Datenschutz

  • : Überwachungslage gestern und morgen
    Überwachungslage gestern und morgen

    Offizielle Kampagne des Bundestages 2002:flirten lästern tratschen 2002

    Und so sieht es bald aus?
    Flirten lästern tratschen 2007

    Am Mittwoch berät das Bundeskabinett über die Vorratsdatenspeicherung. Macht was, egal ob im Netz oder in Berlin.

    17. April 2007 14
  • : Kreativ gegen die Vorratsdatenspeicherung – aber bitte schnell
    Kreativ gegen die Vorratsdatenspeicherung – aber bitte schnell

    Überwachungsminister Wolfgang Schäuble spielt uns ja momentan eher in die Hände mit seinen Forderungen. Bundestrojaner, Fingerabdruck-Vorratsspeicherung und so weiter lassen mittlerweile das Thema Überwachungsstaat zu einem Konflikt innerhalb der Koalition anwachsen, und sogar CSU-Leute denken an Orwell.Leider gibt es ein paar Vorhaben, die schon das Stadium der spinnerten Ideen überschritten haben. Das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung liegt seit einigen Monaten als Referentenentwurf vor. Übermorgen soll es eine wichtige Hürde nehmen: Es wird im Bundeskabinett diskutiert. Justizimisterin Brigitte Zypries wird hier leider keinen Konflikt mit Schäuble riskieren, weil sie selber dahinter steht und der Entwurf aus ihrem Hause kommt. Wenn bis dahin nicht noch groß was dazwischen kommt, wird daher der Entwurf vielleicht schon am Mittwoch verabschiedet und geht dann in den Bundestag.

    Was kann dazwischen kommen? Öffentlicher Druck. Also: Bloggt darüber, macht deutlich, dass ihr das ablehnt. Weist euch bekannte Journalisten darauf hin. Ruft euren Wahlkreisabgeordneten und euren A‑Blogger-Fanclub an. Informiert Tokyo Hotel und Knut. Mehr Ideen gibt es hier oder dann in euren Blogs. Schöne Fotos unter CC-Lizenz für die Berichterstattung und Meinungsmache gibt es hier.

    Auf der re:publica haben wir das gemeinsame Tag „Stasi 2.0“ diskutiert, das auch die ZEIT gleich aufgegriffen hat. Ansonsten kann man die Sachen ja einfach mit „Vorratsdatenspeicherung“ taggen.

    Update: Gerade dieses schöne passende Bild bei dataloo gefunden.
    Stasi 2.0

    16. April 2007 87
  • : Zentrales Melderegister?
    Zentrales Melderegister?

    Heise: Datenschützer gegen zentrales Bundesmelderegister.

    Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix hat Pläne für ein Bundesmeldegesetz und ein damit möglicherweise verknüpftes einheitliches Melderegister für alle Bundesbürger als „Rückfall in die Zeit des zentralen Einwohnerregisters der ehemaligen DDR mit seinen Personenkennzeichen“ zurückgewiesen. Diese Vergangenheit sei bei der deutschen Einigung als unvereinbar mit dem Grundgesetz angesehen und deshalb abgeschafft worden, gibt Dix zu bedenken. Die dezentrale Verarbeitung von Meldedaten hat sich seiner Ansicht nach im vereinten Deutschland bewährt. Eine zentrale Datenhaltung dürfte dagegen Begehrlichkeiten nicht nur bei den Sicherheitsbehörden, sondern auch bei anderen öffentlichen Stellen und Unternehmen wecken. Der Polizei und den Geheimdiensten etwa würde bei zukünftigen bundesweiten Rasterfahndungen der Zugriff auf einen „riesigen Datenbestand“ eröffnet.

    16. April 2007
  • : Widerstand gegen Überwachung wächst massiv – und braucht Geld
    Widerstand gegen Überwachung wächst massiv – und braucht Geld

    Das war ja wohl ein voller Erfolg: Letztes Mal knapp 350 250, jetzt schon an die 2000 Leute auf der Straße gegen den Überwachungswahn, am Samstag auf der vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung organisierten Demonstration in Frankfurt.

    Fotos hier, hier und hier, Presseberichte hier.

