Netzpolitik

Netzpolitik hauptsächlich in Deutschland, aber auch international. Kernthema dieses Blogs.

  • : Kein Unterauschuss Neue Medien im Bundestag?
    Kein Unterauschuss Neue Medien im Bundestag?

    Das European-Magazin verkündet in einer Pressemitteilung, dass der Unterausschuss Neue Medien im Bundestag in dieser Legislaturperiode nicht mehr eingesetzt wird. Dies habe das Magazin aus Bundestagskreisen erfahren. (Finde die Meldung nicht online, kam per Mail) Der Unterausschuss Neue Medien war bisher dem Kultur & Medien untergeordnet. In dem Unterausschuss wurde Netzpolitik debattiert. Schon zu Beginn der letzten Legislaturperiode stand der Unterauschuss Neue Medien auf der Kippe und sollte abgeschafft werden.

    Der Unterauschuss Neue Medien war zwar eher zahnlos gegenüber z.B. dem Rechtsausschuss, aber trotzdem war und ist es sinnvoll, im Bundestag ein Forum zu haben, was sich explizit mit der digitalen Gesellschaft auseinandersetzt und die Themen nicht nur nebenbei debattiert.

    Das erste Bundestagsbüro, was uns das bestätigt, bekommt die Möglichkeit zur Kommentierung dieser Nachricht.

    Update: Das Büro von Tabea Rößner, der medienpolitische Sprecherin der Grünen Fraktion, hat die Meldung in den Kommentaren dementiert. Von Seiten der CDU wird die Absetzung wohl forciert, aber es ist wohl noch nicht entschieden. Ich hab heute Nachmittag mal alle Pressestellen der Fraktionen angeschrieben und um eine kurze Stellungnahme gebeten. Darauf hat aber noch niemand geantwortet.

    Update: Frank Bergmann von der CDU/CSU-Fraktion hat die Meldung in den Kommentaren dementiert:

    Diese Meldung ist nicht richtig. Es wird auch in dieser Wahlperiode wieder einen Unterausschuss Neue Medien geben. Die Arbeitsgruppen Kultur und Medien von CDU/CSU und FDP haben sich in einer gemeinsamen Sitzung darauf verständigt, erneut einen Unterausschuss Neue Medien einzusetzen.

    3. Dezember 2009 17
  • : Der Staat erobert das Internet zurück
    Der Staat erobert das Internet zurück

    Bei FAZ.net findet sich der Artikel „Der Staat erobert das Internet zurück“.

    Das Internet ist die bedeutendste Erfindung des zwanzigsten Jahrhunderts: eine friedliche Revolution im Geiste der Dezentralisierung, die größte Stimulation, die der Weltgeist je erfahren hat. Die weltweite Vernetzung des Denkens könnte den ersten Schritt auf dem Weg in eine postnationale Weltordnung markieren. Und doch konnte man hierzulande – nach den Invektiven staatlicher Stellen und mächtiger Lobby-Verbände – letzthin den Eindruck gewinnen, es handele sich um einen Tummelplatz von Räubern, Terroristen und Triebtätern. Nicht nur die Netzgemeinde argwöhnt, dass es bei der rhetorischen Degradierung des Internets zum digitalen Bahnhofsviertel darum ging, den staatlichen Zugriff auf das System zu erleichtern.

    27. November 2009 15
  • : Digitaler Ureinwohner
    Digitaler Ureinwohner

    Die Berliner Zeitung hat heute ein kleines Portrait über mich gedruckt: Digitaler Ureinwohner.

    20. November 2009 9
  • : Reboot_D: Digitale Demokratie – Alles auf Anfang
    Reboot_D: Digitale Demokratie – Alles auf Anfang

    Hendrik Heuermann und Ulrike Reinhard haben als Herausgeber das Buch „Reboot_D: Digitale Demokratie – Alles auf Anfang“ gemacht. Ab dem 25.11.2009 kann es auch in gedruckter Form erworben werden. Das Buch steht schon zum download und zum einbinden auf scribd.com und kann zu den Bedingungen der CC-BY-NC-SA-Lizenz kopiert und weiterverteilt werden.

