Generell

Antwort auf den offenen Brief von 51 Tatort-Autoren an „die Netzgemeinde“

Nach dem Regener-Rant („Der Auf#Regener„) und dem Kunst-hat-Recht-Konflikt („‚Kunst gegen Überwachung‘ gegen ‚Kunst hat Recht‘„) sind es jetzt Tatort-Autoren, die sich auf der Webseite des Verbands der Drehbuchautoren mit einem offenen Brief an „Grüne, Piraten, Linke, und Netzgemeinde“ in der Urheberrechtsdebatte zu Wort melden. Leider bringt das Pamphlet die Debatte keinen Millimeter voran, sondern ergeht sich wieder nur in Pauschalverunglimpfungen und Selbstwidersprüchen.


Netzpolitik.org ist unabhängig, werbefrei und fast vollständig durch unsere Leserinnen und Leser finanziert.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber als Erleichterung für die Recherchearbeit in der journalistischen Echo Chamber, ein paar kommentierte Auszüge:

„Und noch eine Lebenslüge, die allerdings typisch geworden ist für die Berliner Republik: der Ausweg in die Symbolpolitik. Das Beispiel hierfür sind hier die Schutzfristen, mit denen die Urheber bzw. ihre Nachfahren von dem eigenen Werk profitieren können. Zur Zeit sind das 70 Jahre post mortem, die Netzgemeinde fordert radikale Verkürzungen, gern auch mal „Modernisierung“ genannt. […] Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass nirgendwo eine Argumentation versucht wird, warum gerade diese Eigentumsform überhaupt eine Einschränkung erfahren darf“

Rund um die Debatte zur Schutzfristverlängerung wurde über nichts anderes diskutiert und eine Vielzahl von Argumenten vorgebracht (vgl. z.B. einen Netzpolitik-Artikel aus 2008). Für einen Einstieg in die Debatte, warum eine zeitliche Befristung von Immaterialgüterrechten Sinn macht, empfiehlt sich das Buch „The Public Domain“ von Jamie Boyle, das im Volltext online verfügbar ist. Aber es geht noch weiter zum Thema Schutzfristen:

„Nicht nur, dass die Urheber durch diese Schutzfristen-Verkürzung enteignet und damit dramatisch schlechter gestellt würden, nein, dieser Vorschlag ändert auch kein bisschen an den Interessen der vermeintlich unschuldigen User: Ihre illegalen Downloads oder Streamings betreffen in der Masse nur die allerallerneuesten Filme, Musiken, Bücher, Fotos und Designs – und nicht etwa Werke, die 20, 40 oder 60 Jahre alt sind. Eine Verkürzung der Schutzfristen würde an diesem Problem also nichts ändern, wäre reine Symbolpolitik: Schaut her, wir haben den Urhebern auch was weggenommen…“

Mehrere Punkte: Wenn Urheber durch eine Schutzfristen-Verkürzung „enteignet“ werden, wem wird dann etwas weggenommen, wenn die Schutzfristen verlängert werden? Dem gemeinsamen kulturellen Erbe (inhaltlich) und der Allgemeinheit (finanziell). Vor allem aber erhöht sich durch jede Verlängerung der Schutzfristen die Zahl verwaister Werke, die zwar nicht mehr kommerziell verwertbar aber dennoch nicht nutzbar sind, weil die Rechteabklärung zu teuer oder unmöglich ist. Und auch wenn es sich die Tatort-Autoren nicht vorstellen können: in der Urheberrechtsdebatte geht es um (viel) mehr als nur um illegale Downloads und Streamings. Es geht auch bzw. vor allem um Bücher und Dokumentarfilme, die in Archiven im wörtlichen Sinne verrotten, weil die Abklärung der Rechte zu teuer ist – die „Lücke des 20. Jahrhunderts„; es geht darum, dass für alltägliches und medienkonformes Nutzungsverhalten Abmahnungen drohen (vgl. „Ein Klick – zack, Hunderte Euro weg„); es geht darum, dass auch Kunstschaffende selbst mit der Inkompatibilität von Urheberrecht und Internet zu kämpfen haben (vgl. z.B. Jan Delay oder Deichkind);

Enteignung von Urhebern droht dabei weniger durch eine Verkürzung von Schutzfristen als vielmehr durch Total-Buyout-Verträge mit Verwertern. Aber auch dieser „gravierendste[n] Lebenslüge“ nehmen sich die Tatort-Autoren an:

„Mal davon abgesehen, dass die selbsternannten Digital Natives (auch) über diesen Punkt nie direkt mit den betroffenen Urhebern gesprochen haben, sie haben überhaupt nicht verstehen oder begreifen wollen, dass bis auf Maler und Bildende Künstler diese Trennung in Urheber und „böse“ Verwerter überhaupt keinen Sinn macht, ja unmöglich ist“

Wenn dem so wäre, warum heißt es dann im selben Text, ein paar Absätze weiter:

„Wenn man die Lage der Urheber nachhaltig verbessern will, dann müssten also alle politischen Kräfte den Urhebern bzw. ihren Verbänden helfen, das Urhebervertragsrecht zu verbessern, die Verhandlungspositionen der Urheber gegenüber den Verwertern zu stärken“

Natürlich kann es in mancher Hinsicht total Sinn machen, zwischen Urhebern und Verwertern zu unterscheiden. Und natürlich gibt es zwischen Urhebern und Verwertern sowohl gleich- als auch gegenläufige Interessen. Das ist übrigens bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern ganz allgemein so. Dass eine Reform des Urhebervertragsrechts notwendig ist, stimmt völlig. Durchgesetzt werden muss diese Reform aber gegen jene Verwerter(verbände), die es schon bei dessen Einführung zu einem „stumpfen Schwert“ gemacht haben.

Schön auch der performative Selbstwiderspruch am Ende. Einen derart unkonstruktiven Rant mit folgendem Satz zu beenden, ist nur noch drollig:

„Für konstruktive Gespräche über den anstehenden historischen Kompromiss zwischen Urhebern und Usern stehen wir jederzeit bereit.“

Ganz grundsätzlich bedient sich das Pamphlet der Tatort-Autoren einer unredlichen Argumentationsstrategie: einer diffusen Gruppe (z.B. „Netzgemeinde“) werden Argumente (z.B. „Die demagogische Gleichsetzung von frei und kostenfrei.“) zugeschrieben, die von großen Teilen dieser Gruppe nie so vorgebracht wurden und werden. Besonders perfid ist dabei der in demagogischer Absicht vorgetragene Demagogie-Vorwurf.

Die Debatte voranbringen würde hingegen, nicht pauschal jede Urheberrechtskritik als Angriff auf Urheberinteressen zu werten, sondern zumindest den Versuch zu unternehmen, berechtigte Kritik auch anzuerkennen. Wie das gehen könnte, zeigt die ebenfalls von Kulturschaffenden gestartete Initiative „Copylike„. In Fragen des Urhebervertragsrechts wäre überhaupt ein Schulterschluss mit weiten Teilen „der Netzgemeinde“ möglich. Mit ihrem „offenen Brief“ aber reihen sich die Tatort-Autoren ein in die unheilige „Deutsche Content Allianz“, in der schon ARD und ZDF sich für ACTA einsetzen.

 

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
224 Kommentare
  1. Ist dieses Raushauen von Urheber-Statements (Regner, Tatort-Autoren., usw.) eigentlich die PR-Strategie der Content-Lobby gegen die ACTA-Proteste? Wer kommt nächste Woche?

        1. @milhouse: Nö, bei Regener war dies sicherlich weniger Spin-gesteuert als diese Aktion von den Drehbuchautoren. Es ist ja übrigens alles angekündigt: https://netzpolitik.org/2012/rechteindustrie-traurig-grundrechtsabbau-ist-nicht-popular/

          „Gleichzeitig unterstrich er (Anmerkung: Staatssekretär Hans-Joachim Otto), wie auch seine Kollegen aus Reihen von CDU, SPD und FDP, dass vor allem die Kreativbranche selbst gefordert sei, der öffentlichen Diskussion eine neue Richtung zu geben, die Anliegen der Urheber begreifbar zu machen. Gerade Künstler seien “sprachgewaltige” Botschafter.“

    1. jup das is immer dieselbe methode…wird immer wieder gemacht…man kann sich auch darauf gefasst machen, dass offene briefe an Bundesrat und die Parteien immer wieder geschickt werden mit den üblichen Parolen….sehr schlimm sowas

    1. Genau! Den Begriff „Digital Native“ hätte ich gerne mal definiert – so ein Unsinn! Hippes Modewort für die „junge Generation“ die anscheinend etwas von Computern verstehen nur weil sie in Facebook und Twitter posten können. Nunjaaaa…… die „Digital Immigrants“ (ist das vieleicht ein Ersatzwort für Politiker?) scheinen wohl die Buttons nicht klicken zu können…?

  2. Die 51 Autoren haben 200 Tatorte geschrieben.

    1 Tatort gibt 25.000€ Honorar. (kann man googeln)

    5 Millionen GEZ-Gebühren finanzierte (zum Großteil) Gähnkrimis.

    Ich würde sagen: Es reicht.

    1. Zum Honorar kommen dann noch die Kosten für die Verfilmung. Das dürfte kein Pappenstiel sein. Ca. das 50-fache, siehe unten. Das Geld kommt ja zwangsweise herein. Habe heute einen Brief von der GEZ bekommen. Betreff: Neue Zwangsabgabe. Obwohl ich seit ca. 4 Jahren keinen Fernseher mehr habe. Der Brief – insbesondere der Teil zum Ausfüllen – fühlt sich so an, als wenn man Straffällig geworden ist.

      Zitat aus Wikipedia:
      „Das Produktionsbudget eines Tatorts bewegt sich in einer Größenordnung von rund 1,5 Millionen € pro Folge; die tatsächlichen Kosten variieren aber stark nach Produktionsart und der jeweiligen Rundfunkanstalt.[7] Die Gagen der Kommissar-Darsteller betragen bei etablierten Schauspielern schätzungsweise zwischen 80.000 und 120.000 € pro Folge.[8] Pro Folge werden 21 bis 30 Drehtage angesetzt.[9]“

  3. Von den öffentlich Rechtlichen finanzierte Produktionen sollten ohnehin Gemeingut sein. Immerhin werden diese vom gemeinen Steuerzahler (umgspr. auch „der böse Raubkopierer“) bezahlt.

  4. Ich: Kind eines Mechanikers, Erfinders, habe von meinem geistreichen Vater eine Maschine geerbt.
    Materielles Gut.
    Sie tut Dinge, die nützlich sind und für die Leute Geld bezahlen, Sie ernährt mich.
    Sie tut dies aber nicht von alleine. Sie verlangt von mir das ich ihr Strom zuführe und bezahle,
    sie verlangt Pflege und Wartung, ein Dach über dem Kopf, einen Bediener, Verbrauchsmaterial.
    Ich trage aktiv zu ihrem Erhalt bei, ich führe die Arbeit meines Vaters fort und lebe davon.

    Er: Kind eines geistreichen Schriftstellers der ein erfolgreiches Buch schrieb.
    Er erbte die Rechte an dem Buch. Geistiges Gut.
    Dieses wird von Menschen gerne gelesen, es wird neu aufgelegt, es wird verkauft.
    Er muss zu dem Buch keine neuen Kapitel schreiben, er muss es nicht verstehen,
    er muss es noch nicht einmal gelesen haben. Er muss ausser ca. 3 Anrufen im Jahr beim Verleger nichts
    mehr tun, um sich die nächsten 60… Jahre von der Frucht seines Vaters zu ernähren.

    Wo ist der Fehler?
    Warum ist geistiges EIgentum so viel privilegierter gestellt?

    1. Naja, nun stell dir mal du hättest in dem Beispiel einen Aktienfonds mit einer Millionen Euro geerbt, da musst du noch weniger als der Autor machen und profitierst davon. Geld ist nun aber ganz klar Eigentum.

      Der Punkt in der Debatte kann ja nun nicht sein, dass verschiedene Güter eine unterschiedliche Natur hätten und daher in Fragen des Eigentumsrechts verschieden behandelt werden müssen, als wenn es ein Naturgesetz sei, dass Äpfel echtes Eigentum sind und Lieder nicht.

      Güter werden eben gemacht, man einigt sich darauf ob und wer und wie daran Eigentum erworben werden kann und leiten lassen sollte man sich dabei von Fragen der Nützlichkeit.

      Wenn es sich so verhielte, dass ein Urheberrecht dazu führt, dass insgesamt viel mehr Kultur geschaffen und verfügbar wird als ohne, dann macht es Sinn, festzulegen, dass es geistiges Eigentum gibt und dass der Staat sich drum kümmert dieses zu schützen.

      Sollte es aber so sein, dass ein Urheberrecht nur ganz wenigen nützt, das Schaffen von Kultur sogar blockiert und viele darunter zu leiden haben, es sogar noch sehr aufwendig ist es durchzusetzen, dann wäre es natürlich Quatsch so etwas zu schaffen oder am Leben zu erhalten.

      Anstatt sich also den Kopf über die philosophischen Grundlagen des Rechts am geistigen Eigentum zu streiten, sollte man Energie darauf verwenden, festzustellen, vor welcher der beiden obigen Situationen wir denn nun stehen, genauer, wo in diesem Spektrum wir stehen. Um viel mehr geht es dabei nämlich garnicht.

      1. Natürlich gibt es einen himmelweiten Unterschied zwischen Material- und Immaterialgütern. Erstere sind qua physischer Existenz knapp und nur exklusiv nutzbar (oder vielleicht als Allmende, die aber anspruchsvolle Regime braucht um nicht übernutzt zu werden). Letztere können heutzutage zu gegen Null tendierenden Transaktionskosten beliebig kopiert und damit vermehrt werden. Daher braucht es hier eine explizite Abwägung zwischen den privaten Interessen der Erschaffer, durch Exklusivnutzungsrechte davon zu profitieren und auch den Verwendungszusammenhang zu kontrollieren, und den wohlfahrtsorientierten Interessen der Allgemeinheit an der Verfügbarkeit von Kultur und Wissen für alle.

      2. … ein Naturgesetz sei, dass Äpfel echtes Eigentum sind und Lieder nicht.

        es gibt genauso wenig ein naturgesetz, nach dem sowohl äpfel als auch lieder eigentum seien.
        da eigentum ein von den philosophischen grundlagen der jeweiligen gesellschaftsform abhängendes abstraktes konzept ist, gibt es sogar überhaupt kein naturgesetz an eigentum.
        ein gewisser karl marx hat z.b. mal eine gesellschaftsform entworfen, in der eigentum ganz anders interpretiert wird. hat sich vor 20 jahren erledigt ? sicher ?

        ‚grundrecht auf geistiges eigentum‘ (originalzitat aus dem pamphlet der tatort-autoren) – wer andere der demagogie bezichtigt, sollte sich selbst besser nicht dieser praxis bedienen, das wirkt überzeugender. gerade bei personenkreisen, bei denen man beschränkte beherrschung der muttersprache oder unfähigkeit zur recherche als mögliche ursache solcher pannen ausschließen kann.

        historisch gesehen wurden materielles und geistiges eigentum während des überwiegenden teils der menschlichen kulturgeschichte unterschiedlich behandelt, insb. rechtlich (http://www.historyofcopyright.org).

        grüße, carsten

  5. Am besten gefällt mir das Fazit, der aus Gebührengeldern/Zwangsabgaben bezahlten Autoren:

    „…Wenn man Urheber und User besser stellen will, braucht es ja einen, der diesen Alle-haben-alle-wieder-lieb-Kompromiss, der den Kram bezahlt – denn wie in allem, was hergestellt wird, steckt auch im „Content“ verdammt viel Arbeit von Urhebern und kostet deshalb auch Geld, das irgend jemand bezahlen muss….“

    „bezahlen muss“ – muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Vielleicht finden gute Autoren jemanden, dem ihr Werk gefällt und der dann bezahlen möchte. Im Kapitalismus gilt doch eigentlich der Grundsatz Angebot und Nachfrage regeln den Preis.
    Aber für so ein paar weitere Zwangsabgaben gibt man doch gern Bürgerrechte auf. Anlasslose Vorratsdatenspeicherung – pipifax, wenn Einige wenige mehr verdienen können :-)

    1. Sehr schön auch: „Nicht nur, dass die Urheber durch diese Schutzfristen-Verkürzung enteignet und damit dramatisch schlechter gestellt würden …“
      Öhm, liebe Leute, selbst wenn die Schutzfrist auf 10 Jahre nach dem Tod des Autors reduziert wird, ihr seid immer noch tot, verdammte Scheiße! Schlechter kann es einem nicht mehr gehen.

      1. Naja. Man muss den Kuenstlern zu Gute halten, dass sie ihr Werk auch an Verwerter verkaufen wollen. Und die wollen auch etwas davon haben.
        Was nuetzt es einem Verlag, die Rechte an einem Buch zu kaufen, wenn der Kuenstler morgen tot umfaellt und mangels Urheberschutz nun ploetzlich jeder das Buch veroeffentlichen darf?

        Allerdings denke ich, zehn Jahre, meinetwegen auch 11 Jahre (fuer die Neuauflage zum 10. Todestag), nach dem Tod des Kuenstlers sollten reichen.

        P.S. Es wuerde mich mal eine Statistik interessieren, die zeigt, wie der Verkauf von Buechern, CDs, DVDs etc. ab dem Verkaufstag laeuft. Gerade bei Filmen und Musik duerfte es doch im ersten (halben) Jahr einen Hype geben, der dann verflacht.

  6. Natürlich ist es völlig richtig einen Unterschied zwischen Urhebern und Verwertern zu machen! Es sind die Verwerter, die sich unrechtmässig Urheber nennen und diese unsäglichen Gesetze wie ACTA durchsetzen wollen, NICHT die eigentlichen Urheber, die gezwungen wurden ihre UNABTRETBAREN Rechte auf fadenscheinige und erpresserische Art und Weise „abzutreten“! Wenn das erstmal von den Aktivisten erkannt werden würde, wären wir schon einen kleinen Schritt weiter. Verleger, Vertriebe und Medienmultis sind keine Urheber und haben auch keine Urheberrechte! Sie haben Verwertungs-und Leistungsschutzrechte. Diese mal endgültig von Urheberrechten zu trennen wäre eine verdienstvolle Aufgabe und wesentlich sinnvoller als diese unerträgliche Kampagne, zu behaupten niemand habe ein Recht für das was er kann und mag, bezahlt zu werden! Wie z.B. kommen Musikverleger in den Genuss einer Gema Mitgliedschaft? Das sind Fragen die das Problem an der richtigen Wurzel anpacken würden. Ein Verleger, der Noten druckt ist kein Urheber. Das gleiche gilt für Zeitungen, Filme etc…

  7. In der Pharmabranche gilt für ein Medikament in der Praxis 10 Jahre Exklusivität, danach gibt es zig Generika. Warum nict auch im Urheberrecht anwendbar?

    1. Ursprünglich galt das Urheberrecht in Deutschland für nur 10 Jahre (Deutscher Bund, 1837), wurde aber schnell auf 30 Jahre nach Tod des Autors ausgedehnt (1845).

      Der erste amerikanische Copyright Act (1790) erlaubte einen Schutz von 14 Jahren ab Anmeldung des Werks mit einer möglichen (einmaligen) Verlängerung um weitere 14 Jahre, wenn der Autor bei Ende der Schutzfrist noch lebte.
      Aus meiner Sicht gar keine so schlechte Lösung.

  8. Wo ist der openTatort? Gibt es nicht ein Wiki o.ä. für Tatort-Drehbücher?

    Ein Drehbuch muss noch immer geschrieben werden und wenn jemand möchte, dass eins (oder viele) geschrieben werden, muss es ein Interesse geben. Das ist meist finanzieller Natur, v.a. bei professionellen Drehbuchautoren. Es muss halt bezahlt werden. Das bleibt auch so, egal was danach mit dem Drehbuch passiert.

    Aber zurück zum Thema:
    Wo ist die Tatort-Community, die hier mit Drehbüchern antworten könnte? Nur wenn es regelmäßig freie und interessante Drehbücher gäbe, wäre dies eine echte Gefahr für Autoren. Eine Kopie bedarf noch immer eines Originals, das man sich bezahlen lassen kann…

  9. Ich habe den Brief einfach mal so gelesen, wie ich normalerweise Tatorte gucke:

    Liebe Grüne, liebe Piraten, liebe Linke, liebe Netzgemeinde!

    [abschalt … … … anschalt]

    Für konstruktive Gespräche über den anstehenden historischen Kompromiss zwischen Urhebern und Usern stehen wir jederzeit bereit.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ah, Happy End.

  10. Echt traurig, dass die „Netzgemeinde“ (oder das zur Vernetzung genutzte Internet) in den letzten Tagen von EU-Kommission, FDP-Frontmann und Tatort-Autoren verdammt wurde, anstatt dass diese sich über neue Möglichkeiten zu mehr Demokratisierung und Kommunikation freuen.

    Sie.verstehen.es wahrscheinlich wirklich gar nicht. Aber das ist nicht schlimm, wir werden weiter versuchen, zu argumentieren, aufzuklären und alle Zugangsbarrieren zu dieser (Gedanken-)Welt auch für sie abzubauen.

    P.S.: Man könnte den anderen Artikel von Netzpolitik.org ( https://netzpolitik.org/2012/rechteindustrie-traurig-grundrechtsabbau-ist-nicht-popular/ ) eventuell hier irgendwo verlinken, falls noch Leute nach Erklärungen für diese Aktion der Tatort-Autoren suchen: „Gerade Künstler seien ’sprachgewaltige‘ Botschafter, die Anliegen der Urheber begreifbar zu machen.“

    Aber im Battle der Pamphlete von Tatort-Autoren vs. Deichkind siehts im Moment eher noch nach Scheitern dieser Botschafter-Kampagne aus ;-)

  11. Der Inhalt des offenen Briefes ist Murks, keine Frage.

    Und wenn ich dann schaue, wie viele Rechtschreibfehler und andere sprachliche Stilblüten sich darin befinden, dann bin ich froh, seit ewigen Zeiten keinen Tatort mehr gesehen zu haben.

    Schreiben diese Menschen auch für andere Formate? Das würde die aktuelle Qualität des Fernsehprogramms trefflich erklären.

    Interessant ist der Unterzeichner https://de.wikipedia.org/wiki/Xa%C3%B5_Seffcheque
    Der hielt sich mal für einen Punk. :-)

  12. Es handelt sich in der Tat um eine Kampagne. Dieter Nuhr hat beim letzten Satire Fest auch schon Pro-Acta herumgepöbelt. Pauschaler Vorwurf war auch dort sinngemäß: Die Netzgemeinde will alles umsonst haben und deshalb ist sie gegen Acta und Urherberrecht.

    Natürlich ist dieser Vorwurf perfider Unsinn, aber Greti und Pleti Fernsehgucker lassen sich von solchen Scheinargumenten bestimmt beeindrucken. Mit Sicherheit wird diese Kampagne noch fortgesetzt werden.

    1. Wie ja schon festgestellt wurde, ist die „Netzgemeinde“ keine homogene Gruppe. Sicherlich gibt es viele, die nicht der Beschreibung von Dieter Nuhr entsprechen, sondern nachdenken, insbesondere unter den Kommentatoren hier.

      Aber wenn man z.B. mal die Äußerungen im Heise-Forum zu diesen Themen ansieht, erkennt man, dass hier bei vielen hinter dem „Böse Contentindustrie“-Vorwurf genau die Erwartungshaltung steht, dass alles was man im Internet umsonst kriegen kann – wie auch immer – gefälligst erlaubt sein soll.

      Pauschalitäten nützen in dieser Diskussion aber auf keiner Seite. Beide Seiten müssen begreifen, dass man weder alles kostenlos kriegen kann, noch dass für jede Art von Nutzung insb. im Internet gleich eine urheberrechtliche Abmahnung angemessen ist.

      Das ist es, was mit einer Anpassung des Urheberrechts an das Internetzeitalter gemeint sein kann.

  13. Bei diesem ganzen Streit ums Urheberrecht habe ich mal eine Frage.
    Denn man liest ja zur Zeit nur von Künstlern usw.
    Aber ist damit, vor allem bei Politikern, nicht auch gleichzeitig immer das Produktrecht gemeint? (Stichwort Monsanto und Abmahnungen an Bauern)
    Oder ist das ein ganz anderes Themenfeld?

    Ansonsten kann ich nur sagen, ich bin selbst nur ein kleiner Amateurmusiker und es würde mich nicht stören, wenn sich jemand meine Songs/Texte kopiert. Es würde mich sehr wohl stören, wenn jemand sie als eigene Werke ausgeben würde. Ich könnte mir vorstellen, dass dies viele Künstler so empfinden. Eine entsprechende CC-Lizenz gibt es wohl, aber für mich als Laien wirds da auch schon schwierig.

    Wie auch immer, wer Kunst schaffen will, wird das auch weiterhin tun. Das haben Menschen immer getan, egal ob sie etwas dafür bekamen. Die eigentliche Währung für den Schaffenden ist doch die Wertschätzung seiner Werke.

    Angesehen davon, habe ich den Eindruck, dass es ohnehin eher darum geht, das Internet in den Griff zu bekommen. Dafür werden die Künstler nur instrumentalisiert.

  14. In der Zeit wies ein Leser via Kommentar auf diesen Beitrag hin, für den ich mich bedanken möchte.

    Diese Debatte wird sich in wenigen Jahren erübrigen, glaube ich, denn dann wird eine neue Generation Filmemacher ihre Werke über das Internet publizieren und die öffentlich-rechtlichen werden uns hinterher hecheln, damit wir deren Zeug konsumieren.

    Gottschalk, Harald Schmidt und auch der Tatort sind Auslaufmodelle, denen ich im Grunde keine Beachtung mehr schenke. Sollen sie doch in Gottes Namen ihre „Werke“ in den Tresor packen, hier laufen sie höchsten Gefahr, dass sie für die Verpackung mehr bezahlen als für den Wert des Inhalts.

  15. Was sich die Öffentlich-Rechtlichen in Bezug auf Acta leisten ist einfach der Abschuss.

    Erst kommen sie ihrem ö-r Programmaufrag der Information nicht nach – wir mussten uns hier nämlich alle eigenständig über das Netz informieren, um etwas über Acta zu erfahren.
    Und jetzt halten sie auch noch ihre Angestellten dazu an, Stimmung FÜR Acta zu machen, siehe die Autoren hier oder auch Dieter Nuhr.

    Ich hoffe doch, dass die nächsten Demos vor den Landesrundfunkanstalten stattfinden werden. Diese liegen nämlich meistens ziemlich zentral und eine Demo dürfte somit ihre Wirkung kaum verfehlen.
    Hier die Liste der Standorte dieser Anstalten:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Standorte_der_ARD

  16. Warum gibt es den „Tatort“ nicht umgekehrt als kostenlosen Video-On-Demand?

    Eigentlich müssten sämtliche Filme, Serien, Dokumentationen und
    sonstige Inhalte der Öffentlich Rechtlichen auch im Netz kostenlos
    für alle abrufbar sein!

    Von mir aus auch gerne „traffickostenneutral“ in Form eines ÖR
    BitTorrent-Trackers.

    Wenn wir jetzt schon ab nächstes Jahr den ganzen Kram direkt per
    „Haushaltsabgabe“ bezahlen sollen und es keinen verminderten Tarif
    für „nur Internetnutzer“ mehr gibt, dann erwarte ich auch, dass dafür
    umgekehrt sämtliche Inhalte jederzeit im Netz verfügbar sind!

    Einen Programmdirektor der bestimmt was wann geschaut wird brauche
    ich nicht mehr. Und was passiert stattdessen?

    Selbst die Nachrichtensendungen müssen nach 7 Tagen „depubliziert“
    werden, weil die Privatsender rumheulen und die lieben Verlage, für
    deren Interessen die Tatort-Autoren hier trommlen, fordern sogar
    inzwischen, dass Tagesschau.de nicht mehr in Textform berichten darf.

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/ARD-Online-will-nicht-auf-Textberichte-verzichten-1429114.html

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Neue-Regeln-fuer-oeffentlich-rechtliche-Online-Angebote-213153.html

    1. Was ist jetzt der Vorwurf ? Oder an wen geht er ?
      Die Öffentlich-Rechtlichen Sender depublizieren ja nicht freiwillig, wie Sie geschrieben haben.

  17. Was ich in der ganzen Debatte nicht verstehe, dass keiner der Beteiligten unterscheidet, zwischen:

    * Autorenrecht /Urheberrecht – das es m.e. zu stärken gilt
    * Verwertungsrecht – das es zu schwächen gilt

    und das abgrenzt zu

    ‚ Copyright – das Recht zu kopieren, denn sonst könnten sich die Künste gar nicht entwickeln. denn die Künstler lernen durch das Kopieren und das Kopieren ist für die Wirksamkeit ihres künstlerischen Anliegens (wenn eines da ist) ganz wichtig.

    ‚ geistiges „Eigentum“ – was ein Witz ist, denn der Geist geht in die Welt und ist immateriell. Er klebt manches mal auch an Materie – die kann man kaufen oder verschenken.

    würde man diese Begriffe man konstruktiv durchdenken wäre es mit der Debatte besser bestellt.

    1. Aber die NERDS wollen doch eh ALLES umsonst und verdammen JEDEN, der irgendwie auf Vergütung pocht. Da diffizil zu unterscheiden, würde dem geistigen Tiefflieger-Niveau der Internet-Demagogen nicht gerecht, vulgo: ist die Mühe nicht wert. Und was wissen die Sauger-KIDS schon von Recht und Gesetz? Laßt das mal die Leute VOM FACH machen. Wer, wenn nicht die Rechteverwerter, verfügen über das gesunde Maß an Durch- und Überblick, welcher sich aus der täglichen Praxis NOTWENDIG ergibt?

