Netzpolitik

Wort des Tages! „Wir sind ja kein Communitybespaßungsausschuss“

B-M5zRUCcAAj2HuJens Koeppen (CDU) ist Vorsitzender des Bundestagsausschusses für die Digitale Agenda, der gerade einjähriges Jubiläum feiert. (Wir haben schon gratuliert.) Für Netzpiloten hat ihn Tobias Schwarz ausführlich zu dem Ausschuss interviewt. Dabei offenbart sich, dass Jens Koeppen offensichtlich ein Problem mit einer diffusen „Community“ zu haben scheint, was auch immer das sein soll. Vielleicht ist das ja behandelbar – oder nur ein Fetisch?


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Hier sind nur die Sätze aus diesem Interview, in denen diese „Community“ von ihm erwähnt wird:

„Da ist so ein bisschen unsere Aufgabe, nicht nur die Community im Auge zu haben, wie das die vergangenen Jahre war. Wir sind ja kein Communitybespaßungsausschuss, sag ich immer.“

„Also je komplizierter ich spreche, desto schicker ist das in der – ich sag mal – Community.“

„Davon sollten wir abkommen, weil: Wir sind ja auch dazu da, gerade als Politiker, den Menschen etwas zu erklären und nicht nur der Community zu gefallen.“

„Viele aus der Community und die netzaffinen Leute haben mir gesagt, das wissen wir alles, ihr habt einfach nur gesagt, wie es ist.“

„Wird aber kaum genutzt, weil es nicht das ist, was die Opposition wollte, weil es nicht das ist, was die Community wollte, weil es nicht das ist, was sich Leute, die zum Beispiel Adhocracy kennen, wollten.“

„Es sollen ja mehr werden und es soll auch nicht nur die Community sein.“

„Nicht nur für die Community, sondern ich bin der Bundestag für alle.“

Nennen die Vorsitzenden anderer Ausschüsse Bürgerinnen und Bürger eigentlich auch immer „diese Community“? Wir erklären einfach mal „Communitybespaßungsausschuss“ zum Wort des Tages. Die Domain ist sogar noch frei. Herzlichen Glückwunsch.

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17 Kommentare
    1. Jawoll – meint wahrscheinlich Netzcommunity, Computerfreaks, Blogosphäre. Ist so, als wenn sich ein konservativer Politiker ein Profil bei einem Social Network macht, twittert oder einen Vlog betreibt – und man merkt, dass es nur eine Imagekampagne ist, anstelle von echtem Interesse.

    2. … das war auch mein erster Gedanke. Für jeden Mist braucht man eine Bescheinigung/Erlaubnisschein/Ausbildungsabschluss/Diplom etc. etc. .
      Nur Abgeordneter oder neudeutsch Volksverdummer, äh Volksvertreter, wird man ohne amtliches „Diplom“. Und was noch viel schlimmer ist, die dürfen soviel dummes Zeug reden wie sie wollen. Und die Krone des ganzen! 80% der Bevölkerung glauben den aus deren Mund entweichenden Mist auch noch ernsthaft.

      1. Also noch viel schlimmer ist doch die Europäische Kommission, das Exekutivorgan der Europäischen Union (Gesetzgebung und Handelsabkommen!) und ihre Generaldirektionen. Lauter nicht vom Volk gewählte Beamte, natürlich nur die besten der besten, so wie man das von Frankreich und seinen „grandes écoles“ her kennt…

      2. Lieber Rumpelstilz, schlägst Du eine Prüfung vor, bevor man sich wählen lassen darf?

        Oder möchtest Du, dass bestimmten Menschen die freie (und damit oftmals auch dumme) Rede verboten wird?

        Oder möchtest Du, dass es den Menschen verboten wird, Unfug zu glauben?

