Generell

Soll die GEMA aufgelöst werden?

Einige seltsame Töne waren da neulich schon zu hören, beim VUT-Panel der all2gethernow: Man sprach offen über ein neues Super-Gebilde zur Zusammenführung aller Rechte am deutschen Musikrepertoire, und sogar über eine mögliche Auflösung der GEMA und Neugründung in zeitgemäßerer Form – ganz nach dem Vorbild englischer Clubs, die bestimmte Mitglieder loswerden wollen. Man waren allerdings in diesem Falle weder Netzaktivisten noch frustrierte GEMA-Mitglieder, sondern u.a. GEMA-Syndikus Alexander Wolf, Patrick Strauch von Sony/ATV-Deutschland und Mark Chung von Freibank.


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Es ging dort einmal mehr um die leidigen „Online-Rechte“, die Groß und Klein im Musikbusiness das Leben immer schwerer zu machen scheinen. Die ungewöhnlichen Aussagen bei der a2n lassen nun allerdings Spekulationen darüber aufkommen, was da wohl wirklich geplant sein mag zwischen den großen Verlagen, Indy-Labels, Rechtemanagern und GEMA. Ich habe deshalb eine kleine Nachlese zum nämlichen Panel auf der Website von CC Deutschland eingestellt, inklusive Links auf den Audio-Mitschnitt und ein Transkript der betreffenden Passage. Ein Highlight daraus:

Dr. Martin Schaefer: Aber wäre es denn jetzt ‘ne Möglichkeit – jetzt mal ganz provokant gefragt – dass man jetzt mal diese gesamten Versuche, die jetzt mit verschiedenen Agenturen gemacht werden, mal vor die Klammer zieht und genau das, was Sie gerade gesagt haben, das nochmal versucht und sagt ‘Jetzt machen wir das Ganze mal aus den zwei Grundeinstellungen‘ … wir akzeptieren jetzt einfach, dass die Online-Rechte aus der traditionellen GEMA raus sind, und wir machen jetzt einfach eine Neugründung einer anderen Verwertungsgesellschaft, allerdings einer, die eben dann möglicherweise – das müsste man dann europäisch oder nochmal politisch möglich machen, denn mit den gegenwärtigen Gesetzen geht das natürlich nicht – aber wäre es nicht dann eine Variante, dass man sagt ‘Wir machen diese Kombination eben individuell und kollektiv auf einer sauberen Grundlage und machen das, was die englischen Clubs machen, die ihre Mitglieder nicht rauswerfen dürfen, dass sie sich einfach auflösen und neugründen‘ (Gelächter). Ja, ich meine für diesen Bereich … dieser Bereich ist ja isolierbar, weil er ohnehin nur zu einem ganz kleinen Teil in der GEMA ist.

Alexander Wolf: Aus meiner Sicht … das ist genau die Antwort. Es könnte niemand besser zusammengefasst haben als gerade Herr Holzhauer, wie’s aussieht, aber das ist das Problem: Wir können nicht … die GEMA-Administration kann sich nicht bewegen, weil die Rahmenbedingungen … ob das die Satzung ist, die wir jetzt geändert haben auf der letzten Mitgliederversammlung … jetzt können wir Inkasso-Mandatsverträge abschließen, was soviel bedeutet wie: Ein Rechteinhaber muss uns die Rechte nicht übertragen, wir können aber dafür trotzdem das Inkasso durchführen … was passiert? Das Deutsche Patentamt, unsere Aufsichtsbehörde, schaut natürlich sehr genau dadrauf. Die Politik mischt sich ein, alles wieder sehr sehr national fokussiert. Wir müssen es schaffen, wie Du das richtig dargestellt hast, den breiten Rahmen – also den Standort Deutschland – in den Vordergrund zu rücken, und zwar auf Europäischer Ebene. Und den können wir nur erfolgreich … diesen Prozess können wir nur erfolgreich bestehen, wenn wir die Rahmenbedingungen ändern.

Dass der Auflösungsbeschluss auf der Tagesordnung der nächsten GEMA-Hauptversammlung stehen wird, ist unwahrscheinlich. Spannend ist trotzdem, wie es wohl weitergehen wird. Fest steht, dass inzwischen in und um die GEMA Dinge gefragt und ausgesprochen werden dürfen, die noch vor kurzem undenkbar waren. Falls GEMA-Mitglieder also z.B. schon immer mal bei ihrer Gesellschaft nachfragen wollten, wann denn endlich eine Option zur individuellen CC-Lizenzierung eingeführt wird … jetzt wäre der richtige Zeitpunkt für so eine Frage.