      Sprach der Experte in der Märchenschau …

  18. Als einer der Unterzeichner des Offenen Briefs würde ich gerne ein paar Dinge klarstellen: Ich bin nicht so wahnsinnig glücklich über die Form des Briefs – zu abgehoben, in meinen Augen, und die Netzgemeinde in Bausch und Bogen zu verdammen, kann nicht der richtige Weg sein. Aber ein paar der Antworten hier zeigen doch, dass die Zusammenhänge noch immer nicht richtig wahrgenommen werden.
    1.) Joe: 51 Tatort Autoren? Fuer eine Handlung, die sich in zwei Minuten komplett abhandeln laesst? – Ein Tatort hat im Schnitt mehr als 7 Millionen Zuschauer. Alle Folgen und Wiederholungen genommen also einige Hundert Millionen Nutzer. Mal 90 Minuten. Anders als hier gerne dargestellt („Ich nutze meinen Fernseher schon seit 4 Jahren nicht mehr“) scheint es also eine ganze Menge Leute zu geben, die sich über einen Input freuen, der inhaltlich über ein paar hingerotzte YouTube-clips hinausgeht.
    2.) Elke: Diese Debatte wird sich in wenigen Jahren erübrigen, glaube ich, denn dann wird eine neue Generation Filmemacher ihre Werke über das Internet publizieren. Leider richtig. Fragt sich nur, wie diese Werke aussehen werden. Woher soll die Kohle kommen, mit der diese Werke produziert werden? Kostengünstiger, sagt ihr? Möglich. Verabschiedet euch dann aber schon mal von dem Gedanken, einem Schimanski zuzuschauen. Es wird keinen mehr geben. Ohne Kohle vielleicht noch ein paar engagierte Jungfilmer, von denen einige möglicherweise geniale kleine Filme schaffen. Der Rest wird der übliche YouTube-Schrott sein. Freut euch schon drauf.
    3.) gummilein: Und jetzt halten sie auch noch ihre Angestellten dazu an, Stimmung FÜR Acta zu machen, siehe die Autoren hier oder auch Dieter Nuhr. Tatort-Autoren sind nichts weniger als Angestellte der Öffentlich-Rechtlichen. Sie sind die letzten Knechte, ausgenutzt, getreten, und oft genug in ihrem Gestaltungswillen missachtet. Wie schön wäre das: Angestellt, Rente, Sicherheit – der ganze Käse. Fakt ist: Als Autor kämpfst du ums Überleben. Ein falscher Schritt und du kannst deine berufliche Zukunft in die Tonne treten.
    4.) (und das schließt sich hier nahtlos an)
    Gast: 1 Tatort gibt 25.000€ Honorar. (kann man googeln) Irrtum, er bringt sogar noch mehr, wenn man Wiederholungshonorare und VG Wort dazurechnet. Wenn du als Autor Erfolg hast, kannst du möglicherweise alle 2 Jahre einen schreiben, eine Arbeit, die bis zur endgültigen Abnahme Monate in Anspruch nimmt. Glück heißt – dazwischen noch einen anderen Auftrag zu bekommen. Unglück – du hast nichts. 25.000 € ist eine gewaltige Summe. Auf ein Jahresgehalt umgerechnet und nachdem das Finanzamt seinen Teil gefordert hat, sollte man besser nicht versuchen, eine Familie davon zu ernähren.
    5.) rico: stellt euch mal vor wenn der verband der hufschmiede sich gegen die flächendeckende einführung der eisenbahn zu wehr gesetzt hätte. Falsch. Stellt euch einfach mal vor, dass jeder Mensch, der um den Lohn seiner Arbeit betrogen wird, sich gegen die flächendeckende Einführung des organisierten Diebstahls zur Wehr setzt, wie er von Google, YouTube & Co. Ganz selbstverständlich begangen wird. Ich denke es wäre an der Zeit, sich mal um die eigentlichen Nutznießer dieser „Umsonst“-Mentalität zu kümmern.
    Nur meine bescheidene Meinung.

    1. Was mich noch interessiert: …ihr seid doch alle Autoren? Warum schreibt ihr denn so einen piefigen, larmoyanten, miesepetrigen Stil? … mit diesen spiessigen Unterstellungen, Marke „demagogische Suggestion“, „demagogische Gleichsetzung“??
      Habt ihr die Erwiderung des CCC gelesen? Das sind Hacker, aber die können wenigstens auch schreiben.
      http://ccc.de/updates/2012/drehbuchautoren

      … und dann, warum spannt ihr Euch selbst vor den Karren derContent industrie? Und gerade jetzt! (ACTA, Vorratsdatenspeicherung etc..) Ihr knechtet für die Idioten und dann setzt ihr denen ihre Politik auch noch durch? Sehr brave Untertanen!

    2. Wie schön, dass die Zusammenhänge auf Ihrer Seite so vollendet verstanden werden.
      Auf Youtube gibts Ihnen zufolge nur hingerotzten Schrott zu sehen. Wie wunderbar, dass selbst anmerken, dass die Verallgemeinerung einer „Netzgemeinde“ nicht angebracht ist. Darf ich fragen, ob denn jeder Tatort gleich ein Meisterwerk der Schaffenskunst ist? Den gibts ja immerhin nur bei den ÖR, nicht bei Youtube.

      Dass ein falscher Schritt die berufliche Zukunft in die Tonne zu treten ist: Ich fürchte, da gibt es eine ganze Reihe Berufe, in denen das wesentlich stärker ausgeprägt ist. Ich denke da nur an Dachdecker, die bei einem falschen Schritt gerne mal gleich das Leben verlieren. Aber wunderbar, man kann ja so schön dramatisieren.

      Und wenn man als Autor ach so wenig für seine monatelangen Mühen und Entbehrungen entlohnt bekommt, warum macht man das dann? Anders gefragt: Warum sorgt man sich nicht mal um bessere Arbeitsbedingungen bei denen, die das große Geld mit der eigenen Arbeit machen? Siehe hierzu auch die gelungene Antwort des CCC auf den offenen Brief der Autoren.

      Und zu dem „organisierten Diebstahl“: Wie oft muss man eigentlich noch darauf aufmerksam machen, dass es sich nicht um Diebstahl handeln KANN? Siehe hierzu auch §242 StGB:
      „(1) Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“
      Stichwort ist an der Stelle beweglich. Nur als Hinweis.

    3. Wenn Du nicht so glücklich über die Form bist, warum hast Du dann unterzeichnet? Gruppenzwang? Gab’s Geld? Druck?

      2) Warum schreibst Du „leider”? Was wäre so schlimm daran wenn Filme über das Internet direkt von den Filmemachern, ohne den Umweg über Verwertungsgesellschaften publiziert würden? Insbesondere wenn sich die Filmemacher selbst für diesen Weg entscheiden? Das Geld kommt von Leuten die so ein Projekt im Vorfeld finanzieren wollen und von den Konsumenten. Die Filme werden so gut oder schlecht werden wie Ideen, Fähigkeiten, und Finanzierung es ermöglichen. Also nicht anders als heute. Viel Kohle und eine Verwertungsgesellschaft garantiert keinen qualitativ guten Film. Es gibt eine Menge Schrott auf dem Markt. Auf der anderen Seite gibt es Filme wie Iron Sky die zeigen, dass Ansätze wie Crowd Funding funktionieren können.

      Speziell um den Schimanski mache ich mir keine Sorgen, denn der wird vom Gebührenzahler finanziert. So etwas wie eine Kulturflatrate ist ja durchaus ein Vorschlag aus der Netzgemeinde die angeblich immer alles umsonst haben möchte.

      4) Die 25.000€ auf ein Jahresgehalt umzurechnen halte ich für unseriös. Natürlich kann man von einem Drehbuch für maximal zwei Stunden Sonntagabendunterhaltung nicht ein ganzes Jahr lang eine Familie durchbringen. Sollte man das Deiner Meinung nach etwa können!?

      5) Immaterielle Güter kann man nicht stehlen, nur unerlaubt vervielfältigen. Das *ist* ein Unterschied. Wenn ich jemandem ein physisches Ding wegnehme ist relativ klar was für ein Schaden demjenigen entstanden ist. Bei der Kopie eines Werkes ist das deutlich schwieriger zu beziffern, denn es fehlt dem Besitzer der Vorlage danach nichts was er vorher hatte. Es ist ein potentieller Verlust entstanden. Nutzniesser von YouTube & Co sind auch die Rechteverwerter selbst, denn das ist kostenlose Werbung. Dementsprechend kommt es auch durchaus vor, dass *die* sich beschweren wenn eines „ihrer” Werke von jemand anderem als ihnen selbst gesperrt wird. Und ich möchte das Jammern der Verleger hören wenn Google statt Gebühren wegen Leistungsschutzrechten an sie zu bezahlen, beschliesst stattdessen Suchtreffer auf deutsche Printmedien auszufiltern. Umsonst-Mentalität unter anderen Vorzeichen.

    4. “ Sie sind die letzten Knechte, ausgenutzt, getreten, und oft genug in ihrem Gestaltungswillen missachtet. Wie schön wäre das: Angestellt, Rente, Sicherheit – der ganze Käse.

      Okay okay, rechtlich gesehen sind die Autoren wohl keine Angetellten. Trotzdem kann man wohl sagen, dass die ö-r Sendeanstalten eure Hauptauftraggeber sind. Das kann man nämlich ganz leicht herausfinden, wenn man die Filografie der Unterzeichner begutachtet.

      „Fakt ist: Als Autor kämpfst du ums Überleben. Ein falscher Schritt und du kannst deine berufliche Zukunft in die Tonne treten.“

      Deswegen hab Ihr wohl auch diesen albernen offenen Brief unterschrieben, eure berufliche Zukunft hängt schließlich zu 90% vom Wohlwollen der Ö-R ab.

      1. Wo war da jetzt die logische Schlussfolgerung?

        Ich finde, es erfordert schon einigen Mut, sich so öffentlich zu seiner Meinung zu bekennen – weder Du, Gummilein, noch ich können das für sich in Anspruch nehmen, gelle?

  19. @ Undankbarer Autor: Vielen Dank, das auch mal eine andere Stimme zu hören ist. Auch ich bin manchmal peinlich berührt über die Art, wie z.B. Herr Regener oder die Verfasser dieses Briefes ihren Unmut formulieren, vor allem weil die Diskussionen in Foren wie diesem sich dann meist auf ein vielfach variiertes „Oh Gott, sind die ahnungslos und von gestern“ beschränken. Trotz der durchaus wohlgesetzten Argumentation von Herrn Dobusch bringt aber seine Entgegnung die Diskussion auch kaum voran, denn er tut genau das gleiche, wenn er behauptet: „das Pamphlet … ergeht sich wieder nur in Pauschalverunglimpfungen und Selbstwidersprüchen“. So kann man sich natürlich gegenseitig ständig abwatschen.
    Man kann mir natürlich vorwerfen, dass ich die Debatte nicht schon seit 2008 aufmerksam verfolge, aber man könnte mir als Urheber (Literaturübersetzer) auch einfach mal kurz und knapp erklären, wovon ich bitte schön leben soll, wenn das Werk, an dem ich monate-, vielleicht jahrelang gearbeitet habe, dann unverzüglich umsonst in der Welt verteilt werden kann. Und wenn ich so was frage, werde ich der bösen „Contentlobby“ zugeschlagen, was auch immer das sein soll. All das Gerede von „es gibt kein geistiges Eigentum“ und „der Geist ist immateriell“ läuft doch nur auf zweierlei hinaus: 1.) man will keine anspruchsvollen Kulturgüter, sondern nur das, wofür viele Leute freiwillig viel Geld bezahlen – Blockbuster aller Art; 2.) wer Kunst/Musik/Literatur machen will, soll gefälligst arm bleiben.
    Oder?

    1. Genau das ist der Punkt. Wovon sollen denn die Urheber leben, wenn ihre Werke nicht mehr geschützt sind?

      Als ich hier im Diskussionsstrang (unwidersprochen!) von einem Hobbymusiker las, Applaus sei doch der beste Lohn, da rollten sich mir schon die Fußnägel hoch.

      Wer Musik haben will, muss zahlen. Wer ein I-pad haben will, kriegt es ja auch nicht umsonst. @ die, welche hier meinen, „Tatort“Autoren bekämen eh genug – geht ihr Montag zum Applestore, steckt euch Software unter den Arm und grüßt die Firma Apple, die ja sowieso schon Milliarden eingenommen hat?

      Ich habe mir diese ganze Debatte nun über Wochen nur angeschaut. Ich musste mich erst einmal in die Thematik hinein arbeiten.

      Mein Zwischenfazit:

      Piraten und andere fordern freien Zugang zu allem Möglichen, aber die Finanzierungsfrage spielt keine große Rolle.

      Zweitens: die Abmahnindustrie halte ich für ein großes Übel. Aber man kann nicht den Diebstahl von Eigentum (und nichts anderes ist „Saugen“) wegen der Masse an Taten legalisieren. Dann muss man halt Obergrenzen für die Abmahnung festlegen, eine Art festgesetztes Bußgeld von z.B. 250 Euro.

      Von nicht wenigen wird tatsächlich eine Art „Ich will alles haben, aber für lau“-Mentalität an den Tag gelegt. Das sind vermutlich dieselben, die z.B. hier in Köln nachts auf öffentlichen Plätzen gerne Party machen – dass die Anwohner nicht schlafen können, dass die Müllabfuhr jeden Morgen tonnenweise Abfall entfernen muss… kümmert sie nicht.

      Kulturelle Werke als Allgemeingut zu definieren, ist eine Sache. Wer dabei aber vor allem seine Geiz-ist-geil-Mentalität pflegen will, verhunzt den Grundgedanken des kulturellen Allgemeingutes. Die Piratenbewegung z.B. kommt mir langsam vor wie eine Vereinigung von Nassauern.

      1. Kurze Aufklärung, weil das anscheinend gerne immer übersehen wird: weder Netzpolitik, noch der CCC noch irgendeine andere Organisation fordert, dass Musik/Filme/Literatur gratis zur Verfügung gestellt werden soll.

        Was stattdessen gefordert wird, sind eine fair use-Regelung sowie alternative Modelle wie z. B. durch eine Kulturflatrate. Die die Tatort-Autoren bereits haben. Und da kann man sich durchaus drüber unterhalten, ob da nicht unterm Strich viel mehr für die Autoren übrig bleibt.

  20. Bisher fand ich den CCC immer klasse. Das hat sich jetzt geändert. War es bisher eine über Jahre gepflegte Praxis von Piraten, Linken und manchen Grünen, den Urhebern gute Tipps zu geben, wie die schöne neue Internetwelt funktioniert und dass sich doch alle Künstler jetzt durch einen salto mortale von ihren alten Geschäftsmodellen samt Erst-, Zweit- und Drittverwertung, Leistungsschutzrechten etc. zu trennen und dann mal zu schauen, was passiert. Mehr als Crowd-Funding und zweifelhafte Werbeeffekte kam zwar nie rüber in der Argumentation, aber man konnte sich lange darauf verlassen, dass die Künstler brav stille halten und sich instrumentalieren lassen von Leuten, die ganz offen damit argumentieren, dass etwas, das nichts kostet, weil es technisch kopiert werden kann, seinen Marktwerkt halt irgrndwie anders bestimmten muss. Wie genau, wird dann aber nicht gesagt. Wahlweise kommt an der Stelle dann immer, dass, wer keine Buch schreiben will, halt keins schreiben soll L(Chr. Engström) oder dass Künstler eh umsonst künstlern sollen, weil sie sonst keine richtigen Künstler sind. Jetzt kommen schön langsam ein paar Künstler aus der Reserve (Sven Regner und Tatortdrehbuchautoren) und wiedersprechen den doch so gutgemeinten Ratsschlägen der Webapologeten und siehe da: die sind alle korrupt und gekauft und nicht objektiv. Zu den com CCC vorgebrachten Argumenten: es ist richtig, auch die Urheber von Computerprogrammen und -spielen unterliegen eigentlich dem Urheberrechtsschutz. Es ist auch richtig, dass es hierfür keine Verwertungsgesellschaften gibt und, was wirklich ungerechtfertigt ist, keinen Platz in der Künstlersozialkasse, wo Webdesignger z.B. durchaus willkommen sind. Die KSK ist für freischaffende Künstler überlenbensnotwendig. Jeder, der mal als Selbständiger mit nicht allzu großem Einkommen im nichtkünstlerischen Bereich versuchrt hat, allein seine horrenden Krankenkassenbeiträge zu erwirtschaften, weiß das. Warum setzten als die Spieleentwickler, Programmierer etc. ihr Recht nicht um. Vielleicht, weil sie mit Werksverträgen von der entsprrechenden Industrie besser bezahlt werden als Künstler, die auf einen meistens recht geringen Lizenzvorschuss angewiesen sind. Der kleine Künstler, besonders der Plattenmusiker, trägt ein deutlich größeres finanzielles Risiko, wenn seine Platte floppt, dann war die Arbeit fast umsonst. Insofern gibt es halt hier historisch gewachsene Unterschiede zwischen CCC-Künstlern mit Werksvertrag und Lizenzkünstlern und Leistungsschutzrechten, die übrigens genauso für Programmierer gelten. Es mag sein, dass in zehn Jahren alles anders aussieht. Im Moment gibt es keine tragfähigen Modelle für Künstler, ihr Geld überwiegend im Netz zu verdienen. Der analoge Markt dominiert immer noch den digitalen und so lange das so ist, werden Künstler einen Grund haben, wenn sie die Früchte ihrer Arbeit mit Verwertern in Industrie und Urheberrechstwahrnehmungsgesellschaften teilen. Ich bin übrigens Kleinkünstler mti einem Jahreseinkommen um 4000 Euro im Bereich Text und Musik und nicht Teil einer Industriekampagne.

  21. absolut dreiste zynische Frechheit dieser Gilde. Diese Drehbuchautoren sind wahrscheinlich die best bezahltesten Deutschlands, denen es gestattet ist, ihre Prenzlauer Berg Lofts durch minderwertige Schrottdrehbücher und GEZ Subvention zu unterhalten. Man begegnet diesen traurigen, neurodermitis geplagten Seelen jeden Tag vorm LPG , sie wundern sich selber und sind äußerst selbstzynisch, wieso sie für soviel Schrott so gut bezahlt werden .

    Keiner von denen würde auf dem freien Filmmarkt oder in Hollywood auch nur 3 Wochen überleben ohne anschaffen gehen zu müssen.

    1. Herrlich! Wie kommen Sie denn auf den lustigen Gedanken? Woher soll ein Autor sich so was leisten können?

      Und was unterscheidet den freien Filmmarkt von der Lebenswelt eines deutschen Tatort-Autors?

      Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal…

    2. @SB:

      Ihre Überlegenheit des Denkens könnten Sie gerne mal mit dem belegen, was Sie selbst so erschaffen haben.

      Und, darf ich es sagen: Sie kennen vermutlich nicht einen einzigen Drehbuchschreiber. Sie haben auch keine Ahnung, wie lange ein Mensch mit so einem Drebuch beschäftigt ist. Hat man doch in einer Woche fertig, nicht wahr? Klar doch…

      Wie D.H. kann ich da nur Nuhr zitieren.

  22. Der Brief vermengt die Diskussion um eine Reform des Urheberrechts mit der Diskussion um Vorratsdatenspeicherung und überhaupt viele Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Über die Ausgestaltung von Grundrechten zu reden ist niemals eine Lebenslüge. Was die Briefverfasser fordern, ist ein Denk- und Diskussionsverbot. Und wer zynisch und ironisch formuliert “Für konstruktive Gespräche über den anstehenden historischen Kompromiss zwischen Urhebern und Usern stehen wir jederzeit bereit”, dem kann man eine offene Geprächskultur und Diskursbereitschaft auch nicht wirklich unterstellen. Dabei tut diese Debatte not. Der Schutz der Urheber- und Verwertungsrechte muss dringend synchronisiert werden mit den neuen Möglichkeiten der künstlerischen Bearbeitung von geschützten Werken, der Publikation von Datenbanken und Datenbeständen, den neuen Formen von Informationsgenerierung, der Redefinition der öffentlich-rechtlichen Sender. Viele plädieren heute dafür, die Rechte der Autoren gegenüber Sendern und Verlagen auf dem Gebiet der Wiederverwendung zu stärken und die Rechte der Autoren auf Rücknahme der Vergabe von Nutzungsrechten auszubauen. Solche Themen werden in der “Netzgemeinde” diskutiert, von den Verfassern und Unterzeichnern des offenen Briefes aber gar nicht zur Kenntnis genommen. Sie verurteilen, ohne zu ermitteln. Das können ihre Kommissare besser. (http://www.czyslansky.net/?p=6042)

    1. Ich geben Ihnen zu 99% Recht. Aber Sie müssen auch zugestehen, dass selbst die Antwort des CCC in die gleiche polemische Kerbe schlägt, wie der Drehbuchautorenbrief. Ich vermute, dass es wirklich keinen Kompromiss gibt. Wenn ich mal kurz von analogen Zeiten – also vor dem Krieg – erzählen darf. Als begeisterter Plattensammler war einem immer klar, dass diese unansehnlichen und komplett überteuerten Livemitschnitte oder Studioouttakes in mieser Tonqualität – bootlegs halt – illegal waren. Man konnte sie kaufen, aber nur mit schlechtem Gewissen wieder verkaufen, denn hier hätte der Staat auch konfiszieren können. Allerdings ist einem als Schallplattenuser von Bootlegs nichts passiert. Insofern sehe ich die Probleme mit dem heutigen Abmahnunwesen auch. Warum kann man aber nicht den Upload unter Strafe stellen? Denn hier wird die Grenze zwischen erlaubter Privatkopie und unerlaubter Verbreitung am deutlichsten, unabhängig von der Frage, ob hier kommerzielle Interessen im Vordergrund stehen, was urheberrechtlich keine Rolle spielt. Mir leuchtet einfach nicht ein, wieso neue Kopiertechniken gleich eine Änderung der kompletten Urheberrechtsfrage nach sich ziehen muss, und Sie werden zugeben, dass es vielen Nutzern, Piraten, Linken und Grünen genau darum geht (deutliche Schutzfristverkürzung, Beschränkung des Urheberrechts bei nicht-kommerzieller Verbreitung etc.). Ich bin mit dem derzeitigen Zustand zufrieden. ACTA braucht es für Deutschland nicht, in anderen Bereichen wie Biopatente oder Generika ist es gefährlich. Ich denke, auch die Drehbuchautoren wären einem konstruktiven Dialog nicht abgeneigt, nur sind viele Forderungen der Gegenseite eben auch sehr polarisierend und aggressiv gestrickt, so dass man entsprechend zurückschreiben kann.

      1. Die neuen Kopiertechniken verändern die Situation auf eine ziemlich tiefgreifende Art. Vergleich doch mal den Aufwand und die nötigen finanziellen Mittel für die Aufnahme eines Livemitschnitts und Herstellung einer Bootleg-Schallplatte mit dem Mitschneiden und kopieren heute. Das kann heute *jeder* machen. Bei der Aufnahme muss man noch in etwas bessere Hardware investieren, aber das kopieren kann jeder mit ein paar Mausklicks durchführen. Um gegen die illegalen Schallplatten vorzugehen musste man wenige Leute verfolgen, die das in mit einer Gewinnabsicht machen *mussten* um zumindest kostendeckend zu arbeiten. Um die heutigen unerwünschten Vervielfältiger wirksam zu verfolgen, muss man jeden mit einem Internetanschluss komplettüberwachen. Das ist vollkommen unverhältnismässig.

      2. @BlackJack: Das ist genau mein Problem mit den meisten dieser Diskussionsstränge – sie bleiben bei den technischen Realitäten stehen. Wieso? Wieso, Herrgott, soll man eine Ungerechtigkeit tolerieren, bloß weil sie heute leichter und technisch einfacher zu begehen ist als früher?
        Ich zitiere mal einen typischen User aus dem Thread der allerersten Entgegnung auf den Regener-Rant (bei „11k2“):
        »Geld macht man mit einer Dienstleistung. IMMER. Keine Ausnahme. In dem Moment wo du die Information erschaffen hast, und sie an Fremde rausgibst, hast du jegliche Möglichkeit, Bedingungen zu stellen, verloren. Im Nachhinein sind Fantasieregeln bedeutungslos. Hättste halt nicht so ignorant der Realität gegenüber sein dürfen. Heul doch!«
        So argumentieren leider sehr, sehr viele User. Und das ist für mich kein Argument, sondern bloß Diebesdreistigkeit. Wie bitte honoriert man denn die „Dienstleistung“, dass jemand einen Roman geschrieben hat, den 750.000 Menschen sich im Netz runterladen? Wie? Hm? Sagt mir doch bitte mal, wie das funktionieren kann!

      3. @Literaturübersetzer: Aber dieses „Argument” ist doch gar nicht von der Hand zu weisen, weil es eben die technische Realität ist. Die Frage ist, was kann man dagegen tun, und da steht die Totalüberwachung der privaten Daten und Kommunikation als einziges wirksames Mittel zur Verfügung. *Das* ist für mich zumindest inakzeptabel.

        Wenn die 750.000 Menschen sich das DRM-freie EBook für 10¢ direkt beim Autor heruntergeladen haben, hätte er 75.000€ verdient. Dazu könnte noch eine Anschubfinanzierung von einem Dienst wie Kickstarter kommen, wo die Geldgeber vor erscheinen schon Geld in ein Exemplar investieren können.

      4. @BlackJack: Hmmm … bei facebook werfen alle ihre sämtlichen Daten ohne ein Wimpernzucken den skrupellosesten Gangstern in die Hände; aber wenn jemand kontrollieren will, wer im Netz Hehlerei betreibt, dann ist das „Totalüberwachung“ … ah, ich höre schon den üblichen Widerspruch: „Wieso Hehlerei, da wird doch niemandem was gestohlen, kopieren ist was anderes, das Original bleibt erhalten …“ Ist eigentlich noch niemandem aufgefallen, was für eine blind positivistische Korinthenkackerei das ist? Wie kann man bloß so etwas auf Lieder, Gedichte, Klavierkonzerte, Romane, Filme anwenden??? Das ist doch willentliche Ignoranz, oder?
        Aber zurück zum gut gemeinten Vorschlag: 10 Cent also fürs Runterladen. Für einen ROMAN??? Vielleicht war das gar nicht böse gemeint und bloß ein Beispiel, aber ich glaube, das illustriert ganz gut, wieso sich Leute wie Regener & Co. zu solchen Tiraden hinreißen lassen: es ist die schiere Angst vor dieser immer weiter Boden gewinnenden Geisteshaltung – wenn etwas leicht zu klauen ist, dann darf es auch nichts kosten. Freier Zugriff auf alles, was es auf der Welt gibt, ist mein Menschenrecht.
        Zur Illustration: 750.000 Mal verkaufen sich vielleicht 0,1% der Bücher hierzulande. Der weitaus größte Teil liegt zwischen 5.000 und 25.000. Das wären dann so 500-2.500€ für ein bis zwei Jahre Arbeit. Super.
        Wir Literaturübersetzer haben jahrelang mit all unseren schwachen Mitteln gegen die übermächtigen Verwerter und ihre Lobby gekämpft, damit wir eine Verkaufsbeteiligung bekommen und nicht nur Buyout. Und kaum haben wir das geschafft (vor wenigen Jahren), kommen knausrige User/Leser und sagen: „Och, wir würden aber die Literatur der Welt lieber für umsonst lesen.“ Sollen wir da lachend „Aber klar“ sagen? Dadurch wird man doch erst auf die Seite/ins Boot der Verwerter getrieben. Ich habe KEINE andere Möglichkeit, meine kulturelle „Dienstleistung“ auf den Markt zu bringen, als über Verlage. Und die VG Wort sorgt wenigstens dafür, dass die verdammten Radiosender, wenn sie seitenweise aus meinen Texten vorlesen, immerhin ein bisschen Geld dafür rausrücken. Warum ist das in euren Augen so schlimm?

      5. @Literaturübersetzer: Wenn jemand alle meine Daten auf der Festplatte und sämtliche elektronische Kommunikation aus- und mitlesen will, dann ist das für mich Totalüberwachung — ohne Anführungszeichen. Der Rechner ist mein Arbeits- und Kommunikationsmittel und das ist so ein Gerät heutzutage nicht nur bei Nerds sondern auch bei ganz gewöhnlichen Leuten. Nur durch eine Totalüberwachung kann man sicherstellen, dass keine unerwünschten Kopien ausgetauscht werden, beziehungsweise diese wirksam verfolgbar sind. Und dieser Jemand ist noch nicht einmal der Staat, sondern Privatunternehmen mit Gewinnabsichten wollen diese Rechte gerne haben. Geht’s noch!?

        Dann bin ich eben ein ignoranter Korinthenkacker, wenn ich die unerwünschte Kopie nicht auf die gleiche Stufe stellen mag wie das Entwenden eines Gegenstandes. Das ist nun einmal nicht das Selbe. Es ist halt nicht so simpel den potentiell entgangenen Gewinn bei einer Kopie mit dem Verlust eines Gegenstandes zu vergleichen.

