihn informiert haben?

    M.T.: Kann mich nicht mehr erinnern.

    Flisek: War er ĂŒberrascht?

    M.T.: Er ist kein Mensch, der starke Emotionen zeigt.

    Flisek: UrsprĂŒnglicher Auftrag in eine andere Richtung gelenkt? Arbeiten Sie lĂ€nger dran?

    M.T.: NÖ.

    Flisek: Mit wem haben Sie darĂŒber geredet?

    M.T.: Mit Referatsleiter H.K. und UAL.

    Flisek: Wie hat der reagiert?

    M.T.: Hat mich an UAL verwiesen.

    Flisek: Was hat der damit gemacht?

    M.T.: Habe keine direkte RĂŒckmeldung erhalten. Von Konsequenzen in Bad Aibling gehört.

    Flisek: Haben Sie beim UAL nachgefragt, was daraus geworden ist? Wie damit weitergemacht wurde?

    M.T.: Nein.

    Flisek: Warum? Doch nicht so brisant?

    M.T.: Bin davon ausgegangen, dass das Notwendige veranlasst wurde.

    Flisek: Was wÀre das gewesen?

    M.T.: Das liegt außerhalb meines Kompetenzbereichs.

    Sensburg: Keine weiteren Fragen mehr, es geht weiter mit der NÖ Sitzung.

    Das war’s fĂŒr uns heute. (19:44)

    7. Mai 2015 55
  • : re:publica ’15 – Unsere netzpolitischen Empfehlungen fĂŒr den 1. Tag
    re:publica ’15 – Unsere netzpolitischen Empfehlungen fĂŒr den 1. Tag

    rp15_banner_2Morgen startet in Berlin die re:publica 2015, die in diesem Jahr unter dem Motto „Finding Europe“ steht. Aus der FĂŒlle von 450 Stunden Programm mit rund 800 Sprecherinnen und Sprechern haben wir vergangene Woche schon die rausgesucht, wo Mitglieder unserer Redaktion auf der BĂŒhne stehen. Aber das ist natĂŒrlich nur ein kleiner Teil aller empfehlenswerten Talks. Wir werden euch fĂŒr alle drei Tage mit netzpolitischen Empfehlungen versorgen. Heute starten wir mit Morgen, dem Dienstag.

    11:00–12:00 | STG‑1
    The system is broken – and that’s the good news
    http://re-publica.de/session/system-broken-and-thats-good-news
    Ethan Zuckermann

    12:15–13:15 | STG‑4
    Digitales Europa – analoges Urheberrecht: Wie schaffen wir die Wende?
    http://re-publica.de/session/digitales-europa-analoges-urheberrecht-schaffen-wir-wende
    Hakan Tanriverdi, Julia Reda

    13:30–14:30 | STG‑3
    Finding Inclusion in Digital Europe
    http://re-publica.de/session/finding-inclusion-digital-europe
    Mareice Kaiser, RaĂșl Aguayo-Krauthausen

    13:30–14:45 | STG‑7
    Wer hat die Macht? Konvergente Medien zwischen Wettbewerb und Kontrolle
    http://re-publica.de/session/wer-hat-macht-konvergente-medien-zwischen-wettbewerb-und-kontrolle
    Jan Kottmann, Volker Grassmuck, Philipp Otto, Bernhard Pörksen, Ulrich Kelber, Dr. Thomas Höppner

    13:30–14:00 | STG‑8
    „I am as old as the Web and this is what I want.“
    http://re-publica.de/session/i‑am-old-web-and-what-i-want
    Cathleen Berger, Renata Avila

    14:00–14:30 | STG‑2
    Lost in the web – how to navigate the legal maze and protect free speech online
    http://re-publica.de/session/lost-web-how-navigate-legal-maze-and-protect-free-speech-online
    Nani Jansen

    14:00–14:30 | STG‑8
    In der Machtmaschine – wie Europa Digitalpolitik macht
    http://re-publica.de/session/machtmaschine-europa-digitalpolitik-macht
    Christian Feld

    14:45–15:45 | STG‑2
    Die Netzgemeinde ist am Ende. Jetzt geht’s los.
    http://re-publica.de/session/netzgemeinde-am-ende-jetzt-gehts-los
    Markus Beckedahl, Leonhard Dobusch

    14:45–15:45 | STG‑4
    E‑Participation and Freedom of Information projects in Africa, Latin America and Europe.
    http://re-publica.de/session/e‑participation-and-freedom-information-projects-africa-latin-america-and-europe
    Thomas Wagenknecht, Claude Migisha Kalisa, Stefan Wehrmeyer, Thomas Silberhorn, Katrin Bornemann

    14:45–15:45 | STG‑T
    Die Jugendplattform von ARD und ZDF: eine Chance fĂŒr die Netzöffentlichkeit
    http://re-publica.de/session/jugendplattform-ard-und-zdf-chance-fuer-netzoeffentlichkeit
    Volker Grassmuck

    16:00–16:30 | STG‑2
    Warum wir aufhören mĂŒssen, zu versuchen, Technologien als solche zu regulieren.
    http://re-publica.de/session/warum-wir-aufhoeren-muessen-versuchen-technologien-solche-regulieren
    Frank Rieger

    16:00–17:00 | STG‑6
    Geteiltes Leid ist halbes Leid? – (Medien-)Ethik in der Digitalen SphĂ€re
    http://re-publica.de/session/geteiltes-leid-halbes-leid-medien-ethik-digitalen-sphaere
    Friedemann Karig, Bernhard Pörksen, Stefan Niggemeier, Petra Grimm

    16:00–17:00 | STG‑7
    Zero Rating & QualitÀtsklassen: Wohin geht es mit der NetzneutralitÀt?
    http://re-publica.de/session/zero-rating-qualitaetsklassen-wohin-geht-es-netzneutralitaet
    Alexander Scheuer, Dr. Carsten Brosda, Thomas Lohninger, Dr. Cara Schwarz-Schilling, Falk Steiner

    16:30–17:00 | STG‑2
    LĂŒgen fĂŒr die Vorratsdatenspeicherung
    http://re-publica.de/session/luegen-fuer-vorratsdatenspeicherung
    Andre Meister

    17:15–18:15 | STG‑2
    Cryptocalypse now
    http://re-publica.de/session/cryptocalypse-now
    Anna Biselli, RĂŒdiger Weis

    17:15–18:15 | STG‑3
    #AfricaBlogging – Politisches Bloggen in Subsahara-Afrika
    http://re-publica.de/session/africablogging-politisches-bloggen-subsahara-afrika
    Christian Echle, Njeri Wangari, Ruth Aine Tindyebwa, Brenda Wambui

    17:15–18:15 | STG‑7
    The Future of Wi-Fi
    http://re-publica.de/session/future-wi-fi
    Dr. Ben Scott, Steffen Meyer-Tippach, Falk Steiner, Dr. Annette Schumacher, Christian Heise, Saskia Esken

    17:45–18:15 | STG‑1
    Deep Lab – Art and Hacking in the Post-Snowden Age
    http://re-publica.de/session/deep-lab-art-and-hacking-post-snowden-age
    Addie Wagenknecht

    17:45–18:15 | STG‑4
    The Status Quo of the Chinese Internet Landscape
    http://re-publica.de/session/status-quo-chinese-internet-landscape
    Hu Yong

    18:30–19:30 | MAKERSPACE
    Freifunk for Beginners
    http://re-publica.de/session/freifunk-beginners
    Elektra Wagenrad

    18:30–19:30 | STG‑3
    The War on Concepts
    http://re-publica.de/session/war-concepts
    Annie Machon

    18:30–19:30 | STG‑2
    Netzpolitischer Abend des Digitale Gesellschaft e.V.
    http://re-publica.de/session/netzpolitischer-abend-des-digitale-gesellschaft-ev
    Julia Kloiber, Ralf Bendrath, Alexander Sander, Leonhard Dobusch, Volker Tripp, Ingo Dachwitz

    18:30–19:30 | STG‑1
    Beyond The Camera Panopticon
    http://re-publica.de/session/beyond-camera-panopticon
    Aral Balkan

    19:00–19:30 | STG-10
    The Revolution Will Be Written In HTML
    http://re-publica.de/session/revolution-will-be-written-html
    Brenda Wambui

    19:00–19:30 | STG‑4
    Challenging Europe and the World: How China is Creating its Own Web (Experience)
    http://re-publica.de/session/challenging-europe-and-world-how-china-creating-its-own-web-experience
    Kristin Shi-Kupfer, Hauke Gierow

    19:45–20:15 | STG‑4
    Cyber, Cyber. Orientierungslos im Neuland.
    http://re-publica.de/session/cyber-cyber-orientierungslos-im-neuland
    Anna Biselli

    20:15–20:45 | STG‑6
    Wir lieben Überwachung – Animierte Kurzfilme zum Thema Netzpolitik
    http://re-publica.de/session/wir-lieben-ueberwachung-animierte-kurzfilme-zum-thema-netzpolitik
    Alexander Lehmann

    4. Mai 2015 4
  • : #rp15: Die Netzpolitik-Redaktion auf der re:publica’15
    #rp15: Die Netzpolitik-Redaktion auf der re:publica’15

    Von Dienstag bis Donnerstag findet die neunte re:publica in Berlin statt. Da wir alle mehr oder weniger vor Ort sind könnte es hier etwas ruhiger werden. DafĂŒr produzieren wir viel Videomaterial mit VortrĂ€gen und Debatten. Und wir nutzen die Zeit, um viele Expertinnen und Experten zu interviewen, die wegen der re:publica nach Berlin kommen und wozu wir sonst selten die Gelegenheit haben.

