Generell

Allgemeine Berichte aus der Welt, in der wir leben, der Politik und der Kultur Deutschlands und des Internets.

  • : Das Wirtschafts-Wiki vom Handelsblatt
    Das Wirtschafts-Wiki vom Handelsblatt

    Wie die Netzeitung schreibt, hat das Handelsblatt ein Wiki zum Thema Wirtschaftsbegriffe gestartet: Das Wirtschafts-Wiki.

    Julius Endert, Leiter der Handelsblatt-Onlineredaktion, sagte, «das Wirtschafts-Wiki will keine Konkurrenz zur Online-Enzyklopädie Wikipedia sein, sondern Ergänzung zu den Inhalten auf Handelsblatt.com». Häufig kämen in der Berichterstattung Fachbegriffe vor, die erklärt werden müssten. Dies wolle man künftig im Wirtschafts-Wiki tun. Die Inhalte dort würden mit den Texten auf der Handelsblatt-Homepage verknüpft.

    Das Verlinken mit den Inhalten hätten sie ruhig auch mit den Wikipedia-Seiten machen könne, was vermutlich sinnvoller gewesen wäre. So müssen sie sich erstmal eine Community aufbauen, die regulierend wirken kann. Ansonsten bleibt eher mehr Arbeit bei den Redakeuren hängen. Ich bin trotzdem mal gespannt, wie sich das Projekt entwickelt. Als Basis wurde das Mediawiki verwendet.

    30. September 2005
  • : Keine SMS-Fahndung mehr
    Keine SMS-Fahndung mehr

    Die letztes Jahr im Frühjahr von Otto Schily gestartete SMS-Fahndung ist endgültig als Pilotprojekt gescheitert. Die Idee dahinter war, dass Polizeistellen an örtliche Multiplikatoren (z.B. Taxi- und Busfahrer) Fahndungsaufrufe schickten und diese dann wertvolle Hinweise geben, welche zur Verhaftung der Gesuchten führen. Dazu wurden Pilotprojekte in magedeburg, Lüneburg und Bockum gestartet.

    Otto Schily erklärte
    noch zum Start:

    „Die Polizei muss unmittelbar nach einer Straftat alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um einen flüchtenden Straftäter zu ergreifen. Die schnelle und direkte Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger ermöglicht neue Formen der Zusammenarbeit von Polizei und Bevölkerung. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, den Täter aufzuspüren und eine Straftat schnell aufzuklären. Auch bei der Suche nach vermissten Personen, insbesondere Kindern, kann die SMS-Fahndung wertvolle Hilfe bieten. Die Polizeidienststellen des Bundes und der Länder verfügen damit ab sofort über eine zusätzliche Möglichkeit, zielgerichtet und multimedial in der Öffentlichkeit nach Straftätern oder vermissten Personen zu fahnden.“

    Glorreiches Ergebnis nach mehr als einem Jahr Laufzeit: Keine Hinweise. Dafür aber wahrscheinlich viele spannende Stunden für Polizisten, einen möglichst detaillierten Fahndungsaufruf in 160 Zeichen unterzubekommen.

    Mal schauen, wann das SMS-Fahnungsportal abgeschaltet wird. Noch ist es online.

    30. September 2005 2
  • : Pong-Weltmeisterschaften in Berlin
    Pong-Weltmeisterschaften in Berlin

    Am morgigen Samstag, den 1. Oktober, finden nach Angaben der Veranstalter die dritten Pong-Weltmeisterschaften im Lovelite in Berlin statt. Antreten kann wohl jeder, dazu gibts eine Party auf zwei Floors. Mehr Infos und zwei Trainingsspiele im Browser finden sich auf der Webseite der Veranstaltung.

    30. September 2005
  • : WSIS: Weiter grosser Streit um Internet Governance
    WSIS: Weiter grosser Streit um Internet Governance

    Es gibt drei neue Artikel zum World Summit on the Information Society (WSIS).

    The Register stellt sich die Frage, ob die International Telecommunication Union (ITU) überhaupt in der Lage ist, über das DNS-Rootsystem zu wachen, wenn sie sich noch nicht mal bei ihrem eigenen IP-Block an die internationalen Regeln halten können: Does the ITU get the internet?