        Du hast nicht gesagt was für ein Roman das sein sollte. 10¢ für einen zügig runter geschriebenen Groschenroman dachte ich ist doch okay. ;-) Wer zwei Jahre in einen Roman steckt, muss natürlich den Preis so ansetzen, dass es sich rechnet. Wenn er nicht unter dem eines Papierbuches mit Verlag bleibt, muss man mit Fragen rechnen warum ein EBook im Selbstvertrieb teurer ist als eines mit Produktions- und Materialkosten, bei dem auch noch ein Verlag mitverdienen möchte.

        Wer sagt denn das wenn etwas leicht zu klauen ist, es nichts kosten darf!? Es ist eher so, dass wenn etwas sehr leicht zu vervielfältigen ist, das auch gemacht wird. Das ist einfach eine Tatsache. Das muss man nicht gut finden wenn der Urheber das nicht wünscht, aber man darf sich auch nicht einreden, dass man etwas dagegen machen kann, was nicht extrem unverhältnismässig in die Privatsphäre der Bürger eingreift. Ich will ja gar nicht alles umsonst haben, ich will nur gerne meine Privatsphäre behalten, bei privaten und geschäftlichen Dingen, die solange ich nichts Verbotenes tue, niemanden etwas angehen. Insbesondere keine privaten Unternehmen die meinen nicht genug zu verdienen.

        Ich sehe nicht wieso meine Privatsphäre geopfert werden soll, weil Literaturübersetzer sich nicht gegen die Verwerter durchsetzen können. Würde Dir das auch nur irgend etwas bringen, wenn all meine Daten nach unerwünschten Kopien durchschnüffelt würden!? Wobei Du für die Beantwortung der Frage durchaus davon ausgehen darfst, dass sich keine übersetzten Texte darin befinden, die nicht legal dort sind.

      6. Na gut, jetzt will ich mal nicht weiter polemisieren – schon weil es ja sonst so wirkt, als sei ich ein überwachungsgeiler CDU-Innenminister, und das bin ich auf gar keinen Fall.
        Ich wundere mich bloß manchmal, weil mir oft scheint, als würden die am lautesten gegen Überwachung durch Staat oder „Privatunternehmen mit Gewinnabsichten“ wettern, die dann trotzdem all ihre Geschäfte übers Netz tätigen und einen facebook-Account haben; das kann ich einfach nicht ernst nehmen. Ich besitze keine einzige Kunden- oder Kreditkarte (außer der meiner Leihbibliothek und der bahncard), geschweige denn irgendwelche Social-Network-Accounts, weil ich eben Wert darauf lege, meine Daten für mich zu behalten.
        Und ich will ja auch gar nicht, dass alle überwacht werden, sondern vielmehr, dass alle mal einsehen, dass sich nicht bloß Kunst, sondern auch anständige Information, Unterhaltung, Bildung, Anregung auf Dauer nicht geschenkt / geklaut haben lässt. Als Rechtfertigung höre ich immer nur: „Das ist eben eine Tatsache.“ „Dagegen kann man eben nichts machen.“ Doch, man kann: man kann bei sich selbst und in seiner Umgebung dafür argumentieren, dass man im eigenen Interesse den Kulturschaffenden nicht den mageren Lebensunterhalt wegnehmen sollte. So wie man schließlich auch darauf verzichten kann, durch brutalste Kinderquälerei hergestellte Klamotten zu kaufen, wenn man nur will.
        Finde ich jedenfalls.

      7. @Literaturübersetzer
        Soso, dann sind also die Kritiker des Überwachungsstaats dieselben Leute, die dann auf Facebook ihr Privatleben zur Schau stellen? Und das wissen Sie woher genau? Ich kann da ja nur von mir und meinem Bekanntenkreis ausgehen, aber uns liegt wirklich viel an unsrer Privatsphäre – und deshalb nutzen wir entweder gar kein oder aber nur sehr selten Facebook und Co.
        Und selbst wenn Sie mit Ihrer pauschalisierenden Behauptung Recht hätten, dann bestünde doch noch ein gravierender Unterschied – nämlich MEIN persönlicher Einfluss darauf, welche Daten ich über mich preisgebe und welche nicht. Die Einführung einer Deep Packet Inspection, offensichtlich die einzige Technologie, um sämtliche Urheberrechtsverstöße zu verhindern, macht aber jeden Einzelnen zum absolut gläsernen Nutzer. Die Überwachung betrifft dann nicht nur die Downloads von irgendwelchen Dateien sondern einfach alles, was ich im Netz so lese und schreibe.

        Jetzt können Sie mich paranoid oder auch realitätsfern nennen, aber eine solche Überwachungs-Infrastruktur birgt enorme Gefahren für unsere Demokratie. Nicht umsonst haben unsere Verfassungsväter das Brief- Post-und Fernmeldegeheimnis in unseren Grundrechten verankert. Und dass unsere Politiker jetzt dermaßen auf das zügige Abwinken von Acta pochen verstärkt meine Befürchtungen noch immens (diese Rigorosität kann ja wohl kaum an den Bestechungsgeldern der Contentindustrie liegen, so finanzstark ist diese auch wieder nicht). Hierzu ein schönes Zitat von Karl R. Popper:

        „„Wie können wir unsere politischen Einrichtungen so aufbauen, dass auch unfähige und unredliche Machthaber keinen großen Schaden anrichten können?“
        Übrigens: China nutzt ebenfalls die DPI-Technologie, um Zensur- und Regulierungsmaßnahmen im Internet vorzunehmen.

        Es ist nachvollziehbar, dass Ihr als Urheber von eurer Arbeit leben können wollt. Aber bedarf es hierzu wirklich der totalen Überwachung? Sind euch eure monetären Anliegen wichtiger als die Wahrung unserer Grundrechte? Es wäre schön, wenn Künstler und Urheber aller Art MIT UNS für den Erhalt der Grundrechte einstehen würden. Das wäre mal ein Zeichen, dann könnten wir auch sicherlich konstruktivere Gespräche bezüglich des Urheberrechts führen.

      8. @ Sandra: Verflixt, ich wollte eigentlich jetzt aufhören, hier zu schreiben – kostet mich viel zu viel Zeit … aber: Ich hatte doch schon an BlackJack geschrieben, dass ich um Himmels willen nicht für Überwachung bin. Auf keinen Fall würde ich so was unterstützen wie DPI. Niemals.
        Und dann habe ich gesagt, dass es „mir oft scheint, als würden die am lautesten gegen Überwachung durch Staat oder “Privatunternehmen mit Gewinnabsichten” wettern, die dann trotzdem all ihre Geschäfte übers Netz tätigen und einen facebook-Account haben“. Nicht, dass ich irgendwas weiß oder empirisch belegen kann. (Und dass man bei facebook oder anderen Quasi-Verbrechern „persönlichen Einfluss hat, welche Daten man preisgibt“, das bezweifle ich doch stark. Erst recht nicht, wenn die das behaupten.)
        Also: ich finde das gar nicht paranoid, was Sie da warnend ausmalen. Und selbstverständlich will so was niemand.
        Aber dieser abfällige Ton, mit dem unsere „monetären Anliegen“ gegen Grundrechte ausgespielt werden sollen, den finde ich eben wieder ziemlich unverschämt. Ach so, uns geht’s ja bloß um Geld …
        Es geht um meinen mageren Lebensunterhalt einerseits gegen die respekt- und skrupellose Abgreifmentalität anscheinend vieler (Tauschbörsen-)User. Wessen „monetäres Anliegen“ ist denn da das ehrenhaftere?

      9. Ich wollte Sie mit dieser Formulierung nicht beleidigen. Vielmehr möchte ich von den Künstlern persönlich erfahren, wann bei ihnen der Punkt erreicht ist, um (öffentlich) zu sagen „OK, das geht jetzt wirklich zuweit, auch wenn diese Maßnahmen unsere Rechte stärken würden.“

  23. @ Mike: Ich war nicht böse über die Antwort des CCC. Auch wenn der Ton ein wenig süffisant ist, immerhin kommen aus der Ecke keine schlechten Argumente. Denn es geht ja um die Rechte Aller, die etwas schaffen. Und darum, unter welchen Umständen das überhaupt noch möglich ist.

    Der Einfachheit halber kopiere ich hier mal die Antwort, die ich heute morgen dazu geschrieben habe:

    Hallo CCC (via Datenschleuder) –

    danke für Eure Antwort auf den Offenen Brief, dessen Mitunterzeichner ich bin. Vorab eines: Über die Antwort war ich glücklicher als über den Brief selber, der imho den falschen Ton erwischt. Böser Fehler, die Netzgemeinde in einen großen Topf zu werfen, ohne nachzusehen, was da alles drinnen schwimmt.

    Reden wir über Realitäten. Autor sein ist keine Nebenbeschäftigung. Geschichten zu finden und zu erzählen braucht Zeit und einen freien Kopf. Der lässt sich deutlich leichter herstellen, wenn man nicht Sorge haben muss, dass einem gleich der Strom abgestellt wird. Die Frage ist, ob diese Art der Geschichten noch erwünscht ist. Ich rede ausdrücklich nicht über Tatort-Autoren, sondern über unsere Kultur. Alles was uns aus der Vergangenheit geblieben ist, was wir erinnern, was uns vielleicht davon abhält, uns gegenseitig mit großen Keulen die Köpfe einzuschlagen, sind die Werke, die irgendwann einmal von jemandem erschaffen wurden, der sich einen geistigen Freiraum erschaffen hat. Was passiert, wenn es keine Geschichten mehr gibt, keine Songs, keine Filme, weil diejenigen, die sie erschaffen, sich einen anderen Lebenserwerb suchen müssen? Klar sind wir im digitalen Zeitalter angekommen, keine Frage. Nur – ist es sinnvoll, die Freiheit der Netz-Kommunikation gleich zu setzen mit einem: „Es bedarf keiner Schöpfer mehr, die Community liefert die Inhalte kostenfrei?“ Ich frage mich, was von dem ganzen täglichen elektronischen Grundrauschen für meine Urenkel erhalten bleiben wird. Vermutlich wenig. Nicht dass Ihr jetzt denkt, ich würde „Tatorte“ zum Kulturgut der Menschheit rechnen. Aber eine langsame Aufweichung und Zerstörung der Lebensgrundlagen betrifft ja nicht nur die Tatort-Autoren, sondern alle, die ihre Lebenszeit investieren, um etwas Bleibendes, Weitergebbares, ein paar helle Gedanken in einen stupiden Alltag Zauberndes zu erschaffen.

    Ich persönlich glaube nicht, dass die Netzgemeinde samt und sonders daran interessiert ist, eine „apokalyptische Zeit der Kulturlosigkeit“ einzuläuten. Im Gegenteil. Ich brauche die Freiheit des Netzes und ihre mühelose und atemberaubend fortschrittliche Möglichkeit, die Welt endlich neu zu begreifen. Ich bin überzeugt davon, dass sich neben dem ganzen Gelabere heute die hellsten und klarsten Gedanken im Netz finden. Aber wird das bleiben, was an Ideen, Anregungen, Veränderungen täglich verschossen wird? Ihr habt möglicherweise recht mit Eurer Sicht, dass die meisten Autoren anderen Tribut schulden, auf deren Schultern sie stehen. Nicht unbedingt nur E. A. Poe, wie Sir Conan Doyle meint. Aber jedes Buch, jedes Musikstück, jeder Film und vermutlich auch jede Software baut auf den Gedanken anderer auf. Nur muss sich jemand hinsetzen, seinen Verstand benutzen, sein Wissen, sein Erfahrenes und Erlesenes, um aus dieser kulturellen Ursuppe Neues erschaffen zu können.

    Wenn unsere Gesellschaft insgesamt davon profitiert, dass sie auf so Erschaffenes zurück greifen kann, dann frage ich mich schon, wer eigentlich ein Interesse daran haben kann, diesen Sammlern und Schöpfern unserer Kultur die Lebensberechtigung abzusprechen. Wer meinen kann, dass man sie einfach einsparen sollte und durch das kollektive Austauschen der Community ersetzen. Denn: Auch wenn diese Community überragende Arbeit darin leistet, alle Gedanken der Welt zu sammeln, Enzyklopädien des menschlichen Wissens zu erschaffen – irgendwann kommt der Punkt, an dem alles Wissen eingesammelt, alles Vorhandene vernetzt ist. Und dann? Gibt es dann noch große, neue Ideen? Gibt es Romane, die die gemeinsame Fantasie in neue Welten führen, Filme, die jeder Mensch sehen möchte, Musik, die viele tauschen und die sie zusammen glücklich macht? Gibt es dann den einen, großen, singulären Input, den auch die Community braucht, um ihre eigenen Ideen entwickeln zu können?

    Was hat das mit ACTA zu tun? ACTA ist einfach ein rundum unglücklicher Weg, sich quasi per Erlass in die immanente Unterschiedlichkeit der Interessen zwischen Schaffen und Teilen einzumischen. Wie immer, wenn Staat und Gesellschaft versuchen, etwas festzuschreiben, kommt dabei eine Verkürzung heraus, die eher schadet als nützt. Viel wichtiger wären grundsätzliche Überlegungen: Wer verdient an der Freiheit des Netzes? Wer schafft sich Milliardenvermögen dadurch, dass er anderer Menschen Geist und Arbeit für seine Zwecke einsetzt? Und, vor allem: Wieso bedienen wir alle, mich eingeschlossen, uns jeden Tag so klammheimlich und bedenkenlos all dessen, was Andere erschaffen haben? Ich fürchte die Anonymisierung und Vergemeinschaftung geistiger Werke könnte eines Tages zum großen Problem unserer Kultur werden. Wenn eine Gesellschaft keinen Respekt mehr zeigt vor dem, was einzelne ihrer Mitglieder leisten, dann verliert sie womöglich auch insgesamt den Respekt vor den Individuen, aus denen sie sich zusammensetzt.

    Man kann lange über Schutzfristen und deren Notwendigkeit diskutieren. Es gibt Beispiele, in denen Enkelgenerationen gedankenlos von Vermögen zehren, die ein Vorfahre mit einem geistigen Werk erarbeitet hat. Es gibt die Gegenbewegung der völligen Ausbeutung durch gnadenlose Stückverträge, an denen nur noch clevere Vermarkter profitieren. All das geht am Kern der Diskussion vorbei. Der da wäre: Warum geben wir ohne Murren unsere Kohle an Immobilienbesitzer, Mineralölkonzerne, Lebensmittelgiganten, stehlen uns aber einfach zusammen, was wir an geistiger Grundausstattung benötigen? Leisten wir uns Kultur, auch wenn sie schutzloser ist als eine panzerglasgesicherte Bank und deutlich nahrhafter als das tägliche Fast Food unserer (!) Community?

    Soweit meine Antwort an den CCC.

    Noch ein kleiner Nachsatz zu SB: Können wir einen Termin vereinbaren, wegen der Schlüsselübergabe zu meinem Loft am Prenzlberg? Darauf freue ich mich schon seit Jahren vergeblich (oder nein – doch nicht). Und noch was: Tatort-Autoren sollten auch in der Lage sein, am freien Markt zu überleben. Bleibt ihnen gar nichts anderes übrig.

    1. Fragen an den Tatort-Autor:

      Wenn ich aus Deinem Drehbuch ein Hörspiel machen will, sagen wir mal in einem Schulprojekt, an wen müsste ich mich wenden? Und nach Deinem Tod, an wen dann? Wieviel Arbeitszeit müsste ich investieren, um die Genehmigung für das Stück zu bekommen? Und wenn ein Schüler es dann mitschneidet und ins Netz stellt, würde es dann viel Ärger geben oder wäre das kein Problem?

      Nach wievielen Jahrzehnten oder Jahrhunderten sollte ich Deiner Meinung nach einfach loslegen dürfen?

      1. Mehr lernen würdest Du allerdings, wenn Du selbst was schriebest… Oder Du nimmst einfach was von Karl May, der ist so oder so schon lang genug tot…

    2. Die Frage was passiert wenn es keine Geschichten, Songs, oder Filme mehr gibt ist rein theoretisch, denn die werden trotzdem weiterhin be- und entstehen. Zuerst mal macht das nicht jeder zur Grundlage seines Lebenserwerbs, und dann wird es sicher auch noch Leute geben die genug Geld damit verdienen um ihr Leben zu bestreiten. Die „Community liefert die Inhalte” bedeutet doch, dass es in der Community Schöpfer gibt. Und kostenfrei muss es auch nicht sein. Es muss nur ein anderes Vergütungsmodell her, weil das Aktuelle nicht mehr gut funktioniert, weder für Schöpfer noch für Konsumenten. Als jemand der unter anderem Software schreibt, bin ich es zum Beispiel gewohnt für den Vorgang des schreibens einmal ordentlich entlohnt zu werden und muss deshalb nicht darauf hoffen, dass in Zukunft immer wieder kleine Beträge von einem Verwerter tröpfeln, der daran auch mitverdienen will.

      Das reduzieren der Community auf Sammler ist Unsinn. Natürlich entstehen dort auch neue Sachen. Fanfiction geht zum Beispiel über blosses Sammeln hinaus und selbstverständlich entstehen in Diskussionen im Netz auch neue Ideen. Gute Blogs kauen nicht nur Bestehendes wieder, sondern bringen neue Ideen in die Welt. Auf der anderen Seite gibt es auch jetzt kommerziell schon ein immer grösser werdendes Angebot, so dass die Menge der Bücher, Filme, Musik, die jeder gelesen, gesehen, und gehört haben muss, immer kleiner wird. Der Effekt wird doch vom aktuellen System auch herbeigeführt. Früher war der Tatort eine Institution, die sich Familien zusammen angeschaut haben. Heute hat man mehr Sender zur Auswahl. Und dank privater Sender und Spartenkanälen, die nur gegen Geld zu sehen sind, kann noch nicht einmal jeder alles sehen, um sich dann am nächsten Tag in der Schule oder auf der Arbeit darüber auszutauschen. Wenn Du also diese Werke haben möchtest, über die alle eine gemeinsame kulturelle Identität aufbauen können, dann müssen die auch allen zugänglich sein. Und nicht nur theoretisch im Sinne von „kann jeder kaufen” sondern es muss sich auch die Mehrheit leisten können und wollen.

      Gegenfrage: Wie kopiert man Wohnraum, fossilen Kraftstoff, oder Lebensmittel? Da ist schon wieder das unpassende Wort „stehlen”, bei etwas was sich durch weitergeben vervielfältigt und nicht verbraucht.

      1. „Gegenfrage: Wie kopiert man Wohnraum, fossilen Kraftstoff, oder Lebensmittel? Da ist schon wieder das unpassende Wort „stehlen”, bei etwas was sich durch weitergeben vervielfältigt und nicht verbraucht.“
        Interessanter Beitrag, jedoch basierend auf falscher Annahme. Was ist Wohnraum. Man löse sich doch bitte von der materiellen-positiven Vorstellung, Wohnraum sei etwas manifestes (welches zu kopieren nicht möglich ist, außer es sei ein Plagiat). Wohnraum, um bei diesem Beispiel zu bleiben, ist die Idee, die Vorstellung eines umfriedeten Raums in der Hoffnung, dass andere diese Vorstellung anerkennen. Das Dinglich-stoffliche ist letztlich nur die Signatur unseres geistigen Anspruches auf einen Raum, den wir mit Intimität besetzen. Wir haben kein Eigentum, sondern nur die Vorstellung einer Signatur.

    3. Genau – was wären wir ohne Kultur? Was wären wir wohl, wenn damals die gleichen Regeln bzgl. Kopien und Vervreitung bereits bestanden hätten? Kunst lebt von Bekanntheit, und genau deshalb brauchen wir ein freieres Urheberrecht.

      Das Bedienen der Beiträge anderer ist essentieller Bestandteil des Erschaffens von Kultur, wie der CCC schon gesagt hat. Sie stehen selbst auf den Schultern von Riesen. Mozart wäre nach heutiger Definition Raubkopierer. Eine Kulturflatrate würde dieses Problem wesentlich angemessener lösen als alle Extragebühren, Lizzenzen und Verbotsansätze, die derzeit diskutiert werden, oder nicht?

      Sie argumentieren eigentlich eher auf Seiten der digitalen Gesellschaft.

  24. Mal ne spontane Umfrage:

    Wie lange schreibt man Eurer Meinung nach wohl an einem Drehbuch?

    Und wie viel Prozent von dem, was am Ende drin steht, stammt wohl vom Autor selbst und nicht von Produzenten, Redakteuren, Regisseuren und Schauspielern, die sich einmischen?

    Und zu guter Letzt: Warum hat der Tatort so dauerhaft gute Quoten? Mit welchen Mitteln wird das ach so intellektuelle Publikum wohl dazu gezwungen, immer wieder aufs Neue einzuschalten?

    1. @gerümpelsynchron: Für so ein Projekt solltest du meiner Meinung nach nicht einmal eine besondere Genehmigung benötigen, auch nicht, wenn das öffentlich aufgeführt wird. Es sei denn, irgendwer würde sich daran eine goldene Nase verdienen, was kaum anzunehmen ist. Realiter sieht es wohl anders aus: Alle Rechte liegen beim jeweiligen Sender, und mit dem müsste man verhandeln. Ich denke das ist in einer Lebensspanne zu bewerkstelligen.

      1. @Undankbarer Autor

        Na ja, ich habe so etwas ähnliches schon mal probieren wollen, als ich bei einem medienpädagogischen Projekt (Kinderradio RADIJOJO) beschäftigt war. Da hieß es: Tucholsky geht, der ist jetzt 70 Jahre tot, aber ansonsten lass die Finger von, wir wollen doch keinen Ärger riskieren!
        Gemafreie Musik, etwa von spannenden afrikanischen Bands, ging überhaupt nicht, ohne internationaler Registrierungsnummer war da gar nichts drin. „Kann nicht auf Sendung gehen“.
        Ich bin selbst Autor und habe schon manche Urlaube nur wegen der VG-Wort finanzieren können. Aber der Gedanke, dass meine Texte in Zukunft verrotten werden, weil es eínfach zu umständlich ist, die Rechte zu klären, macht mich krank.
        Der erste amerikanische Copyright Act von 1790, wie oben schon mal erwähnt, scheint mir die bessere Lösung zu sein. 14 Jahr plus weitere 14 (bei offizieller Anmeldung) reicht.
        Auch für die VG-Wort und meiner Urlaube.

    1. @ Theo Retisz: Die Diskussion, die seit der Veröffentlichung des Offenen Briefes in allen möglichen Medien in Gang gekommen ist, war den Schmerz wert. Das Label „Tatort-Autoren“ tut seine Wirkung, und hätte es nicht getan, wenn nur einer oder zwei von Ihnen an die Öffentlichkeit gegangen wäre. Ein Akt der Solidarität also, aber auch eine Berechnung. Auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin – es sind Argumente vorgetragen worden, über die man sprechen kann. Auch hier sehe ich: Die Beiträge werden länger und fundierter. Wenn wir zu einer gerechten Lösung der aufgeworfenen Fragen kommen wollen, kann uns nur eine ehrliche Diskussion helfen, bei der die Sachverhalte ohne Larmoyanz oder Sozialneid vorgebracht werden. Auch wenn das dem „Offenen Brief“ vielleicht nicht wirklich gut gelungen ist – das Gespräch, das er ausgelöst hat, kann genau das vielleicht erreichen. Hoffe ich, zumindest.

  25. @undankbarer Autor: Ich verstehe es nicht. Haben Sie als Drehbuch-Autor die Rechte nicht an den Sender abgegeben, der Sie dafür bezahlt hat? Bitte klären Sie mich auf, wer die Rechte an den Tatort_Produktionen hält. Ich muss Gebühren zahlen für die Dinge die ich nicht will. Ich hab meinen letzten Tatort vor über 20 Jahren gesehen. Die GEZ in Deutschland ist das teuerste öffentlich-rechtliche Fernsehen der Welt und trotzdem kann man bei denen kein CL-Fussball sehen. Ich bin ein Wirtschaftssubjekt und darf meine Güter überall aussuchen und genau diese bezahlen. Nur beim TV in Deutschland darf ich das nicht. Ich brauch kein Wetten Dass… und kein Mutantenstadel, ich brauch keine Soaps und vielen andere Sachen auch nicht. Aber bezahlen darf ich schon. Ich zahle freiwillig 5€ Grundgebühr im Monat für eine Grundversorgung durch Öffentlich-Rechtliche mit Nachrichten, Bildung und von mir aus Wetter. Jetzt kann ich die Differenz in z.B. in Fussball investieren, wenn ich das will. Solange ich diese letzte Kommunistensteuer für die Gebühren-Parasiten bezahlen muss, habe ich wenig Bedenken, Inhalte auch mal sportlich zu organisieren.

    1. Wie kommen Sie zu Ihrer Annahme, dass die Rundfunkgebühr in Deutschland weltweit am höchsten ist? Welche Metrik haben Sie dabei verwendet und haben Sie wirklich alle Länder betrachtet? In Wien sind übrigens 23,06 € pro Monat fällig …

  26. Ich find’s unendlich schade, wie sich hier so viele Tatort-Hasser auf die Tatort-Autoren stürzen, was von der eigentlichen Thematik mal vollkommen weg führt. Ich hatte lange Zeit den Traum, einmal einen Tator zu schreiben – bis ich mitbekommen habe, dass erstens die Autoren herzlich wenig Einfluss auf die Geschichten haben, die sie da schreiben, zweitens die Bezahlung umgerechnet auf den Stundenlohn eine lausige ist. Ich fahre als fest angestellter Werbetexter mit einem Bruttogehalt von 2.700 Euro vermutlich besser als die meisten von denen.

    Und diese ewige Diskussion, dass es im deutschen Fernsehen zu viel Schrott gäbe – da wird immer genau auf den Programmen rumgehackt, die die besten Quoten haben. Was soll das? Das deutsche Publikum bekommt, was es haben will – privat genau so wie öffentlich-rechtlich. Und wenn es den Musikantenstadel will und ‚Um Himmels Willen‘ seit Jahren ein Quotenhit ist, dann kann kein Autor da was für. Dank unserer GEZ-Gebühren haben wir aber beispielsweise eine halbwegs unabhängige Nachrichtenerstattung – wer möchte da schon mit Berlusconitalien ernsthaft tauschen?

    Fakt ist dass die meisten Autoren in Deutschland es sich nicht leisten können, Drehbücher ohne Auftrag zu schreiben und sobald jemand einen Auftrag erteilt hat, wird von allen Seiten dran rumgedreht – mit Blick auf die Quote und oft auch auf das eigene Ego.

    Für alle, die sich tatsächlich für die Autorenseite interessieren hier mal ein kleiner Einblick – und bitte bedenken, dass da einer spricht, der’s „geschafft“ hat: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/ein-insiderbericht-wie-das-fernsehen-autoren-vernichtet-1712091.html

  27. Das Netz sollte schleunigst dahin gebracht werden, dass die Rechte und das Eigentum von Menschen gewahrt bleibt.

    Wenn ein paar PC-Schrauber und ‚ich-habe-noch-nie-eine-Frau-geküsst-NERDS‘ so was als Spaßbremse empfinden, wen juckt’s?

  28. Ich finde es reichlich seltsam, ein Angebot „Für konstruktive Gespräche“ mit einem dicken Fehdehandschuh zu eröffnen.

    Das passt nicht zueinander.

  29. Die Tatort-AutorInnen schaden der Marke „Tatort“.

    Beweist doch die wahl- und sinnlose Aneinanderreihung von Kampfbegriffen, dass die AutorInnen nicht in der deutschen Wirklichkeit verankert sind, sondern in ihren privaten Fantasiewelten gefangen sind. Zeitunglesen und anderer kritischer Medienkonsum steht ganz offensichtlich nicht auf deren Agenda.
    Nun ja, die Drehbücher beweisen das ja auch. Aber man hätte vielleicht glauben können, dass das der Dramaturgie und den Auftraggegebern geschuldet ist.
    Die Intendanten könnten jetzt eigentlich die ganze Bagage rausschmeißen und neue billige AutorInnen mit schärferen Knebelverträgen weitermachen lassen.

  30. Ich bin sehr dankbar, dass diese Diskussion endlich in Gang kommt und es gut, dass sich nun Künstler zu Wort melden und ihre Ängste artikulieren (auch wenn die Hintergründe undurchsichtig sind).

    Meiner Meinung nach gehört der Spieß umgedreht. Kunstschaffende, die partout nicht wollen, dass ihr Werk im Internet weiter verarbeitet wird sollen hierzu eine klare Stellungnahme abgeben und die NETZGEMEINDE soll sich drum kümmern, dass solche Inhalte von Servern verschwinden.

    Dies könnte zur Folge haben, dass weniger Müll konsumiert wird und Kunstschaffende sich nicht an einem überholten Kunst(SELBST)verständnis orientieren.

    Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich meinen Fernseher vor Jahren verschenkt habe und seitdem werde ich mit besseren Informationen versorgt, dank Fefe und Konsorten oder Blogs wie diesem hier.

    Die NETZGEMEINDE kann auf die alten Medien jetzt schon verzichten. Qualitativ hochwertige Filme zu produzieren ist ebenfalls möglich, allerdings werden wir wahrscheinlich auf Schimanskis (wie oben erwähnt wurde) zunächst verzichten müssen.

    Aber sind wir dadurch ärmer? Als gäbe es nicht genug Schauspieler, die in den Startlöchern sitzen und die ihr Bestes geben würden, wenn sie denn nur eine Chance bekämen. Vielleicht wird das bedingungslose Grundeinkommen eingeführt – welches Potenzial könnte dadurch frei gelegt werden?

    Es ist abzusehen, dass Autoren von frei zugänglichen Produktionen, die nicht durch die Verwertungsindustrie gepresst werden, zunächst weniger verdienen, als die Kollegen vom Tatort.

