Digital Rights

  • : DFB-Präsident Theo Zwanziger macht sich lächerlich
    DFB-Präsident Theo Zwanziger macht sich lächerlich

    Der DFB-Präsident Theo Zwanziger führt seit einiger Zeit einen Kleinkrieg gegen den Sportjournalisten und Blogger Jens Weinreich. Weinreich hatte Zwanziger in einem Posting im Blog Direkter-freistoss.de einen „unglaublichen Demagogen“ genannt, als es um einen Auftritt zu der zentralen Vermarktung von TV-Rechten ging. Seitdem versuchte es der DFB-Anwalt mit einer Verpflichtungserklärung zur Unterlassung, bzw. einer einstweiligen Verfügung. Klappte beides nicht, weil das Gericht jeweils auf das Recht auf freie Meinungsäußerung hingewiesen hat. Die Geschichte stand die Tage schon ausführlich bei Spiegel-Online: Wie Blogger den DFB bloßstellten.

    Heute vermeldet Weinreich den dritten Sieg vor Gericht, einen Gerichtsbeschluss von seiner Seite gegen eine Pressemitteilung des DFB. Nun klagt wiederum der DFB und Theo Zwanziger in einem Hauptsacheverfahren zurück und will vor Gericht klären lassen, „ob der Journalist im Rahmen der Presse- und Meinungsfreiheit einen berechtigten Grund hatte, Dr. Zwanziger als „unglaublichen Demagogen“ zu diffamieren oder ob er damit die persönliche Ehre des DFB-Präsidenten verletzt hat.“

    Dann wünschen wir Jens Weinreich mal viel Erfolg.

    26. November 2008 9
  • : Peter Schaar bleibt Bundesdatenschutzbeauftragter
    Peter Schaar bleibt Bundesdatenschutzbeauftragter

    Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar ist heute vom Deutschen Bundestag für weitere fünf Jahre Amtszeit wiedergewählt worden. 554 Abgeordnete haben mit gewählt, davon stimmten 484 für Peter Schaar, 52 gegen ihn, 12 enthielten sich und 6 Stimmen waren ungültig. Herzlichen Glückwunsch.

    26. November 2008
  • : 25C3 – Fahrplan als frühe Beta erschienen
    25C3 – Fahrplan als frühe Beta erschienen

    Für den kommenden 25. Chaos Communication Congress (25C3) gibt es jetzt eine frühe Version des Programm-Fahrplans. Der 25C3 ist der jährliche Kongress des Chaos Computer Club und findet traditionell zwischen Weihnachten und Neujahr, vom 27.–30. Dezember, im Berlin Congress Center (BCC) statt.

    Der Fahrplan weist noch einige Lücken auf, aber ein Muster ist erkennbar: Viel weniger Politik und Gesellschaft, dafür noch mehr Technik-Krams als im letzten Jahr. Eigentlich schade, schaffte der CCC-Congress in den letzten Jahren doch eher eine Balance zwischen Technik und Gesellschaft. Letzteres wird leider seit vergangenem Jahr wieder mehr abgebaut. Ganz im Gegensatz zur gesellschaftlichen und politischen Bedeutung des Chaos Computer Clubs und der dort angesprochenen Themen. Bleibt zu hoffen, dass die Lücken im Fahrplan vielleicht doch noch etwas mehr Netzpolitik bringen und nicht noch mehr Technik. Aber ansonsten bleibt für die anderen Themen ja noch die re:publica’09.

    Ein Programmpunkt von mir ist durchgekommen: In „La Quadrature du Net – Campaigning on Telecoms Package“ werde ich zusammen mit J. Zimmermann die Kampagne rund um Bürgerrechte im Telekom-Paket vorstellen, samt der politischen Debatte auf europäischer Ebene. Leider zum fast undankbaren Zeitpunkt am letzten Tag um 12:45h, wo noch alle schlafen.

    25. November 2008 8
  • : ZDF-Politbarometer: Parteien und die Onlinedurchsuchung
    ZDF-Politbarometer: Parteien und die Onlinedurchsuchung

    Im aktuellen ZDF-Politbarometer wurde explizit nach der Onlinedurchsuchung befragt. Traurige Nachricht: 57% sind dafür und nur 39% sind dagegen. Dürfte auch eine Frage des Altersdurchschnitts der Befragten sein. Jüngere tendieren durch ihre Alltagserfahrung in der Nutzung von Computern eher dagegen. Interessant ist daher die Parteien-Präferenz der Befragten. Und hier kommt Überraschendes zum Vorschein:

    Die 67% CDU / CSU sind im Vergleich zu 65% Anhängern bei der FDP überraschend. Vor allem letztere haben damit einen Dissenz zwischen Parteilinie und Anhängerschaft. Einzig unter den Anhängern der Grünen gibt es mit 30% eine deutliche Minderheit für die Befürwortung.