    Sogar in der CSU regt sich mittlerweile Widerstand gegen Schäuble. Landesgruppenchef Peter Ramsauer muss an 1984 denken:

    „Das Erschreckende ist, dass sich die Begründung von heute absolut deckt mit der aus Orwells Roman, nämlich: Sicherheit durch Ausforschen des Bürgers.“

    Auf der re:publica in Berlin hatte das Thema auch viel Zulauf, sowohl bei Teilnehmern als auch bei Journalisten. Dort entstand unter anderem diese Initiative:

    „Ich werde 5 EUR im Monat spenden an den AK Vorratsdatenspeicherung, wenn 500 Menschen das Gleiche tun.“

    Dann mal los!

    15. April 2007 8
  • : Bush kritisieren und nicht mehr fliegen
    Bush kritisieren und nicht mehr fliegen

    Mal ein Reality-Check zu den laufenden Verhandlungen zwischen der EU und den USA wegen der Weitergabe von Flugpassagierdaten: Ein emeritierter Professor für Verfassungsrecht (!), der auch noch Reserveoberst der Marines ist, landete auf der No-Fly-Liste der US-Behörden, weil er eine Rede gehalten hatte, in der er die Verfassungsverletzungen von George W. Bush kritisierte. Die Frage des Flughafenpersonals ist bezeichnend:

    „Have you been in any peace marches? We ban a lot of people from flying because of that.“

    Er konnte dann am Ende doch noch fliegen, aber wer hat schon eine Kriegsverletzung incl. Orden aus Korea? Der Mann war übrigens gerade auf dem Weg zu einem Vortrag über sein neues Buch „Constitutional Democracy“.
    via

    10. April 2007 6
  • : Keine Fortschritte bei SWIFT?
    Keine Fortschritte bei SWIFT?

    Über die Datenschutzprobleme bei SWIFT (SWIFT standardisiert den Zahlungsverkehr der europäischen Finanzinstitute untereinander) hatten wir schon mehrmals berichtet. Laut SWR gibt es keine Fortschritte, irgendwas zu verbessern und es könnte noch schlimmer werden. Der Artikel ist interessant, weil die Geschichte und Rolle von SWIFT erklärt und über die letzten Entwicklungen berichtet: US-Geheimdienst vor Kontrolle deutscher Bankdaten.

    Bislang allerdings ist nichts passiert. Bis zu den Osterfeiertagen kamen nach Informationen des Südwestrundfunks (SWR) keine konkreten Vorschläge zur Lösung des Problems – weder von SWIFT noch von den Deutschen Banken. Nur Absichtbekundungen habe es gegeben, erklärt Peter Schaar, der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, enttäuscht: „Diese Rückmeldungen sind nicht so, wie wir sie uns gewünscht hätten. Es ist angekündigt worden, dass man Verbesserungen einführen will, aber damit ist das Grundproblem noch nicht aus der Welt geräumt, nämlich der doch sehr weitgehende Zugriff der US-Behörden, ohne dass eine unabhängige Datenschutzkontrolle drauf schaut.“

    Allerdings könnte das Problem noch größer werden. Erst vor wenigen Tagen haben sich die EU-Finanzminister unter dem Stichwort „SEPA“ darauf geeinigt, dass künftig der ganze europäische Zahlungsverkehr, inklusive Inlandsüberweisungen, über SWIFT abgewickelt werden soll. Für Peter Schaar in der jetzigen Form unvorstellbar: „Wenn diese Daten, wie es geplant ist, auch über SWIFT laufen, würde das ohne eine Veränderung des Systems bedeuten, dass man dann auch diese Daten den Amerikanern für ihre Recherchen zur Verfügung stellt. Das ist mit unseren Vorstellungen von Souveränität schwer zu vereinbaren.“

    Wir haben letztes Jahr mal Musterbriefe online gestellt und eine kleine Aktion zu Swift gestartet: Aktion: Die CIA spioniert – auch auf Deinem Konto? Frag Deine Bank!

    7. April 2007
  • : BKA: Vorratsdatenspeicherung bringt nichts
    BKA: Vorratsdatenspeicherung bringt nichts

    Das BKA hat ja, wie Panorama berichtete, jahrelang versucht, undichte Stellen im eigenen Laden zu finden, über die Unterlagen an Journalisten weitergegeben wurden. BKA-Chef Ziercke teilte jetzt mit, dass dabei auch ein Beta-Test der Vorratsdatenspeicherung misslungen ist:

    Im Zuge der Korruptionsuntersuchung sind laut Ziercke unter anderem etwa drei Millionen Verbindungsdaten aus dem Telekommunikationsbereich aus dem eigenen Haus ausgewertet worden. […] Trotz des enormen Aufwands sei man den „schwarzen Schafen“ in den eigenen Reihen aber letztlich nicht auf die Schliche gekommen.

