Zensur
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: Surfen wie in China
: Surfen wie in China Surfen wie in China funktioniert prima mit dem „China Channel Firefox Add-on“. Damit kann man die chinesische Internetzensur bequem von zuhause erfahren und genießen.
The Firefox add-on China Channel offers internet user outside China to surf the web as if they were in China. Take an unforgetable virtual trip to China and experience the technical expertise of the Chinese Ministry of Information Industry (supported by western companies). It’s open source, free and easy.
In diesem Screencast wird gezeigt, wie man sich das Plugin installiert und wie das dann ausschaut:
China Channel Screencast from fi5e on Vimeo.[Danke für die vielen Zusendungen]
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: Hu Jia erhält Sacharow-Preis
: Hu Jia erhält Sacharow-Preis Der chinesische Bürgerrechtler Hu Jia (胡佳), der für dreieinhalb Jahre im Gefängnis sitzt, erhält dieses Jahr den Sacharow-Preis für geistige Freiheit des Eurpoäischen Parlaments. Bereits letztes Jahr war er nominiert, auch weil er einen mutigen Brief über die Zustände Chinas geschrieben hatte. Darin hieß es:
„Wenn Sie die glitzernden Fassaden und die großen Sportpaläste sehen, dann ist das ein Teil der Wahrheit, aber es ist eben nicht die ganze Wahrheit. Es gibt nach wie vor Unterdrückung von ethnischen Minderheiten, Todesstrafe und Folter.“
In China, wo gerade der Asien-Gipfel ASEM beginnt, sorgt die Verleihung für Verstimmung. Man rücke damit einen Kriminellen in das Licht der Öffentlichkeit, sagt ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums:
Das Vorgehen verstoße gegen internationale Normen und gegen den Respekt, den Länder sich gegenseitig entgegenbringen sollten. Er glaube aber nicht, dass die Angelegenheit den bevorstehenden Asien-Europa-Gipfel (ASEM) in Peking beeinträchtigen werde. Verglichen mit den wichtigen Entwicklungen in der Welt sei die Vergabe des Menschenrechtspreises „nicht der Rede wert“.
Frau Merkel könnte das ändern. Sie könnte um einen Besuch im chinesischen Gefängnis bitten. Wird sie aber nicht. Zu abhängig sind alle wirtschaftsgetriebenen Interessen vom großen Markt, und China mit Respekt zu behandeln könnte kulturell der aussichtsreichere Weg sein, China zu ändern. Ich bin da durchaus gespalten und lasse mich gerne belehren.
Hu Jia (Wikipedia) ist der zweite Chinese, der den Preis erhält. 1996 ging die Auszeichnung an Wei Jingsheng (魏京生; Wikipedia), der seit 1976 für eine Demokratisierung Chinas eintritt und heute in den USA lebt. Erinnert sich noch jemand? Auch damals hieß es von deutschen Politiker immer, man müsse „Menschenrechte thematisieren“. Hier hat sich Europa eher wenig geändert, China dagegen schon.
Mehr gibts auch bei der Peking Duck und bald EastSouthWestNorth.
Update: Inside-Out-China hat einen kritischen Beitrag dazu: Who is Hu Jia?
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: Kein gut Glück mit Alice
Alice hijackt die Google Firefox Gut Glück Suche : Kein gut Glück mit Alice
Gerade eben ist es passiert, ich tippe wikipedia in meine Firefox-Adressleiste und ich komme nicht wie erwartet auf Wikipedia, sondern auf eine Seite von meinem Internetprovider. Der sagt mir, dass er dass von mir Gesuchte nicht finden kann. Schade, dabei ist Wikipedia recht bekannt. Aber Alice weiß sich und mir zu helfen.„Die eben angezeigte Suchergebnisseite bieten wir Ihnen an, um Ihren Aufenthalt im Internet produktiver zu machen. Für diesen Service wurde keine Software auf Ihrem Computer installiert. “
Na da bin ich aber froh. Alice schlaumayert und bietet mir dann noch einen Link zum Opt-Out im Kundenzenter. Na das werde ich gleich machen, wenn ich dass Passwort finde. Dass Kundenzenter hatte mich bisher nämlich nicht interessiert. Ich möchte es mal so formulieren: Alice! Hau ab aus meiner Leitung! Bisher war es ein Klick, dank Dir sind es jetzt 2 zusätzlich, wenn ich die tld in der Adressleiste weglasse. Komisch nur, dass heise ohne tld gefunden wird.
Ich fand die Gut-Glück-Suche jedenfalls super. Mir muss da nicht ungefragt geholfen werden. Und schon gar nicht aus Eigennutz. Jetzt muss man ja nicht mehr nur Angst vor Google haben, sondern auch noch vor Suchanfragen-Hijacking von Providern bzw. Medienkonzernen, die sich nicht mal selber finden können. Das kann nicht war sein: Kein gut Glück für „aol“!
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: Skype hilft China bei Internetzensur
: Skype hilft China bei Internetzensur Nart Villeneuve vom Citizen Lab hat in Zusamenarbeit mit dem Gemeinschaftsprojekt Information Warfare Monitor den Skype-Service in China untersucht: „BREACHING TRUST – An analysis of surveillance and security practices on China’s TOM-Skype platform“ . Dieser wird in Kooperation mit der chinesischen Skype-Tochter Tom-Skype angeboten. Allerdings werden Textnachrichten zensiert.