    Interessant ist auch nochmal die Aufschlüsselung bei der Frage, wie man ggf eine Onlinedurchsuchung realisieren sollte. Nur 29% wollen diese ohne richterliche Mitwirkung, während 27% diese richterliche Mitwirkung wollen und 39% eh dagegen sind.

    24. November 2008 16
  • : Fingerabdrücke für Berliner Kitas?
    Fingerabdrücke für Berliner Kitas?

    17 evangelische Kindertagesstätten in Berlin-Mitte planen, zukünftig „aus Sicherheitsgründen“ die Fingerabdrücke der Eltern zu scannen. Damit wollen sie eine Verifikationssystem aufbauen, so dass alle Kinder auch den richtigen Eltern zugeteilt werden können. Dies berichtet der Tagesspiegel: Kitas wollen Fingerabdrücke von Eltern scannen.

    Janert betonte, die geplante dreimonatige Testphase werde erst nach eingehender Rücksprache mit den Eltern und nur mit deren Zustimmung begonnen. Gerade in Bezug auf den Datenschutz müssten einige Fragen geklärt werden, etwa was mit den gewonnenen Daten gemacht werde. „Wir werden Anfang Dezember eine große Versammlung für die Eltern machen, wo wir genau all diese Fragen ausdiskutieren“, unterstricht die Geschäftsführerin. Es solle mit den Eltern zusammen ein Weg gesucht werden, „der am Ende für alle gut ist“

    Wie wäre es noch mit der Idee, den Kindern gleich RFID-Chips zu verpflanzen?

    Update: Heise hat Neues: Berliner Kitas: Keine Sicherheitskontrollen wie bei der Einreise in die Vereinigten Staaten.

    Befragt wurde Kathrin Janert, Geschäftsführerin vom Verbund evangelischer Kindertagesstätten.

    „Wir machen doch keine Einreise in die Vereinigten Staaten“, berichtigt die Kita-Geschäftsführerin am Telefon gegenüber heise online. Die Kitas, die über drei Etagen verteilt sind und insgesamt 85 Kinder betreuen, befänden sich in einem Rückgebäude eines Berliner Mietshauses, dazu gebe es einen Hof zum Spielen. Der Zugang sei gar nicht über Türen zu kontrollieren, weswegen der Fingerabdruckscanner als Zugangskontrolle ebenso sinnlos wäre wie eine Chipkarte, die in anderen Kindertageseinrichtungen gebräuchlich ist. Man habe den Fingerabdruckscanner angeschafft, um eine bessere Übersicht darüber zu bekommen, ob ein Kind von den Eltern oder anderen Befugten gebracht und abgeholt worden ist. Im Spiel-Hof sei der Überblick bei derart vielen Kindern und Abholern nicht gewährleistet. Das ist ein Problem für die Mitarbeiter, die wissen müssen, wo die Kinder sind, die sie betreuen.

    Einen Fingeradruck-Scanner hat man sicherheitshalber angeschafft und an der Wand eines Raumes angebracht. Kann ja der Diskussion nicht schaden, wenn man Tatsachen schafft.

    24. November 2008 21
  • : Akzeptanzgrundlage für DE-Mail
    Akzeptanzgrundlage für DE-Mail

    Kristian Köhntopp hat sich die Online-Konsultation rund um die DE-Mail und die derzeitigen Kommentare dort mal angeschaut. Er kommt zu dem Fazit:

    Wie man beim Durchlesen der Kommentare schnell bemerkt, sind die Eckpunkte um überhaupt eine Akzeptanz für das Projekt schaffen zu können:

    * Vollständige Transparenz der verwendeten Software und Prozesse, das schließt insbesondere die Verwendung von Open Source Software mit ein, die wiederholt gefordert wird.
    * Vollständige Kontrolle des Endanwenders über die Generierung und Speicherung der verwendeten privaten Schlüssel, um Key Escrow und Backdoors auszuschließen.
    * Verwendung von Anbietern und Behörden die nicht wie das Innenministerium und das BSI in einem Interessenkonflikt stehen und nicht wie die Telekom durch Abhörskandale und Kundendatenverlust in ihrer Vertrauenswürdigkeit kompromittiert sind.