      3. Ach bitte. Niemand hat vor einen Überwachungsstaat einzurichten. Wieso ist dann der Zugang zu diversen Entscheidungsposten dem normal Sterblichen verwehrt? Wollen die Herren der Schöpfung also uns allen verbieten so wie sie zu sein? Tuh was ich sage, nicht was ich mache.
        Es herrscht Meinungsfreiheit, solange man nicht die Obrigkeitsideologie attackiert. Es herrscht Glaubensfreiheit, solange man nicht eindeutig Menschenverachtendem fröhnt. Es herrscht ein gesundes Mittelmaß in allem was es hier gibt. Aber die Beherrschten sollen bitte schön auf ewig draußen bleiben.

        Nein im Ernst. Eine Qualitätskontrolle für Volksverarscher wäre ein Meilenstein. Ich rede nicht von Kommunalvertretern oder Bürgermeißtern nein mit nichten. Ich rede von den Geschicken eines Landes und dem Erbe ganzer Generationen. Sollen wir das Schicksal einfach walten lassen?
        Jedes Volk bekommt die Regierung die es verdient?
        Wo bleibt denn dann das Recht auf Widerstand? Willst du Holocaust Leugnern auch einen Maulkorb verpassen nur weil sie die Sache offenkundig anders sehen? Es gibt schlimmeres als den Holocaust aber natürlich ist unsere Gesellschaft noch nicht aus der Phase der „Instrumentalisierung des Todes“ hinausgewachsen. Jaja die Erbschuld der Deutschen und so weiter. Was ist mit den anderen zig in Vergessenheit geratenen Genoziden, die sich durch die Historie ziehen?

        Was ist aus dem Grundsatz: „Dumm ist der, der Dummes tut“, geworden?
        Hier wird fahrlässig mit den Grundrechten experimentiert und niemand stört sich daran, dass die Entscheider feige, rückgratlos und meist unterdurchschnittlich qualifiziert sind über ihnen Fremde Materie abzustimmen.

        Volksvertretung ist per se Volksverrat in der heutigen Zeit. Entscheidungen, die dich in den oben genannten Rechten mehr einschränken als du denkst oder spürst aber genau darauf läuft es hinaus.

        Wir geben einmal in 4 Jahren einem mafiösen Verein die Autorisierung, Dinge, die uns alle und den Rest der Welt betreffen, zu entscheiden. Wir machen dass, um unsere schnelllebige Realität weiter auf besagtem Niveau zu halten und die Entscheidungsfindung zu beschleunigen. Die Bürde, die diese Leute tragen müssten wird aber durch Immunitäten, Sondergerichte, konstruierte Rollenbilder (was ist ein Bundeskanzler und was macht er und wieso darf der das eigentlich) und gesellschaftliche Arroganz (NICHT AKZEPTANZ) entkräftigt. Das Regieren verkommt zu einem Spiel.

        Fazit: Wir sollten nicht darüber nachdenken die Rechte des Individuums zu beschränken sondern darüber, wie man die Kompetenzen eines Individuums zum Wohle der Gesellschaft nutzen kann. Dazu gehört nun mal der Feststellungsprozess OB man überhaupt kompetent ist. Das funktioniert allerdings nicht bei solchen Interessenvereinigungen wie es die Parteien sind da kein echter Dialog in diesem Korruptenstadl möglich ist. Die Leute sind sich überhaupt nicht im Klaren welche Langzeitfolgen ihre Kurzzeitentscheidungen haben.
        Über all diesen Dingen steht ihre Karriere, ihr materielles Auskommen und das eigene Wohl im Vordergrund. Leistungsgesellschaft at its finest. Nur, dass das Ergebnis ihrer Leistungen suboptimal ausfällt und der Verdienst dabei keine Einschränkungen erleidet. Ihre Entschuldigung lautet im Nachhinein: Wer hätte gewusst, dass…
        HALLO? Interessenvertretung heißt nicht, die Schuld auf andere abzuwälzen, sondern seine verdammte Sache ernst zu nehmen und Interessen warzunehmen, um sie überhaupt erstmal vertreten zu können.
        Die Bilanz fällt fast immer im Sinne der Entscheider aus.

