Corona-Warn-App

Die Upgrades zur digitalen Kontaktverfolgung stehen vor der Tür

Neue Funktionen für die Corona-Warn-App der Bundesregierung stehen bereit. Doch eine digitale Lösung zur Cluster-Erfassung fehlt. Dabei gäbe es schon einen konkreten Vorschlag.

Die Corona-Warn-App wird weiterentwickelt. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Markus Winkler

Anfang der Woche haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierungschef:innen der Länder neue Funktionen für die Corona-Warn-App angekündigt. Zukünftig sollen in der App aktuelle Informationen zum Infektionsgeschehen bereitstehen. Wer positiv getestet wurde, soll zudem eine Erinnerung zum Teilen des Befundes erhalten.

Nicht geplant ist eine Funktion zur Cluster-Erfassung. Einige Spitzenpolitiker, darunter Karl Lauterbach (SPD) und Konstantin von Notz (Grüne), hatten eine solche Ergänzung zur digitalen Kontaktverfolgung bereits in den letzten Monaten gefordert. Auch der Virologe Christian Drosten hält die Cluster-Erfassung für sinnvoll. Technisch wäre die Einbindung in die Corona-Warn-App kurzerhand machbar.

Warnquote weiterhin zu niedrig

Die deutsche Corona-Warn-App sei „eine der erfolgreichste Warn-Apps europaweit„, so die Bundesregierung. Tatsächlich ist die Zahl der Downloads in den letzten Wochen auf über 22 Millionen gestiegen. Der Spiegel schreibt, dass die realen Nutzendenzahlen bei rund 16 Millionen liegen.

Doch nicht alles läuft rund. Die Anbindung der Corona-Warn-App an die Labore ist nach wie vor nicht abgeschlossen. Bereits im September berichten wir, dass nicht alle Krankenhäuser den Tempo-Vorteil der Benachrichtigung per App nutzen können. Das liegt wohl daran, dass sie die Infrastruktur dafür selber zahlen müssten.

Besorgniserregend niedrig ist weiterhin der geringe Anteil der Nutzer:innen, die ein positives Testergebnis teilen und andere auf diesem Weg über eine mögliche Ansteckung warnen. Nur sechs von zehn positiv Getesteten teilen den Befund in der App. Dieser Wert hat sich seit Oktober kaum verändert, er ist sogar leicht gesunken. Das heißt: Etwa vierzig Prozent der Fälle, die über die App geteilt werden sollten, kommen nicht an.

Mehrere Upgrades bis zum Jahreswechsel geplant

Einige der Probleme in der digitalen Kontaktverfolgung sollen nun Schritt für Schritt angegangen werden. So wurde der zeitliche Ablauf vom positiven Testergebnis bis zur Warnung in der App beschleunigt. Statt bisher einmal täglich aktualisiert die App nun sechsmal täglich.

Außerdem soll die Warnquote von derzeit unter sechzig Prozent gesteigert werden. Wer positiv getestet wurde, soll deshalb zwei Stunden und vier Stunden nach dem Befund eine Erinnerung zum Teilen des Testergebnisses erhalten. Die Entwickler:innen gehen davon aus, dass Betroffene unmittelbar nach der Nachricht über die Infektion stark beunruhigt sind und deshalb zunächst nicht daran denken, den Befund über die App zu teilen.

Mehrsprachig und interoperabel

Ab Dezember sollen zudem Statistiken zum aktuellen Infektionsgeschehen in die Contact-Tracing-App eingebunden werden. Damit sollen das Interesse und die Motivation der Nutzer:innen gesteigert werden, die App regelmäßig zu öffnen.

Auch die Anzahl der Sprachen, in denen die App verfügbar ist, wird kontinuierlich größer, demnächst kommen Französisch und Russisch dazu. Bis zum 1. Dezember soll die Corona-Warn-App zudem interoperabel mit den Apps vierzehn anderer europäischer Länder sein, darunter Polen, Spanien und Dänemark.