    Möglicherweise hat die folgende Generation aber ganz andere Prioritäten? Vielleicht ist in naher Zukunft nicht mehr Geld das Maß aller Dinge, sondern Glück und Zufriedenheit? Noch gilt man als Spinner, wenn man solche Fragen in den Raum stellt, aber angesichts der Finanzkrise ist doch jedem denkenden Mensch klar, dass es hier in absehbarer Zukunft tiefe Einschnitte und Veränderungen geben wird?!

    Es amüsiert mich, wenn ich beobachte, wie die alten Medien zum einen ihre Internetsparte pushen, andererseits schimpfen sie über die Frechheit der emanzipierten User.

    In ARD und ZDF würden Massendepressionen aufkommen, wenn ihre Formate nicht mehr auf Youtube erscheinen würden. Deshalb sollte dieser Content nun erst recht verbannt werden, damit die User sich von dieser Sucht befreien und nach Alternativen Ausschau halten.

    Ich werde ab sofort jeden Tatort (vor allem aber die Münchner) auf YouTube petzen, damit ich nicht auf die Idee komme in einer schwachen Stunde nach solch einem Stream zu greifen, um mich dann hinterher über die verlorene Zeit zu ärgern.

    Euch Autoren möchte ich noch etwas ans Herz legen: wir Netzpeople müssen uns permanent neu orientieren, das Geschäft ist so verdammt schnell, dass Du abends nicht weißt, ob dich schon am nächsten Morgen ein neues BESSERES Format aus dem Rennen wirft.

    Wir haben jedoch glücklicherweise nicht den Status von Beamten, denn das würde unsere Kreativität blockieren. Aber auch letzteres hat Schattenseiten, mir wäre eine abbezahlte Villa am Comer See in der Tat Recht, soviel Ehrlichkeit muss sein.

  31. Stimme Markus zu. Ich will ja keine Verschwörungstheorie herauslassen, aber das Schreiben deutet auf fremde Federn. Insbesondere die steile Positionierung gegen angeblich von Google „alimentierte“ Forschungsinstitutionen, Netzsperren usw., alles Anwürfe, die mit Tatort-Rechten nichts zu tun haben, aber die man von anderer Seite schon gehört hat.

    Die aggressive Polemik verrät den Geistschreiber. Der linkisch bemühte Jargon „steckt auch im „Content“ verdammt viel Arbeit von Urhebern“. Tatortautoren verstehen sich selbst ja gar nicht als Urheber, und können schreiben.

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass ein Autor für einen öffentlich-rechtlichen Sender nicht bestimmte Teile des politischen Spektrums als „Sockenpuppe“ angreifen darf und ihnen „Demagogie“ unterstellen sollte. Damit wird eine unzulässige Politisierung betrieben, die im Sinne des Proporzes von den Sendern zu kompensieren ist. Sprich: Wo ist unser Drehbuch für einen Tatort?

    1. @ André –
      1.) Es ist nicht nötig, eine Verschwörungstheorie zu bemühen. Bei aufmerksamem Lesen der Originalquelle ist klar, dass es sich dabei um ein Schreiben des VDD handelt, des Verbands deutscher Drehbuchautoren. Der VDD vertritt, soweit er kann, die Interessen der Autoren, da diese als notorische Einzelgänger in der Medienlandschaft keine Stimme hätten. Das Schreiben stammt also nicht notwendigerweise von einem Autoren. Und dass es zugespitzt formuliert ist, liegt im Interesse der Sache, auch wenn es vllt übers Ziel hinaus geschossen ist. Wie auch immer – ich sage es noch einmal: Es hat eine Diskussion beflügelt und damit einen Zweck erfüllt.
      2.) Ein „Autor für einen öffentlich-rechtlichen Sender“ existiert nicht. Autoren sind nicht fest angestellt und können – wie jeder der hier Schreibenden auch – das Recht der freien Meinungsäußerung für sich in Anspruch nehmen. Wenn sie, bzw. der ihre Interessen vertretende Verband, der Ansicht sind, sich mit einem bestimmten Statement in eine öffentliche Diskussion einzubringen, sollte bitte auch niemand nach „Proporz“ rufen. Es gibt keinen Proporz, in dem die Rechte der eigentlichen Urheber berücksichtigt wären.

  32. Urheberrechte sichern die Rechte der Urheber. Jetzt plötzlich – seit man so »digital einfach« Kulturgut stehlen kann – gibt es Leute, denen passt es nicht, dass Urheber ihre Rechte sichern. Also fordern diese Diebe, um diese Art von Diebstahl zu legalisieren, sollten doch die Urheber bitteschön auf ihre Rechte verzichten! In der analogen Welt verfolgt man Diebe strafrechtlich. Oder hat schon mal einer gefordert z.B. Ladendiebstahl zu legalisieren. Also ich wäre dafür: Urheberrecht weg und im Gegenzug das Eigentumsrecht generell abschaffen. Da mach ich mit!

    1. Strafrechtliche Verfolgung gibt es natürlich auch im Internet, dagegen hat auch kaum jemand etwas. Allerdings dürfte eine gesetztliche Pflicht für Geschäfte, dass sie die Namen aller BesucherInnen notieren und 6-24 Monate speichert bei vielen Menschen Unbehagen hervorrufen, genauso wie es auch die Vorratsdatenspeicherung oder die momentan praktizierte verlängerte „Verkehrsdatenspeicherung“ tut.

  33. Hat denn hier irgendjemand schon den Artikel (ganzseitig, Seite3 d.g. Reportage, und nicht Meinung!) in der heutigen SZ gelesen?
    Mit dem Fazit: Die Piraten wollen das Urheberrecht abschaffeN!

    Ich saß gerade noch beim Zahnarzt, aber ich weiss nich mehr, welche Schmerzen heftiger waren!

    1. Diesen Artikel gibt es faktisch nur als Print. Wer von dessen Existenz nichts weiß, wird ihn im Netz nicht finden. Wer ihn findet, zahlt 2 Euronen (nur ein Zahlungssystem) und hat anschließend 24 Stunden Zugriff darauf plus ein pfd zum Runterladen.
      Ein primäres Netzthema ist in der SZ ein tendenziöser Monolog auf Papier und findet ohne die sog. „Netzgemeinde“ statt.

      1. Eben. Dann muss man eben zahlen, wenn man den Artikel lesen will. Weil es einen Autor dahinter gibt, der nicht Journalist wurde, weil er in Deutsch eine Eins hatte und eine Mama, die ihn bis zur Rente einmal täglich warm bekocht.

      2. @markenware: Ja und? Darf man sich über das Urheberrecht, ein „primäres Netzthema“, nur im Netz äußern? Oder war das schon wieder die Forderung, gefälligst alle journalistischen Äußerungen gratis Leuten wie dir unter die Nase zu halten? Kauf dir doch die Zeitung, wenn sie dich interessiert.
        Meine Güte, diese Selbstgerechtig/-gefälligkeit …

      3. Wer bitteschön zahlt denn Geld dafür, einen Diskussionsbeitrag zu lesen? Würdest du mir Geld dafür bezahlen, um meine Meinung zu bekommen?

  34. Ich bin als relativ junger Drehbuchautor Mitglied im VDD, habe aber den Brief nicht unterzeichnet, weil ich noch keinen Tatort geschrieben habe. Aber – bei aller Polemik und tatsächlich anzuzweifelnden Formulierungen bin ich und sind viele meiner Kollegen dankbar um diese Diskussion die dadurch entfacht wurde. Grundsätzlich begrüße ich das ja auch, nur finde ich eine tendenziell unterstellte Grundmeinung einfach nur frech.

    1. Es geht hier nicht um Villen an irgendwelchen Seen und öffentlich rechtliche Pfründe. Es geht schlicht um ein Eigentumsrecht dass ich niemanden absprechen kann.

    2. Jeder der Drehbuchautoren so sehr um ihren Job beneidet ist eingeladen selbst einer zu werden. 25000 hört sich viel an, aber nicht wenn man ihn als Jahresgehalt sieht. Und recht viel mehr als einen GUTEN 90 Minüter, der sauber recherchiert und über mehrere Fassungen ausgearbeitet ist, kann man einfach nicht schreiben in einem Jahr. Und gerade bei uns jungen Autoren ist dann wieder viel Aquise und oft kostenlose Vorarbeit nötig um an einen neuen Auftrag zu kommen.

    3. Ich liebe das Netz und die Möglichkeiten, aber man kann den Urhebern nicht vorwerfen wenn Sender und Co Entwicklungen verschlafen haben. Das sind zwei paar Stiefel die nicht voneinander zu trennen sind.

    4. Ich danke jedem einzelnen Musiker, Schriftsteller, Tänzer, Schauspieler, bildenden Künstler, Programmierer, Designer, Performancekünstler, T-Shirt-Designer und allen Kreativen für die tägliche Arbeit die sie leisten. Ich bin froh in einem Land mit einer relativen Fülle zu leben. Gesellschaftlich und kulturell. Aber umsonst darf deren Arbeit einfach nicht sein.

    Urheberrecht ist das einzige Pfund mit dem wir Autoren punkten können. Und das kann man uns nicht beschneiden. Und bitte keine Vergleiche mit der Pharma- und Patentwirtschaft mehr. Das sind Kostenrahmen und Spielregeln, die man nicht miteinander vergleichen kann.

    Es grüßt ein Autor, der trotzdem schreibt. Weil er das gerne macht.

    1. 3. Ich liebe das Netz und die Möglichkeiten, aber man kann den Urhebern nicht vorwerfen wenn Sender und Co Entwicklungen verschlafen haben. …

      Und warum greifen Sie dann die Nutzer an anstatt „Sender u. Co.“?
      Warum recherchieren Sie keine Parteiprogramme und/oder sprechen mit den Piraten bzw. der sog. „Netzgemeinde“?
      Nach meiner amateurhaften Vorstellung gehört gründliche Recherche zum unabdingbaren Handwerk eines Drehbuchautors.

      Und bilden Sie sich nichts ein auf diese von Ihnen entfachte Diskussion. Vorerst haben Sie nur die Gräben vertieft.
      Daß manche hier an eine Luxusexistenz der Autoren und Künstler glauben, hat ja einen Grund. Wie oft inszeniert sich die künstlerische Kollegenschaft in einer Glamourumgebung und wie oft im Ambiente von Spitzwegs Armen Poeten?

      1. markenware:

        Sie wollen hier bessere Recherche anmahnen und schreiben dann selbst:

        „Daß manche hier an eine Luxusexistenz der Autoren und Künstler glauben, hat ja einen Grund. Wie oft inszeniert sich die künstlerische Kollegenschaft in einer Glamourumgebung und wie oft im Ambiente von Spitzwegs Armen Poeten?“

        Setzen Sie mal die Sonnenbrille ab.

      2. Wir greifen niemanden an. Wir sind nur gezwungen, auf Angriffe zu reagieren resp. uns zu verteidigen. Die Verhandlungen mit den Sendern laufen ja, sind bzw. auch schon abgeschlossen. Die Ergebnisse verheißen nichts gutes. Auf jeden Fall werden wir immer weniger verdienen für immer mehr Leistungen die wir abtreten müssen. Die Sender wollen beispielsweise mehr und mehr online stellen (Find ich total richtig und wichtig) aber werden weniger dafür zahlen als in der Vergangenheit. Würde man uns auch noch das Urheberrecht kappen, rutschen wir auf der Argumentationsskala ganz nach unten. Mit was sollen wir dann noch dagegenhalten in einer Vertragsverhandlung? Die Sender wollen die Gagen mehr und mehr über diverse „Korb-Modelle“ regeln, was sich defacto auf Buy-Outs hinausläuft. Mit was soll man denn bitte dann noch argumenterien, wenn das Werk beispielsweise nach fünf Jahren post-Werkerstellung wieder frei würde. Das ist doch den Sendern dann wurscht. Die nutzen das nur für ihre Belange. Von wegen Lobbyarbeit der „Content-Mafia“. MIt solchen Vorstößen unterstützt „ihr“ (?) das auch noch. Und bitte nie vergessen: Das ist auch das Ende für das in den letzten Jahren wieder mehr und mehr zart aufkeimende deutsche Kino. Weil kein Kinofilm ohne Sender produziert wird.
        Jedem Autor ist klar daß sich was verändern muss. Aber es kann doch nicht sein, daß dass auf dem Rücken derer ausgetragen wird, die am Ende der Nahrungskette stehen. Und man diese um die legitimen Rechte beraubt.

      3. Nachtrag:
        „Und warum greifen Sie dann die Nutzer an anstatt “Sender u. Co.”?
        Warum recherchieren Sie keine Parteiprogramme und/oder sprechen mit den Piraten bzw. der sog. “Netzgemeinde”?“

        Machen wir nicht? Sagt ihnen wer? Was glauben Sie warum diese Anrede gewählt wurde? Ich finde die Piratenpartei wichtig. Sie stösst in eine linke Lücke, die die bürgerlichen Parteien scheinbar gelassen haben. Sie versucht sich wenigstens basisdemokratisch zu geben und bricht Denkmuster auf. Trotzdem bleibt immer noch der Fakt, dass man keine Kriminalität legitimieren darf.

      4. Und so reagiert dann nur jeder auf irgendwelche Angriffe von irgendwem. Großartig.

        Weil Sie den Sendern also nicht beikommen, sollen alle Nutzer dafür bluten? Ist das die Aussage? Wäre da eine fairere Ausgestaltung, im Schulterschluss mit dem Nutzer, nicht der bessere Weg? Sie helfen den Sendern ja geradezu mit ihren Methoden.

        Wenn Sie sich mit dem CCC, den Piraten etc. auseinandergesetzt haben, dann wissen Sie ja, dass die Forderung eben NICHT die Abschaffung jeglicher vergütung für Kunst ist. Warum kommt der Vorwurf dann trotzdem?

      5. Lieber KH,
        Ich gebe Ihnen total recht, dass es absolut nichts bringt, wenn jeder nur ständig versucht seinen Standpunkt zu erklären.
        Man muss sprechen miteinander, klar. Aber ich sehe bislang keinen Vorschlag der mich auch nur Im Ansatz überzeugt. Die Kulturflatrate hat was systematisch total Unterminierbares. Da packen wir uns doch noch andere Probleme auf, die wir dann zusätzlich zu den Jetzigen haben werden. Wer will denn bitte das kontrollieren? Die GEZ und GEMA findet jeder Anti-Urheber schrecklich und dann starten wir aber noch was pontenzierteres in diese Richtung? Und die Kulturwertmark ist wirklich ernst gemeint? Können Sie sich vorstellen daß das funktioniert?

        Und wenn der CCC und die Piraten sagen: „Liebe Autoren, ihr sollt auch in Zukunft Euer Geld bekommen!“ dann finde ich das schön, sehe aber keinen konkreten Vorschlag. Ich sehe nur Verschlechterungen. Ich habe es oben schon geschrieben: Hier geht es nicht um Luxus, sondern um Existenz. Nochmal: Wir schießen uns nicht auf den Nutzer ein, weil wir gegen die Sender nicht ankommen sondern diese Urheberrechtsdebatte fällt uns argumentativ total in den Rücken. Sie spielt doch all der sog. „Content-Mafia“ (man möge mir im übrigen den Begriff gerne erklären; Ich habe nur Vermutungen wer damit alles gemeint sein könnte) in die Hände. Die reiben sich doch die Hände wenn der Urheber und der Nutzer sich selbst zerfleischen. Und bitte erklären Sie mir was sie konkret meinen, wenn sie sagen –

        „Wäre da eine fairere Ausgestaltung, im Schulterschluss mit dem Nutzer, nicht der bessere Weg? Sie helfen den Sendern ja geradezu mit ihren Methoden. “

        Wie sieht dieser Schulterschluss aus? Damit dass weiter illegal kopiert und verbreitet wird auf Teufel komm raus und der Urheber im Gegenzug akzeptiert, daß er noch weniger verdient und auch noch seine Rechte dafür hergibt. Ich glaube – ja – es wird Modelle geben müssen, die nicht kostenlos sein können. Weil nichts aus dem Nichts kommen kann.

        Ich gebe mir wirklich Mühe andere Standpunkte zu verstehen, aber ich sehe am Ende des Tages nur überall eine Legitimation von nicht legalen Praktiken. Und das kann ich einfach nicht gut finden.

        Am Ende des Tages bleiben ratlose hochgezogene Augenbrauen und die Frage: Warum soll meine Arbeit nicht mir gehören dürfen?!

        Und hier noch ein sehr spannender Link: http://www.sueddeutsche.de/digital/diskussion-um-kulturflatrate-wie-opportunismus-die-urheberrechtsdebatte-behindert-1.1324659

      6. „Wie sieht dieser Schulterschluss aus? Damit dass weiter illegal kopiert und verbreitet wird auf Teufel komm raus und der Urheber im Gegenzug akzeptiert, daß er noch weniger verdient und auch noch seine Rechte dafür hergibt.“

        Gegenfrage: Ist die Providerhaftung, die mit einer Echtzeitüberwachung ALLER Nurtzer bis aufs LETZTE Bit einhergeht, ein überzeugender Ansatz für Sie? Das ist nämlich die einzige Möglichkeit, um illegale Downloads zu verhindern.

        Und wenn Sie jetzt mit „NEIN, ich bin gegen eine Totalüberwachung“ antworten, dann sollten Sie schnellstmöglich die Diskussion um ein gerechteres Urheberrecht (vorläufig) beenden und schonmal anfangen Transparente zu malen – FÜR den Erhalt der Grundrechte einer ganzen Nation.

        Danach können wir dann weiter diskutieren.

      7. Der verlinkte Artikel geht leider daneben. Die Studios suchen mitnichten um vernünftige Modelle, sodnern bekämpfen diese bis aufs Mark. Sonst wären Dienste wie Spotify bei uns nicht jahrelang unzulässig gewesen, sonst wäre iTunes mit seinem ziemlich offensichtlichen Modell nicht der erste Treffer eines erfolgreichen Geschäftsmodells geworden, sonst würden die DRM und Kopierschutzwarnungen (die NUR die ehrlichen Kunden treffen) nicht immer umfangreicher geworden.

        Meine letzte Kauf-BluRay hatte z. B. einen einminütigen Werbetrailer bei jedem Start, den ich nicht überspringen kann. Bei einer „Raubkopie“ wäre das nicht passiert. Ich musste mehrmals gekaufte Spiele zurückgehen lassen, weil der Kopierschutz wie Securom das Spiel unbenutzbar gemacht hat. Ich habe Spiele im Original, bei denen ich aber eine kopierte Version nutze, weil die ohne den Schutz daherkommen.
        Die Behauptung, Verlage und Studios würden sich um tragfähige Modelle bemühen, ist eine Lüge.

        Was das Verteilungsproblem angeht: wie wäre es z. B. mit einer Orientierung an der Zahl der Downloads oder Aufrufe? Dann entspricht das Verhältnis der Zahlung automatisch dem Interesse der Nutzer.

        Die GEZ ist unbeliebt wegen der mafiösen Methoden, die im Falle einer festen Abgabe gar nicht mehr nötig wären. Die GEMA ist unbeliebt wegen der falschen Verteilung, die man mit Mechanismen wie dem oben genannten im Internet ganz einfach aufheben kann, und wegen der Korinthemkackerei, die ebenfalls durch eine automatische Zählung relativ weit aufgehoben wird.

        Habe ich noch was vergessen?

  35. @ Jungautor und Literaturübersetzer:

    2 Euro für einen einzigen Artikel sind im Vergleich zu 2,20 € für die komplette Wochenendausgabe schon ziemlich üppig. Da Sie über Ihre Vergütungen klagen, sollten Sie das nachvollziehen können.
    Tatsächlich geht es mir aber um den Zeitraum von 24 Stunden. Wir schreiben hier am 1. April unter einem Artikel vom 29. März und können jederzeit (Tag und Nacht) aufeinander reagieren. Der SZ Artikel – ich habe die Printausgabe für 2,20 € als Abonnentin vorliegen und kann trotzdem nicht darauf zurückgreifen – ist, vornehm ausgedrückt, diskussionswürdig. Falls die Kulturschaffenden durchgängig eine „McCarthy-Stimmung“ im Land ausmachen, hätte ich gerne noch ein paar weitere Stimmen dazu, gern auch auf Papier.
    Sie werden jedoch zugeben mögen, daß unter den Restriktionen des angesprochenen SZ-Artikels sowohl im Print wie auch im Netz eine Konversation, wie wir sie hier führen können, in der SZ nicht möglich ist.

    Was mich darüber hinaus stört, ich wiederhole mich gerne, der Artikel wird im Netz gar nicht erst angeboten; der Preis ist da völlig irrelevant. Ohne Kenntnis der Printausgabe hat man gar keine Möglichkeit, ihn über Stichwortsuche zu finden.
    Ich denke, das ist kein Zufall.

    1. Ich denke auch, dass das kein Zufall ist.
      Die FAZ und der Spiegel haben über diese Debatte umfänglich berichtet, die FAZ sogar mit „Empfehlung der Redaktion“. Das sind Zeitungsverlage, die nicht zu großen Konzernen gehören (Spiegel zur Mehrheit den Mitarbeitern, FAZ einer Stiftung). Die Resonanz auf deren Kommentarseiten ist überwältigend.
      Ich bin Berliner: Tagesspiegel (Holtzbrinck) und Berliner Zeitung (DuMont) haben online nicht berichtet, taz hat. Die Süddeutsche Zeitung gehört laut Wikipedia mehreren Verlagen.
      Man dürfte davon ausgehen, dass bei diesem Thema das wirtschaftliche Interesse der Eigentümer eine nicht unerhebliche Rolle spielt.

      1. @ Gerümpelsynchron

        Letztlich sind es wirtschaftliche Interessen, ja.
        Aber zunächst mal ist es taktische Aufteilung der Informationsströme. Wenn es hart auf hart kommt, sagt der Verlag, was wollt Ihr denn, der Text steht doch im Netz. Aber die „Geiz-ist-geil-Community“ will ja nicht zahlen. Daß der Text gar nicht erst angeboten, geht dabei unter.
        Mich würde mal interessieren, ob er auf den iPad-Abos steht.

  36. @ Literaturübersetzer
    Falls Sie mir bis hierher gefolgt sind, werden Sie vielleicht bemerkt haben, ich gebe durchaus Geld für Zeitungen aus. Ich habe sogar etliche Jahresabonnements und suche außerdem gerade Platz für weitere Regale, um meine Bücher adäquat unterzubringen. Ich lese und kaufe auch Übersetzungen. Mögen Sie Ihren Kommentar vielleicht überdenken?
    Und im übrigen, seit wann duzen wir uns?

    1. @ markenware: Bitte entschuldigen Sie, ich neige eigentlich nicht zu plumpen Vertraulichkeiten – ich bin aber auch mit den Gepflogenheiten in derartigen Foren nicht sehr vertraut, denn ich sitze zwar in Ausübung meines Berufs den ganzen Tag am Computer und bin im Netz, aber treibe mich normalerweise nicht in solchen Foren herum, weil ich keine Zeit dazu habe …
      Ich glaube gern, dass Sie bereit sind, Geld für Information auszugeben – gut so! (Ich habe übrigens auch die SZ abonniert, dazu brand eins und die jungle world, für den ausgewogenen Medienmix.) Ich finde auch, dass bspw. die 500nochwas € im Jahr für die SZ viel Geld sind, aber ich meine, das Geld ist für unabhängigen, fundierten, gut recherchierten und gut geschriebenen Journalismus gut angelegt. Was ich nicht verstehe: Warum sehen Sie die SZ in der Pflicht, ihre Artikel auch gratis oder zumindest billig im Netz bereitzuhalten? Und warum sollte man jederzeit und ständig auf Zeitungsartikel reagieren und darüber diskutieren können? 24 Stunden, im Minutentakt? Weil’s demokratisch ist?
      Und jetzt noch ein Wort zum Inhalt: Ich habe ihn nun also auch mal in Ruhe angeschaut, den Artikel, und weiß beim besten Willen nicht, was daran ein „tendenziöser Monolog“ sein soll. Es werden zahlreiche Menschen befragt, die beruflich mit dem Urheberrecht zu tun haben – als Musiker, als Schriftstellerin, als Anwalt, als Konzertveranstalter – und die sagen, was sie denken. Klar, die sind alle mehr oder weniger derselben Meinung – und? Haben Sie dazu nicht alles Recht? Es ist, wie oben ganz richtig bemerkt, eine Reportage, die darüber berichtet, wie in einem bestimmten Umfeld auf Regeners Aufregung reagiert wurde. Tendenziös ist höchstens die Bemerkung des Journalisten über die Aussagen im Piraten-Programm zum Thema Urheberrecht – aber das kann ich im Moment nicht beurteilen, denn das, was man unter Ihrem Link als pdf erhält, ist ja nicht der betr. Auszug aus dem Parteiprogramm, sondern irgendein Argumentations-/Thesenpapier zum UrhR, oder?
      Zum Schluss noch eine Anmerkung zu Ihrem Satz von den Künstlern, die sich „in einer Glamourumgebung“ inszenieren. Woran, um Himmels willen, denken Sie denn da? An Frank Schätzing, Markus Lüpertz und Bushido? Oder wie? Was hat das denn mit der Realität von Kulturschaffenden zu tun? 99,7 Prozent von denen kommen gerade mal mäßig über die Runden – oder auch gar nicht. Und deshalb können sie so wenig wie ich verstehen, warum es Diebstahl ist, wenn man ein Buch im Buchladen in die Tasche steckt und sich damit rausschleicht (davon wird ja übrigens das „Original“ nicht angetastet, das liegt immer noch auf der Festplatte der Autorin, haha!), warum es aber kein Diebstahl ist, wenn ich ohne Einwilligung der Autorin ihr Buch im Netz besorge und auf mein Lesegerät lade. Und dazu stehen dann auch im Argumentationspapier der Piraten nur die unerfreulichen Sätze:
      „Wer nicht bereit ist, für ein Werk zu zahlen, tut dies auch heute trotz
      diverser Verbote und gerichtlicher Auseinandersetzungen nicht. Wer bereit ist, für ein Werk zu zahlen, tut dies auch, unabhängig von seinen Gewohnheiten bezüglich der Nutzung von Tauschbörsen oder anderer
      Austauschmethoden.“
      Aha. Das muss man dann glauben. Oder auch nicht. Beides gleich schlimm. Jedenfalls wieder das anscheinend einzige Argument der Urheberrechtsaufweicher: „Man kann es machen, das Umsonstbeschaffen, darum machen es auch alle, und darum muss man es legalisieren.“ Genau. So sollte man es auch mit Steuerhinterziehung, Trunkenheit am Steuer, Anlagebetrug und und und machen.
      Oder doch nicht? Muss man nicht vielmehr gegen diese Haltung arbeiten? So wie gegen Sweatshoparbeit bei Nike oder H&M, bei Apple oder Samsung? Gegen Umweltverbrechen bei BP oder Shell oder wem auch immer? Das soll doch auch immer übers Konsumentenumdenken geregelt werden. Gibt es dafür keinerlei Ansatzpunkt oder Bereitschaft?
      Vielleicht ein bisschen viel auf einmal, aber ich verstehe einfach so vieles nicht, was hier verzapft wird – und werde manchmal genauso sauer wie Herr Regener, wenn ich so ignorante Widerlichkeiten über „die reichen Autoren/Künstler“ lesen muss.

      1. Steuerhinterziehung ist ein wunderbares Stichwort, um die Absurdität von ACTA, IPRED und Providerhaftung zu veranschaulichen. Fakt ist doch:

        1. Durch Steuerhinterziehungen gehen dem Bund jährlich dreistellige Milliardenbeträge verloren. Trotzdem wird es geduldet, weil das Bankgeheimnis (welches übrigens nicht in den Grundrechten verankert ist) die Ahndung von Steuerdelikten massiv erschwert.
        2. Die Zahl illegaler Downloads ist seit Jahren rückläufig (und dieser Trend ist bei Steuerhinterziehungen nicht zu erkennen). Der hierdurch entstehende Schaden ist nicht weiter nennenswert im Vergleich zu Steuerdelikten.

        WARUM also eine Providerhaftung im Falle von Urheberrechtsverstößen? Warum keine Bankenhaftung bei Steuerhinterziehung? Die wirklich großen Fische werden im Deckmantel des Bankgeheimnisses geschützt, während sich alle Internetnutzer in Zukunft einer totalen Überwachung aussetzen sollen??
        WO bitteschön ist hier die Verhältnismäßigkeit?

      2. Das Bankgeheimnis existiert doch praktisch gar nicht mehr. Seit 2005 können die Finanzämter online, zentral, unbemerkt und verdachtsunabhängig den Gesamtbestand aller Konten jedes Steuerpflichtigen einsehen. Wenn er dann in der Steuererklärung zu diesen Konten keine Steuerbescheinigung der Bank vorgelegt hat, ist er dran. Seither dürfte es keinen Steuerhinterzieher mehr geben, der sein Schwarzgeld auf einem deutschen Bankkonto liegen hat. Was ich selbst mitbekommen habe: Selbst ein altes Sparbuch mit ein paar wenigen Euros, das man schon fast vergessen hat, wird entdeckt.

      3. @ Literaturübesetzer (sowie Jungautor und Theo # 44)

        Ich sieze nicht grundsätzlich, aber immer häufiger. Das kommt auf die Situation an. Ich hätte auf Ihren Beitrag aber so oder so reagiert.
        Ich finde es interessant, wie Sie über mehrere Stunden hinweg engagiert und weitestgehend sachlich für Ihre Position eintreten, und dann aus heiterem Himmel bei einem Vierzeiler ausrasten. Obwohl Sie mit kühlem Kopf hätten erkennen müssen, daß ich den Text in der einen oder anderen Form kenne.

