Zensur
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: Internet-Zensur in China: Videos werden jetzt nicht mehr nachträglich entfernt, sondern explizit freigegeben
: Internet-Zensur in China: Videos werden jetzt nicht mehr nachträglich entfernt, sondern explizit freigegeben In China sollen staatliche Stellen jetzt alle Internet-Videos anschauen und danach über eine Freigabe entscheiden. Das berichtet die Peking-Korrespondentin Didi Tang der Nachrichtenagentur AP. Die Regierung werde schon dafür sorgen, dass das auch umgesetzt wird.
Da die einzige Quelle dazu bisher anscheinend die AP-Meldung ist, verlinken wir mal auf die taz, die diese ungeändert veröffentlicht hat:
Die chinesischen Zensurbehörden haben die Regeln für Videos im Internet weiter verschärft. Anbieter müssen demnach alles Material vor der Veröffentlichung zunächst von einer staatlichen Stelle sichten lassen. Der Schritt sei notwendig, um junge Menschen vor vulgären Inhalten zu schützen, hieß es in einer Mitteilung. Kritiker befürchten, dass auch zunehmend beliebte Drama-Serien und Kurzfilme der verschärften Zensur zum Opfer fallen könnten.
Die Regelung sei eine Reaktion auf das schnelle Wachstum des Angebots an Filmen im Internet, die oftmals vulgäre, gewalttätige oder pornografische Inhalte zeigten, erklärte die Staatliche Verwaltung für Radio, Film und Fernsehen (SARFT) und das Staatliche Büro für Internet-Information. Ziel der Maßnahme sei, ein qualitativ höherwertiges Online-Programm zu fördern. Anbieter von Internet-Videos müssten dabei mehr Verantwortung übernehmen.
Die Webseite der SARFT hat leider noch nichts dazu.
Auf den ersten Blick erscheint das ja etwas weltfremd und unrealistisch, angesichts des Fakts dass allein auf YouTube in jeder Sekunde eine Stunde an Video-Material hochgeladen wird. Aber YouTube ist in China eh gesperrt und die lokale Alternative hat kräftig in die Zensur investiert:
Der beliebteste chinesische Online-Video-Anbieter Youku beschäftigt nach eigenen Angaben bereits mehrere hundert Mitarbeiter, die alles Bildmaterial prüfen, bevor es hochgeladen wird. Weder vulgäre oder gewaltsame Inhalte noch irgendetwas Politisches habe dabei eine Chance durchzukommen, sagte eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben wollte.
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: Russische Wikipedia protestiert gegen Zensurgesetz
: Russische Wikipedia protestiert gegen Zensurgesetz Seit Dienstagfrüh erscheint auf der russischen Wikipedia eine Protestseite anstatt der Lexikonseiten. Der russische Ableger der Wikipedia protestiert damit gegen ein geplantes Internetzensurgesetz. Mit diesem sollen zentrale Sperrlisten erstellt werden auf denen Seiten die Kinderpornografie verbreiten, Drogenkonsum fördern oder Anleitungen zum Selbstmord geben gesetzt werden sollen. Die Webseiten-Betreiber, auf deren Webseiten Inhalte beanstandet werden, sollen diese innerhalb von 24 Stunden entfernen, kommen sie dem nicht nach, müssen die Webhoster innerhalb von ebenfalls 24 Stunden die Seite sperren – geschieht auch dies nicht innerhalb der Frist müssen die russischen ISPs (Internet Service Provider) die Seiten sperren. Dabei sollen nicht „nur“ DNS-Sperren zum Einsatz kommen, sondern auch ganze IP-Adressbereiche gesperrt werden, wodurch häufig auch nicht beanstandete Inhalte, die unter der gleichen IP-Adresse liegen, betroffen wären. Die Sperren können durch einen IP-Adresswechsel umgangen werden.
Kritisiert werden die weiten Formulierungen im Gesetz und befürchten eine Zensurinfrastruktur, die sehr schnell und nach Gutdünken von Regierungs- oder Behördenvertretern Inhalte aus dem Netz nehmen kann. Es werden auch Vergleiche mit der chinesischen Zensurinfrastruktur, die ironisch Great Firewall genannt wird, gezogen. Die Wikipedia befürchtet selbst von der Zensur betroffen zu sein.
