Netze

Drosselkom: Warum das Datenaufkommen nur vorgeschoben ist und die Telekom einfach nur mehr Geld verdienen will

Die umstrittene Tarifänderung der Telekom ist für den Netzausbau nicht notwendig. Das Internet in Deutschland stößt nicht an seine Grenzen, vor allem nicht wegen des Surf-Verhaltens einiger User. Der eigentliche Grund ist viel naheliegender: Die Telekom will schlicht und einfach mehr Geld einnehmen und ihren Gewinn steigern.


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Die Telekom begründet die „Geschwindigkeitsbegrenzung“ ihrer Festnetz-Internetanschlüsse mit „rasanten Datenwachstum“, „sehr hohem Datenaufkommen“ und „rapide zunehmendem Datenvolumen“. Die PR-Abteilung will mit großen Zahlen beeindrucken:

Das Datenvolumen im Netz nimmt rapide zu: Nach Expertenschätzung wird es sich bis 2016 vervierfachen. Dann sollen 1,3 Zettabyte Daten (eine Zahl mit 21 Nullen) pro Jahr übertragen werden.

Einundzwanzig Nullen!

Doch diese Begründung ist nur vorgeschoben. Es gibt keine technische Notwendigkeit für eine „Geschwindigkeitsbegrenzung“, weil sonst das Internet überlastet wäre.

Schon die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft versuchte in der Arbeitsgruppe „Netzneutralität“ herauszubekommen, wo denn die Netze an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit stoßen sollen. Statt harten Zahlen gab es von den großen vier Internet-Anbietern immer nur Marketing-Sprechblasen. Stattdessen heißt es im Bericht der Kommission:

Betrachtet man die verschiedenen Netzebenen erscheinen nachhaltige Kapazitätsprobleme im Backbone auch auf längere Sicht eher unwahrscheinlich, auch wenn es immer mal temporär und lokal zu Engpässen kommen kann. Im Aggregations- und Access-Bereich ist bei der kabelgebundenen Nutzung durch die technische Aufrüstung, nicht zuletzt durch die zu erwartende Umstellung auf eine glasfaserbasierte Infrastruktur, auf die Dauer eher eine Entspannung zu erwarten, die heute noch auftretende Rivalitäten zwischen Nutzern verringern wird.

Auch das Datenaufkommen beim Internet-Knoten DE-CIX ist noch nicht mal nah dran an einem Engpass. Gegenüber netzpolitik.org bestätigte eine Sprecherin, dass das DE-CIX „bis zu 40 Terabit/s“ machen könnte. Wie die offizellen Statistiken zeigen, sind es derzeit nicht einmal 2.5 Terabit/s, also 6,25 Prozent. Wieder die Enquete:

Als Beispiel kann auch hier der deutsche Peering-Knoten DE-CIX dienen, dessen Topologie schon heute für ein Datenaufkommen von bis zu 40 Terabit/s gerüstet ist. Auch bei der Aufrüstung hat damit die Entwicklung die Prognosen deutlich übertroffen, denn 2006 ging man noch davon aus, dass man bis ins Jahr 2015 gerade einmal auf ein Potenzial für 5 Terabit/s aufgerüstet haben werde. Vor diesem Hintergrund besteht die Erwartung, dass auch in Zukunft in den Backbone-Netzen kein grundsätzliches Kapazitätsproblem entstehen wird.

Nicht ganz uneigennützig bestätigt das auch der Router-Hersteller Viprinet:

Die Begründung, dass die Drosselung eingeführt werde, damit die Backbones nicht überlastet werden, ist hanebüchen. In Deutschland gibt es gigantische Backbone-Überkapazitäten; Datenverkehr in diesem Rückgrat des Internets ist zu Spottpreisen zu realisieren. Kissel dazu: „Bei einem DSL-Zugang macht das in der Gesamtkalkulation des Providers nur Centbeträge aus. Die wahren Kosten liegen bei den Zugangsmedien – die DSL-Wettbewerber der Telekom zahlen kräftig an diese, um die vom Steuerzahler bezahlten und längst abgeschriebenen Kupferleitungen mit nutzen zu dürfen.“ Dadurch schreibt die Telekom Milliardengewinne, die sie aber nicht in einen Ausbau der Zugangsnetze investiert.

