Mobilfunkversorgung

Schöner malen mit der Funkloch-App

Mit der Funkloch-App lassen sich hübsche Versorgungskarten erstellen, welche die lückenhafte Mobilfunkversorgung in Deutschland dokumentieren. Zum Schließen von Funklöchern eignet sich die App nur bedingt, die aufbereiteten Daten können aber bei der Betreibersuche helfen.

Außerhalb von Ballungsgebieten zeigt sich rasch die löchrige Mobilfunkversorgung, hier in Brandenburg. (Screenshot) Alle Rechte vorbehalten zafaco GmbH

Mit großem Trara gestartet, bleibt der Nutzen der Funkloch-App begrenzt. Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse vor, ob die Ergebnisse der Messungen in das Schließen von Versorgungslücken eingeflossen sind. Das geht aus einer Antwort des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) auf eine parlamentarische Anfrage der FDP hervor.

Seit fast zwei Jahren lässt sich über die App die Mobilfunkversorgung ermitteln, mit besonderem Fokus auf die weißen Flecken in den deutschen Mobilfunknetzen. „Ab sofort können uns die Bürger melden, wo sie in ein Funkloch geraten sind“, sagte Infrastrukturminister Andreas Scheuer (CSU) bei der Vorstellung der Funkloch-App.

Tatsächlich wurde die App seit ihrem Start knapp 290.000 mal installiert, fast 250 Millionen valider Messpunkte wurden über sie übermittelt. Wie viele davon insgesamt ein Funkloch gemeldet haben, geht aus der Antwort des BVMI nicht hervor. Auskunft gibt es lediglich für das erste Halbjahr 2020. Demnach sollen weniger als ein Prozent der erfassten Messpunkte das Merkmal „kein Netz“ aufgewiesen haben.

Deutschland auf Funklochjagd

Die bundesweit löchrige Mobilfunkversorgung ist seit Jahren ein anhaltendes Politikum. Betreiber wie o2 schaffen es erst nach Sanktionsdrohungen der Bundesnetzagentur, ihre nicht rechtzeitig erfüllten Versorgungsauflagen einzuhalten. Selbst in den Netzen planmäßig ausbauender Betreiber klaffen Löcher, weil sich die Auflagen auf Haushalte und nicht auf die Fläche beziehen. Und staatliche Hilfsangebote wie die geplante Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft (MIG), die Netzbetreibern beim Ausbau mit Milliardensummen unter die Arme greifen soll, stehen unter scharfer Kritik der Opposition und des Bundesrechnungshofs.

Schon bei der Vorstellung der Funkloch-App hatten wir gemutmaßt, dass sie in erster Linie als öffentlicher Pranger dienen werde. Schließlich wissen die Netzbetreiber ohnehin besser als alle anderen, wo es Schwächen in ihrer Versorgung gibt. Und die Bundesnetzagentur kontrolliert die Einhaltung der Versorgungsauflagen mit eigenen Messungen.

„Bei der Überprüfung von Versorgungsauflagen wird insbesondere auf Messungen durch den Prüf- und Messdienst der BNetzA (PMD) zurückgegriffen. Nur so kann eine objektive Beurteilung der Erfüllung von Versorgungsauflagen erfolgen“, erklärt das BMVI in seiner Antwort.

Mobilfunk Bandbreite Geschwindigkeit Durchschnitt Bundesländer
Diese Geschwindigkeiten erreichten Nutzer:innen 2019 durchschnittlich in Mobilfunknetzen, aufgeschlüsselt nach Bundesland. Alle Rechte vorbehalten Bundesnetzagentur

Doppelt hält besser

Die Funkloch-App spielt bestenfalls eine untergeordnete Rolle. Deren Ergebnisse würden „im Rahmen des Mobilfunk-Monitorings zur Plausibilisierung der Daten der Mobilfunknetzbetreiber genutzt“, schreibt das BMVI. An anderer Stelle heißt es: „Im Rahmen der künftigen Erteilung von Frequenznutzungsrechten (Frequenzzuteilungen) und des Mobilfunkförderprogramms des Bundes sind die Erkenntnisse aus den Meldungen der Funkloch-App ein hilfreiches Indiz zur Identifikation bestehender Handlungsbedarfe.“

„Die Stichproben des PMD und dem Crowdsourcing-Ansatz der Funkloch-App ergänzen sich“, sagt ein Sprecher der Bundesnetzagentur gegenüber netzpolitik.org. Die spezifischen Messungen des PMD würden eine Überprüfung der Einhaltung der Versorgungsauflagen der Mobilfunknetzbetreiber erlauben. „Ergänzend hierzu geben die Ergebnisse der Funkloch-App einen breiteren Überblick über von Endnutzern festgestellte Netzverfügbarkeiten und bilden die Nutzerperspektive ab“, sagt der Sprecher. Aus Sicht der Bundesnetzagentur sei dieser ergänzende Ansatz für Endnutzer:innen hilfreich und werde in Zukunft weiter ausgebaut.

Bestes Netz in Berlin

Gegenstand der FDP-Anfrage waren zudem die tatsächlich erreichten Geschwindigkeiten in den Mobilfunknetzen. Das BMVI verweist auf den jährlichen Bericht zur Breitbandmessung der Bundesnetzagentur, schlüsselt die Ergebnisse aber nach Bundesland auf. Im Schnitt schneidet die Telekom Deutschland am besten ab, allerdings erreichen nur Kunden in Berlin Bandbreiten von rund 50 Mbit/s. Vodafone und o2 liefern im Schnitt deutlich geringere Übertragungsraten.

Der ebenfalls abgefragte Stand der LTE-Versorgung speist sich nicht aus den Daten der Funkloch-App oder den Messergebnissen der Regulierungsbehörde. Laut Angaben der Mobilfunknetzbetreiber verfügen einige Bundesländer über eine lückenlose Versorgung, darunter Berlin. In Rheinland-Pfalz soll die abgedeckte Fläche lediglich 92 Prozent betragen. Bundesweit liegt die Versorgung mit einer grundsätzlich verfügbaren – allerdings im Alltag so gut wie nie erreichten – Datenrate von 50 Mbit/s bei 96 Prozent.

Frustrierten Nutzer:innen könnten hier womöglich die aufbereiteten Daten helfen, sagt die Bundesnetzagentur: „Mittels Karte können sich Verbraucher über die via Funkloch-App erfassten Netzverfügbarkeiten in ihrer Region informieren und Netze der verschiedenen Anbieter vergleichen“.

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2 Ergänzungen
  1. Funkloch ist definiert als kein Netz, das ist ja absurd, oft hat man “Netz“, aber Daten oder Sprache lässt sich trotzdem nicht zuverlässig übertragen. Was nutzt mit ein Notruf Netz der Konkurrenz wenn ich Roaming nicht kostenlos in Deutschland nutzen kann. Die netzbetreiber müssten ihre Grundgebühr nicht verlangen dürfen wenn der Kunde regelmäßig durch Löcher laufen muss. Nicht anteilig, ganz.
    Nur über das Geld bekommt man Druck aufgebaut und wenn es zu wenig schmerzt wird es nur eingepreist nicht das Netz ausgebaut.

  2. 250 Mio Messungen bei 290.000 Installationen? Misst die App im Hintergrund oder hat hier im Schnitt jeder Nutzer hunderte von Messungen übermittelt?

    Das könnte man, wenn schon nicht wirklich gut die Daten zur Netzabdeckung, dann doch als sehr eindrucksvollen Unzufriedenheitsindikator verwenden.

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