Der Gestzentwurf wird von allen vier Parteien in der Duma unterstützt und soll am Mittwoch verabschiedet werden. Welche Behörde die Sperrlisten verwalten soll ist bisher noch unklar.
[update]Das Gesetz wurde am 11. Juli 2012 beschlossen. Laut Moscow Times wurde die vage Formulierung „schädliche Informationen“ gestrichen und das Gesetz damit leicht entschärft. Wie sich das Gesetz auf die Medienlandschaft und das Internet in Russland auswirkt, muss sich zeigen.[/update]
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: Studie: Torrent-Traffic nimmt trotz PirateBay-Sperre nicht ab
: Studie: Torrent-Traffic nimmt trotz PirateBay-Sperre nicht ab Der niederländische ISP xs4all berichtet in seinem Blog über die Auswirkungen der PirateBay-Sperre auf den Torrent-Datenverkehr:
Entgegen der Erwartungen der Content-Lobbyorganisation BREIN nimmt der Datenverkehr über das Peer-to-peer-Netzwerk durch die Blockade nicht ab. Diese Grafik zeigt die Entwicklung des europäischen Torrent-Traffics vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2012 (die rote Linie zeigt den 1. Februar an, das Datum an dem die Sperrverfügung in Kraft tat):
Dies ist, neben einer Studie (Google-„Übersetzung“) der Universität von Amsterdam, ein weiterer Hinweis darauf, dass sich das Filesharing-Problem nicht durch restriktive Maßnahmen bekämpfen lässt:
Ein vorläufiges Ergebnis der aktuellen Studie ist, dass kein signifikanter Effekt gefunden wurde. Die Annahme von BREIN, […] dass die Verhängung einer Blockade von The Pirate Bay bei Ziggo und XS4ALL zu einem Rückgang der Verstöße gegen das Urheberrecht via BitTorrent führt, ist daher abzulehnen.
Der Blog ExtremeTech sieht hierfür drei Gründe: Die durch die Blockade-Berichterstattung gesteigerte Publicity des Torrent-Netzwerks, die Existenz zahlreicher anderer Torrent-Indexer sowie die Möglichkeit, die Sperren via Proxy oder VPN problemlos und innerhalb weniger Minuten zu umgehen.
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: Internet-Sperren in Großbritannien: Nach Missbrauch jetzt standardmäßig auch Pornografie und „schädliche Inhalte“
: Internet-Sperren in Großbritannien: Nach Missbrauch jetzt standardmäßig auch Pornografie und „schädliche Inhalte“ Im Vereinigten Königreich sollen Internet-Provider jetzt auch Webseiten mit Pornografie, Magersucht, Gewalt und anderen „schädlichen Inhalten“ sperren. Damit erweitert der „Rat für Kinder-Sicherheit“ die Vorschläge der Regierung noch. Umstritten scheint nur noch, ob die Filter standardmäßig für alle Internet-Anschlüsse gelten oder die Inhaber gefragt werden, ob sie diesen „Kinderschutz“ wollen.
Bereits im Oktober kündigte Premierminister David Cameron auf einem Treffen mit der christlichen Organisation „Mothers’ Union“ an, die Internet-Pornografie eindämmen zu wollen. Die vier größten britischen Internet-Provider haben damals eingewilligt, pornografische Webseiten standardmäßig zu sperren. Die Technik existiert ja bereits durch die Sperren von Kindesmissbrauchs-Dokumentation. Kunden, die doch Pornos sehen wollen, könnten das ja wieder freischalten lassen.
Der von New Labour unter Gordon Brown ins Leben gerufene UK Council for Child Internet Safety will noch weiter gehen. Der Vorstand des Zusammenschlusses aus Regierung, Strafverfolgungsbehörden, Privatwirtschaft und Kinderschutz-Organisationen hat jetzt einen Vorschlag zum Kinderschutz im Internet veröffentlicht.
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: Microsoft blockt Spendenseite der Free Software Foundation
: Microsoft blockt Spendenseite der Free Software Foundation Wer in einem Firmennetzwerk arbeitet und die Entwicklung freier Software unterstützen will, könnte dabei auf Probleme stoßen: Microsofts Firmen-Filterprogramm „Threat Management Gateway“ blockiert die Seite donate.fsf.org wegen angeblicher Glücksspielinhalte.