    6. April 2007 8
  • : re:publica – Interviews als Podcast
    re:publica – Interviews als Podcast

    Einer der liegengebliebenen To-Do´s für die re:publica war bei mir noch Podcasting-Interviews mit verschiedenen Referenten zu machen. Das hat mir aber jetzt Nicole Simon abgenommen, die schon verschiedene interessante Interviews gemacht hat. Weitere folgen noch und Freitag bin ich dran. Hier ist der Podcast-Feed. Und das sind die Interviews:

    # Johnny Haeusler (Spreeblick)
    # Dirk Olbertz (Blogscout)
    # Julian Kücklich über Utopien
    # Rainer Kuhlen über Verantwortung für eigene Werke
    # Nico Lumma über die Chancen von Politik in D.
    # Andrea Götzke über Netz für Entwicklungsländer
    # Ahmet Emre Acar über Computerspiele
    # Thomas Knüwer über die Zukunft von Zeitungen
    # Torsten Kleinz über Trolle
    # Ralf Bendrath über Vorratsdatenspeicherung
    # Martin Haase über Wikipedia
    # Udo Vetter über sein Anwaltsblog
    # Jan Schmidt über Wissenschaftler in der Blogosphäre
    # Matthias Oborski
    # Volker Grasmuck
    # Falk Lüke
    # Hugo E. Martin
    # Stephan Baumann
    # Markus Beckedahl

    Die Interviews bieten einen schönen Überblick über das vielfältige Programm der „re:publica – Leben im Netz“, das wir gestaltet haben. Ich freu mich, dass es nächste Woche live geht.

    5. April 2007 1
  • : Schweizer Regierung und Schäuble: Original und Fälschung
    Schweizer Regierung und Schäuble: Original und Fälschung

    Die Schweizer Regierung will jetzt auch den Rechtsstaat abschaffen:

    Den Nachrichtendiensten soll künftig die präventive Überwachung von Telefongesprächen, Mail- und Postverkehr sowie eine Verwanzung von privaten Räumen oder auch des Computers mittels Trojanern erlaubt werden. Diese Maßnahmen sollen ausdrücklich auch gegen Personen ermöglicht werden, gegen die kein konkreter Verdacht auf strafbares Verhalten besteht.

    Auf deutsch: Die sollen einfach alles und jeden nach Belieben abhören und durchleuchten dürfen.

    Das Gesetzgebungsverfahren läuft in der Schweiz übrigens schon seit 2006, Schäuble scheint also dort abgeschrieben zu haben. Ob der Termin der Vorlage in Berlin wohl abgestimmt war mit dem Ergebnis der Vernehmlassung in Bern? Und was sagt das Urheberrecht bei Raubkopien von Gesetzesvorlagen?

    5. April 2007 5
  • : Schäuble vs. Hirsch vs. Zypries
    Schäuble vs. Hirsch vs. Zypries

    Wolfgang Schäuble gab dem Handelsblatt ein Interview zum Bürgerrechtsabbau: „Fingerabdrücke auch bei Passämtern hinterlegen“.

    Wo sind denn die Grenzen?

    Die Grenzen gibt die Verfassung vor. Kein Mensch will die Verfassung verletzen. Es muss auch klar sein, dass solche Informationen auch nur dann verwertet werden dürfen, wenn sie ein Richter daraufhin vorher überprüft hat, ob sie nicht den unantastbaren Kernbereich privater Lebensgestaltung verletzen . An der Umsetzung dieser Vorgaben arbeiten wir jetzt und die Aufregung darüber ist völlig aufgeblasen. Der Verfassungsstaat hat eben die Aufgabe den Bürgern im Rahmen der Gesetze Sicherheit zu leisten.
    […]
    Können sie die Kritik nachvollziehen, dass sich die Innenminister immer mehr Kontrollmöglichkeiten zu Lasten der Bürgerrechte verschaffen?

    Diese Sicht ist naiv. Den schlimmsten Angriff auf die Persönlichkeitsrechte erfährt man durch einen Anschlag gegen Leib und Leben, oder wenn jemand die Daten und die Identität eines unbescholtenen Bürgers für kriminelle Zwecke missbraucht. Es ist doch meine Aufgabe, für die Sicherheit der Menschen zu sorgen. Die große Mehrheit der Bevölkerung sieht das übrigens auch so.