    In den drei Tagen re:publica findet auf 17 BĂŒhnen mehr als 450 Stunden Programm statt. Empfehlenswerte netzpolitische VortrĂ€ge und Debatten stellen wir in gesonderten BeitrĂ€gen vor. Wer Mitglieder unserer Redaktion sehen möchte, findet sie oft bei gutem Wetter auf dem Hof oder in diesen VortrĂ€gen und Diskussionen.

    Dienstag, der 5. Mai 2015

    STG‑2, 14:45 bis 15:45rp15_banner_2

    Zusammen mit Leonhard Dobusch rede ich eine Stunde lang ĂŒber „Die Netzgemeinde ist am Ende. Jetzt geht’s los.“

    STG‑7, 16:00 bis 17:00

    Thomas Lohninger diskutiert ĂŒber „Zero Rating & QualitĂ€tsklassen: Wohin geht es mit der NetzneutralitĂ€t?“

    STG‑2, 16:30 bis 17:00

    Andre Meister erklĂ€rt die aktuelle Debatte um die WiedereinfĂŒhrung der VDS und welche Mittel dafĂŒr eingesetzt werden: „LĂŒgen fĂŒr die Vorratsdatenspeicherung“.

    STG‑2, 17:15 bis 18:15

    Anna Biselli und RĂŒdiger Weis erzĂ€hlen anschaulich auch fĂŒr Einsteiger, was noch sicher ist und wie wir weiterhin frei kommunizieren können: „Cryptocalypse now“

    STG‑2, 18:30 bis 19:30

    Eine Stunde am Abend gibt es KurzvortrĂ€ge von der Digiges beim „Netzpolitischen Abend des Digitale Gesellschaft e.V.“

    STG‑4, 19:45 bis 20:15

    Anna Biselli ĂŒber „Cyber, Cyber. Orientierungslos im Neuland.“

    Mittwoch, der 6. Mai 2015

    STG‑2, 15:00 bis 16:00

    Thomas Lohninger spricht eine Stunde lang ĂŒber den aktuellen Stand der Debatte um NetzneutralitĂ€t in der EU und die Kampagne Savetheinternet.eu:
    „NetzneutralitĂ€t – Endspurt in Europa“.

    Donnerstag, der 7. Mai 2015

    STG‑3, 11:15 bis 11:45

    Leonhard Dobusch ĂŒber „Wider die Bewilligungskultur im Netz“.

    STG‑2, 12:30 bis 13:30

    Andre Meister vertritt uns auf einer Debatte ĂŒber Leserfinanzierung mit Taz, Krautreporter und Missy-Magazine: „Funktioniert Community-finanzierter Journalismus in Deutschland?“

    STG‑4, 12:30 bis 13:30

    Über TTIP, TISA & Co spricht u.a. Ralf Bendrath bei „Trade Agreements and the Net – the FAQ Panel“.

    STG‑6, 15:00 bis 16:00

    Wahrscheinlich alle festen und losen Redaktions-Mitglieder findet Ihr auf einer BĂŒhne am Donnerstag Nachmittag, wenn wir mal analoge Einblicke in unsere Arbeit geben und dabei alle vorstellen wollen, die hier oftmals nur mit Namen bekannt sind. Kommt vorbei: „netzpolitik.org: Mit Journalismus fĂŒr digitale Grundrechte eintreten“.

    STG‑4, 16:15 bis 16:45

    Kirsten Fiedler spricht mit Joe McNamee ĂŒber „States think we’re stupid: Internet censorship around Europe since ACTA“.

    30. April 2015
  • : Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: Zeugenbefragung abgebrochen
    Dr. Peter Bartodziej, ehem. Referatsleiter 611 im Bundeskanzleramt, Zeichnung: <a href="http://veith-yaeger.de/">Stella Schiffczyk</a>
    Live-Blog aus dem Geheimdienst-Untersuchungsausschuss: Zeugenbefragung abgebrochen

    ï»żHeute tagt wieder der Geheimdienst-Untersuchungsausschuss im Bundestag. Die Zeugen diesmal sind Peter Bartodziej, ehemaliger Referatsleiter in der fĂŒr die Geheimdienstkoordination zustĂ€ndigen Abteilung des Kanzleramts, – Ernst Uhrlau, 2005 bis 2011 Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), wurde entgegen erster AnkĂŒndigungen heute nicht geladen. Wir sitzen wie immer drin und bloggen live.

    Zusammenfassung

    Peter Bartodziej, Bundeskanzleramt

    Viel gab es nicht, denn schon nach etwas mehr als einer halben Stunde wurde die Zeugenbefragung abgebrochen. Auch die Vernehmung Uhrlaus wurde abgesagt. Bartodziejs Aussage belief sich primĂ€r auf Organisatorisches. Er schilderte seinen Werdegang. Im Bundeskanzleramt wechselte er seine ZustĂ€ndigkeiten. Vom Referat 604 zu 611 bis zur Gruppenleitung von Abteilung 61. WĂ€hrend seiner TĂ€tigkeit in 604 und 61 war der Jurist Bartodziej auch mit G‑10-Fragen beschĂ€ftigt.

    Er berichtete, dass es eine Zusammenarbeit von Bundeskanzleramt und BND gab, wenn es um G‑10-Fragen ging. Die Vertreter beider Stellen haben sich ab und an getroffen und sich wĂ€hrend der Sitzungen der G‑10-Kommission gesehen. Das ist interessant, denn bisher war nicht bekannt, dass derart viele Personen bei den Sitzungen der G‑10-Kommission dabeiwaren, die nicht selbst zur Kommission gehören. Laut Aussage seien es seit 2002/2003 immer mehr geworden.

    Bei G‑10-AntrĂ€gen zur Genehmigung von Überwachungsmaßnahmen habe man zusammengearbeitet und an AntrĂ€gen „gefeilt.“ Klar wird, dass der G‑10-Bereich rechtlich schwieriges Gebiet ist und eine eindeutige Auslegung nicht existiert. Das hat den Verantwortlichen einiges an Handlungsspielraum geboten.

    Bartodziej behauptet, wĂ€hrend seiner Zeit in Abteilung 6 nie von Eikonal und Glo
 gehört zu haben, wohl aber von einem mysteriösen dritten Begriff, der auch in vorigen Sitzungen zur Sprache kam. Eine Verbindung zu den ersten beiden zog er seiner Aussage nach nicht.

    Datenaustausch mit auslĂ€ndischen Nachrichtendiensten habe es auf Basis des BND- und des G‑10-Gesetzes gegeben. Laut Bartodziej gab es „eine FĂŒlle von Möglichkeiten“, Daten weiterzugeben. Es gab auch pauschale Genehmigungen und keine automatischen Berichtspflichten. Die Kommunikationswege zwischen Bundeskanzleramt und BND sind unklar.

    Kurz nach dieser Stelle sieht man die hinteren Reihen nacheinander ihre Smartphones zĂŒcken. Wenige Minuten spĂ€ter wird die Sitzung zunĂ€chst unter- und dann abgebrochen. NachtrĂ€glich stellt sich heraus: Grund fĂŒr die Unruhe war der Bericht des Spiegels, nach dem der Bundesnachrichtendienst im Rahmen seiner globalen Überwachungsmaßnahmen Selektoren von der NSA bekam, nach denen er Informationen filterte. Die Zahl der Selektoren ist enorm. Laut dem Bericht richteten sich dabei bis zu 40.000 gegen deutsche und westeuropĂ€ische Interessen.

    Pressestatements

    Die Pressestatements bezogen sich nicht mehr auf die Vernehmung des Zeugen Bartodziej, sondern auf die Medienberichterstattung bezĂŒglich der Selektoren. Quintessenz war, dass man mit der Bundesregierung gemeinsam daran arbeiten mĂŒsse, den Sachverhalt aufzuklĂ€ren, neue Unterlagen zu sichten und geeignete Zeugen zu benennen. Es ist zu erwĂ€gen, Zeugen vorzuziehen.

    Der Skandal der EnthĂŒllung ist, dass der BND auf Anweisung der NSA Selektoren zur Filterung der Kommunikationsverkehre eingesetzt hat, die zum Teil gegen deutsche und europĂ€ische Interessen gerichtet waren. Dabei spielt auch Wirtschaftsspionage eine Rolle, die Linke sprach sogar von möglichem Landesverrat. Der BND steht im Verdacht, durch sein Wegschauen die NSA bei der Spionage gegen das eigene Land unterstĂŒtzt zu haben.