        Der SZ-Artikel
        Was diesen nun selbst angeht; das reicht für mehrere Abi-Klausuren. Nur ein Beispiel:
        „Aus den Boxen dringt leise Popmusik, man fragt sich, ob die Gema dafür Gebühren kassiert.“ (Spalte 1, unten).
        Wie wahrscheinlich ist es, daß der Gema ein Berliner Café durch die Lappen geht? Es sei denn, es handelt sich um ein mehr als zweifelhaftes Etablissement. Das aber im Zweifelsfall die seriöse Schriftstellerin Julia Franck ausgesucht hat, die dem Redakteur das wunderbare Zitat von der Barbarei schenkt. Der Autor verrät seine Interviewpartnerin, um die Kulisse einer unredlichen, raffgierigen Szenekultur zu erzeugen. Hier wird eine Anti-Stimmung erzeugt, die im weiteren mit den anderen Gesprächspartnern vertieft wird.
        Der verängstigte anonyme Musiker und die McCarthy-Stimmung rufen mir abwechselnd Bilder aus der Westside Story und Woody Allen’s ‚Strohmann‘ und ähnliche Klassiker ins Gedächtnis.
        Die Musiker, die ich kenne, haben Probleme mit der Gema und ihren Labels.

        Der Glamour
        Ich lese ab und wann, aber insgesamt doch sehr selten, von durchaus bekannten TV-DarstellerInnen, die immer wieder mal Arbeitslosenhilfe beziehen, weil sie von ihren Gagen nicht leben können.
        Abgesehen von Sibel Kekeli, die einst anläßlich einer Preisverleihung die große Bühne offensiv für ihr Anliegen nutzte, sind die prekären Verhältnisse von Schauspielern aber kein Thema (dürfte bei Schriftstellern ähnlich sein).
        Auf der anderen Seite schreiten eben diese Akteure Seit an Seit mit der Berben/Berger-Riege in großen Roben über die roten Teppiche bei Premieren und Bällen. Anzuschauen nicht nur in diversen Klatschmagazinen, sondern auch in den ö.r. Nachrichtensendungen und -magazinen.
        Ich behaupte einfach mal, Auftritte dieser Art hinterlassen einen nachhaltigeren Eindruck in der breiten Öffentlichkeit als kritische Einspalter im Wirtschaftsteil der FAZ, Brandeins oder Aspekte/TTT (falls das dort überhaupt thematisiert geschweige denn von einer größeren Öffentlichkeit gelesen wird).

        Die Angst vor den Piraten
        Z.Z. hat die Piratenpartei Zuspruchswerte von 12%. Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre und die PP würde in einer wie auch immer gestalteten Koalition in die Regierung kommen: hätten wir dann ungarische Verhältnisse? Sie wissen schon, 70%-Mehrheit und so.
        Hat die weitgehend gremien- und politikunerfahrene PP auch nur ein einziges Mitglied vom Schlage eines frühen Joschka Fischer oder Jürgen Trittin, das den erfahrenen Altparteien argumentativ die Stirn bieten könnte, wenn es um die Durchsetzung ihrer Inhalte ginge?
        Wie kommen Sie darauf, daß die Vorschläge/Ideen – und nur das sind sie – auf einmal alternativlos komplett in Stein gemeißelt würden, wenn die PP weiteren Einfluß gewänne?
        Die alten Leitmedien fahren eine durchsichtige Kampagne und Sie starren paralysiert wie das Kaninchen auf die Schlange. Der Untergang des Abendlandes oder die „Barbarei“, die Frau Franck in der Glaskugel sieht, findet sicherlich nicht wg. der PP oder der sog. Netzgemeinde statt.

        Umsonstmentalität
        Ich sehe das historisch.
        – Meine Sony !!! CD-Player-Gebrauchsanweisung von 1991 widmet dem Überspielen von Titeln auf Band mehrere Seiten.
        – MS DosWord 3.0 kostete in den späten 80ern 2.000,– Deutschmark. Das wurde nur von Institutionen gekauft und dann kopiert.
        – Die Musik- und Filmindustrie hat sich schlichtweg geweigert, ihre Produkte über das Netz zu vertreiben, obwohl es technisch möglich war.
        – Und dann die Zeitungen. Die haben das Netz nicht erfunden, sondern sich reingesetzt, ungefragt. Wochenmagazine werden im Netz täglich mehrfach aktualisiert. Das ist kein Altruismus. Der Spiegel hat während des Irak-Krieges schneller Artikel ausgespukt, als man lesen konnte. Alle grottenschlecht mit Fehlern aller Art. Es wird sich gerechnet haben – bis die Finanzblase platzte und die Werbeeinnahmen ausblieben.
        Es ist ebenso Aufgabe der Umsonst- wie kommerzieller Anbieter ihre Finanzierungsmodelle zu erklären. Außerdem gehört das Thema in die Schulen und die Elternhäuser. Wird schwierig, weil so spät reagiert wurde. Aber Totalüberwachung kann’s nicht sein.

        Das war’s. Frohe Ostern!

      4. @ markenware:
        Vielen Dank für die sachliche Antwort. Ich will meine Position ein bisschen einschränken/klären, auch damit ich bei Ihnen nicht als Choleriker hängenbleibe.
        Meine Reaktion auf Ihren Vierzeiler erklärt sich vor allem daraus, wie ich ihn verstanden habe: „Wieso schreibt da einer was über ein Thema, was mich interessiert, und stellt es mir dann nicht sofort und nur einen Mausklick entfernt zur Verfügung? Verdammt?“ Ich weiß, das haben Sie nicht gesagt, aber im Kern klang das für mich durch. Und das trifft meinen wunden Punkt: Ich weiß auch, dass 1.) das Urheberrecht sich den aktuellen Entwicklungen und Anforderungen anpassen muss, dass 2.) nicht alle Forderungen/Überlegungen der PP Wirklichkeit werden, sollten sie tatsächlich mal in den Bundestag gewählt werden, und dass 3.) die Vernünftigeren unter den Netz-Diskutanten auch gar keine Abschaffung des Urheberrechtes fordern. Was mich (und viele andere kreativ Schaffende) aber stört, erschreckt, ängstigt, zur Weißglut treibt, ist die faule, geizige, verwöhnte, freche Haltung so, so, so vieler User. „Gib mir alles“, wie Surrogat so schön sangen, aber bitte schnell und umsonst. Ich kann zu Film/Musik/Fernsehen/Journalismus nicht so furchtbar viel sagen, weil ich eben in der Buchbranche arbeite, aber für die kann ich jedenfalls sagen: Diese schöne Heuchelei, dass „die Umsonst-Verteilung ja auch Umsonst-Werbung für dein Produkt ist“, geht bei uns natürlich völlig daneben. Wenn jemand ein geklautes e-book kriegt und liest, geht er dann los und kauft es sich noch mal? Wohl kaum. Und ich finde, wer sich jedes Jahr ein neues Computermodell und alle mögliche alberne Hardware und Smartphone leisten kann, der wird doch wohl auch zehn, zwölf Bücher im Jahr bezahlen können, oder? Oder zumindest eine Jahresgebühr für die Bibliothek? Und wenn er/sie das nicht will, dann soll er/sie verflixt noch mal auch nicht lesen dürfen. Ich finde das eben genau so ekelhaft wie gedankenlos bei Schlecker zu kaufen oder von Kindern mit Fußfesseln genähte T-Shirts zu tragen oder sowas.
        Und was den Glamour angeht: Wenn Sie natürlich bei „Künstler“ an FilmschauspielerInnen denken, kann ich Ihre Assoziation verstehen. Aber mir fallen die zu allerletzt ein. Eher Illustratoren, Grafikerinnen, Dichter, Bildhauerinnen, Übersetzer … ziemlich wenig Glamour da.
        Auch Ihnen frohe Ostern!

  37. @ Jungautor:

    Sie schreiben noch immer davon, man wolle Ihnen das Urheberrecht kappen. D.h.: immer noch keine Hausaufgaben gemacht.
    Der Piratenentwurf eines veränderten UrheberrechtsG spricht sich für eine Stärkung des Urhebers aus und nicht dagegen. Lesen Sie doch erstmal:
    http://wiki.piratenpartei.de/wiki/images/0/07/UrhG_Arguments_FassungBPT2011-2.pdf

    Und falls Ihre Adressaten die 12jährigen sind, auf die der CCC u.a. abhebt, feilen Sie mal n bischen an Ihren didaktischen Fähigkeiten.

    Sie wollen uns allen Ernstes erklären, Sie stünden im Dialog mit den Parteien und trotzdem krakelen (ich empfinde das wirklich so) Sie öffentlich gegen potentielle Bündnispartner? So als besonderer dramaturgischer Pfiff? Ich ringe um Contenance. Dies ist das wirkliche Leben und kein Drehbuch.

    Disclaimer:
    1. Falls ich im Mai tatsächlich die Piraten wählen sollte, dann noch nicht mal aus Protest sondern aus Verzweiflung an den übrigen Parteien. Tatsächlich halte ich die Piraten für noch nicht parlamentsfähig. Das ändert nichts daran, daß sie schwerpunktmäßig an den richtigen Themen arbeiten.
    2. Ich mach auch „irgendwas mit Medien“, völlig freischwebend. Ich hab durchaus was zu verlieren. Die gegenwärtige und von den Etablierten angestrebte Gesetzgebung stützt mich nicht. Wenn es darum geht, die naiven Netzkiddies aufzuklären, muß man sie dort abholen, wo sie gerade stehen. Die 51 Tatortautoren sind da komplett kontraproduktiv.

    1. Man kann sagen man will den Urheber stärken, und in gewissen Punkten kann ich auch einen guten Gedanken dahinter erkennen, aber manchmal macht man gerade dann etwas falsch wenn man es gut meint. (Hier muss man eh schon viel Bemühen unterstellen um den guten Willen zu unterstellen) Und was beispielsweise das Urheberrecht post mortem (Verkürzung auf 20 Jahre p.m.) betrifft wäre das eine ganz ganz klare Verschlechterung. Ein sog. „ausübender“ Künstler verliert seine Rechte sogar sofort mit dem Tod. Sehr nett. Bei Verträgen geht es um Auswertungen, die sich über Jahre hinziehen. Wer investiert denn bitte dann noch, wenn morgen der Rechteinhaber tot sein könnte?! Dann gäbe es doch NULL Sicherheit für niemanden?!

      Und Sie dürfen mir sicher glauben dass ich bereits vor Ihrer Verlinkung dieses Papier gelesen habe. Noch einmal: Hätten wir uns nicht so intensiv mit den ganzen Vorschlägen (auch die Grünen und SPD) beschäftigt, wäre es zu dieser Diskussion wohl nicht in der Art gekommen.

      Ich weiß ja nicht wie Sie ihr Geld verdienen, aber scheinbar haben Sie Ihre Arbeit zu verschenken, wenn Sie so wenig Verständnis für Urheber aller Art haben.

      1. „Wer investiert denn bitte dann noch, wenn morgen der Rechteinhaber tot sein könnte?!“

        Was ist denn die durchschnittliche Lebenserwartung eines Urhebers? Stellt der plötzliche Tod denn wirklich ein derart immenses Risiko dar, dass man die Schutzfristen dermaßen ausweiten muss?

        Natürlich wollen wir die Urheber stärken. Aber es wäre auch angemessen, wenn Kunst auch irgendwann einmal kostenlos der Allgemeinheit zusteht (und nicht erst nach 70 Jahren p.m.). Und an alle, die meinen, dass wir da nichts mitzubestimmen hätten, sei gesagt:

        Der deutsche Film wird jährlich mit 300 Mio Euro subventioniert, aus öffentlichen Geldern versteht sich:
        http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.filmfoerderung-viel-ruhm-viel-subventionsdschungel.40ff0d73-aade-4996-a97e-7d54fe66198f.html

        Und die GEZ treibt jedes Jahr 7,5 Milliarden (!!) Euro ein.
        http://www.gez.de/e160/e161/e1528/gb2010.pdf
        Und damit werden dann geschützte Inhalte produziert. Das das Geld von der Allgemeinheit stammt, muss ich wohl nicht erwähnen.

        Wenn Griechenland Geld von der EU bekommt, dann ist das an Bedingungen geknöpft. Als die Banken finanzielle Unterstützung erhielten, war auch das an Bedingungen geknöpft.

        Und wenn die Allgemeinheit von den Verwertern eine Lockerung der Urheberrechte fordert, dann ist das anmaßend? Das ist es eventuell bei Inhalten, für die keine öffentlichen Gelder geflossen sind. Ein Tatort allerdings wurde zu 100% von der Allgemeinheit finanziert.

        Man sollte vielleicht mal anfangen zwischen privat finanzierten und öffentlich finanzierten Inhalten (und Mischformen) zu unterscheiden, und dementsprechend das Mitspracherecht der Allgemeinheit zu Dingen wie Schutzfristen anzuerkennen.

      2. Liebe Sandra,
        man muss nichts ausweiten. Das ist momentane Regelung: 70 Jahre p.m. Das besteht so seit 1965, vorher waren es 50 Jahre.

        Und leider werden hier wieder zwei paar Schuhe zusammengeworfen:

        a) Das Urheberrecht: Dieses kann ich gar nicht verkaufen, selbst wenn ich wollte;
        b) Das Verwertungsrecht: Dafür zahlt mir beispielsweise Sender xy eine gewisse Summe, um meine Rechte in seinem Sinne auszuüben. Dafür werden öffentlich Gelder verwandt. Das hat aber nichts mit meinem Urheberrecht zu tun. Wenn ein Sender Senderechte für 50 Jahre will, dann muss er entsprechend viel dafür zahlen. Das wird er aber nicht tun, weil die Honorare seit Jahren immer mehr zurückgehen und weiter zurückgehen werden.

        Darum ist mein Recht an meinem Werk so wichtig. Wenn es mir schon immer schlechter vergütet wird, sollte mir doch wenigstens nicht auch noch darüberhinaus die Grundlage genommen werden.

        Das Urheberrecht muss in die neue Zeit geführt werden, ganz klar. Aber der Hebel, den hier viele ansetzen wollen ist schlicht der falsche.

        Und z.B. gehen 60 % der GEZ – Gebühren in die Pensionskassen der Sender und nicht in das Programm. Und der Trend geht weiter nach oben. Warum regt sich da keiner auf? Lieber streitet man dem Einzelnen sein Recht ab?

      3. Das Problem dürfte bei Drehbüchern noch nicht so brisant sein, weil man in denen nicht nachvollziehen kann, woher die einzelnen Ideen kommen. Bei Musik o. ä. ist es aber schon hinderlich, wenn man für Motive herangezogen werden kann, die irgendwer vor 100 Jahren mal verwendet hat. Auf jeden Fall ist die Sache mit den verwaisten werken ein Problem, oder? Und warum gibt es die Verwetungsrechte eigentlich in keiner andern Branche auch nur annähernd, z. B. Patente mit einer Frist von 100 Jahren? Warum soll ich als Entwickler so viel schlechter gestellt sein?

      4. Warum sprecht Ihr denn alle immer von 100 Jahren? Es sind 70 Jahre post mortem. Gut, da kann es natürlich schon passieren, daß ein Werk schon mal hundert Jahre geschützt ist, je nachdem wann es geschrieben wurde und wann der Autor starb.

        Die Schutzfristen im Patentrecht und und bei Arzneimitteln betragen ja in der Regel 20 Jahre. Aber Sie können einfach die Industrie nicht mit dem Drehbuchgeschäft vergleichen. An einem Drehbuch verdiene ich in 20 Jahren ein paar zehntausend wenns gut läuft und in der Industrie werden Millionen gemacht.
        Der kreative Markt würde schlicht eingehen, wenn das Urheberrecht eingeschränkt werden würde. Weil sich das niemand mehr leisten könnte. So einfach ist das.

      5. Was meinen Sie denn, was die durchschnittliche Lebenserwartung eines Autors so ist? Wenn ich da dann noch 70 Jahre draufzähle, wie hoch liege ich dann?

        Da wird nun also wieder der angeblich millionenschwere Ertrag bemüht – ein Bild, gegen das sich die Künstler sofort wehren, wenn es ihnen von den Nutzern hier unterstellt wird. Worauf stützen Sie denn diese Vermutung, dass die Entwickler z. B. von Software Millionen verdienen? Da wäre ich aber massiv unterbezahlt!

        Wenn eine Verkürzung der Schutzfristen zum Eingehen des kreativen Marktes führt, wie haben die denn dann vor ein paar Jahren noch überlebt? Wie haben die überhaupt jemals überlebt, die Schutzfristen waren ja schon immer kürzer als heute?

        Die Schutzfristedebatte halte ich allerdings für einen Nebenkriegsschauplatz.

        Der kreative Markt würde wie bescheuert aufblühen, wenn das Urheberrecht reformiert werden würde. Weil z. B. die Künstler bedenkenlos remixen und aufgreifen könnten, Werke nicht mehr verwaisten etc. pp. So einfach ist das.

        Was spricht denn diesbezüglich eigentlich gegen ein alternatives Modell wie z. B. die Kulturflatrate? Die Leute könnten runterladen, was sie wollten, und die Künstler würden trotzdem bezahlt. Es gäbe dann überhaupt keine illegalen Downloads mehr.

      6. Die Kulturflatrate (und auch die Kulturwertmark) mutet den Künstlern in gewisser Weise genau das zu, was die Gegner von Acta (zu Recht oder zu Unrecht) befürchten. Nämlich die Errichtung eines übermächtigen Zentralapparats, der Kunst zentral registriert, kontrolliert (zwecks Missbrauchsvermeidung), bewertet und Geld zuteilt. Auch wenn es vielleicht gut gemeint ist, erinnern mich solche Systeme an die Kulturpolitik totalitärer Staaten, da sie – bei genauerer Betrachtung – die perfekte Voraussetzung für umfassende Überwachung und Steuerung schaffen.
        Ich – für meinen Teil – kann mir lebhaft ausmahlen, zuwas das führt. Mir graut davor.

      7. Das haben wir aber schon längst. GEMA und GEZ arbeiten schließlich genauso. Außerdem ist die derzeitige Alternative, dass die Verlage die Rolle übernehmen, die du gerade beschreibst.

        Das wir damit ein Verteilungsproblem bekommen, ist klar. Aber keines, das wir nicht ohnehin schon hätten. Außerdem sehe ich im Moment als einzige Überwachung eher einen Teil Nutzerüberwachung, wenn die Verteilung z. B. an der Anzahl Downloads oder Zugriffen o. ä. festgemacht wird – das ist dem Nutzer aber sicherlich hundertmal lieber, als die Totalüberwachung, die für das bestehende System anscheinend zur notwendigen Voraussetzung gezählt wird.

        Welche ÜBerwachungen siehst du denn dort noch? Vor allem: welche Überwachung, die im bestehenden system nicht schon durch dei Verlage ausgeführt wird?

  38. Mal ganz unabhängig vom Inhalt – wer greift zu den aggressiveren Beschreibungen der Vertretern anderer Meinung? Die Autoren des Briefes oder der Autor der Antwort auf den Brief? „Drollig“ – so findet der Autor der Antwort den Brief. Drollig finde ich einen Clown oder eine Welpe. Drollig ist aggressiv, wenn es auf Menschen gemünzt wird, die ihr Anlegen vortragen.

    1. Mal ganz unabhängig vom Inhalt – wer hat wohl mehr Grund zu einem entgleisenden Tonfall? Der, der von seinem Diskussionspartner bereits in einem schlimmeren Tonfall angesprochen wurde oder der, der das Gespräch so eröffnet?

      Gerade deshalb finde ich die Antwort noch sehr gemäßigt – mehrfach Demagoge und Lügner genannt zu werden finde ich persönlich schlimmer als drollig genannt zu werden. Aber ich bin auch nicht gerade 100% unvoreingenommen.

  39. Die Schutzfristen sind so wie sie sind gerecht und haben sich lange bewährt!!!! Leider bietet das Internet jetzt gewisse Schlupflöcher, so dass den Urhebern ein Schaden entsteht, d.h. die Durchsetzung des Urheberrechts muss auch dort möglich werden.

    Kürzere Schutzfristen sind schon deshalb Unfug, weil sich z.B. bei Musikschöpfungen (z.B. Songs) der Erfolg oftmals erst später einsetzt. Es dauert manchmal Jahre, gar Jahrzehnte, bis ein Buch oder ein Song wirklich zum Erfolg wird. Und warum soll es dann dem Urheber nicht mehr möglich sein, sein eigenes Schaffenswerk zu verwerten? Und warum sollen diese Rechte nicht vererbbar sein? Von was sollen z.B. die Hinterbliebenen von freischaffenden Urhebern leben, wenn nicht von den Tantiemen? Wäre das denn tatsächlich gerecht, dass sich „User“ die Inhalte solcher Künstler zu nutze machen und davon leben, während gleichzeitig die Angehörigen von verstorbenen Künstlern von Harz IV leben?

    Gerade Musikschöpfungen werden häufig öfter als einmal „neu verpackt“, und zwar von den Komponisten selbst, in der Hoffnung, dass es mal klappt. Bei verkürzten Schutzfristen (5 Jahre) könnte JEDER dieses Stück nehmen und Profit daraus ziehen. WER wäre bei diesem System denn der Gelackmeierte?

    Auch dieser abstruse Vergleich mit dem Patentschutz: Patente gibt’s auf technische Entwicklungen. Und Entwicklungen bauen auf vorhergehende Entwicklungen auf. Um also den Entwicklungsgedanken zu fördern, wird der Patentschutz begrenzt. Hier hat sich gezeigt, dass 20 Jahre reichen, um eine technische Neuerung zu verwerten. Im Gegenzug für die Gewährung der 20 Jahre offenbart der Erfinder seine Geheimnisse.

    Es ist schon absurd, zu behaupten, dass „Schutzbestimmungen und Restriktionen eine Wissens- und Informationsgesellschaft behindern und die WEITERENTWICKLUNG von WERKEN und die Nutzung von Wissen unverhältnismäßig behindern“ würden. Es gibt den Entwicklungsgedanken – wie es ihn beim Patentrecht gibt – im Urheberrecht nicht, und das aus guten Gründen. Will jemand vielleicht tatsächlich behaupten, er möchte die West Side Story uneingeschränkt nutzen, weil er sei weiterentwickeln will???? Kein halbwegs seriöser Musiker würde jemals auf diesen Gedanken kommen.

    Aber ich hab eine gute Nachricht: Ihr könnt Euch jetzt schon von solchen Werken, und zwar kostenlos inspirieren lassen; der künstlerischen Weiterentwicklung sind KEINERLEI Grenzen gesetzt.

    Auch ist des falsch, hier zu behaupten, Computer-Spiele könne man nicht schützen. Auf Spiele gibt es Urheberschutz!!!! Auf Computer-Programme, sofern es sich um computer-implementierte Erfindungen handelt, gibt es Patentschutz; auf Grafiken des Spiels gibt es Designschutz. Und wenn jemand hergeht und sagt das Spiel ist Kunst!!!! OK, das kann er auch machen und er kann es in einer Kunstgalerie ausstellen und als Künstler in Erscheinung treten.

    Zum Schluss möchte ich noch auf eines hinweisen: Es laufen im Internet auch sog. Kreative Sturm gegen das Urheberrecht, die nicht nur die Inhalte (z.B. Musik) konsumieren wollen, sondern speziell solche Kunstwerke in ihre Produkte, natürlich kostenlos, einbinden wollen.

    Diese Leute verfolgen gezielt ein geschäftliches Interesse!!! Wenn jemand ein Spiel bastelt und urheberrechtlich geschützte Musik verwendet, dann muss gerade in diesem Fall dafür bezahlt werden. Es darf nicht sein, dass solche Leute unter dem Vorwand „Freiheit fürs Internet“ das Urheberrecht aushebeln und auf Kosten der Urheber Kapital schlagen!!!!.

    1. Stück für Stück:

      Die Schutzfristen sind so wie sie sind gerecht und haben sich lange bewährt!!!!

      Nein, sie haben sich weder bewährt, noch sind sie gerecht, denn sie sind zu lang. Es gibt keinen Beweis dafür, dass das Urheberrecht nützlich ist und den von ihm verfolgten Zweck erreichen kann.

      Leider bietet das Internet jetzt gewisse Schlupflöcher, so dass den Urhebern ein Schaden entsteht, d.h. die Durchsetzung des Urheberrechts muss auch dort möglich werden.

      Die Durchsetzung im Internet ist möglich und wird vielfach praktiziert. So gar so exzessiv, dass es bereits einen Referentenentwurf zur Entschärfung urheberrechtlicher Abmahnungen gegenüber Verbrauchern gibt.

      Kürzere Schutzfristen sind schon deshalb Unfug, weil sich z.B. bei Musikschöpfungen (z.B. Songs) der Erfolg oftmals erst später einsetzt. Es dauert manchmal Jahre, gar Jahrzehnte, bis ein Buch oder ein Song wirklich zum Erfolg wird. Und warum soll es dann dem Urheber nicht mehr möglich sein, sein eigenes Schaffenswerk zu verwerten?

      So weit ich sehe, stellen alle Diskussionen auf den Schutz pma ab.

      Und warum sollen diese Rechte nicht vererbbar sein? Von was sollen z.B. die Hinterbliebenen von freischaffenden Urhebern leben, wenn nicht von den Tantiemen?

      Weil die Hinterbliebenen des Urhebers nicht der Urheber sind, sondern selber Werke schaffen können.

      Wäre das denn tatsächlich gerecht, dass sich „User“ die Inhalte solcher Künstler zu nutze machen und davon leben, während gleichzeitig die Angehörigen von verstorbenen Künstlern von Harz IV leben?

      Es geht bei den aktuellen Diskussionen nicht um die gewerbsmäßige Verletzung, sondern um solche im Privatbereich.

      Gerade Musikschöpfungen werden häufig öfter als einmal „neu verpackt“, und zwar von den Komponisten selbst, in der Hoffnung, dass es mal klappt. Bei verkürzten Schutzfristen (5 Jahre) könnte JEDER dieses Stück nehmen und Profit daraus ziehen. WER wäre bei diesem System denn der Gelackmeierte?

      5 Jahre pma kann jedenfalls nicht der Urheber sein, denn der ist dann schon tot, mindestens fünf Jahre.

      Auch dieser abstruse Vergleich mit dem Patentschutz: Patente gibt’s auf technische Entwicklungen. Und Entwicklungen bauen auf vorhergehende Entwicklungen auf.

      Das ist bei Musik nicht anders.

      Um also den Entwicklungsgedanken zu fördern, wird der Patentschutz begrenzt. Hier hat sich gezeigt, dass 20 Jahre reichen, um eine technische Neuerung zu verwerten. Im Gegenzug für die Gewährung der 20 Jahre offenbart der Erfinder seine Geheimnisse.

      Und beim Urheberrecht muss nichtmal offenbart werden.

      Es ist schon absurd, zu behaupten, dass „Schutzbestimmungen und Restriktionen eine Wissens- und Informationsgesellschaft behindern und die WEITERENTWICKLUNG von WERKEN und die Nutzung von Wissen unverhältnismäßig behindern“ würden.

      Einer der größten und bekanntestes Musiker war selber ein ziemlich feister Plagiator: WA Mozart. Und dass das jetzige Recht Weiterentwicklungen behindert, erscheint mir gesichert (BGH – Metall auf Metall).

      Es gibt den Entwicklungsgedanken – wie es ihn beim Patentrecht gibt – im Urheberrecht nicht, und das aus guten Gründen. Will jemand vielleicht tatsächlich behaupten, er möchte die West Side Story uneingeschränkt nutzen, weil er sei weiterentwickeln will???? Kein halbwegs seriöser Musiker würde jemals auf diesen Gedanken kommen.

      Fast jeder gute Musiker macht das. „Good Artists Borrow, Great Artists Steak“.

      Aber ich hab eine gute Nachricht: Ihr könnt Euch jetzt schon von solchen Werken, und zwar kostenlos inspirieren lassen; der künstlerischen Weiterentwicklung sind KEINERLEI Grenzen gesetzt.

      Und wie kam es dann zur BGH-Entscheidung Metall auf Metall?

      Auch ist des falsch, hier zu behaupten, Computer-Spiele könne man nicht schützen. …

      straw man argument.

      Zum Schluss möchte ich noch auf eines hinweisen: Es laufen im Internet auch sog. Kreative Sturm gegen das Urheberrecht, die nicht nur die Inhalte (z.B. Musik) konsumieren wollen, sondern speziell solche Kunstwerke in ihre Produkte, natürlich kostenlos, einbinden wollen.

      So wie das große Künstler halt machen.

      Gruß

    2. „Leider bietet das Internet jetzt gewisse Schlupflöcher, so dass den Urhebern ein Schaden entsteht, d.h. die Durchsetzung des Urheberrechts muss auch dort möglich werden.“

      Und wie willst du das im Internet zuverlässig durchsetzen? Totalüberwachung sämtlicher Aktivitäten aller Nutzer?

      1. Die haben wir doch ohnehin schon, hmm?

        Aber ich wiederhole mich gerne. Vielleicht kann man endlich aufhören, sich die Argumente an den Kopf zu werfen, ohne einen Schritt weiter zu kommen. Lieber le D, liebe Sandra – dann sagt halt mal wie ihr glaubt dass man dem vermehrten und immer dem Urheber gegenüber ungerechteren Konsum begegnen kann? Ich freue mich sehr über praktikable, gerechte Vorschläge!

