EU

  • : EU-Parlament vor Ausverkauf unserer Daten
    EU-Parlament vor Ausverkauf unserer Daten

    Die EU-Abgeordneten im Industrieausschuss (ITRE) stimmen am 20. Februar über ihre Stellungnahme zur EU-Datenschutzreform ab. LobbyPlag.eu hat gezeigt, dass das EU-Parlament den Interessen der Industrie nachgibt und unsere Grundrechte auf Privatsphäre und Datenschutz an US-Internetriesen verkauft. Vor allem die konservative EVP-Fraktion möchte nun weitreichende Ausnahmen für alle großen IT-Firmen durchsetzen. Das müssen wir verhindern!

    Hier sind die Kontaktdaten aller deutschen EU-Abgeordneten im ITRE-Ausschuss.

    Ab Montag, den 18. Februar 2013, könnt Ihr sie kostenfrei in Brüssel anrufen und erklären, welche Änderungsanträge  angenommen oder abgelehnt werden sollten.

    Oder schreibt Euren EU-Abgeordneten ab heute eine Email. Bitte gestaltet Eure Emails so indivuell wie möglich, damit sie nicht im Spamfilter des Parlaments landen. Ihr könnt die wichtigsten Argumente hier in einer Broschüre des Digitale Gesellschaft e.V. (pdf) finden und eine Liste aller guten und schlechten Änderungsanträge dort.

    15. Februar 2013 7
  • : Lücke im Datenschutz-System? Facebook darf machen, was es will?
    Lücke im Datenschutz-System? Facebook darf machen, was es will?

    Das Unabhängige Landesdatenschutzzentrum in Schleswig-Holstein wollte gegen Facebook vorgehen, weil deren Klarnamenspflicht gegen das deutsche Telemediengesetz verstösst und keine Pseudonyme zulässt. Aber das Verwaltungsgericht Schleswig erklärte: Deutsche Datenschutzbehörden sind für Facebook gar nicht zuständig, weil die doch in Irland sitzen. In Deutschland sitzen doch nur Vertrieb und Marketing, sowie die Lobbyisten. Klingt doch logisch!?

    Nach der Europäischen Datenschutzrichtlinie und dem Bundesdatenschutzgesetz finde das deutsche Recht keine Anwendung, sofern die Erhebung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten durch eine Niederlassung in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union stattfinde. Dies sei hier der Fall: Die Facebook Ltd. Ireland erfülle mit dem dort vorhandenen Personal und den dortigen Einrichtungen alle Voraussetzungen einer Niederlassung in diesem Sinne mit der Folge, dass ausschließlich irisches Datenschutzrecht Anwendung finde. Die Facebook Germany GmbH hingegen sei ausschließlich im Bereich der Anzeigenaquise und des Marketing tätig. Daher sei sowohl die Anordnung der Entsperrung als auch die Zwangsgeldandrohung rechtswidrig.

    Irland hat kein besonders großes Interesse daran, dass es mehr Datenschutz gibt, da bei denen die ganzen Datenverarbeitenden US-Unternehmen durch EU-Niederlassungen Jobs schaffen, weil man dort kaum Steuern zahlen muss – und deshalb eine für EU-Verhältnisse laxe Datenschutzaufsicht geschenkt bekommt.

    Das ULD wird die Beschlüsse des Verwaltungsgericht Schleswig vor dem Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgericht anfechten und Beschwerde einlegen.

    Der Leiter des ULD Thilo Weichert kommentiert die Beschlüsse: „Die Entscheidungen sind mehr als verblüffend und gehen in der Argumentation über das Vorbringen von Facebook hinaus, das die Nichtanwendbarkeit des deutschen Datenschutzrechtes damit begründete, Facebook Inc. in den USA sei nur der Auftragsdatenverarbeiter der Facebook Ireland Ltd. Sie sind in sich widersprüchlich, wenn sie die fehlende rechtliche Relevanz von Facebook Germany damit erklären, dass dort keine Daten verarbeitet würden, zugleich aber das Unternehmen in Irland für zuständig erklären, obwohl dort auch keine Daten verarbeitet werden.

    Eine historische Chance, endlich mal die Datenschutzschlupflöcher in der EU zu stopfen und für alle den Datenschutz zu erhöhen, bietet aktuell die EU-Datenschutzreform, denn mit dieser gelten in jedem Mitgliedsstaat die gleichen Datenschutzgesetze. Der Sitz des Unternehmens spielt dann keine Rolle mehr. Allerdings gibt es da soviele Lobbyisten, die ein Interesse daran haben, dass es weniger Datenschutz für alle gibt. Daher: Wenn Dir Datenschutz am Herzen liegt und Du etwas für den Erhalt und Ausbau unserer Privatsphäre unternehmen willst, dann werde jetzt aktiv. Kontaktiere unsere 99 deutschen (oder die paar österreichischen) EU-Abgeordnete, rund 1/7 des EU-Parlaments spricht deutsch!