    Wie viele Selektoren genau genutzt wurden, konnten die Abgeordneten nicht sicher benennen, da auch sie noch am Beginn der Erkenntnisgewinnung stehen. Vermutlich richteten die Selektoren sich sowohl gegen die Wirtschaft als auch gegen Politiker. Flisek bezeichnete daher die Beteuerungen der USA, es gebe keine Wirtschaftsspionage, im Licht der heutigen Erkenntnisse als „starken Tobak.“

    Die EnthĂŒllungen zeigen auch, dass die Aufsicht durch das Bundeskanzleramt und die Organisation innerhalb des BND gescheitert sind. Lediglich Nina Warken von der Union beteuerte ihren Glauben daran, dass Schindler, Altmaier und Fritsche den BND im Griff hĂ€tten. Die Reaktion im Raum sprach jedoch deutlich davon, dass sie mit dieser Auffassung recht allein steht.

    Fazit: Der Ausschuss wurde höchstwahrscheinlich belogen, Selektoren zur Spionage gegen Wirtschaft und eventuell sogar Politiker eingesetzt. Nun muss festgestellt werden, wer wie viel wusste und an welchen Stellen strategisch geschwiegen und gelogen wurde. Es ist zu hoffen, dass die Bundesregierung dem Ausschuss dabei keine Steine in den Weg legt oder gar Informationen verschwinden. Bisher verhielt sie sich nÀmlich leider wenig aufklÀrungsinteressiert.

    Die Linken forderten, dass der Generalbundesanwalt nun endlich echte Ermittlungen aufnimmt, einen Anfangsverdacht der Spionage weiter nicht sehen zu wollen, dĂŒrfte zumindest schwierig werden.

    Wie es weitergeht werden wir vermutlich bald erfahren, denn alle Abgeordneten kĂŒndigten an, den Themenkomplex zeitnah behandeln zu wollen.

    WÀhrenddessen macht sich die Bundesregierung in ihrer PresseerklÀrung lÀcherlich:

    Im Rahmen der Dienst- und Fachaufsicht hat das Bundeskanzleramt technische und organisatorische Defizite beim BND identifiziert. Das Bundeskanzleramt hat unverzĂŒglich Weisung erteilt, diese zu beheben. Nach wie vor gibt es keine Hinweise auf eine massenhafte AusspĂ€hung deutscher und europĂ€ischer StaatsbĂŒrger.

    Gliederung

    Vorbemerkungen

    Disclaimer: Dieses Protokoll ist nach bestem Wissen und Können erstellt, erhebt jedoch keinen Anspruch auf VollstÀndigkeit oder umfassende Korrektheit.

    Dargestellte: Abgeordnete und Zeugen, gerne korrigieren und vervollstÀndigen wir ihre Aussagen. Kontaktieren sie uns!

    Wer uns unterstĂŒtzen möchte, darf gerne spenden.

    Update: Das offizielle stenografische Protokoll gibt es auf bundestag.de als PDF (Mirror bei uns).

    Einleitung: Vorsitzender (12:03)

    $BegrĂŒĂŸung

    $FormalitÀten

    Zeuge 1: Peter Bartodziej, Bundeskanzleramt

    [Zeuge hat keinen Rechtsbeistand dabei.]

    Personalien: $Name, Ministerialdirigent im Bundeskanzleramt (Bundeskanzleramt), wohnhaft in Potsdam, geboren am 20.03.1963.

    Will kein inhaltliches Eingangsstatement geben, sondern schildern, welche ZustÀndigkeiten er im Bundeskanzleramt etc hatte, diese haben gewechselt.

    Seit Montag, 3. Juni 2002 in Bundeskanzleramt, Leiter Referat 604, dort zustĂ€ndig fĂŒr Information, Organisierte KriminalitĂ€t & G‑10-Angelegenheiten. Abteilungsleiter war Ernst Uhrlau.

    VorgÀnger war ausgeschieden, B. hat 13 Monate das Referat geleitet. Dann wurde die Abteilung umstrukturiert.

    Seit der Referatsleiter von Referat 601 ausgeschieden ist, hat er dieses Referat geleitet – Referat 611. Das war nicht zustĂ€ndig fĂŒr G‑10, die ZustĂ€ndigkeiten blieben in 612, das aus 603 und 604 zusammengefĂŒhrt wurde.

    In Referat 611 war er zustĂ€ndig fĂŒr Personal & Organisation, nicht aber fĂŒrs „operative G‑10-GeschĂ€ft.“

    Hatte diese Funktion bis 2007, danach wurde er Wenkelbach-Nachfolger und demnach Gruppenleiter fĂŒr Referat 61.

    Abteilung 61 war zustĂ€ndig fĂŒr die alten Referate 611 und 612, bis Wechsel in Gruppe 13, 2011.

    AL 6 war Klaus-Dieter Fritsche, bis Wechsel 2009, danach GĂŒnter Heiß.

    B. ist bis heute Gruppenleiter 13.

    Frage 1: Vorsitzender

    Sensburg: Ausbildung?

    Bartodziej: Volljurist, Assistent in TĂŒbingen, dann Justizministerium (BMJ) ab 1993, dann 9 Jahr im BMJ, von da aus ins Bundeskanzleramt. Kein technischer Hintergrund.

    Sensburg: Bundeswehr?

    Bartodziej: 15 Monate, ab 1982.

    Sensburg: Bis 2002 im BMJ, welche Fragen dort bearbeitet?

    Bartodziej: Wirtschaftsabteilung, hatte mehrere Verwendungen. Zwischendurch in BrĂŒssel als AttachĂ©. Drei Referenten in Wirtschaftsabt. Ab 1999 ?

    Sensburg: War zuerst Leiter Referat 604, dann gab es eine Umstrukturierung. Proliferation, Informationsverwertung, G‑10 – was war Schwerpunkt?

    Bartodziej: Proliferation und G‑10. Jeden Monat gab es eine Sitzung der G‑10-Kommission. Proliferation deshalb, weil Zeit kurz vor Irakkrieg. Sehr viele Sitzungen im AuswĂ€rtigen Amt. Organisierte KriminalitĂ€t war weniger stark vertreten.

    Sensburg: Nach der Umstrukturierung von Referat 211/212 zu Referat 611 – war G‑10 da noch Thema?

    Bartodziej: Nein, aber Gesetzgebung, die sich auf G‑10 bezogen hat. Das „operative GeschĂ€ft“ lag bei Referat 612, genau wie die Betreuung der Kommission und TagesgeschĂ€ft.

    Sensburg: SpĂ€ter hatte er auch wieder Verantwortung fĂŒr G‑10?

    Bartodziej: Ja. 2007 wurden die ZustĂ€ndigkeiten nochmal neu geordnet, dann G‑10 wieder in Referat 611. Umzug hatte mit neuem Referatsleiter zu tun, der die entsprechenden Kompetenzen mitgebracht hat.

    Sensburg: Wenn beide Referate im Blick, war er dann wieder G‑10 zustĂ€ndig?

    Bartodziej: Ja. Wer war wann in G‑10-Kommission? Die ersten 13 Monate, dann 4 Jahre nicht, dann wieder regelmĂ€ĂŸig.

    Sensburg: Wie stark ist die Kommunikation von Bundeskanzleramt mit G‑10-Juristen des BND? Bildet man ein Team?

    Bartodziej: Gibt Kontakte, aber keine tĂ€gliche Zusammenarbeit. Abgegrenzte Aufgaben. Gibt großen Kreis, in dem auch Vertreter des Innenministeriums sind. Leute kamen nach Berlin oder fuhren nach Pullach.

    Sensburg: G‑10 ist ein sehr enger Bereich der Rechtswelt, eine Nische. Austausch scheint sinnvoll. Hat man sich einmal in großer Runde pro Jahr getroffen?

    Bartodziej: Ja, ungefĂ€hr. War nicht fĂŒr AntrĂ€ge des Bundesamts fĂŒr Verfassungsschutz und MilitĂ€rischen Abschirmdienst zustĂ€ndig, nur fĂŒr BND. Man hat sich in den Kommissionssitzungen gesehen.

    Sensburg: G‑10-Juristen der Dienste waren in Kommissionssitzungen dabei?

    Bartodziej: Geheimhaltung. Aber Anzahl der Leute in der Sitzung, die nicht zur Kommission gehören ist eher gewachsen (seit 2002/2003) (!)

    Sensburg: Sind Leute in Kommission EinzelkĂ€mpfer oder haben sich regelmĂ€ĂŸig zusammengesetzt? Haben G‑10-Juristen ĂŒber Probleme und Bedenken geredet?

    Bartodziej: Ja, vor allem wenn ein Eilantrag kam, hat es telefonischen Kontakt gegeben. Oft tritt bei jedem Antrag ein neues Problem auf, dann gibt es Beratung. Vor Weiterleitung ins Innenministerium auch oft wieder zurĂŒckgekommen.

    Sensburg: Kam das vor, dass AntrĂ€ge zurĂŒckgewiesen werden?

    Bartodziej: Kam vor.

    Sensburg: Wie oft?

    Bartodziej: Nicht im Kopf, man hat aber in diversen FÀllen zusammen an AntrÀgen gefeilt.

    Sensburg: Gibt es interne Handreichungen, Ausarbeitungen, Kommentierungen?