John Sullivan, Executive Director der Free Software Foundation, beschwert sich in einem Blogartikel über die Sperrung der FSF-Spendenseite „donate.fsf.org“ durch Microsofts vor allem in Firmennetzwerken eingesetzte Filtersoftware. Trotz einer am Freitag abgeschickten Beschwerde über Microsofts offizielles Webformular ist die Seite auch weiterhin (Stand Montag 14 Uhr) unter „Gambling“ gelistet.
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: Dänemark will Netz-Sperren gegen „illegale Dienste“ wie The Pirate Bay vereinfachen
: Dänemark will Netz-Sperren gegen „illegale Dienste“ wie The Pirate Bay vereinfachen In Dänemark soll es zukünftig ausreichen, eine Verfügung gegen einen einzigen Provider zu erwirken, dass alle Provider eine Webseite sperren müssen. Das kündigte das Kulturministerium an. Dazu soll ein Abkommen zwischen Providern und Rechteinhabern erarbeitet werden. Die Zivilgesellschaft sitzt nicht am Tisch.
Letzte Woche kündigte der dänische Kulturminister Uffe Elbæk eine neue Initiative zur Stärkung des Angebots legaler Kultur im Internet an, die von Bitbureauet ins Englische übersetzt wurde. Ein erstes Ergebnis war das Ende von Three-Strikes. So weit, so gut.
Dafür will man die Internet-Zensur vereinfachen. In Punkt fünf geht es um „Richtlinien zum Access-Blocking illegaler Dienste im Internet“. Bisher können in Dänemark Rechteinhaber gegen Internet-Anbieter klagen, dass diese Webseiten sperren sollen. So wurde der Provider Tele2 vor vier Jahren dazu verpflichtet, die Seite The Pirate Bay zu sperren.
So ein Urteil gilt jedoch immer nur für den einen Provider, dem die einstweilige Verfügung zugestellt wurde. Nach dem Willen des Kulturministers sollen sich nun alle Provider in Dänemark an eine solche Verfügung halten. Wird ein Provider zur Sperrung einer Seite verpflichtet, „stellt dieser sicher, dass diese Entscheidung mit den anderen Providern kommuniziert wird“. Dem haben die Provider in Gesprächen mit den Rechteinhabern schon zugestimmt.
Auch in Dänemark wurden Netz-Sperren zunächst gegen Kindesmissbrauchs-Dokumentation etabliert. Der Provider Telenor, der Tele2 übernommen hat, war bei der Einführung der Sperren an vorderster Front. Trotzdem klagte Telenor gegen die Verpflichtung, auch Copyright-Verstöße zu sperren. Das half jedoch nichts, der oberste Gerichtshof bestätigte die Rechtmäßigkeit der Sperre.
Das soll nun ausgeweitet werden. Die neue Initiative spricht nicht nur von „illegalen Diensten“, sondern auch von Links: „Darüber hinaus versuchen die Parteien, dieses Konzept auf andere Beteiligte wie Links zu den beanstandeten Diensten auszuweiten.“
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: Die EU will immer noch Netz-Sperren, jetzt sogar weltweit
: Die EU will immer noch Netz-Sperren, jetzt sogar weltweit Die EU will weiterhin Netz-Sperren gegen Kindesmissbrauchs-Dokumentation im Internet einsetzen. Nach einem internen Beschluss Anfang des Monats, will man das jetzt auch in einer globalen Allianz durchsetzen.
Im Beschlussdokument der Justiz- und Innenminster-Konferenz wird gefordert:
die größtmögliche Reduzierung der Verfügbarkeit von Kinderpornographie online, unter anderem durch die Erleichterung von Maßnahmen zum Entfernen, oder, wo angemessen, auch Sperren von Webseiten.