Bereits gestern hatten wir die aktuelle Ausgabe des Podcasts Logbuch:Netzpolitik verlinkt, in der Spezialexperte™ Clemens Schrimpe erklärt, warum das Argument auch für die anderen Netz-Segmente nicht stimmt. Hier drüben haben wir ein Transkript des relevanten Abschnitts ab 12:31 erstellt. Ein Auszug daraus:

Linus: Gibt es technisch gesehen einen Grund dafür, dass die das machen? Ist das irgendwie nachvollziehbar oder sinnvoll, aus einer rein technischen Perspektive?

Clemens: Du stellst jetzt die selbe Frage wie die, die man der Atomindustrie gestellt hat: Wenn ihr nicht Atomkraftwerke bauen dürft, gehen dann in Deutschland die Lichter aus? Wenn ich die Telekom wäre, würde ich sagen: ja. Aber wenn du dir das mal anguckst: Die haben ja ein Netz, das funktioniert. Das funktioniert auch gar nicht so schlecht. Wenn sie jetzt auch immer rumjammern „das ist ja nötig für den Netzausbau“, dann muss man mal hinterfragen: Wie funktioniert so ein Netzausbau? Wo liegen da die Investitionen? Wo liegen da die laufenden Kosten?

Wenn man das auf das Volumen abstellt, sogar auf das monatliche Volumen, würde man ja glauben, dass der Netzausbau monatlich immer wieder neue Kosten erzeugt. Dem ist aber nicht so.

Netzausbau bedeutet: Du erschließt einen Standort. Das heißt du kauft ein Grundstück oder mietest irgendwas, oder wenn du nur einen Kasten auf die Straße stellst, stellst du einen Antrag bei irgendeiner Behörde. Kaufst diesen Kasten, stellst den da hin, lässt dir einen Elektro-Anschluss legen. Das sind alles Investitionskosten, die du da rein tun musst. Dann kaufst du da Equipment, das du da rein schraubst, das eine Abschreibungsdauer hat. Aber dann ist es da.

Und dieses Equipment kostet genauso viel egal wie viel es genutzt wird oder nicht. Deswegen halte ich zum Beispiel diesen Spin, wo man das mit dem Volumen, also mit der Nutzung dieses Netzes in Verbindung bringt, den halte ich einfach für falsch.

Ja ok, so ein Switch verbraucht ein paar Milliwatt mehr, wenn er wirklich etwas tut. Vielleicht haben sie ein bisschen mehr Stromverbrauch. Aber das was richtig Geld kostet, also die Investitionskosten, das da hinzustellen, ist vollkommen unabhängig vom Volumen. Weil der Kasten steht da, auch wenn die Straße nicht surft. Und wenn sie alle gleichzeitig YouPorn klicken, steht der Kasten auch da und hat das selbe gekostet.

Das ist garantiert nicht notwendig für den Netzausbau.
[…]
Aber das widerspricht der Argumentation, die sie gegenüber den Kunden bringen, dass sie sagen: „Wir wollen, dass die Leute, die viel nutzen auch viel zahlen, weil sonst funktioniert unser Netz nicht.“

Von netzpolitik.org darauf angesprochen, antwortete ein Sprecher der Telekom erneut ausweichend. Welche Teile des Netzes an ihre Grenzen stoßen, wollte man uns nicht konkret benennen. Stattdessen nannte man den eigentlichen Grund:

Es geht darum, dass die Umsätze der Telekommunikationsbranche sinken […].

Umsatzentwicklung Telekommunikationsbranche (Jahresbericht Bundesnetzagentur): Von 67,3 Mrd. in 2005 auf 58,4 Mrd. in 2011.

In diesem Satz steckt die komplette Begründung für die Beförderung des Internets in Deutschland zurück in die digitale Steinzeit. Der Telekom reichen einfach ihre Gewinne nicht aus. Im offiziellen Bericht zum Geschäftsjahr 2012 heißt es:

Die Deutsche Telekom konnte den Konzernumsatz mit 58,2 Milliarden Euro nahezu stabil halten, im Gegensatz zu vielen europäischen Wettbewerbern.