    Hier findest Du alle relevanten Informationen
    , die man benötigt, um einer Abgeordneten oder einem Abgeordneten eine Mail, einen Brief oder ein Fax zu schicken. Man kann die sogar anrufen! Wenn sich nicht ausreichend Bürger bei denen melden, dann glauben die nur den Positionen der Industrielobbyisten, die bei denen ständig vor der Tür stehen. Weil scheint ja sonst niemanden zu interessieren!11

    Über zu wenig Datenschutz kannst Du später immer noch jammern, wenn nichts passiert. Aber später könnte zu spät sein, um selbst noch Einfluss auf eine bessere EU-Gesetzgebung zu nehmen.

    15. Februar 2013 5
  • : Lobbyismus-Doku: The Brussels Business
    Lobbyismus-Doku: The Brussels Business

    Auf den ARTE-Themenabend über Lobbyismus am vergangenen Dienstag hatten wir hingewiesen. Die sehenswerte Dokumentation „The Brussels Business“ findet sich die kommenden Tage noch in der Mediathek:

    14. Februar 2013 7
  • : Und im Übrigen schreibe man ja keine Promotion, sondern politische Texte (Update)
    Und im Übrigen schreibe man ja keine Promotion, sondern politische Texte (Update)

    Die ARD-Journalistin Sandra Stalinski wollte für Tagesschau.de ein Interview mit einem EU-Abgeordneten über die EU-Datenschutzreform machen. Das Interview kam auch zustande, aber die Antworten waren nicht so befriedigend. Und wurden dann in der Gegenlesen-Phase nochmal stark überarbeitet und nach einmal darüber schlafen wurde dann alles zurückgezogen.

    Darüber bloggte Sandra Stalinski im Tagesschau-Blog: Hoch lebe die Transparenz!

    Wie die Zitate da rein gekommen sind, konnte oder wollte er mir nicht sagen. Sein Büro habe die Anträge nicht selbst erarbeitet. Das Büro der rumänischen Kollegin Valean habe sie verfasst. Creutzmann habe sie – nach ausführlicher inhaltlicher Prüfung – nur mit unterschrieben. […]

    Weiter geht es mit dem nicht namentlich genannte Kollegen:

    Über Datenschutz könnten wir gerne ausführlich sprechen, über Lobbyismus dann aber lieber doch nicht. Hoch lebe die Transparenz!

    Mein Lieblingssatz ist ja: „Und im Übrigen schreibe man ja keine Promotion, sondern politische Texte.“

    Update: Ursprünglich hatte ich geschrieben, dass es sich bei dem EU-Abgeordneten um den FDP-Abgeordneten Jürgen Creutzmann handelt, der durch Lobbyplag bekannt wurde. Der wird namentlich genannt und Stalinski hat wohl auch mit ihm geredet, aber er hatte wohl keine Lust auf ein Interview. Wer letztendlich interviewt wurde, es dann aber zurückgezogen hat, ist unklar.

    14. Februar 2013 2
  • : Sechs Wissenschaftler zur EU-Datenschutzverordnung: Berechtigtes Interesse der Bürgerinnen und Bürger nicht vergessen!
    Sechs Wissenschaftler zur EU-Datenschutzverordnung: Berechtigtes Interesse der Bürgerinnen und Bürger nicht vergessen!

    Sechs Wissenschaftler veröffentlichten heute eine „sachliche Bewertung“ die EU-Datenschutzverordnung betreffend, die sich mit Argumenten gegen einen wirksamen Datenschutz auseinandersetzt. Die Autoren und Autorin sind: Oliver Günther, Gerrit Hornung, Kai Rannenberg, Alexander Roßnagel, Sarah Spiekermann und Michael Waidner.

    Prinzipiell kritisieren sie die vielen nur vage formulierten Zielsetzungen und die Rolle der Kommission, in solchen Fällen selbst die Festlegungen zu treffen. Diese Machtposition der Kommission entspreche nicht dem europäischen Verfassungsgefüge und sei Aufgabe des europäischen Gesetzgebers. Diese strukturelle Schwäche sei jedoch „leicht behebbar“, wichtig seien vor allem folgende Punkte:

