Medien

  • : Fox-News-Eigentümer Rupert Murdoch will für seine Inhalte Geld von Facebook
    Medienmogul Rupert Murdoch
    Fox-News-Eigentümer Rupert Murdoch will für seine Inhalte Geld von Facebook

    Der Medienunternehmer Rupert Murdoch fordert Facebook dazu auf, künftig für journalistische Inhalte auf seiner Plattform zu bezahlen. Der Gründer von Fox News und Eigentümer des Medienkonzerns News Corp reagierte in einer am Montag veröffentlichten Erklärung auf die Ankündigung von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, künftig die Nutzer selbst die Glaubwürdigkeit von Medien beurteilen zu lassen, um der Verbreitung von Falschnachrichten vorzubeugen. Der konservative Medienunternehmer, dessen Medien in den vergangenen Jahren immer wieder selbst wegen unlauterer Stimmungsmache sowie unsauberen Geschäftspraktiken in der Kritik standen, klagt:

    Facebook und Google haben durch ihre Algorithmen verleumderische Nachrichtenquellen populär gemacht, die für ihre Plattformen profitabel, aber höchst unzuverlässig sind. (…) Wenn Facebook ‚vertrauenswürdige’ Nachrichtenquellen anerkennen möchte, dann sollte es deren Verlagen eine Vergütungsgebühr zahlen, ähnlich dem Modell von Kabelfernsehbetreibern. (Eigene Übersetzung)

    Der Unternehmer, zu dessen Imperium das britische Boulevardblatt „The Sun“ und das konservative „Wall Street Journal“ in den USA gehören, sprach vom ernsthaften Mangel an Transparenz beim Vorgehen Facebooks und beschwerte sich über die „politischen Einfärbung dieser mächtigen Plattformen“. Murdoch ist nicht der erste Verleger, der sich eine pauschale Abgabe von Facebook für auf der Plattform verlinkte Inhalte wünscht. Im Rahmen der geplanten EU-Urheberrechtsreform wird auch über die Einführung eines Leistungsschutzrechtes auf europäischer Ebene diskutiert, nachdem Plattformen wie Facebook den Verlegern die Verlinkung ihrer Inhalte abgelten sollen. Das US-Unternehmen erzielt Milliardenprofite aus Werbeeinnahmen, zeigte sich aber nur in Ausnahmefällen bereit, damit journalistische Inhalte zu finanzieren.

    23. Januar 2018 1
  • : Interview mit Frank Pasquale: Wie Facebook und Google die digitale Öffentlichkeit dominieren
    Facebook spielt für die Herstellung digitaler Öffentlichkeiten inzwischen eine zentrale Rolle, wird der damit einhergehenden Verantwortung aber nicht gerecht, so Frank Pasquale.
    Interview mit Frank Pasquale: Wie Facebook und Google die digitale Öffentlichkeit dominieren

    Wir sollten weniger Angst davor haben, zentrale Plattformen der digitalen Öffentlichkeit zu regulieren, fordert US-Rechtswissenschaftler Frank Pasquale im Gespräch mit netzpolitik.org. Nutzer könnten kaum verstehen, wie die algorithmischen Black Boxes der Intermediäre ihre Wahrnehmung von der Welt prägen.

    15. Juli 2017 11
  • : Schwarz-Gelber Koalitionsvertrag in NRW: Netzpolitik ist nur Wirtschaftspolitik
    Jetzt neu in NRW: Zeitschriftenlobbyist wird Medienminister
    Schwarz-Gelber Koalitionsvertrag in NRW: Netzpolitik ist nur Wirtschaftspolitik

    Im schwarz-gelben Koalitionsvertrag in NRW geht es viel um Digitalisierung. Insgesamt erinnert die Vereinbarung aber leider an Günther Oettinger, der als EU-Kommissar für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft verantwortlich war, sich aber nur für die Wirtschaft interessierte.

    7. Juli 2017 4
  • : Zivilgesellschaft und Partizipation: Was bringt die Digitalisierung?
    #digidemos-Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung.
    Zivilgesellschaft und Partizipation: Was bringt die Digitalisierung?

    Auf der Konferenz #digidemos der Friedrich-Ebert-Stiftung wurde über die Zukunft der zivilgesellschaftlichen Teilhabe durch die Digitalisierung diskutiert. Ob sich die Partizipation real durch das Digitale verändert oder ob die Repräsentationskrise westlicher Demokratien fortdauert und die Gesellschaft sich noch tiefer spalten wird – diesen Fragen widmete sich ein Podiumsgespräch.

    21. Juni 2017
  • : re:publica 2017: Automatisierung des öffentlichen Raumes
    Frank Pasquale auf der re:publica 2017
    re:publica 2017: Automatisierung des öffentlichen Raumes

    Die zunehmende Automatisierung der Medienlandschaft wirft grundsätzliche Fragen nach dem Wesen des kommunikativen Kapitalismus auf. Frank Pasquale diskutiert Algorithmen im Licht der Kulturindustrie.

    6. Juni 2017
  • : Warum der bisherige Kampf gegen #hatespeech und #fakenews auf Facebook irreführend ist – und welche Alternativen sich bieten
    Der Kampf gegen Hatespeech und Fakenews: Ein Drahtseilakt. Balance
    Warum der bisherige Kampf gegen #hatespeech und #fakenews auf Facebook irreführend ist – und welche Alternativen sich bieten

    Die Debatte um Fake News und Hatespeech droht, in der falschen Spur stecken zu bleiben. Dabei liegen Vorschläge vor, die der digitalen Radikalisierung konstruktiv begegnen und das Feld nicht intransparenten Unternehmen wie Facebook überlassen.

