Gestern drohten die Innenminister des Vereinigten Königreichs, Finnlands, Deutschlands, Frankreichs, Portugals, Sloweniens und des Vizepräsidenten der Europäischen Kommission in einer gemeinsamen Presseerklärung, zukünftig stärker das Internet kontrollieren zu wollen. Eigentlich will man mehr gegen den Terrorismus unternehmen, und da Terroristen das Internet nutzen, muss man das eben stärker kontrollieren. Also viel mehr China anstatt Freiheit und Menschenrechte zu bewahren. Florian Rötzer hat die Pressemitteilung schon bei Telepolis beschrieben: Das Internet zum Feindesland für Terroristen“ machen.
Bei den Medien wird das Internet besonders herausgehoben. Man müsse es zu einer „für Terroristen und für diejenigen, die junge Menschen radikalisieren, Hassbotschaften verbreiten und Massenmord planen wollen, feindlichen Umgebung“ machen. Wie das genauer geschehen soll, wurde nicht gesagt. Vermutlich wird es auch darum gehen, das in Großbritannien bereits eingeführte Verbot der Verherrlichung von Terrorismus europaweit zu machen. Allgemein dürfte es darum gehen, das Internet strenger kontrollieren, Inhalte entfernen und die für diese Verantwortlichen schneller bestrafen zu können, was aber bei allzu offenen Definitionen schnell zur Zensur auch von politischer Opposition werden und die Meinungsfreiheit beeinträchtigen kann. Möglicherweise denkt man auch daran, Websites mit Inhalten, die dem Terrorismus zugeordnet werden, für die EU-Bürger unzugänglich zu machen, wenn sich die Seiten auf Servern im Ausland befinden. Das wäre dann schon ein erster Ansatz zu einer Europäischen Mauer in Analogie zur Chinesischen Internetmauer.
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4 Kommentare zu „EU-Innenminister drohen mit stärkerer Kontrolle des Netzes“
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… Ausschnitt aus den Kommentaren dazu
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[…] (via Netzpolizik) […]
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Werden unsere Politiker auch irgendwann wieder normal? Essen… kotzen… Danke für’s Gespräch. *kopfschüttel*
Teuchtlurm
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[…] Man koennte ja meinen, ich habe mich schon genug ueber die Blindheit und Gutglaeubigkeit der Leute ausgekotzt, die Videoueberwachung fuer ne tolle Sache halten und den Ueberwachungsstaat ja auch gar nicht so schlimm finden. Aber scheinbar ist es nicht genug. Nachdem ich am Dienstag folgende News bei Heise gelesen habe, hat es mir in den Fingern gejuckt, doch solche Sachen werden vom Grossteil der Bevoelerkung einfach nicht ernst genommen und mit “pfleidi ist ein paranoider Spinner” abgetan. Tolles Sache das! Das Problem ist nicht nur, dass die allgemeine voellig unangebrachte Panik vor den boesen boesen Terroristen die Leute zu einer dummen panischen Masse mutieren laesst, die zum logischen Denken unfaehig zu sein scheint, nein das Problem ist, dass durch diese dummen und panischen Menschen jeder Politiker tun kann, was er will solange er sich an den Slogan “Es dient der Terrorismusbekaempfung … ” haellt. Kann sein, dass ich hier uebertreibe, aber so langsam kommt es einem wirklich so vor. Doch scheinbar bin ich doch nicht so allein: Bei FUCKUP titelt man richtig”Ueberwachungsstaat: Jetzt geht alles sehr schnell!“, bei fixmbr gibts auch gleich zwei Beitraege zum Thema und auch bei den Gulli-News gibts immer wieder Meldungen dieser Richtung. Diese Meldungen erreichen auf die eine oder andere Art und Weise auch die Nicht-Geeks und Normalos, werden aber scheinbar nicht wahrgenommen. Wirklich schade das. Man kann sich eben schoener und einfacher ueber schmarotzende Arbeitslose aufregen, wie man sie aus der Bild (ein sehr schoener Artikel deckt sich ziemlich mit meiner Meinung dieses Drecksblattes) kennt. Da muss man ja nicht so viel denken und lesen muss man auch nicht so viel …. Zum Abschluss kann man sich ja noch ein paar Zitate zum Thema Terror und Videoueberwachung durchlesen oder sich ueber die Drohung der staerkeren Netzkontolle seitens der EU-Innenminister aufregen. Oder so … Warum ich diesen Beitrag ueberhaupt schreibe, wenn es eh nichts bringt? Es ist 6 Uhr morgends und ich kann nicht schlafen und mich beschaeftigt das Thema gerade. Darum! Tags: 1984, bad world, jap, privacy […]
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