Leonhard Dobusch
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: Druck auf Wikipedia für Teilnahme an SOPA-Blackout via Spendenaufruf
: Druck auf Wikipedia für Teilnahme an SOPA-Blackout via Spendenaufruf Es klingt wie Satire, ist aber offensichtlich ernst gemeint. Weil sich die Entscheidung innerhalb der Wikipedia-Community (vgl. die diesbezügliche Wikiseite) weiter hinzieht, ob und in welcher Form man sich an den Anti-SOPA-Protesten beteiligen soll, hat Demand Progress die Seite www.wikipediablackout.com gestartet. Dort werden Internetnutzer aufgefordert, Wikimedia die Entscheidung mit Spendendollars leichter zu machen und zumindest einen Dollar an Wikipedia zu spenden. (Ein Schelm wer hier nur an den damit verbundenen perversen Anreiz denkt, sich jetzt erst Recht mit der Entscheidung Zeit zu lassen.)
Die Diskussion zieht sich vor allem auch deshalb so lange hin, weil es nicht nur um ein simples Ja oder Nein zur Teilnahme am für den 18. Januar geplanten Protest-Blackout geht, sondern auch um Ausmaß und Begleitmaßnahmen des Blackouts. Diskutiert wird beispielsweise, Wikipedia nur in den USA abzuschalten und im Rest der Welt über Banner darüber zu informieren.
Auch ist umstritten, was unter „Blackout“ zu verstehen ist: Soll die Wikipedia tatsächlich für einen Tag nicht erreichbar sein oder sollen Besucher sich nur durch Informationen zu SOPA durchklicken müssen, um zu den Wikipedia-Inhalten zu gelangen. Dem derzeitigen Stimmungsbild nach zu urteilen dürfte zweitere Option in den USA, kombiniert mit Bannern für den Rest der Welt, voraussichtlich das Rennen machen – zumindest, wenn es überhaupt zu einer Entscheidung kommt.
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: Wikimedia-Geschäftsführerin präsentiert Pläne für radikale Restrukturierung
: Wikimedia-Geschäftsführerin präsentiert Pläne für radikale Restrukturierung Kürzlich haben wir an dieser Stelle noch darüber berichtet, dass Wikimedia Deutschland die Rekordsumme von 3,8 Millionen Euro bei der jüngsten Spendenaktion erlöst hat („Wikimedia steigert Spendenaufkommen um 72%“). Wenn es nach den jüngst veröffentlichen Plänen von Wikimedia-Foundation-Geschäftsführerin Sue Gardner geht, könnte dieser warme Spendengeldregen für den deutschen Wikimedia-Verein bald der Vergangenheit angehören – wobei auch schon nach der bisherigen Regelung ein großer Teil des jährlichen Spendenaufkommens direkt an die Wikimedia Foundation geht.
In einem ausführlichen und derzeit nur auf Englisch verfügbaren Eintrag auf Meta-Wiki spricht sich Gardner für eine Zentralisierung des Fundraisings aus und fordert eine Abkehr vom bislang dominanten, länderbasierten Chapter-Prinzip. Derzeit ist es so, dass bei den jährlichen Spendenaufrufen nur Teile der Gelder direkt an die Foundation in den USA gehen, der Rest bleibt bei den lokalen Chapter-Organisationen – zumindest dort, wo sich wie in Deutschland eine Wikipedia-Sprachversion einem Chapter-Verein zuordnen lässt. Wikimedia Chapter sind in der Regel mitgliederbasierte Vereine und als solche formal unabhängig von der Foundation. Für die Nutzung der Wikimedia-Marken, allen voran der Wikipedia, müssen sie allerdings mit der Foundation formelle Vereinbarungen abschließen, in denen auch die Aufteilung des Spendenaufkommens vereinbart wird.
Wenn es nach den Empfehlungen von Gardner geht, soll sich das in Zukunft grundsätzlich ändern. Sie macht vier konkrete Vorschläge (Übersetzungen von mir):
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: Mit Apps und Browser-Extensions gegen SOPA
: Mit Apps und Browser-Extensions gegen SOPA Im Kampf gegen gegen den „Stop Online Piracy Act“ (SOPA) entstehen neue Formen des Online-Protests, die in Zukunft möglicherweise auch in anderen Themenfeldern zum Einsatz kommen könnten. Die jüngsten Beispiele dafür sind die Browser-Extension für Chrome „No SOPA“ sowie die Android-App „Boycott SOPA“. Ziel ist in beiden Fällen, die Befürworter von SOPA als solche kenntlich zu machen (siehe auch „SOPA: Wer sagt was?“).
