Türkei
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: Ferngesteuerter Drucker wirft Flugblätter gegen Erdoğan am Gezi-Park ab
Ein Drucker am Fenster druckt Flugblätter gegen Erdogan. Sie fliegen aus aus dem Fenster auf die Straße. (Screenshot Video) : Ferngesteuerter Drucker wirft Flugblätter gegen Erdoğan am Gezi-Park ab Aktionskünstler vom Zentrum für politische Schönheit haben mit einer technisch raffinierten Installation Flugblätter auf den Gezi- Park in Istanbul herabregnen lassen, auf denen sie „Tod dem Diktator!“ fordern. Die türkische Polizei leitete Ermittlungen ein und fahndet nach einem Verdächtigen. Wir veröffentlichen exklusiv zwei Videos des ferngesteuerten Druckers in Aktion.
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: Twitter-Transparenzbericht: Frankreich und Türkei stellen die meisten Löschanfragen
Löschanfragen an Twitter im zweiten Halbjahr 2016. : Twitter-Transparenzbericht: Frankreich und Türkei stellen die meisten Löschanfragen Twitter erhält immer mehr Anfragen nach Löschung von Inhalten, nach Herausgabe von Nutzerinformationen und wegen Urheberrechtsverletzungen. Bei den Löschersuchen stehen Türkei und Frankreich ganz vorne. Beide Länder werden momentan unter den Regelungen des Ausnahmezustands regiert.
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: Was der Fall Deniz Yücel mit der Datenhehlerei und der EU-Anti-Terror-Richtlinie zu tun hat
Deniz Yücel in Istanbul. : Was der Fall Deniz Yücel mit der Datenhehlerei und der EU-Anti-Terror-Richtlinie zu tun hat Wir fordern die Freilassung von Deniz Yücel und aller anderen inhaftierten Journalisten in der Türkei. Gleichzeitig möchten wir an Einschränkungen der Pressefreiheit in Deutschland und der EU erinnern, mit denen sich – bei veränderter politischer Lage – ähnliche Vorwürfe konstruieren lassen könnten.
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: Untersuchungshaft: Autokorsos für Deniz Yücels Freilassung am Dienstag in elf Städten
Deniz Yücel bei einer Veranstaltung 2014. Foto: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">CC-BY-SA 2.0</a> <a href="https://www.flickr.com/photos/95213174@N08/15346279608/sizes/h/">Metropolico.org</a> : Untersuchungshaft: Autokorsos für Deniz Yücels Freilassung am Dienstag in elf Städten Ein türkischer Haftrichter hat gegen den sich seit knapp zwei Wochen in Polizeigewahrsam befindenden Journalisten Deniz Yücel Untersuchungshaft angeordnet, berichtet die Welt. Yücel ist Korrespondent der Zeitung „Die Welt“. Nach Angaben der Polizei wird gegen Yücel wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, Terrorpropaganda und Datenmissbrauchs ermittelt. Hintergrund der Vorwürfe ist dabei offenbar Yücels Berichterstattung über E‑Mails des türkischen Energieministers Berat Albayrak, einem Schwiegersohn von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan. Yücel war durch seine kritische Berichterstattung schon zuvor in den Fokus von erdogantreuen Medien geraten.
Für die Freilassung des Journalisten gibt es am Dienstag Proteste und Autokorsos in elf Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, vermeldet die Unterstützungseite auf Facebook. In Berlin soll der Autokorso zur türkischen Botschaft ziehen.
