Zensur
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: Nachrichtenüberblick China, Erdbeben in Sichuan, Twitter und die Medien
: Nachrichtenüberblick China, Erdbeben in Sichuan, Twitter und die Medien Kleiner Nachrichtenüberblick, für alle die es noch nicht gehört haben: China bemüht sich wohl um Offenheit in Bezug auf das Erdbeben vom 12.5. in Sichuan. Doch so ganz freiwillig und eilfertig ging das nicht, wie die Howard French in der New York Times zu berichten weiß: Earthquake Opens Gap in Controls on Media:
Two and a half hours after a huge earthquake struck Sichuan Province on Monday, an order went out from the powerful Central Propaganda Department to newspapers throughout China. “No media is allowed to send reporters to the disaster zone,” it read, according to Chinese journalists who are familiar with it.
When the order arrived, many reporters were already waiting at a Shanghai airport for a flight to Sichuan’s provincial capital, Chengdu. A few were immediately recalled by their editors, but two reporters from the Shanghai newspaper The Oriental Morning Post, Yu Song and Wang Juliang, boarded a plane anyway. Soon, they were reporting from the heart of the disaster zone.
Their article filled an entire page of the next day’s Post, one of the first unofficial accounts of the tragedy by Chinese journalists. It included a graphic description of the scene and pictures of a mourning mother, a rescued child and corpses wrapped in white bunting. The paper further risked offending censors by printing an all-black front page that day, stressing the scale of the catastrophe.
Damit war die Nachricht raus. Twitter spielte bereits in den ersten Minuten nach dem Beben eine große Rolle, weiß das Blog ‚China Herald’:
… updated me fast on the social networks he was using, and it appeared he relied mostly on Facebook, after having dumped twitter. For me, Twitter had developed in a few hours time into an excellent information tool, combining different sources of information and I knew more about the earthquake than many people in China. On the ground, in Chengdu, at least three twitterati were on their way – as one called it – to their 15 minutes f world fame.
casperodj slightly dizzy after being shaken around by the Chengdu earthquake for several hours now.
inwalkedbud @casperodj at home in fact, cooking dinner and getting on with things. Just had another aftershock though.Others kept an eye on what the traditional media were doing, and sometimes worked as a bridge between the Chengdu-based Twitterati and those media.
Der Artikel enthält weitere Links, auch zu venturebeat.com.
The Standard aus Hong Kong bringt heute eine thematisch ähnliche Meldung von AP: Censors fall victim to Sichuan quake:
Almost nonstop, the uncensored opinions of Chinese citizens are popping up online, sent by text and instant message across a country shaken by its worst earthquake in three decades.
„Why were most of those killed in the earthquake children?“ one post asked on FanFou, a microblogging site.
Another reads: „How many donations will really reach the disaster area? This is doubtful.“
China is now home to the world’s largest number of internet and mobile phone users, and their hunger for quake news is forcing the government to let information flow in ways it has not before. A fast-moving network of text messages, instant messages and blogs has been a powerful source of firsthand accounts of the disaster, as well as pleas for help and even passionate criticism of rescue efforts.
Der Artikel ist ausführlich und betont auch die Rolle der Lokalregierung der Präfektur Aba, die aus Eigeninitiative Informationen online gestellt haben. Erstaunlicherweise war diese Seite online und konnte fast als einzige Quelle online berichten.
Bei aller wünschenswerten Öffnung bleiben schlechte Nachrichten hier nicht unerwähnt. Die Reporter ohne Grenzen berichten: Journalist gets four years for exposing Communist Party corruption in Shandong. Gemeint ist Qi Chonghuai, der behördenkritisch z.B. über Korruption und den pompösen Neubau der Tengzhou Stadtverwaltung berichtet hatte.
Reporters Without Borders condemns the four-year prison sentence that a court in Tengzhou, in the eastern province of Shandong, imposed on journalist Qi Chonghuai on 13 May on charges fraud and extorting money. Qi, who spent 11 months in pretrial detention, used to work for Fazhi Zaobao (Legal Rule Morning Post), a newspaper owned by the justice ministry.
One of his lawyers, Li Xiongbing, who pleaded for his acquittal in court, said that this decision violates press freedom.
“Coming just a few months before the Olympic Games, this sentences is yet another example of the Chinese government’s lack of tolerance for critical writers and journalists.” Reporters Without Borders said. “Qi’s trial was not fair. It lasted only 11 hours, the defence was unable to call any witness and no written proof of the alleged fraud was produced. Local Chinese justice had yet again displayed a complete lack of transparency.”
Aged 42, Qi had worked for 13 years as a journalist for Fazhi Zaobao and other media outlets, and often wrote about corruption in political and financial circles. He was arrested on 25 June after posting an article about Communist Party corruption in Tengzhou on a forum on Xinhuanet, the website of the official news agency. He was formally charged with “fraud and extorting money” on 2 August.
