Digital Rights

  • : Sehenden Auges in den Überwachungsstaat
    Sehenden Auges in den Überwachungsstaat

    Kai Biermann schreibt anlässlich der Abstimmung über das BKA-Gesetz auf Zeit-Online: Sehenden Auges in den Überwachungsstaat.

    Wir sind selbst verantwortlich. Wir alle, die es sehenden Auges haben geschehen lassen. Wir alle, die wir politisch interessiert sind, Nachrichten verfolgen, auf allen möglichen Wegen kommunizieren und diese doch nur nutzen, um zu meckern. Statt etwas zu tun. Demokratie ist die Herrschaft aller, daher sind auch alle schuld, wenn etwas schief geht. Ein komplizierter Weg der politischen Teilhabe, der es dem Einzelnen leicht macht, sich wegzuducken. Der aber auch enorme Möglichkeiten der Einflussnahme birgt. Warum sie nicht nutzen? [.…]

    Politikmüdigkeit? Vielleicht braucht es nur ein paar neue Begriffe für die altmodisch klingende Teilhabe. Hier wäre einer: Letztlich geht es darum, das System zu hacken, auszuprobieren, was mit ihm möglich ist, was es noch alles kann, wie es besser werden könnte. Also: Hack die Politik!

    Für den kommenden 25. Communication Congress wurde leider ein Vortrags-Vorschlag von mir und Falk Lüke mit dem Titel „Hacking Politics“ abgelehnt. Dort wollten wir einen Einblick geben, wie das politische System funktioniert und wie man sich am Besten und effektivsten dort einbringen kann.

    12. November 2008 16
  • : Heute ist BKA-Gesetz Tag: Gesetz beschlossen
    Heute ist BKA-Gesetz Tag: Gesetz beschlossen

    Heute ist der BKA-Gesetz – Tag. Der Bundestag wird am Nachmittag das umstrittene Gesetzes-Paket mit den Stimmen der großen Koalition beschließen. Die Pro- und Kontra-Reden der einzelnen Fraktionsvertreter gibts auch zum anschauen: Phoenix überträgt den Nachmittag live aus dem Plenarsaal. Der Programmordnungspunkt „Terrorismusbekämpfung durch das Bundeskriminalamt“ ist für 14:35 Uhr geplant. Die Abstimmung soll etwas später sein.

    Update: Debatte ist auf 17 Uhr verschoben!
    Die Debatte begann um 16:10 Uhr.

    Das BKA-Gesetz ist mir 375 Stimmen im Bundestag beschlossen worden. CDU/CSU und SPD verfügen zusammen über 445 Sitze. Das bedeutet bis zu 70 Abweichler aus der großen Koalition. Laut dpa stimmten 168 dagegen. Da namentlich abgestimmt wurde, wird man bald sehen können, wer dafür gestimmt hat. Und wer nicht vor Ort war. Das müssen ja auch einige gewesen sein.

    Während der Rede von Wolfgang Schäuble packten drei Zuschauer auf den Rängen drei Plakate aus, die den Spruch“ BKA-Gesetz gefährdet die Demokratie“ zeigten. Mal schauen, ob davon noch Bilder auftauchten. Die drei Aktivisten wurden kurz in Gewahrsam genommen, sind mittlerweile aber wieder frei.

    Wir stellen hier mal über den Tag Reaktionen und Medienberichte rund um das BKA-Gesetz und die heimliche Online-Durchsuchung zusammen.

    Dieser Gesetzestext wird wohl beschlossen.

    Reaktionen aus Fraktionen und Parteien:

    Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Wolfgang Wieland, Sprecher für Innere Sicherheit: Das deutsche FBI kommt.

    Nach langgezogener und unsachlicher Debatte im Ausschuss bleibt es dabei: Die große Koalition will das BKA zum deutschen FBI aufrüsten. Für uns ist klar: Eine Kriminalpolizei mit den Kompetenzen eines Geheimdienstes, ohne Kontrolle durch das Parlament und ohne Leitung durch die Bundesanwaltschaft darf es nicht geben. Die zahlreichen Überwachungsinstrumente, die weitgehende Aufhebung des Zeugnisverweigerungsrechts und das hemmungslose Herumschnüffeln in der Privatsphäre sind verfassungswidrig. Deshalb werden wir in Karlsruhe klagen.

    Einzelmeinung von Jörg Tauss, SPD-Fraktion: Tauss stimmt gegen BKA- Gesetz.

    Insbesondere wegen der Online- Durchsuchung, der Vermengung geheim- dienstlicher und polizeilicher Aufgaben und des mangelnden Schutzes von Journalistin- nen und Journalisten wird der SPD- Bundestagabgeordnete Jörg Tauss heute im Bundestag dem sogenannten BKA- Gesetz nicht zustimmen. „Immer mehr Überwachungsgesetze sind nicht akzeptabel.“

    Das Handelsblatt hat ein Interview mit dem FDP-Innenexperten Max Stadler: „Massives Ausspähen nicht gerechtfertigt“.

    Laut Gesetz dürfen Ermittler nur mit der Genehmigung eines Richters die Computer ausspähen, in „dringenden Fällen“ soll aber der BKA-Präsident Beweise auch ohne richterliche Erlaubnis sichern dürfen.

