Zensur
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: Facebook zensiert Inhalte in Pakistan
: Facebook zensiert Inhalte in Pakistan Die Bürgerrechtsorganisation Bytes for All, Pakistan hatte Mitte des Monats in einem offenen Brief an die Global Network Initiative eindeutige Hinweise geliefert, dass Facebook bestimmte Inhalte in Pakistan zensiert. Laut Bytes for All hat der Direktor der Pakistan Telecommunication Authority bestätigt, dass es ein Abkommen zwischen Facebook und Pakistan gebe, in dem festgelegt wurde, dass Facebook jegliche „unerwünschten“ Inhalte auf Anweisung der pakistanischen Regierung blocken muss. In der Vergangenheit war Facebook in Pakistan nicht erreichbar, u.a. wegen „blasphemischer“ Karikaturen des Propheten Mohammed. Mittlerweile ist Facebook allerdings die am meisten besuchte Seite in Pakistan.
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: Auch Paypal verweigert Zahlungen an den schwedischen VPN-Anbieter IPredator
: Auch Paypal verweigert Zahlungen an den schwedischen VPN-Anbieter IPredator Anfang Juli wurde bekannt, dass die Kreditkartenunternehmen Mastercard und VISA keine Zahlungen mehr an schwedische VPN-Anbieter ausführen. Neben den VPN-Anbietern ist auch der schwedische Zahlungsdienstleister Payson betroffen, der die Zahlungen von Mastercard und VISA entgegen nahm und dann an die entsprechenden Ziele weiterleitete. Der schwedische, vom Pirate-Bay Mitgründer Peter Sunde ins Leben gerufene, VPN-Anbieter IPredator meldete heute Morgen nun über Twitter, was damals schon vermutet wurde: Auch Paypal ist nun auf den Zug aufgesprungen und leitet keine Zahlungen mehr an IPredator weiter.
RIP PayPal. Looks like PayPal killed our account as well without giving any specific reason.We will keep you updated once/if we get details.
— IPredator VPN (@IPredatorVPN) July 23, 2013
Torrentfreak vermutete bei den Zahlungsstopps von Mastercard und VISA an die VPN-Anbieter, dass es sich um Maßnahmen im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen handelt. Und auch Paypal wurde bereits damals im Zusammenhang mit solchen Methoden erwähnt.
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: UK: Regierung kündigt Pornofilter im Internet zum Schutz der Jugend an
: UK: Regierung kündigt Pornofilter im Internet zum Schutz der Jugend an Vor einem Monat berichteten wir bereits über einen geplanten Filter für pornographische Inhalte im Internet, welcher in Großbritannien durch die jeweiligen Internetprovider umgesetzt werden soll. Diese Pläne sind nun so weit fortgeschritten, dass David Cameron heute vor die Presse treten wird und den Filter vorstellen, wie der Guardian berichtet.
An den Fakten scheint sich seit Mitte Juni nichts mehr getan zu haben. Eingeführt werden soll der Filter für alle britischen Internetnutzer bis Ende nächsten Jahres – für Neukunden bereits zum Ende diesen Jahres. Der entscheidende Punkt ist, dass der Filter als Standard aktiv ist und nur durch explizites Eingreifen des Kunden deaktiviert werde kann, wie David Cameron noch einmal bestätigt:
By the end of this year, when someone sets up a new broadband account the settings to install family-friendly filters will be automatically selected. If you just click ’next’ or ‚enter’, then the filters are automatically on.
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: Sambia: Reporter ohne Grenzen kämpfen für Nachrichtenseite zambianwatchdog.com
: Sambia: Reporter ohne Grenzen kämpfen für Nachrichtenseite zambianwatchdog.com Wir berichteten gestern über den Einsatz von Deep Package Inspection, im Zusammenhang mit der Sperrung der sambischen Nachrichtenseite zambianwatchdog.com. Um die unabhängige Nachrichtenseite zu unterstützen, hat die NGO „Reporter ohne Grenzen“ unter der Domain zambianwatchdog.rsf.org eine Spiegelung der Webseite vorgenommen, um sie für die Einwohner Sambias wieder erreichbar zu machen. Nur wenige Stunden nach der Spiegelung wurde allerdings von Seiten der sambischen Regierung damit begonnen, auch den Zugriff auf die neue Domain aktiv zu blockieren. „Reporter ohne Grenzen“ bittet deshalb nun um Mithilfe, zambianwatchdog.com für die Internetnutzer Sambias wieder verfügbar zu machen.