    15. Januar 2017 39
  • : Analyse von Spiegel Online: So tickt Deutschlands größte Nachrichtenseite
    Analyse von Spiegel Online: So tickt Deutschlands größte Nachrichtenseite

    Beim 33C3 wurde heute eine Datenanalyse von Spiegel Online gezeigt: David Kriesel hat über knapp zwei Jahre hinweg alle Artikel heruntergeladen und ausgewertet. Mit Data-Science-Werkzeugen veranschaulichte er nun die gewonnenen Informationen. Wie oft kommt es etwa zur Sperrung der Kommentarfunktion – und bei welchen Themen?

    28. Dezember 2016 42
  • : Google verteilt erneut Millionen an europäische Medienprojekte
    Google verteilt erneut Millionen an europäische Medienprojekte

    Im Rahmen der zweiten Runde seiner Digital News Initiative fördert Google auch 22 Medien aus Deutschland. Darunter befinden sich auch zahlreiche große Medienunternehmen.

    17. November 2016 8
  • : Gerichtsurteil: Online-Nachrichten in Italien haben ein Ablaufdatum
    Nicht nur Orangensaft hat ein Haltbarkeitsdatum, nun wohl auch journalistische Artikel.
    Nicht nur Orangensaft hat ein Haltbarkeitsdatum, nun wohl auch journalistische Artikel. - <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a> via flickr/ <a href="https://www.flickr.com/photos/vizzzual-dot-com/2196532235/">viZZZual.com</a>
    Gerichtsurteil: Online-Nachrichten in Italien haben ein Ablaufdatum

    Journalistische Artikel haben ein Ablaufdatum wie Milch oder Joghurt, erklärte das oberste italienische Gericht. Italienische Medien müssen nun um Artikel in ihren Online-Archiven fürchten, die älter als zwei Jahre alt sind – sowie um Presse- und Meinungsfreiheit.

    22. September 2016 10
  • : Bild- und Tonübertragungen aus Gerichtssälen werden ein bisschen erlaubt
    Kameras werden in einem gewissen Umfang vor Gericht zugelassen werden. (Symbolbild). Foto: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC-BY 2.0</a> <a href="https://www.flickr.com/photos/unfccc/5600066127/sizes/l">UNclimatechange</a>
    Bild- und Tonübertragungen aus Gerichtssälen werden ein bisschen erlaubt

    In den USA sind Übertragungen von Gerichtsverhandlungen ganz normal, hierzulande sind sie bislang unzulässig. In engem Rahmen sollen Bild- und Tonaufnahmen jetzt erlaubt werden.

    31. August 2016 6
  • : Medien, Politik und Terror: „Durchschaubare Reflexe“
    <a href=https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/">CC-BY-SA 2.5</a><br /><a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/">ElBarto</a><br /
    Medien, Politik und Terror: „Durchschaubare Reflexe“

    Prof. Dr. Klaus Beck lehrt am Institut für Publizistik und Kommunikationsforschung der Freien Universität Berlin. Wir haben mit ihm über Reflexe in der Terrorberichterstattung und politischen Diskurs im Krisenmodus gesprochen – und ihn gefragt, wie hilfreich das Twittern von Katzenbildern ist.

    25. Juli 2016 9
  • : Rangliste der Pressefreiheit: Lage verschlechtert sich weltweit – auch Deutschland sinkt im Ranking
    Quelle: "Reporter ohne Grenzen"
    Rangliste der Pressefreiheit: Lage verschlechtert sich weltweit – auch Deutschland sinkt im Ranking

    Reporter ohne Grenzen e.V. setzt sich weltweit für journalistische Freiheit ein, dokumentiert Verstöße gegen Presse- und Informationsfreiheit und macht die Öffentlichkeit darauf aufmerksam. Heute präsentierte der Verein die Rangliste der Pressefreiheit 2016, die Freiheiten und Einschränkungen von Journalisten weltweit vergleicht. Auf Grundlage eines Fragebogens zu Aspekten der journalistischen Unabhängigkeit sowie Zahlen von Übergriffen und Verhaftungen gegen Pressemitglieder wird ein Ranking erstellt.

    Der globale Indikator für Pressefreiheit ist 2015 um 3,7 Prozent, seit 2013 um 13,6 Prozent gesunken. Zu dieser Entwicklung tragen autokratische Regime wie die Türkei und Russland, sowie kriegerische Auseinandersetzungen etwa in Syrien und im Jemen bei. Auch die Bestrebungen von Ländern wie Polen und Ungarn, Medien zunehmend unter staatliche Kontrolle zu bringen, wirken sich negativ aus. Deutschland rutscht im Vergleich zum Vorjahr um vier Plätze auf Rang 16 ab. Grund dafür sind Vorfälle wie die Landesverrats-Affäre, Drohungen und Gewalt gegen Journalisten auf Demonstrationen, die Vorratsdatenspeicherung sowie die wirtschaftliche Krise der Printmedien.

    Weltweite Einschränkung unabhängiger Berichterstattung

    Der Indikator „Produktionsmittel von Medien“ sank 2015 weltweit am stärksten ab. Das lag an den Bestrebungen einiger Regierungen, ungewollte Berichterstattung durch Internetsperren oder die Zerstörung von Redaktionsräumen und Publikationstechnik zu verhindern. Auch die juristischen Rahmenbedingungen verschlechterten sich global. In Form von Gesetzen zur Präsidentenbeleidigung, Blasphemie und Beihilfe zum Terrorismus wird die unabhängige Berichterstattung zunehmend zensiert.