    Bartodziej: Kommentar- und Literatursituation zu G‑10 ist dĂŒnn. Gab einen alten Kommentar aus 90ern, aber Gesetz sieht mittlerweile deutlich anders aus. Was es gab war innerhalb des Dienstes eine G‑10-Anweisung und G‑10-Arbeitshilfe [erinnert sich nicht genau]. Wurde auch Bundeskanzleramt vorgelegt zur Stellungnahme. Ist sogar einmal nach Pullach gefahren, um Probleme zu diskutieren.

    Sensburg: Wie ist die Kommentierungslage jetzt?

    Bartodziej: Ist nicht mehr so in der Thematik. Arbeite selbst an Kommentierung eines verwandten Gesetzes.

    Sensburg: Wie war es auf der Praktikerseite?

    Bartodziej: G‑10 war Rechtsbereich, wo man „noch Praxis prĂ€gen“ konnte.

    Sensburg: Bereich Operationen? Eikonal und Glo
 bekannt?

    Bartodziej: Von beiden Namen erst nach Ausscheiden aus Abteilung 6 erfahren.

    Sensburg: Eikonal und Glo
 nie auf Tisch gehabt?

    Bartodziej: Gibt einen dritten Begriff, den er gehört hat.

    Sensburg: War der dritte Begriff ein Synonym fĂŒr die beiden anderen?

    Bartodziej: Schlussfolgert aus nachtrĂ€glichem Wissen: Von drittem Begriff nur durch ein einziges SchriftstĂŒck erfahren und keine Verbindung zu den anderen Begriffen gezogen. Danach aufgrund der Arbeit des Ausschusses verfolgt.

    Sensburg: Nicht zu dem Schluss gekommen, dass es nur ein anderer Name fĂŒr diese Operationen war?

    Bartodziej: Nein.

    Sensburg: Ist bekannt, dass Daten vom BND an AuslĂ€ndische Nachrichtendienste (AND) ĂŒbermittelt worden sind?

    Bartodziej: Gibt zwei Möglichkeiten, einmal durch BND-Gesetz und ab 2009 §7a G‑10-Gesetz.

    Sensburg: Ist bekannt, dass auch Daten an AND geflossen sind? Auf Grundlage der Gesetze oder sogar an Grundlage vorbei?

    Bartodziej: BND-Gesetz-Bereich: Gibt eine FĂŒlle von Möglichkeiten, Daten zu ĂŒbermitteln. FĂŒr bestimmte Arten von Übermittlung gab es pauschale Genehmigung. Keine automatischen Berichtspflichen (!) – hat also nicht von allem Kenntnis erhalten.

    Sensburg: Wie ist Informations- und Meldefluss aus Blickwinkel des Bundeskanzleramt. In BND passiert das auf Sachgebietsebene. Wird das gemeldet, dem Bundeskanzleramt mitgeteilt, gibt es eine RechtsprĂŒfung?

    Bartodziej: In der Regel bei §7a Vorbehalt und Zustimmung des Bundeskanzleramt vorgesehen. Hat aber bis 2011 sowas nicht gesehen. Ab 2007 wÀre das bei Referatsleiter aufgeschlagen, nach 2007 bei 612.

    Sensburg: Sie sind also zeitlich drumherum gegangen?

    Bartodziej: PhÀnomenbereich in Abteilung 6 teilweise auch Kollegen in Gruppe 62 zustÀndig.

    Sensburg: Wie ist der Kommunikationsfluss? Im Sinne, dass der BerĂŒcksichtigung von G‑10 möglichst Rechnung getragen wird? Findet ausreichende Zusammenarbeit fĂŒr G‑10 statt bei komplexeren FĂ€llen? LĂ€uft das so?

    Bartodziej: Keine AnwendungsfĂ€lle bei §7a. Oft nimmt man Splitter aus G‑10-Material, baut den ins Lagebild ein, tauscht dann personenbezogen Informationen aus. Das wĂ€re Sache fĂŒr Gruppe 62. Betrifft durchweg Übermittlungen im Einzelfall und nicht Rohdaten.

    [Sitzungsunterbrechung (12:44), weil neue Erkenntnisse durch Spiegel-Bericht.]

    [Zeugenbefragung fĂŒr heute abgebrochen. Ab 16:00 Pressestatements der Abgeordneten angekĂŒndigt.]

    [Noch was am Rande: Der BND hat fĂŒr die heutige Sitzung die angeforderten Unterlagen nicht dem Ausschuss gegeben. Auf gruen-digital.de dazu:

    Auch ist die Frage von großem Interesse, welche Operationen der NSA quasi als Kompensation fĂŒr den abgebrochenen gemeinsamen Abgriff am Internetknotenpunkt in Frankfurt angeboten und was bis Ende 2011 konkret umgesetzt wurde. Weiter wollen wir den Spionageversuch der NSA mit Erfassungskriterien wie EADS, Eurocopter und französischen Behörden weiter aufklĂ€ren. Zu diesem Komplex hat das Bundeskanzleramt, gerade noch fristgerecht, einige wenige Unterlagen geliefert. Der BND hat hierzu keine Akten geliefert, trotz Fristablaufs am 15. April.]

    Pressestatements

    Wir warten (16:22 Uhr).

    Abgeordnete kommen raus (16:33).

    Wir haben die Statements mitgeschnitten, MP3s je Abschnitt.

    Pressestatement: Vorsitzender (MP3)

    Sensburg: Man hat beschlossen, den Sachverhalt mit der Bundesregierung zu besprechen. Das Thema ist ernst zu nehmen, da es viele Fragen beinhaltet. Zusammenarbeit mit ANDs. Zur AufklÀrung enger Kontakt mit Bundesregierung.

    Es geht um das Bereitstellen von Selektoren. AND stellt deutschem Dienst Selektoren zur VerfĂŒgung. Es sind Selektoren eingestellt worden, die nicht ĂŒbergeben werden hĂ€tten sollen. Details und Umfang mĂŒssen aufgeklĂ€rt werden.

    Sachverhalt ist im Februar aufgekommen, in nÀchster Zeit wird man dem Aufmerksamkeit widmen.

    Frage: Gibt Vorwurf, die Information sei nicht weitergeleitet worden. Kommentar dazu?

    Sensburg: Kann so nicht bestÀtigen. Werden schauen, wie die Kommunikation in BND und Bundeskanzleramt gelaufen ist. Grundsachverhalt gestern bekannt gegeben worden. Heute weitere Details

    Frage: MĂŒssen nicht die Zeugen Steinmeier oder Fritsche vorgezogen werden?

    Sensburg: Erstmal in die Akten gucken. Sicher auch Zeugen vernehmen, die damit beschÀftigt waren. Manchmal wichtiger als Zeugen in der oberen Verantwortung.

    Frage: Gibt es Zahlen [bzgl. Selektoren]?

    Sensburg: Heute nicht, kennen noch nicht alle. Zahlen heute noch nicht bewertbar.

    Frage: Wie kommt man zu dem Fazit, dass deutsche Interessen nicht betroffen seien?

    Sensburg: Nicht gesagt – es gab nur kein bewusstes (!) Zusammenwirken der Nachrichtendienste gegen deutsche Interessen. Wollen wissen: Sind deutsche Firmen und BĂŒrger betroffen?

    Pressestatement: GrĂŒne (MP3)

    Notz: Verdacht bestĂ€tigt und konkretisiert sich. AnknĂŒpfend an 2005, dass Daten ĂŒber EADS, Eurocopter und Co. ausgeleitet worden sind ist eine neue Erkenntnislage entstanden. Skandal dabei ist: Nach 2005 waren Probleme dem Bundeskanzleramt in Hinblick auf Wahrung deutscher und europĂ€ischer Interessen bekannt. Muss man spĂ€testens nach Snowden gewusst haben. Erstaunlich, dass das niemand gewusst haben will. Nach Snowden hat man Tausende Selektoren gefunden, die gegen Memorandum of Understanding verstoßen. Klares Problem bei Fachaufsicht des BND.

    Arbeiten der Geheimdienste im Graubereich manifestiert sich hier. WĂŒnschen uns zwei Dinge: Bundeskanzlerin muss sich erklĂ€ren, auch zur zukĂŒnftigen Zusammenarbeit. Und Ausschuss muss Unterlagen bekommen. Mit Schlagworten, die gegen deutsche und EU-Interessen verstoßen, um den Datenabfluss zu verstehen.

    Frage: Kommentar zur Forderung nach personellen Konsequenzen?

    Notz: Das lenkt ab, man muss eigentlich verstehen, wer Verantwortung trĂ€gt. Schneller RĂŒcktritt wird Verantwortlichkeiten nicht im Nebel auflösen.

    Frage: Waren Selektoren wirklich im Einsatz?

    Notz: Ja, zumindest bei den 2000 Selektoren.

    Frage: Hat BND bei Industriespionage durch Wegschauen unterstĂŒtzt?

    Notz: Verdacht steht im Raum, obwohl man wusste, dass es ein Problem mit Interessen gibt. Ist ein erheblicher Vorgang. Was in Deutschland passiert, ist nur ein Punkt. Passiert auch außerhalb von Deutschland, da werden Interessen auslĂ€ndischer GrundrechtstrĂ€ger nicht ganz so genau genommen. Im internationalen Zusammenwirken werden deutsche Interessen strukturell verletzt.