    Hier ist das PDF zum Download

    Über das Buch:

    Sie stehen sich gegenüber. Die Politiker und die Generation Internet.

    Zwischen ihnen ein Fluss aus Vorurteilen, Missverständnissen und unbekannten Tools und Techniken. Dabei könnten sie so viel voneinander lernen: Was die jungen Menschen bewegt, warum sie nicht politikverdrossen sind, wie sich Politik im Internet verändert, wie bekannte Politiker denken und wie sie das Web nutzen. Beide Gruppen könnten voneinander lernen, dass das andere Ufer gar nicht so anders ist. Das vorliegende Buch will zwischen der Internetgeneration und der Politik eine Brücke bauen. Viele Beiträge sind im Austausch zwischen den beiden Gruppen entstanden. Neben vielen politikbegeisterten Digital Natives haben namhafte (Netz-)Politiker wie Oswald Metzger, Thorsten Schäfer-Gümbel und Markus Beckedahl zum Gelingen des Buches beigetragen. Prof. Kruse nimmt mit gewohnt kritischer Stimme die Politik ins Visier und ein Blick ins Ausland zeigt wie in China (Isaac Mao) und USA (Tim O’Reilly,) mit diesem Thema umgegangen wird.
    Dieses Buch lädt die Politik in Deutschland zum gemeinsamen „Reboot“ ein …

    ISBN: 978–3‑934013–01‑8, whois verlags- & vertriebsgesellschaft, zu bestellen bei: info@whoiswho.de

    Für das Buch hat mich Frank Roebers über Netzpolitik, Zensursula und neue Öffentlichkeiten im Netz interviewt.

    Und hier ist das Buch zum einbinden und im Blog lesen:

    9. November 2009 4
  • : Einigung beim Telekom-Paket
    Einigung beim Telekom-Paket

    In der vergangenen Nacht haben sich Vertreter von Ministerrat und Europäischem Parlament auf einen Kompromisstext für den umstrittenen Zusatz 138 geeignet, der den Richtervorbehalt bei Netzsperren regelt. Bis zuletzt ging es um die Frage, ob durch die endgültige Formulierung eine Three-Strikes-Regelung erlaubt würde oder nicht. Dieser Zusatz wird nun als Punkt 3a in Artikel 1 eingefügt:

    3a. Measures taken by Member States regarding end-users’ access to or use of services and applications through electronic communications networks shall respect the fundamental rights and freedoms of natural persons, as guaranteed by the European Convention for the Protection of Human Rights and Fundamental Freedoms and general principles of Community law.

    Any of these measures regarding end-users’ access to or use of service and applications through electronic communications networks liable to restrict those fundamental rights or freedoms may only be imposed if they are appropriate, proportionate and necessary within a democratic society, and their implementation shall be subject to adequate procedural safeguards in conformity with the European Convention for the Protection of Human Rights and Fundamental Freedoms and with general principles of Community law, including effective judicial protection and due process. Accordingly, these measures may only be taken with due respect for the principle of presumption of innocence and the right to privacy. A prior fair and impartial procedure shall be guaranteed, including the right to be heard of the person or persons concerned subject to the need for appropriate conditions and procedural arrangements in duly substantiated cases of urgency in conformity with European Convention for the Protection of Human Rights and Fundamental Freedoms. The right to an effective and timely judicial review shall be guaranteed.

    5. November 2009 10
  • : Das Ende der Verhandlungen um das Telekom-Paket steht an
    Das Ende der Verhandlungen um das Telekom-Paket steht an

    Bereits am Mittwoch könnten die Verhandlungen über das Telekom-Paket einen Abschluss finden. Dann findet das nächste Treffen der Unterhändler des Parlaments und ein weiterer interinstitutioneller „Trialog“ statt. Dort könnten sich die Unterhändler des Parlaments bereits auf eine Kompromissformulierung festlegen, die dann nur noch vom Ministerrat abgesegnet werden müsste.

    La Quadrature du Net hat deshalb eine Kampagnenseite gestartet und ruft Bürger dazu auf, die Abgeordneten zu kontaktieren und sich für eine bürgerrechtsfreundliche Regelung einzusetzen.