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: Antwort der SPD zu Internetsperrungen
: Antwort der SPD zu Internetsperrungen Vor 2,5 Wochen habe ich alle Parteien und ihre Jugendorganisationen zum Thema Internetsperrungen angeschrieben und um die Beantwortung von fünf Fragen gebeten. Nun hat die SPD als zweite Partei nach Bündnis 90/Die Grünen geantwortet. Die Antworten hab ich in den Gesamtartikel eingefügt: Die Positionen der Parteien und Jugendverbände zu Internetsperrungen.
Keinerlei Reaktion gab es bisher von CDU, Junge Union, FDP, Julis, Linkspartei und Linkspartei-Jugend.
Konkret zu den Internetsperrungen beantwortete die SPD:
“Freiheit im Internet ist ein hohes Gut für uns. Es gibt natürlich wie immer Grenzen. Wie überall findet die Freiheit des Users seine Grenzen dort, wo hierdurch Rechte andere betroffen werden. Das betrifft vor allem Datenschutzrechte, Persönlichkeitsrechte aber auch Urheberrechte. Wir sind dafür, das geistige Eigentum, so wie jedes andere Eigentum, geschützt werden muss. Allerdings sehen wir die Entwicklung, so wie sie etwa in Frankreich zurzeit voranschreitet, skeptisch: Eine Behörde zu schaffen, die bei Rechtsverletzungen im Internet Warnhinweise an die Verletzer versendet und bei wiederholten Rechtsverletzungen Sanktionen bis zur Abschaltung des Internet Zugangs verhängt, erscheint nicht zielführend. Sicher muss auf der Basis der bestehenden Rechtsmöglichkeiten eine Lösung für beide Seiten gefunden werden (siehe auch Antwort zu Frage 2). ”
Die Verwendung der Wörter „skeptisch“ und „erscheint nicht zielführend“ sind vermutlich bewusst gewählt, um sich eine letztendliche Position offen zu halten. Aber tendenziell klingt das auch eher ablehnend.
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: Jahresbericht 2007 zur Menschenrechtslage in der Welt und zur Menschenrechtspolitik der Europäischen Union
: Jahresbericht 2007 zur Menschenrechtslage in der Welt und zur Menschenrechtspolitik der Europäischen Union Das Europäischen Parlaments hat am 8. Mai 2008 einen Entschließungs-Antrag zu dem Jahresbericht 2007 zur Menschenrechtslage in der Welt und zur Menschenrechtspolitik der Europäischen Union (2007/2274(INI) verabschiedet. Darin finden sich auch wenige Bezüge zum Netz (Man merke sich immer „Das Europäische Parlament“ am Anfang):
Zum Thema China & Zensur ein kurzer Ausschnitt aus einem langem Absatz:
ist beunruhigt über die Einschränkungen der Freiheit chinesischer und internationaler Medien, einschließlich des Internet, des Blogging und des Zugangs zu Informationen für die chinesische und internationale Presse; ist ebenfalls weiterhin besorgt über die Erstellung schwarzer Listen von Journalisten und Menschenrechtsaktivisten
Ansonsten ist noch dieser Ansatz interessant:
145. bekräftigt erneut seine Besorgnis im Zusammenhang mit Beschränkungen von Internet-Inhalten, gleichgültig, ob sie sich auf die Verbreitung oder den Erhalt von Informationen beziehen, die von Regierungen verhängt werden und nicht im strikten Einklang mit der Gewährleistung des Rechts auf freie Meinungsäußerung stehen; fordert deshalb den Rat und die Kommission auf, Gemeinschaftsregeln für den Handel mit Drittländern bezüglich von Gütern, einschließlich Software, Hardware und andere ähnliche Produkte, auszuarbeiten, deren einziger Zweck darin besteht, eine allgemeine Überwachungstätigkeit durchzuführen und den Zugang zum Internet auf eine Weise zu beschränken, die nicht mit der Meinungsfreiheit vereinbar ist, und bezüglich der Einfuhr und der Ausfuhr solcher Güter, mit Ausnahme von Gütern, deren einziger Zweck im Schutz der Kinder besteht; ist der Ansicht, dass dies auch für die Observierungs- und/oder Militärtechnologie für Länder gelten sollte, die die Menschenrechte systematisch verletzen; fordert darüber hinaus, konkrete Lösungen zu finden, um die europäischen Unternehmen darin zu hindern, solchen Ländern personenbezogene Daten zu liefern, die genutzt werden können, um diese Rechte, insbesondere das Recht auf Meinungsfreiheit, zu verletzen;
Interessant wäre hier, ob das EU-Parlament auch konkrete Pläne hat, beispielsweise die Ausfuhr von Überwachungstechnologien zu verbieten.