    Frage: Haben ANDs VerhÀltnis zu BND benutzt, damit der gegen eigenes Land spÀht?

    Notz: Man hat ZugÀnge genutzt, wo man woanders nur schlecht abgreifen kann. Das hat sich NSA zu Nutze gemacht und Selektoren untergeschoben. Verdacht, dass Projekte wie ein trojanisches Pferd gewirkt haben und hochproblematische Informationen ausgeleitet haben.

    Pressestatement: SPD (MP3)

    Flisek: Was im Spiegel-Bericht steht ist ein gravierender Vorgang. Es sind Suchbegriffe verwendet worden, die nicht hĂ€tten verwendet werden dĂŒrfen, die gegen deutsche und EU-Interessen verstoßen. Man ist zusammen mit Bundesregierung in Sachverhaltsermittlung. Zu frĂŒh fĂŒr einzelne Details.

    Untersuchungsausschuss war Anlass fĂŒr diese AufklĂ€rung. Man steht am Anfang, will zeitnah Licht ins Dunkel bringen.

    Es gibt zwei Komplexe: Wenn das wahr ist, gibt es ein Organisationsverschulden im BND. Die Frage: Wie effizient ist die Dienst‑, Fach- und Rechtsaufsicht im Bundeskanzleramt?

    Im Zeitablauf gab es erhebliche ZĂ€suren seit Snowden-EnthĂŒllungen. Mitarbeiter des BND hĂ€tten wissen mĂŒssen, dass diese Themen sensibel sind.

    Zweitens: Was haben wir davon zu halten, dass die USA beteuern, dass keine Wirtschaftsspionage passiert? Das muss in neuem Licht bewertet werden. Hatten schon öfters Vermutungen. Aber wenn wir jetzt Selektoren sehen, die genau der Zusage widersprechen, ist das ziemlich starker Tobak. Braucht politische Erörterung auf höchster Ebene. Konkretisiert sich erst, wenn AufklÀrungsarbeit gemacht ist. Geht davon aus, dass in nÀchster Sitzungswoche Mitarbeiter genannt werden, die Zeugen sein sollen. Noch vor Sommerpause Ergebnisse erwartet.

    Frage: Umfang der Spionage?

    Flisek: Kann noch nichts Seriöses sagen. Aber gibt starke Indizien, dass wirklich Wirtschaftsspionage. Muss man am Ende bewerten und differenzierte Sicht entwickeln.

    Frage: Welche Erkenntnisse gibt es, wer hat was gewusst und wieso hat das so lange gedauert?

    Flisek: Wurden gestern informiert, heute nochmal GesprÀch mit Fritsche. Eindruck: Intensive Ermittlungen bei Bundesregierung. Kann das nachvollziehen, weil es um komplexe Sachverhalte geht. Wenn Regierung ein Konsultationsverfahren einleitet, ist auch die US-Seite zu befragen. Das Àndert nichts daran, dass Bundesregierung eigene Entscheidung treffen muss, welche Unterlagen dem Ausschuss vorgelegt werden.

    Frage: Ist es das Versagen der Bundesregierung, dass nicht proaktiv aufgeklÀrt wird?

    Flisek: Ausschuss ist immer wieder fĂŒr Überraschungen gut. Punkt ist: Ist offensichtlich bei BND so gewesen, dass Themenkomplex auf unterer Ebene abgeschirmt wurde. Welche Ebenen sind informiert worden, wie viel? Organisationsverschulden ja oder nein? Gibt auch AufklĂ€rungsinteresse bei der Bundesregierung. Prozess wird sehr zĂŒgig ablaufen.

    Pressestatement: Linke (MP3)

    Renner: Linke sieht den Vorgang als Spionageskandal, der seinesgleichen sucht. Fordern vier Konsequenzen:

    1. BND-PrĂ€sident Schindler soll zurĂŒcktreten. Möglicherweise wurde das Parlament unrichtig informiert. Zeugen haben evtl. nicht immer Wahrheit bzw. Alles gesagt.
    2. Bundeskanzleramt ist Recht- und Fachaufsicht. Man muss Organisationsversagen feststellen. Muss sĂ€mtliche Beweise sichern, auch fĂŒr Generalbundesanwalt. Beweise dĂŒrfen nicht vernichtet werden
    3. Generalbundesanwalt-PrĂŒfverfahren. Erwarten, dass Generalbundesanwalt das PrĂŒfverfahren sofort in ein Ermittlungsverfahren umwandelt. Geht um den Bereich Spionage und Landesverrat.
    4. Der Untersuchungsausschuss ist gefordert. Muss in einer der nÀchsten Sitzungen den Vorgang parlamentarischer AufklÀrung anfangen. Will Zeugenliste und Selektorenliste.

    Zusammenfassung: Es ist klar geworden, dass es ein Problem mit Nachrichtendiensten im Land gibt. Die fĂŒhren ein Eigenleben, entziehen sich der Kontrolle, laufen parlamentarischer Untersuchung zuwider.

    Wenn man Gesetze anpasst, geht es nicht um Kosmetik oder darum, AuslandsĂŒberwachung zu legalisieren. Es muss darum gehen, die Dienste zu begrenzen und zu kontrollieren.

    Frage: Wurden die Selektoren alle eingesetzt?

    Renner: Zumindest ein Teil sicher eingesetzt.

    Frage: Warum geht es um Landesverrat und Spionage?

    Renner: Es können auch deutsche Interessen vertreten sein. Zum Beispiel bei RĂŒstungs- und MilitĂ€rindustrie.

    Frage: Was macht plausibel, dass Bundesregierung nichts gewusst hat?

    Renner: Die Frage, wer was wusste, ist genau das Thema, dass man bald aufklĂ€ren muss. Haben jetzt eine ErzĂ€hlung gehört. MĂŒssen VorgĂ€nge klĂ€ren, durch Zeugeneinvernahme. Selbstrevision in BND wird nicht funktionieren.

    Ströbele: [geht außer der Reihe zum Mikro (MP3)] Nicht nur die GlaubwĂŒrdigkeit von BND und Bundeskanzleramt ist in Frage gestellt. BND hat Parlament belogen. BND hat Spionage mitgemacht und nach außen erklĂ€rt, NSA hĂ€lt sich an deutsche Gesetze. Kann niemandem mehr glauben. HĂ€tte das so nicht fĂŒr möglich gehalten. Dieses Verhalten ist „vor allem auch so dumm, weil es rauskommen kann.“

    Immer wieder gesagt: Keine Wirtschaftsspionage, sondern TerrorismusbekĂ€mpfung ist Überwachungsgrund. Offenbar ist das alles so nicht wahr. Hoffe, dass Kanzleramt und BND-Spitze nun beim Sortieren der Informationen hilft.

    Pressestatement: Union (MP3)

    Nina Warken: Wir nehmen das sehr ernst, wollen VorwĂŒrfe untersuchen. Vor allem, ob tatsĂ€chlich Schaden eingetreten ist. Man wird Plan der nĂ€chsten Wochen umwerfen und erforderliche Zeugen einladen. Zusage von Bundesregierung, dass Ausschuss zeitnah in AufklĂ€rung eingebunden wird.

    Frage: Glauben Sie, dass Schindler, Fritsche und Altmaier den BND im Griff haben?

    Nina Warken: Den Eindruck habe ich gewonnen.

    [Ende (17:01)]

    [Wir fahren jetzt ins BĂŒro. Zusammenfassen und Typos fixen.]

    [Erstmal fertig fĂŒr heute (21:10)]

    Die Aquarelle der Zeugen stehen nicht unter einer Freien Lizenz. Wer die Bilder verwenden möchte, stimmt das bitte mit Stella direkt ab.

    23. April 2015 18
  • : OpenTechSummit in Berlin
    OpenTechSummit in Berlin

    Logo_OpenTecSummit_TXT_o_v1-1Am Donnerstag den 14. Mai 2015 (Himmelfahrt), findet der erste deutsche OpenTechSummit in der Kalkscheune in Berlin samt Himmelfahrt-Lounge-Party am Abend statt.

    Von 10 bis 17 Uhr dreht sich in VortrĂ€gen, Workshops und Diskussionen alles um spannende Zukunftstechnologien von Open Hardware zum Selberbauen (deine eigene TV-Fernbedienung, Strickmaschine oder Ampelschaltung), ĂŒber EnzyklopĂ€dien, Software (Linux, Websites, Cloudsysteme) und eigene Freifunk-Netze bis hin zu Fragen ĂŒber Copyright und Patente fĂŒr FirmengrĂŒnder. Der Linuxtag e.V. veranstaltet einen Track und fĂŒr Kinder und Technik-Begeisterte gibt es Workshops.

    Der OpenTechSummit ist ein Community-Event, um diverse Open-Source-Communities zusammen zu bringen. Insofern werden noch Helfer gesucht und es kann auch noch ein Talk oder eine Diskussion vorgeschlagen werden.

    Wir sind Medienpartner. Und sollten wir die re:publica ĂŒberleben und die Woche darauf auch fit sein, werden wir gerne dabei sein. Tickets gibts noch zum Preis von 25 Euro. Helfer/innen bekommen natĂŒrlich freien Eintritt.