    Es geht dabei weiterhin um den Zusatzparagraphen 138, der die Einführung von „Three Strikes“-Regelungen zumindestens erschweren soll. Das Europäische Parlament hatte die ursprüngliche Version von „Amendment 138“ bereits zweimal abgesegnet. Der neue Kompromissvorschlag des Europarats weicht die Regulierung allerdings deutlich auf. Er läuft darauf hinaus, dass jeder Mitgliedsstaat eigenständig Internetsperren einführen darf, solange sie nicht gegen die Europäische Menschenrechtskonvention und seine eigene Verfassung verstoßen. Zudem erlaubt er anders als die Version des Parlamentes auch Privatunternehmen, Internetzugang zu beschränken. Philippe Aigrain von La Quadrature sagt:

    „The Council’s position demonstrates that its aim is to obtain a wording compatible with ‚three unproved alleged infringements and you are out of the Internet’ mass sanction policies. Some countries want to install them by laws, others through privately operated mechanisms. The duty of the Parliament delegation is to make sure that only a wording that makes clear that the access to the Internet, a condition of freedom of expression in today’s world, cannot be restricted in such a manner.“

    Weil der Zusatzparagraph 138 der letzte verbliebene Streitpunkt im Großprojekt Telekom-Paket ist, lastet ein gewisser Druck auf den Unterhändlern. futurezone spekuliert, der Ministerrat könne damit drohen, das Paket scheitern zu lassen, sollte die Einführung von Internetsperren nicht den einzelnen Mitgliedsstaaten überlassen bleiben.

    3. November 2009
  • : Open Internet – Plädoyer für Netzneutralität
    Open Internet – Plädoyer für Netzneutralität

    Das Video „Open Internet“ ist ein schönes Plädoyer für Netzneutralität und ein offenes Internet.

    This is a video we made about free and open web access as a right for all people, with all interests, of all backgrounds – it’s for all of us. Enjoy – Jesse Dylan, FreeForm

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    25. Oktober 2009 8
  • : Koalitionsvereinbarungen zu Internet und Bürgerrechten
    Koalitionsvereinbarungen zu Internet und Bürgerrechten

    Die Linkspartei hat irgendwie den Originaltext der Koalitionsvereinbarungen zum Thema Internet bekommen:

    Wer den Text der Koalitionsvereinbarungen (aus Kapitel I) zu Informationsgesellschaft und Medien nachlesen will, kann das hier tun. Stand ist: 20.10.2009, 13.00 Uhr. Einzig strittiger Punkt war zu diesem Zeitpunkt offenbar noch: Überprüfung des Medienkonzentrations- und Pressekartellrechts/keine weiteren Werbebeschränkungen (Z. 2558–2561).

    Auch Malte Spitz von den Grünen liegen die relevanten Teile offenbar vor, dazu auch noch die Teile zur Innenpolitik und Rechtspolitik. Er hat das mal im Detail auseinander genommen. Sein Fazit:

    In Hinblick auf die digitale Zukunft Deutschlands und die Stärkung der Bürgerrechte und des Datenschutzes ist von einer schwarz-gelben Bundesregierung nichts zu erwarten. Es mangelt dieser Koalition an einem Verständnis der Herausforderungen, die vor uns stehen. Man verliert sich in ewig langen Füllsätzen, ohne einmal konkret aufzuzeigen wo es eigentlich hingehen soll und warum. Es fehlt das gemeinsame Verständnis für die digitale Entwicklung und die Möglichkeiten die daraus entstehen. Das Internet wird – nach CDU-Manier – primär als Gefahrenquelle betrachtet, welche es zu beobachten und zu regulieren gilt. Von Überwachung möchte aber niemand sprechen. Das beste Beispiel dafür, wie ziellos diese neue Bundesregierung bei diesen Themen ist, ist die Häufigkeit der gewünschten Evaluierung. Es drängt einem schon fast auf, das es bald ein Evaluierungsministerium gibt. Alles wird erstmal evaluiert und dann schaut man mal weiter, von Internetsperren, über Datenschutz, über die Rechtspolitik bis zur Netzneutralität. Evaluierung ist notwendig – aber sie kann ein politisches Konzept und ein politisches Ziel nicht ersetzen. Davon ist bei Schwarz-Gelb aber nichts zu erkennen, schon gar nichts Liberales. Die Chance eines Aufbruchs nach den verlorenen vier Jahren Große Koalition wird nicht wahrgenommen. Es ist so überhaupt kein Aufbruch bei der Netzpolitik zu spüren, das es einem schon fast vorkommt, das man noch am Anfang des Jahrzehnts steht.

