In der Türkei wurden vergangenen Donnerstag die beiden für Vice tätigen britischen Journalisten Jake Hanrahan und Philip Pendlebury sowie deren irakischer Kontaktmann in der Stadt Diyarbakir festgenommen. In der Stadt leben mehrheitlich Kurden und Zazas. Die Festnahme erfolgte, als die Journalisten eine Auseinandersetzung zwischen örtlichen Sicherheitskräften und jugendlichen Anhängern der verbotenen Kurdischen Arbeiter Partei (PKK) filmten. Am Montag wurde dann offiziell Anklage wegen der Beteiligung an terroristischen Aktivitäten erhoben.
Grundlage für die Anklage ist anscheinend, dass der in der Türkei wohnende irakische Fixer der beiden britischen Journalisten auf seinem Privatlaptop ein Verschlüsselungssystem verwendet, das auch bei Mitgliedern des „Islamischen Staates“ zum Einsatz kommen soll. Der Vorsitzende der Anwältevereinigung der südtürkischen Stadt bezeichnete die Festnahmen als lächerlich. Er führte die Festnahmen auf das Filmen von Ausschreitungen zwischen pro-kurdischen Aktivisten und der Polizei zurück:
„I find it ridiculous that they were taken into custody. I don’t believe there is any accuracy to what they are charged for. To me, it seems like an attempt by the government to get international journalists away from the area of conflict. These people have obviously been in contact with YDG‑H members [the youth wing of the PKK] because of their jobs, because they are covering stories. This might not have been welcomed by the security forces.“
Der europäische Vice-Programmchef Kevin Sutcliffe sprach in einem Statement von haltlosen und alarmierend falschen Anschuldigungen. Sutcliffe forderte die sofortige Freilassung der Journalisten. Eine Sprecherin der Europäischen Union verurteilte die Festnahmen ebenfalls.
Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, dass die Ermittlungen aufgenommen wurden, nachdem Hinweise eingingen, dass drei ausländische Journalisten für den Islamischen Staat rekrutieren würden. Die Polizei fand bei Hanrahan und Pendlebury Videomaterial von maskierten Mitgliedern der Jugendorganisation der PKK und Notizen zu der Organisationsstruktur der PKK.
Dies war aber nicht das einzige Vorgehen gegen kritische Journalisten in der Türkei. Am Dienstag, also einen Tag nach der Anklageerhebung gegen die Journalisten in Diyarbakir, durchsuchte die Polizei die Räumlichkeiten von Koza-Ipek Media in Ankara. Koza-Ipek Media steht der Gülen-Bewegung nahe, rund um deren Oberhaupt Fethullah Gülen, der als Kritiker Erdogans gilt.
Die Durchsuchungen geschahen nur Stunden, nachdem in einer der Publikationen des Verlages Bilder abgedruckt wurden, auf denen zu sehen sein soll, wie von der Türkei aus militärisches Material in den „Islamischen Staat“ verschoben worden sein soll. Die türkische Regierung hat mehrfach abgestritten, den „Islamischen Staat“ zu unterstützen.
