Netze

Kunden wollen keine Festnetz-Internetdrossel, aber man verdient halt so viel Geld damit

GAO-Sitz in Washington D.C. (CC BY-SA 3.0)

US-Internetprovider drosseln, weil sie können. In einer noch vorläufigen Studie, die wir exklusiv veröffentlichen, hat das Government Accountability Office GAO (vergleichbar mit dem Bundesrechnungshof) festgestellt, dass die großen US-amerikanischen Internetanbieter das verfügbare Datenvolumen begrenzen obwohl ihre Kunden das nicht wollen und es technisch nicht notwendig ist. Das zeigen die in Kleingruppen erhobenen Daten. Sieben von 13 Festnetzanbieter und alle 4 Mobilfunkbetreiber bieten demnach sogenannte „nutzungsabhängigen Preismodelle“ an.


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Mobilfunkanbieter arbeiten vielfach mit Volumentarifen um die Netze nicht zu überlasten und Datenstaus zu verhindern, heißt es in dem Bericht des Government Accountability Office. Die US-Festnetzprovider sagen dagegen selbst, dass sie eigentlich keine Bandbreitenprobleme haben. Warum sie oftmals trotzdem Volumengrenzen festlegen? Weil man so mehr Ertrag erwirtschaften kann. Einen anderen Grund scheint es nicht zu geben.

Die GAO-Studie zeigt, dass Kundinnen und Kunden nutzungsabhängigen Tarifen im Mobilfunk offen gegenüberstehen, wahrscheinlich auch, weil sie es nicht anders kennen. Die Befragten gaben aber auch an, dass das in direktem Zusammenhang mit begrenzten Festnetztarifen steht. Die wurden von den Probanden deutlich abgelehnt, auch weil sie ihre Wifi-Netze vielfach nutzen um mit den limitierten Mobildaten auszukommen. Wenn das Festnetz gedrosselt wird, würde also auch die Akzeptanz von beschränkten Mobildatenvolumen sinken, denn nur wer viel Wifi nutzt, schafft es mit seinem Handydatenvolumen bis zum Monatsende.

GAO-Sitz in Washington D.C. (CC BY-SA 3.0)
GAO-Sitz in Washington D.C. (CC BY-SA 3.0)

Auch soziale Nachteile

In den acht Fokusgruppen wurde auch diskutiert, welche sozialen Auswirkungen die begrenzten Datentarife haben können. Einige Teilnehmenden reagierten stark ablehnend und gaben an, dass diese Tarife sozio-ökonomisch benachteiligte Bevölkerungsgruppen besonders benachteiligen (Slide 18).

Keine Klarheit bei den VerbaucherInnen

Die Untersuchung ergab auch, dass Internetnutzerinnen und -nutzer ihren Datenverbauch oftmals falsch einschätzen. So sei es für viele, z.B. in Mehrpersonenhaushalten oder durch unbemerkten Datenverbrauch auf Grund von Updates u.ä., nicht ohne weiteres möglich den passenden Datentarif auszuwählen (Slide 25).

“Hidden” data uses—such as automatic updates—could represent as much as 30 percent of data use and growing (Sevcik, NetForecast, June 2012)

CC BY-NC-SA 2.0 via Flickr
CC BY-NC-SA 2.0 via Flickr

Gleiche Problematik in Deutschland

Die Erkenntnis aus den USA sind generell nicht überraschend, aber für die Netzneutralitätsdebatte durchaus relevant. Dort wird von Seiten der Wirtschaft nämlich stets das Argument gebracht, man solle doch gefälligst den Markt – also die Kunden – entscheiden lassen welche Angebote gewünscht sind und welche nicht, anstatt gesetzlich zu regulieren. Datendrosselung ist auch in Deutschland gang und gäbe (vgl. Drosselkom und Kabel Drosselland). Obwohl sich die Kundschaft wahrscheinlich auch bei uns etwas anderes wünschen dürfte. In oligopolistischen Strukturen kann man sich allerdings als VerbraucherIn viel wünschen, bekommen tut man, was der (oder die wenigen) Anbieter wollen.

Die Provider rechtfertigen das mit dem Investitionsbedarf beim Netzausbau. Der ist zweifellos gegeben, denn gerade Deutschland hinkt international beim Breitbandausbau ziemlich hinterher, sogar im Vergleich zu wesentlich größeren Flächenländern wie zum Beispiel Schweden. Jüngst hat eine Frontal21-Doku wieder gezeigt, dass man sich aber auf die Netzbetreiber alleine nicht verlassen kann, um flächendeckend schnelle Internetzugänge zu realisieren. Insgesamt zeigt sich: Die Staaten, die beim Netzausbau am stärksten auf private Investitionen setzen, haben die  größten Defizite. Ohne selbst Geld in die Hand zu nehmen, wird die Bundesregierung ihre Internet-Ausbauziele wohl kaum erreichen.

13 Kommentare
  1. Was ich am komischsten an der ganzen Debatte „Netzausbau geht zu langsam und Netze sind/wären evtl. überlastet deshalb müssen wir drosseln“ finde ist zum einem der Punkt, dass durch die Volumentarife am Monatsende ja tendenziell eine Unterauslastung der Netze herrschen müsste was auch nicht Sinn der Sache sein kann, und zum anderen:
    Wenn wir Volumentarife verbieten würden, und es wirklich zu Engpässen kommen würde, dann würde aus Marktwirtschaftlicher Sicht, der Provider der am meisten und schnellsten in den Breitbandausbau investiert, die höchste Kundenzufriedenheit haben und damit auch wirtschaftlich am Erfolgreichsten. Da könnte man den Markt mal wirklich für sich arbeiten lassen.