    Ich sehe das nicht so und bin wohl auch tierisch naiv. Der ehemalige Innenminister Burkhard Hirsch sieht das auch nicht so und ist dann auch naiv. Er schreibt heute in der SZ, dass „Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die Rechtsordnung dieses Landes verteidigen will, indem er sie abschafft“. Der Artikel heisst „Der Staat als Herrschaftsmaschine“ und kommt hoffentlich nochist online.

    Die Zeit freundlicher Kritik und ständiger Mahnung, bei der Terrorismusbekämpfung Augenmaß zu wahren, geht zu Ende. Nun ist Widerstand geboten. Unter der neuen „Sicherheitsarchitektur“, die der Innenminister Schäuble plant, verbirgt sich die Verwandlung der Bundesrepublik in einen Überwachungsstaat.

    […]

    Egon Bahr hat geschrieben, Staatsräson gehe vor Menschenwürde. Das ist falsch. Ohne Achtung vor der Menschenwürde verliert der Staat jede Räson. Er wird zur Herrschaftsmaschine, die man fürchten muss, aber nicht mehr achten kann. Wir, die Bürger dieses Landes, haben Anspruch auf ein Parlament, das der Regierung nicht blindlings gehorcht, sondern sie kontrolliert. Wir haben Anspruch darauf, dass unsere Verfassung nicht als Steinbruch zur gefälligen Benutzung freigegeben und nur ihre Belastbarkeit erprobt wird, anstatt sie zu verteidigen und zu achten. Wir haben Anspruch darauf, dass unsere Repräsentanten begreifen: Sie sind keine Obrigkeit, die das Recht hätte, uns in bester Absicht zu entmündigen. Wir erwarten von den Mitgliedern der Bundesregierung, dass sie in derselben Weise Haltung, Verstand und Augenmaß bewahren, wie die Richter des Bundesverfassungsgerichts es gezeigt haben. Unsere Bürgerrechte sind kein lästiger Bremsklotz, sondern der Kern unserer Rechtsordnung. Die Stärke eines Staates besteht nicht darin, dass der Bürger ihn fürchtet, sondern dass er ihn als seinen Staat begreift und darum bereit ist, in ihm Verantwortung zu übernehmen und ihn zu verteidigen. Niemand wird einen Staat achten und verteidigen, der ihn als potentiellen Straftäter behandelt. Wir, die wir so denken, lassen uns nicht als liberale Restposten aus diesem Staat von denen herausdrängen, die ihre Sicherheit mit unserer Freiheit bezahlen wollen. „Man bekämpft die Feinde des Rechtsstaats nicht mit dessen Abbau, und man verteidigt die Freiheit nicht mit deren Einschränkung“, hieß es in einem Aufruf der Humanistischen Union von 1978. So ist es, und so bleibt es.

    Brigitte Zypries verweist dann auch darauf, dass Schäuble etwas zuw eit geht. Mal schauen, ob das der Wiefelpütz von der SPD auch so sieht.

    Spiegel-Online: Zypries weist Schäuble in die Schranken.

    Man solle den Menschen nicht „vorgaukeln, dass es diesen absoluten Schutz doch geben könnte, wenn man nur immer weiter die Gesetze verschärfe“. Zugleich wies sie Schäuble in die Schranken. „Die akustische Wohnraumüberwachung zur Strafverfolgung fällt in meine Zuständigkeit und nicht in die des Bundesinnenministeriums.“ Zypries sieht keinen Grund, die bestehenden Möglichkeiten zur Wohnraumüberwachung zu erweitern. Die Nutzung von gespeicherten Fingerabdrücken aller Bundesbürger zur Gefahrenabwehr wäre aus ihrer Sicht „verfassungsrechtlich höchst bedenklich“. Sie warnte davor, „öffentlich Debatten zu führen, die den Menschen Angst machen und die in die Irre führen“.

    5. April 2007 5
  • : CDU-Wunschliste für noch mehr Überwachung
    CDU-Wunschliste für noch mehr Überwachung

    Jetzt gibt es dann wohl den Wolfgang-Katalog I.

    Der Rabenhorst hat die Punkte mal zusammengefasst: Die Kriegserklärung der Großen Koalition der großen Brüder.