Die Chrome-Extension blendet dazu im Browser bei Webseiten von SOPA-Befürwortern einen roten Warnbalken mit dem Schriftzug „SOPA Supporter! This company is a known supporter of the dangerous ‚Stop Online Piracy Act’ “ ein.
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: Exportieren die USA SOPA nach Europa?
: Exportieren die USA SOPA nach Europa? In den USA tobt derzeit die Auseinandersetzung um den sogenannten „Stop Online Piracy Act“ (SOPA), der auf Initiative von Urheberrechts-Lobbys wie die MPAA oder RIAA für eine strengere Regulierung des Internets im Kampf gegen Urheberrechtsverstöße sorgen soll (mehr dazu: „Hollywood vs Freies Internet“).
Wie nun der Guardian unter Bezug auf Wikileaks Cables berichtet, hat der US-Botschafter in Spanien bereits seit längerem massiven Druck auf die spanische Regierung ausgeübt, Maßnahmen nach SOPA-Vorbild in das dortige Urheberrecht zu implementieren. In dem Guardian-Artikel heißt es dazu wie folgt (eigene Übersetzung):
In einem Brief äußerte [US-Botschafter] Solomont versteckte Drohungen, indem er seine Empfänger daran erinnerte, dass Spanien auf der Liste Special 301 des US-Handelsvertreters sei, also jener Staaten die über keine „angemessenen und effektiven“ Maßnahmen zur Sicherung geistiger Eigentumsrechte verfügen. Spanien riskiere, dass seine Position auf dieser Liste weiter „herabgesetzt“ werde und so auf der echten schwarzen Liste der „schlimmsten Verletzer globaler geistiger Eigentumsrechte“ zu landen.
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: Höchstrichter-Urteil zu E‑Voting in Österreich
: Höchstrichter-Urteil zu E‑Voting in Österreich Im Unterschied zu Deutschland gibt es in Österreich für Studierende an Universitäten und Fachhochschulen eine bundesweite Vertretung („Österreichische HochschülerInnenschaft“) mit zweijährlichen Wahlen. Diese sollten vor mittlerweile über zwei Jahren als Testlauf für die Einführung von E‑Voting in Österreich fungieren. Aufgrund verschiedenster Pannen und Zweifeln an der Manipulationssicherheit hatten danach mehrere Fraktionen – u.a. die Grün-nahe GRAS und der sozialdemokratische VSStÖ – die Rechtmäßigkeit des Wahlgangs vor dem österreichischen Verfassungsgericht (VfGH) angefochten.
Dessen Urteil (PDF) liegt nun vor. Das österreichische Verfassungsgericht gibt dabei nicht nur den Beschwerdeführern Recht, sondern beschreibt auch hohe Mindestanforderungen für die Rechtmäßigkeit von E‑Voting ganz generell. Im Bericht des österreichischen Rundfunks heißt es dazu:
„Die „wesentlichen Schritte der Wahlhandlung und der Ergebnisermittlung“ müssten „von der Wahlkommission selbst (ohne Mitwirkung von Sachverständigen) zuverlässig und ohne besondere Sachkenntnis überprüft werden können“. Dabei sei auch zu bedenken, „dass eine Zertifizierung durch Sachverständige die staatliche Gewährleistung der Einhaltung der Wahlgrundsätze durch die Wahlkommission nicht ersetzen kann“.“
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: Prototyp für visuellen Wikipedia-Editor freigegeben
: Prototyp für visuellen Wikipedia-Editor freigegeben Dass das Editieren der Wikipedia die Kenntnis einer zunehmend komplizierten Wikisyntax erfordert, gilt als einer der Gründe für die geringe Diversität unter Wikpedia-Autoren. Die Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation, Sue Gardner, hat deshalb auch bei ihrem jüngsten Besuch in Deutschland in einem Interview mit Zeit Online einen neuen, visuellen Editor versprochen.