    24. November 2008 9
  • : Netzpolitik-Interview: Alvar Freude über Netzsperrungen
    Netzpolitik-Interview: Alvar Freude über Netzsperrungen

    Alvar Freude engagiert sich seit einigen Jahren gegen Netzzensur in Deutschland. Anlässlich der Forderung von Familienministerin von der Leyen nach Netzsperrungen gegen Kinderpornographie hat er heute einen offenen Brief an sie geschrieben: Über den falschen Weg im Kampf gegen Kinderpornographie. Ich hab ihn zu dem Thema etwas ausführlicher interviewt.

    netzpolitik.org: Familienministerin von der Leyen hat heute angekündigt, die „Datenautobahn der Kinderpornografie“ zu schließen. Sind diese Pläne neu?

    Alvar Freude: Nein, schon vor einigen Jahren gab es diese Pläne, die allerdings kläglich gescheitert sind. 2002 wollte Düsseldorfs Regierungspräsident Jürgen Büssow in einem Feldversuch vier angeblich rechtsextreme Webseiten sperren. Eine existierte nicht mehr und eine andere (rotten.com) ist zwar äußerst geschmacklos, aber hat mit Rechtsextremismus nichts zu tun. Daher wurde die Sperrverfügung auf zwei plakative rechtsextremistische Webseiten reduziert, die aber auch keine besondere Bedeutung in der Szene hatten, wie selbst der Verfassungsschutz schrieb. Durch Büssows Aktionen wurden sie erst richtig bekannt.

    20. November 2008 8
  • : Charta des digitalen Datenschutzes und der Informationsfreiheit
    Charta des digitalen Datenschutzes und der Informationsfreiheit

    Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Peter Schaar schlägt aus Anlass des Dritten Nationalen IT-Gipfels eine „Charta des digitalen Datenschutzes und der Informationsfreiheit“ vor. Hier gibts eine Pressemitteilung dazu: Diskussion erwünscht: Schaar schlägt „Charta des digitalen Datenschutzes und der Informationsfreiheit“ vor.

    Über eine breite Teilnahme an dieser Debatte würde ich mich daher freuen. Bitte senden Sie Ihre Beiträge und Anregungen dazu an die hierfür extra eingerichtete eMail-Adresse: charta@bfdi.bund.de

    (Kein Scherz)

    Und das ist der Text, den ich gut finde:

    Vorschlag für eine Charta des digitalen Datenschutzes und der Informationsfreiheit. (PDF):

    In einer durch Interaktivität geprägten Welt sind die Einzelnen nicht mehr bloß Nutzer, sondern Netzbürger mit unveräußerlichen Rechten. Als solche sind sie aber auch verantwortlich für Inhalte, die sie über sich und andere veröffentlichen. Die Gestaltung und Verwendung elektronischer Dienste sollte sich an folgenden Grundsätzen orientieren:

    1. Jeder hat das Recht, sich unbeobachtet und frei von Überwachung im Internet zu bewegen. Dienste müssen nach Möglichkeit auch anonym oder unter Pseudonym in Anspruch genommen werden können.

    2. Die Privatsphäre muss auch in der digitalen Welt beachtet werden. Sowohl staatliche Stellen als auch Unternehmen sind aufgerufen, ihr Handeln an dieser Maxime auszurichten. Datenvermeidung und Datensparsamkeit kommt dabei zentrale Bedeutung zu.

    20. November 2008 6
  • : Gegen Kinderpornographie im Netz – aber richtig
    Gegen Kinderpornographie im Netz – aber richtig

    Ursula von der LeyenBundesfamilienministerin Ursula von der Leyen fordert nun – grade rechtzeitig zum Start des IT-Gipfels – dazu auf, dass Internetprovider über das Telemediengesetz in die Pflicht genommen werden sollen, Filtersysteme für das Internet vorzuhalten.

    Ihr Ziel ist es „gegen die Flut der Bilder einen Damm zu bauen“: ISPs sollen verpflichtet werden den Zugriff auf durch das BKA bestimmte Websites zu unterbinden.

    Ich schätze die Arbeit der Kinderpornographie-Abteilung des BKAs sehr. Erst vor kurzem hatte ich die Gelegenheit mich mit einer leitenden Beamtin dieser Abteilung zu unterhalten. Diese forderte im Gespräch zunächst den Zugriff auf die Daten der Vorratsdatenspeicherung – „Access-Blocking“, wie es Frau von der Leyen nun fordert, hatte sie allerdings auch schon auf dem Zettel.

    Meine ehrliche Einschätzung dazu ist: Beide Maßnahmen können maximal kurzzeitig (für vielleicht ein Jahr) die Aufklärungsquote leicht erhöhen bzw. eine Verbreitung des Materials unterbinden. Danach würden sie die Ermittlungen eher behindern, als bereichern. Es gibt tausend und eine Möglichkeit die Vorratsdatenspeicherung zu Umgehen – ferner können Kriminelle auch mit Trojanern oder Fake-IP-Adressen arbeiten, um unbescholtene Mitbürger in den Verdacht zu ziehen.

