Der Datenskandal um Cambridge Analytica und Facebook zeigt anschaulich: Wenn es einfach gemacht wird, auf Daten zuzugreifen, dann wird das auch gemacht. Oftmals eben auch ohne zu fragen und damit illegal. Die Ereignisse und Vorwürfe haben wir hier ausführlich zusammengestellt. Wir haben Reaktionen aus der Politik gesammelt und Möglichkeiten aufgezeigt, wie man das eigene Facebook-Profil durch eine Änderung der Privatsphäre-Einstellungen zukünftig besser schützen kann – zumindest gegenüber Drittanbietern.
Während Facebook sich weiter als Opfer inszeniert und vermeintlich öffentlich Besserung gelobt, dürfte es dazu eher nicht kommen. Denn Facebook müsste dafür sein Geschäftsmodell grundlegend verändern. Dafür gibt es keine Anzeichen.
Was von der Politik getan werden kann
Daher ist jetzt die Politik gefragt. Sie kann unsere Datenschutzaufsichtsbehörden mit mehr Personal ausstatten, damit diese ihre Aufgabe gegenüber Großkonzernen wie Facebook besser ausüben können. Dann wären die Behörden in der Lage, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Daten Facebook sammelt – etwa personenbezogene Daten, Kommunikationsdaten, Verhaltensdaten usw. – und was die Firma damit macht. Dann könnten auch Regulierungslücken frühzeitiger erkannt und behoben werden.
Außerdem könnte die Musterfeststellungsklage endlich mal verabschiedet werden, damit Verbraucherverbände mit ihren Ressourcen in unserem Namen Recht vor Gericht durchsetzen können. Und wenn es gerade keine wirkliche Alternative zu Facebook zu geben scheint, ist das auch hausgemacht: Wo wurden denn Alternativen gefördert? Vielen ist auch nicht bewusst, welche Daten wir wo hinterlassen, was das bedeutet, und dass man sich auch schützen kann. Kein Wunder: Digitalkompetenz finden alle super, nur findet man in den jeweiligen Haushalten eher wenig Posten und Gelder dafür. Und die Digitalkompetenz-Vermittlung durch Facebook selbst ist nur eine bunte Marketingblase, die nicht wirklich aufklärt, sondern lediglich gefühlte Sicherheit vermittelt, damit man sich dort wohler fühlt.
Und dann gibt es noch die derzeit laufenden Verhandlungen zur ePrivacy-Verordnung. Im Moment lässt Facebook bei seinen Nutzern alle Einfallstore offen und man muss sich aufwändig damit beschäftigen, die Datenschutzeinstellungen so zu konfigurieren, damit die Privatsphäre auf der Plattform besser geschützt ist. Das Prinzip kann man auch umdrehen und Unternehmen die Regel vorgeben, dass die Datenschutzeinstellungen scharf gestellt werden müssen. Wer gerne freizügig ist und ohne Bedenken seine Daten teilen will, kann dann gerne alles bewusst freischalten. Außerdem könnten klare Leitplanken gegen intransparentes Tracking eingeführt werden.
Was Nutzer tun können: Wehrt und beschwert Euch
Natürlich kann man aus Facebook austreten, aber viele können sich das nicht leisten. Denn es droht, vor allem bei jüngeren Menschen, oftmals der Ausschluss aus sozialen Beziehungen, wenn man nicht mehr bei Facebook, Whatsapp oder Instagram aktiv ist. Viele Freunde und Familieangehörige verstehen (oft aus Bequemlichkeit) nicht, dass es auch Alternativen gibt und man aus guten Gründen wechseln sollte. Unterstützt Organisationen mit Spenden, die sich für Verbraucherrechte und Datenschutz einsetzen und damit auch für Eure Rechte kämpfen. Man kann aber gegenüber dem Unternehmen durch das Herstellen von Öffentlichkeit Kritik entgegenbringen und Reformen fordern. Negative Reaktionen der Öffentlichkeit kosten Facebook etwas und führen zumindest dazu, dass der Konzern öffentlich Besserung geloben muss. Viele Medien äußern im Moment zu Recht Kritik am Geschäftsgebahren, unterstützen aber gleichzeitig Facebook im dreckigen Spiel des Trackings von Nutzerverhalten. Die von den Medien überall eingebundenen Facebook-Sharebuttons übermitteln automatisiert und intransparent das Surfverhalten ihrer Leserinnen und Leser an Facebook. Die automatisierte Übermittlung kann man ausschalten. Wir machen das hier, um unsere Leserinnen und Leser zu schützen.
Und dann kann man selbstverständlich die Politikerinnen und Politiker zur Verantwortung ziehen, die uns nicht ausreichend in unseren Grund- und Verbraucherrechten schützen, ständig gegen Datenschutz wettern und einen vermeintlichen Datenreichtum propagieren. Dieselben Politiker und Politikerinnen, die zugleich das Thema Facebook-Regulierung zulange verschlafen haben. Man kann sich mit Werkzeugen zur digitalen Selbstverteidigung wehren und mindestens Anti-Trackingtools als Browser-Plugins installieren, damit nicht mehr auf vielen Webseiten unbemerkt im Hintergrund teils gleich dutzende Firmen das eigene Surf-Verhalten protokollieren und weiterverarbeiten.
Stelldichein mit Mark Zuckerberg
Es gibt da jene politischen Entscheidungsträger, die sich jetzt beschweren, dass Facebook nicht mit ihnen in den Dialog tritt, nicht transparent vorgeht und wenn überhaupt, in ihre Ausschüsse nur seine unwichtigsten Lobbyisten schickt, um allgemeine Presse-Statements vorzulesen. (So geschah es etwa heute im Ausschuss Digitale Agenda des Bundestags.)
Liebe Politikerinnen und Politiker, Ihr könntet doch mal konsequent sein und bei der nächsten Einladung zum Smalltalk und Foto-Termin mit Mark Zuckerberg oder Sheryl Sandberg oder bei den nächsten Lobby-Parties des Unternehmens die Einladung ablehnen. Und das solange, bis sich die Verantwortlichen von Facebook auch mal zu einer öffentlichen Anhörung mit kritischen Fragen im Deutschen Bundestag blicken lassen.
Wetten, dass die dann schneller kommen und sich einem demokratischen Dialog stellen?