Ein erster Prototyp dieses WYSIWYG-Editors ist nun online. Wer mag, kann ihn in einer Sandbox ausprobieren. Im Blog von Wikimedia Deutschland heißt es dazu:
Dieser neue Prototyp ist eine Testversion, der entscheidende Merkmale wie die Speicherung und der Zugriff auf echte Wikipedia-Artikel fehlen. Es gibt keine Datenbankverbindung. Es handelt sich um eine Spielwiese und Kommentare und hilfreiche Tipps sind hier sehr erwünscht!
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: Creative Commons startet Diskussion zu Version 4.0 ihrer Lizenzen
: Creative Commons startet Diskussion zu Version 4.0 ihrer Lizenzen Vor einigen Tagen hat Creative Commons (CC) offiziell via Blogeintrag die öffentliche Diskussion für die Version 4.0 der Creative-Commons-Lizenzen gestartet. Es gibt ein eigenes Portal im Creative-Commons-Wiki dazu.
Im Zuge dieses bislang größten Versionierungsprozesses seit Gründung der Organisation vor fast genau 10 Jahren werden auch einige grundlegende Fragen zur Diskussion gestellt. So stehen insbesondere jene Lizenzmodule, die Bearbeitungen (NonDerivatives, ND) und kommerzielle Nutzung (NonCommercial, NC) ausschließen, auf dem Prüfstand. In beiden Fällen wird auch die völlige Aufgabe des Lizenzmoduls diskutiert, wobei das im Falle des NC-Moduls eher unwahrscheinlich ist. Klarerweise würden derart tiefgreifende Änderungen aber nicht die Unwirksamkeit bestehender Lizenzierungen bedeuten.
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: Studie zur digitalen Gesellschaft von Initiative D21
: Studie zur digitalen Gesellschaft von Initiative D21 Unter www.digitale-gesellschaft.info – nicht zu verwechseln mit der NGO unter www.digitalegesellschaft.de – finden sich die Ergebnisse einer seit 2009 jährlich durchgeführten Befragung von TNS Infratest im Auftrag der Branchenplattform Initiative D21 zur Entwicklung der digitalen Gesellschaft. (Ob die „digitale Gesellschaft“ allerdings ausschließlich auf Basis von Telefoninterviews, wenn auch 1.000 an der Zahl, repräsentativ erfasst werden kann, ist eine andere Frage.)
In der Presseinformation heißt es zu den Ergebnissen:
Die Entwicklung der digitalen Gesellschaft in Deutschland stagniert. Vor dem Hintergrund der Diskussionen um Datenschutz, Identitätsdiebstahl und Internetbetrug scheinen die Deutschen ihr distanziertes Verhältnis zu den digitalen Medien weiterhin zu wahren.
Interessant, wie hier gleich im zweiten Satz die Schuldfrage geklärt ist: die Datenschutzdiskussion sei noch vor Identitätsdiebstahl und Internetbetrug die Ursache für ein „distanziertes Verhältnis“ der Deutschen zu digitalen Medien. Das ist deshalb interessant, weil die eigene Studie diese Schlussfolgerung gerade nicht hergibt. Nach Identitätsdiebstahl und Internetbetrug wird in der Studie gar nicht gefragt. Hinsichtlich Datenschutz aber findet sich in der Langfassung der Studie (PDF) eine Vergleichsgraphik (z.B. S. 13), die zeigt, dass die Zusimmung zur Aussage „Wir müssen stärker auf Datenschutz achten (‚gläserner Mensch’)“ unter der Gruppe der „digitalen Außenseiter“ am geringsten ausgeprägt ist. Umgekehrt sind es gerade „Digitale Profis“ oder die „Digitale Avantgarde“, die für Fragen des Datenschutzes sensibilisiert sind.
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: Abstimmung zum Wissenswert-Publikumsvoting startet
: Abstimmung zum Wissenswert-Publikumsvoting startet Beim Wissenswert-Wettbewerb von Wikimedia Deutschland wird dieses Jahr zusätzlich zum Jury-Votum ein Publikumspreis in Höhe von 2.000 Euro vergeben. Ab sofort kann darüber abgestimmt werden.