To help end the gagging of independent news and information in Zambia, Reporters Without Borders appeals to Internet users to create many copies of the site.
Eine kompakte Anleitung, wie man selbst eine Kopie von zambianwatchdog.com anfertigt und diese dann auf seinem Server betreibt, liefert „Reporter ohne Grenzen“ unter diesem Link.
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: Sambia: Einsatz von Deep Packet Inspection gegen unliebsame Webseiten
: Sambia: Einsatz von Deep Packet Inspection gegen unliebsame Webseiten Häufig ist in letzter Zeit die Rede von Metadaten oder Verbindungsdaten, welche ganz natürlich bei jeder Kommunikation im Internet anfallen und die genutzt werden können, um Persönlichkeitsprofile von Nutzern zu erstellen. Um allerdings auch Informationen über die verschickten Daten und nicht nur Sender und Empfänger zu erfahren, sind weitere Hilfsmittel nötig. Eines dieser Hilfsmittel ist die sogenannte Deep Packet Inspection (DPI), bei der der Datenteil sowie der Header eines Datenpakets auf bestimmte Merkmale hin untersucht werden kann. DPI wird daher häufig zur Überwachung, Filterung und auch Zensur von Netzinhalten eingesetzt, wie es zur Zeit gerade in Sambia zu beobachten ist. Dort wird nach Recherchen von Mr.T für Open Observatory of Network Interference (OONI) die Webseite zambianwatchdog.com mit Hilfe von DPI für Aufrufe innerhalb Sambias gesperrt.
Zambianwatchdog.com ist nach eigener Aussage, gemessen an den Seitenaufrufen, die 8. größte Webseite in Sambia. Die Nachrichtenseite befasst sich mit inländischen Themen wie Korruption und Drogenschmuggel und wird von der Regierung sehr kritisch betrachtet. Wie OONI berichtet, häufen sich seit dem 24. Juni Beschwerden, dass die Seite nicht mehr aus Sambia erreicht werden kann. Die Analyse der Protokolle auf den Servern zeigten einen enormen Anstieg an Einträgen, bei denen der HTTP-Status Code 200 berichtet wurde, aber keinerlei Daten zurück an den Nutzer geschickt wurden.
41.72.105.x – – [25/Jun/2013:05:03:58 +0000] „GET / HTTP/1.1“ 200 0 „-“ „Mozilla/5.0 (Windows NT 6.1; rv:20.0) Gecko/20100101 Firefox/20.0“
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: Halalgoogling: Internetzensur im Namen der Religion
: Halalgoogling: Internetzensur im Namen der Religion
Am 7. Juli ging eine erste Beta-Version der Suchmaschine Halalgoogling ans Netz. Halalgoogling ist als Alternative zu bekannten Suchmaschinen wie Google oder Bing entstanden und soll Muslimen in der ganzen Welt ein sicheres Surfen im Internet ermöglichen. Halalgoogling versucht die Suchanfragen zu filtern und jegliche Inhalte zu blockieren, die nach der Scharia verboten sind (haram). Die Suchmaschine ist jedoch keineswegs selbstständig sondern baut auf Suchergebnisse von Google und Bing auf.Wie TechPresident berichtet sind davon unter anderem Themen wie Pornografie, Glücksspiel, Homosexualität und Islamkritik betroffen. Auf dem eigenen Blog von Halalgoogling heißt es zu den Motiven hinter dem Projekt:
Everyone has the right to enjoy the possibilities that the internet offers, to learn or to use it for work, to share the fruits of scientific achievements, different literature, technical information, to trade products or offer different services etc. However, we have the right to preserve our faith, our moral and the interest of our brothers and sister worldwide. We are here to ensure that such content is not contrary to the principles of Islamic religion.