    Das nun geforderte Access-Blocking ist ebenfalls nicht zielführend: Dieses lässt sich mit Anonymisierungsdiensten oder Proxies im Ausland ebenso umgehen, wie die Vorratsdatenspeicherung. Es würde letztlich nur Kosten mit sich ziehen und nebenbei unter der Absicht der Verbrechensbekämpfung eine Infrastruktur schaffen, die sich sehr leicht missbrauchen lässt, um Zensurmaßnahmen umzusetzen. Denn defakto ist es nichts anderes: Der Staat verlangt an dieser Stelle ein System, dass Inhalte nach ihrer Quelle filtern soll. Sollte dies einmal etabliert sein, wäre es sicher nur ein Frage der Zeit, bis andere Inhalte in Frage kommen. Die Kontrollierbarkeit dieses Apparats würde mit zunehmenden Umfang massiv sinken.

    Zielführend wäre es hingegen mehr auf das so genannte „Notice & Takedown“-Verfahren zu setzen: Bei diesem werden lediglich die Internetprovider, welche die Server, von denen Kinderpornographie aus abrufbar ist, informiert. Diese sind dann angehalten den Server direkt an der Quelle vom Netz zu nehmen bzw. die relevanten Inhalte zu sperren.

    Denn auch Ursula von der Leyen sagt in ihrem heutigen Interview im Hamburger Abendblatt: „Das Allerwichtigste ist, dass das BKA wie bisher Täter ermittelt und gezielt Quellen schließt.“ Genau, die Quellen – nicht die unbeteiligten Dienstleister: Wenn ein Versandhaus illegale Waren verschickt, kann man der Post schließlich auch nicht sagen, dass sie keine Pakete mehr von diesem Händler zustellen soll.

    Oft wird an dieser Stelle entgegnet, dass es für das „Notice & Takedown“-Vorgehen nicht die notwendigen internationalen Abkommen existieren – dann wäre doch eine Baustelle, auf die man sich als ambitionierter Politiker begeben können. Ich bin mir sicher, dass die allermeisten ISPs keinen Bock drauf haben Pädophile als „Kunden“ zu führen und für jeden Hinweis dieser Art dankbar sind, die Kisten auch zügig vom Netz nehmen und sogar bei der Ermittlung der Identität behilflich sein würden. Wahrscheinlich wäre es sogar schlauer, erst einmal auf diese freiwillige Art der Kooperation mit Providern zu setzen, als eine internationale Definition von „illegalen Inhalten“ abzuwarten. Probiert-es-doch-einfach-mal-aus.

    Der Austausch von Kinderpornos ist schließlich nur das Symptom einen viel tieferliegenden Problems, dass sich nur gesellschaftlich und nicht technisch lösen lässt.

    Nachtrag: Ein weiterer zielführender Vorschlag meinerseits, der im Sinne unserer Bundesministerin auch tatsächlich etwas bewirken kann, ist es besorgte Eltern darauf Aufmerksam zu machen, dass sie an ihren eigenem PC Filter installieren können: Anstatt unwirksame Filtersystem auf Kosten der ProviderKunden oder des Staates zu entwickeln, sollten vielleicht einfach ein paar passende Plugins für die gängigsten Betriebssysteme programmiert werden, mit denen Eltern ihren Kindern den Zugriff die in der BKA-Liste erfassten Websites sperren können.

    Ein http-Proxy unter bluemchenwiese.bmfsfj.de wär doch schonmal ein Anfang.

    Update: Eco, der Branchenverband der Provider kommentiert in seiner heutigen Pressemitteilung die Forderung von der Leyens sehr ähnlich:

    Leider zeigt die Praxis, dass so genannte Internet-‚Sperren’ lediglich Scheinerfolge erzielen. Sie verdrängen das Geschehen aus dem für alle sichtbaren Bereich, aber dadurch wird das Leid keines einzigen Kindes unterbunden, kein einziger Täter gefasst und kein einziges Bild aus dem Internet entfernt. Es ist nach Meinung aller technischen Experten nicht machbar, den Zugang zu diesen Machwerken unmöglich zu machen, wie es die Familienministerin fordert. Effizienter und wirksamer ist es, an der Quelle anzusetzen. Mit unserer Internet-Beschwerdestelle sammeln wir Hinweise, mit denen in internationaler Zusammenarbeit und in enger Kooperation zwischen Strafverfolgern und Wirtschaft erfolgreich Täter überführt und illegale Inhalte entfernt werden. Diese erfolgreiche Kooperation wollen wir fortsetzen.

