Öffentlichkeit

UK: Regierung kündigt Pornofilter im Internet zum Schutz der Jugend an

Vor einem Monat berichteten wir bereits über einen geplanten Filter für pornographische Inhalte im Internet, welcher in Großbritannien durch die jeweiligen Internetprovider umgesetzt werden soll. Diese Pläne sind nun so weit fortgeschritten, dass David Cameron heute vor die Presse treten wird und den Filter vorstellen, wie der Guardian berichtet.


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An den Fakten scheint sich seit Mitte Juni nichts mehr getan zu haben. Eingeführt werden soll der Filter für alle britischen Internetnutzer bis Ende nächsten Jahres – für Neukunden bereits zum Ende diesen Jahres. Der entscheidende Punkt ist, dass der Filter als Standard aktiv ist und nur durch explizites Eingreifen des Kunden deaktiviert werde kann, wie David Cameron noch einmal bestätigt:

By the end of this year, when someone sets up a new broadband account the settings to install family-friendly filters will be automatically selected. If you just click ’next‘ or ‚enter‘, then the filters are automatically on.


Wieso man die Entscheidung nicht vollständig an den Kunden abgibt, indem man ihn aktiv mit ja oder nein über einen solchen Filter entscheiden lässt, ist völlig unklar. Das jetzige Vorgehen wird jedoch dazu führen, dass der Filter einerseits bei einem Großteil der Kunden alleine durch technische Unwissenheit aktiviert wird und andererseits Vielzahl Kunden den Filter alleine aus Scham nicht deaktivieren. Die „Open Rights Group“ kritisiert das Vorhaben der Regierungen und Internetprovider aber auch, da sie durch einen Filter für pornographische Inhalte, Kollateralschäden in anderen Bereichen fürchten:

It would mean accepting that the collatoral damage from filtering would apply to many people entirely pointlessly. This won’t just be pornography: it will be likely to include alcohol, gambling, web forums, and supposedly extreme political views.

Cameron begründet den Einsatz solcher Filter mit dem Schutz der Jugend. Aus diesem Grund soll auch nur der Anschlussinhaber – also ein Erwachsener – die Filterfunktion deaktivieren können.

Once those filters are installed, it should not be the case that technically literate children can just flick the filters off at the click of a mouse without anyone knowing. So we have agreed with industry that those filters can only be changed by the account holder, who has to be an adult. So an adult has to be engaged in the decisions.

Cameron scheint überhaupt nicht in den Sinn zu kommen, dass Jugendliche sehr schnell Wege finden werden, solche Filter zu umgehen. Wenn nicht zuletzt über Freunde oder Bekannte bei denen der Filter deaktiviert ist. Doch auch Technologien wie VPN oder der Zugang zum Internet mit Hilfe von Proxy-Server kann laut der „Open Rights Group“ genutzt werden um den Filter zu umgehen. Ebenso scheint der Einsatz von verschlüsselten Verbindungen die Funktion der Filter bereits zu überfordern:

Additionally, SSL may defeat many network filters, if they do not also include a specified DNS. A child who can type „s“ or is able to alter network settings can easily bypass filters these ways.

Insgesamt ist es also mehr als fraglich, wie groß der Nutzen eines Filter für pornographische Inhalte zum Schutz der Jugend tatsächlich ist. Gleichzeitig macht sich die britische Regierung, in selbem Maße wie die Provider, einer Verletzung der Netzneutralität und der Zensur schuldig. Denn nichts anderen ist die Filterung von Inhalten im Internet.

23 Kommentare
  1. Bevor hier mal wieder die technische Wirksamkeit diskutiert wird, wäre es doch viel sinnvoller überhaupt erst einmal auf die Notwendigkeit zu sprechen zu kommen.
    Was ist das Problem, auf das diese „Lösung“ reagiert?

    1. „Was ist das Problem, auf das diese “Lösung” reagiert?“

      Wo das Problem liegt? Einfach mal nach „Pornographie und Psyche“ googlen. Wer Jugendlichen mutwillig sowas zumutet, soll sich dann auch nicht wundern, warum immer mehr Männer Frauen als Lustobjekte wahrnehmen, die (laut den Pornos) sexuell immer zur Verfügung stehen. Was für ein Frauen und Menschenbild wird den Jugendlichen dort vermittelt? Wenn Erwachsene sowas sehen wollen, ok, aber Kinder und Heranwachsende sind zu schützen, das hat nichts mehr mit Freiheit zu tun.