    Zu den neuen Ministerposten möchte man sich ja fast die Zunge abbeissen. Die einzige Hoffung aus Sicht der Bürgerrechte bleibt Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger, deren gleichzeitig starke Stellung bei der Reform des Urheberrechts uns aber nicht wirklich freuen kann. Sie hat sich übrigens auch unter Kohl damals nicht gegen den Innenminister durchsetzen können und dann per Rücktritt beim großen Lauschangriff ihre individuelle Glaubwürdigkeit gesichert, ohne dass das auf die gesamt-FDP einen relevanten Einfluss gehabt hätte.

    Der neue Innenminister Thomas de Maiziere ließ im Interview mit der Rheinischen Post bereits vor zwei Wochen durchscheinen, was er sich unter Internetregulierung vorstellt:

    Der Vorstoß der Bundesregierung gegen Kinderpornografie im Internet hat viele Kritiker der Online-Szene auf den Plan gerufen. Die fürchten Zensur des Staates.

    Ein unberechtigter Vorwurf. Hier steht doch vielmehr die grundsätzliche Frage: Kann das Internet völlig frei sein? Müssen wir nicht die Menschen vor Denunziation, Entwürdigung oder unseriösen Geschäften schützen wie im Zivilrecht? Ähnlich wie auf den Finanzmärkten brauchen wir mittelfristig Verkehrsregeln im Internet. Sonst werden wir dort Scheußlichkeiten erleben, die jede Vorstellungskraft sprengen. Vieles geht da übrigens nicht nur national.

    Wir brauchen also demnächst Internetsperren gegen Beleidigungen, sonst ist die Weltwirtschaft in der nächsten Krise? Da schießt sich schon jemand auf die FDP ein, so scheint mir.

    Ach ja, Wolfgang Schäuble ist jetzt als Finanzminister übrigens unter anderem für die Steuer-ID und die Kontenüberwachung zuständig.

    Es bleibt also weiterhin viel zu tun für die inner- und außerparlamentarische Opposition.

    23. Oktober 2009 29
  • : McCain bringt Gesetz gegen Netzneutralitäts-Regelung ein
    McCain bringt Gesetz gegen Netzneutralitäts-Regelung ein

    Der ehemalige Präsidentschaftskandidat John McCain hat einen Gesetzesvorschlag eingebracht, der die FCC (Federal Communications Commission) daran hindern soll, verbindliche Netzneutralitäts-Regeln für Provider aufzustellen. Die FCC hatte am Donnerstag in einer Abstimmung offiziell entschieden, mit der Erstellung solcher Regeln zu beginnen.

    McCains „Internet Freedom Act“ soll die „Übernahme“ des Internets durch die Regierung, wie der Senator es formuliert, verhindern. Es soll „das Internet frei von behördlicher Kontrolle und Regulierung“ halten. Dahinter stehen von Seiten McCains wirtschaftspolitische Gründe. Allerdings hatte zuletzt auch die Electronic Frontier Foundation (EFF) vor dem Vorhaben der FCC gewarnt.

    23. Oktober 2009 4
  • : OpenData Network gegründet
    OpenData Network gegründet

    Gestern wurde in Berlin das OpenData Network in die Rechtsform eines Vereins gegossen. Aus der Selbstbeschreibung:

    Das OpenData Network ist ein offenes zivilgesellschaftliches Netzwerk, welches die Themen Opendata, Openaccess, Opengovernment, Transparenz und Partizipation auf die politische Agenda setzen möchte. Ziel des Netzwerkes ist es den freien und ungehinderten Zugang aller Bürgerinnen und Bürger zu allen Daten aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft zu ermöglichen und zu fördern. Wir wollen neue basisdemokratische Formen und Methoden für Kollaboration und Partizipation erforschen und entwickeln und so einen Beitrag dazu leisten Politik und Verwaltung offen, transparent und bürgernah zu gestalten.