Der Vorstandsvorsitzende kommentiert:

„Uns fehlen keine Mittel, um die Entwicklung des Konzerns voranzutreiben“, unterstrich René Obermann.

Der Optimismus im Geschäftsbericht steht nur scheinbar im Widerspruch zur düsteren Prognose der Drossel-Ankündigung. Die Logik des Marktes und des Wachstums verlangt, dass börsennotierte Unternehmen ihren Gewinn von Jahr zu Jahr steigern.

Tatsächlich lässt sich mit den klassischen Geschäftsfeldern von teurer Sprachtelefonie und SMS-Nachrichten im Internet-Zeitalter immer weniger Geld verdienen. Das ist ja auch der Grund, warum Internet-Anbieter diese Dienste in ihren Netzen verbieten und technisch verhindern.

Unser Internet wird also nicht funktional kaputt gemacht, weil es sonst überlastet zusammen brechen würde. Sondern nur, weil der Telekom zweistellige Milliarden-Gewinne nicht ausreichen, wenn diese nicht mehr werden. Der Markt hat’s gerichtet.

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29 Kommentare
  1. Kann mir mal einer von netzpolitik erklären, warum der Kommentar oben noch da steht, meine langen Kommentare in denen ich die Telekomkonzernbilanz zitiere und zeige, dass die Telekom zwar vieles kann, aber kein Geld damit verdient, verschwinden?

  2. Ich stelle mir ja die Frage ob Traffic den ich nicht ausgelöst habe oder wissentlich dulde auch gezählt wird.
    Ich meine, wenn mich jemand ärgern will schickt er mir einfach genug Traffic.
    Wie will die Telekom damit umgehen? Datenschutz, Fernmeldegeheimnis usw. spielen damit rein, denke ich.

    Und kann ich mir live anschauen wieviel ich den laufenden Monat schon verbraucht habe? Und kann mir die Telekom sagen wie viel Traffic es kostet wenn ich z.B. auf einen Link klicke(nein, kann sie nicht)? Man fängt ja dann vielleicht an sein Traffic managen zu wollen um halt im Volumen zubleiben.

    1. Äh? Die Telekom ist also verantwortlich dafür, dass du auf irgendwelche Links klickst? Das wäre kein Problem für Drosselkom – ein kleiner Extradienst. Ich vermute allerdings, du willst auch den nicht bezahlen.

      1. Naja, ich habe nun mal nur ein bestimmtes Volumen bevor gedrosselt wird. Angenohmen ich kann es mir nicht leisten mehr zu zahlen, denn will ich wissen ob es noch passt oder nicht. Vielleicht kann es in den nächsten Monat verschieben. Habe denn halt nur mein Volumen und will es sinnvoll nutzen. Es geht darum ein Überblick zubekommen und entscheiden zu können für was ich mein Volumen nutzen will.

  3. Und was genau ist jetzt der Kritikpunkt? Dass die Telekom ihre Marge aufbessern will und Wettbewerber dabei gern mitziehen? Das ist Kapitalismus, andere werben stattdessen Spenden ein und nun?

    1. Der Kritikpunkt ist, dass wenn die Telekomiker mehr Geld machen wollen, sie besser erstmal Leute einstellt, die nicht Unsummen an Kohle in US-Geschäften versenken.

    1. Ich hab meine Zahlen direkt aus dem verlinkten Geschäftsbericht. Dort wird als Gewinn nur der EBITDA („Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Abschreibungen“) angegeben, jedoch bereinigt. Und zwar lautet der erste Satz:

      Die Deutsche Telekom hat im Geschäftsjahr 2012 ihre Finanzziele erreicht und bestätigt daher ihre Dividendenplanung von 70 Cent je Aktie. Das bereinigte EBITDA belief sich auf 18,0 Milliarden Euro

      1. Zuerst gibt’s wochenlang eine Kampagne, netzpolitik.org ist soo wichtig, und zur Qualitätssicherung ist bitte Geld zu überweisen; und dann schaffts ihr Netzjournalisten nicht mal einen Geschäftsbericht richtig zu lesen.