Heise: Skype in China filtert und speichert politische Mitteilungen
Die Experten fanden heraus, dass Textbotschaften regelmäßig auf Wörter wie etwa „Kommunistische Partei“, den Namen der in China verbotenen Kultbewegung „Falun Gong“, „Demokratie“ oder „Taiwans Unabhängigkeit“ durchsucht werden. Die Überwachung scheine zusätzlich auch nach anderen Kriterien wie möglicherweise Benutzernamen zu erfolgen. TOM-Skype speichere die gefundenen Mitteilungen mit persönlichen Daten, Benutzernamen, IP-Adressen oder Telefonnummern auf mindestens acht Servern. Telefongespräche, die ebenfalls über Skype möglich sind, seien allerdings nicht betroffen. Die Forscher waren in der Lage, Millionen von Daten und die Informationen zu ihrer Entschlüsselung von diesen Servern herunterzuladen, da diese nach außen nicht gesichert waren.
Ausführlich berichtet Kai Raven darüber: Vorratsdatenspeicherung, Überwachung und Zensur mit TOM-Skype (in China).
Mit der Überwachung des Netzwerkverkehrs mit dem Analysetool für Datenpakete Wireshark (das oder ähnliche „Hacktertools“ sollte jeder in seinem Werzeugkasten haben) stellten die Forscher fest, dass die Nachrichten nicht immer unterdrückt wurden, sondern auch mal durchgingen. Dann aber wurde zugleich eine HTTP Verbindung zu einem der acht „TOM-Skype“ Server in China aufgebaut, denn die chinesische Skype-Version braucht keinen per Online-Durchsuchung und heimlicher Wohnungsbetretung applizierten „Bundestrojaner“ für die Quellen-Telekommunikationsüberwachung, sie hat ihn schon eingebaut.
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: CSU: Von China lernen heisst siegen lernen?
: CSU: Von China lernen heisst siegen lernen? Es ist Wahlkampf in Bayern und da kann man als CSU-ler auch schonmal etwas über die Stränge schlagen. Der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Innenpolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, fordert mal einfach etwas Internetzensur, so wie in China. Focus-Online berichtet: Bayern beharrt auf raschem Verbot.
Der CSU-Politiker Uhl regt darüber hinaus vor dem Hintergrund kinderpornografischer Angebote im Internet an, Provider per Gesetz zu zwingen, bestimmte Seiten aus dem Netz zu nehmen. Spätestens seit den Olympischen Spielen in Peking wisse man, was möglich sei: „Was die Chinesen können, sollten wir auch können. Da bin ich gern obrigkeitsstaatlich.“
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: Sperrung von rottenneigbor.com: Jugendschutz.net unbeteiligt
: Sperrung von rottenneigbor.com: Jugendschutz.net unbeteiligt Nur ein kleines Update, ich möchte es aber nicht unter den Tisch fallen lassen. Als sich herauskristallisierte, dass der Zugriff auf rottenneighbor.com für Nutzer deutscher Einwahlzugänge offenbar von den Betreibern und/oder dem Hoster des Angebotes selbst blockiert wird, vermutete ich, dass dies möglicherweise auf Veranlassung einer deutschen Behörde oder Jugendschutzeinrichtung geschieht.
Zumindest Teile des Angebotes sind nach deutschem Recht problematisch, andere unstreitig strafbewehrt. Hatte vielleicht ein entsprechend scharf formuliertes Schreiben einer german authority Rackspace.com oder die Betreiber zur Einrichtung einer Sperre veranlasst?
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: rottenneighbor.com gesperrt? (Update II)
: rottenneighbor.com gesperrt? (Update II) Gleich vorweg: Ich mag rottenneighbor.com nicht.
Mir wäre ein Netz lieber, wo es keine Angebote wie rottenneighbor.com gäbe. Angebote, auf denen sich Menschen im Schutz einer vermeintlichen Anonymität Beleidigungen und Unterstellungen an den Kopf werfen, deren Niedertracht und Erbärmlichkeit mich als Beobachter regelmäßig sprachlos werden lassen.
Wie auch immer, zur Zeit scheint rottenneighbor.com für etliche deutsche User nicht erreichbar.
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: BKA-Forderung: Internetzensur
: BKA-Forderung: Internetzensur Nach der Online-Durchsuchung rennt BKA-Chef ZIercke jetzt rum und fordert Zensurmassnahmen: BKA fordert Sperrung kinderpornographischer Webseiten
Der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, hat sich bei der Vorstellung des Lagebilds (PDF-Datei) zur organisierten Kriminalität 2007 dafür ausgesprochen, Internetprovider gesetzlich zur Sperrung von Angeboten mit kinderpornographischen oder fremdenfeindlichen Inhalten zu verpflichten. „Der Großteil der Kinderpornographie wird über kommerzielle Webseiten verwaltet“, betonte Ziercke am heutigen Mittwoch in Berlin. Es gehe dabei um „Millioneneinnahmen“. Das „Access-Blocking“ könne daher eine „wichtige Maßnahme“ sein, um das Geschäft mit Kinderpornographie weniger lukrativ zu machen.