Das Gesundheitsministerium will zudem die Möglichkeit prüfen, ab nächstem Jahr ein freiwilliges Kontakt-Tagebuch in der App anzubieten. Solche Notizen sollen Nutzer:innen als Erinnerungsstütze dienen und bei der Benachrichtigung von Nicht-App-Nutzer:innen helfen.

Kritik an fehlender Cluster-Erfassung

Bislang nicht im Fahrplan des Bundesgesundheitsministeriums zur Weiterentwicklung der App vorgesehen ist eine ergänzende Funktion zur Erkennung von Infektionsclustern. Bei einer Gesprächsrunde der Grünen-Fraktion diese Woche im Bundestag waren sich viele der eingeladenen Fachleute einig, dass das sinnvoll sei. Sie argumentieren, dass die Corona-Warn-App in solchen Konstellationen zu kurz greift und die Forschung zur Übertragung des Virus bereits weiter sei.

Bei sogenannten „Superspreader-Events“ infizieren sich viele Personen auf einen Schlag, in der Regel geschieht das in einem geschlossenen Raum. Die Corona-Warn-App zeigt dieses Risiko nicht korrekt an, da lediglich der Abstand und die Zeit, die in der Nähe von einer positiv getesteten Person verbracht wurde, in die Berechnung des Risikowertes einbezogen werden.

Skepsis gegenüber „CrowdNotifier“

Einen Entwurf für eine datensparsame technische Umsetzung zur Cluster-Erfassung gibt es bereits. „CrowdNotifier“ generiert QR-Codes, die von Besucher:innen einer Veranstaltung oder privaten Zusammenkunft gescannt werden. Vergleichbar mit der Corona-Warn-App werden die Angaben zu Zeitpunkt und Ort zunächst ausschließlich verschlüsselt auf dem Smartphone der Nutzer:innen gespeichert. Im Falle eines positiven Tests nach der Veranstaltung werden alle Teilnehmer:innen von der App informiert, egal wie eng sie neben aneinander saßen.

Entwickelt wurde „CrowdNotifier“ von Mitgliedern des DP3T-Konsortiums, die auch die Grundlagen der Corona-Warn-App geschrieben haben. Reaktionen aus den Gesundheitsämtern und dem Ministerium sind eher verhalten.

Der Leiter eines Gesundheitsamtes in Berlin äußert die Sorge, dass zu viele Warnungen zum Abstumpfen führen würden. Da Cluster erst durch aufwendige Ermittlungen richtig erkannt werden können, sei er skeptisch. Das Nachrichtenportal Business Insider hatte berichtet, dass das Gesundheitsministerium stattdessen die Einbindung „externer Dienstleister“ plant. Eine Nachfrage hierzu ließ das Gesundheitsministerium gestern unbeantwortet.

Luft nach oben

Dass es heute eine dezentrale und datenschutzfreundliche Corona-Warn-App gibt, ist auf das Engagement vieler Interessengruppen zurückzuführen. Das dadurch gewonnene Vertrauen hat maßgeblich zu den vergleichsweise hohen Nutzungszahlen in Deutschland beigetragen.

Die Debatte zur künftigen Weiterentwicklung der App sollte ebenso breit geführt werden. Dabei sind Virolog:innen genauso wie IT-Expert:innen gefragt.

21 Ergänzungen
  1. Obwohl ich beim Schutz meiner Privatsphäre sehr strikt bin, würde (Irrealis) ich die CWA installieren und nutzen. Weshalb Irrealis? Weil die erforderliche Erweiterung des BLE-Dienstes in die Google Play-Services eingebaut wurde! Ich nutze LineageOS ohne Google. Deshalb läuft die CWA bei mir schlichtweg nicht. Schade eigentlich …

    1. microG hat seit ein paar Versionen die Exposure Notification-API nachimplementiert. Es ist somit möglich mit vollends freier Software (und etwas Bastelei) die Corna-Warn-App zu nutzen.

    2. Es ist möglich CWA mittels microg auch auf LOS zu benutzen. Funktioniert soweit reibungslos, auch wenn es in der Vergangenheit mal einen Tag Probleme gab, die erst durch ein neues microg-Update behoben wurden.

