Dass das Editieren der Wikipedia die Kenntnis einer zunehmend komplizierten Wikisyntax erfordert, gilt als einer der Gründe für die geringe Diversität unter Wikpedia-Autoren. Die Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation, Sue Gardner, hat deshalb auch bei ihrem jüngsten Besuch in Deutschland in einem Interview mit Zeit Online einen neuen, visuellen Editor versprochen.
Ein erster Prototyp dieses WYSIWYG-Editors ist nun online. Wer mag, kann ihn in einer Sandbox ausprobieren. Im Blog von Wikimedia Deutschland heißt es dazu:
Dieser neue Prototyp ist eine Testversion, der entscheidende Merkmale wie die Speicherung und der Zugriff auf echte Wikipedia-Artikel fehlen. Es gibt keine Datenbankverbindung. Es handelt sich um eine Spielwiese und Kommentare und hilfreiche Tipps sind hier sehr erwünscht!
Außerdem werden die nächsten Schritte skizziert:
Zunächst sollen nacheinander neue Funktionen freigeschaltet werden, Fehler behoben und Updates veröffentlicht werden. Ziel: Der Editor soll nach und nach anwendbarer für tatsächliche Wikipedia-Bearbeitungen werden. […] Geplant ist, kurzfristig “echte” Bearbeitungen einem (sehr) kleinen Nutzerkreis zu ermöglichen. Bis allerdings selbst eine nur kleine Gruppe von Bearbeitern mit vollumfänglichen Funktionen des Editors versorgt werden kann, wird es noch eine Weile dauern.
Ich bin jedenfalls gespannt, ob und falls ja, wie stark sich ein funktionierender Editor letztlich auf den Gender-Bias in der Wikipedia auswirken wird. Meine Vermutung: nicht allzu stark. Gleichzeitig wäre dann allerdings die Technik-Ausrede weg und man müsste sich stärker und ernsthafter mit „weicheren“ Ursachen dafür auseinandersetzen, dass der Frauenanteil unter den Wikipedia-Autoren derzeit gerade einmal bei maximal 13 Prozent liegt.