    Neben den hiesigen Co-Autoren Daniel Dietrich (Vorsitzender) und Markus Beckedahl (stellvertretender Vorsitzender) waren unter den gut 20 Gründungsmitgliedern auch Mitglieder von sechs politischen Parteien. Ganz transparent finden sich Satzung, Protokoll und der Vorstand online.

    Als quasi erste Amtshandlung findet nächsten Mittwoch, den 28.10.09 um 19 Uhr ebenfalls im Newthinking Store ein offenes Treffen mit dem Titel Eine Demokratie-API für alle Daten aus Politik und Verwaltung statt. Dabei geht es neben einem Kennenlernen um folgende Fragestellungen:

    Wie bekommen wir das Thema Transparenz und Opendata auf die politische Agenda?
    Welche konkreten Projekte gibt es bereits?
    Welche politischen Strategien gibt es?
    Welche Strategien und Pilotprojekte können wir gemeinsam entwickeln um dem Ziel des freien Zugangs zu Daten aus Politik und Verwaltung näher zu kommen?

    Das Network betreibt auch einen interessanten Blog sowie Podcast-Feed zum Thema. Natürlich gibt es ebenfalls eine Mailingliste sowie Twitter- und identi.ca-Accounts. Der Verein ist offen (*g*) zum Mitmachen und sucht weitere Engagierte, also macht mit!

    politik-digital.de und annalist haben auch berichtet.

    22. Oktober 2009 3
  • : EFF warnt vor Netzneutralitäts-Plänen der FCC
    EFF warnt vor Netzneutralitäts-Plänen der FCC

    Die Electronic Frontier Foundation (EFF) hat sich gegen die derzeitigen Pläne der amerikanischen Federal Communications Commission (FCC) ausgesprochen, durch eine Richtlinie Internet-Provider zur Netzneutralität zu verpflichten. Sie nennt das Vorhaben ein „Trojanisches Pferd“.

    Zwar seien die Ziele von FCC-Chef Genachowski die gleichen, die auch die EFF verfolge. Doch die Behörde sei niemals vom Kongress authorisiert worden, das Internet zu regulieren. Die Frage lautet für die EFF nun, ob die FCC durch den bloßen Erlass von Bescheiden, die bestehende Gesetze ergänzen (sogenannte „ancillary jurisdiction“), Regeln für das Netz schaffen kann.

    Denn darin sehen die Bürgerrechtler die Gefahr, dass sich die FCC zur allmächtigen Regulierungsbehörde für das amerikanische Netz aufschwingt. Es gebe genügend Anlass zur Sorge, dass diese Regeln in Zukunft ganz und gar nicht mehr nach dem Geschmack der EFF wären:

    For example, it doesn’t take much imagination to envision a future FCC „Internet Decency Statement.“ After all, outgoing FCC Chairman Martin was a crusader against „indecency“ on the airwaves and it was the FCC that punished Pacifica radio for playing George Carlin’s “seven dirty words” monologue, something you can easily find on the Internet.

    Allerdings sieht die EFF noch zwei Möglichkeiten, die „Machtergreifung“ von Genachowski aufzuhalten. Einerseits wird diese Frage derzeit vor einem Bundesgericht in Zusammenhang mit der Klage des ISPs Comcast gegen einen FCC-Order bezüglich der Einschränkung von BitTorrent-Verkehr behandelt. Andererseits könnte auch der Kongress die Macht der FCC so einschränken, dass die Behörde nur zugunsten der Einhaltung der Netzneutralität regulieren könnte.