Korso4Deniz Frankfurt
28.2., 16:00 Uhr, Gutleutstraße 38, 60329 Frankfurt am MainKorso4Deniz Wien
28.2., 16:30Uhr, Ernst-Happel-Stadion, Wien, ÖsterreichKorso4Deniz Hannover
28.2., 16:30Uhr, Freizeitheim Linden, Hannover, NiedersachsenKorso4Deniz Hamburg
28.2., 16:30Uhr · Glacischaussee, 20359 Hamburg, DeutschlandKorso4Deniz Zürich
28.2., 16:30 Uhr, Parkplatz Bienen am Letzigrund-Stadion, Herdernstrasse, 8004 Zürich.Korso4Deniz Berlin
28.2., 16:30 Uhr, Berlin, Karl-Marx-Allee 32, vor dem Kino IntenationalKorso4Deniz München
28.2., 16:30 Uhr, Startpunkt: Am Bavariapark (Deutsches Museum Verkehrszentrum), 80339Korso4Deniz Köln
28.2., 16:30Uhr, Gummersbacher Straße, 50679 Köln, DeutschlandKorso4Deniz Bremen
28.2., 16:30Uhr, Bürgerweide, BremenKorso4Deniz Leipzig
28.2., 17:00Uhr, Connewitz Kreuz Leipzig, SachsenKorso4Deniz Bielefeld
28.2., 17:30Uhr· -
: Türkei: Welt-Korrespondent Deniz Yücel als „Terrorverdächtiger“ in Polizeigewahrsam
Von <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.flickr.com/people/95213174@N08">blu-news.org</a> - <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.flickr.com/photos/95213174@N08/15508696796/">Deniz Yücel</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0" title="Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0">CC BY-SA 2.0</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36382520">Link</a> : Türkei: Welt-Korrespondent Deniz Yücel als „Terrorverdächtiger“ in Polizeigewahrsam Der Journalist Deniz Yücel (Die Welt) wurde in der Türkei festgenommen. Ihm wird die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Datenmissbrauch und Terrorpropaganda vorgeworfen, weil er über geleakte E‑Mails des Energieministers und Schwiegersohns von Erdogan berichtete hatte, in denen es um die Kontrolle türkischer Medienkonzerne ging. Ihm und anderen festgenommenen Journalisten drohen dafür bis zu zehn Jahre Haft.
Die Welt schreibt: Türkei-Korrespondent Deniz Yücel in Polizeigewahrsam.
Yücel, der im Zusammenhang mit Berichten über eine Hacker-Attacke auf das E‑Mail-Konto des türkischen Energieministers gesucht wurde, hatte sich am Dienstag in das Polizeipräsidium in Istanbul begeben, um sich Fragen der Ermittler zu stellen. Nach den Regeln des derzeit geltenden Ausnahmezustandes in der Türkei kann er bis zu 14 Tage ohne Anhörung durch einen Richter in Polizeigewahrsam gehalten werden. Anschließend kann die Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft beantragen. Yücels Wohnung wurde durchsucht.
Der deutsch-türkische Journalist war zwischen 2007 und 2015 Redakteur der taz und ist seit 2015 Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe.
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: Freedom of the World Report 2017: Seit elf Jahren in Folge wird die Welt autoritärer
: Freedom of the World Report 2017: Seit elf Jahren in Folge wird die Welt autoritärer Es geht weltweit abwärts mit politischen Freiheiten und Menschenrechten. Das stellt der jährliche Bericht von Freedom House fest. Problematisch sind laut dem Bericht nicht nur verfestigte autokratische Herrschaften, sondern auch rechtspopulistische Regierungen.
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: Türkei baut Google-Alternative mit „nationalen Werten“
Die Türkei will offenbar die Daten der eigenen Bürger im Land belassen. (Quelle: Turkey Blocks/<a href="https://twitter.com/TurkeyBlocks/status/817424122183434240></a>Twitter) : Türkei baut Google-Alternative mit „nationalen Werten“ Die Türkei soll an einer eigenen Suchmaschine und einem E‑Mail-Dienst arbeiten, die mit „nationaler Kultur und nationalen Werten“ vereinbar sind. Das meldet die Gruppe „Turkey Blocks“ und beruft sich auf ein Fernsehinterview des Kommunikationsministers Ahmet Arslan. Die Pläne sollen möglichst rasch umgesetzt werden und unter anderem dazu führen, dass die innerhalb der Türkei gespeicherten Daten besser ausgewertet werden können – wohl nicht nur für wirtschaftliche, sondern auch für Ermittlungszwecke.