    Also diese Passage verstehe ich überhaupt nicht! Im Handyzeitalter ist es höchst unwahrscheinlich, dass kein Richter zu erreichen ist. Selbst abends oder am Wochenende sind Richter in der Regel ansprechbar. Es handelt sich also um ein lächerliches Argument, um Ausnahmen zu begründen. Die „dringenden Fälle“ machen es nun aber möglich, Kontrollmechanismen zu umgehen. Der Gesetzgeber sollte solche Hintertürchen nicht offen lassen. Die Formulierung müsste ersatzlos gestrichen werden.

    Wolfgang Neškovic, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE. im Deutschen Bundestag: SPD ist rechtsstaatlich unzuverlässig.

    „Es ist kein Wunder, dass das BKA-Gesetz nach monatelangem Dämmerschlaf ausgerechnet jetzt durchs Parlament gewunken wird. Die Aufmerksamkeit der meisten Bundesbürger wird von der Finanzkrise absorbiert, der Sozialstaatsabbau bedroht den Mittelstand. All dies erzeugt ein Unsicherheitsgefühl, dem die Befürworter des Gesetzes das Schlagwort vom „Grundrecht auf Sicherheit“ entgegenhalten. Doch das „Grundrecht auf Sicherheit“ ist nur eine zielgerichtete Erfindung, die die wahren Zielsetzungen des Gesetzes verschleiert: Die Aufwertung des BKA zu einer Superspitzelbehörde, die alles weiß und alles darf: Wohnungen heimlich mit Kameras überwachen, private E‑Mails mitlesen, Menschen verhaften. Treffen kann es jeden: Für die BKA-Ermittler reicht der bloße Verdacht, dass der Observierte mit einem Terrorverdächtigen Kontakt hatte. Diese totale Überwachung aber wird das Gegenteil von Sicherheit erzeugen: ein Klima von Repression und Angst. Ein gefährliches Klima für eine Demokratie.

    dpa zitiert Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble:

    «Die meisten Leute, die das kritisieren, haben gar nicht begriffen, dass das Bundeskriminalamt keine anderen Befugnisse im Prinzip bekommt als jede Landespolizei seit 50 Jahren hat.» Der Kernbereich des privaten Lebens werde bei Verhaftungen und Hausdurchsuchungen immer berührt. Dass die Polizei unter engen Voraussetzungen auch einmal ein Telefon abhören könne, sei nichts neues, sagte der Minister. Nach der Bundestagsentscheidung soll der Bundesrat voraussichtlich noch vor Weihnachten entscheiden.

    (Ist mir ja neu, dass die Landespolizeien die heimliche Onlinedurchsuchung seit 50 Jahren einsetzen)

    Verbände und Organisationen:

    Reporter ohne Grenzen: Das BKA-Gesetz im Bundestag: Pressefreiheit bedroht.

    „Der Entwurf des „Gesetzes zur Abwehr von Gefahren des internationalen Terrorismus durch das Bundeskriminalamt“ beschneidet das Recht von Journalistinnen und Journalisten, vertraulich zu recherchieren. Grundprinzipien der Pressefreiheit, der Informantenschutz und das Redaktionsgeheimnis, sind gefährdet“, sagt Elke Schäfter, ROG-Geschäftsführerin. Auf der Grundlage des Gesetzesentwurfs könnten die E‑Mail-Kommunikation von Journalistinnen und Journalisten überwacht, Telefonate abgehört und Online-Durchsuchungen angeordnet werden. Zudem kann das BKA von Medienmitarbeitern verlangen, ihr Recherchematerial herauszugeben – notfalls unter Androhung von Zwangsgeld, Beugehaft und Durchsuchung der Redaktionsräume.

    Bundesärztekammer: Vertrauensschutz muss absolut bleiben.

    „Die Koalitionspläne für ein neues BKA-Gesetz sind ein Angriff auf die Bürgerrechte, die ärztliche Schweigepflicht und das Patient-Arzt-Verhältnis“, kritisiert Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe das Gesetzesvorhaben der Koalition. Der Entwurf zementiere den Zwei-Klassen-Status der Ärzte bei verdeckten Ermittlungsmaßnahmen des Staates. […] „Dieses Zwei-Klassen-System ist durch nichts zu rechtfertigen. Patienten müssen sich genauso wie Mandanten von Strafverteidigern sicher sein, dass sie sich voll und ganz ihrem Arzt offenbaren können. Es gibt zudem keine schlüssige Begründung dafür, dass das Verhältnis zwischen Abgeordneten und Wählern schützenswerter ist als das zwischen Ärzten und Patienten. Abhörverbote, Verschwiegenheitspflichten und Zeugnisverweigerungsrechte gehören zu den unabdingbaren Rahmenbedingungen ärztlicher Berufsausübung. Sie erst garantieren das für das Patienten-Arzt-Verhältnis so wichtige Vertrauensverhältnis.

    Deutsche Polizeigewerkschaft: DPolG: BKA-Gesetz hat keine Chance in Karlsruhe.