Zur Auswahl stehen nur noch 30 der 50 eingereichten Projekte, die als förderbar identifiziert wurden. Zu dieser hohen Quote an nicht-förderbaren Ideen heißt es am Wikimedia-Blog:
Die Entscheidung fiel nicht immer leicht. Wir haben mit vielen der Einreicher Kontakt aufgenommen, um neben inhaltlichen Fragen auch zu prüfen, ob wirklich freie Lizenzen (und nicht Lizenzen, die kommerzielle Verwendung oder Bearbeitung ausschließen) zum Einsatz kommen. Hier ist nach wie vor noch viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten, wie auch aktuellen Debatten (z.B. zum Thema Freie Bildungsinhalte oder die Reformdebatte zum Urheberrecht) zeigen.
Hinzu kommt, dass die Gelder bei Wissenswert nur für die konkreten Projekte ausgegeben werden dürfen, es also um eine Förderung und nicht um ein „Preisgeld“ im engeren Sinne geht. Letzteres wird im Rahmen des Zedler-Preises ausgelobt.
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: Neue Urheberrechtskonflikte am Horizont?
: Neue Urheberrechtskonflikte am Horizont? Auf netzwertig.com prognostiziert Martin Weigert einen „Neuen Brandherd der Urheberrechtsdebatte“ im Bereich von Onlinediensten wie Storify oder Pinterest. Deren zentrales Features besteht darin, dass Nutzer online verfügbare Inhalte aus verschiedenen Quellen neu zusammenstellen und das Ergebnis dieser Rekombination wiederum Dritten einfach zur Verfügung stellen können. Das ist aus urheberrechtlicher Sicht aber keineswegs unproblematisch. Weigert:
Sobald urheberrechtlich geschützte Inhalte beispielsweise über Storify vervielfältig, verbreitet und zugänglich gemacht werden, benötigt man dazu die Einwilligung des Autoren oder eine gesetzliche Erlaubnis. In der Praxis dürften sich die meisten Storify-Nutzer aber bisher über diesen Aspekt keine Gedanken machen, zumal Angebote zum Kuratieren von Online-Inhalten kaum funktionieren würden, wenn für jedes mit einem Klick integrierbare Contentelement die bei weitem nicht immer eindeutige Rechtslage geklärt werden muss
Für das Beispiel Pinterest beklagt Leander Wattig die damit ganz generell verbundene Unsicherheit:
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: Netzpolitik am Bundesparteitag der Grünen [Update]
: Netzpolitik am Bundesparteitag der Grünen [Update] Noch vor seinem Urlaub hat Markus in einem Beitrag die Frage gestellt, „Wieviel Netzpolitik steckt wirklich in den Grünen?“ und für den Bundesparteitag der Grünen beim Thema Urheberrecht einen „Kulturkampf“ bzw. „eine Schlacht zwischen Netz- und Kulturpolitikern […] über Fragen wie ‚Kürzung der Urheberrechtslaufzeiten’ oder „Wiederverkäuflichkeit von digitalen Medien’ “.
Auf heise.de hat Stefan Krempl einen ausführlichen Bericht über das Ergebnis dieses „Kulturkampfs“ verfasst:
Neue Wege wollen die Grünen vor allem beim Urheberrecht im Interesse eines fairen Ausgleichs zwischen Schöpfern, Verwertern, Nutzern und der Allgemeinheit gehen. Die kommerzielle Nutzung und Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material ohne Erlaubnis hält die Partei für illegitim; für Filesharing und andere Kopierhandlungen für private Zwecke möchte die Partei jedoch bis zu einer „Bagatellgrenze“ freigeben. Der Zugang zu geschützten Werken soll grundsätzlich erleichtert werden. Für den Ausgleich „werden unterschiedliche Modelle diskutiert, bei denen monatlich eine pauschale Summe über die Provider je Internetzugang erhoben wird“, heißt es in dem Papier – jedoch ohne Hinweis auf konkrete Vorstöße wie eine Kulturflatrate.
Liest sich so, als hätten sich die Netzpolitiker in so ziemlich allen Punkten durchgesetzt.
[Update]
Eine schöne Übersicht über die zentralen Punkte des Beschlusses liefert Simon Möller bei Telemedicus.
