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Peering: Init7 wirft der Deutschen Telekom Verstöße gegen Netzneutralität vor

Cisco Router – CC-BY Patrick Finnegan

Die derzeit laufende Auseinandersetzung des Schweizer Netzbetreibers Init7 mit der Deutschen Telekom zeigt ansehnlich, an wie vielen Stellen Netzneutralität unterlaufen werden kann. Den Schweizern gelingt es nicht, ausreichende Kapazitäten über ihre Transit-Anbieter TeliaSonera und XO Communications einzukaufen, um ausfallsfrei Traffic ins Telekom-Netz zu schicken. Daher sahen sie sich gezwungen, einen laut eigener Aussage „massiv überteuerten“ Vertrag mit der Telekom abzuschließen, der eine direkte Verbindung zwischen den beiden Netzen aufbaut.


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Wie ungleich sich die Übertragungsgeschwindigkeit auf einer solchen „bezahlten Überholspur“ im Vergleich zu normalem Routing verhält, demonstriert ein Test-Setup von Init7, das einen physikalischen Server in der Schweiz über zwei Routen erreichbar macht – eine davon führt direkt zur Telekom, die andere nimmt eine normale Route über den US-Anbieter XO Communications. Natürlich wäre in letzterem Fall zumindest eine höhere Latenz zu erwarten, weil die Pakete eine längere Strecke zurücklegen müssen. Allerdings kommt es zu bestimmten Uhrzeiten zu Paketausfällen von 100 %, weil einfach nicht genügend Peering-Kapazität bereitsteht. Eine Alternative zu Verträgen mit der Deutschen Telekom, die jedoch weit über den marktüblichen Preisen liegende Summen verlangen soll, sieht Init7 nicht.

Init7 steht mit diesem Problem nicht alleine da: Ohne die Telekom beim Namen zu nennen, klagten selbst sogenannte Tier-1-Carrier wie Level 3 wiederholt über schlechte Verbindungen zu bestimmten Providern. Auch dass die Telekom seit Kurzem – wenn auch mit überschaubarer Anbindung – direkt am Internetknoten DE-CIX vertreten ist, ändert nichts an der bisherigen Praxis, wo möglich keine kostenlosen Peering-Abkommen mit anderen Anbietern abzuschließen; stattdessen setzt sie darauf, dass kleinere Anbieter früher oder später vor der Marktmacht des Telekom-Riesen kapitulieren und notfalls gegen „ein paar Prozent Umsatzbeteiligung“ auf die Überholspur geraten.

16 Kommentare
  1. Es müsste sich eine Allianz aller kleinen und großen Carrier sowie einiger Content-Anbieter (z.B. Google/Youtube) bilden, die dann mit großer PR die Praxis der Telekom, ihren Kunden manche Netze und Seiten vorzuenthalten (aus den o.g. Gründen), in die Köpfe der Deutschen zu hämmern, dass die in großer Zahl ihren ISP wechseln weg von der Telekom.

    1. Wenn das so einfach wäre … die Telekom ist für viele nach wie vor der einzige Anbieter in Deutschland (zumindest wenn man von einem annehmbaren Tempo ausgeht) und selbst wenn man kein Kunde der Telekom ist besteht noch die Möglichkeit das Daten über Telekom Knoten laufen.

  2. Gut, dass die Telekom das staatlich diktierte Einheitsnetz mit ihrem selbst diktierten Einheitsnetz verhindert (an dem der Staat nur noch zu einem Drittel beteiligt ist).

  3. Interessant an der Sache ist auch, dass viele Leute glauben, der Content-Lieferant (z. B. YouTube oder deren Netze wie vielleicht Init7 oder andere Carrier) müsse für der Telekom mehr bezahlen, da er ja viele Daten liefere. Die Telekom-Kunden haben aber bereits mit dem DSL-Abo für den Internetzugang und damit auch ausreichendes Peering bezahlt – und diese fordern ja die Daten an.

    Lieder ist es für DSL-Kunden relativ schwer oder gar unmöglich zu erkennen, ob nun YouTube, das Netz von YouTube, oder die Telekom schlecht läuft/zu wenig Bandbreite bereitstellt.

    Solches Verhalten sollte eigentlich von den Telekom-Kunden angezeigt werden und andere Carrier sollten nicht auf das Angebot einsteigen, denn sonst zwingt das weitere Carrier zum Mitmachen.

    1. „Die Telekom-Kunden haben aber bereits mit dem DSL-Abo für den Internetzugang und damit auch ausreichendes Peering bezahlt“

      Nope. Geiz ist geil Mentalität und politische Standortvorgaben führen bei den DSL Preisen wohl eher zu einer unterpreisigen Stamokap Kalkulation. Und die ganzen exPost-Beamten wollen ja auch ihre Pensionen. Wäre mir neu, dass die sich bei der Telekom goldene Wasserhähne leisten können.

      1. Marktpreis ist, was Blinde zu zahlen bereit sind! :)

        Wenn Init7 zu blöde ist mit anderen Tier Ones mal eine Messung zu vereinbaren, dann ist denen eh nicht zu helfen. Cogent / Telekom über deren Peering in FRA geht z.B. ganz gut, seitdem Cogent das mal hat klären lassen.


  4. Daher sahen sie sich gezwungen, einen laut eigener Aussage „massiv überteuerten“ Vertrag mit der Telekom abzuschließen, der eine direkte Verbindung zwischen den beiden Netzen aufbaut.

    gegen

    „Schlussendlich zwingt die Telekom uns damit in einen direkten Vertrag, bei dem der Preis pro übertragenen MByte mehr als doppelt so hoch wie bei TeliaSonera liegt.“ Für „gutes Routing zur Telekom“ gebe es auf Marktpreis-Basis letztlich keine Alternative.