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: Europäisches Parlament will schon wieder Netz-Sperren, diesmal gegen Online-Glücksspiele
: Europäisches Parlament will schon wieder Netz-Sperren, diesmal gegen Online-Glücksspiele Schon wieder versucht das Europäische Parlament, Netz-Sperren und Internet-Zensur einzuführen. In einem Bericht empfiehlt der Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz Zugangs-Sperren zu Webseiten mit illegalem Online-Glücksspiel. Egal welcher Grund: Netz-Sperren sind und bleiben falsch. Das könnt ihr den verantwortlichen Abgeordneten noch vor der Abstimmung mitteilen.
Was haben wir gekämpft gegen Netz-Sperren und Internet-Zensur, vor allem gegen das Zugangserschwerungsgesetz. Aber wir haben gewonnen: Es gibt in Deutschland kein Gesetz zum Sperren von Webseiten, auch nicht gegen unerträgliche Dokumentation von Kindesmissbrauch. Und jetzt kommt der Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz des Europäischen Parlaments und fordert schon wieder Netz-Sperren, diesmal gegen Online-Glücksspiele. In einem Bericht empfiehlt das Parlament:
den Austausch bewährter Verfahren zwischen den Mitgliedstaaten für Durchsetzungsmaßnahmen – wie etwa die Erstellung weißer und schwarzer Listen von illegalen Websites, Verhinderung des Zugangs zu diesen Websites, […] – um sicherzustellen, dass Verbraucher nicht in die Hände illegaler Betreiber geraten können;
Nichts gelernt also. Nicht aus Zensursula, und nichts aus ähnlichen Vorschlägen von vor zwei Jahren.
Freund des Hauses netzpolitik.org Florian „scusi“ Walther drückt es so aus:
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: Planet Blue Coat Redux: Amerikanische Internet-Zensur Infrastruktur auf der ganzen Welt gefunden
: Planet Blue Coat Redux: Amerikanische Internet-Zensur Infrastruktur auf der ganzen Welt gefunden So genannte „Dual-Use“ Hardware der amerikanischen Firma Blue Coat wird in 83 Staaten weltweit eingesetzt. Das hat eine neue Studie des kanadischen Citizen Lab aus den „Internet Census“ Daten herausgefunden. Besonders pikant ist der Einsatz von Zensur- und Überwachungstechnologie in Staaten mit „fragwürdigen Menschenrechtslagen“ – die diese gar nicht haben dürften.
Im Januar haben unsere Freunde des Citizen Lab einen ersten Bericht veröffentlicht, in welchen Staaten der Erde Blue Coat Hardware eingesetzt wird. Besonderes Augenmerk richteten sie auf zwei Produkte: Den ProxySG, den die Firma aus Kalifornien mit „vollständiger Kontrolle über den gesamten Webdatenverkehr“ bewirbt. Und das Produkt PacketShaper, das so beworben wird:
PacketShaper analysiert und identifiziert den Datenverkehr, den Hunderte von Unternehmensanwendungen sowie geschäftsfremden Anwendungen generieren. Und dank der Integration von WebPulse – dem Echtzeit-Webinformationsdienst von Blue Coat – kann PacketShaper den Anwendungsdatenverkehr sogar anhand von Webinhaltskategorien kontrollieren. So können Sie beispielsweise eine geringfügige Nutzung sozialer Netzwerke (z. B. Facebook-Statusaktualisierungen) zulassen, während zeitraubende Spiele wie FarmVille unterbunden werden. Mit PacketShaper lassen sich verwandte Anwendungen und Inhalte ganz einfach kollektiv steuern. Gleichzeitig stehen präzise Tools zur Verfügung, mit denen Sie jeden gewünschten Bereich auch detaillierter kontrollieren können.
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: Iran: Aufbau eines staatlichen E‑Mail-Systems
: Iran: Aufbau eines staatlichen E‑Mail-Systems Seit geraumer Zeit schon, versucht Iran seine Bürger vom internationalen Internet so gut wie möglich abzuschotten. Dazu gehört die Sperrung von Diensten wie Facebook, Twitter oder Youtube und die strenge Überwachung von VPN-Verbindungen. Andererseits versuchen sich die iranischen Behörden aber auch im Nachbau populärer westlicher Plattformen wie Youtube oder Google Earth, um die Nutzer im nationalen Netz zu behalten. Die neueste Idee der iranischen Führung ist dabei der Aufbau eines staatlichen E‑Mail-Systems bei dem jeder iranische Bürger automatisch eine E‑Mailadresse zugewiesen kriegt, wie Reuters berichtet.