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: Jan Delay vs. Abmahnindustrie: Ein Rant in zwei Teilen
: Jan Delay vs. Abmahnindustrie: Ein Rant in zwei Teilen Mit folgender Statusmeldung hat sich der Hamburger Musiker Jan Delay vor zwei Tagen auf Facebook und Google+ auf derb-deutliche Weise mit dem Problem des Abmahnunwesens im Bereich des Musik-Filesharings auseinandergesetzt:
mal n paar harte zahlen und fakten: im letzten jahr hat es 800.000 (!) abmahnungsverfahren wg. illegalen downloads gegeben. heißt: windige anwälte beschäftigen billiglöhner, die den ganzen tag nix anderes tun als ip-adressen von illegalen saugern aufzuschreiben um diese mit einem bußgeldbescheid von durchschnittlich 1500 euro abzumahnen und mit Gerichtsverfahren zu drohen falls nicht gezahlt wird. heraus kommt das stolze sümmchen von 1,2 Milliarden (!!), welches unter den anwälten und den plattenfirmen gesplittet wird. die künstler sehen davon nix! das sind alles miese schweine!! saugt bitte alle ruhig weiter, und lasst euch nicht erwischen! kein peer 2 peer!! und wenn es Künstler gibt, die ihr schätzt und die sich den arsch aufreißen um gute platten zu machen: bitte supported sie!!
Stand Freitag, 25.11., 14.30 Uhr wurde diese Statusmeldung alleine auf Facebook fast 3.000 Mal geteilt und hält bei über 6.700 „Likes“, auf Google+ wurde die identische Meldung weitere 900 Mal geteilt und über 1.500 Mal geplusst. Das war Jan Delay dann offensichtlich doch zuviel der Aufmerksamkeit und er „ergänzt“ und „verdeutlicht“, wiederum auf Facebook und Google+, in einer weiteren, diesmal viel ausführlicheren Stellungnahme, eingeleitet mit „oooops.. da hab ich ja was losgetreten ;-)“. Ein paar Auszüge daraus:
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: Wikimedia: Aus Zedler-Medaille wird Zedler-Preis
: Wikimedia: Aus Zedler-Medaille wird Zedler-Preis Gestern Abend wurde am Blog von Wikimedia Deutschland der „Zedler-Preis für freies Wissen“ als Nachfolger für die bislang vergebene Zedler-Medaille ausgelobt. Letztere sollte vor allem Wissenschaftler zum Schreiben von Wikipedia-Artikeln motivieren. Ein Ziel, das mehr schlecht als recht erreicht wurde. Der neue Preis ist deshalb gleich in mehrfacher hinsicht breiter aufgestellt und adressiert nicht mehr nur (potentielle) Wikipedia-Autoren. Konkret gibt es Preise in drei Kategorien zu vergeben:
- I. Wikipedia-Artikel des Jahres: Welcher Wikipedia-Artikel begeisterte 2011 am meisten? Exzellent oderLesenswert ist hier nicht zwingende Voraussetzung; Qualität ist nicht das einzige Kriterium, es kann auch der repräsentativste, skurrilste oder “wichtigste” Artikel ausgezeichnet werden.
- II. Community-Projekt des Jahres: Welches Projekt im Wikimedia-Universum hat 2011 am meisten dazu beigetragen, Menschen zu befähigen, direkt oder indirekt Inhalte für die Wikimedia-Projekte zu schaffen. Hier sind Projekte gefragt, bei denen mehrere Leute gezielt zusammen an einer gemeinsamen Sache arbeiten. Denkbar sind z.B. Veranstaltungen, Wettbewerbe, Digitalisierungsprojekte oder Redaktionsaktivitäten, die Wikipedia und den Schwesterprojekten zugute kommen.
- III. Projekt des Jahres (extern): Diese Kategorie ist zunächst sehr offen gehalten und richtet sich an Projekte außerhalb des Wikimedia-Universums. Wir suchen Projekte, die der Erstellung, Verbesserung und Verbreitung Freien Wissens dienen und die sich z.B. durch Einzigartigkeit, Originalität, Engagement und Wirkung auszeichnen. Kandidaten sind hier z.B. Schulungsprogramme, Aufklärungsarbeit, Entwicklerprojekte oder Veranstaltungen, die nicht direkt mit dem Wikiversum in Verbindung stehen. (Wir suchen außerdem noch einen hübscheren Titel für diese Kategorie. Ideen?)
