Leonhard Dobusch
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: Sat1-Talk zur Frage „Sind im Internet zu viele Diebe unterwegs?“ [Update]
: Sat1-Talk zur Frage „Sind im Internet zu viele Diebe unterwegs?“ [Update] Über Vermittlung der digiges darf ich heute Abend um 23.30 auf Sat1 als Ersatz für die erkrankte Anke Domscheit-Berg bei der Talk-Show „Eins gegen Eins“ mitdiskutieren zum Thema „Musik, Filme, Fotos – Sind im Internet zu viele Diebe unterwegs?“ In der Ankündigung zur Sendung heißt es:
„Im Mai werden sie wieder zu Hunderttausenden auf die Straßen gehen: die Gegner des ACTA-Abkommens. Sie wollen nicht akzeptieren, dass die Freiheit im Netz durch die Stärkung der Urheberrechte eingeschränkt wird. Doch genau das sieht das Antipiraterie-Abkommen, über das im Juni im EU-Parlament abgestimmt wird, vor. Eine weitere wegweisende Entscheidung wird jedoch bereits erwartet: das Urteil im Rechtsstreit zwischen der GEMA und dem Online-Clipportal YouTube.“Die Sendung wurde aufgezeichnet, weitere Diskutanten waren Tobias Künzel („Die Prinzen“ und Mitglied des GEMA-Aufsichtsrats), Medienanwalt Prof. Jan Hegemann und der musikproduzierende Pirat Bruno Kramm. Gemeinsam mit Kramm habe ich dort, wenig überraschend, die titelgebende Frage verneint.Die Sendung funktioniert so, dass die Saalzuschauer vor Beginn der Sendung über die titelgebende Frage abstimmen und dann am Ende nach der Diskussion noch einmal. Das Ergebnis bzw. die Differenz wird erst am Ende der Sendung bekanntgegeben.[Update] Mittlerweile und voraussichtlich für eine Woche ist die Sendung als Stream in voller Länge online. [/Update] -
: COMMUNIA-Buch: „The Digital Public Domain – Foundations for an Open Culture“
: COMMUNIA-Buch: „The Digital Public Domain – Foundations for an Open Culture“
Hervorgegangen aus dem EU-geförderten europaweiten Forschungsnetzwerk „COMMUNIA – The European Thematic Network on the Digital Public Domain“ wurde im vergangene Jahr die NGO Communia Association gegründet. Thema von Netzwerk und Organisation sind, wie der Name schon sagt, die digitale Allmende* und deren Bedeutung for Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst und Kultur. Im Gegensatz zur – auch in Deutschland von Tatort-Autoren bis zum Handelsblatt – im Mainstreamdiskurs zu Immaterialgüterrechten (über-)betonten Bedeutung „geistiger Eigentumsrechte“, geht es der Communia-Organisation darum, die oft unterschätzte Bedeutung digitaler Gemeingüter für Innovation und Kreativität herauszuarbeiten.Jetzt liegt das erste größere Werk der neugegründeten Organisation in Buchform vor: Der Sammelband „The Digital Public Domain – Foundations for an Open Culture“, herausgegeben von Melanie Dulong de Rosnay und Juan Carlos de Martin, versammelt eine Reihe spannender Beiträge zum Thema. Nach einer generellen Einführung in das Phänomen der digitalen Allmende folgen drei Artikel, die sich mit deren rechtlichen Grundlagen auseinandersetzen, bevor in sieben Beiträgen die verschiedenen Dimensionen der „digital public domain“ an Hand konkreter Beispiele und Fragestellungen illustriert werden.
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: Buch: „Vergessene Zukunft: Radikale Netzkulturen in Europa“
Clemens Apprich, Felix Stalder (Hg.), Vergessene Zukunft: Radikale Netzkulturen in Europa, transcript : Buch: „Vergessene Zukunft: Radikale Netzkulturen in Europa“ Dass das Internet mittlerweile in die Jahre gekommen ist, merkt man auch daran, dass mittlerweile die erste Welle von Publikationen zur Geschichte von Netzkultur und Netzpolitik erscheint. So hat letzten Herbst Spiegel-Online-Redakteur Christian Stöcker „[e]ine Geschichte der digitalen Welt vom C64 bis zu Twitter und Facebook“ unter dem Titel „Nerd Attack!“ vorgelegt. In diesem Buch verknüpft Stöcker eine journalistische Aufarbeitung von US-amerikanisch geprägter Hacker-Kultur mit einer anektdotischen Beschreibung von Anfängen und Aufstieg von Mainstream-Computerkultur.