        Und da ja so oft betont wird, dass die Piraten das Urheberrecht nicht schwächen sondern stärken wollen, können wir hier auch sofort aufhören über Aufhebung resp. Reduzierung von Schutzfristen und Co. zu sprechen weil das würde ja das Urheberrecht unbestritten schwächen.

        Na? Oder ist das vielleicht alles doch nur ein Lippenbekenntnis, und die Urheber sollen nur in eine böse: „Wir-wollen-nix-ändern!“ – Ecke gestellt werden? Wenn dem so sei dann kann ich nur entgegnen: Nein, da stehen wir sicher nicht. Wir wollen einfach nur nicht über den Tisch gezogen werden, sind aber für Vorschläge immer offen.

        Aber Eigentum bleibt eben Eigentum. Alles andere ist halt dann doch Enteignung.

      2. Hallo Jungautor,

        Die haben wir doch ohnehin schon, hmm?

        Nein, glücklicherweise ist das nicht der Regelfall.

        Aber ich wiederhole mich gerne. Vielleicht kann man endlich aufhören, sich die Argumente an den Kopf zu werfen, ohne einen Schritt weiter zu kommen.

        Es wäre wunderschön (und konstruktiv), wenn die Argumente auch mal zur Kenntnis genommen werden. Ich bin eben deswegen zum Kiosk runter und habe mir das Handelsblatt zugelegt, um das nachher zu Lesen..

        ieber le D, liebe Sandra – dann sagt halt mal wie ihr glaubt dass man dem vermehrten und immer dem Urheber gegenüber ungerechteren Konsum begegnen kann? Ich freue mich sehr über praktikable, gerechte Vorschläge!

        Wenn jetzt Inhalte unter Verstoß gegen geltendes Recht konsumiert werden, dann schadet das dem Urheber im Regelfall(!) nicht, weil er die Nutzungsrechte durch einen total-buyout-Vertrag ohnehin nicht mehr hält, sondern ein Verlag (ein Sender oder eine ähnliche Institution). Die Situation der Urheber könnte (ziemlich kurzfristig btw) zB dadurch gestärkt werden, dass das Urhebervertragsrecht modifiziert und zu weiteren Teilen kodifiziert wird (das war im Jahr 200/2001 in der Diskussion, ist aber an massiven Widerständen und Lobbyismus der Sender und Verlage gescheitert). Oder aber, dass sich die Autoren gegen solche total-buyout-Verträge zur Wehr setzen.

        Dass ein Weniger an Schutz – und ein freiwilliges Geben – positive Effekte auf den wirtschaftlichen Erfolg hat, sieht man an den Büchern von Paulo Coelho mit seinen Verkäufen in Russland (und dem zum Herunterladen Bereitstellen seines Werks (ich weiß aus dem Kopf nicht mehr, ob es „nur“ eines war per mehrere).

        Und da ja so oft betont wird, dass die Piraten das Urheberrecht nicht schwächen sondern stärken wollen, können wir hier auch sofort aufhören über Aufhebung resp. Reduzierung von Schutzfristen und Co. zu sprechen weil das würde ja das Urheberrecht unbestritten schwächen.

        „Sofort“ Aufhören schonmal gar nicht und in eine Diskussion mit einem Verbot einzusteigen ist nicht konstruktiv. Über eine Verkürzung von Schutzfristen muss dringend diskutiert werden. Für einen Autor macht es keinen Unterschied, ob sein Werk 70 Jahre pma geschützt ist oder „nur“ 5 Jahre pma, weil der Schutz die Dauer seines Lebens übersteigt.

        Es gibt keinen Beleg dafür, dass das Urheberrecht seinen auch wirtschaftlichen Zweck erfüllt. Im Gegenteil gibt es sogar Studien, dass der Schutz des Urheberrecht für Autoren kontraproduktiv ist: Eckhard Höffner, Geschichte und Wesen des Urheberrechts. Ein wenig zur Beschreibung des Inhalts: http://www.fifoost.org/wordpress/?p=1640

        JFTR: Ich habe die beiden Werke von einem Verlag(!) als Entlohnung für einen Vortrag in dem Themenbereich bekommen.

        Na? Oder ist das vielleicht alles doch nur ein Lippenbekenntnis, und die Urheber sollen nur in eine böse: “Wir-wollen-nix-ändern!” – Ecke gestellt werden? Wenn dem so sei dann kann ich nur entgegnen: Nein, da stehen wir sicher nicht. Wir wollen einfach nur nicht über den Tisch gezogen werden, sind aber für Vorschläge immer offen.

        Von wem werden denn Autoren „über den Tisch gezogen“?

        Und warum stellst Du in Dienen paar Zeilen hinsichtlich zweier Punkte praktisch ein Denk-/Diskussionsverbot auf?

        Aber Eigentum bleibt eben Eigentum. Alles andere ist halt dann doch Enteignung.

        Eine Bestimmung des Inhalts des Eigentums ist keine Enteignung, sondern eine Inhaltsbestimmung (und ggf. Schrankbestimmung). Alleine schon, dass Du (wieder) mit dem Begriff einer Enteignung in die Diskussion einsteigst, verhärtet die unnötigerweise Fronten, denn: wenn nach Deiner Auffassung ohnehin keine Inhaltsbestimmung stattfinden darf (da das ansonsten eine Enteignung sei), erübrigt sich die Diskussion, weil sich nichts am status quo ändern kann.

        Grüße
        le D (der JFTR auch von der VG Wort ein paar Euro im Jahr für seine [kurzen] Fachwerke bekommt)

      3. Mir zu unterstellen ich würde eine Diskussion verbieten ist natürlich nicht richtig, weil ich das ja auch gar nicht kann und nicht will. Und man erinnere sich was der Grundtenor des Posts war: Ich bat um Gespräch. Ihre Behauptung ist Realsatire. Ich kann es nur nicht mehr lesen, immer die selben falschen Statements an den Kopf geworfen zu bekommen. Ich habe ja vorgeschlagen, endlich zum Lösungsorientierten Vorgehen überzugehen.

        Und noch ein letztes Mal: Natürlich ist es wichtig wie lange die Schutzfrist pma läuft.

        Achtung: Folgender konkreter Fall:

        Ich habe beispielsweise diese Woche einen Vertrag mit einem Öffentlich-Rechtlichen Sender abgeschlossen, der die Verwertung auf einem speziellen Sendeplatz für 20 Jahre regelt. Der Rest bleibt bei mir. Gäbe es es jetzt beispielsweise die von ihnen vorgeschlagene Schutzfrist von 5 Jahre pma könnte ich diesen Vertrag so gar nicht unterzeichnen, weil ich nicht weiß, ob ich resp. meine Erben in 20 Jahren noch die Rechte daran haben. Was heißt das in der Folge? Mein Honorar (das sich die letzten acht Jahre in der Branche genau wegen diesen u.a. Problemen übrigens im Reinbetrag kontinuierlich reduziert hat, die Inflation noch gar nicht mitgerechnet) würde sich dann also reduzieren. Die Sender verlangen ja immer mehr Rechte bzgl. der Trimedialität für weniger Geld. DIE lachen sich doch ins Fäustchen wenn meine Rechte geringer werden. Und was hat der Autor denn sonst für Rechte? NICHTS. Das bitte so sehr simple Recht am eigenen Werk – das hat er. Und das soll man ihm bitte auch nicht beschneiden. Ob es 70 Jahre sein müssen, darüber kann man reden. Aber es ist einfach nicht wahr, wenn man sagt – die Schutzfristenverkürzung gehe spurlos am Urheber vorbei. Das Gegenteil ist der Fall. Ich weiß nicht wo man im Urheberrecht den Urheber betreffend groß justieren sollte. Unsere Position ist doch bei aller anderslautenden momentanen Polemik im Netz ohnehin schon denkbar schlecht. Man muss den Teil des Urheberrechts angehen, dier die Verwertung angeht. Aber es wird zwar über die ach so böse „Contant-Industrie“ geschimpft, aber paradoxerweise spielt man ihr mit den oben genannten Vorschlägen nur in die Hände. Ich weiß nicht warum das so viele nicht begreifen oder begreifen wollen.

        Ein Autor der noch von der VG Wort Geld bekommt

      4. Mir zu unterstellen ich würde eine Diskussion verbieten ist natürlich nicht richtig, weil ich das ja auch gar nicht kann und nicht will.

        Und an der Stelle lehne ich mich zurück, denn

        … können wir hier auch sofort aufhören über Aufhebung resp. Reduzierung von Schutzfristen und Co. zu sprechen weil das würde ja das Urheberrecht unbestritten schwächen.

        Das ist die erste Ansage: keine Diskussion um Schutzfristen.

        Aber Eigentum bleibt eben Eigentum. Alles andere ist halt dann doch Enteignung.

        Das ist die zweite Ansage: keine Diskussion um die Bestimmung des Inhalts des Urheberrechts (die de jure nichtmal eine Enteignung wäre). (Über sinkendes Honorar der letzten acht Jahre: die letzte Erhöhung in meinem Bereich gab es 1994; und ja, auch ich bin Freiberufler).

        … der die Verwertung auf einem speziellen Sendeplatz für 20 Jahre regelt. Der Rest bleibt bei mir. Gäbe es es jetzt beispielsweise die von ihnen vorgeschlagene Schutzfrist von 5 Jahre pma könnte ich diesen Vertrag so gar nicht unterzeichnen, weil ich nicht weiß, ob ich resp. meine Erben in 20 Jahren noch die Rechte daran haben.

        Das ist a) juristisch ohne größere Probleme lösbar (man Bedingung) und wenn der Autor sich b) nicht gegen den Verlag oder Sender durchsetzen kann („wir machen den Vertrag auf 20 Jahre und wenn ich vorher sterbe, dann ist das für Euch halt Pech“), dann ist es doch kein sinnvoller Schluss, deswegen das Urheberrecht weiter zu verschärfen. Wie schon an anderer Stelle der Diskussion geschrieben: das Urhebervertragsrecht ist die Stellschraube, an der gedreht werden sollte. Nicht an den Schrauben, die auch den Verbraucher betreffen. Aber seltsamerweise lassen sich Autoren ohne groß sichtbaren Wiederstand a) auf total-buyout-Verträge ein (wo sie von einer Verschärfung des Rechts ohnehin nichts mehr hätten) und b) motzen wegen der bösen Verbraucher, die Werke „Raubkopieren“ und behaupten c) dann auch noch, dass ihnen(!) dadurch ein Schaden entstünde (was wirtschaftlich nicht sein kann, weil die Verwertungsrechte nicht mehr bei ihnen sind).

        Also bitte nochmal nachdenken: es gibt eine gleichlaufende Interessenlage von Werkschaffenden und Verbrauchern gegenüber den professionellen Verwertern.

        Das Urhebervertragsrecht sollte angegangen werden – erste sinnvolle Entwürfe stammen aus 2000/2001 und wurde da – wen wundert’s aber torpediert.

  40. • Stück für Stück:
    Die Schutzfristen sind so wie sie sind gerecht und haben sich lange bewährt!!!!
    „Nein, sie haben sich weder bewährt, noch sind sie gerecht, denn sie sind zu lang. Es gibt keinen Beweis dafür, dass das Urheberrecht nützlich ist und den von ihm verfolgten Zweck erreichen kann.“
    Der Zweck des Urheberrechts ist es einzig und alleine, das geistige Eigentum des Urhebers zu schützen. Das kann man z.B. mit Schutzfristen erreichen.
    Es ist nicht Zwecke des Urheberrechts, den Verbraucher zu schützen!!! Dafür gibt’s den Verbraucherschutz.
    Eigentum ist auch vererbbar (siehe Häuser, Geld). Dementsprechend muss es für die Erben weiter bestehen. Ein Patent ist grundsätzlich auch übertragbar und vererbbar!!!!
    Die Urheberrechte müssen sogar noch weiter gestärkt werden: Die Praxis zeigt, dass viel publizierende Urheber nicht mehr von der Verwertung der Urheberrechte leben können, das ist FAKT!!! Zuviel geht für lau über die Theke!
    ===============
    Leider bietet das Internet jetzt gewisse Schlupflöcher, so dass den Urhebern ein Schaden entsteht, d.h. die Durchsetzung des Urheberrechts muss auch dort möglich werden.
    „Die Durchsetzung im Internet ist möglich und wird vielfach praktiziert. So gar so exzessiv, dass es bereits einen Referentenentwurf zur Entschärfung urheberrechtlicher Abmahnungen gegenüber Verbrauchern gibt.“

    Falsch: Was heisst hier Verbraucher??? Ein Verbraucher zahlt ehrlich für seine Contents und ist aus dem Schneider!!! Wie das Beispiel Youtube zeigt, sehen die Urheber keinen Cent während Youtube Milliarden scheffelt.
    ===============
    Kürzere Schutzfristen sind schon deshalb Unfug, weil sich z.B. bei Musikschöpfungen (z.B. Songs) der Erfolg oftmals erst später einsetzt. Es dauert manchmal Jahre, gar Jahrzehnte, bis ein Buch oder ein Song wirklich zum Erfolg wird. Und warum soll es dann dem Urheber nicht mehr möglich sein, sein eigenes Schaffenswerk zu verwerten?
    „So weit ich sehe, stellen alle Diskussionen auf den Schutz pma ab.“
    Da siehst Du aber nicht sehr weit!
    ==============
    Und warum sollen diese Rechte nicht vererbbar sein? Von was sollen z.B. die Hinterbliebenen von freischaffenden Urhebern leben, wenn nicht von den Tantiemen?
    „Weil die Hinterbliebenen des Urhebers nicht der Urheber sind, sondern selber Werke schaffen können.“
    Siehe Statement zum Patentrecht (auch vererbbar!!!!)
    =============
    Wäre das denn tatsächlich gerecht, dass sich „User“ die Inhalte solcher Künstler zu nutze machen und davon leben, während gleichzeitig die Angehörigen von verstorbenen Künstlern von Harz IV leben?
    „Es geht bei den aktuellen Diskussionen nicht um die gewerbsmäßige Verletzung, sondern um solche im Privatbereich.“
    Eben nicht: Youtube verfolgt ganz ein klar ein geschäftliches Interesse!!! Wobei ich die Aufregung der Für-Lau-Nutzer nicht verstehe, denn die müssen ja nix bezahlen, nach wie vor kommt das Geld im Fall von Youtube von den Werbeeinnahmen und nicht von den Verbrauchern.
    =============
    Gerade Musikschöpfungen werden häufig mehr als einmal „neu verpackt“, und zwar von den Komponisten selbst, in der Hoffnung, dass es mal klappt. Bei verkürzten Schutzfristen (5 Jahre) könnte JEDER dieses Stück nehmen und Profit daraus ziehen. WER wäre bei diesem System denn der Gelackmeierte?
    „5 Jahre pma kann jedenfalls nicht der Urheber sein, denn der ist dann schon tot, mindestens fünf Jahre.“
    Warum sollte dann ein Künstler überhaupt noch was schaffen, für seine Lieben, wenn er weiß dass die daraus resultierenden Urheberrechte eh nix wert sind. KLAR wäre das ein gefundenes Fressen für die Kunst- und Kultursauger!!
    Im Prinzip wären die 5 Jahre pma klar auch eine Diskriminierung älterer Künstler, denn deren Urheberrechte würden damit stark an Wert verlieren. Zur Not könnte ein älterer Urheber seine Rechte abtreten. Was wenn die aber nix mehr wert sind???
    ==============
    Auch dieser abstruse Vergleich mit dem Patentschutz: Patente gibt’s auf technische Entwicklungen. Und Entwicklungen bauen auf vorhergehende Entwicklungen auf.
    „Das ist bei Musik nicht anders.“
    Wie gesagt, Du kannst Dich KOSTENLOS überall inspirieren lassen. Du kannst Dich sogar ganz an bestehende Kunstwerke (Romane, Musikschöpfungen) anlehnen; da bist Du sehr schnell aus dem „Schutzbereich“ raus.
    Wenn Du dagegen ein Musikstück kreierst und ganze Melodiefragmente rein-sampelst, dann ehrlich gesagt: Versuch doch mal selbst zu komponieren!!! Zum Schluss kommt noch der Plattenaufleger daher und behauptet, der ganze Abend war sein Kunstwerk und will Tantiemen vom Diskobetreiber.
    Und Tantiemen gibt’s Komponisten und nicht für Sampler.
    Im Patentbereich gibt’s Patentschutz für Erfinder, z.B. von Autoteilen. Es kommt auch kein Autokonzern daher und nimmt den Zulieferern die Einzelteile weg und behauptet, ja insgesamt wäre jetzt das Auto das Patent und jedes Einzelteil für sich verliert den Patentschutz!!!!
    ================
    Um also den Entwicklungsgedanken zu fördern, wird der Patentschutz begrenzt. Hier hat sich gezeigt, dass 20 Jahre reichen, um eine technische Neuerung zu verwerten. Im Gegenzug für die Gewährung der 20 Jahre offenbart der Erfinder seine Geheimnisse.
    „Und beim Urheberrecht muss nicht mal offenbart werden.“
    Nein, aber es wäre vielleicht ganz praktisch wenn das jeweilige Kunstwerk offenbart wird: Hätte ich ein Krimidrehbuch geschrieben, ich würde ja an die Decke springen, wenn mir das jemand z.B. als Tatort offenbart. Ich glaube Du hast die Wesensart von Kunst und Kultur noch nicht begriffen (im Unterschied zu technischem Know-How)
    ======================
    Es ist schon absurd, zu behaupten, dass „Schutzbestimmungen und Restriktionen eine Wissens- und Informationsgesellschaft behindern und die WEITERENTWICKLUNG von WERKEN und die Nutzung von Wissen unverhältnismäßig behindern“ würden.
    „Einer der größten und bekanntestes Musiker war selber ein ziemlich feister Plagiator: WA Mozart. Und dass das jetzige Recht Weiterentwicklungen behindert, erscheint mir gesichert (BGH – Metall auf Metall).“
    Wie schon erwähnt, es ist zu jederzeit möglich z.B. basierend auf der West Side Story ein ähnliches – ja vielleicht sogar besseres – Musical zu schaffen!!! Reicht das nicht??? Wer es beim Sampeln zu bunt treibt, der klaut eben auch. Wenn ich ein Auto baue und die Start/Stop-Mechanismus von BMW einbaue, dann ist das eben auch geistiger Diebstahl!!!
    Was hat eigentlich Mozart mit dieser Sache zu tun?
    ==================================
    Es gibt den Entwicklungsgedanken – wie es ihn beim Patentrecht gibt – im Urheberrecht nicht, und das aus guten Gründen. Will jemand vielleicht tatsächlich behaupten, er möchte die West Side Story uneingeschränkt nutzen, weil er sei weiterentwickeln will???? Kein halbwegs seriöser Musiker würde jemals auf diesen Gedanken kommen.
    „Fast jeder gute Musiker macht das. “Good Artists Borrow, Great Artists Steak”.
    Ich glaube, in einer von Dir geschaffenen Welt gäbe es nur ein einziges Lied, viel Spaß.
    ================
    Aber ich hab eine gute Nachricht: Ihr könnt Euch jetzt schon von solchen Werken, und zwar kostenlos inspirieren lassen; der künstlerischen Weiterentwicklung sind KEINERLEI Grenzen gesetzt.
    „Und wie kam es dann zur BGH-Entscheidung Metall auf Metall?“
    Jetzt drehst Du Dich im Kreis. Anfangs gings ja nur um private Nutzung. Ehrlich gesagt, es ist dem BGH und dem Urheber wurscht, was Du in Deinem Keller rumsampelst! Wenn jemand klar erkennbar Fragmente anderer Künstler benutzt und kommerziell vermarktet, dann was gibt’s da noch zu diskutieren?
    Es geht einfach nicht an, dass Leute hier das Urheberrecht am Patentrecht messen!!! Ihr solltet Euch einfach mal genau informieren, was da immer genau geschützt wird!!!
    Wenn – wie das ein paar Leute anregen – das Urheberrecht wie das Patentrecht gehandhabt werden soll, dann aber bitte mit ALLEM. D.h. Kunstschöpfungen legen nicht nur einen Schutzbereich durch sich selbst fest sondern es wird jedem Urheber gestattet, basierend auf einer Grundidee seines Werkes einen noch viel größeren Schutzbereich festzulegen. Das hätte zur Folge, dass ein Urheber 20 Jahre lang JEDEM untersagen kann, ein Werk, das auch nur ähnlich ist, zu verbreiten etc. plus Schadensersatzforderungen.

    1. Es wäre schön, wenn Du ansatzweise kenntlich machen würdest, welcher Teil von wem stammt. Es erleichtert das Lesen und das Antworten. Der Code dazu findet sich unter der Textbox.

      Der Zweck des Urheberrechts ist es einzig und alleine, das geistige Eigentum des Urhebers zu schützen.

      Mal abgesehen von dem dümmlichen Kampfbegriff: Das Urheberrecht soll den Urheber in seinen geistigen und persönlichen Beziehungen zum Werk und in der Nutzung des Werkes schützen und zugleich einer angemessenen Vergütung dienen. Aber bereits jetzt ist das UrhG nicht grenzenlos (und muss es auch nicht sein; im Gegenteil: 14 II 2 GG; und über genau diese Grenzen muss (und wird) geredet werden, damit das UrhG seine Legitimation nicht noch weiter verliert..

      Das kann man z.B. mit Schutzfristen erreichen.
      Es ist nicht Zwecke des Urheberrechts, den Verbraucher zu schützen!!!
      Dafür gibt’s den Verbraucherschutz.

      Es ist auch Zweck des UrhG die Grenzen des UrhG zu definieren und Bestimmungen zu treffen, die eine angemessene Nutzung (egal, ob mit oder ohne Kompensation) möglich machen.

      Eigentum ist auch vererbbar (siehe Häuser, Geld). Dementsprechend muss es für die Erben weiter bestehen.

      Wenn Du mit „es“ das Urheberrecht meinst: 5 Jahre PMA. Es besteht.

      Ein Patent ist grundsätzlich auch übertragbar und vererbbar!!!!

      Ja und?

      Die Urheberrechte müssen sogar noch weiter gestärkt werden: Die Praxis zeigt, dass viel publizierende Urheber nicht mehr von der Verwertung der Urheberrechte leben können, das ist FAKT!!! Zuviel geht für lau über die Theke!

      Dass jemand nicht von der Verwertung seiner Werke leben kann bedeutet nicht, dass das UrhG gestärkt wird. Meine Frau ist Lektorin; was ich da an schlechten Büchern zu hören und zu sehen bekomme… Da ist es gut, dass der Urheber davon nicht leben kann.

      Und es ist nicht geboten, dass jeder von dem Leben kann, was er gerne machen möchte.

      Falsch: Was heisst hier Verbraucher??? Ein Verbraucher zahlt ehrlich für seine Contents und ist aus dem Schneider!!! Wie das Beispiel Youtube zeigt, sehen die Urheber keinen Cent während Youtube Milliarden scheffelt.

      Du lehnst Dich weit aus dem Fenster. „Falsch“ ist eine absolute Kategorie. Und vor mir liegt der Referentenentwurf aus dem BMJ zu genau diesem Thema der ist überschrieben mit „Entwurf eines Gesetzes gegen unseriöse Geschäftspraktiken“. Da heißt es bei der Problembeschreibung: „Unseriöse Geschäftspraktiken in den Bereichen Inkassowesen, Telefonwerbung und Abmahnwesen sowie im Zusammenhang mit datenschutzrechtlichen Einwilligungen sind immer wieder Gegenstand von Beschwerden der Bürgerinnen und Bürger.
      Diesen Praktiken ist gemeinsam, dass die betroffenen Bürgerinnen und Bürger, obwohl sie selbst entweder keine oder nur vergleichsweise geringfügige Rechtsverstöße begehen, erhebliche Verluste finanzieller oder immaterieller Art hinnehmen müssen oder zumindest der Gefahr solcher Verluste ausgesetzt sind. Dies hat das Rechtsempfinden einiger Bürgerinnen und Bürger erheblich gestört.“.

      Bei mir im Büro stapeln sich einige Akten von Filesharing-Verfahren (also behaupteter Verstoß gegen das UrhG im Regelfall durch Verbraucher). Da gibt es einen erheblichen Verfolgungsdruck.

      Und Deine Aussage zu youtube erscheint mir sachlich falsch, denn youtube zahlt (im Ausland) an Urheber. Im Inland gibt es noch keine Einigung mit der Gema und deswegen gibt’s aus deutschem Territorium stammenden Besuchern manchmal schwarze Hinweise.

      Da siehst Du aber nicht sehr weit!

      1. Argumentum ad hominem und 2. wo wird denn nicht auf eine Frist pma abgestellt?

      Siehe Statement zum Patentrecht (auch vererbbar!!!!)

      Das ist keine Begründung, sondern ein Analogieschluss.

      Eben nicht: Youtube verfolgt ganz ein klar ein geschäftliches Interesse!!! Wobei ich die Aufregung der Für-Lau-Nutzer nicht verstehe, denn die müssen ja nix bezahlen, nach wie vor kommt das Geld im Fall von Youtube von den Werbeeinnahmen und nicht von den Verbrauchern.

      Und wenn es keine Einigung über die Zahlungen gibt, werden Teildienste ausgeblendet.. Und das wollen Nutzer nicht, sondern sie wollen den gesamten Dienst nutzen können und nicht ausgeblendet werden.

      Warum sollte dann ein Künstler überhaupt noch was schaffen, für seine Lieben, wenn er weiß dass die daraus resultierenden Urheberrechte eh nix wert sind. KLAR wäre das ein gefundenes Fressen für die Kunst- und Kultursauger!!
      Im Prinzip wären die 5 Jahre pma klar auch eine Diskriminierung älterer Künstler, denn deren Urheberrechte würden damit stark an Wert verlieren. Zur Not könnte ein älterer Urheber seine Rechte abtreten. Was wenn die aber nix mehr wert sind???

      Wieso denn „nix wert“ und wieso „für seine Lieben“ – Sie schützen ihn für die Zeit seines Lebens zuzüglich 5 Jahre. Ich kenne keinen Künstler, der Kunst macht, weil er seine Lieben damit absichern will. Im Regelfall machen Künstler Kunst, um ihren Gefühlen wahrnehmbaren Ausdruck zu verleihen. Und es gibt nicht nur Künstler, die alt sterben sondern auch solche die jung sterben, wobei allen gemeinsam ist, dass mit dem Tod das Leben zu Ende ist. Es macht für den Schutz des Werkes also keinen Unterschied, ob der Künstler Jung stirbt oder alt.

      Wie gesagt, Du kannst Dich KOSTENLOS überall inspirieren lassen. Du kannst Dich sogar ganz an bestehende Kunstwerke (Romane, Musikschöpfungen) anlehnen; da bist Du sehr schnell aus dem „Schutzbereich“ raus.

      Du idealisierst: das Landgericht Köln untersagt wegen Verstoß gegen das Urheberrecht den Verkauf von Karnevalskostümen, weil der Eindruck entstehen kann, dass das Pippi Langstrumpf-Kostüme sind. Da Gag dabei: Die Merkmale mit denen Astrid Lindgren die Beschreibung der Bekleidung in den Büchern gemacht hat, wurde abgewandelt.

      Folge: auch die kleine sechsjährige, die zu Karneval als Pippi geht, verstößt gegen das Urheberrecht und kann kostenpflichtig auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. Wenn das kein Exzesse des geltenden Recht ist, dann fällt mir wenig ein, was noch als Beispiel herhalten könnte…

      Nein, aber es wäre vielleicht ganz praktisch wenn das jeweilige Kunstwerk offenbart wird: Hätte ich ein Krimidrehbuch geschrieben, ich würde ja an die Decke springen, wenn mir das jemand z.B. als Tatort offenbart. Ich glaube Du hast die Wesensart von Kunst und Kultur noch nicht begriffen (im Unterschied zu technischem Know-how)

      Hmm. Wenn Du ein Werk kreierst und es in die Schublade legst, dann kann es kein anderer Öffentlich machen. Ich habe mein Studium zu wesentlichen Teilen dadurch finanziert, das ich Kunst öffentlich vorgeführt habe.

      Wie schon erwähnt, es ist zu jederzeit möglich z.B. basierend auf der West Side Story ein ähnliches – ja vielleicht sogar besseres – Musical zu schaffen!!! Reicht das nicht???

      Wie denn, wenn Folgendes gilt: „Ein Eingriff in die Tonträgerherstellerrechte ist bereits dann gegeben, wenn einem fremden Tonträger nur kleinste Tonfetzen entnommen werden“. Und hinsichtlich des Schutzumfanges wird sich kein Unterschied ergeben, wenn dadurch bereits das verhältnismäßig schwache Recht der Tonträgerhersteller verletzt wird. Das Argumentum a fortiori ist da naheliegend.

      Ich glaube, in einer von Dir geschaffenen Welt gäbe es nur ein einziges Lied, viel Spaß.

      Es gäbe mehr.

      Ihr solltet Euch einfach mal genau informieren, was da immer genau geschützt wird!!!

      dito. Und vor allem solltest Du auch ins Auge fassen, was die Rechtsprechung aus den Regelungen macht und in welcher Reichweite sie in der Praxis angewendet werden.

      1. Ja, sprechen wäre ganz nett. Warum wird auf keine meiner Antworten oben mehr eingegangen?

        Und ich denke, le D hat durchaus ein paar Beispiele gebracht.