  5. Schade hat sich der Ständerat bereits im März gegen die Netzneutralität ausgesprochen… es gibt ja nach Ansicht vieler Räte und deren Einflüsterer kein Problem und neutral sind wir in der Schweiz eh alle… was für ein Fail! Bleiben wir dran, ersetzen im Herbst das Parlament ;-) und dann führen wir Netzneutralität aber richtig ein!

  6. also ich sehe aus dem Test-Setup 87 ms zeitverlust innerhalb von Core.init7.net und nochmal 22 ms über us.xo.net. Bei der schnellen Anbindung gibt es innerhalb von init7.net nur rund 29 ms und keine us verbindung. Bitte erklärt mit das einmal, warum hier die Telekom schuld ist ?

    Auszug aus dem Test-Setup
    langsame Verbindung:
    # traceroute -A dns00.btx.dtag.de
    traceroute to dns00.btx.dtag.de (194.25.2.132), 30 hops max, 60 byte packets
    1 r1win4.core.init7.net (82.197.164.252) [AS13030] 0.620 ms 0.457 ms 0.311 ms
    2 r1zrh10.core.init7.net (77.109.128.141) [AS13030] 0.883 ms 0.540 ms 0.657 ms
    3 r1glb1.core.init7.net (82.197.168.161) [AS13030] 10.242 ms 10.104 ms 9.806 ms
    4 r1lon1.core.init7.net (82.197.164.170) [AS13030] 26.959 ms 26.826 ms 26.688 ms
    5 r1nyc1.core.init7.net (77.109.140.194) [AS13030] 87.305 ms 87.148 ms 87.002 ms
    6 209.220.18.49.ptr.us.xo.net (209.220.18.49) [AS10244] 88.091 ms 88.009 ms 87.853 ms
    7 216.156.16.130.ptr.us.xo.net (216.156.16.130) [AS2828] 90.309 ms 90.175 ms 89.695 ms
    8 216.156.16.133.ptr.us.xo.net (216.156.16.133) [AS2828] 87.549 ms 87.618 ms 87.466 ms
    9 * 62.157.250.245 (62.157.250.245) [AS3320] 110.827 ms 110.706 ms
    10 ulm-ea3-i.ULM.DE.NET.DTAG.DE (62.154.58.125) [AS3320] 114.640 ms 114.505 ms 114.231 ms
    11 217.0.39.241 (217.0.39.241) [AS3320] 114.059 ms 114.355 ms 121.275 ms

    Auszug Test-Setup schnelle Verbindung
    traceroute -A dns00.btx.dtag.de
    traceroute to dns00.btx.dtag.de (194.25.2.132), 30 hops max, 60 byte packets
    1 r1win4.core.init7.net (82.197.164.254) [AS13030] 29.219 ms 29.065 ms 29.205 ms
    2 r2win4.core.init7.net (82.197.164.237) [AS13030] 0.429 ms 0.336 ms 0.350 ms
    3 87.128.235.117 (87.128.235.117) [AS3320] 10.437 ms 10.282 ms 10.191 ms
    4 ulm-ea3-i.ULM.DE.NET.DTAG.DE (62.154.58.125) [AS3320] 12.332 ms 12.156 ms 12.023 ms

  7. An dieser Stelle möchte ich einmal darauf hinweisen WIE GEIL Init7 eigentlich ist.
    Die haben sich nicht nur Netzneutralität auf die Fahne geschrieben, sondern bieten auch Symetrisch(!) 1GBit/s zum gleichen Preis wie die beiden grossen Schweizer ISPs ihr 100Mbit down / 10Mbit upstream Angebot.
    Schöne Grüsse aus Zürich ;)

    1. Wer zu wenig Geld einnimmt, der kann auch kein Geld in sein Fernleitungsnetz reinvestieren und weint dann, wenn er was zahlen soll…

      Wer zahlt eigentlich die Erdarbeiten bei den Leitungen, die Init7 vermietet? Die selbst oder ein anderer Provider?

      1. Oma und Opa aus der Nachbarschaft zahlen also für den Nerd mit, der das „voll geil“ findet… OK…

        Da ists dann leicht „high speed Provider“ zu sein. Da muß man sich dann nur noch aus dem regulierten Bereich der Versorger mit Obliegenheiten raus halten und kann dann noch nett darüber weinen, dass andere Unternehmen mit Verpflichtungen nichts zu verschenken haben.

        Habe verstanden.

      2. Wir hatten in der Stadt Zürich darüber eine Abstimmung und der Glasfaser Ausbau wurde deutlich angenommen.
        Bitte etwas freundlicher das nächste Mal…

      3. Hallo Grauhut, fair ist, wenn die Kosten für die Glasfaser-Hausanschlüsse vom Staat getragen werden und diese dann allen Providern zur Verfügung stehen. Sonst baut jeder Provider sein eigenes Netz, was mehr kostet und Doppelspurigkeiten verursacht. Auch in Deutschland haben wohl 80-90% der Haushalte bereits einen Breitband-Internetzugang. Wäre Ihnen ein über die Steuern finanzierter Glasfaser-Anschluss und ein dadurch günstigerer Internet-Provider nicht auch lieber?

        Die Deutsche Telekom sagt richtig, dass die Daten liefernden Provider profitieren und die Preise senken können, während die Telekom ihr Netz teuer ausbauen muss und von ihren Eyeball-Kunden auch nur relativ wenig verlangen kann. Darum braucht es wohl Regulierungen, die sicherstellen, dass die Monatsgebühren der Eyeball-Kunden die Kosten des Providers auch wirklich decken, und dass die Daten liefernden Provider nicht immer günstiger werden können. So sollte das Peering auch wieder für alle Beteiligten fair ausfallen.

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