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: Frankreich: Verzögerung bei Gesetz zu Internetsperrungen
: Frankreich: Verzögerung bei Gesetz zu Internetsperrungen In Frankreich kommt das Gesetz für Internetsperrungen bei Urheberrechtsverstössen nicht so Recht voran. Der Gesetzesentwurf wird immer noch auf eine Verfassungstauglichkeit überprüft. Das lässt die Industrielobbyistend er Musikindustrie jetzt etwas nervös machen, die von der Regierung den sofortigen Vollzug verlangen. Die Electronic Frontier Foundation berichtet darüber: The Struggles of France’s Three Strikes Law.
Und die Futurezone fasst nochmal die konkreten Pläne zusammen: Gesetz zu Internet-Sperren kommt später.
Der Gesetzesentwurf sieht die Schaffung einer Regierungsbehörde vor, die mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet werden soll. Die HADOPI [La Haute Autorite pour la diffusion des oevres et la protection des droits sur Internet] genannte Regierungsstelle soll auf Zuruf der Rechteinhaber vermeintliche Urheberrechtsverletzer kontaktieren, verwarnen und gegebenenfalls die Sperre der Zugänge anordnen. Die Behörde kann darüber hinaus Internet-Anbieter dazu verpflichten, Filtertechnologien zu implementieren und Strafen gegen Anbieter zu verhängen, die Nutzern, die sich auf der „schwarzen Liste“ der Regierungsstelle befinden, Zugänge zur Verfügung stellen. Auch Betreiber von privaten Netzwerken soll laut Gesetzestext dazu verpflichtet werden, gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen.
Eine Vermutung ist ja weiterhin, dass Frankreich die kommende EU-Präsidentschaft für die Pläne abwartet, um mal wieder den üblichen EU-Umweg zu gehen, womit man die eigene Verfassung etwas umrunden kann.
Zwei Wochen nachdem wir alle Parteien und Jugendverbände bezüglich des Themas angefragt haben, sind immer noch nicht mehr Antworten eingetroffen.
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: Die Positionen der Parteien und Jugendverbände zu Internetsperrungen
: Die Positionen der Parteien und Jugendverbände zu Internetsperrungen Das Thema „Internetsperrungen für Filesharing“ hatten wir in den letzten Wochen recht häufig hier behandelt. Am vergangenen Montag habe ich dazu einen kleinen Fragekatalog zu Internetsperrungen, Tauschbörsen und Urheberrechtspolitik an die fünf im Bundestag sitzenden Parteien und ihre Jugendverbände geschrieben, um ihre Position zu erfahren. Meine Hoffnung war, dass diese auch antworten. Immerhin wird dieses politische Blog recht häufig gelesen und verlinkt. Und die Aktion ist ein kleiner Testballon, wie Parteien und Jugendverbände auf politische Blogs reagieren. Immerhin werden Presseanfragen in der Regel auch recht schnell beantwortet.
Nach acht Tagen sieht das Ergebnis aber sehr mager aus. Von zehn verschickten Mails habe ich drei Antworten bekommen. Bei einigen bekam ich eine automatisch generierte Mail, dass meine Mail eingetroffen ist. Die SPD vertröstete mich auf gestern und die Linkspartei auf frühestens diese Woche. Von FDP und CDU kam überhaupt nichts. Von ihren Jugendverbänden Julis und Junge Union auch nichts. Bündnis 90 / Die Grünen, Grüne Jugend und JUSOS haben recht schnell geantwortet. Mag sein, dass in den nächsten Tagen noch die eine oder andere Antwort eintrifft. Die werde ich dann in diese Übersicht dazu packen.
Update: Am 14. Mai kam die Antwort der SPD. Und am 16. Mai antwortet die Linkspartei.
Die Antwort der Parteien:
Anmerkungen: Die Grünen haben recht schnell geantwortet, was auch daran liegt, dass diese sich schon länger damit beschäftigen und auch explizit zu den Internetsperrungen mit einer Pressemitteilung Stellung genommen haben. Das hat die FDP auch, allerdings vertrat Frau Leutheusser-Schnarrenberger in ihrer Pressemitteilung die Meinung, dass die Forderung nach Internetsperrungen unterstützenswert wäre. Mir hätte ja schon ausgereicht, wenn überhaupt von der Pressestelle ein Verweis auf diese Pressemitteilung als Antwort gekommen wäre, aber gar nichts?
1.) Aktuell ist die Forderung nach Internetsperrungen für Tauschbörsen-Nutzung. Wie ist die Position Ihrer Partei dazu?