        Das EBITDA ist nicht der Gewinn, den findet man unter Konzernüberschuß/-fehlbetrag.

        Einmal mit Profis arbeiten.

  4. guter artikel, denkt man beim lesen, freut sich – und dann muss der autor am ende doch noch die hier grasierende antikapitalistisches weltsicht plazieren. leider ohne jede kenntnis der materie: das alles hat mit „markt“ absolut nichts zu tun, einfach deswegen, weil „dem markt“ netzneutralität völlig egal ist. das ist eine politische frage. märkte entscheiden über netzneutralität ebensowenig wie über gleichheit vor dem gesetz, frauenwahlrecht oder einwanderungspolitik. das ist kein zufall, sondern auch in marktorientierten systemen so gewollt. das problem ist übrigens nur vordergründig das bestreben der telekom, ihren gewinn zu steigern, sondern die politik, die immer noch nicht verstanden hat, dass man gewisse weichenstellungen vornehmen muss, wenn man das digitale spiel mitspielen will.

    1. „… die hier grasierende antikapitalistisches weltsicht… “

      Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg machte die CDU (nicht die Linkspartei) den Kapitalismus für die Ursachen maßgeblich verantwortlich.

      Auszug aus ihrem Ahlener Programm von 1947:

      „Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden.“

      weiter:

      „Ziel aller Wirtschaft ist die Bedarfsdeckung des Volkes.“

      Wikipedia hilft.

      Vielleicht sind Sie noch etwas jünger. Als ich zur Schule ging, wurde uns vermittelt, dass wir in einer „sozialen Marktwirtschaft“ leben. Im Großen und Ganzen war das auch so. Keine Rede von Kapitalismus oder freien Märkten. Das kam erst in den 90ern auf, als die neoliberale Soße sich alles unter den Nagel riss. Kapitalismus bedeutet, dass sich alles monetären Interessen unterzuordnen hat und sich eben nicht die besten Ideen durchsetzen. Wer die hat, kann sie eben nicht mehr durchsetzen, weil andere längst die Investitionsschwellen gesetzt und durch Lobbyismus rechtliche Marktzugangsschranken gesetzt haben, z.B. durch vorgeschobenen Umweltschutz, welchen Kleinbetrieben Fixkosten in etwa der selben Höhe wie Großbetrieben aufbürdet, und das war’s dann für die. Nein, Kapitalismus kann man gar nicht genug kritisieren.

      Was Sie wahrscheinlich meinen, das ist Eigenverantwortung. AUf diese Verwechslung haben es die neoliberalen Kräfte abgesehen und uns dementsprechend hirngewaschen. Sind Sie ein Kind der 80er bis 90er? Dann können Sie nichts dafür. Da war das tägliches Agendasetting quer durch alle Medien.

      Also beschweren Sie sich bitte nicht über die soziale Verantwortung, welche diesen Staat nach dem Krieg einst groß machte.

      Sie haben so weit Recht, dass es Aufgabe der Politik ist, die Grundversorgung mit Infrastruktur sicherzustellen. Aber ebenso ist es auch ihre Aufgabe, die Werte zu verteidigen, denen wir uns verbunden fühlen, sie vor einer Preisgabe an den „Markt“ zu schützen.

      Und weil es so schön ist, hier noch einmal mein Lieblingssatz von der CDU:

      „Ziel aller Wirtschaft ist die Bedarfsdeckung des Volkes.“

      Da wird z. B. auch die Zerschlagung von schädlichen Monopolen gefordert, auch Genossenschaften lobend hervorgehoben und die Begrenzung privaten Aktienbesitzes gefordert, jawoll, von der CDU !

      Wer das heute in den Mund nimmt, ist schon ein Radikalkommunist, nicht wahr?

      Enteignung der Telekom, wie sie Christopher Lauer neulich im Podcast mit Holger Klein ins Feld führte, das wäre schon die richtige Keule, sonst wird da niemand wach.

      Und der CDU sollten wir das unbedingt unter die Nase reiben, was sie einst gefordert hatte, immer wieder und wieder, gemäß dem „C“ im Namen…

      Oder haben die plötzlich etwa eine kommunistische Vergangenheit?