    Wolfgang Kleinwächter beschreibt auf Telepolis die bizarren Verhandlungsrituale der Diplomaten, welche sich noch im 20. Jahrhundert befinden, aber über die Zukunft von morgen bestimmen sollen. Im ersten Gipfelprozess wurde der „Multistakeholder-Prozess“ noch in den höchsten Formen als wegweisende Governance-Form auf internationaler Ebene gelobt. In der Realität wollen die Regierungen diese Form aber nicht zulassen: Mitbestimmung im Cyberspace?

    Mittlerweile gibt es auch Streit zwischen der EU und den USA, wie Monika Ermert auf Heise schreibt. Die EU hat sich erdreistet, einen Lösungsvorschlag für den seit mehr als vier Jahren heftigen Streit um die Frage „ICANN vs. ITU“ zu erarbeiten. Die USA sind „not amused“ und beharren weiterhin auf die Kontrolle der DNS-Rootserver. Dies kritisieren aber viele Staaten zu Recht. Eine Lösung ist nicht in Sicht, am Ende wird es wohl wieder auf einen Minimalkonsens aus blumigen Diplomatenworten ohne wirkliche Lösung hinauslaufen: USA und EU im Clinch über Internet-Regulierung.

    Mehr Infos hat noch worldsummit2005.de, wo Ralf Bendrath gerade aus Genf von der 3. Prepcom berichtet. Ralf schreibt auch ab und an hier über Datenschutzthemen mit.

    29. September 2005
  • : Was macht überhaupt ein Geheimdienst?
    Was macht überhaupt ein Geheimdienst?

    Die National Security Agency (NSA), u.a. Hauptbetreiber des globalen Überwachungsnetzwerkes Echelon, hat Kinder und Jugendliche als Zielgruppe entdeckt. Unter nsa.gov/kids gibt es tatsächlich eine Webseite, welche die Arbeit des Geheimdienstes niedrigschwellig erklärt. Kryptographie für Anfänger sozusagen, mit Bastelanleitungen und kleinen Spionage-Tipps. Weiterführende Links weisen u.a. zu den Kinder-Angeboten vom FBI, CIA oder DIA.

    28. September 2005 1
  • : Nachrichtenüberblick 28.09.
    Nachrichtenüberblick 28.09.

    The Register berichtet über WSIS-Prepcom3, welche gerade in Genf stattfindet. Hauptstreitpunkt ist wie beim ersten Gipfelprozess die Frage der DNS-Kontrolle. Die USA stellen sich quer und wollen ICANN weiterhin unter Kontrolle halten. Andere Staaten wie China sind damit nicht einverstanden. Mehr beim Register: WSIS: Who gets to run the internet?

    Der Release Candidate von OpenOffice.org 2.0 ist fertig und wurde zum download freigegeben. Muss ich morgen mal gleich updaten.

    Während ich gestern erst den Kanzler auf meinem Notebook installiert habe und sehnsüchtig auf das „richtige“ erscheinen von KDE 3.5 warte, gibt Pro-Linux schon einen Ausblick auf KDE 4.0. Wird leider noch ein Jahr bis zum Release dauern.

    Wie man sich einen iPod selbst zusammenlötet, erklärt Wired: IPods for Anarchists.

    Zum „Handbook for Bloggers and Cyber-Dissidents“ von Reporter ohne Grenzen gibt es heute jeweils einen Artikel bei Telepolis und der Deutschen Welle.

    Irgendein Typ hat für die WIPO ein Papier zum Thema „Freie Software bei kleinen und mittelständischen Unternehmen“ geschrieben. Ein überfliegen des Papieres zeigt aber nur, dass der Typ Freie Software nicht wirklich mag, voreingenommen ist und vor einer grossen Verschwörung warnt. Lustig ist die Sache mit der „geheimen Agenda“. Pro-Linux hat die Zusammenfassung:

    Er schließt mit einer Warnung vor einer geheimen Agenda der »Open-Source-Bewegung«. Sie habe sich nicht nur die Steigerung des Nutzens von Softwareentwicklern und der Anwendergemeinschaft, sondern die Verdrängung des proprietären Softwaremodells zum Ziel gesetzt. Mit lobbyistischen Mitteln habe sie einige Regierungen und Unternehmen dazu gebracht, eine Bevorzugung freier Software anzunehmen. Alternative und etablierte Open-Source-Lizenzen diskutiert er nicht.