    Und das ist die Langfassung der Einladung:

    Der OpenTechSummit bietet die Möglichlichkeit die neuen Offene Technologien zu erfahren und neue Ideen, Projekte, Gesellschaftsutopien, Produktions- und GeschĂ€ftsmodelle zu entwickeln. Es geht um Lernen zu Sharen und mit Offener Kultur zu experimentieren. Wir bringen Communities, Software-Developer, Hardware-Maker, Studenten und Start-Ups, zusammen und schaffen einen BrĂŒckenschlag zur Wirtschaft und Politik.

    FĂŒnf Tracks bringen fĂŒr die Teilnehmer Ordnung in der thematischen Vielfalt der schönen Offenen Technologischen Welt.

    Open Source und Freie Software
    Open Hardware und Freie Netze
    Internet, Gesellschaft und Patente
    Startups und Ideen
    Open Data und Freies Wissen

    Organisiert wird der Event unter FĂŒhrung des Fördervereins fĂŒr eine Freie Informationelle Infrastruktur e.V. und dem Berliner Förderverein Freie Netzwerke e.V.. Der Linux-Tag e.V. ist als Track-Organisator mit dabei. Der erste OpenTechSummit fand bereits 2009 in Taiwan statt.

    21. April 2015
  • : Was passiert diese Woche in Bundestag und Europaparlament?
    Quelle: Deutscher Bundestag, Fotograf Steffen Unger
    Was passiert diese Woche in Bundestag und Europaparlament?

    Wir experimentieren mal mit einem neuen Service herum. In jeder Sitzungswoche wollen wir euch zusammenstellen, was in den einzelnen AusschĂŒssen und in den jeweiligen Plenarsitzungen im Bundestag und im Europaparlament netzpolitisch Relevantes passiert. Das ist von unserer Seite etwas Fleißarbeit, aber wir hoffen, dass wir das fĂŒr euch regelmĂ€ĂŸig hinbekommen. Möglicherweise finden wir nicht immer alles, dann freuen wir uns ĂŒber sachdienliche Hinweise.

    Netzpolitische Termine in der Woche vom 20. – 24. April 2015: Bundestag und Europaparlament
    (Hinweis: Die verlinkten Druckvorlagen sind .pdfs, von nicht-öffentlichen Sitzung sind u.U. noch keine Vorlagen im Vorfeld online.)

    BUNDESTAG
    Plenarsitzungen
    (Stand: 20. April)

    (Hinweis: Die vier aufgefĂŒhrten TOPs sind alle mit ÜberweisungsvorschlĂ€gen versehen)

    Donnerstag, 23. April 2015
    TOP 11: Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Verbesserung der zivilrechtlichen Durchsetzung von verbraucherschĂŒtzenden Vorschriften des Datenschutzrechts
    Drucksache 18/4631

    Freitag, 24. April 2015
    TOP 23a: Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Verbesserung der Zusammenarbeit im Bereich des Verfassungsschutzes
    Drucksache 18/4654
    TOP 25b: Bericht der Bundesregierung ĂŒber den Umsetzungsstand der Empfehlungen des 2. Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages in der 17. Wahlperiode (NSU-Untersuchungsausschuss)
    Drucksache 18/710

    Beratung ohne Aussprache
    Donnerstag, 23. April 2015
    TOP 32: Überweisungen im vereinfachten Verfahren – a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines ersten Gesetzes zur Änderung des Informationsweiterverwendungsgesetzes
    Drucksache 18/4614
     

    BUNDESTAG
    AusschĂŒsse

    Ausschuss fĂŒr Bildung, Forschung und TechnikfolgenabschĂ€tzung – nicht öffentlich
    Mittwoch, 22. April 2015, 9.30
    Paul-Löbe-Haus, Saal 4.300
    a) Öffentliches FachgesprĂ€ch zum Thema „Digitale Bildung und Medienkompetenz“
    BT-Drucksache 18/4422
    b) Unterrichtung durch die Bundesregierung Forschungsrahmenprogramm der Bundesregierung zur IT-Sicherheit/ Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt 2015–2020
    BT-Drucksache 18/4304; Weitere Unterlagen: ADrs. 18(18)91 a ff., Stellungnahmen der eingeladenen SachverstÀndigen

    Ausschuss Digitale Agenda – nicht öffentlich
    Mittwoch, 22. April 2015, 15.00
    Paul-Löbe-Haus, Saal E.200
    TOP 2: Unterrichtung durch die Bundesregierung: TĂ€tigkeitsbericht 2012/2013 der Bundesnetzagentur – Telekommunikation mit Sondergutachten der Monopolkommission – Telekommunikation 2013: Vielfalt auf den MĂ€rkten erhalten
    BT-Drucksache 18/209
    TOP 4: Entwurf eines Gesetzes zur Änderung der Verfolgung der Vorbereitung von schweren staatsgefĂ€hrdenden Gewalttaten (GVVG-Änderungsgesetz-GVVG-ÄndG)
    BT-Drucksachen 18/4087 bzw. 18/4279

    Innenausschuss – nicht öffentlich
    Mittwoch, 22. April 2015, 10.00
    Paul-Löbe-Haus, Saal 2.300
    TOP 8: Antrag der Fraktionen DIE LINKE. und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.
    Bericht der Bundesregierung zum Stand der Planungen zu einer gesetzlichen Regelung zur Speicherung sÀmtlicher Verkehrsdaten der Telekommunikation zu Sicherheitszwecken (Vorratsdatenspeicherung)

    Innenausschuss – öffentlich
    verbindliche Anmeldefrist abgelaufen
    Montag, 20. April 2015, 14.00
    Adele-Schreiber-Krieger-Straße 1, Marie-Elisabeth-LĂŒders-Haus, Raum 3.101 (Anhörungssaal)
    Gesetzentwurf der Bundesregierung. Entwurf eines Gesetzes zur Erhöhung der Sicherheit informationstechnischer Systeme (IT-Sicherheitsgesetz)
    BT-Drucksache 18/4096

    Ausschuss fĂŒr Kultur und Medien – nicht-öffentlich
    Mittwoch, 22. April 2015, 14.00 – ~14.30
    Adele-Schreiber-Krieger-Straße 1, Marie-Elisabeth-LĂŒders-Haus, Raum 3.101 (Anhörungssaal)
    TOP 3: Unterrichtung durch die Bundesregierung. TĂ€tigkeitsbericht 2012/2013 der Bundesnetzagentur-Telekommunikation mit Sondergutachten der Monopolkommission – Telekommunikation 2013: Vielfalt auf den MĂ€rkten erhalten.
    BT-Drucksache 18/209

    Ausschuss fĂŒr Kultur und Medien – öffentlich
    Mittwoch, 22. April 2015, ~14.30 (im Anschluss an die nichtöffentliche Sitzung)
    Paul-Löbe-Haus, Saal E.400
    TOP 1: Digitalstrategien im Mediensektor. FachgesprÀch mit:
    Susann Hoffmann, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin, Edition F
    Dr. Dietrich von Klaeden, Head of Public Affairs, Axel Springer SE
    Mathias MĂŒller von Blumencron, Chefredakteur, FAZ.NET
    Dr. Susanne Pfab, GeneralsekretÀrin, ARD
    Dr. Tobias Schmid, Bereichsleiter Medienpolitik, Mediengruppe RTL Deutschland GmbH

    Ausschuss fĂŒr Recht und Verbraucherschutz – nicht öffentlich
    Mittwoch, 22. April 2015, 9.00
    Paul-Löbe-Haus, Saal 2.600
    TOP 2: Bericht der Bundesregierung zur angekĂŒndigten Initiative zur EinfĂŒhrung der Vorratsdatenspeicherung in Deutschland
    TOP 9a: Unterrichtung durch die Bundesregierung TĂ€tigkeitsbericht 2012/2013 der Bundesnetzagentur – Telekommunikation mit Sondergutachten der Monopolkommission – Telekommunikation 2013: Vielfalt auf den MĂ€rkten erhalten
    BT-Drucksache 18/209

    Untersuchungsausschuss NSA – nicht öffentlich
    Donnerstag, 23. April 2015, 11.00
    Paul-Löbe-Haus, Europasaal (4.900)

    Untersuchungsausschuss NSA – öffentlich
    Donnerstag, 23. April 2015, 11.30
    Paul-Löbe-Haus, Europasaal (4.900)
    Anmeldung fĂŒr interessierte BesucherInnen bis einschl. Mittwoch, 22. April, 15.00 im Sekretariat des Untersuchungsausschusses unter Angabe des Vor- und Zunamens sowie des Geburtsdatums (1.untersuchungsausschuss Ă€tt bundestag.de, Fax: 030/227–30084). Zum Einlass muss ein Personaldokument mitgebracht werden.
    Zeugenvernehmungen
    a) Dr. Peter Bartodziej, Bundeskanzleramt, ehem. Referatsleiter 611 (Beweisbeschluss Z‑82)
    b) BND-PrĂ€sident a.D. Ernst Uhrlau (Beweisbeschluss Z‑18)
    Wir werden wie gewohnt vor Ort sein und berichten.