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: Chinas Zensur: „System der tausend Augen“
: Chinas Zensur: „System der tausend Augen“ Lesenswerter und ausführlicher Artikel heute im Berliner Tagesspiegel: der Schriftsteller Ha Jin (哈金, eigtl. 金雪飞/金雪飛) berichtet über Chinas Zensur, „Das System der tausend Augen“. Es funktioniert nach dem Prinzip 內緊外鬆 (nèi jǐn wài sōng): nach innen hart, nach außen weich. In der Außendarstellung der Zensur ist also kaum erkennbar, wie unnachgiebig sie nach innen wirkt. Der Artikel geht auf die Verleger- und Verlangssituation, auf Auslandschinesen, heikle Literatur ein und kommt auf den Schluß, dass nur eine (zensurfreie) Öffnung der Bildung und echte Demokratie Chinas Talenten zu Gute kommen kann:
Bei seinem Besuch in den Vereinigten Staaten im Jahr 2006 sagte Präsident Hu Jintao: „Wir glauben seit jeher, dass es ohne Demokratie keine Modernisierung gibt.“ Dieses Eingeständnis nimmt den Aufruf des Dissidenten Wei Jingsheng nach einem fünften Modernisierungs- und Demokratisierungsschritt auf, nachdem Deng Xiaoping vier Modernisierungsschritte gefordert hatte. Wei wurde dafür 15 Jahre lang eingesperrt. Wenn die KP Demokratie ehrlich befürwortet, wie Hu beteuert, müsste sie Schritte einleiten, die Macht des Propagandaministeriums zu verringern und es schließlich aufzulösen. Sonst bleibt jedes Wort von Demokratie Gerede.
… Es wird oft gefragt, wie viele große originelle Denker und Künstler das moderne China der Welt gegeben und wie viele Produkte es von sich aus hergestellt hat. Sehr wenige, wenn man bedenkt, dass dieses Land 1,3 Milliarden Bewohner hat. Es stimmt zwar, dass China reicher ist als je zuvor, aber sein Reichtum beruht darauf, ausländische Produkte nachzumachen. Solch ein Reichtum ist vergänglich. Ohne eigene kulturelle und materielle Güter kann kein Land reich und stark bleiben. Mit anderen Worten: Der wahre Reichtum eines Landes liegt im Talent seiner Menschen. Der beste Weg, es wachsen und gedeihen zu lassen, besteht darin, das Joch der Zensur abzuschütteln.
(Auf echonyc.com kann man den fünften Modernisierungsschritt Wei Jingshengs auf Englisch nachlesen.)
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: Netzsperren greifen in Grundrechte ein.
: Netzsperren greifen in Grundrechte ein. Passend zur absurden Diskussion rund um Netzsperrungen für Tauschbörsennutzer gibt es ein aktuelles Gutachten aus einer anderen Ecke: Netzsperren greifen in Grundrechte ein.
Sperrverfügungen für Inhalte im Internet „greifen in erheblichem Umfang in die Meinungsfreiheit der Inhaltsanbieter, die Informationsfreiheit der Nutzer sowie die Berufsfreiheit der Internetprovider ein.“ Zu diesem Ergebnis kommt das am heutigen Montag in München von der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) vorgestellte Gutachten zu Sperrverfügungen im Internet. Wegen der Grundrechtseingriffe und der möglichen Beeinträchtigung der technischen Funktion des Netzes müssten „schwierige rechtliche Abwägungen und Verhältnismäßigkeitsprüfungen im Einzelfall“ den Maßnahmen immer vorangehen, heißt es in dem Gutachten weiter. Technische Sperrmaßnahmen, die ins Fernmeldegeheimnis eingreifen, seien rechtlich nicht gedeckt. Sperrungen von IP-Adressen oder URLs würden daher eine Änderung des geltenden Rechts erfordern.
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: Bundestag gegen Internetzensur
: Bundestag gegen Internetzensur Es war sicher nur ungewollter Zufall, dass ausgerechnet jetzt zur BND-Trojaner-Affäre die Grosse Koalition im Bundestag den Antrag „Das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit weltweit durchsetzen und der Internet-Zensur entgegentreten“ eingebracht hat. Denn einen Antrag einbringen bedeutet auch eine kleine Debatte über das Thema. Diese habe ich leider nicht verfolgt, aber ich bin mal auf das Protokoll gespannt. 45 Minuten waren angesetzt, da kommt auch mal die Opposition mit ihrer Kritik an der aktuellen Politik zu Wort.
