Die derzeit laufende Auseinandersetzung des Schweizer Netzbetreibers Init7 mit der Deutschen Telekom zeigt ansehnlich, an wie vielen Stellen Netzneutralität unterlaufen werden kann. Den Schweizern gelingt es nicht, ausreichende Kapazitäten über ihre Transit-Anbieter TeliaSonera und XO Communications einzukaufen, um ausfallsfrei Traffic ins Telekom-Netz zu schicken. Daher sahen sie sich gezwungen, einen laut eigener Aussage „massiv überteuerten“ Vertrag mit der Telekom abzuschließen, der eine direkte Verbindung zwischen den beiden Netzen aufbaut.
Wie ungleich sich die Übertragungsgeschwindigkeit auf einer solchen „bezahlten Überholspur“ im Vergleich zu normalem Routing verhält, demonstriert ein Test-Setup von Init7, das einen physikalischen Server in der Schweiz über zwei Routen erreichbar macht – eine davon führt direkt zur Telekom, die andere nimmt eine normale Route über den US-Anbieter XO Communications. Natürlich wäre in letzterem Fall zumindest eine höhere Latenz zu erwarten, weil die Pakete eine längere Strecke zurücklegen müssen. Allerdings kommt es zu bestimmten Uhrzeiten zu Paketausfällen von 100 %, weil einfach nicht genügend Peering-Kapazität bereitsteht. Eine Alternative zu Verträgen mit der Deutschen Telekom, die jedoch weit über den marktüblichen Preisen liegende Summen verlangen soll, sieht Init7 nicht.
Init7 steht mit diesem Problem nicht alleine da: Ohne die Telekom beim Namen zu nennen, klagten selbst sogenannte Tier-1-Carrier wie Level 3 wiederholt über schlechte Verbindungen zu bestimmten Providern. Auch dass die Telekom seit Kurzem – wenn auch mit überschaubarer Anbindung – direkt am Internetknoten DE-CIX vertreten ist, ändert nichts an der bisherigen Praxis, wo möglich keine kostenlosen Peering-Abkommen mit anderen Anbietern abzuschließen; stattdessen setzt sie darauf, dass kleinere Anbieter früher oder später vor der Marktmacht des Telekom-Riesen kapitulieren und notfalls gegen „ein paar Prozent Umsatzbeteiligung“ auf die Überholspur geraten.