Der Verband der deutschen Internetwirtschaft eco antwortet darauf:
Der Kampf gegen illegale Inhalte im Internet ist wichtig. Deshalb engagieren wir uns – mit hohem Einsatz, aber auch mit Verstand. Statt mit so genannten Internet-‚Sperren’ lediglich Scheinerfolge zu versuchen, ist es effizienter an der Quelle anzusetzen. Mit unserer Internet-Beschwerdestelle sammeln wir Hinweise, mit denen in internationaler Zusammenarbeit und in enger Kooperation zwischen Strafverfolgern und Wirtschaft erfolgreich Täter überführt und illegale Inhalte entfernt werden. Diese erfolgreiche Zusammenarbeit werden wir natürlich fortsetzen.“ Internet Access-Provider vermitteln dem Nutzer lediglich den Zugang ins Internet, ähnlich wie Telefongesellschaften ihren Kunden den Zugang ins Telefonnetz vermitteln. Wie Telefongesellschaften haben die Access-Provider weder Kenntnis noch Einfluss auf die Inhalte der Kommunikation, für die sie ihre Netze bereitstellen – dies verbietet ihnen das Fernmeldegeheimnis. Sie sind für die Rechtsverletzungen im Internet weder verantwortlich noch an ihnen beteiligt. Mit so genannten „Sperren“ oder „Blocking“ wird weder der rechtsverletzende Inhalt aus dem Internet entfernt noch dem Zugang zu ihm unmöglich gemacht.
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: Feature zu China: Innenpolitik und Krisenmanagement
: Feature zu China: Innenpolitik und Krisenmanagement Läuft seit ca. 15 Minuten im Deutschlandradio Kultur: die Weltzeit über „China vor den Olympischen Spielen“, von Petra Aldenrath. Ankündigungstext:
Für China sind die Olympischen Spiele das nationale Prestigeobjekt schlechthin. Als Gastgeber wollte sich China als ein Land präsentieren, das wundervolle und unvergessliche Spiele inszenieren kann. Jubelnde Zuschauer, glückliche Athleten und viel internationale Anerkennung, das alles haben sich die Chinesen von der Ausrichtung der Spiele erhofft, die unter dem Motto „Eine Welt – Ein Traum“ stehen.
Macht inhaltlich einen guten Eindruck. Gibts wie immer als Live-Stream, z.B. als Flash oder Ogg.
Update: der Beitrag war natürlich schon fast vorbei; da rächt sich das Nebenbeihören. Allerdings sollte sich der Beitrag veon heute bald im Archiv oder über die Suche finden lassen.
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: EU Global Online Freedom Act
: EU Global Online Freedom Act Eine Gruppe aus acht EU-Parlamentariern hat einen Vorschlag für eine „EU Global Online Freedom Act“-Direktive eingebracht. Aus Österreich und Deutschland sind die beiden grünen Politiker Eva Lichtenberger und Frithjof Schmidt dabei.
Ziel der Richtlinie soll es sein, eine EU-Gesetzgebung zu schaffen, die Freiheit im Internet global garantiert und promotet. „Menschenrechte brauchen auch online Schutz“ heisst es in der Präambel. Mit rechtlichen Rahmenbedingungen soll u.a. verhindert werden, dass europäische Firmen weiterhin autoritäre Staaten bei der Unterdrückung der Meinungsfreiheit und anderer Menschenrechte unterstützen. Die FAZ zitiert den liberalen Abgeordneten Jules Maaten (Niederlande): „Wir brauchen mehr Transparenz über die Verwicklung europäischer Firmen in die Internet-Zensur. Und wir brauchen Gesetze, die Sanktionen vorsehen.“
In 19 Paragraphen wird ein Paket an Massnahmen vorgeschlagen, darunter folgende:
- Ähnlich wie die Todesstrade soll auch die Freiheit im Netz in den jährlichen Länderberichten der EU zur Menschenrechtssituation thematisiert und bewertet werden. Dazu soll eine schwarze Liste von Staaten von der EU aufgestellt werden, die das Internet zensieren. Für diese soll es dann ggf Exportbeschränkungen geben, an die sich europäische Unternehmen halten sollen.
- Mit 20 Millionen Euro sollen Anti-Zensur Technologien und Trainings finanziert werden.
- Europäische Anbieter von Suchmaschinen sollen keine eigene IT-Infrastrukturen in autoritären Staaten betreiben dürfen, so dass ie auch nicht durch lokale Gesetze gezwungen werden können, Nutzerdaten herauszurücken.
- Persönliche Nutzer-Daten sollen nicht an autoritäre Staaten geliefert werden dürfen. Wenn dies doch passiert, sollen Betroffene das Recht erhalten, vor europäischen Gerichten die so handelnden Firmen zu verklagen.
Ein schöner Richtlinienvorschlag, der seinen Ursprung in den USA hat. Auch dort versuchen Abgeordnete seit 2006 einen „Global Online Freedom Act“ durchzusetzen. Bisher leider erfolglos.
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: CCC über Olympia-Berichterstattung und Zensur
: CCC über Olympia-Berichterstattung und Zensur Der Deutschlandfunk hat heute ein Interview mit Constanze Kurz gesendet: Chaos Computer Club: Olympia-Berichterstattung bleibt schwierig.