    Update II: Alvar Freude vom Fitug hat dazu einen offenen Brief an Frau von der Leyen geschrieben (Danke Tim).

    20. November 2008 11
  • : EU-Kulturminister: Mehr DRM wagen
    EU-Kulturminister: Mehr DRM wagen

    Morgen wird der EU-Ministerrat in Brüssel unter Vorsitz der französischen Kulturministerin Christine Albanel zusammentreten. Die Futurezone berichtet kurz vor dem Treffen: EU-Kulturminister: Mit DRM gegen Piraten. Kurz zusammengefasst wollen sie mehr „Raubkopierer sind Verbrecher“ und mehr DRM für alle.

    Der morgen zu verabschiedende Ratsbeschluss der Kulturminister hat zwar keinen rechtlich verbindlichen Charakter, wirft aber ein Schlaglicht auf Denkweisen und Strategien der Medienindustrie und der französischen Ratspräsidentschaft. So sollten die Konsumenten durch „objektive Kampagnen“ darüber aufgeklärt werden, welche Konsequenzen die Online-Piraterie für die Kreativindustrien hätten.

    Als Beitrag zum Konsumentenschutz sehen die Kulturminister ihre Forderung, die Kopierschutzsysteme der Medienindustrie (DRM) europaweit interoperabel und transparenter zu machen. Weiterhin fordern sie, die Urheberrechte durch internationale Abkommen und Kooperationen mit Drittstaaten zu stärken – gemeint ist damit wohl unter anderem das umstrittene Anti Counterfeiting Trade Agreement (ACTA), das unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne demokratische Kontrolle derzeit zwischen der EU, den USA und anderen Industriestaaten ausgehandelt wird und auch zur Bekämpfung der Internet-Piraterie beitragen soll.

    Die dazu gehörigen informellen Treffen gab es schon vor einiger Zeit.

    19. November 2008 8
  • : Kommentar zum IT-Gipfel
    Kommentar zum IT-Gipfel

    Morgen gibt es in der gedruckten TAZ einen Kommentar von mir zum IT-Gipfel. Dieser ist jetzt bei taz.de schon online zu finden: Die Angst vor dem User.

    Die etwas längere Roh-Version des Textes gibt es hier:

    Zum dritten Mal findet am 20. November der „IT-Gipfel“ der Bundesregierung statt. Das Treffen zwischen Regierung, IT-Wirtschaft und ausgewählten Vertretern aus dem universitären Bereich findet dieses Jahr an der Technischen Universität Darmstadt statt. Worum geht es bei dieser Show-Veranstaltung, und worum sollte es eigentlich gehen?

    Die Bundesregierung überraschte mit dem IT-Gipfel. Statt offener Diskussion wichtiger gesellschaftlicher Fragestellungen rund um die Informationsgesellschaft wurde es eine geschlossene Veranstaltung. Auf dem ersten IT-Gipfel war selbst der Bundesdatenschutzbeauftragte nicht eingeladen. Viele relevante gesellschaftliche Gruppen, die teilweise seit Jahrzehnten in diesem Themenfeld aktiv sind, vom Chaos Computer Club über Gewerkschaften bis hin zu den Verbraucherschutzzentralen, mussten ebenfalls draußen bleiben. Das hat sich bis heute nicht viel geändert. (Bundesverband Verbraucherzentralen und Bundesdatenschutzbeauftragte wurden nach Protesten mittlerweile eingeladen)

    Der Gipfel symbolisiert, wie das Thema Internet in der Bundesregierung verwurzelt ist. Informationstechnologie wird als Standortpolitik nach dem Modell der alten Deutschland-AG verstanden. Regelmäßig werden IT-Großprojekte präsentiert, die selten auf ihre gesellschaftlichen Auswirkungen hin untersucht werden. Automatisierung von Verwaltungsprozessen steht auf der Agenda. Die Regierung sieht IT-Politik als Organisieren von Großprojekten in Zusammenarbeit mit der IT-Wirtschaft. Die tatsächliche Innovationen finden in der Gesellschaft und in den kleinen und mittelständischen Unternehmen statt.