Joe McNamee von EDRi hat dazu bereits Anfang des Monats alles gesagt. Hier die Übersetzung, mit freundlicher Genehmigung von unwatched.org:
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: Google Transparenz-Bericht: Staaten lassen immer mehr löschen
: Google Transparenz-Bericht: Staaten lassen immer mehr löschen In seinem halbjährlich erscheinenden Transparenz-Bericht, der den Zeitraum Juli bis Dezember 2011 abdeckt, stellt Google einen weiteren Anstieg staatlicher Zensuranfragen fest:
Dorothy Chou von Google schreibt im offiziellen Google Blog:
This is the fifth data set that we’ve released. And just like every other time before, we’ve been asked to take down political speech. It’s alarming not only because free expression is at risk, but because some of these requests come from countries you might not suspect—Western democracies not typically associated with censorship.
For example, in the second half of last year, Spanish regulators asked us to remove 270 search results that linked to blogs and articles in newspapers referencing individuals and public figures, including mayors and public prosecutors. In Poland, we received a request from a public institution to remove links to a site that criticized it. We didn’t comply with either of these requests.
Von staatlichen Institutionen aus Deutschland hat Google 103 Anträge erhalten. Dadurch sind 1722 Inhalte bemängelt worden – 77% davon entfernte Google. Hauptursachen waren laut Google Seiten die gegen das Jugendschutzgesetz verstießen und von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) gemeldet wurden. Dabei sei es vor allem um den Verkauf von Nazi-Memorabilia, extremer Gewalt oder Pornographie gegangen. Nach einem Gerichtsbeschluss musste Google 898 Suchergebnisse, die Äußerungen über eine staatliche Behörde und einen ihrer Mitarbeiter enthielten, löschen.
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: Äthiopien blockiert jetzt auch VoIP
: Äthiopien blockiert jetzt auch VoIP Wir hatten vor wenigen Tagen über die Lage in Äthiopien geschrieben: Äthiopien baut Zensurinfrastruktur aus. Wie Techcrunch und Al Jazeera berichten wurde in Äthiopien ein Gesetz verabschiedet, dass die Nutzung von VoIP-Diensten kriminalisiert. Das Gesetz verbietet zudem die Nutzung von „Audio- und Video-Datenverkehr über Social Media“ und gibt dem Ministerium für Kommunikation und Informationstechnologie die Macht den import von Telekommunikationssystemen zu kontrollieren und lizensieren. Wer dennoch VoIP nutzt kann mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft werden. Als Begründung werden „Nationale Sicherheitsbedenken“ sowie die Aufrechterhaltung des staatlichen Monopols der Ethio Telecom genannt.
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: Äthiopien baut Zensurinfrastruktur aus
: Äthiopien baut Zensurinfrastruktur aus Wir berichteten bereits letztes Jahr über die Blogosphäre in Äthiopien und ihre Schwierigkeiten in einem Podcast. Nun hat die EFF einen Bericht veröffentlicht, in dem die aktuelle Situation und der Auf- bzw. Ausbau einer Zensurinfrastruktur beschrieben wird.
Nur ungefähr 1% der äthiopischen Bevölkerung hat einen Zugang zum Internet – beim einzigen Internet Service Provider (ISP) der staatlichen Ethiopian Telecommunication Corporation (Ethio-Telcom). Internet-Zensur und Inhaltsfilterung gehören dort zum Standard. Dennoch gibt es eine lebendige, eng verbundene Bloggerszene, deren Webseiten, Blogs und Facebook-Profile von Regierungsseite blockiert werden. Wie beim chinesischen System werden als Fehlermeldung nur unscheinbare Timeouts angezeigt. Das kommt nicht von ungefähr Äthiopien und China arbeiten in Sachen Internetzensur zusammen.
Erst kürzlich wurde ein neues Gesetz in Äthiopien erlassen, das die Filterung von Inhalten zugunsten der „nationalen Sicherheit“ vorsieht. Das Gesetz verbietet u.a. Äußerungen im Internet, die als verleumderisch oder terroristisch ausgelegt werden können. Verantwortlich für die Äußerungen ist der Betreiber einer Webseite, selbst dann, wenn diese von anderen Internetnutzern stammen (z.B. in Kommentaren).
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: HTTP-Statuscode: „Dieser Inhalt ist in ihrem Land nicht verfügbar“
: HTTP-Statuscode: „Dieser Inhalt ist in ihrem Land nicht verfügbar“ Der Google-Mitarbeiter Tim Bray schlägt einen neuen HTTP-Statuscode vor: 451 Unavailable For Legal Reasons. Diesen hat er bereits bei der Internet Engineering Task Force (IETF) zur Standardisierung eingereicht.