China hat nach internationalen Protesten die Zensur für das olympische Pressezentrum teilweise aufgehoben. Dennoch wird es für ausländische Journalisten nicht möglich sein, sich wie gewohnt frei im Internet zu bewegen, sagt Constanze Kurz vom Chaos Computer Club.
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: China: Internetzensur während der Olympiade
: China: Internetzensur während der Olympiade Ich finde es ja gut, dass die chinesische Regierung während der Olympischen Spiele keine unzensierten Presse-Zugänge liefert und mit einer solchen Aktion die existierende Internetzensur verschleiern würde. Die Aufmerksamkeit steigt dadurch enorm und das sonst eher spärlich behandelte Thema ist in vielen Medien.
Kritik kommt von Reporter ohne Grenzen: Kein freier Internetzugang im Pressezentrum.
Gestern noch sagte der Pressechef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Kevan Gosper, das IOC sei bemüht, „sicherzustellen, dass die Medien auch bei diesen Spielen so frei berichten können wie bei vergangenen Olympiaden.“ Heute heißt es seitens des IOC, dass dies sich lediglich auf Recherchen zum Thema Sport beziehe. „Die chinesischen Behörden haben erneut ihr Versprechen gebrochen“, so ROG. „Die Lage der Menschenrechte und Meinungsfreiheit sollte verbessert, ausländische Journalisten sollten frei recherchieren und berichten können. Nun herrscht Zensur.“ ROG kritisierte zudem, dass das IOC die derzeitige Situation durch sein jahrelanges Schweigen erst möglich gemacht hat.
Über das Thema Internetzensur berichtet heute u.a. die FAZ: Chinas Kampf gegen das freie Netz. und gestern die Rheinische Post: Chinas virtuelle Mauer.
Eine neue Webseite von Amnesty International, The China Debate, thematisiert die Menschenrechtsverletzungen in China, inklusive der Internetzensur und stellt die Frage: What human rights legacy for the Beijing Olympic Games? Ziel der Kampagnenseite ist es, eine offene Debatte zu führen, daher gibt es als Sprache auch ausdrücklich Mandarin zur Auswahl. Unklar ist, ob die Seite auch schon den Zensoren zum Opfer gefallen ist.
Die OpenNet Initiative hat die Internetzensur im Pressezentrum getestet: On the Olympic stage, the Great Firewall remains a player.
Die Futurezone berichtet, dass das deutsche IOC ein eigenes VPN aufgebaut hat, um unzensiert kommunizieren zu können: Deutsche umgehen chinesische Zensur.
„Wir haben ein geschlossenes Informationssystem eingerichtet und sind meines Wissens das einzige Olympische Komitee, das für Athleten, Funktionäre, aber auch für Journalisten ein derartiges Service betreibt“, sagte Gerd Graus, Pressesprecher des Deutschen Olympischen Sportbunds, den ORF.at am Donnerstag in Peking telefonisch erreichte.
Mehr zum Thema findet sich auch bei Spiegel-Online: „Wie China das Internet zensiert“ oder in vielen Beiträgen hier im Blog.
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: NetzpolitikTV 043: OpenNet Initiative und Internetzensur
: NetzpolitikTV 043: OpenNet Initiative und Internetzensur NetzpolitikTV 043 ist ein Interview mit Rob Faris von der OpenNet Initiative. Die OpenNet Initiative ist ein Zusammenschluss der University of Toronto, University of Cambridge, University of Oxford, und der Harvard Law School rund um das Thema Internetzensur. In dem knapp zehn Minuten langen Interview geht es geht um die Unterschiede zwischen traditioneller Zensur und Internetzensur; die verschiedenen Wege, wie man das Internet technisch und sozial zensieren kann; kulturelle Unterschiede in verschiedenen Staaten und Kontinenten bei der Internetzensur; die Gefahr für offene Gesellschaften, Internetzensur einzusetzen, z.B. gegen Pornographie; wie gut die Internetzensurinfrastrukturen funktionieren (zum Glück nicht perfekt); was demokratische Staaten tun können, um Zensur in anderen Staaten zurück zu drängen; und die Arbeit der OpenNet Initiative.
Das Gespräch gibt es als OGG, Flash und MP3.
(MP4 will mein Rechner im Moment leider nur asynchron rendern, die Tonspur verschiebt sich immer)
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: Studien zur Zensur und Selbstzensur im chinesischen Internet
: Studien zur Zensur und Selbstzensur im chinesischen Internet Nart Villeneuve, PhD vom Citizenlab der Universität Toronto hat ein Forschungspapier veröffentlicht, das ich erst jetzt bemerkt habe. Darin geht es um Bericht Selbstzensur großer westlicher wie chinesischer Suchmaschinenbetreiber in China. Villeneuve leitet so ein:
Search engines have become the premier gatekeepers of the Internet. All over the globe, Internet users rely on a handful of search engines to find content that is most relevant to the key words used as queries. Beyond seeking to provide the most locally relevant results, these search engines are actively removing specific sites from their localized versions to comply with local laws around the world. While most of the focus is on hate speech, (child) pornography and copyright issues, search engines also act to censor political content. The most advanced case of such censorship concerns search engines that market a version of their product in China.