    Dazu gibt es bei Politikern beliebte Themen, die zeigen, dass hier immer noch die Agenda der Angst regiert: vor Jugendlichen, die neugierig im Netz unterwegs sind; vor Terroristen und Pädophilen, die angeblich hier einen sicheren Rückzugsort haben (aber auch noch nie so gut verfolgbar waren); Angst vor neuen Unterhaltungsformen, die als „Killerspiele“ diskreditiert werden; generelle Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten, dem Netz.
    Immer mehr Menschen integrieren das Internet in ihr Leben. Eine gesellschaftliche Debatte rund um die digitale Gesellschaft wird von der Politik aber nicht geführt. Die Bundesregierung hätte die Chance, diese Debatte zu moderieren unter Einbeziehung vieler Beteiligter. Es ist an der Zeit, nicht nur die in Deutschland beliebten Risiken zu diskutieren, wir brauchen eine Debatte über die Chancen der digitalen Gesellschaft. Herausforderungen gibt es viele, aber es gibt auch viele positive Ideen, zu einer menschenwürdigen, gerechten und nachhaltigen Informationsgesellschaft zu kommen.

    19. November 2008 28
  • : Telekom-Paket: Schreibt unserem Wirtschaftsminister
    Telekom-Paket: Schreibt unserem Wirtschaftsminister

    Beim Telekom-Paket steht das Treffen des EU-Rates bevor. Frankreich hält die EU-Ratspräsidentschaft und wirbt dafür, dass der Artikel 138 gestrichen wird. Dieser wurde in der ersten Lesung des EU-Parlaments mit großer Mehrheit beschlossen und installiert einen Richtervorbehalt in der Telekommunikationsgesetzgebung. Damit werden rechtstaatliche Hürden für Internetsperurngen eingebaut. Auch die EU-Kommission unterstützt diese Änderung. Die französische Regierung findet dies gar nicht schön, weil sie ihr System der Internetsperrungen bei Urheberrechtsverletzungen („Graduate Response“) ohne rechtstaatliche Kontrolle errichtet hat. Und nun soll der EU-Rat die Rücknahme von Artikel 138 beschließen.

    La Quadrature du Net hat nun eine kleine Kampagne gestartet, damit EU-Bürger ihrer Regierung schreiben. Ziel ist es einerseits, die eigene Stimme zu erheben und der eigenen Regierung mitzuteilen, dass man sich Rechtstaatlichkeit in der EU-Telekommunikationsgesetzgebung wünscht. Ein wieteres Ziel ist es herauszufinden, ob die eigene Regierung Frankreich im EU-Rat unterstützt. In Deutschland dürfte der passende Minister Michael Glos sein, der für Wirtschat und damit auch Telekommunikation zuständig ist. Also schreibt dem Wirtschaftsminister, werbt für die Beibehaltung des Artikel 138 und fragt nach, wie Deutschland beim Treffen des EU-Rates Ende des Monats in dieser Frage abstimmen wird“

    Aus der Pressemeldung von La Quadrature du Net: EU citizens’ graduated response to Sarkozy through the Council.

    La Quadrature du Net calls European citizens to contact their ministers and national parliaments to inform them and to require from them a transparent position about fundamental democratic principles recalled by amendment 138. “In the course of ‘Telecoms Package’, European citizens have already achieved some tremendous results: debunking this law project, alerting MEPs so they could understand what was at stake, pointing out where the threats were hidden and what could be the safeguards, etc. People from many European countries have already joined this effort. They showed the face of the actual democratic Europe. And they do it despite the maneuvers from those who are unmountable at EU level: governments and lobbies from entertainment industries. Now, European citizens have to make themselves heard louder!”, concluded Zimmermann.

    Hier ist nochmal die englischsprachige Kurzanleitung:

    1. Identify the minister in charge of the Telecoms in your Member State. (Also identify whether it acts upon a mandate by the national parliament or not, see below.). The concerned configuration of the Council is probably „Transport, Telecommunications and Energy Council (TTE)“.
    2. Write a short open letter to him asking to vote against the deletion of amendment 138 (Framework Directive, Article 8.4.ga), and asking for an official position. Also ask about keeping amendment 166 (Universal Service Directive, Article 32a), and removing amendments 61 (Framework Directive, Article 8.4.g) and 112 (Universal Service Directive, Article 33.2a) that both lay down the tracks for graduated response.
    3. Phone to the ministry 3 days after having sent the letter to know how it is being received and processed, and when answer shall be given.
    4. Fill-in the wiki to add your actions to the list of actions taken.
    5. Do the same with the chiefs of the major political groups in your national parliament. They can easily have direct contact with the concerned minister.

    17. November 2008 4
  • : Hans-Peter Uhl (CSU) zum BKA-Gesetz
    Hans-Peter Uhl (CSU) zum BKA-Gesetz

    Die TAZ hat den CSU-Abgeordneten Hans-Peter Uhl zur Entscheidung der SPD-Sachen bezüglich der Ablehnung des BKA-Gesetzes interviewt. Der Artikel ist noch nicht online, dafür wurden schon mal die besten Zitate aus dem Gespräch im CTRL-Blog veröffentlicht:

    “Mit diesem linken Gerülpse aus Sachsen lässt sich doch nichts anfangen.”