        Und hatte ich nicht schon mehrfach gelesen, dass aus Verlagssicht die Verarbeitung eines Werks ein paar Jahre nach Erscheinen abgeschlossen ist?

        Vor allem kommt hier immer noch die Argumentation, dass der Verbraucher zahlen muss, weil die Verlage die Künstler abzocken. Ich wage mal die Prognose: auch nach neueren Verschärfungen werden die Künstler davon höchstens noch ein paar Brotkrumen sehen, der Rest geht an die verlage, und dann muss wieder eine verschärfung, ein weiteres Leistungsschutzrecht o. ä. gefordert werden, weil die Gehaltsverhandlungen zwischen Künstlern und Verlagen anscheinend nicht mehr zwischen Künstlern und Verlagen stattfinden, sondern die Küsntler den Verlagen noch mehr Geld zuschanzen wollen in der Hoffnung, dass irgend etwas davon zu ihnen durchsickert. Das Urheberrecht wurde verschärft und verschärft, die Schutzfristen immer weiter ausgedehnt, aber den Künstlern scheint es trotzdem nicht besser zu gehen.
        Ihr kämpft am falschen Ende, und der Nutznießer eures Kampfes ist das eigentliche Problem.

  41. Was mich bei aller Diskussion tatsächlich sehr verwundert ist die unerwartet niedrige Wertschätzung und das Absprechen von Grundrechten den Kreativen gegenüber auf relativ breiter Basis.

    Also Autor muss ich oft mich mit anderen Berufen beschäftigen. Und bin immer wieder erstaunt, mit was Menschen sich beschäftigen, und wie gut sie jeweils in ihrer Profession sind. Ich liebe Profession. Weil es bedeutet, man macht es etwas gern und aus tiefstem Herzen.

    Und das ist vielleicht auch der springende Punkt vielleicht herrscht deshalb so ein Affront, weil so viele Menschen mit Ihrer Tätigkeit nicht zufrieden sind. Ich war auch schon mal im Angestelltenverhältnis mit Tarifvertrag und pipapo, aber ich habe es aufgegeben, weil ich nicht glücklich war. Heute kämpfe ich Jahr für Jahr um mein Auskommen als Freiberufler, aber ich bin glücklich.

    Autoren sind privilegiert. Weil sie sich mit Existentiellen Themen auseinander setzen dürfen, weil sie Tag für Tag ein Stück mehr begreifen, was das Leben ausmacht.

    Sie sind aber wirklich nicht privilegiert was ihre Rechte und gerechte Entlohnung angeht. Da würde ich bei aller Diskussion mich doch um mehr Genauigkeit hinsichtlich der Themen bitten. Verwertung muss angegangen werden.

    Übrigens hat heute ARD und ZDF zusammen mit der Produzentenallianz einen VoD – Kanal (Germanys Gold) gegründet. Darüber muss man diskutieren.

    Und hier noch ein Link, für die, die in langweiligen 8 to 5 Jobs gefangen sind. Herzliche Einladung – es ist alles ganz ganz einfach.

    http://www.diw.de/de/diw_01.c.392208.de/themen_nachrichten/soep_studie_kuenstler_sind_gluecklicher_mit_ihrer_arbeit_als_andere_menschen_besonders_wenn_sie_viel_arbeiten.html

    1. Manno Oh Mann. Sie begrüßen die Einführung einer Echtzeitüberwachung aller Nutzer und wundern sich dann über eine niedrige Wertschätzung gegenüber „Künstler“ wie Ihnen.

      Was kommt als nächstes? Ist die Würde des Menschen doch antastbar? Etwa wenn er gegen Urheberrechte verstößt?

      Wenn wir in Zukunft chinesiche Verhältnisse haben, wenn kritische Meinungen im Inernet der Zensur zum Opfer fallen, wenn das Wort Demokratie nur noch auf dem Papier existiert,dann ist das „Künstlern“ wie Ihnen geschuldet.

      Wenn Ihnen unsere demokratische Gesinnung in Europa nicht gefällt dann gehen Sie doch bitte nach China, dort werden „Künstler“ wie Sie mit Kusshand empfangen.

      1. Kein Mensch will Zensur. Hab ich nie behauptet und werd ich auch nie. Was für eine kurzsichtige Argumentationsweise. Eine Aufweichung des Urheberrechts ermöglicht also eine unüberwachte Internetbenutzung und legt gleichzeitig exhibitionistische social-network Plattformen ect. lahm oder wie?

        Oh-mein-Gott.

        Ich weiß nicht was Sie machen Sandra, aber ich garantiere Ihnen Ihre Berufsbezeichnung nicht in Anführungsstriche zu setzen. Weil ich mir auch im Netz despektierliche Angewohnheiten nicht angewöhnen werde.

        Und schön daß Sie das Grundgesetz ansprechen. Dort ist das Urheberrecht nämlich verankert. Nur so zur Erinnerung.

        MAN BEACHTE: Das ist die Reaktion auf meine konkreten Fragen und das Angebot, endlich mal weiter zu kommen in der Diskussion. Wahnsinn…

        Also? Wer oder wie soll eine Kulturflatrate überwachen? Wie soll die Verteilung aussehen? Oder soll ich mich da auch in China erkundigen? Die haben damit wohl auch mehr Erfahrung.

      2. Genau, wer aufbegehrt und sich dem Banner FREIES INTERNET nicht widerspruchslos unterordnet, wird erstmal in Anführungszeichen gesetzt, bevor ihm dann die Emigration nahe gelegt wird. Unter den wachsamen Augen von Mitkämpfern wie Frau Sandra, sollte das jedem Gegner der Bewegung eine Warnung sein.

      3. „Und schön daß Sie das Grundgesetz ansprechen. Dort ist das Urheberrecht nämlich verankert. Nur so zur Erinnerung.“

        Nein, dort ist das Urheberrecht nicht verankert. Dort ist nur das Eigentum verankert (und die Ausgestaltung den einfachen Gesetzen überlassen).

        Im GG steht also, dass es Eigentum gibt – und nehmen wir „geistiges Eigentum“ mal dazu, was nicht zwingend ist – aber unabhängig davon: im Grundgesetz steht nicht, wie das Eigentumsrecht ausgestaltet werden muss. Und was im GG – und dann noch im selben Artikel – steht ist auch, dass Eigentum den Eigentümer verpflichtet und es auch dem Allgemeinwohl dienen soll. Dieser Teil wird in der Diskussion selten erwähnt.

        Klar ist insoweit nur, dass das Eigentum keine leere Hülle sein darf, aber es bedeutet im Gegenzug auch nicht, dass es so stark und mit allen Facetten ausgeprägt sein muss, wie es das momentan ist.

      4. 1. Natürlich bezieht sich das GG auch auf geistiges Eigentum. Man nenne mir nur einen Grund. Ach stimmt – Anworten gibt man hier ja nicht gern. Vor allem wenn Sie einem die eigenen Argumentationslücken aufzeigen.

        2. Der Vollständigkeit halber sei aber erwähnt, dass dort auch verankert ist, daß eine Enteignung nur dann gerechtfertigt ist, wenn sie dem Wohle der Allgemeinheit dient. Dann aber muss eine gerechte Entschädigung stattfinden. Merken Sie was? Wir drehen uns im Kreis.

        Und warum? Weil es nicht das Urheberrecht ist, was angegangen werden muss, sondern das Verwertungsrecht.

      5. „Natürlich bezieht sich das GG auch auf geistiges Eigentum.“

        Nein, Art. 14 Abs. 1 GG lautet: „(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.“ Was Eigentum denn ist, wird im GG nicht geregelt, sondern das wird (auch bei Sacheigentum) den einfachen Gesetzen und der Rechtsprechung; ich nenne hier nur mal das Stichwort: „Naßauskiesung“) überlassen.

        In der Grundrechtevorlesung im zweiten Semester wurde „Geistiges Eigentum“ mit keinem einzigen Wort erwähnt. In meinen Augen ist das Konstrukt eines „Geistigen Eigentums“ (alleine der Begriff ist schon zweifelhaft) auch schon ob dessen dogmatischer Konstruktion nicht mit Sacheigentum vergleichbar (aber das wollen Verfechter eines starken „geistigen Eigentums“ nicht hören).

        Und zum Stichwort: „Enteignung“: Nicht alles, was sich inhaltlich mit Eigentum beschäftigt ist eine Enteignung. Es kann ohne weiteres eine verfassungsrechtlich zulässige Inhalts- und Schrankenbestimmung sein.

        Und zum Teil „und warum?“: nach klassischem Verständnis der UrhG stehen dem Urheber zwei Arten von Rechten zu, nämlich das Urheberpersönlichkeitsrecht einerseits und die Verwertungsrechte andererseits. Das Urheberrecht ist damit der Oberbegriff (und würde damit auch inhaltlich geändert, wenn man die Verwertungsrechte [ja, es gibt deutlich mehr als eins] angeht).

      6. Dass geistiges Eigentum verfassungrechtlich geschützt ist, dem dürfte sicher kein Verfassungsrechtler widersprechen. Auch wenn das nicht ausdrücklich im Grundgesetz erwähnt wird. Und sollte es in Zukunft noch weiteren Klärungsbedarf geben, dann wird das Verfassungsgericht ziemlich sicher für die Urheber und nicht im Sinne der Kostenlosfraktion im Netz entscheiden. Da ändern die kruden Rechtsauslegungen von Amateurjuristen auch nichts dran. Dass die Position der Urheber rechtlich so einfach zu erschüttern ist, ist sicher ein virtueller Wunschtraum.

      7. Lieber Le D!
        Ich kann leider die Qualität Ihrer Vorlesung nicht beurteilen, aber den Begriff des geistigen Eigentums habe ja nicht ich erfunden. Der stammt – ich hole für Sie hier gerne Wissen auf – aus der Zeit der Aufklärung und hat diesem Land eine geistige, breite Fülle beschert, die nicht mehr finanziell und ideell abhängig ist vom früheren Mäzenatentum. Aber wir können auch gerne das Gesundheitswesen wieder abschaffen, und die Gleichberechtigung der Frau, und die Demokratie, und…

        Und mir ist klar, dass die VerwertungsrechtE ein Teil des Urheberrechts sind. Dann hab ich mich für Sie vielleicht klar genug ausgerdrückt: Also nochmal:

        Es muss der Teil des Urheberrechts angegangen werden, der die Verwertungsrechte betrifft.
        Zufrieden?

      8. Soweit ich informiert bin, hat die Zahl der Neuveröffentlichungen drastisch abgenommen, nachdem das Urheberrecht kam, oder irre ich mich da?
        Und ist nicht einhellige Meinung, dass eine Zeit wie die Industrialisierung mit einem Patentrecht wie heute gar nicht möglich gewesen wäre? Hätte sich der Erfinder des WWW dies patentieren lassen, das Internet wäre entsprechend ärmer dran.

        Eine Diskussion über eine konkrete Ausgestaltung der Kulturflatrate habe ich weiter oben schon mit Ihnen begonnen, die können wir gerne fortsetzen.

        Verstehe ich Sie richtig, dass Sie nicht für eine Vorratsdatenspeicherung oder ähnliche Überwachungstechniken sind?

  42. @Jungautor

    Das wir hier in dieser Diskussion nicht weiter kommen ist doch hauptsächlich Ihnen geschuldet, werter Jungautor. Sie haben eine Meinung, von der Sie scheinbar nicht einen Zentimeter abweichen werden. Die geltenden Schutzfristen sind nach Ihnen völlig legitim und bedürfen keiner Korrektur (jedenfalls nicht nach unten). Desweiteren sprechen Sie sich für eine Echtzeitüberwachung im Internet aus. (Dass Sie damit eine Überwachungs-Infrastruktur herbei schwören, die auch sehr leicht missbraucht werden kann, nehmen Sie offensichtlich in Kauf.) Was gibt es hier also noch zu diskutieren?

    Ach ja stimmt, bei Ihnen besteht noch Diskussionsbedarf bezüglich einer Kulturflatrate. Also ich kann Ihnen nicht beantworten, wie eine solche konkret ausgestaltet werden könnte. Da fragen Sie mal lieber den Kommentator „KH“. Er war nämlich der einzige hier, der dieses Wort in den Raum geworfen hat – und das ist auch schon fast ne Woche her.

    Gibt es sonst noch irgendwelche Beschwerden?

    1. Liebe Sandra – Sie amüsieren mich.
      Sie wollen doch nicht verstehen.

      Den Piraten als öffentlichsten Vertreter der neuen Diskussion um das Urheberrecht geht aus eigenen Angaben heraus um eine Verbesserung die Urhebern und Nutzern gleichermassen zugute kommt und den Verwerter schwächt. Soweit verstanden?

      Ich diskutiere auch gerne mit Ihnen über Schutzfristen, wenn Sie mir erklären können wie die Senkung BEIDEN helfen kann. Ich diskutiere weiter gerne über Möglichkeiten der neuen Nutzung von Inhalten im Internet entgegen zu kommen. Wenn Sie eine geniale Alternative zu Kulturflatrate haben, dann müssen wir über diese auch gar nicht mehr reden. Aber nur zu sagen:

      Ihr lieben Urheber, Ihr seid reaktionär, stur und wollt gleichzeitig einen Überwachungsstaat nur damit ihr weiter Euer Geld für Eure „Künstlerischen“ Produkte bekommt –

      ist ein bißchen einschichtig und geht darüberhinaus sowas von meilenweit an der Wirklichkeit vorbei.

      Nochmal, anscheinend muss man es Ihnen immer mehrfach sagen: ICH und WIR wollen keine Echtzeitüberwachung. Wir wollen nur eine faire Diskussion und diese vorgeschlagenen Modelle auf die Praxisfähigkeit überprüft haben.

      Ist das so schwer zu verstehen? Oder ist Ihnen das alles wurscht und es geht expilzit IHNEN vielleicht um was ganz anderes. Um die Legitimation von kostenlosen Inhalten aus dem Netz? Dann verstehe ich Sie schon viel besser.

      1. „Oder ist Ihnen das alles wurscht und es geht expilzit IHNEN vielleicht um was ganz anderes. Um die Legitimation von kostenlosen Inhalten aus dem Netz? Dann verstehe ich Sie schon viel besser.“

        Was soll das jetzt schon wieder? Was maßen Sie sich hier an, mich der „Raubkopiererei“ zu bezichtigen? Sagen Sie das zu jedem, der sich gegen eine Totalüberwachung ausspricht?

        Das sind ja tolle Vorzeichen für konstruktive Gespräche…

        Ach, und jetzt zeigen Sie mir doch bitteschön auch noch, wo genau auf dieser Seite SIE sich gegen eine Echtzeitüberwachung positioniert haben. Nach Ihnen ist das ja „mehrfach“ geschehen.

        Jetzt bin ich ja mal gespannt, mein Lieber.

      2. Meine „Liebe“

        Dann lesen Sie einfach was ich geschrieben habe. So einfach ist das.

        Ich wil Ihnen nichts unterstellen, ich versuche mich nur in Ihre Argumentation einzudenken. Und die beschränkt sich auf panische „Echtzeitüberwachungspanik“ und dann wars das auch schon ziemlich.

        Also noch mal meine Frage: Wie stellen Sie sich eine Reformation des Urheberrechts vor, die beiden Seiten genügt? Ich hab immer noch die Hoffnung eine Diskussion anzustossen. Aber ich bin auch ein pathologischer Optimist! Einen schönen Tag Ihnen!

      3. “ Also noch mal meine Frage: Wie stellen Sie sich eine Reformation des Urheberrechts vor, die beiden Seiten genügt? “

        – Darüber habe ich selbst noch keine nennenswerte Ergebnisse vorzutragen. Ist ja auch ein kompliziertes Thema und ich bin dann doch zu sehr Laie, um hier irgendwelche Reformkonzepte auszuarbeiten. Man soll ja auch nix übers Knie brechen.

        Meine Vorstellung einer demokratischen Gesellschaft hingegen ist da schon wesentlich konkreter. In einer Dekomratie sollte sich jeder normale Bürger frei bewegen können (auch im Internet) – keinesfalls darf eine ganze Gesellschaft unter Generalverdacht gestellt werden.

        Die letzten Jahre hingegen zeigen ganz deutlich, wie die Politik immer wieder aufs neue vesucht eine beispiellose Überwachungsstruktur zu errichten. Ob diese Gesetzesentwürfe nun im Deckmantel der Terrorbekämpfung oder auch im Deckmantel des Urheberrechtsschutz daher kommen, ist irrelevant.

        Mein Standpunkt ist also flogender:
        – ich bin GEGEN die Abschaffung des Urheberrechts, maße mir aber nicht an, zukunftsfähige Reformkonzepte zu artikulieren.
        – noch viel mehr bin ich aber gegen die Abschaffung unserer durch die Verfassung zugesicherten Grundrechte. Ich will weder selbst- noch möchte ich dass meine Kinder einmal in einem Land leben müssen, in welchem jeder Bürger einer Totalüberwachung ausgesetzt ist. Das entspricht nicht meiner Vorstellung von Demokratie!
        Viel mehr habe ich zu dem Thema auch nicht zu sagen, seien Sie mir da bitte nicht böse.

        Und bevor ich es vergesse: Was meinen Sie eigentlich mit dieser Äußerung: “ Dann lesen Sie einfach was ich geschrieben habe. So einfach ist das. “

        – Das habe ich, sogar mehrfach, und ich bin nicht fündig geworden. Helfen Sie mir doch bitte auf die Sprünge und zeigen mir auf, von welchen Ihrer Posts Sie reden.

      4. Liebe Sandra,
        ich war einige Zeit nicht mehr auf der Seite weil mich das Thema richtig gehend aufgeregt und von meiner eigentlichen Arbeit – Drehbücher und anderes zu schreiben abgehalten hat und mein Unterhalt akut gefährdet war.

        Aber wenn ich Ihren letzten Post lese dann staune ich sehr. Erneut. Aber dieses Mal im Positiven.

        Ich unterschreibe völlig die zwei Punkte die Sie anführen. Beides will ich auch nicht. Aber ich bin genauso ein technischer Laie und ich bin auch nicht in der Verantwortung Modelle dafür zu entwickeln. Ich kann beurteilen, was ich für mich persönlich davon halte, aber entwickeln sollen doch bitte die, die in der Vergangenheit Unmengen an Kohle damit verdient haben aber keinen einzigen Cent an Urhebern weiter gegeben haben. Also z.B. Facebook, Google, youtube, ect… (Wobei natürlich youtube zu Google gehört)

        Ich will einfach nur nicht verstehen, warum man deswegen die Grundrechte von Urhebern weiter schmälern muss. Das ist das Einzige, was ich in der Diskussion nicht begreife. Im Gegenteil, wenn es technisch immer einfacher wird, Inhalte zu duplizieren und zu verteilen, dann muss man den Urheber ja eher noch stärken. Und noch mal: Die Gagen gehen ja jetzt schon zurück.

      5. Liegt die Schuld an den zurückgehenden Gagen denn am Urheberrecht?

        Und beziehen Sie sich bei den Grundrechten, die geschmälert werden sollen, denn auf die Schutzfristen?
        Wenn ja, warum gingen die Gagen denn wirklich zurück, obwohl die Schutzfristen immer weiter zunahmen?
        Warum sind geringere Schutzfristen ein Schmälern der Rechte des Autors – was der eine Autor verliert (wobei nicht wirklich, ist seit generationen tot), gewinnt der andere, nämlich der, der früher das Werk für seine eigenen Spins nutzen kann.
        Was verlieren die Autoren denn wirklich dadurch – wieviel Profit wird denn im Schnitt mit einem Autoren gemacht, der seit 50 Jahren tot ist, und wieviel davon kommt bei den Nachfahren des Urhebers an?

  43. Hmm, eigentlich könnte man doch in Frage stellen, ob gerade Tatort-Autoren mit ihrem Werk einen konstruktiven Beitrag zur Gesellschaft leisten. In vielen Folgen dieser Serie werden Polizisten als positive Identifikationsfiguren dargestellt, die den rechtlichen Rahmen übertreten und im Dienste der „Sache“ Bürgerrechte missachten. Das könnte dazu führen, dass die Bevölkerung und vorallem Angehörige der staatlichen Exekutivorgane hierin eine notwendige Alltagsnorm sehen.

    (Okay, ich kann nicht umhin, mich von diesem Argument zu distanzieren. So eine Denkweise gefährdet die Kunstfreiheit. Insofern nur zum polemischen Gebrauch geeignet.)

  44. Ich wollte nochmal auf die eigentlich ja sehr entscheidene Frage von Jungautor zurückkommen:
    „Also noch mal meine Frage: Wie stellen Sie sich eine Reformation des Urheberrechts vor, die beiden Seiten genügt?“

    Oder anders gefragt: Wie könnte ein (Medien-)Modell aussehen, welches mehr Freiheiten für alle (Konsumenten) garantiert, aber gleichzeitig für eine faire Bezahlung der Künstler sorgt?

    Ich meine, dass die derzeitige Situation auf jeden Fall reformbedürftig ist, haben die Meisten wohl mittlerweile verstanden. Am zweiten Schritt, nämlich konstruktiven Lösungsvorschlägen mangelt es aber, bzw. ich konnte keine finden (wer welche hat, immer her damit).

    Selbst bei den Piraten die sich das Thema ja auf die Fahne schreiben, scheint es an Ideen zu fehlen. Ich hab mir dieses 21 Seiten Werk zur Urheberreform der Piraten durchgelesen. Bei einigem stimme ich zu, aber vorallem 37 (Legalisierung von Tauschbörsen im privaten Bereich) hat mich dann doch verwundert: Wenn man dem Konsumenten die Wahl lässt für ein Werk zu zahlen oder nicht, man aber gleichzeitig behauptet gegen die „Umsonstkultur“ zu sein…naja in meinen Augen passt das nicht zusammen.

    Als Alternatives Modell gibs nur die Kulturflatrate?! Die hat sicher Vorteile, aber eben auch viele Nachteile, allem voran das große Verteilungsproblem. Auch hier gilt: Bisher konnte ich nirgends eine wirklich zufriedenstellende Lösung dazu finden. Gibt es einfach keine?

    1. Ich halte die Kulturflatrate gar nicht unbedingt für schlecht – gerade im Internet kann man ja ziemlich genau feststellen, wie oft eine Datei heruntergeladen wird. Das dürfte genauer sein als die bisherigen Regelungen.

      1. „Schlecht“ würd ich sie auch nicht nennen. Aber sie ist derzeit noch ziemlich unausgereift, finde ich.

        z.B. das Feststellen, wie oft eine Datei runtergeladen wurde halte ich für ziemlich schwierig. Bzw. das wäre nur dann einfach zu realisieren, wenn nur bestimmte Stellen Medien zum Download anbieten dürften und die dann mitprotokollieren. Wenn ich aber will, dass jeder alles anbieten und runterladen kann, wirds problemtatisch.

      2. Ja, das läuft darauf hinaus, dass alle Downloads irgendwo angemeldet und die Anzahl mitprotokolliert werden müsste, woran sich vmtl. nicht alle halten werden, die z. B. im Ausland sitzen. Dafür bräuchte man dann Alternativen.

        Eine andere Alternative wäre die Protokollierung pro Nutzer, was mindestens einer Überwachung des Nutzerverhaltens gleichkäme.

        Das Problem ist aber, dass solche Überlegungen eigentlich in der Öffentlichkeit und mit den Urhebern gemeinsam angestellt werden müssten. Und genau das findet ja nicht statt – meiner Meinung nach, weil die Verlage ihre Publikationsmacht missbrauchen, um das Thema einseitig anzugehen und die Alternativen gar nicht erst in die Diskussionsphase zu bringen. Und das ist ja die eigentliche Kritik – wir können nicht darüber reden, weil Leistungsschutz und co als alternativlos dargestellt werden und extrem viel gelogen und einseitig informiert wird.

      3. Genau das ist die Diskussion, die man braucht, aber wohin führt sie wieder?

        „Und das ist ja die eigentliche Kritik – wir können nicht darüber reden, weil Leistungsschutz und co als alternativlos dargestellt werden und extrem viel gelogen und einseitig informiert wird.“

        Was soll dieses Statement denn bitte? Warum muss man den an den Grundrechten am geistigen Eigentum rütteln wenn man die Verwertungsrechte reformieren will. Das konnte mir – in all den Foren in dem ich wegen dieser Diskussion plötzlich Mitglied bin – noch keiner auch nur annähernd erklären.

        Es muss einfach mal mit der – falschen – Vorstellung aufgeräumt werden, dass wir hier von luxuriösen, elitären Rechten sprechen. Das sind Grundrechte. Aber da fängt es ja schon damit an, daß man den Begriff „geistiges Eigentum“ als nicht mehr zeitgemäss ansieht. Ich bin frische Dreissig, aber ich kann hier nichts unzeitgemässes erkennen.

      4. Ich versuche das mal, in Worte zu fassen:

        1. weil das derzeitige Urheberrecht dazu führt, dass Leute versehentlich und ohne großen Schaden zu verursachen Urheberrechtsverletzungen begehen. Ist Ihnen mal aufgefallen, dass es bisher noch immer jemand aus der Netzgemeinde geschafft hat, JEDEM Politiker, der sich für mehr Überwachung, härtere Strafen etc. pp. für Urheberrechtsverletzungen eine ebensolche mit ein paar Tagen suchen nachzuweisen? Bei Leuten, die diese Gesetze erst gemacht haben, die teilweise die politischen Experten für genau diese Gesetze sind? Ist eigentlich geklärt, ob ich als Störer dafür haftbar gemacht werden kann, wenn jemand ohne mein Zutun geschützte Bilder an meine Facebook-Leinwand pinnen kann? Dass die Anzeige geschützter Inhalte im Internet technisch nur funktionieren kann, wenn ich mir die Inhalte auf die Platte kopiere?

        2. weil das Recht sich teilweise selbst aushebelt und extrem inkonsequent ist. Ich habe z. B. keine Möglichkeit gefunden, die Tracks von meiner legal gekauften CD auf meinen legal gekauften MP3-Player zu übertragen, weil die CD kopiergeschützt war und mir Privatkopien zwar erlaubt, das Umgehen eines Kopierschutzes dafür aber verboten ist.

        2.5 Lustigerweise bezahle ich auch noch Geld auf jeden Drucker, jede CD und jeden Brenner, um mir solche Kopien zu machen, was ich dann aber doch nicht darf?

        3. weil das Urheberrecht die Verwendung und Verbreitung der Inhalte einschränkt. Einerseits durch die Schutzfristen, andererseits aber auch, weil kein Modell dafür existiert, das der Urheber dafür entsprechend entlohnt wird. Das behindert jegliche Art von Remix oder kreativer Benutzung der Inhalte selbst dann, wenn diese eindeutig nicht der illegalen Verbreitung dienen.
        Beispiel: schon mal von Fans gemachte Musikvideos gesehen? Dabei schneidet ein Fan Sequenzen von Filmen oder Serien zu einem bestimmten Musikstück zusammen, um eine Aussage zu machen oder einfach Gefühle zu erzeugen. Sie werden nicht GLAUBEN, was man damit für Emotionen erzeugen kann, mir kamen da schon die Tränen oder ich bin vor Lachen vom Stuhl gekippt. Ist höchst illegal, weil sowohl Musik als auch Sequenzen natürlich ein Copyright haben. Auf der anderen Seite ist der Schaden praktisch null – kein Mensch lädt ein zwanzigfach größeres Video herunter, nur um die i. A. komprimierte Musik rauszuziehen. Und aus den paar Schnipseln bekommt man garantiert nicht den Originalfilm wieder heraus. Im Gegenteil, weil man Musik und Szenen nun mit den erzeugten Gefühlen verbindet, bekommt man erst Interesse an der verwendeten Musik und den Filmen – auf die Weise bin ich Fan aller Bands geworden, von denen ich derzeit Fan bin.
        Warum darf sowas denn bitte nicht legal sein?

      5. Ich möchte gerne all das tun können und TROTZDEM wissen, dass die Urheber dafür angemessen entlohnt werden. Wäre ein solches URheberrecht nicht grandios, für Nutzer UND Urheber?

        Und am Beispiel der Musikvideos sieht man auch schön, wie Urheber durch das Urheberrecht eingeengt werden. Immerhin sind die Erzeuger der Videos Urheber, die hier ohne Not kriminalisiert werden. Die nehmen schließlich die bestehenden Videos, weil ihnen die eigene Herstellung der nötigen MAterialien nciht möglich ist, und weil sie Fans sind, die gerne etwas zu dem beitragen möchten, wovon sie Fan sind. Der Urheber profitiert hier noch indirekt durch das Appetit-Machen, Schaden kann ich auch keinen erkennen. Warum also verbieten?

      6. Joar, das wäre mal was ;-)
        Ich unterschreibe alle 4 Punkte direkt, nur leider sagt der Realist in mir, dass das so nur sehr schwer (bzw. gar nicht) umzusetzen ist.

        1) Wer soll den entscheiden, ab wann eine Urheberrechtsverletzung wirklich Schaden anrichtet?
        3) Ab wann sind solche Videos wirklich „Fanvideos“? Wie kompromitiert muss die Musik sein? Gibt auch genug Beispiele, bei denen solche Fanvideos super dazu geeignet sind, um einfach die Musik komplett und kostenlos zu hören.