      Mittels microg hat man sogar den Vorteil einsehen zu können, wie viele IDs man in den letzten 14 Tagen jeden Tag gesammelt hat, im Gegensatz zur Implementation von Google.

  2. Wenn Fragen der Sinnhaftigkeit gestellt werden, stellt sich mir direkt die Frage sinnhaftig in Bezug auf was? Die immernoch gastierende Todesinfektionskrankheit kann dies alles wohl kaum rechtfertigen, offensichtlich muss seit März 2020 überhaupt nichts gerechtfertigt oder mit Fakten hingterlegt begründet werden. Wenn seit Wochen in 7 Tagen jeweils ca. 80.000 „Infizierte“ festgestellt werden, es sich hier um die tötlichste Viruserkrankung handelt, die die Welt je gesehen hat, dann bitte: wo sind die Kranken, wo sind die Toten?
    Macht da nicht mit und schließt Euch an!

    1. Niemand – aber nun wirklich niemand hat jemals behauptet, dass Corona die „tötlichste Viruserkrankung handelt, die die Welt je gesehen hat“.
      Es geht eher darum, dass wir es mit einem relativ unbekannten Virus zu tun haben.

    2. Herzlichen Glückwunsch das Sie und ihr umfelt verschont geblieben sind. Ich hingegen werden demnächst meine Kürzlich an Corona Verstorbenen Vater beerdigen dürfen. Und auch wenn er als Vorerkrankt galt, für sein Alter war er fit und hätte ohne Corona noch Länger gelebt.

  3. Bei dem derzeitign Überwachungsklima sollte man vielleicht aus heuristischen Gründen von der App (und diesen Betriebssystemen) abraten?

    Oder glaubt wer, dass durch benutzen einer vernünftigen Lösung aus der Hand des Teufels, letzterer vernünftiger wird? So könnt ihr bestimmt auch Facebook besser machen, nur zu :)…

    1. Vom Betriebssystem abraten: Ja, jedenfalls!
      Von der App abraten: Nein, unnötig.

      Ja, es gibt ein Datenschutzproblem, aber das steckt in Googles Android grundsätzlich. Die CWA an sich ist sauber konzipiert und ausgeführt. Das Problem besteht darin, dass CWA eine bestimmte Erweiterung in BLE benötigt und Google diese Erweiterung in die spionierenden Play-Services eingebaut hat. Die fadenscheinige Begründung der Schokoladenfabrik: „Aber es sollte doch schnell gehen, und dies war der schnellste Weg“. Ja, nee, is‘ klar. Das ist schon mehr als ein halbes Jahr her. Inzwischen hätte Google den notwendigen BLE-Dienst längst an einer Stelle im GSF (Google Services Framework) einbauen können, die auch FOSS für Custom-ROMs verfügbar ist (GApps, MicroG) – wenn man das wirklich wollte … :-(
      Die CWA daran anzupassen dürfte ein Klacks sein.

      Noch mal zum Mitschreiben: Selbst ich als militanter Datenschützer würde die CWA installieren und nutzen – wenn sie mit einer reinen FOSS Grundlage funktionieren würde.
      Und umgekehrt an alle normalen Android-Nutzer: Wer sich über die Knallerbse CWA Sorgen macht, sollte sich mal seine Atombombe Android anschauen.

      1. Naja, die App besteht nicht nur aus Code.
        – Zugriff durch staatsnahe Dienstleister.
        – Erweiterung der „Funktion“ stets möglich.
        – Telemetriedaten und Innereien auf Betriebssystemebene sind a) nicht geklärt, b) nicht wirksam gesetzlich begleitet, c) können nicht überwacht werdem, auch das OS kann Updates erfahren.

        Bei einer FOSS Grundlage wäre ganz einfach eine völlig andere App. Vielleicht meinten sie die Orientierung am Algorithmischen? Die scheint ganz ok, aber ich habe noch nicht alle „external functions“ prüfen wollen, z.B. den PRNG :). Insgesamt wird daher von mir davon abgeraten – Strohmannsachen sind nicht förderlich, weder für Freiheit noch für FOSS.