      1. Bis auf den Wikipedia Eintrag (, der die Existenz wissenschaftlicher Studien weitgehend bestreitet) finde ich da nur hysterisches Rumgezeter Religion oder Feminismus verblendeter Hobbypsychologen. Aber da Du ja die Hintergründe so gut kennst? Was müssen wir denn noch aus dem Netz verbannen, damit wir den Eltern die Vermittlung von Medienkompetenz ersparen können?

      2. Ohne in Olivers duktus einzufallen möchte ich auch einaml anmerken dass mir noch Keine Schlüssige Arkumenation und geschweige eine Sauber Studie zu diesem Thema vorgelegt wurde.

        Das heist nicht dass solch eine Arkumenation oder gar Studie nicht exestiert. Daher würde ich mich freuen hier die Publikationen zu dem Thema mal verlinkt zu sehen.

      3. Genau, die 68er haben die Menschheit vernichtet, genau wie Heavy Metal. „Wo das Problem liegt? Einfach mal nach “Pornographie und Psyche” googlen.“ Und Egoshooter machen aus Jugendlichen Tötungsmaschinen … wie siehts mit wissenschaftlichen Belegen aus? Ich glaub die werden nur noch von radikalen Tierschützern getopt. Wer bestimmt denn, was ein Porno ist?

  2. Trotz PRISM und Totalüberwachung ist die Idee gut. Somit wäre Pornographie frei für diejenigen, die sich mit VPN und Proxies auskennen, so ungefähr ab 16 Jahren, besser wie wenn 10-jährige erleben müssen wie sich Frauen in ihrer Würde degradieren und als Objekte wahrgenommen werden.

    Obwohl ich gegen Zensur bin, finde ich dieses Vorhaben positiv, solange dadurch nicht irgendwelche geheimen Listen erstellt werden in denen auch nichtpornographische Seiten gesperrt werden. Also eine Zensur durch die Hintertür.

    1. Obwohl ich gegen Zensur bin, finde ich dieses Vorhaben positiv, solange dadurch nicht irgendwelche geheimen Listen erstellt werden in denen auch nichtpornographische Seiten gesperrt werden. Also eine Zensur durch die Hintertür.

      Ich denke nicht, dass man die gesperrten Seiten irgendwo einsehen kann, wie will man also kontrollieren, was drauf ist? Als nächstes werden aber auf jeden Fall „Haßseiten“ drauf landen (also in Deutschland wäre das die Linke und die NPD). Die Technik ist ja da und es wäre fahrlässig, sie nicht zu nutzen!!!111einself

    2. Selbst wenn du Filter beführwortest. Aus welchen Grund müssen sie von vorne herein aktiv sein? Warum soll nicht der Erwachsene dafür sorgen das der Filter aktiviert wird. Davon abgesehen. Einmal eingeführt werden sie erweitert werden. Die Salami Taktik ist bekannt.
      Das Internet ist kein Spielplatz sondern ein Abbild der realen Welt.
      Ich lasse mein 10 Jähriges Kind auch nicht Nachst alleine auf die Straße.
      Wer 10 Jährige Kinder alleine ins Internet lässt ohne eine geeignete Kontrolle bei dem läuft grundsätzlich etwas schief. Hier sind die Eltern gefragt und nicht die Provider.

  3. Und im nächsten Schritt werden uns unsere englischen „Freunde“ auch den Porno aus dem Netz filtern – sie schnorcheln ja die Überseekabel ab – da wird Filtern ja nicht das Problem sein.

    Alles nur zu unserem Schutz und gegen dokumentierten Kindesmissbrauch.

  4. Ganz davon abgesehen, daß derlei Filter prinzipiell abzulehnen sind (ich erinnere an die deutsche Zensursula-Debatte), darf man vor dem Aspekt der britischen Full-Take-Überwachung des Internetverkehrs in diesem Zusammenhang nicht außer Acht lassen.

    Die britischen Bedarfsträger denken sich wahrscheinlich: „Hey, klasse! Wenn wir jetzt erst einmal Porno-Filter ausgerollt haben, dann müssen wir aus den gesammelten Daten nicht erst die ganzen Pornofilme herausfiltern!“

    Das steigert natürlich deren Effizienz. Und wenn sie dann ganz gezielt auf die Jagd nach jemandem gehen, können sie den Filter für diese Person halt wieder einschalten und können auch im Bereich der sexuellen Neigungen nach Kompromat sammeln.