In der Türkei kam es in den letzten Monaten zu umfassenden Verhaftungswellen sowie regelmäßigen Netzsperren, die sich gegen soziale Medien, Instant-Messenger, VPN-Dienste oder das Tor-Netzwerk richteten. Auch andere autoritäre Systeme wie China oder Russland setzen solche und ähnliche Maßnahmen ein, um die Kontrolle über ihre Bürger zu behalten. Zudem erinnert der Vorstoß von Arslan an einen Vorschlag der Kreml-nahen Natalya Kaspersky. Diese forderte sogar kürzlich, dass alle personenbezogenen Daten dem (russischen) Staat gehören sollten.
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: Türkei: Regierung blockiert Tor-Netzwerk
Über zum Beispiel Proteste soll sich die türkische Bevölkerung nicht mehr informieren dürfen. - <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/">CC BY-NC-ND 2.0</a> via flickr/<a href="https://www.flickr.com/photos/mhrono/9008077100/">matthrono</a> : Türkei: Regierung blockiert Tor-Netzwerk In der Türkei wird seit rund einer Woche das Tor-Netzwerk blockiert. Das berichtet die Gruppe „Turkey Blocks“, die staatliche Zensur im Internet überwacht. Turkey Blocks kommt zu dem Schluss, dass die türkischen Telekommunikationsanbieter dem Wunsch der Regierung nachgekommen sind, sogenannte VPN-Dienste zu blockieren. Mithilfe dieser Dienste ist es möglich, die staatliche Zensur durch eine geänderte IP-Adresse zu umgehen.
Bereits in der Vergangenheit wurden soziale Medien und zuletzt sogar Instant-Messenger von der Regierung blockiert. Die Blockade fand häufig in Bezug auf Ereignisse, wie zum Beispiel bei Protesten, statt. Mit VPN-Diensten und dem Anonymisierungsnetzwerk Tor ließ sich die Sperre in der Vergangenheit umgehen.
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: Frankreich: Wenn der Notstand zur Normalität wird
Im Rahmen der Operation Sentinelle sind seit letzem Jahr Soldaten im öffentlichen Raum präsent. - <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a> via Wikimedia/<a href="https://fr.wikipedia.org/wiki/Fichier:Strasbourg_op%C3%A9ration_Sentinelle_20_janvier_2015.jpg">Claude Truong-Ngoc</a> : Frankreich: Wenn der Notstand zur Normalität wird Seit mehr als einem Jahr befindet sich Frankreich im Ausnahmezustand – und eine Verlängerung bis Sommer 2017 ist so gut wie beschlossen. Der Notstand setzt Rechtsstaatlichkeit teilweise außer Kraft: Hausdurchsuchungen ohne richterliche Anordnung, Hausarreste und Demonstrationsverbote sind möglich. Bürgerrechtler fürchten den permanenten Notstand.
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Freedom on the Net Report 2016: Internetfreiheit weltweit auf dem Rückzug
Alle Grafiken aus <a href="https://freedomhouse.org/report/freedom-net/freedom-net-2016">Freedom on the Net 2016</a> Freedom on the Net Report 2016: Internetfreiheit weltweit auf dem Rückzug Zum sechsten Mal in Folge ist die Internetfreiheit weltweit gesunken. Mittlerweile leben zwei Drittel aller Internetnutzer in Ländern, in denen zensiert wird. Dies geht aus einem Report von Freedom House hervor, der 65 Länder untersuchte.
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: Verhaftungen von Oppositionspolitikern: Facebook, Twitter, YouTube und WhatsApp in der Türkei abgeschaltet
Zu den Verhafteten zählen die HDP-Vorsitzenden Selahattin Demirtaş und Figen Yüksekdağ. Foto: gemeinfrei / Yıldız Yazıcıoğlu : Verhaftungen von Oppositionspolitikern: Facebook, Twitter, YouTube und WhatsApp in der Türkei abgeschaltet Mit den Verhaftungen der Parteispitze und von Abgeordneten der linksliberalen HDP erreicht die Türkei eine neue Stufe auf dem Weg in die Diktatur. Damit spontane Proteste erschwert werden, blockiert die Regierung wieder einmal soziale Netzwerke und Medien. Erstmals in großem Stil betroffen ist auch der Messengerdienst WhatsApp.