    „Zu den beiden BKA-Beamten, die die Ergebnisse von Online-Durchsuchungen sichten sollen, um die Frage nach dem Schutz privater Lebensgestaltung zu klären, soll nun noch der Datenschutzbeauftragte des BKA treten. Das ist alles andere als ausreichend, das haben wir bereits am ersten Entwurf kritisiert. Der Datenschutzbeauftragte hat im innerdienstlichen Bereich ganz andere Aufgaben, ihn aktiv in solche Verfahren einzubinden, ist sachlich völlig daneben.

    Bitkom: „Gummi-Paragraphen verunsichern Computer-Nutzer“.

    Der Hightech-Verband BITKOM hat das neue Gesetz zur staatlichen Online-Durchsuchung von Computern scharf kritisiert. „Wenn dadurch Terror verhindert und Leben gerettet werden können, sperren wir uns selbstverständlich nicht grundsätzlich dagegen“, sagte BITKOM-Präsident Prof. August-Wilhelm Scheer. „Aber das von den Regierungsparteien beschlossene Gesetz enthält Fehlentscheidungen und lässt wichtige Fragen offen.“ Das so genannte BKA-Gesetz, in dem es um die Befugnisse des Bundeskriminalamts geht, soll am heutigen Mittwoch im Bundestag verabschiedet werden. „Wir müssen dafür sorgen, dass bei der Kriminalitätsbekämpfung das Vertrauen unbescholtener Computer-Nutzer in ihre Privatsphäre nicht leidet“, sagte Scheer. Das sieht der BITKOM-Präsident nicht gewährleistet.

    Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein: BKA darf nicht zur Super-Sicherheitsbehörde werden.

    Der Kernbereich privater Lebensgestaltung, nach der Verfassungsrechtsprechung unantastbar, wird durchlöchert. Dass diese Löcher nun von drei BKA-Beamten nachträglich gestopft werden sollen, wovon einer der Beamten Vorkenntnisse im Bereich des Datenschutzes haben muss, ist kein wirklicher Trost. Dem BKA-Präsidenten werden Eilbefugnisse zugestanden, mit denen der Richtervorbehalt ausgehebelt werden kann. Damit folgt die Bundesrepublik dem schlechten Beispiel vieler westlicher Industriestaaten, die mit der Begründung der Terrorismusbekämpfung die Freiheitsrechte abgebaut haben und weiter abbauen. Dieser Weg ist fatal: Deutschland hatte bisher den Ruf, nicht nur einer der freiheitlichsten, sondern auch einer der sichersten Staaten der Welt zu sein. Mit dem BKA-Gesetz werden nun beide Errungenschaften gefährdet: Das neue BKA-Gesetz gefährdet die „innere Sicherheit“, weil es die Bevölkerung verunsichert und durch den Abbau rechtsstaatlicher Verfahren die Ausgrenzung von Minderheiten vorantreibt, was der wahre Treibsatz für Terrorismus ist. Die Vergeheimdienstlichung der Polizei untergräbt das Vertrauen der und die Unterstützung durch die Menschen. Die abschreckenden Beispiele von Großbritannien und den USA, die diesen Weg schon erheblich weiter gegangen sind, zeigen, dass das rechtliche und technische Aufrüsten des Sicherheitsapparats nicht mehr Sicherheit schafft.

    Medienberichterstattung:

    Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung: Die Allmächtigen.

    Der Schutz des Kernbereichs der Intim- und Privatsphäre, der dem höchsten Gericht so wichtig war, bleibt auf der Strecke. Dabei geht es um die Menschenwürde. Exemplarisch steht Paragraf 20k Absatz 7 BKA-Gesetz, der die Computer-Durchsuchung betrifft: Auf die Durchsuchung muss nur dann komplett verzichtet werden, wenn völlig klar ist, dass „allein“ der Kernbereich betroffen wäre. Auf einem Computer gibt es aber nun einmal nicht nur intime Dateien. Computerdurchsuchungen sind daher so gut wie nie unzulässig. Sehenden Auges verletzt der Gesetzgeber den Kernbereich.

    Hans Leyendecker argumentiert in der Süddeutschen Zeitung, dass es in den USA mit einem BKA-Gesetz damals keinen Informationenschutz bei der Watergate-Affäre gegeben hätte: Wenig Schutz für „Deep Throat“.

    Dieser Kernbereich ist gefährdet: Schon seit Anfang des Jahres gibt es in Deutschland ein Zeugnisverweigerungsrecht erster und zweiter Klasse. Danach dürfen Abgeordnete und Seelsorger nicht ausspioniert werden. Bei Straftaten von „erheblicher Bedeutung“ hingegen erlaubt Paragraf 160 der Strafprozessordnung das Ausspionieren von Ärzten, einem Teil der Anwaltschaft und von Journalisten. Im BKA-Gesetz braucht es jetzt nicht mehr die schweren Straftaten; das häufig betroffene Bundeskriminalamt selbst soll künftig sachkundig zwischen dem öffentlichen Interesse an der Strafverfolgung und dem Geheimhaltungsinteresse des Journalisten abwägen. Journalisten haben demnach nur noch ein eingeschränktes Zeugnisverweigerungsrecht.

