Kultur

‚Kunst gegen Überwachung‘ remixt Video von ‚Kunst hat Recht‘

Die Auseinandersetzung der beiden österreichischen Initiativen „Kunst hat Recht“ sowie „Kunst gegen Überwachung“ wird künstlerischer. So ist kürzlich ein Remix des Kampagnen-Videos von „Kunst hat Recht“ auf YouTube aufgetaucht, das mit ein paar simplen Ideen dem Video eine gegensätzliche Botschaft verpasst. Im folgenden die beiden Videos im Vergleich:


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Video von „Kunst hat Recht“:

Remix des Videos von „Kunst gegen Überwachung“:

 

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25 Kommentare
  1. Hm, ja. Ist schon ein Dilemma. Keine Ahnung, wie man das eben regelt, ohne dass der Politik die Hintertür zur Zensur geöffnet wird. Das ist im Grunde das Einzige, was verhindert werden muss. Ansonsten zeigt das Video doch auf eindringliche Weise, was ein Künstler verspürt. Aber was Nachteile mit sich bringt (einfache „Entwendung“, Verbreitung), hat auch Vorteile (leichterer Einstieg ins Biz, großes Publikum, Unabhängigkeit). Die Sache ist die, dass man digitale Kunst wie Scheiße vervielfältigen kann – ohne große Kosten. Viele sind bereit zu zahlen, aber wenn ich ein Ebook für 10 Euro kaufen muss, weil die Buchpreisbindung das nicht anders erlaubt, finde ich das schon heftig. Das Gleiche gilt, wenn ich es in Druckform kaufe. Warum kann man das Ebook nicht kostenlos dazu bekommen? Oder für 50 Cent von mir aus… Das wäre fair. Oder warum kostet es mich mehr, einen Film im Netz legal zu schauen, als wenn ich es im Filmverleih ausleihe? Kein Plan, da müssen auch die Vertreiber einen Schritt auf die Konsumenten zugehen. Nur Kosten einsparen und mehr verdienen ist halt auch nicht so – man könnte das Video nämlich auch aus einer anderen Perspektive drehen. Ist halt nicht so einfach alles.

  2. Es wäre schon viel geholfen, wenn man die Dauer der Nutzungsrechte auf 30 Jahre beschränkt – absolut und nicht erst nach dem Ableben des Urhebers, der für gewöhnlichn schon lange vorher seine kompletten Rechte an Verlage abtritt. Wozu müssen Disney und Mattell, bzw die Erbe von Kästner und andere praktisch ewig die feie Nutzung verhindern, ohne noch irgendwelche eigene Innovation zu leisten? Was hat Disney (Artist & Konzern) z.B. noch Vergleichbares nach Mickey Mouse und Donald Duck geleistet? Danach kamen nur noch Remixes bereits existierender geschichten, für die man selbst praktisch keinen Cent mehr bezahlt hat.

    1. @ninjaturkey

      ich sehe nicht ein, warum künstler nach dreissig jahren ihre urheberrechte verlieren sollten. nicht jeder künstler liefert sich einem verlag aus. wenn man die vorherrschaft der verlage brechen will, dann kann man ja festschreiben, dass verträge auf 30 jahre befristet sind.
      aber den künstlern nach 30 jahren das urheberrecht zu nehmen, macht sie noch mehr als zuvor zu almosenempfängern im alter. wem damit geholfen wäre weiss ich jetzt auch nicht, denn wenn nach 30 jahren alle werke frei wären dann kann man als verlag genauso noch geld verdienen und die autoren habens schwerer und jede schlechte werbeagentur kann die werke verunstalten.
      ich bin wahrlich kein freund von kunsthatrecht, aber diese immer wiederkehrende forderung würde ich sofort bekämpfen.

      1. (Kannst Du bitte deutsche Groß- und Kleinschreibung nutzen? Das macht Deine Texte besser lesbar. Danke!)

        Klempner, Einzelhandelsverkäufer oder KFZ-Mechaniker haben schon nach 30 Minuten keine Möglichkeit mehr, an ihrer Arbeit zu verdienen. Die Situation ist bei Künstlern vielleicht anders, der Unterschied aber keineswegs selbstverständlich.

      2. konrad bayer schreibt: „die kleinschreibung ermöglicht die lektüre dieses blattes auch dem leser, welcher der grossschreibung noch nicht mächtig ist“
        ich persönlich finde die gross/kleinschreibung sehr unharmonisch und nicht schön anzuschauen. das ist eine erfindung der romantik und wurde in den meisten anderen sprachen wieder abgeschafft. nur im deutschen ist es geblieben.

        wie immer sind vergleiche mit handwerksberufen fehl am platz. welcher mechaniker repariert Ihnen etwas um 80 cent?
        abgesehen davon wäre ich mit bei meinem heizungsinstallateur nicht so sicher, der kommt immer wieder und macht das gleiche nocheinmal.

        in jeder branche die etwas herstellt werden einmal gehabte ideen, pläne und konzepte wiederverwendet und tausendfach monetarisiert. nur in der kunst soll das nicht mehr möglich sein? warum?