Kommunikationsminister Mohammad Hassan Nami verkündete am Montag das neueste Projekt. iranische Videoportal Mehr zitierte Nami wie folgt:
For mutual interaction and communication between the government and the people, from now on every Iranian will receive a special email address. With the assignment of an email address to every Iranian, government interactions with the people will take place electronically.
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: Mastercard und VISA sperren Zahlungen zu VPN-Providern
: Mastercard und VISA sperren Zahlungen zu VPN-Providern Wikileaks hat in dieser Woche bekannt gegeben wieder Zahlungen über Mastercard abwickeln zu können. Das Unternehmen habe nach fast drei Jahren die Blockade der Zahlungen an Wikileaks aufgelöst. Dieser eigentlich positive Schritt wird allerdings durch eine neue Einschränkung stark getrübt: Mastercard und VISA gaben an, keine Zahlungen mehr an VPN-Provider ausführen zu wollen. Das bestätigte der schwedische Dienstleiter für Zahlungsabwicklung Payson gegenüber Torrentfreak.
Torrentfreak sieht in der Sperrung von VPN-Providern durch Mastercard und VISA einen weiteren Schritt gegen Webseiten und Services im Internet die mit Urheberrechtsverletzungen in Verbindungen stehen.
There’s an unwritten rule that Mastercard and Visa don’t accept file-hosting sites that have an affiliate program and PayPal has thrown out nearly all cyberlockers in recent months. It now turns out that these policies have carried over to VPN providers and other anonymizing services.
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: US-Armee sperrt Zugriff auf britischen The Guardian
: US-Armee sperrt Zugriff auf britischen The Guardian Zur Zeit ist es scheinbar nicht möglich aus dem Netzwerk der amerikanischen Armee heraus, auf die britische Webseite des Guardian zuzugreifen. Der Zugriff sei demnach zu dem Zeitpunkt gesperrt worden, als Glenn Greenwald die ersten von Edward Snowdon bereitgestellten NSA-Dokumente veröffentlichte. Das berichtet der Monterey County Herald in Bezug auf einen Sprecher des US-Militärs.
Gordon Van Vleet, ein Sprecher des Army Network Enterprise Technology Command, sagte gegenüber dem Monterey County Herald, dass die Sperrung des Guardian eine Schutzmaßnahme gegen unautorisierte Veröffentlichungen von geheimen Dokumenten sei.
He wrote it is routine for the Department of Defense to take preventative „network hygiene“ measures to mitigate unauthorized disclosures of classified information. „We make every effort to balance the need to preserve information access with operational security,“ he wrote, „however, there are strict policies and directives in place regarding protecting and handling classified information.“
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: Europol sperrt 151 Webseiten wegen Produktpiraterie
: Europol sperrt 151 Webseiten wegen Produktpiraterie Die europäische Polizeibehörde Europol hat in Zusammenarbeit mit der „US Immigration and Customs Enforcement’s“ (ICE) 151 Webseiten in Europa sperren lassen. Das berichtet die ICE in einer Pressemitteilung auf ihrer Webseite. Demnach sei die Sperrung der Webseiten Teil der Aktion „Operation In Our Sites“, welche schon seit mehreren Jahren gegen Produktpiraterie im Internet vorgeht. Neben den 151 europäischen Seiten sind auch 177 amerikanische Webseiten von den Sperrungen betroffen.
Den gesperrten Webseiten wird vorgeworfen, gefälschte Marketingartikel amerikanischer Marken verkauft zu haben. Zu den Marken zählten unter anderem NFL, BEATS by Dre, Tiffany & Co, Nike, NBA und die NHL. Die in Europa betroffenen Webseiten kamen aus Belgien, Frankreich, Rumänien und Großbritannien. Rob Wainwright, der Direktor von Europol, sagte zu dieser neuesten Sperrung:
It is important to stop the sale of counterfeit products over the internet as it undermines legitimate businesses and often causes health and safety risks to consumers […] This successful transatlantic operation sends an important message to the criminals showing them that they cannot hide despite the fact that they are operating via the internet.