Vorschläge für Preisträger können entweder direkt auf einer Wikiseite oder mittels Online-Formular eingereicht werden.Zur Klarstellung: Der „Zedler-Preis für freies Wissen“ ist nicht zu verwechseln mit dem „Wissenswert-Wettbewerb“, bei dem zukünftige Projekte gefördert werden. Für diesen Wettbewerb ist gestern die Vorschlagsfrist abgelaufen und es wurden insgesamt 50 Projektideen eingereicht. -
: Lobbykratie und Urheberrecht, 2. Runde [Update]
: Lobbykratie und Urheberrecht, 2. Runde [Update] Anlässlich der Vergabe des Negativpreises „Lobbykratie-Medaille“ durch LobbyControl hat sich herausgestellt, dass eines der nominierten Unternehmen, die Deutsche Vermögensberatung AG, auf YouTube die Sperrung einer 3sat-Dokumentation mit dem Titel „Lobbykratie – die inoffizielle Macht“ veranlasst hatte (vgl. Abstimmung über Lobbykratie-Medaille und das Urheberrecht). Diesen Umstand haben wir mit folgendem Screenshot dokumentiert:
Dieser Blogeintrag dürfte nun die Deutsche Vermögensberatung AG dazu gebracht haben, noch einmal bei YouTube nachzuhaken und nicht nur die Löschung des Videos, sondern auch den Verweis auf den Beschwerdeführer tilgen zu lassen. Mittlerweile präsentiert sich nämlich die Sperrmeldung nur noch in gekürzter Fassung:
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: Abstimmung über Lobbykratie-Medaille und das Urheberrecht
: Abstimmung über Lobbykratie-Medaille und das Urheberrecht Negativpreise haben Hochkonjunktur. Die österreichischen Big Brother Awards wurden gerade erst verliehen, da startet LobbyControl eine öffentliche Online-Abstimmung zur Vergabe der Lobbykratie-Medaille. Folgende Unternehmen stehen zur Auswahl:
Deutsche Vermögensberatung AG: Nominiert für die Lobbykratie-Medaille, weil sie PR-Texte als seriöses Lehrmaterial vermarktet und so Lobbyarbeit aus den Parlamenten in die Schulen verlagert. Mehr
Gauselmann AG: Nominiert, weil die Spielautomaten-Firma es geschafft hat, über eine Million Euro an Parteien zu überweisen, ohne in den Rechenschaftsberichten dieser Parteien aufzutauchen. Mehr
Bundesverband Medizintechnologie & Agentur Weber Shandwick: Nominiert, weil sie Patientenvertretungen für eine vermeintliche Graswurzelkampagne instrumentalisiert hat, um erfolgreich die Umsetzung einer Reform der Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln zu verhindern. Mehr
RWE & Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: Nominiert, weil das Energierunternehmen RWE zwei Mitarbeiterstellen in einem Forschungsprojekt der Bundesanstalt finanziert hat, welches Vorschläge für ein verbindliches Regelwerk zum Einsatz der CCS-Technologie in Deutschland erarbeiten sollte. Mehr
Deutsche Bank & Josef Ackermann als Vorsitzender des Institute of International Finance (IIF): nominiert, weil sie über einen privilegierten Zugang die günstigen Konditionen für die Finanzbranche bei der Griechenland-Rettung prägten und sich zugleich nach außen irreführend als hart getroffen darstellten. Mehr
Vorbild für die Initiative in Deutschland ist der „Worst EU Lobbying Award“ auf europäischer Ebene. Der Begriff „Lobbykratie“ war übrigens zuletzt vor einem Jahr Thema in diesem Blog anlässlich einer 3sat-Dokumentation mit dem Titel „Lobbykratie – Die inoffizielle Macht“.
Das Video dieser Dokumentation ist jedoch – wie könnte es anders sein – auf YouTube nicht mehr verfügbar. Und zwar auf Grund von „mehreren Benachrichtigungen von Dritten über eine Urheberrechtsverletzung“. Laut YouTube gehört zu den Beschwerdeführern die „Deutsche Vermögensberatung AG“ – also eines der für die Lobbykratie-Medaille nominierten Unternehmen. Wiedermal zeigt sich, dass urheberrechtliche Ansprüche dazu verwendet werden können, den Online-Zugang zu unliebsamer Berichterstattung einzuschränken.