    Ausschuss fĂŒr Verkehr und digitale Infrastruktur – nicht öffentlich
    Mittwoch, 22. April 2015, 9.30
    Paul-Löbe-Haus, Saal E 600
    TOP 6: Ergebnisse des Verkehrsgerichtstags – u.a. zum Thema Automatisiertes Fahren sowie Bericht des Bundesministeriums fĂŒr Verkehr und digitale Infrastruktur zum Sachstand Runder Tisch „Automatisiertes Fahren“
    Selbstbefassung 18(15)SB – 55

    Ausschuss fĂŒr Wirtschaft und Energie – öffentlich
    Mittwoch, 22. April 2015, 10.00
    Paul-Löbe-Haus, Europasaal (4.900)
    TOP 1: a) GesprĂ€ch mit dem PrĂ€sidenten der Bundesnetzagentur, Herrn Jochen Homann, b) Unterrichtung durch die Bundesregierung, TĂ€tigkeitsbericht 2012/2013 der Bundesnetzagentur – Telekommunikation mit Sondergutachten der Monopolkommission – Telekommunikation 2013: Vielfalt auf den MĂ€rkten erhalten, BT-Drucksache 18/209, d) Unterrichtung durch die Bundesregierung. TĂ€tigkeitsberichte 2012/2013 der Bundesnetzagentur – Telekommunikation und Post mit den Sondergutachten der Monopolkommission Telekommunikation 2013: Vielfalt auf den MĂ€rkten erhalten und Post 2013: Wettbewerbsschutz effektivieren – Drucksachen 18/209 und 18/210 – Stellungnahme der Bundesregierung BT – Drucksache 18/4552
     

    EU-PARLAMENT
    keine Plenarsitzung

    AusschĂŒsse
    DROI (Menschenrechte)
    Donnerstag, 23. April 2015, 9.00 – 12.30
    Saal: Paul-Henri Spaak (4B001)
    Entwurf einer Entschließung des EuropĂ€ischen Parlaments ĂŒber das Thema „Menschenrechte und Technologie: die Auswirkungen von Systemen zur AusspĂ€hung und Überwachung auf die Menschenrechte in Drittstaaten“
    Berichterstatterin: Marietje Schaake
    Vorlage 2014/2232(INI) mit Berichtsentwurf und ÄnderungsantrĂ€gen

    IMCO (Binnenmarkt und Verbraucherschutz)
    Sitzungen
    Montag, 20. April 2015, 15.00 – 18.30
    Tagesordnung
    Saal: JĂłzsef Antall (6Q2)
    16.35 – 17.00, TOP 8: Verbreitung der Daten von Erdbeobachtungssatelliten fĂŒr kommerzielle Zwecke
    ***I 2014/0176(COD) COM(2014)0344 – C8-0028/2014
    Verfasser der Stellungnahme: Jens Nilsson (S&D)
    FederfĂŒhrend: ITRE* – Constanze Krehl (S&D)

    Donnerstag, 23. April 2015, 9.00 – 12.30 und 15.00 – 18.30
    Tagesordnung
    Saal: Altiero Spinelli (5G‑3)
    10.45 – 11.15, TOP 9: FĂŒr eine florierende datengesteuerte Wirtschaft
    IMCO/8/03063
    Berichterstatter: Marc Tarabella (S&D)
    15.00 – 16.15, TOP 12: Aussprache mit Andrus Ansip, VizeprĂ€sident fĂŒr den digitalen Binnenmarkt

    LIBE (BĂŒrgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres)
    (Hinweis: Zeiten der TOPs sind nicht fix, daher hier nicht vermerkt)
    Tagesordnung
    Donnerstag, 23. April 2015, 9.00 – 12.30
    Saal: Paul-Henri Spaak (3C050)
    PE554.850
    TOP 4: Safe use of remotely piloted aircraft systems (RPAS), commonly known as unmanned aerial vehicles (UAVs), in the field of civil aviation
    LIBE/8/02807
    2014/2243(INI)
    COM(2014)0207
    Verfasserin der Stellungnahme: Soraya Post (S&D)
    FederfĂŒhrend: TRAN – Jacqueline Foster (ECR) DT
    TOP 5: STOA study on Mass Surveillance (December 2014) LIBE/8/03262
    – Presentation of part 1: risks and opportunities raised by the current generation of network services and applications
    by Stefan Schuster, Project Director, TECNALIA Research & Innovation
    – Presentation of part 2: technology foresight, options for longer term security and privacy improvements
    by Patrick de Graaf, Principal Consultant / lead Cybersecurity, Capgemini Consulting

    20. April 2015 5
  • Game of Drones: Deutschland ist das Herz in Amerikas tödlichem Drohnenkrieg
    Game of Drones Deutschland ist das Herz in Amerikas tödlichem Drohnenkrieg

    Der amerikanische MilitĂ€rflugplatz Ramstein Air Base in Rheinland-Pfalz ist das Herz der tödlichen Drohnenmorde der USA. Das geht aus streng geheimen Dokumenten eines neuen Geheimdienst-Whistleblowers hervor, die Der Spiegel und The Intercept veröffentlichen. Nach den ersten EnthĂŒllungen mit dem Buch Geheimer Krieg werden die Ausreden der Bundesregierung langsam dĂŒnn.

    Der Spiegel: Der Krieg via Ramstein

    Wie stark unterstĂŒtzt Deutschland Obamas DrohneneinsĂ€tze gegen Terroristen? Geheime PlĂ€ne belegen nach SPIEGEL-Informationen die elementare Rolle der US-MilitĂ€rbasis in der Pfalz. Dokumente zeigen, dass die Bundesregierung mehr weiß, als sie zugibt.

    The Intercept: Germany is the Tell-Tale Heart of America’s Drone War

    A top secret US intelligence document obtained by The Intercept confirms that the sprawling US military base in Ramstein, Germany serves as the high-tech heart of America’s drone program. Ramstein is the site of a satellite relay station that enables drone operators in the American Southwest to communicate with their remote aircraft in Yemen, Somalia, Afghanistan and other targeted countries. The top secret slide deck, dated July 2012, provides the most detailed blueprint seen to date of the technical architecture used to conduct strikes with Predator and Reaper drones.

    Da Intercept das Dokument wie immer leider in der Amazon-Cloud hostet (Wenn Ed das wĂŒsste!), spiegeln wir es auf unserem Server: Architecture of U.S. Drone Operations (pdf).

    ramstein-map-drones-730

    Passend zum Thema findet heute und morgen in Berlin eine Konferenz statt: Eyes from a distance – On Drone-Systems and their Strategies

    17. April 2015 28
  • : Vorratsdatenspeicherung stoppen – UnterstĂŒtze unsere Arbeit
    Vorratsdatenspeicherung stoppen – UnterstĂŒtze unsere Arbeit

    vds_verstoss_grundrechte_nporgDer Kampf gegen die Vorratsdatenspeicherung begleitet unsere Arbeit seit Anfang an. In 1.508 Artikeln taucht der Begriff Vorratsdatenspeicherung auf, bei insgesamt 16.899 Artikeln seit 2004 macht das fast 10% aus. Wir haben alle Argumente gegen die anlasslose Vollprotokollierung oft genug wiederholt. Und wir werden nicht mĂŒde, das weiterhin zu tun – denn es ist offensichtlich notwendig.

    Aber das kostet auch, neben Kraft, Ausdauer und Motivation – die wir haben – vor allem Zeit. Wenn die BefĂŒrworter der Vorratsdatenspeicherung stĂ€ndig auf GefĂŒhlsbasis fĂŒr mehr Überwachung und Eingriffe in Grundrechte argumentieren, mĂŒssen wir mit Fakten und Einordnungen entgegen halten. Immer wieder. Und nochmal, ohne aufzugeben.

    Auch wenn noch genug andere Baustellen da sind, die unsere Aufmerksamkeit brauchen. NetzneutralitĂ€t, Urheberrechtsreform, die unzĂ€hligen anderen Überwachungsvorhaben, die AufklĂ€rung der TotalĂŒberwachung durch unkontrollierte Geheimdienste, GĂŒnther Oettinger und Sigmar Gabriel.

    Unsere Arbeit wird zu ĂŒber 70% durch Spenden unserer Leserinnen und Leser finanziert. Das ermöglicht uns UnabhĂ€ngigkeit und vor allem Freiheit, ĂŒber Themen berichten zu können, die wichtig sind – und nicht nur ĂŒber die, die gerade trendy sind und deshalb geklickt werden. Wir können weitere UnterstĂŒtzung gut gebrauchen. Gerade jetzt. UnterstĂŒtze unsere Arbeit durch eine Spende oder gleich einen regelmĂ€ĂŸigen Dauerauftrag.