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: Sammlung Wissenschaftlicher Paper zu Zensur und Kontrolle im Internet (1/5): Information Controls
: Sammlung Wissenschaftlicher Paper zu Zensur und Kontrolle im Internet (1/5): Information Controls Teil 1/5 einer kleinen Sammlung wissenschaftlicher Paper zu „Internet Censorship and Control“, zusammengestellt von Steven Murdoch und Hal Roberts.
Drei Wissenschaftler der University of Toronto, Masashi Crete-Nishihata, Ronald Deibert und Adam Senft, beschreiben in “Not By Technical Means Alone: The Multidisciplinary Challenge of Studying Information Controls” das methodische Vorgehen der OpenNet Initiative bei ihrer Erforschung von Filtern und Zensur im Internet.
Die OpenNet Initiative (ONI) ist ein Projekt verschiedener Institutionen (u.a. Citizen Lab und Berkman Center for Internet & Society) und besteht seit 2003. Seitdem hat ONI 74 Staaten untersucht und herausgefunden, dass 42 von ihnen in irgendeiner Weise das Internet filtern. In dem Paper, das auch im IEEE Internet Computing Magazine (Vol. 17, No. 3, pp. 34–41, May-June 2013) erschienen ist, stellen Crete-Nishihata, Deibert und Senft die Vorgehensweise der ONI anhand verschiedener Fallstudien vor und diskutieren sowohl methodologische Herausforderungen als auch Empfehlungen. Die Wissenschaftler gehen folgendermaßen vor: Sie nutzen eine Python Software in einem Client-Server-Modell, die an alle Forscherinnen und Forscher verteilt wird. Der Client versucht dann, eine vordefinierte Liste mit URLs abzuarbeiten – gleichzeitig in dem zu erforschenden Land und in einem Kontroll-Netzwerk. Nach diesem Test werden die Ergebnisse komprimiert an einen Server zur Analyse geschickt. Einige Daten jedes Zugriffsversuchs werden erfasst, wie HTTP Header, IP Adresse und Page Body, in einem kombinierten Verfahren von automatischer und manueller Analyse werden dann Unterschiede zwischen dem zu erforschenden Land und dem Kontroll-Netzwerk sowie Filterinstanzen herausgearbeitet.
Um die Erfahrungen eines durchschnittlichen Internetnutzers abzubilden, nutzen die Wissenschaftler keinerlei Software zur Umgehung von Filtern oder Anonymisierungssoftware. Daher finden vor den Tests immer Treffen statt, bei denen die Forscherinnen und Forscher über Risiken aufgeklärt werden. Dabei werden oftmals solche Länder, die besonders interessant für Tests wären, aufgrund von Sicherheitsrisiken ausgeschlossen – während des Syrienkrieges werden beispielsweise keine Tests durchgeführt, in Kuba oder Nordkorea ebenfalls nicht.
Zwei Listen mit URLs werden verwendet: Eine „global list“ mit international relevanten und populären Webseiten (CNN, BBC, Facebook, Twitter) und eine regionale Liste, die von Experten für das jeweilige Land erstellt werden. Diese kann zum Beispiel unabhängige Medien innerhalb des zu erforschenden Landes beinhalten, regierungskritische Seiten oder solche religiöser Gruppen.
Timing in testing is also important. Authorities might enact or alter information controls in response to events on the ground. Because our testing method employs client-based testing and analysis, resource constraints require that we schedule testing strategically. Local experts can identify periods in which information might be disrupted, such as elections or sensitive anniversaries, and provide context for why events might trigger controls.
In dem Paper gehen die drei Wissenschaftler auf verschiedene Aspekte des Filterns von Inhalten im Internet ein. Unter „Filtering Transparency“ thematisieren sie verschiedene Transparenzmodelle von Netzfiltern. So gibt es viele Staaten, die sehr transparent darlegen, wieso welche Seiten geblockt werden, und andere, in denen ein 404 Not Found angezeigt wird ohne die Nutzerinnen und Nutzer darüber zu informieren, dass die Seite geblockt wird. In einigen Staaten werden beide Methoden kombiniert. Im Jemen beispielsweise sind Seiten mit pornografischen und LGTB Inhalten gesperrt und es gibt eine „block page“ auf der die Gründe für die Sperre genannt werden und eine Art Widerspruchsmöglichkeit geboten wird. Andere Webseiten, vor allem solche mit regierungskritischen Inhalten, werden intransparent geblockt.