Der kürzlich bei transcript erschienene und von Clemens Apprich und Felix Stalder herausgegebene Band „Vergessene Zukunft: Radikale Netzkulturen in Europa“ ist in vielerlei Hinsicht komplementär zu „Nerd Attack!“. Aufgearbeitet wird nicht der Mainstream, sondern die künstlerische Avantgarde von Netz und Netznutzung. Dabei ist „Vergessene Zukunft“ ein Mashup. Der Band versammelt kurze Essays einer Vielzahl von Autorinnen und Autoren, die größtenteils selbst in den beschriebenen Initiativen und Projekten aktiv waren, lässt eine Reihe weiterer Akteure in Interviews zu Wort kommen und reichert diese größtenteils retrospektiven Texte mit historischen Originaldokumenten an.
Die behandelten Themen (z.B. taktische Medien oder Partizipationskulturen) und Initiativen (z.B. die nettime-Mailingliste oder die Association of Autonomous Astronauts) ziehen sich durch alle drei Textformen – was einerseits zu unvermeidbaren Redundanzen führt, andererseits bisweilen auch interessante Einschätzungsunterschiede verschiedener Akteure dokumentiert. Besonders die Interviews mit den Beteiligten helfen dabei, die mitunter voraussetzungsreichen Texte zu verstehen. Auch in dieser Hinsicht präsentiert sich „Vergessene Zukunft“ also – wohl durchaus bewusst – sperriger als das journalistisch gehaltene „Nerd Attack!“.
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: Gefahr von Abmahnungen für Facebook-Pinnwand nimmt zu
: Gefahr von Abmahnungen für Facebook-Pinnwand nimmt zu Nachdem im Februar ein Rechtsanwalt im Gespräch mit Spiegel Online die „durchschnittliche Facebook-Pinnwand eines 16-Jährigen“ mit einem Abmahnwert von 10.000 Euro taxiert hatte, berichtet nunmehr eine Anwaltskanzlei von einer ersten Abmahnung für ein Bild an der Pinwand, das von einer fremden Person dorthin gepinnt worden ist („Sie ist da: Die erste Facebook-Abmahnung wegen eines fremden Fotos an der Pinnwand“):
Die Abmahnung wäre nichts besonderes, wenn es sich dabei um ein Foto handelte, welches der Abgemahnte selbst auf seine Facebookpräsenz hochgeladen hätte. Dass die Verwendung fremden Bildmaterials verboten ist, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. […] Darum geht es aber nicht. Die Besonderheit des Falles besteht darin, dass das betreffende Lichtbild von einem Dritten auf die Pinnwand unseres Mandanten hochgeladen wurde. Dieser kann naturgemäß gar nicht überprüfen, ob derjenige auch Rechteinhaber ist, der es auf der Pinnwand postet.
Die Gefahr einer Abmahnung droht aber nicht nur wenn Dritte Bilder auf die Pinnwand posten, sondern auch dann, wenn ein Bild automatisiert durch Facebook gemeinsam mit einem geteilten Link eingebettet wird oder bei der Nutzung neuer Services wie Pinterest (vgl. „Neue Urheberrechtskonflikte am Horizont?“). Strenggenommen wäre auch hier trotz direkter Verlinkung eine Genehmigung für die Übernahme des Bildes erforderlich – der Urheberrechtsverstoß ist also in die Funktionsweise der Dienste quasi eingebaut.