    Angeführt wird die weltweite Rangliste von Finnland, den Niederlanden und Norwegen, die ihre Spitzenposition dem guten Schutz von journalistischen Quellen und dem offenen Zugang zu Behördeninformationen verdanken. Schlusslichter sind die Diktaturen Eritrea, Nordkorea und Turkmenistan, die in ihren Ländern die Medien fast vollständig kontrollieren.

    Massive Repressionen in China, Russland und Türkei – Digitale Überwachung in USA

    In der Türkei ging der Staat massiv gegen kritische Berichterstattung vor. Unter Präsident Erdogan wurden Nachrichtensperren verhängt und Redaktionen von der Polizei überfallen. Außerdem wurden ausländische Reporter verhaftet und es gab Mordanschläge auf geflüchtete syrische Medienaktivisten.

    In Russland steht es ähnlich schlecht um die Pressefreiheit. Reporter ohne Grenzen beklagt die Zunahme der Verfolgung von Regimekritikern und befürchtet, diese Praxis strahle sich auf die Nachbarstaaten aus. Zudem gibt es Bestrebungen, die Berichterstattung im Ausland zu beeinflussen und gegensätzliche Propaganda zu produzieren. NGOs und ausländische Verlage geraten zunehmend unter Druck.

    In China sind die Repressionen gegen unabhängige Presse nach wie vor enorm. Entführungen, erzwungene Geständnisse und Drohungen gegen die Familien kritischer Journalisten sind Realität. Die Medien unterliegen einer annähernd absoluten Kontrolle durch die staatliche Führung.

    Unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung wird auch in westlichen Demokratien wie den Vereinigten Staaten die Pressefreiheit zunehmend eingeschränkt. Reporter ohne Grenzen beklagt die juristischen Kampagnen gegen Whistleblower und Investigativjournalisten und den Ausbau der digitalen Überwachung in den USA.

    Mediale Machtkonzentration in Europa – zunehmende staatliche Kontrolle im Osten

    In Europa kritisiert der Verein für Informationsfreiheit die Konzentration von Verlagen in Großkonzernen, die so zunehmend Medien kontrollieren und gleichzeitig andere Geschäftsinteressen verfolgen. In Frankreich sind die meisten relevanten Medien in den Händen weniger Unternehmen, die ihr Hauptgeschäft in anderen Bereichen tätigen. In Schweden klagen Journalisten über vermehrte Drohungen im Zuge des Erstarkens nationaler Kräfte.

    In Ungarn obliegt die Überwachung der Einhaltung des „öffentlichen Standards“ einem Medienrat, den die Regierung kontrolliert. Deutlich verschlechtert hat sich auch die Lage in Polen. Als Folge „der zielgerichteten Bestrebungen der neuen Regierung, die Eigenständigkeit der öffentlich-rechtlichen Medien einzuschränken und private Medien zu ‚repolonisieren’“ wurden die Bedingungen unabhängiger journalistischer Arbeit stark eingeschränkt.

    Obwohl die Medien in der Ukraine maßgeblich von Oligarchen beeinflusst werden und Russland enormen Druck ausübt, verbesserte sich das Land im Ranking deutlich. Das liegt an der zurückgehenden Gewalt gegen Journalisten und verschiedener Reformen.

    Attacken gegen die „Lügenpresse“ – Pressfreiheit in Deutschland verschlechtert sich

    Auch in Deutschland wird die Pressefreiheit laut Reporter ohne Grenzen zunehmend eingeschränkt. Der ausführliche Report zur BRD (PDF) berichtet von mindestens 39 gewalttätigen Übergriffen, meist auf Demonstrationen rechter Gruppen. Vor allem bei Pegida-Veranstaltungen äußert sich die Ablehnung gegenüber der „Lügenpresse“ mit Schlägen, Tritten und verbalen Attacken gegen Reporter. Dabei wird die aggressive Stimmung gegen Medien von Führern der Bewegung und der Partei „Alternative für Deutschland“ geschürt, die immer wieder Journalisten von ihren Veranstaltungen ausschließt. Laut Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling sollen die sogenannten besorgten Bürger „nach den Mistgabeln greifen und diese volksverratenden, volksverhetzenden Eliten […] aus den Pressehäusern prügeln“.

    Verfahren gegen netzpolitik.org

    Vergangenen Sommer ermittelte die Generalbundesanwaltschaft gegen netzpolitik.org und die Quelle(n) namens „Unbekannt“. Damals hatte unser Blog durch die Veröffentlichung von internen Dokumenten aufgedeckt, „dass das Bundesamt für Verfassungsschutz seine Kompetenzen zur Netzüberwachung massiv aufrüstet und das verfassungsrechtliche Fragen aufwirft.“ Nach bundesweiten Protesten wurden die Ermittlungen gegen zwei unserer Redakteure, allerdings nicht gegen die unbekannte(n) Quelle(n), eingestellt.

    demo landesverrat

    Reporter ohne Grenzen verklagte im Juni 2015 den Bundesnachrichtendienst wegen Verletzung des Fernmeldegeheimnisses, um auf den mangelhaften Schutz journalistischer Quellen und die ausufernde Überwachung durch Geheimdienste hinzuweisen. Zudem forderte der Verein für Informationsfreiheit „eine bessere Kontrolle der Geheimdienste durch das Parlament“ und lamentierte den Missbrauch des Strafrechts durch die Bundesanwaltschaft.