Weiterhin gehen Crete-Nishihata, Deibert und Senft auf ökonomische Gründe ein, wieso ein Land was filtert und wie dies getan wird.
In countries with strict censorship regimes, the ability to offer unfettered access can provide significant competitive advantage or encourage investment in a region. Conversely, targeting particular services for filtering while letting others operate unfettered can protect domestic economic interests from competition. Economic considerations might also affect the choice of filtering method.
Die OpenNet Initiative fand zum Beispiel heraus, dass in Usbekistan einige Internet Service Provider (ISP) viele Inhalte sperren, andere jedoch überhaupt keine. Aus den technischen Daten allein waren die Gründe hierfür nicht ersichtlich. Aufgrund weitergehender sozialwissenschaftlicher Beobachtung wurde jedoch erkannt, dass einige ISPs enge Beziehungen zum Präsidenten pflegen und diese nutzen um durch uneingeschränkten Internetzugang einen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu haben. In anderen Staaten wie den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Äthiopien werden Voice over IP-Dienste oder Skype gesperrt, um die Interessen nationaler Telekommunikationsunternehmen zu wahren.
Unter „Unintended Consequences“ nennen die Wissenschaftler zwei Beispiele für Folgen des Filterns, die von den Verantwortlichen so nicht geplant waren, u.a. dass die Rechtsprechung eines Landes plötzlich in einem anderen angewandt wird.
In some cases, an underdeveloped telecommunications system might limit a country’s wider Internet access to just a few foreign providers, who might pass on their filtering practices. Russia, for example, has long been an important peer to neighboring former Soviet states and has extended filtering practices beyond its borders. The ONI has documented upstream filtering in Kyrgyzstan, Uzbekistan, and Georgia.
Ebenso können Netzsperren dazu führen, dass mehr Inhalte als gewollt geblockt werden („collateral filtering“, wir berichteten zum Beispiel hier).
Auf den letzen beiden Seiten des Papers gehen die Wissenschaftler auf Herausforderungen ein, dazu gehören beispielsweise Fragen danach, welche Inhalte wann getestet werden. Die Aktualität der URL-Listen bei 70 Ländern über zehn Jahre zu gewährleisten gehört ebenfalls zu logistischen Schwierigkeiten. Auch ist es nicht immer leicht, die tatsächlichen Gründe für Netzsperren herauszufinden und Informationen aus Interviews oder geleakten Dokumenten können schwer verifizierbar sein. Dennoch sind Crete-Nishihata, Deibert und Senft sicher, dass die Erforschung von Information Controls, also Aktionen um Inhalte im Netz zu sperren, zu stören oder zu überwachen, immer wichtiger werden wird.
As controls increase in prevalence and include more sophisticated and at times even offensive measures, the need for multidisciplinary research into their practice and impact is vital. […] Researchers from technical and social sciences working in information control research should stand as a community and demonstrate the need for funding opportunities, publication venues, workshops, and conferences that encourage multidisciplinary collaborations and knowledge sharing in the area. Through education and dialogue, the study of information controls can mature and hopefully have greater effects on the Internet’s future direction.
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: Sammlung Wissenschaftlicher Paper zu Zensur und Kontrolle im Internet
: Sammlung Wissenschaftlicher Paper zu Zensur und Kontrolle im Internet Die Wissenschaftler Steven Murdoch (University of Cambridge) und Hal Roberts (Harvard University) haben eine kleine Sammlung wissenschaftlicher Paper zu „Internet Censorship and Control“ zusammengestellt, die sie frei zugänglich veröffentlichten. Die Themen der Paper reichen von Zensurmaßnahmen in China über die Machtverteilung in Internet Governance bis hin zur Sicherheit und Kompromittierung von Zertifizierungsstellen.
The articles presented in this collection make it clear that there is no global consensus on what mechanisms of control are best suited for managing conflicts on the Internet, just as there is none for other fields of human endeavour. That said, there is optimism that with vigilance and continuing efforts to maintain transparency the Internet can stay as a force for increasing freedom than a tool for more efficient repression.
Zu jedem der fünf Paper wird es auf Netzpolitik.org einen gesonderten Artikel geben.