    Der Deutschlandfunk hatte vorgestern einen längeren Bericht im Politik-Hintergrund gesendet: Umstrittener Kompromiss. (Hier ist die MP3, da gibts einige interessante Politiker-Statements zum remixen)

    Egal welcher Politiker bisher im Chefsessel des Bundesinnenministeriums saß, die Themen Offenheit und Transparenz gehörten noch nie zu den Stärken dieses Ressorts. Und so arbeitete man im Innenministerium diskret an einem Referentenentwurf zum neuen BKA-Gesetz. Auskunft zum Stand der Dinge? Nein, leider nicht möglich. Nur häppchenweise drangen Details an die Öffentlichkeit. Bis im Sommer 2007 der Chaos Computer Club den Entwurf im Internet veröffentlicht. Die Reaktion des Bundesinnenministeriums: keine. Es sollte noch lange dauern, bis es von dieser Seite offizielle Stellungnahmen gibt. Ein bemerkenswerter Vorgang, für ein doch demokratisches und offenes Gesetzgebungsverfahren.

    Taz: Schäubles Hundertprozent-Polizei.

    Stimmt kurz vor Weihnachten auch der Bundesrat zu, wird ab Januar 2009 somit das wohl umstrittenste Sicherheitsgesetz der letzten Jahre in Kraft treten. Bislang war das BKA nur zur Verfolgung bereits begangener Straftaten zuständig. Durch das Gesetz mit seinen insgesamt 24 neuen Paragrafen erhält es erstmals präventive Befugnisse. Weit im Vorfeld einer konkreten Tat soll die Bundespolizei damit terroristische Gefahren abwehren. Kritiker fürchten, die grundgesetzlich vorgeschriebene Trennung der Arbeit von Polizeibehörden und Geheimdiensten werde dadurch verwischt. Sie war nach den Erfahrungen mit dem nationalsozialistischen Sicherheitsapparat in der Verfassung verankert worden.

    Don Dahlmann fragt in seinem Blog, warum die deutschen Medien nicht aktiver ihre Kritik geäussert haben:

    Aber wo waren da die Zeitungen? Warum erscheint so ein Artikel nicht auf der Titelseite der „Zeit“? Warum hat keine Zeitung in den letzten Wochen und Monaten nicht mal eine Titelseite frei geräumt, auf der sämtliche Chefredakteure und Verleger die gegen die schärfer werdenden Überwachungsgesetze sind, unterschreiben, und ihre Meinung klar äußern? Das Netz hat schon viel getan. Es hat aufgeklärt, es hat sich bemüht, die Fakten darzustellen, es hat zu friedlichen Protest aufgerufen. Aber wo waren die Zeitungen und Magazine? Wo war der Titel in Spiegel, Stern, Fokus, FAZ oder Zeit?

    Tagesschau: „Das ist die Verteidigung des Rechtsstaats“.

    Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der lange für die Ausweitung der Überwachung durch das BKA gekämpft hatte, verteidigte das Gesetz als notwendig. Der Staat müsse die Bürger schützen können. „Das ist kein Angriff auf den Rechtstaat, sondern die Verteidigung des Rechtstaats.“ Es seien ausreichende richterliche Kontrollen vorgesehen, so Schäuble.

    Große Preisfrage: Wer findet eigentlich außer BKA, Bundesregierung, CDU und SPD das BKA-Gesetz toll?

    Ergänzungen können gerne in den Kommentaren gepostet werden.

    12. November 2008 53
  • : Hausdurchsuchung wegen Forums-Beitrag
    Hausdurchsuchung wegen Forums-Beitrag

    Bei dem freien Journalisten Burkhard Schröder wurde heute morgen bei einer Hausdurchsuchung der eigene PC beschlagnahmt. Schröder wird ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Anscheinend hielt es der zuständige Richter für verhältnismässig, die Hausdurchsuchung und Beschlagnahmung wegen eines drei Jahre alten Forum-Beitrages durchzuführen, wobei der Forum-Beitrag auch nur die Spiegelung eins 15-Jahre alten Usenet-Beitrages sein soll.

    11. November 2008 22
  • : 007 Vorpremiere wegen DRM-Fuckup abgebrochen
    007 Vorpremiere wegen DRM-Fuckup abgebrochen

    Ja, sie schießen sich so richtig schön selbst ins Knie – in der Vorpremiere in Bukarest wurde mitten im Film die Vorstellung abgebrochen. Grund:

    «Unsere US-Partner hatten uns Passwörter für die Ausstrahlung des Films gegeben, da es ja die Vorpremiere war, aber die sind um 22 Uhr abgelaufen», zitiert das Online-Magazin Mediafax einen Kinovertreter. […] «Jetzt wissen wir, dass der Schutzmechanismus gegen Raubkopien funktioniert»

    Von 20minuten.ch via Fefe, Danke. (AFP)

    10. November 2008 9
  • : IT-Gipfel der Bundesregierung
    IT-Gipfel der Bundesregierung

    Zum dritten Mal jährt sich am 20. November der IT-Gipfel der Bundesregierung. Das Treffen zwischen Regierung, Wirtschaft und ausgewählten Vertretern aus dem universitären Bereich trifft sich jedes Mal an einem anderen Ort. Dieses Jahr ist die Universität Darmstadt Ort der Sonntagsreden.