Der Server soll auf diesem Weg dem Nutzer mitteilen, dass der Inhalt aus rechtlichen Gründen gesperrt/zensiert wurde. Dabei soll nach Ansinnen von Bray auch eine Erklärung mit ausgeliefert werden, auf welcher Grundlage dies geschieht und wer für die Sperrung/Zensur verantwortlich ist.
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: Microsoft lässt heise-Artikel aus google entfernen
: Microsoft lässt heise-Artikel aus google entfernen Microsoft hat einen Artikel über Windows 8 von heise online aus der Suchmaschine entfernen lassen. Begründung: Urheberrechtsverletzung. Heise ließ den Artikel von ihren Hausanwälten überprüfen, die keine Urheberrechtsverletzung feststellen konnten. Alle Bilder, Videoclips und verlinkte Software seien allesamt offiziell von Microsoft für diese Zwecke zur Verfügung gestellt worden.
Heise fasst die Zensurmöglichkeiten durch dieses System wie folgt zusammen:
Besonders pikant an diesem Fall ist, dass ein Großunternehmen ohne Rücksprache mit dem Urheber einen Presseartikel über eigene Produkte aus den Suchergebnissen entfernen ließ. Wir fragten Google, wie das Meldesystem gegen möglichen Missbrauch zur Unterdrückung von unliebsamen Berichten in der Presse geschützt ist. Nach Auskunft von Bremer ist eine manuelle Prüfung angesichts der Vielzahl der Fälle unmöglich. Man setze ein weitgehend automatisiertes Verfahren ein, mit dem Ziel, so wenige unberechtigte Sperrungen wie möglich vorzunehmen. „Wir machen dazu mehr als wir rein rechtlich betrachtet müssten“, sagte Bremer.
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: Mobilfunkanbieter in Großbritannien zensieren Internet
: Mobilfunkanbieter in Großbritannien zensieren Internet In Großbritannien gibt es mit der Internet Watch Foundation (IWF) schon seit 1996 eine Internet-Zensur-Infrastruktur, die „criminal online content“ aus dem Netz verbannen soll und dabei auch einige Skandale produziert hat.
Seit letztem Jahr steht zusätzlich die Forderung im Raum die dortigen Internetanschlüsse kindgerecht anzubieten – sprich automatisiert gewaltätige und pornographische Inhalte zu blockieren, die an sich legal sind.
Einige Mobilfunkanbieter in Großbritannien, darunter Vodafone, O2, T‑Mobile und Orange, setzen eine ähnliche Filtertechnik bereits standardmäßig ein. Unter den blockiertern Seiten fanden sich aber nicht nur Seiten mit gewaltätigen und pornographischen Inhalten, sondern beispielsweise auch die Seite des Anonymisierungsdienstes Tor, der digital-rights NGO La Quadrature du Net, mehrere Foren u.a. zu Computerspielen oder Fahrradtouren, einige Software- und Technik-Seiten, die Seite einer rechtslastigen Partei, sowie mehrere anti-feministische Blogs.
Die NGO Open Rights Group (ORG) sammelt auf der Internetseite www.blocked.org.uk Seiten die offensichtlich weder gewaltätig noch pornographisch sind und dennoch blockiert werden. Eine erste Auflistung der blockierten Seiten findet sich hier.
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: Internet-Zensur im Iran: Das saubere, nationale Internet nimmt Formen an
: Internet-Zensur im Iran: Das saubere, nationale Internet nimmt Formen an Der Iran baut sein Internet weiter zum Intranet um. Iranischen Firmen müssen iranische Mail-Server verwenden, ausländische werden verboten. Das geht aus dieser APF-Meldung hervor:
Das iranische Telekommunikations-Ministerium hat lokalen Banken, Versicherungen und Telefonnetz-Betreibern untersagt, zur Kommunikation mit Kunden ausländische E‑Mail-Angebote zu nutzen.
„Der Minister für Telekommunikation hat angeordnet, Domains mit der Endung .ir zu verwenden, die dem Iran gehören.