Um hier digitales Alltagshandeln in sozialen Netzwerken mit dem Urheberrecht zu versöhnen, wäre eine Kombination von zwei Maßnahmen erforderlich. Einerseits bräuchte es eine Flexiblisierung urheberrechtlicher Ausnahmeregelungen („Schranken“) wie sie derzeit in den Niederlanden angedacht wird und andererseits eine wirksame(re) Beschränkung von Abmahnungen als Geschäftsmodell, wie sie die Verbraucherzentralen seit längerem fordern.
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: Die Lücke des 20. Jahrhunderts: Visualisierung des Schutzfristenproblems im Urheberrecht
Verteilung von bei Amazon verfügbaren Büchern (Zufallsstichprobe von 2.500 Büchern) : Die Lücke des 20. Jahrhunderts: Visualisierung des Schutzfristenproblems im Urheberrecht In ihrem offenen Brief and „die Netzgemeinde“ haben die 51 Tatort-Autoren ja die Kritik an der Länge der urheberrechtlichen Schutzfristen als „Lebenslüge“ und „Symbolpolitik“ abgetan. Da trifft es sich besonders, dass gestern im Atlantic ein Bericht über die jüngste Forschung zur Verfügbarkeit von Büchern von Copyright-Forscher Paul Heald von der University of Illinois erschienen ist. Das dort präsentierte Diagramm sagt eigentlich schon alles:
Es zeigt sich, wie die Länge der urheberrechtlichen Schutzfristen Digitalisierung und Zugang zu Büchern und damit dem kulturellen Erbe behindern, weil große Mehrzahl der Werke zwar auch noch Jahrzehnten noch urheberrechtlich geschützt sind, eine Verwertung sich aber bereits nach wenigen Jahren nicht mehr lohnt. Das Diagramm veranschaulicht also sehr schön, was in der Debatte um „verwaiste Werke“ als die „Lücke des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet wird.
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: Wikimedia-Restrukturierung: Sue Gardner setzt sich durch [Update]
: Wikimedia-Restrukturierung: Sue Gardner setzt sich durch [Update] Nach längerer, teil heftig geführter Debatte über eine Neuordnung von Fundraising und Mittelverteilung in der Wikimedia („Wikimedia-Geschäftsführerin präsentiert Pläne für radikale Restrukturierung“ bzw. „Wikimedia-Vereine gegen Zentralisierung des Fundraisings“), kam es in der Nacht von Gestern auf Heute zur Entscheidung im Vorstand der Wikimedia Foundation. Dabei setzte sich Wikimedia-Geschäftsführerin Sue Gardner in nahezu allen wesentlichen Punkten mit ihrem, vor allem von den größeren nationalen Wikimedia-Vereinen wie Wikimedia Deutschland kritisierten, Vorschlag durch. Die beschlossene Resolution findet sich auf Englisch am Blog von Vorstandsmitglied Stu West und enthält im wesentlichen die folgenden Eckpunkte:
- Alle über Wikimedia-Projektseiten – also vor allem die verschiedenen Sprachversionen der Wikipedia – gesammelt Spenden gelten in Zukunft als „Geld der Bewegung“ („movement money“), über dessen Verwendung „breit und partizipativ, in Übereinstimmung mit Mission, Vision und Werten“ entschieden werden soll.
- Damit verbunden ist die Einrichtung eines zentralen, von Freiwilligen getragenen („volunteer-driven“) Funds Dissemination Committees (FDC), für dessen konkrete Ausgestaltung Sue Gardner bis 30. Juni diesen Jahres einen einen Vorschlag vorlegen soll. Ausgenommen von der Mittelverteilung durch das FDC sind nur Gelder für Kerngeschäft und Betriebsmittelrücklagen der Wikimedia Foundation. Alle anderen Ausgaben müssen hinkünftig durch das neue Gremium. Antragsberechtigt sind alle Akteure in der Bewegung („movement entities“), also Einzelpersonen, Wikimedia-Chapter, andere Vereine und die Wikimedia Foundation selbst chapters, für Aktivitäten zur „Unterstützung der gemeinsamen Mission“.