In dem Antrag finden sich dann auch Absätze wie:
„Verstösse gegen das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit finden in allen Regionen der Welt statt. Neben verschiedenen islamisch geprägten Staaten in Asien und Afrika geben auch zahlreiche weitere afrikanische und einige lateinamerikanische Staaten Anlass zur Sorg, zumenend auch Mitgliedsstaaten des Europarats.“
Interessant ist, dass ziemlich oft auf islamisch geprägte Staaten verwiesen wird, nicht nur in diesem Absatz. Natürlich sind diese Staaten sehr massiv dabei, Meinungs- und Pressefreiheit zu bekämpfen und natürlich muss man dies scharf kritisieren. Aber warum fehlen etliche asiatische Staaten wie China, Vietnam, Thailand oder Nord-Korea in der vielfältigen Aufzählung? Und warum ist man der Meinung, in der EU und in den USA wäre die Presse- und Meinungsfreiheit nicht unter Beschuss?
Aktuell ist dieser Absatz:
„Einschränkungen der Meinungs- und Pressefreiheit können von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren ausgehen; sie können gegen Zeitungen, Radio- und Fernsehsender oder auch gegen einzelne Medienvertreter gerichtet sein.“
Man denke da nur an Cicero oder aktuell die Spiegel-Redakteurin.
Sollte in Deutschland auch die absurde Forderung der Rechteindustrie nach einer Sperrung von Internetzugängen für Tauschbörsen-Nutzer in der Politik ankommen, können wir jetzt immer den folgenden Satz zum Thema Internetzensur zitieren:
„Daneben greifen etliche Staaten bei der Kontrolle des Internets auf die einfachste und effektivste Variante zurück – der Bevölkerung wird der Zugang vorenthalten“.
Ansonsten freue ich mich natürlich, das der Bundestag einen solchen symbolischen Antrag beschliesst. Die Forderungen am Ende des Antrages kann ich alle so unterschreiben. (Ist mir jetzt zuviel zum abtippen und kopiern geht nicht aus dem PDF).
Festhalten kann man mal:
Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung deshalb auf:
2. bei bi- und multilateralen Gesprächen darauf zu bestehen, dass das Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit ein universelles, unteilbares Menschenrecht ist, das ohne Einschränkungen nicht nur für politisch Andersdenkende gilt, sondern auch für ethnische, religiöse und sexuelle Minderheiten.
9. im Rahmen aller genannten Forderungen auch und insbesondere die Zensur im Internet zu thematisieren und dieser entgegenzutreten.
Nicht vergessen sollte man, dass die Presse- und Meinungsfreiheit auch bei uns unter Beschuss ist . Durch die vielen Affären, die in den letzten Jahren ans Tageslicht kamen. Und durch die Gesetzgebung der Grossen Koalition, die uns aktuell die Vorratsdatenspeicherung und das BKA-Gesetz bringen.
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: Newsweek über Repression 2.0
: Newsweek über Repression 2.0 Die Newsweek hat einen interessanten Artikel über „Repression 2.0″. Darin wird beschrieben, wie totalitäte Systeme die eigenen Bürger vor allem sozial unter Kontrolle halten und Strategien entwickeln, die Internetzensur zu verstärken.
The trick about the new repression isn’t just getting people to think the government knows—or seems to know—what they’re doing; it’s making them believe they’ll pay the price. Here the technology of Repression 2.0 melds with old-fashioned strong-arm methods: those caught misbehaving are subjected to highly publicized character assassination, interrogation, threats to friends and families, trumped-up charges and show trials. Chinese police have shown up at the homes of Web surfers just minutes after they view an illicit site. Egyptian and Saudi courts try bloggers for sedition. In the Middle East, censors are hunting not just for political challenges to the established order but also for signs of what they consider social deviancy, such as gay porn. But with so much ground to cover, resources are spread thin. So rather than convey a systematic sensation of surveillance, Middle Eastern governments are louder and angrier in their condemnations.
[Danke an Martin]
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: Interview: Zensur in China
: Interview: Zensur in China Jens Ohlig vom Chaos Computer Club wurde von tagesschau.de zur Zensur in China befragt: „China kennt verschiedene Formen der Internetzensur“.
tagesschau.de: Spielen auch gesellschaftliche Zwänge eine Rolle bei der Zensur?
Ohlig: Das ist der zweite Pfeiler der Zensur. Nur wenige Chinesen besitzen ihren eigenen PC und gehen deshalb in Internet-Cafés. Gemeinschaftliches Surfen ist weit verbreitet. Es herrscht also eine soziale Kontrolle, weil andere sehen, auf welchen Seiten ich surfe. Außerdem braucht jeder Betreiber einer Internetseite eine Lizenz vom Staat. Um diese nicht zu verlieren, beschäftigen alle größeren Internet-Portale „große Mamas“. Das sind Mitarbeiter, die die Foren überwachen und kritische Inhalte sofort löschen.tagesschau.de: Steuert die Regierung gezielt Internet-Kampagnen – wie etwa den Aufruf die tagesschau.de-Umfrage zu beeinflussen oder den Boykott von französischen Produkten?