    Die TAZ schreibt zum Thema „Zensur in China“ über einen chinesischen Netz-Journalisten, der vor allem über Korruptionsfälle recherchiert.

    Peter Schaar, unser Bundesdatenschutzbeauftragter, ist jetzt zugleich Bundesbeauftragter für die Informationsfreiheit. Golem berichtet darüber:

    Schaar ruft die Bürger auf, ihre neuen Rechte auch aktiv zu nutzen und damit zu einer offenen, bürgernahen Verwaltung beizutragen. Die Verwaltung ihrerseits sollte die Chancen erkennen, die auch für sie in diesem Gesetz liegen. Sie könne nun ihr Handeln und ihre Motive transparent machen, ihre Effizienz nach außen sichtbar werden lassen und die Kluft, die bisweilen noch zwischen Verwaltung und Bürgern besteht, überbrücken.

    28. September 2005
  • : Musicload bewirbt die Privatkopie
    Musicload bewirbt die Privatkopie

    Musicload suggeriert, dass man die online gekauften Songs weiterverschenken kann
    Musicload, der Musik-Downloadshop von T‑Online, überraschte uns heute mit dieser Zeitschriftenanzeige: Sie suggeriert, dass online gekaufte Musik sich als Geschenk eignet. Die Dateien weiterzugeben funktioniert natürlich nicht, dafür sorgt das Digital Rights Management des von Musicload verwendeten WMA-Formats. Warum man darauf verzichten sollte, haben wir ja schon vor zwei Wochen in unserem Test der Downloadportale geschrieben.

    Daher muss man vermuten, dass Musicload mit dieser Anzeige dazu anregen will, die online gekauften Songs auf eine herkömmliche CD zu brennen (was in der Regel 10× möglich ist) und dann zu verschenken. (Und von einer Audio-CD kann man die Musik natürlich beliebig ohne Einschränkungen wieder auslesen). Damit dürfte die Regelung des UrhG, die das Umgehen von Kopierschutzmechanismen verbietet, hier nicht greifen. Plötzlich ist sie also wieder da, die gerne wegdiskutierte (und bei Kopierschutz faktisch illegale) Privatkopie.

    Es ist nicht ganz klar, ob das im Widerspruch zu Punkt A.V.4.1 der für Musicload gültigen T‑Online-AGB steht:

    Es ist nicht gestattet, die Inhalte oder Teile derselben zu bearbeiten, zu vervielfältigen, zu verbreiten, öffentlich wiederzugeben…

    Na, was denn nun?

    Sieht so aus, als läuft das Geschäft dann doch nicht so gut, wenn man dem Kunden jetzt schon durch die Blume mitteilen muss, dass das eigene Geschäftsmodell nicht wasserdicht ist.

    28. September 2005 5
  • : Frontal21 thematisiert Angriffe auf Pressefreiheit in Deutschland
    Frontal21 thematisiert Angriffe auf Pressefreiheit in Deutschland

    Gestern Abend thematisierte Fontal21 die letzten Angriffe auf die Pressefreiheit in Deutschland. Jetzt gibt es einen Artikel dazu, das Video des Beitrages kann hier angesehen werden.

    Weischenberg zufolge schließen sich die gegenwärtigen gesetzlichen Bestimmungen gegenseitig aus. „Das Zeugnisverweigerungsrecht ist unabdingbar für investigativen Journalismus.“ Deswegen dürfe es keine Telefonüberwachung von Journalisten geben. „Ich bin sehr dafür, dass die Strafprozessordnung entsprechend verändert wird.“ Er sei auch für eine öffentliche Diskussion über das Thema. „Denn wenn das Zeugnisverweigerungs-recht in der Praxis nicht in Kraft und in Wirkung ist, dann geht es dem Journalismus schlecht, und ich denke, dann geht es am Ende auch der Demokratie schlecht.“

    28. September 2005 1
  • : Links zu urheberrechtlich geschützten Werken im eDonkey-Netzwerk illegal
    Links zu urheberrechtlich geschützten Werken im eDonkey-Netzwerk illegal

    Das Landgericht Hamburg hat entschieden, dass das Anbieten von eDonkey-Links auf urheberrechtlich geschützte Inhalte rechtswidrig ist. In diesem Fall ist die Motion Picture Association of America (MPAA) mittels Einstweiliger Verfügung gegen das in der Schweiz gehostete Webangebot The-Realworld.de vorgegangen. In dem Fall ging es um Links zu TV-Serien im eDonkey-Netzwerk.