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: Antwort auf den offenen Brief von 51 Tatort-Autoren an „die Netzgemeinde“
: Antwort auf den offenen Brief von 51 Tatort-Autoren an „die Netzgemeinde“ Nach dem Regener-Rant („Der Auf#Regener“) und dem Kunst-hat-Recht-Konflikt („‚Kunst gegen Überwachung’ gegen ‚Kunst hat Recht’ “) sind es jetzt Tatort-Autoren, die sich auf der Webseite des Verbands der Drehbuchautoren mit einem offenen Brief an „Grüne, Piraten, Linke, und Netzgemeinde“ in der Urheberrechtsdebatte zu Wort melden. Leider bringt das Pamphlet die Debatte keinen Millimeter voran, sondern ergeht sich wieder nur in Pauschalverunglimpfungen und Selbstwidersprüchen.
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber als Erleichterung für die Recherchearbeit in der journalistischen Echo Chamber, ein paar kommentierte Auszüge:
„Und noch eine Lebenslüge, die allerdings typisch geworden ist für die Berliner Republik: der Ausweg in die Symbolpolitik. Das Beispiel hierfür sind hier die Schutzfristen, mit denen die Urheber bzw. ihre Nachfahren von dem eigenen Werk profitieren können. Zur Zeit sind das 70 Jahre post mortem, die Netzgemeinde fordert radikale Verkürzungen, gern auch mal „Modernisierung“ genannt. […] Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass nirgendwo eine Argumentation versucht wird, warum gerade diese Eigentumsform überhaupt eine Einschränkung erfahren darf“
Rund um die Debatte zur Schutzfristverlängerung wurde über nichts anderes diskutiert und eine Vielzahl von Argumenten vorgebracht (vgl. z.B. einen Netzpolitik-Artikel aus 2008). Für einen Einstieg in die Debatte, warum eine zeitliche Befristung von Immaterialgüterrechten Sinn macht, empfiehlt sich das Buch „The Public Domain“ von Jamie Boyle, das im Volltext online verfügbar ist. Aber es geht noch weiter zum Thema Schutzfristen:
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: ‚Data Dealer’: Facebook-Spiel gegen Facebook & Co
: ‚Data Dealer’: Facebook-Spiel gegen Facebook & Co In bester Culture-Jamming-Manier hat eine kleine Gruppe aus der Wiener Netzkulturszene in einjähriger Entwicklungszeit ein beeindruckend professionelles Facebook-Spiel mit Namen „Data Dealer – Legal, Illegal, Scheißegal!“ entwickelt. Neben dem unten eingebetteten Video-Trailer gibt es auch bereits eine spielbare Demo-Version sowie eine ausführliche Spielanleitung (PDF).
In der Pressemeldung beschreiben die Macher ihr Spiel sowie die dahinterstehende Motivation wie folgt:
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: Creative Commons bittet um Unterstützung für „OER Policy Registry“
: Creative Commons bittet um Unterstützung für „OER Policy Registry“ Cable Green, Leiter des Bildungsbereichs bei Creative Commons, hat kürzlich via Blogeintrag den Aufbau einer Datenbank zur Sammlung von Richtlinien im Bereich offener Lehr- und Lernunterlagen („Open Educational Resources, OER) angekündigt und dafür um Mithilfe gebeten. Konkret geht es um drei Punkte (meine Übersetzung):
(1) OER-Richtlinien via Google form an Creative Commons melden.
- Creative Commons sammelt sowohl gesetzliche als auch institutionelle (nicht-gesetzliche) OER-Richtlinien auf der ganzen Welt. Sämtliche Einträge werden zur vorläufigen Liste von OER-Policies hinzugefügt.
(2) Die vorläufige Liste von OER Richtlinien begutachten helfen. (Google doc)
- Falls Einträge der Korrektur bedürfen, diese via Mail an oer@creativecommons.org bekanntgeben.
(3) Diese Information an Kollegen, Mailinglisten, Blogs und andere Kanäle weiterleiten, um eine möglichst umfassende Erfassung verschiedener OER-Richtlinien zu ermöglichen. Da die OER-Bewegung globalen Charakter hat, ist es entscheidend OER-Richtlinien aus allen Regionen der Welt zu erhalten.