Ohlig: Es ist schwierig, solche Aktionen detailliert zu planen und zu steuern. In Foren und Blogs kann sich ohne zentrale Steuerung schnell ein Internet-Mob organisieren. Das ist aber ein Phänomen, das nicht nur in China zu beobachten ist. So wendet sich im Moment gerade eine weltweit über Diskussionsforen lose organisierte Gruppe im Internet gegen die Scientology-Kirche. Natürlich begünstigt die Stimmung in China, dass sich solche Bewegungen formieren. Die bevorstehende Olympiade und der ausgeprägte Nationalismus wirken in einem autoritären Staat wie sozialer Kitt. Allerdings beeinflusst der Staat solche Phänomene, indem er sie bei ideologiekonformen Themen einfach laufen lässt und bei kritischen Themen unterdrückt.
Tagesschau.de hat auch ein Dossier über „China und die westlichen Medien“.
Passend dazu auch das Jetzt.de-Interview mit Marianne Heuwagen von Human Rights Watch: „Wir sprechen hier über ein totalitäres Regime“.
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: Hu Jia in der taz
: Hu Jia in der taz Die taz von heute berichtet über den chinesischen Bürgerrechtsaktivisten Hu Jia (胡佳), der zusammen mit dem Anwalt Teng Biao letzten Dezember einen offenen Brief verfasst hatte. Der Artikel Peking klagt Dissidenten an geht auch auf einige Hintergründe ein.
Hu stand bereits seit Mai vergangenen Jahres unter Hausarrest. Weil im Internetzeitalter mutigen Dissidenten so nicht mehr der Mund zu verbieten ist, publizierte Hu weiter und nahm am 27. November sogar per Webcam an einer Anhörung des Europaparlaments teil. Dabei bezeichnete er die Olympischen Spiele in Peking als „Desaster für die Menschenrechte“.
Zusammen mit seiner Frau Zeng Jingyan (bloggt auf 了了园) war Hu Jia vergangenes Jahr unter den Finalisten für den europäischen Sacharow-Preis für geistige Freiheit.
Bei den China Human Rights Defenders kann man das meiste davon auf chinesisch nachlesen: 胡佳案庭审违反司法公正,因言治罪违宪侵权.
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: Wie Pakistan Youtube ausschaltete
: Wie Pakistan Youtube ausschaltete Ethan Zuckermann beschreibt ausführlich in seinem Blog, wie die Youtube-Sperre in Pakistan dafür sorgte, dass Youtube global ausfiel: How a Pakistani ISP briefly shut down YouTube. Wietere Informationen bietet auch Global Voices Advocacy: Pakistan: Partial Block of Youtube.
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: Wie man Youtube abschaltet
: Wie man Youtube abschaltet Es gibt ja einige Dinge, wo man sich anschliessend etwas wundert: Beispielsweise wenn Youtube am gestrigen Sonntag zwei Stunden weg war und die Schuld bei einem pakistanischen Provider liegen soll. Ursache war laut Macworld die Sperrungsverfügung von pakistanischen Behörden, die ein Video auf Youtube wegzensiert haben wollten: Pakistan causes worldwide YouTube blackout. Irgendwie hat der pakistanische Provider diese dann so erfolgreich umgesetzt, dass halt der ganze Dienst global weg war.
The company blamed the outage on erroneous routing information introduced by a Pakistani ISP after Pakistani authorities ordered ISPs there to block the site on Friday. Traffic to YouTube was misrouted for around two hours, rendering the site inaccessible for many users around the world, YouTube said on Monday.
[Danke an Torsten]
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: Reporter ohne Grenzen – Jahresbericht 2007
: Reporter ohne Grenzen – Jahresbericht 2007 Reporter ohne Grenzen haben ihren Jahresbericht 2007 als PDF online gestellt. Der 167-seitige ROG-Jahresbericht gibt eine Übersicht über die Lage der Pressefreiheit weltweit und beschreibt die Lage in 98 Ländern, darunter Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sowie die USA.
Aus der Pressemitteilung: ROG-Jahresbericht: Kritik an mangelndem öffentlichen Einsatz für Pressefreiheit.
Reporter ohne Grenzen (ROG) hat politischen Akteuren in aller Welt „Versagen und Doppelzüngigkeit“ bei der Verteidigung der Meinungsfreiheit vorgeworfen. „Das fehlende Rückgrat einiger westlicher Länder und führender internationaler Organisationen schadet der Pressefreiheit“, sagt Robert Ménard, ROG-Generalsekretär, in dem heute veröffentlichten Jahresbericht der Organisation. „Der mangelnde Wille demokratischer Länder, die Werte zu verteidigen, für die sie selbst stehen, ist alarmierend.“
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: Praktischer Service der Pirate Bay für zensierte Dänen
: Praktischer Service der Pirate Bay für zensierte Dänen The Pirate Bay wehrt sich gegen eine Blockade in Dänemark, wo der Provider Tele2 gerichtlich verdonnert wurde, die Seite für seine Kunden zu zensieren. Auf der Webseite The Jesper Bay wird ausgiebig darüber informiert, wie die Zensur umgangen werden kann.