        1. Leider wird oft übersehen, dass eine Verarbeitung von Daten über Kontakte und Gesundheitszustand hinsichtlich des Datenschutzes erheblich problemtischer ist als mal eben einen neuen Beitrag bei netzpolitik.org abzurufen. Und sicherlich bin ich auch nicht der Einzige, der unterwegs sein Telefon zwar nicht ausschaltet, aber meist auf Flugmodus stellt und darüber hinaus auch den Standort nur dann aktiviert, wenn er wirklich benötigt wird. Insofern würde die App mir schon von vornherein einiges abverlangen, dennoch wäre ich bereit sie zu installieren. Aber wenn ich mich darüber hinaus kontrollieren lassen muss, weil es das Paket nur im Playstore gibt, und wenn zwar der Quelltext offen ist (abgesehen von dem API von Google!), es aber kein reproducible Built gibt, frage ich mich, warum mir das zugemutet wird, wenn ich durch die Benutzung der App doch einen Dienst für die Gesellschaft leisten soll.

          Zudem hat es die Bundesregierung versäumt, den durch die Nutzung der App generierten Daten einen privilegierten Schutz zu geben wie etwa ärztlichen und anwaltlichen Aufzeichnungen. Im Falle des Falles können und dürfen alle generierten Kontaktdaten für Ermittlungen auch gegen mich selbst und meine Familienangehörigen verwendet werden.

          Das sind Hindernisse, die für viele irrelevant erscheinen mögen, andere hingegen entscheiden sich aus solchen Gründen gegen die Nutzung. 16 Millionen sind in Deutschland eben auch nur 19 Prozent der Gesamtbevölkerung.

    1. Es gibt zwei sehr gute Gründe, warum Sie das gerade nicht wissen müssen oder sollen.
      Ganz oben steht der Schutz der Person, die eventuell andere angesteckt haben könnte. Wenn Sie herausfinden, wann, wo und dann vielleicht auch noch wer sie angesteckt haben könnte, ist der Weg nicht weit auch diesem Menschen die Schuld für Ihre Infektion zu geben. Das Eskalationspotential ist viel zu groß, Menschen handeln dann eben nicht immer rational – da können sie auch gleich die Scheiterhaufen wieder einführen.

      Der zweite Grund ist banal: für Ihre Genesung ist es völlig unerheblich, wann und wo sie sich infiziert haben.

  4. Sollte die Corona-Warn-App für Deutschland nicht wesentlich mithelfen, eine zweite Welle zu verhindern? Weit und breit ist keine entsprechende Wirkung dieser angeblichen Spahn-Wunderwaffe sichtbar. Sogar der selbst ernannte Corona-Zampano Söder hat bis zur zweiten Welle gebraucht, bis er erkannte: Corona-Warn-App = „zahnloser Tiger!

    Was sagen die bekannten Fakten?
    – über 75% der Deutschen haben die Corona-Warn-App nicht heruntergeladen!
    – nur rd. 5% der festgestellten Neuinfektionen wurden in den ersten 4 Wochen mit der Corona-App geteilt! Als die täglichen Infektionen wieder in Richtung 800, also Verdoppelung, angestiegen sind, ist die „Teilungsrate“ auf unter 3%, also Halbierung gesunken. Und seit die Neuinfektionen wieder über 1000 angestiegen sind, dümpelte die „Teilungsrate“ so um die 5 – 7% herum. In der zweiten Welle, die diese APP offensichtlich nicht, wie vorhergesagt, verhindert hat, schwankt mittlerweile die Teilungsrate um die 10% – 15%.
    – die Gesundheitsämter beklagen, „dass sie so gut wie keinen Zugewinn von Erkenntnissen durch die CWA-Nutzer hätten“.

    Also das Gegenteil von dem, was man erwartet und versprochen hatte -> die Warn-App sollte einen wesentlichen Beitrag zur Verhinderung einer zweiten Welle leisten! Kann man deren Misserfolg besser dokumentieren?