    28. September 2005
  • : Projekt will Freie Software Qualitätsstandards für KMUs schaffen
    Projekt will Freie Software Qualitätsstandards für KMUs schaffen

    Das nordrhein-westfälische Kompetenzcentrum für Linux und Open Source (LOS! NRW e.V.), entwickelt seit diesem Sommer in einem deutsch-niederländischen Team den europäischen Qualitätsstandard „E‑OS“. Dieser Standard soll dem Anwender ein Höchstmaß an Verlässlichkeit und Sicherheit im Einsatz freier Softwaresysteme bieten, wie LOS! NRW in einer Pressemitteilung mitteilte.

    Das so genannte Euroquis-Team, wird vom EU-Programm der Euregio-Rhein-Waal sowie durch die Wirtschaftsministerien der Niederlande und Nordrhein-Westfalens gefördert. Das Ziel des Projektes ist, in den kommenden zwei Jahren einen Qualitätsstandard zu schaffen, um kleineren und mittleren Unternehmen die Entscheidung für die Herstellerungebundenen und kostengünstigen Software-Alternativen zu erleichtern. Außerdem soll ein Atlas erarbeitet werden, der einen Marktüberblick über Anbieter und Dienstleister von Open-Source-Lösungen liefert.

    Das Projekt hat auch ein Blog.

    28. September 2005
  • : Europaparlament lehnt Vorratsdatenspeicherung ab
    Europaparlament lehnt Vorratsdatenspeicherung ab

    Das Europaparlament hat heute, wie erwartet, den Plan des EU-Rates zur Vorratsdatenspeicherung endgültig abgelehnt. Mehr dazu bei Heise oder Spiegel.

    27. September 2005
  • : Tagesschau: Netzzensur in China
    Tagesschau: Netzzensur in China

    Zum Thema Netzzensur in China liefert die Tagesschau eigentlich das beste Material. Heute Abend soll in den Tagesthemen noch ein Bericht darüber gesendet werden.

    China verbietet „ungesunde Websites“:

    China verschärft die Internetkontrolle. Erlaubt sind nach einer neuen Verordnung nur „gesunde Informationen, die der Verbesserung der Qualität der Nation dienen“. Schon heute filtern zehntausende eigens ausgebildete Zensur-Spezialisten das Online-Angebot und überwachen Internetcafés.

    Handbuch für Blogger – Tipps für „Cyber-Dissidenten“:

    In vielen nicht-demokratischen Staaten sind Weblogs eine Alternative zur Berichterstattung der staatlich kontrollierten Medien. Dort allerdings leben Blogger, die in ihren Beiträgen von der herrschenden politischen Meinung abweichen, in großer Gefahr. „Reporter ohne Grenzen“ gibt jetzt in einem Handbuch Tipps für Internet-Dissidenten.

    Dazu gibt es noch einen Audio-Beitrag: China verschärft Internetkontrolle.

    Aus dem letzten Jahr ist noch ein interessante Vortrag eines ehemligen ARD-Korrespondenten in China zum Thema „Medien in China – Das Internet als Nachrichtenquelle“ verlinkt:

    Ein Gefängnis für Journalisten“ – so lautet das Urteil der Journalisten-Organisation „Reporter ohne Grenzen“ zu China im Umgang mit den Medien. In der Rangliste zur Pressefreiheit landet China regelmäßig ganz hinten. Das Internet bietet hier eine Chance: als virtuelles Tor zum Westen. Doch der Staat versucht mit allen Mitteln, das Internet unter seine Kontrolle zu bringen und so mögliche Demokratisierungs-Prozesse zu stoppen.

    27. September 2005
  • : Mittwoch Abend: Chaosradio auf Fritz über Reisepass
    Mittwoch Abend: Chaosradio auf Fritz über Reisepass

    Am morgigen Mittwoch Abend, 28.09.2005, läuft von 22–1 Uhr auf Fritz-Radio in Berlin und Umgebung das Chaosradio 106 mit dem Thema „Der neue elektronische Reisepass“:

    Ab 1. November ist es soweit: Unsere Reisepässe bekommen einen Chip, auf dem unsere Daten digital gespeichert sind. Aber das ist nicht alles: Bei der Grenzkontrolle sollen automatisch die gespeicherten Daten mit einer elektronischen Gesichtsvermessung kontrolliert werden.