    Ermittlungen gegen Whistleblower und massive Vorratsdatenspeicherung

    Whisteblower sind in Deutschland nicht ausreichend geschützt, befindet Reporter ohne Grenzen. Zum Beispiel ermittelte die Frankfurter Staatsanwaltschaft im Juli 2015 wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen gegen unbekannt, nachdem die Bild-Zeitung nach Informationen von vertraulichen Quellen über defekte Schutzwesten bei der Polizei schrieb.

    Wie stark gegen Journalisten ermittelt wird, wenn sie kritisch über Geheimdienste berichten, zeigte Ende 2015 der Berliner Tagesspiegel. Die Zeitung zwang die Regierung per Gerichtsentscheid, über die Zahl der Fälle von Geheimnisverrat beim Bundesnachrichtendienst aufzuklären. So wurde öffentlich, dass der BND „von Januar bis Oktober 32 Verstöße gegen die einschlägigen Geheimschutzvorschriften – bis auf drei Ausnahmen allesamt durch Veröffentlichungen in Medien“ zählte. Eine ähnliche Anfrage an den Verfassungsschutz scheiterte, da keine entsprechenden Zahlen vorlagen und deren Recherche nicht vom Presseauskunftsrecht gedeckt sei.

    Negativ für die Platzierung Deutschlands im Ranking wirkte sich auch das im Oktober verabschiedete Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung aus. Telefon- und Internetunternehmen sind demnach verpflichtet, „die Verbindungsdaten aller Kunden anlasslos zehn Wochen lang zu speichern.“ Zwar darf nur bei schweren Straftaten auf die Daten zugegriffen werden, Reporter ohne Grenzen kritisiert jedoch, dass Berufsgeheimnisträger wie Journalisten nur unzureichend geschützt werden. Außerdem bedrohe der neu eingeführte Strafbestand der Datenhehlerei die Sicherheit von Informanten.

    Wirtschaftliche Krise der Printmedien

    Punkten konnte Deutschland mit der Veröffentlichung von Ausarbeitungen und Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags. Vorausgegangen war eine erfolgreiche Klage auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes vor dem Bundesverwaltungsgericht und Initiativen der Transparenzportale Abgeordnetenwatch.de und Fragdenstaat.de. Die Seite sehrgutachten.de hat die veröffentlichten Gutachten thematisch sortiert und durchsuchbar gemacht. Von uns gibt es eine netzpolitische Empfehlung zu netzpolitisch relevanten Gutachten.

    Die wirtschaftliche Krise bei den Printmedien zwingt immer mehr Zeitungs- und Zeitschriftenverlage dazu, ihre Redaktionen zusammenzulegen. Reporter ohne Grenzen beklagt zunehmende Veröffentlichungen gleicher Inhalte durch Regionalverlage, die von zentralen Redaktionen versorgt werden. Die Pressevielfalt in Deutschland nehme immer weiter ab, Inhalt und Ausrichtung der Zeitungen seien zunehmend identisch.

    20. April 2016 14
  • : „Panama Papers“: Das Problem ist nicht die Art der Berichterstattung
    „Panama Papers“: Das Problem ist nicht die Art der Berichterstattung

    Seit der Veröffentlichung der „Panama Papers“, die von mehreren Dutzend Journalisten aus verschiedenen Ländern bearbeitet wurden, ist eine „Lügenpresse! Lügenpresse!“-Diskussion – auch bei uns in den Kommentaren – darüber entbrannt, wie tendenziös und auch russlandfeindlich die Berichterstattung sei und wie wenig der Fokus auf westlichen Staaten liege. Insbesondere der Geldwäsche-Ring im Umkreis von Wladimir Putin, über den breit berichtet wurde, war Stein des Anstoßes. Dass sich in Island eine Regierungskrise und eine hitzige Diskussion um den Rücktritt von Ministerpräsident Sigmundur Gunnlaugsson entfaltet, ist jedoch auch eine Folge der Veröffentlichungen.

    Worüber reden wir denn hier? Es geht um einen internationalen Schwarzmarkt einer schattigen Finanzbranche, durch den allein die Entwicklungsländer in nur einem Jahrzehnt geschätzte 7,8 Billionen Dollar ($ 7.8 trillion) verloren haben sollen. Ohne Zweifel ist dieser Verschiebebahnhof ein lange bekanntes internationales Problem, unabhängig davon, aus welchen der vielen betroffenen Staaten die Finanzakrobaten kommen. Und ohne Zweifel wissen wir durch die Arbeit der Journalisten-Teams nun mehr über die Praktiken und das Ausmaß des Problems.

    „This is a world in which people covertly shove back and forth assets worth millions. Here is where they park company shares, a world in which they buy yachts and airplanes“, schreibt Wolfgang Krach für die Süddeutsche Zeitung. Dass sich über die Jachten und Privatjets und das möglichst unauffällige Verschieben der Millionen nunmal kaum ein normal arbeitender Mensch täglich den Kopf zerbricht, braucht man eigentlich nicht zu betonen. Den Vogel schoss dennoch heute Dorothea Siems in der „Welt“ ab, die unter dem Titel „Die Hatz auf die Reichen ist anstößig und illiberal“ nun einen medialen „Generalverdacht gegen alle Reichen“ beklagte.

    Informationsquellen

    Wer sich gern selbst ein Bild macht, statt vorschnell zu urteilen oder anderen nach dem Mund zu reden, für den haben wir hier einige Informationen zusammengestellt.