    1. Datenschutzregelungen beeinträchtigen weder Innovation noch Wirtschaft
    Die Wissenschaftler widersprechen Kritikern, die vorgeben, dass die vorgeschlagenen Datenschutzregelungen zu streng, innovationsfeindlich und ein Wettbewerbsnachteil europäischer Anbieter im Vergleich zu nicht-europäischen seien. Sie entgegnen, dass „gerade ein regulatorisches Umfeld, das Veränderung einfordert, Innovationsimpulse“ setze. Zudem gäben Kunden ihre Daten gern preis, wenn eine Vertrauensbasis zwischen ihnen und dem Unternehmen besteht: Einhaltung des Datenschutzes, personalisierte Angebote, kontinuierliche Verbesserungen des Dienstes und die Pflege der Kundenbeziehung stärkten dieses Verhältnis. Wenn jemand einen Nachteil durch wirksamen Datenschutz hat, dann seien dies Unternehmen, die mit Daten handeln. Hier brauche es jedoch sowieso neue Vorgaben, um „derartige Geschäftsmodelle präziser als bisher zu regeln und Sanktionen, um die Einhaltung der Gesetzte durchzusetzen“.

    2. Das Prinzip der informierten Einwilligung ist unerlässlich
    Die Autoren befürworten das Opt-In-Prinzip zur Datenverarbeitung, Nutzerinnen und Nutzer sollen der Verarbeitung ihrer Daten explizit zustimmen müssen. Beim Opt-Out-Prinzip würde stattdessen die Rolle der Bürgerinnen und Bürger geschwächt und ihnen die Kontrollmöglichkeit über ihre Daten genommen. Hier könnten auch technische Lösungen helfen, komplexe AGBs zu interpretieren und leicht verständlich zusammenfassen.

    3. „Berechtigtes Interesse der Unternehmen“ definieren und „berechtigtes Interesse der Bürger“ beachten
    Unternehmen können personenbezogene Daten aufgrund eines „berechtigten Interesses“ derzeit auch ohne Einwilligung ihrer Kundinnen und Kunden bearbeiten, der Verordnungsvorschlag der EU sieht erstmals vor, die berechtigten Interessen von Unternehmen und Kunden zu definieren und auszugleichen. Unternehmen sollen dann ihr Interesse auch begründen müssen, um den berechtigten Interessen der Bürgerinnen und Bürger Sorge zu tragen. Diesen Ausgleich der Interessen halten die sechs Wissenschaftler für ein „faires Angebot, das die gegenwärtige Wirtschaftspraxis in der Datenverarbeitung ebenso berücksichtigt wie die Interessen der Bürger“.

    4. Auch anonymisierte, pseudonymisierte und verschlüsselte Daten in der Datenschutzregulierung betrachten
    Die Autoren halten es nicht für sinnvoll, implizite Identifikatoren wie Netzwerkadressen oder Cookies aus der Verordnung rauszunehmen. Stattdessen sei es technisch ein leichtes, bei der Sammlung vieler Daten über einen längeren Zeitraum diese einer bestimmten Person zuzuordnen. Dies könne dann wirtschaftlich ausgenutzt werden – daher müsse rechtlich geklärt werden, dass auch Daten die personenbezogen werden könnten geschützt sind.

    14. Februar 2013
  • : Erst LSR, dann EU-Datenschutzreform – Verleger trollen Politik
    Erst LSR, dann EU-Datenschutzreform – Verleger trollen Politik

    „Diese Maßnahmen sind notwendig, um die Presselandschaft zu erhalten.“ Das ist ausnahmsweise mal kein Statement der Presseverleger zur Rechtfertigung des Leistungsschutzrechts. Mit der Drohgebärde vom Untergang der „vielfältigen Presselandschaft“ setzen sich die Verleger auch für eine Verwässerung der EU-Datenschutzverordnung ein. Die Argumentation: Ein zu hoher Datenschutz behindere das Geschäft der Verleger. Dies geht nicht nur aus den Lobbypapieren der European Magazine Media Association (EMMA) und European Newspapers Publisher’s Association (ENPA) hervor, die La Quadrature du Net veröffentlicht hat. Auch der Schattenberichterstatter für die Datenschutzgrundverordnung, Axel Voss (CDU), leistet Schützenhilfe.

    Datenschutz tötet Zeitungen

    Unumwunden setzen sich die Verlegerverbände für die Ausweitung der Datenverarbeitung ohne explizite Einwillung der Nutzer/in ein. Stattdessen soll die Datenverarbeitung auf Grundlage des „berechtigten Interesses“ der Unternehmer und von Drittparteien [sic!] ausgeweitet werden.

    14. Februar 2013 4
  • : TTIP: Die Transatlantische Handels- und Investment-Partnerschaft
    TTIP: Die Transatlantische Handels- und Investment-Partnerschaft

    US-Präsident Barack Obama hatte bereits vorgestern in seiner State of the Union Rede darauf verwiesen, dass die Verhandlungen zu einer „Transatlantic Trade and Investment Partnership“ zwischen den USA und der EU konkreter werden. Seit gestern ist es richtig offiziell, wie Obama, der Präsident der EU-Kommission José Manuel Barroso und der derzeitige Präsident des EU-Rates Herman Van Rompuy in einem gemeinsamen Statement mitteilten.