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: Twitter-Transparenzbericht: Mehr Auskünfte, mehr Löschgesuche, mehr Copyright-Takedowns
Löschersuchen bei Twitter : Twitter-Transparenzbericht: Mehr Auskünfte, mehr Löschgesuche, mehr Copyright-Takedowns Die Türkei und Russland zensieren auf Twitter am Meisten, die USA sind Spitzenreiter in Informationsersuchen an das Unternehmen. Frankreich ist sowohl bei Löschersuchen wie auch bei Auskünften ganz oben mit dabei.
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: Türkei: Tweet für den Oberkommandanten
Pro-Erdogan-Demonstration am 24. Juli. Foto: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC-BY 2.0</a> <a href="https://www.flickr.com/photos/mtnorton/27909350633/sizes/h/">miketnorton </a> : Türkei: Tweet für den Oberkommandanten In der Nacht des Putschversuchs entdeckt der notorische Zensierer und Internet-Feind Erdogan plötzlich seine Liebe zu den sozialen Medien. In der Krisensituation sind sie ein wichtiger Kanal für den Machterhalt.
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: Türkei blockiert Twitter, Facebook und Youtube nach Terroranschlag
Beliebtes Streetart-Motiv, das bei den Gezi-Protesten in der Türkei auftauchte. Foto: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC-BY 2.0</a> <a href="https://www.flickr.com/photos/igb/9303779433/sizes/o/"> igb</a> : Türkei blockiert Twitter, Facebook und Youtube nach Terroranschlag Nach dem Anschlag auf den Atatürk-Flughafen hat die Regierung eine Nachrichtensperre verhängt. Sie betrifft unter anderem soziale Netzwerke, die landesweit blockiert werden.
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: Open Government Partnership: Türkei weiterhin dabei, Deutschland bald auch
: Open Government Partnership: Türkei weiterhin dabei, Deutschland bald auch Die Bundesregierung bewirbt sich um die Mitgliedschaft in der Open Government Partnership. Ob die Teilnahme Deutschlands an der Initiative erfolgreich wird, hängt von der Einbindung der Zivilgesellschaft ab.
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: Persönliche Daten von 50 Millionen Türken geleakt
(Tekdoner https://commons.wikimedia.org/wiki/File:TurkishFlag.jpg / Public Domain) : Persönliche Daten von 50 Millionen Türken geleakt Unter einer anonymen IP-Adresse wurden anscheinend die persönlichen Daten von knapp fünfzig Millionen türkischen Bürgern veröffentlicht. Neben der Nationalen Identitätsnummer und dem Vor- und Nachnamen sind auch die Namen der Eltern, das Geschlecht sowie Ort und Datum der Geburt aufgeführt. Außerdem sind der zugehörige Verwaltungsbezirk und die vollständige Adresse aufgelistet. Der Leak ging am Mittag des 3. Aprils online, die Hintergründe sind noch unklar. Wie Die Welt berichtet, enthält die verlinkte Datei tatsächlich eine SQL-Datenbank mit realen Personendaten türkischer Staatsbürger.
Exemplarisch aufgezeigt werden auf der Seite die persönlichen Informationen über Präsident Recep Tayyip Erdoğan, Ex-Präsident Abdullah Gül und Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu.
Die downloadbaren Daten werden mit folgenden einleitenden Worten kommentiert:
Who would have imagined that backwards ideologies, cronyism and rising religious extremism in Turkey would lead to a crumbling and vulnerable technical infrastructure?
Außerdem werden auf der Seite Lektionen erteilt, die die Türkei lernen solle:
Bit shifting isn’t encryption.
Index your database. We had to fix your sloppy DB work.
Putting a hardcoded password on the UI hardly does anything for security.