Sie ist benannt nach dem Marketing-Direktor der dänischen Sektion der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI), Jesper Bay. Die Betreiber erläutern, sie wollten den Namen des IFPI-Mitarbeiters zur Abwechslung in einem positiven Zusammenhang erwähnen. Für die Umgehung der Blockade empfiehlt Pirate Bay den Weg über OpenDNS beziehungsweise den Eintrag alternativer DNS-Server im Router. Außerdem schildern sie, wie Windows- und Mac-OS-X-Nutzer ihr System umkonfigurieren können.
Wer damit nicht klar kommt, hat noch eine Alternative: Die Pirate Bay Hotline zum anrufen. Wenn das nicht mal ein guter Service ist.

Morgen ist übrigens der “Free The Pirate Bay” – Tag. Unterstützer werden aufgerufen, gelbe Kleidung zu tragen. Die Organisation läuft über eine Facebook-Gruppe. Mehr Infos bietet der Torrentfreak: Free The Pirate Bay, Wear Yellow for Sharing
In a few months from now the trial of The Pirate Bay four will start. The “Free The Pirate Bay” group on Facebook has proclaimed Friday February 8th to be “wear yellow for sharing day”, so everyone can show their support for the Pirate Bay team, and filesharing in general.
Ich habe mein einziges gelbes T‑Shirt schon bereit gelegt.
Zum aktuellen Gerichtsverfahren in Schweden wurde jetzt auch ein Blog eingerichtet.
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: Bald mehr Internet-Zensur in Russland?
: Bald mehr Internet-Zensur in Russland? Computerwoche berichtet über: „Auch Russland plant verschärfte Internet-Zensur“
„Derzeit ist das Internet in Russland glücklicherweise noch relativ frei. Es existiert jedoch schon jetzt eine staatliche Agentur, die Warnungen ausspricht, sobald Gesetze verletzt werden“, erklärt der GUS-Referent Jakob Preuss von Reporter ohne Grenzen im Gespräch mit pressetext. Künftig sollen nicht nur Zugangsbeschränkungen und staatliche Kontrollen von Homepages und E‑Mails durchgeführt, sondern der bloße Besuch von „verbotenen“ Websites durch den Nutzer unter Strafe gestellt werden. Einem noch geheimen Gesetzesentwurf zufolge, der zur Zeit dem Ausschuss für Informationspolitik im russischen Senat vorliegen soll, werde das freie Surfen besonders auf jenen Homepages unterbunden, welche sich auf dem Index befinden. „Die russische Staatsanwaltschaft fängt relativ schnell an zu ermitteln. Dabei werden speziell das Presse- und das Extremismusgesetz häufig herangezogen“, sagt Preuss. Äußerungen in Foren und Blogs werden ebenfalls untersucht. „Dies betrifft auch mögliche Beleidigungen oder zum Beispiel Putin-Karikaturen“, heißt es von dem Experten.
Das Ansurfen verbotener Seiten wird in Diktaturen wie Tunesien schon länger verfolgt.
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: J!Cast 50 –Kein Zugriff auf Erotikseiten?
: J!Cast 50 –Kein Zugriff auf Erotikseiten? Der J!Cast 50 behandelt das Thema „Kein Zugriff auf Erotikseiten? Zur Sperrungspflicht von Zugangsprovidern im Internet“:
Access-Provider sind nach den neusten Entscheidungen der Landgerichte Kiel, Frankfurt a.M. und Düsseldorf zivilrechtlich nicht dazu verpflichtet, den Zugang zu rechtswidrigen Porno-Seiten zu sperren. Sind damit die Provider im Hinblick auf rechtswidrige Informationen im Internet endlich aus dem Schneider? Und wie verhalten sich die Urteile zu den Düsseldorfer Sperrungsverfügungen aus dem Jahre 2002? Zu den Hintergründen dieser als „Schlammschlacht in der Erotikbranche“ bekannt gewordenen Verfahren stand Rechtsassessor Kai Welp , Mitarbeiter am ITM, Eva Schröder als Gesprächspartner zur Verfügung.
Hier ist die 10 MB grosse MP3.