    Die EU-Kommission erläutert nochmal die Schwerpunkte der Verhandlungen in einer gesonderten Pressemitteilung: European Union and United States to launch negotiations for a Transatlantic Trade and Investment Partnership. Aus netzpolitischer Sicht bietet so ein riesiges Abkommen erstmal viele Chancen und Risiken. Eines der größten Risiken steckt allerdings im Kapitel „Intellectual Properties Rights“. Denn bei den Verhandlungen sitzen dieselben Menschen auf Seiten der EU-Kommission und USA-Regierung am Tisch, die bereits ACTA zu Ende verhandelt hatten. Und dann erst vom EU-Parlament gestoppt wurden. In der EU-Aussendung heißt es dann auch:

    Intellectual Property Rights: Both the EU and the United States are committed to maintaining and promoting a high level of intellectual property protection, including enforcement. Given the efficiency of their respective systems, the intention is not to strive towards harmonisation, but to identify a number of specific issues where divergences will be addressed.

    Das klingt nicht gut. TTIP, bis gestern auch als Transatlantic Free Trade Area (TAFTA) bekannt, droht zu einem ACTA 2.0 zu werden! Eine Forderung wäre, dass alle Fragen rund um Urheber- Markenrechte und Patente aus den Verhandlungen ausgeklammert werden müssen.

    Unser Bundesdatenschutzbeauftragter weist nochmal auf den speziellen Punkt Datenschutz hin: Transatlantische Freihandelszone? Aber nur bei verbessertem US-Datenschutz!

    Ich hoffe, dass die gute Idee einer transatlantischen Freihandelszone die Bemühungen um einen guten Datenschutz in den USA und in der Europäischen Union fördert. Einen Abwertungswettbewerb zu Lasten von Freiheits- und Bürgerrechten darf es nicht geben! Schließlich setzt sich inzwischen weltweit die Erkenntnis durch, dass guter Datenschutz einen erheblichen Wettbewerbsvorteil sichert – auch und gerade für eine Freihandelszone.

    14. Februar 2013
  • : Heute Abend bei ARTE: Lobbyismus in der EU
    Heute Abend bei ARTE: Lobbyismus in der EU

    Bei ARTE gibt es heute einen kleinen Themenabend zum Thema „Die Macht der Lobbyisten“.

    Um 20.15 Uhr untersucht der Dokumentarfilm „The Brussels Business – Wer steuert die Europäische Union“, wer in der EU in Wirklichkeit die Strippen zieht. Filmemacher Friedrich Moser und Matthieu Lietaert begeben sich auf kriminalistische Spurensuche und befragen Unternehmer, Lobbyismus-Kritiker, Aktivisten, EU-Kommissare und Wissenschaftler.

    Die Reporterin Anna Grün trifft in der Reportage „Im Vorzimmer der Macht“ um 21.30 Uhr Lobbyisten und Lobbyismus-Kritiker in Deutschland und Frankreich. Allein in Berlin versuchen rund 5.000 Lobbyisten, auf Politiker Einfluss zu nehmen, um damit Gesetzgebungsprozesse in ihrem Sinne zu lenken.

    Die Dokumentationen werden sicherlich im Anschluß auch für sieben Tage in der Mediathek zu finden sein. Passend dazu gibt es mit „Brussels Business online – Einblick in die Black Box Brüssel“ noch ein Spiel auf der Webseite, wo man „selbst Lobbyist spielen und die politischen Entscheidungen in Brüssel direkt beeinflussen“ kann. Das hab ich mangels Zeit aber nicht ausprobiert.

    12. Februar 2013 1
  • : EU-Datenschutzverordnung – Brüssel und die Lobbyisten
    EU-Datenschutzverordnung – Brüssel und die Lobbyisten

    Der Blogger und Journalist Richard Gutjahr hat im Rahmen der Lobbyplag-Berichterstattung den Berichterstatter für die EU-Datenschutzreform im EU-Parlamanet, Jan Philipp Albrecht (Grüne), interviewt. Das rund 30 Minuten lange Interview steht auf Youtube: EU-Datenschutzverordnung – Brüssel und die Lobbyisten.

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    11. Februar 2013
  • : Bye bye Datenschutz: EU-Parlament kopiert von Amazon, ebay & Co.
    Bye bye Datenschutz: EU-Parlament kopiert von Amazon, ebay & Co.