    Update: Inhaltlich kommentiere ich hier den IT-Gipfel.

    Zur Vorgeschichte muß man erklären, dass die Vereinten Nationen zwischen 2001 – 2005 einen globalen Prozess zur Gestaltung der Informationsgesellschaft durchgeführt haben. Der World Summit on Information Society (WSIS), auf deutsch UN Weltgipfel zur Informationsgesellschaft, war zum ersten Mal der Versuch, die globalen Herausforderungen der Digitalisierung in einer neuen Form von Governance zu diskutieren. Zu den üblichen Regierungsvertretern kamen in einem „Multi-Stakeholder-Prozess“ weitere Player hinzu: Die Wirtschaft, u.a. weil der die Infrastrukturen des Internets gehören und die Zivilgesellschaft, also wir, die Vertreter derjenigen, die das Internet mit Leben füllen. Schon im Rahmen des WSIS war die Motivation der Bundesregierung, einen richtigen Multi-Stakeholder-Prozess mit Leben zu füllen, eher begrenzt. In wenigen Konsultationstreffen zwischen Regierungsvertretern, Wirtschafts-Lobbyisten und Vertretern der Zivilgesellschaft in Berlin dürften wir als zivilgesellschaftliche Vertreter auch mal etwas sagen. Üblich war die Vorgehensweise, dass die Regierungsvertreter und Wirtschafts-Lobbyisten schon zusammen sassen, man die Zivilgesellschaft mal kurz reinließ, zur Artikulation von politischen Positionen und wir dann wieder gehen dürften, damit Regierung und Wirtschaft weiter reden konnten. Es war also mehr eine Simulation eines Multi-Stakeholder-Prozesses.

    7. November 2008 18
  • : Telekom-Paket: EU-Kommission gegen Internetsperrungen
    Telekom-Paket: EU-Kommission gegen Internetsperrungen

    Es freut mich, dass sich die EU-Kommission gegen das französische Modell im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen im Rahmen des Telekom-Paketes ausspricht:

    Die EU-Kommission hat am heutigen Freitag überraschend einen Kompromissvorschlag für die umkämpfte Novelle des Telecom-Pakets vorgelegt und damit ihre ursprünglichen Entwürfe für die Neuregulierung des Telekommunikationsbereichs überarbeitet. Das neue Papier übernimmt ausdrücklich einen Korrekturvorschlag des EU-Parlaments aus der 1. Lesung des Vorhabens, der von Beobachtern als klares Signal gegen das geplante französische Modell der „abgestuften Erwiderung“ auf Urheberrechtsverletzungen gewertet wird. Frankreich will Zugangssperren für Wiederholungstäter auch ohne Einbeziehung der Justiz durchsetzen.

    Vor allem ist die Intervention der EU-Kommission vor dem Hintergrund zu sehen, dass sich der EU-Rat wohl auf Druck der französischen EU-Ratspräsidentschaft wohl dafür auf der kommenden Sitzung aussprechen wird, den umstrittenen und von uns unterstützen Artikel 138 ersatzlos zu streichen. Dieser sieht einen Richtervorbehalt vor bei Maßnahmen wie Internetsperrungen. Monica Horten berichtet darüber mit Verweis auf französische Medien: Will Europe give in to French pressure on Telecoms Package?

    7. November 2008 2
  • : Google zensiert Musik-Blogs?
    Google zensiert Musik-Blogs?

    Google zensiert wohl Musik-Blogs. Das berichtet das empfehlenswerte Musik-Blog Palms Out Sounds, die Opfer von Löschungen wurden. Dabei ging es nicht um Content, der auf Blogger.com (aka Blogspot) gehostet war, sondern schlicht um Links:

    This first started a couple of months ago, but only hit Palms Out about a month ago. Without warning, Google removed three old posts from the blog, and offered no explanation. They then followed by removing Remix Sunday 131, and 132- and offered a brief explanation. Keep in mind, there is no actual copyrighted content uploaded by Palms Out that is hosted on any of Google’s servers, only hyperlinks.

    Palms Out Sounds erklärt, dass man die Erlaubnis zum posten der Links hatte. Auf Anfrage rückt Google bisher keine Informationen raus, warum die Postings mit Verweis auf die US-Copyright-Gesetzgebung gelöscht wurden.

    7. November 2008 7
  • : Alfred Hartenbach und der Ku-Klux-Klan
    Alfred Hartenbach und der Ku-Klux-Klan

    Kai Biermann kommentiert bei Zeit-Online die Diskussion rund um die Frage, ob Datenschutz ins Grundgesetz gehört: Wider die staatliche Fürsorge.

    Interessant ist dabei nicht nur der folgende Passus:

    Anders ist es nicht zu erklären, dass beispielsweise der Parlamentarische Staatssekretär im Justizministerium, Alfred Hartenbach, öffentlich sagt, die Forderung nach mehr Datenschutz werde ja von der einen oder anderen Gruppierung nur genutzt, um ein bisschen Stunk zu machen. „Zum Beispiel von dem Club „mit den drei großen K’s“. Nein, das war kein Versprecher, Hartenbach meinte ganz offensichtlich den Chaos Computer Club, der bei der Diskussion des Deutschen Instituts für Menschenrechte anwesend war. Er fand es anscheinend spaßig, ihn mit dem Ku-Klux-Klan gleichzusetzen. Damit war die Veranstaltung leider exemplarisch für die gesamte derzeitige Diskussion um Datenschutz.