    16. April 2015 30
  • : EU-Urheberrecht: Communia prĂ€sentiert die 10 schlimmsten und 5 besten ÄnderungsantrĂ€ge zum Reda-Report
    EU-Urheberrecht: Communia prĂ€sentiert die 10 schlimmsten und 5 besten ÄnderungsantrĂ€ge zum Reda-Report

    Kurz nach Veröffentlichung der ĂŒber 500 ÄnderungsantrĂ€ge zum Berichtsentwurf Julia Redas fĂŒr die Evaluation der geltenden EU-Urheberrechtsrichtlinie (InfoSoc-RL) haben wir ĂŒber die fĂŒnf schlimmsten VerschlimmbesserungsvorschlĂ€ge berichtet. Vor allem deutsche CDU/CSU-Abgeordnete hatten sich durch restriktive KorrekturvorschlĂ€ge hervorgetan.

    communia_worst_amendments

    Inzwischen haben sich auch noch andere durch die Vielzahl an ÄnderungsantrĂ€gen gewĂŒhlt. Beispielsweise hat die Communia Association, eine internationale Vereinigung zur Förderung der Public Domain, ebenfalls Listen vorgelegt. Communia prĂ€sentiert allerdings nicht nur zehn besonders problematische, sondern auch fĂŒnf durchaus begrĂŒĂŸenswerte ÄnderungsvorschlĂ€ge.

    Die zehn VerschlechterungsvorschlĂ€ge wollen u. a. Verlinkung kriminalisieren (AM 409), sprechen sich gegen Panoramafreiheit (AM 421) oder gegen Gemeinfreiheit amtlicher Werke (AM 236–240) aus.

    Von den fĂŒnf positiv bewerteten ÄnderungsantrĂ€gen stammen drei von Julia Reda selbst, wobei der österreichische S&D‑Abgeordnete Josef Weidenholzer jeweils als Mitantragssteller angefĂŒhrt ist. AM 264 möchte beispielsweise klarstellen, dass eine bloße Digitalisierung von gemeinfreien Werken keine neuen Urheberrechte begrĂŒndet, und AM 266 empfiehlt die Förderung von Werkregistrierung, um RechteklĂ€rung zu vereinfachen (bei diesem Antrag ist neben Reda und Weidenholzer auch noch der CDU-Abgeordnete Christian Ehler Mitantragssteller).

    Neben diesen VorschlĂ€gen lobt Communia noch den Antrag AM 348 der liberalen ALDE-Abgeordneten Marietje Schaake aus den Niederlanden, die eine StĂ€rkung der Stellung von Bibliotheken und Archiven bei der digitalen ZugĂ€nglichmachung vergriffener Werke fordert. Die polnische S&D‑Abgeordnete Lidia Joanna Geringer de Oedenberg wiederum fordert in AM 341, zusĂ€tzlich zur verpflichtenden Implementation von Schrankenregelungen auch deren einheitliche Umsetzung durch die MitgliedslĂ€nder vorzuschreiben.

    Zusammengenommen belegen die Listen von Communia, dass die Fraktionen in Sachen Urheberrecht keineswegs einheitlich positioniert sind. Man darf wirklich gespannt sein, wie der Reda-Report am Ende aussehen wird.

    15. April 2015 3
  • : re:publica’15: Der Zeitplan ist in einer ersten Beta da
    re:publica’15: Der Zeitplan ist in einer ersten Beta da

    rp15_banner_2In 20 Tagen startet die re:publica mit dem diesjĂ€hrigen Motto „Finding Europe“ .Was seit Wochen nebenan auf Post-Its an der Wand hin- und hergeschoben wird, wird jetzt endlich sichtbar: Der Zeitplan fĂŒr unsere kommende re:publica’15 ist online. Das ist eine Beta-Version und im Laufe der Woche kommen noch mindestens 30–40% weitere Sessions online bis zur finalen Beta-Version. Aber auch jetzt schon sieht man die große Vielfalt des Programmes auf 16 BĂŒhnen an drei Tagen parallel.

    Wie jedes Jahr haben netzpolitische Themen auch wieder einen großen Anteil am Programm, wobei wir uns bemĂŒhen, nicht mehr als drei oder vier Sessions zum Thema parallel zu legen (was eine kleine Herausforderung ist). Wir werden in den kommenden drei Wochen noch ausfĂŒhrlich die netzpolitischen Highlights vorstellen.

    Tickets gibt es noch zum Preis von 195 Euro, bzw. 99 Euro ermĂ€ĂŸigt.

    14. April 2015
  • : Erste Holo-Demo in Spanien
    Erste Holo-Demo in Spanien

    In Spanien fand am Freitag die erste Holo-Demo des Landes (weltweit?) statt. Anlass ist ein am 01. Juli in Kraft tretendes Gesetz mit dem Spitznamen „Ley Mordaza“. Dieses „Knebelgesetz“ wird insbesondere wegen gravierender EinschrĂ€nkungen der Versammlungsfreiheit und der Androhung drakonischer Geldstrafen heftig kritisiert.

    In diesem Fenster soll ein YouTube-Video wiedergegeben werden. Hierbei fließen personenbezogene Daten von Dir an YouTube. Wir verhindern mit dem WordPress-Plugin „Embed Privacy“ einen Datenabfluss an YouTube solange, bis ein aktiver Klick auf diesen Hinweis erfolgt. Technisch gesehen wird das Video von YouTube erst nach dem Klick eingebunden. YouTube betrachtet Deinen Klick als Einwilligung, dass das Unternehmen auf dem von Dir verwendeten EndgerĂ€t Cookies setzt und andere Tracking-Technologien anwendet, die auch einer Analyse des Nutzungsverhaltens zu Marktforschungs- und Marketing-Zwecken dienen.

    Zur DatenschutzerklÀrung von YouTube/Google

    Zur DatenschutzerklÀrung von netzpolitik.org

    13. April 2015
  • : Peering: Init7 wirft der Deutschen Telekom VerstĂ¶ĂŸe gegen NetzneutralitĂ€t vor
    Cisco Router - CC-BY <a href="https://www.flickr.com/photos/vax-o-matic/14072890862/in/photolist-5HD2xo-qFs9Y7-GtGKb-MLHrS-8Ncbuw-MLHrE-4rmrdu-4rhkYc-4rmqWq-qXqyzj-qXqyA1-GijhP-8e7mV6-nrzfam-bBZzff-ntCcyH-an78hh-5PByS-beSYtB-GtGKd-mtwkL6-ftdvud-6iLV9f-ft7Uo-4om2v2-8sPr33-8sLnZg-xDqMK-4XcM5S-ft7VU-ft7Sv-f9rqb-4or5Y-ebrh6-ebrhy-bqbT1u-5wVMYZ-7uJMVA-8sLo4e-7zqnxr-7uccRy-2cSP41-8sLo6c-8HLUDP-q68q5Z-88oJev-ft7TF-hRrBCM-6hQtBU-9HXu2J">Patrick Finnegan</a>
    Peering: Init7 wirft der Deutschen Telekom VerstĂ¶ĂŸe gegen NetzneutralitĂ€t vor

    Die derzeit laufende Auseinandersetzung des Schweizer Netzbetreibers Init7 mit der Deutschen Telekom zeigt ansehnlich, an wie vielen Stellen NetzneutralitĂ€t unterlaufen werden kann. Den Schweizern gelingt es nicht, ausreichende KapazitĂ€ten ĂŒber ihre Transit-Anbieter TeliaSonera und XO Communications einzukaufen, um ausfallsfrei Traffic ins Telekom-Netz zu schicken. Daher sahen sie sich gezwungen, einen laut eigener Aussage „massiv ĂŒberteuerten“ Vertrag mit der Telekom abzuschließen, der eine direkte Verbindung zwischen den beiden Netzen aufbaut.

    Wie ungleich sich die Übertragungsgeschwindigkeit auf einer solchen „bezahlten Überholspur“ im Vergleich zu normalem Routing verhĂ€lt, demonstriert ein Test-Setup von Init7, das einen physikalischen Server in der Schweiz ĂŒber zwei Routen erreichbar macht – eine davon fĂŒhrt direkt zur Telekom, die andere nimmt eine normale Route ĂŒber den US-Anbieter XO Communications. NatĂŒrlich wĂ€re in letzterem Fall zumindest eine höhere Latenz zu erwarten, weil die Pakete eine lĂ€ngere Strecke zurĂŒcklegen mĂŒssen. Allerdings kommt es zu bestimmten Uhrzeiten zu PaketausfĂ€llen von 100 %, weil einfach nicht genĂŒgend Peering-KapazitĂ€t bereitsteht. Eine Alternative zu VertrĂ€gen mit der Deutschen Telekom, die jedoch weit ĂŒber den marktĂŒblichen Preisen liegende Summen verlangen soll, sieht Init7 nicht.

    Init7 steht mit diesem Problem nicht alleine da: Ohne die Telekom beim Namen zu nennen, klagten selbst sogenannte Tier-1-Carrier wie Level 3 wiederholt ĂŒber schlechte Verbindungen zu bestimmten Providern. Auch dass die Telekom seit Kurzem – wenn auch mit ĂŒberschaubarer Anbindung – direkt am Internetknoten DE-CIX vertreten ist, Ă€ndert nichts an der bisherigen Praxis, wo möglich keine kostenlosen Peering-Abkommen mit anderen Anbietern abzuschließen; stattdessen setzt sie darauf, dass kleinere Anbieter frĂŒher oder spĂ€ter vor der Marktmacht des Telekom-Riesen kapitulieren und notfalls gegen „ein paar Prozent Umsatzbeteiligung“ auf die Ăœberholspur geraten.

    2. April 2015 16