        Es sieht doch so aus, wir haben in unserer Gesellschaft viele Urheberechtsverstöße und könnten jetzt:
        a) komplett alle verfolgen. Poblem hier, es trifft so gut wie jeden, außerdem sind die Strafen ziemlich überzogen.
        b) wirklich selektieren, welche Verstöße Schaden angerichtet habe und welche nicht. Das wäre wahrscheinlich sehr aufwendig und außerdem meist gar nicht einwandfrei zu beurteilen.
        c) gar keine mehr verfolgen. Auch problematisch, weil es nach wie vor Spekulation ist, ob und wieviel Schaden Urheberrechtsverstöße verursachen.
        d) uns was komplett neues ausdenken

        Keine einfache Sache…

      7. Deshalb komme ich immer mit der Kulturflatrate. Da sind dann alle genannten Sachen legal und man muss nichts mehr verfolgen.

        Ansonsten finde ich die Unterscheidung in „gewerbsmäßig“ und „fair use“ eigentlich schon ganz sinnvoll, auch wenn die auch unscharf ist (ist eine private Website mit Werbung kommerziell? Was, wenn die Werbung nur den Betriebskosten gilt – dann wäre es aber von der Höhe der Einnahmen abhängig, etc.).

  45. Ich verfolge den Blog schon eine ganze Weile und freue mich, dass endlich darüber diskutiert wird, wie ein reformiertes Urheberrecht ausehen könnte. Eine Diskussion mit den Urhebern anzustoßen, war ja einer der Gründe, wenn nicht der Hauptgrund für den offenen Brief. Als einer der 51 Autoren, die den offenen Brief unterschrieben haben, kann ich das sagen. Bei diesem Brief ging es uns weniger um unsere persönliche Situtation als Tatort-Autoren oder den Tatort als solchen oder Raubkopien unserer Filme im Netz. Wir haben uns stellvertretend für unsere Kollegen und viele andere Urheber zu Wort gemeldet und dabei genutzt, dass die TATORT-Reihe zu den bekanntesten filmischen Urheberleistungen in Deutschland gehört. Denn in den letzten Jahren wird ja viel über das Urheberrecht diskutiert und polemisiert (wie hier auch), aber meistens nicht im Dialog mit den Urhebern, für die das Gesetz eigentlich gemacht ist. – Überhaupt gibt es eine Menge Dinge, die gern mal durcheinander geworfen werden …

    GEZ-Gebühren haben mit dem Urherberrecht nichts zu tun, ich werde als Tatort-Autor auch nicht davon bezahlt, höchstens mittelbar. GEZ-Gebühren finanzieren die öff.-recht. Sender und die Aufsichtsgremien des Privatrundfunks. Ich werde von Produktionsfirmen engagiert und bezahlt, die wiederum von Sendern beauftragt und bezahlt werden. Und genau um dieses komplizierte Rechtegemisch organisieren zu können, braucht mal Teile des Urheberrechtes. Und da der fertige Film mehr ist als das Material, auf dem er gedreht und kopiert wurde, sondern in Teilen immer mein geistiges Eigentum bleibt, brauche ich als Miturheber des Filmes weitere Teile der Urheberrechtes, damit mich die Sender bei allen weiteren Nutzungen meines geistigen Eigentums nicht einfach übergehen können. Da geht es den Sendern übrigens nicht anders wie jedem User im Netz, geistige Schöpfungen dürfen nicht einfach nach Belieben von jedem auf jede Weise ohne Erlaubnis des Urhebers benutzt werden. Das unterscheidet das geistige Eigentum vom materiallen Eigentum: Es hat keinen stofflichen Körper, sondern ist nur Phantasie, und die ist kaum anders als so zu schützen. Das macht eine Rechtsdiskussion so schwierig.

    Ein weiteres Missverständnis: Verwertungsgesellschaften sind keine Verwerter, sondern gegründet worden, um die Rechte der Künstler und Urheber hauptsächlich im Bereich der Zweitverwertungsrechte wahrzunehmen. Dabei geht es um Privatkopien und Speichermedien, die mit Abgaben für die Urbeher belegt und und beim Kauf einer Festplatte, Leer-DVD usw. vom Kunden bezahlt werden. Deshalb und nur deshalb war es immer erlaubt, als Schüler auf dem Schulhof seine Lieblingslieder auf Musikkassette zu kopieren und der Freundin zu schenken. Jetzt ist das durch die Digitalisierung komplizierter geworden, und jede Reformidee des Urheberrechtes, die Erfolg haben soll, wird dieses Prinzip und System der erlaubten Privatkopie aufs Internet ausdehnen müssen.

    Die Verwertungsgesellschaften werden übrigens alle vom Deutschen Patentamt als Aufsichtsbehörde und von den Urhebern und Nutzern des
    Urheberrechts kontrolliert, bis in die letzte Abrechnung hinein. Die Verwertungsgesellschaften (auch die GEMA) sind also keine „Feinde“ der Urheber, sondern in der Mehrheit von ihnen gegründete Organisationen, ohne die wir unsere Rechte gegenüber der Industrie niemals durchsetzen könnten.

    Und dann ist da noch die immer wieder hochkommende Idee der Kulturflatrate. Auf ersten Blick charmant, auf den zweiten aber mehr als tückisch. Eines der Hauptprobleme ist bereits genannt worden: Wer soll was und warum von den Einnahmen abbekommen. Dazu müsste überhaupt erst einmal definiert werden, was Kultur ist, damit nicht jeder einfach nur eine mit Datenmüll angefüllte Webseite ins Netz stellt, um am Jahresende auch noch ein paar Euro von der Flatrate abzugreifen. Das größte Problem ist aber ein anderes: Sobald es in Deutschland eine Kulturflatrate geben würde, wäre alles urheberrechtlich legal, was ins Netz gestellt würde. Das ist der Sinn. Der deutsche Medienmarkt ist umsatzmäßig nach den USA der größte der Welt. In der Folge würden zunächst alle deutschen Internet-Bezahlsysteme (die ja immer wieder wie z.B. gerade erst vom CCC eingefordert werden) zusammenbrechen. Da deutsches Recht automatisch auch EU-weit anerkannt werden muss (oder Deutschland müsste rechtlich isoliert werden), würden danach alle Bezahlsysteme in der EU zusammenbrechen – und schließlich weltweit. Wozu sollte in den USA noch jemnad etwas für Filme oder Musik bezahlen, wenn er es über deutsche/europäische Server umsonst und legal bekommen könnte. Mal abgesehen davon, dass die EU und USA das nie mitmachen würden, würde die Flatrate wahrscheinlich dazu führen, dass sich die Rechteinhaber technisch ähnlich APPLE, iPhone und iPad noch mehr und über eine Kombination mit Endabnehmergeräten abschotten würden und das Internet am Ende deutlich unfreier und vor allem langweiliger als heute wäre.

    Die Diskussion ist schwierig – und leider viel schwieriger, als sie im Moment gerade von Piraten, Grünen, Linken und den anderen Parteien mit blick auf die Wähler geführt wird.

    Gegenüber de

    1. Ich nehme an, Sie haben den Brief gelesen, bevor Sie ihn unterschrieben haben? dann wird Ihnen aufgefallen sein, dass Ihre hier gerade vorgetragene Position erheblich von der des Briefes abweicht. Letzterer ist in großen Teilen beleidigend (z. B. die vielfache Demagogie-Unterstellung, x-fache Lügen-Unterstellung, die in weiten Teilen selbst gelogen sind, Vorwurf, sich nicht mit Politikern oder Betroffenen auseinandergesetzt zu haben und Strohmann-Argumente), spricht sich für größere Überwachung aus und enthält ansonsten eher wenig Argumente.

      Man könnte sagen, der Brief hat in etwa so eine Debatte über das Urheberrecht gestartet wie Sarrazin über die Integration. Da dürft Ihr euch über verhärtete Fronten dann nicht mehr wundern.

      Konkrete Analysen zu den vielfachen Lügen und Unterstellungen finden sich an zig anderen Stellen, falls Interesse besteht. Die Antwort des CCC finde ich da z. B. weit besser gelungen, auch wenn die sich auch nicht völlig im Ton zurückhalten konnten.

      1. Seien Sie versichert, ich habe ihn gelesen.

        Warum sind Sie so verbiestert, lieber KH? Passt es Ihnen nicht, dass sich inzwischen immer mehr „klassische“ Urheber zu Wort melden und so wenig begeistert sind von den Ideen der Piraten, Grünen oder auch Ihren Ideen, die ich hier einmal stellvertretend für viele Äußerungen nehme, die wir in den letzten Wochen aus der sogenannten „Netzgemeinde“ erhalten haben. Oder ist das einfach nur Ihr Stil?

        Unabhängig von diesen persönlichen Nickeligkeiten, möchte ich Ihnen sagen, dass es natürlich unsere Absicht war, in die öffentliche Diskussion über das Urheberrecht einzugreifen. Und es hat funktioniert. Es wird verstärkt öffentlich diskutiert, in allen Medien und inzwischen auch in allen Parteien. Und es wird verstärkt wahrgenommen, dass das Urheberrecht von seinem Ursprung her eigentlich ein Schutzrecht für die Urheber ist. Wenn es inzwischen auch reichlich durchlöchert und vor allem seit der letzten Novelle (die übrigens auch im Namen des technologischen Fortschrittes gemacht wurde) teilweise ins Gegenteil verkehrt wurde, kann die Lösung aber nicht heißen, es in weiten Teilen außer Kraft zu setzen. Wenn man den Urhebern wirklich helfen will (was hier immer wieder betont wird), muss man die Rechte der Urheber erweitern und nicht verkleinern. Der dafür entscheidende Teil des Urheberrechtes ist das Urhebervertragsrecht, das in seiner jetzigen Form dem Urheber mehr schadet als hilft. Lesen Sie es einmal durch, und ich kann Ihnen sehr genau sagen, was daran verbessert werden müsste, damit mehr beim Urheber ankommt. Eine Verkürzung der Schutzfristen oder eine Freigabe aller Kopien im Netz hilft dem Urheber dagegen gar nicht, sondern nimmt ihm zum Teil sogar noch die letzten Einkunftsmöglichkeiten. Ein Beispiel dafür: Ein Schriftsteller oder Komponist ist im Regelfall an allen Verkäufen seines Werkes beteiligt (wenn zum Teil auch nur mit kleinen Anteilen). Fallen die Schutzfristen, heißt das nicht, dass das Buch oder Musikstück nicht mehr verlegt oder vertrieben wird – es heißt nur, dass der Verwerter nichts mehr an die Kreativen abführen muss, während er weiter damit Gewinne machen kann. Schauen Sie einmal am Wochenende ins Nachmittagsprogramm der Sender, in Deutschland oder im Ausland. Die Programme sind voll von Filmen, die in den 50er oder 60er Jahren gedreht wurden oder noch älter sind. Würde die momentan von den Grünen ventilierte Idee einer 50 Jahres Schutzfrist Gesetz werden, würden diese Filme immer noch laufen und RTL, Sky oder ein anderer Sender würde immer noch damit Gewinne machen. Nur die Komponisten der Filmmusik oder die anderen Urheber dieser Filme würden nichts mehr von diesen Gewinnen erhalten. Der Film wäre ja jetzt gemeinfrei.

        Dieses Modellbeispiel lässt sich bündig auf die Jetztzeit übertragen: Die GEMA sperrt die Youtube-Clips deutscher Musik nicht, weil sie die Musiker oder Nutzer ärgern will, sondern weil Youtube nicht bereit ist, diese Musiker an ihrem Gewinn von über einer Milliarde Euro pro Jahr, den sie über den Umweg der Werbung mit genau diesen Clips erzielen, zu beteiligen. Und glauben Sie mir, hätten die großen Musikverwerter wirklich alle Fäden in der Hand, hätte man sich längst mit Youtube geeinigt. – Eine Freigabe aller Kopien im Netz würde also wen schädigen – mal vorausgesetzt, Youtube einigt sich mit der GEMA und zahlt irgendwann? Sicher nicht Youtube, das dann wieder alle Gewinne für sich behalten dürfte und mit niemandem teilen müsste.

        Ich finde, es wird endlich Zeit, dass wir mehr darüber diskutieren, wie wir diese Multimilliarden-Konzerne dazu zwingen können, für das zu zahlen, womit sie ihr Geld verdienen. Dann ließe sich über den kleinen Schüler, der irgendwo irgendetwas illegal herunterlädt viel entspannter reden.

      2. Yep, ich bin verbiestert. Sollte ich im Ton etwas über die Stränge geschlagen haben, so entschuldige ich mich dafür. Es ist nur so, dass ich die (meiner Warhnehmung nach) ‚Ausrede‘, man wollte eine Diskussion anstoßen, von so ziemlich jedem zu hören bekomme, der einen einseitigen beleidigenden Text ohne Argumente schreibt. Das letzte prominente Beispiel war eben Sarrazin. Und ein solcher Text löst keine Diskussionen aus, sondern verhärtet die Fronten, und VERHINDERT damit eher Diskussionen.

        Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus – zählen Sie doch einfach mal, wie oft in dem Brief von Lügen die Rede ist, die hier einfach mal pauschal unterstellt werden, oder das Wort ‚Demagogie‘. Wenn das nicht beleidigend gemeint ist, wie denn dann bitte? Dann darf man sich über entsprechende Antworten – wie meine – nicht wundern.

        Die Printmedien hypen derzeit die Künstler-Meldungen, die sich pro Leistungsschutzrecht, Überwachung etc. aussprechen. Im Netz finde ich auch unter Künstlern diverse gegenteilige Meinungen, von denen ich auch bereits welche verlinkt habe. Hier wird ganz offensichtlich eine einseitige Auswahl vorgenommen, also eine Manipulationskampagne gefahren. Es findet also keine Diskussion statt, sondern es wird auf einseitige Meinungsmache gesetzt und das Ganze als Diskussion verkauft.

        Und dass die Unterzeichner des Briefes daran teilnehmen, lässt sie nicht unbedingt in meiner Achtung steigen. Zumal ja irgendwie die meisten Unterzeichner mit dem Tonfall nicht einverstanden sind, ihn aber trotzdem unterzeichnet haben.

        Sorry für unvollständige Antwort, muss leider gerade los. Genaueres vmtl. morgen. Für eine Novelle ist hier übrigens so ziemlich jeder, und Ihrem letzten Absatz kann ich auch nur zustimmen.

      3. Aber bevor ich in eine Diskussion mit Ihnen einsteige, müssen wir erstmal die Frage nach dem Tonfall geklärt haben. Sonst reagiere ich verbiestert ob der Frechheit von einem Brief, der Ihren Namen trägt, und Sie reagieren verbiestert ob des Tonfalls, den ich in meinen Posts anschlage.

        Deshalb habe ich folgende Fragen an Sie:

        1. Würden Sie sich beleidigt fühlen, wenn Sie jemand in einem offenen Brief
        – mehrfach einen Demagogen und Lügner nennt,
        – jedwede Ihrer Quellen einfach mal gekauft nennt, ohne auch nur Ansätze einer Begründung zu nennen,
        – Ihnen Argumente in den Mund legt, die Sie nie gebracht haben,
        – schlichtweg lügt, indem er Ihnen ausschließlich niedere Beweggründe unterstellt, die teilweise nachweisbar falsch sind,
        – weiterhin lügt, indem er behauptet, Sie hätten bestimmte grundlegende Schritte nicht ergriffen (was Sie aber schon bestimmt hundertmal gemacht haben)?

        2. Wie hoch sehen Sie die Schuld der Verwertungsindustrie daran, dass die daran hängenden Künstler schlecht bezahlt werden?

        3. Wie stehen Sie zur Einschränkung von Grundrechten bzw. der Überwachung der Internetnutzung?

  46. Wie sich eine nationale Kulturflatrate international auswirken würde, ist in der Tat sehr interessant und (soweit es mich betrifft) schwer vorherzusehen.
    Das heißt für mich nicht, dass man sie direkt vom Tisch nehmen sollte, aber natürlich ist es noch ein weiter Weg, bis alle Aspekte/Möglichkeiten wirklich mal diskutiert wurden. Die Kettenreaktion auf EU und Amerika sehe ich z.B. nicht so sehr. Ein Internetnutzer ist an nationales Recht gebunden, ein Amerikaner dürfte sich daher nicht legal an deutschen Servern bedienen um kostenlos Medien runterzuladen. Wie man solche Sachen technisch umsetzt (bzw. überhaupt umsetzen kann) ist natürlich nochmal ein anderes Blatt.

    Die Frage bleibt aber, findet eine Diskussion (jetzt mal außerhalb von Kommentarbreichen) derzeit überhaupt statt?

    In dem Sinne muss ich sagen, der Brief hätte besser sein können ;-) (auch wenn er mit guten Absichten geschrieben worden ist)
    Klar diskutiert wird (darüber) reichlich, viele scheinen aber derzeit mehr Energie darauf zu verwenden, dem jeweils anderen seine Unwissenheit aufzuzeigen und das meist nicht auf die nette Art.
    Und das gilt für beide Seiten, finde ich. Die Liste der Leute, die wirklich bereit wären sich vorurteilslos an einen Tisch zu setzen scheint kürzer und kürzer zu werden.

    Schon traurig, besonders wenn doch alle behaupten, dasselbe Ziel zu haben.

    1. Das ergibt sich durch die Verhärtung der Fronten, die einem Umgangston geschuldet ist, wie er u. a. in dem genannten Brief angeschlagen wird. Da wird eben keine konstruktive Diskussion gewünscht, sondern nur beleidigt und unterstellt.

      Auf jeder Seite gibt es Deppen, und jede Seite scheint sich sich immer nur auf die ein oder zwei Argumente der Deppen der Gegenseite zu stürzen. Siehe z. B. den „alles muss kostenlos sein“-Spruch, den die Netzgemeinde fast nie vorbringt, der ihr aber ständig unterstellt wird. Darüber hinaus nutzen die Velage ihre publizistische Macht, um eine faire Diskussion zu verhindern, was zu viel Falschinformationen führt und die Fronten zusätzlich verhärtet.

      Wenn eine Diskussion gewünscht wird, dann bitte nächstes Mal auch fair in die Diskussion einsteigen. Wer ständig beleidigt und außerdem kaum Argumente bringt, bekommt eben eine Debatte, in der ständig beleidigt wird und kaum Argumente gebracht werden. Wenn das die Art Diskussion ist, die die Tatort-Autoren sich wünschen, dann haben sie alles richtig gemacht. Ansonsten würde ich ihnen dringend empfehlen, einen neuen Brief aufzusetzen, der den Tonfall angemessen hält und sich mit den TATSÄCHLICH vorgebrachten Argumenten beschäftigt. Tipp: „alles kostenlos“ fordert fast niemand, und die, die es tun, werden auch vom großen Teil der übrigen Netzgemeinde nicht ernst genommen.

    1. Ich glaube, Sie verkennen ein wenig die Situation, lieber KH.

      Ich bin bisher noch im Besitz von Rechten, die Sie gerne hätten, um im Netz ungehinderter agieren zu können. Wobei ich Sie hier nur stellvertretend für die sogenannte „Netzgemeinde“ nehme. Also sollten Sie mir doch eigentlich erzählen, warum ich auf meine Rechte verzichten sollte, trotzdem noch Geld mit meiner Arbeit verdienen kann und Sie Ihre Ziele dennoch erreichen können. Ultimative Fragelisten sind da wenig hilfreich. Ich könnte sie auch einfach umdrehen und zurück fragen, warum Sie glauben, dass ein Verteilungskampf, als den man die Debatte um das Urheberrecht auch sehen könnte, höflich geführt werden muss, oder ob Sie glauben, dass ich mehr als heute verdiene oder wenigstens gleich viel, wenn die sogenannte „Verwertungsindustrie“ zu Gunsten der User in ihren Rechten eingeschränkt wird, oder ob Sie meinen, dass Grundrechte gegeneinander austariert werden müssen, um wirklich gerecht zu sein?

      Aus unzähligen Diskussion mit Hardcore-Ideologen aller politischen und religiösen Couleur weiß ich jedoch, dass Gespräche die an vorherige Methodendiskussionen oder andere ultimative Bedingungen geknüpft werden, in der Regel sinnfrei bleiben. Ich will Sie hier nicht als Hardcore-Ideologen abstempeln (als erfahrener Internet-Liebhaber sollte Sie ein kleiner Shitstorm doch nicht gleich verbiestern). Ich glaube eher, dass Sie nicht wirklich wissen, wie sich ein gerechter Interessensausgleich in einer Urheberrechtsnovelle niederschlagen könnte. Sollte ich mich da irren, diskutiere ich gerne mit Ihnen weiter.

      In diesem Sinne. Ich bin gespannt …

      1. Das Problem ist, dass in jeder solchen Diskussion bisher immer das gleiche passiert: die „Gegenseite“ wird als eine Gesamtperson wahrgenommen, wobei man munter die Argumente und Tonfälle verührt. So kommt es z. B., dass immer behauptet wird, die Netzgemeinde wollte alles für lau.

        Deshalb wollte ich vor weiteren Gesprächen abklopfen, welche der Ansichten aus dem kollektiven Brief Sie als Einzelperson überhaupt teilen. Ob sie mit den „Argumenten“ oder dem Tonfall des Briefes überhaupt einverstanden sind. Damit ich anschließend weiß, wie ich mit Ihnen konkret umzugehen habe.

        Da Sie mir dies verweigern, kann ich nur davon ausgehen, dass Sie sowohl Tonfall als auch Ansichten teilen. Und dann erübrigt sich jede Diskussion, da der gewünschte „Diskussionsstil“, den ich in dem Brief sehen kann, aus herablassendem Tonfall, Beleidigungen, Lügen und Demagogie besteht, während ich Argumente mit der Lupe suchen muss. MIR ist es immer peinlich, wenn ich mich auf ein solches Niveau ziehen lasse. Deshalb habe ich mich für eine von Ihnen wahrgenommene Entgleisung auch sofort entschuldigt. Und deshalb werde ich mich nicht an einem Wett-Beleidigen beteiligen, wie es der Brief herausfordert.

        Nochmal: wenn Sie eine Diskussion führen wollen, dann eröffnen Sie sie doch bitte sachlich und mit Argumenten. Solange aber der Brief die Ausgangsbasis sein soll, solange können Sie mir nicht weismachen, dass Sie wirklich sachlich mit mir diskutieren wollen. Und Sie dürfen sich erst recht nicht darüber aufregen, wenn die Gegenseite einen ebensolchen Tonfall anschlägt – die Antwort des CCC erschien mir da sogar noch erstaunlich gemäßigt.

        Deshalb nochmal auf den Punkt: sind Sie mit dem Tonfall des Briefes einverstanden? Wie würden Sie auf einen solchen Tonfall und Diskussionsstil reagieren, und warum sollte sich gerade die Netzgemeinde am Riemen reißen, wenn es die Diskussionspartner, hier die Tatort-Autoren, schon nicht tun?

      2. Sehr geehrter Herr? Bolwieser,

        nehmen Sie doch bitte zur Kenntnis: Sie haben es vermasselt!
        Möglicherweise sind Sie nach der Devise vorgegegangen, schlechte Nachrichten sind auch Nachrichten. Das Autorenkollektiv schafft es nicht, nach dem provokanten Aufhänger eine seriöse Diskussion zu führen. Nach den unterschiedlichen Einzelmeinungen der Tatortautoren hier kann ich nur schließen, daß das auch gar nicht das Ziel war.
        Wenn Sie tatsächlich am Dialog auf Augenhöhe interessiert sein sollten, nehmen Sie diesen mißglückten Brief zurück und fangen Sie nochmal von vorn an – unter Berücksichtigung der Tatsachen.

        Bolwieser: Oskar Maria Graf 1931, Faßbinder:Kinostart 1977
        „Fassbinder bereitete auch eine Kinoversion von Bolwieser und schnitt das Material auf 112 Minuten herunter, aber aufgrund von Copyright-Problemen erlebte der Film seine Aufführung erst 1993, …“ (deutsches-filmhaus.de)

        hm ?????????????

      3. Die meisten hier geäußerten Meinungen der Tatort-Autoren scheinen mir wesentlich differenzierter zu sein als der Brief – deshalb halte ich eine sinnvolle Diskussion mit ihnen durchaus für machbar. Aber eben nur, solange man den Brief völlig ignoriert. Und nach einer derartigen Entgleisung ist meiner Meinung nach entweder eine Distanzierung oder eine Entschuldigung angebracht – oder man muss in kauf nehmen, dass die Netzgemeinde die Diskussion so weiterführt, wie sie die Autoren begonnen haben. Und das hilft keiner Seite.

    1. Das Kartellrecht hat nichts mit dem Urheberrecht zu tun, deshalb die gerichtliche Ablehnung der gemeinsamen Videoabspielplattform. Ansonsten ist es ein Problem des amerikanischen Copyrights und der weltweit üblichen Praxis, das Filmrechte nach Sprachgruppen und Ländern (und außerdem noch gesplittet nach Kino, TV und Internet) verkauft werden, dass es in Deutschland noch keine wirklich gut funktionierende, legale Videoabspielplattform gibt. Die am meisten nachgefragte Filmware sind nun einmal amerikanische Serien- und Kinofilme. Die werden hier synchronisiert von Sendern oder Verleihern, denen die Amerikaner aber nicht automatisch die Onlinerechte verkauft haben (die im übrigen in Amerika auch wesentlich teurer als in Deutschland sind und sich für viele Verleiher oder Sender nicht rechnen würden). Und selbst wenn eine Plattform die Onlinerechte aus Amerika erworben hätte, würden sie nicht automatisch die Rechte an der deutschen Synchronübersetzung beinhalten – weil die ja wiederum jemand anderer hergestellt hat, für ziemlich viel Geld.

      Das ist eine klassische Problemstellung, die ein Urheberrecht lösen muss. Durch eine Rechteverminderung lässt sich das nicht wirklich lösen, weil alle Beteiligten viel Geld und Arbeit investiert haben, was sich natürlich amortisieren soll – und was nur noch bedingt investiert würde, wenn am Ende jeder kostenfrei auf diese Arbeit zurückgreifen könnte. Filmherstellung, Vertrieb, Synchronisation und Sendung sind leider alle sehr kostenintensiv, viel kostenintensiver als zum Beispiel die Herstellung eines Musikalbums.

      Leider muss ich jetzt schließen. In der nächsten Woche mehr, falls Interesse. Zum Beispiel sollten wir endlich mal über die Provider und Plattformbetreiber reden und über eine Modifizierung der Privatkopien-Regelung des alten Urheberrechtes, die eine von mehreren Möglichkeiten sein könnte, die vielen Kids vor Abmahnungen zu schützen, gleichzeitig aber den Urhebern Geld bringen könnte. Oder über eine Neudefinition von Privatraum, öffentlichem Raum und kommerzieller Nutzung. Oder über eine Kulturflatrate und ob so etwas wirklich geht.

      Seien Sie versichert, mit der Politik reden wir bereits und gerade wegen des Briefes darüber – und es wäre schön, wenn wir auch hier darüber reden könnten.

      1. Wie gesagt: ich gehe davon aus, das die meisten der Tatort-Autoren an sich weitaus differenziertere Ansichten haben, als es in dem Brief zum Ausdruck kommt. Das macht den Brief für mich aber nur noch unverständlicher.

        Außerdem frage ich mich, ob Sie die in den letzten Absätzen angesprochenen Ansätze auch der Politik und Öfentlichkeit gegnüber einbringen (werden). Im Brief klang davon nichts an, und wenn meine Theorie über die Medienkampagne stimmt, dann passt das auch nicht in die geplante Stoßrichtung der Verlage.

    2. Interessanter Link. Von „Hulu“ hatte ich bisher nichts gehört. Das Unternehmen ist ja ein wahres „Contentmonster“. Wenn man die genannten Zahlen durchspielt, kommt man auf eine Rendite von beachtenswerten 9%. Und damit sind sie noch unzufrieden. Am besten sollte man sein Erspartes dort anlegen. Was mich interessieren würde ist, ob die ganzen Autoren, Filmkomponisten etc. für die zum Streaming angebotenen Inhalte entsprechend Tantiemen beziehen, oder ob die womöglich leer ausgehen? Hier werden einem Zusammenhänge klar. Jedes Jahr, um dass die Schutzdauer für Werke gekürzt wird, dürfte den Unternehmenswert solcher Firmen um etliche Millionen erhöhen.

      1. Korrektur: Hab zu flüchtig gelesen. Es ist in dem Artikel nicht von Gewinn, sondern von Einnahmen die Rede. Daher kann man über die Rendite keine Aussage machen. Dennoch wird klar, dass es für einen Moloch wie „Hulu“ mit einem Marktwert von mehreren Milliarden Dollar und mit diesem Geschäftsmodell nichts lästigeres geben dürfte als Urheberrechte bzw. den damit evtl. verbundenen Zahlungsverpflichtungen. Daher fände ich es höchst interessant zu wissen, wie das da geregelt ist.

        So langsam dämmert mir aber, dass das Befördern von werbungsbasierten Plattformen fast automatisch zu einer Monopolisierung führt, weil die Werbewirtschaft immer genau dort am meisten Kunden erreicht, wo die schiere Masse an Inhalten am größten ist. Das führt dazu, dass sich dort die höchsten Werbeeinnahmen hinkonzentrieren und diese Plattformen am schnellsten wachsen. Wenn dann eine monopolähnliche Marktstellung erreicht ist, ergibt sich durch die allen überlegene Verbreitungstechnik und die allen überlegenen Werbeumsätze auch ein fast „natürliche Verwertungshoheit“.

      2. …was sich natürlich nur ergibt, wenn die ganze Plattform zentral ist. Nicht, wenn z. B. das gesamte Internet die Plattform ist und jeder seine Inhalte einstellen kann etc. pp.. Deshalb komme ich immer wieder mit der Idee der Kulturflatrate.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.