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27 Kommentare
  1. Zu spät. Ich bin neulich aus der GEMA ausgetreten u.a. um künftig auch Musik unter CC stellen zu können. Selbiges habe ich ausdrücklich in meinem Kündigungsschreiben vermerkt, aber selbstverständlich keine Stellungnahme dazu erhalten.

  2. wenn sich genug zusammentun kann das was werden.
    der druck nimmt imho wirklich zu, die debatte wird zum glück sachlicher und es kommt immer mehr objektive kritik an den tatsächlichen missständen in der gema anstatt ewigem stammtisch-geschimpfe.
    so kann wirklich was bewegt werden.

  3. schöne vorstellung. wird aber im rahmen der in die köpfe einbetonierten besitzstands- und pfründenwahrung nicht erreichbar sein, im gegenteil: eine evtl. zu findende neue lösung wird in jedem fall eine verschärfung bedeuten, analog dazu, was die deutsche presse unter hubert burda gerade versucht; mit dem urheberrecht lassen sich soo viele schöne sachen denken. ich unke ungern, aber wartet’s ab.

  4. Ich habe vor einiger Zeit 40 Euro von der VG Wort bekommen und war wirklich begeistert. Da klingelte die Kasse für Gedichte und Kurzgeschichten, für die mir die Verlage keinen Cent bezahlt haben (Anthologien).

    Die Bibliothekstantiemen bekommen im Grunde alle, die noch kein eigenes Buch herausgebracht, aber schon irgendwo etwas veröffentlicht haben. Etwa in Sammelbänden. So richtig schlecht kann ich das nicht finden.

    Vielleicht sollte man erst einmal Wort- und Musikkünstler unter ein Dach bringen. Kunst ist Kunst.

  5. Lieber eine komplette neu Gründung und Ordnung, mit nicht mehr (c)by halle murks als standart sondern der einfachen CC-BY also die einfachste CreativeCommons Lizenez zum Standart wird? Dann kann man auch eigene Werke mit Inhalten der Werke anderer ohne Probleme herstellen und je nach Lizenz vertreiben udn verbreiten und somit einiges an Unsicherheit wegfallen.
    Wer für sein Werk selber eine Lizenz erstellen möchte, kann dies hier tun: http://creativecommons.org/choose/
    Schnell einfach unkompliziert.

  6. GEma und GEZ sollten auch meiner Meinung nach aufgelöst werden. Wenn man sich anschaut was die lieben von Öffentlichen Fernsehen sich da für Studios hinbauen die einen heiden Geld kosten. Mir kommt es auf den Inhalt an und nicht auf die Software

  7. Ich bin deiner Meinung, Rosangela. Niemand kann behaupten, dass die die ganze Ausrüstung wirklich brauchen. Wenn man mal bei youtube ansieht, was Hobby Amateure zu weilen auf die Beine stellen. Das ist sicher teuert, aber sicher nicht so teuer wie das Zeug von den Öffentlichen

  8. @rosangela @killergeneration: Nicht nur das die sich nur das Feinste anschaffen, sondern dieses nicht einmal anständig ausnutzen bzw. die Hardware in dunklen Kellern ungenutzt vor sich hin gammelt. Hatte mal Einblick in die Bestände der Toningenieure des Bayrischen Rundfunks und kann nur sagen dass vielleicht 10% dessen tatsächlich verwendet wird. Der Rest wird eifersüchtig gehütet. Auch da sieht man was eine Art Beamtenmentalität aus öffentlichen Geldern machen kann…

    Schlimm finde ich vor allem die Intransparenz derartiger ‚Vereine‘. Wenn man wenigstens nachvollziehen könnte für was im einzelnen die Gelder verwendet werden, wer wie viel vom Kuchen abbekommt, wäre mir GEZ und GEMA wesentlich sympathischer. Aber das machen die natürlich möglichst nicht öffentlich, und wenn sie müssen, dann im dunklen Keller, auf einer Toilette ohne Licht, hinter einer Tür mit der Aufschrift „Vosicht bissiger Tiger“.

  9. @rosangela, @killergeneration, @manka:
    Es geht um die GEMA, nicht um GEZ und auch nicht um öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

    Bitte beim Thema bleiben.

  10. @flawed: Ein wenig vom Thema abgewichen – ok – das Problem der GEMA, der Punkt das diese Institution nicht mehr zeitgemäß ist, betrifft aber auch GEZ und ÖrR und ist in meinen Augen daher nicht gänzlich irrelevant.