- Not by Technical Means Alone: The Multidisciplinary Challenge of Studying Information Controls; Masashi Crete-Nishihata, Ronald J. Deibert, Adam Senft. [Zum NP-Artikel]
- Assessing Censorship on Microblogs in China: Discriminatory Keyword Analysis and Impact Evaluation of the ‚Real Name Registration’ Policy; King-wa Fu, Chung-hong Chan, Michael Chau. [Zum NP-Artikel]
- Censorship V3.1; Derek E. Bambauer.
- Anarchy, State, or Utopia? Checks and Balances of Power in Internet Governance; Christopher M. Riley.
- Trust Darknet: Control and Compromise in the Internet’s Certificate Authority Model; Steven B. Roosa, Stephen Schultz
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: Saudi-Arabien droht WhatsApp zu blockieren
: Saudi-Arabien droht WhatsApp zu blockieren Das Königreich Saudi-Arabien hat dem Instant-Messaging Dienst WhatsApp gedroht ihn im landeseigenen Netz zu blockieren, sollten die Verantwortlichen nicht den Forderungen der saudi-arabischen Telekommunikationsregulierer nachkommen. Hierzu gehört die Inbetriebnahme lokaler Server auf welche die Regulierungsbehörde Zugriff hat um die Nutzer überwachen zu können. Das berichtet die englischsprachige Nachrichtenseite Arab News. Bereits letzte Woche wurde der amerikanische Kommunikationsdienst Viber gesperrt, da er keine Zugeständnisse gegenüber der Regulierungsbehörde machte.
Bestätigt wurde das geplante Vorgehen durch den stellvertretenden Vorsitzenden der Communications and Information Technology Commission (CITC) Abdullah Al Darrab, der gegenüber Arab News sagte:
We have been communicating with WhatsApp and other similar communication platforms to get them to cooperate and comply with the Saudi telecom providers, however nothing has come of this communication yet
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: UK: Internetprovider führen Pornographiefilter für alle Anschlüsse ein
: UK: Internetprovider führen Pornographiefilter für alle Anschlüsse ein Ab 2014 sollen alle Internetanschlüsse in Großbritannien mit voreingestelltem Pornographiefilter bereitgestellt werden. Das teilte Claire Perry, Beraterin von Premierminister David Cameron in Fragen des Jugenschutzes, vorige Woche mit, wie wired.uk berichtet. Umgesetzt werden soll dieser Vorschlag direkt durch die Internetprovider – für neue Kunden aber auch für bereits bestehende Kunden. Der Filter soll dabei als Standard gesetzt werden, der nur auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden ausgeschaltet wird.
„[In the UK] we will have filters where if you do nothing, the parental filters will come pre-ticked,“ said Perry, speaking at a Westminster eForum on 14 June.
Die Umsetzung des Pornographiefilters ist dabei Teil einer größeren Kampagne, bei der die britische Regierung durchsetzen möchte, solche Filter auch in anderen Bereichen einzusetzen. Ziel dieses Filters soll es sein, die Nutzer an Internetfilter heranzuführen und ihnen die Nutzung so einfach wie möglich zu gestalten. Da die Umsetzung freiwillig durch die Internetprovider umgesetzt wird seien auch keine neuen Gesetze oder Regulierungen nötig.
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: PRISM: Überwachung, Freiheit und die Grenzen des Versteckens
: PRISM: Überwachung, Freiheit und die Grenzen des Versteckens Wer bisher noch Zweifel hatte, ob wir in einem Überwachungsstaat leben, darf sie seit den PRISM-Enthüllungen vom vergangenen Freitag getrost ad acta legen.
Wie nahe sind wir eigentlich schon an einer Situation wie der, die Ai Weiwei uns aus China beschreibt?
During my detention in China I was watched 24 hours a day. The light was always on. There were two guards on two-hour shifts standing next to me – even watching when I swallowed a pill; I had to open mouth so they could see my throat. You have to take a shower in front of them; they watch you while you brush your teeth, in the name of making sure you’re not hurting yourself. They had three surveillance cameras to make sure the guards would not communicate with me.
Das Internet funktioniert als Verstärker für Macht. Wer nur wenig Macht hat, dem gibt es eine lautere Stimme. Das hat Einzelpersonen und der Zivilgesellschaft einen zeitweiligen Vorteil verschafft.