    Das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) hat eine inhaltsreiche Liste, die auch nach Ländern durchsuchbar ist, sowie Übersichtsgraphiken zusammengestellt. Die beteiligten Geldhäuser sind ebenfalls recherchierbar: Mehr als fünfhundert Banken weltweit haben über fünfzehntausend Briefkastenfirmen erschaffen. Allein die HSBC gründete mit ihren Partnern über zweitausend solcher Tarnentitäten, die UBS oder die Société Générale folgen auf den Plätzen. In mehr als einhundert Staaten, ebenfalls über die ganze Welt verteilt, gab es Partner. Hier führen Hongkong, Großbritannien und die Schweiz die Liste mit den meisten Partnerfirmen an. Die Süddeutsche Zeitung hat ebenfalls Informationen aufbereitet und in einem eigenen Portal zusammengestellt.

    In der englischen Wikipedia – in der deutschen Wikipedia wird stattdessen löschdiskutiert – ist eine wachsende Liste der einzelnen Personen entstanden, die namentlich bisher in den „Panama Papers“ Erwähnung finden. Derzeit sind ehemalige oder amtierende Politiker aus über fünfzig Staaten in der Auflistung in der Kategorie Amtsträger/Politik zu finden. Dass in den „Panama Papers“ auch US-Amerikaner zu finden sind, sollte niemanden überraschen.

    Außerdem hat die BBC eine praktische Nachrichten-Übersichtsseite, auf der man den halben Tag verbringen kann, und zusätzlich eine Sektion mit oft gestellten Fragen und Antworten.

    Versucht man, den Leak und die Bedeutung der „Panama Papers“ zu bewerten, wird man sich nach Lektüre der Informationsseiten wohl weniger über die Art der Berichterstattung als über den Fakt Gedanken machen müssen, wer eigentlich die Verantwortung dafür trägt, dass das seit Jahrzehnten bekannte Problem in einem solchen Ausmaß besteht:

    The extent of money laundering and tax evasion demonstrated by the Panama papers is alarming for the entire world.

    Das sollte eigentlich eine Lehre aus den Snowden-Leaks sein: Es geht doch nicht um den Überbringer der schlechten Nachrichten.

    6. April 2016 64
  • : DRadio Kultur Podcast: „Vertrauen ist gut …“
    DRadio Kultur Podcast: „Vertrauen ist gut …“

    In seinem Hörfunk-Feature „Vertrauen ist gut …“ setzt sich Ulrich Teusch mit der Arbeit in den Medien und Anschuldigungen, wie „Lügenpresse“ auseinander. Wie kommt es zu dieser Wahrnehmung und was tragen Medien dazu bei, dass ein Medienmainstream entsteht, der nicht mehr jede Nachricht aufgreift, die von den Medienkonsumenten als „wichtig“ erachtet wird?

    Besonders die Berichterstattung rund um Kriegs- und Krisengebiete wird gern mit einem Spin versehen, der u.a. den Geheimdiensten dienen kann. Johannes Grotzky – Journalist und Honorarprofessor an der Universität Bamberg – berichtet in dem Feature, wie der Bundesnachrichtendienst BND vergeblich versuchte, ihn zu korrumpieren. Der Journalist sammelte zunächst die Belege für die Anbahnung und veröffentlichte dann den Anwerbeversuch.

    Grotzky geht es auch darum, die Medienkompetenz zu fördern:

    Ein mediengeschulter Mensch müsste auch lernen zu erkennen, was ist an der Aussage eine Nachricht und was ist an der Aussage eine tendenziöse Manipulation.

    Interessant ist auch die Frage, wo die medienkritischen Formate in ARD („Glashaus“ + „Mikado“) und ZDF („Betrifft: fernsehen“ ‚1974 – 1984) abgeblieben sind. Die Kritik: die nötige Selbstreflektion findet nur noch versteckt in den dritten Programmen und in den Hörfunkwellen statt.

    Ein spannendes, selbstkritisches Feature zur Medienwelt, die uns täglich umgibt.

    Hier ist die MP3.

    3. März 2016
  • : Medien in Deutschland: Presse – Rundfunk – Online
    Medien in Deutschland: Presse – Rundfunk – Online

    219788-pub-portlet140x191Im Rahmen ihrer Schriftenreihe (Bd. 1599) erklärt die Bundeszentrale für politsiche Bild jetzt unser Mediensystem auf rund 200 Seiten: Medien in Deutschland: Presse – Rundfunk – Online.

    Das deutsche Mediensystem befindet sich im Umbruch. Digitalisierung, Onlinekommunikation und die stetig wachsende Nutzung mobiler Endgeräte haben die Medienlandschaft massiv verändert und zu einer unübersehbaren Umstrukturierung geführt, speziell bei Printmedien. In diesem kompakten Gesamtüberblick zeichnet der Kommunikationswissenschaftler Heinz Pürer zunächst die Geschichte des deutschen Rundfunks (Radio und Fernsehen) seit den 1920er-Jahren und der deutschen Presse seit 1945 nach. Er widmet sich ausführlich und unter Einbezug neuer Forschungsergebnisse den Entwicklungen bei Print und Online und bezieht die aktuell gültigen medienrechtlichen Rahmenbedingungen ein. Ein besonderes Augenmerk legt der Autor nicht zuletzt auf Fragen der Finanzierung journalistischer Angebote, da sich Medienhäuser und Medienschaffende gerade auf diesem Feld immer neuen Herausforderungen gegenübersehen.

    Das Buch kann zum Preis von 4,50 Euro bestellt werden.