    Von der New York Times über The Telegraph bis hin zur Zeit – alle berichten über die Brüsseler Lobby-Flut gegen die Datenschutzreform. Nach der ersten Abstimmung im EU-Parlament wurde jetzt aufgedeckt, wie sehr die Wünsche der Unternehmen dort auf fruchtbaren Boden fallen.

    Der Wiener Student Max Schrems, bekannt durch die Initiative Europe vs. Facebook, konnte nachweisen, dass zahlreiche Stellen in der ersten öffentlichen Stellungnahme des EU-Parlaments zur Reform 1:1 aus Lobbying-Dokumenten und Änderungsvorschlägen kopiert wurden. Mehr zum massiven Lobbying wird in den kommenden Tagen auf dem Portal lobbyplag.eu zu finden sein. Gutjahr beschreibt das Lobbyplag-Projekt nebenan ausführlich.

    Was wurde vom EU-Parlament kopiert?

    Das EU-Parlament hat im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO) viele Stellen unter anderem von der amerikanischen Handelskammer in Europa (AmCham), Amazon, ebay und dem Wirtschaftsverband Digital Europe übernommen. Viel von Verbraucherschutz blieb da nicht mehr in dem Text übrig, der eigentlich unser Grundrecht auf Datenschutz sichern sollte.

    Eine längere Liste (pdf) aller 1:1 Kopien und Übernahmen wurde jetzt von der Initiative Europe vs. Facebook zusammengestellt – hier nur einige Beispiele:

    • Der IMCO-Ausschuss nahm einen Text an, der erklärt dass je nach „Kontext“ auch eine „weniger explizite“ Einwilligung des Nutzers annehmbar ist. Vorgeschlagen wurde dies von Amazon und ebay. Da „Kontext“ nicht weiter definiert ist, können Unternehmen diese Lücke problemlos ausnutzen und mehr oder weniger ungehindert Daten sammeln und verarbeiten – je nach Kontext eben.
    • Weiterhin ließen Amazon und ebay vom Ausschuss einen Absatz streichen, der sicherstellen sollte, dass eine Einwilligung keine Basis für eine Datenverarbeitung sein darf, wenn ein erhebliches Ungleichgewicht (zum Beispiel zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber) besteht.

    einwilligung

    10. Februar 2013 16
  • : Mitmachen: Privacy Memes für die EU-Datenschutzreform basteln
    Mitmachen: Privacy Memes für die EU-Datenschutzreform basteln

    privacygollumDas Kampagnenportal zur EU-Datenschutzreform, privacycampaign.eu, bittet Euch um Mithilfe beim Basteln lustiger Datenschutz-Memes. Diese werden hier gesammelt. Also bastelt was und schickt es in Eure Netzwerke. Ziemlich einfach geht das z.B. mit dem Memegenerator. Vielleicht können Pony und Co. ja besser erklären, dass in Brüssel gerade über die Zukunft unserer Privatsphäre entschieden wird und wir dabei sein sollten.

    8. Februar 2013 3
  • : Clikkers verklickern die Cybersicherheit
    Clikkers verklickern die Cybersicherheit

    Ein neues Video von den Clikkers ist da. Die korrekte Familie der Europäischen Kommission erklärt uns diesmal die Cybersecurity. Einfache Botschaft: Bestell online, einfach auf der Couch der Eltern sitzen bleiben. Kreditkarten im Internet nutzen ist ganz sicher. Der Junior braucht den Seiten einfach nur vertrauen. Und immer schön das Passwort ändern.


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    Gestern kam die europäische Strategie und die vorgeschlagene Richtlinie zur Cybersicherheit („NIS-Richtlinie“) heraus.

    8. Februar 2013 3
  • : Internet-Berater zu Guttenberg kostete die EU bisher 20.000 Euro
    Internet-Berater zu Guttenberg kostete die EU bisher 20.000 Euro

    „Was macht unser EU-Beauftragter für Internetfreiheit?“ wurde erst im Dezember hier und anderswo gefragt. Seit über einem Jahr ist der ehemalige Verteidigungsminister zu Guttenberg, auch bekannt als ”Der erste Minister, den das Internet gestürzt hat”, nun Berater der EU-Kommissarin für Digitales, Neelie Kroes.

    Dieselbe Frage bewegte auch Jens Geier, Mitglied des Europäischen Parlaments. Als Mitglied im Haushaltskontrollausschuss des Europäischen Parlaments hat er im Rahmen der Entlastungsanhörung im Haushaltskontrollausschuss die Generalsekretärin der Europäischen Kommission, Catherine Day, am 22. Januar gefragt, was Herr zu Guttenberg in dem Jahr seit seiner Ernennung denn nun gemacht und was das gekostet habe. (Written Questions to the SG of the Commission Catherine Day. Hearing on 22 January 2013 (pdf)).