    * Präventive(?) Rasterfahndung für das BKA.
    * Präventive(?) Online-Durchsuchung für das BKA und nicht nur für die Geheimdienste.
    * Instrumentalisierung der LKW Maut-Daten für Fahndungszwecke bei schweren Straftaten und Terrorismus. Referentenentwurf dazu wird Mitte April aus der Schublade gezaubert, interne Absprachen zwischen Toll Collect und BKA bereits durchgeführt.
    * Änderung des Passgesetzes, damit die in den RFID-Chips der ID-Dokumente gespeicherten biometrischen Daten auch bei den Meldeämtern gespeichert werden.
    * Umgehung des Gebots der Achtung des Kernbereichs privater Lebensgestaltung beim Großen Lauschangriff über die Erfindung des „Richterbands“, so dass sichergestellt ist, dass zunächst und trotzdem komplette Gesprächsinhalte aufgezeichnet werden könnten.
    * Ausweitung der Telekommunikationsüberwachungsbefugnisse für Geheimdienste über Änderung des G‑10 Gesetzes.

    Heribert Prantl kommentiert in der SZ: Minister Dr. Wolfgang Maßlos.

    Es geht nicht um die üblichen Verschärfungen der Sicherheitsgesetze, wie sie seit dreißig Jahren zum Alltag gehören. Der Schäuble-Plan ist vielmehr ein Plan zum Umbau des Rechtsstaates in einen Präventions- und Sicherheitsstaat.

    Schäuble missachtet die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts. Er missbraucht ein von ihm propagiertes, ungeschriebenes „Grundrecht auf Sicherheit“ zur Banalisierung aller anderen Grundrechte. Schäuble hat ein Puzzle der rechts- und innenpolitischen Maßlosigkeit vorgelegt.

    Den gewünschten Zugriff auf die Mautdaten kommentiert Don Dahlmann.

    Heise: Schäubles lange Liste für weitere Ermittlungsbefugnisse.

    Die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag hat am Donnerstag in einer Koalitionsrunde umfangreiche Forderungen zum Ausbau der Überwachung im Rahmen der Terrorismusbekämpfung gestellt, die von Präventivbefugnissen für das Bundeskriminalamt ( BKA) über Vereinfachungen beim großen Lauschangriff bis zu Rasterfahndungen reichen. Bereits aktuell verfolgte Gesetzesänderungen zum Zugriff der Ermittler auf die Maut-Daten im Lkw- Bereich sowie auf Festplatten privater PCs und Speicherplattformen im Internet über die heftig umstrittenen Online-Durchsuchungen durften auf der langen Wunschliste nicht fehlen.

    Heise: Polizeigewerkschaft kritisiert Schäuble-Katalog.

    Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, hat einen Vorstoß aus dem Bundesinnenministerium kritisiert, die ab dem November 2007 anfallenden Fingerabdruckdaten zunächst bei Reisepässen, dann bei Personalausweisen in den jeweiligen Meldeämtern für künftige Fahndungszwecke zu speichern. Eine Art erkennungsdienstliche Behandlung der Gesamtbevölkerung hält Freiberg der Arbeit seiner Kollegen nicht für zuträglich: Eine bundesweite Fingerabdruck-Datei lege den Grundstein zu einer umfassenden Datensammlung über jeden einzelnen Bürger, das sei keine vertrauensschaffende Maßnahme für die Arbeit der Polizei und überdies ungesetzlich, erklärte Freiberg in einer Mitteilung: „Das wäre der Einstieg in eine bundesweite Fingerabdruck-Kartei und damit nach Auffassung der GdP ein grober Verstoß gegen das verfassungsmäßige Recht jedes Einzelnen auf die so genannte informationelle Selbstbestimmung.“

    Heise: Bundesdatenschützer kritisiert Pläne für schärfere Sicherheitsgesetze.

    Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat die Vorschläge von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) für eine rasche Verschärfung zahlreicher Sicherheitsgesetze kritisiert. Größere Befugnisse des Bundeskriminalamtes (BKA) bei der Verbrechensvorbeugung sehe er „ziemlich kritisch“, sagte Schaar im WDR. „Denn gerade in diesem Vorfeld weiß man ja erst mal noch nicht so genau, wonach man sucht und nach wem man sucht.“ Er sei gespannt, „wie eine solche Regelung aussehen soll, die ganz gezielt terroristische Straftäter treffen soll und nicht etwa den normalen Bürger oder jemanden, der im Internet surft“.

    Taz: Schäuble braucht Goodwill der Länder.