    7. November 2008
  • : BKA-Gesetz: Der Kompromiss – Text
    BKA-Gesetz: Der Kompromiss – Text

    Vorgestern hat die Große Koalition den endgültigen Kompromiss zum BKA-Gesetz beschlossen. Wie es leider so üblich ist, wird der Text natürlich nicht rechtzeitig online gestellt. Trotzdem kursiert der Text, wie bei allen Gesetzesprozessen üblich, im politischen Berlin.

    Meiner Meinung nach sollte die Politik transparenter handeln und den Text einfach online stellen, damit die Bürger dieses Landes sich eine eigene Meinung bilden können. Da dies leider nicht gemacht wird, bin ich froh, dass wir wieder den Text von einem freundlichen Menschen zugeschickt bekommen haben und ihn hier veröffentlichen können (PDF). Bildet Euch selbst eine Meinung.

    Interessant ist die Begründung, warum es die „Gefahr in Verzug“-Regelung gibt, also die Aussetzung des Richtervorbehaltes bei der Online-Durchsuchung. Hier steht die Formulierung:

    Die betroffenen Behörden und die Gerichtsorganisation haben danach im Rahmen des Möglichen sicherzustellen, dass in der Masse der Alltagsfälle die in der Verfassung vorgesehene „Verteilung der Gewichte“, nämlich die Regelzuständigkeit des Richters, gewahrt bleibt. Hiernach „Gefahr im Verzug“ mit Tatsachen begründet werden, die auf den Einzelfall bezogen sind.

    Mich als Nicht-Juristen verwirrt die Formulierung „Masse der Alltagsfälle“, wo doch die Online-Durchsuchung nur in ganz wenigen Fällen pro Jahr angewendet werden soll. Oder lese ich da irgendwas falsches und als Jurist liest man was anderes daraus?

    7. November 2008 18
  • : Noch mehr Internet-Überwachung in UK geplant
    Noch mehr Internet-Überwachung in UK geplant

    Es geht immer weiter…: Bericht: Britische Regierung will E‑Mail-Verkehr und Webzugriffe in Black Boxes aufzeichnen.

    Britische Regierungskreise denken darüber nach, eine „Black-Box-Technologie“ einzusetzen, um E‑Mail-Korrespondenzen und Zugriffe auf Webseiten im großen Stil zu überwachen. Jede Mail und jeder Besuch einer Webseite in Großbritannien soll in solchen Black Boxes aufgezeichnet werden, um die Informationen später dann in eine „gigantische“ Big-Brother-Datenbank zu überführen und zu speichern, berichtet heute die Tageszeitung The Independent.

    Dürfte auch klar sein, dass Deutsche Politiker mehr machen wollen, sobald mal Online-Durchsuchung und Vorratsdatenspeicherung in trockenen Tüchern sind.

    independent: Government black boxes will ‚collect every email’.

    Whitehall experts working on the IMP unit told the meeting the security and intelligence agencies wanted to use the stored data to help fight serious crime and terrorism, and said the technology would allow them to create greater „capacity“ to monitor all communication traffic on the internet. The „black boxes“ are an attractive option for the internet industry because they would be secure and not require any direct input from the ISPs.

    6. November 2008 2
  • : Große Koalition einigt sich bei Online-Durchsuchung
    Große Koalition einigt sich bei Online-Durchsuchung

    Alles wird gut? Die große Koalition hat sich nun auf konkrete Rahmenbedingungen bei der Einführung der heimlichen Online-Durchsuchung im Rahmen des BKA-Gesetzes geeinigt. Die Verhandlungsergebnisse beeindrucken schon: Die SPD verkündet dabei tatsächlich eine Befristung der Maßnahme bis 2020 als Verhandlungserfolg. Solange Laufzeiten machen bei Befristungen allerdings keinen Sinn. Weiter soll neben zwei BKA-Beamten auch der Datenschutzbeauftragte der Behörde (Behörde = BKA und nicht der Bundesdatenschutzbeauftragte) abgegriffene Daten auf Berührung des eigentlich unantastbaren Kernbereichs privater Lebensgestaltung hin begutachten.

    Einen Richtervorbehalt soll es auf dem Papier auch geben, allerdings mit der Ausnahme einer Eilbefugnis durch den BKA-Präsidenten für die Anordnung der Maßnahme in besonderen Gefährdungssituationen. Heise verweist ausserdem auf eine Äusserung des SPD-Fraktionsvize Fritz-Rudolf Körper gegenüber der ARD, wonach mit dem gefundenen Verfahren für das Ausspähen von Festplatten den Anforderungen des Bundesverfassungsgerichts voll Rechnung getragen würde. Was zu bezweifeln wäre.