    Die Antwort: Weil zu Guttenberg nicht bezahlt wird, müsse er auch nicht über seine Aktivitäten berichten,

    which have included sensitive discussions with or involving people in countries or situation of personal risk. Publicising the details of such activities or discussions could be potentially harmful for such persons.

    (Leider könne nichts gesagt werden, weil die Themen seiner Gespräche heikel waren und die Beteiligten in teils so schwierigen Bedingungen leben, dass sie möglicherweise gefährdet würden.)

    Außerdem habe er Beziehungen zu wichtigen Persönlichkeiten vor allem in der EU und den USA hergestellt und gepflegt, die sehr daran interessiert waren, etwas zur No-Disconnect-Strategie beizutragen. Auch zu Guttenberg selbst habe mit seinen Erkenntnissen zur Weiterentwicklung der Strategie beigetragen.

    Seine Reisekosten plus Spesen beliefen sich auf 19.862,01€.

    8. Februar 2013 15
  • : Cyberstrategie der EU: Gemeinsame Cyberverteidigungspolitik und Meldepflicht für große Sicherheitsvorfälle
    Quelle: <a href="http://europa.eu/newsroom/index_de.htm" >europa.eu</a>
    Cyberstrategie der EU: Gemeinsame Cyberverteidigungspolitik und Meldepflicht für große Sicherheitsvorfälle

    Die EU-Kommissarin für die Digitale Agenda Neelie Kroes, die EU-Kommissarin für Innenpolitik Cecilia Malmström und die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik Chatherine Ashton stellten heute den „Cybersicherheitsplan der EU für ein offenes, freies und chancenreiches Internet“ sowie einen Vorschlag für eine Richtlinie zur Netz- und Informationssicherheit (NIS) vor. Der Fokus liegt auf der Bekämpfung von Cyberkriminalität und der Entwicklung einer Cyberverteidigungspolitik in Zusammenhang mit der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik, denn, wie Neelie Kroes es formulierte: „Es ist höchste Zeit für ein koordiniertes Vorgehen, denn die Kosten des Nichtstuns sind weitaus höher als die Kosten des Handelns.“ Sie hatte bei der Münchner Sicherheitskonferenz Anfang Februar bereits vor einem „Wettrüsten im Cyberraum“ gewarnt.

    7. Februar 2013 1
  • : Brüssel entscheidet über Eure Daten!
    Brüssel entscheidet über Eure Daten!

    protectyourdataGestern starteten 36 Datenschutz- und Bürgerrechtsorgnisationen das europäische Kampagnenportal privacycampaign.eu zur EU-Datenschutzreform. Hiermit wollen European Digital Rights (Netzwerk aus 32 Organisationen), Privacy International, The Julia Group, La Quadrature du Net und Access ein Gegengewicht zum massiven Lobbying herstellen.

    Die Organsationen rufen nun dazu auf, aktiv zu werden und die EU-Abgeordneten anzuschreiben. Hierfür gibt es ein How-To, alle Kontaktdaten und die wichtigsten Punkte und Hauptargumente zur Reform – die deutsche Bürgerrechtsorganisation Digitale Gesellschaft e. V. stellt parallel hierzu eine nationale Kampagne zur Verfügung.

    Die EU-Kommission legte vor einem Jahr Vorschläge für eine Reform vor, um die Datenschutzregeln von 1995 (95/46/EG) an die digitalisierte und globalisierte Lebenswirklichkeit anzupassen und harmonisierte Regeln für Europa zu schaffen. Es handelt sich um die vermutlich wichtigsten Gesetzentwürfe, die die EU jemals vorgeschlagen hat – hier geht es um die Grundrechte auf Datenschutz und Privatsphäre. Da persönliche Daten heute als neue Währung der Informationsgesellschaft gelten, sind in Brüssel die US-Regierung, Unternehmen aus allen Branchen und vor allem IT-Riesen gerade hyperaktiv. Die USA haben sogar mittlerweile einen schärferen Ton angeschlagen und sprechen sogar von einem drohenden Handelskrieg.

    Wer mehr über den Hintergrund erfahren möchte, kann hier die FAQ zur EU-Reform konsultieren. Weitere Hintergrundinfos zur großen Datenschutzreform der Europäischen Union gibt es zudem hier und dort.

    5. Februar 2013 9
  • : Urheberrechtrechtsreform zwischen Geheimverhandlungen und Crowdsourcing
    Nina Paley, CC-BY-SA
    Urheberrechtrechtsreform zwischen Geheimverhandlungen und Crowdsourcing

    Auf unterschiedlichen Ebenen – von internationalen Verträgen über die supranationale EU-Ebene bis hin zu einer nationalen Initiative in Finnland – wurden in den letzten Tagen Initiativen zur Reform des Urheberrechts bekannt, die schön die Bandbreite an möglichen Herangehensweisen illustrieren.