Aber auch Institutionen, die viel Macht haben, gibt es noch mehr davon. Diese Institutionen haben einige Zeit gebraucht, um zu lernen, die Möglichkeiten des Internets für sich zu nutzen. Spätestens seit vergangener Woche wissen wir, daß dieser Vorsprung nun aufgebraucht ist.
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: Urheberrecht in der Schweiz: CCC Zürich veröffentlicht Liste zu sperrender Internetseiten
: Urheberrecht in der Schweiz: CCC Zürich veröffentlicht Liste zu sperrender Internetseiten Der Chaos Computer Club Zürich (CCCZH) hat Liste von Webseiten veröffentlicht, welche nach Vorstellungen der schweizerischen Unterhaltungsindustrie gesperrt werden sollten. Die Liste wurde auf dem Provider Day 2013 den Teilnehmer ausgehändigt, darunter auch Vertreter des CCCZH. Zusammengestellt wurde die Liste von der „Schweizerischen Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie“ (SAFE), einem Zusammenschluss verschiedener Unternehmen aus der Unterhaltungsindustrie, darunter Disney, Warner Bros. und eine Reihe Schweizer Unternehmen.
Bereits im Mai berichtete der Rechtsanwalt Martin Steiger in einem Gastbeitrag bei uns über Verhandlungen zu verschärften Rechtsmaßnahmen gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet. Konkret diskutiert wurden dabei mehrere Ansätze: Die Zustellung von Warnhinweisen an Nutzer, welche „in schwerwiegender Weise Urheberrechte verletzten“, sowie eine damit einhergehende Überwachung des Datenverkehrs im Internet war ebenso geplant wie die Umsetzung des Notice and Take Down-Verfahren, bei dem Internetprovider auf Anzeigen hin Inhalte aus dem Internet entfernen müssen. Doch auch das Sperren von Inhalten im Internet wurde diskutiert und anscheinend schon konkret bearbeitet wie einer Liste von „zu sperrenden Webseiten“ zeigt, die der CCCZH auf seiner Webseite veröffentlicht hat. Der CCCZH zu der Liste:
Ohne im Einzelnen auf die Liste eingehen zu müssen, wird sehr rasch klar: Es sollen Seiten gesperrt werden, welche die blosse Konvertierung in MP3s von (Video-)Inhalten aus YouTube oder anderen Seiten erlauben. Sehr gut vertreten sind auch BitTorrent-Webseiten, als würden da nur „illegale“ Inhalte kursieren. Manche der zu sperrenden Seite führen auch nur das Merkmal „Webseite“.
Der CCCZH merkt an, dass die veröffentlichte Liste nicht abschließend ist und sie mit der Zeit sicherlich noch erweitert werden könnte. Der CCCZH fordert „Aufklärung und Bildung statt Angst und Repression“, eine Forderung der wir uns nur zu gerne anschließen. Netzsperren sind und bleiben Zensur und haben in einer Demokratie und dem freien Internet nicht zu suchen.
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: Singapur schränkt Pressefreiheit weiter ein
: Singapur schränkt Pressefreiheit weiter ein Die Kontrolle der Regierung in Singapur über die Presse nimmt weiter zu. Seit dem 1.Juni ist es für einige Nachrichtenseiten im Internet notwendig eine Lizenz zu erwerben, wenn sie weiterhin über Singapur selbst berichten wollen. Dieses geht aus einer Pressemitteilung der Medien-Regulierungsbehörde „Media Development Authority“ (MDA) hervor. Mit dem Erwerb der Lizenz verpflichten sich die Nachrichtenseiten außerdem, Inhalte innerhalb von 24 Stunden von ihrer Plattform zu entfernen zuzüglich einer Zahlung über 50.000 SGD (rund 30.000€), sollte die MDA dieses anordnen.
Doch nicht alle Online-Nachrichtenseiten sind von dem neuen Lizenzabkommen betroffen. Techpresident berichtet:
The License only applies to sites that report on Singapore news at least once a week and receive visits from 50,000 or more Singapore IP addresses a month for at least two months. It also only applies to sites under the Singapore government’s jurisdiction.
Laut Wall Street Journal sind demnach zur Zeit nur 10 Webseiten von dem Abkommen betroffen.