Getestet hat er u.a. auf Schlagworte wie Menschenrechte, Demokratie, Falun Gong, Anti-Zensur-Maßnahmen (反封锁技术), Taiwan Unabhängigkeit (台獨) oder auch Nachrichten der BBC u.a. zu Tibet. Alle Begriffe sind pro Suchlauf gelistet. Die verwendeten Quelldaten zu sind ebenfalls online, komplett mit Suchanfragen, archivierten Ergebnissen und solchen Graphen:

Eine interessante Studie, auch wenn das Ergebnis tendenziell (und grob verkürzt) nur lautet, dass mehr Transparenz über die Filterung von Inhalten besser wäre. Technische Erkenntnisse sind, dass Google bei Portnummern und MSN bei Subdomains und https-Seiten Probleme hat, Suchergebnisse auszublenden. Die Methodologie und die ignorante Verwendung von TOR-Exitnodes innerhalb Chinas wird ab Seite 26 erläutert.
Zusammen mit weiteren Studien aus 2006, einmal der Human Rights Watch (Race to the Bottom) und der Reporter ohne Grenzen (Yahoo! clear worst offender in censorship tests on search engines) ergibt sich jedenfalls ein breites Bild – dass keine der Suchmaschinen so recht weiß, welche Inhalte denn nun zensiert werden sollen oder nicht: „none of them seem to agree on just what sites need censoring“.
[via china-in-the-news]
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: ICANN: Bald ganz viele neue Top-Level Domains?
: ICANN: Bald ganz viele neue Top-Level Domains? Internet Intern berichtet:
Am Donnerstag will der ICANN-Vorstand in Paris eine Grundsatzentscheidung über die Frage treffen, ob künftig Top Level Domains an große Firmen, andere Organisationen oder auch Gebietskörperschaften vergeben werden können. Wie von Seiten der ICANN betont wird, handelt es sich dabei nur um eine Richtungsentscheidung, der dann eine ausführliche Diskussion und juristische Ausformulierung des Vorhabens folgen muss.
Damit wäre auch der Weg frei für subregionale TLDs wie .berlin oder .nyc, und für internationalisierte TLDs in anderen Zeichensätzen und Schriften. Diese sollen sogar ein spezielles Fast-Track-Verfahren bekommen.
ICANN hat wohl im Kern begriffen, dass man damit massiv Geld damit verdienen kann:
Doch der CEO des kalifornischen Unternehmens, Paul Twomey, kann nicht verbergen, dass zumindest er diese Entwicklung begrüßen würde. Er spricht von neuem Grundbesitz im Internet. Und er muss gar nicht weiter erklären, dass der Verkauf dieser Terra Nova seiner stets geldhungrigen Organisation eine neue, lukrative Einnahmequelle bescheren würde. Denn wer .ebay, .intel oder .berlin besitzen will, soll nach Twomeys Vorstellungen 50.000 Dollar für die Registration zahlen müssen. Und da alle anderen generischen Top Level Domains beziehungsweise deren Registries Jahresbeiträge abführen müssen, wird man wohl auch bei diesen Bezahl-TLDs mit ähnlichen Forderungen rechnen können.
Es gibt allerdings derzeit noch den Vorschlag des ICANN-Vorstandes, neue TLDs nur einzuführen, wenn sie nicht gegen Gesetze zu „Moral und öffentlicher Ordnung“ verstoßen:
Strings must not be contrary to generally accepted legal norms relating to morality and public order that are enforceable under generally accepted and internationally recognized principles of law.
Die Non-Commercial Users Constituency bei ICANN hat in ihrer Stellungnahme solche Schwellen klar abgelehnt.
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: BUND Freiburg vs. Wikipedia
: BUND Freiburg vs. Wikipedia Letzte Woche gab es einige Mails und einen Taz-Artikel zum Thema Zensur von Webseiten des BUND Freiburg zum Thema Atomkraft. Konkret geht es darum, dass Atomkritische Informationswebseiten bei Google nicht mehr auffindbar sind. Hier spielt die Gatekeeper-Funktion und die Instransparenz von Google eine grosse Rolle: ca. 80% der deutschen Internetnutzer nutzen Google und niemand weiss genau, warum und wie bestimmte Seiten aus dem Index verschwinden. Das erschien mir schon etwas schwierig zum recherchieren, weil das alles sehr nach Verschwörungstheorie klang. Die Taz brachte dazu einen Artikel: Atomlobby googelt mit.
Doch plötzlich sind dort die Seiten, die unter www.bund-freiburg.de abgelegt sind, nicht mehr zu finden. Und die Zugriffszahlen sind in den letzten Tagen eingebrochen. Mayer ist kein Verschwörungstheoretiker, er glaubt auch nicht an eine Manipulation durch Google. Er hat einen anderen Zusammenhang entdeckt: Google präsentiert die Seiten nicht mehr, seit sie im interaktiven Web-Lexikon Wikipedia in einer Spam-Liste auftauchen. Nun gibt Google selbst keine Auskunft darüber, nach welchen Algorithmen die Suchmaschine die Treffer sortiert. Doch für Mayer ist klar, dass Google die Spam-Liste von Wikipedia auswertet – und ignoriert, was dort gelistet ist. Mayer ist sich sicher, dass die Atomlobby es geschafft hat, alle Links zu den Anti-AKW-Seiten des BUND auf die schwarze Liste zu bringen. Diese Liste wurde eigentlich für allzu werbliche oder auch politisch radikale Seiten geschaffen. Mayers Indiz: Unverfängliche Links des BUND sind bei Wikipedia stehen geblieben – etwa solche zum Bau von Nistkästen.