    Also, bevor man weitere Millionen in die Weiterentwicklung dieses Rohrkrepierers steckt oder gar anderen Ländern diese deutsche Wunderwaffe empfiehlt, einfach nochmals nachdenken! Die Alarmglocken klingeln bei mir schon, wenn ich einerseits höre, mit welchen „Ideen“ sogenannte „IT-Experten“ noch alles fremd gehen, und wenn andererseits weiterhin und zunehmend behauptet wird: es ist der Datenschutz, der die Coroma-Warm-App ausbremst!

    Übrigens: Virologen hatten schon längst aufgegeben, in ihren Konzepten zur Bekämpfung der zweiten Welle der Corona-Warn-App einen wichtigen Beitrag einzuräumen. Sie erwähnen diese noch nicht einmal!

    Wo sind jetzt die Konzepte für die längerfristige Pandemiebekämpfung angesichts der mittlerweile eingesetzten zweiten Welle im Herbst und Winter?
    Warum wurde der hierfür bereits Anfang August vorgeschlagene Drosten-Plan bisher nicht ernsthaft diskutiert? Warum ist man sehenden Auges in die Überlastung der Gesundheitsämter gestolpert?

  5. Die App halte ich grundsätzlich für sinnvoll. Den Satz „Besorgniserregend niedrig ist weiterhin der geringe Anteil der Nutzer:innen, die ein positives Testergebnis teilen“ finde ich unglücklich, weil er die Verantwortung auf die Nutzer:innen schiebt, wobei hier ungewiss ist, ob und wann diese das Ergebnis über die App überhaupt erhalten haben. Seit Benachrichtigung durch das Labor über mein positives Ergebnis sind jetzt über drei Tage vergangen ohne, dass das Ergebnis auch in der App angezeigt wird. Wenn ich morgen mein Ergebnis teilen kann, sind aber acht Tage seit Symptombeginn vergangen. Es ist gar nicht interessant, wie viele Nutzer:innen ihr Ergebnis teilen, sondern, wie viele frühzeitig ihr Ergebnis teilen. Wenn ich nach 14 Tagen mein Ergebnis teile, tauche ich in der Statistik als vorbildlich auf. Einen Effekt habe ich aber nicht erzielt. Hat das RKI mal verraten, wie viele Stunden im Median vergehen zwischen Testung und Anzeige in der App?

  6. „Im Zeitraum vom 1. September bis 11. November 2020 wurden insgesamt 100.312 positive Testergebnisse verifiziert – via QR-Code oder teleTAN – dies ist die Anzahl der potenziell teilbaren positiven Ergebnisse. “ (schreibt das RKI)

    Alleine diese Zahl ist bereits als wacklig zu bezeichnen, denn zu erwarten waere ein Zahl die sich an den gemeldeten Positivtests der Gesamtbevoelkerung im Verhaeltnis zur Zahl der installierten Apps orientiert. Alleine die Verifizierungsversuche erreichen nicht die erwartbaren Ergebnisse da die Methoden dazu (Teletan. Qr-Code) bereits zu Fehlern und Verlusten führen. Das Backend, so wie es gestaltet ist, umgeht das kommunale Gesundheitsamt, statt die Infastruktur mit Verifizierungsservern zu versehen auf die Aerzte und Labs zugreifen koennen, ohne dass es zur bundesweiten Zentralisierung eines Infektionsmelderegisters kommt. Die Debatte um die Dezentralisierung hat diese Fragegestellungen verdeckt und schliesslich vertrauen wir de fakto dem proprietaeren code von Google/Apple mehr als dem „eigenen“ Gesundheitsamt, mit dem Erfolg dass die Lockdowns schneller ausgeloest werden als notwendig, weil der Durchsatz der Kontaktnachverfolgung durch Zettelwirtschaft und Fax, aber auch Nichtnutzbarkeit der App zu gering ist.

    Statistisch gesehen ist die Bewertung eines Infektionsrisikos mit einer Falsch Negativen Rate von mehr als 40% eher ein ernsthafter Grund zur Sorge.

