Die deutsche Corona-Warn-App funktioniert nun auch in anderen Staaten. Die EU-Kommission fährt am heutigen Montag ein Serversystem hoch, das den europaweiten Austausch zwischen Contact-Tracing-Apps ermöglicht. In der ersten Phase sind neben Deutschland noch Italien und Irland dabei, rund ein Dutzend weiterer EU-Länder sollen bis Ende November folgen.
In der Corona-Pandemie hat beinahe jeder europäische Staat seine eigene Corona-App entwickelt, sie sind bislang aber nicht miteinander kompatibel. In Zukunft soll es möglich sein, dass die Apps verschiedener Staaten miteinander sprechen können. Das soll die grenzüberschreitende Verfolgung von Infektionen mit dem Coronavirus erleichtern. Um die Interoperabilität mit anderen Apps zu ermöglichen, soll heute ein Update der Corona-Warn-App erfolgen.
Die EU-Kommission arbeitet seit Monaten an dem System, das die sogenannte Interoperabilität der Apps ermöglichen soll. Dafür errichtete sie mit Hilfe der Firmen SAP und T‑Systems eine Serverfarm in Luxemburg, über die die Server der einzelnen EU-Staaten Infektionsschlüssel austauschen können. In den kommenden Wochen sollen auch die Apps aus Nachbarländern Deutschlands wie Österreich, Belgien und Polen an das System angeschlossen werden.
Frankreich im Alleingang
Ausgenommen von dem System ist fürs Erste Frankreich. Während fast alle Apps in Europa in dem von Apple und Google geschaffenen technischen Rahmen funktionieren und Kontaktdaten lediglich lokal auf dem Handy speichern, sammelt die französische App zentralisiert Daten für die Gesundheitsbehörden
Das zentralisierte System in Frankreich sorgt für Kritik von Datenschützern, erschwert aber auch die technische Verknüpfung mit anderen Systemen. Die Kommission konnte bislang nicht genau sagen, wann Frankreich in das europaweite System aufgenommen werden wird.
Die französische Regierung inzwischen gab vergangene Woche bekannt, dass sie ihre bisherige App einstellt und eine neue entwickelt. Noch ist aber unklar, ob die neue App besser kompatibel sein wird als die bisherige.
Ebenfalls von dem europäischen System ausgenommen sind vorerst die Nicht-EU-Staaten Großbritannien, Schweiz und Norwegen. Die EU-Kommission spricht von rechtlichen Hürden, die einem Datenaustausch im Wege stehen. Zumindest mit der Schweiz und Großbritannien seien eigene Verträge notwendig. Dem stehen aber politische Hürden entgegen.
Apps mit durchwachsener Bilanz
In Brüssel hoffen die Verantwortlichen, dass der Zusammenschluss der App-Systeme ihre Schlagkraft erhöht. In einigen EU-Ländern fällt die Bilanz der Apps bislang eher ernüchternd aus.
In Deutschland wurde die App seit ihrem Start Mitte Juni mehr als 19 Millionen Mal heruntergeladen, seither wurden allerdings nur rund 10.000 positive Testergebnisse eingetragen. Im Vergleich: Zuletzt gab es rund 30.000 Fälle in einer Woche, die App trug offenkundig in einem Bruchteil davon zur Nachverfolgung bei. Das dürfte auch daran liegen, dass nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums nur sechs von zehn positiv getesteten Nutzer:innen ihr Ergebnis in der App melden.
In Österreich fällt das Zwischenurteil mit einer Million Downloads und nur 412 Infektionsmeldungen ähnlich bescheiden aus. Auch in Ländern wie Frankreich und Italien hatten die Apps mit geringen Downloadzahlen zu kämpfen.