Nun liest man in der Badischen Zeitung, dass der BUND-Freiburg selber nicht so ganz unschuldig bei der Sache war, wie es sich anhörte: BUND Freiburg: Machtkampf im Netz.
Mayer stellte dafür eigens einen Zivildienstleistenden des BUND ab, der allein die Aufgabe hatte, auf Wikipedia Links zu setzen. Das Problem: Kaum war er am Ende der langen Liste angelangt, konnte er gleich wieder von vorne beginnen. „Manchmal wurden die Links binnen Stunden, manchmal binnen Minuten wieder gelöscht“, berichtet Mayer.
Das klingt etwas nach Selbstverschuldung. Mit etwas Hintergrundwissen über die Arbeit der Wikipedia-Community hätte man rasch herausfinden können, dass diese Vorgehensweise absolut kontraproduktiv ist. Ich bekomme öfters Anfragen von NGOs, wie sie bei Wikipedia ihre Seite verbessern können. Ich empfehle dann immer, dass man dies transparent tun soll und immer an den neutralen Standpunkt denken soll. Im Optimalfall weist man offen und transparent mit guten Argumenten, den neutralen Gesichtspunkt im Blick, auf der jeweiligen Diskussionsseite an, dass im Artikel noch Punkte fehlen. Aktive Mitglieder lassen sich von guten Argumenten überzeugen. Alles andere läuft Gefahr, nach Hinten los zu gehen.
Und einen Zivildienstleistenden abzustellen, damit dieser mal überall Links setzt und Flame-Wars startet, kann man durchaus als Worst-Case bezeichnen.
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: Französisches Kabinett beschliesst Internetsperrungen
: Französisches Kabinett beschliesst Internetsperrungen Das französische Kabinett hat heute das Gesetz für Internetsperrungen bei Urheberrechtsverstössen auf den Weg gebracht. Ziel ist es, eine Behörde zu schaffen, wo die Musik- und Filmindustrie mögliche Tauschbörsennutzer melden kann, und wo die Behörde dann Verwarnungen verschickt. Bei dem „Three strikes and you are out“-Konzept der Musikindustrie ist geplant, bei einer dritten Verwarnung einfach das Internet zu kappen und den Zugang zu zensieren.
Futurezone: Französische Regierung bringt Netzsperren-Gesetz ein.
Die Behörde kann darüber hinaus Internet-Anbieter dazu verpflichten, Filtertechnologien zu implementieren, und Strafen in Höhe von bis zu 5.000 Euro gegen Anbieter verhängen, die Nutzern, die sich auf der „schwarzen Liste“ der Regierungsstelle befinden, Zugänge zur Verfügung stellen. Kopiere der Adressat dennoch rechtswidrig weiter, werde sein Internet-Abonnement „für die Dauer von drei Monaten bis zu einem Jahr“ gesperrt. Die Nutzer könnten sich auch gegen eine „Transaktion“, wie es in einer Mitteilung von Kulturministerin Christine Albanel heißt, eine schnellere Wiederherstellung des Netzzugangs erkaufen. Das Gesetz soll im Jänner 2009 in Kraft treten
Grossbritanien war ja schneller in der Schaffung des Gesetzes als Frankreich, wo der Plan seit einem halben Jahr angekündigt war. Zukünftig können wir dann auch von der franzsöschen Mauer, im direkten Vergleich zur chinesischen Zensur reden. Technisch ist da kein grosser Unterschied. Als Dankeschön verzichtet die Musikindustrie übrigens auf DRM. Was ein Witz ist, weil sie darauf eh verzichten würden. Schliesslich kauft den Schrott kaum jemand freiwillig.
Wie ich zuletzt gehört habe, gibt es auf europäischer Ebene auch schon hinter den Kulissen konkrete Richtlinien-Pläne, die Wunschliste der Musikindustrie im Rahmen der nahenden französischen EU-Ratspräsidentschaft europaweit auszudehnen.
Heise berichtet auch noch: Modell „abgestufte Erwiderung“ gegen Internet-Piraten.
Bei meiner Anfrage der Parteien bezüglich Internetsperrungen habe ich 1,5 Monate später immer noch nichts von der CDU und der FDP gehört. Auch die Bundesregierung hat noch nicht reagiert.
Hier finden sich mehr Informationen zu Internetsperrungen:
Internetsperrungen und Zwangsfilter durch ACTA
Frankreich: Verzögerung bei Gesetz zu Internetsperrungen
ENDitorial: Wird Frankreich die Digitale Guillotine in Europa einführen?
Weitere Kritik an den Internetsperrungswünschen
Wer tauscht, fliegt raus?
Bundesregierung will Internetsperrungen für Tauschbörsennutzer
Grossbritanien will auch Internetverbot für Downloader
Musikindustrie-Pläne scheitern im Kulturausschuss des EU-Parlaments.
