Transparenzbericht August 2022Unsere Einnahmen und Ausgaben und Hirnschmelze

Ein aufmerksamer Leser hat uns gefragt, warum der letzte Bericht über unsere Finanzen schon etwas zurückliegt. Es ist mittlerweile Dezember und die jüngsten Zahlen sind noch aus dem Juli. Den Grund dafür verraten wir heute. Aber keine Ausreden mehr! Hier kommt unser monatlicher Einblick hinter die Kulissen.

Frau auf grünem Sofa
Wo sind die Monate hin? (Symbolbild) CC public domain Ramon Casas i Carbó

Es hat natürlich einen Grund, dass die Transparenzberichte so lange auf sich warten ließen, und der ist denkbar einfach. Es fehlte schlicht die Zeit. Als ich darüber nachdachte, warum Zeit fehlt, ist mir eines sehr klar geworden. Ich bin sehr dankbar, dass die Aufgaben, die bei uns anfallen, mittlerweile auf mehreren Schultern verteilt sind. Wir haben damit einen unfassbaren Sprung in der Professionalisierung gemacht.

Tina kam im Sommer letzten Jahres zu uns, um mir den gesamten Bereich der Finanzen abzunehmen. Die Chefredaktion ist mittlerweile auf zwei Köpfe verteilt. Die IT ist größer geworden. Aber Überraschung, das alles führt nicht zwingend dazu, weniger zu tun zu haben. Es führt vor allem dazu, dass wir bisher liegengelassene Aufgaben erfüllen können. In den letzten Jahren waren viele von uns regelmäßig am Limit. Das bedeutet auch, dass vorwiegend das Notwendige gemacht werden konnte. Erst kommt die Pflicht, dann die Kür.

Die Kür ist aber genauso wichtig, damit eine Organisation nachhaltig wachsen kann. Zum Beispiel die Integration aller neuen Beschäftigten sowie Verbesserungen in der Art, wie wir Entscheidungen treffen. Das sollte man nicht vernachlässigen, wenn eine Gruppe stark wächst. Was nämlich mitwächst, ist der Aufwand, der Menschen zu einem Team macht. Jeder neue Mensch bedeutet auch neue Bedürfnisse, neue Anliegen, neue Konflikte, neue Lösungen, neue Motivation, neue Projekte. Das alles muss irgendwie gemanagt werden. Selbstkritisch betrachtet unterschätzen wir das an der einen oder anderen Stellen manchmal. Aber wir lernen auch daraus.

In diesem Jahr laufen die Dinge anders

In diesem Jahr haben Ole und ich gesagt, dass wir zusammen mit Daniel aus der Chefredaktion die Spendenkampagne verantworten wollen. In den letzten Jahren war das eher ein Gruppenprojekt und jedes Gruppenprojekt braucht Moderation, Entscheidungen, Absprachen und Abwägungen – es gibt viele Ideen aus allen Richtungen, die evaluiert, ausgeführt oder abgelehnt werden müssen.

Mit der Gruppengröße steigt nicht immer die Effizienz, wenn die Aufgaben, Entscheidungskompetenzen und Verantwortungen nicht zu 100 Prozent geklärt sind. Sich mit zwei Menschen zu einigen, ist durchaus einfacher als mit zwanzig. Auf den vielen guten Input des gesamten Teams wollten wir dabei natürlich nicht verzichten, und wir sind auch immer wieder auf alle angewiesen. Ich glaube, es ist uns ganz gut gelungen, das zusammenzubringen. Und obwohl es stressig ist, haben wir auch sehr viel Freude daran. Danke Ole und Daniel für die tolle Zusammenarbeit in den letzten Wochen!

Fertig sind wir nie

Ole und mir fallen trotzdem ständig Dinge ein, die man noch besser machen können. Aber wir wohnen seit Wochen quasi schon fast im Büro und mehr ist nicht möglich, sonst gäbe es her wohl noch eine Hirnschmelze. So ist das eben, man ist nie fertig. Alles geht immer noch ein Stückchen besser.

Am Ende stelle ich mir natürlich auch die Frage, wie viel Energie in die Jahresendkampagne fließen soll. Wir sind ein gemeinnütziger Verein und werden sicherlich niemals Spendengelder an eine große Werbeagentur raushauen, damit uns die Arbeit etwas abgenommen wird. Das heißt, wir machen das selbst. Der Druck ist aber jedes Jahr ziemlich groß. Über dreißig Prozent der Spendeneinnahmen kommen in den letzten 31 Tagen des Jahres. Das sind zumindest die Erfahrungswerte. Ob das jedes Jahr klappt, wissen wir natürlich nicht. Niemand kann in die Zukunft sehen.