Ab 1. Mai soll die begutachtete Liste mit OER-Richtlinien dann in das Creative-Commons-Wiki eingepflegt und dort laufend aktualisiert werden.
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: „Leider geil“: Deichkind protestieren gegen Sperrung auf YouTube
: „Leider geil“: Deichkind protestieren gegen Sperrung auf YouTube Die unendliche Geschichte des Streits zwischen Google/YouTube und GEMA über die Sperrung von Musikvideos ist um eine Anekdote reicher. So protestieren Deichkind auf ihrer Facebookseite gegen die Sperrung ihrer Videos auf YouTube wie folgt:
Sooo,
„Leider geil„ist jetzt auch gesperrt.
Ob Plattenfirma, Youtube oder GEMA, egal wer dafür verantwortlich ist. Wir wollen, dass unsere Videos zu sehen sind. Regelt euren Scheiß jetzt endlich mal und macht eure Hausaufgaben.Ihr seid Evolutionsbremsen und nervt uns alle gewaltig..Deichkind haben dafür mittlerweile knapp 20.000 Likes bekommen. Sie reihen sich damit ein in die Kritik an GEMA und YouTube sich zu einigen, wie sie Mitte 2011 auch von den Major Labels geäußert wurde („Plattenbosse rebellieren gegen YouTube-Blockade“).
In diesem Zusammenhang auch noch einmal der Hinweis auf einen Artikel von Markus zum Thema „Youtube: Geo-Sperrung leicht umgehen“
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: Wirbel um EU-Richtlinie zu verwaisten Werken
: Wirbel um EU-Richtlinie zu verwaisten Werken Mitte letzten Jahres hat die EU-Kommission einen Vorschlag für eine Richtlinie zum Thema verwaiste Werke („orphan works“) vorgelegt. Dabei geht es darum, den Zugang zu Werken zu erleichtern, die zwar noch urheberrechtlich geschützt sind, deren Rechteinhaber jedoch nicht mehr oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand auffindbar sind – ein Problem, das sich durch die regelmäßigen Verlängerungen urheberrechtlicher Schutzfristen in den letzten Jahrzehnten massiv verschärft hat.
Der Richtlinien-Vorschlag ist mittlerweile in den zuständigen Ausschüssen des EU-Parlaments angekommen. So gab es Ende Februar im Rechtsausschuss eine Reihe von äußerst knappen Abstimmungen über einzelne Formulierungsvorschläge, die scheinbar größtenteils zu Gunsten von Urheberrechts-Hardlinern rund um Marielle Gallo, bekannt seit dem nach ihr benannten Report zur „Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums im Binnenmarkt“ (vgl. EU-Parlament stimmt für Gallo-Report), ausgegangen sind.
Wie jetzt bekannt wurde, kam es dabei zu Ungereimtheiten (vgl. den IP Policy Committee Blog): Obwohl nur 23 Personen im Saal waren, wurden einmal 24 und einmal 26 Stimmen gezählt. Auf Nachfrage beim deutschen Ausschussvorsitzenden Klaus-Heiner Lehne (CDU/EVP) wurde daraufhin bekanntgegeben, dass zwar Fehler beim Zählen der Handzeichen gemacht wurden, sich aber auch nach diesbezüglicher Korrektur nichts an den Abstimmungsergebnissen geändert hätte. Ob jetzt neuerlich abgestimmt wird, ist noch unklar. Ebenso liegt noch keine konsolidierte Fassung des Richtlinienentwurfs vor, die soll Anfang kommender Woche folgen.
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: MIT OpenCourseWare und Flat World Knowledge kooperieren bei offenen Lehrbüchern
: MIT OpenCourseWare und Flat World Knowledge kooperieren bei offenen Lehrbüchern Wenn Apple mit dem iPad in den Markt für Schulbücher drängt und daraufhin die deutschen Bildungsmedienverlage hektisch ihre Idee eines „digitalen Regals“ für „Digitale Schulbücher“ ankündigen, dann sind das in beiden Fällen wenig innovative Versuche, das bisherige Lehrbuchwesen ins Internet zu transferieren. Vor allem schreiben beide Ansätze den proprietären Ansatz des bestehenden Systems nahtlos ins Web fort, auch wenn der Verband Bildungsmedien gleich im ersten Satz seiner Pressemeldung von einer „offenen Lösung“ spricht.