Die iranischstämmige Designerin Maral Pourkazemi hat als Master-Arbeit an der Fachhochschule Potsdam das iranische Internet als Infografik dargestellt. Bilder der beeindruckenden Arbeit, die auf der re:publica ausgestellt war, gibt’s auf ihrer Webseite.
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: Schul-Sperren in NRW: TIME for kids will doch nur ein „Bildungsinternet“
: Schul-Sperren in NRW: TIME for kids will doch nur ein „Bildungsinternet“ Die Sperrung der Piratenpartei NRW an Schulen im bevölkerungsreichsten Bundesland hat ganz schön Welle gemacht. Jetzt legt die Herstellerfirma noch einmal nach in ihrer Unschuldskampagne. Man beschwert sich über einen Shitstorm und bittet uns, den Artikel zu korrigieren.
Wie berichtet, wollte sich am Donnerstag ein Schüler an einem Berufskolleg in Ahaus über das Wahlprogramm der Piratenpartei NRW informieren, bekam aber stattdessen eine Sperr-Seite angezeigt. Twitter ist in der Schule auch gesperrt, also macht die Nachricht die Runde über andere Kanäle, bis sie dann doch auftaucht.
Diese Aufmerksamkeit war der Herstellerfirma TIME for kids nicht ganz recht, weswegen man gestern Abend mit einer eigenen Pressemitteilung konterte. Darin beschwert man sich über:
shitstorm-verdächtige Kommentare: Zensursula, Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, Overblocking. Diese Schlagworte der Netzpolitik haben vor dem Hintergrund eines Bildungsinternets, die der TIME for kids Schulfilter Plus den Schulen bietet, keine Relevanz.
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: Netz-Sperren in Schulen: NRW zensiert Piratenpartei
: Netz-Sperren in Schulen: NRW zensiert Piratenpartei In Nordrhein-Westfalen sperren manche Schulen das Wahlprogramm der Landes-Piratenpartei. Sie setzt sich für die Legalisierung von Cannabis ein, also wurde die Seite der Kategorie „illegale Drogen“ zugeordnet. Die Herstellerfirma weist die Verantwortung von sich.
Kai Schmalenbach postete heute einen Screenshot, laut dem die Seite http://www.piratenpartei-nrw.de/landtagswahl-2012/wahlprogramm/ in einer Schule in Soest nicht aufrufbar ist:
Fukami bestätigte die Echtheit, Benedikt Fuest berichtete auf Welt Online.
Die eingesetzte Software ist Schulfilter Plus der Firma TIME for kids Informationstechnologien GmbH. Dort wirbt man gleich auf der Startseite: „Pornografie, Drogen und Gewalt müssen Schüler nicht mehr ertragen.“
Von netzpolitik.org damit konfrontiert, wollte TIME for kids nicht Schuld sein. Man stelle lediglich eine Software und eine Sperrliste zur Verfügung, aber „wir sperren nicht“. Verantwortlich für die Sperren sind die Kunden, also Schulen. TIME for kids betreibt eine Filterdatenbank von IBM, die das Web crawlt und Seiten anhand von Algorithmen kategorisiert, auch eine händische Eintragung oder Bearbeitung ist möglich. Dabei kommen „immer mal wieder Fehlkategorisierungen“ vor, aber „unser Filter hat einen guten Ruf“.
Das Wahlprogramm der Piraten thematisiert nun mal Cannabis und das ist illegal. Kein Wunder, dass es in die Kategorie „illegale Drogen“ zugeordnet wurde. Dass die Seite aber in einer Schule gesperrt wurde, sieht man auch als Fehler. Schuld sei wieder die Schule, immerhin ist die verwendete Filterliste schon einige Jahre alt und nicht mehr aktuell.
Vor zwei Jahren war durch TIME for kids Software auch netzpolitik.org an manchen Schulen gesperrt.
Diese Vorfälle zeigen beispielhaft die Probleme mit Internet-Filtern a la Zensursula und Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Einen Filter ohne Overblocking gibt es nicht.
Update: Schul-Sperren in NRW: TIME for kids will doch nur ein “Bildungsinternet”
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: OpenNet Initiative: Jahresrückblick der Zensur und Überwachung
: OpenNet Initiative: Jahresrückblick der Zensur und Überwachung Die OpenNet Initiative hat ihre jährliche „Sammlung der wichtigsten Fälle von Internet-Zensur, Überwachung und InfoWar“ veröffentlicht. Neben den amerikanischen Copyright-Gesetzentwürfen SOPA und PIPA dominieren vor allem repressive Maßnahmen in Asien und dem Nahen Osten. Vor allem die Rolle westlicher Firmen bei Zensur und Überwachung war immer wieder Thema.