Do something about Erdogan! He is destroying your country beyond recognition.Türkei wird zum wiederholten Male Opfer ungewollter Datenabflüsse
Die Türkei wurde in der Vergangenheit des öfteren Opfer von Daten-Leaks. So wurden 2011 mehrere Regierungswebseiten durch das lose Hacker-Kollektiv Anonymous lahmgelegt. Die Aktion galt als Reaktion auf die Absichten der Türkei, tausende Internetseiten zu sperren.
2013 erbeutete das gleiche Kollektiv vertrauliche Daten von Mitarbeitern aus dem Büro des Ministerpräsidenten Erdoğan. Damit wollte man die damaligen regierungskritischen Proteste unterstützen.
Zuletzt wurde die Türkei im Dezember 2015 Opfer von Hacking-Angriffen. Damals wurden mehrere Server tagelang lahmgelegt. Viele Medien vermuteten Russland als Verantwortlichen für die organisierten Angriffe, um den Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei zu vergelten. Andere verdächtigten die Hackergruppe Anonymous, die in einem Video gedroht hatten, die Türkei für ihre angebliche Unterstützung des IS bestrafen zu wollen.
Die genauen Motive hinter dem aktuellen Daten-Vorfall sind noch völlig unklar. Die Aktion scheint gegen die Politik Erdoğans gerichtet zu sein, wie die zitierten Aufforderungen an die türkische Bevölkerung vermuten lassen. Kritikwürdig ist, dass die Verantwortlichen die Persönlichkeitsrechte von Millionen türkischen Bürgern ignorieren und deren mutwillige Verletzung für das noch unklare Statement in Kauf nehmen.
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: Türkei: YouTube-Sperre verstößt gegen Menschenrechte
Der Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg (Foto: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:European_Court_of_Human_Rights.jpg"> CherryX</a> / < a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode" > CC-by-sa 3.0) : Türkei: YouTube-Sperre verstößt gegen Menschenrechte Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof hat gestern die jahrelange Sperrung von YouTube durch türkische Behörden für rechtswidrig erklärt. Die drei Beschwerdeführer sind skeptisch, ob das Urteil etwas an der prekären Lage der Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei ändert.
Von Mai 2008 bis Oktober 2010 war in der Türkei der Zugang zu YouTube vollständig gesperrt. Grund hierfür waren zehn Videos, die nach Ansicht der Regierung das Andenken an den Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk verletzten. Die Beschwerdeführer, drei Juraprofessoren, zogen dagegen erfolglos vor türkische Gerichte und schließlich zur höchsten europäischen Instanz – dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof.
Die Richter*innen sehen in der Sperrung eine Verletzung der Meinungsfreiheit, wie sie in Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention niedergeschrieben ist (Urteil auf Französisch, Pressemitteilung auf Englisch). Die Kläger hätten glaubwürdig nachweisen können, dass ihr Recht auf Informationsfreiheit durch die jahrelange Sperrung verletzt worden sei. Bei der Videoplattform handele es sich um eine wichtige Informationsquelle für politische und soziale Themen, die in den herkömmlichen Medien nicht vorkommen würden.
Die Blockade von Webseiten gehört in der Türkei zur Tagesordnung, so ist auch die pessimistische Reaktion der Beschwerdeführer zu erklären. Sie sehen das Urteil als einen wichtigen Meilenstein in ihrem Kampf gegen Internetzensur und für Meinungsfreiheit an, hätten sich aber eine deutliche Kritik seitens der Richter am türkischen Gesetz Nr. 5651 gewünscht, sagten sie gegenüber dem Internet Policy Review. Das berüchtigte Gesetz legalisiert erstmals die Sperrung kompletter Websites und wird von Bürgerrechtler*innen kritisiert (Interview dazu bei uns).
In kaum einem demokratischen Land der Welt steht die Presse- und Meinungsfreiheit so auf dem Spiel wie in der Türkei. So wurden zwei Redakteure der erst vor zwei Wochen durch Reporter ohne Grenzen als „Medium des Jahres“ ausgezeichneten Tageszeitung Cumhuriyet aufgrund des Vorwurfs der Spionage und des Geheimnisverrats verhaftet. Bei Telepolis fasst Gerrit Wustmann diese und andere Verhaftungen und Anklagen der letzten Wochen zusammen.