    In einem weiteren Schritt werden auch unsere Fingerabdrücke mit in den Chip aufgenommen. Dann ähnelt die Beantragung eines Reisepasses der erkennungsdienstlichen Behandlung von Tatverdächtigen.

    Unser scheidener Innenminister hat mit viel Engagement die neue Technologie vorangetrieben – technische Aspekte und vor allem eine öffentliche Diskussion über den Sinn und die Kosten sind außen vor geblieben.

    Das wollen wir in diesem Chaosradio nachholen. Dazu gibt es alle wichtigen Informationen über die neue Technologie und sicher viele Fragen von euch!

    „Mich betrifft es nicht!“? Keine Sorge, auch für die Personalausweise ist der Chip ab 2007 geplant…

    Fragen und Kommentare zu dieser Sendung sowie allgemeine Anfragen bitte an chaosradio(-at-)ccc.de

    Außer im Radio könnt ihr Chaosradio während der Sendung auch per Livestream empfangen. Danach liegen die Streams mit einigen Tagen Verzögerung unter ftp://ftp.ccc.de/chaosradio, oder siehe http://www.ccc.de/club/ftp

    27. September 2005
  • : Veranstaltung: Biometrisch vermessen – leben wir so sicherer?
    Veranstaltung: Biometrisch vermessen – leben wir so sicherer?

    Biometrisch vermessen – leben wir so sicherer?

    Republikanische Vesper mit

    Frank Rosengart, CCC Berlin
    Jörg Radek, Mitglied im GdP Bundesvorstand, stellvertretnder Vorsitzender der GdP Bezirk Bundespolizei

    am Donnerstag, den 29. September, um 19.00 Uhr, im Haus der Demokratie und Menschenrechte (Greifswalder Str. 4, Nähe Alexanderplatz)

    Am 1. November ist es soweit. Als erstes Land der Europäischen Union werden biometrische Merkmale in die bundesdeutschen Reisepässe aufgenommen. Der Druck der US-Regierung, die Visafreiheit für Pässe ohne biometrische Angaben aufzuheben, und der Wunsch der EU-Innenminister, effektiver gegen den internationalen Terrorismus vorzugehen, waren für diese Entscheidung maßgebend.

    Was wird in den Pässen gespeichert? Was kann in ihnen gespeichert werden? Werden wir mit diesen Pässen sicherer leben? Welchen Verlust an Freiheit müssen wir befürchten?

    Veranstalter: Haus der Demokratie und Menschenrechte, Humanistische Union, Internationale Liga für Menschenrechte, Ossietzky

    27. September 2005
  • : Lobbyverband will mehr Überwachungstechnik verkaufen
    Lobbyverband will mehr Überwachungstechnik verkaufen

    Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) will durch seine Mitglieder mehr Überwachungstechnik verkaufen. Dafür wurden jetzt die Generalsekretäre der Parteien befragt, wie sie denn zu den neuen und innovativen Technologien, wie Biometrie und Videoüberwachung, stehen. Das Ergebnis wurde in eine Pressemitteilung gepackt. Zwar werden auf der Seite auch die kompletten Antworten der Parteien versprochen, hinter dem passenden Link findet man allerdings nichts.

    „Bei einigen Techniken allerdings sind die Politiker unnötig skeptisch“, konstatiert Bernd Seibt, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Sicherheitssysteme. „Es würde Deutschland gut tun, wenn die Parteien die Vorteile der Sicherheitstechnik und nicht die Risiken in den Vordergrund stellten. Eine gute Sicherheitsinfrastruktur erhöht die innere Sicherheit als Standortvorteil Deutschlands.“

    Natürlich befürwortet nur die CDU/CSU uneingeschränkt diese Technologien und wird dafür lobend in der Pressemitteilung erwähnt. Ansonsten kann ich mir über die Antworten der anderen Parteien jetzt keine Meinung bilden, weil ich dazu gerne die kompletten Antworten der Parteien lesen würde. Und nicht nur den Best-of-remix aus Sicht des ZVEI in deren Pressemitteilung.