    5. November 2008 19
  • : Das BKA und die Wahrheit
    Das BKA und die Wahrheit

    BKA-Chef Ziercke hat vorgeschlagen, man solle doch zwei Betriebssysteme nutzen, einmal zum Online-Banking und einmal zum surfen. Abgesehen von der Vorschlag ist eine andere Aussage interessanter, zeigt sie doch wieder das manipulative Propaganda-Potential seiner Aussagen:

    Zur Bekämpfung dieser Delikte ist die Polizei nach Zierckes Darstellung auf die Vorratsdatenspeicherung angewiesen. „Die IP- Adresse ist oftmals die einzige Spur zu den Tätern. Wenn die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht Erfolg hat und wir diese Daten nicht mehr bekommen könnten, wäre das für unsere Arbeit auf diesem Kriminalitätsfeld das Ende.“

    Bisher hat das BKA auch keinen Zugriff auf die Vorratsdatenspeicherung und kommt dennoch zu Erfolgen. Auch wenn das Bundesverfassungsgericht die Vorratsdatenspeicherung für verfassungswidrig erklärt, dürfte die Arbeit des BKA im Bereich Internet nicht beendet sein. Die Aussage ist fachlich falsch und manipulativ.

    3. November 2008 6
  • : Truecrypt 6.1
    Truecrypt 6.1

    Das freie Verschlüsselungsprogramm Truecrypt ist in der Version 6.1 veröffentlicht worden. Funktioniert unter Windows, Linux und Mac und verschlüsselt zuverlässig alle Datenträger.

    3. November 2008 6
  • : Wahlcomputern bei den Simpsons
    Wahlcomputern bei den Simpsons

    Danke für die vielen Hinweise auf dieses aktuellen Ausschnitt aus den Simpsons: Homer Simpson versucht an einem Wahlcomputer für Obama zu stimmen, was natürlich nicht klappt.

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    Homer Simpson tries to vote for Obama from Randy on Vimeo.

    Weiß jemand, welche Episode in welcher Staffel das ist? Müsste ja recht aktuell sein.

    29. Oktober 2008 10
  • : Telekom-Paket: Offener Brief an Michael Glos
    Telekom-Paket: Offener Brief an Michael Glos

    Die Diskussion rund um das Telekom-Paket läuft ja bekanntlich nach der 1. Lesung im EU-Parlament weiter. Auch wenn es einige erfreuliche Abstimmungsergebnisse im EU-Parlament gab, so sind doch viele kritische Punkte geblieben, die unsere Privatsphäre und andere Grundrechte gefährden. Ein kritischer Punkt ist der Änderungsvorschlag Nr. 181, wo das EU-Parlament mehrheitlich eine Position der Business Software Alliance (BSA) beschlossen hat. Damit soll Telekommunikationsunternehmen erlaubt werden, zukünftig Verbindungs- und Standortdaten unter Berufung auf „Sicherheitszwecke“ zu sammeln. Klingt nach Vorratsdatenspeicherung und ist technisch dasselbe.

    Seit dem Interview mit dem Symantec-Chef vor kurzem weiß man auch deutlich, was die wollen: Nicht mehr Datenschutz, sondern mehr Überwachungsmöglichkeiten im Namen der Sicherheit. Ende kommenden Monats wird der EU-Rat, bestehend aus den Vertretern der EU-Staaten zusammenkommen, um eine gemeinsame Position zu finden. Ein Zusammenschluß von elf Organisationen hat jetzt einen Offenen Brief an unseren Wirtschaftsminister Michael Glos geschrieben mit der Bitte, die deutsche Position zu erklären und sich als unsere Regierung dafür einzusetzen, diesen Punkt zu beseitigen. Hier ist der Link zur Pressemeldung dazu: Widerstand gegen Verwässerung des Schutzes von Verbindungsdaten. Und hier ist das Hintergrundpapier des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung dazu, was Patrick Breyer verfasst hat. Vor der zweiten Lesung werden wir auch noch mehr Lobbying und Druck bei EU-Parlamentariern machen müssen, damit diese den Punkt auch ablehnen.

    Und hier ist jetzt der Brief:

    Herrn Bundesminister Michael Glos
    Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
    11019 Berlin

    28. Oktober 2008

    „Telekom-Paket“: Blankettermächtigung zur Erfassung von Verkehrsdaten zu „Sicherheitszwecken“

    Sehr geehrter Herr Minister Glos,

    in Kürze wird der EU-Ministerrat über eine Änderung der Richtlinie 2002/58/EG im Rahmen des „Telekom-Pakets“ abstimmen. Sie werden dabei Deutschland im Ministerrat vertreten. Größte Sorgen macht uns der Änderungsvorschlag Nr. 181 des Europaparlaments. Danach sollen in einem neuen Absatz 6a des Artikels 6 der Richtlinie Telekommunikationsanbieter ermächtigt werden, sensible Verbindungs- und Standortdaten zu erfassen und zu speichern, „um technische Maßnahmen für Netz- und Informationssicherheit […] durchzuführen […], sofern nicht das Interesse oder die geschützten Grundrechte und Grundfreiheiten der betroffenen Person überwiegen.“ Der Begriff „Netz- und Informationssicherheit“ ist definiert als die Abwehr von Störungen und Angriffen.