    [via]

    22. Oktober 2009 4
  • : Telekom-Paket: „Artikel 138 ist tot“
    Telekom-Paket: „Artikel 138 ist tot“

    La Quadrature du Net schreibt über die jüngsten Entwicklungen zum Telekom-Paket. Das Europäische Parlament hat sich gegen den Artikel 138 und für einen schwächeren Ersatz entschieden:

    Yesterday, representatives of the European Parliament, an institution that ordinarily prides itself for protecting human rights at home and abroad, decided to surrender to the pressure exerted by Member States. The Parliament gave up on amendment 138, a provision adopted on two occasions by an 88% majority of the plenary assembly, and which aims at protecting citizens’ freedom in the online world. Instead of ensuring that no restriction to Internet access would be imposed without the prior ruling of a judge, amendment 138 will instead be replaced by a weak provision, that does not carry any new important safeguard for citizen’s freedoms.

    IpTegrity.com analysiert einen weiteren Zusatz zum Telekom-Paket, den die Europäische Kommission veröffentlicht hat. Die Deklaration soll dem Telekom-Paket angehängt werden:

    Careful analysis of the Commission’s „net neutrality“ statement, reveals instead a statement concerning the monitoring of restrictions to Internet services and applications, where the Commission may only pass on comments to national regulators. What should have been a welcome step forward by the European Commission, is instead, a dangerous step backwards. It will underpin even further the restriction of the Internet, and graduated response measures.

    21. Oktober 2009 5
  • : DPI: So fälschen deutsche Provider Webinhalte
    DPI: So fälschen deutsche Provider Webinhalte

    Ein Artikel bei ZDNet beschreibt ausführlich, wie deutsche UMTS-Anbieter Deep-Packet-Inspection einsetzen und zum Bandbreitenmanagement in den Datenverkehr eingreifen : Internet per UMTS: So fälschen deutsche Provider Webinhalte. Das scheinen nicht nur Vodafone und T‑Mobile so zu machen, auf Twitter gab es Hinweise, dass auch ePlus und o2 dabei sind. Dabei wird die Netzneutralität verletzt. Und so kann ich mich dem Fazit in dem Artikel nur anschließen:

    Hier sind Gesetzgeber und Regulierungsbehörde gefordert, einzugreifen. Funkfrequenzen sind ein knappes öffentliches Gut. Man darf sie nicht in die Hände von Unternehmen legen, die nach Gutdünken selbst entscheiden, was sie ihren Kunden übermitteln und was nicht. Das Netz muss sich als Transportmedium neutral verhalten. Es muss sichergestellt sein, dass alle IP-Pakete in der Nutzlast unverändert beim Empfänger ankommen, es sei denn, der Kunde wünscht es ausdrücklich anders. […] Diesen Bestrebungen gilt es, einen Riegel vorzuschieben. Einen Internetprovider geht es schlicht und einfach nichts an, welche Inhalte in der Nutzlast von IP-Paketen übertragen werden. Jeglicher Einsatz von DPI-Technologie ohne ausdrücklichen Kundenwusch gehört geächtet und verboten. Von der Entwicklung neuer Anwendungen im Internet hängt der Fortschritt in der Gesellschaft entscheidend ab. Die Zugangsprovider müssen sich an Neutralitätsregeln halten.

    Wir brauchen auch in Deutschland und der EU endlich strenge Regeln für Netzneutralität. Wie die aussehen müssen, haben wir hier formuliert.

    Vielleicht können die mitlesenden Juristen mir mal die Frage beantworten, ob bei einem solchen DPI-Einsatz das Post- und Fernmeldegeheimnis verletzt wird?

    Passend dazu ist auch NetzpolitikTV 045: David Reed über Deep Packet Inspection.

    14. Oktober 2009 35
  • : Finnland schafft Recht auf Breitbandzugang
    Finnland schafft Recht auf Breitbandzugang

    Finnland schafft im kommenden Juli ein Recht auf 1 MBit Breitband-Internetzugang. Das soll aber nur ein Zwischenschritt sein für das nächste Ziel in 2015, wo man 100 MBit anpeilt. Das berichtet der finnische TV-Sender YLE: 1Mb Broadband Access Becomes Legal Right.

    Ein schönes Beispiel für unsere Politiker. Die Bundesregierung will zwar bis Ende 2010 jeden Haushalt mindestens mit einer 1‑Megabit-Verbindung versorgt wissen, aber ein Recht auf Breitbandzugang klingt doch etwas anders. Mal schauen, wann weitere englischsprachige Artikel aus Finnland kommen, die beschreiben, wie genau sie sich das vorstellen.