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: Syrerin Zaina Erhaim ist Journalistin des Jahres
Zeina Erhaim ist Journalistin des Jahres 2015 : Syrerin Zaina Erhaim ist Journalistin des Jahres Reporter ohne Grenzen zeichnet die Syrerin Zaina Erhaim als Journalistin des Jahres 2015 aus. Mit weiteren Preisen wurden das äthiopische Blogger-Kollektiv Zone9 und die türkische Tageszeitung Cumhuriyet bei der Preisverleihung am Dienstagabend in Straßburg bedacht.
Zaina Erhaim wird für ihr Engagement in der Ausbildung von Bürgerjournalist*innen in Syrien geehrt. Die Preisträgerin war zuerst vor dem Bürgerkrieg aus ihrem Heimatland ins Ausland geflohen, dann aber 2013 zurückgekehrt um eine unabhängige Berichterstattung aus den umkämpften Gebieten aufzubauen. In der Folgezeit vermittelte sie fast 100 Syrern, davon ein Drittel Frauen, die Grundlagen journalistischen Arbeitens und die Arbeit mit unterschiedlichen Medienformaten.
Der Preis für die Bürgerjournalisten des Jahres 2015 geht an das junge äthiopische Blogger-Kollektiv Zone9. Sechs der regierungskritischen Journalisten waren Ende letzten Jahres von den Sicherheitsbehörden unter dem Vorwand terroristischer Aktivitäten verhaftet worden und kamen zum Teil erst im Oktober wieder frei.
Medium des Jahres 2015 ist die türkische Tageszeitung Cumhuriyet, die zu den wenigen kritischen und unabhängigen Stimmen in der von Repression und Zensur überzogenen türkischen Medienwelt gehört.
Disclaimer: Markus und Andre waren auf Grund der Ermittlungen wegen Landesverrat unter den Nominierten in der Kategorie „Journalist des Jahres“.
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: Türkei: Studie untersucht Wahrnehmung über Freiheiten im Internet
CC BY-NC 2.0 by <a href="https://www.flickr.com/photos/oraletosman/5723338022/" >Özgür Elbir</a> : Türkei: Studie untersucht Wahrnehmung über Freiheiten im Internet In den vergangenen Jahren stand die Türkei in der Kritik, vermehrt Online-Inhalte zu zensieren und restriktive Sperr- und Überwachungsrechte einzuführen. Eine im Oktober veröffentlichte Studie widmet sich der Wahrnehmung der Bürger_innen über diese Entwicklungen und hebt hervor, dass die Thematisierung von Freiheiten im Internet in der Türkei stark politisiert ist.
Die Türkei ist in Sachen Pressefreiheit und freies Internet nicht gerade ein leuchtendes Vorbild – das zeigt sich nicht zuletzt in den Rankings von Reporter ohne Grenzen und Freedom House. In der Rangliste der Pressefreiheit belegt die Türkei 2015 Platz 149 von 180, im Freedom of the Net Bericht (S.797) wird sie als „partly free“, also teilweise frei bewertet. Im Rahmen eines Projekts der Ohio State University und der Koç University in Istanbul wurde, in Zusammenarbeit mit dem Center for Global Communication Studies der University of Pennsylvania, die Wahrnehmung der türkischen Bürger_innen untersucht: Wie erleben und bewerten sie die Debatte über Freiheiten im Internet in der Türkei, und wie nutzen sie Internet und Social Media als alternative Informationsquellen inmitten einer zensierten Medienumgebung?
