The Intercept hat neue Dokumente veröffentlicht, die einen weiteren Einblick in die Werkzeuge der GCHQ-Einheit Joint Threat Research Intelligence Group (JTRIG) bieten – die Manipulation von Online-Abstimmungen ist nur eine davon. JTRIG war vorher in Zusammenhang mit Maßnahmen gegen Anonymous, Honeypot-Fallen und weiteren „Human Intelligence“-Methoden aufgetaucht. Der Auszug aus einem internen Media-Wiki (sic!) bietet eine lange Liste, die neue Fähigkeiten der Abteilung und ihre Codenamen offenbart. Eine Auswahl:
- ANGRY PIRATE: Deaktiviert den Account einer Person auf ihrem Computer
- MINIATURE HERO: Echtzeit-Skype-Überwachung
- CLEAN SWEEP: Facebook-Pinnwand-Postings unter falschem Namen für Einzelpersonen oder ganze Länder
- CHANGELING: Fälschen jeder möglichen Mailadresse und Versenden von Mails unter falschem Absender
- UNDERPASS: Manipulation von Online-Abstimmungen
- GESTATOR: Größere Verbreitung einer Videonachricht (YouTube)
Das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Werkzeuge, wenn auch noch nicht alle „Ready to fire“ sondern noch in Entwicklung sind. Die gesamte Liste umfasst beinahe acht Seiten und schon am Anfang wird klargestellt, dass das noch nicht das Ende ist:
Wenn es nicht hier dabei ist heißt das nicht, dass wir es nicht bauen können.
Natürlich sind laut GCHQ all die Operationen mit den geltenden Gesetzen vereinbar und unterliegen strenger Aufsicht. Diese gebetsmühlenartig wiederholte „Stellungnahme“ steht mit Bezug auf das Tempora-Programm seit gestern unter gerichtlicher Beurteilung. Das Investigatory Powers Tribunal (IPT), das für Beschwerden gegen MI5, MI6 und GCHQ zuständig ist, hat die Anhörungen zur Klage von Privacy International und anderen NGOs gestartet. Diese Klage ist die erste, die vom IPT in der aktuellen Spionage-Affäre behandelt wird, steht aber nicht allein. Es haben sich mittlerweile mehrere Dutzend weitere angesammelt, von weiteren durch Privacy International und anderen NGOs eingebrachten bis hin zu solchen von Providern und dem CCC.