    Dieser Planet geht in einem atemberaubenden Tempo vor die Hunde! Man hat das Gefühl, daß innerhalb der letzten zehn bis 15 Jahre große Teile zivilisierter Verhaltensweise einfach weg-ge-War-on-Terror-ed worden sind. Ich will mir gar nicht ausmalen, wo wir in weiteren zehn bis 15 Jahren stehen. *grusel*

    1. Der Anteil der Pornos im Internet ist nicht hoch genug als das die Effizienz wirklich erhöht würde. Der eigentliche Hintergrund ist noch banaler. Es ging ursprünglich mal darum, dass ein Kindermörder irgendwelche Fake-Gewaltpornos auf seinem Rechner hatte. Da man in der Politik natürlich keine Lösungen für echte Probleme hat und daher lieber das Kind mit dem Bade ausschüttet, war das die Initialzündung für diese Providersperren.

      So kann Cameron sagen, dass er die Kinder schützt (!!!111einself) und gleichzeitig hat er die armen Kinder auch noch vor den kranken Menschen dieser Welt gerettet (!!!111einsdrölf). Wenn jetzt trotzdem noch sowas in der Art passiert, kann man die vorhanden Filter sofort entsprechend ausweiten und die Möglichkeit der Abschaltung entfernen, um damit auch den politischen Gegner zu zensieren (=> Win-Win-Win Situation).

  5. Na .. und dann langsam wenn dann die ersten Filter installiert sind, die Technik gefestigt. Dann wird es wie beim „Kampf gegen den Terror“ zu extremen Auswüchsen kommen. Wer vergibt die berechtigungen .. wer sortiert bzw. filtert .. was dem aus, Wird es wie bei Apple ?? … Busenbild =Porno ?? …

  6. Pornografie ist Teil unserer Kultur, und es ist mitnichten Teil irgendeiner kruden Subkultur, nein es ist Teil der (westl. und europäischen) Hochkultur wie ich finde.

    Das Kinderpornobeil zieht eh nicht weil dies in jedem Land der Welt verboten ist und das ist auch gut so.

    Das Argument vom „Kind vor pornografischen Inhalten schützen“, da will ich etwas aufzeigen. Ich geb „Droid Markasa“ recht, dass machmal ein herabwürdigendes verhalten gegenüber Frauen & Männern dargestellt wird, das finde ich auch nicht gut, das bekommen auch Kinder mit. Aber die sexuelle Komponente darin, dass versteht ein 10jahriges Kind i.d.R. nicht – 2 Leiber die nackig aneinander kleben und sich komisch bewegen – es ist eklig und langweilig.

    Pornografie mit reizenden Eigenschaften funktioniert erst mit dem Beginn der Pupertät. Die sexuelle Präverenz wird zudem von vielen Faktoren, die zum größtenteil unbekannt sind, herausgebildet – Pornografie spielt da meines erachtens kaum bis gar keine Rolle.

    Klar ich muss meinen Kids nicht mit irgendwelchen Schmuddelkram konfrontieren, aber das gesetzlich verbieten oder vorfiltern ist ja wie im Mittelalter. Die brittische Regierung fängt wohl bald wieder an Hexen zu verbrennen.

  7. Als ob Jugendliche im Vhs-Zeitalter, nie in der Lage waren, Pornos zu gucken!
    Das Prinzip ist falsch. Ich will nicht, dass eine moderne Demokratie mit trojanischen Anwandlungen die Bevormundung installiert und das heuchlerisch mit moralischen Vorbehalten camoufliert. Möge dies die Krone verhindern (ich mache ganz bewusst nicht den Das-Baby-wird-bestimmt-Edward-heissen-Witz).

  8. Das Argument, die Eltern sind für den Schutz verantwortlich, stimmt zum Teil. Auch der Staat hat für das Kindeswohl zu sorgen, oder warum gibt es Jugendämter? Außerdem sind diese Familien sehr rar, wo Kinder in wohlbehüteter Umgebung aufwachsen, die meisten Kinder sind doch alleine zuhause und können alle Internetseiten aufrufen. Wenn nicht mit dem PC dann per Smartphone.

    Pornographie ist kein Menschenrecht und steht auch nicht im Grundgesetz, es ist auch keine „Kunst“, es ist eine pervertierte Darstellung der Sexualität, warum sollten Kinder sowas sehen sollen? Wer möchte kann es ja immer noch tun, aber dann über Umwege (Freischaltung, Sicherheitssoftware+Adultfreigabe)

  9. Die Menschheit strebt immer mehr zurück ins Mittelalter. Bald wird Sex wohl wieder des Teufels sein. Lach. Wie lustig diese ganzen Zwangshandlungen und dieses neurotische Denken auch ist, ohne Spaß. Da werden sich die vom „Arche Internetz“ pimpernd freuen, dass mal wieder ein Werk „des Daivels“ gelegt wurde.

    Zukunft? Wohl eher Mittelalter revised.

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