Zudem haben wir – wie alle anderen auch – die Herausforderung, dass es gerade in diesem Spätjahr noch ganz andere Sorgen gibt als netzpolitische Themen: Inflation, hohe Energiepreise, auch Covid-19 gibt es noch. Aber wie sagte Constanze so schön in ihrem Rückblick zur Vorratsdatenspeicherung: „Ich kann verstehen, dass für viele Menschen Überwachung aktuell nicht das drängendste Problem ist. Doch die Freiheit von Überwachung, insbesondere von dauerhafter anlassloser Massenüberwachung, bleibt letztlich die Voraussetzung für politische Veränderung: Eine überwachte Gesellschaft kann sich nur schwer ändern, sie erstarrt.“

Hinter den Recherchen passiert noch viel mehr

Eines ist auf jeden Fall klar, in diesem Jahr wie in jedem weiteren: Das wichtigste, das wir haben, sind unsere Inhalte und der Kampf für digitale Grund- und Freiheitsrechte. Deswegen stehen sie in der diesjährigen Spendenkampagne auch ganz im Mittelpunkt. „We fight for your digital rights!“ ist dabei kein Lippenbekenntnis, sondern unsere Überzeugung. Was wir erreicht haben, wie lange wir an den Themen dran sind, welche Anekdoten wir mit den Recherchen verbinden – all das zeigen wir euch in diesem Jahr in ganzer Breite. Wir hoffen, es gefällt euch!

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: Die Zeit seit dem Sommer ist schon wieder verflogen. Wir lassen euch so gern teilhaben an allem, was hinter den Kulissen passiert, und in diesem Jahr ist vor allem einfach unglaublich viel auf einmal passiert. Es war ein wildes Jahr, ein wilder Ritt, und wir sind alle unglaublich gewachsen. Wir haben uns viel vorgenommen, und das meiste haben wir auch hingekriegt – bis auf das fixe Ausspielen unserer Zahlen.

Unsere Einblicke in die letzten Monate kommen natürlich trotzdem, denn das, was als Artikel auf der Seite landet, ist zwar der größte Anteil unserer Arbeit, aber dahinter passiert noch viel mehr, was ihr sonst nicht sehen könntet. Und ihr sollt wissen, wofür ihr hier spendet. Wir sind so dankbar für euer Vertrauen, und wir wollen dafür so viel wie möglich zurückgeben.

Die harten Zahlen

Was in jedem Monat unglaublich motiviert, seid ihr. Das ist nicht nur dahergesagt. Ole, Tina und ich, die wir viel mit euren Spenden arbeiten, lesen so gerne eure Kommentare, die ihr zu einer Spende dazuschreibt und die sich in Verwendungszwecken einer Buchung verstecken. Wir sind so dankbar, wie stabil ihr uns unterstützt. Im August kamen wir so auf Spenden in Höhe von 52.769 Euro. Damit sind die Spenden um 9 Prozent gestiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat. Ein Wachstum bei den Spenden in diesen Zeiten ist unglaublich und wir freuen uns enorm darüber!

Unsere Einnahmen und Ausgaben im August 2022
Unsere Einnahmen und Ausgaben im August 2022 - CC-BY-NC-SA 4.0 owieole

Für den Betriebsbedarf wurden insgesamt 660 € ausgegeben. Unsere Teammitglieder arbeiten nun stetig mehr vom Büro aus, weshalb der Bedarf für bestimmte Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände steigt. Mit etwas über 75.000 € sind die Personalausgaben nominal etwas erhöht. Der Grund dafür ist sehr erfreulich – Daniel Leisegang ist zum zweiten Teil unserer Chefredaktion geworden. Insgesamt 5.348 € gaben wir für Fremdleistungen aus. Neben den Artikeln externer Autor:innen fielen im Zuge unserer Organisationsentwicklung Kosten für unsere Mediation und rechtliche Beratung an.

Im Bereich Verwaltung und Infrastruktur entfiel der größte Teil der Kosten mit 2.942 € auf unsere Zahlungsdienstleister. Das Gros hiervon machte die halbjährliche Abrechnung von twingle aus. Zudem sind wir bei unserer Audio-Transkriptions-Software auf eine Jahreslizenz gewechselt, weshalb unsere Aufwendungen für Lizenzen mit 1.215 € etwas höher als üblich ausfielen.

Zu guter Letzt haben wir etwa 2.300 € an Vorsteuer geleistet, von der wir später nach Erstellung der Jahreserklärungen einen kleinen Teil wiederbekommen werden. (Für die Finanz-Expert*innen unter uns: Als gemeinnütziger Verein können wir nur den Anteil der Vorsteuer geltend machen, der nicht auf unseren sogenannten ideellen Bereich entfällt. Wie viel das tatsächlich ist, kann man allerdings immer erst im Nachhinein mit Blick auf das gesamte Jahr errechnen.)

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Unseren Transparenzbericht aus dem Juli findet ihr hier.

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