    2. Man kann das ja vom Besitzer abhängig machen: Wenn der Urheber eine natürliche Person ist, darf er das Werk sein ganzes Leben plus 10 Jahre oder so behalten (Droit d’auteur). Andere Verwerter können Rechte für max. 10 Jahre kaufen, danach fallen sie an den Urheber zurück (während die Frist oben läuft) oder werden gemeinfrei.

      Werke, deren Urheber keine natürliche Person ist, behalten die Rechte 40 Jahre (Eine Generation plus die 10 Jahre von oben).

      1. Die Idee mit dem Recht einer natürlichen Person auf Lebenszeit plus 10 finde ich gar nicht so schlecht.
        Grundsätzlich der Entwicklung im Netz angemessen, wäre vermutlich eine grundsätzliche Kulturabgabe, die aus einem Mittelwert bisheriger Ausgaben für Kultur errechnet wird. Für Kopierer und Musikkassetten gab es etwas ähnliches ja schon. Downloads und Klicks im Netz sollten messbar und bei entsprechender (cc?-)Markierung auch zuordnungs- und auszahlbar sein.
        Das würde eine reale Stärkung der Urheber bedeuten, vor allem in ihrer Verhandlungsposition gegenüber Verwertern. Verwerter werden ohnehin gezwungen sein ihre Rolle zu verändern. Weg von der Rechteverwertung und mehr hin zum ermöglichenden Produzenten und zum Marketing.
        Der ganze Druck kommt ja bezeichnenderweise vor allem von den Verwertern, die um ihre Gewinnmargen fürchten. Wenn Künstler sich auf diesselbe Position stellen, dann meistens aus Solidarität mit, zum Beispiel, ihren Verlagen. Ein ziemlich großer Anteil der gesammelten Urheber und Künstler dürfte das aber, aus naheliegenden Gründen, anders, oder zumindest unentschlossen betrachten.
        Für Urheber und Künstler, zu denen ich mich im Übrigen auch selbst zähle, ist das eine historisch ziemlich einzigartige Lage: Im Endeffekt sind sie die den Ausschlag gebende Gruppe in einer für die ganze Gesellschaft entscheidenden Frage.
        Es ist ihnen nur noch nicht so richtig klar geworden.

  3. Eine kleine Zusammenfassung zu Höhenflügen und Abgründen der Kampagne „Kunst Hat Recht“ gibts hier:

    Die österreichische Urheberrechtskampagne „Kunst Hat Recht“ wird zur Posse
    Bis vor kurzem stand die Initiative für Internet-Überwachung, Vorratsdatenspeicherung und Kriminalisierung von Internet-NutzerInnen. Nach heftiger Kritik wurden die Forderungen letzten Freitag „präzisiert“. Man ist jetzt irgendwie doch für ein „freies Internet“, gegen „Zensur und Überwachungsstaat“ und sogar gegen eine „Kriminalisierung der User“. Die alten Forderungen sind nach wie vor Teil dieser widersprüchlichen und scheinbar wenig durchdachten Kampagne. Auch nach den „Präzisierungen“ lassen sich kaum Spuren von progressiven, zukunftsorientierten Konzepten für das digitale Zeitalter entdecken.

  4. Beide Videos gehen doch am eigentlich Problem vorbei! Das ist nämlich mitnichten der einsame, um’s Überleben kämpfende Kunstschaffende, der von allen beklaut wird, weil die alles kostenlos haben wollen. Das Problem ist vielmehr, dass der einsame, um’s Überleben kämpfende Kunstschaffende in den allermeisten Fällen alle Rechte an seiner Kunst bisher an Rechteverwerter abgetreten hat und von dem leben musste, was die ihm noch übrig lassen. Klar, bei einigen Superstars ist das mehr als genug, bei anderen aber eben nicht. Und es sind doch die Rechteverwerter, die jetzt das große Muffensausen kriegen, weil sie durch das internet mehr und mehr überflüssig werden.

    Wenn ich jetzt ein Buch schreibe, sagen wir einen Roman, und den selbst verlege (homepage, ebook, facebook, paar mails an die richtigen Leute, bitte um Spenden über paypal, flattr, meinetwegen Veröffentlichung auch kapitelweise je nachdem wie das Geld zusammenkommt), wozu brauche ich dann noch einen Verlag? Sogar eine ISBN kann ich mir eigentlich schenken, solange die Sache nicht zu groß wird. Eigentlich wird nur die Gewinnmarge der Rechteverwerter durch neue Technologien kleiner und das ist gut so.

    Haben sich die Mönche beschwert, dass keiner mehr ihre teuren Handschriften gekauft hat, als Gutenberg den Buchdruck erfand? Ja, sie haben sich beschwert, aber aus einem anderen Grund: Die Kirche sah ein, dass ihr Wissensmonopol gebrochen war. Jetzt ist das Verwertungsmonopol gebrochen. So what?!