    So gesehen, ist es ganz schön kühn, wie Schäuble nun vorgeht. Er will nicht nur, dass das BKA Gefährder beobachten oder befragen kann, das BKA soll auch Sonderbefugnisse erhalten, die derzeit nicht einmal den Landespolizisten zur Verfügung stehen, zum Beispiel die Nutzung der Mautdaten oder das heimliche Ausspähen von Computern. Schäuble muss sein Projekt nun politisch und rechtlich wasserdicht machen. Auf beiden Ebenen haben die Länder ein Wort mitzusprechen. Für die Änderung des BKA-Gesetzes ist nicht nur eine Mehrheit im Bundestag erforderlich, sondern auch im Bundesrat. Verlangt Schäuble zu viel, könnte er an den Ländern scheitern, die keine zentrale Super-Polizei wollen. Rechtlich wird es nicht nur um die Grundrechte der Bürger, sondern auch um die Rechte der Länder gehen. Die Grundgesetzänderung vom letzten September sieht nämlich enge Grenzen für die präventiven BKA-Befugnisse vor.

    Man darf ja gar nicht daran denken, was die noch alles machen, wenn tatsächlich mal ein Terroranschlag in Deutschland passiert. Und die Politiker Handlungsbereitschaft im medialen Gewitter zeigen wollen.

    2. April 2007 25
  • : Bundestag tritt für ein modernes Datenschutzrecht ein
    Bundestag tritt für ein modernes Datenschutzrecht ein

    Mal schauen, wieviel Eifer das Innenministerium und die Sicherheitspolitiker zulassen: Bundestag tritt für ein modernes Datenschutzrecht ein.

    Der Deutsche Bundestag hat in seiner gestrigen Sitzung (PDF-Datei) mit Stimmen aller Fraktionen eine Entschließung verabschiedet, in der ein modernes Datenschutzrecht gefordert wird. Auch tritt das Parlament für gesetzliche Bestimmungen zum Datenschutzaudit, zum Arbeitnehmerdatenschutz und zur Genomanalyse ein. Weitere Punkte sind der Datenschutz in der dritten Säule der EU, beim internationalen Zahlungsverkehr, bei der Fluggastdatenübermittlung, beim Einsatz von RFID-Chips, bei der Tätigkeit von Auskunfteien und der elektronischen Gesundheitskarte. Der Beschluss geht auf eine Empfehlung (PDF-Datei) des Innenausschusses zurück, der sich vorgestern mit dem 20. Tätigkeitsbericht des Bundesbeauftragten für den Datenschutz, Peter Schaar, befasst hat.

    Der erste Reflex ist sicherlichbei einer solchen Meldung, zuerst auf alle Politiker einzuschlagen und sie als unglaubwürdig zu bezeichnen. Aber ich mag Verallgemeinerungen a la „Die Politiker„TM überhaupt nicht und für solche Initiativen kann man sie auch mal loben. Sicherlich gibt es viel mehr zu fordern, aber gleichzeitig gibt es auch die Front der Sicherheitspolitiker, die seit Jahren unsere Bürgerrechte beschneidet. Und jede politische Initative, die den Datenschutz und damit unsere Rechte wieder stärken will, und sei es erstmal durch nette Worte, ist in heutigen Zeiten zu begrüssen.

    Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar erklärte dazu auch in einer Meldung:

    Die Unterstützung aller Fraktionen des Deutschen Bundestages unterstreicht die Bedeutung, die dem Datenschutz in einer immer umfassenderen Informationsgesellschaft zukommt. Ich freue mich, dass es bei allen Meinungsverschiedenheiten im Einzelfall möglich war, eine so breite Übereinstimmung in vielen wichtigen Bereichen des Datenschutzes zu erzielen. Das stärkt das Grundrecht aller Bürgerinnen und Bürger auf informationelle Selbstbestimmung und macht Mut, weiter entschieden dafür einzutreten. Ich gehe davon aus, dass die Bundesregierung die Forderungen des Parlaments aufgreift und bei ihrer Arbeit berücksichtigt.

    30. März 2007 1
  • : Tätigkeitsbericht 2007 des ULD
    Tätigkeitsbericht 2007 des ULD

    Anlässlich der Vorstellung der Tätigkeitsberichtes 2007 des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) erklärt dessen Leiter Dr. Thilo Weichert: „Der präventive Datenschutz startet durch“.