Weitere interessante Punkte im Bericht sind:
- Die Entdeckung europäischer Überwachungstechnologie in Libyen: Nach Gaddafis Sturz entdeckte die Übergangsregierung im September, dass die Software, mit der das Regime Online-Aktivitäten überwachte, von französischen und südafrikanischen Unternehmen geliefert wurde.
- Sudans Drohung, Internet-Dissidenten zu „zerschlagen“: Die sudanesische Regierungspartei kündigte an, dass „Cyber-Dschihadisten“ regierungskritische Kampagnen auf Facebook und Twitter eliminieren würden.
- Massive DDoS-Attacken in Rusland: Während den Parlamentswahlen im Dezember waren russische Internet-Seiten wie LiveJournal, Online-Nachrichten-Portale und Webseiten von Wahlbeobachtern groß angelegten Attacken ausgesetzt.
- Großbritanniens Repression von Social Media: Der britische Premierminister David Cameron schlug stärkere Einschränkungen für soziale Medien vor, nachdem Akteure der sommerlichen Ausschreitungen auch Facebook genutzt haben.
Auch Deutschland wird erwähnt, mit dem aus für Netz-Sperren. Hier ist der ganze Bericht.
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: Der Kampf ums Netz: Herausforderungen für das offene Internet
: Der Kampf ums Netz: Herausforderungen für das offene Internet Der britische Guardian betrachtet in einer Serie verschiedene Aspekte der Auseinandersetzungen um ein freies und offenes Internet. Eine Woche lang berichtet er von mehreren Kampf-Schauplätzen, darunter die Militarisierung des Cyberspace, der Kampf um geistiges Eigentum und die Gefahr geschlossener Systeme.
Sonntag ging’s los mit dem „neuen kalten Krieg“. Auf der einen Seite will die chinesische Regierung das Internet zensieren, auf der anderen Seite sponsorn die USA das offene Internet mit Millionenbeträgen:
Einerseits finanziert die US-Regierung Commotion Wireless, das jeder Person erlaubt, ein Smartphone mit anderen zu verbinden und so ein vermaschtes Netz zu bilden – ein improvisiertes Internet – zur heimlichen Kommunikation, unabhängig von staatlicher Überwachung oder Internet-Abschaltung.
Andererseits warnte das FBI kürzlich auf Flugblättern, dass die verwendung von Anonymisierern, Verschlüsselung und mehreren Mobiltelefonen „Indikatoren für terroristische Aktivitäten“ sein könnten.
Gestern ging es um die Gefahr des Cyberwars, der auch hierzulande gerne heraufbeschworen wird. Auch amerikanische Behörden haben Angst, aber auch die Lösung: Mehr Waffen!
Wir brauchen offensive Fähigkeiten, um die Bösen abzuschrecken.
Der heutige Tag thematisierte geschlossene Systeme wie Apple und Facebook. Dass das Netz auf Offenheit basiert und diese verteidigt werden muss, ist nicht neu. Dass aber Google-Gründer Sergey Brin das nun als bisher größte Gefahr bezeichnete, brachte ihm die zu erwartende Reaktion: Selber!
Morgen geht’s weiter mit Copyright. Eine wichtige Beobachtung hat Clay Shirky schon gemacht:
Die wirkliche Bedrohung für die Freiheit des Internets ist nicht, dass der Iran sagt Wir trennen uns ab und bauen ein eigenes Internet – das ist ein verzweifelter Akt. Die wirkliche Bedrohung kommt von der MPAA [Motion Picture Association of America] und ihren Verbündeten. Wir sollten uns viel mehr Sorgen darüber machen, was in Südkorea los ist als in Nordkorea.
Am fünften Tag zivilisierte Nicholas Sarkozy das Internet. Übermorgen gibt’s ein Profil digitaler Freiheitskämpfer und zum Schluss das Ende der Privatspähre.