    “Da ist ein Klischee auf das andere gestapelt worden: Wir sind gut und wir sind frei. Damit lässt sich doch nichts anfangen. Mit den Verfassern solcher Pamphlete kann man nicht reden.”

    “Mit der bundes-SPD haben wir seit Jahren über jedes Komma verhandelt. Und dann kommt da dieses Papier auf Stammtischniveau aus Sachsen. Das lohnt nicht einmal das Lesen.”

    “Platter geht es nicht.”

    “Die Bundes-SPD hat sich nichts zuschulden kommen lassen. Unsere Gesprächspartner waren ja nicht irgendwelche Wichtigtuer aus Sachsen, sondern Profis.”

    17. November 2008 14
  • : Das BKA-Gesetz – Selbstmord aus Angst vor dem Tod
    Das BKA-Gesetz – Selbstmord aus Angst vor dem Tod

    Die Radiosendung „Der Tag“ auf Hessen2 brachte am Freitag das Thema „Das BKA-Gesetz – Selbstmord aus Angst vor dem Tod“.

    Beschreibung: Wir leben in lebensgefährlichen Zeiten. Deshalb muss man das demokratische Prinzip „im Zweifel für die Freiheit“ schon mal außer Kraft setzen, meint die Bundesregierung. Was sich die Berliner Großkoalitionäre mit dem neuen BKA Gesetz ausgedacht haben, schränkt Bürgerrechte in einem Maße ein , das bisher nicht vorstellbar schien: Unsere Privatsphäre ist künftig offen für die Lauscher und Späher vom BKA. Diese Polizeibehörde bekommt ohne parlamentarische Kontrollen geheimdienstliche Befugnisse. Ein Dauerkonflikt mit mit dem Generalbundesanwalt ist eingebaut: denn der oberste deutsche Strafverfolger ist künftig erst dann zuständig, wenn die Gefahr gebannt ist.

    Hier ist die 53 Minuten lange MP3.

    17. November 2008 8
  • : EFF-Wunschliste an Obama-Adminstration
    EFF-Wunschliste an Obama-Adminstration

    In der Übergangsphase zur kommenden US-Präsidentschaft von Barack Obama ist Zeit für viele Wunschlisten. In drei Teilen hat die Electronic Frontier Foundation (EFF) verschiedene netzpolitische Forderungen aufgestellt:

    „A Transparency Agenda for the New Administration“ enthält Forderungen nach mehr Informationsfreiheit und die Nutzung von Technologie zur Offenlegung von öffentlichen Daten.

    „A Privacy Agenda For The New Administration“ beinhaltet verschiedene Forderungen nach dem Abbau der Sicherheitsgesetzen und mehr Schutz der Privatsphären.

    „An Innovation Agenda for the New Administration“ dreht sich um das Geistige Eigentum. Hier wird eine Reparatur der US-Copyright-Gesetzgebung gefordert, sowie eine Reform der Patent-Gesetzgebung.

    Mal schauen, was die Obama-Adminstration davon umsetzt.

    17. November 2008 1
  • : Wikipedia: 518.166 x Lutz Heilmann
    Wikipedia: 518.166 x Lutz Heilmann

    Die Öffentlichkeitskampgne von Lutz Heilmann war ein voller Erfolg. Knapp ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl dürfte er jetzt einer der prominentesten Bundestagsabgeordneten von der Linkspartei sein. Keine schlechte PR-Strategie für einen Hinterbänkler.

    Ich war gestern leicht verwundert, dass mehr als 1700 Menschen über Google auf der Suche nach Lutz Heilmann auf diesem Artikel landeten. Das erklärte auch die teilweise komischen Kommentare. Viel interessanter ist aber die Statistik, wie oft seine Wikipedia-Seite angeklickt wurde. 518.166 Besucher interessierten sich am Samstag und Sonntag für seine Biographie. Wenn das mal nicht ein Erfolg ist!

    Seit eben funktioniert auch Wikipedia.de wieder und der Wikimedia e.V. hat erfreulich viele Spenden bekommen, die jetzt sinnvoller genutzt werden können als für einen Rechtsstreit.

    Update: Hier ist die Anordnung des Landgericht Lübeck, was die von Heilmann beanstandeten Passagen enthält.

    17. November 2008 8
  • : Datenprostitution mit Google
    Datenprostitution mit Google

    Das Wort „Datenprostitution“ kannte ich noch gar nicht. Hendrik Speck, Professor für Informatik an der FH Kaiserslautern, verwendet es in Zusammenhang mit Google in einem Interview mit SWR.de über „Spioniert uns Google aus?

