Der Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir, hat gestern bei der Sendung Maybritt Illner im ZDF seine Zustimmung zu einer Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung signalisiert, wenn sie denn mit unseren Grundrechten vereinbar wäre und über eine EU-Richtlinie käme. Maybritt Illner fragte: „Würden Sie einer europäischen Lösung, sofern sie denn gefunden wird, zustimmen?“ Und Özdemir antwortete: „Nur wenn sie verfassungskonform ist“. Vorher hatte er gesagt, er sei von dem Instrument nicht überzeugt, hinterher klang das nicht mehr so ablehnend.
Bisher war die Linie von Bündnis 90/Die Grünen, eine anlasslose Vollprotokollierung unserer Verbindungsdaten generell abzulehnen. Netzpolitiker wie Konstantin von Notz (MdB) oder Jan-Philipp Albrecht (MdEP) setzen sich vehement gegen Bestrebungen ein, dieses Instrument wieder einzuführen. Unklar ist, ob Özdemir sich nur planlos verplappert hat oder Teile der Grünen in dieser Frage Richtung CDU/CSU abbiegen.
Update: Cem Özdemir erklärte auf Twitter, dass es weiterhin keine anlasslose Massenüberwachung per #VDS geben würde.
Das Dementi klingt glaubwürdiger als von der SPD-Spitze.
Bereits vorgestern hatten Sigmar Gabriel und Thomas Oppermann dieselben Signale an die CDU/CSU gesendet, dass sie einer Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung nach den Vorgaben vom Europäischen Gerichtshof und dem Bundesverfassungsgericht mittels einer EU-Richtlinie nicht im Wege stehen würden.
Wir bleiben dabei: Eine Vorratsdatenspeicherung, wie auch immer sie nach den Vorgaben von EuGH und BVerfG möglich wäre, stellt trotzdem die Bevölkerung unter Generalverdacht, höhlt die Privatsphäre weiter aus und stärkt den Überwachungsstaat.
Auch für Cem Özdemir haben wir einige Links zum Thema, um sich darüber zu informieren:
Vorratsdatenspeicherung: Warum Verbindungsdaten noch aussagekräftiger sind als Kommunikations-Inhalte
Lieber Bundesnachrichtendienst: Wir erklären, warum Metadaten sehr wohl personenbezogene Daten sind.
Metadaten: Wie dein unschuldiges Smartphone fast dein ganzes Leben an den Geheimdienst übermittelt
Vorratsdatenspeicherung visualisiert: Was Verbindungsdaten alles verraten