    4. Februar 2016 2
  • : Polen: Demonstrationen, Geheimdienste und der Umbau von Medien und Verfassungsgericht
    Hier mit unsichtbaren Fäden in der Hand: PiS-Parteichef Kaczynski (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a> by <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kaczynski_Jaroslaw_1_070.JPG">Aargambit</a>
    Polen: Demonstrationen, Geheimdienste und der Umbau von Medien und Verfassungsgericht

    In Polen haben wieder zehntausende Menschen gegen die Politik der neuen Regierung demonstriert. Seit den Parlamentswahlen vom 25. Oktober verfügt dort mit der nationalkonservativen Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (Prawo i Sprawiedliwość, PiS) zum ersten Mal seit 1989 wieder eine Partei über die absolute Mehrheit im Parlament. Die damit verbundene Macht nutzt sie nun zum Umbau von Justiz und Verwaltung – und stellt damit die Geheimdienstkontrolle, den Zugang zu Informationen und die Rechtsstaatlichkeit auf eine harte Probe.

    Die PiS beherrscht Polen: Neben der Mehrheit in den Parlamentskammern Sejm und Senat hat sie mit dem im Mai direkt gewählten Präsident Andrzej Duda einen Parteifreund als Staatsoberhaupt, neue Premierministerin des Landes ist die PiS-Abgeordnete Beata Szydło. Viele vermuten, dass Jarosław Kaczyński im Hintergrund die Fäden zieht. Der Ex-Premier, Zwillingsbruder des 2010 verunglückten Präsidenten Lech Kaczyński, verfügt als Gründer und Vorsitzender der PiS über den notwendigen Einfluss in der politischen Landschaft Polens.

    Wer ist Freund – wer Feind?

    Für PiS oder gegen PiS – das scheint in diesen Tagen die Frage zu sein. Dabei ist nicht gesagt, dass eine andere Partei (etwa die liberalkonservative „Platforma Obywatelska“) unter umgekehrten Machtverhältnissen nicht ähnlich geradeheraus regieren würde. Die nun erstarkte außerparlamentarische Bewegung „Komitet Obrony Demokracji“ (KOD) steht den Oppositionsparteien nahe – allen voran der aufstrebenden „Nowoczesna“. Sie hat zu den jüngsten Demonstrationen gegen die PiS aufgerufen, während PiS-Sympathisanten für die Politik der Regierung auf die Straße gehen. Die Demonstrationen stehen damit unter einer Freund-oder-Feind-Rhetorik, es kommt zu Übergriffen. Lech Wałęsa, ehemaliger Präsident des Landes, warnte gar vor einem Bürgerkrieg.

    Die Initiative „Patrzymy Na Was“ („We are watching you“) fühlt sich keiner politischen Partei zugehörig. Wie deren Mitgründerin Katarzyna Szymielewicz ausführt, tritt sie dafür ein, dass „demokratische Standards, die Menschenrechte und rechtsstaatliche Prinzipien in Polen“ eingehalten werden.

    Weniger Geheimdienstkontrolle und neue Überwachungsmaßnahmen

    Das wird immer schwieriger: Die neue Regierung hat zunächst die Direktoren der zwei zivilen und zwei militärischen Geheimdienste ausgetauscht. Dort sitzen nun Vertraute des neuen, wegen antisemitischer Aussagen umstrittenen Verteidigungsministers Antoni Macierewicz. Einer der neuen Direktoren ist Mariusz Kamiński. Er war Anfang des Jahres wegen Amtsmissbrauch noch aus der Zeit als Leiter der gegen die Opposition vorgehenden Anti-Korruptionseinheit zu drei Jahren Haft sowie zehn Jahren Amtsverbot verurteilt worden. Ein nicht unüberwindbares Hindernis, hat er doch Präsident Duda hinter sich, der den Parteifreund rechtzeitig für seinen neuen Posten begnadigte.

    Neben dem Austausch der Geheimdienstführung hat die PiS das parlamentarische Kontrollgremium verkleinert und wird diesem nun dauerhaft vorsitzen – in der Vergangenheit waren die jeweilige Regierung und Opposition in diesem Amt rotiert. Bürgerrechtlerin Szymielewicz weist darauf hin, dass nach diesen Maßnahmen kaum mehr von einer wirklichen Aufsicht über die Dienste durch das Parlament gesprochen werden kann. Dass sich diese nun fest in der Hand der PiS und ihres Vorsitzenden Kaczyński befinden, gefährde politische Gegner ebenso wie unabhängige Aktivisten. Sie sei froh, dass sie noch keine Einschränkungen der Versammlungsfreiheit oder der freien Meinungsäußerung erfahren hat. Das war am Ende der vergangenen Woche. Die gestrige Demonstration in Warschau wurde jedoch nach Medienberichten wegen einer anonymen Bombendrohung abgebrochen.

    Dem Sicherheitsdogma und einem Narrativ des „Kriegs gegen den Terror“ folgend soll es zudem ein Anti-Terror-Gesetz geben: Damit möchte die Regierung einen neuen Dienst zur Überwachung elektronischer Kommunikation schaffen. Szymielewicz merkt an, dass es gerade auch die Straßenkämpfe der Anhänger von PiS und Opposition sind, die der Regierung die Legitimation zum weiteren Ausbau des Sicherheitsapparates und zur Implementierung von „Präventivmaßnahmen“ lieferten. Unabhängige Organisationen wie die Panoptykon Foundation oder die Helsinki Foundation for Human Rights seien sehr besorgt über die Geschwindigkeit, mit der ein das Anti-Terror-Gesetz angekündigt, wenn auch noch nicht veröffentlicht wurde: „Ich kann nur hoffen, dass wir dann mehr als eine Woche Zeit haben, um zu reagieren“, so die Bürgerrechtlerin.