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: Internet-Zensur im Iran: „Sauberes“ nationales Intranet statt Internet
: Internet-Zensur im Iran: „Sauberes“ nationales Intranet statt Internet Der Iran leitet die nächste Stufe der Internet-Zensur ein. Der Zugang zum weltweiten Netz soll standardmäßig abgeschnitten werden. Stattdessen will man ein nationales, sauberes Netz errichten.
Die Islamische Republik ist seit jeher Vorreiter der Internet-Zensur. Jetzt kündigte der iranische Minister für Informations- und Kommunikationstechnologie an, alle ausländischen Webseiten zu sperren. Schließlich fördert das freie Internet „Kriminalität, Uneinigkeit, unmoralische Inhalte und Atheismus“.
Stattdessen sollen nationale und damit „saubere“ Dienste genutzt werden. Wenn also im Mai E‑Mail-Anbieter wie Google, Hotmail and Yahoo gesperrt werden, soll man stattdessen Iran-Mail nutzen, ganz praktisch mit Klarnamenpflicht und Registrierung per Personalausweis.
In einem zweiten Schritt soll im August auch der Zugriff auf das restliche Internet abgeschnitten werden. Komplett mit „Iran Suche“ statt Google. Ausländische Seiten können dann nur noch aufgerufen werden, wenn die von der Regierung manuell freigeschaltet wurden.
Internet-Anbietern, die im August mehr als das „nationale Internet“ anbieten, drohen hohe Strafen.
Der Zugriff auf Tools, um Überwachung und Zensur zu umgehen, wie Proxy-Server und Anonymisierungsnetzwerke, soll komplett unterbunden werden. Damit macht die Islamische Republik einen riesigen Schritt im Wettrüsten mit Zensur-Gegnern. Erst vor wenigen Wochen wurde verschlüsselter Netzwerkverkehr weitgehend zensiert, worauf das Tor-Projekt wieder geantwortet hat.
Wer denkt, dass Ähnlichkeiten mit Clean-IT, Zensur, De-Mail, Klarnamenpflicht und nationalem Internet zu weit hergeholt sind sind:
Die iranische Regierung hat bereits angekündigt, ihr Erfolgsrezept für ein isoliertes Intranet in den Rest der Welt zu „exportieren“.
Update: Der Iran dementiert und schiebt es auf einem Aprilscherz sowie westliche Propaganda. Amrutha Gayathri, der Autor des International Business Times Artikels, bleibt jedoch bei seiner Interpretation: Das Dementi bestreite die wiederholt geäußerten Pläne eines nationalen Internets nicht.
Update 2: Der Autor legt noch einmal nach:
Unabhängig davon, ob Taghipours Aussage nur der Versuch war, mit einer unangenehmen Situation umzugehen oder ein echtes Dementi, ist die einzige Frage, wann und in welchem Umfang der Iran sein Internet verkrüppelt.
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: Microsofts Messenger blockiert Piratebay-URLs
: Microsofts Messenger blockiert Piratebay-URLs
Wie Torrentfreak am Samstag berichtete, blockiert Microsofts Instant-Messanging-Programm „Windows Live Messenger“ sämtliche URLs, die auf die schwedische BitTorrent-Suchmaschine „The Pirate Bay“ verweisen. Ein Grund, warum die Nachricht nicht übermittelt werden kann, wird nicht genannt.Es steht allerdings zu vermuten, dass im Zuge der „freiwilligen Kooperation“ zwischen Urheberrechts-Verwertern und Internet-Diensteanbietern, die unter anderem vom umstrittenen ACTA-Abkommen empfohlen wird, eine Blockade der vermeintlich schädlichen Inhalte vorgenommen wird. Dies ist vor allem deswegen kritisch zu beurteilen, da auf The Pirate Bay keineswegs nur illegale Inhalte gesucht werden können. Auch Inhalte von Netzpolitik.org, die via bitTorrent veröffentlicht wurden, werden nun blockiert.
Im Selbstversuch (Dank an Claude) konnten wir die Blockade auch in Deutschland nachvollziehen. Eine Stellungnahme des US-Unternehmens ist laut Aussagen eines Sprechers der deutschen Microsoft-Niederlassung aufgrund der Zeitverschiebung nicht vor dem Abend zu erwarten.