Radikal offen mutet im Gegensatz dazu das Konzept von „Flat World Knowledge“ an. Der US-amerikanische Lehrbuchverlag bietet Creative-Commons-lizenzierte Lehrbücher online kostenlos an und verdient am Verkauf von Printversionen.
Vor zwei Tagen hat nun das Massachusettes Institute for Technology (MIT) eine Kooperation zwischen Flat World Knowledge und dem Hauseigenen „OpenCourseware“-Programm präsentiert. MIT OpenCourseWare bietet bereits seit 10 Jahren vollständige Unterlagen von mittlerweile über 2.000 Kursen ebenfalls unter einer Creative-Commons-Lizenz zum Download an; seit einem Jahr gibt es auch zum Selbststudium aufbereitete Unterlagen („OCW Scholar“). Im Rahmen der Kooperation mit Flat World Knowledge sollen auf Basis dieser Inhalte Lehrbücher entstehen, wobei Teile der Verkaufserlöse der Printversionen zurück ins OpenCourseWare-Programm fließen werden.
Zeit, auch in Deutschland ernsthaft über einen Wandel im Bereich digitaler Lehr- und Lernunterlagen nachzudenken, der über eine bloße digitale Aufbereitung von Inhalten hinausgeht und stattdessen auch Fragen von Lizenzierung und freiem Zugang mitberücksichtigt.
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: Kickstarter erwartet für 2012 mehr Geld als US-Kulturförderstiftung
: Kickstarter erwartet für 2012 mehr Geld als US-Kulturförderstiftung In einem Interview hat einer der Gründer der Crowdfunding-Plattform Kickstarter bekannt gegeben, dass die Plattform 2012 voraussichtlich 150 Millionen Dollar an Geldern einsammeln wird und das mit den 146 Millionen Dollar verglichen, die der staatlichen Kulturförderstiftung National Endowment of Arts (NEA) für 2012 zur Verfügung stehen (via).
Auch wenn sich die von Kickstarter geförderten Projekte bisweilen stark von denen unterscheiden, die von der NEA unterstützt werden, und wenn man berücksichtigt, dass die NEA im internationalen Vergleich unterfinanziert ist, so ist das doch ein Indiz dafür, welche Größenordnung Crowdfunding mittlerweile erreicht hat.
Neben Kickstarter gibt es inzwischen auch einige deutschsprachige Crowdfunding-Plattformen (vgl. t3n für einen Überblick), die unterschiedliche Schwerpunkte und Modelle aufweisen. Während sich bei startnext.de vor allem Projekte aus dem Kunst- und Kulturbereich finden, widmet sich seedmatch.de eher Unternehmensgründungen und respekt.net fokussiert soziale und karitative Projekte.
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: ‚Kunst gegen Überwachung’ remixt Video von ‚Kunst hat Recht’
: ‚Kunst gegen Überwachung’ remixt Video von ‚Kunst hat Recht’ Die Auseinandersetzung der beiden österreichischen Initiativen „Kunst hat Recht“ sowie „Kunst gegen Überwachung“ wird künstlerischer. So ist kürzlich ein Remix des Kampagnen-Videos von „Kunst hat Recht“ auf YouTube aufgetaucht, das mit ein paar simplen Ideen dem Video eine gegensätzliche Botschaft verpasst. Im folgenden die beiden Videos im Vergleich:
Video von „Kunst hat Recht“:
Remix des Videos von „Kunst gegen Überwachung“:
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: Flexibilisieren die Niederlande ihr Urheberrecht?