    Umbau bei öffentlich-rechtlichen und privaten Medien

    Der Staatsumbau macht vor der Medienlandschaft nicht Halt. So wurde eine kritische Journalistin zwischenzeitlich entlassen. Sie hatte den neuen Kulturminister, Piotr Gliński, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk TVP nach jüngsten Zensurmaßnahmen gefragt und ließ sich nicht von den ausweichenden Antworten des Ministers beeindrucken. Zuvor hatte dieser ein Theaterstück verboten, weil es auf der Bühne zu Geschlechtsverkehr kommen sollte. Größere Umstrukturierungen der öffentlich-rechtlichen Medien dürften folgen: Als zukünftig staatliche „nationale Institute“ sollen sie von regierungsnahen Personen geführt werden.

    Wirbel macht auch eine geplante „Repolonisierung“ (so PiS-Abgeordneter Jaroslaw Sellin) der privaten Medien: Näherungsweise 70 Prozent der polnischen Presseerzeugnisse stammen aus deutschen Verlagshäusern. Eine solche Monopolstellung könne nicht hingenommen werden, so Gliński. Daher sollen die entsprechenden Zeitungen nun von ihren ausländischen Eigentümern zurückgekauft werden, wobei noch unklar ist, wie das ablaufen soll.

    Bei aller Kritik daran sei allerdings im Mediensektor eine ähnliche Polarisierung wie bei den Demonstrationen zu beobachten, meint Szymielewicz: Die PiS habe sich über die vergangenen Jahre eigene wichtige Medien geschaffen, die nun – gestützt mit staatlichem Geld – wohl deutlich an Bedeutung zunehmen werden, auch wenn sie extrem gefärbt berichten. Viele andere Medien nähmen zunehmend die Gegenperspektive ein, was es noch schwieriger macht, an eine ungefärbte Berichterstattung zu kommen. Der Zugang zu verlässlichen Informationen sei gefährdet, was die Meinungsführerschaft der PiS nicht gerade schwäche, so Szymielewicz.

    Die Aushöhlung des Rechtsstaats

    Im Hintergrund lodert immer noch eine Kontroverse um die Besetzung des Verfassungsgerichts. Kurz vor der Wahl im Oktober hatten die Abgeordneten der dafür zuständigen Kammer des Parlaments fünf neue Richter gewählt, obwohl im November nur drei Sitze vakant werden sollten. Aus Protest vereidigte Präsident Duda die Gewählten nicht. Das neue, PiS-geführte Parlament machte die Berufung nach der Wahl per Gesetz rückgängig und bestimmte fünf neue Verfassungsrichter, von denen Duda vier gleich vereidigte.

    Nach Streitigkeiten wurde die Angelegenheit – gemäß der Verfassung – dem Verfassungsgericht selbst zur Prüfung vorgelegt. Am 3. Dezember kritisierte dieses, dass das alte Parlament statt fünf nur drei Richter hätte ernennen dürfen. Deren Ernennung sei allerdings rechtskräftig und müsse vom Präsidenten bestätigt werden. Duda folgte der Anordnung nicht und vereidigte den fünften, der PiS-nahestehenden Richter.

    In der Zwischenzeit wird schon ein weiteres Gesetz vorbereitet, das für eine Entscheidung im 15-köpfigen Verfassungsgericht künftig eine Zweidrittel-Mehrheit vorsieht, womit die fünf neu eingesetzten Richter quasi über eine Art Veto verfügen würden. So könnte das Verfassungsgericht keine Gesetzesvorhaben mehr blockieren – was es vor allem in der letzten Amtszeit Kaczyński von 2005 bis 2007 in einigen Fällen getan hat. Eine späte Rache?

    Das Verfassungsgericht ist entmachtet: In Polen ziehen so die beiden Kammern des Parlaments, Präsident und Premierministerin sowie der PiS-Vorsitzende Kaczyński an einem Strang – und dieser hängt um den Hals von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

    20. Dezember 2015 31
  • : Brasilien: Zwei Blogger und ein Journalist ermordet
    Brasilien: Zwei Blogger und ein Journalist ermordet

    Innerhalb von elf Tagen sind in Brasilien zwei Blogger und ein Radio-Journalist ermordet worden. Israel Gonçalves Silva, Italo Eduardo Diniz Barros und Orislandio Timóteo de Araújo engagierten sich lokalpolitisch und kritisierten auf ihren Blogs und im Radio die korrupten Praktiken von lokalen Behörden und Politiker_innen. Insgesamt sind in Brasilien 2015 somit sieben Journalisten und Blogger ermordet worden, es gilt nach Mexiko und Kolumbien als das gefährlichste Land Südamerikas für Journalist_innen.

    Matt Sandy schreibt bei AlJazeera über einige der Fälle, besonders aber über den des Journalisten Evany José Metzker, der im Mai ermordet worden war:

    Journalists here have long lived in fear of being threatened, sued, beaten, exiled or murdered. But in recent years a new cohort of lone operators has emerged, enabled by the Internet. Lacking institutional support and often the only reporters in their towns, they are especially vulnerable in an increasingly violent country that now records nearly 60.000 murders a year. Few perpetrators are brought to justice, although the number of convictions has edged upward in recent years.

    „It is clear that not enough is being done to prevent these murders,“ said Carlos Lauría, senior Americas program coordinator for CPJ. „Impunity for the killing of journalists not only threatens them but takes a toll on the quality of democracy.“

    14. Dezember 2015 4
  • : Wie Jugendliche Politik und Nachrichten konsumieren
    Wie Jugendliche Politik und Nachrichten konsumieren

    Der Deutschlandfunk berichtete gestern in seinem Hindergrund „Wie Jugendliche Politik und Nachrichten konsumieren“.