  5. Max: Du hast halb Recht. „Zweistellige Milliardengewinne“ ist falsch, da wurde wohl Gewinn und Umsatz verwechselt.

    Verluste schreibt die Deutsche Telekom in Deutschland aber auch nicht – der Gewinn im Deutschlandgeschäft lag 2012 bei rund 2 Milliarden Euro. 7,4 Milliarden gingen in 2012 dann aber drauf für das seit Jahren andauernde völlig bescheuerte T-Mobile USA Experiment.

    Wer sich auf dem Markt nicht auskennt: 2001 hat die Telekom in den USA drei Kleinstprovider gekauft für völlig überteuerte 61,4 Milliarden USD! Für das Geld hätte man in über 95% aller deutschen Haushalte Glasfaser legen können, und sich an diesen Glasfaserleitungen für die nächsten 50 Jahre dumm und dusselig verdienen können!

    Stattdessen hatte man drei winzig-Mobilfunkcarrier mit inkompatiblen Techniken und Frequenzen an der Backe, die man „T-Mobile USA“ taufte.

    T-Mobile USA war aufgrund von völlig unbenutzbaren und zerklüfteten Frequenzen, die man erworben hatte, von Anfang an zum scheitern verurteilt und genießt in den USA einen Ruf schlechter als bei uns E-Plus. Du kannst mit T-Mobile nicht mal am JFK Airport telefonieren, sondern musst roamen.

    Übrigens: Aktuell geht gerade durch die Presse „Fusion von MetroPCS und T-Mobile USA unter Dach und Fach“. Das wird als Erfolg verkauft. Die Wahrheit ist: Sie haben sich jetzt gerade das vierte mit den bisher gekauften Netzen inkompatible Netz gekauft. Insgesamt sind es 8 verschiedene Frequenzbänder und 3 verschiedene Mobilfunktechniken, die Endgeräte unterstützen müssten, um deren „Netz“ komplett nutzen zu können. Da bräuchtest Du kein Handy für, sondern eine tragbare Schrankwand.

    Übersicht (MetroPCS fehlt da noch):
    http://en.wikipedia.org/wiki/T-Mobile_USA#Radio_frequency_spectrum_chart

    Man kann es nicht deutlich genug sagen: Die Deutsche Telekom zerzockt die Milliarden, die sie in Deutschland an uns verdienen einfach mit völlig überzogenem „Wir müssen ein Weltkonzern sein“-Gehabe in Märkten, von denen sie schlicht keine Ahnung haben. Es ist was anderes, ob man wie in Deutschland aus einem Staatsmonopol hervorgeht oder sich von Tag 1 an Wettbewerb stellen muss, ohne ein geschenktes Netz zu haben.

    Zahlenbasis zum Nachlesen:
    http://www.finanzen.net/bilanz_guv/Deutsche_Telekom
    http://en.wikipedia.org/wiki/T-Mobile_USA
    zzgl. der von Dir selbst verlinkte SPON-Artikel

    Lange Rede, kurzer Sinn: Die Profitsituation bei der Telekom sollte man differenziert betrachten. Ihre Bruttoumsatzrendite in Deutschland ist jedenfalls nach allen Kennzahlen sehr gesund, sie könnten es sich durchaus leisten, tatsächlich auch in ihrem Heimatland etwas zu investieren, statt den Fokus nur auf Wettbewerbsverhinderung zu legen.

  6. Ich verstehe im Moment beide Seiten nicht.
    a) @Telekom: Hardware ist Durchsatz-beschränkt (Gb/s), nicht Volumen-beschränkt(GB).
    Wenn man die Flatrate zusätzlich Volumen-begrenzen muss (auf 75GB) heisst das nur, dass die Durchsatz-rate eh‘ nicht geliefert werden kann (das hatten wir doch grade erst: https://netzpolitik.org/2013/studie-der-bundesnetzagentur-internet-anschlusse-liefern-oft-nicht-die-bandbreite-die-verkauft-wird/.
    –> Eine detailierte Erklärung kann ich auf Nachfrage liefern.