  5. die wahre harke im ersten video kommt ja kurz vor’m ende, als die doofen raubkopierer dem armen schriftsteller noch den kaffee wegnippeln und er die ganze rechnung kriegt. aussage: kopieren=diebstahl!
    ich zahle nichts mehr für bücher. ohne zu kopieren. was meine öffentliche bibliothek gehortet hat, bekomme ich in einem leben nicht gelesen. da kann man sich sogar titel zur anschaffung wünschen. falls ich tatsächlich mal einem meiner lieblings-autoren begegnen sollte, wäre es mir natürlich eine echte freude, diesem mal einen kaffee zu spendieren!
    schreiben tu ich zuhause. aber ich verkaufe nix davon! ich lebe noch nicht mal von kaffee und gebäck…

  6. Das erste Video ist üble, dümmliche Propaganda, ressentiment-getriebene gesellschaftsverachtende Boshaftigkeit, ein sich offenbarendes Herz aus Dunkelheit.

    Das zweite Video ist ein Apex der Kunst, Leichtigkeit und Freude, harmonische Wendung des Bösen und seine Auflösung im Licht des neuen Zeitalters.

    1. poetisch…

      Beide Videos behandeln das gleiche Thema aus zwei verschiedenen Perspektiven, wobei das zweite Video, durch geschickte Rekombination der Inhalte des „Originals,“ eine exakt entgegengesetzte Perspektive eröffnet.
      Das erste Video beschreibt die Sicht eines Werkschaffenden, der Angst davor hat seine Inhalte an andere zu verlieren. Dies führt zu der Argumentation, geistiges Eigentum müsse besser geschützt werden.
      Im zweiten Video wird die Schöpfung eines Werkes mit einem gemeinsamen, zur Teilhabe einladenden Spiel begriffen und transportiert.
      Diese beiden entgegengesetzten Perspektiven spannen den Raum für die inhaltliche Diskussion auf. Die Diskussion um geistiges Eigentum krankt an der Frage der Fronten (des wir und der anderen). Gerne wird von der sogenannten Contentmafia auf das schützenswerte Verwertungsrecht der Urheber verwiesen. Doch längst ist nicht klar, ob wirklich alle Werkschaffenden tatsächlich für einen stärkeren Schutz „ihrer“ Werke sind. Denn viele Urheber erkennen mittlerweile, dass ihr Werk nicht vom Himmel fiel, sondern an vorangegangenes angelehnt ist, etwas aufgegriffen oder umgedeutet hat. Praktisch alle Geschichten wurden schon erzählt, wir verkleiden unsere Inhalte nurmehr in neue Gewänder und schaffen durch Rekombination neues.
      So scheint die im zweiten Video gezeigte Perspektive von Schöpfung als Akt der gegenseitigen Inspiration als menschlicher, als sozialer. Es beschreibt den Kern von dem was wir Kultur nennen.
      Der Blick auf das Werk als schützenswertes „Eigenes“ scheint aus diesem Blickwinkel sehr egoistisch und profitorientiert. Doch auch Werkschaffende wollen überleben und benötigen somit eine Entlohnung für ihr Werk.
      Gegen die Verschärfung der Verfolgung von sogenannten Urheberrechtsverletzungen zu sein, heißt nicht automatisch (auch wenn genau dies im Krieg um die Fronten gerne suggeriert wird) gegen gerechte Entlohnung für Werkschaffende zu sein.
      Im Kern dreht sich die Diskussion doch um die Frage, inwieweit wir als Gesellschaft anerkennen, dass Kultur und Sprache, Mensch sein, immer auch Spiel bedeutet. Legt man nämlich Kultur und Sprache einen Spieltrieb zu Grunde, wird die Notwendigkeit einfacher und verständlicher freier Lizenzen klar. Denn mit solchen Lizenzen kann der Schöpfer selber entscheiden, was mit „seinem“ Werk gemacht werden darf und was eben nicht. Jedenfalls kann ich als Konsument mit frei lizenzierten Inhalten leichter teilhaben und teilen, ich kann Werke spielerisch umgestalten und zur Diskussion stellen. So entsteht Diskussion und Diskurs, Werke geraten ins Gespräch und somit in kollektives Bewusstsein. Schutz und Restriktion verhindern genau dieses Spiel.
      Wie hoch muss die sogenannte Schöpfungshöhe eines Werkes sein, damit es dann, wie genau, geschützt werden kann? Das sollte der eigentliche Kern der Diskussion sein (im Gegensatz zur Debatte ob Schutzfristen verlängert oder verkürzt werden sollen).

      So long,

      Sumy nonA

  7. Unter https://www.facebook.com/note.php?note_id=378393112190017 :
    „…dass die Kampagne, trotz eines sechs-stelligen Budgets unausgegoren und amateurhaft vorbereitet ist…“

    sechs.stellig.
    selbst beim sechsstelligen minimumbetrag von 100.000 sind das gut und gerne 10 einjährige kunststipendien.

    da wird sich also aus in österreich für die kunst eh schon spärlichen geldern bedient, um eine kampagne zu finanzieren, die angelblich genau die künstler beschützt, die man statt dessen besser direkt damit subventioniert hätte.

    diesen leuten sind doch bitte ihre künstler aber sowas von egal.

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