Bei Urheberrechts-Verstössen einfach das Netz kappen?
EU droht mit weiteren Urheberrechts-Verschärfungen.
Frankreich will ein zivilisiertes Internet. -
: 64 Blogger haben zusammen 940 Monate im Knast verbracht
: 64 Blogger haben zusammen 940 Monate im Knast verbracht Heise berichtet über den „World Information Access“-Report der University of Washington in Seattle: Internet-Zensur: Gefängnis für immer mehr Blogger. Die Wissenschaftler haben Medienberichte untersucht und herausgefunden, dass weltweit seit 2003 ingesamt 64 Blogger (=Online-Schreiber) zusammen 940 Monate im Knast verbracht haben. Die durchschnittliche Haftstrafe sei dabei 15 Monaten gewesen. Allerdings müsse man eine höhere Dunkelziffer vermuten, weil nicht immer gibt es mediale Aufmerksamkeit auf einzelne Fälle.
Am gefährlichsten sind Ostasien und der Mittlere Osten:
„Ägypten, Iran und China sind die gefährlichsten Orte, um über das politische Leben zu bloggen“, erläutert der Forschungsleiter, Phil Howard, die Ergebnisse der Medienanalyse. Die Regierungen und Behörden dieser drei Länder seien für die Hälfte der Verhaftungen verantwortlich, „seit das Bloggen eine große Sache geworden ist“, weiß der Kommunikationsprofessor. Als Reaktion auf die Unterdrückung seien viele Bürger-Journalisten auf anonymes Bloggen umgestiegen oder würden undurchsichtigere Web‑2.0‑Seiten wie MySpace oder YouTube nutzen.
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: China: Kritik am Krisenmanagement unerwünscht
: China: Kritik am Krisenmanagement unerwünscht Wer in chinesischen Foren über das Krisenmanagement nach dem Erdbeben diskutiert macht Bekanntschaft mit den Cartoon-Internetpolizisten (wir berichteten). Die erste Welle der Berichterstattung scheint ja daran vorbeigekommen zu sein, aber online macht es China der Meinungsunfreiheit weiterhin schwer.
Wired hat einen kleinen Artikel dazu: Deadly Earthquake Doesn’t Shake China’s Internet Censors. Die Essenz ist:
Following the May 12 earthquake in China’s Sichuan province, the news coverage was naturally empathetic, making the censorship regime redundant. But as Chinese citizens began criticizing the response to the earthquake online, the government’s internet police made their presence known.
On one message board, posters started criticizing large China-based corporations for not contributing enough to the relief effort. The thread grew heated this week, forcing an appearance from Jing Jing and Cha Cha – those two adorable animated characters that China began deploying on online forums last year, whenever the conversation strays too close to discouraged topics or sentiments.
„Don’t accept vulgar content,“ advised the smiling cartoon cops overlaid on the post. „Advance harmony.“
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: CFP08: Filterung bei Urheberrechtsverletzungen?
: CFP08: Filterung bei Urheberrechtsverletzungen? Ein Panel zu „Filtering Out Copyright Infringement: Possibilities, Practicalities, and Legalities“ auf der Computers, Freedoms and Privacy Konferenz drehte sich um Filtermassnahmen bei Urheberrechtsverletzungen.
Ein spannender EInführungsvortrag kam von Paul Ohm, Jura-Professor an der Universität von Colorado. Er sprach über „ISP Network Management and the Wiretap Act“. Nach seinem Sudium arbeitete er als Adminund hatte dort mit Paket-Sniffingund anderen Dingen zu tun. Danach war er Staatsanwalt und im letzten Jahr unterstützte er die EFF, um gegen die Abhörmassnahmen von AT&T vorzugehen. In seiner Einleitung sprach er von dem Admin-Mantra, „It’s my network. I can do what I want with it“. Das sei aber falsch. Gesetze regeln ganz klar, was Netzwerk-Betreiber (Provider) machen dürfen und was nicht.
Aktuell gibt es drei Provider-Beispiele, die gerne den Netzwerk-Verkehr, also die Inhalte ihrer Kunden, belauschen wollen.
1. Comcast ist letztes Jahr dadurch in die Kritik geraten, weil sie Bittorrent gedrosselt haben. Dazu mussten sie Paket-Monitoring machen, um Bittorrent zu identifizieren.
2. AT&T macht zwr gerade nichts in die Richtung, kündigt aber laufend an, dass sie gerne was machen würden. Sie reden gerne darüber, dass sie Wasserzeichen einsetzen wollen, um Urheberrechtsverletzungen zu identifizieren. Dazu müssen sie auch in die Inhalte schauen.
3. Das aktuellste Beispiel stammt von Charter Communications. Die sind viertgrösster Kabelnetzanbieter in den USA und haben letzte Woche „On-Point“ Werbung angekündigt. Um personalisierte Werbung anzubieten,müssen sie die „Klick-Stream“ Datenihrer Kunden belauschen. Sie verkaufen das in Pressemitteilungen gar als „„Best thing for the Consumer“.