    b) @Netzpolitik: “bis zu 40 Terabit/s”? Es ist schwer zu glauben, dass DE-CIX Hardware hat die 15 mal starker is als benötigt? Sind die 40Tb/s vielleicht nötig um Spitzen abzufangen während 2.5Tb/s nur der Durchschnitt ist?
    Ausserdem, es gab’doch grade erst Berichte, dass viele Anbieter Probleme haben die angegebenen Datendurchsätze zu liefern (https://netzpolitik.org/2013/studie-der-bundesnetzagentur-internet-anschlusse-liefern-oft-nicht-die-bandbreite-die-verkauft-wird/)?

    c) @Telekom: Das das Internet wächst ist klar. Das braucht auch stärkere Hardware. Aber warum nicht einfach den Preis erhöhen oder eben wieder ‚kleiner‘ Flatrates anbieten? Es muss ja nicht immer 50Gb/s sein. Das Internet ist in den letzten 5-10 Jahren ja auch gewachsen während Flatrates hervorragend funktioniert haben. Wie wär es damit kleinere Flatrates anzubieten?

  7. golda meir hat völlig recht. Hier geht es um eine politische Frage. Ein Unternehmen darf alles tun – sei es noch so böse und aus niedersten profitsucht gründen – um seinen Gewinn zu erhöhen, solange es sich innerhalb der Gesetze bewegt. Sorry das ist Kapitalismus und ein Privatunternehmen ist nun mal als aller erstes der Profitmaximierung verplichtet. Fragen der sozialen Gerechtigkeit, der Grundversorgung mit Information und letztlich auch der Netzneutralität darum hat sich die Politik uz kümmern. Ich sehe hier folgende Problemfelder die angegangen werden müssen. 1. Nutzt die Telekom hier ihre Marktmacht in einer unzulässigen Weise? 2. Ist sichergestellt, dass der Konsument unter zumutbaren Umständen eine Alternative wählen kann zu diesem kaputten Angebot? 3. Ist Grundversorgung mit Netz und Netzneutralität ein gesellschaftlich Gut, dass höheren Schutz verdient als die wirtschaftlichen Interessen der Marktteilnehmer? Und aus den Antworten auf diese Frage muss dann der Gesetzgeber/Das Kartellamt/die Politik die notwendigen Schlüsse ziehen und handeln. Übrigens.. bald sind wieder Bundestagswahlen.

    1. Ihre Fragen sind richtig gestellt, und was bei korrekter Beantwortung herauskommt, dürfte auch klar sein.

      Allerdings leben wir in einem korrupten politischen sowie wirtschaftlichen System, in dem die berechtigten Interessen und Grundrechte der Bürger erst auf dem Basar verkauft werden müssen, bevor etwas dann halbherzig geschieht.

      Daher haben Sie mit den Bundestagswahlen absolut Recht. Ich möchte nicht in einem Staat leben, in dem das Kind immer erst in den Brunnen geschubst wird und man ihm dann maximal seine Tagesration nach unten wirft, anstatt den Vorgang vollständig rückgängig zu machen und dafür zu sorgen, dass es nicht wieder passiert. Mit den Blockparteien wird sich hier nichts erreichen lassen, denn sie haben es ausreichend dokumentiert.

      Wer für die Privatisierung des Wassers ist, der kann nur korrupt sein, so blöd ist niemand, haben ja meistens Hochschulabschluss, kann sich ja nur um unsere Elite handeln…

      Wer sich traut, solche Absurditäten überhaupt in Erwägung zu ziehen, dokumentiert damit seine völlige Schmerzbefreitheit und Verachtung für ganze Völker.

      Dann muss ich immer davon ausgehen, dass auf Gebieten, von denen ich keine Kenntnis habe, weitaus Schlimmeres ausgeheckt wird, wenn man sich sowas schon öffentlich traut.

      Also brauchen wir einen Systemwechsel, aber der deutsche Michel fällt immer wieder auf die Relativismen des Rechts-Links-Liberal-Sozial-Ränkespielchens herein, dann muss man doch den besten daraus wählen, geht ja gar nicht anders!1!!