    Transatlantisches Freihandelsabkommen (TAFTA)

    Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz wurde bekannt, dass im Zuge der Verhandlungen rund um ein transatlantisches Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU auch Änderungen an Urheberrecht bzw. Copyright behandelt werden sollen. Über den konkreten Verhandlungsstand ist in bester ACTA-Tradition jedoch nichts bekannt. Monika Emert kann in ihrem Bereicht für heise.de deshalb auch nur spekulieren:

    Unter dem Einfluss einer starken Unterhaltungsindustrie wird dabei gerade US-Unterhändlern nachgesagt, dass sie für Maximalforderungen im Urheberrecht eintreten.

    In eine ähnliche Richtung gehen auch die Eindrücke der liberalen EU-Abgeordneten Marietje Schaake, die Emert in ihrem Beitrag zitiert:

    Ich höre immer wieder, dass die USA und die EU in der Frage Schutz des Geistigen Eigentum gespalten seien. Tatsächlich aber gehen die Gräben quer durch die Gesellschaft auf beiden Seiten des Atlantik.

    Ein umfassendes Abkommen wie TAFTA sei aber schwerer wegen einzelner Bestimmungen zu kippen als das beim Spezialabkommen ACTA der Fall war.

    Angesichts des Lobby-Drucks von Seiten großer US-Unternehmen und dem schon bekannten Muster geheimer Verhandlungen scheint TAFTA also kaum das Forum für jene ausgewogene Reformen zu sein, die das Urheberrecht mit digitalem Alltagshandeln wieder versöhnen könnten; eher im Gegenteil, es würde mich nicht wundern, sollten einige Zombie-Passagen aus ACTA im Kontext von TAFTA wiederauferstehen.

    EU-Ebene: „Lizenzen für Europa“

    5. Februar 2013 6
  • : Netzneutralität in Slowenien: Zweiter EU-Staat verbietet Diskriminierung von Internet-Diensten zu kommerziellen Zwecken
    Netzneutralität in Slowenien: Zweiter EU-Staat verbietet Diskriminierung von Internet-Diensten zu kommerziellen Zwecken

    Slowenien hat jetzt ein Gesetz zur Festschreibung der Netzneutralität. Seit Anfang des Jahres dürfen Provider Internet-Datenverkehr nicht beschränken, schon gar nicht aus kommerziellen Interessen. Damit sichert bereits der zweite EU-Mitgliedstaat das offene und echte Netz, während die EU-Kommission und Deutschland das Thema weiter aussitzen.

    Slowenien hat sich mit dem „Economic Communications Bill“ ein Gesetz zur Netzneutralität gegeben. Der Minister für Erziehung, Wissenschaft, Kultur und Sport Žiga Turk beschrieb den relevanten Teil so:

    Das Gesetz enthält Netzneutralität, was bedeutet, dass „Betreiber den Internet-Verkehr mit gleichmäßiger Geschwindigkeit und Durchlässigkeit unabhängig vom Inhalt weiterleiten müssen.“

    Das Gesetz wurde im September 2012 von der Regierung beschlossen und am 20. Dezember vom Parlament angenommen. Am 31. Dezember wurde das Gesetz offiziell im Amtsblatt veröffentlicht.

    Der italienische Jurist und Council Officer des europäischen Provider-Verbands EuroISPA Innocenzo Genna schreibt in einer ersten Einschätzung:

    Der entscheidende Punkt scheint Artikel 203 des slowenischen Gesetzes zu sein, der (nach meinem Verständnis) verhindert, dass Provider Internet-Datenverkehr beschränken, verzögern oder verlangsamen, außer im Fall von Engpässen, Sicherheit oder Spam. Mit anderen Worten sollte eine qualitative Unterscheidung von Internetverkehr verboten sein, wenn sie dazu dient, Internet-Dienste aus rein kommerziellen Gründen zu diskriminieren.

    Vor allem sollte nach Artikel 203 Absatz 5 Providern untersagt sein, unterschiedliche Preismodelle auf Basis der Internet-Dienste zu erheben.

    Laut dieser Interpretation sind Angebote wie die positive Diskriminierung von Spotify bei T‑Mobile und Orange in Slowenien jetzt verboten. Das ist sehr zu begrüßen.

    Damit folgt Slowenien dem Beispiel von Chile und den Niederlanden, die bereits Gesetze zum Schutz der Netzneutralität haben. Auch in Belgien wird derzeit ein entsprechender Gesetzesvorschlag behandelt.