Paul Ohm erläuterte, dass alle drei Initiativen bestehende Datenschutz-Gesetze verletzen könnten. Laut dem „Electronic communications privacy act aus dem Jahre 1986 ist e sverboten, elektronische Kommunikation zu belauschen. Es gibt zwar Ausnahmen, dass z.B. Provider Netzwerk-Verkehr belauschen dürfen, aber die sind so geregelt, dass darunter klare Begrenzungen fallen: Um den Service aufrechtzuerhalten, bzw. den Besitz und die Rechte des Providers zu schützen, darf man in Ausnahmen das Netzwerk belauschen. Dazu zähle aber nicht, mehr Geld zu verdienen (Charter – Beispiel).
Weitere Ausnahmen wären, wenn Behörden rechtlich-korrekt Zugriff haben wollen oder der Kunde freiwillig einwilligt. Charter hat daher Briefe mit der Ankündigung an alle Kunden geschickt und ist der Meinung, das würde ausreichen, es legal zu machen. Aus Jura-Sicht müsste man laut Ohm aber was unterschriebenes zurückschicken. Nur verschicken reicht nicht, man könne ja vor Gericht sagen, dass man Brief nicht erhalten hat. Auch sei der Opt-Out kompliziert bei Charter, man muss überall Cookies blocken, etc.
Abschliessend bringt er drei Punkte zur Debatte:
1. Die gesetzlichen Lücken zu schliessen, um die Praktiken zu legalisieren wäre im Wahljahr zum Glück unrealistisch.
2. Er ist verwundert, dass es noch keine Sammelklage gegen Charter gibt
3. Das Thema gehört klar in die Netzneutralität-Debatte. Dürfen Provider Inhalte diskriminieren? Nein.
Einen netten Überblick, was der Stand bei der Diskussion um Filterungen in den universitären Netzwerken ist, gab Steve Worona, Director of Policy and Networking Programs bei EDUCASE. Er beschrieb, wie die universitären Netzwerk-Betreiber unter massiven Druck der Rechteindustrie stehen. Diese haben eine grosse Angst vor dem „Darknet“ in den Universitäten. Der Alptraum sind Wohnheime, wo Studenten von Computer zu Computer Sachen kopieren. Sie wollen am liebsten, dass man alles überwacht und filtert.
Man sei als Verband der universitären Netzwerk-Betreiber einfach zu bekämpfen. Von den 4000 Mitgliedern wären viele Universitären glücklich, das zu machen. Filesharing unterstütze ja nicht die Wissenschaft und verursache nur Probleme und Kosten bei den Betreibern. So sei es problematisch, wenn man vorgehalten bekommt, andere Universitäten würde es ja schon praktizieren, warum mache man selbst das nicht? Mal schauen, was da noch weiter passiert. Verschiedene Gesetze sind in Staaten und auf nationaler Ebene in der Pipeline.
Michael McKeehan, Executive Director, Internet & Technology Policy, bei Verizon beschrieb aus Provider-Sicht
Interessant war auf der Vortrag von Brad Biddle, Lead counsel, Systems Technology Lab bei Intel. Er zeigt verschiedene Argumente, warum Intel als Hardwarehersteller gegen eine Filterung ist:
* Masnahmen dringen in die Privatsphäre ein. Man müsse das Verhalten der Kunden überwachen.
* Die Redefreiheit und andere Rechte sind davon betroffen
* Die Massnahmen würde zu weiteren Forderungen führen, was man noch alles filtern sollte und müsste.
* Das ist ineffektiv und teilweise noch schlimmer. Es würde zu mehr Darknets führen, ausserdem kann man mit Verschlüsselung die Massnahmen umgehen.
* Die Filterungen sind nicht kompatibel mit aktueller Gesetzgebung. Siehe EInführungsvortrag.
* Das schaffe nur zusätzliche Kosten ohne Benefits für die Provider.
* Schaffe zusätzliche Probleme und Risiken für Provider, weil die Kunden klagen könnten.
* Massnahmen behindern Innovation. Sachen wie Netzwerk-Speicher oder Place Shiftung wären damit gefährdet.In der abschliessenden Diskussion hatten alle Angst, dass man solche Massnahmen erstmal über Filterungen gegen Kinderpornographie durchbringen könnte. Da würde niemand gegen stimmen und anschliessend wäre es viele einfacher, solche Massnahmen auf Urheberrechtsverletzungen auszuweiten.
ich stellte die Frage, wie es denn um die US-Diskussion um Internetsperrungen bei Urheberrechtsverletzungen stehe. Michael McKeehan erklärte, dass Verizon als globaler Provider mit grosser Sorge die EU-Entwicklungen beobachte. Seiner Meinung nach würde in den USA das die Verfassung (1. Ammendment) verhindern. Steve Worona beschrieb, dass schon einige Universitäten sowas ähnliches einsetzen würden, was Frankreich auf nationaler Ebene vorhat. An Universiäten wie UCLA (?) würden bei Urheberrechtsvergehen die Studenten automatisch von einem technischen System informiert, ausserdem gäbe es verschiedene Eskalationsstufen, die dem „3 Strikes and you’ re out“ nahe kommen würde. Bei einer Anhörung habe ein Politike rmal erstaunt gefragt ob der guten Erfahrungen mit dieser Technik, ob man das nicht gleich auf nationaler Ebene implementieren könnte.
Fand ich bisher das spannenste Panel auf der CFP08. Mal schauen, ob ich gleich noch Interview mit den Referenten machen kann.