        Grund dafür: Wir lassen unsere Probleme nun mal viel lieber von jmd. anderem lösen. Dienstleistung 2.0
        Demokratie ist also zur Dienstleistung verkommen und die Angebote sind nicht billig. Die Ware, die schlussendlich geliefert wird is mangelhaft und Garantien existieren nicht. Vielleicht wird es endlich Zeit über ein Qualitätsmanagment nachzudenken oder?

  1. Ein weiterer Versuch, die laute Stimme der Netzbewegung, ihre digitale Interessenvertretung (für alle Bürger) und ihre Grundrechtsverteidigung (für alle Bürger) mit dem Wort „Community“ aka Netzgemeinde zu diskreditieren. Es ist der Versuch zu sagen: „Ihr sprecht gar nicht für alle, ihr seid nur eine Community“. Dahinter steckt der Wille die unbequemen Stimmen zu diskreditieren und zu marginalisieren.

    1. „community“ ist „netzgemeinde“ ohne die ganzen beleidigten reaktionen.

      meint das selbe: nicht wir, nicht bevölkerung, nicht beteiligt.

      und klingt dabei genau nach dem gegenteil. win-win!

      .~.

      p.s.: … und natürlich: pluspunkt für englisch!

  2. Ich glaube, er meint die native digitals – nur sind die auch nicht so ganz per Jungfrauengeburt, ich meine elektronisch geklont zur Welt gekommen… Aber manche Gerüchte halten sich leider hartnäckig.

  3. Und der Pressereferent so: “ Chef, in dem Interview positionieren wir Sie mal ganz forward“. Und Koeppen so: „Vorwort? Machen Sie lieber was auf Englisch rein“.

  4. „Ihr N00bs könnt doch nicht einfach die Community intercepten, wenn eure Net Credibility nicht einmal ausreicht, um mit eurem Community Bemusement Panel die Last Mile zu raiden.“

  5. Im Zusammenhang hat er genau genommen folgendes gesagt:

    „Da ist so ein bisschen unsere Aufgabe nicht nur die Community im Auge zu haben, wie das die vergangenen Jahre war. Wir sind ja kein Communitybespaßungsausschuss, sag ich immer. Sondern wir sind für alle da. Und das wir sagen, auch die Silver Surfer, die ältere Generation, oder die mittlere Generation, sollen ja alle was von der Digitalisierung haben. Nicht nur die Netzaffinen. Da müssen wir die Gesellschaft auch wieder zusammenführen und nicht eine digitale Spaltung per se zulassen, die ja immer wieder passiert. Gewollt oder ungewollt. Und das ist so ein bisschen der Anspruch, den ich auch an diesen Ausschuss habe.“

    Und ist das nicht genau auch das Anliegen der Digitale Gesellschaft e.V.?

    Vielleicht wäre es gut, nicht immer gleich reflexhaft zu reagieren sondern sich zu freuen wenn der Bundestag sich ebenfalls die Ziele der Digitale Gesellschaft zu Herzen nimmt?

    1. neben der kritik am vorgehen des autoren: was steckt denn für sie im begriff? gibt es in der kommjunitie keine ßilwer ßörfer? oder netzaffine? spaltet die community die gesellschaft?

      das klingt so schön im fremdwörterbuch. im interview irgendwie nicht so ganz.

      .~.

      1. In der Mitte kann ich deinen Kommentar nicht richtig lesen. Was Koeppen bei dem Begriff noch mitschwingen lassen will kann ich nicht sagen. Was er mit der Aussage meint – aus meiner Sicht – ist dass die „Community“ (man kann darüber streiten ob es „die“ Community gibt – ich würde mit Abstrichen „Ja“ sagen) zwar eine Stimme in der Debatte ist, aber nicht die einzige. Ob der Begriff „Communitybespaßungsausschuss“ jetzt glücklich ist … aber naja, die „Community“ ist ja auch nicht zimperlich mit plakativen Zuschreibungen an die Politik!

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