    29. Oktober 2008
  • : Surfen wie in China
    Surfen wie in China

    Surfen wie in China funktioniert prima mit dem „China Channel Firefox Add-on“. Damit kann man die chinesische Internetzensur bequem von zuhause erfahren und genießen.

    The Firefox add-on China Channel offers internet user outside China to surf the web as if they were in China. Take an unforgetable virtual trip to China and experience the technical expertise of the Chinese Ministry of Information Industry (supported by western companies). It’s open source, free and easy.

    In diesem Screencast wird gezeigt, wie man sich das Plugin installiert und wie das dann ausschaut:

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    China Channel Screencast from fi5e on Vimeo.

    [Danke für die vielen Zusendungen]

    29. Oktober 2008 2
  • : Sachsen entscheidet gegen Wahlcomputer
    Sachsen entscheidet gegen Wahlcomputer

    Zur Bundestagswahl will das Bundesland Sachsen auf den Einsatz von Wahlcomputern verzichten. Das bestätigte nun das sächsische Innenministerium und die Futurezone berichtet mit Verweis auf die „Dresdner Neuesten Nachrichten“: Sachsen verzichtet auf Wahlcomputer.

    Man schätze derzeit das Risiko als zu hoch ein, dass die Geräte manipuliert werden könnten, sagte Ministeriumssprecher Lothar Hofner. Am 7. Juni 2009 gibt es in Sachsen Europa- und Kommunalwahlen, am 30. August folgt die Landtagswahl, am 27. September die Bundestagswahl.

    29. Oktober 2008
  • : RiP: A Remix Manifesto
    RiP: A Remix Manifesto

    Nach einigen Jahren Entwicklungszeit erscheint demnächst der Dokumentarfilm „RiP: A Remix Manifesto“ von Brett Gaylor. Der Film ist ein Plädoyer für eine Remix-Kultur und gegen eine ausufernde Urheberrechtsgesetzgebung, die Kreativität behindert. Gaylor betreibt auch die Webseite „Open Source Cinema“, wo die meisten Filmsequenzen schon als RAW-Material unter einer Creative Commons Lizenz zu finden sind und viele sich beteiligen konnten:

    RiP: A remix manifesto is an open source documentary about copyright and remix culture. Created over a period of six years, the film features the collaborative remix work of hundreds of people who have contributed to this website, helping to create the world’s first open source documentary.

    Momentan gibt es immer noch verschiedene Mitmach-Möglichkeiten. Jetzt schon können Remixe gemacht werden, weil genug Material online zum Download bereitsteht. Ausserdem werden noch Beiträge für den Soundtrack gesucht. Hier bietet sich die Remix-Plattform CC-Mixter an. Und dann können noch Fotos eingesendet werden, wo man sich selbst auf einem Fahndungsfoto mit einem „Copyright Criminal Photo“ zeigt. Die Bilder sollen dann auch noch in den Film einfließen.

    Der Trailer zum Film ist schon online und ich bin auf das Endergebnis gespannt:

    Hier klicken, um den Inhalt von media.nfb.tv anzuzeigen.

    Kennt zufällig jemand den Mash-Up mit Verve’s Bitter Sweet Symphony und den Beats, der zum Schluß gespielt wird?

    29. Oktober 2008 3
  • : Wie die EU Innovation und Kreativität erheblich schädigen will
    Wie die EU Innovation und Kreativität erheblich schädigen will

    Der Wissenschaftler Martin Kretschmer hat eine Stellungnahme zu den Plänen der EU-Kommission, die Schutzdauer für Musikaufnahmen von derzeit 50 auf 95 Jahre zu verlängern, verfasst. Im Detail wird in der Stellungnahme auf die Argumentation der EU-Kommission und der Musik-Lobby geantwortet. Im iRights-Blog findet sich dazu ein offener Brief an die EU-Abgeordneten: Es wird spannnend / dringend: Neues zur Schutzdauerverlängerung für Musikaufnahmen. Dieser wurde von einigen der prominentesten Urheberrechtlern Europas unterzeichnet, darunter sind u.a. Professor Lionel Bently and Dr Rufus Pollock, Centre for Intellectual Property & information Law (CIPIL), University of Cambridge; Professor Reto Hilty, Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht, München und Professor Bernt Hugenholtz, Institute for information Law, Universität Amsterdam.

    In dem offenen Brief an die Abgeordneten wird erläutert, warum die Unterzeichner die Richtlinie zur Schutzdauerverlängerung als “eins der schlimmsten Beispiele für ein Plädoyer im Eigeninteresse” ansehen: “Die Vorgeschlagene Richtlinie wird europäische Innovation und Kreativität erheblich schädigen.”

    Instead of doing their economic homework, the Commission offers a misleading story about performers facing “an income gap at the end of their Iifetimes” [Explanatory Memorandum to Proposed Directive, p. 4; Press releases 14 February 2008 and 16 July 2008]. The language of “artists who lose their pension when they need it most” is copied directly from lobby documents supplied to the Commission by the record industry. Extension is then dressedup as a “sociaI measure”.

    Der ganze Brief und die Stellungnahme sind lesenswert.

    29. Oktober 2008 5