  8. Eine AG ist eine KAPITALgesellschaft, die gehört nur sich selbst – DAS ist ja der Sinn der Sache. Als Aktionär bist du GESELLSCHAFTER, nicht Eigentümer.
    Siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Kapitalgesellschaft
    „Rechte der Anteilseigner
    Die Anteilseigner verfügen nicht über direkte Rechte an den Vermögensgegenständen der Gesellschaft. Die wesentlichen Rechte der Anteilseigner sind:

    Stimmrechte auf der Gesellschafterversammlung (soweit nicht ausgeschlossen: Vorzugsaktie)
    Gewinnausschüttungen gemäß Gesellschafterbeschluss
    Anteil am Liquidationserlös bei Auflösung der Gesellschaft (Residualanspruch)“
    Noch Fragen!

  9. hi Leutz,

    also dass mit dieser Datendrosselung ist bereits aktuell am Arbeiten. Ich merke dass hier nämlich seit heute. Gestern lief das Internet (vor Allem bei youtube) noch ganz normal und seit heute geht überhaupt nichts mehr. Youtube hakt und ruckelt und die Strams crashen reihenweise ab und das Herunterladen ist auch nur noch Kriechschneckentempo!! Das war gestern auch noch anders!! Was soll diese miese Schweinerei??

    Glaubt die gute Telekom – die man statt Drosselkom besser „Schneckenkom“ nennen sollte – eigentlich wirklich, sie könnte ihr User hier verarschen?? Was soll diese miese Schweinerei??

    Ich hoffe nur, dass die Politik hier eingreift und endlich für echte Netzneutralität sorgt und dafür, dass es hier keine Neztzensur gibt!! Weg damit!! Das ist ein Verstoß gegen Artikel 5 GG (Presse-, Meinungs- und Informationsfreiheit!!).

    Von daher: diese Drosselung läuft längst, auch wenn es keiner wahrhaben will.. Grrr….

  10. Telekom hin, Telekom her.

    Als erstes möchte ich mal festhalten, dass auf „dem bösen, ehemaligen Staatsmonopolist“ am liebsten rumgehackt wird. Ob berechtigt oder unberechtigt sei dahingestellt.
    (In manchen fällen sicherlich berechtigt, in anderen Fällen sicherlich unberechtigt)

    Fakt ist aber:
    – 90% der User benötigen das Volumen nicht (auch nicht mal ansatzweise)
    – keiner von den Nörglern kann bisher beantworten, warum ausgerechnet ein Power-User nicht *mehr* zahlen sollte, als Tante Lisa?

    Ich will jetzt auch nicht über neutzneutralität o.ä. philosophieren. Es geht hier um das reine Prinzip des Verbrauchs.

    Der heutige Power-User jedoch hat auf Grund des Wettbewerbs (jetzt ist das auf einmal schlecht!) einen „allzeit Anspruch auf unbegrenzt Internetvolumen“ entwickelt und meckert jetzt.

    Wenn ich einen 8L Sportwagen fahre, muss ich auch meh KFZ-Steuer zahlen – warum sollte das beim Internet-Nutzungsverhalten nicht anders sein?
    Ich weiß – jetzt kommt dann der Progger und spricht von den Grenzkosten digitalen Datentransfers. Ein Argument, das natürlich an sich nicht falsch ist.
    Aber: Warum sollten Ressourcen nicht von dem bezahlt werden, der sie auch verbraucht? Warum soltle das, was in der physikalischen Welt gegeben ist, nicht auch im Internettraffic gelten?
    (Ich weiß schon: Jetzt kommt gleich wieder das Argument der Grenzkostenlosigkeit, siehe oben)

    Was mir aber bisher niemand erklären konnte:
    Ich bin selbst Entwickler, hab die typischen Tools und Datenbank im Betrieb.
    Mein Nutzdatenverzeichnis (also das, was ich brauche, um zu überleben), hat bis heute ca. 500 MB, passt also auf eine CD.
    Da sind alle Zeugnisse, alle Sourcecodes, die wichtigsten Fotos etc. enthalten. (Meine MP3s zählen übrigens nicht zu „überlebenswichtigen Nutzdaten“)
    So -und jetzt werde ich gleich verkloppt, wenn ich sage, dass man bei normaler Nutzung (ohne Raubkopien) *NIEMALS* auf mehr als 100 GB im Monat kommen kann.
    Wie gesagt: Ich bin ganz klar Pro-User, beruflich darauf angewiesen, und ich nutze das Internet sowie dami verbundene IT&K-Infrastrukturen&Devices definitiv mehr als die meisten Leute – trotzdem komme ich nicht auf 100GB oder mehr?