    Alleine eine bessere Messung der App-Performance waere notwendig, bei der zb. der Einbezug der durch den Test ausgeloesten Neutests incl. „Treffsicherheit“ mitausgewertet wird. Wie viele Nutzerinnen wurden bisher ueberhaupt nachweislich auf ihre Ansteckung hingewiesen durch die App? Die Vermutung liegt nache, bei der gegenwaertigen Backend-Architektur, handelt es sich um eine PR Massnahme, ein digitales Placebo, mit den dazu bekannten Risiken. Da waere bestimmt mehr moeglich.

  7. Baut was zum Spielen ein, muss nicht echt sein. „Ein Fang den Infizierten Radar“ bei dem man infizierte Jagen kann. Dann gehen die Downladzahlen durch die Decke.
    Ist schnell Programmiert. Immer wieder mal „Vor 5 Minuten einen erkannt“ einblenden.

    Nach 2 Wochen erklärt einfach, das es Fehlfunktionen im Spiel gibt und nach 2 Monate das es nie ein Spiel gab

  8. Anregung zur Verbesserung der Warnquote:
    Eine Konfigurationsmöglichkeit in der CWA schaffen:
    „Ich stimme der automatischen Weitergabe eines künftig positiv eingehenden Testergebnisses zu. “ mit den Optionen: Ja/Nein (default: Nein)
    Vorteile:
    Zeitverzug zwischen Meldung und Weitergabe wird minimiert,
    Entscheidung kann im Vorfeld in Ruhe getroffen werden,
    Erinnerungsmeldungen entfallen
    Verbesserung der Quote.

    Begleitend: Konfigurationsmöglichkeiten bewerben.

    MfG
    Langenhoff
    (Wäre analog zum Organspende-Ausweis)

  9. Bei der Kritik an der App frage ich mich schon, wer im März darüber diskutiert hat. Es wurde massiv das Risiko von Datenmissbrauch angesprochen. Die Daten wurden auf die eigenen Smart Phones abgelegt und sind daher für eine Datenzusammenführung nicht verfügbar. Gesundheitsämter und RKI wurden systematisch von diesen Daten abgetrennt. Daher ist die aktuelle Diskussion scheinheilig. Die Menschen, die damals den Datenschutz über alles setzten, finden auch heute Gründe die App nicht zu nutzen. Die Arbeit von Google ist eher kritikwürdig, sie haben die Einbettung der Funktion in den Play Store genutzt um Ihren Nutzen zu erhöhen.

    Datenschutz ist ein wichtiges Anliegen, wenn das dazu führt das wichtige Daten nicht mehr gesammelt werden, brauch man die Technik nicht. Wir müssen den demokratischen Staaten zu nachvollziehbarem Datenschutz drängen. Bei der Diskussion wird aber vergessen, dass die „Freie“ Wirtschaft sich der Kontrolle deutlich stärker entzieht. Die Komplexität in Hardware und Betriebssystem bietet Möglichkeiten, die selbst von versierten Nutzern nahezu unmöglich zu erkennen sind.

    Man darf auch nicht alle Staatsformen gleich kritisch betrachten. Die Probleme in den USA zeigen das wir wachsam sein müssen. Die demokratischen Strukturen haben aber verhindert, das Trump selbst nach seiner demokratischen Wahl nicht durchregieren konnte.

    1. Auch hier wieder: die Kritik am Datenschutz, und der Wunsch mehr Daten einzufüllen, kommen aus der selben Ecke.

      Der Datenschutz ist aber Bedingung für eine auch nur entfernte Toleranz oder sogar Akzeptanz von Seiten der Fachwelt und Medien, sowie wohl auch der meißten Menschen. Die Digitalisierung und Interoperabilität für Gesundheitsämter wurde zudem nicht von Datenschützern verschlafen. Im Moment schaffen die nicht einmal, die durchgeführten Tests ordentlich zu verdatwursten, da braucht es keine App als Heilmittel dafür, das ist ein paar Magnituden weniger wichtig.

      Nichts wäre schlimmer als ein hemdsärmeliges Gesundheitsamt im Besitz „aller Daten“. Bzw. doch: ein bösartig digitalisiertes Gesundheitsamt im Besitz „aller Daten“.

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