    Die Politik ist stolz auf erste Plätze in den Bereichen Wirtschaft, Bildung und Sport. Keine derartige Resonanz fand dagegen eine Rangliste, die im November 2006 veröffentlicht wurde. Bei einem internationalen Ranking der renommierten Bürgerrechtsorganisation „Privacy International“ zum Datenschutz landete Deutschland auf Platz 1, während andere fortgeschrittene Informationsgesellschaften wie z.B. Großbritannien und die USA weit abgeschlagen im hinteren Mittelfeld landeten. Dieser Platz 1 ist wohl weniger den Politikern zuzuschreiben, die immer wieder neue Befugnisse für heimliche Ermittlungen, weit im Vorfeld von Gefahren und Straftaten, fordern, als den Kräften in unserer Gesellschaft, die einen vernünftigen Ausgleich zwischen Bürgerrechten und Kontrollbedarf anstreben.

    Das Land Schleswig-Holstein ist nach Überzeugung des ULD an dem positiven internationalen Ranking Deutschlands nicht ganz unbeteiligt. Wir sehen keine Veranlassung, angesichts der rasanten Entwicklung der Überwachungstechnologien resigniert den Kopf in den Sand zu stecken. Daher beginnt der Tätigkeitsbericht 2007 des ULD mit der optimistischen Überschrift: „Der präventive Datenschutz startet durch“ (1.1). Dass diese Überschrift mehr als lautes Pfeifen im finsteren Wald ist, ergibt sich aus den im Tätigkeitsbericht für das letzte Jahr dokumentierten Umstände:

    Der 29. Tätigkeitsberichts im Volltext.

    30. März 2007
  • : „Alltag Überwachung“ zum Download
    „Alltag Überwachung“ zum Download

    Der Dokumentarfilm „Alltag Überwachung“ von Fiete Stegers und Roman Mischel steht jetzt endlich zum Download bereit. Um die Weihnachtszeit gabs den Film in vier Teilen auf den Seiten von Tagesschau.de zu sehen. Jetzt gibts die vier Teile einzeln zum Download als MP4 oder die 350 MB Version komplett.

    Herunterladen und weiterverteilen.

    [via]

    30. März 2007 7
  • : Designwettbewerb: AK Vorratsdatenspeicherung sucht Logo
    Designwettbewerb: AK Vorratsdatenspeicherung sucht Logo

    Der AK Vorratsdatenspeicherung, der vor weniger als eineinhalb Jahren entstanden ist, hat eine erstaunliche Dynamik entwickelt. Mehr als 12.000 Unterschriften für die geplante Verfassungsklage gegen die Vorratsdatenspeicherung, mehr als Tausend individuelle offene Briefe an die Abgeordneten der Großen Koalition, zwei Demonstrationen (die nächste Demo gegen den Überwachungswahn ist am 14. April in Frankfurt), gemeinsame Erklärungen mit bis zu 27 großen und kleinen Verbänden, und inzwischen gibt es sogar eine Reihe von Ortsgruppen. Alles recht ermutigend. Wir machen auf der Re:Publica übrigens auch einen Workshop „Kreativ gegen die Vorratsdatenspeicherung“.
    Eine der großen Fragen bei der Außenkommunikation war dabei immer: Wie visualisiert man Vorratsdatenspeicherung? Wie visualisiert man die Privatsphäre? Dazu gibt es jetzt einen Wettbewerb:

    Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung („AK Vorrat“) sucht seit einem Jahr das Logo schlechthin, welches die Thematik „Vorratsdatenspeicherung,“, „Pauschale Überwachung aller Bürger“, „Gefahr für Privatsphäre, Grundrechte und Demokratie“ anschaulich und frisch verdeutlicht.

    Uns bringt diese Aufgabe zur Verzweiflung. Es gab verschiedene Entwürfe, aber das perfekte Logo suchen wir noch immer. Zum Glück gibt es das Web 2.0, das Social Web!

    Wir rufen hiermit in der Blogosphäre einen Design-Wettbewerb aus:

    Wer entwirft das schönste, beste, noch nie dagewesene, coolste, modernste Logo aller Zeiten für den AK? Wessen Name wird in die Geschichte des Blogosphäre eingehen als Retter des Datenschutzes und Held der Demokratie?

    Wir wünschen Euch viel Glück und sind sehr gespannt auf Eure Einsendungen!

    Schickt eure Entwürfe bzw. die Links zu euren Blogeinträgen/Entwürfen bitte an oder veröffentlicht sie auf http://wiki.vorratsdatenspeicherung.de/?title=Logo

    Die besten Logos werden auf der Re:Publica präsentiert, vielleicht haben wir bis dahin auch schon einen Gewinner.