    Marie-Christine Werner: Herr Prof. Speck, was macht Google so problematisch?

    Hendrik Speck: Problematisch ist der Erfolg dieser Suchmaschine. Google bietet sehr hochwertige und qualifizierte Dienste an, die von Millionen von Nutzern verwendet werden. Der Großteil dieser vermeintlich kostenlosen Dienste basieren im Grunde auf einer Art Datenprostitution. Das heißt: Im Austausch für die gesuchten Informationen geben die Google-Nutzer einen Großteil Ihrer Privatsphäre auf. Bedenklich finde ich auch, dass sich durch diese Popularität die Daten der Nutzer bei einem privaten ausländischen Datenbetreiber anhäufen, über die sie nach deutschen Gesetzen keine Kontrolle mehr haben.

    Gibts hier auch zum anhören.

    17. November 2008
  • : SPD-Sachsen gegen BKA-Gesetz
    SPD-Sachsen gegen BKA-Gesetz

    Die SPD-Sachsen hat auf ihrem Parteitag laut Leipziger Volkszeitung beschlossen, dem BKA-Gesetz im Bundesrat nicht zuzustimmen. Die SPD führt zusammen mit der CDU eine Große Koalition in Sachsen. Wenn Sachsen nicht für das BKA-Gesetz stimmt, dürfte die Mehrheit von 35 Sitzen im Bundesrat für eine Verabschiedung nicht zustande kommen. Bin mal gespannt, ob die SPD-Vertreter in der Landesregierung den Parteibeschluss auch umsetzen.

    [Danke an Markus]

    16. November 2008 12
  • : Lutz Heilmann gegen die Wikipedia
    Lutz Heilmann gegen die Wikipedia

    Der Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann (Die Linke) hat eine Einstweilige Verfügung gegen den Wikimedia e.V. erwirkt, wonach der Betrieb des Portals wikipedia.de eingestellt werden muss. Die Wikipedia ist davon aber nicht betroffen, weil de.wikipedia.org der Wikimedia Foundation rechtlich unterstellt ist.

    Konkret geht es darum: Bundestagsabgeordneter lässt wikipedia.de sperren.

    In dem Streit geht es offenbar um in der Wikipedia zitierte Berichte, wonach die Immunität des Abgeordneten im Oktober aufgehoben worden sei, weil er einen Bekannten per SMS bedroht haben soll. Heilmann bestreitet sowohl Drohung als auch eine Aufhebung der Immunität. Auch die angebliche Stasi-Vergangenheit des Abgeordneten ist ein Streitpunkt: Heilmann arbeitete laut seiner offiziellen Bundestags-Biographie während seines verlängerten Wehrdienstes als Personenschützer für das Ministerium für Staatssicherheit.

    Heise zitiert den ehemaligen Stasi-Mitarbeiter Lutz Heilmann:

    „In dem Artikel standen falsche Tatsachenbehauptungen, die geeignet sind, meinen Ruf zu schädigen.“

    Deswegen hat er auch noch Anzeige gegen drei Wikipedia-Autoren gestellt.

    Die Linke mag offensichtlich die Wikipedia. Erst vor 11 Monaten hatte die stellvertretende Vorsitzende,
    Katina Schubert Wikimedia verklagt, weil sie gegen die Verwendung einer Grafik eines Hitler-Jugend-Symbols in der Wikipedia angehen wollte.

    Der Wikimedia e.V. hat in seinem Blog ein Posting zu der Sache geschrieben: Einstweilige Verfügung gegen den Verein.

    Wie geht es jetzt weiter? Unsere Anwälte bei JBB werden am Montag beim Landgericht der Verfügung widersprechen. Bis die Verfügung dann aber aufgehoben ist, kann noch eine Weile ins Land gehen. Den Verein trifft diese Situation mit äußerst schlechtem Timing. Wie die meisten wissen, sind wir gerade mitten im Umzug von Frankfurt nach Berlin.

    Update: Tagesschau.de berichtet: Politiker will nicht mehr auf Wikipedia-Sperrung bestehen.

    Der Linken-Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann erklärt seine juristische Auseinandersetzung mit dem Verein Wikimedia Deutschland für beendet. Die „falschen, ehrabschneidenden und deshalb mein Persönlichkeitsrecht verletzenden Inhalte“ seien weitgehend aus dem Wikipedia-Artikel über seine Person entfernt worden, heißt in einer Mitteilung Heilmanns auf seiner Homepage.

    Das hätte er auch einfacher haben können und ohne den massiven Imageverlust im Netz. Beim Wikimedia e.V. scheint aber noch kein Fax eingetroffen zu sein.

    15. November 2008 39