    14. Oktober 2009 10
  • : Telekom-Paket: Parlament von seinen Verhandlern betrogen
    Telekom-Paket: Parlament von seinen Verhandlern betrogen

    Das ist eine Übersetzung einer Pressemitteilung von La Quadrature du Net zu den aktuellen Verhandlungen rund um den letzten umstrittenen Paragrafen im EU-Telekom-Paket. Danke an Sebastian L. vom AK-Zensur für die Übersetzung.

    Artikel 138: Parlament von seinen Verhandlern betrogen.

    Brüssel, 14. Oktober 2009 – die Verhandlungen über das Telekommunikationspaket haben eine für Bürgerrechte und Freiheiten besorgniserregende Wende genommen. Die Delegation des Europäischen Parlaments wurde von seinen Verhandlern betrogen, angeführt von Catherine Trautmann (Sozialisten und Demokraten, S&D, die SPD ist in dieser Gruppe Mitglied) und Alejo Vidal-Quadras (Europäische Volkspartei, EPP, u.a. CDU/CSU). In totalem Widerspruch zu dem Mandat, das ihnen ihre Kollegen stellvertretend für das Parlament gegeben hatten, willigten die Verhandler unilateral ein, als Arbeitsgrundlage einen Vorschlag des EU-Ministerrates zu verwenden, der Bürgerrechte negiert. Dieser gefährliche Vorschlag ist nun auf dem Weg, den Artikel 138 im Trautmann-Report zu ersetzen, für den sich das Parlament zweimal mit einer Mehrheit von 88% ausgesprochen hat.

    14. Oktober 2009 41
  • : Soll die GEMA aufgelöst werden?
    Soll die GEMA aufgelöst werden?

    Einige seltsame Töne waren da neulich schon zu hören, beim VUT-Panel der all2gethernow: Man sprach offen über ein neues Super-Gebilde zur Zusammenführung aller Rechte am deutschen Musikrepertoire, und sogar über eine mögliche Auflösung der GEMA und Neugründung in zeitgemäßerer Form – ganz nach dem Vorbild englischer Clubs, die bestimmte Mitglieder loswerden wollen. Man waren allerdings in diesem Falle weder Netzaktivisten noch frustrierte GEMA-Mitglieder, sondern u.a. GEMA-Syndikus Alexander Wolf, Patrick Strauch von Sony/ATV-Deutschland und Mark Chung von Freibank.

    13. Oktober 2009 27
  • : 3sat Neues: Internetzensur in Frankreich
    3sat Neues: Internetzensur in Frankreich

    Nochmal 3sat Neues vom Wochenende, diesmal zum Thema „Internetzensur in Frankreich – Ist „Hadopi“ der Anfang vom Ende?“.

    Es war eine schwere Geburt, ein jahrelanges Gezerre. Wie schützt man die Rechte von Autoren und Künstlern in Zeiten des Internets. Und wahrt dabei gleichzeitig demokratische Grundrechte wie Meinungs- und Informationsfreiheit. Frankreichs Parlamentarier glauben eine Antwort gefunden zu haben. Ein Gesetz namens „Hadopi.

    (Update: Da das Youtube-Video irgendwie asychron ist, ist hier der direkte LInk zur ZDF-Mediathek)

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    12. Oktober 2009 7
  • : 10 Netzpolitik-Punkte auf Youtube
    10 Netzpolitik-Punkte auf Youtube

    Wolfgang Noelke hat mich für seine Video-Sendung „Wolfgangs Wissen Werte“ zu meinen „zehn Forderungen für eine zeitgemäße Netzpolitik“ befragt und das zu Video hochgeladen. In 15 Minuten beschreibe ich da, was man in unter einer Minute im Blog lesen kann. Wegen der 10 Minuten Begrenzung von Youtube gibt es zwei Teile.