: Flexibilisieren die Niederlande ihr Urheberrecht? Bereits im November letzten Jahres haben sich die niederländischen Urheberrechtsexperten Bernt Hugenholtz (IViR) und Martin Senftleben (VU Amsterdam) in einer Studie („Fair Use in Europe. In Search of Flexibilities“) mit den Möglichkeiten auseinandergesetzt, auf nationaler Ebene und im Einklang mit dem bestehenden EU-Recht das Urheberrecht soweit zu flexibilisieren, dass eine Funktionalität ähnlich dem Fair-Use-Prinzip im US-Copyright erreicht wird (via). Ihr Fazit: eine Änderung auf europäischer Ebene wäre zwar wünschenswert, aber auch auf nationalstaatlicher Ebene gibt es noch viele unausgeschöpfte Möglichkeiten. So ließe sich über die die Ausdehnung von bestehenden Ausnahmen („Schranken“) die Flexibilität des Urheberrechts zu erhöhen, um eine bessere Kompatibilität mit digitalen Nutzungspraktiken herzustellen. In der Executive Summary heißt es dazu (meine Übersetzung):
„Der EU-Urheberrechtskorpus lässt viel mehr Raum für Flexibilität als die abgeschlossene Liste an zulässigen Beschränkungen und Ausnahmen nahelegen würde.“
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: Teil 4: Everything is a Remix
: Teil 4: Everything is a Remix Kirby Ferguson hat den vierten und letzten Teil seiner Serie „Everything is a Remix“ veröffentlicht – und wird dabei grundsätzlich. Das Zusammenspiel von „Copy – Transform – Combine“ macht für ihn den Kern von sozialer Evolution aus.
Hier finden sich Teil 1, Teil 2 und Teil 3 der Serie, die in ihrer Gesamtheit vor allem die Notwendigkeit eines Rechts auf Remix auch im europäischen Urheberrecht deutlich macht.
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: „Kunst gegen Überwachung“ gegen „Kunst hat Recht“
Logo "Kunst gegen Überwachung" : „Kunst gegen Überwachung“ gegen „Kunst hat Recht“ Die Initiative „Kunst hat Recht“ von österreichischen Künstlern und Verwertungsgesellschaften wird immer mehr zu einem Eigentor für deren Proponenten. Nachdem sich gleich zum Start der Initiative eine Reihe von Kunstschaffenden von der Initiative distanziert haben („Urheberrecht, Kunst und Kultur: Initiative und Gegen-Initiative in Österreich [Update]“), formiert sich rechtzeitig vor den ACTA-Protesten eine weitere Gegen-Initiative unter dem Label „Kunst gegen Überwachung“.
Schon bei der Gestaltung des Logos ließen sich die bislang noch anonymen Macher von „Kunst gegen Überwachung“ offensichtlich von „Kunst hat Recht“ inspirieren:
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: Wikimedia-Vereine gegen Zentralisierung des Fundraisings
: Wikimedia-Vereine gegen Zentralisierung des Fundraisings Knapp ein Monat nachdem Wikimedia-Geschäftsführerin Sue Gardner ihre Pläne für eine Zentralisierung von Fundraising und Organisationsstrukturen präsentiert hat („Wikimedia-Geschäftsführerin präsentiert Pläne für radikale Restrukturierung“), veröffentlichte diese Woche Wikimedia Deutschland ihren ausführlichen Gegenvorschlag auf Meta-Wiki – im Gegensatz zu Gardner nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Deutsch, Französisch, Russisch, Arabisch, Spanisch und Portugiesisch. Und dass es sich dabei um einen Gegenvorschlag handelt wird schon in der Einleitung deutlich, wo es heißt:
Mit der folgenden Analyse zeigt Wikimedia Deutschland, dass allein ein dezentrales Organisationsmodell, das Verbesserungen in diversen Punkten vornimmt, die gesamte Wikimedia-Bewegung in die Lage versetzen kann, zu den erfolgreichsten Nichtregierungsorganisationen (NRO) weltweit aufzuschließen.