    DAS soll mir jetzt mal jemand erklären.

    1. Hallo Vomitorium,

      >Fakt ist aber:
      >- 90% der User benötigen das Volumen nicht (auch nicht mal >ansatzweise)
      Woher nehmen Sie diesen „Fakt“? Können Sie das belegen? Ansonsten ist es einfach genauso eine unhaltbare behauptung wie vieles andere hier in den Kommentaren.
      >- keiner von den Nörglern kann bisher beantworten, warum ausgerechnet ein Power-User nicht *mehr* zahlen sollte, als Tante Lisa?

      Ok, ja ein „Power-User“ sollte mehr bezahlen. Aber genau das tut der „Power-User“ bereits. Ich habe für zuhause eine VDSL Leitung mit 50MBit/s und bezahle hierfür deutlich mehr als der „Durchschnittsuser“ welcher vielleicht nur die 6MBit/s oder weniger benötigt. Wieso sollte ich also die von mir bezahlte Leistung (Bandbreite) dann noch zusätzlich extra bezahlen um die Bandbreite auch durchgehend zu nutzen? Ich miete die Bandbreite ja schließlich für den kompletten Kalendermonat und nicht nur für die ersten 75GB

      >Aber: Warum sollten Ressourcen nicht von dem bezahlt werden, der sie >auch verbraucht? Warum soltle das, was in der physikalischen Welt >gegeben ist, nicht auch im Internettraffic gelten?

      Sie haben den Artikel nicht gelesen oder? Die „Ressourcen“ kosten das gleiche, ob sie jetzt viel oder wenig oder gar nicht verwendet werden.

      >So -und jetzt werde ich gleich verkloppt, wenn ich sage, dass man bei >normaler Nutzung (ohne Raubkopien) *NIEMALS* auf mehr als 100 GB >im Monat kommen kann.

      Ich will niemanden verkloppen, allerdings frage ich mich, auf welcher Annahme diese Behauptung beruht?
      Nehmen wir ein kleines Rechenbeispiel. Ich gucke jeden Abend ca. 60 Minuten lang Videos in „FULLHD“ auf youtube. Der einfachheit halber setzen wir hier mal 5MBit/s an.
      60Minuten*60Sekunden*5Mbit/s=18000MBit bzw 18GBit bzw. 2,19Gbyte
      So das ganze dann noch mit 30 Tagen Multiplizieren dann bin ich bei 65GByte im Monat.
      Dann gehen wir mal davon aus, das ich nicht alleine zuhause wohne sondern noch Frau und Kind habe die über den Tag verteilt EBENFALLS insgesammt eine Stunde FullHD Videos auf Youtube gucken. Dann kommen nochmals 65GByte dazu. Hier wären wir dann bereits bei 130Gbyte im Monat und DEUTLICH über den 75Gbyte Limit der Telekom…
      Ich sehe jetzt mal von der Vielzahl an Möglichkeiten um weiteren Legalen Traffic zu generieren ab (Maxdome Videostreaming, iTunes Musik kauf etc. usw.)
      Hier wurde noch nichts illegales getätigt und auch aus meiner Sicht kein „Power Using“ betrieben.

      Alleine ich habe diesen Monat 200GB Traffic „verbraucht“ und habe nicht eine Illegale Datei heruntergeladen.

      Ich bin auch „Pro“ User und bin beruflich im Bereich der Systemadministration tätig. Arbeite ich einen Tag lang von zuhause aus mit meiner virtuellen Maschine im Betrieb, habe ich auch mehrere GB an Traffic generiert.

      Tut mir leid, aber Ihr Kommentar ist vollkommen hinfällig, da absolut an der heutigen Realität vorbei. Das was Sie behaupten, mag vor 8-10 Jahren noch gestimmt haben… Aber dieses Konzept ist lange schon einfach nur überholt.

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