    Vor zwei Jahren schon formulierte Markus Beckedahl zehn Forderungen für eine zeitgemäße Netzpolitik. Die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU und FDP böten die Chance, dass wenigstens einige dieser Punkte Beachtung finden. Da jedoch die künftigen Koalitionäre angesichts der Zensur- und Überwachungsgesetze zeigten, von Netzpolitik und den Chancen der digitalen Vernetzung offensichtlich wenig zu verstehen, bat ich Markus Beckedahl um einige ergänzende Erläuterungen seiner 10 Punkte, so dass wenigstens die Physikerin Dr. Merkel jene Zusammenhänge begreifen und positiv bewerten müsste, die sich die FDP teilweise zueigen machte.

    Eventuell ist jetzt auch dieser oder jener Abgeordnete in der Lage, dem längst vollzogenen gesellschaftlichen und technischen Wandel zu folgen und zu begreifen, dass es beim Thema Internet um mehr geht, als um Kriminalität und Terrorismus, nämlich um die Zukunftschancen eines ‚Landes der Dichter und Denker’.

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    12. Oktober 2009 4
  • : In der Open-Source-Demokratie wartet man keine Einladung ab
    In der Open-Source-Demokratie wartet man keine Einladung ab

    Dieses Interview von Jan Engelmann mit dem Medienforscher Axel Bruns ist in einer gekürzten Fassung in der Ausgabe #7 des Halbjahresmagazins POLAR erschienen.

    „In der Open-Source-Demokratie wartet man keine Einladung ab“.

    Bloß zuschauen war gestern. Im Web 2.0 entwickeln Leute gemeinsam freie Software, redigieren Texte in Wikipedia oder beraten auf Blogs die Sicherheitslücken von Windows. Könnte diese Beteiligungslust auch der Politik zugute kommen? Ja, wenn man die Philosophie der Netzkulturen ernst nimmt und schrittweise in das institutionelle System integriert, sagt der in Australien arbeitende Medienforscher Axel Bruns in einem E‑Mail-Interview mit Jan Engelmann.

    Herr Bruns, Sie sprechen von produsage bzw. „Produtzung“ als einer neuen kulturellen und technologischen Disposition. Was sind deren zentralen Merkmale?

    Bruns: Das Wort selbst ist eine Kombination aus „Produktion“ und „Nutzung“ und weist darauf hin, dass sich heute gerade online eben nicht mehr nur Medienproduzenten und Medienkonsumenten als große, recht klar definierte Gruppen gegenüberstehen, sondern vielerorts ein sehr viel hybriderer produktiver Nutzungsvorgang stattfindet. Jemand, der z.B. ein paar Verbesserungen auf einer Wikipediaseite macht, ist nicht wirklich Produzent der Wikipedia – aber eben auch schon mehr als nur ein Nutzer. Es handelt sich hier also um eine Form der Inhaltsschaffung, die nicht auf hierarchisch strukturierte und gemanagte Produktionsabläufe aufbaut, sondern auf das Interesse und die Fähigkeit vieler, einen Beitrag zur gemeinsamen Sache zu liefern, sowie diesen Prozess auch gemeinsam – dabei mitunter auch durchaus kontrovers – zu steuern. Es handelt sich hier also nicht um einen anarchischen Vorgang, sondern eher um etwas, was man als „Heterarchie“ bezeichnen könnte. Zwar heißt es bei der Wikipedia z.B. „Anyone can edit“, aber andererseits bedeutet das auch, dass jeder die Arbeit jedes anderen kritisch bewerten und falls nötig weiter verändern kann.

    Ist die mit Produtzung angedeutete Orientierung an Modellen kooperativer Wertschöpfung wirklich substanziell etwas Neues? Oder bestand sie schon und hat dann mit dem Internet ein kongeniales Medium gefunden?

    7. Oktober 2009 7
  • : Piratenpartei: Reiche Beute, aber kein klarer Kurs
    Piratenpartei: Reiche Beute, aber kein klarer Kurs

    Tagesschau.de hat einen Artikel über die Piratenpartei nach der Bundestagswahl veröffentlicht und mich dazu auch befragt: „Die Piratenpartei nach der Wahl – Reiche Beute, aber kein klarer Kurs“.

    6. Oktober 2009 56