Und auch wenn sich das Dokument offensichtlich bewusst um einen sachlichen Ton bemüht und Gemeinsamkeiten betont werden, so enthält es doch eine Reihe von Spitzen gegen die Foundation in den USA. Die erste ist die bereits Eingangs erwähnte Veröffentlichung des Dokuments in mehreren Sprachen – Gardner war dafür kritisiert worden, dass ihr Vorschlag trotz langer Vorbereitungszeit zunächst nur auf Englisch verfügbar war. Auch der Verweis darauf, dass die „Schlussfolgerungen auf der Analyse von Fakten, auf Forschungsergebnissen und auf dem Wikimedia-Mission Statement [basieren]“ ist wohl als Kritik an Gardners kaum mit Zahlen untermauerten Ideen zu sehen.
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: Urheberrecht, Kunst und Kultur: Initiative und Gegen-Initiative in Österreich [Update]
: Urheberrecht, Kunst und Kultur: Initiative und Gegen-Initiative in Österreich [Update] Nach längerer Vorlaufzeit hat sich diese Woche in Wien die Initiative „Kunst hat Recht“ der Öffentlichkeit präsentiert. Die selbsternannte „Initiative für das Recht auf geistiges Eigentum“ listet eine Reihe von Kunstschaffenden als Initiatoren – unter ihnen die ehemalige grüne EU-Parlamentarierin Mercedes Echerer – und führt als Partner auf ihrer Homepage bislang ausschließlich Verwertungsgesellschaften wie zum Beispiel das österreichische GEMA-Pendant AKM an. In der Gründungsdeklaration singt die Initiative das altbekannte Klagelied von der Gratiskultur im Netz:
Es hat sich die Meinung verbreitet, dass die Durchsetzung unseres Rechts „falsch“ wäre. Teile der Internet-Industrie leben gut von der „Gratiskultur“, die ein Missbrauch unserer Werke ist. Die massenhafte Enteignung der Kunstschaffenden hat nichts mit Informationsfreiheit zu tun. Wir Kunstschaffenden können das nicht länger hinnehmen.
Bereits zwei Tage nach Veröffentlichung dieser Plattform hat sich nun über einen Gastbeitrag in der Tageszeitung „Der Standard“ eine, ebenfalls von Kunstschaffenden getragene, Gegeninitiative konstituiert. Die Initiatoren aus dem Umfeld des Wiener World Information Institutes argumentieren, dass sich Kunstschaffende mit einer Forderung nach einer Stärkung geistiger Eigentumsrechte ins eigene Fleisch schneiden. Sie warnen, dass bereits der bisherige Ausbau insbesondere von Urheberrechten der Mehrheit der Kunstschaffenden mehr geschadet als genützt hat:
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: Call for Papers für Wikipedia Academy 2012: Research and Free Knowledge
: Call for Papers für Wikipedia Academy 2012: Research and Free Knowledge In Kooperation mit dem Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft und der Freien Universität Berlin veranstaltet Wikimedia Deutschland vom 29. Juni bis 1. Juli 2012 die “Wikipedia Academy 2012: Research and Free Knowledge.” in Berlin.
Die neu konzeptionalisierte Wikipedia Academy möchte eine interdisiziplinäre Plattform für Präsentation und Austausch von Forschung und Wissenschaft um, in und mit Wikipedia und Freiem Wissen bieten. Der Call for Papers bittet zu diesem Zweck bis 31. März 2012 um die Einreichung von Kurzfassungen (extended abstracts) für wissenschaftliche Beiträge zu einem der folgenden Themenfelder:
- Wikipedia Analytics
- Wikipedia Global
- Sharing Cultures and Practices
- Research on Users of and Contributors to Wikipedia
- Economic and Regulatory Aspects of Free Knowledge
Der Call ist bewusst in englischer Sprache gehalten und richtet sich demnach an in die internationale Wikipedia-Forschungscommunity. Die Auswahl der Beiträge wird durch ein Academic Program Committee erfolgen, das im Laufe der nächsten Wochen auf der Projekt-Homepage bekannt gegeben wird. Die Veranstaltung selbst wird offen für alle an Forschung zu Wikipedia und Freiem Wissen interessierte sein.
Details zu den Themenfeldern und Hintergründe zur Veranstaltung finden sich auch am Blog von Wikimedia Deutschland.
Disclaimer: Ich bin selbst als Teil des Organizing Committee in die Organisation der Veranstaltung involviert.