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: Musikindustrie-Pläne scheitern im Kulturausschuss des EU-Parlaments
: Musikindustrie-Pläne scheitern im Kulturausschuss des EU-Parlaments Der Kulturausschuss im EU-Parlament hat die Lobby-Wünsche der Unterhaltungsindustrie zur Filterung von Urheberrechtsverstössen und einer Ausweitung der Urheberrechtslaufzeiten zurückgewiesen. Das berichtet die EFF mit Bezug auf eine Sitzung am gestrigen Dienstag: Filtering and Copyright Extension Fail to Find a Home in EU. Im Rahmen der Erstellung eines Reports zum Zustand der Kulturindustrie in Europa (Creative Industries) wollte man die Wünsche durchsetzen, dass Internetleitungen bei der Nutzung von Tauschbörsen durch die ISPs zensiert, bzw. gesperrt werden. Ausserdem wünschte man sich eine Ausdehnung der Urheberrechtslaufzeiten zu Ungunsten der Allgemeinheit.
Die Pläne sind noch nicht vom Tisch. Einserseits kann die Abstimmung im Plenum des Europaparlaments noch andere Ergebnisse liefern. Dies ist aber in der Regel unwahrscheinlich, wenn der federführende Ausschuss andersweitig Empfehlungen ausgesprochen hat. Aber nichts ist unmöglich. Vor allem bei dieser Lobby. Andererseits ist das EU-Parlament nur eine Front auf EU-Ebene und die Pläne kommen im Moment von verschiedenen Seiten. Aktuell sind immer noch die Pläne der EU-Kommission, solche Filter-Pläne zu forcieren. Und auch die kommende EU-Ratspräsidentschaft von Frankreich sollte man im Auge behalten, wo Sarkozy sich doch ein zivilisiertes Internet wünscht und diese Pläne in Frankreich gerade Realität werden.
[via]
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: Auslandssender protestieren gegen Zensur
: Auslandssender protestieren gegen Zensur Die Chefs der fünf großen westlichen Auslandssender beklagen, dass immer mehr Länder die Arbeit von Journalisten behindern, Internet und Radio zensieren und blockieren: Auslandssender protestieren gegen Zensur.
Zum ersten Mal richten sich die fünf großen Auslandssender westlicher Staaten – der BBC World Service, die Deutsche Welle, Radio France International, Radio Netherlands Worldwide und Voice of America – mit einem gemeinsamen Appell direkt an die Politik: „Immer mehr Staaten versuchen, mit Störsendern das Radio zu behindern und das Internet zu blockieren und zensieren“, heißt es darin ungewöhnlich deutlich. Dazu kämen Einschränkungen der Medienfreiheit und Angriffe gegen Journalisten in vielen Gebieten.[…] Besonders beunruhigend seien darüber hinaus „die Versuche einiger Regierungen, durch Lizenzierungs- und Regulierungsmaßnahmen lokalen Partnersendern die Wiederausstrahlung unserer Hörfunk- und Fernsehprogramme zu erschweren oder zu verbieten“. Ungeachtet unterschiedlicher historischer Hintergründe, Aufträge und Erfahrungen seien sich die internationalen Sender einig in dem Ziel, wahrheitsgemäße und pluralistische Nachrichten und Informationen für Menschen weltweit anzubieten.
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: Iran: 23 Internetdissidenten verhaftet, 24 Internetcafés geschlossen
: Iran: 23 Internetdissidenten verhaftet, 24 Internetcafés geschlossen Reporter ohne Grenzen berichtet über aktuelle Entwicklungen im Iran: 23 Internetdissidenten verhaftet, 24 Internetcafés geschlossen.
Am Sonntag hat die Teheraner Polizei 24 Internet-Cafés geschlossen und 23 Internetnutzer, darunter elf Frauen, wegen „unmoralischen Verhaltens“ verhaftet. Reporter ohne Grenzen verurteilt dieses Vorgehen auf das Schärfste. „Die Linie der Regierung in Sachen freie Meinungsäußerung radikalisiert sich weiter – vor allem, wenn Frauen betroffen sind“, so ROG. „Die Gründe für die Festnahmen sind extrem vage. Die Verhafteten müssen umgehend frei kommen und Internet-Cafés wieder eröffnet werden.“ Die Polizei hatte nach eigenen Angaben 170 Internetcafés der Hauptstadt bereits am 15. Dezember vor ihrer möglichen Schließung gewarnt.
Die Razzien fallen zusammen mit der Ausweitung einer im April begonnenen Kampagne gegen Frauen, die die islamischen Bekleidungsvorschriften verletzen. Frauen werden angewiesen, keine „westlichen“ Kleidungsstücke wie etwa enge Hosen oder hohe Stiefel zu tragen, die als „unangemessen“ betrachtet werden. Seit Mahmoud Ahmadinejad 2005 Präsident wurde, wird von allen Iranerinnen und Iranern erwartet, dass ihr Äußeres den islamischen Vorstellungen entspricht. […]