Für die Studie „Benchmarking Demand: Turkey’s Contested Internet“ (pdf) interviewten die Wissenschaftler_innen 1161 zufällig ausgewählte Menschen im Zeitraum vom 20. Dezember 2014 bis zum 2. Februar 2015. Diese wurden in drei Gruppen eingeteilt: Zu den Nicht-Nutzer_innen des Internets gehören vor allem ältere Frauen, die aus großen Haushalten mit geringem Einkommen stammen und die regierende AKP unterstützen. „Heavy Users“, die das Internet jeden Tag nutzen, sind hingegen zumeist jung, männlich, haben einen höheren Bildungsabschluss und unterstützen die größte Oppositionspartei CHP oder gar keine Partei. „Light Users“ nutzen das Internet zwei bis drei Mal in der Woche oder seltener und ähneln zwar den „Heavy Users“, bezeichnen sich jedoch als religiös und unterstützen mehrheitlich die AKP. Dies deckt sich mit anderen Daten: 40% der Nutzer_innen in der Türkei sind demnach zwischen 15 und 24 Jahre alt, 29% zwischen 25 und 34 Jahre alt. Laut einer Umfrage von 2014 geben 25% an, das Abitur gemacht zu haben, 52% der Nutzer_innen haben sogar einen Hochschulabschluss.
Bilge Yesil, Dozentin an der City University of New York, hat die wichtigsten Erkenntnisse der Studie erläutert. Die Ergebnisse machten vor allem deutlich, dass das freie Internet ein stark politisiertes Thema ist. Bürger_innen, die angeben das Internet sei „stark zensiert oder zensiert“ sind mehrheitlich Wähler_innen der Oppositionsparteien oder unterstützen keine Partei. 69% der Wähler_innen der CHP, 62% der HDP und 47% derer die keine Partei unterstützen, geben an, die Gewährleistung von Freiheiten im Netz sei gering in der Türkei. Im Gegensatz dazu geben 47% der AKP-Wähler_innen an, das Internet sei „sehr frei oder frei“ (Abb. 13, S. 26).
Recep Tayyip Erdoğan ließ in seiner damaligen Funktion als Ministerpräsident der Türkei im März 2014 Twitter abschalten und bezeichnete es 2013 als die „größte Bedrohung für die Gesellschaft“ – auch darüber hinaus wurde die Kritik an Social Media dafür genutzt, Restriktionen des Internets zu rechtfertigen. Bis Mai diesen Jahres wurden so 80.000 Webseiten gesperrt, in den vergangenen Jahren wurden immer weitreichendere Sperr- und Überwachungsrechte verabschiedet. Die Panikmache seitens der Regierung scheint Wirkung zu zeigen: nicht nur 38% der Nicht-Nutzer_innen, sondern auch 36% der „Light User“ und 32% der „Heavy User“ stimmen der Aussage zu, Social Media sei eine Gefahr für die Gesellschaft. Weiterhin geben 43% der Nicht-Nutzer_innen, 40 Prozent der „Light User“ und 36% der „Heavy User“ an, dass andere Staaten die sozialen Medien nutzen um die Türkei zu schwächen und zu destabilisieren (Abb. 4, S. 17). Dennoch sprechen sich 47% der Interviewten gegen die Twitter-Sperre aus, sowie 45% gegen die Sperrung von Youtube.
Interessant ist, dass obwohl 33% der Befragten zugeben, bestimmte Webseiten und Blogs aufgrund von Überwachung durch die Regierung zu meiden, nur 8% angeben, die Online-Sperren von 2014 „gelegentlich“ umgangen zu haben, 4% „oft“ und 5% „die ganze Zeit“ (Tabelle 7, S. 26; Abb. 19, S. 34).
Einig ist sich die Mehrheit der befragten Bürger_innen über die Zensur von Pornografie. Etwa 70%, darunter Nutzer_innen sowie Nicht-Nutzer_innen des Internets, befürworten das Zensieren von sexuell expliziten Inhalten (Tabelle 5, S. 22).Wie Bilge Yesil feststellt, ergeben sich aus der Studie interessante weiterführende Fragen, etwa wo die Bürger_innen das Internet nutzen, welche Filter sie anwenden (müssen) und wie sie dazu stehen, dass Nutzer_innen zunehmend für Online-Posts verhaftet werden. Auch sieht Yesil Parallelen zur Wahrnehmung von Freiheiten im Internet in Russland, vor allem in der Annahme, das Internet werde von anderen Ländern instrumentalisiert um dem eigenen Staat zu schaden. Was die Zensur bei Twitter betrifft, hat die Türkei Russland allerdings deutlich auf den zweiten Platz verbannt.