  11. Ja es hat nichts mehr mit Kultur und Gesellschaft zu tun.Hier zählt nur das Geld in diesem Geschäft.
    Leider traegt die GEMA zu einer dramatischen kulturellen und sozialen Verarmung der Gesellschaft bei,die unverantwortlich ist. Besonderst betroffen sind kleine bis mittlere Gaststätten und Lokale und Konzertsale auch extrem im ländliche Bereiche ,die gerne für ihre Gäste Geselligkeit Tanz und Lebensfreude und Entspannung bieten würden.Leider hat die Gema solche unverschämten Geldforderungen bei Veranstaltungen die in keinem Verhältnis zu den Einahmen vieler Gastronomen stehen .Weiterhin wird die undurchsichtige Kassierung und Verteilung der Gema und ihren wahnsinnigen Verwaltungsapperat von vielen ernsthaft kritisiert.Ein Unternehmen ,was für sich Reichtum schafft und nie genug bekommen kann,hat nur die Fähigkeit anderen sehr viel abzunehmen.Zur Kultur und Gesellschaft gehört aber mehr dazu.Dem Veranstalter noch genug Spielraum lassen ,die er auch bezahlen kann. Das Resultat ,wäre viele kleine und mittlere Veranstaltungen Entspannung Lebensfreude,Freunde Unterhaltung Abschalten, ein Gegenpol zur Politikyerstrossenheit!

    Abschliessend eine ausgesprochene Formulierung der Gema die alles über diese sagt und keinen Kommentar benötigt.

    Zitat:”Der Zweck der GEMA ist es nicht, Kultur in dem Sinne zu fördern, dass sie verpflichtet wäre, andere Kulturschaffende oder Kultureinrichtungen, etwa Veranstalter, zu fördern, sondern sie ist dafür da, so viel Geld wie nur möglich für ihre Mitglieder zu beschaffen!”(nmz)
    Veranstalter
    R.Günter

  12. Ich finde, die GEMA gehört als nationalsozialistisches Überbleibsel in die „Rumpelkammer“. Ihr Werdegang beschreibt die Gema selbst ungeniert so: „Verleihung der Rechtsfähigkeit durch das Preußische Staatsministerium am 28. September 1933 an die STAGMA, deren Name durch Kontrollratsbeschluss Nr. 55 (c) vom 24. August 1947 in GEMA geändert worden ist (Anlage 1 zu den GEMA-Nachrichten Nr. 2/1949 S. 35)“. Dies ist ein Zitat aus der neuesten Satzung anno 2008 der Gema, nachzulesen unter: http://www.gema.de/fileadmin/inhaltsdateien/verein/GEMA_Satzung_JB_08_09.pdf .
    Am 28.06.1933 waren die Nazis bekanntlich schon an der Macht.
    Ich empfehle allen ernsten und ehrenwerten Kuenstern zumindest das „virtuelle Auswandern“.

  13. schade eigentlich, dass in dieser diskussion so wenig musiker zu wort kommen. das wären nämlich diejenigen, für die die GEMA lizenzen kassiert und dann entsprechend der vereinbarungen verteilt. nach einer verteilung, der von gewählten aufsichtsräten – musikern hohen ranges, wenn man so will – zugestimmt wurde.
    natürlich hat ein veranstalter das recht, sich zu beschweren, schliesslich hat er ja finanzielle ausgaben. aber WO letztendlich sein geld landet, weiss er nicht (es sind vorrangig die urheber der musik, die bei ihm gespielt wird, nicht irgendwelche töpfe in den GEMA-kellern. die GEMA ist ein verein, der keinen profit machen darf. dementsprechend werden überschüsse an die mitglieder (= musikschaffende) weitergegeben.

    einfach mal motzen -gerne auch aus mangelnder sachkenntnis, weil man als VA was zahlen musste- finde ich unfair.

    die GEMA mit der GEZ in einen topf zu werfen, finde ich unprofessionell, wenn man sich vorher nicht wirklich die mühe macht, konkret äpfel mit birnen zu vergleichen bzw. deren website oder funktion zu prüfen.

  14. Waere doch eine gute Chance, viele Altlasten loszuwerden und vieles richtigzumachen. Kann aber auch vieles schiefgehen dabei, insbesondere, wenn die grossen Major-Verlage federfuehrend bei der Gestaltung sind.
    Da ist schon Vorsicht geboten, aber das sollte keinen davon abhalten, diese Ueberlegungen weiterzuverfolgen.

    OT: Dass die GEMA so oft in einen Topf mit der GEZ geworfen wird ist schon eigenartig.
    Die GEMA vertritt Kuenstler, die freiwillig dort beitreten.
    Und auch als Konsument kann man sich durchaus aussuchen, ob man GEMA-Musik konsumiert (und bezahlt) oder eben nicht.

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