    Nur in Deutschland und auf EU-Ebene regt sich nichts. Obwohl schon lange belegt ist, dass die Netzneutralität permanent verletzt wird, ignorieren EU-Kommission und Bundesregierung das Problem. Und so schleicht sich die Verkrüppelung des Netzes immer mehr in den Alltag.

    31. Januar 2013 7
  • : Morgen: Datenschutz-Hearing im Europäischen Parlament mit Richard Stallman
    Morgen: Datenschutz-Hearing im Europäischen Parlament mit Richard Stallman

    Morgen findet im Europäischen Parlament ein Hearing der Grünen/EFA-Fraktion unter dem Titel „What’s wrong with data protection?“ statt. Die Panels sind prominent besetzt und greifen wichtige Debatten auf, die im Zuge der EU-Datenschutzreform geführt werden. Das Wichtigste: Es gibt einen Livestream. Um kurz nach 9 Uhr geht’s (inhaltlich) los mit der Keynote von Richard Stallman.

    09:00–09:10
    Welcome
    Rebecca Harms MEP, co-chair of the Greens/EFA group

    09:10–09:40
    Keynote
    Richard Stallman, Free Software Foundation

    09:40–10:25
    Panel I: Data protection and business – do they fit together?

    30. Januar 2013 4
  • : Unterstützt Parltrack!
    Unterstützt Parltrack!

    Die Arbeit der Organisationen und Aktivisten in Brüssel, die sich für das freie und neutrale Internet einsetzen, braucht engagierte Entwickler und deren Tools. Eine Frage lässt sich daher einfach (und zum Glück) nicht beantworten: Was wären wir ohne Parltrack?

    Während der ACTA-Debatte hätten wir ohne Parltrack nicht gewusst, in welchem Ausschuss im EU-Parlament gerade diskutiert und abgestimmt wird, wer dafür und wer dagegen ist, wer welchen Änderungsantrag vorschlägt und welche Abgeordneten wie kontaktiert werden können… Parltrack kann genau das alles. Es durchforstet die wirre Webseite des EU-Parlaments und bringt alle Daten in einer aktuellen und übersichtlichen Quelle zusammen.

    Man kann zum Beispiel alle Gesetzentwürfe, die gerade durch das EU-Parlament laufen, abonnieren und sie als Benachrichtigungsgruppe zusammenstellen (Beispiel: Digiges-Dossiers im EU-Parlament). Oder aber man kann Infos über Abgeordnete suchen, Kontaktdaten und alle Dossiers, die ein bestimmter EU-Abgeordneter bearbeitet hat sowie alle Änderungsanträge, die Abgeordnete eingebracht haben.

    Damit wir uns auch weiterhin effektiv in EU-Politik einmischen können, braucht Parltrack jetzt Eure Unterstützung. Hier geht es zur Indiegogo-Kampagne: http://www.indiegogo.com/parltrack2013

    Hier könnt ihr @Parltrack oder RSS updates folgen.

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    Danke, Stef!

    29. Januar 2013 1
  • : DigiGes-Kampagne zur Datenschutzreform: Brüssel entscheidet über deine Daten, misch dich ein!
    DigiGes-Kampagne zur Datenschutzreform: Brüssel entscheidet über deine Daten, misch dich ein!

    dg-broschuere-bruessel-datenMit der Reform des europäischen Datenschutzes wird über die Zukunft des Datenschutzes in Europa entschieden. Gegen datenschutzfreundliche Vorschläge des EU-Parlaments wehrt sich die Industrie mit noch nie dagewesenen Lobbyanstrengungen in Brüssel. Der Digitale Gesellschaft e. V. hat eine Kampagne gestartet, um den Geschäftsinteressen weniger die Grundrechte aller Menschen entgegenzustellen.

    Seit Anfang Januar liegen die Berichte des EU-Parlaments für eine große europäische Datenschutzreform vor. In einer Verordnung und in einer Richtlinie soll diese Reform angegangen werden. Es handelt sich um die wichtigsten Gesetzentwürfe, die die EU jemals zum Thema Datenschutz und Privatsphäre vorgeschlagen hat. Seit der Veröffentlichung versuchen finanzkräftige Lobby-Organisationen, die Datenschutz-Bestimmungen zu schwächen und auszuhöhlen.

    Grundrechte auf Privatsphäre und Datenschutz sind in Gefahr

    Der Digitale Gesellschaft e. V. hat jetzt die wichtigsten Informationen zum Thema zusammengefasst und aufbereitet.

    Eine Broschüre will einen Überblick zu den Hauptthemen geben und das Fachchinesisch rund um die Datenschutzverordnung erklären: Brüssel entscheidet über Deine Daten – die EU-Datenschutzverordnung in 10 Punkten.

    Die wichtigsten 10 Fragen und Antworten zur Datenschutzreform:

    29. Januar 2013