    27. September 2005
  • : Frankreich baut Überwachung massiv aus
    Frankreich baut Überwachung massiv aus

    Wie die Futurezone berichtet, plant die französische Regierung einen massiven Ausbau der staatlichen Überwachung. Dazu gehören eine Vorratsdatenspeicherung auf mindestens zwölf Monate und der massive Ausbau der Videoüberwachung von öffentlichen Plätzen, Synagogen und grösseren geschäften. Hier sollen die Aufzeichnungen der Videoüberwachung auch länger als einen Monat gespeichert werden.

    Hier noch ein paar Stimmen dazu:

    Auf Bedenken bezüglich des Datenschutzes erwiderte Sarkozy, die größte Freiheit sei, ohne Angst um das eigene Leben die Metro oder den Bus nehmen zu können.
    […]
    Der Generalsekretär der Richtergewerkschaft SM, Come Jacquemin, nannte Sarkozys Gesetzesvorhaben einen „Angriff auf die Freiheit der Bürger“.

    Der Kriminologe Xavier Raufer sprach von einem rückwärts gewandten Gesetz, das die Entwicklung der Bedrohung nicht beachte. Selbstmordattentäter seien mit Kameras nicht abzuschrecken.

    27. September 2005 1
  • : James Boyle und der WIPO-„Broadcasting and Webcasting Treaty“
    James Boyle und der WIPO-„Broadcasting and Webcasting Treaty“

    James Boyle thematisiert in einer sehr interessanten Kolumne in der internationalen Financial Times den „Broadcasting and Webcasting Treaty“, welcher aktuell und vor allem in den kommenden zwei Wochen bei der WIPO in Genf diskutiert wird: More rights are wrong for webcasters

    Eventually, a new treaty will be produced. A new round of “harmonisation” will begin – upwards, always upwards. An unnecessary set of rights will have been created and created without evidence, perhaps reaching the heart of our new communications technology. And the lobbyists will return to their desks to plan again. Perhaps the growing furore about the webcast right will drive it off the agenda eventually. Yet the larger pattern of making ­decisions without evidence, as a contract among the affected industries, will continue. This is a scandal. But at WIPO, it is business as usual.

    27. September 2005
  • : Peru beschliesst Freie Software – Gesetz
    Peru beschliesst Freie Software – Gesetz

    Peru ist ein weiteres Land, welches die Förderung und Notwendigkeit von Freier Software erkannt hat. Dort wurde jetzt ein Gesetz verabschiedet, welches dafür sorgen soll, dass Verwaltungen Freie Software bevorzugt einsetzt.Begründet wird der Schritt mit mehr Nachhaltigkeit in der IT-Infrastruktur und langfristig niedrigeren Kosten.

    Das Gesetz verlangt im Einzelnen: Keine staatliche Organisation darf Hardware anschaffen, auf der nur freie oder nur proprietäre Software lauffähig ist. Proprietäre Software ist keinesfalls ausgeschlossen, jedoch dürfen Lizenzen proprietärer Software nur nach eingehender Prüfung angeschafft werden, die eine vergleichende Analyse der auf dem Markt befindlichen Software und eine Aufstellung von Kosten und Nutzen für die gesamte Einsatzzeit der Software einschließt. Schulungen sollen technologieneutral gehalten werden.

    Mehr dazu bei Pro Linux und Slashdot.

    27. September 2005
  • : DJV-Flyer für Journalisten zum Informationsfreiheitsgesetz
    DJV-Flyer für Journalisten zum Informationsfreiheitsgesetz

    Der Deutsche Journalistenverband hat einen neuen Flyer zum Informationsfreiheitsgesetz veröffentlicht:

    „Der langjährige Einsatz des DJV für ein IFG auf Bundesebene hat sich mit der Annahme des Gesetzes im Bundestag und der Zustimmung des Bundesrates im Juli endlich ausgezahlt“, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. „Das IFG macht den Weg frei für deutlich mehr Transparenz im Behördendschungel. Insbesondere für recherchierende Journalisten ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Mit dem neuen Flyer wollen wir den Journalisten eine Hilfe an die Hand geben, um die Chancen, die das Gesetz bietet, möglichst umfassend zu nutzen.“

    Richtig modern und entgegen alle Trends kann man sich den Flyer kostenlos in den Landesgeschäftsstellen abholen oder per Mail anfordern. An ein PDF-Dokument auf der Webseite wurde offensichtlich nicht gedacht. Schade eigentlich.