    Kurze und lange Clips, professionell produziert. Viele Radio- und Fernsehsender versuchen die junge Zielgruppe über soziale Netzwerke zu erreichen. Die Zahl der Zuschauerinnen und Zuschauer bei YouTube, Facebook, Twitter und Instagram ist allerdings noch überschaubar. YouTube und erfolgreiche Nachrichten von etablierten Anbietern – noch passt das kaum zusammen.

    Hier ist die MP3.

    7. Dezember 2015 2
  • : Presseverbände lehnen Vorratsdatenspeicherung ab
    Presseverbände lehnen Vorratsdatenspeicherung ab

    In einer gemeinsamen Stellungnahme lehnen der Deutsche Journalistenverband, dju in ver.di, BDZV, VDZ, VPRT, Presserat sowie ARD und ZDF das Vorhaben der großen Koalition ab. Der Rechtsausschuss des Bundestages wird voraussichtlich am 21. September zur geplanten Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung (VDS) beraten.

    Die anlasslose Speicherung, Erhebung und sonstige Verwendung solcher Daten auf Vorrat ist mit dem national und auf europäischer Ebene garantierten Recht auf informationelle Selbstbestimmung und den hieraus erwachsenden datenschutzrechtlichen Grundsätzen der Erforderlichkeit und der Datensparsamkeit nicht zu vereinbaren und deswegen unzulässig und stellt in der vorgesehenen Form auch einen massiven Eingriff in die Bürgerrechte dar.

    Die Presseverbände sehen den derzeitigen Entwurf zur VDS nicht in Einklang mit dem Urteil des EuGH, das letztes Jahr die EU-Richtlinie gekippt hat. Besonders die Erforderlichkeit der VDS ist in dem Entwurf keineswegs ausführlich begründet. Die Argumentation der BefürworterInnen stütze sich auf Einzelfälle, die als „typisch“ bezeichnet werden, um den Nutzen der VDS zu belegen. Sie bleiben jedoch einen empirischen Beleg für die Notwendigkeit der VDS schuldig. Gravierende Auswirkungen sehen die Verbände auf den Schutz von BerufsgeheimnisträgerInnen und insbesondere auf die gesamte Arbeit von JournalistInnen.

    Eine grundrechtlich geschützte Presse-und Rundfunkfreiheit kann nicht verwirklicht werden, wenn die ungehinderte Informationsbeschaffung und eine vertrauliche Kommunikation der Medien insbesondere mit den Informanten nicht mehr möglich sind. Potenzielle Informanten würden ihre Kenntnisse nicht weitergeben, wenn sie sich nicht darauf verlassen könnten, dass die Journalistinnen und Journalisten ihre Quellen nicht preisgeben. Es geht dabei nicht ausschließlich um den Schutz der Quellen, sondern auch um den Schutz des Redaktionsgeheimnisses, dem das BVerfG in ständiger Rechtsprechung eigenständige Bedeutung zumisst und in das eingegriffen würde, wenn die im Bereich journalistischer Recherche hergestellten Kontakte staatlich ausgeforscht würden oder nachvollzogen werden können.

    Ihren weiteren Befürchtungen können wir uns ebenfalls anschließen.

    Die für den öffentlichen Meinungsbildungsprozess wichtige Aufgabe der Journalistinnen und Journalisten, Missstände an die Öffentlichkeit zu bringen, ist massiv gefährdet, wenn Informanten befürchten müssen, dass ihre Informationen nicht vertraulich bleiben, sondern z. B. durch die Herausgabe von Verkehrsdaten etc. personalisiert werden können. Dasselbe gilt, wenn Journalistinnen und Journalisten zudem damit rechnen müssten, dass ihre Kontakte staatlicherseits ausgeforscht werden können.

    Trotz der umfassenden Auswirkungen auf die Arbeit von JournalistInnen ist der gemeinsamen Stellungnahme zufolge keine Anhörung von Vertretern der Presse im Rechtsausschuss des Bundestages geplant. Unterdessen versucht die Bundestagsfraktion der Linken mit einer kleinen Anfrage an die Bundesregierung zu rekonstruieren, durch welche Gespräche mit dem Bundesinnenministerium der Sinneswandel im Justizministerium herbeigeführt wurde. Darin geht es neben der konkreten Frage zur Ausgestaltung der VDS auch darum, wie sich die Bundesregierung den Schutz von BerufsgeheimnisträgerInnen vorstellt und ob dieser beispielsweise auch für BloggerInnen gelten soll.

    7. September 2015 9
  • : Medienmagazin journalist über #Landesverrat
    Medienmagazin journalist über #Landesverrat

    Die aktuelle Ausgabe des Medienmagazins journalist hat #Landesverrat auf dem Titel: „Unter Verrätern – Der Fall netzpolitik.org“.

    In Berlin liegen die Nerven blank. Dabei geht es nicht nur um Pressefreiheit oder das Schicksal zweier Blogger. Es ist ein Kampf um Macht und Kontrolle – es geht um die Spielregeln in einer bald durch und durch digitalisierten Gesellschaft. Mittendrin: netzpolitik.org.

    Ein längeres Interview mit Andre Meister und mir wurde online gestellt: „Das ist für uns noch lange nicht abgeschlossen“.

    Markus Beckedahl und Andre Meister – sie hätten mindestens ein Jahr im Gefängnis landen können. „Wenn da so ein Briefkopf vom Generalbundesanwalt drauf ist, kann man vorher nicht wetten, was passiert“, sagt Meister. Ein Gespräch über den vermeintlichen #Landesverrat, über Solidarität, über Journalisten, Blogger und das Erbe von Edward Snowden.

    1. September 2015