    29. März 2007 1
  • : Größter Kreditkartenraub aller Zeiten?
    Größter Kreditkartenraub aller Zeiten?

    Spiegel-Online: 45,7 Millionen Kreditkartennummern gestohlen

    Über Jahre hatten Hacker unerkannt Zugriff auf die Datenbanken der anglo-amerikanischen Kaufhaus-Kette TJX. Das ganze Ausmaß des kriminellen Treibens wurde erst jetzt bekannt. Etliche Millionen Datensätze wurden dem Unternehmen gestohlen.

    29. März 2007
  • : Bundestag bekommt den ePass erklärt
    Bundestag bekommt den ePass erklärt

    Der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages erklärt den ePass im „Aktuellen Begriff“.

    Seit dem 1. November 2005 werden in der Bundesrepublik Deutschland elektronische Reisepässe ausgegeben. Diese sind mit einem Chip versehen, auf dem neben den Personendaten auch ein Lichtbild des Ausweisinhabers gespeichert sind. Derzeit wird erprobt, weitere biometrische Daten, wie z.B. Fingerabdrücke, auf den Chip zu speichern. Dieser Aktuelle Begriff beschreibt die Funktionsweise des E‑Passes und die dazu notwendigen Ausleseverfahren und Abgleichmöglichkeiten mit bestehenden oder noch …

    Der Zeitpunkt für die Erklärung eines „Aktuellen Begriffes“ scheint mir perfekt gewählt.

    29. März 2007 1
  • : Dürfen die das?
    Dürfen die das?

    Onlinejournalismus.de hat Thomas Hoeren und Till Kreutzer zu verschiedenen rechtlichen Fragestellungen rund ums Publizieren im Netz befragt: Weblogs, Datenschutz und Persönlichkeitsrechte. Und die Fragen sind mal nicht die üblichen Verdächtigen, sondern durchweg interessant. Bei der re:publica wird es auch ein Panel zu diesem Thema geben, dazu eine „Law-Lounge“.

    Wie sieht es im Einzelnen aus? Darf ein Blogger etwa einen Brief veröffentlichen, den er von einer Behörde erhalten hat?

    Kreutzer: Bestimmte Briefe wie etwa reine Verwaltungsakte haben keinen oder nur schwachen Persönlichkeitsbezug, was bedeutet, dass deren Veröffentlichung auch keine Persönlichkeitsrechtsverletzung darstellt. Jedenfalls hat das BVerfG beim Brief eines Amtswalters einen geschwächten Persönlichkeitsschutz angenommen

    Hoeren: Soweit der Datenschutz beachtet wird – ja. Wichtig ist, dass Namen von Beamten, die den Brief unterzeichnet haben, geschwärzt werden. Das ist wie bei der Veröffentlichung von Urteilen. Schauen Sie sich dazu einmal die unzähligen Jura-Weblogs an. Dort werden eine Vielzahl von Urteilen im Volltext ins Web gestellt. Dabei sind fast immer die Namen der Parteien und der Richter unkenntlich gemacht worden. Soweit sich dort doch Namen finden, ist bei den juristischen Blogs davon auszugehen, dass vorher die Zustimmung eingeholt wurde.

    27. März 2007
  • : Dokumentation: Suspect Nation
    Dokumentation: Suspect Nation

    Bei Google-Video findet sich eine Dokumentation über Videoüberwachung vom britischen Channel 4: „Suspect Nation“. Wurde im November wohl zum ersten Mal ausgestrahlt und ist 47 Minten lang. Kann man sich auch bei Google-Video herunterladen.

    Hier klicken, um den Inhalt von video.google.com anzuzeigen.

    [via]

    26. März 2007 4
  • : Grünes Fachgespräch zu „Bürgerrechtsschutz im digitalen Zeitalter“
    Grünes Fachgespräch zu „Bürgerrechtsschutz im digitalen Zeitalter“

    Heute fand im Bundestag ein Fachgespräch der Grünen Fraktion zum Thema „Bürgerrechtsschutz im digitalen Zeitalter“ statt. Eingeladen hatten die Abgeordneten Silke Stokar, Wolfgang Wieland und Jerzy Montag. Referenten waren vielfältig vorhanden, vom Chaos Computer Club über BKA-Chef Ziercke bis hin zu verschiedenen Professoren aus verschiedenen Bereichen. Hier sind mal meine ausführlichen Mitschriften der Diskussion, die ich schon weitgehend in Prosa-Text umgewandelt habe. Der Rest folgt vielleicht auch noch.

    26. März 2007 10