    27. September 2005
  • : Über China, Phishing, den CCC und Nutzwerk
    Über China, Phishing, den CCC und Nutzwerk

    Ganz verwundert habe ich mir heute morgen die Augen gerieben, als ich durch Zufall über einen Artikel der Leipziger Volkszeitung gestolpert bin: Online-Angriffe aus China. Thema des Artikels ist eigentlich Phishing, aber auch Nutzwerk (bekannt durch Filtersoftware und Klagen gegen den FFII) kommt prominent darin vor, der Chaos Computer Club und die Chinesische Regierung.

    Aber mal von vorne. Dass Phishing ein Problem ist, dürfte ja allgemein bekannt sein. Schon in der Einleitung wird deutlich: „Neue Spuren deuten darauf hin, dass die digitalen Attacken aus China kommen.“ Dann werden die Schäden aufgezählt,welche durch Phishing in Sachsen entstanden sind (Nur drei Fälle – dachte eigentlich, das sei ein grösseres Problem), ein Sprecher der Dresdner Bank wird zitiert und dann startet die Schleichwerbung für Nutzwerk. Der nächste Abschnitt ist jedoch wieder so konfus, dass ich ihn mal quoten muss:

    Doch Nutzwerk hat sich nicht nur der Prävention verschrieben, sondern auch der Verfolgung der Täter. „Wir sind zwei Fällen nachgegangen, in denen Kunden der Sparkasse und der Dresdner Bank angeschrieben wurden.“ Die digitale Spur führte in beiden Fällen nach China. Die dortige Regierung nimmt großen Einfluss auf die Internetarchitektur ihres Landes. Bereits Anfang des Jahres deckte der Chaos Computer Club Zensursysteme jenseits der virtuellen Chinesischen Mauer auf. Die Leipziger Ermittler hatten die Phisher bisher in Osteuropa vermutet: „Aber das kann man technisch leicht manipulieren“, so Thomas.

    Verwundert reibe ich mir die Augen, welche Zensursysteme der CCC Anfang des Jahres in China aufgedeckt hat. Klar gibt es in China massiv Zensur, aber das weiß man schon seit längerer Zeit, nicht erst seit Anfang des Jahres und zu dem Zeitpunkt hat der CCC auch nichts in diese Richtung aufgedeckt, vielleicht mal drauf hingewiesen. Allerdings hat dieses Thema hier und jetzt in diesem Artikel nichts zu tun, sondern es klingt eher, als ob der Name CCC mal schnell herangezogen werden müsste. Andererseits suggeriert dieser Absatz, dass China durch seine grosse Zensurtechnologie jetzt auch noch als Staat im Organisierten Verbrechen mitspielt, um die westliche Welt durch Phishing-Attacken auszunehmen.

    Einerseits wird argumentiert, digitale Spuren seien leicht zu manipulieren, dann wiederum vermutet man die Phisher in Osteuropa, aber es ist dann ganz klar, dass diese aus China kommen müssen, weil (nächster Absatz):

    Nutzwerks Recherchen indes rücken die Rolle der Volksrepublik in ein neues Licht. „Wir sind sicher, dass die Regierung den Versand von Spam und damit auch von Phishing-Mails deckt“, meint Holzer, bei dessen Untersuchungen unter anderem Sinopec, Asiens größte Ölraffinerie, auftauchte. Diese sei zu 55 Prozent in staatlicher Hand. Eine Mitwirkung bei der Aussendung von Massenmails liege nahe. „Inwiefern Sinopec wirklich verwickelt ist, konnten wir nicht zweifelsfrei herausfinden.“

    SPAM aus China ist ein grosses Problem, aber diese Argumentation ist genauso komisch, wie wenn man die US-Regierung bezichtigen würde, Phishing-Mails und SPAM zu decken. Zuerst ist man „sicher“, nur drei Zeilen später können sie es „nicht zweifelsfrei herausfinden.“ Ja, was denn jetzt?

    Hier wird einfach mal für eine Regionalzeitung alles zusammengeworfen, was gerade aktuell ist, die Angst vor Phishing, Zensur, China und die grosse Rettung aus Leipzig, die Firma Nutzwerk.

    Echt komische Story, klingt eher nach einem eingekauften PR-Artikel, Schleichwerbung oder sonstwas. Aber nicht wie ein gut recherchierter Artikel mit einer vernünftigen Argumentation. Dabei haben gleich zwei „Journalisten“ diesen zusammen geschrieben.

    27. September 2005 2