    1. „Was ich am komischsten an der ganzen Debatte … finde ist zum einem der Punkt, dass durch die Volumentarife am Monatsende ja tendenziell eine Unterauslastung der Netze herrschen müsste“
      Die meisten Internet-Nutzer denken ja zumindest ein Paar Tage in die Zukunft und verbraten nicht das ganze Monatsvolumen mit P2P gleich in der ersten Woche, wenn sie auch am Monatsende noch gepflegt HD-Videos schauen wollen. Das „kostet ja nix mehr, also maximal abgreifen“ erinnert mich an an den CeBIT-Campingplatz, an dem wir, trotz Minusgraden draussen, jedes Zelt durchgängig auf +30C gebracht haben – es gab einfach keine Stromzähler un den Anschluss konnte man mit maximal 12A belasten.

      „… der Provider der am meisten und schnellsten in den Breitbandausbau investiert, die höchste Kundenzufriedenheit haben und damit auch wirtschaftlich am Erfolgreichsten.“ Toll, und woher sollen die Investitionen kommen? Wer höhere Kosten beim Ausbau hat muss auch mehr Geld von seinen Kunden verlangen. Funktioniert das mit der vorherrschenden „Geiz ist geil“-Strategie. Im Zweifelsfall werden die Leute den Discounter wählen … soweit zum wirtschaftlichen Erfolg.

  2. „Wer höhere Kosten beim Ausbau hat muss auch mehr Geld von seinen Kunden verlangen.“

    Oder vielleicht einfach mal nicht diverse Milliarden der Einnahmen in Übersee verbrennen.

  3. „Die Befragten gaben aber auch an, dass das in direktem Zusammenhang mit unbegrenzten Festnetztarifen steht. Die wurden von den Probanden deutlich abgelehnt, auch weil sie ihre Wifi-Netze vielfach nutzen um mit den limitierten Mobildaten auszukomme.“

    Stehe ich gerade auf dem Schlauch oder passt hier der Sinn nicht? Was wurde von den Probanden abgelehnt? Unbegrenzte Festnetztarife? Oder müsste da eigentlich sowas wie befürwortet anstatt abgelehnt stehen?

  4. wo ist eigentlich der gao.gov originallink zu dieser powerpointpraesi? wuerde das gerne mal englischsprachigen internationalen kreisen vermitteln die lesen aber keine deutschen seiten wie netzbullitik.

    anyone? woher stammt die datei urspruenglich, gibt es englische medienberichte dazu, englische quellen, originalquellen oder direkten gao.gov oder aehnlichen link? danke.

  5. Das Problem ist das die Firmen scheinbar vergessen haben was „Angebote machen“ heisst. Anstatt einen Volumentarif von sagen wir mal 0 bis 250GB im Monat in 10 Preisklassen anzubieten und einen Flat Tarif der 50€ kostet aber 100%ig unbegrenzt ist, gibts halt nur 3 Tarife mit denen keiner richtig zu frieden ist. Und dann muss man halt die eigenen Streamingdienste noch bevorteilen weil die 3 Tarife keine Möglichkeit für eine Sinnvolle Nutzung der Kunden bieten.
    Genauso kann man auch Kunden anbieten das sie 50% des Ausbaus ihres Anschlußes am Haus zu übernehmen um den Ausbau voran zu treiben dafür gibts dann 1 Jahr kostenlos Internet oder so.

  6. Ich verstehe folgendes am Geschwafel der Anbieter nicht wenn diese über Netzausbau reden:
    Wo ist der Netzplan wo die die Engstellen angegeben sind? Beim Straßen-/Schienennetz gibt es doch auch einen Plan wo notiert ist was ausgebessert werden muss oder wo die Kapazität erhöht werden muss!

    Solange dieser Plan (mit konkreten Zahlen) nicht veröffentlicht ist, labern die Leute von der Deutschen Telekom und anderen Anbietern einfach nur dummes Zeug und wollen die Kunden/Bürger für doof verkaufen. Natürlich mit schöner Rückendeckung durch das Politikdarsteller Merkel.

  7. Ich verstehe mittlerweile auch nicht wo diese scheinbar „immensen Netzausbaukosten“ liegen sollen.
    Heutzutage liegt an den wichtigen Peers Glasfaser, welches sich mit einfachem Neuspleißen und Austausch der GBICs an Router oder Switch von 1Gbit/s auf 10Gbit/s oder noch mehr erweitern lässt.
    Da zu den Knotenpunkten (DSLAM/Kabelsterne) in den Bevölkerungsgebieten mittlerweile auch Glasfaser liegt, und das Verhältnismäßig gar nicht mal so lange, wird also auch n schnelles Bandbreitenupgrade möglich sein.

    Wo bitte ausser in Randgebieten muss man für den Netzausbau noch Straßen aufreissen und Fasern/Kabel verlegen? Und die Randgebiete machen beim Datenverbrauch sicherlich auch nicht mehr wie 20% aus…

    Alles nur vorgeschobene Gründe für Profitmaximierung mit den Add-On-Datenpaketen die n Arsch voll Geld kosten.

  8. Flatrates stellen eine Verschwendung von Resourcen da. Ich muss immer leistungsfähigere Geräte in den Übertragungsweg bringen, mehr Rohstoffe fördern und mehr Schrott entsorgen weil nicht ausreichende Geräte nicht mehr genutzt werden können. Das ganze wird nur zum Teil durch die Technische Weiterentwicklung kompensiert.

    Also alles in allen ist eine Flatrate nichts anderes als ein versteckte Umweltverschmutzung aus Vergnügungsgründen. Daher verstehe ich unsere Umweltschützer nicht, wieso Sie da mitmachen?

    1MB = 1€ würde sehr viel für den Umweltschutz tun.

    mfg

    Ralf

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