Anfang November startete Reporter ohne Grenzen die Timeline of censorship in Turkey, um Verletzungen der Presse- und Meinungsfreiheit zu dokumentieren. Das Material dafür scheint ihnen leider nicht auszugehen.
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: Türkischer Staat räumt auf: Britische Journalisten unter Terrorverdacht festgenommen, Fernsehsender geräumt
Pro-Kurdische Kundgebung 2011 in Diyarbakir <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">CC BY-SA 2.0</a> by <a href="https://www.flickr.com/photos/wgauthier/">William John Gauthier</a> : Türkischer Staat räumt auf: Britische Journalisten unter Terrorverdacht festgenommen, Fernsehsender geräumt In der Türkei wurden vergangenen Donnerstag die beiden für Vice tätigen britischen Journalisten Jake Hanrahan und Philip Pendlebury sowie deren irakischer Kontaktmann in der Stadt Diyarbakir festgenommen. In der Stadt leben mehrheitlich Kurden und Zazas. Die Festnahme erfolgte, als die Journalisten eine Auseinandersetzung zwischen örtlichen Sicherheitskräften und jugendlichen Anhängern der verbotenen Kurdischen Arbeiter Partei (PKK) filmten. Am Montag wurde dann offiziell Anklage wegen der Beteiligung an terroristischen Aktivitäten erhoben.
Grundlage für die Anklage ist anscheinend, dass der in der Türkei wohnende irakische Fixer der beiden britischen Journalisten auf seinem Privatlaptop ein Verschlüsselungssystem verwendet, das auch bei Mitgliedern des „Islamischen Staates“ zum Einsatz kommen soll. Der Vorsitzende der Anwältevereinigung der südtürkischen Stadt bezeichnete die Festnahmen als lächerlich. Er führte die Festnahmen auf das Filmen von Ausschreitungen zwischen pro-kurdischen Aktivisten und der Polizei zurück:
„I find it ridiculous that they were taken into custody. I don’t believe there is any accuracy to what they are charged for. To me, it seems like an attempt by the government to get international journalists away from the area of conflict. These people have obviously been in contact with YDG‑H members [the youth wing of the PKK] because of their jobs, because they are covering stories. This might not have been welcomed by the security forces.“
Der europäische Vice-Programmchef Kevin Sutcliffe sprach in einem Statement von haltlosen und alarmierend falschen Anschuldigungen. Sutcliffe forderte die sofortige Freilassung der Journalisten. Eine Sprecherin der Europäischen Union verurteilte die Festnahmen ebenfalls.
Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, dass die Ermittlungen aufgenommen wurden, nachdem Hinweise eingingen, dass drei ausländische Journalisten für den Islamischen Staat rekrutieren würden. Die Polizei fand bei Hanrahan und Pendlebury Videomaterial von maskierten Mitgliedern der Jugendorganisation der PKK und Notizen zu der Organisationsstruktur der PKK.
Dies war aber nicht das einzige Vorgehen gegen kritische Journalisten in der Türkei. Am Dienstag, also einen Tag nach der Anklageerhebung gegen die Journalisten in Diyarbakir, durchsuchte die Polizei die Räumlichkeiten von Koza-Ipek Media in Ankara. Koza-Ipek Media steht der Gülen-Bewegung nahe, rund um deren Oberhaupt Fethullah Gülen, der als Kritiker Erdogans gilt.
Die Durchsuchungen geschahen nur Stunden, nachdem in einer der Publikationen des Verlages Bilder abgedruckt wurden, auf denen zu sehen sein soll, wie von der Türkei aus militärisches Material in den „Islamischen Staat“ verschoben worden sein soll. Die türkische Regierung hat mehrfach abgestritten, den „Islamischen Staat“ zu unterstützen.